Chancengleichheit braucht Aktivität – Anti ... - Migration-online

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Chancengleichheit braucht Aktivität – Anti ... - Migration-online

Der Ordner behandelt die Ursachen und Formen

illegaler Beschäftigung, zeigt die Ausmaße,

benennt Gewinner und Verlierer und

gibt letztendlich Lösungsvorschläge. Außerdem

werden FAQs (frequent asked questions

– häufig gestellte Fragen) beantwortet. Eine

dieser Fragen ist beispielsweise: „Gibt es

auch in anderen Branchen solch ein hohes

Maß an Arbeitslosigkeit und Konkurrenz?“

–„Ja, aber andere Branchen können ihre

Produktion ins Ausland verlagern“, heißt die

dazugehörige Antwort. Beispielsweise werden

Schiffe nicht in Norddeutschland hergestellt,

sondern in Südkorea. Die Baubranche

kann ihre Produktion nicht einfach

nach Rumänien oder Südamerika verlagern,

also holen sich einige Unternehmer Beschäftigte

illegal nach Deutschland. Zuletzt kann

man in dem Ordner noch ein Stichwortverzeichnis

mit 40 bis 50 Einträgen finden,

das wichtige, wiederkehrende Worte noch

einmal ausführlich erklärt.

Herzstücke des Ordners sind das so genannte

„warm up“, in dem die illegale Beschäftigung

zu Beginn des Unterrichts als Thema

eingeführt wird, und das Quiz. Eine unterhaltsame

Form der Vermittlung von trockenen

Zahlen, Fakten und Hintergründen:

Umfang und Strafbarkeit illegaler Beschäftigung,

gesetzliche Regelungen, Lohngefälle

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11 Bau auf mich – Für Demokratie und Courage

in Deutschland und Europa, wobei beispielsweise festgestellt wird,

dass es nicht die abhängigen, irr- oder regulär Beschäftigten sind,

die am Bau reich werden. Eine Quizfrage lautet zum Beispiel: “Was

müssen Entsendearbeiter aus Osteuropa mindestens als Vergütung

erhalten?“ Die Antwort darauf ist: „Entsendearbeiter aus Mittel-

Ost-Europa-Staaten (MOE-Staaten), müssen mindestens den deutschen

Nettotariflohn erhalten.“ Dieser Fakt ist kaum jemandem

bekannt. Die damalige Bundesregierung hatte das eingeführt, um

einen relativ hohen Lohn für 30.000 bis 40.000 Entsendearbeiter

zu gewährleisten, die damals ins Land kamen, um Lohnkonkurrenz

zu verhindern. Zahlt der Arbeitgeber nicht den Mindestlohn, handelt

er ordnungswidrig und ihm droht der zeitweilige Ausschluss

von der Vergabe öffentlicher Aufträge.

Ein weiterer Bestandteil des Ordners ist der klassische Frontalunterricht:

Eine theoretische Wissensvermittlung, mit insgesamt vier inhaltlichen

Themenblöcken. Die Blöcke sind illegale Beschäftigung,

Lohn- und Sozialdumping, ausländische Beschäftigte und zuletzt

Lohndumping im Ausland. Ein Beispiel aus dem Block illegale Beschäftigung

ist, dass illegale Beschäftigung häufig mit Schwarzarbeit

gleichgesetzt wird, was aber fasch ist, denn Schwarzarbeit ist

nur eine mögliche Form. Illegale Beschäftigung findet auf

Arbeitnehmerseite unter anderem in Form von Leistungsmissbrauch

und Schwarzarbeit, auf der Arbeitgeberseite in Form von illegaler

Arbeitnehmerüberlassung, Verstöße gegen das Arbeitnehmerentsendungsgesetz,

Steuerdelikten und Beitragshinterziehung statt.

Gemeinsam strafbar machen sie sich zum Beispiel durch Scheinselbständigkeit.

Die Resonanz auf den Ordner, von den LehrerInnen

und TeilnehmerInnen der Wochen- und Wochenendschulungen zum

Thema Rechtsextremismus, war durchweg positiv. Die Jugendlichen

– so der Tenor –würden wirklich etwas daraus lernen.

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