Bildende Kunst und Literatur

lalegion.pictures.com

Bildende Kunst und Literatur

Eine Kindheitserinnerung des Leonardo da Vinci

lich, ihn das beichten zu machen, obwohl ich davon eine wahre Sicherheit

hatte (Randnote: 4 Lire …).« So geht der Bericht über die Missetaten

des Kleinen weiter und schließt mit der Kostenrechnung: »Im ersten

Jahr, ein Mantel, Lire 2; 6 Hemden, Lire 4; 3 Wämser, Lire 6; 4 Paar

Strümpfe, Lire 7 usw.« 1

Die Biographen Leonardos, denen nichts ferner liegt, als die Rätsel im

Seelenleben ihres Helden aus seinen kleinen Schwächen und Eigenheiten

ergründen zu wollen, pflegen an diese sonderbaren Verrechnungen eine

Bemerkung anzuknüpfen, welche die Güte und Nachsicht des Meisters

gegen seine Schüler betont. Sie vergessen daran, daß nicht Leonardos

Benehmen, sondern die Tatsache, daß er uns diese Zeugnisse desselben

hinterließ, einer Erklärung bedarf. Da man ihm unmöglich das Motiv

zuschreiben kann, uns Belege für seine Gutmütigkeit in die Hände zu

spielen, müssen wir die Annahme machen, daß ein anderes, affektives

Motiv ihn zu diesen Niederschriften veranlaßt hat. Es ist nicht leicht zu

erraten, welches, und wir würden keines anzugeben wissen, wenn nicht

eine andere unter Leonardos Papieren gefundene Rechnung ein helles

Licht auf diese seltsam kleinlichen Notizen über Schülerkleidungen

u. dgl. würfe:

»Auslagen nach dem Tode zum Begräbnis der Katharina 27 florins

2 Pfund Wachs 18 „

Für das Tragen und Aufrichten des Kreuzes 12 „

Katafalk 4 „

Leichenträger 8 „

An 4 Geistliche und 4 Kleriker 20 „

Glockenläuten 2 „

Den Totengräbern 16 „

Für die Genehmigung – den Beamten 1 „

Summa 108 florins

Frühere Auslagen:

Dem Arzt 4 florins

Für Zucker und Lichte 12 „ 16 „

Summa Summarum 124 florins« 2

1 Der volle Wortlaut bei Herzfeld (1906, XLV).

2 Mereschkowski (1903, 372. – Als betrübenden Beleg für die Unsicherheit der ohne-

dies spärlichen Nachrichten über Leonardos intimes Leben erwähne ich, daß die gleiche

Kostenrechnung bei Solmi (1908, 104) mit erheblichen Abänderungen wiedergegeben ist.

Am bedenklichsten erscheint, daß die Florins in ihr durch Soldi ersetzt sind. Man darf

129

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine