Bildende Kunst und Literatur

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Bildende Kunst und Literatur

Der Moses des Michelangelo

Fig. 2 Fig. 3

Ich habe mir von Künstlerhand drei Zeichnungen machen lassen, welche

meine Beschreibung verdeutlichen sollen. Die dritte derselben gibt die

Statue wieder, wie wir sie sehen; die beiden anderen stellen Vorstadien

dar, welche meine Deutung postuliert, die erste das der Ruhe, die zweite

das der höchsten Spannung, der Bereitschaft zum Aufspringen, der Ab-

wendung der Hand von den Tafeln und des beginnenden Herabgleitens

derselben. Es ist nun bemerkenswert, wie die beiden von meinem Zeich-

ner ergänzten Darstellungen die unzutreffenden Beschreibungen früherer

Autoren zu Ehren bringen. Ein Zeitgenosse Michelangelos, Condivi,

sagte: »Moses, der Herzog und Kapitän der Hebräer, sitzt in der Stel-

lung eines sinnenden Weisen, hält unter dem rechten Arm die Gesetzes-

tafeln und stützt mit der linken Hand das Kinn (!), wie einer, der müde

und voll von Sorgen.« Das ist nun an der Statue Michelangelos nicht zu

sehen, aber es deckt sich fast mit der Annahme, welche der ersten Zeich-

nung zugrunde liegt. W. Lübke hatte wie andere Beobachter geschrieben:

»Erschüttert greift er mit der Rechten in den herrlich herabflutenden

Bart …« Das ist nun unrichtig, wenn man es auf die Abbildung der

Statue bezieht, trifft aber für unsere zweite Zeichnung zu. Justi und

Knapp haben, wie erwähnt, gesehen, daß die Tafeln im Herabgleiten

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