Bildende Kunst und Literatur

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Bildende Kunst und Literatur

Bildende Kunst und Literatur

beiführt, können sich doch ermäßigen zu kurzen Absenzen, zu bloßen

rasch vorübergehenden Schwindelzuständen, können sich ersetzen durch

kurze Zeiten, in denen der Kranke, wie unter der Herrschaft des Un-

bewußten, etwas ihm Fremdartiges tut. Sonst in unfaßbarer Weise rein

körperlich bedingt, können sie doch ihre erste Entstehung einem rein

seelischen Einfluß (Schreck) verdankt haben oder weiterhin auf see-

lische Erregungen reagieren. So charakteristisch die intellektuelle Herab-

setzung für die übergroße Mehrzahl der Fälle sein mag, so ist doch

wenigstens ein Fall bekannt, in dem das Leiden intellektuelle Höchst-

leistungen nicht zu stören vermochte (Helmholtz). (Andere Fälle, von

denen das gleiche behauptet wurde, sind unsicher oder unterliegen den-

selben Bedenken wie Dostojewski selbst.) Die Personen, die von der

Epilepsie befallen sind, können den Eindruck von Stumpfheit, behin-

derter Entwicklung machen, wie doch das Leiden oft greifbarste Idiotie

und größte Hirndefekte begleitet, wenn auch nicht als notwendiger Be-

standteil des Krankheitsbildes; aber diese Anfälle finden sich mit allen

ihren Variationen auch bei anderen Personen vor, die eine volle see-

lische Entwicklung und eher übergroße, meist ungenügend beherrschte

Affektivität bekunden. Kein Wunder, daß man es unter diesen Um-

ständen für unmöglich findet, die Einheit einer klinischen Affektion

»Epilepsie« festzuhalten. Was in der Gleichartigkeit der geäußerten

Symptome zum Vorschein kommt, scheint eine funktionelle Auffassung

zu fordern, als ob ein Mechanismus der abnormen Triebabfuhr orga-

nisch vorgebildet wäre, der unter ganz verschiedenen Verhältnissen in

Anspruch genommen wird, sowohl bei Störungen der Gehirntätigkeit

durch schwere gewebliche und toxische Erkrankung als auch bei unzu-

länglicher Beherrschung der seelischen Ökonomie, krisenhaftem Betrieb

der in der Seele wirkenden Energie. Hinter dieser Zweiteilung ahnt man

die Identität des zugrunde liegenden Mechanismus der Triebabfuhr.

Derselbe kann auch den Sexualvorgängen, die im Grunde toxisch ver-

ursacht sind, nicht fernestehen; schon die ältesten Ärzte nannten den

Koitus eine kleine Epilepsie, erkannten also im sexuellen Akt die Mil-

derung und Adaptierung der epileptischen Reizabfuhr 1 .

Die »epileptische Reaktion«, wie man dies Gemeinsame nennen kann,

stellt sich ohne Zweifel auch der Neurose zur Verfügung, deren Wesen

darin besteht, Erregungsmassen, mit denen sie psychisch nicht fertig-

wird, auf somatischem Wege zu erledigen. Der epileptische Anfall wird

1 [Vgl. den Schlußabschnitt der früheren Arbeit Freuds Allgemeines über den hysteri-

schen Anfall. (1909 a).]

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