AC Mk VI Wiedergeburt des Originals. Der brachiale ... - Cartech

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AC Mk VI Wiedergeburt des Originals. Der brachiale ... - Cartech

faszination

starkes

comeback

AC Mk VI Wiedergeburt des

Originals. Der brachiale

Roadster aus den 60ern

wird wieder mit offiziellem

Segen gebaut. Mit standesgemässem

V8 und neuer

Technik in Ostdeutschland.

140 auto ILLUSTRIERTE 9/10

Was für ein durch Mark und Bein

gehender Sound, was für eine

atemberaubende Show. Wo immer

man mit dem AC Mk VI auftaucht, geniesst

man ein Bad in der Menge. Dabei

zeigt sich die Volksseele freundlich. Der

extrovertierte Roadster kommt in einer

gegenüber Exoten sensiblen Zeit sozialverträglich

rüber. Er verkörpert längst vergangene

automobile Freiheit, ist trotz unverhohlener

Aggressivität für viele ein Klassiker

der kühnsten Träume. Man erntet keine

bösen Blicke, keine Missgunst, einfach nur

offene Bewunderung und Interesse.

Kein Wunder: Der AC Mk VI ist eine

rollende Legende, von neuen Besitzern der

englischen Traditionsmarke neu aufgelegt.

Er besitzt das Charisma der legendären AC

Cobra, verfügt über moderne Technik, ge-

niesst den Status eines unproblematischen

Neuwagens und ist im Vergleich zum Original

beinahe ein Schnäppchen. Ab rund

104 000 Euro plus Mehrwertsteuer soll er

kosten, wenn die Schweizer Zulassung abgeschlossen

und der erste sogenannte

Flagship Store der Schweiz in Chur beim

Spezialisten Rusconi & Ulz eröffnet ist.

In freier Wildbahn flösst der urwüchsige

Roadster enormen Respekt ein. Seine pragmatische

Form assoziiert man mit raubeinigem

Temperament und einem kaum zu

bändigenden Fahrverhalten. Die bullige

Urform mit den geschwungenen Kotflügeln,

die lange Motorhaube mit der ovalen,

schmucklosen Kühleröffnung, die aufgesetzte,

fast gerade Frontscheibe mit den

Windabweisern und schliesslich der verchromte,

nur dem Fahrer dienliche Über-

Fotos: RichaRd MeineRt

Im reIch der SInne Das sorgfältig verarbeitete Lederinterieur verströmt ein Gefühl von Luxus.

Alles erinnert an die legendären Cobras der 60er. Die Armaturen sind zentral angeordnet und die

Sitzschalen mit Hosenträgergurten müssen wie beim Original ohne Nackenstützen auskommen.

9/10 auto ILLUSTRIERTE 141


ollbügel provozieren offene Mäuler. Ganz

zu schweigen von den armdicken Seitenauspuffen.

Tatsächlich ist die Neuauflage

der legendären, nur 341 Mal gebauten,

amerikanischen AC Cobra 427 aus den

Jahren 1965/66 nichts für Warmduscher,

wenngleich das hochwertig verarbeitete

Interieur viel Liebe zum Detail beweist und

den Anschein von Luxus erweckt.

Dach? Fehlanzeige. Die AC Mk VI verfügt

wie das Original nur über eine zweiteilige

Spritzdecke nach dem Vorbild klassischer

Roadster. Da muss man durch, auch

wenn ein veritables Gewitter dem Donner-

grollen des Mk VI Konkurrenz macht.

Schwamm drüber.

Der Mk VI ist ein Sportler von echtem

Schrot und Korn. Authentisch und hartgesotten.

Die gewölbten Alupedale mit AC-

Logo lieben es, getreten zu werden. Die

Nadel des Drehzahlmessers galoppiert dabei

nach original britischer Manier im Gegenuhrzeigersinn.

Und den Radio können

Sie ausser beim Promenieren vergessen. Zu

dominant ist der Sound aus den Seitenrohren.

Super-Surround-Sound live, wie beim

Katastrophenfilm! Man fühlt sich mitten im

Inferno, zum Beispiel auf der klassischen

Sitze ohne Dach:

Ein Cobra-Revival mit

maximaler Freiheit.

Rennpiste von Sebring in Florida, wo die

einstigen Cobras von Caroll Shelby Rennsportgeschichte

geschrieben haben.

Wer nun glaubt, der in Sachen Leistungsgewicht

kompromisslose Supersportler

lasse mit seinem Brachialsound alle

Scheiben der Nachbarn klirren, irrt. Das

klangliche Stereo-Erdbeben produziert nur

bei den Insassen reichlich Adrenalin, von

aussen verpuffen die tiefen Frequenzen zu

einem freundlichen Brummen.

Einst wurde dieses von Ford-Aggregaten

produziert. Die Neuauflage vertraut auf

Triebwerke und ein manuelles 6-Gang-

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AuS dem Vollen Im Gegensatz zu den einstigen Originalen verfügen die jährlich in rund 100

Einheiten produzierten AC Mk VI über V8-Aggregate und Getriebe aus der aktuellen Corvette.

Zur Wahl stehen der V8 der Z06 (437 PS) oder der aufgeladene 6,2-Liter-V8 der ZR1 (647 PS).

Getriebe aus der aktuellen Corvette. Der

von uns getestete GT verfügt über den Siebenliter

der Z06. Der 129 000 Euro teure

GTS mit 647 PS wird vom aufgeladenen

6,2-Liter-V8 der ZR1 befeuert.

Auch mit dem schwächeren Aggregat

verblüfft der AC mit gewaltiger Kraftentfaltung

und gutem Fahrverhalten. Selbst auf

der Rennstrecke macht der britische Amerikaner

aus deutschen Landen eine hervorragende

Figur. Pilotiert von Rennprofi

Fredy Barth klebt der Roadster am Heck

eines Audi R8 V10. Und nach dem heissen

Ritt entsteigt die Crew dem AC mit breitem

Grinsen. So macht Autofahren Spass. Da ist

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dAch? FehlAnzeIGe! Wer

in einen Regenguss gerät,

muss wahre Grösse zeigen

und die Nässe tapfer ertragen.

Nur fürs Parkieren gibt

es im kleinen Kofferabteil

eine klassische, zweiteilige

Spritzdecke. Auf Wunsch

ist aber zur Not auch ein

Hardtop lieferbar.

nichts weich gespült. Man spürt die Kraft

aus jeder Pore und muss sie mit ganzem

Können bändigen. Da gibt es kein ESP,

keine Schlupfregelung. Nur ein Sperrdifferenzial

für noch besseren Vortrieb.

Auch die Radaufhängungen sind vom

Feinsten. Hier greift moderner Rennwagenbau

mit Push-Rod-Aufhängungen und

horizontalen Feder-/Dämpfereinheiten.

Auch die Bremsen von Porsche sind auf der

Höhe der Zeit. Mit dem Leichtgewicht des

Mk VI haben sie leichtes Spiel. Er bringt

weniger als eine Tonne auf die Waage.

Leichtfüssig lässt sich der Zweisitzer um

Kurven jagen. Zumal der deutlich hinter

der Vorderachse montierte V8 für eine

ideale Achslastverteilung sorgt. Auch in

Sachen Verwindung verdient sich der neue

AC gute Noten. Das Chassis besteht aus einem

klassischen Stahlprofilrahmen. Die

offene Karosserie ist aus Aluminium, partiell

verstärkt durch Verbundwerkstoffe.

Das Original ist zurück. Die neue Partnerfirma

Gullwing GmbH in Heyda bei

Dresden baut die neuen AC mit hoher Fertigungsqualität.

Dazu hegt man mit weiteren

Modellreihen ernsthaft Zukunftspläne,

um der Marke mit allem Drum und Dran

wieder neues Leben einzuhauchen. f

steFan LüscheR

Technische DaTen

Ac mk VI

Preis ab Euro 104 000 zzgl. MwSt.

Zyl./Hubraum V8/6162 cm 3

Leistung 321 kW/436 PS bei 4600/min

Drehmoment 585 Nm bei 4600/min

0 bis 100 km/h (Test/Werk) 4,1/3,7 s

0 bis 160 km/h (Test) 8,4 s

Spitze 278 km/h

Norm-Mix (MVEG) k. A. Benzin

moTor

Bohrung x Hub 103,2 x 92 mm

Verdichtung 10,7:1

Nockenwellen 1 (zentral)

Ventile pro Zyl. 2

Motorkonzept Sauger

krAFTÜBerTrAGunG

Antrieb Hinterrad, Differenzialsperre

Getriebe/Gangzahl manuell/6

FAhrWerkSkomponenTen

Chassis Rohrrahmen

vorne/hinten doppelte Dreieckquerlenker,

Schraubenfedern, Stabilisator

Bremsen 4 bel. Scheiben

Lenkung Zahnstange, Servo

Wendekreis 11 m

Räder (Alu) v. 8,5 x 17", h. 10,5 x 17"

Reifen

kAroSSerIe

v. 235/45 R 17, h. 275/40 R 17

Türen/Plätze 2 / 2

Länge/Breite/Höhe 410/180/113 cm

Radstand 232 cm

Kofferraum/Tank 250/71 l

Gewicht/Verteilung 990 kg

Leistungsgewicht 2,27 kg/PS

emISSIonen

CO -Ausstoss 2 k. A.

Effizienzklasse k. A.

Vertrieb AC Cars Switzerland,

www.AC-cars.ch, Tel. 041 766 26 88

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