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Rundbrief 2009 - Deutsches Archäologisches Institut

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DEUTSCHES ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT<br />

ABTEILUNG KAIRO<br />

Januar 2010<br />

R U N D B R I E F<br />

1. Grabungen und Unternehmungen der Abteilung<br />

Elephantine………………………………………………………………………………………… 1<br />

Assuan: Islamische Nekropole…………………………………………..………………………… 4<br />

Assuan: Bohrsurvey in Gharb-Assuan…………………………………………………………….. 5<br />

Assuan: Felsinschriften von Shellal und Bigga………………………………..……………………6<br />

Theben-West: Dra‘ Abu el-Naga – Nekropole…………………………………………………….. 8<br />

Theben-West: Dra‘ Abu el-Naga – Spätantike Klosteranlage Deir el-Bachit……………………... 12<br />

Theben-West: Kom el-Hettân – Totentempel Amenophis’ III. …………………………………… 14<br />

Abydos/Umm el-Qaab: Frühdynastische Königsgräber…………………………………………… 17<br />

Abydos/Umm el-Qaab: Osiriskult……………………………………………..………………….. 20<br />

Dahschur ………………………………………………………………………………………….. 21<br />

Saqqara…………………………………………………………………………………………….. 26<br />

Tell el-Fara‘in/Buto………………………………………………………………………………... 28<br />

Siwa………………………………………………………………………………………………... 30<br />

Kupferversorgung im prädynastischen Ägypten ………………………………………………...... 33<br />

Altägyptische Architekturmodelle…………………………………………………………………. 33<br />

Geschichte der Abteilung Kairo…………………………………………………………………… 35<br />

2. Veröffentlichungen der Abteilung……………………………………………………………… 35<br />

3. Publikationen,Vorträge und Lehrveranstaltungen von Mitarbeitern der Abteilung…..……...…36<br />

4. Weitere Mitteilungen…………………………………………………………………………… 38<br />

5. Ägyptische Altertümerverwaltung und Museen………………………………………………... 41<br />

1. Grabungen und Unternehmungen der Abteilung<br />

Elephantine<br />

Die 38. Grabungs-, Aufarbeitungs- und Restaurierungskampagne auf Elephantine fand mit einer<br />

Unterbrechung vom 29.10. bis zum 15.12.2008 und vom 8.1. bis zum 4.4.<strong>2009</strong> statt. Wie schon in den<br />

vergangenen Jahren wurden die Arbeiten gemeinsam mit dem Schweizerischen <strong>Institut</strong> für Ägyptische<br />

Bauforschung und Altertumskunde durchgeführt.<br />

Die Grabungen im Gebiet zwischen dem Satettempel und dem Heiligtum des Heqaib (Bereich<br />

XVIII) im Rahmen des DAI-Forschungsclusters 4 „Heiligtümer und Rituale“ konnten mit der<br />

Frühjahrskampagne im Februar <strong>2009</strong> abgeschlossen werden: Die Stadtmauer der 2. Dynastie setzte an<br />

der Nordecke der frühdynastischen Festung an und umschloss den westlich von ihr liegenden<br />

Satettempel samt der hinter diesem liegenden Granitformation (Abb. 1). Von dieser Stadtmauer war<br />

auch ein aus Granitplatten gesetztes Turmfundament erhalten.<br />

Von der weiter südlich hinter der Stadtmauer liegenden Siedlung waren besonders die Strukturen<br />

der fortgeschrittenen 2. Dynastie (um 2750 v. Chr.) mit mehr als 1m hoch anstehenden<br />

Lehmziegelmauern gut erhalten. Ein ungewöhnlich konstruierter, aus zwei Schalen gebildeter Ofen<br />

(Abb. 2) könnte mit der Nahrungsmittelherstellung in Verbindung stehen. Seine geringe Verziegelung<br />

spricht gegen eine Nutzung als Fayence- oder Keramikbrennofen. In Bereich XVIII läßt sich die<br />

Entwicklung der Bebauung über 200 Jahre mit sieben Umbauten und Renovierungen von der 2. bis zur<br />

4. Dynastie verfolgen (2750-2550 v. Chr.). Auffallend reich sind die Funde an Steingefäß- und<br />

Siegelfragmenten. Von den wenig mehr als 300 Steingefäßen und -fragmenten aus der Frühzeit und<br />

1


Abb. 1: Bereich XVIII; Satettempel, Siedlung und Stadtmauer mit Turmfundament der mittleren<br />

2. Dynastie<br />

dem Alten Reich, die bislang auf Elephantine gefunden wurden, stammt 1/3 aus dem räumlich kleinen<br />

Bereich XVIII. Zahlreiche Artefakte aus organischen Materialien, wie (Salb-?)Löffel und Rollsiegel,<br />

konnten geborgen werden. Hierzu gehören auch Fragmente von Holzpfeilen. Ihre Verwendung in der<br />

Frühzeit konnte bisher nur<br />

vermutet werden, weil auf der<br />

Insel trotz der Grenzlage und<br />

einer Festung bislang kaum<br />

Waffen gefunden wurden.<br />

In der späteren 5. Dynastie<br />

(um 2400 v. Chr.) wird eine<br />

neue Stadtumfassung auf<br />

einem gut 1,6m hohen<br />

Fundament aus Granitplatten<br />

errichtet. Im weiteren Zuge<br />

einer Restrukturierung des<br />

Stadtgebietes wird diese Mauer<br />

noch in der frühen 6. Dynastie<br />

(ca. 2350) überbaut und das<br />

gesamte Gelände planiert.<br />

Dazu werden die Siedlungs-<br />

und Tempelschichten der 5.<br />

Abb. 2: Bereich XVIII; Ofen der späteren 2. Dynastie<br />

2<br />

Dynastie abgetragen und in die<br />

Senke gefüllt, um eine ebene<br />

Fläche für die neue Bebauung<br />

zu erhalten. In diesen bis zu 6m hohen Schüttungen wurden wie auch in den vergangenen Jahren<br />

zahlreiche Artefakte aus dem Satettempel gefunden. Dazu gehören Kultkeramik und Figurinen (Abb.<br />

3), wie sie bislang ausschließlich aus der Tempelnische des 3. Jts. v. Chr. stammen.<br />

Im Frühjahr wurde die Schutträumung in den südwestlichen Siedlungsflächen des Tells innerhalb<br />

des Stadtgebietes fortgesetzt. Wie im vergangenen Jahr wurden neben weiteren gestempelten Ziegeln<br />

des Königs Ini (23. Dynastie, um 735 v. Chr.) eine Anzahl von Relief- und Inschriftfragmenten eines<br />

Tempels des Mittleren Reiches gefunden. Ihre Untersuchung konnte die Existenz eines aus Kalkstein<br />

errichteten Chnumtempels Sesostris´I. wahrscheinlich machen (Abb. 4). Die Fragmente belegen die<br />

Existenz einer Fassadeninschrift, wie sie auch vom Satettempel des gleichen Königs bekannt ist sowie


Abb. 3: Bereich XVIII; Fayencefigurine<br />

einer weiblichen Person aus den<br />

Schüttungen im Zuge der Stadtmauererneuerung<br />

der frühen 6. Dynastie<br />

reliefierte Flächen verschiedener Formate und folgende<br />

Dekorationstätigkeiten innerhalb des Mittleren Reichs.<br />

Die Arbeiten des Schweizerischen <strong>Institut</strong>s wurden an<br />

den Stadtmauern im südlichen Stadtgebiet und im Bezirk<br />

des Chnumtempels fortgesetzt.<br />

Im Gegensatz zum 3. Jahrtausend inkorporiert die<br />

Stadtmauer der folgenden Zeiten das Gebiet der vormaligen<br />

Nekropole des Alten Reichs. Die in früheren Kampagnen<br />

freigelegten Mauerzüge A-B mit der vorläufigen Annahme<br />

eines Datums im Mittleren Reich und in der 3.<br />

Zwischenzeit sowie den späteren Phasen C-E werden<br />

derzeit erneut untersucht. Die Annahme einer Errichtung<br />

der ersten Phase durch Sesostris I. konnte korrigiert<br />

werden: Die Keramikfunde unterstützen einen Ansatz im<br />

späten Mittleren Reich. In ihrem Vorfeld wurde eine<br />

weitere massive Steinsetzung, möglicherweise eine<br />

glacisartige Struktur, auf dem abfallenden Flussufer<br />

festgestellt. Die Schichten, die diesen Mauerzug<br />

überdeckten, datieren von der frühen 18. Dynastie bis in die<br />

3. Zwischenzeit und unterstützen die Annahme eines<br />

Abrisses des ersten Befestigungswerkes zum Ende der 2.<br />

Zwischenzeit. Ein weiterer Mauerzug (F), außerhalb der<br />

spätesten Befestigung vorgesetzt, kann nicht später als in<br />

die beginnende Ptolemäerzeit datiert werden.<br />

Innerhalb des Chnumtempelbezirks wurde die Untersuchung der spätantiken Bebauung und ihrer<br />

Vorläuferschichten fortgesetzt. Südlich des Tempelhauses konnten im Bereich des Hofes des<br />

Gebäudes K20 im 6. Jh. wie im Vorjahr umfangreiche Abfälle aus einer Metallwerkstatt in Gestalt<br />

zerschlagener Gussformen identifiziert<br />

werden. Nördlich und nordwestlich<br />

des Tempelhauses Nektanebos<br />

II. wurde die Stratigraphie<br />

vervollständigt. Anders als im<br />

Süden und Westen des Tempelhauses<br />

ist die innere Umfassungsmauer<br />

des Tempels dort erst<br />

zum Ende des 6. Jh. angegriffen<br />

worden (Stratum 01). Noch im 7.<br />

Jh. (Stratum 02) müssen beträchtliche<br />

Teile des nordöstlichen Tempelhauses<br />

und der ptolemäischen<br />

Vorhalle aufrecht gestanden haben.<br />

In dieser Zeit wurde die kleine<br />

Kirche T43 errichtet. Im 9. Jahr-<br />

hundert (Stratum 03), die letzten<br />

Reste des Tempelhauses waren nun<br />

schon völlig abgebaut, wird die<br />

Abb. 4: Chnumtempel des Mittleren Reiches, Fragment der Kartusche<br />

Sesostris I.<br />

Kirche einer vergrößerten Neugestaltung unterzogen und erreicht nun eine Länge des Schiffes von<br />

immerhin 11m.<br />

Im Rahmen der Vervollständigung bestehender Aufnahmen zur anstehenden Publikation wurde in<br />

dieser Kampagne die Aufnahme des Fundaments des Satettempels des Neuen Reiches begonnen.<br />

Zudem wurden die Tempelrelieffunde des vergangenen Jahres aus dem nubischen Dorf aufgenommen,<br />

die Restaurierung der Holzsäulen aus der Großküche des späten 3. Jts. v. Chr. weitergeführt und die<br />

3


epigraphische Aufarbeitung der Oberflächenfunde des 2. und 1. Jts. v. Chr. sowie die Untersuchungen<br />

der Rollsiegel des Alten Reichs, der Keramik des Mittleren Reichs, der Tierknochen und zur Botanik<br />

und Paläopathologie fortgesetzt. Das Schweizerische <strong>Institut</strong> setzte die Bearbeitung der Keramik des<br />

Neuen Reichs und der Spätantike fort.<br />

Teilnehmer an den Kampagnen waren D. Raue, P. Kopp, C. von Pilgrim, F. Arnold, J. Auenmüller, L. Bertini, B.<br />

Billson, A. Blöbaum, M. Brooker, J. Budka, R. Colman, M. de Dapper, E. Delange, N. Deppe, M. El-Dorri, J.<br />

Gresky, L. von Haenigsen, M. Hoffmann, A. Hood, R. Humphreys, M. Jährig, D. Katzjäger, I. Klose, K. Köster,<br />

A. Korhonen, A. Krause, E. Laskowska-Kusztal, D. Lörch, R. Neef, A. Paasch, E. Peintner, L. Petrick, B. von<br />

Pilgrim, V. Podsiadlowski, T. Rzeuska, M. Schultz, St. J. Seidlmayer, A. von den Driesch, C. Vormelker, V.<br />

Wagner, L. Warden, P. Windszus und St. Ziegler.<br />

D.R./P.K./C.v.P.<br />

Assuan: Islamische Nekropole<br />

Im November 2008 und Januar/Februar <strong>2009</strong> wurden in Zusammenarbeit mit dem SCA die<br />

Arbeiten des DAI in der Südnekropole Assuans, einem Gelände von ca. 14ha, besser bekannt als<br />

Fatimidenfriedhof, mit zwei Surveykampagnen fortgesetzt.<br />

Im Norden der Südnekropole (hinter dem TV-Gebäude) befindet sich ein 1,5ha (500m x 300m)<br />

großes Gelände, das von der restlichen Nekropole durch moderne Strassen und Bauten abgetrennt ist.<br />

Dieses wurde vermessen und damit erstmals eine topographische Karte des Areals im Maßstab 1:500<br />

erstellt, in die die bei den Arbeiten in dichter Abfolge festgestellten Zeugnisse aus pharaonischer Zeit,<br />

wie Felsinschriften und Steinbrüche<br />

sowie eine große Zahl<br />

von muslimischen Gräbern<br />

eingetragen wurden.<br />

Hatten sich bisher<br />

Dokumentation und Bauforschung<br />

auf die im nördlichen<br />

Abschnitt liegenden Gräber<br />

beschränkt, konzentrierten sich<br />

die Arbeiten nun auf die<br />

südlichen Gräbergruppen, die<br />

westlich der Moschee des<br />

Scheich al-Disuqi liegen. Das<br />

Erscheinungsbild dieser Gruppen<br />

ist kompakter als im<br />

Norden, da sich hier deutlich<br />

mehr Mausoleen (ca. 30) auf<br />

begrenzter Fläche befinden.<br />

Abb. 5: Mausoleum 113 nach der Restaurierung im November 2008<br />

Hinzu kommt, dass die<br />

Freiflächen zwischen den<br />

einzelnen Gruppen nahezu vollständig mit modernen Gräbern belegt sind. Die Gruppe im Süden<br />

umfasst neben einfachen Einzelgräbern deutlich größere Mausoleen mit unterschiedlich gestalteten<br />

Kuppeln, deren Erhaltungszustand, dank Restaurierungen im letzten Jahrhundert, wesentlich besser ist.<br />

Es wurden auch zwei neue Grabtypen registriert: Erstens sog. Hofgräber, die aus einer 2m bis 2,5m<br />

hohen Einfriedung aus Ziegeln bestehen, innerhalb derer mehrere Einzelbestattungen angeordnet sind.<br />

Der zweite Typus ist statt mit einer Kuppel mit einem ägyptischen Tonnengewölbe überdeckt, wobei<br />

allerdings noch unklar ist, ob die Tonne nicht der Phantasie der Restauratoren entsprang. Insgesamt<br />

wurden 14 Mausoleen und 10 Hofgräber ausgemessen, fotografiert, beschrieben und die dort<br />

gefundene Keramik dokumentiert.<br />

An einem Mausoleum wurden umfangreiche Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen<br />

durchgeführt, um die noch vorhandenen und durch Auswaschung und Winderosion stark zerstörten<br />

Mauern vor dem endgültigen Zerfall zu bewahren. Dies geschah mittels einer neuen halbziegelstarken<br />

4


Schale aus Lehmziegeln, die durch eine vertikale Eisenarmierung verstärkt wurde. Originale<br />

Dekorelemente, zum Teil mit Putzresten, wurden sichtbar in die Ummauerung integriert. Mit der<br />

Rekonstruktion der nur noch ansatzweise vorhandenen Kuppel wurde die ursprüngliche Gebäudeform<br />

nach dem Vorbild ähnlicher Mausoleen wiederhergestellt (Abb. 5). Diese Maßnahme ist als<br />

Pilotprojekt für weitere Restaurierungen des SCA anzusehen.<br />

Eine weitere Schutzmaßnahme betrifft die Südnekropole insgesamt. Die Bezirksregierung von<br />

Assuan hatte 2008 beschlossen, in Zukunft keine weiteren Bestattungen mehr auf dem Gelände<br />

zuzulassen und die Südnekropole zum Antikengelände zu deklarieren. Eine solche Nutzungsänderung<br />

bedarf jedoch einer sorgfältigen Planung und daher wurde ein erstes Konzept für ein zukünftiges site<br />

management erarbeitet, das folgende drei Schwerpunkte hat: Schutz und Unterhalt von Gräbern und<br />

Mausoleen, klar definierte Zonen für unterschiedliche Nutzer (Angehörige von dort Bestatteten und<br />

Pilger) sowie spezielle Wegführungen und Einrichtungen für Touristen. Die Südnekropole könnte so<br />

den „unfertigen Obelisken“ im Osten mit dem Nubischen Museum im Westen durch einen<br />

Besucherparcours verbinden. Eine 3D-Modellierung ist in Vorbereitung.<br />

Der bessere Erhaltungszustand der Mausoleen im Süden des Friedhofs ist darauf zurückzuführen,<br />

dass bei einigen immer noch Rituale und Heiligenkulte stattfinden. Interessanterweise handelt es sich<br />

dabei meist um Memorialbauten mit Scheingräbern, die berühmten Scheichs sowie Mitgliedern der<br />

Prophetenfamilie und deren engen Vertrauten gewidmet sind. Die populärsten Anlagen sind diejenigen<br />

von Scheich Ibrahim al-Disuqi, der in Disuq im westlichen Nildelta bestattet ist und Scheich Hazim<br />

Ibrahim al-Burhani aus dem Sudan. Die Erforschung dieser Kulte wird von der Ethnologin und<br />

Ägyptologin Nadia al-Shohoumi übernommen, die bereits eine erste Bestandsaufnahme von Ritualen,<br />

Heiligenkulten, Festen usw. machte.<br />

Unabhängig von den Feldforschungen setzte Sophia Björnesjö die historischen Studien zur<br />

Geschichte Assuans in den Bibliotheken in Kairo fort. Die Bedeutung der Stadt Assuan vom 8. bis<br />

zum 11. Jahrhundert wird sowohl durch arabische literarische Quellen, verfasst von Geographen und<br />

andern Schriftstellern, als auch von zahlreichen, in<br />

Assuan gefundenen Grabstelen bestätigt. In der<br />

folgenden Zeit bestand dagegen ein weit geringeres<br />

Interesse an Oberägypten. Die Literaturrecherchen<br />

konzentrierten sich daher auf Autoren mit Bindungen<br />

nach Oberägypten, wie al-Udwufi oder al-Suyuti,<br />

deren Aufzeichnungen noch vollständig ausgewertet<br />

werden müssen. Zudem könnten sich auch bisher<br />

kaum bekannte Autoren mit Oberägypten auseinandergesetzt<br />

haben.<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren Ph. Speiser, J.<br />

Lindemann, G. Nogara, A. Paasch, G. Pyke, Ph. Quack, M.<br />

Sählhof, B. Schäfer, N. el-Shohoumi und Ch. Straße.<br />

Ph.S.<br />

Assuan: Bohrsurvey in Gharb-Assuan<br />

Im Rahmen des DAI-Forschungsclusters 3<br />

“Politische Räume” wurde die archäologischgeomorphologische<br />

Untersuchung des Westufers<br />

nördlich der Felsnekropole Qubbet el-Hawa<br />

fortgesetzt. Die Unternehmung findet im<br />

Konzessionsgebiet des Kom Ombo Archaeological<br />

Projects und in enger Kooperation mit Prof. Morgan<br />

de Dapper, Department of Geography, Ghent<br />

University, statt. Durchgeführt wurden die Arbeiten<br />

vom 4.11. bis 4.12. 2008 und vom 11.1. bis 9.2. <strong>2009</strong>.<br />

5<br />

Abb. 6: Übersicht Gharb Assuan


In diesem Zeitraum wurden zwischen Nag el-Faras und Sheikh Mohammed 106 Bohrungen<br />

ausgeführt. Zum Ende der Kampagne wurde das Nordende des 7km langen und teilweise 800m breiten<br />

Fruchtlandstreifens erreicht und dabei insgesamt 160 Bohrungen abgewickelt (Abb. 6). Für die<br />

kommende Kampagne sind die Auswertung der aus den Proben gesammelten Keramik und<br />

Nachbohrungen geplant, um<br />

Detailfragen zu klären und Zufallstreffer<br />

auszuschließen.<br />

Vorläufig lassen sich anhand<br />

der Keramikfunde Aussagen über<br />

ein Siedlungsmuster, dessen Kontinuität<br />

und Veränderung machen.<br />

Als älteste Belege konnten insgesamt<br />

sechs Fundplätze prädynastischer<br />

Zeit lokalisiert werden,<br />

dessen Keramik mit Naqada<br />

IIIA-C datiert.<br />

Von besonderem Interesse für<br />

das Westufer ist die Frage nach<br />

Contra Suenem, eine inschriftlich<br />

aus griechisch-römischer Zeit<br />

belegte Siedlung bzw. Gegend mit<br />

mehreren Ortschaften, die noch<br />

Abb. 7: Surveypunkt QH/09/100 mit durch eine alte Raubgrabung<br />

freigelegter und untertunnelter Ziegelarchitektur<br />

6<br />

nicht eindeutig lokalisiert ist.<br />

Obwohl sich römische, spätrömische<br />

und frühislamische Kera-<br />

mikfunde gleichmäßig über die gesamte Untersuchungsfläche verteilen, gibt es stellenweise extreme<br />

Konzentrationen an Keramik und es lässt sich sogar eine Tellbildung feststellen. Die Bodenproben<br />

brachten an diesen Stellen neben Keramik auch Ziegel, Sandstein und aschehaltiges Material an die<br />

Oberfläche. Grundsätzlich beginnen die römischen/spätrömischen Schichten auf einem Niveau von<br />

88-89m ü.NN. Eine zufällig aufgespürte Raubgrabung gibt Einblick in diese Schichten (Abb. 7). Einer<br />

dieser Hauptfundplätze befindet sich im Fruchtland gegenüber der Mündung des Wadi el-Faras, in<br />

welchem sich nach Auskunft von M.C. Gatto auch eine römische Nekropole befindet.<br />

Bis heute liefert das Drainagesystem des Wadis einen bemerkenswerten Wasserabfluss in den<br />

Sandschichten dicht unter der Oberfläche und tritt in einer Depression an der Ostgrenze des Dorfes<br />

Midan el-Faras sogar an die Oberfläche. Markant sind die alternierenden Schichten aus Sand und<br />

Nilschlamm - ein Resultat der in das Wadi hineinreichenden Fluten und dem daraus folgendem<br />

Wechsel zwischen Vegetation und äolischen Sandablagerungen. Eine abschließende Auswertungskampagne<br />

ist für die kommende Saison geplant.<br />

Teilnehmer an diesen Arbeiten waren I. Klose, M. de Dapper und D. Raue.<br />

Assuan: Die Felsinschriften von Shellal und Bigga<br />

Als Teil des Projektes Medienuniversum Assuan fand erstmalig vom 10. bis zum 28. 2. <strong>2009</strong> ein<br />

Survey zur epigraphischen Aufnahme der Felsinschriften der Region Shellal und der Insel Bigga statt.<br />

Während dieser ersten Kurzkampagne galt es zunächst, einen Überblick über die heutige Situation zu<br />

gewinnen und zu eruieren, wo genau, in welchen Zustand und in welcher Erreichbarkeit sich die<br />

Inschriften befinden. Viele Inschriften dieser Region wurden bereits im Zuge der Unternehmungen<br />

zum Bau des alten Staudamms publiziert. Ein Großteil konnte relokalisiert werden und es wurde mit<br />

der Kollation der bekannten Texte bzw. mit der Neuaufnahme bislang unbekannter Texte und Bilder<br />

begonnen, denn die sorgfältige Begehung des Geländes führte zu mehreren Neuentdeckungen.<br />

Obwohl die antike Landschaft überflutet ist, handelt es sich bei den überschwemmten<br />

Landstrichen zumeist um die Niederauen des Nils, so dass die Felshänge, welche die Inschriften<br />

I.K


Abb. 8: Übersicht Shellal vor der Flutung (oben) und das sog. Cliff heute (unten)<br />

beherbergen, sich auch heute noch oberhalb des Wasserspiegels befinden (Abb. 8). Aufgrund der<br />

modernen Bautätigkeiten sind besonders die Inschriften von Shellal dem Risiko der Zerstörung<br />

ausgesetzt. Ein Großteil der Inschriften befindet sich am sog. ‚Cliff’ von Shellal und hier ergab sich<br />

nach Reinigung der Felsoberflächen ein weitaus<br />

vielschichtigeres Bild als bisher aus der Publikationslage<br />

hervorging. Den Hauptteil der Inschriften machen<br />

Namensnennungen aus, die ins Mittlere Reich datieren.<br />

Besonders zu erwähnen ist eine Entdeckung von Adel<br />

Kelani, der in einem nahe liegenden Felsunterstand eine<br />

Inschrift von Intef III. sichtete. Obwohl der Unterstand<br />

von Raubgräbern durchwühlt ist, weist die Keramik in<br />

den Schutthalden eine Bandbreite von der Naqada-Zeit<br />

bis in die römische Periode auf.<br />

Exkursionen ins Hinterland brachten gleich mehrere<br />

Entdeckungen mit sich. Weitab auf dem Ostplateau<br />

konnte eine Art Land- oder Wegmarke erspäht werden.<br />

Sie zeigt eine grob gearbeitet Figur mit Bogen ohne<br />

weitere Beischriften (Abb. 9). Auf demselben Stein<br />

wurden zwei weitere Marken angebracht, die jedoch<br />

noch nicht eindeutig zugewiesen werden können.<br />

Eine andere Gruppe von Inschriften wurde auf<br />

einem freistehenden Stein im Eingangsbereich eines<br />

etwa 500m südlich von Gebel Shisha gelegenen Tals<br />

gefunden. Es handelt sich um mehrere hieroglyphische<br />

Namensinschriften, die Mentuhotep nennen sowie eine<br />

Abb. 9: Petrograph auf dem Ostplateau<br />

arabische Inschrift.<br />

Auf der Insel Bigga wurde nur eine Begehung<br />

durchgeführt. Traurige Tatsache ist, dass ein Großteil der Felsen mit den Inschriften abgestürzt ist.<br />

Ursächlich dafür verantwortlich sind wahrscheinlich die Tätigkeiten von Raubgräbern.<br />

Die Kampagne wurde von I. Klose durchgeführt.<br />

7<br />

I.K


Theben-West: Dra‘ Abu el-Naga – Nekropole<br />

Am 24.9.2008 begann eine Aufarbeitungskampagne im Rahmen der Unternehmung Dra‘ Abu el-<br />

Naga. Hauptziel der bis zum 13.11.2008 andauernden Kampagne war die vollständige zeichnerische<br />

(P. Collet) und photographische (P. Windszus) Dokumentation des gesamten Konvoluts der<br />

sogenannten Grabkegel, die in den Grabungskampagnen von 1991 - 2008 innerhalb des<br />

Konzessionsgebietes des <strong>Institut</strong>s in Dra‘ Abu el-Naga aufgefunden wurden. Bei den Grabkegeln<br />

handelt es sich um eine eigentümliche, in ihrem Vorkommen fast ausschließlich auf die thebanische<br />

Nekropole beschränkte Objektart: Die bis zu 50cm langen, kegelförmigen und aus gebranntem Ton<br />

hergestellten Grabkegel waren während der Zeit des Neuen Reiches (ca. 1550 - 1180 v. Chr.) zur<br />

Verzierung in langen Reihen an den Fassaden oberhalb des Einganges von Felsgräbern angebracht.<br />

Abb. 10: Zeichnung (P. Collet) und Photo (P. Windszus) der Stempelflächen zweier Grabkegel des<br />

Hohenpriesters des Amun, Min-Month von dessen Grabanlage TT 232 in Dra‘ Abu el-Naga<br />

Das dickere Ende dieser Kegel war in dieser Zeit stets mit einem meist runden Stempelabdruck<br />

verziert, dessen Inschriften die Namen, Titel, Berufe und gelegentlich die Namen von nahen<br />

Angehörigen wiedergaben. Die Grabkegel stellen somit eine ganz besondere Quelle, u.a. zur<br />

Prosopographie und zur Verwaltung der thebanischen Region dieser Zeit, dar. Als Beispiel mögen die<br />

Grabkegel des Hohenpriesters des Amun, Min-Month, genannt Seni-Res, dienen (Abb. 10). In<br />

mehreren Grabungsschnitten<br />

innerhalb des<br />

Vorhofes seines riesigen<br />

Felsgrabes in Dra‘ Abu<br />

el-Naga (TT 232) haben<br />

sich bislang etwa 250<br />

Exemplare finden lassen.<br />

Nach einer vorsichtigen<br />

Schätzung müssen einst<br />

weit mehr als 1000 Kegel<br />

die Fassade seines Grabes<br />

geziert haben.<br />

Das Konvolut der<br />

während der vergangenen<br />

17 Jahre aufgefundenen<br />

Grabkegel aus der<br />

Unternehmung Dra‘ Abu<br />

el-Naga umfasst etwas<br />

über 1000 komplette und<br />

fragmentierte Exemplare,<br />

von denen etwa 600<br />

Abb. 11: Dekorierte Harfe aus Grabanlage K03.2 südlich der Pyramide des<br />

Nub-Cheper-Re Intef in Dra‘ Abu el-Naga (Photo P. Windszus)<br />

8


eindeutig insgesamt ca. 60 verschiedenen Typen bzw. Stempeln zuzuweisen sind. Letztere konnten im<br />

Verlauf der Kampagne komplett dokumentiert werden, exemplarisch für den jeweiligen<br />

Stempelabdruck. Die Aufnahme des Konvoluts geschah im Rahmen einer in Vorbereitung<br />

befindlichen Publikation der Grabkegel aus Dra‘ Abu el-Naga durch E. Kruck, die in der Reihe<br />

‚Archäologische Veröffentlichungen’ erscheinen wird.<br />

Weiterhin wurden während der Aufarbeitungskampagne von E. Peintner drei unterschiedlich gut<br />

erhaltene hölzerne Harfen restauriert. Diese waren in den Grabkammern von drei Schachtgräbern in<br />

unmittelbarer Nähe der Lehmziegelpyramide des Königs Nub-Cheper-Re Intef (Ende der 17.<br />

Dynastie) aufgefunden worden und datieren wohl in die späte Zweite Zwischenzeit und das frühe<br />

Neue Reich. Die photographische Dokumentation der Harfen durch P. Windszus konnte<br />

abgeschlossen werden. Insbesondere eine dieser Harfen stellt wegen ihres aufwendigen polychromen<br />

Dekors an den beiden Längsseiten des Klangkörpers in diesem Erhaltungszustand ein absolutes<br />

Einzelstück dar (Abb. 11) und soll zusammen mit einer der beiden weiteren Harfen in näherer Zukunft<br />

im Ägyptischen Museum von Luxor ausgestellt werden. Die von R. Neef an den Harfen<br />

durchgeführten holzanatomischen Untersuchungen ergaben, dass für deren Konstruktion<br />

ausschliesslich in Ägypten heimische Holzarten verwendet wurden (Tamariske, Christusdorn, Akazie,<br />

Sykomore).<br />

Vom 14.2. bis zum 19.4. fand im Rahmen des Forschungsclusters 4 die vierte Grabungskampagne<br />

in K93.12 statt, dem südlichen Teil einer großen Doppelgrabanlage am Hügel von Dra’ Abu el-Naga<br />

(Abb. 12). Die Arbeiten sind in allen Bereichen des Grabkomplexes weitergeführt worden: In beiden<br />

Vorhöfen, im Grabinnenraum und an der Pyramide oberhalb der Grabfassade. Außerdem wurde das<br />

Grabungsareal nach Süden erweitert, um hier die Begrenzung der Höfe und die Zugangssituation zu<br />

klären.<br />

Abb. 12: Blick über die beiden Vorhöfe der Anlage K93.12 mit dem zentralen Lehmziegelpylon<br />

und der östlich davon freigelegten Zerstörungsschicht aus Sandsteintrümmern<br />

Grabinnenraum – Schacht und unterirdische Anlage<br />

Besonderes Augenmerk der diesjährigen Kampagne lag auf der Bestattungsanlage im<br />

Grabinnenraum. Die im letzten Jahr begonnene Ausgrabung des Schachtes sowie der bei<br />

Arbeitsbeginn noch vollständig verfüllten unterirdischen Anlage konnte in diesem Frühjahr<br />

fertiggestellt werden. Vom Schacht (Abmessungen: ca. 2 x 3m; Tiefe: ca. 10m) führt ein knapp 6m<br />

9


langer absteigender Gang (eine sog. sloping passage) in eine annähernd quadratische Kammer von ca.<br />

2,90m Breite, ca. 2,35m Länge und ca. 2,10m Höhe. In der sehr durchmischten Verfüllung von<br />

Passage und Kammer fanden sich die stark zerstörten Überreste mehrerer geplünderter Bestattungen.<br />

Anhand der stark fragmentierten Funde (Sarg- und Kartonagefragmente, Keramik und Uschebtis) sind<br />

in der Grabkammer mindestens drei Bestattungsphasen auszumachen:<br />

Phase 1 datiert in die späte 20. Dynastie und ist dem Hohenpriester des Amun, Amenophis<br />

zuzuweisen. Von seiner Bestattung fanden sich einige Sargfragmente sowie insgesamt 20 teils sehr gut<br />

gearbeitete Holzuschebtis. Desweiteren kam eine große Menge an Keramik der 20. Dynastie zum<br />

Vorschein (Abb. 13), darunter eine<br />

Amphore mit hieratischer<br />

Namensaufschrift des Amenophis.<br />

Mit diesem Befund ist die zentrale<br />

Frage, ob der Hohepriester in<br />

K93.12 bestattet wurde, eindeutig<br />

positiv geklärt.<br />

Phase 2 ist in die 3.<br />

Zwischenzeit (22. Dynastie) zu<br />

datieren und lässt sich anhand von<br />

fünf zerstörten Kartonagesärgen<br />

sowie diversen Sargholzfragmenten<br />

feststellen. Ein Teil des<br />

zerscherbten Keramikinventars ist<br />

ebenfalls dieser Phase zuzuordnen.<br />

Darüberhinaus enthielt die Schutt-<br />

Abb. 13: Gefäße aus dem Keramikinventar des Hohenpriesters<br />

Amenophis<br />

10<br />

verfüllung eine große Menge an<br />

kleinen Tonuschebtis, die sich in<br />

vier verschiedene Typengruppen<br />

unterteilen lassen. Ein sehr<br />

schlanker weiblicher Typus ist mit hoher Wahrscheinlichkeit dieser Phase zuzuweisen. Die<br />

zahlreichen kleinen mumienförmigen Uschebtis sind dagegen vermutlich in die Spätzeit zu datieren,<br />

und damit der dritten Bestattungsphase zugehörig.<br />

Phase 3 ist insbesondere durch das reichhaltige Keramikinventar bezeugt, das u.a. die typischen<br />

sog. sausage jars, squat jars und brush decorated ware enthielt. Aus der Kammerfüllung wurden<br />

hunderte, meist sehr kleinteilige Holzsargfragmente geborgen, die vor einer endgültigen zeitlichen<br />

bzw. stilistischen Einordnung noch eingehend untersucht werden müssen. Über die genaue Anzahl der<br />

Särge dieser Bestattungsphase, zu der mehrere Hundert kleiner, mumiengestaltiger Tonuschebtis<br />

gehörten, kann ebenfalls noch keine Aussage getroffen werden.<br />

In der unterirdischen Bestattungsanlage wurde kein Material geborgen, welches vor die 20.<br />

Dynastie datiert und damit der originären Bauphase der 18. Dynastie angehören würde. Mit der<br />

Freilegung des nur wenig verfüllten oberirdischen Vierpfeilerraums konnte die Ausgrabung des<br />

Grabinnenraums abgeschlossen werden. Die zeichnerische Aufnahme ist für das nächste Jahr<br />

projektiert.<br />

Vorhöfe und Lehmziegelpylon<br />

In der Südhälfte des zweiten Vorhofs (VH 2) wurde der verbleibende Abhub von Schnitt IV<br />

abgetragen, der über dem gewachsenen Fels fast vollständig aus Sandsteintrümmern bestand. In der<br />

Nordhälfte (Schnitt III) fanden sich die Überreste von insgesamt sieben Särgen, die sehr<br />

wahrscheinlich in die 21. Dynastie zu datieren sind. Das Sargholz ist durch ehemalige<br />

Wassereinwirkung sowie durch Termitenfraß stark vergangen, wobei sich das dabei entstandene<br />

Substrat mit der polychrom bemalten Verputzschicht verbunden hat. Der Befund wurde, soweit<br />

freigelegt, aufgenommen und schließlich mit einer Schutzkonstruktion abgedeckt. Die weitere<br />

Aufnahme der Sargüberreste wird erst nach restauratorischer Behandlung möglich sein.<br />

Der die beiden Vorhöfe unterteilende Lehmziegelpylon wurde vollständig ausgegraben. Er wurde<br />

in der 20. Dynastie errichtet, doch sind hier zum gegenwärtigen Zeitpunkt mindestens zwei weitere<br />

Bauphasen auszumachen: eine spätzeitliche Ergänzung von Mauerzügen sowie der Einbau eines


Abb. 14: Südliche Hälfte des ersten Vorhofs mit der Südflanke des<br />

zentralen Lehmziegenpylons (Mitte) und der Westflanke des seitlichen<br />

Torbaus (rechts).<br />

11<br />

Tonnengewölbes in koptischer<br />

(frühchristlicher)<br />

Zeit. Sämtliche Lehmziegeleinbauten<br />

der Höfe<br />

bedürfen jedoch noch<br />

eingehender baulicher<br />

Untersuchungen – insbesondere,<br />

um ihr Verhältnis<br />

zur ursprünglichen Felsarchitektur<br />

zu klären.<br />

Im äußeren Vorhof (VH 1)<br />

wurden zwei weitere<br />

Schnitte angelegt. Dabei<br />

kam eine auf dem<br />

einstigen Fußboden aufliegendeZerstörungsschicht<br />

zutage, die vollständig<br />

aus zertrümmertem<br />

Sandstein besteht.<br />

Diese erstreckt sich über<br />

die gesamte Breite des ersten Hofs. Offensichtlich wurden größere Teile der zerstörten ramessidischen<br />

Kapelle hierher verbracht. Am nördlichen Hofende haben sich einige Sandsteinplatten der<br />

ursprünglichen Bodenpflasterung sowie ein ramessidischer Mauerrest (= die ehemalige<br />

Nordbegrenzung von VH 1) in situ erhalten.<br />

Süderweiterung<br />

Das Grabungsareal wurde südlich von VH 1 um zwei neue Schnitte erweitert, um die Zugangs-<br />

und Aufwegsituation zu klären. Aufgrund der topographischen Gegebenheiten – der nach Süden<br />

abfallende Hang mündet in ein kleines wâdi – war es naheliegend, hier den Aufweg zur Anlage und<br />

einen seitlichen Eingang zu vermuten. Und tatsächlich ist ein Seiteneingang in Form eines<br />

Lehmziegelpylons nachzuweisen, von dem bislang die unteren Lagen der westlichen Flanke sowie der<br />

unmittelbare Durchgangsbereich freigelegt werden konnten. Dieser seitliche Torbau weist die gleiche<br />

Form auf wie der zentrale Pylon zwischen VH 1 und VH 2 (Abb. 14). In der Süderweiterung sowie im<br />

unmittelbaren Durchgangsbereich<br />

war ein hohes Aufkommen<br />

an zumeist undekorierten<br />

Sandsteinfragmenten<br />

zu verzeichnen. Offensichtlich<br />

wurde nach der Zerstörung der<br />

Anlage ein Teil des Sandsteinschutts<br />

südlich des Hofes<br />

abgekippt.<br />

Pyramide<br />

Mit der Ausgrabung der<br />

Südwestecke konnte in dieser<br />

Kampagne die gesamte Fläche<br />

der ehemaligen Pyramide (ca.<br />

15m x 16m) freigelegt werden<br />

(Abb. 15). Es sind nur noch<br />

wenig Baureste erhalten, da<br />

die Lehmziegel in koptischer<br />

Zeit abgetragen und im benachbarten<br />

Kloster Deir el-<br />

Abb. 15: Südwestecke der ehemaligen Lehmziegelpyramide oberhalb der<br />

Grabfassade. Am rechten Bildrand sind zur Konsolidierung der Schüttung<br />

verlegte Holzäste sichtbar.


Bachit wieder verwendet wurden. Die zeichnerische Aufnahme ist bis auf einige nachzutragende<br />

Details abgeschlossen.<br />

Keramikbefund<br />

Die Keramik aus VH 1 datiert zum größten Teil in die 20. Dynastie, doch enthielt die<br />

Schuttverfüllung darüberhinaus auch zahlreiche Scherben von Gefäßen der 18. Dynastie. In diesem<br />

Bereich kam nur wenig spätzeitliches oder koptisches Material zutage. Die zwei Schnitte der<br />

Süderweiterung wiesen ein ganz ähnliches Keramikspektrum auf: Der größte Teil datiert in die 20.<br />

Dynastie, aber fast ein Drittel des geborgenen Materials ist in die 18. Dynastie zu datieren. Die<br />

Scherben der 18. Dynastie stammen aller Wahrscheinlichkeit nach aus dem Bereich von VH 1 und<br />

sind zusammen mit dem Sandsteinschutt südlich der Hofbegrenzung entsorgt worden. An der<br />

Pyramide kam bedingt durch die unmittelbar benachbarte Lage zum Kloster Deir el-Bachit zum<br />

überwiegenden Teil koptische Keramik zutage.<br />

Wie in den drei Kampagnen zuvor wurde auch im Zuge der diesjährigen Grabungen in allen<br />

Bereichen eine große Menge an Relieffragmenten aus Sandstein geborgen – sowohl Fragmente der<br />

dekorierten Wandverkleidung als auch Architekturteile wie Säulen- und Kapitellfragmente. Diese<br />

stammen von der zerstörten Grabkapelle des Hohenpriesters Amenophis, die dem Befund zufolge kurz<br />

nach dem Neuen Reich zerschlagen worden ist. Wie die Schichtung sowie einige noch nicht geklärte<br />

Mauerverläufe bzw. Baubefunde nahelegen, hat es eine zumindest teilweise Wiedererrichtung bzw.<br />

bauliche Neugestaltung der Höfe gegeben, welche direkt auf dem Zerstörungshorizont ansetzt. Im<br />

Zentrum der weiteren Arbeiten wird daher die Klärung, d.h. vor allem zeitliche Einordnung, der<br />

folgenden Bauphasen stehen sowie ihre Implikation für die Rekonstruktion der historischen Ereignisse<br />

in Theben nach dem Ende der 20. Dynastie.<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren D. Polz, U. Rummel, Th. Brockmeier, P. Collet, N. Gräßler, G. Heindl, L.<br />

Körfer, E. Kruck, Ph. Kunkel, T. Mack, S. Michels, R. Neef, E. Peintner und P. Windszus.<br />

D.P./U.R.<br />

Theben-West: Dra‘ Abu el-Naga – Spätantike Klosteranlage Deir el-Bachit<br />

Im Mittelpunkt der diesjährigen Kampagne, die von der Gerda Henkel-Stiftung gefördert wurde,<br />

stand die Untersuchung des kleinen Raumes 10A, der im Jahr 2008 unter dem Fußboden des sog.<br />

Vierpfeilerraumes zutage<br />

gekommen war und in<br />

dem ein Lehmbehälter mit<br />

11 intakten Keramikflaschen,<br />

einem Bastkorb,<br />

einer Glasflasche sowie<br />

einige Holzutensilien gefunden<br />

worden waren (s.<br />

<strong>Rundbrief</strong> 2008).<br />

Im Zusammenhang<br />

mit dem Raum 10A wurde<br />

auch der kleine Raum 15A<br />

untersucht, um den baulichen<br />

Zusammenhang, der<br />

durch eine quer über beide<br />

Räume gebaute, spätere<br />

Lehmziegelmauer verunklärt<br />

wird, sowie die<br />

Abb. 16: Vierpfeilerraum, östlicher Abschnitt mit dem jüngsten<br />

Lehmboden vor der diesjährigen Grabung, Blick nach Süden<br />

12<br />

Abfolge der Bauphasen<br />

des gesamten Areals zu<br />

präzisieren. Abgesehen


Abb. 17: Östlicher Abschnitt des Vierpfeilerraumes nach der diesjährigen<br />

Grabung, Blick nach Süden auf die Rückseite der Bruchsteinmauer, an der<br />

die Viehtröge sitzen<br />

13<br />

davon wurden auch die Funde<br />

aus dem Behälter im Raum<br />

10A – Keramik und Holzutensilien<br />

– einer genaueren<br />

Untersuchung unterzogen.<br />

Die detaillierte Bauuntersuchung<br />

erbrachte einige neue<br />

Erkenntnisse über die Abfolge<br />

der verschiedenen Bau- und<br />

Nutzungsphasen in diesem Abschnitt<br />

des Klosters. Es zeigte<br />

sich, dass der oben genannte<br />

Raum 15A sowie die große<br />

Lehmziegelwand, die später<br />

zur Südwand des Vierpfeilerraumes<br />

umfunktioniert worden<br />

ist, den beiden ältesten Bauphasen<br />

in diesem Areal zugeschrieben<br />

werden können.<br />

Entgegen der in der vorange-<br />

gangenen Kampagne 2008 angestellten Vermutung zeigte sich als Ergebnis der eingehenden Bauuntersuchung<br />

außerdem, dass der Raum 10A erst in einer relativ späten Nutzungsphase (Bauphase 3)<br />

dieses Areals errichtet wurde. Mit ihm zusammen wurde auch eine Reihe von Viehtrögen installiert<br />

(Abb. 18), die sich noch weiter nach Osten unter einen aus den vorangehenden Kampagnen dort noch<br />

liegen gelassenen Lehmboden aus der letzten Nutzungsphase zogen. Da sich anhand der<br />

Bauuntersuchung die Datierung der Viehtröge als gleichzeitig mit dem Bau des Raumes 10A erwiesen<br />

haben, schien es nun sinnvoll, den jüngsten Lehmboden im Ostteil des sog. Vierpfeilerraumes<br />

abzunehmen (Abb. 16 und 17) und die Viehtrogreihe weiter nach Osten zu verfolgen. Einerseits sollte<br />

dadurch ihr östlicher Abschluss bestimmt werden und anhand der Funde der Zusammenhang mit dem<br />

Raum 10A weiter geklärt werden.<br />

Allerdings konnte der östliche Abschluss der Trogreihe nicht geklärt werden, da sich die Tröge<br />

noch über die später errichtete Ostwand des Vierpfeilerraumes hinaus nach Osten fortsetzen (Abb. 17).<br />

Im zeitlich begrenzten Rahmen der diesjährigen Kampagne war es nicht möglich, die Grabung in diese<br />

Richtung außerhalb des Vierpfeilerraumes auszudehnen. Ganz offensichtlich haben aber die späteren<br />

Wände des sog. Vierpfeilerraumes keine Rücksicht auf die älteren Strukturen genommen und sich<br />

auch nicht an ihnen orientiert.<br />

Die relative Chronologie<br />

für den untersuchten Bereich<br />

stellt sich nach der diesjährigen<br />

Untersuchung wie folgt dar:<br />

Nachdem in der Bauphase 3<br />

der Raum 10A und die Reihe<br />

der Viehtröge entstanden war,<br />

wurde in der 4. Phase die<br />

Ostwand des Vierpfeilerraumes<br />

errichtet. Diese wurde<br />

über die Viehtröge hinweg<br />

gebaut und setzte sie damit<br />

außer Funktion. Wohl gleichzeitig<br />

wurden auch die vier<br />

großen Pfeiler errichtet, durch<br />

welche weitere Viehtröge<br />

zerstört wurden. Das zu dieser<br />

Phase gehörige Fußbodenniveau<br />

wird durch einen Lehm-<br />

Abb. 18: Vierpfeilerraum, rechts die Wand mit den Viehtrögen


estrichboden angezeigt, der alle älteren Strukturen überdeckt hat. In einer 5. Phase wurde ein weiterer<br />

Lehmestrichboden ausgelegt, der zugleich die letzte größere Baumaßnahme im Vierpfeilerraum<br />

darstellt. Eine spätere Nachnutzung des Vierpfeilerraumes wird durch einige Kochstellen belegt (Abb.<br />

19).<br />

Die aus der Bauuntersuchung gewonnenen Ergebnisse zur Bauabfolge können durch die Funde<br />

und hier vor allem durch die Keramik im oben genannten Lehmbehälter nun genauer datiert werden<br />

und stellen einen Fixpunkt innerhalb<br />

der relativen Chronologie dar.<br />

Die Untersuchung der Keramikgefäße<br />

durch Thomas Beckh hat<br />

ergeben, dass diese frühestens in<br />

der Zeit zwischen 750-800 n. Chr.<br />

in dem Lehmbehälter deponiert<br />

worden sein können. Damit bietet<br />

sich nun erstmals ein konkreter<br />

Hinweis für eine zeitliche Fixierung<br />

der bislang nur relativen<br />

Chronologie, denn dies bedeutet,<br />

dass die Bauphasen 1 und 2,<br />

welche den Bau des kleinen<br />

Raumes 15A (Phase 1) und den<br />

Bau der großen Lehmziegelmauer<br />

Abb. 19: Vierpfeilerraum mit nachträglich installierten Kochstellen<br />

14<br />

(Phase 2), welche später zur Südwand<br />

des Vierpfeilerraumes umfunktioniert<br />

wurde, in die Zeit vor<br />

750-800 n. Chr. zu datieren sind, während der Bau des Raumes 10A und die Errichtung der Viehtröge<br />

sowie alle darauf folgenden Baumaßnahmen in die Zeit nach 750-800 n. Chr. fallen. Somit hat sich die<br />

ursprüngliche Vermutung, es müsse sich bei dem Raum 10A um die älteste Phase der<br />

Klosterbebauung handeln, nicht bestätigt. Zwar ist der Raum 10A mit dem Lehmbehälter und dessen<br />

Inhalt älter als die beiden Lehmböden und der Umbau zum Vierpfeilerraum, jedoch deutlich später als<br />

der Raum 15A (Phase 1) und die große Lehmziegelmauer der Phase 2. Die relative Chronologie der<br />

Klosteranlage erhält somit in diesem Bereich der südlichen Terrassen erstmals einen konkreten<br />

Anhaltspunkt zur Fixierung eines chronologischen Gerüstes!<br />

In der diesjährigen Kampagne wurden außerdem diverse Holzutensilien genauer untersucht und<br />

gezeichnet. Darunter Tür- und Schrankgriffe, Drehangeln von Türen, Türschlösser und Holzschlüssel,<br />

Teile von Möbeln, Schubladen, Arbeitsgeräte zum Weben, Werkzeuge, Nägel, Haken, angenagelte<br />

Tafeln, z.T. mit Inschriften, sowie Holzkreuze. Die letztgenannten konnten durch probeweises<br />

Zusammensetzen und Aneinanderhalten rekonstruiert werden. Mit Hilfe dieser Holzobjekte sowie der<br />

zahlreichen übrigen Funde liegt nun eine Fülle von Informationen zum Alltagsleben in einem<br />

ägyptischen Kloster vor.<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren G. Burkard, I. Eichner, T. Beckh, H. Bücherl, R. Fey, K. Gabler, S. Richter<br />

und J. Sigl.<br />

I.E.<br />

Theben-West: Kom el-Hettân – Totentempel Amenophis’ III.<br />

Die 11. Kampagne der „Mission International des Colosses de Memnon et Conservation du<br />

Temple d’Amenhotep III“ fand mit Unterstützung des DAI vom 17.1. bis zum 29.3.<strong>2009</strong> statt und<br />

hatte neben den Grabungen im Tempelbereich vornehmlich die Reinigung, Restaurierung und<br />

Konservierung der in den vergangenen Jahren gefundenen Objekte zum Ziel. Sechs diplomierte<br />

Restauratoren mit ihren über Jahre in der Grabung ausgebildeten ägyptischen Assistenten arbeiteten


Abb. 20: Sockelfragment des südlichen Kolosses vom Zweiten Pylon<br />

15<br />

dafür permanent in sechs<br />

workshops im Tempel und<br />

zeitweise im Zentralmagazin<br />

des Antikendienstes.<br />

An den Memnonkolossen<br />

wurden wieder<br />

manuelle Kontrollmessungen<br />

vorgenommen, die<br />

erfreulicher Weise keine<br />

neuen Senkungen und<br />

auch keine weiteren Risse<br />

aufzeigten. Darüber hinaus<br />

wurde die Überprüfung<br />

und Kartierung der Risse<br />

an den Statuen und den<br />

Sockeln in Zusammenarbeit<br />

mit der Armenian<br />

Academy of Science durch<br />

Geologen und Seismologen vorgenommen. Dagegen bleibt die Gefährdung durch den nahen Parkplatz<br />

und die Straße, nachgewiesen durch Vibrationsmessungen, bestehen. Wie im letzten Jahr mussten<br />

beide Kolosse einer erneuten und langwierigen Reinigung von Vogelkot mit destilliertem Wasser<br />

unterzogen werden.<br />

Am Zweiten Pylon wurden die beiden verstürzten Kolosse Amenophis’ III. durch ein Team von<br />

Restauratoren behandelt. Die verschiedenen großen, abgebrochenen Fragmente vom Fuß, Sockel<br />

(Abb. 20) und Arm des 2003 entdeckten und seit 2006<br />

freigelegten Südkolosses wurden aus der tiefen<br />

Ausschachtung herausgezogen, gereinigt und konserviert;<br />

die Reliefdarstellung von Fremdvölkern am<br />

Sockel wurde aus zahlreichen Fragmenten weiter<br />

zusammengesetzt und anschließend gezeichnet und<br />

fotografiert. Daraufhin wurde der noch immer knapp<br />

300t schwere Torso mittels der bewährten Luftkissen<br />

5,50m auf eine Aufschüttung von Sand und Kies<br />

gehoben und unterstützt durch eine Winde 6m nach<br />

Süden bewegt. Dort wurde er aufgerichtet, damit in der<br />

kommenden Kampagne die abgebrochenen Fragmente<br />

wieder angefügt werden können. Die Königin Teje an<br />

der Seite des Thrones blickt jetzt zum Himmel. Sie<br />

wurde wie die Königin des Nordkolosses abgedeckt<br />

und durch eine Holzkonstruktion gesichert. Die<br />

Hebung und die Aufrichtung wurde unter der Leitung<br />

des Chefrestaurators M. Lopez, assistiert durch Ch.<br />

Perzlmeier, von den inzwischen bestens trainierten<br />

Steinspezialisten der Grabung durchgeführt. Bei der<br />

Ausgrabung der östlich anschließenden Fläche fanden<br />

sich größere Teile des Kopfes, eine Partie des Mundes,<br />

67cm lang und 35cm breit, fein poliert und gerandet,<br />

ein gewaltiges Fragment des Bartes, 110cm hoch,<br />

sowie hunderte kleinere Fragmente.<br />

Am Dritten Pylon wurden die erhaltenen Ziegel<br />

durch moderne Ziegel gleichen Materials und gleicher<br />

Abb. 21: Grabungsflächen südlich des<br />

Eingangs zum Peristyl


Abb. 22: Sitzstatue des jugendlichen Amenophis’ III.<br />

Größe, gestempelt mit ‚Memnon’, gesichert. Die<br />

Nischen der Flaggenmasten wurde erneut geöffnet<br />

und die granitenen Sockel in den Nischen mit Gaze<br />

abgedeckt und mit einer Sandschicht und Erde<br />

aufgefüllt.<br />

Auf der Südseite des Eingangtores zum Peristyl<br />

wurden zwei 10 x 10m große Flächen geöffnet<br />

(Planquadrate 940/S1 und 940/S2). Auch dort<br />

hatten die ramessidischen Steinräuber das Mauerwerk<br />

und die Fundamentsteine bis zur untersten<br />

Kiesschicht fast vollständig ausgeplündert (Abb.<br />

21). Auf dieser untersten Schicht lag auf der Seite<br />

eine herrliche königliche Sitzstatue aus dunklem<br />

Granit von 2,60m Höhe (Abb. 22). Sie ist perfekt<br />

erhalten, nur die Nase ist abgebrochen und der<br />

Uräus fehlte. Diesen fanden wir jedoch unter<br />

anderen Fragmenten aus früheren Grabungen im<br />

Peristyl. Er muss in alter Zeit weggebrochen sein.<br />

Auf einer Seite des Throns steht fein eingraviert<br />

der Name Amenophis. Es ist eindeutig ein sehr<br />

frühes, jugendliches Bildwerk des Königs. In der<br />

Nähe fand sich ein mächtiger Königskopf, der zu<br />

einer über 3m großen Sphinx gehörte, die unweit<br />

davon im Schlamm lag. Nach der Bergung konnten<br />

Kopf und Körper der Sphinx zusammengefügt<br />

werden (Abb. 23). Weiter südlich davon, direkt an<br />

der abgerissenen Innenseite der Peristylmauer<br />

waren große Architravblöcke aus Sandstein<br />

erhalten geblieben. Sie sind mit dem Namen Amenophis’ III. und dem Namen des Tempels<br />

‚Gotteshaus von Millionen von Jahren’ dekoriert. Andere Blöcke enthalten feine Reliefszenen einer<br />

hügeligen ‚Wüstenlandschaft’<br />

mit Tieren. In der östlichen<br />

Grubenwand steckte eine<br />

kniende Beterstatue eines<br />

Privatmannes Djehutimes aus<br />

Granodiorit, die durch Salz<br />

und Wasser sehr gelitten hat.<br />

In der untersten Schicht der<br />

Fundamente lag eine schwarze<br />

Scheibe aus Granit, die einst<br />

eine Sachmetstatue gekrönt<br />

haben muss.<br />

In der Westportikus des<br />

Peristyls wurde die Entsalzung<br />

und Konsolidierung<br />

der großen Säulenbasen aus<br />

Sandstein fortgesetzt. Dabei<br />

fand sich eine kopflose Sitz-<br />

statue der Göttin Sachmet von<br />

bester Qualität. In einem<br />

Schnitt an der Nordostecke<br />

Abb. 23: Sphinx Amenophis’ III.<br />

des Peristyls, wo wir die Ecke der Peristylmauer vermutet hatten, fand sich in der Tat der Eckstein und<br />

Mauerreste des Fundamentgrabens. Damit kann nun die genaue Breite des Peristyls gemessen werden.<br />

Die Königsstatue wurde gereinigt, entsalzt, und nach Abschluss der Grabung in das Zentralmagazin<br />

gebracht. Die Sphinx wurde zusammen mit den früher gefundenen durch eine spezielle Stahl-<br />

16


konstruktion am Ort geschützt und abgedeckt. Alle anderen Funde wurden nach der Reinigung und<br />

Festigung im Grabungsmagazin eingeschlossen. Die unbeschrifteten Quarzitsplitter wurden in Kisten<br />

aus Stahldraht gefüllt, mit denen eine Sicherungsmauer zum Schutz des Magazins und des Peristyls<br />

errichtet wurde.<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren H. Sourouzian, R. Stadelmann, A. M. Ali, A. Avagian, M. Blanco Sanz, C.<br />

Bondi, P. Calassou, A. und O. Chéné, L. Clarke, J. Dorner, O. Elchal, D. Galazzo, A. Garnett, N. Hampikian, A.<br />

und T. Hasan Ibrahim, C. Henderson, E. Kamimura, A. Karakhanyan, B. Lachat, U. Lewenton, M. Lopez<br />

Marcos, J. Malatkova, L. Mesa Garcia, E. Mora Ruedas, M.A. Moreno, Ch. Perzlmeier, M. Seco Alvarez, K.<br />

Ueno, S.J. Vidal und kurzzeitig D. Aston.<br />

Die Grabung, Konservierung und Dokumentation wurde wiederum ausschließlich durch die Association des<br />

Amis des Colosses de Memnon, dem Förderverein Memnon und private Spenden von Freunden der Grabung<br />

finanziert.<br />

H.S./R.St.<br />

Abydos/Umm el-Qaab: Frühdynastische Königsgräber<br />

Im frühzeitlichen Königsfriedhof wurde wiederum mit Unterstützung durch die DFG vom 21.9.<br />

bis 15.12.2008 und vom 8.2. bis zum 15.4.<strong>2009</strong> die 23. Kampagne durchgeführt. Die Feldarbeit war<br />

auf das Grab des Djer konzentriert, am Grab des Wadj wurde zudem eine Sondage durchgeführt und in<br />

der Umgebung des Grabes des Peribsen die Reinigung fortgesetzt. Im Grabungshaus wurden die<br />

Bearbeitung der Keramik und Kleinfunde weitergeführt und zwei weitere Magazinräume angefügt.<br />

Abb. 24: Grab des Djer, Königskammer<br />

Die schon während der 22. Kampagne weitgehend ausgehobene Königskammer des Djer wurde<br />

vollständig geleert und gereinigt (Abb. 24). Der Boden mit einem Ziegelpflaster und Schlammestrich<br />

darüber erwies sich erstaunlicherweise als weitgehend ungestört. In dem Estrich waren auch<br />

allenthalben noch Abdrücke von dicht verlegten Halbrundhölzern festzustellen, die offenbar als<br />

Auflager für den Holzfußboden des großen Schreines gedient hatten, von dessen Rahmenbalken<br />

17


unmittelbar vor den Zungenmauern<br />

ebenfalls noch<br />

Abdrücke vorhanden sind.<br />

Der Schrein war 10,50m x<br />

8,60m groß und führte im<br />

Westen direkt an die Ausmauerung<br />

der Königskammer,<br />

die im SW eine<br />

Scheintürnische aufweist.<br />

Farbreste an einer der<br />

Zungenmauern zeigen,<br />

Abb. 25: Grab des Djer, Königskammer, südliche und östliche Nebengräber<br />

dass er rot bemalt war.<br />

Einige cm über dem<br />

Estrich der 1. Dynastie<br />

waren noch Reste eines<br />

weiteren Estrichs erhalten,<br />

der aus dem MR stammen<br />

dürfte, als das Grab für<br />

den Osiriskult umgestaltet<br />

wurde. Bemerkenswerterweise<br />

ist die Grabkammer<br />

dafür gar nicht vollständig<br />

ausgeräumt worden, in einigen der durch die Zungenmauern gebildeten Nebenkammern steckten im<br />

Boden noch Keramikfragmente, und auch die Treppe des MR in der NW-Ecke, unter der Petrie noch<br />

einige Importgefäße fand, ist nicht unmittelbar auf den Estrich der 1. Dynastie sondern auf eine dünne<br />

Sandschicht gegründet.<br />

Die Bauaufnahme der Königskammer wurde durch einen Nord-Süd Schnitt im Handaufmaß (M<br />

1:50) ergänzt. Um weitere Rückschlüsse auf die Konstruktion der Abdeckung und des hölzernen<br />

Schreines ziehen zu können wurde damit begonnen, die im Bodenplan dokumentierten Befunde in<br />

einer dreidimensionalen Rekonstruktionszeichnung in AutoCAD umzusetzen.<br />

Nach weiterem Abbau der Halden wurden die südlichen Nebengräber vollständig freigelegt und<br />

geleert (Abb. 25). Sie bestehen aus einer baulichen Einheit von ca. 16,50m x 4,08m Größe mit 20<br />

Kammern (O-S1-20), die in zwei von Ost nach West verlaufenden Reihen in etwa 5,65m Abstand von<br />

der Königskammer angelegt sind. Eine<br />

durchlaufende Mittelwand trennt die<br />

beiden Reihen von 8 größeren Kammern<br />

im Norden und 12 kleineren Kammern im<br />

Süden. Die Tiefe beträgt durchweg ca.<br />

1,45m, am Boden sind verschiedentlich<br />

noch Reste von Holzsärgen erhalten. Bei<br />

mehreren Kammern ist die Nordwand<br />

ausgehackt worden, da der Platz für den<br />

Sarg zu klein war. Insbesondere in der<br />

nördlichen Reihe gibt es Brandspuren, die<br />

in Zusammenhang mit dem Brand der<br />

Königskammer stehen dürften.<br />

Die Eindeckung der Gräber erfolgte<br />

mit Rundhölzern, die auf der nördlichen<br />

beziehungsweise südlichen Außenwand<br />

auflagen und von dort die Kammern in<br />

Nord-Südrichtung zur tragenden Mittelwand<br />

überspannten. Auf den Außenmauern<br />

sind Lehmziegelreste von der<br />

Einmauerung der Balkenköpfe erhalten.<br />

Abb. 26: Türkisfigur aus dem Grab des Djer<br />

18


Abb. 27: Grab des Wadj, NW-Ecke des versteckten Tumulus über der<br />

Königskammer<br />

19<br />

Als Deckschicht diente darüber<br />

eine Lage Lehmziegel.<br />

Von den östlichen Nebengräbern<br />

wurden die südlichen<br />

35 Kammern freigelegt und<br />

drei Kammern geleert. Sie sind<br />

in drei Reihen angeordnet, von<br />

denen die innere Reihe mit<br />

größeren Kammern etwas<br />

höher liegt als die beiden<br />

äußeren Reihen, die offensichtlich<br />

erst in einer 2. Baustufe<br />

angefügt wurden. Auch<br />

hier sind noch Reste der<br />

Deckenfassung erhalten und<br />

einige Kammerwände ausgehackt<br />

worden, um die Särge<br />

aufnehmen zu können.<br />

Von den hoch verschütteten<br />

westlichen Nebengräbern<br />

konnten nur die Oberkanten<br />

aufgedeckt werden. Sie liegen auf etwa dem gleichen Niveau wie die Königskammer und die östlichen<br />

Nebengräber während die südlichen Nebengräber entsprechend der nach SW ansteigenden Geländeformation<br />

ein ca. 0,50 - 0,80m höheres Niveau aufweisen.<br />

In der Restfüllung der Königskammer, den Schuttüberlagerungen und Füllungen der Nebengräber<br />

fanden sich wie in den bisherigen Kampagnen große Mengen an Keramik, vor allem Weinkrugfragmente,<br />

Scherben von Steingefäßen, einige Siegelabrollungen und verschiedene Elfenbein- und<br />

Steinobjekte (Abb. 26) sowie weitere Fragmente aus kristallinem Kalkstein von einem Schrein des<br />

Osiris und Votivgaben des Osiriskultes.<br />

Vom Grab des Wadj wurden die Westwand der Königskammer sowie die darüber befindliche,<br />

1,25m hohe Einfassung des in der Grabgrube versteckten Tumulus gereinigt und die ältere<br />

Bauaufnahme von 1988 ergänzt (Abb. 27). Der Verputz scheint in aller Eile aufgebracht worden zu<br />

sein und weist zahlreiche Fußabdrücke und Handverstrichspuren auf. Aus der Füllung der Grabgrube<br />

wurden etwas Keramik und einige Gefäßverschlüsse mit Siegelabrollungen geborgen.<br />

In der Umgebung des Grabes des Peribsen wurden westlich bzw. nord- und südöstlich weitere<br />

Abschnitte der originalen Wüstenoberfläche von Flugsand und Schuttüberlagerungen gereinigt. Im<br />

Westen kamen dabei noch einige Siegelabrollungen und etwas Keramik zutage, im Osten gab es nur<br />

vereinzelte Streufunde an Keramik. Im Südosten, an den Ausläufern der Halden des Djer, wurde neben<br />

Keramik aus dem Grab des Djer auch eine kleine Privatstele einer Frau gefunden.<br />

Im Grabungshaus galt die Fundbearbeitung vor allem der Keramik, den Steingefäßen und den<br />

Kleinfunden aus dem Friedhöfen U und B, den Gräbern des Dewen, des Semerchet, des Peribsen und<br />

des Chasechemui.<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren G. Dreyer, F. Barthel, A. Blöbaum, K. Butt, R. Hartmann, U. Hartung, C.<br />

Knoop, I. Köhler, H. Köpp, A. Kohse, R. Kuhn, E. Linke, M. Mahn, N. Marcinzik, P. Meyrath, V. Müller und<br />

M. Sählhof.<br />

G.D.


Abydos/Umm el-Qaab: Osiriskult<br />

Ein Schwerpunkt der im Rahmen des DAI-Forschungsclusters 4 „Heiligtümer und Rituale“ im<br />

Frühjahr <strong>2009</strong> fortgeführten Arbeiten lag in der Funddokumentation und -bearbeitung. Hierzu zählt<br />

insbesondere die systematische Durchsicht der während der Grabung am Grab des Djer/Osirisgrab<br />

gelagerten Keramikberge. Insgesamt<br />

wurden 40 573 diagnostische<br />

Scherben und vollständige Gefäße<br />

statistisch erfasst und eine Auswahl<br />

zeichnerisch dokumentiert.<br />

Auf dieser Basis kann nun das<br />

Spektrum der Waren und Formen,<br />

vor allem hinsichtlich ihrer<br />

Häufigkeit und der Verhältnisse<br />

untereinander, verlässlich rekonstruiert<br />

werden. Als erster Eindruck<br />

scheint die bislang angenommene<br />

Dominanz der sogenannten<br />

„Spätzeitflaschen“ überdenkenswert<br />

zu sein – teilweise<br />

wird das Repertoire von Biertöpfen<br />

und -flaschen des späten Neuen<br />

Reiches und vor allem der Dritten<br />

Zwischenzeit dominiert. Zusammenfassend<br />

deutet sich immer<br />

Abb. 28: Beschriftete Votivkeramik mit der Nennung der Priester<br />

Wenennefer und Sauipaanch<br />

20<br />

mehr an, dass ein Großteil des<br />

Materials bereits aus der Libyerzeit<br />

vor der 25. Dynastie stammt. Zudem<br />

ist die 19. Dynastie besonders<br />

prominent vertreten, doch konnten auch zahlreiche bislang unbekannte Formen des Mittleren Reiches<br />

dokumentiert werden, die teilweise gute Parallelen im Material aus dem Tempelkomplex Sesostris’ III.<br />

in Abydos-Süd finden.<br />

Während der Bearbeitung der beschrifteten Keramik des Neuen Reiches und der Dritten<br />

Zwischenzeit (Abb. 28) konnten erneut etliche Anpassstücke zu Fragmenten aus den alten Grabungen<br />

Amélineaus und Petries identifiziert werden, die sich heute in verschiedenen Sammlungen und<br />

Museen, besonders in Paris, Chateaudun,<br />

Chiddingston und London befinden.<br />

Unter den zahlreichen Kleinfunden<br />

befindet sich auch ein sogenanntes „Osirisbeet“,<br />

ein aus Lehm bestehender Gefäßinhalt<br />

mit Abdrücken von Getreidekörnern<br />

(Abb. 29). Weiterhin konnte ein<br />

Schulterfragment identifiziert werden, das<br />

zu einer ungebrannten Lehm-Osirisfigur<br />

gehört. Mehrere ähnliche Figuren waren<br />

bereits früher von Edouard Naville am Ende<br />

eines auf das Osirisgrab zuführenden Prozessionsweges<br />

gefunden worden.<br />

Mehrere charakteristische Kalksteinblöcke,<br />

insbesondere einige Eckakrotere<br />

konnten als verbliebene Fragmente eines<br />

hellenistischen Hörneraltars identifiziert<br />

werden, der ursprünglich im näheren<br />

Abb. 29: „Osirisbeet“ mit Abdrücken von Getreidekörnern


Umfeld des Osirisgrabes platziert gewesen ist (Abb. 30).<br />

Noch nicht abgeschlossen ist die Rekonstruktion des großen Schreines, der vermutlich erst in der<br />

Spätantike mutwillig in zahllose kleine und kleinste Fragmente zerschlagen worden ist. Besondere<br />

Bedeutung erhält dieser Schrein,<br />

da in ihm offensichtlich einst das<br />

bereits von Amélineau entdeckte<br />

Osirisbett, die Kultstatue, gestanden<br />

hat.<br />

Dass sich in hellenistischer<br />

und römischer Zeit im Bereich des<br />

Tempels Sethos I. ein Orakel befunden<br />

hat, ist seit längerer Zeit<br />

bekannt. Mehrere Neufunde, insbesondere<br />

Ostraka und Graffiti aus<br />

dem nahen Umfeld des Osirisgrabes<br />

weisen nun darauf hin, dass<br />

auch dieses Areal in den bis in die<br />

Spätantike andauernden Kultablauf<br />

integriert gewesen ist.<br />

Abb. 30: Eckakroterion eines hellenistischen „Hörneraltares“<br />

Dahschur<br />

21<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren<br />

U. Effland, J. Budka, A. Effland, S.<br />

Müller, J.D. Preisigke, A. Rost und J.<br />

Vieth.<br />

A.E.<br />

Die Arbeiten des DAI Kairo fanden vom 6.2. bis zum 22.4.<strong>2009</strong> gleichzeitig mit der 1. Kampagne<br />

des DFG-Projekts „Ein Gräberbezirk des Mittleren Reiches bei der Pyramidenanlage Amenemhets II.<br />

in Dahschur in Ägypten“ statt.<br />

Abb. 31: Approximative Lage der Schachtreihen in Relation zum Pyramidenbezirk


Gräberbezirk des Mittleren Reiches bei der Pyramidenanlage Amenemhets II.<br />

In der Frühjahrskampagne haben sich die von der DFG geförderten Arbeiten auf die Ausgrabung<br />

von Grabschächten des Mittleren Reiches konzentriert, die 2007 durch die von H. Becker<br />

durchgeführten magnetometrischen Untersuchungen neu entdeckt worden waren (Abb. 31). Es handelt<br />

sich um eine Nord-Süd<br />

ausgerichtete Doppelreihe von 2 x<br />

15 Grabschächten. Im Norden<br />

schließt sich rechtwinklig dazu<br />

eine nach Westen verlaufende<br />

Doppel- bzw. Dreierreihe mit<br />

unregelmäßig angeordneten Grabschächten<br />

an. Östlich der Doppelreihe<br />

verläuft außerdem eine Nord-<br />

Süd-Reihe von vier größeren<br />

Grabschächten. Von großer Bedeutung<br />

ist die Tatsache, dass die<br />

Schächte parallel bzw. rechtwinklig<br />

zum Pyramidenbezirk<br />

ausgerichtet sind, denn dies zeigt,<br />

dass die Schachtreihen im Zusammenhang<br />

mit dem Pyramiden-<br />

Abb. 32: Mündung des Schachtes 5I 16<br />

22<br />

bezirk Amenemhets II. geplant<br />

wurden.<br />

Im Jahr 2007 wurde damit begonnen, drei Schächte auszugraben, <strong>2009</strong> wurden fünf weitere<br />

Grabschächte freigelegt. Insgesamt sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt also acht Schächte freigelegt<br />

worden, davon zwei in der Nord-Süd-Reihe (SF 08 und SF 28) und sechs Schächte in der Ost-West-<br />

Reihe (7l 15, 7L 16, 7M 04, 5I 16, 6I 13, 6K 14). Die Schächte sind relativ klein: Sie messen rund 130<br />

Abb. 33: Hölzerner Kanopenkopf aus der<br />

Grabkammer SF 08<br />

Abb. 34: Kupferspiegel-Amulett<br />

x 100cm an der Mündung und sind zwischen 4 und 7m tief (Abb. 32). Die Schächte sind im oberen<br />

Teil aus Lehmziegeln aufgemauert und im unteren Teil in den lokal anstehenden Taffl gearbeitet. Die<br />

Grabkammern öffnen sich alle nach Süden. Alle Grabkammern waren beraubt, aber es fanden sich<br />

noch Reste der Bestattungen und der originalen Grabausstattung. Die beiden in der Nord-Süd-Reihe<br />

aufgedeckten Bestattungen waren besser ausgestattet als diejenigen der West-Ost-Reihe. In den beiden


Abb. 35: Bestattung 7L 16<br />

23<br />

Schächten der Nord-Süd-Reihe<br />

fanden sich Reste von Mumien,<br />

Kartonagefragmente der Mumienmasken<br />

sowie angesetzte hölzerne<br />

Ohren und ein hölzerner Bart von<br />

solchen Masken, Blattgold wohl<br />

von vergoldeten Eckleisten des<br />

Sarges, hölzerne Kanopen (Abb.<br />

33) und Ritualobjekte wie<br />

Modellwaffen und -szepter, sowie<br />

hölzerne Miniaturteile von Schiffen,<br />

ein kleines Kupferspiegel-<br />

Amulett (Abb. 34) und natürlich<br />

Keramik, darunter sowohl Gebrauchsware<br />

wie auch Miniaturgefäße.<br />

Trotz der starken Beraubung<br />

der Schächte in den West-<br />

Ost-Grabreihen kann man fest-<br />

halten, dass die Bestattungen gestreckt auf dem Rücken liegend mit dem Kopf im Norden in<br />

hölzernen, stuckierten Kastensärgen untergebracht waren (Abb. 35). Regelmäßig befanden sich am<br />

Kopfende des Sarges oder neben dem Grabkammereingang<br />

eine Flasche und ein Trinknapf, die den<br />

Verstorbenen mit Flüssigkeit versorgen sollten (Abb.<br />

36). Weiterhin fanden sich Fayenceperlen und ein<br />

Spiegelgriff aus Elfenbein, der mit Lotusblüten verziert<br />

war.<br />

Glücklicherweise konnte am östlichen Ende der<br />

West-Ost-Schachtreihe auch ein Bereich mit Resten von<br />

Lehmziegeloberbauten sowie Fragmente einer Scheintür<br />

und Libationsbecken aus Kalkstein aufgedeckt werden.<br />

Zum einen handelt es sich um eine quadratische<br />

Lehmziegelmastaba mit einer zentral in der Mitte der<br />

Ostseite angeordneten Kapelle. Außerhalb fanden sich<br />

Reste eines undekorierten Libationsbeckens und einer<br />

reliefierten Scheintür aus Kalkstein, die einem „Ka-<br />

Priester und Vorsteher der Privaträume des Königs“<br />

gehörte. Eine Miniaturmastaba (184 x 97cm) mit<br />

zentraler Opfernische auf der Mitte der Ostseite war<br />

Abb. 36: Keramik aus Grab 7L 15<br />

weiß verputzt (Abb. 37). In ihrer Nähe wurde ein beschriftetes Libationsbecken aus Kalkstein<br />

gefunden (Abb. 38), das einem „Leiter des<br />

Festzeltes des Palastes“ und „Vorsteher<br />

der privaten Räume des Königs, Sa-<br />

Mesehi“ gehörte. Die Titel bestätigen, was<br />

aufgrund der Anordnung und Art der<br />

Grabschächte bereits vermutet wurde,<br />

nämlich, dass es sich bei den hier<br />

bestatteten Personen um Höflinge und<br />

Palastpersonal vom Hof Amenemhets II.<br />

handelt.<br />

Abb. 37: Miniaturmastaba 7M8


24<br />

Griechisch-römischer Friedhof<br />

Südwestlich der Pyramide<br />

Abb. 38: Libationsbassin des Sa-Mesehi<br />

Amenemhets II. und nahe der<br />

Pipeline wurden bisher unbekannte<br />

Gräber der griechisch-römischen<br />

Zeit entdeckt. Es handelt<br />

sich um ovale und rechteckige<br />

Grabgruben, die west-östlich ausgerichtet<br />

und in Reihen organisiert<br />

sind. Zwei Drittel der 30 bisher<br />

dokumentierten Grabgruben waren<br />

ungestört. In einer ungestörten<br />

Grabgrube (2P6-3) befand sich<br />

eine auf dem Rücken liegende<br />

Bestattung in einem ovalen Tonsarg,<br />

dessen Wanne als Deckel<br />

verwendet wurde (Abb. 39). Es<br />

waren aber bei weitem nicht alle Bestattungen in Särgen untergebracht. Reste von Oberbauten konnten<br />

nicht dokumentiert werden.<br />

Rekonstruktion der antiken Landschaft<br />

Vom 15.2. bis zum 22.3.<strong>2009</strong> haben Geowissenschaftler des <strong>Institut</strong>s für Physische Geographie<br />

der Freien Universität Berlin Untersuchungen durchgeführt, die eine Rekonstruktion der Paläoumwelt<br />

und der antiken Landschaft von Dahschur mit ihren Denkmälern und Siedlungen zum Ziel hat. Auf der<br />

Grundlage von sedimentologischen<br />

und geomorphologischen<br />

Methoden sollen Paläoumweltbedingungenrekonstruiert<br />

und Veränderungen im<br />

Relief und Geländeniveau ausgewiesen<br />

werden. Es wurden<br />

über 500 Sedimentproben analysiert,<br />

die im Frühjahr 2008<br />

bei insgesamt 30 Bohrungen<br />

im zur Knickpyramide führenden<br />

Wadi (Wadi I) und<br />

dessen Vorfeld abgeteuft wurden.<br />

Das Ziel der Bohrungen<br />

war, den zum Tempel am Aufweg<br />

zur Knickpyramide führenden<br />

Aufweg zu verfolgen<br />

und die antiken Gelände-<br />

niveaus des Mittleren und<br />

Alten Reiches zu bestimmen,<br />

Abb. 39: Griechisch-römische Bestattung 2P6-3<br />

die heute mehrere Meter mit Sand bzw. Kulturschichten bedeckt sind. Im Einzelnen wurden die<br />

physikalischen Eigenschaften wie Farbe, Korngröße und Grobdetritusgehalt bestimmt, um<br />

Transportprozesse abzuleiten. Im Wadi I sind nach dem Alten Reich sowohl äolische (Transport durch<br />

Wind) wie fluviale (Transport durch Wasser) Transportprozesse nachweisbar. Im Frühjahr <strong>2009</strong><br />

wurden fünf Bohrungen am westlichen Ufer des Sees von Dahschur, bei dem es sich um einen Altarm<br />

des Nils handelt, niedergebracht, um in Erfahrung zu bringen, ob sich hier die bisher nicht lokalisierte,<br />

südliche Pyramidenstadt des Snofru befindet (Abb. 40). In den Bohrungen konnten die Schwemmfächer<br />

sowohl des nördlichen Wadis (Wadi I) wie auch des südlichen Wadis (Wadi II) nachgewiesen<br />

werden. In Schwemmfächern wird die mitgeführte Sedimentfracht des Wadis abgelagert. Sie bilden


Abb. 40: Lage der Bohrungen am westlichen Seeufer und Lage der Vermessungen mit differenziellem GPS<br />

aus geowissenschaftlicher Sicht ein wichtiges Archiv zur Rekonstruktion der Landschaftsgeschichte.<br />

In den Schwemmfächern beider Wadis konnte in jeweils einer Bohrung (B18 und B35) direkt über der<br />

Kulturschicht Sediment, das eindeutig als Schwemmfächermaterial zu interpretieren ist, nachgewiesen<br />

werden, woraus man schließen kann, dass zumindest ein Abflussereignis nach dem Ende des Alten<br />

Reiches stattgefunden hat. Die Bohrungen haben zwar immer wieder Scherben aus dem Alten und<br />

eventuell auch aus dem Mittleren Reich erbracht, deren Niveaus sehr gut mit den bereits als sicher<br />

identifizierten antiken Geländeniveaus korrespondieren, aber da es sich nur um sehr wenig Material<br />

handelt, ist deutlich, dass es sich keinesfalls um eine substantielle Siedlung handeln kann.<br />

Um das Relief der Nekropole zu bestimmen, wurden mittels differenziellem GPS in Wadi I und II<br />

Querprofile gemessen (Abb. 40). Während Wadi I nördlich der Knickpyramide sehr regelmäßige<br />

Querprofile aufweist, die weitestgehend als natürlich zu interpretieren sind, ist Wadi II durch deutlich<br />

heterogene Strukturen gekennzeichnet, die darauf schließen lassen, dass das Wadi durch die täglichen<br />

Wege der Arbeiter überprägt wurde.<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren N. Alexanian, S. Seidlmayer, D. Blaschta, W. Bebermeier, M. Beer, L.<br />

Borrmann, T. Gutmann, A. Kriener, J. Malur, M. Mayrhofer, A. Paasch, J. Pinke, A. Ramisch, B. Schütt.<br />

N.A./D.B./W.B./S.J.S.<br />

25


Saqqara<br />

Am Grab des Königs Ninetjer (2. Dyn.) wurde die 6. Kampagne vom 22.2. bis zum 2.4.<br />

durchgeführt. Die Arbeiten waren auf die Galerien westlich und östlich der Zugangsrampe<br />

konzentriert. Außerdem wurden die Bergung der Bestattung des Neuen Reiches in Kammer H 202, die<br />

Konsolidierung von Särgen und anderen Holzobjekten, die<br />

Bearbeitung der ramessidischen Särge mit Darstellung im ‚daily<br />

dress’ und die Aufnahme der frühdynastischen Funde und Keramik<br />

fortgesetzt.<br />

In den während der letzten Kampagne entdeckten Räumen<br />

westlich der vom Grab des Neb-kau-hor überbauten Zugangsrampe<br />

wurde die Galerie A 500 weiter geklärt, die noch große Mengen der<br />

ursprünglichen Ausstattung enthielt. Einschließlich der schon<br />

während der letzten Kampagne entnommenen Keramik wurden<br />

dort 117 große ovoide Vorratsgefäße und Weinkrüge, 27<br />

streifenpolierte Flaschen, 8 grobe Bierflaschen und 2 Schalen<br />

geborgen. Vermutlich sind die größeren Vorratsgefäße in die späte<br />

1. Dyn. zu datieren und stammen aus älteren Magazinbeständen.<br />

Bei den Weinkrügen lassen sich Warengruppen aus Mergelton und<br />

Nilton unterscheiden. Die meisten Gefäße weisen einfache<br />

Ritzmarken auf, 6 Exemplare haben noch die Verschlusskappen<br />

(Abb. 41) und 3 Gefäße befinden sich in Tragnetzen aus<br />

Pflanzenfasern (Abb. 42), die ebenso wie die in der Kammer<br />

verbliebenen hölzernen Tragestangen auf eine recht eilige<br />

Beschickung schließen lassen. Die streifenpolierten Gefäße<br />

enthielten vermutlich alle Christusdornfrüchte, etwa die Hälfte<br />

tragen Tintenaufschriften. Zwischen der Keramik kamen zudem<br />

zahlreiche Verschlusskappen von Weinkrügen zutage, sämtlich mit<br />

Siegelabrollungen des Ninetjer. Am Ostende der Galerie wurden<br />

bei der weite-<br />

Abb. 41: Weinkrug mit Verschluß<br />

ren Reinigung<br />

im Durchlass<br />

zur Rampe eine<br />

größere Anzahl Holzfragmente gefunden, darunter<br />

Zeltstangen von einem Reisezelt (ähnlich dem der<br />

Hetep-Heres). Weitere Stücke stecken noch unter<br />

der Steinfüllung der Rampe.<br />

Im Vergleich mit dem Grab des Vorgängers<br />

(Ra-Neb/Hotepsechemui) war zu vermuten, dass<br />

sich ähnliche Galerien auch östlich der Rampe<br />

unter dem Grab des Neb-kau-Hor befinden. Diese<br />

Annahme bestätigte sich bei der Untersuchung von<br />

spätzeitlichen Schächten innerhalb des Grabes des<br />

Neb-kau-hor. Einer der Schächte (NKH-01) ist<br />

9,50m tief und führt nach Westen zu einer<br />

Grabkammer, im Osten gibt es einen Durchbruch<br />

zur Grabkammer des Neb-kau-Hor. In ca. 4,50m<br />

Tiefe schneidet dieser Schacht Kammern, die<br />

eindeutig zum Grab des Ninetjer gehören.<br />

Nach Vermauerung der Grabkammern und<br />

Auffüllung des Schachtes bis auf das Bodenniveau<br />

des Ninetjer konnte zunächst im Westen eine<br />

Galerie festgestellt werden (A 400), die sich etwa<br />

gegenüber der westlichen Galerie A 300 befindet.<br />

26<br />

Abb. 42: Weinkrug mit Tragnetz


Sie ist ca. 6,20m lang, 1,40m<br />

breit und war weitgehend mit<br />

eingerieseltem Sand gefüllt.<br />

Am Boden fanden sich aber<br />

noch ein Konvolut von kleinen<br />

Scheingefäßen aus Ton, zwei<br />

Steingefäßrohlinge, einige<br />

halbfertige große Flintmesser<br />

sowie eine Flintknolle mit<br />

Tintenaufschrift (Abb. 43). Das<br />

ganze Ensemble vermittelt den<br />

Eindruck als sei es hier<br />

Abb. 43: Scheingefäße und Flintobjekte in A 400<br />

niedergelegt worden, um dann<br />

im Jenseits weiterbearbeitet zu<br />

werden.<br />

Nach Norden hat der Schacht<br />

NKH-01 Verbindung zu einer<br />

kleinen Kammer (A 208), die<br />

zu einer weiteren NW-SO<br />

orientierten Galerie von<br />

16,60m Länge und 1,10m Breite<br />

führt (A 200). Sie entspricht der Galerie A 100 westlich der Rampe und wie bei A 100 gehen von A<br />

200 beidseitig nach Norden und Süden jeweils 7 Kammern unterschiedlicher Größe ab (Länge 3,00 -<br />

7,00m; Breite 0,60 - 1,00m), die nur grob ausgehauen sind und noch unfertig wirken.<br />

Die Galerie und die Seitenkammern sind<br />

sämtlich für spätere Bestattungen wieder genutzt<br />

und z.T. mit der Anlage von Grabschächten und<br />

Grabkammern erheblich umgestaltet worden.<br />

Besonders betroffen ist der westliche Abschnitt,<br />

wo ein Teil der Galerie A 200 und die<br />

anschließenden nördlichen Kammern zu zwei<br />

größeren Raumkomplexen erweitert wurden. In<br />

den Grabkammern befinden sich zahlreiche,<br />

zumeist durch Grabräuber gestörte Holzsärge und<br />

Mumien (Abb. 44), am Ostende der Galerie A 200<br />

sind vier reich dekorierte Särge in zwei Lagen<br />

nebeneinander aufgestapelt. Neben 26 von Särgen<br />

abgerissenen Holzmasken fanden sich an<br />

verstreuten Beigaben u.a. 16 hölzerne Osirisstatuetten,<br />

29 Fayenceuschebtis, mehrere Holzkisten<br />

mit Dekor, zwei Kästen mit Falkenfiguren<br />

auf dem Deckel sowie viele fragmentarische<br />

Stücke.<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren G. Dreyer, S.<br />

Boos, H. Köpp, C. Lacher, E. Peintner, I. Regulski, T.<br />

Reichl und A. Rifaad.<br />

G.D.<br />

27<br />

Abb. 44: Nachbestattungen in A 205/207


Tell el-Fara‘in/Buto<br />

Die Arbeiten in Buto wurden vom 13. bis zum 31.10.2008 mit einer kurzen Aufarbeitungskampagne<br />

und von 29.3. bis zum 10.5.<strong>2009</strong> mit einer Frühjahrskampagne fortgesetzt.<br />

Schwerpunkt der Herbstkampagne<br />

war die Weiterarbeit an<br />

der frühzeitlichen Keramik, die<br />

Aufnahme und statistische<br />

Auswertung der Tierknochen<br />

sowie der bisher zutage gekommenen<br />

Münzen aus ptolemäischer<br />

und römischer Zeit.<br />

Im Frühjahr <strong>2009</strong> wurden die<br />

Ausgrabungen nördlich des<br />

Dorfes Sekhmawy fortgesetzt<br />

und die anthropologischen<br />

Untersuchungen des in den<br />

letzten Jahren geborgenen<br />

Skelettmaterials weitergeführt.<br />

Im Anschluss an die Frühjahrskampagne<br />

setzte vom<br />

11.5. bis zum 10.6. ein Team<br />

der Universität Poitiers unter<br />

Abb. 45: Saitisches Gebäudefundament aus der ersten Hälfte des 6.<br />

Jh. v. Chr.<br />

28<br />

Leitung von Pascale Ballet im<br />

Rahmen eines Projekts zu<br />

industriellen Aktivitäten im<br />

hellenistischen Buto die Ausgrabungen am Nordosthang des nördlichen Siedlungshügels fort und<br />

untersuchte zudem einen bereits von den englischen Grabungen in den 1960er Jahren teilweise<br />

freigelegten, ptolemäisch/römischen Badehauskomplex.<br />

Bei den Arbeiten nördlich von Sekhmawy<br />

wurden neben der weiteren Klärung eines ca. 25 x<br />

25m messenden saitischen Gebäudefundaments<br />

aus der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts v. Chr.<br />

(Abb. 45), das zu einem mehrstöckigen Haus<br />

gehört haben dürfte, die verbliebenen Fundamentreste<br />

eines benachbarten, im Herbst 2007 und<br />

im Frühjahr 2008 untersuchten saitischen<br />

Gebäudes abgebaut. Dieses überlagert spärliche<br />

Reste einer weitgehend planierten frühsaitischen<br />

Bebauung aus dem 7. Jahrhundert, deren ursprünglicher<br />

Plan nicht mehr zu erschließen war<br />

sowie die Mauerzüge eines frühdynastischen<br />

Gebäudekomplexes, der, in anderen Teilen bereits<br />

in vorangegangenen Kampagnen freigelegt, in der<br />

ersten Hälfte der 1. Dynastie errichtet und in der<br />

Mitte der 2. Dynastie nach einem Brand zumindest<br />

teilweise aufgegeben worden ist. Auch die in<br />

der jetzigen Kampagne erreichten Mauerkronen<br />

eines weiteren Teils dieses frühdynastischen<br />

Gebäudes (Abb. 46) weisen stellenweise Brandspuren<br />

auf.<br />

In anderen Bereichen des Grabungsareals ist<br />

Abb. 46: Mauerkronen der frühdynastischen<br />

Bebauung


Abb. 47: Opfer(?)grube der 3. Zwischenzeit und aufscheinende<br />

Mauerzüge der frühen 1. Dynastie<br />

29<br />

dieses Siedlungsniveau nicht mehr<br />

erhalten, sondern durch große<br />

Gruben der 3. Zwischenzeit (spätes<br />

8. Jahrhundert v. Chr.) vollständig<br />

gestört. Hier kamen unter den spätzeitlichen<br />

Befunden bereits Mauerzüge<br />

der frühen 1. Dynastie zutage,<br />

die zu mehreren kleineren Gebäuden<br />

mit neben den Mauern<br />

eingegrabenen Vorratsgefäßen gehört<br />

haben dürften. Der Bereich<br />

soll in der kommenden Kampagne<br />

weiter untersucht werden. Eine<br />

dieser großen Gruben der 3.<br />

Zwischenzeit (mit über 5m Durchmesser<br />

und einer Tiefe von fast<br />

zwei Metern, Abb. 47) erwies sich<br />

mit rötlich-aschigem Material<br />

verfüllt und ergab auf verschiedenen<br />

Niveaus gleichartige, sich<br />

überlagernde Befunde, nämlich<br />

Ansammlungen von zerscherbter<br />

Keramik, vor allem Schalen und Schüsseln, und Skelettteile von Großtieren, wahrscheinlich von<br />

Rindern. In den die Grube überlagernden Schichten waren bereits früher mehrere vollständige<br />

Rinderskelette zutage gekommen. Die mehrfache gemeinsame Deponierung von Keramik und<br />

Tierknochen lässt eine bewusste Niederlegung und nicht nur die willkürliche Verfüllung einer<br />

Abfallgrube vermuten, die Grube scheint daher eine periodisch genutzte Opfergrube gewesen zu sein,<br />

ohne dass allerdings zu sagen wäre, in welchem Zusammenhang sie steht.<br />

In einem dritten Areal wurden<br />

frühsaitische Siedlungsschichten<br />

erreicht. Da hier eine spätere Überbauung<br />

durch größere Gebäude<br />

fehlt, waren die unteren Ziegellagen<br />

der Mauern mehrerer Räume<br />

eines Wohnkomplexes erhalten.<br />

Einer der Räume, möglicherweise<br />

ein Innenhof, hatte offensichtlich<br />

als Küche gedient, wie mehrere,<br />

durch eine kleine Ziegelmauer<br />

eingerahmte Feuerstellen (Abb. 48)<br />

sowie zahlreiche Fragmente von<br />

Kochtöpfen zeigen. In einer späteren<br />

Umbauphase ist das Raumkonzept<br />

verändert und der Küchen-<br />

raum mit zwei Rundspeichern<br />

überbaut worden.<br />

Im gleichen Grabungsbereich<br />

Abb. 48: Frühsaitische Wohneinheit mit Kochstellen<br />

fanden sich auch zwei in Ost-West-Richtung orientierte, spätptolemäisch/frührömische Bestattungen<br />

ohne jegliche Beigaben. Während die eine in einer einfachen Erdgrube beigesetzt ist, sind für die<br />

andere ein großes Vorratsgefäß und ein Teil eines Keramiksarkophags benutzt worden.<br />

Teilnehmer an der Herbstkampagne waren U. Hartung, P. Ballet, Th. Foucher, R. Hartmann und Ch. Kitagawa,<br />

an der Frühjahrskampagne nahmen U. Hartung, E. Hower-Tilmann, C. Jeuthe, P. Kopp, W. Kreibig, S. Lösch<br />

und P. Tilmann teil.<br />

U.H.


Siwa<br />

Grabungen konzentrierten sich auf (1.) den Vorbereich mit dem „Festhof“ ganz im Norden der<br />

Tempelanlage von Umm Ubaydah (Abb. 49), (2.) den Bereich nordöstlich vor der Fassade sowie (3.)<br />

östlich der noch anstehenden Mauerreste des Tempels, (4.) südlich der königlichen Bestattungsanlage<br />

im Südteil des Tempelhauses und (5.) den südwestlichen Bereich der Umfassungsmauer.<br />

Abb. 49: Plan des Tempels von Umm Ubaydah<br />

Im Vorbereich erbrachten sie Reste regelmäßig gesetzter Fundamentierungsblöcke sowie eine<br />

Verfüllung aus Bruchgestein, deren Bedeutung für die Gestaltung des Vorbereiches zwar noch unklar<br />

ist, aber doch einen axialen Bezug (dromos?) zu erkennen gibt und Aussicht auf möglichen Aufschluss<br />

durch weiteren Grabungen in diesem Bereich eröffnet (Abb. 50).<br />

30


Abb. 50: Tempelvorbereich<br />

31<br />

Östlich der ehemaligen Tempelhaus-Fassade<br />

wurde bei -15.60m/<br />

NN erstmals das ursprüngliche<br />

Fundamentierungsniveau im Umkreis<br />

des Hügelchens erreicht, auf<br />

dem das Tempelhaus errichtet<br />

worden war. Zwischen 2,50m –<br />

3,50m unter dem „Erdreich“ (d.h.<br />

zu „Sand“ erodierter Gesteinsbruch<br />

und zumeist kleinteilige Überreste<br />

zerschlagenen Blockmaterials)<br />

kamen verstürzte Reste einer<br />

zweiten Säulenfundamentierung<br />

zum Vorschein, die ihrerseits auf<br />

einem Fundament aus kleineren<br />

Einzelsteinen errichtet worden<br />

war. Auf diesem Fundament, das<br />

im Vergleich zum ehemaligen<br />

Laufhorizont des Tempels<br />

(Tempel-Fußboden) 5.60m(!) tiefer<br />

lag, fand sich eine Ritzlinie, welche die Flucht der (in ihrer architektonischen Bedeutung noch<br />

unklaren) Säulenstellung vor der Tempelhaus-Fassade vorgab. Weitere derartige Fundamentreste mit<br />

Fluchtlinien (für Fundamentierungslagen) fanden sich in unmittelbarer Nähe östlich und südlich davon<br />

(Abb. 51).<br />

Östlich des einzigen noch aufgehenden Mauerrestes des Tempelhauses ließ sich die Fortsetzung<br />

der Fundamentierungen für die Umfassungsmauer sowie der an diese von Westen her angelehnten<br />

Räumlichkeiten weiterverfolgen. Im Süden des Tempelhauses bzw. der unterirdischen Bestattungsanlage<br />

für die Familie des Königs Wenamun war der Fels anscheinend zum Fundament einer<br />

breiten, ursprünglich mit Blockmaterial ergänzten<br />

Mauer abgearbeitet worden. Im Südwesten der<br />

Anlage konnte die Ecke der Umfassungsmauer<br />

bestimmt werden.<br />

Unter dem Blockversturz nördlich der Fassade<br />

erbrachte eine begrenzte Säuberung den dekorierten<br />

Überrest eines großen Steinbalkens, der<br />

mutmaßlich einmal als Sturz über dem<br />

Eingangstor des Tempelhauses lag. Er zeigt(e)<br />

links (und rechts) einer zentralen Sonnenscheibe<br />

mit Uräen eine thronende männliche Gottheit begleitet<br />

von einer weiblichen Figur, die eine Opfergabe<br />

von dem (ammonischen?) König empfangen<br />

(Abb. 52).<br />

Damit scheint sich die Vermutung zu<br />

bestätigen, dass die Fassade in Analogie zur<br />

Fassade des Orakeltempels gestaltet worden war,<br />

d.h. zusätzlich zum eigentlichen Tor in der bis<br />

zum Dachkranz dekorierten Fassade das<br />

charakteristische, dort aus der Verkürzung des<br />

Pronaos herrührende Tor mit durchbrochenem<br />

Türsturz besaß.<br />

Für die größte Überraschung sorgte eine<br />

stichprobenartige Grabung südlich der beiden<br />

noch erhaltenen Fundamentsockel auf der Ostseite<br />

der rückwärtigen Kolonnade des mutmaßlichen<br />

„Festhofes“ worin die Prozessionsstrasse mün-<br />

Abb. 51: Säulenfundamentierung vor der<br />

Fassade


Abb. 52: Rest eines Sturzes, vermutlich von der<br />

Tempelhausfassade<br />

32<br />

dete. Unternommen, um die Möglichkeit<br />

zu prüfen, ob hier vielleicht noch Fundamentreste<br />

der anzunehmenden Hofmauer<br />

festzustellen sind, - mit bislang unschlüssigem<br />

Ergebnis - kamen in stark beraubten<br />

und durchfeuchteten unteren Schichten<br />

Blöcke mit griechischer Beschriftung zum<br />

Vorschein (Abb. 53).<br />

Bei diesen handelt es sich nicht um<br />

Stelenmaterial, wie es während vergangener<br />

Kampagnen auf Aghurmi<br />

gefunden wurde. Die Blöcke geben<br />

eindeutig zu erkennen, dass sie ehemals<br />

Teile eines Mauerverbands bildeten, also entweder zu einem Gebäude(teil) gehörten (z.B. Einfriedung<br />

der Prozessionsstrasse), zum Sockel einer prächtigeren Votivgabe (z.B. einer größeren Stele oder eines<br />

Standbildes) oder zu einem großen gemauerten Altar. Als Herkunftsort wird man den dromos<br />

annehmen dürfen, wo sich für den Zeitpunkt der Errichtung (oder des Umbaus) des Umm Ubaydah<br />

Tempels ebenfalls Baumassnahmen annehmen lassen und ältere Weihegaben vermutlich solchen aus<br />

jüngerer Zeit weichen mussten.<br />

Abb. 53: In Fundamentschichten des Umm Ubaydah Tempels verbaute griechische Inschriften (Fundlage<br />

und Umzeichnung mit Ortsnamen)<br />

Die Inschriften datieren offenkundig vor die Errichtung des Tempels von Umm Ubaydah, der –<br />

bislang nicht nachprüfbar – aufgrund einer von früheren Reisenden kopierten Kartusche in die Zeit<br />

Nektanebos II. datiert wird. Palaeographisch könnten sie bereits aus der 1. Hälfte des 5. Jhs. v. Chr.<br />

stammen. Sie sind insbesondere dadurch interessant, dass sie neben den Namen der Besucher/<br />

Weihenden auch deren Herkunftsorte nennen: Sparta und die Cyrenaika. Beide sind aus der<br />

geschichtlichen Überlieferung auch sonst für enge Beziehungen zum Ammoneion bekannt. Zweimal<br />

tritt die Bezeichnung „Lakedaimon(ier)“ auf (...ΛΑΚΕΔΑΙΜ...: Λακεδαιµ[όnιoς]), und aus der<br />

Cyrenaika finden sich die Ortsnamen „Barke“/al-Marg (...ΑΠΟΒΑΡ... : όπό Βάρ[κης]; SGDI II<br />

2175) und „Cher(so)nasion“ (...ΑΠΟXΕΡΝΑΣΙΩ: όπό Χερνάσιό). Letzteres („Klein-<br />

Chersonesos“) könnte entweder in Opposition zu „Gross-Chersonesos“/Ra’s al-Tin am Golf von<br />

Bombae/Bumbah stehen, oder es stellt möglicherweise nur eine Variante zu „Chernasos“ dar (G.<br />

Oliverio, Documenti antichi dell’Africa Italiana, Cirenaica I, Bergamo 1932). Mit großer<br />

Wahrscheinlichkeit aber handelt es sich nicht um Chersonesos Mikra bei Plinthine in der Mareotis.<br />

Teilnehmer an der Kampagne waren K.-P. Kuhlmann, B. Böhm, E. Büttner, A.-C. Escher, N. Flessa, M. Fuss, A.<br />

und M. al-Tayyib sowie D. TePass.<br />

K.-P.K


Kupferversorgung im prädynastischen Ägypten<br />

Im Rahmen des Kooperationsprojekts der Abteilung Kairo und der Orientabteilung des DAI mit<br />

dem Deutschen Bergbaumuseum Bochum und der Geologischen Fakultät der Universität Kairo (DAI-<br />

Forschungscluster 2 „Innovation: Technisch, Sozial“) zur frühen Kupferversorgung Ägyptens wurden<br />

als Schwerpunkt der Arbeiten die petrographischen, chemischen und bleiisotpischen Untersuchungen<br />

der bei den vorjährigen Exkursionen zu Kupferlagerstätten und Verhüttungsplätzen auf den Sinai und<br />

in die Ostwüste gesammelten Erz- und Schlackeproben fortgesetzt. Die Analysen werden z.T. in der<br />

Forschungsstelle für Archäologie und Materialwissenschaften des Deutschen Bergbaumuseum<br />

Bochum und z.T. im Geochronologielabor der Universität Münster durchgeführt und ergänzen eine<br />

Datenbank, die bereits für Kupferlagerstätten im Wadi Arabah (Feinan/Jordanien, Timna/Israel) und<br />

im nordwestlichen Saudi-Arabien besteht. Einen Teil der Auswertung der Messergebnisse wurde von<br />

T. Hardieck im Rahmen einer BA-Arbeit übernommen.<br />

Die am Projekt beteiligten ägyptischen Geologen unternahmen im Sommer <strong>2009</strong> eine weitere<br />

Fahrt zu schwerer zugänglichen Erzvorkommen auf dem Sinai. Die gesammelten Proben sollen<br />

während eines zweiten, für das nächste Frühjahr geplanten Forschungsaufenthalts von Dr. Ali<br />

Abdelmotelib in Bochum untersucht werden.<br />

Parallel dazu wurde die Beprobung von archäologischem Vergleichsmaterial, d.h. frühen<br />

Kupferobjekten aus verschiedenen Museen begonnen, so in Philadelphia, New York (Metropolitan<br />

und Brooklyn Museum), Brüssel und Hannover. Mit weiteren Museen und Sammlungen wurde<br />

Kontakt aufgenommen und Modalitäten einer Beprobung besprochen (z.B. British Museum, Petrie<br />

Collection, Ashmolean Museum). Dabei erwiesen sich allerdings die Möglichkeiten einer Beprobung<br />

von prädynastischen Kupferobjekten als begrenzt, denn viele Funde, z.B. dünne Nadeln, sind für eine<br />

Beprobung zu klein und bei größeren, zumeist gut erhaltenen Objekten verbietet sich eine Beprobung<br />

nach konservatorischen Gesichtspunkten. Zudem ist die Zahl prädynastischer Funde mit gesicherter<br />

Herkunft in den verschiedenen Sammlungen recht<br />

klein, die Mehrzahl der „frühen“ Museumsstücke<br />

stammt aus frühdynastischer Zeit, vor allem aus<br />

den Königsgräbern von Abydos.<br />

Abb. 54: Geöffnetes Lotuskapitell in verschiedenen<br />

Fertigungsstadien, Kalkstein, H 26,5cm, Berlin<br />

14137 (freundliche Genehmigung des Ägyptischen<br />

Museums Berlin)<br />

Teilnehmer des Projekts sind A. Abdelmotelib, A. el-<br />

Manawi (beide Geologische Fakultät der Universität<br />

Kairo), U. Hartung, R. Hartmann, A. Hauptmann<br />

(<strong>Deutsches</strong> Bergbaumuseum Bochum) und K. Pfeiffer<br />

(Orientabteilung des DAI).<br />

U.H.<br />

33<br />

Altägyptische Architekturmodelle<br />

Antike Architekturmodelle, die gebaute oder<br />

geplante Architektur verkleinert wiedergeben, sind<br />

sehr selten erhalten. Ägypten stellt diesbezüglich<br />

eine Ausnahme dar: Über 130 Modelle, meist<br />

Detailmodelle etwa von Säulen oder Säulenkapitellen,<br />

werden weltweit in Museen aufbewahrt.<br />

Diese Modelle, die aus dem 1. Jahrtausend v. Chr.<br />

stammen, ermöglichen teils mehr noch als<br />

vollendete Architekturdetails Erkenntnisse über<br />

das Vorgehen und die Fähigkeiten der Handwerker<br />

und Planer. Das 2006 in Berlin begonnene und nun<br />

in Kairo fortgesetzte Projekt erforscht die Modelle<br />

auf Basis millimetergenauer Vermessungen und<br />

Zeichnungen (Abb. 54).<br />

Das Ägyptische Museum in Kairo allein


Abb. 55: Bündelsäule mit Papyrus-<br />

Palmetten-Kompositkapitell,<br />

Kalkstein, H ca. 68cm, Kairo JE<br />

47090 (Foto N. Tomoum)<br />

besitzt etwa 70 Architekturmodelle. Die meist aus Kalkstein<br />

gefertigten Objekte sind durchschnittlich 10 bis 30cm hoch und in<br />

der Regel sehr sorgfältig gearbeitet. Sie zeigen häufig vollendete<br />

Baudetails (Abb. 55), manche bilden aber bewusst verschiedene<br />

Stadien der Fertigung nebeneinander ab (Abb. 54 und 56).<br />

Besonders aufschlussreich sind eingeritzte Hilfslinien, welche das<br />

konstruktive Vorgehen der Bauleute genau nachvollziehbar<br />

machen. Andere Stücke verraten die ungeübte Hand eines Schülers.<br />

Die Frage, warum Modelle im ägyptischen Bauwesen der sog.<br />

Spätzeit und der griechisch-römischen Epoche eine so große Rolle<br />

spielten, kann nur in Zusammenhang mit der Wissens-, Technik-<br />

und Baugeschichte verstanden werden. Da viele der Modelle<br />

offenbar dem Lernen und Üben gedient haben, kann man auf eine<br />

organisiertere Form der Ausbildung in dieser Epoche schließen, in<br />

der man sich phasenweise intensiv mit der eigenen Bau- und<br />

Kunstgeschichte auseinandersetzte. Vermutlich wurden die<br />

Modelle aber auch auf der Baustelle eingesetzt. Die Oberflächen<br />

und Details ägyptischer Steinarchitektur wurden von den<br />

Steinmetzen erst zugerichtet, als die einzelnen Blöcke bereits<br />

versetzt waren. Dies geschah also meist auf hohen Gerüsten, auf die<br />

man die handlichen Modelle gut mitnehmen konnte. Schließlich<br />

wurde die ägyptische Bauornamentik ab dem 7. Jh. v. Chr. enorm<br />

bereichert, in ihrer Vielfalt wie in ihren jeweiligen Details. Die<br />

Entwicklung dieser Formen, von denen manche nie realisiert<br />

wurden oder nicht mehr erhalten sind, lässt sich anhand der<br />

Modelle in einmaliger Weise nachvollziehen.<br />

2006 wurden 17 Modelle in Berlin gezeichnet. Nachdem es im<br />

Berichtszeitraum gelungen ist, anhand der Inventare des<br />

Ägyptischen Museums in Kairo über 50 bisher unpublizierte Beispiele zu identifizieren, sollen im<br />

kommenden Jahr ausgewählte Kairener Objekte ebenfalls im Maßstab 1:1 gezeichnet werden. Neben<br />

dem Studium der Modelle ist die<br />

Untersuchung gebauter Architekturornamentik<br />

erforderlich. Zwei<br />

Kapitelle der mittelägyptischen<br />

Nekropole von Tuna el-Gebel<br />

wurden 2008 detailliert vermessen,<br />

weitere Aufnahmen sind geplant.<br />

Kooperationspartner: Ägyptisches<br />

Museum Kairo, Ägyptisches Museum<br />

und Papyrussammlung<br />

Berlin, Lehrstuhl Baugeschichte<br />

BTU-Cottbus, Max-Planck-<strong>Institut</strong><br />

für Wissenschaftsgeschichte Berlin,<br />

Roemer- und Pelizaeus-<br />

Museum Hildesheim.<br />

Leitung des Projekts: U. Fauerbach<br />

U.F.<br />

Abb. 56: Geöffnetes Lotuskapitell in verschiedenen Fertigungsstadien,<br />

Kalkstein, H 17,5cm, Kairo GC 33396/JE 36501 (Foto N. Tomoum)<br />

34


Die Geschichte der Abteilung Kairo des DAI im Spannungsfeld deutscher<br />

politischer Interessen von 1881-1966<br />

Im Jahre 2006 hat das DAI ein Forschungscluster (Cluster 5) für Wissenschaftsgeschichte<br />

eingerichtet. Im Rahmen dieses Projekts arbeiten die Zentrale und einige der Auslandsabteilungen ihre<br />

Geschichte des 20. Jahrhundert auf, die ausgehend von der NS-Zeit je nach einzelner Fragestellung<br />

auch die Wurzeln und die Konsequenzen des NS-Einflusses auf das DAI darstellen sollen.<br />

Für die Abteilung Kairo wurde seitdem im Rahmen von befristeten Verträgen zunächst eine<br />

intensive Aktenrecherche begonnen, die sich neben dem umfangreichen Aktenkonvolut in der<br />

Abteilung in Kairo und in der Berliner Zentrale auch auf verschiedene außerhäusige Archive in Berlin,<br />

Kairo und Wien erstreckt. Mit fortschreitendem Aktenstudium kristallisierte sich der Zeitraum 1881<br />

bis 1966 als Untersuchungsrahmen heraus: 1881 erhob sich die erste Stimme in Deutschland, die die<br />

Gründung eines deutschen ägyptologischen <strong>Institut</strong>s in Kairo forderte. 1966 bildete der tragische<br />

Unfalltod des ersten Nachkriegsdirektors Hanns Stock den Schlusspunkt einer Geschichte der<br />

Abteilung, die noch weit über das Kriegsende hinaus mit ihrem schweren NS-Erbe zu kämpfen hatte.<br />

Geplant ist eine Publikation, die neben der Aufarbeitung dieser historischen Dokumente eine<br />

Darstellung der Abteilung Kairo zum Ziel hat, die ihre historischen Wurzeln, ihr Selbstverständnis und<br />

ihre Ziele als wissenschaftliche <strong>Institut</strong>ion in einem fremden Land widerspiegelt und verständlich<br />

macht. Dabei ist unbestritten, dass in den Anfangsjahren, der Kaiserzeit und Weimarer Republik,<br />

sowie in der NS-Zeit eine politische Verwicklung der <strong>Institut</strong>ion als Repräsentantin der deutschen<br />

Wissenschaft im Ausland eine Rolle spielte.<br />

Das Forschungscluster 5 steht unter der wissenschaftlichen Betreuung des Zeithistorikers Prof. Dr.<br />

Christian Jansen, Berlin. Die einzelnen Projekte werden je nach Schwerpunkt von Zeithistorikern,<br />

Klassischen Archäologen und Ägyptologen in interdisziplinärer Zusammenarbeit und regelmäßigem<br />

Austausch bearbeitet. Das Cluster ist in der Zentrale angesiedelt. <strong>2009</strong> wurde jedoch die Aufarbeitung<br />

der Abteilung Kairo aufgrund ihres Umfangs und ihrer spezifischen Eigenheiten zu einem eigenen<br />

Forschungsprojekt der Auslandsabteilung vor Ort umgewidmet.<br />

Leitung des Projekts: S. Voss<br />

2. Veröffentlichungen der Abteilung<br />

Erschienen sind:<br />

MDAIK 63, 2007<br />

SDAIK 16 U. Rößler-Köhler/T. Tawfik (Hrsg.), Die ihr vorbeigehen werdet …<br />

Wenn Gräber, Tempel und Statuen sprechen. Gedenkschrift für Sayed<br />

Tawfik Ahmed<br />

SDAIK 23 G. Hollender, Amenophis I. und Ahmes Nefertari. Untersuchungen<br />

zur Entwicklung ihres posthumen Kultes anhand der Privatgräber der<br />

thebanischen Nekropole<br />

SDAIK 34 S. Kubisch, Lebensbilder der 2. Zwischenzeit. Biographische<br />

Inschriften der 13.-17. Dynastie<br />

Im Druck befinden sich:<br />

MDAIK 64, 2008<br />

MDAIK 65, <strong>2009</strong><br />

35<br />

S.V.


AV 114 K.-C. Bruhn, Ammoniaca I: Architektur und Geschichte des Amasiszeitlichen<br />

Tempels auf Aāūrmī, Oase Siwa<br />

AV 60 F.A. Badawi, J. Kuckertz, F.W. Rösing, S. Bergander, S. Klug,<br />

Merimde – Benisalâme IV. Die Bestattungen<br />

AV 105 H. Jaritz et al., Elephantine XXV. Der Widderfriedhof des<br />

Chnumtempels<br />

AV 121 T. Hikade, The lithic industries on Elephantine Island during the 3rd<br />

millennium BC<br />

AV 123 G.T. Martin, Private Stelae of the Early Dynastic Period from the<br />

Royal Cemetery at Abydos<br />

SAGA 23 B. Adams, Fancy Stone Vessels from the Royal Tombs at Abydos<br />

SAGA 25 E.C. Köhler, Helwan II<br />

SDAIK 33 U. Rummel, Pfeiler seiner Mutter – Beistand seines Vaters.<br />

Untersuchungen zum Gott Iunmutef vom Alten Reich bis zum Ende<br />

des Neuen Reiches<br />

Außerhalb der Reihen R. Klemm/D. Klemm, Stones of the Pyramids. Provenance of the<br />

building stones of the Old Kingdom pyramids of Egypt<br />

3. Publikationen, Vorträge und Lehrveranstaltungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern<br />

der Abteilung<br />

<strong>2009</strong> erschienene Publikationen:<br />

N. ALEXANIAN und ST. SEIDLMAYER, Spurensuche am Aufweg der Knickpyramide, in: Sokar 18,<br />

<strong>2009</strong>, S. 22-23.<br />

G. DREYER, Early Writing in Ancient Egypt, in: Kh. Azab/A. Mansour (eds.), Journey of<br />

Writing in Egypt, Alexandria 2008, S. 14-23.<br />

- , Neue Forschungen in Abydos, in: Sokar 18, <strong>2009</strong>, S. 6-7.<br />

- , Neuentdeckte Kammern im Grab des Ninetjer, in: Sokar 18, <strong>2009</strong>, S. 20-21.<br />

- , Eine Statue des Königs Dewen aus Abydos?, in: S.H. D’AURIA (ed.), Offerings to the<br />

Discerning Eye - An Egyptological Medley in Honor of Jack A. Josephson, Culture and<br />

History of the Ancient Near East 38, Leiden/Boston 2010 (bereits <strong>2009</strong> erschienen), S. 73-78.<br />

P. GROSSMANN, Cruz de Moisés, Sinaí. Moses’Cross, in: C. GARCÍA DE CASTRO VALDÉS (Hrsg.),<br />

Signum salutis. cruces de orfebrería de los siglos V al XII, Oviedo 2008, S. 47-50.<br />

- , Report on the excavations in Antinoopolis in January/February 2008, in: R. PINTAUDI,<br />

Antinoupolis. Istituto papirlogico “Girolamo Vitelli” Università degli studi di Firenze, in: R.<br />

PIRELLI (ed.), Ricerche italiane e scavi in Egitto, vol. III, Cairo <strong>2009</strong>, S. 195-204.<br />

- , On the architecture at Wādī al-Nat�rūn, in: M.S.A. MIKHAIL/M. MOUSSA (eds.),<br />

Christianity and monasticism in Wadi al-Natrun, Cairo/New York <strong>2009</strong>, S. 150-184.<br />

- , Report on the excavation in Antinoopolis in January/February 2008, in: BSAC 47, 2008, S.<br />

25-29.<br />

- , Mittelalterliche chalkedonensische Kirchen und Klöster in Unter-Ägypten, ebenda, S. 41-51.<br />

- , Historical Bibliography of Christian Egypt and Nubia, ebenda, S. 165-193.<br />

36


- , Late-Antique Architecture in Egypt: Evidence of textile decoration, in: C. FLUCK (ed.),<br />

Clothing the house. Furnishing textiles of the 1st Millenium AD from Egypt and neighbouring<br />

countries, Tielt <strong>2009</strong>, S. 16-35.<br />

- , Zu den syrischen Kirchen mit rechteckigen Altarräumen, in: I. EICHNER/V. TSAMAKDA<br />

(Hrsg.), Syrien und seine Nachbarn von der Spätantike bis in die islamische Zeit (FS Strube),<br />

Wiesbaden <strong>2009</strong>, S. 103-111.<br />

P. GROSSMANN u.a., Byzantinische Bibliographie, in: ByzZ 102,1, S. 293ff.<br />

U. HARTUNG u.a., Tell el-Fara’in/Buto, 9. Vorbericht, in: MDAIK 63, 2007, S. 69-165.<br />

U. HARTUNG und P.BALLET, Report on the Work of the German Archaeological <strong>Institut</strong>e at Tell el-<br />

Fara’in/Buto in 2006, in: ASAE 82, 2008, S. 113-141.<br />

I.LEHNERT, Bibliothek und Archiv des Deutschen Archäologischen <strong>Institut</strong>s Kairo (DAIK)<br />

In: Theke aktuell. 16.<strong>2009</strong>, Nr. 2-3: S. 29-34<br />

D. POLZ, Der Hohepriester des Amun Minmonth und seine Grabanlage in Theben, in: D.<br />

KESSLER, R. SCHULZ, M. ULLMANN, A. VERBOVSEK, ST. WIMMER (Hrsg.), Texte-<br />

Theben-Tonfragmente, Festschrift für Günter Burkard, ÄAT 76, Wiesbaden <strong>2009</strong>, S. 337-347.<br />

ST. SEIDLMAYER, Väter und Söhne. Generationen aus der Sicht der Ägyptologie, in: M. Szydlik und<br />

H. Kühnemund (Hrsg.), Generationen, Multidisziplinäre Perspektiven (Fs. M. Kohli),<br />

Wiesbanden <strong>2009</strong>, 45-58<br />

- , Prestigegüter im Kontext der Breitenkultur im Ägypten des 3. und 2. Jahrtausends v.Chr., in:<br />

Berit Hildebrandt und Caroline Veit (Hrsg.), Der Wert der Dinge, Güter im<br />

Prestigediskurs, München <strong>2009</strong>, 309-334<br />

- , Archäologische Befunde militärgeschichtlicher Aussagekraft, in: R. Gundlach und C. Vogel<br />

(Hrsg.), Militärgeschichte des pharaonischen Ägypten, Paderborn <strong>2009</strong>, 147-165<br />

- , El origen del estado en el antiguo Egipto, in: Peter Kaulicke und Tim D. Dillehay (Hrsg.),<br />

Procesos y expresiones de poder, identidad y orden tempranos en Sudamerica. Segunda parte,<br />

Boletin de Arqueologia PUCP 11, 2007 (erschienen <strong>2009</strong>), 325-352<br />

- , Vom Raten zum Wissen. Adolf Erman und das Wörterbuch der ägyptischen Sprache an der<br />

Berliner Akademie, in: A. Baertschi und C. King (eds.), Die modernen Väter der Antike. Die<br />

Entwicklung der Altertumswissenschaften an Akademie und Universität im Berlin des 19.<br />

Jahrhunderts, Berlin <strong>2009</strong>, 481-502<br />

Weitere projektbezogene Publikationen:<br />

A. EFFLAND und U. EFFLAND, Osiris. Mittler zwischen den Welten, in: Spektrum der Wissenschaft,<br />

6/<strong>2009</strong>, S. 12-19.<br />

U. RUMMEL, Grab oder Tempel? Die funeräre Anlage des Hohenpriesters des Amun Amenophis in<br />

Dra’ Abu el-Naga (Theben-West), in: D. KESSLER, R. SCHULZ, M. ULLMANN, A. VERBOVSEK,<br />

ST. WIMMER (Hrsg.), Texte-Theben-Tonfragmente, Festschrift für Günter Burkard, ÄAT 76,<br />

Wiesbaden <strong>2009</strong>, S. 348-360.<br />

S. VOSS, Das DAI Kairo 1907-1979 im Spannungsfeld deutscher politischer Interessen, in: Menschen<br />

Kulturen, Traditionen. Die Forschungscluster des Deutschen Archäologischen <strong>Institut</strong>s, Berlin<br />

<strong>2009</strong>, S. 110-111.<br />

<strong>2009</strong> gehaltene Vorträge:<br />

R. BODENSTEIN<br />

- 29.1: Buyut Bayrut fi-l-qarnayn at-tasi' 'ashar wa-l-'ishrin. Dirasa fi daw' al-tahawwulat aligtima'iyya<br />

wa-atharha 'ala at-tasmim (Beiruter Wohnhäuser des 19. und 20. Jahrhunderts.<br />

Untersuchung im Lichte sozialer Wandlungen und ihrer Auswirkungen auf die<br />

Grundrissgestaltung), Ittihad al-Athariyyin al-'Arab/Vereinigung arabischer Archäologen,<br />

Kairo<br />

- 9.10.: Organisation eines Panels zum Thema „Wandelbare Häuser: Wohnbedürfnisse und<br />

Identitäten im Umbau“, mit eigenem Vortrag über „Das Debbané-Haus in Saida (Libanon) und<br />

seine Metamorphosen im 20. Jahrhundert“ (DAVO-Kongress Bonn, 8.-10.10.<strong>2009</strong>)<br />

37


- 16.11.: Buyut Bayrut fi-l-qarnayn at-tasi' 'ashar wa-l-'ishrin. al-Tatawwurat al-mi'mariyya wal-igtima'iyya<br />

(Wohnhäuser Beiruts im 19. und 20. Jahrhundert. Architektonische und soziale<br />

Entwicklungen), Kultursaison Kairo Universität<br />

- 23.12.: al-'Imara as-sina'iyya fi Misr fi-l-qarnayn at-tasi' 'ashar wa-l-'ishrin ka-turath mi'mari.<br />

Mashakil wa-furas, 5. Internationale Konferenz für wissenschaftliche Forschung und ihre<br />

Anwendung, Kairo<br />

G. DREYER<br />

- 23.4.: Frühe Schriftzeugnisse aus Ägypten; Niedersächsisches Landesmuseum Hannover<br />

- 7.5.: Königsgräber der 2. Dynastie in Abydos und Saqqara; Basler Forum für Ägyptologie<br />

- 27.5.: Ein unterirdisches Labyrinth - Das Grab des Königs Ninetjer in Saqqara; Kestner<br />

Museum Hannover (Gedenkveranstaltung für Peter Munro).<br />

- 18.7.: Activities of the German Archaeological <strong>Institut</strong>e Cairo; American Friends of the<br />

German Archaeological <strong>Institut</strong>e; Shelter Island/USA.<br />

- 20.10.: Am Beginn der Geschichte - Die frühesten Königsgräber Ägyptens; RGK, 29. Ingolstädter<br />

archäologischer Vortrag.<br />

P. GROSSMANN<br />

- 24.1.: Hermitages of the laura to the East of Abu Mina; Kolloquium IFAO, Kairo.<br />

- 4.12.: The Excavations at Abu Mina, Celebration & Conference of the Lovers of Coptic<br />

Heritage Society, Monastery and Church of St. Mina, Abu Mina.<br />

D. RAUE<br />

- 24.3.: United in Separation: Prehistoric and Historic Nubian Societies at the Egyptian border;<br />

Symposium Aswan.<br />

- 30.6.: Leben und Sterben an der Südgrenze Ägyptens; Ägyptologisches <strong>Institut</strong> der<br />

Universität Göttingen.<br />

- 10.7.: Nubien und Ägypten im 3. und 2. Jt. v. Chr. - Die nubischen Kulturen von der A-<br />

Gruppe bis Kerma aus der Perspektive von Elephantine; <strong>Institut</strong> für Archäologie und<br />

Kulturgeschichte Nordostafrikas, Humboldt-Universität Berlin.<br />

- 1.12.: Neighbours – Nubians and Egyptians at the First Cataract in the 3rd and 2nd<br />

Millenniums BCE; DAI Kairo.<br />

- 10.12.: Getrennt vereint auf engstem Raum: Ägypter und Nubier am 1. Katarakt im 3. und 2.<br />

Jahrtausend v. Chr.; Seminar für Ägyptologie und Koptologie der Universität Münster.<br />

ST. SEIDLMAYER<br />

- 16.1.: Sacred Spaces in Ancient Egypt; Gesamttreffen des Forschungsclusters 4, DAI Kairo.<br />

- 31.3.: The Beginnings of German Archaeology in Egypt: Culture and Politics in the Time of<br />

Muhammad Ali Pasha; DAI Kairo.<br />

- 28.10.: Adolf Erman and the Ancient Egyptian Dictionary Project at the Berlin Academy of<br />

Sciences and Humanities; DAI Kairo.<br />

- 6.11.: Großgerümpel in Dahschur, DAAD Kairo<br />

- 20.11.: Die Südgrenze Ägyptens am Ersten Nilkatarakt, Tagung "Politische Räume",<br />

Exzellenzcluster TOPOI / DAI, Berlin<br />

- 15.12.: Recent Work of the German Archaeological <strong>Institut</strong>e; Winckelmann-Tag, DAI Kairo.<br />

Weitere projektbezogene Vorträge:<br />

N. ALEXANIAN<br />

- 18.1.: Gestalteter Raum, Topographische Verortung und Kulttopographie; Gesamttreffen des<br />

Forschungsclusters 4, DAI Kairo.<br />

- 15.10.: Current Work at Dahshur; Netherland-Flemish <strong>Institut</strong>e, Kairo.<br />

J. BUDKA<br />

- 24.6.: Festival pottery of the New Kingdom: Evidence from Elephantine, Umm el-Qaab and<br />

South Abydos; International Conference “Ceramics within their Archaeological Context”,<br />

Cambridge, McDonald <strong>Institut</strong>e for Archaeological Research.<br />

38


- 2.9.: The use of pottery in funerary contexts during the Libyan and Late Period: A view from<br />

Thebes and Abydos; International Workshop: Social and Religious Development of Egypt in<br />

the First Millennium BCE, Prag.<br />

A. EFFLAND<br />

- 18.1.: Niedergang und Ende des Kultbetriebs in Umm el Qaab von hellenistischer Zeit bis zur<br />

Spätantike; Gesamttreffen des Forschungsclusters 4, DAI Kairo.<br />

- 28.9.: Brüche. Grundlegende Veränderungen in der Votivpraxis und den Grabbeigaben des 1.<br />

Jts. v. Chr. anhand von Beispielen aus Ägypten und Iberien, Teil 1:Abydos; Arbeitstreffen des<br />

Forschungsclusters 4 (Forschungsfeld 4.4 „Votiv und Ritual“), Heidelberg.<br />

- 3.12.: Ton, Steine, Scherben – Die aktuellen Arbeiten am Gottesgrab; Forum Ägyptologie<br />

e.V., Hamburg.<br />

U. RUMMEL<br />

- 17.1.: Gestalteter Raum – Funktionalität und Semantik; Gesamttreffen des Forschungsclusters<br />

4, DAI Kairo.<br />

S. VOSS<br />

- 15.5.: Das DAI Kairo während der NS-Zeit; Treffen des Forschungsclusters 5, DAI-Zentrale<br />

Berlin.<br />

- 13.6.: Ägypten im 19. Jahrhundert; „Lange Nacht der Wissenschaften“, DAI-Zentrale Berlin.<br />

Lehrveranstaltungen:<br />

ST. SEIDLMAYER<br />

- Friedhöfe, Gräber und Bestattungen im Alten Ägypten (Seminar und Kolloquium, 4SWS, SS<br />

<strong>2009</strong>, FU Berlin)<br />

D. POLZ<br />

- Ägypten in dunkler Zeit: Zur Vorgeschichte des Neuen Reiches (Proseminar in Blockform,<br />

WS 2008/<strong>2009</strong>, LMU München)<br />

U.FAUERBACH<br />

- Altägyptische Architektur. Versuch eines Überblicks (Blockseminar SS 09, Ägyptologisches<br />

Seminar der Universität Heidelberg)<br />

4. Weitere Mitteilungen<br />

Am 9.10.2008 wurde im Garten des <strong>Institut</strong>s eine Feier mit ca. 70 ausgewählten Gästen zum 65.<br />

Geburtstag von Herrn Prof. Dr. G. Dreyer und seinem Amtsaustritt veranstaltet und ihm eine von E.-<br />

M. Engel, V. Müller und U. Hartung herausgegebene Festschrift überreicht. Am 27.10. wurde derselbe<br />

Anlass beim Supreme Council of Antiquities gefeiert.<br />

Der Winckelmanntag wurde am 17.12.2008 mit einem Vortrag von Frau Irene Forstner-Müller „Tell<br />

el-Dab'a - Development of an Urban Landscape“ und einem anschließenden Empfang begangen.<br />

Vom 16. bis zum 19.1.<strong>2009</strong> fand in der Abteilung das Jahrestreffen des Forschungsclusters 4<br />

‚Heiligtümer und Rituale’ statt, an dem 47 Projektvertreter und fünf auswärtige Gäste (R. Schlesier, J.<br />

Rüpke, P. Funke, St. Maul, I. Forstner-Müller) teilnahmen. Eröffnet wurde das Treffen mit einem<br />

Vortrag von St. J. Seidlmayer „Sacred Spaces in Ancient Egypt“. Als Rahmenprogramm fanden<br />

Exkursionen nach Giza, ins Ägyptische Museum (beides am 16.1.) und nach Dahschur statt (am<br />

19.1.).<br />

Am 3.2. wurde ein Workshop ‚Book care and repair’ mit 12 TeilnehmerInnen von Frau E.<br />

Herrmann, einer Vertreterin der Firma Neschen, in der Bibliothek durchgeführt.<br />

39


Am 28.2. präsentierte sich die Abteilung anlässlich des „Deutschlandtages“ im Rahmen der<br />

Deutsch-Ägyptischen Kulturwochen mit einem Informationsstand in der Deutschen Evangelischen<br />

Oberschule Kairo (DEO; Abb. 57), dabei wurde von S. Harder auch ein Hieroglyphenkurs für Kinder<br />

angeboten.<br />

Mit einer kleinen Feier in den Räumen des <strong>Institut</strong>s wurde am 13.6. Frau K. Häuslmeier, Referentin<br />

der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft, nach vier Jahren einer fruchtbaren Zusammenarbeit<br />

verabschiedet.<br />

Das Sommerfest fand am 29.9., dem 198. Geburtstag von Georg Gustav Erbkam (1811-1876) statt,<br />

dessen Arbeit im Rahmen der Königlich-Preußischen Expedition in Ägypten 1842-1845 mit der<br />

Vorstellung eines neuen Projekts der Abteilung („AEGARON – Ancient Egyptian Architecture<br />

Online“) durch U. Fauerbach geehrt wurde.<br />

Anlässlich des Winckelmanntags am 15.12. gab St. Seidlmayer einen Überblick über die Arbeiten<br />

der Abteilung im letzten Jahr und stellte die neu gewählten Mitglieder des Deutschen Archäologischen<br />

<strong>Institut</strong>s vor. Nach dem Festvortrag von G. Burkard „I was Guarding Pharaoh’s Walls – Texts from<br />

Deir el-Medine and their Interpretation“ wurde der Abend mit einem Empfang beschlossen.<br />

Öffentliche Vorträge informierten <strong>2009</strong> über verschiedene laufende Projekte und allgemeine<br />

Fragen, so am 19.3. (J. Berking, “Recent Geo-archaeological Research at Naga/Sudan”), 31.3. (St.<br />

Seidlmayer, “The Beginnings of German Archaeology in Egypt: Culture and Politics in the Time of<br />

Muhammad Ali Pasha”), 9.6. (K. Kindermann/F. Darius, “Patterns of Environmental Change and<br />

Human Occupation in the Eastern Sahara. The ACACIA project in the Western Desert of Egypt“),<br />

7.10. (V. Müller, “A Puzzle with Indefinite Pieces – King Den’s Tomb at Umm el-Qaab/Abydos”),<br />

28.10. (St. Seidlmayer, “Adolf Erman and the Ancient Egyptian Dictionary Project at the Berlin<br />

Academy of Sciences and Humanities”) und 1.12.(D. Raue, “Neighbours – Nubians and Egyptians at<br />

the First Cataract in the 3 rd and 2 nd Millenniums BCE”).<br />

Personalien:<br />

Am 1.5.<strong>2009</strong> trat Prof. Dr. St. J. Seidlmayer die Stelle des Ersten Direktors der Abteilung Kairo an<br />

und löste damit PD Dr. D. Polz als kommissarischen Direktor des <strong>Institut</strong>s ab.<br />

Die Arbeit der Redaktion wurde vom 1.4. bis zum 30.9. von Frau U. Terletzki unterstützt.<br />

40


5. Ägyptische Altertümerverwaltung (Supreme Council of Antiquities) und Museen<br />

Deputy Minister of Culture and<br />

Secretary General of the SCA Dr. Zahi Hawass<br />

General Directors, Dept. of<br />

- Foreign Archaeological Missions Dr. Mohamed Ismail Khaled<br />

- Egyptian Antiquities Sector Mr. Sabri Abd el-Aziz<br />

- Coptic and Islamic Antiquities Sector Mr. Farag Fada<br />

- Antiquities of Cairo (Mataria-Helwan) Mr. Adel Saadany<br />

- Antiquities of the Pyramid Area Mr. Atef Abu el-Dahab<br />

- Antiquities of Giza Mr. Mahmud Afifi<br />

- Antiquities of Luxor Dr. Mansur Buriek Radwan<br />

- Antiquities of Luxor-West Mr. Mustafa Wasiri<br />

- Antiquities of Aswan and Nubia Dr. Mohammed el-Bialy<br />

- Antiquities of Alexandria Mr. Ala’a Shehaad<br />

- Antiquities of Sinai and Lower Egypt Dr. Mohammed Abd el-Maksoud<br />

- Antiquities of Middle Egypt Dr. Abd el-Rahman el-Aidy<br />

- Antiquities of Upper Egypt Dr. Atia Radwan<br />

- Prehistory Mr. Khaled Saad<br />

- Restoration Dr. Gamal el-Mahgoub<br />

Center of Documentation Mr. Abd el-Hamid Maruf<br />

Mr. Magdi el-Ghandour<br />

Public Relations Mr. Gamal Nasif<br />

International organizations . Dr. Gehan Zaki<br />

Directors of the<br />

- Antiquities of Giza Mr. Kamal Wahid<br />

- Antiquities of Saqqara Mr. Osama Shimy<br />

- Antiquities of Dahschur Dr. Sami el-Hoseiny<br />

General Directors of the<br />

- Egyptian Museum Cairo Dr. Wafaa es-Sadiq<br />

- Graeco-Roman Museum Alexandria Dr. Merwat Seif ed-Din<br />

- Coptic Museum Cairo Mr. Bahagat Fanouz<br />

- Islamic Museum Cairo Mr. Mohamed Abaz<br />

- Historical Museum Cairo Dr. Hussein Abd el-Basir<br />

- Nubian Museum Aswan Mr. Osama Abd el-Wareth<br />

Kontaktadresse für Antragstellungen ausländischer Grabungsmissionen:<br />

Dr. Zahi Hawass<br />

Secretary General of the Supreme Council of Antiquities<br />

3, Sh. Abu Bakr<br />

Cairo-Zamalek<br />

E-mail: sca_missions@hotmail.com<br />

<strong>Deutsches</strong> <strong>Archäologisches</strong> <strong>Institut</strong>, Abt. Kairo<br />

www.dainst.org/Kairo/<br />

31, Sh. Abu el-Feda, Cairo-Zamalek<br />

Tel.: 00202/ 27351460, 27352321<br />

Fax: 00202/ 27370770<br />

E-mail: sekretariat@kairo.dainst.org<br />

Postanschrift:<br />

<strong>Deutsches</strong> <strong>Archäologisches</strong> <strong>Institut</strong><br />

Abteilung Kairo<br />

(Redaktion, Projekt Abydos etc.)<br />

Podbielskialle 41 69-71<br />

14195 Berlin

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