Arbeitsdokumentation 2008 - Freiburger Münsterbauverein

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Arbeitsdokumentation 2008 - Freiburger Münsterbauverein

Arbeitsdokumentation 2008


Arbeitsdokumentation 2008

Vorwort Seite 3

Lageplan der Baustellen 2008 Seite 4

Pyramide des Westturmes Seite 5

Überblick über die Arbeiten

Metalluntersuchungen

Steinaustausch

Steinkonservierung

Gesteinsuntersuchung

Sonstiges

Langhaus Südseite, 1. und 2. Joch Seite 14

Obergaden

Strebebogen 1/2

Strebepfeileraufsatz 1/2

Treppenturm

Konsolen Sterngalerie

Konservierung Wasserspeier

Untersuchung historischer Mörtel

Chor Nordseite Seite 28

Heimhofer / Blumeneggkapelle

Strebepfeileraufsatz 9/10, Bäckerlicht

Werkstattarbeiten Seite 31

Steinwerkstatt

Restaurierwerkstatt

Farbfassungen am Freiburger Münster Seite 35

Verschiedenes Seite 37

Anhang Seite 44

Maßnahmendokumentation Treppenturm

Schadenskartierung Strebepfeiler 1/2

Schadenskartierung Bäckerlicht

- 2 -


Vorwort

Der Arbeitsdokumentation 2008 ist deutlich zu entnehmen, dass die theoretische Begleitung

der Sanierungsarbeiten einen immer größeren Raum einnimmt.

In gewisser Weise initiiert durch die Sanierung der Pyramide des Hauptturmes, deren mittelalterliche

Substanz natürlich sehr viele Themen zur Erforschung bietet, weiten sich Fragestellungen

und Methoden auch auf die anderen Bauabschnitte aus.

Das intensive Studium der Bau- und Restaurierungsgeschichte wird immer wichtiger, um Schadensbilder

besser einordnen zu können. Auch das Einbeziehen unterschiedlicher Spezialisten

ist eine wichtige vorbereitende Maßnahme, um verschiedene Sanierungstechniken vorab auf

ihre Wirksamkeit zu überprüfen. Interessant und erschreckend zugleich ist das Studium vergangener

Restaurierungsepochen, denn oft sind die Schäden durch eine falsche Sanierung

größer als die Auswirkungen des normalen Alterns.

Untersuchung und Dokumentation des Bestandes z.B. in Bezug auf Steinvarietät, Mörtelzusammensetzungen

oder Farbfassungen bieten laufend neue Erkenntnisse, die Auswirkungen

auf die Sanierungsmaßnahme haben.

Die Einrichtung einer Restaurierwerkstatt mit der entsprechenden Ausstattung ermöglicht der

Bauhütte ganz spezifi sche Prüfungen und Untersuchungen, die auf den am Münster verbauten

Sandstein abgestimmt sind. Natürlich wird nach wie vor externer Sachverstand in Anspruch

genommen, aber zunehmend werden eigene Testverfahren entwickelt und angewandt. Dank

des Engagements einzelner Mitarbeiter, die sich intensiv und engagiert weiterbilden, werden

die Kenntnisse vertieft. Regelmäßige interne Fortbildungen zu theoretischen und praktischen

Themen sind die Grundlage dafür, dass Erkenntnisse innerhalb der Bauhütte weitergetragen

und weiterentwickelt werden.

Das Spezialthema der Farbfassungen am Freiburger Münster, ein Schwerpunkt unserer Forschung,

weitet sich immer weiter aus. Zunächst nur an einzelnen Stellen registriert, kann man

inzwischen mit geschultem Auge an fast jeder Stelle der Fassade Reste von ursprünglicher

Bemalung erkennen. Es ist ein Wunsch der Münsterbauhütte, eine umfassende Dokumentation

zu diesem Thema erstellen zu lassen.

Yvonne Faller

Vorwort

Farbfassungen an einer

Wasserspeierkonsole

- 3 -


Lageplan der Baustellen 2008

Nordansicht

Südansicht

4

3 - 4 -

1


Pyramide des Westturms

Überblick

Freiburgs höchste Baustelle war auch in diesem

Jahr die Turmpyramide des Freiburger

Münsters. Die durchgeführten wissenschaftlichen

Untersuchungen der vergangenen

zwei Jahre haben neue Erkenntnisse über

die am Turm verbauten Materialien und deren

Schadensbilder geliefert. Anhand dieser

Auswertungen konnten die Steinkonservierungsmaßnahmen

den objektspezifi schen

und denkmalpfl egerischen Anforderungen

entsprechend angepasst und verfeinert werden.

Die durchgeführten Sanierungsarbeiten

werden laufend von allen Beteiligten überprüft

und dokumentiert.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten an

der Turmspitze 2007 galt unser Augenmerk

im Jahr 2008 der Restaurierung der obersten

zwei Maßwerkschichten in Höhe 102 – 92m.

Der diesjährige Schwerpunkt der Steinfertigung

und des Steinaustausches lag in den Schichten

6 und 7. Mit einem motivierten Team wurde

in den Wintermonaten der Steinaustausch in

der Turmbauhütte vorbereitet. Insgesamt wurden

7m³ Sandstein zu 33 Werkstücken verarbeitet.

Mit der Fertigung konnte auch schon für

die kommende Sanierungsetappe in Schicht 4

und 5 ein Vorlauf geschaffen werden. (Abb.1)

In den Sommermonaten kam der Ausbau von Steinen im Bereich des Ringankers hinzu. Dadurch

konnten Erkenntnisse über den Zustand des mittelalterlichen Ringankers gewonnen

werden. Die acht horizontal verlaufenden Ringanker bilden mit den Gratrippen das statische

Korsett des Turmhelmes. Diese verleihen dem lichtdurchfl uteten Helm die fi ligrane und einzigartige

Baustruktur. Bislang war es eine offene Frage wie gut sich die Substanz der Anker in den

letzten 700 Jahren gehalten hat.

Metalluntersuchungen

In der schadensfreien Voruntersuchung mit einem Kobaltstrahler wurde im Jahr 2007 an exponierten

Stellen Aufnahmen des Zustandes der Ringanker gemacht. Auf den Röntgenaufnahmen

konnte im Allgemeinen eine intakte Oberfl äche festgestellt werden. Dies wurde nach dem

Steinausbau bestätigt, bis auf die Stellen, an denen der Ringanker in einem neuzeitlichen

Zementmörtel lagert.

Die Untersuchungen und die Begutachtung durch Herrn Blumer vom Fachreferat Metallrestaurierung

beim LAD haben ergeben, dass der Zustand der Anker stark vom verwendeten Mörtel

abhängt, mit dem diese in Kontakt kamen.

Der ursprüngliche Kalkmörtel konserviert das

mittelalterliche Eisen. Gerade an den, im

letzten Jahrhundert bei den Restaurierungen

(Einsatz von Zementmörtel) ausgetauschten

Steinen zeichnen sich leichte Korrosionen

am Ringanker ab. Vom Rost angegriffen ist

nur die Oberfl äche. Der Umfang der Anker ist

vergrößert und übt einen enormen Druck auf

die Steine aus. Das Schadensbild zeigt sich in

einer verstärkten Rissbildung.

Der an die Ringanker angrenzende Setzmörtel

wurde auf den pH-Wert untersucht.

Thomas Laubscher

Pyramide des Westturmes

Abb.1

Abb.2

- 5 -


Als erstes wurden die Anker vom Mörtel befreit. Korrodierte Stellen wurden gebürstet und

Rostschuppen mit dem Schlackenhammer mechanisch gelöst. Auf einen Schutzanstrich wurde

bewusst verzichtet, da dieser nicht vollständig aufgebracht werden kann. Das Eisen wurde

mit einem Sumpfkalkmörtel ummantelt und diesem das ursprüngliche alkalische Milieu wiedergegeben.

(Abb.2)

Vorsorglich wurden in den Riegelzonen alle im letzten Jahrhundert (1920 / 1960) versetzten

Steine ausgebaut, der Zementmörtel entfernt, die Anker geprüft und konservatorisch behandelt.

Steinaustausch

Der Steinaustausch stellt höchste Anforderung an die Logistik. Mit Bravour konnten diese Aufgaben

durch das Steinaustauschteam unter der Leitung von Till Borsdorf gemeistert werden

(Abb.3, 4).

Die an den sehr exponierten Stellen angebrachten Krabben wurden wieder mit zusätzlichen

Eisenklammern (C15) befestigt, deren Oberfl äche mit Zinn galvanisiert wurden. Die horizontalen

Fugen wurden alle verbleit. Die Maßwerke sind entweder in Blei oder Mörtel versetzt

worden, je nach Vorzustand. Überstände, die bei einem solchen Vorhaben in der Fertigung

entstehen, wurden vor Ort angeglichen. (Abb.5)

Thomas Laubscher

Pyramide des Westturmes

Abb.3, 4 Steinaustausch

Abb.5 Steineinbau in

Schicht 6, NO

- 6 -


Bei Werkstücken, die vor der Fertigung ausgebaut werden können, sind die Steinmetze für

das Aufmaß und deren Umsetzung selber verantwortlich. Der Steinaustausch in den Maßwerkschichten

bedeutet auch einen Eingriff in das statische Gefüge des Turmhelms. Durch die

Maßnahmen am Ringanker weitete sich der Ausbau von Maßwerken größer aus als anfangs

angedacht. Diese Arbeiten werden durch Herrn Dipl.-Ing. G. Kremp begleitet. Viele der Steine

werden im ausgebauten Zustand vom Konservierungsteam restauriert und danach wieder eingebaut.

Gerade dadurch entstehen große Öffnungen in den Maßwerkschichten. Anstelle der

zusätzlich geschaffenen Öffnungen werden je nach Situation die verbauten Steine mit Bänder,

Kanthölzer und Keilen gesichert. Dies betraf verstärkt die Seiten NO, O, SO. Dieser Ausbau

ermöglicht es, auch die Fugenfl ächen an den Streben zu begutachten. (Abb.6)

Der Aufwand, die schadhaften Fugen auszuräumen war sehr groß. Über 300 lfm. Fugen galt

es zu ergänzen. Dazu wurden gemeinsam mit dem LAD für die Blei- und Mörtelfugen ein Schadensglossar

und ein Maßnahmenkonzept entwickelt. Da sich die Fugen in unterschiedlichsten

Kombinationen an Schadensbilder, Bestand und Fugenbreite abzeichnen, müssen die Maßnahmen

von Fall zu Fall vor Ort abgestimmt werden.

Zu beobachten ist eine mangelnde Flankenhaftung, zurückgewitterte und auch hervorstehende

Fugen sowie Fehlstellen. Überstände an Bleifugen müssen zurückgearbeitet und nachverstemmt

werden. Die defekten Fugen müssen frei von Mörtelresten sein. Fehlstellen werden mit

Mörtel, Blei oder Bleiwolle ergänzt. Fugen mit Breiten < 3mm werden mit einer Injektionsmasse

auf Kieselsolbasis kraftschlüssig verfüllt.

Durch die exponierte Lage und die extremen Wetterverhältnisse am Turmhelm nahm die Nachbehandlung

der Fugen viel Zeit in Anspruch. Nach gründlichem Vornässen der ausgeräumten

Fugen und dem Einbringen des Mörtels werden die Fugen sofort mit Folien abgeklebt und so

vor einem frühzeitigen Austrocknen geschützt. Am Folgetag werden eventuell gebildete Sinterschichten

mechanisch mit Spachteln abgekratzt, um eine offenporige Fugenoberfl äche zu

schaffen. Somit wird der Fuge ein einheitliches Erscheinungsbild gegeben. Danach müssen die

Fugen erneut mit einer zusätzlichen Schicht aus Zellstoff abgeklebt werden. Diese übernimmt

einen Feuchtigkeitspuffer zwischen Fuge und Folie. Tage- bis wochenlanges Feuchthalten in

kurzen Zeitintervallen garantieren ein optimales Abbindeverhalten des Romanzementmörtels.

Von besonderer Bedeutung ist für uns die Optik des Romanzementmörtels sowie die Anpassung

an die gesteinstechnischen Kenndaten der verbauten Steine. Zur Zeit werden elf historische

Mörtel auf ihre Zusammensetzung geprüft. Dazu wurde von Frau Johanna Quatmann

ein Fragenkatalog an die Wissenschaftler erstellt. Die im Vorjahr gesammelten Erfahrungen im

Bereich der Anwendung des Fugenmörtels verhalfen uns in diesem Jahr die Verarbeitung mit

dem Mörtel zu optimieren. Der feine Fugenmörtel (0-0,5mm) musste neu eingestellt werden,

da die Flankenhaftung unbefriedigend war und zu früh austrocknete.

Der Bindemittelanteil wurde in der Rezeptur erhöht und gleichzeitig acrylvergütet. Seit der

Entwicklung des Mörtels unterliegt dieser einer ständigen Beobachtung und Qualitätsprüfung.

Mit einer minimal substanzzerstörenden Messmethode, wie der Bohrwiderstandsmessung und

den Langzeitversuchen der MPA und regelmäßige Begehungen, wird die Qualität sichergestellt.

Zur Qualitätsprüfung der Maßnahmen aus dem vergangenen Jahr wurde in Zusammenarbeit

mit der Bergwacht Schwarzwald im Hochsommer die Turmspitze „beklettert“.

Thomas Laubscher

Pyramide des Westturmes

Abb.6 Ausbau Schicht 7

- 7 -


Steinkonservierung

Über das Jahr 2008 arbeiteten insgesamt

sieben Mitarbeiter in der Restaurierung und

Konservierung am Turmhelm. Trotz der erschwerten

Arbeitsbedingungen (Höhe, Witterungsverhältnisse

usw.) bleibt die Arbeit

am Turmhelm eine einzigartige Chance. Vor

Beginn der Arbeiten wurden die einzelnen

Turmseiten, in der jeweiligen Maßwerkschicht

(Abb.7) sechs und sieben Außen – und die

Innenseite, an die einzelnen Restauratoren/Innen

vergeben.

Die Arbeiten selbst wurden im Vorfeld bei den

monatlich stattfi ndenden Gesprächen zwischen

Denkmalpfl ege, Münsterbauverein und

Restaurator angesprochen und gemeinsam

entschieden. Ein Gesprächspunkt der Diskussion

war hierbei die Korrosion von Eisen. Siehe

hierzu den Artikel von Thomas Laubscher

(Projektleitung Turmsanierung). Bevor mit den

Arbeiten in Schicht sechs und sieben begonnen

werden konnte, wurden noch die Restarbeiten aus dem Jahr 2007 erledigt. Insbesondere

waren dies der Übergang an der Außenseite von der Schicht acht zu sieben und die Innenseite

der Schichten acht und neun (oberstes Turminnere).

Eine Veränderung der Arbeiten im Vergleich zum Jahr 2007 lag in den Werkstücken selbst.

Erstmals wurden große Maßwerkstücke konserviert. Durch den ein oder anderen Ausbau kam

es auch zu Restaurierungsmaßnahmen innerhalb der angrenzenden Steinfl ächen.

Im Frühjahr fand zusätzlich eine Reinigung mit warmem Wasser unter leichtem Druck statt. Ziel

dieser Reinigung war es Moose, Flechten, etc. zu entfernen, welche sich über die Wintermonate

bereits wieder auf die Steinoberfl ächen gelegt hatten.

Die mechanisch fl ächige Reinigung (wie das Entfernen der dick aufl iegenden Moose und

Flechten) mit dem Sandstrahlgerät innerhalb der verkrusteten Bereiche musste nicht mehr erfolgen,

diese wurde bereits im Jahr 2006 durchgeführt und erstreckte sich über den gesamten

Turmhelm (Abb.8, 9).

Die darauf folgenden Maßnahmen lagen in der Vorbereitung für das Injizieren von Schalen,

Rissen und Hohlstellen. Hierzu mussten die Mürbezonen im Innern des Steingefüges gefestigt

werden. Damit möglichst alle bindemittelarmen Zonen erreicht werden konnten, wurde im

Vorfeld darauf geachtet ob das Festigungsmittel und später die Injektionsmasse eine ausreichende

Zu- und Ableitung besitzen.

Größere Schalen mit einer zu geringer Anbindung und längere Rissbilder, welche zu vernadeln

waren, wurden im Vorfeld gebohrt um durch die Bohrlöcher die Maßnahmen Festigung und

die Injektionen vornehmen zu können.

Luzius Kürten

Pyramide des Westturmes

Abb.7 Schichten, Turmhelm

Abb.8, 9 Teilbereich Maßwerk

Schicht 7, Vor- bzw.

Endzustand

- 8 -


Die Festigung erfolgte mit Kieselsäureester. Der Feststoffanteil lag bei 300 Gramm je Liter. Bei

der Festigung wird dem Stein dasselbe Bindemittel zugeführt, aus dem es ursprünglich gebunden

ist (silikatische Bindung). Das Festigungsmittel wurde mit Hilfe von Pipetten, Spritzen und

Kanülen verabreicht.

Nach der Festigung dieser Mürbezonen und einer Reaktionszeit von ca. drei Wochen kam es

dann zur eigentlichen Injektion.

Das Verfüllen von Rissen, Schalen und Hohlstellen erfolgte mit dem Bindemittel Kieselsol

und den Zuschlägen Quarzmehl, dem Stellmittel Cabosil und Glaskügelchen.

Je nach der Tiefe und Breite des zu verfüllenden Bereiches wurden unterschiedliche Quarzmehlkorngrößen

verwendet. Bei den feinen Rissen lag das Größtkorn der Hinterfüllmasse bei

0,063 Millimeter. Breitere Risse hingegen wurden mit einer Injektionsmasse verfüllt, deren

Größtkorn bei 0,125 Millimeter lag.

Der darauf folgende Arbeitsschritt betraf das Sichern von Bruchstücken und größeren Schalen.

Gesichert wurden die Steine mit Glasfasernadeln, welche von oben nach unten, sprich

aufhängend im Stein und Bruchstück, verankert wurden. Verankert wurden die Nadeln selbst

in einem mineralisch gebundenen Stein-Silikat-Kleber.

Fehlstellen, welche größer als einen halben Kubikzentimeter waren, wurden mit einem herkömmlichen

Restaurierungsmörtel geschlossen. Die Antragungen dienten in erster Linie zur

Gewährleistung des Wasserablaufes. Die Farbigkeit der Antragungen wurde dem benachbarten

Stein angepasst. Dies geschah durch unterschiedlich farbig bestellte Restaurierungsmörtel,

welche untereinander gemischt wurden. In Einzelfällen wurde dem Restauriermörtel auch

licht- und alkalibeständige Pigmente beigegeben (max.1 Gew.%).

Kleinere Fehlstellen, Risse und Grate wurden mit einer Kittungsmasse, unter Berücksichtigung

der Eigenschaften des Natursteins, geschlossen. Die Kittungsmasse wurde mit Kieselsol

gebunden und der größte Zuschlag

lag bei 0,3 Millimeter.

Die Vielfarbigkeit des Sandsteines

erforderte eine kontinuierliche

farbliche Abstimmung der

Kittungsmassen (Abb.11, 12).

Die Kittungen wurden zweimal

nachgefestigt.

Im weiteren Verlauf der Arbeiten

wurden stark zerklüftete

Bereiche (die originale Oberfl äche

war nicht mehr vorhanden)

geschlämmt, um eine gleichmäßigen

Wasserabfl uss (ohne

dass Wasser in den Stein eindringen

kann) zu gewährleis-

Luzius Kürten

Pyramide des Westturmes

Abb.10 Teilbereich Maßwerk

Schicht 7 Nordwest

Außenseite, Endzustand

– Das Maßwerk gehört zur

originalen Bausubstanz

und wurde ursprünglich

unvollendet belassen (die

Durchbrüche der Zwickel

links sind nicht geöffnet

worden).

Abb.11, Schicht 7 Ost

Aussenseite, Vorzustand

- 9 -


ten. Die geschlämmten Bereiche

sorgen für eine optische

Beruhigung der Steinoberfl äche.

Gebunden wurden die

Schlämmen mit einem kieseligen

Bindemittel und bestehen

aus unterschiedlichen Quarzkörnern

und Pigmenten. Die

geschlämmten Bereiche wurden

nachträglich mit Kieselsäureester

gefestigt.

Neben der visuellen Beurteilung

wurden die Restaurierungsarbeiten

(Injektionen,

Kittung, Antragung und Fes-

tigung) zusätzlich mit Ultra-

schall kontrolliert. Die Untersuchungsmethode selbst ist zerstörungsfrei. Kittungen oder Antragungen,

welche mit dem Untergrund keine oder nur eine geringe Verzahnung haben, besitzen

niedrige Laufzeiten. Das bedeutet, dass sich die Zeit, die der Impuls benötigt um das Gestein

zu durchlaufen, verlängert. Nicht vollfl ächig injizierte Hohlstellen, Risse und Schalen oder bindemittelarme

Bereiche zeichnen sich bei der Ultraschalluntersuchung ebenfalls durch niedrige

Laufzeiten aus. Eine erfolgreiche Restaurierung drückt sich in einer Erhöhung der Schallgeschwindigkeit

aus.

Der letzte Arbeitsschritt am Turm galt der Dokumentation. Die geleisteten Maßnahmen wurden

in Pläne eingezeichnet und fotografi sch auf Kleinbild festgehalten.

Um die kälteren Monate (Dezember, März, April) im Turminnern arbeitstechnisch nutzen zu

können, wurde im November und Dezember die Öffnungen mit Hilfe von Dachlatten und Folien

in der Ebene sechs und sieben geschlossen. Die Schließvorrichtungen wurden so angebracht,

dass bei starker Windlast die Folien wieder entfernt werden können (Abb.13).

Luzius Kürten

Pyramide des Westturmes

Abb.12 Schicht 7 Ost

Aussenseite, Endzustand

Abb.13 Schicht 6 Nord

Außenseite, Endzustand

- 10 -


Gesteinsuntersuchung / Bausteinkartierung

Seit Beginn der Turmhelmsanierung begleitet Astrid Hirsch die Arbeiten am Turm mit ihrer

Diplomarbeit (in Mineralogie) im Rahmen eines interdisziplinären Kooperationsprojektes des

Mineralogischen–Geochemischen Instituts der Uni Freiburg, dem LAD Ba–Wü und dem Freiburger

Münsterbauverein.

Im Frühjahr 2008 konnte dieses Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. Das Ergebnis dieser

Arbeit war eine geologische und mineralogische Varietätenbestimmung (Klassifi kation),

eine Bausteinkartierung sowie die Ermittlung der gesteinstechnischen Kennwerte.

Die Diplomarbeit lässt sich in zwei Teile gliedern.

1. Die Bestimmung der Gesteinsvarietäten im Einklang der Bauphasen. Diese entstand in enger

Zusammenarbeit zwischen Frau Astrid Hirsch und dem Bauforscher Herrn Stefan King.

2. Die wissenschaftlichen Untersuchungen von Proben der verschiedenen am Turmhelm vorgefundenen

Gesteine sowie von Proben aus diversen für Restaurierungszwecke relevanten

Steinbrüchen.

Es wurden anhand der Proben die gesteinstechnischen Kennwerte ermittelt und die mineralogische

und geochemischen Zusammensetzungen der Gesteine bestimmt. Mit Hilfe dieser

Untersuchungsergebnisse können die Verwitterungsbeständigkeiten der Gesteinsvarietäten

interpretiert und Aussagen über die Werksteintauglichkeit der Steinbruchproben getroffen werden.

Die erstellte Bausteinkartierung am Turmhelm des Freiburger Münsters und die anschließenden

Untersuchungen von neun Probematerialien (Bohrkerne) lieferten uns die folgenden Ergebnisse,

die an dieser Stelle in einer kurzen Zusammenfassung wiedergegeben werden.

Insgesamt werden die Steine in sieben (bzw. acht) Varietäten klassifi ziert (Abb.14).

Varietät 1 und 2 gehören zu den Gesteinen aus der Erbauerzeit (14. Jh.) und zählen zu den

Plattensandsteinen (245 Mio.). Diese bilden heute zu 75% die originale Bausubstanz. In der

Literatur konnten keine Angaben zur ursprünglichen Herkunft gefunden werden. Es wird stark

angenommen, dass zur Erbauungszeit des Turmhelms im Raum Emmendingen (Tennenbach,

Allmendsberg und Wöpplinsberg) die Steine abgebaut wurden. Anfang des 14. Jhs. mussten

die Steinbrüche am Lorettoberg vermutlich schon erschöpft gewesen sein, oder es konnten

Thomas Laubscher

Pyramide des Westturmes

Abb.14 Geologisches

Kartierungsbeispiel

- 11 -


nicht die am Turm geforderten Schichthöhen abgebaut werden.

Die Varietät 1 hat sich über die letzten 700 Jahre sehr gut gehalten und es sind wenige Schäden

zu beobachten. Viele Steine der Varietät 2 zeigen einen schlechten Zustand (Schalenbildung,

Abblättern und Absanden). Um die Originalgesteine zu erhalten, wird eine komplette

konservatorische Maßnahme angestrebt. Schätzungsweise wird ein Austausch innerhalb der

Sanierung < 1% dieser Originalgesteine betragen. Die Streben der Turmpyramide bestehen

ausschließlich aus der Varietät 1.

Die Varietät 2 wurde erst ab Schicht 6 bis zur Turmspitze eingesetzt.

Die Gesteinsvarietät 3 wurde überwiegend bei Restaurierungsarbeiten im 16. Jh. verwendet.

In der Literatur wird Tennenbach als Herkunftssteinbruch für das verwendete Material dieser

Epoche genannt. Es handelt sich um einen Bau-/ Geröllsandstein (250 Mio.). Der Erhaltungszustand

ist sehr gut. Häufi g zu beobachten ist eine Reliefbildung. Diese ist bedingt durch seine

starke Schichtung. Die Stabilität des Gesteins wird dadurch nicht beeinträchtigt. Das Material

wurde nach oben hin verstärkt verbaut. Viele Krabben sind in diesem Material ausgetauscht

worden. Ein Sonderfall stellt die Strebe im Bereich West-Südwest dar. An dieser Stelle befi nden

sich keine Krabben aus dem Originalmaterial. Es muss an dieser Seite im 16. Jh. zu einem

kompletten Krabbenaustausch gekommen sein. Auch angrenzende Maßwerke wurden mit der

Varietät 3 ersetzt.

Die Herkunft des Gesteins aus Allmendsberg bildet die Varietät 4 und wird in der recherchierten

Literatur vielfach belegt. In größeren Mengen wurde dieses Material am Turmhelm um 1920

verwendet. Bei kleineren Sanierungsarbeiten kam dieses Material auch schon im 17. Jh. zum

Einsatz. Diese Varietät zählt zu den Plattensandsteinen (245 Mio.). Obwohl das Material in den

meisten Fällen noch keine 100 Jahre am Turm verbaut ist, weist dieses jedoch die schwerwiegendsten

Schadensbilder auf. Die anzutreffenden Schäden sind vielfältig. Sehr häufi g treten

lange Risse auf. Gerade bei Krabben, die aus diesem Material gefertigt wurden, muss ein

großer Teil neu geschlagen werden. Dieser Austausch konzentriert sich im oberen Drittel des

Turmhelmes. Im unteren Teil der Pyramide wurden aus diesem Material häufi g Vierungen gefertigt

und schädigen durch die erhöhte Wasseraufnahme das originale Nachbarsgestein.

Die Varietäten 5, 6 und 7 wurden im Zuge der letzten Sanierung in den 60-er und 70-er Jahren

des letzten Jahrhunderts eingesetzt. Dieses Gestein zählt zu den Plattensandsteinen (245

Mio.). Literatur, Rechnungen zu Gesteinslieferungen sowie mündliche Mitteilungen besagen,

dass in diesem Zeitraum Material aus drei Regionen der ferneren Umgebung Verwendung

fand: aus Freudenstadt-Dietersweiler, aus Dunningen-Seedorf bei Schramberg und aus dem

Maintal. Der Zustand dieser Gesteine, die erst ca. 40 Jahre den Witterungseinfl üssen am Turmhelm

ausgesetzt sind, ist unterschiedlich. Die Varietät 5 fällt negativ durch Schäden, vor allem

durch Risse auf. Die Varietät 6 und 7 sind dagegen gut erhalten. Einige Stücke der Varietät 5

müssen bei den aktuellen Sanierungsarbeiten durch neue ersetzt werden. Insgesamt wurden

in den 60-er Jahren 5% des Gesteinsmaterials ausgetauscht; tendenziell im oberen Drittel des

Helmes etwa 40 Maßwerke und 10 Krabben.

Ungefähr 1% der „Gesteinsblöcke“ konnte keiner der sieben Varietäten zugeordnet werden.

Das aktuelle am Turm verarbeitete Gesteinsmaterial stammt aus dem Steinbruch in Lahr-Kuhbach.

Der Bau-/Geröllsandstein aus diesem Bruch erreicht Schichthöhen bis knapp einen halben

Meter. In den unteren drei Schichten des Turmhelmes liegen die Maßwerke und Riegelstücke

in ihren Schichthöhen bei 60 cm. Bei einem kompletten Steinaustausch fordert die Situation

ein Alternativmaterial. Schon zu Beginn des Sanierungsprojektes hat sich diese Frage gestellt.

Diesbezüglich haben wir uns frühzeitig um eine Alternative bemüht. Eine, die den uns am

Turm bekannten geologischen Kenndaten und der Optik der verbauten Gesteine gerecht wird.

Beratend begleitet uns Herr

Dr. Werner vom Landesamt

für Geologie, Rohstoffe und

Bergbau in Freiburg. Wir haben

in diesem Jahr mehrere

Steinbrüche im Raum Ebersbach

/ Neckartal besucht

und wurden auch fündig

(Abb.15). Im kommenden

Jahr soll das Material beprüft

werden. Anhand der vorliegenden

Ergebnisse soll der

Einsatz des Alternativmaterials

mit den beteiligten Sachverständigen

diskutiert und

entschieden werden.

Zur Qualitätskontrolle des

von uns verarbeiteten Stein-

Thomas Laubscher

Pyramide des Westturmes

Abb.15 Steinbruch, Fa.

Melchior

- 12 -


materials gehören regelmäßige Begutachtungen an den Rohblöcken, an dem gesägten Material

sowie an den Steinen, die in Bearbeitung und fertiggestellt sind. Mit der begleitenden

Prüfung ist Frau Dr. H. Müller-Sigmund vom Mineralogischen–Geochemischen Institut der

Universität Freiburg beauftragt. Um einen Qualitätsüberblick der natürlichen Variabilität des

Gesteinsmaterials zu erhalten, wurde eine Tabelle erstellt. Anhand jedes Rohblockes und den

angelieferten Quadersteinen werden dessen geologische Elemente und deren Ausprägung

beschrieben und qualifi ziert. Gemeinsam wurde in Absprache mit Geologen und der Projektleitung,

unter Berücksichtigung aus dem jeweiligen Block zu fertigendem Werkstück, direkt

vor Ort eine Nutzungsempfehlung getroffen. Diese fi ndet sich zur Übersicht in einer dafür

angelegten Liste wieder. Die Klassifi zierung wird in den folgenden geologischen Elementen

eingeteilt: in kleine und große Wadfl ecken (Eisen und Mangan Verbindungen), in kleine und

großen Tongallen sowie in schichtparallele und quer zur Schichtung stehenden Risse. Diese

werden dann in einer Skala von – bis ++ eingestuft. Danach kann eine Nutzungsempfehlung

getroffen werden.

Austausch mit Straßburg

„Zwei Münster, eine Mission“ titelte die Badische Zeitung im Juli 08.

Die Beziehungen der Straßburger und Freiburger Bauhütte waren schon im Mittelalter sehr

eng und diese sollen im Zuge der Turmsanierung wieder aufl eben.

Das Straßburger Münster war nicht nur Vorbild für die gotischen Bauteile des Freiburger Münsters

(Langhaus, Westturm), man vermutet auch, dass Straßburger Baumeister und Steinmetze

am Freiburger Münster arbeiteten oder Freiburger Steinmetze in der Straßburger Bauhütte

ausgebildet wurden.

Allgemein wird angenommen, dass der Baumeister der einzigartigen durchbrochenen Turmspitze

aus Straßburg stammt. Es gibt jedoch keine schriftlichen Quellen als Beweis; der Name

des Freiburger Turmmeisters wurde nicht überliefert.

Michael von Freiburg, Sohn des Freiburger Baumeisters Johannes von Gmünd, Erbauer des

spätgotischen Chores, leitete von 1383 bis 1388 die Münsterbauhütte in Straßburg.

Vor 100 Jahren fand aus wissenschaftlichen Gründen ein Austausch von Gipsabgüssen verschiedener

Steinskulpturen zwischen der Straßburger und Freiburger Bauhütte statt. Die Freiburger

Bauhütte besitzt z.B. Gipsabgüsse der berühmten Ecclesia und Synagoge aus Straßburg.

Im letzten Jahrzehnt wurde der Kontakt der beiden Bauhütten wieder intensiviert.

Beim Besuch der Straßburger Bauhütte 2007 in Freiburg machte man der Freiburger Hütte

das Angebot, ein Maßwerk für den Turmhelm zu kopieren.

Am 26. Juni 2008 war es soweit. Das

komplette Turmteam machte sich mit einem

Lahrer Sandsteinquader und den

Aufrissschablonen auf den Weg Richtung

Straßburg zur Übergabe. Die Freiburger

wurden herzlich in Straßburg empfangen.

Der ganze Tag wurde genutzt, um sich mit

den Steinmetzen und Technikern fachlich

auszutauschen: Über historische Bearbeitungstechniken,

Versetzarbeiten, Mörtelrezepturen

bis zum Gerüstbau und der Sicherheit

auf der Baustelle wurden Fragen

diskutiert und Anregungen ausgetauscht.

Für beide Seiten ist dieser Kontakt eine

Bereicherung. Auch in Zukunft werden die

zwei Bauhütten eng kooperieren.

Eindrücklich für alle Beteiligten des Freiburger

Turmteams waren der Aufstieg auf

den 142m hohen Straßburger Münsterturm

bis knapp unterhalb der Kreuzblume und

die Begehung der Baustellen am neogotischen

Vierungsturm.

Einen historischen Moment stellte die

Übergabe des Steines und der Schablonen

durch die Freiburger Bauhütte an die

Straßburger Kollegen dar (Abb.16).

Thomas Laubscher

Pyramide des Westturmes

Abb.16 Planübergabe in

Straßburg

- 13 -


Langhaus Südseite, 1. und 2. Joch

Obergaden

Wandfl ächen

An den Wandfl ächen waren noch verschieden große Vierungen einzukleben. Dazu wurde ein

neu entwickelter pastöser Silikatkleber zum ersten Mal eingesetzt, nachdem er durch das Labor

Ettl & Schuh in München auf seine Eigenschaften überprüft und freigegeben wurde.

Da sehr wenige Steine ausgetauscht werden sollten, mussten an vielen Quadersteinen Ergänzungen

an Kanten und Ecken mit Restauriermörtel angetragen werden (Abb.17, 18). Dazu

wurde ein tragfähiger Untergrund hergestellt, in dem man die betroffenen Partien bis auf den

gesunden Stein zurückarbeitete. Teilweise waren die morbiden Zonen einige Zentimeter tief.

Dadurch wurde es notwendig, mit Grundiermörtel (Remmers) die tiefen Stellen in einem zusätzlichen

Arbeitsgang bis einen Zentimeter unter das Niveau der Steinoberfl äche anzutragen.

Anschließend erfolgte der Antrag exakt im Farbton des jeweiligen Quaders (Abb.19). Auch die

oft vorkommenden Farbschwankungen innerhalb eines Steines wurden beim Antragen farblich

berücksichtigt.

Christian Leuschner

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.17 Antragungen mit

Grundiermörtel

Abb.18 fertige Antragung

mit Deckmörtel

Abb.19 Bemusterung der

Restauriermörtel

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Nach dem Aushärten der Antragungen wurde

mit einem harten Schwamm zum einen überschüssiges

Bindemittel entzogen und zum

anderen die Oberfl ächenstruktur der Steinumgebung

angepasst. Abschließend wurden mit

dem neu entwickelten Mörtel die Steinfugen

geschlossen (Abb.20, 21).

Die Verarbeitung dieses Mörtels ist sehr zeitaufwändig,

da er gegenüber den Industriemischungen

wenig Klebkraft besitzt und demzufolge

in die Fuge „eingerieben“ werden muss.

Der überstehende Mörtel wird nach kurzer

Anfangsabbindung nach etwa einem Tag (abhängig

von der Temperatur) in Form gekratzt.

Die Steinfl anken der ausgefugten Bereiche

müssen vorsichtig abgetupft werden um weiße

Ränder nach dem Abtrocknen zu vermeiden.

Die Fugarbeiten benötigen dadurch etwa

die dreifache Arbeitzeit. Auch muss ein ständiges

Nachbefeuchten über mindestens 8-10

Arbeitstage sichergestellt werden. Dafür wird

man mit einer sehr körnigen, farblich gut zum

Stein passenden Mörtelstruktur belohnt.

Blattfriese

Nach der Schadens- und Materialkartierung wurde in einem ersten Schritt die an vielen Stellen

vorhandenen Gipskrusten mit dem Mikrosandstrahlgerät vorsichtig ausgedünnt. Als Strahlmittel

wurde nach verschiedenen Proben Glaspudermehl mikrofein (feiner 0,08 mm) ausgewählt.

Damit war eine schonende Reinigung ohne Substanzverlust am Sandstein möglich. Nachfolgend

wurden die Blattfriese mit Kieselsäureester Funcosil 300 vorgefestigt. Bereits nach

5 Tagen Reaktionszeit konnte mit Anböschungen und Rissverfüllungen weitergearbeitet werden,

da man im gleichen Festigungssystem arbeitete (Abb.22, 23, 24). Die aus dem KSE-

Modulsystem verwendeten Kittmassen wurden vorher an alten ausgebauten Mustersteinen

auf ihre Farbtreue nach der Ausreaktion des Kieselsäureesters getestet. Die erforderlichen

Farbnuancen konnten dann beim Baustelleneinsatz gut nachgestellt werden. Der zusätzliche

Zeitaufwand für die vorausgegangenen Testreihen hat sich ausgezahlt. Abschließend wurden

die Blattfriese neu ausgefugt (Abb.25).

Die Arbeiten an den 12 Blattfriesen konnten im Herbst 2008 abgeschlossen werden.

Christian Leuschner

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.20 fertig verfugte

Wandfl äche

Abb.21 Restauriertes

Quaderwerk

Abb.22 Gereinigter Vorzustand

Abb.23 Vorfestigung und

Anböschungen

Abb.24 Endzustand nach

Ausreaktion der KSE Antragungen

Abb.25 Ausfugen der

Blattfriese

- 15 -


Rinne und Maßwerkbrüstungen

Die drei neuen Rinnenprofi lsteine mit der geänderten

Profi lierung wurden im Anschluss

an den Turm nach Westen eingebaut (siehe

Arbeitsbericht 2007,S.25). Die oberen horizontalen

Flächen erhielten ein leichtes Gefälle

nach außen um einen guten Wasserablauf zu

realisieren (Abb.26). Die Wasserführung wurde

mittels einer Bohrung durch die südöstliche

Turmecke geführt (Abb.27). Die Werkstücke

wurden mit Kalkmörtel Maximur 920 versetzt

und die senkrechten Fugen mit Blei ausgegossen.

Auf den Rinnenplatten wurden die alten

aufgearbeiteten Sockelprofi le sowie die neue

Sockelprofi lplatte unter der Fiale trocken versetzt.

Der Verguss kann erst im kommenden

Frühjahr erfolgen. Die drei Maßwerke des ersten

Joches werden im Winter 2008/09 in der

Werkstatt neu gehauen, da aufgrund des starken

Zerstörungsgrades die nur 12 cm starken

Vorgänger nicht mehr zu retten waren. Die

Maßwerkabdeckungen wurden gereinigt und

gefestigt. Teilweise mussten sie gekürzt werden,

da Rostsprengungen zu starken Rissen

geführt hatten. Als Ergänzung wurde das Endprofi

l neu hergestellt.

Strebebogen 1/2

Im Winter 2007/2008 wurden die beiden Rinneneinlaufsteine

sowie der Rinnenanfänger

des Strebebogens aus Schweinstäler Sandstein

neu geschlagen (Abb.28). Jetzt konnten

die Sicherungsarbeiten am Strebepfeiler

für den Steinaustausch durchgeführt werden.

Mit Gitterträgern und einer vom Zimmermann

gefertigten Biege (Hilfskonstruktion aus Holz)

wurde der Strebebogen unterfangen (Abb.29,

30) um die neu gefertigten Bogensteine versetzen

zu können. Von den 16 abgebauten

Rinnensteinen wurden vorerst 11 wieder versetzt (Abb.31). In den verbleibenden Zwischenraum

wurde eine Stahlkonstruktion aus drei Teilen eingefügt. Mit Hilfe einer Presse wurden

die Stahlteile gegen die Rinnensteine bzw. die Obergadenwand verspannt (Abb.32). Um ein

seitliches Wegrutschen auszuschließen verschraubte man die Teile im Stein und stützte den

Strebebogen seitlich gegen das Baugerüst ab. Mit Spanngurten und seitlich angesetzten Kanthölzern

wurden die Rinnensteine gegen Abheben nach oben gesichert (Abb.33). Jetzt konnten

Bogensteine und Füllsteine und der Vierpass abgebaut werden (Abb.34, 35).

Christian Leuschner

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.26 Einbau der Rinnenprofi

le

Abb.27 Neue Wasserführung

in der Turmecke

Abb.28 Neuer Rinnenanfänger

Abb.29 Hilfskonstruktion

für Versetzarbeiten

Abb.30 Einbau der neuen

Bogensteine

- 16 -


Christian Leuschner

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.31 Versetzen der

abgenommenen Rinnensteine

Abb.32 Stahlhilfskonstruktion

Abb.33 Verschnürter

Strebebogen

Abb.34 Ausbau der Bogensteine

Abb.35 Draufsicht auf

unterbrochenen Bogen

Abb.36 Vierpass und

Füllsteine versetzt

Abb.37 Rinne wieder

kraftschlüssig versetzt

Abb.38 Vorbereitung zum

Bleiverguss

Abb.39 Kittungen an

Bogensteinen

Abb.40 Fertiggestellter

Strebebogen

- 17 -


Weiter ging es mit dem Einbau der Vierpasswerkstücke sowie dem Versetzen der alten abgebauten

Füllsteine (Abb.36). Nach einer Aushärtezeit von zwei Wochen konnte die Stahlkonstruktion

zurückgebaut werden. Abschließend wurden die verbliebenen Rinnensteine sowie die

neu gefertigten Rinneneinlaufsteine und der Rinnenanfänger eingebaut (Abb.37). Die gesamte

Wasserrinne und der Einlauf aus der Obergadengalerie wurden mit 3mm starken Walzblei

ausgekleidet und die schon im Vorjahr restaurierten Liliensteine als Rinnenabdeckung versetzt

und mit Blei vergossen (Abb.38). Die Fugen des gesamten Strebebogens wurden mit

dem Romankalkmörtel ausgefugt. Die Steinrestauratoren führten an mehreren Altsteinen der

Pfeileraußenseiten Anböschungen und Kittungen durch (Abb.39). Damit konnte die komplette

Strebepfeilersanierung bis zum Herbst abgeschlossen werden (Abb.40).

Strebepfeileraufsatz 1/2

Für die bevorstehende Restaurierung wurden

verschiedene Voruntersuchungen durchgeführt.

An einigen Stellen des Aufsatzes gab

es schwarze Verfärbungen. Es wurden dort

3 Bohrkerne trocken gezogen (Abb.41, 42)

und zur Untersuchung ins Labor Ettl & Schuh

geschickt. Bei den Verfärbungen handelt es

sich um Manganausfällungen und Sulfate,

die nur sehr schwer oder gar unlöslich sind.

Hier gibt es noch kein Rezept diese optische

Beeinträchtigung zu eliminieren. Ergänzend

wurden 2 weitere Kompressen aufgelegt um

auf weitere Salzbelastung zu testen (Abb.43).

Die Salzbelastung bewegte sich in einer dem

Stein noch verträglichen Menge.

Um optimale Festigungsergebnisse zu erzielen

wurden zunächst 3 kleine Musterfl ächen

an der Ostseite des Strebepfeilers mit Remmers

100, 300 und 300 E angelegt (Abb.44).

Um die angrenzenden Flächen nicht mit zu

tränken wurden sie mit Zyklododekan abgedeckt.

Mit dem Bohrwiderstandsmessgerät

wurde das vorhandene Festigkeitsprofi l vor

der Beprobung ermittelt und dient als Nullmessung.

Nach der Ausreaktion der Musterfl

ächen erfolgt die Bohrwiderstandsmessung

in den Probefl ächen und liefert mit der Aus-

Christian Leuschner

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.41 Trockenes Ziehen

von Bohrkernen

Abb.42 Bohrkernentnahme

am rückwärtigen

Wimperg

Abb.43 Kompressen zur

Feststellung bauschädlicher

Salze

Abb.44 Bemusterungsfl ächen

für Steinfestigererprobung

- 18 -


wertung durch ein Fachlabor Werte, die einen Rückschluss auf das zu verwendende Festigungsmittel

liefern. Der gesamte obere Teil des Strebepfeileraufsatzes aus den 20er Jahren

wurde bis über den umlaufenden Blattfries im Mikrostrahlverfahren trocken gereinigt (Abb.45).

Das Reinigungsergebnis ist auf dem Foto gut zu erkennen (Abb.46).

Treppenturm

Im Herbst des Jahres 2007 wurden im Rahmen

einer Kontrollbegehung Risse in den

Krabben und Fialen des Treppenturmhelmes

festgestellt (Abb.47). Hier galt es sofort zu

handeln, da sich im unmittelbaren Gefahrenbereich

der Besuchereingang zum Turm befi

ndet. Das Gerüst wurde in der südwestlichen

Ecke des Seitenschiffes entsprechend ergänzt

und der obere Teil des Treppenturmes bis zu

einer Höhe von 40m eingerüstet. Das zusätzliche

Gerüst wurde mit einem Wetterschutzdach

versehen.

Der zu sanierende Teil umfasste den in den

70er Jahren erneuerten oberen Bereich ab

dem letzten Gesims bis zur Spitze über der

Sternengalerie.

Da diese Bauteile stark mit biogenem Bewuchs

überzogen waren wurde erst eine

Trockenstrahlreinigung mit Glaspudermehl

durchgeführt. Es folgte die Schadenskartierung

und anschließend die Festlegung der

erforderlichen restauratorischen Maßnahmen.

Einige Stücke waren so stark geschädigt, dass

sie ausgetauscht werden mussten: ein Stein

der Pyramide mit zwei gerissenen Krabben,

1 Wimpergstück (Abb.48), 3 Krabbenvierungen,

2 komplette Fialen und 7 Kreuzblumen

mussten neu gehauen werden (Abb.49, 50).

Die dreiteilige Baldachinfi ale nach Osten,

Christian Leuschner

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.45 Trockenstrahlreinigung

der Fiale SO

Abb.46 gereinigte Fiale

Abb.47 Schadensbild am

Treppenturm

Abb.48 Neu gefertigtes

Wimpergteil

Abb.49 Neuer Pyramidenstein

- 19 -


ebenfalls in den 70er Jahren aus Freudenstädter Sandstein erneuert, wurde abgebaut und

wird als Winterarbeit 2008/09 in der Werkstatt neu angefertigt (Abb.51, 52, 53). Die weiteren

durchzuführenden Maßnahmen beschränkten sich auf partielle Steinfestigungen, einige Rissverfüllungen

und Anböschungen im KSE Modulsystem (Abb.54). Die beiden neuen Fialen wurden

verdübelt, mit Blei vergossen und mit Windeisen am Treppenturm verbunden (Abb.55).

Die neuen Kreuzblumen und Krabbenvierungen wurden mit pastösem Silikatkleber auf die

vorhandenen Fialen gedübelt und verklebt.

Der darunterliegende mittelalterliche Teil des

Treppenturmes wird noch im kommenden Jahr

2009 auf Farbbefunde untersucht werden.

Aus diesem Grund wurde das Arbeitsgerüst

nach Abschluss der Arbeiten noch nicht zurückgebaut.

Christian Leuschner

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.50 Ausgetauschte

Krabben

Abb.51 Abbau der großen

Baldachinfi ale

Abb.52 Abgebauter Fialschaft

Abb.53 Aufsägen der

Bleifugen

Abb.54 Verfüllungen von

Rissen

Abb.55 Versetzen der

Fialen am Treppenturm

- 20 -


Konsolen Sterngalerie

Im Auftrag der Münsterbauhütte wurden

die Restaurierungsarbeiten von April

bis November 2008 durchgeführt und

umfassten eine Konsolbüste und sechs

Konsolrosetten (Abb.56). Bei den Objekten

handelt es sich ausnahmslos um

ursprünglich verbaute Originalsubstanz.

Sämtliche Maßnahmen wurden durch

die Münsterbaumeisterin Frau Faller,

dem Hüttenmeister Herr Leuschner, dem

Denkmalamt Freiburg Frau Zimdars und

dem Denkmalamt Stuttgart Herrn Wölbert

begleitet.

In einem ersten Arbeitsschritt wurden die

Steine photographiert und deren Schäden

kartiert. Alle Steine bestehen rein

optisch aus der selben Steinvarietät. Dieser

mittelkörnige Buntsandstein besitzt

eine blassrote bis blass braunrote Färbung

und eine Schichtumg ist kaum oder

nicht zu erkennen. Des Weiteren wurde

vor Ort deutlich, dass es erhebliche Differenzen

zwischen den Zuständen der

einzelnen Steine gibt. Steine, die sich in

geschützten Bereichen befi nden, waren

nahezu unversehrt (Abb.57), während

der Witterung ausgesetzte Steine erhebliche

Schäden aufwiesen. Bis auf eine

ältere Klebung und kleinere Gipsantragungen

sind sämtliche Objekte in einem

unberührten Zustand.

Bei den vorgefundenen Schäden handelt

es sich vorrangig um Verschmutzungen,

Krustenbildung, Fehlstellen und Risse.

Allgemein ist zu sagen, dass sich die

Schäden gegenseitig bedingen und mehrere

Ursachen haben, welche ineinander

greifen. Die Verschmutzungen sind das

Resultat einer langen Expositionszeit –

Ruß-, Staub- und Schmutzpartikel lagern

sich ab und dringen durch Feuchtigkeit

(Niederschlag) in die obersten Kornlagen

ein. Ähnlich verhält es sich mit der

Krustenbildung, wobei es hier zwei Entstehungsmöglichkeiten

gibt. Zum einen

lagert sich Gips im Form von Staub auf

der Steinoberfl äche ab und wird zu einer

Sinterkruste. Zum anderen besteht die

Möglichkeit, dass Gips aus dem Fugenmörtel

ausgespült wird, sich im Gestein ablagert und durch den Zutritt von Schwefeldioxid aus

der Luft und ausreichender Feuchtigkeit im Mauerwerk eine Gipskruste bildet. Die oberfl ächliche

Belastung durch eine solche Kruste, sowie thermische und hygrische Einfl üsse führen

zu einer Schalenbildung, welche oft parallel zur Steinoberfl äche verläuft. An Stellen, wo keine

Anbindung an die unteren Kornlagen mehr besteht, kommt es zu Abplatzungen – zu Fehlstellen.

Stellen mit einer geringen Anbindung hingegen bleiben erhalten, wobei es aufgrund der

Abplatzung und der Oberfl ächenspannung zu einer Bildung von Haarrissen zwischen Schale

und Untergrund kommen kann. Diese kleineren Haarrisse sind erst nach dem Abplatzen einer

Schale sichtbar (Abb.58).

Eine andere mögliche Ursache, für die vorgefundenen Abplatzungen ist die mechanische Belastung

des Korngefüges durch die originale Oberfl ächenbearbeitung. Diese Belastung kann

dazu beitragen, dass sich oberfl ächennahe Schalen bilden. Im Zuge der Schadenskartierung

wurden auch punktuelle Abplatzungen (erscheint als zurückgewitterte Oberfl äche) als Fehlstellen

aufgenommen.

Luzius Kürten

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.56 zeigt die Sterngalerie

im Querschnitt die

bearbeiteten Steine sind

orange markiert

Abb.57 zeigt eine nahezu

unversehrte Konsolrosette

auf der Ostseite unterhalb

der Sterngalerie

Abb.58 zeigt einen Haarriss

nach dem Abplatzen

einer Schale

- 21 -


Aufgrund der vorgefundenen Schäden wurden

folgende Maßnahmen durchgeführt: Reinigung,

Festigung, Rissinjektion, Kittung und

Schlämme.

Hervorzuheben ist, dass die Reinigung von

Frau Quadmann durchgeführt wurde ( und im

Zuge dessen vorhandene Fassungsreste an

den Konsolen und Wandfl ächen kartiert und

untersucht wurden – siehe hierzu den Artikel

von Frau Quadmann.

Damit die Steinsubstanz durch die restauratorischen

Eingriffe geschütz werden kann, war

eine Vorfestigung mit Kieselsäureester innerhalb

der stark fragilen Bereiche notwendig.

Danach erfolgte eine differenzierte Reinigung,

bei der Bereiche fl ächig, andere parziell gereinigt

wurden. Gereinigt wurde mit einem Mikrosandstrahlgerät

und dem Strahlgut Edelkorund

(Größtkorn 0,03 Millimeter).

Im folgenden Verlauf kam es an einer Konsolrosette

zu einer Kompressenfestigung

(Abb.59). Diese Form der Festigung ermöglicht

bei hängenden Oberfl ächen eine ausreichende

Versorgung mit Bindemittel. Ein nur

oberfl ächliches Herunterlaufen des Festigers

wird hierdurch ausgeschlossen. Das Kompressenmaterial

dient als Reservoir, wodurch

der Stein das Festigungsmittel gleichmäßig

aufnehmen kann. Über an die Kompressen angebrachte

Infusionen wird langsam und kontinuierlich

weiteres Bindemittel zugeführt. Das

Ziel hierbei ist es, den gesamten Stein bzw.

die verwitterte Zone bis zum intakten Steingefüge

zu durchtränken. Der Festigungsfortschritt

im Stein ließ sich durch die Ausbreitung

der Feuchtigkeitshorizonte beobachten. Dabei

wurde festgestellt, dass das Festigungsmittel

in einigen Bereichen unter den Rissen und

Schalen entlang wanderte und an Fehlstellen

wieder an die Oberfl äche austrat – die entfestigten

Bereiche konnten erreicht werden.

Eine anschließende freihändige Rissverfüllung

wurde mit einer reinmineralischen Masse

(Quarzmehl, Kieselsol), das Größtkorn lag

bei 0,063 Millimeter, an einer Konsolrosette

durchgeführt. Die Injektionsmasse wurde mit

einer Spritze in die Risse apliziert.

An der Konsolbüste wurde eine Vernadelung

angebracht. Durch einen vermutlich ehemaligen

Kriegsschaden (Kanonenkugel) kam es zur Abplatzung im Bereich der Schulter, des Weiteren

zu einer Rissbildung und einer größeren abgehenden Schale. Diese wurde mit einem

Glasphaserdübel und einem Silikatkleber gesichert (Abb.60).

Einzelne, lose Gipsantragungen wurden entfernt und die so entstandenen Fehlstellen zusammen

mit den Rissen, Graten und kleineren Ausbrüchen mit einer Kittungsmasse geschlossen.

Die Kittungen wurden soweit angetragen, dass eine Wiederablesbarkeit der Form möglich

war. Somit wurden bewusst nicht alle Fehlstellen geschlossen, insbesondere die entstandenen

Fehlstellen durch Kriegseinwirkung. Der Kittungsmörtel bestand aus unterschiedlichen

rötlichen Quarzkornfraktionen, welche zu einer Sieblinie zusammengestellt wurden. Dadurch

war die Farbigkeit des verwendeten Buntsandsteins gegeben. Gebunden wurde die Masse mit

Kieselsol und durch eine nachträglichen Festigung mit Kieselsäureester (Abb.61, 62). Größere

zusammenhängende zerklüftete Bereiche wurden mit einer Schlämme geschlossen. Diese bestand

aus unterschiedlichen Quarzkörnern und Pigmenten und wurde mit Kieselsol gebunden.

Die zurückgewitterten Bereiche/punktuellen Abplatzungen wurden mit geschlämmt.

Über einen Teil der Kittungen und Antragungen wurden Retuschen gelegt, um die Steinoberfl äche

optisch zu beruhigen und ein einheitlicheres Farbbild zu schaffen.

Luzius Kürten

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.59 zeigt die angebrachte

Kompresse und

die Infusionsschläuche,

die dunklen Bereiche sind

bereits mit Festigungsmittel

getränkt

Abb.60 zeigt die Abplatzung

an der linken

Schulter der Konsolbüste

im Vorzustand

Abb.61 zeigt die Konsolrosette

im Vorzustand

Abb.62 zeigt die Konsolrosette

im Endzustand

- 22 -


Konservierung Wasserspeier

Der folgende Text ist eine gekürzte Fassung der Dokumentation, die dem Münsterbauverein komplett

vorliegt.

Der Arbeitsauftrag umfasste drei Wasserspeier der ersten beiden Joche des südlichen Langhauses.

Die Wasserspeier tragen die Bezeichnungen:

Wasserspeier 0/1 West (Abb.63), Wasserspeier 0/1 Süd, Wasserspeier 1/2 Süd

Aufgrund der starken Schäden wurde im Februar 2008 vom Verfasser ein Restaurierungskonzept

mit einer Kostenschätzung, auf der Grundlage einer Begutachtung vor Ort erstellt.

Von April bis Oktober 2008 konnte dieses Restaurierungskonzept ausgeführt werden. Ziel der

Maßnahmen war es den originalen Bestand zu konservieren. Somit lag der Schwerpunkt bei

folgenden Maßnahmen:

- Festigung und Reinigung der Substanz

- Konsolidierung von Fassungsresten

- Hinterfüllen von Schalen und Rissen

- Vernadeln und Verkleben loser Teile

- Schließen kleinerer Fehlstellen und Risse

Für die zu konservierenden Wasserspeier wurde Heimbacher Sandstein verwendet. Die Wasserspeier

zeigen die üblichen Schäden des Heimbacher Sandsteins, wie Riss- und Schalenbildungen

sowie die Ausbildung dunkler bis schwarzer Krusten.

An Wasserspeier 0/1 West wurde bei einer späteren Reparaturmaßnahme der vordere Wasserspeierkopf

ersetzt.(Abb.64) Dabei ist augenfällig, dass das angefertigte Steinstück nicht

horizontal geschichtet eingebaut wurde, wie an den anderen Wasserspeier, sondern vertikal

geschichtet (auf Spalt stehend). Gehalten wird das angesetzte Stück durch 3 Eisenklammern,

welche in den Stein eingebleit wurden. Die Ansetzfl äche zwischen der Ergänzung und dem

Original-Wasserspeier wurde ebenfalls verbleit und verstemmt. Durch die Eisenkorrosion der

Halteanker wurde das vordere angesetzte Stück richtiggehend aufgesprengt, so dass hier im

Laufe der Konservierungsarbeiten ein Abbau dieser historischen Ergänzung erfolgen sollte,

um die Standsicherheit ausreichend gewährleisten zu können. Ersatz in Form einer neuen Kopie

aus Sandstein ist derzeit in der Bauhütte in Arbeit. Für die ursprüngliche Formgebung des

Wasserspeiers konnte auch noch ein früherer Gipsabguss (Ende 19./Anfang 20. Jahrh.) des

Wasserspeiers aus der Sammlung der Münsterbauhütte herangezogen werden.

Fassung

An der Konsole des Wasserspeiers 0/1W, sowie an dem Wasserspeier selber wurden Fassungsreste

gefunden. Diese zeigten sich an mehreren Stellen. Es wurden diverse ocker, grüne,

graue, orange und rosa farbene Farbbefunde festgestellt. In Absprache mit Frau Restauratorin

Johanna Quatmann wurden diese Fassungsreste von ihr befundet und untersucht.

Aufgrund der teilweise sehr verschmutzten, reduzierten und pudernden bzw. sich vom Stein

ablösenden Fassungsbefunde war es notwendig diese zu reinigen und zu konsolidieren.

Im Zuge der Fassungsbefundung am Freiburger Münster durch Frau Quatmann wurden auch

die Wasserspeier mittels UV-Licht untersucht.

Frank Eger

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.63 Wasserspeier 01

W - Seite links Vorzustand

Abb.64 Wassespeier 01

W - Seite rechts Vorzustand

- 23 -


Maßnahmen:

Probekompressen

Vorab der Konservierungsarbeiten wurden Probekompressen angelegt. Diese dienten dazu,

den Salzgehalt des Steins zu ermitteln. Die Proben wurden über 5 Tage auf dem Stein belassen

und wurden anschließend rückstandlos los abgenommen und zur Materialprüfungsanstalt

Universität Stuttgart eingeschickt. Die Auswertung der Proben ergab, dass in allen Proben

erhöhte Sulfatwerte nachgewiesen werden konnten, allerdings wurden in keiner der Proben

gut wasserlösliche Chlorid- und Natriumsalze in erhöhter Konzentration festgestellt, so dass

von einer Entsalzung mittels Kompressen abgesehen wurde.

Vorfestigung

Die anschließende Vorfestigung erfolgte durch die Bauhütte mittels Remmers Steinfestiger

300.

Reinigung

Die Reinigung erfolgte vorab durch die Bauhütte im Trockenstrahlverfahren. Vom Verfasser

wurde partiell noch trocken mittels Mikrosandstrahlgerät und Edelkorund (280) nachgereinigt.

Im Mikro-Trockenstrahlverfahren wurde Strahlgut mit feinstem Korn verwirbelt. Der mit wenig

Druck verhältnismäßig sanfte Aufprall des Granulats aus verschiedenen Richtungen hat eine

mit einem Radiergummi vergleichbare Wirkung. Dieses schonende Verfahren kommt ohne

Wasser aus und lässt sich durch variierbare Einstellungen unterschiedlichen Anforderungen

anpassen. Um die Staubbelastung zu unterdrücken, wurde das Strahlgut zusammen mit anfallendem

Schmutz abgesaugt.

Rissvernadelungen, Vernadelung von Bruchstücken

An absturzgefährdeten Schalen und Rissen musste eine Vernadelung mit Glasfasernadeln

erfolgen. Hierzu wurden mit geeigneten Steinbohrer Löcher gebohrt und mittels Luftdruck und

Ausblaspistolen ausgeblasen. Die Vernadelung erfolgte, je nach statischer Notwendigkeit, mit

möglichst feinen Stiften. Bei der Vernadelung kam Steinsilikatkleber (Fa. Busch) zur Anwendung.

Bei der Vernadelung von senkrecht verlaufenden und nach unten geöffneten Löchern musste

allerdings auf Epoxitharz (Araldite 106) zurück gegriffen werden, da der Steinsilikatkleber aus

dem Loch austrat und es nicht möglich war, das Loch abzudichten, um somit einen Austritt

der Masse zu vermeiden. Dabei ist aber anzumerken, dass Epoxitharz bisher das Mittel der

Wahl war, um Verklebungen durchzuführen. Bei beiden verwendeten Materialien war dabei

zu beachten, dass die Steinoberfl ächen nicht verschmutzt werden durfte. Hierfür wurde als

Abgrenzung Flüssiglatex verwendet und nachher wieder rückstandslos entfernt.

Die Nadeln wurden hinreichend dicht gesetzt, um sicherzustellen, dass keine Teile abfallen

können. Die entstandenen Löcher wurden abschließend mit Kittmörteln verschlossen.

Riss- und Schalenhinterfüllung

Die Risse und Schalen wurden diffusionsfähig geschlossen. Dabei kam Injektionskieselsäureestermörtel

auf der Basis von Kieselsol (Syton X30) mit geeigneten Quarz- und Mineralmehlen

als Zuschlag zum Einsatz. Vor der eigentlichen Rissverfüllung wurden die zu verfüllenden

Bereiche mittels Ethanol vorgenetzt. Die Risse wurden oberfl ächlich unter Freihalten von

Einspritzöffnungen mit Heißkleber verschlossen. Anschließend wurden Packer mit Heißkleber

auf die Oberfl äche aufgeklebt. In diese wurde nach Erstarrung des Klebers die Verfüllmasse

eingespritzt. Die Masse musste während der ersten Stunden mehrfach nachgefüllt werden, um

Materialverluste auszugleichen. Nach Aushärten wurden die Packer vorsichtig abgenommen.

Die Oberfl äche der Risse bzw. die Einspritzlöcher waren abschließend mit Kittmassen (siehe

Kittungen und Schlämmen) deckend zu verschließen.

Die Schalenverfüllung erfolgt exakt nach dem Vorgehen der Risshinterfüllung. Die Schalen

wurden zunächst abgeklopft um den Umfang der Hohlstellen zu bestimmen. Die Schalen

wurden teilweise unter Freihalten von Einspritzöffnungen mit Heißkleber verschlossen. Vor der

eigentlichen Verfüllung wurden die Bereiche mittels Ethanol vorgenetzt.

Kittungen und Schlämmungen

Durch die Anböschungen und Kittungen wurden offen stehende Schalen, Schuppen und Risse

geschlossen. Dabei sollte eine erneute Einlagerung von Staub und Schmutz, welcher sich zusammen

mit Feuchtigkeit zu Schmutzplomben verbindet, verhindert werden. Regen und Tauwasser

werden über die geschlossene Oberfl äche ebenfalls effektiv abgeleitet. Des Weiteren

werden Schalen und Schollen wieder kraftschlüssig an den Steinuntergrund angebunden.

Die verwendete Anböschmasse ist in ihren physikalisch-mechanischen Parametern dem Buntsandstein

angepasst.

Frank Eger

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

- 24 -


Als Bindemittel kam Kiselsol (Syton X30) zum Einsatz. Als Zuschlag dienten in ihrer Sieblinie

exakt angepasste Quarzsande und Steingranulat aus Buntsandstein. Die Mischung der einzelnen

Korngrößen wurde auf den Anwendungszweck als Anbösch- bzw. Kitt- Schlämmmasse

abgestimmt, um eine optimale Wirkung des Bindemittels zu gewährleisten. Die exakte farbliche

Einstimmung erfolgte durch die Verwendung farbig passenden Steingranulats und nur sofern

notwendig, durch licht- und kalkstabile Pigmente, die in der Abstimmung der Sandmischung

zu berücksichtigen waren. Die Kittungen durften nicht über die Grenzen der schadhaften Bereiche

hinaus aufgetragen werden.

Die Fixierung von Schuppen und absandenden Bereichen erfolgte durch Einmassierung (mittels

Pinsel) des oben beschriebenen Anböschmörtels und Kittmörtels in die Oberfl äche. Die

überschüssige Feinmörtelmasse wurde dann mit einem Schwamm wieder abgenommen, so

dass nur eine Anlagerung als Kittung an den Schuppen und Schalen zurückblieb.

Ausbau von Halteeisen und Abbau am Wasserspeier 0/1W

Der vordere Teil des Wasserspeiers 0/1W, welcher aus zwei Teilen besteht, wurde abgebaut

(Abb.65). Dieser Abbau war notwendig, da die Halteeisen durch Korrosion im Stein trieben

und so zu Rissbildung führten. Diese Risse waren so erheblich, dass der vordere Teil zunächst

konserviert werden musste um eine Verlust von originaler Substanz beim Abbau zu vermeiden.

Frank Eger

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.65 Wasserspeier

01W - linke Seite Endzustand

Abb.66 Wasserspeiervorderteil

01W - rechte Seite

Endzustand

- 25 -


Das Blei um die Halteeisen wurden für den Abbau vorsichtig mit Bohrern ausgebohrt, die

Eisenklammern entnommen und der vorher mit Gurten und Seilzügen gesicherte Stein vorsichtig

abgenommen.

Festigung

Die Steinfestigung erfolgte. partiell über die kieselgebundenen Kittungen und Schlämmen.

Als Festiger wurde Steinfestiger 300 verwendet. Der gefestigte Stein musste trocken und frei

von kondensierenden Niederschlägen gehalten werden. Der Festiger wurde in entsprechenden

Intervallen, den behandelten Bereichen bis zur augenscheinlichen Sättigung angeboten.

(Abb.66)

Maßnahmen an der Konsole des Wasserspeiers 0/1W:

Reinigung

Vom Verfasser wurde partiell trocken mittels Mikrosandstrahlgerät und Edelkorund (280) gereinigt.

Im Mikro-Trockenstrahlverfahren wurde Strahlgut mit feinstem Korn verwirbelt. Der mit

wenig Druck verhältnismäßig sanfte Aufprall des Granulats aus verschiedenen Richtungen

hat eine mit einem Radiergummi vergleichbare Wirkung. Dieses schonende Verfahren kommt

ohne Wasser aus und lässt sich durch variierbare Einstellungen unter-schiedlichen Anforderungen

anpassen. Um die Staubbelastung dennoch zu unterdrücken, wurde das Strahlgut

zusammen mit anfallendem Schmutz abgeblasen.

Vorfestigung

Nach der Reinigung zeigten sich entfestigte Bereiche am Stein, so dass als nächste Maßnahme

eine Vorfestigung erfolgte. Als Festiger kam Steinfestiger 300 (KSE 300 STE) unverdünnt

zur Anwendung kommen. Das Material wurde mit Spritzen (20ml) ca. 3-5 mal an jede zu festigende

Stelle appliziert.

Malschichtfestigung

Die Konsolidierung der Fassungsreste wurde mittels 5%iger Mowilith DM 771-Lösung durchgeführt.

Dieses erfolgt durch das Auftragen mittels Spritzen und dem anschließenden Andrücken

der hohlliegenden Fassung. Der Vorgang musste an verschiedenen Stellen mehrfach

wiederholt werden um eine ausreichende Anbindung der Fassung zu erreichen.

Reinigung

Nach der Festigung des Steins, sowie der Malschicht wurde mit einer weiteren Reinigung

versucht die schwarze Kruste zu entfernen. Dies erfolgte zuerst trocken mittels Mikrosandstrahlgerät

und Edelkorund (280).

Kompressen

Da mit dem Sandstrahlgerät die schwarze Kruste nicht entfernt werden konnte, ohne originale

Substanz mit abzutragen, wurden Ammoniumcarbonatkompressen auf die betreffenden

Bereiche gelegt. Diese mussten eine Stunde einwirken und wurden dann abgenommen. Anschließend

wurde auf die Bereiche eine neutrale Kompresse aus Zellstoff und destilliertem

Wasser gelegt, um diese vollständig von Ammoniumsulfat zu reinigen. Im Anschluss konnte

mit einem Skalpell die teilweise angequollene schwarze Kruste partiell entfernt werden. Aufgrund

der entstehenden Verbräunungen und einer drohenden Mobilisierung des Mangangs im

Steinuntergrund, was an der Steinoberfl äche zu Verbräunungen führen kann, wurde auf eine

Wiederholung der Maßnahme verzichtet.

Die folgenden Arbeitsschritte: Vernadelung von Rissen und Bruchstücken, Riss- und Schalenhinterfüllungen,

Kittungen und Schlämmen sowie die Festigung erfolgten analog zu den

bereits beschriebenen Arbeitschritten bei den Wasserspeiern.

Dokumentation

Die Dokumentation selbst legt den Schwerpunkt auf die graphische Erfassung der Schäden

und Maßnahmen. Als Kartierungsgrundlage dienten Planunterlagen. Diese Planunterlagen

sind unmaßstäblich. Kartiert wurde analog mittels der Maßnahmenlegende der Münsterbauhütte

mit defi nierten Buntstiften (Polychromos). Schriftlich sind im Einzelnen, die Maßnahmen

und die Vorgehensweise festgehalten.

Vor-, Zwischen- und Endzustände wurden auf Dia festgehalten. Des Weiteren wurden digitale

Fotos erstellt.

Frank Eger

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

- 26 -


Untersuchung historischer Mörtel

Im Zusammenhang mit der Bau- und Renovierungsgeschichte stellte sich die Frage nach den

verschiedenen Mörteln, die am Hauptturm verwendet wurden. Restaurator Luzius Kürten und

Bauhistoriker Stefan King konnten 10 Mörtel klassifi zieren, von denen Proben entnommen

wurden. Diese werden gegenwärtig vom geologischen Institut der Freiburger Universität auf

ihre Zusammensetzung hin analysiert.

Die 2008 begonnenen Untersuchungen der Mörtel an den eingerüsteten Bereichen des südwestlichen

Langhauses sowie an der Südostecke der Sterngalerie sollen 2009 fortgesetzt werden.

Wie am Turm werden auch hier Mörtelproben entnommen werden, um so einen Vergleich

der verwendeten Materialien (Bindemittel, Zuschläge) und der Farbe der Mörtel zu erstellen.

Die in den letzten Jahren zu den am Freiburger Münster verwendeten Mörteln gewonnenen

Erkenntnisse zeigen manche Parallelen an den verschiedenen Bauteilen. So wurde in den

Fugen am zweiten Strebepfeiler von West des südlichen Langhauses, innerhalb der Turmpyramide,

am Schöpfungsportal und an den Fassaden der Blumenegg- und Heimhoferkapelle

in einer frühen Bau- oder Renovierungsphase rosa Fugenmörtel mit äußerst feinkörnigen Zuschlägen

verwendet. Dieser Mörtel sieht dem roten Sandstein in Farbe und Struktur mitunter

täuschend ähnlich. Ebenso ließen sich Reste dieses feinkörnigen rosa Mörtels in Zangenlöchern

und selbst in kleinsten Ausbrüchen oder Fehlstellen des Steins nachweisen (Abb. 67).

Ein späterer Mörtel, der eine gröbere Sieblinie als der oben beschriebene aufweist, aber ebenfalls

rosa ist – jedoch viel kräftiger und mehr ins Orange gehend - wurde am Turm und auch an

der zweiten Brüstung von Westen am Laufgang des Seitenschiffs entdeckt. Da der Brüstungseinbau

auf 1612 datiert ist, haben wir hier einen chronologischen Anhaltspunkt.

Die Erkenntnisse zu den verschiedenen Mörteln sind auch hinsichtlich der Fassung(en) wichtig,

weil über die oft an kleinsten Mörtelresten haftenden Farbschichten eine relative Chronologie

erstellt werden kann.

Johanna Quatmann

Langhaus Südseite,

1. und 2. Joch

Abb.67

- 27 -


Chor Nordseite

Heimhofer/Blumeneggkapelle

Die im Jahr 2007 begonnene Sanierung der

beiden Kapellenaußenwände sowie der beiden

Maßwerkfenster wurde mit dem Ausfugen

der gesamten Wandfl ächen fortgeführt

(Abb.68). Auch hier kam der grobe Fugenmörtel

auf Romankalkbasis zum Einsatz.

Die Brüstungsmaßwerke wurden mit Hilfe

eines Autokrans auf die Chorplattform

gehoben und versetzt. Die drei Maßwerke

(Abb.69,70,71,72,73) wurden mit Maximur

920 vergossen.

Christian Leuschner

Chor Nordseite

Abb.68 Ausfugen der

Kapellenwandfl ächen

Abb.69 Aufziehen der

Brüstungsteile

Abb.70 Einbau der drei

Maßwerke

Abb.71 Ausfugen der

versetzten Maßwerke

Abb.72 Verstemmen

der frisch gegossenen

Bleifugen

Abb.73 Fertiggestelltes

Brüstungsfeld der Blumeneggkapelle

- 28 -


Die Maßwerkabdeckungen wurden neu geschlagen,

da die alten Stücke starke Rissbildungen

und Rostsprengungen aufwiesen. Die

originalen Fenstermaßwerke beider Kapellen

hatten schon starke Rissbildungen und Rückwitterungen,

die durch den säurebildenden

Taubenkotbelag zusätzlich verstärkt wurden.

Die Risse wurden verfüllt und die Schalen mit

Glasfaserstiften gesichert (Abb.74,75). Es

wurden mehrere Vierungen eingepasst und

mit Silikatkleber eingeklebt (Abb.76,77,78)

Als letzte Maßnahme wurden die beiden Kapellenfenster

vernetzt, um sie vor erneuter

Belastung durch Taubenkot zu schützen. Das

Arbeitsgerüst konnte im Spätherbst abgebaut

werden.

Strebepfeileraufsatz 9/10, Bäckerlicht

Die Bäckerinnung feierte 2007 ihr 125 jähriges Bestehen und spendete aus diesem Anlass

einen namhaften Betrag zur Sanierung des Strebepfeileraufsatzes, des sogenannten Bäckerlichtes.

Im April 2008 wurde der entsprechende Pfeiler eingerüstet (Abb.79,80) und eine umfangreiche

Bestandsaufnahme erstellt: Die Schadenskartierung durch die Münsterbauhütte,

eine Farbbefundskartierung durch Johanna Quatmann und eine Bauzeitenkartierung von dem

Bauforscher Stefan King.

Nach Abschluss dieser Vorarbeiten wurde das Leichtbaugerüst nach drei Monaten wieder

abgebaut.

Es wurde ein Konzept erstellt, welches folgende Maßnahmen vorsieht: Reinigung der Steinobefl

ächen unter Schonung der Farbbefundfl ächen, partielle Steinfestigungen und Ergänzungen

durch Vierungen, Austausch rostender Dübel und Anker sowie neues Ausfugen der Fehlstellen

im Fugenverband.

Christian Leuschner

Chor Nordseite

Abb.74 Restauriertes

Maßwerk

Abb.75 Anböschungen in

der Fensterlaibung

Abb.76 Vierung in der

Fenstersprosse

Abb.77 Eingepasste Maßwerkvierung

Abb.78 Neuer Bleiverguss

im Maßwerk

- 25 29 -


Christian Leuschner

Chor Nordseite

Abb.79 Einrüstung Strebepfeiler

9/10 Bäckerlicht

Abb.80 Leichtbaugerüst

für die Schadenskartierung

- 30 -


Werkstattarbeiten

Steinwerkstatt

Zur Unterstützung der Turmbaustelle wurden

im Jahr 2008 zahlreiche Werkstücke

in der Bauhütte angefertigt: 10 Krabben

(Abb.81,82) aus Lahrer Sandstein sowie 3

Maßwerke (Abb.83) aus Maintäler Sandstein.

Für die Fiale am südlichen Obergaden

(Abb.84) wurde die zweiteilige doppelstöckige

Kreuzblume und die 8 Wimpergkreuzblumen

sowie das Fialunterteil (Abb.85), für die

obere Turmgalerie 2 Fialen (Abb.86) gehauen.

Für den südlichen Treppenturm wurden

2 Fialen (Abb.87) gefertigt. Auch diese Teile

wurden aus Lahrer Sandstein hergestellt.

Für den Strebepfeileraufsatz 1/2 Süd wurden

2 Fialen (Abb.88) 5 Kreuzblumen aus

Seedorfer Sandstein sowie 18 Knäufe angefertigt

und drei Kreuzblumen mit Steinvierungen

aus Almendsberger Sandstein (wiederverwendetes

Material) ergänzt.

Christian Leuschner

Werkstattarbeiten

Abb.81 Anfertigung einer

Turmkrabbe

Abb.82 Führung vor einer

Turmkrabbe

Abb.83 Maßwerk für die

Westturmpyramide

Abb.84 Fertige Obergadenfi

ale

Abb.85 Anfertigung des

Fialunterteiles

Abb.86 Treppenturmfi ale

- 31 -


Restaurierwerkstatt

In der Restaurierwerkstatt wurden die beiden

Chormaßwerke der Blumeneggkapelle steinrestauratorisch

aufgearbeitet (Abb.89). Das

Reparaturspektrum umfasst die Vorfestigung

des Allmendsberger Sandsteines, das Verpressen

von Rissen sowie die Sicherung von

Schalen und Anböschungen. Schuppenartige

lockere Bereiche wurden mit einer KSE gebundenen

Schlämme überzogen.

Folgende umfangreichen Voruntersuchungen

wurden von Uwe Zäh und Renato Marieni am

Strebepfeiler 1/2 sowie in der Werkstatt durchgeführt:

Salzbelastung

- Bohrkerne an drei vermutlich salzbelasteten Stellen gezogen

- Kompressen an diesen drei Stellen angelegt

- Auswertung der Bohrkerne und Kompressen bei Ettl & Schuh

- Test mit Microquant und Leitfähigkeitsmessgerät

Festigungsversuche / Überprüfung

- Bohrwiderstandsmessung an der im Jahr

1993 am Strebepfeileraufsatz 1/2 durch geführten

Steinfestigung mit Wacker OH

(Abb.90)

- Überprüfung mit Dithizontest

- Anlegen von Musterfl ächen (F 100, F

300 und F 300 E)

- Überprüfung nach Reaktionszeit mit

Bohrwiderstandsmessgerät

- Test der Scheinhydrophobie (Abb.91, 92)

Christian Leuschner

Werkstattarbeiten

Abb.87 Fiale für die Turmgalerie

Abb.88 Fialergänzung

für den Strebepfeileraufsatz1/2

Abb.89 Rekonstruiertes

Maßwerk

Abb.90 Bohrwiderstandsmessung

an Musterstein

Abb.91 Resthydrophobie

Abb.92 Blick in die Werkstatt

- 27 32 -


Bindemitteltestreihe für Kittmassen

- Anlegen von Mustern mit Ludox PX 30, F 333 STE, F 500 STE und verschiedenen

Sanden (Abb.93)

- Überprüfung der Festigkeit, des Abschälwiderstand, bauschädlicher Salze und Wasser

dampfdiffusionsfähigkeit in Verbindung mit Almendsberger Buntsandstein

- Ermittlung der Mangan- und Eisenanteile in verschiedenen Brechsanden aus Münsterstein

Rissverfüllung- und Vernadelung

- Rissverfüllung mit Funcosil, Mikrozement und Ledan (Abb.94)

- Vergleich Verarbeitbarkeit, Fließfähigkeit, Schwund, Flankenhaftung, Festigkeit und

Wasserdampfdiffusionsfähigkeit

Vernadelungen mit Silikatkleber

- über Kopf Vernadelung mit fl üssiger und pastöser Konsistenz (Abb.95,96,97)

- Auswertung von Verarbeitung, Verfüllungsqualität

Farbeinstellung von Restauriermörtel und Silikatkleber

In weiteren Testreihen mit Standartmörtelmischungen der Fa.Remmers wurden die benötigten

Steinfarben durch vermischen der Restauriermörtelnummern S 41, S43, S 03, S 05, S 71, S

81, S109 selbst eingestellt. (Abb.98).

In der Baustellenpraxis hatten sich immer wieder Farbschwankungen bei speziell für die Bauhütte

konfektionierten Mörtelmischungen nach dem Aushärten ergeben.

Eine weitere Farbanpassung mit Eisenoxidpigmenten sind für den pastösen Silikatkleber vorgenommen

worden (Abb.99). Bei Probeklebungen mit anderen verwendeten Farbpulvern

nahm die Klebkraft rapide ab.

Christian Leuschner

Werkstattarbeiten

Abb.93 Kittmassenentwicklung

und Farbbemusterung

Abb.94 Rissverfülltests

Abb.95 Rissfüll- und

Überkopfvernadelungsversuche

Abb.96 Überkopfvernadelungstests

Abb.97 Vernadelungsergebnisse

- 28 33 -


Interne Fortbildung

Im September fand das erste Restaurierungsseminar mit Herrn Dr. Wendler vom Fachlabor für

Konservierungsfragen und Frau Weinert von der Restaurierungswerkstatt in Regensburg zum

Thema „praxisnahe Anwendung von KSE in der Steinkonservierung“ statt. An dieser zweitägigen

Fortbildung waren Mitarbeiter von der Bauhütte, dem Turmteam, Frau Dr. Zimdars vom

LAD Referat 25 sowie Kollegen der Berner Bauhütte eingeladen. Dieses Seminar bestand aus

einem theoretischen und einem praktischen Teil. Das Ziel der Veranstaltung war die Entwicklung

eines Konzeptes für KSE Antragsmassen sowie einer Schlämme auf Kieselsolbasis. Im

Vordergrund stand die Verwendung des gleichen Bindemittelsystems für unterschiedlichste

restauratorische Arbeitsschritte in der Konservierung. Dies wäre die strukturellen Festigung

des Gesteingefüges, das Hinterfüllen von Lockerzonen und Hohlräumen hinter Schalen, das

Anböschen und Ergänzen von Ausbruchsstellen sowie das Applizieren von Schlämmen und

Lasuren. Anhand eines ausgebauten Galeriemaßwerkstückes wurden fünf Antragsmassen

und eine Schlämme aufgetragen. Die Rezepturen durch unsere Restaurierungswerkstatt wurden

in den Wintermonaten modifi ziert, die Ergebnisse der Fortbildung dokumentiert und an die

Mitarbeiter verteilt. Für das kommende Jahr 2009 ist ein Seminar zum Thema „Grundsätze in

der Denkmalpfl ege“ mit Referenten des LAD geplant sowie eine Fortbildung zur Anwendung

von Romanzementmörtel.

Christian Leuschner

Werkstattarbeiten

Abb.98 Farbmuster aus

Standartfarben gemischt

Abb.99 Farbeinstellung

für pastösen Silikatkleber

- 29 34 -


Farbfassungen am Freiburger Münster

Strebepfeiler 1/2 Süd, Sterngalerie

An den z.Z. eingerüsteten Bauteilen des südwestlichen Langhauses sowie an den Konsolen

und Wandfl ächen der Südostecke der Sterngalerie wurden die Farbreste kartiert, zahlreiche

Befunde von den verschiedenen Fassungsresten angelegt sowie Materialproben für naturwissenschaftliche

Untersuchungen entnommen.

Klarere Aussagen zum früheren farblichen Erscheinungsbild dieser Bauteile können erst gemacht

werden, wenn sowohl die Schichten der Einzelbefunde als auch die Ergebnisse der

naturwissenschaftlichen Analysen miteinander verglichen worden sind.

An allen untersuchten Bauteilen sind Partikel früherer Bemalungen oder Anstriche vorhanden.

Diese fi nden sich noch hauptsächlich entlang der Fugen, wo die Farbreste unter und auf den

verschiedenen Fugenmörteln noch fragmentarisch erhalten sind, hier meist in roten oder rosa

Farben. Wie an den Fassaden der Blumenegg- und Heimhoferkappelle (2007) kristallisiert sich

auch an den Fassaden und Strebepfeilern des südwestlichen Langhauses ab, dass zumindest

einige der Wandfl ächen hell gestrichen waren. An einer Stelle des zweiten Strebepfeilers von

West liegen Reste einer dekorativen Bemalung auf der Wandfl äche vor, die 2009 noch im UV-

Licht näher untersucht werden sollen.

Am ersten westlichen Strebepfeiler des südlichen Langhauses wurden am unteren Gurtgesims

Reste eines gemalten Frieses gefunden. Neben den Wappenzeichnungen unterhalb des

unteren Gurtgesimses hat es auch weiter oben am Münster fl ächige dekorative Fassungen

gegeben.

Ein heller Anstrich der Wandfl ächen mit rötlichen Fugen läßt sich auch an der Sterngalerie

nachweisen. Die dortigen Konsolrosetten waren hell (fast weiß) bemalt. Sicherlich trugen auch

die Konsolbüsten eine Fassung, leider haben sich vor Ort keine Reste mehr davon erhalten.

Die abgebauten und in der Münsterbauhütte verwahrten Originale wurden noch nicht untersucht.

An der Ostwand der Sterngalerie befi ndet

sich eine in schwarzer Farbe gemalte

Jahreszahl (1567, vgl. Abb. 100 u.

101) mit leider nicht mehr lesbaren Spuren

einer Signatur darunter. Dieser Fund

ist nicht nur aufgrund der Jahreszahl,

sondern auch hinsichtlich der gewählten

Reinigungsmethode interessant. Denn

die gesamte Fläche, auf der sich die

Zahl befi ndet, war vollkommen von einem

schwarzen Schmutzbelag bedeckt

und das Vorhandensein der Zahl vor

der Reinigung nicht erkennbar. Die Abnahme

der Schmutzschicht erfolgte im

Mikrosandstrahlverfahren bei niedrigstem

Druck (ca. 1,5 bar) mit Edelkorund

(0,030-0,027 mm / 30-27 μ). Diese Reinigungsmethode

ist sehr zeitaufwendig,

weil die Schmutzschicht dabei in mehreren

Durchgängen im Mikromillimeterbereich

gedünnt wird; sie wurde gewählt,

weil aufgrund der Struktur des schwarzen

Belages eine fl ächige Bemalung erwartet

worden war, wie sie noch in vielen

Bereichen des Münsters unter schwarzen

Belägen vorhanden ist. In dieser

Weise wurden auch alle entsprechenden

Bereiche des zweiten Strebepfeilers

von der Münsterbauhütte (Karin Walter)

und freien Restauratoren gereinigt.

Bei der Konservierung des Wasserspeiers

durch Restaurator Frank Eger am

Johanna Quatmann

Farbfassungen am

Freiburger Münster

Abb.100

Abb.101

- 35 -


Strebepfeiler der westlichen Seitenschiffwand (unter dem mittleren Gurtgesims, oberhalb der

Sitzfi gur des David) erwies sich, dass dieser ehemals polychrom gefasst war (Vgl. Abb. 102-

104). Die Farbfassung wurde kartiert, es wurden Materialproben entnommen und analysiert.

Von dem Speier wurde von der Firma Grether eine Aufnahme im UV-Licht gemacht, die deutlich

zeigt, wie viele Fassungsreste dort noch vorhanden sind.

Auch am Bäckerlicht, dem Aufsatz des ersten Strebepfeilers an der Chornordseite, wurden

während einer Voruntersuchung Reste von Bemalung gefunden.

Johanna Quatmann

Farbfassungen am

Freiburger Münster

Abb.102, 103

Abb.104

- 30 36 -


Verschiedenes

Kontrollbefahrung

Am 7. und 14. April 2008 fand die Sicherheitskontrolle

an allen Strebepfeilern des Chores,

des Langhauses sowie der Querhäuser und

des nördlichen Hahnenturmes statt. Außer der

starken Verschmutzung durch Taubenkot an

den nicht vernetzten oder mit Elektroabwehr

geschützten Bereichen der beiden Querhäuser

konnten dort keine Schäden festgestellt

werden.

Am ersten nördlichen Langhausstrebepfeiler wurde ein Riss am Pfeileraufsatz festgestellt. Die

Krabbe war nach Überprüfung noch festsitzend (Abb.105).

Die festgestellten Schäden am Chor sind sehr umfangreich. Die Beschreibung beginnt mit

dem Chorstrebepfeiler 9/10 auf der Südseite (Pfeileraufsatz mit Drachentöter) und endet auf

der Chornordseite mit dem Bäckerlicht.

Am Strebepfeiler 9/10 gibt es am Drachenhals Rostsprengungen durch den eisernen Speer.

Eine unmittelbare Steinabsturzgefahr besteht noch nicht.

Beim Strebepfeiler 10/11 ist das Laubwerk insgesamt in Aufl ösung. Die beiden Spitzen der

Pfeileraufsätze neigen sich schon. Auch hier besteht keine akute Absturzgefahr, die sich neigenden

Elemente sind mit festsitzenden Dübeln verbunden. Das abbröselnde Laubwerk würde

im Falle eines Abganges auf der Chorplattform liegen bleiben.

Der Strebepfeiler 11/12 hat Rissschäden an den Laubwerkkonsolen, die mit Drahtgefl echt gesichert

sind.

Christian Leuschner

Verschiedenes

Abb.105 Riss in der

Krabbe Strebepfeiler 0/1

Nordseite

Abb.106 Abzunehmende

Kreuzblumen

Abb.107 Gesicherte

Laubwerkkonsolen

Abb.108 Schiefstehende

Pfeilerspitzenstand

Abb.109 Rostsprengung

am Arm Georgs

- 37 -


Der Strebepfeiler 12/13 wies keine neuen

gravierenden Schäden auf, jedoch am folgenden

Strebepfeiler 13/14 waren 3 Fialen

des Baldachins so zerfallen, dass sie mit

Maschendraht notgesichert werden mussten

(Abb.110,111,112).

Am Pfeiler 15 wurde die nördliche Fiale

ebenfalls mit Draht notgesichert (Abb.113)

und der Kanal des Wasserspeiers gereinigt

(Abb.114).

Christian Leuschner

Verschiedenes

Abb.110 Sicherung von 3

Fialen Strebepfeiler 13/14

Abb.111 Notsicherung von

3 Fialen des Baldachins

Abb.112 Einpacken der

Fiale in Maschendraht

Abb.113 Notsicherung

einer Fiale

Abb.114 Abfl ussreinigung

am Wasserspeier

- 32 38 -


Der Chorstrebepfeiler 15/16 hatte

den größten feststellbaren

Steinschaden. Hier löste sich ein

hängendesTeilstück von einem

reich verzierten Baldachin. Das

lose Steinstück wurde gelöst

und abgenommen (Abb.115).

Auf der Chornordseite waren die

schlimmsten Schäden an den

wasserführenden Strebebögen

zu verzeichnen (Abb. 116,117).

Am Bäckerlicht,Strebepfeiler

9/10 des Nordchores musste die

rückwärtige Kreuzblume abgenommen

werden (Abb.118).

Einen Teil der während der Überprüfung

der Chorstrebepfeiler

sichergestellten Steinfragmente

zeigt Abbildung 119.

Christian Leuschner

Verschiedenes

Abb.115 Abgenommenes

Baldachinteilstück

Abb.116 Schäden am

Strebebogen 11/12 N

Abb.117 Detailansicht des

Strebebogenschadens

Abb.118 Sichergestellte

Kreuzblume vom hinteren

Gibel am Bäckerlicht

Abb.119 Gelöste Steine

von den Chorstrebepfeilern

- 33 39 -


An der Obergadengalerie hinter dem nördlichen Querhaus wurde wucherndes Gestrüpp entfernt

(Abb.120).

Abschließend wurde auf der Nordseite der noch nicht sanierte Hahnenturm kontrolliert.

Auf der nordwestlichen Seite hatten 4 Krabben Rissschäden. An zwei Krabben mussten Teilstücke

abgenommen werden (Abb.121).

Am südlichen Turmpfeiler wurde vom Hubsteiger aus in 35m Höhe im Baldachin auf dem Kopf

einer Königsfi gur ein Vogelnest entfernt (Abb.122).

Kurz und bündig

- Mit dem Kranwagen wird der neu angeschaffte energiesparende Kompressor an sei-

nen überdachten Arbeitsplatz im südlichen Baugerüst gehoben (Abb.123).

- Im Auftrag des erzbischöfl ichen .Bauamts wurde noch vor dem Einbau der neuen

Orgel die innere Fensterbank am westlichen Fenster der Michaelsempore saniert

(Abb.124,125).

- Beim Einbau der Stahlteile für den Orgelneubau auf der Michaelsempore haben

Mitarbeiter der Bauhütte tatkräftig mitgeholfen (Abb.126).

- Für das angeschaffte eigene Bohrwiderstandsmessgerät wurden im Juli durch Herrn

Ettl aus München auf dem südlichen Arbeitsgerüst die Steinmetze eingewiesen

(Abb.127).

- Vom Hubsteiger aus wurde der 1997 von der Fa.Ibach die mit Acrylharz konservierte

Hundekopie begutachtet. Es waren keine Schäden festzustellen (Abb.128).

- Im Kellergeschoss des Museums wurden Schwerlastregale aus alten Merogerüsttei-

len erstellt, um für das Lapidarium Platz und Übersichtlichkeit zu schaffen.

- Im Sommer wurde gemeinsam mit der Mineralogin Frau Dr. Müller Sigmund die künf-

tige Abbaustelle für die Münstersteine begutachtet (Abb. 129).

- Beim Tag der offenen Tür der Münsterbauhütte zeigen junge Steinmetze was sie

schon können (Abb.130).

Christian Leuschner

Verschiedenes

Abb.120 Es grünt so grün

an der nördlichen Querhausgalerie

Abb.121 Abschlagen von

großen Schalen

Abb.122 Entfernen eines

Rabennestes am Turmstrebepfeiler

Süd

Abb.123 Der neu Kompressor

wird eingebaut

- 40 -


Christian Leuschner

Verschiedenes

Abb.124 Schäden an der

westlichen Fensterbank

der Michaelsempore

Abb.125 Noch feuchte

Antragungen an der Fensterbank

Abb.126 Mithilfe beim

Einbau der Laufkatze für

Orgelneubau

Abb.127 Einweisung in

das Bohrwiderstandsmessgerät

Abb.128 Kontrolle des

1997 mit Acrylharz getränkten

Hundes

- 41 -


Christian Leuschner

Verschiedenes

Abb.129 Steinbruchbegutachtung

bei Fa.Göhrig

Abb.130 Nachwuchs am

Stein

- 42 36 -


Anhang:

I Maßnahmendokumentation Treppenturm

II Schadenskartierung Strebepfeiler 1/2

III Schadenskartierung Bäckerlicht

IV Baualterskartierung Bäckerlicht

V Baualterskartierung Bäckerlicht

- 44 -


III


Impressum

Herausgeber: Freiburger Münsterbauverein

Beiträge: Yvonne Faller, Münsterbaumeisterin

Christian Leuschner, Münsterwerkmeister

Thomas Laubscher, Steintechniker

Johanna Quatmann, Restauratorin

Frank Eger, Steinrestaurator

Luzius Kürten, Steinrestaurator

Fotos / Pläne: Andreas Schedlbauer, Steintechniker

Frank Degner, technischer Mitarbeiter

Redaktion: Yvonne Faller, Münsterbaumeisterin

Christian Leuschner, Münsterwerkmeister

Frank Degner, technischer Mitarbeiter

Layout & Druck: Frank Degner, technischer Mitarbeiter

Bereits erschienene Berichte: Arbeitsdokumentation 2002

Arbeitsdokumentation 2003

Arbeitsdokumentation 2004

Arbeitsdokumentation 2005

Arbeitsdokumentation 2006

Arbeitsdokumentation 2007

Kontaktadresse: Freiburger Münsterbauverein,

Schoferstr. 4

79098 Freiburg

Tel.: 0761 33432

Fax: 0761 39527

e-mail: info@muensterbauverein-freiburg.de

Web: www.muensterbauverein-freibur g .

© Freiburger Münsterbauhütte 2008. Alle Rechte vorbehalten.

Erhältlich gegen Schutzgebühr von 25€.

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