Welt Auge - Volker Steinbacher

volker.steinbacher.de

Welt Auge - Volker Steinbacher

Welt

Auge


Der Weg der Steine


Steine gehen auf eine Reise.

Rund um die Welt.

In jedes Land der Erde.

Alle Steine tragen ein aufgemaltes Auge.

Jeder Stein berichtet, was er sieht.


Volker Steinbacher

und

Gerald Wingertszahn


Projektbeginn:

16.3.2003


Südsudan wurde am 12.11.2011

als letzter Staat erreicht.


Inhalt:

Band 1 Projektbeschreibung

Staatenliste

Teilnehmer

Staaten A- K

Band 2 Staaten L-Z

Arktis und Antarktis

Internationale Weltraumstation ISS

Band 3 Texte

Fotos

Kataloge

Materialien

Band 4 Karten

Band 5 Panoramafotos

Band 6 Ergänzungen


Band 3

Texte

Fotos

Kataloge

Materialien


Die Geschichte vom Weg der Steine

Volker Steinbacher

1. Fassung März 2004

2. Fassung April 2006

3. Fassung Januar 2010


Die Geschichte vom Weg der Steine

Von Volker Steinbacher

Mirabel ist ein kleines französisches Bergdorf, zwischen Aubenas und Montelimar, im

Departement Ardeche. An ein schroffes Basaltplateau gebaut, bildet es im weiten Umkreis

den höchsten Punkt und bietet damit eine geradezu atemberaubende Landschaftserfahrung.

Vor hundert Jahren florierte hier die Seidenraupenzucht, Maulbeerbäume säumen noch heute

die Straßen. Durch die Erfindung der Kunstfaser verloren viele Bauern ihre Existenzgrundllage.

Geblieben sind die alten, teils verfallenen Häuser aus schwarzem Stein, die Gassen,

schief und ausgewaschen.

Seit 1981 ist Mirabel im späten Sommer Treffpunkt eines Künstlersymposiums ost- und

westeuropäischer Künstler, genannt „Pleinair Mirabel“ .

Pleinair Mirabel 1998

1998 wurde ich zu einen Arbeitsaufenthalt

eingeladen und fand meine

Bleibe in einem entlegenen und zerfallenen

Winkel des Dorfes, zwischen

Ruinen und einer Natur, die sich das

Dorf zurückzuholen begann.

So fiel mein Blick irgendwann auf jene

Steine, die ganz Mirabel bevölkern.

Steine aus Basalt, Kalkstein und Scherben

der alten Dachziegel. Alle Straßen

waren voll damit, jeder Schritt davon

bestimmt.


Irgendwann fing ich an, diese Steine

mit Augen und Tieren zu bemalen.

Ich malte nur kurz alleine, denn die

Augen“ schienen unmittelbar zu

überzeugen, und es malten mit: Frank

Schylla, Maler aus Darmstadt und vier

sächsische Künstler aus dem Umfeld

von Dresden und Chemnitz: Günter

Hofmann, Volker Beyer, Hans Wutzler

und Steffen Morgenstern.

Trompe l´Œil

So füllten wir die Ruinen und Steinhalden mit Augen und Tieren...und präsentierten dies zur

Ausstellungseröffnung in Mirabel als: „Trompe l´Œil“ ,Augentäuschung, was zwar keinen

rechten Sinn machte, aber

wegen des „Œ“ ziemlich

gut aussah.

Unsere Präsentation stieß

zu unserer Überraschung

auf positive Resonanz bei

den Vernissagengästen,

Steine wurden gekauft und

Steine wurden geklaut. Eine

Frau aus dem Dorf meinte,

die Augen verkörperten die

Seelen der früheren Bewohner...

soweit hatte ich

gar nicht gedacht.

Einen guten Teil der Steine

nahm ich mit nach Darmstadt

und zeigte sie auf der

Pleinair-Ausstellung im

Museum Künstlerkolonie.

Auch hier wieder viel

Zustimmung, und eine

Menge Steinverkäufe. Jeder

wollte einen solchen Stein

haben. Es soll sogar noch

eine Modenschau gegeben

haben, bei der die Modelle

sich Augen vors Gesicht

hielten.

Eine Kiste mit Steinen war

übriggeblieben, ich verschenkte

einige an Freunde

und eigentlich schien damit

die Geschichte zu Ende zu

sein.


AugenReisen

Dachte ich zumindest....denn die Augen waren plötzlich überall, bei mir zu Hause, bei

Freunden und Fremden. Wohin ich auch kam: Überall schauten mich gemalten Augen an.

Es sollten aber noch drei Jahre vergehen, bis ich die Idee wieder aufgriff.

Denn ein wunderbarer Zufall verschlug mich 2001 nach Usbekistan, für ganze 48 Stunden.

Einen Tag vor meiner Abreise wurden zwei Passagiermaschinen in ein New Yorker Hochhausensemble

gesteuert. Die internationale Stimmung war zum Zerreisen gespannt, ich flog

aber trotzdem, und im Gepäck war ein AugenStein. In Taschkent gelang es tatsächlich,

einen Fahrer zu finden, der nach Samarkand fuhr. Bei einer kurzen Rast am Rande der

Wüste Kysylkum legte ich einen AugenStein an die Straßenböschung. Damit war das Projekt

geboren. Nur:

Ich wußte es noch nicht.

Ending States

Als ich wenige Stunden später wieder den Flieger betrat, holte mich die Wirklichkeit ein. In

den aktuellen Tageszeitungen konnte man folgenden Satz lesen: Der stellvertretende

amerikanische Außenminister wolle „Staaten beenden“ (ending states), die amerikanische

Sicherheitsinteressen verletzten. Nicht Regierungen und Despoten, sondern Staaten in ihrer

Ganzheit. Endlösung für Staaten also. Diesen Satz hatte er auf mehrere Nachfragen der

Journalisten bestätigt und wiederholt.

Ich begriff, daß die Welt, die ich in ihrer Vielfalt so schätzte, innerhalb weniger Jahre

verschwunden sein könnte.

Schneller als George W.

So beschloß ich, auf eine entfesselte Militärmaschinerie (und ihrem fundamentalistischen

Gegenpart) mit einer minimalistischen und friedlichen Weltbesetzung zu antworten.

Mein Motto: Schneller als George W.

Es folgten ein Krieg gegen Afghanistan, der jene Fundamentalisten in die Knie zwang, die

Jahre zuvor von der amerikanischen Regierung als „Freiheitskämpfer“ mit Geld und Waffen

aufgebaut worden waren.

Danach eine beispiellose Kampagne mit gefälschten Dossiers über Mssenvernichtungsmittel,

die einen Angriff und die Besetzung des Irak legitimieren sollte.

Die Schönheit und die Niedertracht des Menschen

Wenige Tage vor dem Angriff auf den Irak, am 16.3.2003, beschloß ich:

Es sollen AugenSteine in die ganze Welt ausschwärmen, schauen und berichten.

Sie sollen berichten von den der Vielfalt der menschlichen Kultur, den kleinen Dingen des

Lebens, den tagtäglichen Trivialitäten, der Schönheit der Natur, aber auch von der

ungeheuren Niedertracht und Gemeinheit des Menschen.

Daß diese Entscheidung ausgerechnet im Hambacher Schloß fiel, erscheint im Nachhinein als

eine Ironie des Zufalls.

Ohne genaues Konzept gab ich Reisenden Steine mit, Geschäftsreisenden, Urlaubern,

Ethnologen, Künstlern und anderen. Die Reisenden konnten selbst einen Platz für „ihren“

Stein bestimmen und in einem kurzen Protokoll vermerken, wo der Stein lag und was er

„sah“. Dem Reisenden selbst kam die Rolle des Zeugen zu, er bezeugte mit seinem Namen,

daß der Stein wirklich an dem von ihm genannten Ort abgelegt wurde.

Erst später erhielt das Projekt einen Namen und ein Konzept : Der Weg der Steine. Und

von anderen Künstlern weitere Namen, z.B. Weltauge und Metaphysische Webkamera .


Natürlich konnte dieses Projekt nicht allein mit den verbliebenen Steinen des Trompe l´Œil

gestaltet werden, im Jahr 2003 wurden in Mirabel eine große Zahl neuer Steine bemalt.

Denn: Zur Regel des Projektes gehört, daß alle, wirklich alle Steine nur aus Mirabel kommen

dürfen.

Im Sommer 2003 stößt der Frankfurter Webdesigner Gerald Wingertszahn dazu und entwickelt

aus den Protokollen eine Internetzversion des Wegs der Steine. Ohne seine Mitarbeit

wäre das Projekt kein öffentliches geworden.

Beginn einer jahrelangen Reise

Seit dem 16. März 2003 sind AugenSteine unterwegs, jede Woche erreichen mich durchschnittlich

ein bis zwei Protokolle. Im ersten Jahr des Projektes sind ca. 100 Steine dokumentiert

abgelegt worden und haben sechzig Staaten erreicht. Die eigentliche Zahl der

reisenden AugenSteine dürfte aber um ein vielfaches höher sein.

Es sind dies Steine, zu denen ich keine Rückmeldung erhielt, Steine die auf dem Postweg

verloren gingen , Steine, die gekauft oder einfach mitgenommen wurden, Steine, die weiterverschenkt

wurden. Und nicht zuletzt Steine, die in Bücherregalen, Schubladen, Kunst- und

Mineraliensammlungen und Gärten liegen.

Unabhängig von ihrem realen Ort aber ist:

Sie sind Teil eines weltumspannenden Koordinatensytems geworden.

Volker Steinbacher im März 2004


Die Geschichte vom Weg der Steine

Von Volker Steinbacher

Mirabel ist ein kleines französisches Bergdorf zwischen Aubenas und Montelimar, im

Departement Ardeche. An ein schroffes Basaltplateau gebaut, bildet es im weiten Umkreis

den höchsten Punkt und bietet eine atemberaubende Landschaftserfahrung.

Vor hundert Jahren florierte hier die Seidenraupenzucht, Maulbeerbäume säumen noch heute

die Straßen. Durch die Erfindung der Kunstfaser verloren viele Bauern ihre Existenzgrundlage.

Geblieben sind die alten, teils verfallenen Häuser aus schwarzem Stein, die Gassen,

schief und ausgewaschen.

Von 1981 bis 2004 war Mirabel im späten Sommer Treffpunkt eines Künstlersymposiums

ost- und westeuropäischer Künstler, genannt „Pleinair Mirabel“.

Pleinair Mirabel 1998

1998 wurde ich zu einem Arbeitsaufenthalt

eingeladen und fand meine Bleibe in einem

entlegenen und zerfallenen Winkel des

Dorfes, zwischen Ruinen und einer Natur, die

sich die Zivilisation zurückzuholen begann.

So fiel mein Blick irgendwann auf jene

Steine, die ganz Mirabel bevölkerten. Steine

aus Basalt, Kalkstein und Scherben der alten

Dachziegel. Alle Straßen waren voll damit,

jeder Schritt davon bestimmt. Ich fing an,

diese Steine (und auch eine alte, rote Gießkanne)

mit Augen und Tieren zu bemalen.


Die „Augen“ schienen unmittelbar zu überzeugen, und es

malten mit: Frank Schylla, Maler aus Darmstadt, und vier

sächsische Künstler aus dem Umfeld von Dresden und

Chemnitz: Günter Hofmann, Volker Beyer, Hans Wutzler und

Steffen Morgenstern.

Trompe l´Œil

Wir füllten die Ruinen und Steinhalden mit Augen und

Tieren...und präsentierten dies zur Ausstellungseröffnung in

Mirabel als: „Trompe l´Œil“.

Die Präsentation stieß zu unserer Überraschung auf positive

Resonanz bei den Einwohnern und Vernissagengästen, viele

Steine wurden gekauft und auch geklaut.

AugenReisen

Ein guter Teil der Steine wurde im Rahmen

der anschließenden Pleinair-Ausstellung im

Museum Künstlerkolonie in Darmstadt

gezeigt. Auch hier wieder viel Zustimmung,

und eine Menge Steinverkäufe. Jeder wollte

einen solchen Stein haben.

Eine Kiste mit Steinen war übriggeblieben, ich

verschenkte sie an einige Freunde und

eigentlich schien damit die Geschichte zu

Ende zu sein.

Aber... die Augen waren

plötzlich überall, bei mir zu

Hause, bei Freunden und

Fremden. Wohin ich auch

kam, wen ich auch besuchte:

Überall schauten mich gemalte

Augen an.

Es sollten aber noch drei

Jahre vergehen, bis ich die

Idee wieder aufgriff.

Denn ein glücklicher Umstand

verschlug mich 2001

nach Usbekistan, für ganze

48 Stunden und im Gepäck

war ein AugenStein.

Meine Reise begann am 13.9., also zwei Tage nach den Anschlägen in New York und

Washington. In Taschkent gelang es tatsächlich, einen Fahrer zu finden, der nach

Samarkand fuhr. Bei einer kurzen Rast am Rande der Wüste Kysylkum legte ich ohne große

Überlegung einen AugenStein an die Straßenböschung.

Damit war das Projekt geboren.

Es sollten noch anderthalb Jahre vergehen, bis aus dieser spontanen Aktion ein

künstlerisches Projekt werden sollte. Die Idee entwickelte sich dabei wie in einer Nährlösung

des sich wandelnden internationalen politischen Klimas.


Die Natur des Menschen

Wenige Tage vor dem 2. Irakkrieg, am 16.3.2003, beschloß ich:

Es sollen AugenSteine in die ganze Welt ausschwärmen, schauen und berichten.

Sie sollen berichten von der Vielfalt der menschlichen Kultur, den großen und kleinen Dingen

des Lebens, den tagtäglichen Trivialitäten, der Schönheit der Natur, aber auch von den

Verbrechen und Untaten der menschlichen Historie.

Eine friedliche und minimalistische Weltbesetzung

Ohne genaues Konzept gab ich Reisenden Steine mit, Geschäftsreisenden, Urlaubern,

Wissenschaftlern, Künstlern und anderen. Die Reisenden konnten selbst einen Platz für

„ihren“ Stein bestimmen und in einem kurzen Protokoll vermerken, wo der Stein lag und was

er „sah“. Dem Reisenden kam die Rolle des Zeugen zu, er bezeugte mit seinem Namen, daß

der Stein wirklich an dem von ihm genannten Ort abgelegt worden war.

Dabei sollte nicht unterschieden werden zwischen „wichtigen“ und „unwichtigen“ Plätzen,

Städten oder Ländern. Auch sollten alle Protokolle und Protokollanten gleichwertig

nebeneinander stehen. Politische Verbände, Firmen und Interessengruppen wurden von der

Teilnahme ausgeschlossen, die Auswahl der Destinationen erfolgte nach dem Zufallsprinzip.

Als Ziel wurde anvisiert, dass in jedem Staat der Erde mindestens ein Stein liegen soll.

Ausgangspunkt war eine Staatenliste des Deutschen Auswärtigen Amtes, die sich aber mit

der Zeit als nur bedingt brauchbar erwies, waren hier doch eine Reihe von Staaten deshalb

nicht verzeichnet, weil sie von deutscher Seite nicht anerkannt werden, wie z.B. Taiwan.

Deshalb wurde die Liste der Staaten durch die Mitgliedsliste der Uno ergänzt. Aber auch jetzt

weist die Liste Unschärfen auf: Militärisch besetzte oder okkupierte Staaten, in mehrere

meist verfeindete Teile zerfallene Staaten, eine Reihe von Kolonien und Treuhandgebieten

und nichtstaatliche Territorien wie die Antarktis.

TuscheAugen

Die Bemalung der Steine erfolgt übrigens ausschließlich mit schwarzer Tusche. So ist

gewährleistet, daß das Auge nur für kurze Zeit zu sehen ist und beim nächsten Regen

verschwindet. Der Stein anonymisiert sich auf diese Weise und kann in der Regel nicht


wiedergefunden werden. Es bleibt lediglich die Vorstellung eines fremden Steines an einem

fremden Ort...

Die Verteilung der Steine entwickelte sich weitaus schneller als gedacht:

Während sich anfangs nur mein Freundeskreis an dem Projekt beteiligte, sprach es sich bald

wie ein Lauffeuer herum. Von den vielen (mehrere hundert) Verteilern habe ich vielleicht die

Hälfte je zu Gesicht bekommen. Viele Steine wanderten durch mehrere Hände, bevor sie ihr

Ziel erreichten.

Erst später erhielt das Projekt einen Namen:

Der Weg der Steine

Und ein Konzept, in dem die Spielregeln

festgelegt wurden.

www.wegdersteine.de

Im Sommer 2003 entwickelte Frankfurter

Webdesigner Gerald Wingertszahn aus den

Protokollen eine Internetzversion des Wegs der

Steine. Erst dadurch wurde das Projekt ein

Öffentliches.

Die Webseite www.wegdersteine.de wird seitdem ständig aktualisiert und von vielen

Menschen auf der ganzen Welt besucht.

Natürlich konnte dieses Projekt nicht allein mit den verbliebenen Steinen des Trompe l´Œil

gestaltet werden, im Jahr 2003 wurden in Mirabel eine große Zahl neuer Steine bemalt.


Denn: Zur Regel des Projektes gehört, daß alle, wirklich alle Steine nur aus Mirabel kommen

dürfen.

Beginn einer jahrelangen Reise

Seit dem 16. März 2003 sind AugenSteine unterwegs, jede Woche erreichen mich durchschnittlich

ein bis zwei Protokolle. Im ersten Jahr des Projektes sind ca. 100 Steine

dokumentiert abgelegt worden und haben sechzig Staaten erreicht.

Inzwischen hat sich das Tempo deutlich verlangsamt; Steine, die nun ihre Reise antreten,

finden ihren Zielort häufig erst nach erheblichen Recherchen.

Im letzten Jahr gelang es, vollkommen entlegene Ziele zu erreichen, darunter die Küste des

ausgetrockneten Aralsees, Samoa, die Phosphatinsel Nauru und Pitcairn, jene Insel, die von

den Nachfahren der Bounty-Meuterer bewohnt wird. Steine erreichten außerdem die

arktische und die antarktische Forschungsstation der Alfred-Wegener-Gesellschaft, und viele,

viele andere Ziele.

Nach drei Jahren wurden 124 Staaten erreicht und 220 Steine abgelegt. Die eigentliche Zahl

der reisenden AugenSteine dürfte aber um ein vielfaches höher sein.

Es sind dies Steine, zu denen ich keine Rückmeldung erhielt, Steine, die auf dem Postweg

verloren gingen, Steine, die gekauft oder einfach mitgenommen wurden, Steine, die weiterverschenkt

wurden. Und nicht zuletzt Steine, die in Bücherregalen, Schubladen, Kunst- und

Mineraliensammlungen und Gärten vor sich hin schlummern.

Unabhängig von ihrem realen Ort aber ist:

Sie sind Teil eines weltumspannenden, imaginären Koordinatensystems geworden.

Volker Steinbacher

im April 2006

PS:

Das Kunstprojekt Der Weg der Steine wurde bisher völlig ohne fremde Geldmittel finanziert,

weder der Webdesigner, noch die „Überbringer“ noch der Initiator, haben einen materiellen

Gewinn aus diesem Projekt gezogen...und es hat dennoch funktioniert.

Die Idee hat Menschen unterschiedlichster Herkunft, sozialen Standes, Religion, Sprache und

Kultur unmittelbar eingeleuchtet und zum Mitmachen motiviert – in einer Welt, deren

ideologischer Überbau die alles regulierende Kraft des Marktes und des Geldes postuliert, ein

gutes Zeichen.


Welt Auge – Der Weg der Steine

Die Geschichte

Mirabel ist ein kleines französisches Bergdorf zwischen Aubenas und Montelimar, im Departement

Ardeche. An ein schroffes Basaltplateau gebaut, bildet es im weiten Umkreis den

höchsten Punkt und bietet eine atemberaubende Landschaftserfahrung.

Vor hundert Jahren florierte hier die Seidenraupenzucht, man findet noch heute am

Straßenrand alte Maulbeerbäume. Durch die Erfindung der Kunstfaser verloren viele Bauern

ihre Existenzgrundlage. Geblieben sind die alten, teils verfallenen Häuser aus schwarzem

Stein, die Gassen, schief und ausgewaschen.

Von 1981 bis 2004 war Mirabel im späten Sommer Treffpunkt eines Künstlersymposiums

ost- und westeuropäischer Künstler, genannt „Pleinair Mirabel“.

Pleinair Mirabel 1998

1998 wurde ich zu einem Arbeitsaufenthalt eingeladen und fand meine Bleibe in einem

entlegenen und zerfallenen Winkel des Dorfes, zwischen Ruinen und einer Natur, die sich die

Zivilisation zurückzuholen begann.

So fiel mein Blick irgendwann auf jene Steine, die ganz Mirabel bevölkerten. Steine aus

Basalt, Kalkstein und Scherben der alten Dachziegel. Alle Straßen waren voll damit, jeder

Schritt davon bestimmt.


Ich fing an, diese Steine mit Augen und Tieren zu bemalen.

Die „Augen“ schienen unmittelbar zu überzeugen, und es malten mit: Frank Schylla, Maler

aus Darmstadt, und vier sächsische Künstler aus dem Umfeld von Dresden und Chemnitz:

Günter Hofmann, Volker Beyer, Hans Wutzler und Steffen Morgenstern.

Trompe l´Œil

Wir füllten die Ruinen und Steinhalden mit Augen und Tieren...und präsentierten dies zur

Ausstellungseröffnung in Mirabel als: „Trompe l´Œil“.

Die Präsentation stieß zu unserer Überraschung auf positive Resonanz bei den Einwohnern

und Vernissagengästen, viele Steine wurden gekauft und auch geklaut.

Ein guter Teil der Steine wurde im Rahmen der anschließenden Pleinair-Ausstellung im

Museum Künstlerkolonie in Darmstadt gezeigt. Auch hier wieder viel Zustimmung, und eine

Menge Steinverkäufe. Jeder wollte einen solchen Stein haben.

Eine Kiste mit Steinen war übriggeblieben, ich verschenkte sie an einige Freunde und

eigentlich schien damit die Geschichte zu Ende zu sein.

AugenReisen

Aber...die Augen waren plötzlich überall, bei mir zu Hause, bei Freunden und Fremden.

Wohin ich auch kam, wen ich auch besuchte: Überall schauten mich gemalte Augen an.

Es sollten aber noch drei Jahre vergehen, bis ich die Idee wieder aufgriff.

Denn ein glücklicher Zufall verschlug mich 2001 nach Usbekistan, für ganze 48 Stunden,

und im Gepäck war ein AugenStein.

Meine Reise begann am 13.9. 2001, also zwei Tage nach den Anschlägen in New York und

Washington. In Taschkent gelang es tatsächlich, einen Fahrer zu finden, der nach

Samarkand fuhr. Bei einer kurzen Rast am Rande der Wüste Kysylkum legte ich ohne große

Überlegung einen AugenStein an die Straßenböschung.

Damit war das Projekt geboren.

Es sollten noch anderthalb Jahre vergehen, bis aus dieser spontanen Aktion ein

künstlerisches Projekt werden sollte. Die Idee entwickelte sich dabei wie in einer Nährlösung

des sich wandelnden internationalen politischen Klimas.


Die Natur des Menschen

Wenige Tage vor dem 2. Irakkrieg, am 16.3.2003, beschloß ich: Es sollen AugenSteine in die

ganze Welt ausschwärmen, schauen und berichten.

Sie sollen berichten von der Vielfalt der menschlichen Kultur, den großen und kleinen Dingen

des Lebens, den tagtäglichen Trivialitäten, der Schönheit der Natur, aber auch von den

Verbrechen und Untaten der menschlichen Historie.

Eine friedliche und minimalistische Weltbesetzung

Ohne genaues Konzept gab ich Reisenden Steine mit, Geschäftsreisenden, Urlaubern,

Wissenschaftlern, Künstlern und anderen. Die Reisenden konnten selbst einen Platz für

„ihren“ Stein bestimmen und in einem kurzen Protokoll vermerken, wo der Stein lag und was

er „sah“. Dem Reisenden kam die Rolle des Zeugen zu, er bezeugte mit seinem Namen, daß

der Stein wirklich an dem von ihm genannten Ort abgelegt worden war.

Dabei sollte nicht unterschieden werden zwischen „wichtigen“ und „unwichtigen“ Plätzen,

Städten oder Ländern. Auch sollten alle Protokolle und Protokollanten gleichwertig

nebeneinander stehen. Politische Verbände, Firmen und Interessengruppen wurden von der

Teilnahme ausgeschlossen, die Auswahl der Destinationen erfolgte nach dem Zufallsprinzip.

Als Ziel wurde anvisiert, dass in jedem Staat der Erde mindestens ein Stein liegen soll.

Ausgangspunkt war eine Staatenliste des Deutschen Auswärtigen Amtes, die sich aber mit

der Zeit als nur bedingt brauchbar erwies, weil sie eben nur die deutsche Sicht auf die Welt

repräsentiert. Da aber Menschen aus allen Teilen der Welt an diesem Projekt teilnehmen,

wurde die Staatenliste durch die weitgehend neutrale Mitgliedsliste der UNO ersetzt. Aber

auch jetzt weist die Liste Unschärfen auf: Militärisch besetzte oder okkupierte Staaten, in

mehrere meist verfeindete Teile zerfallene Staaten, eine Reihe von Kolonien und

Treuhandgebieten und nichtstaatliche Territorien wie die Antarktis.

TuscheAugen

Die Bemalung der Steine erfolgt übrigens ausschließlich mit schwarzer Tusche. So ist

gewährleistet, daß das Auge nur für kurze Zeit zu sehen ist und beim nächsten Regen

verschwindet. Der Stein anonymisiert sich auf diese Weise und kann in der Regel nicht

wieder gefunden werden. Es bleibt lediglich die Vorstellung eines fremden Steines an einem

fremden Ort...

Die Verteilung der Steine entwickelte sich weitaus schneller als gedacht:

Während sich anfangs nur mein Freundeskreis an dem Projekt beteiligte, sprach es sich bald

wie ein Lauffeuer herum. Von den vielen (mehrere hundert) Verteilern habe ich vielleicht die

Hälfte je zu Gesicht bekommen. Viele Steine wanderten durch mehrere Hände, bevor sie ihr

Ziel erreichten.

Erst später erhielt das Projekt einen Namen:

Welt Auge – Der Weg der Steine

Und ein Konzept, in dem die Spielregeln festgelegt wurden.

www.wegdersteine.de

Im Sommer 2003 entwickelte Frankfurter Webdesigner Gerald Wingertszahn aus den

Protokollen eine Internetversion. Erst dadurch wurde das Projekt ein öffentliches. Die Web-


seite www.wegdersteine.de wird seitdem ständig aktualisiert und von vielen Menschen auf

der ganzen Welt besucht.

Natürlich konnte dieses Projekt nicht allein mit den verbliebenen Steinen des Trompe l´Œil

gestaltet werden, im Jahr 2003 wurden in Mirabel eine große Zahl neuer Steine bemalt.

Denn: Zur Regel des Projektes gehört, daß alle, wirklich alle Steine nur aus Mirabel kommen

dürfen.

Beginn einer jahrelangen Reise

Seit dem 16. März 2003 sind AugenSteine unterwegs, jede Woche erreichen mich durchschnittlich

ein bis zwei Protokolle. Im ersten Jahr des Projektes sind ca. 100 Steine dokumentiert

abgelegt worden und haben sechzig Staaten erreicht.

Inzwischen hat sich das Tempo deutlich verlangsamt; Steine, die nun ihre Reise antreten,

finden ihren Zielort häufig erst nach erheblichen Recherchen.

Im den letzten Jahren gelang es, vollkommen entlegene Ziele zu erreichen, darunter die

Küste des ausgetrockneten Aralsees, die Phosphatinsel Nauru und Pitcairn, jene Insel, die

von den Nachfahren der Bounty-Meuterer bewohnt wird. Steine erreichten außerdem die

arktische und die antarktische Forschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und

Meeresforschung und viele, viele andere Ziele. Höhepunkt des Projektes war sicherlich der

Besuch eines AugenSteins auf der Internationalen Weltraumstation ISS im Jahre 2006.

Nach nunmehr fast sieben Jahren wurden fast 190 Staaten erreicht und mehr als 400 Steine

abgelegt.

Die eigentliche Zahl der reisenden AugenSteine dürfte aber um ein vielfaches höher sein. Es

sind dies Steine, zu denen ich keine Rückmeldung erhielt, Steine, die auf dem Postweg


verloren gingen, Steine, die gekauft oder einfach mitgenommen wurden, Steine, die weiter

verschenkt wurden. Und nicht zuletzt Steine, die in Bücherregalen, Schubladen, Kunst- und

Mineraliensammlungen und Gärten vor sich hin schlummern.

Unabhängig von ihrem realen Ort aber ist:

Sie sind Teil eines weltumspannenden, imaginären Koordinatensystems geworden.

Volker Steinbacher

im Januar 2010

Zu ergänzen ist noch:

Das Kunstprojekt Welt Auge - Der Weg der Steine wurde bisher völlig ohne fremde

Geldmittel finanziert, weder der Webdesigner, noch die „Überbringer“ noch der Initiator,

haben einen materiellen Gewinn aus diesem Projekt gezogen... und es hat dennoch

funktioniert. Die Idee hat Menschen unterschiedlichster Herkunft, sozialen Standes, Religion,

Sprache und Kultur unmittelbar eingeleuchtet und zum Mitmachen motiviert – in einer Welt,

deren ideologischer Überbau die alles regulierende Kraft des Marktes und des Geldes

postuliert, ein gutes Zeichen.


Pleinair Mirabel 1998

Die Maler der AugenSteine

1 Volker Beyer, Langenau

2 Günter Hofmann, Hainichen

3 Steffen Morgenstern, Freiberg

4 Volker Steinbacher, Frankfurt/Main

(Frank Schylla und Hans Wutzler nicht im Bild)

2

3

1

4


Volker Steinbacher und Hans Wutzler

Gießkanne, in Mirabel gefunden und bemalt


Im Uhrzeigersinn: Volker Beyer, Günter Hofmann, Steffen Morgenstern und Frank Schylla


Trompe l´Œil, Mirabel 1998


Trompe l´Œil, Mirabel 1998


In der Auberge, Mirabel 1998


Pleinair Mirabel 2003

Frank Schylla und Volker Steinbacher bemalen Steine in Mirabel.

Der große Steinhaufen besteht aus dem Straßenpflaster der Gassen, das während der Bauarbeiten zur

Verlegung von Kanalisationsrohren hier zwischengelagert wurde. (Fotos: Erwin Koch, Darmstadt)


Die Teilnehmer des Pleinair Mirabel auf dem bemalten Steinhaufen.(Foto: Erwin Koch, Darmstadt)


Volker Steinbacher

Foto: Christina Jahnke, 2010


Gerald Wingertszahn


Texte und Kataloge


Ausstellungskatalog Der Weg der Steine

Alter Ort, Neu-Isenburg

2005

Stadt Neu-Isenburg


������������������

�����������������������������

�����������������

������������������������

�����������������������������������������

������������������������������������

�������������������������������������

������������������������������������������

��������������������������


�������������������

���������������������������������������������������������������

�����������������������������������������������

����������������

���������������������������

����������������������������������������������

�������������������

����������������������

��� ������ ���� ����� ��������� ����������������

�������������������

���� ������ ���� ���� ����� ������������ �����

��������� ������� ��������� ���� ����������� ����

������ ���� �������� ����� ����������� ��� ������

���� ������� ������� ���� ����� ��������� �����

����������������������������������������������

������� ��������� ������ ���� ������ ������ ��� ����

�������������������������������������������������

���������������������������������������������

����������������������������������������������

�������������� ������ ����������� ���� ���� ������

����������������������������������������������������������������� ������ �������������� ����������������������

����������������������������������������������������������������������������������������

�������������������������������������������������

����������� ���� ���� ������ ������� ������������ ������ ����������� ������ ���� ���������� ������� ���

������������������������������������������������������������������������������������������������

����������������������������������������������������������������������������������������������

����������������������������������������������

������

���� ������ �������� ���� ���� ����� ��������������

���������� ���� ���� ������� ���� ������ �������

������� ������ ���������� ������������������

�������������������������������������������������

�����������������������������������������������

������� ������������ ���� ���� �������������

��������������������

�����������������������������������������������������������������������������������������

���������������������������������������������������

�������������������������������������������������

����������������������������������������������������� ��������������������������������������������������������������������


�����������������������������

��������������������������������

����������������������������������������������

�������������

�������������������������������������������������������������������������

�����������������������������������������������������������������

���������������������������������������������

��������������������������������������������������������������������

��������������������������������������������������������������������

������������ ���������� ���� ���� ������� ������ �������� ���� �������������

������� ������������� ��� ������ ����� ����� ���� ���������������� ����

��������������������������������������������������������������������

����������������������

����������������������������

����� ���������� ����������

����� ���������� ������ ����

���������������� ���� ����

����� ���� �������� ���

������� ����� ���� ����������

���� ������������������ ���

���� ��������� �������� ����

��� ����� ������������������

������� ���� ���������� �����

������������������������

����������������������������

����������

���� �������� ���� ���� �������

���������� �������� �����

����������������������������������������������������������

������ ����� ����� ����������� ���� ����������� ����������� ����

��������������������������������������������������������������

������������������������������������������������������������

���������������������������������������������������������

�������������������������������������������������������

���������������������������

��� ������� ���� �������������� ���������� ���� ������� ����

������������������� ������������� ������� ���� �������������

������������������������������������������

��������������������������������������������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������������

�����������������������������������������������������������������������������������������������

�����������������������������������������������������������������������������������������������������

����������������������������������������������������������������������������������������������

���������������������������������������������������

�������������������������������������������������

����������������������������������������������

�����������������������������������������������

������������ ���� ������������� ���� ���� ��� �����

���� ������������ ���� ���� ��� ���� ������ ����

������������������������������������������������

��������������������������

�������������������������������������������������������������������

�����������������������������������������������

���� ������ ������������ ��� ���� ����� �������� ���

������������������������������������������������

���������������������������������������������

�������� ����� ��������� ���� ���� ������ �����

������������������������������������������������

�������

��������������������������


������������������������������������������������������������

������������������������������

�������������������

������������������������������������������������

���� ������ ���� ���� ����� ������ ����������� ����� ����

����������� ������������ ���� ������� ������������

������ ������� ����� ������ ����� ������� ������ ����

����������� ������� ����� ��� ������ ���� ���� ������

���������������������������

����������������������������������

��������������������������������������������������������

���� ���� ���������������� ������� ��� ���� ������ �����

��������������������������������������������������

������������������������������������������������������

�����������������������������������������������������

���� ������������ ���������� ������ ���� ���� ��������� ������ ������� �����������������������������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������������

���������������������������������������������������������������������������

������������������������������

����������������������������������������������������

������� ��� ���� ������� ���������� ���� ��������������

���������� ���� ���������������� ���� ����������� ����������

�������������������������������������������������������

�����������������������������������������������������������

��������������������������������������������������������

����������������������������������

��� ���� ������������������ ���� ������������� ����

������������ ����� �������� ���� ����������������� ����

������� ��� ������� �������� ����������� ������������ ����

�������������������������������������������������������

�������������������������������������������������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������������������

���������������������������������������������������������������������������������������������������������������

�����������������������������������������������������������������������������������������������������������������

�������������������������������������������������������

�������������������������������������������������������

��������������������������������������������������

������������� ���� ������ ������������ ���� �����������

����� ������������� �������������� �������� ������������

���� ���� ��� ������������� ������������� ����������

���������������������������������������������������

���������������������������������������������������

�������������������������������������������������������

�����������������������������������������������������

�����������������������������������������������������

�������������������������� ���� ��������� �������� ����

�����������������������������������������������������

�������������������������������������������������������

����� ���� ������ ����� ���� ������������������� ����

������������������

��������������������������������������

���������������������������������������������������

��������������������������������������������

�����������������������������


�������������������������������������������

�������������������������������������

���

���������������������������������

��������������������������������������������������������������������������

������� ���� ���� ������� ����� ������� ���� ������������ ���������� ������

��������� ����� ����������������� ���� ������ ������� ����� ���� ������

����������� ������ ���� ��������� ���������� ������� ������� ������������

������ ���� ���� ��������������

����������������� ���� �������������

����������� ��������� ���� ������

��������� ����� ������ ���� ������

�����������������������������������

���������������������������������

�����������������������������������

������������������������

���� ���� ���� ������� ����� �����

�����������������������������������

���� ��������������� ���� ���������

��������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������������

���� ������ ��������� ��������� ���� ������� ��������������� ������ �����������������������������������

�����������������������������������������������������������������������������������������������������������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������������

�����������������������������

�������������������������������������������������������������

������������������������������������

���������������������������������������

��������������������������������������������������

���� �������� ���� ��������� ����

������


�����������������������������������

����������������������������������

�����������������������������������

��� ������ ��������� ���� ������ ���

���� ���� ����� ����������� ��� ����

����� ����� ��� ����� �������� ��� ����

���������������������������������

�������� �������� ���� �����������

����� ������ ���� ����������� ������

���� ���� ����������� ������� ����

�����������

�����������������

����������������

��������������������������


����������������������������������������

��������������

������������������������������������������������������������������������������

�����������������������������

��������������������������������������������������������������������������������

���������������������������������������������������������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������

��������������������������������������������������������������������

����������������������������������������������

��������������������

����������������������

������������������������������������

����������������������������������������������������������������������������������������������

��������������������������������������������������������������������������������������

����������������������������������������������������������

�������������������������������������������������

������������������������������������������

����

������������������������������������������������

���������������������������������������������������������

�����������������������������������������������

���������������������������������������������������������

�����������������������������

�����������������������

������������������������������������

���������������������������������

������������������������������������������������������������������������������������������������������������

� �����������������������������������������������������������������������������������������������

� ����������������������������������������������

����������������������������������������������������������������������������������������������������

� ��������������������������������������������������������������������������������������������������

� ������������������������

�������������������������������������������������������������������������������������������������������������

� ����������������

� ����������������������������������������������������������������������������������������������������������

� ������������������������������������������

����������������������������������������������������������������������������������������������������

� ����������������������������������������������������������

����������������������������������������������������������������������������������������������������

�����������������������

�������������������


�����������������������������������������������

��������������������������


�������������������������������

����������������������������������

��������������������

�����������������������������������

�������������������������

�������������������������

������������������������

����������������������

����������������������������������

�������������������������������

���������������������

��������������������������������

�����������������������������������

�����������������������������

������������������

������������������������������������

���������������������

������������������

���������������

��������������������������������������

������������������������������������������

��������������������������

�������������������

��������������������������������������������������������������

�������������������

�����������

�������������������������

��������������������

��������������������

�������������������

���������������������������

����������������������������


Der Weg der Steine

Dr. Roland Held, Darmstadt

2005

Rede anläßlich der Eröffnung der Ausstellung „Der Weg der Steine“ in Neu-Isenburg.


Eröffnungsrede „Der Weg der Steine“ – ein Projekt von

Volker Steinbacher und Gerald Wingertszahn, in den Gassen

des Alten Orts Neu-Isenburg, 4.Juni 2oo5

Mehrfach haben in den letzten Jahren die Medien uns, meine sehr verehrten Damen und

Herren, informiert über die bestürzenden Fälle deutscher Touristen, die in Ländern des

Vorderen Orients bei der Wiederausreise festgehalten, verhört, wochenlang in Haft genommen

worden sind, weil sie im Gepäck einen Stein bei sich trugen. Der mußte nicht mal von

einer ehrwürdigen Ruinenstätte stammen; er konnte auch, ganz harmlos, bei einem Strandspaziergang

aufgelesen sein. Der Verdacht allein ist ausreichend. Wofür man ein bißchen

Verständnis aufbringen sollte: was seit Napoleons Zeiten an Kunstschätzen allein aus

Ägypten, der Türkei, Griechenland, auf krummen Wegen außer Landes geschafft worden

und in westlichen Museen und Privatsammlungen gelandet ist, ist immens. Und wird die

internationalen Gerichtshöfe wohl noch ein paar Jahrhunderte beschäftigen. Merkwürdig

unproblematisch dagegen scheint es, einen Stein in ein fremdes Land einzuschmuggeln.

Und dort, wenn es einem behagt, an just den Orten zu deponieren, die zum UNESCO-Kulturerbe

der Menschheit gehören. Zum Beispiel Borobudur. Als ich vor zwei Jahren, im

Rahmen einer beruflichen Reise, der aus dem 9.Jahrhundert datierenden Tempelanlage im

Herzen der indonesischen Hauptinsel Java einen Besuch abstatten konnte, erfüllte ich mir

persönlich einen alten Traum. Aber in der Tasche trug ich auch eine Ziegelscherbe mit

einem einsamen, aufgemalten Auge. Und im Sinn trug ich meinen Auftrag: das Objekt so

zu plazieren, daß es einerseits standfest ruht, andererseits über eine gute Aussicht verfügt.

Ich glaube, ich fand einen geeigneten Platz. Auf den oberen der immer schmäler werdenden

Terrassen, in die das die kosmische Ordnung spiegelnde Heiligtum gegliedert ist,

befinden sich viele glockenförmige Häuschen (Stupas), von regelmäßig durchbrochener

Bauweise, so daß man die darin befindlichen Buddhastatuen sehen, ja sie berühren kann.

Seit zwölfhundert Jahren halten sie ihre Meditationshaltung ein, geduldig den Strahlen der

Äquatorialsonne ebenso trotzend wie den Sturzbächen der Regenzeit, und das offenbar

ohne nennenswerte Muskelverspannungen. Sanft und weich wirken besonders die im

Lotussitz nach oben gekehrten Fußsohlen. Auf eine solche legte ich in einem unbeobachteten

Moment meine Scherbe nieder, so, daß ihr Auge, je nach Laune, den Buddha betrachten

kann oder die vorbeistolpernden Touristen oder den nördlich von Borobudur sich

erhebenden Vulkan.

1


Jeder hier auf dem Platz weiß, in wessen Auftrag ich mit der bemalten Scherbe unterwegs

war. Ich oute mich damit gerne als einer von denen, die Volker Steinbacher seine „Überbringer“

nennt, weil sie alle ein Stück dessen durchmessen haben, was dann insgesamt sein

„Weg der Steine“ ist. Ein weltumspannendes Projekt, genauer gesagt: von vornherein als

Projekt einer Weltumspannung konzipiert. Es existiert und funktioniert, wie ich behaupte,

auf drei unterschiedlichen Ebenen. Als meine Aufgabe heute abend erachte ich es, Ihnen,

meine Damen und Herren, diese drei Ebenen darzulegen, im systematischen Nacheinander,

aber auch im geistig vernetzten Ineinander. Bleiben wir vorerst auf der Ebene der buchstäblich

harten Fakten. Der Weg der Steine nahm seinen Ausgang von einem vermischten

Haufen Kalk-, Basalt- und Ziegelsteine, den Volker Steinbacher – ich gebe jetzt der Versuchung

zu einem Wortspiel nicht nach – den Volker Steinbacher vorfand 1998 auf einem

Pleinair-Aufenthalt im südfranzösischen Mirabel, wie ihn das Künstlerhaus Ziegelhütte in

Darmstadt jeden Spätsommer durchzuführen pflegt. In einer anschließenden Ausstellung

wird dann jeweils vorgeführt, was die aus ganz Deutschland, Polen, Ungarn und anderswoher

eingeladenen Künstler während der Pleinair-Zeit geschaffen haben. Nun handelt es

sich – falls jemand es noch nicht weiß – bei Steinbacher um einen gestandenen Maler und

Druckgraphiker, in dessen Schaffen das Augenmotiv gelegentlich schon aufgetaucht ist.

Und mit geologischen Prozessen hat seine Arbeitsweise, wo Schichtungen, Farbüberflutungen,

Risse und Verwerfungen von Collagematerial eine große Rolle spielen, auch

manche Ähnlichkeit. Trotzdem war ihm nicht bewußt, was er da anstieß, als er beides

zusammenführte und, unterstützt von mehreren Künstlerkollegen, begann, einen Bruchteil

der Steine mit aufgepinselten Augen zu versehen, die es in dem zur Hälfte aus dem Ruinengeröll

von vielen Jahrzehnten Landflucht bestehenden Cevennen-Dörfchen Mirabel nun

mal in Fülle gibt. Mag sein, daß ihn instinktiv zunächst das darin liegende Paradox reizte:

das Zusammenführen von Mineralischem und Organischem, von vermeintlich Tumb-

Taub-Totem und sensorisch höchst Empfindsamem, von Dauerhaftem und Vergänglichem.

Gib einem Stein ein Auge, und Du erweckst ihn zum Leben! Man denke nur einmal daran,

wie virulent in den Mittelmeerländern bis heute die Sitte ist, sich mit einem Augen-Amulett

zu schützen gegen den bösen Blick!

Der Initiator selbst sagt im Rückblick dazu: „Wenn man eine blöde Idee nicht gleich beiseite

legt, sondern über ihre Gründe nachgrübelt, kann eine richtig gute Idee daraus werden.

Sie muß nur eine Form finden. Und dazu braucht es Zeit.“ Als erstes bemerkte Volker

Steinbacher, wie fasziniert seine Bekannten zuhause, aber auch das allgemeine Kunstpub-

2


likum auf die vom Pleinair mitgebrachten Steine reagierten, wie bereitwillig sie ihm abgenommen,

ins häusliche Ambiente verbracht und dort, im Zweifelsfall an strategischem

Punkt, aufgestellt wurden. Er begriff bald, daß dem unermüdlich geöffneten Auge eine

Wächterfunktion beigelegt wurde, irrational vielleicht, aber psychologisch deshalb nicht

weniger wirksam. Wieviele Detektivbüros führen in ihrem Logo das Argusauge! Etwas

vom animistischen Glauben unserer Vorfahren, der in unbelebten Objekten geistige Kräfte

am Walten sieht, hat offenbar ins uns überlebt. Geistige Kräfte, die in ortsfesten, großen

Steinen wie denen der Megalithkultur verehrt wurden, sich aber auch konzentrieren konnten

in kleinen, mobilen Stücken. Es gibt Indizien dafür, daß schon der Urmensch vor

500.000 Jahren Steine von ästhetisch auffälliger Gestalt aufhob und von Lager zu Lager

mit sich führte. Der erste gezielt in ein anderes Land verbrachte Augenstein war der, den

Volker Steinbacher eigenhändig 2001 in Usbekistan ablegte. Es waren die Tage um den

11.September, und Steinbacher gehörte zu denen, die trotz der Entfernung vom Schauplatz

des Attentats spürten, daß etwas von weltgeschichtlicher Bedeutung sich zusammenzubrauen

begann. Das gab dem Projekt seinen Schub in die entscheidende, auf grenzüberschreitende,

globale Dimension angelegte Richtung. In seiner offiziellen Vita, wo die

diversesten Projekte mit ihrem Durchführungsort angeben sind, steht hinter „Weg der

Steine“: Planet Erde. Bepflastert haben den Weg der Steine seither viele, viele willige

Überbringer, die mit ihrer in jede Hosentasche passenden Fracht in Steinbachers Auftrag in

alle Richtungen der Windrose gefahren sind: touristisch Reisende ebenso wie Stewardessen,

Geschäftsleute, Mitarbeiter der Reisebranche, sogar Botschaftsangehörige. Sie wurden

aktiv von Ägypten bis Zypern, im Petersdom und in Mekka, in 6000 Meter Höhe auf

einem Gipfel der Kordilleren und in drei Meter Tiefe vor einem Korallenriff im Roten

Meer, an Orten und, wie Volker Steinbacher schmunzelt, auch an Unorten. Aber das zählt

die Leinwand vollständiger auf, als ich es kann. Am 22.Mai 2005 jedenfalls lautete der

vorläufige Stand: in 102 Staaten der Erde von insgesamt 197 ist ein Augenstein angekommen.

Das Projekt endet, wenn sämtliche Staaten erfaßt sind – eine mineralogische UNO

sozusagen.

Man kann den Weg der Steine einer Art Pilgerschaft vergleichen. Nur vollzieht sich der

Umgang mit dem konkreten Stein exakt umgekehrt. Wir kennen den Brauch, an markanten

Zwischenstationen oder am Endziel einer Wallfahrt Steine niederzulegen – auf dem spanischen

Jakobsweg habe ich das oft beobachtet. Wir kennen die Kiesel auf jüdischen Grabsteinen.

Wir kennen von Pfaden und Pässen im Himalaya die riesigen Ansammlungen von

3


Wackern, Mani-Steine genannt, in die Segens- und Gebetsformeln eingemeißelt sind. Beim

Weg der Steine indes fließt der ganze Fundus von einem Ort hinaus in die Welt; es wird

zerstreut statt gesammelt; die Augensteine begeben sich hin unter alle Völker, wie es ähnlich

in der Bergpredigt im Neuen Testament heißt. Etwas, wenn nicht rundheraus Missionarisches,

so doch auf Weltveränderung, Weltverbesserung Zielendes ist mit dem Weg der

Steine tatsächlich verbunden. Denn wenn man die von den Überbringern letztlich stets

selbst ausgesuchten Aufstellungsorte in Kategorien einteilt, trifft man auf der einen Seite

zwar Privates, Intimes, Einsames, Naturhaftes bis Romantisches: jede Menge Bäume,

Berggipfel, Strände, Inseln. Es gibt Tempel, Klöster, Museen, kulturelle Zentren, Gräber

von prominenten Personen als Stätten geistiger Einkehr. Nicht zu vergessen all die Fälle,

wo der Augenstein zum Wächter eines Privathauses oder -gartens erhoben worden ist. Auf

der anderen Seite jedoch steht eine ganze Reihe Stein-Kuriere, deren Wahl auf einen Ort

gefallen ist, wo sich öffentliche, politische, historische Ereignisse abgespielt haben oder

Entscheidungen immer noch gefällt werden: die Eiche von Guernica; die Brücke von Mostar;

die Bahngleise von Auschwitz-Birkenau; die Potemkin-Treppe in Odessa; das Denkmal

zum armenischen Völkermord in Eriwan; ein Allee-Randstreifen gegenüber dem

NATO-Quartier in Brüssel. Wer sich solche Orte auswählt, tut dies, da bin ich mir sicher,

in der bewußten oder unbewußten Absicht, den Wächter-Aspekt der Augensteine zu nutzen,

um altes und neues Unheil zu bannen. Auch, um den Mächtigen wie den Machtlosen

zu demonstrieren: ihr steht unter Beobachtung, die Zeugen eurer Taten und Leiden sind allgegenwärtig.

Über einen ganz anderen Stein, den weißen Marmor nämlich des „Archaischen

Torso Apollos“ im Louvre, schrieb Rilke einst etwas, das mir jetzt einfällt: „...denn

da ist keine Stelle,/die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.“

Nun führt es uns auf die zweite der von mir angekündigten Ebenen, auf welchen der Weg

der Steine präsent ist, wenn ich als seine Besonderheit herausstelle, daß er das archaische

Material Stein, das archetypische Symbol Auge mühelos versöhnt mit aktuellster Technologie.

Denn nicht nur gibt es die fotografischen und schriftlichen Dokumente, die die einzelnen

Etappen des Wegs bis in die entlegensten Winkel der Welt illustrieren, von Steinbacher

zum Nachschlagen versammelt auf CD. Mit Hilfe des Computer-Cracks und Web-

Designers Gerald Wingertszahn hat er seinem Projekt auch eine Website im Internet gesichert,

so daß das global aufgestellte Unternehmen „Weg der Steine“ mit allen relevanten

Daten, dem eigenen Geiste getreu, für Interessierte global zugänglich und abrufbar ist. Und

die dritte Ebene verkörpert gleichsam eine Mischung des Reellen und des Virtuellen. Es ist

4


die Ebene, in deren Zentrum wir uns gerade aufhalten, genau hier auf dem Neu-Isenburger

Marktplatz. Volker Steinbacher hat sich den Traum verwirklicht, den jedes Kind träumt:

nämlich den Ort, wo es geboren ist, zum Mittelpunkt der Welt ausrufen. Das bot sich deshalb

an, weil der Grundriß der hugenottischen Altstadt der orthogonalen und diagonalen

Gliederung der Windrose folgt und sich übertragen läßt auf die Projektionskarte der gesamten

Welt. Oder ist es nicht vielmehr umgekehrt? Denn wer heute wachen Auges durch

die Straßen des Neu-Isenburger Ortskerns spaziert ist, dem wird nicht entgangen sein, daß

die Straßennamen zwar wieder französisch lauten wie einst, nach 1750. Jedoch nicht mehr

„rue de Francfort“, „rue de Sprendlingen“, etc., sondern benannt nach geradezu antipodisch

fernen Städten und Plätzen: Spitzbergen, Khabarowsk, Pjöngjang, Auckland, Kap der

Guten Hoffnung, Kap Hoorn, Hawaii und – zuletzt der Zungenbrecher – Seyðisfjörður. Es

sind dies jeweils die innerhalb der acht Sektoren der Windrose am weitesten gelegenen

Punkte, zu denen hin es die Steinbacher’schen Augensteine verschlagen hat. Mit Namensschildern

Erwähnung getan ist an den Straßenlaternen Alt-Neu-Isenburgs jedoch jedem

einzelnen vom Weg-der-Steine-Projekt bisher erreichten Staat, je nach Sektor mal dichter,

mal lockerer. Die kleine Welt einer Stadt spiegelt modellhaft die große, und umgekehrt

verhält es sich auf der Karte, die Steinbacher in den Katalog gebracht hat. Das alles und

die darin liegende Möglichkeit, aus Anlaß eines von außen gekommenen Gedankens einmal

Ortsgeschichte heraufzubeschwören, freilich durch schöpferische Phantasie verwandelt,

muß gewesen sein, was die Stadtoberen und insbesondere Kulturamtsleiterin Bettina

Stuckard zum Weg der Steine bekehrt hat, ohne daß dornenreiche Überzeugungsarbeit

geleistet werden mußte. Im Gegenteil, die Neu-Isenburger Plattform des Projekts konnte in

der für jeden, der schon mit Behörden zu tun hatte, unglaublich kurzen Spanne eines halben

Jahres zurechtgezimmert werden. Für Volker Steinbacher ist das Gesamtprojekt daher

ein Gemeinschaftswerk, wenn auch basierend auf seinem Konzept. Ein politisches, ein

poetisches, ein partizipatorisches Werk, das ihn speziell deswegen mit Stolz erfüllt, weil zu

ihm mittlerweile mehrere hundert Menschen gratis beigetragen haben, einfallsreich, mit

Form- und Fingerspitzengefühl ihre Detailentscheidung treffend, Menschen unterschiedlicher

Sprache, Nationalität, Hautfarbe, Religion. Es stimmt in einer Zeit, wo so oft der

Krieg der Kulturen an die Wand gemalt wird, optimistisch, daß diese Menschen sich, entzündet

von ein und derselben künstlerischen Idee, jeder mit seiner Reiseroute, seinem

Reiseziel, dennoch auf einem gemeinsamen Weg begegnen können. Es wäre daher nicht zu

viel gesagt, den Weg der Steine als einen Anstoß zur globalen Kommunikation zu beglückwünschen.

© Dr.Roland Held, Darmstadt 2005

5


ATKAEXPRESS

herausgegeben von der Stiftung der Alfred-Wegener-Gesellschaft für Polar- und

Meeresforschung, Bremerhaven.

Ausgabe Nr. 57

Januar 2007

Seite 14 und 15


57. Ausgabe AtkaXpress Seite 14

kleiner geworden und ich bin dennoch glücklich.

Ja ich bin sogar glücklicher. Ich habe gelernt

zufrieden zu sein mit dem was da ist und meist

braucht es nicht viel zu sein.

So wie die Klamotten nicht mehr so wichtig

werden, so auch das Aussehen. Meist

verschwindet eh alles unter Schal und Mütze und

im Winter unter der Gesichtsmaske, so daß ich

meine Mit-ÜWIs nur noch an Schal- und

Mützenfarben und am Gang erkennen konnte.

Auch läßt sich abgeschieden von der Welt gut

experimentieren, vor allem die Jungs: mal einen

Vollbart wachsen lassen oder die Haare, damit ein

Zopf herauskommt. Mal die ganze Haarpracht

abrasieren oder einen Irokesenschnitt probieren.

Alles kein Problem, aber manchmal doch etwas

schwierig. Toby bat mich ihm die Haare zu

schneiden. Das habe ich zum ersten mal getan,

abgesehen von meinem Pony, wo es ab und zu

schief ging und er schief war. Ich habe mein

Bestes getan - wirklich! Danach lief Toby

jammernd durch die Röhre und erzählte, daß man

"Salon Bock" wohl besser in "Salon Bockmist"

umtaufen sollte. Er mußte dann nochmal zum

Nach- und Korrekturschnitt zu Corinna in "Salon

Schultz" und war danach zufrieden. In

Deutschland ist der Friseurbesuch normal, hier

etwas besonderes. Ein guter Haarschnitt ist mehr

oder weniger schön, aber nicht notwendig.

Wenn ich hier nachts auf die Toilette muß, dann

ist das ein Weg von 40 Metern durch -10°C und

wieder zurück. Wie froh und dankbar werde ich

sein, wenn ich zurück in Deutschland nur ein paar

warme Meter zu meiner Toilette und dem Bad

haben werde. Was für ein Luxus!

Reduktion auf das Wesentliche und Reduktion der

Bedürfnisse.

Ich hoffe, daß ich dies von Neumayer in mein

weiteres Leben mitnehmen werde.

Michaela

Weg der Steine

Heute möchte ich das Kunstprojekt „Weg der

Steine“ vorstellen. Vor meiner Abreise zur

Antarktis bekam ich in Bremerhaven von Ude

Cielow einen Stein in die Hand gedrückt. Volker

Steinbacher hatte die Idee, Steine aus dem

französischen Ort Mirabel in jedes Land der Erde

mit Reisenden zu verschicken. Jeder Steinreisende

sollte am Ziel seiner Reise den Stein, auf dem ein

Auge gemalt ist, ablegen. Eine kleine Geschichte

beschreibt, wo der Stein sich befindet. Zu jedem

Stein gehören auch mindestens 2 Fotos. Ein Foto

zeigt wo der Stein liegt, das andere zeigt in die

Richtung in welche das Auge sieht.

Der Stein in Kapstadt Foto: Andreas

Der Stein für die Neumayer Station hatte es nicht

einfach. Es musste vom Umweltbundesamt eine

Einfuhrgenehmigung beantragt werden.

Hier angekommen hat der Stein noch einige

Reisen in der Antarktis unternommen.

Im Januar 2006 flog er mit der Polar 2 zur

Kohnenstation des AWI. Diese ist ca. 700 km von

Neumayer entfernt.

Kohnen Foto: Andreas Brehme


57. Ausgabe AtkaXpress Seite 15

vor Polarstern

Foto: Andreas

Zur Zeit ist der Stein erneut unterwegs. Diesmal

geht es zur japanischen Station S17. Die Crew der

Polar 2 hat ihn mit an Bord. Wenn der Stein

zurück ist hat er seinen Platz in der „Bibliothek im

Eis“ von Lutz Fritsch.

So sind 2 Kunstwerke nach einem weiten Weg

vereint. Ich habe die Bibliothek als Ablageplatz

gewählt weil dort im Gegensatz zur Station ein

Fenster nach draußen ist, in der Station gewährt

das einzige Fenster eine Blick in die

Schneeschmelze.

Foto: Andreas

Der Stein blickt Richtung Norden ungefähr in die

gleiche Richtung die häufig von unserer Webcam

anvisiert wird. So kann man von der ganzen Welt

aus beobachten was der Stein auf Neumayer

sieht.

Während der Stein an einem meiner Lieblingsorte

bleibt, heißt es für mein Team und mich Abschied

zu nehmen von der Antarktis. Es war eine klasse

Zeit mit Sonnenschein und totaler Dunkelheit,

wochenlangen Stürmen nach dem Ende der

Polarnacht, mit Freud und Leid die wir fernab

jeglicher Zivilisation erleben durften, mussten,

konnten. Für uns heißt es Koffer packen und am

12. bzw. am 18. Februar startet die Basler auf

Neumayer zu unserer Heimreise nach

Deutschland.

Ich wünsche dem neuen Team eine ebenso

schöne Zeit auf Neumayer.

Andreas

Mein schönster Tag auf Neumayer!

Da denkt doch jeder, wenn man die Überschrift

liest, was kommt da jetzt: Was ist der schönste

Tag auf Neumayer: gemeinsam mit Freunden auf

Neumayer den Heiligabend oder Sylvester

verbringen, der Besuch der Pinguin Kolonie,

Skidoo fahren, Bully fahren, Rommee und Kicker

spielen, auf dem Treppenturm sitzen und den

ersten Sonnenuntergang genießen…...

Nein, weit gefehlt – der schönste Tag auf

Neumayer ist für mich der Tag der Abreise!

Manche mögen denken, dass das besonders böse

ist oder unfair gegenüber der Überwinterungsmannschaft

ist, aber als häufiger Sommergast

denkt man anders.

Ich habe wunderschöne Tage hier auf Neumayer

in den letzten Jahren gehabt. Viele nette Stunden,

Abende und unbeschreibliche Ausflüge zu den

Robben und Pinguinen waren dabei. Diese

Erlebnisse sind so einzigartig, dass man sie einem

Außenstehenden nur schwer beschreiben kann.

Auch Tage und Feste wie Weihnachten habe ich

gerne hier verbracht!

Als Sommergast kommt man aber mit anderen

Gefühlen und Vorstellungen auf die Station. Viele

haben einen bestimmten Auftrag oder ein Projekt,

was oft zeitkritisch erfüllt werden muss.

So schön es auch hier ist, zwischendurch kommen

doch immer wieder Gedanken an diejenigen

daheim, die man für 2 bis 3 Monate vermissen

muss.


Spitzbergener Zeitung

herausgegeben von der Stiftung der Alfred-Wegener-Gesellschaft für Polar- und

Meeresforschung, Bremerhaven

March - April 2006

Seite 3 und 4


Spitzbergener Zeitung 3 March - April 2006

On top of being a prominent atmospheric

oxidant, ozone also features a special

isotopic composition, the so-called

“oxygen isotopic anomaly”, originating

from its formation process. Given the fact

that ozone transfers this anomaly during

chemical reactions, it has been proposed

that atmospheric nitrate, whose precursors

(the famous nitrogen oxides, NOx) are

intimately coupled with ozone, could bear

an isotopic signature representative to the

activity of ozone in the atmosphere. This

would be of great interest in the

perspective of using the isotopic

composition of nitrate embedded in ice

cores from the Greenland or Antarctic ice

core to obtain an estimate for past

concentrations of ozone.

The atmospheric filter device with pump

(Samuel Morin)

We therefore use the ozone depletion

events of the arctic coastal areas as a

natural laboratory for testing the existence

of a relationship between the concentration

of ozone and the isotopic composition of

atmospheric nitrate. By means of highvolume

sampling on paper filters, we

collected atmospheric particulate matter

between February and April 2006, that we

will analyze for the isotopic composition

of nitrate. In collaboration with our italian

colleagues from C.N.R. Roma (Harry

Beine's team), we measured ozone at the

ground and a range of nitrogenated

compounds (NOx, HONO, HNO3 ...) to

assess the chemical cycling of such species

in the arctic lower atmosphere. In addition,

we performed surface snow sampling in

Ny-Ålesund and dug several snowpits on

surrounding glaciers (Comfortlessbreen,

Austre Brøggerbreen) to study how the

nitrate behaves in the snow pack and how

this affects the isotopic signature.

Samuel Morin samples snow (Florent

Dominé)

During the field campaign 2006, we did

not experience any significant ozone

depletion event, which is in-line with the

the meteorological conditions : almost no

air mass from the North came in Ny

Ålesund, making it mostly exposed to

southerlies, hence warm and wet

conditions. Nonetheless, we sampled snow

and air for 3 months, with the invaluable

support of the AWIPEV staff, and hope

this will give us some new insight in the

cycling of nitrogen oxides in the arctic

atmosphere in spring, despite the unusual

chemical conditions we experienced this

year.

For more information, please contact:

samuel.morin@lgge.obs.ujf-grenoble.fr

Samuel Morin, Florent Dominé,

Joël Savarino

Laboratoire de Glaciologie et

Géophysique de l'Environnement (LGGE),

Grenoble, France

Weg der Steine

In March we provided Corbel station with

art. “Weg der Steine” (Path of the Stones)

is an art project of the German artist

Volker Steinbacher in co-operation with

webmaster Gerald Wingertszahn. The goal

of this project is to distribute limestones

from the French mountain village


Spitzbergener Zeitung 4 March - April 2006

Mirabel/Ardèche in every single country

around the globe. On every stone an eye is

painted, which can “see” its environment.

Corbel station is the clean air laboratory of

our base, 6 km east of Ny-Ålesund. It is a

nice coincidence that the stone has its

origin in France and will end up in the

French station looking across the

Kongsfjord towards the Feiringfjell

mountain, consisting of schists.

Thaddäus Bluszcz, Kai Marholdt, Anne

Hormes and Siggi Wuttke placed the art

stone in Corbel (Siggi Wuttke)

The Corbel stone will be the northernmost

stone of this project. The southernmost

stone is placed on Neumayer station at

70°39’S. This is the whole-year-round

facility of the Alfred-Wegener-Institute in

Antarctica.

The view of the stone towards the north of

the Kongsfjorden and Feiringfjellet (Anne

Hormes)

Our stone took a long journey first by

airplane from Germany, by snowmobile

towards Corbel station and the last 500 m

by ski. Siggi Wuttke, Thaddäus Bluczsz,

Kai Marholdt and Anne Hormes placed the

stone there on Friday, the 10 th of March.

The French stone found a new home and

will get several visits by French and

German scientists. You will find more

information about the project on

www.wegdersteine.de

Anne Hormes

Sonnenschau in der Arktis

Als am 5 April abends die Farewell - Party

der Photometerkampagne in Ny-Ålesund

stattfand, konnten 20 Wissenschaftler aus 9

Nationen auf eine erfolgreiche Messkampagne

zurückblicken. Knapp zwei

Wochen lang blickten seit dem 24. März

bei einer Vergleichsmesskampagne im

Rahmen des internationelen Projektes

POLAR-AOD-Network zwölf Sonnenphotometer

in den klaren arktischen

Himmel. Die Kampagne begann einen Tag

später als geplant. Wegen schlechtem

Wetter in Longyearbyen fiel der Flug am

23. März aus. Unter gemeinsamer

Federführung des Alfred-Wegener-Instituts

für Polar- und Meeresforschung, des

italienischen Instituts für Atmosphärenforschung

Bologna sowie des NIPR Tokio

fand die Messkampagne an der japanischen

Station Rabben, am Flughafen Ny-Ålesund

statt. Der Messort am Flughafen war für

die Kampagne wesentlich günstiger, als in

Ny-Ålesund selbst, wo die Abschattung

durch die Berge den Messzeitraum

erheblich eingeschränkt hätte und Dr.

Shiobara vom NIPR Tokyo, selbst

Teilnehmer an der Kampagne, ermöglichte

uns die Messungen an der japanischen

Station.

Die Messbedingungen, das heißt die

Bewölkungsverhältnisse waren ungewöhnlich

gut. Im Zeitraum vom 26. März

bis 2. April konnten bei exzellenten

Wetterbedingungen direkte Sonnenmessungen

mit den verschiedenen Photometern

durchgeführt werden.


Ausstellungskatalog Der Weg der Steine

Kunstarchiv Darmstadt

2006

Kunst Archiv Darmstadt


D E R W E G D E R S T E I N E


D E R W E G D E R S T E I N E

K u n s t A r c h i v D a r m s t a d t


2

China: Fischerboot in Tsingtau. (Foto: E. Schrade)

Steine gehen auf eine Reise.

Rund um die Welt.

In jedes Land der Erde.

Alle Steine tragen ein aufgemaltes Auge.

Jeder Stein berichtet, was er sieht.


Die Geschichte vom Weg der Steine

Mirabel ist ein kleines französisches Bergdorf zwischen Aubenas und Montelimar, im Departement Arde-

che. An ein schroffes Basaltplateau gebaut, bildet es im weiten Umkreis den höchsten Punkt und bietet

eine atemberaubende Landschaftserfahrung.

Vor hundert Jahren florierte hier die Seidenraupenzucht, Maulbeerbäume säumen noch heute die Straßen.

Durch die Erfindung der Kunstfaser verloren viele Bauern ihre Existenzgrundlage. Geblieben sind

die alten, teils verfallenen Häuser aus schwarzem Stein, die Gassen, schief und ausgewaschen.

Von 1981 bis 2004 war Mirabel im späten Sommer Treffpunkt eines Künstlersymposiums ost- und westeuropäischer

Künstler, genannt „Pleinair Mirabel“.

Pleinair Mirabel 1998

Mirabel/Ardeche: Der Blick nach Osten und Süden... (Foto: V. Steinbacher)

1998 wurde ich zu einem Arbeitsaufenthalt eingeladen und fand meine Bleibe in einem entlegenen und

zerfallenen Winkel des Dorfes, zwischen Ruinen

und einer Natur, die sich die Zivilisation zurückzuholen

begann.

So fiel mein Blick irgendwann auf jene Steine,

die ganz Mirabel bevölkerten. Steine aus Basalt,

Kalkstein und Scherben der alten Dachziegel. Alle

Straßen waren voll damit, jeder Schritt davon

bestimmt. Ich fing an, diese Steine (und auch eine

alte, rote Gieskanne) mit Augen und Tieren zu

bemalen.

Mirabel 1998: Das Schild zur Ausstellung. (Foto: V. Beyer)

3


Bemalte Steine, Scherben und Austerschalen. (Foto: V. Beyer)

Trompe l´Œil

Die „Augen“ schienen unmittelbar zu überzeugen,

und es malten mit: Frank Schylla, Maler aus

Darmstadt, und vier sächsische Künstler aus dem

Umfeld von Dresden und Chemnitz: Günter

Hofmann, Volker Beyer, Hans Wutzler und Steffen

Morgenstern.

Wir füllten die Ruinen und Steinhalden mit Augen und Tieren...und präsentierten dies zur Ausstellungs-

eröffnung in Mirabel als: „Trompe l´Œil“.

Die Präsentation stieß zu unserer Überraschung auf positive Resonanz bei den Einwohnern und Vernissagengästen,

viele Steine wurden gekauft und auch geklaut.

Ein guter Teil der Steine wurde im Rahmen der anschließenden Pleinair-Ausstellung im Museum Künst-

lerkolonie in Darmstadt gezeigt. Auch hier wieder viel Zustimmung, und eine Menge Steinverkäufe.

Jeder wollte einen solchen Stein haben.

Eine Kiste mit Steinen war übriggeblieben, ich

verschenkte sie an einige Freunde und eigentlich

schien damit die Geschichte zu Ende zu sein.

AugenReisen

Aber...die Augen waren plötzlich überall, bei mir

zu Hause, bei Freunden und Fremden. Wohin ich

auch kam, wen ich auch besuchte: Überall schauten

mich gemalte Augen an.

Es sollten aber noch drei Jahre vergehen, bis ich

die Idee wieder aufgriff.

Denn ein glücklicher Umstand verschlug mich

2001 nach Usbekistan, für ganze 48 Stunden und

im Gepäck war ein AugenStein.

Meine Reise begann am 13.9., also zwei Tage nach

den Anschlägen in New York und Washington. Trompe l´Œil, 1998 (Foto: V. Beyer)

4


In Taschkent gelang es tatsächlich, einen Fahrer zu finden, der nach Samarkand fuhr.

Bei einer kurzen Rast am Rande der Wüste Kysylkum legte ich ohne große Überlegung einen Augen-

Stein an die Straßenböschung.

Damit war das Projekt geboren.

Es sollten noch anderthalb Jahre vergehen, bis aus dieser spontanen Aktion ein künstlerisches Projekt

werden sollte. Die Idee entwickelte sich dabei wie in einer Nährlösung des sich wandelnden internationalen

politischen Klimas.

Die Natur des Menschen

Wenige Tage vor dem 2. Irakkrieg, am 16.3.2003, beschloß ich:

Es sollen AugenSteine in die ganze Welt ausschwärmen, schauen und berichten.

Sie sollen berichten von der Vielfalt der menschlichen Kultur, den großen und kleinen Dingen des Lebens,

den tagtäglichen Trivialitäten, der Schönheit der Natur, aber auch von den Verbrechen und Untaten

der menschlichen Historie.

Eine friedliche und minimalistische Weltbesetzung

Mirabel/Ardeche: Der Blick nach Westen und Norden. (Foto: V. Steinbacher)

Ohne genaues Konzept gab ich Reisenden Steine mit, Geschäftsreisenden, Urlaubern, Wissenschaft-

lern, Künstlern und anderen. Die Reisenden konnten selbst einen Platz für „ihren“ Stein bestimmen und

in einem kurzen Protokoll vermerken, wo der Stein lag und was er „sah“. Dem Reisenden kam die Rolle

des Zeugen zu, er bezeugte mit seinem Namen, daß der Stein wirklich an dem von ihm genannten Ort

abgelegt worden war.

Dabei sollte nicht unterschieden werden zwischen „wichtigen“ und „unwichtigen“ Plätzen, Städten oder

Ländern. Auch sollten alle Protokolle und Protokollanten gleichwertig nebeneinander stehen. Politische

Verbände, Firmen und Interessengruppen wurden von der Teilnahme ausgeschlossen, die Auswahl der

Destinationen erfolgte nach dem Zufallsprinzip.

Als Ziel wurde anvisiert, dass in jedem Staat der Erde mindestens ein Stein liegen soll. Ausgangspunkt

war eine Staatenliste des Deutschen Auswärtigen Amtes, die sich aber mit der Zeit als nur bedingt

5


auchbar erwies, waren hier doch eine Reihe von Staaten deshalb nicht verzeichnet, weil sie von deut-

scher Seite nicht anerkannt werden, wie z.B. Taiwan. Deshalb wurde die Liste der Staaten durch die

Mitgliedsliste der Uno ergänzt. Aber auch jetzt weist die Liste Unschärfen auf: Militärisch besetzte oder

okkupierte Staaten, in mehrere meist verfeindete Teile zerfallene Staaten, eine Reihe von Kolonien und

Treuhandgebieten und nichtstaatliche Territorien wie die Antarktis.

TuscheAugen

Die Bemalung der Steine erfolgt übrigens ausschließlich mit schwarzer Tusche. So ist gewährleistet, daß

das Auge nur für kurze Zeit zu sehen ist und beim nächsten Regen verschwindet. Der Stein anonymisiert

sich auf diese Weise und kann in der Regel nicht wiedergefunden werden. Es bleibt lediglich die

Vorstellung eines fremden Steines an einem fremden Ort...

Die Verteilung der Steine entwickelte sich weitaus schneller als gedacht:

Während sich anfangs nur mein Freundeskreis an dem Projekt beteiligte, sprach es sich bald wie ein

Lauffeuer herum. Von den vielen (mehrere hundert) Verteilern habe ich vielleicht die Hälfte je zu Gesicht

bekommen. Viele Steine wanderten durch mehrere Hände, bevor sie ihr Ziel erreichten.

Erst später erhielt das Projekt einen Namen:

Der Weg der Steine

Und ein Konzept, in dem die Spielregeln festgelegt wurden.

6

Im Jahre 2003 wurde eine große Zahl abgeräumter Wegsteine bemalt. (Foto: E. Koch)


Usbekistan: Der Blick des Steines vom Fischerboot „Karakalpakija“ auf den ausgetrockneten Aralsee. (Foto: A. Ackermann)

www.wegdersteine.de

Im Sommer 2003 entwickelte Frankfurter Webde-

signer Gerald Wingertszahn aus den Protokollen

eine Internetzversion des Wegs der Steine. Erst

dadurch wurde das Projekt ein Öffentliches.

Die Webseite www.wegdersteine.de wird seitdem

ständig aktualisiert und von vielen Menschen auf

der ganzen Welt besucht.

Natürlich konnte dieses Projekt nicht allein mit

den verbliebenen Steinen des Trompe l´Œil gestal-

Vanuatu/Tanna: Chief Kaukare Sam bekam eine Augen-Stein-Broschüre

(Foto: M. Feldmann) tet werden, im Jahr 2003 wurden in Mirabel eine

große Zahl neuer Steine bemalt. Denn: Zur Regel des Projektes gehört, daß alle, wirklich alle Steine nur

aus Mirabel kommen dürfen.

Beginn einer jahrelangen Reise

Seit dem 16. März 2003 sind AugenSteine unterwegs,

jede Woche erreichen mich durchschnittlich ein bis zwei

Protokolle. Im ersten Jahr des Projektes sind ca. 100

Steine dokumentiert abgelegt worden und haben sechzig

Staaten erreicht.

Inzwischen hat sich das Tempo deutlich verlangsamt;

Steine, die nun ihre Reise antreten, finden ihren Zielort

häufig erst nach erheblichen Recherchen.

Im letzten Jahr gelang es, vollkommen entlegene Ziele

zu erreichen, darunter die Küste des ausgetrockneten

Aralsees, Samoa, die Phosphatinsel Nauru und Pitcairn,

jene Insel, die von den Nachfahren der Bounty-Meuterer

bewohnt wird.

Spitzbergen: Stein auf dem Schneemobil (Foto: A. Hormes)

7


Steine erreichten außerdem die arktische und die antarktische

Forschungsstation der Alfred-Wegener-Gesellschaft, und viele,

viele andere Ziele.

Nach drei Jahren wurden 124 Staaten erreicht und 220 Steine

abgelegt. Die eigentliche Zahl der reisenden AugenSteine dürfte

aber um ein vielfaches höher sein.

Es sind dies Steine, zu denen ich keine Rückmeldung erhielt,

Steine, die auf dem Postweg verloren gingen, Steine, die gekauft

oder einfach mitgenommen wurden, Steine, die weiterverschenkt

wurden. Und nicht zuletzt Steine, die in Bücherregalen,

Schubladen, Kunst- und Mineraliensammlungen und

Gärten vor sich hin schlummern.

Unabhängig von ihrem realen Ort aber ist:

Sie sind Teil eines weltumspannenden, imaginären Koordinatensystems geworden.

Volker Steinbacher, im Frühjahr 2006

PS:

Pitcairn: Die Schiffsglocke der Bounty

(Foto: M. Warren)

Das Kunstprojekt „Der Weg der Steine“ wurde bisher völlig ohne fremde Geldmittel finanziert, weder

der Webdesigner, noch die „Überbringer“ noch der Initiator, haben einen materiellen Gewinn aus diesem

Projekt gezogen...und es hat dennoch funktioniert.

Die Idee hat Menschen unterschiedlichster Herkunft, sozialen Standes, Religion, Sprache und Kultur

unmittelbar eingeleuchtet und zum Mitmachen motiviert – in einer Welt, deren ideologischer Überbau

die alles regulierende Kraft des Marktes und des Geldes postuliert, ein gutes Zeichen.

8


Projektbeschreibung

Steine werden auf dem ganzen Erdball abgelegt. Damit sie „sehen“, wurde ihnen ein Auge aufgemalt.

Die Überbringer, Reisende aller Art, wählen einen Ort aus und legen den Stein ab. Jeder Stein, seine

Position und Umgebung, wird dokumentiert. Der Stein bleibt, sein Auge aus Tusche wird beim nächsten

Regen verschwinden.

Das Procedere:

1. Steine werden mit Augen bemalt. Alle Steine stammen aus Mirabel/Frankreich.

2. Die Steine gehen auf Reisen:

Mit dem Auto, der Post, dem Flugzeug und auf jede andere Weise.

Der Überbringer bzw. der Empfänger legt den Steine an einen Platz eigener Wahl.

Das kann ein herausragendes Kultur- oder Naturmonument, ein Ort der Trivialkultur

aber auch eine Müllhalde sein, ein Kriegsschauplatz ebenso wie eine Feriensiedlung.

3. Zwei Fragen werden beantwortet:

Wo liegt der Stein ?

Was „sieht“ der Stein?

Jede Steinablage wird protokolliert.

Das Protokoll umfaßt einen kurzen Text, eventuell Fotoaufnahmen und andere

Originaldokumente.

4. Die Initiatoren behalten sich vor, einzelne Protokolle nicht in die Dokumentation

aufzunehmen, besonders wenn:

an entsprechendem Ort oder Staat schon ein oder mehrere Steine liegen, die Dokumentation

keine für Andere relevante Information enthält und/oder Texte, Passagen und Bilder

enthält, die bestimmte Ethnien, Volksgruppen und Religionen diskriminieren.

5. Der Überbringer überläßt dem Projekt „Der Weg der Steine“ die Nutzungsrechte für alle

Publikations- und Darstellungsformen und bestätigt, daß er über die entsprechenden

Nutzungs- bzw. Urheberrechte seines Beitrages verfügt.

6. In jedem Staat der Erde ( zur Zeit: 197) soll mindestens ein Stein abgelegt werden.

Das Projekt endet, wenn dieses Ziel erreicht ist.

7. Das Projekt wird dokumentiert:

a. Eine Internetfassung unter: www.wegdersteine.de

b. Eine gedruckten Fassung in DIN A 4 für Ausstellungen.

c. Eine pdf-Datei auf CD-Rom als eBook.

9


DER LEIB DER ERDE, ALLSICHTIG GEMACHT

Ein diskursives Geröllfeld zum Thema Augen, Steine, Augensteine

I. Von Jacques Callot, dem lothringischen Radierer des frühen 17.Jahrhunderts, bekannt durch

seine realistischen Graphikzyklen zu den zeitgenössischen „Schrecken des Krieges“, gibt es ein Blatt,

betitelt „Das wachsame Auge“. Man sieht darauf, inmitten arkadischer Wald- und Hügellandschaft,

eine umzäunte, von einem Hund bewachte Herde, deren Mitglieder zu klein dargestellt sind, als daß

sie sich mit letzter Sicherheit als Rinder oder Schafe bestimmen ließen. In unserem Zusammenhang

wichtiger: im Vordergrund erhebt sich senkrecht ein schlanker Stecken, von dessen Spitze, sehr surreal,

ein Auge samt näherem Kopfumfeld absteht, geöffnet, den Betrachter frontal fixierend. War es Callot

zu tun um eine Allegorie der Wachsamkeit generell? Oder bezieht sich das emblematische Motiv auf

eine bestimmte, uns unbekannte literarische Quelle?

Deutet man den Stecken als selbstbeweglichen

Wanderstab, wären dem Reisedrang des Auges

theoretisch keine Grenzen gesetzt...

10

Uganda: Am Äquator in Entebbe. (Foto: U. und W. Falk)

II. Io, liebliche Königstochter und eine der

unzähligen Amouren des Zeus, wurde von die-

sem selbst in eine Kuh verwandelt, als Zeus-Gattin

Hera den Seitensprung witterte. Auf deren Befehl

kam Io in die Obhut des Argus, dessen Leib über

und über mit Augen bestückt war und der im Rufe


Norwegen: Å, das Auge schaut auf den Malstrom, wo Edgar Allens gleichnamige Erzählung spielt. (Foto: Z. Toker)

stand, daß seiner Aufmerksamkeit nichts entgehen konnte. (Was aber nicht verhinderte, daß Zeus die

Geliebte ab und zu in Stiergestalt bestieg.) Als Zeus-Sohn Hermes von Ios unwürdiger Situation erfuhr,

lullte er, listig wie immer, Argus in den Schlaf und schlug ihm das Haupt ab. Zum Lohn für geleistete

Hirtendienste und zur Erinnerung an die heimtückische Ermordung löste Göttermutter Hera behutsam

die Augen von der Leiche und pflanzte sie in die Schwanzfedern des Pfaus.

III. Im Naturreich genießen Augen einen hohen Aufmerksamkeitswert; Tiere wie Menschen sind

von ihrer angeborenen Verhaltensausstattung her konditioniert auf sie. Die Augenzeichnung, die wir

im Gefieder von Vögeln, auf den Flanken von Fischen oder den Flügeln von Schmetterlingen beobachten,

dienen als Warnung und Abschreckung gegenüber Räubern. Zweiäugigkeit, sprich: Symmetrie, ist

dabei verbreitet, doch nicht zwingend. Augenpaare als apotropäische, d.h. Abwehrsymbole tauchen

häufig auf Schilden und Rüstungen, Häusern und Schiffen der sog. Naturvölker auf; seit mindestens

der Jungsteinzeit schützt sich die Menschheit mit dem „Abwehrauge“ gegen den „bösen Blick“, ein

tiefverwurzelter Glaubenskomplex, von dessen Spuren Volkskunde, Volksaberglaube, Volkskunst bis

heute überquellen, namentlich in den mediterranen Ländern; und auf die Signalwirkung des Auges ist

auch in den staatsoffiziellen und kommerziellen Zeichensystemen unserer Industriegesellschaft Verlaß

– weil Augen, egal ob Angebote machend oder Verbote setzend, nicht nur visuell leicht wahrgenommen,

sondern psychologisch unmittelbar ernstgenommen werden. Die Grenze zwischen Augen-Manie und

Augen-Phobie verläuft notorisch unscharf.

IV. Aus der short story „The Tell-Tale Heart – Das verräterische Herz“ von Edgar Allen Poe: „Ich

kann nicht mehr genau sagen, wie mir zuerst der Gedanke kam, doch einmal gekommen, quälte er mich

Tag und Nacht. Einen Zweck verfolgte ich nicht, auch trieb mich kein Haß. Ich hatte den alten Mann

gern. Er hatte mir nie etwas Böses getan, er hatte mich nie beleidigt. Ich war auch nicht auf sein Gold

aus. Nur – sein eines Auge reizte mich. Ja, sein Auge muß es gewesen sein! Es glich dem eines Geiers

– blaßblau und von einem dünnen Häutchen bedeckt. Wenn sein Blick auf mich fiel, war mir stets, als

gerinne das Blut in meinen Adern, und so entschloß ich mich denn allmählich, dem Alten das Leben zu

nehmen, um mich auf diese Weise für immer von seinem Auge zu befreien.“

V. Stärker noch als das Augenpaar ist das einzelne Auge als Entstellung, Monstrosität, aber auch

als Indiz für Unter- bzw. Übermenschlichkeit ein Faszinosum. Der Zyklop Polyphem, ein menschen-

11


fressender Oger und Verkörperung der Urgewalt der Natur, wird von der Mannschaft des Odysseus

geblendet. In Asien dagegen öffnet sich das zyklopische Stirnauge als drittes, über dem Augenpaar

der profanen Sicht, und steht für höchste Einweihungsgrade, für Weisheit, Heiligkeit, Göttlichkeit. Das

Dreieck, das im Christentum die Dreieinigkeit symbolisiert, ist eigentlich ein uraltes, vorchristliches Augensymbol.

Seit Renaissance und Barock erstrahlt aus ebendiesem Dreieck das einsame Auge Gottes

auf Bildtafeln, über Altären, im Scheitel der Kirchengewölbe, um die Gläubigen daran zu erinnern, daß

Gott allsehend, allwissend, allgegenwärtig ist. „Gott hat keine Augen, Gott ist Auge“ (Paul Gräb). Auf

jeder US-Dollarnote abgedruckt findet sich das ins Räumliche gewachsene Dreieck: die Pyramide, gekrönt

vom weltdurchdringenden, weltbeherrschenden Sehorgan.

VI. Doch auch auf der anderen Seite der Zweizahl sind Entdeckungen zu machen. Nicht nur als

Namenspatron für Detektivbüros hat Argus sich der abendländischen Kultur, über den Untergang der

griechisch-römischen Welt hinaus, empfohlen. Der Vision in Hesekiel I, 10 folgend, hat mittelalterliche

Kunst, insbesondere die Buchmalerei, gerne die Scharen der Cherubim und Seraphim herabbeschworen

mit mehrfachen Gesichtern und Flügeln, letztere von Augen starrend wie die Nacht von Sternen. Ja, es

gibt den Begriff „heterotopische“ Augen, weil diese auftauchen können auf sämtlichen Körperteilen der

Engel und sonstiger Figuren übernatürlicher Macht, wie wir es etwa aus dem um 1165 entstandenen

„Scivias-Codex“ der Hildegard von Bingen kennen. Ebenso kann sich gelegentlich die Macht des Satans

verraten durch eine Vielzahl Augen – schließlich kommt auch ihm eine Art Allsichtigkeit in Verfolgung

seiner finsteren Ziele zu. Interessanterweise hat das ikonographische Motiv eine Wiederaufstehung

erlebt im Werk des Malers Ernst Fuchs, Vertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, der

nach dem Zweiten Weltkrieg auf sehr eigene Weise darum rang, religiöse Kunst für die Gegenwart zu

schaffen. Zum Besten des später zu Recht in den Ruch hochfliegenden Kitsches Geratenen gehören seine

„Cherubsköpfe“ der sechziger Jahre. Angeregt gleichermaßen durch die Lektüre der Evangelien und

Propheten, durch Traum- und Drogenerfahrungen, zeigen die betreffenden Bilder Gesichter und Körper

von edelsteinhaft funkelnder Oberfläche, die wie aus Tropfen zusammengesetzt sein mögen, aber

auch aus unzähligen Augen, auf denen je ein Schlaglicht schwimmt. Über „Grüner Cherub (Malach)“

schreibt Fuchs: „Die schillernde Alläugigkeit beherrscht diesen Kopf.“ Und zur ganzen Werkserie erklärt

er rückblickend: „Die Einheit von

Stein, Juwel und Fleisch – ihre

gleichartige ‚Köstlichkeit’ als Extremität,

als besonders reflektive,

durchleuchtbare Materie – wurde

mir verständlich: Das Auge ist der

Opal des Fleisches, das Kostbare

im Fleisch, wie der Opal das Auge

des Gesteins ist, das Kostbare der

Erde. Ich begann die Leibartigkeit

der Planeten, die wie etwa der Leib

des Menschen beschaffen ist, zu

Uruguay/Argentinien: Regimegegner tot oder lebendig, in Plastiksäcken in den

Rio de la Plata geworfen. Der Stein im Flug. (Foto: F. Meissner)

verstehen.“

12


Mineralisches und Organisches durchdringen einander in dieser seltsam heidnischen Auffassung von

„urengelhaften“ Wesenheiten bis zur Identität.

VII. Aus den Fragmenten des Novalis: „Sollten die Weltkörper Versteinerungen sein? Vielleicht

von Engeln.“

Malawi: Der Stein blickt nach Südwesten, die Berge gehören bereits zu Mozambik. (Foto: M. Lueg)

VIII. Über „schillernde Alläugigkeit“ zu verfügen, kann Auszeichnung sein, aber auch Fluch. Die Ver-

vielfachung eines Organs, die Loslösung von seinem angestammten Platz und Verteilung über viele

neue Plätze birgt stets die Gefahr totaler Dissoziation, Desintegration. Eine Metapher für Wahnsinn.

Kein Wunder, wenn in den bildnerischen Hervorbringungen der Geisteskranken Augen-Fixiertheit ein

häufiger Zug ist: zu den bereits erwähnten heterotopischen Augen, die bindungslos über den Körper

von Mensch und Tier vagabundieren, können sich heterotopische Gesichter gesellen, die einzeln oder

gruppenweise dort erscheinen, wo sie nicht hingehören; Augen starren, glotzen, „fletschen“ nicht minder

denn Zähne, zerfleischen ihr Opfer förmlich moralisch durch unverwandte, indiskrete, strafende

Aufmerksamkeit (der allsehende Gott, ins heimsuchende Extrem getrieben); noch in scheinbar harmlose

abstrakte Ornamente schleichen sich Punkte

ein, die sich selber unmissverständlich zu Pupillen,

die umschließenden Schleifen zu Augen ausrufen.

Die Dokumente aus psychotischen Schüben stimmen

da überein mit denen aus psychedelischen

Rauschzuständen. Zu den teilweise großformatigen,

in ungemeiner Detail-Hingabe dicht mit

Mustern und Figuren, Schrift- und Notenzeilen bedeckten

Blättern, die der verkrachte Knecht und

Tagelöhner Adolf Wölfli zwischen 1900 und 1930

in der Anstalt Waldau bei Bern ausführte, gehört

„St. Adolf Kuss, Riesen-Fonttaine“: eine Ringburg

aus konzentrischen Ovalen und Kreisen, lesbar als Ukraine: Die Potemkin´sche Treppe in Odessa. (Foto: L. Krishcevska)

13


14

Auge, mit einem maskierten Köpfchen als Pupil-

le in der Mitte. Oder als querliegende Mandorla.

IX. Regelfall in der Kunstgeschichte ist, aus na-

heliegenden Gründen, die Zweiäugigkeit. Die kann

durchdringend, bannkräftig genug sein. Ein roter

Faden zieht sich von den farbig gefaßten Porträtplastiken

der Ägypter über die späthellenistischen

Mumienbildnisse aus der Oase Fayum zur Ikonen-

Malerei östlicher wie westlicher Provenienz. Lange

bevor das Auge zum Fenster der individuellen See-

Monaco: Augenstein vor dem Spielkasino (Foto: J. Edelkamp)

le wurde, war es Fenster auf die unerreichbaren

Fernen einer herrscherlichen bzw. göttlichen Instanz. Nochmals: wenn auf Mosaiken oder Fresken der

Christus Pantokrator seinen Auftritt hat, dann im – allerdings aufrechtstehenden – Auge der Mandorla.

X. Wie sehr das Auge stellvertretend für Macht und Identität eines weltlichen oder himmlischen

Herrschers agiert, zeigt der Bildersturm, der sich nach seiner Entthronung gegen die Augen wütender

als gegen den Rest seines Leibes richtet auf sämtlichen Abbildungen, deren die Vertreter der neuen

Ordnung habhaft werden können.

XI. Um dem Publikum eine Ahnung von der Fülle ihrer Schätze zu geben, warb eine der führenden

öffentlichen Sammlungen der Republik vor einigen Jahren mit einem Plakat, das von vielen ausgewähl-

ten Menschenbildern jeweils ein Auge wiedergab. Fragment nur – und doch so charakteristisch, so

sprechend, daß man unschwer die Epoche, den Maler, oft sogar das betreffende Werk erriet.

XII. In mancher Hinsicht ist die Renaissance noch die Krönung und erst der Manierismus die Über-

windung des Mittelalters. In seinem die mentale Verwandtschaft von 16. und 20. Jahrhundert unterstrei-

chenden Buch „Die Welt als Labyrinth“ resümiert Gustav René Hocke: „Während unserer Forschungen

fiel es uns immer wieder auf, welche Rolle das Auge, und zwar das einzelne Auge ... in der manieristischen

Kunst damals und heute spielt.“ Klassiker

der Moderne, für die das Auge, ob jetzt isoliert

oder paarig, bevorzugter Ausdrucksträger war:

Jawlensky, Picasso, Klee, Miró, de Kooning, Nay,

Antes, Penck; bei den Surrealisten wie den Malern

der CoBrA-Gruppe, teils auch bei den Vertretern

der Neuen Figuration und der Jungen Wilden kann

von einer regelrechten Augen-Besessenheit geredet

werden. Niemand, der den von Luis Buñuel

und Salvador Dali gemeinsam ausgeheckten Film

„Ein andalusischer Hund“ gesehen hat, wird, lebenslang,

die Schock-Szene vergessen, in der ein

Afghanistan: Blick auf den ausgebrannten Palast König Amanullahs

in Kabul. (Foto: H. Haberlah)


Niger: Die Marmorklippen der Montagnes Bleues (Foto: F. Bergerhoff)

Rasiermesser das weitgeöffnete Auge einer jungen Frau horizontal zerschneidet – des Menschen könig-

lichstes Organ, das gleichzeitig sein verwundbarstes ist.

XIII. Ganz offenkundig handelt es sich bei den Augen auf Volker Steinbachers Augensteinen nicht um

die realistische Repräsentation je eines Auges (wo wären da Lid, Wimpern, Brauen, die konsequente

Unterscheidung von Iris und Pupille, die anatomische Kenntlichmachung des nasen- und des schläfenzugekehrten

Augenwinkels?). Trotzdem ist das Motiv eindeutig. Folglich muß es sich um ein reduziertes

Schema von, ein Zeichen für „Auge“ handeln, vom Urheber und seinen Helfershelfern am Steinfundort

Mirabel systemtreu nicht individuell, sondern seriell in die Welt gesetzt. So aber ist es auch, an keine

spezifische Sprache oder Kultur gebunden, der ganzen Welt verständlich. „Es gibt keine Analphabeten

des Bildes“ (Franz Herrmann Wills). Ganz offenkundig geht es weniger um die ästhetische Wirksamkeit

als um die – und sei es hypostasierte – Wirkkraft des Auges.

XIV. Das Weg der Steine-Projekt hat eine öffentliche, zeitgenössisch-politische Seite, aber auch eine

archetypische, fast hermetische. Gewiß, ein Aspekt der global ausgreifenden Aktion ist, daß von nun

an kein Übeltäter, egal, wie hoch oder niedrig innerhalb der Befehlskette angesiedelt, mehr darauf vertrauen

kann, daß seine Handlung unbeobachtet bleibt. Little Brother is watching you! Aber um darin

auch nur ein Quentchen Hoffnung für die Zukunft der Welt zu investieren, braucht es einen Glauben,

der hinter dem von Amuletträgern, einschlägig Tätowierten oder den Anbringern von glückbringenden,

unglückwehrenden Augensymbolen auf Ladenschildern, Türen, Schiffsbügen, Autos etc. kaum

zurücksteht. Die Augensteine versuchen ihre Kraft noch einmal aus der Sphäre des Magischen, Apotropäischen

heraus zu beziehen. Sie setzen, eine veritable Herde von Hirten, ihren „guten Blick“ gegen

den bösen Blick der Mächte, die es zum Zwecke der Unterwerfung, ausbeuterischen Gleichmachung,

Selbstbereicherung auf unseren Globus abgesehen haben.

XV. In puncto überbordender Faktenreichtum sucht seinesgleichen das die Brücke von der Ver-

haltensforschung zur Kulturwissenschaft schlagende Werk „Urmotiv Auge“ (1975) von Otto Koenig,

der anmerkt: „Es gibt Leute, die sich von jeder Reise einen landschaftstypischen Stein mitbringen,

um solcherart eine Beziehung zur betreffenden Örtlichkeit aufrechtzuerhalten. Diese Vorgehensweise

mutet bereits ‚magisch’ an, obwohl sie es vorerst überhaupt nicht ist. Sie kann es jedoch bei entsprechender

geistiger Disposition ... werden.“ Steinbacher kehrt solche zentripetale Vorgehensweise um.

15


16

Indien: Der Stein in der Nische einer Stupa des Sangh-Gak

Choling Klosters. (Foto: H. und U. Scheinost)

Basalt-, Kalkstein- und Ziegelbrocken, typisch für

einen bestimmten Flecken in der südfranzösischen

Provinz, gehen auf Reise in alle Richtungen der

Windrose, um ihren Dauerplatz zu finden an idealiter

197 Örtlichkeiten, deren es jedoch realiter bereits

wesentlich mehr gibt – Tendenz unendlich?

XVI. In einer Epoche, da Satellitenkameras

aus dem All die Erde räumlich und zeitlich eng-

maschig kontrollieren (doch im Dienst welcher

Herren?!), webt das Weg der Steine-Projekt

noch einmal ein Netz mithilfe des urtümlichsten

Menschheitswerkzeugs.

XVII. Nicht im Augen-Spiel und Augen-Drama der klassischen Malerei und Bildhauerei sollte man

Präzedenzfälle suchen. Eher mag das von Steinbacher angestoßene Unternehmen – bei aller Verschiedenheit

des Maßstabs – im nachhinein ein wenig Licht werfen auf die Dynamik der jungsteinzeitlichen

Ausbreitung von Megalith-Denkmälern im Mittelmeerraum, Nordeuropa und Vorderasien, später anzutreffen

auch in Afrika, Indien, Ostasien, Ozeanien, Amerika. Ein schier globales Phänomen, getragen

von keiner einheitlichen Kulturgruppe oder Religion und dennoch voll rätselhafter Übereinstimmungen.

In der Gegenwart lassen sich Parallelen finden zu den Installationen von Anne und Patrick Poirier

aus dem Kontext der Individuellen Mythologien, oder zu den Wanderungen und Steinsetzungen eines

Richard Long, Vertreter der Land Art. Und was die Absicht betrifft, durch künstlerische Anstöße auf politisch-gesellschaftlichem

Gebiet wirksam zu werden, gibt es Bezüge auch zu Joseph Beuys, z.B. dessen

berühmtem „7000-Eichen“-Projekt (wozu bekanntlich auch 7000 Basaltstelen gehörten) anläßlich der

documenta 7, 1982, in Kassel. Zwei Jahre danach kommentierte Beuys es so: „Die wahre Begründung

der Aktionskunst ist das Bewegungselement. Und zwar nach Möglichkeit überallhin. Es ist auch das

Moment der Bewegung gemeint, wenn Bäume gepflanzt werden ..., nämlich daß sich ein Zeitwesen, ein

Lebenszeitwesen, eine Zeitmaschine, wie es ein Baum ist, in jeder Sekunde bewegt gegenüber einem

starren Gebilde. Der steht ja auch daneben, der Stein.“

XVIII. Anders freilich ist das Ver-

hältnis von Zeitwesen und Dauer-

wesen, beweglichem und starrem

Partner in Volker Steinbachers Weg

der Steine-Projekt. Schon das Wort

Augenstein“ verrät, daß sie ineinsgebracht

sind, das halb-abstrakte

Zeichen und der höchst konkrete

Gegenstand. Es bedarf keines

Opals, um das mineralische Reich

Indonesien: Banda Aceh, nach dem Beben. Der Stein liegt im Wasser. (Foto: H. Stehling)


Aserbaidschan: Der Stein liegt an der Strandpromenade von Baku in einer kleinen Palme. (Foto: M. Lueg)

endlich ein Auge aufschlagen zu lassen! Lange bevor der Weg der Steine am Ziel angekommen ist,

hat der Globus etwas vom mit „heterotopischen“ Augen gewappneten Leib der Cherubim und Seraphim

angenommen, glänzt er vor „Alläugigkeit“ wie Argus, ist er vom blinden zum Augenwesen geworden.

XIX. Und wenn Regen und Staub, wie vom Urheber eingeplant, die Augen eins ums andere von ihren

steinernen Trägern gewaschen haben, heißt das, daß die Augen müde werden, einschlafen, nachlassen

in ihrer Wachsamkeit? Oder nicht vielmehr, daß der Stein selber herangereift ist, bereit zur Übernahme,

hineingewachsen in die Funktion des „guten Blicks“?

Postskriptum:

Laut dpa-Meldung vom 21.6.2006 hat auf einer Versteigerung in New York das Porträt „Adele Bloch-

Bauer I“ des Malers Gustav Klimt für 135 Millionen Dollar (107 Millionen Euro) den Besitzer gewechselt

– die höchste Summe, die je für ein Gemälde gezahlt worden ist. Erworben hat es der Kosmetikhersteller

Ronald Lauder für seine New Gallery in Manhattan. Das von 1907 datierende Bildnis einer Repräsentantin

des Wiener Jahrhundertwende-Großbürgertums zeigt eine Brünette, die uns, schlank und blaß

und mit eckiger Armpose, aus einem luxuriös strukturierten Umfeld von Goldgrund und ornamentalem

Dekor entgegentritt. Ihr Kleid trägt ein Muster aus Dutzenden stilisierter Augen, von denen keines dem

anderen gleicht.

Dr. Roland Held, Darmstadt 2006

17


Staatenliste

Afghanistan

Ägypten

Albanien

Algerien

Andorra

Angola

Antigua und Barbuda

Äquatorialguinea

Argentinien

Armenien

Aserbaidschan

Äthiopien

Australien

Bahamas

Bahrain

Bangladesch

Barbados

Belgien

Belize

Benin

Bhutan

Bolivien

Bosnien u. Herzegowina

Botsuana

Brasilien

Brunei

Bulgarien

Burkina Faso

Burundi

Chile

China

Cookinseln

Costa Rica

Côte d‘Ivoire

Dänemark

Deutschland

Dominica

Dominikanische Republik

Dschibuti

Ecuador

El Salvador

Eritrea

Estland

Fidschi

Finnland

Frankreich

Gabun

Gambia

Georgien

Ghana

Grenada

Griechenland

Großbritannien

Guatemala

Guinea

18

Guinea-Bissau

Guyana

Haiti

Honduras

Indien

Indonesien

Irak

Iran

Irland

Palästina

Island

Israel

Italien

Jamaika

Japan

Jemen

Jordanien

Kambodscha

Kamerun

Kanada

Kap Verde

Kasachstan

Katar

Kenia

Kirgistan

Kiribati

Kolumbien

Komoren

Kongo Republik

Kongo, Dem. Republik

Korea, Nord

Korea, Süd

Kroatien

Kuba

Kuwait

Laos

Lesotho

Lettland

Libanon

Liberia

Libyen

Liechtenstein

Litauen

Luxemburg

Madagaskar

Malawi

Malaysia

Malediven

Mali

Malta

Marokko

Marshallinseln

Mauretanien

Mauritius

Mazedonien

Mexiko

Mikronesien

Moldau

Monaco

Mongolei

Mosambik

Myanmar

Namibia

Nauru

Nepal

Neuseeland

Nicaragua

Niederlande

Niger

Nigeria

Niue

Norwegen

Oman

Österreich

Pakistan

Palau

Panama

Papua-Neuguinea

Paraguay

Peru

Philippinen

Polen

Portugal

Ruanda

Rumänien

Rußland

Salomonen

Sambia

Samoa

San Marino

São Tomé und Príncipe

Saudi-Arabien

Schweden

Schweiz

Senegal

Serbien und Montenegro

Seychellen

Sierra Leone

Simbabwe

Singapur

Slowakei

Slowenien

Somalia

Spanien

Sri Lanka

St. Kitts und Nevis

St. Lucia

St. Vincent/Grenadinen

Südafrika

Sudan

Surinam

Swasiland

Syrien

Tadschikistan

Taiwan

Tansania

Thailand

Timor-Ost

Togo

Tonga

Trinidad und Tobago

Tschad

Tschechien

Tunesien

Türkei

Turkmenistan

Tuvalu

Uganda

Ukraine

Ungarn

Uruguay

Usbekistan

Vanuatu

Vatikanstadt

Venezuela

Verein. Arab. Emirate

Verein. Staaten v. Amerika

Vietnam

Weißrußland

Zentralafrik. Republik

Zypern

-

Antarktis

(noch nicht erreicht)


Diese Idee wurde Realität durch

Andreas Ackermann, Oberursel Joachim Glasenapp, Offenbach Sabahat Kurt, Konya

Sabine Seuß, Frankfurt/M.

Andreas Altmann, Berlin Javier de Gregorio, Madrid Yiḡit Kurt, Istanbul

Heidi Scheinost, Bad Vilbel

Ludwig Ammann, Freiburg Andre Gröger, Frankfurt/M. Piotr Kutkowski, Radom Ulrich Scheinost, Bad Vilbel

Jochen Anderko, Frankfurt/M. Ingrid Golla, Seligenstadt Karl-Heinz Lampert, Modautal Eric Schrade, Frankfurt/M.

Abdelkader Aribi, Frankfurt/M. Volker Gottowik, Frankfurt/M. Lars Lampe, Hamburg

Thea Schwinn, Darmstadt

Rita Balzer, Bad Soden

Katarina Greifeld, Frankfurt/M. Daniela Lengler, Osnabrück Frank Schylla, Darmstadt

Heike Bäder, Darmstadt Gerda Guttandin , Dieburg Sabine Lichtenfels, Tamera Ilka Siebels, Frankfurt/M.

Alexander Bauer, Frankfurt/M. Hasko Haberlah, Wiesbaden Lenore Lobeck, Schwarzenberg Regina Sieber, Grünhainichen

Mustafa Barghouthi, Ramallah Michael Habermann, Darmstadt Werner Lobeck, Schwarzenberg Marlen Simon, Santa Fe de Bogotá

Sigrun Becker, Frankfurt/M. Joachim Hanke, Plovdiv Golnar Lüderwaldt, Dreieich Rainer Simon, Potsdam

Kirsten Bergerhoff, Frankfurt/M. Andreas Hansel, Frankfurt/M. Joachim Lüderwaldt, Dreieich Hans Stehling, Frankfurt/M.

Friedrich Bergerhoff, Frankfurt/M. Reinhard Hansen, Neuendettelsau Mathias Lueg, Oberursel Claudia Stein, Frankfurt/M.

Martina Bernasko, Madrid Mounira Harms-Daoud, Frankfurt/M. Saranda Maloku, Möhnesee Elli Steinbacher, Neu-Isenburg

Dixie-Marie Blank, Bad Vilbel Birgitte Harries, Dreieich Ruchama Marton, Tel Aviv Leon Steinbacher, Berlin

Karl-Maria Brand, Nauru Heinrich Harries, Dreieich John McInerney, Ennis

Nelly Steinbacher, Frankfurt/M.

Inge Braun, Rodgau

Jutta Heidt-Hansel, Frankfurt/M. Frida Meissner, Buenos Aires Rosa Steinbacher, Frankfurt/M.

Regine Brehm, Erbach

Elmar Heimes, Geisig

Alfred Meixner, Frankfurt/M. Volker Steinbacher, Frankfurt/M.

Manfred Brockmann, Wladiwostok Roland Held, Darmstadt Antje Mertens, Niederdorfelden Willi Steinbacher, Neu-Isenburg

Andrea Brocks, Frankfurt/M. Anne Henkel, Frankfurt/M. Klaus Meßlinger, Frankfurt/M. Emil Stoimenoff, Kelkheim

Christian Brückmann, Bürstadt Ramona Hering, Berlin

Matthias Mnich, Blankenburg Ljubomir Stoimenoff, Steinbach

Andreas Buhl, Papenburg Ulrike Hertel, Apia

Reiko Mogi, Berlin

Rainer Stroh, Hofheim/ Taunus

Lydia Büttner, Frankfurt/M. Doris Hertrampf, Pjöngjang Ricarda Müller-Schuhmann, Darmstadt Bettina Stuckard, Neu-Isenburg

Anne-C. Charbonnier, Sevres Hans Hess, Schwarzenberg Gerlinde Münch, Kelkheim Marina Stupnitzkaja, Wladiwostok

Stefanie Christ, Dieburg Clemens Hofmann, Berlin Stefi Neumann, Dreieich Christa Teichert, Frankfurt/M.

Gordon Crawford, Offenbach Günter Hofmann, Hainichen Sören Noll, Frankfurt/M. Fernando Tejeda, Frankfurt/M.

Erika Deutscher, Frankfurt/M. Robert Hofmann, Berlin Annette Passarge, Frankfurt/M. Khalil Toama, Offenbach

Maica Diaz, Frankfurt/M. Peter Hölzl, Dreieich

Ralph Passarge, Frankfurt/M. Ortrud Toker, Frankfurt/M.

Kaija Diehl, Bensheim

Anne Hormes, Nomadin ohne Thomas Paulsteiner, Neuendettelsau Zafer Toker, Frankfurt/M.

Marcus Dietzsch, Frankfurt/M. festen Wohnsitz

Thomas Peters, Neu-Isenburg ChristineThomasmorr, Bad Soden

Britta Duelke, Oberursel Nina Jahn, Frankfurt/M. Wilma Petry, Mühltal

Markus Thomasmorr, Bad Soden

Assad Ebrahimi-Lamai, Frankfurt/M. Erzsébet Jankovic, Frankfurt/M. Brigitta Philipps, Neu-Isenburg Maria-Paz de la Usada, Madrid

Ulli Emig, Darmstadt

Peter Jöst, Weinheim

Henny Piezonka, Berlin

Niki de la Usada, Madrid

Katja Epes, Darmstadt

Alex Kahl, San Rafael

Roger Pineda, Frankfurt/M. Tiina Vakiparta, Helsinki

Miguel Epes, Darmstadt Tisha Kahl, San Rafael

Editha Platte, Frankfurt/M. Eckhard Vogel, Frankfurt/M.

Jürgen Erdelkamp, Hannover Waltraud Kallenbach, Frankfurt/M. Thomas Reinheimer, Darmstadt Heinke Vogel, Frankfurt/M.

Hannah Ernst, Kelkheim Abu Khalil, Rama

Veronika Reinheimer, Darmstadt Ullrich Wagner, Langen

Andrea Eschemann, Frankfurt/M. Christoph Kellner, Maseru Hilde Riehl, Frankfurt/M. Johannes Wantzen, Klein-Winternheim

Andrej Evstratov, Moskau Niels von Keyserlingk, Dschibuti Lene Risbakken, Longyearbyen Meralda Warren, Adamstown

Birgit Fach, Frankfurt/M. Tina und Alex Kietz, Hofheim Sabine Rößler de Pineda, Frankfurt/M. Birgit Weber, Frankfurt/M.

Ulrike Falk, Offenbach

Elena Kilina, Minsk

Jürgen Rudolph, Singapur Uschi Webler, Bensheim

Wilhelm Falk , Offenbach Angelika Klein-Wittmeier, Frankfurt/M. Hilda Sabato, Buenos Aires Markus Wegerich, Seligenstadt

Martin Feldmann, Frankfurt/M. Constanze Kleis, Frankfurt/M. Jürgen Sander, Rodgau

Peter Weisbrod, Maintal

Ivan Ferrer, Mexiko-Stadt Karin Kliks, Berlin

Stevan Savevski, Skopje Sabine Welsch, Darmstadt

Andreas Fissla, Frankfurt/M. Norbert Kliks, Berlin

Kathleen Schaefer, Bad Soden Klaus Wendelberger, Pjöngjang

Oleg Flaum, Tiflis

Maria Kluge, Frankfurt/M. Gabi Schmidt-Steinbacher, Frankfurt/M. Solvejg Wilhelm, Frankfurt/M.

Tatyana Flaum, Frankfurt/M. Gabriela Knäbe, Frankfurt/M. Irene Schneider, Berlin

Cathrine Wirbelauer, Gaborone

Gabi Gais, München

Erwin Koch, Darmstadt

Gerald Schneider, Berlin Jürgen Womser-Schütz

Herbert Gais, München

Toni Köpf, Frankfurt/M.

Eric Schrade, Frankfurt/M. Elvira Zec, Novi Sad

Esther Geis, Asmara

Simone Kopfmüller, Addis Abeba Jonas Schramm, Regensburg StevanZec, Novi Sad

Anette Getzlaff, Wuppertal Kazmer Kovacs , Sfînto Gheorghe Kerstin Schütz, Neu-Isenburg Anna Zeibert, Eriwan

Mathias Getzlaff, Wuppertal Joachim Krause, Frankfurt/M. und Höchst/Odenwald

Bernd Ziegler, Berlin

Uwe Gillig, Neu-Isenburg Liana Krishcevska, Odessa Brigitta Schultz, Frankfurt/M. Michael Zeising, Kassel

Dagmar Girbardt, Dietzenbach Uli Kubetzek, Frankfurt/M. Edith Seuß, Dreieich

Dimitrij Zobnin, Moskau

Juliane Girbardt, Dietzenbach Eva von Kügelgen, Berlin Kerstin Seuß, Dreieich

Corinna Glasenapp, Offenbach Henning von Kügelgen, Berlin Mia Seuß, Dreieich

Vielen Dank für´s Mitmachen!

19


Idee, Konzept und Organisation:

Volker Steinbacher

Internetz und digitale Gestaltung:

Gerald Wingertszahn

Webseiten:

www.wegdersteine.de

www.volker-steinbacher.de

www.druschba-enterprises.de

Der Weg der Steine

Eine Ausstellung im

Kunst Archiv Darmstadt

Ausstellungsdauer: 3.9. - 8.12. 2006

Öffnungszeiten: Di - Fr 10 – 13 Uhr

Kunst Archiv Darmstadt e.V.

Kasinostraße 3 (Literaturhaus)

64293 Darmstadt

Tel: 061 51 – 29 16 19

Fax: 061 51 – 29 16 83

kunstarchivdarmstadt@t-online.de

www.kunstarchivdarmstadt.de

20

Sponsoren:

Für die finanzielle Förderung unserer

Ausstellung und des begleitenden Katalogs

danken wir sehr herzlich:

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst,

Wiesbaden

ZIOR BERATENDER INGENIEUR GmbH

Impressum:

MERZARNOLDWÜPPER

Wirtschaftsprüfer Steuerberater Rechtsanwälte

Dreher und Deigentasch

Consulting Tragwerksplanung Bauphysik

Bickenbach

mt druck,

Neu-Isenburg

Fraport AG,

Frankfurt/Main

Zior Beratender Ingenieur GmbH,

Darmstadt Offenburg

© 2006

Roland Held, Volker Steinbacher,

Gerald Wingertszahn und die Bildautoren

Druck: mt druck, Neu-Isenburg

Herausgeber:

Kunst Archiv Darmstadt


Von der Magie des Augen-Blicks:

Das Augenstein-Projekt aus der Perspektive der Jäger und Sammler.

Andreas Ackermann

November 2006

Vortrag im Rahmen der Ausstellung DER WEG DER STEINE im Kunst Archiv Darmstadt.


Von der Magie des Augen-Blicks:

Das Augenstein-Projekt aus der

Perspektive der Jäger und Sammler.

von Andreas Ackermann

Vortrag im Rahmen der Ausstellung DER WEG DER STEINE im Kunst Archiv Darmstadt.


Von der Magie des Augen-Blicks:

Das Augenstein-Projekt aus der

Perspektive der Jäger und Sammler.

Welch eine wundersame Bewandtnis hat es, eindringlich

betrachtet, mit dem menschlichen Auge, diesem Juwel

aller organischen Bildung, wenn es sich einstellt, um

seinen feuchten Glanz auf einer anderen menschlichen

Erscheinung zu versammeln; - mit diesem kostbaren

Gallert, der aus ebenso gemeiner Materie besteht wie

alle Schöpfung und auf ähnliche Art wie die Edelsteine

anschaulich macht, daß an den Stoffen nichts, an ihrer

geistreichen und glücklichen Verbindung aber alles gelegen

ist; - mit diesem in eine Knochenhöhle gebetteten

Schleim, welcher, entseelt, dereinst im Grabe zu modern,

in wässerigen Kot wieder zu zerfließen, bestimmt ist,

aber, solange der Funke des Lebens darin wacht, über

alle Klüfte der Fremdheit hinweg, die zwischen Mensch

und Mensch gelagert sein können, so schöne, ätherische

Brücken zu schlagen versteht!

(Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix

Krull. Frankfurt am Main 2006, 89)

In der Formulierung des Titels verbergen sich mindestens

zwei Bedeutungsebenen, die einerseits unmittelbar

mit der Ausstellung verknüpft sind und andererseits das

hier gezeigte Projekt in einen größeren Bedeutungszusammenhang

stellen können.

Am besten, wir fangen von hinten an, nämlich mit dem

größeren Zusammenhang. Dafür ist im vorliegenden Text

die Ethnologie zuständig, jene akademische Disziplin, die

sich mit den Menschen als kultur-produzierenden Wesen

beschäftigt, wobei sie ihre Einsichten vor allem über den

Vergleich unterschiedlicher Kulturen bzw. kultureller Praxen

gewinnt.

Teil I. Ethnologie

Spricht man von der Magie des Augen-Blicks bzw. einer

Perspektive der Jäger und Sammler in ethnologischer

Hinsicht, so geht es dabei vor allem um eine Theorie des

Sehens.

Der Begriff der „Jäger und Sammler“ umschreibt Menschengruppen,

deren Lebensgrundlage überwiegend im

Jagen und Sammeln besteht, die von daher äußerst mobil

sein müssen. Diese Form des Wirtschaftens ist die

älteste uns bekannte: seit ca. 5 Mio. Jahren leben die

Menschen von der Jagd auf Tiere und dem Sammeln

wildwachsender Pflanzen. Die Domestikation von Tieren

und Pflanzen dagegen hat gerade mal vor 9.000-10.000

Jahren begonnen. Die Jäger und Sammler waren somit

die ersten Menschen, die sich mit ihrer natürlichen und

sozialen Umwelt auseinandersetzen mußten und dazu

die Hilfe der Magie in Anspruch nahmen.

Als „magische Handlungen“ werden innerhalb der Ethnologie

solche Techniken bezeichnet, die Wunsch und Wirklichkeit

in Übereinstimmung bringen, getragen von dem

Glauben, Macht über Dinge und Lebewesen jenseits der

Verstandeskategorien zu besitzen.

Dabei ist die Unterscheidung, die wir gewöhnlich treffen,

nämlich zwischen ‚Natürlichem’ und ‚Übernatürlichem’,

außer Kraft gesetzt. Innerhalb der magischen

Vorstellungswelt wirken übernatürliche Wesen, deren

Handlungsweisen denen der Menschen gleichen, und die

man daher durch Bitten oder Drohen zu seinen Gunsten

beeinflussen kann. Zwei grundsätzliche Funktionsweisen

der Magie lassen sich unterscheiden:

Die erste wird „sympathetische Magie“ genannt und beruht

auf dem Gesetz der Ähnlichkeit, d.h. man geht davon

aus, daß ähnliche Dinge ähnliche Qualitäten besitzen und

sich gegenseitig beeinflussen können. Daher wird beim

Regenzauber häufig Wasser versprüht und die Azande im

Sudan behandeln Epilepsie durch Verzehr der Asche des

Schädels des roten Buschaffen und durch das Hinlegen

des Betroffenen in die Nähe eines Feuers. Die Bewegungen

eines Epileptikers ähneln nämlich denen dieses Affen,

der überdies in eine allmorgendliche Starre verfällt,

bis ihn die ersten Sonnenstrahlen wieder beleben.

Die zweite Form der Magie wird „Kontaktmagie“ genannt

und folgt dem Gesetz der direkten Übertragung, d. h.

der der Überzeugung, daß Objekte, die einmal in Kontakt

miteinander waren, auch nach ihrer Trennung eine

Verbindung aufrechterhalten und sich über die Distanz

hinweg beeinflussen. Ein klassisches Beispiel für diese

Art von Magie findet sich im Kult des Voodoo, wo der

Besitz abgeschnittener Körperteile eines Menschen (etwa

Fingernägel oder Haare) die Kontrolle über den Betreffenden

verleiht. Aber auch die Reliquien etwa der katholischen

Kirche beziehen ihre Anziehungskraft aus dieser

Vorstellung.

1


Um jenseits der sinnlichen Erfahrbarkeit wirken zu können,

bedarf es einer außergewöhnlichen Kraft, die allgegenwärtig,

unsichtbar und unpersönlich ist, und sowohl

gute als böse Folgen zeitigen kann. Die Vorstellung einer

solchen Kraft ist universal verbreitet: sie wird mana in Melanesien

genannt, orenda bei den Irokesen Nordamerikas,

naual in Mexiko und ntela bei den Makonde in Ostafrika.

- Der Böse Blick

Die Vorstellung einer solchen Kraft liegt auch vielen Theorien

des Sehens zugrunde, womit wir beim „Augen-

Blick“ angelangt wären, genauer gesagt, dem Akt des

Sehens sowie den damit verbundenen magischen Vorstellungen.

Der Glanz des Auges hat dazu geführt, daß man ihn im

eine Art Feuer, eine eigene Kraft vermutete. Die alten

Griechen beispielsweise betrachteten das Sehen nicht als

einen rein aufnehmenden Prozeß, sondern sahen darin

etwas höchst Aktives, nämlich eine nach außen hin ausstrahlende

Lichtwirkung des Auges. Sie vermuteten, daß

das Sehen eine Tätigkeit des Nervengeistes sei, der sich

durch die vom Auge ausgehenden Strahlen nach außen

hin verbreitet, von den mit verschiedensten Empfindungen

beseelten Objekten berührt wird, um sich dann

wieder zusammenzuziehen. Auch die arabische und indische

Sehtheorie nehmen an, daß der Sehstrahl vom

Auge ausgehe und dadurch die Wahrnehmung vermittle,

daß er den Gegenstand trifft und ihn gewissermaßen

‚beleuchtet’.

Die Sehkraft ist dabei durchaus unterschiedlich verteilt:

Menschen mit auffälligen Augen, Augenkranken, Schielenden

und auch Einäugigen wird seit je eine besondere

Sehschärfe zugeschrieben. Unter Umständen läßt sich

diese aber auch durch künstliche Mittel steigern, beispielsweise

die Verwendung von Amuletten und Talismanen.

Die gesteigerte Sehkraft kann unterschiedliche

Formen annehmen: einige Menschen können etwa Unsichtbare

und Geister sehen, andere wiederum verfügen

über das sogenannte „zweite Gesicht“, d.h. sie können

räumlich oder zeitlich weit Entferntes wahrnehmen. Solche

Fähigkeiten werden durchaus unterschiedlich beurteilt,

sie können sowohl positiv als auch negativ wirken.

Weitaus mehr Aufmerksamkeit als den Konsequenzen

des Scharfblicks für den Sehenden jedoch wird der Außenwirkung

der Sehkraft zuteil, wenn sie auf Menschen,

Tiere oder Objekte trifft.

Der Blick stellt solange kein Problem dar, als es sich um

wohlmeinende bzw. gesunde Menschen handelt, die sich

im Blickfeld befinden. Anders freilich ist es, wenn Kranke

darunter sind oder solche, die feindselige Gefühle hegen

– deren schädliche „Ausstrahlung“ vermag nämlich auch

alle Umstehenden gleichsam zu „vergiften“. Thomas

von Aquin (1225-1274) schreibt beispielsweise in seiner

Summa theologica, solche Menschen hätten „sengende

Augen, die durch ihren bloßen Anblick andere vergiften“

und fährt fort: „Wenn also eine Seele sich heftig zur Bosheit

hinreißen läßt, wie es vor allem bei alten Frauen vorkommt,

so wird dadurch der Blick auf die eben besagte

Weise giftig und schädlich“ (zitiert nach Müller 1987, 223).

Solche Blicke werden „böse“, vor ihnen muß man sich

schützen. Über den sogenannten „Bösen Blick“ verfügen

vor allem Menschen, die entweder körperlich, seelisch

oder in sozialer Hinsicht in irgendeiner Weise versehrt

oder auch vom Unglück verfolgt sind. Sie tragen Gefühle

von Bitterkeit und Haß im Herzen, die dann eben auch

in ihre Augen drängen und ihren Blick gleichsam „vergiften“.

Da er häufig als Ausdruck von Neid angesehen

wird, befällt der „Böse Blick“ vermeintlich zumeist das

besonders Schöne und Gute.

Der „Böse Blick“ wirkt in vielfältiger Weise auf seine Umwelt:

er kann Speisen ungenießbar und Menschen unfruchtbar

werden lassen, kann blind oder krank machen,

andere in den Wahnsinn stürzen, ja töten, Ernten vernichten,

Bäume zum Absterben bringen, das Vieh von

einer Seuche dahinraffen und mächtige Steinsäulen zerbersten

lassen.

Unter den Besitzern des „Bösen Blicks“ gibt es sowohl

Menschen, die ihn unwillentlich, als auch solche, die ihn

gezielt einsetzen. Gefährlich sind jedoch beide.

Im Iran wird der Böse Blick noch einmal weiter differenziert,

man spricht vom „salzigen Auge“, vom „versehrenden

Auge“ und schließlich vom „schmalen Auge“. Menschen,

die über ein „salziges Auge“ verfügen, bewirken

mit ihrem Lob ungewollt Unheil. So können Mütter mit

„salzigen Augen“, die ihre Kinder unentwegt preisen und

bewundern, ihre Kinder krank machen, verletzen, ja sogar

töten. Im Unterschied zu den Menschen mit „salzigen

Augen“ die quasi unwissentlich ihren Mitmenschen

schaden, handeln Personen mit „versehrenden Augen“

durchaus absichtlich, aus Mißgunst oder Neid. Dies gilt

auch für jene mit dem „schmalen Auge“.

Mit dem „Bösen Blick“ kann man geboren werden, man

kann ihn aber auch erwerben, und zwar sowohl unbeabsichtigt

als auch vorsätzlich. Ein Problem besteht darin,

daß man nicht allen Menschen den Besitz dieser schädlichen

Eigenschaft ansehen kann. Es gibt jedoch einige

Merkmale, die allgemein als Anzeichen für den „Bösen

2


Blick“ gelten: z.B. eine auffällige Augenpartie, die „Zeichnung“

durch Augenkrankheiten, physiologische Besonderheiten,

eine auffällige – zumeist blaue – Augenfarbe

oder besonders buschige sowie zusammengewachsene

Augenbrauen. Häufig wird der „Böse Blick“ innerhalb der

Familie weitergegeben, er wird aber auch bestimmten

sozialen Gruppen, zumeist am Rande der Gesellschaft,

generell zugeschrieben, etwa alten Frauen, Witwen oder

Bettlern.

Der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch erwähnt,

daß man sich mit dem eigenen Blick auch selbst

treffen kann, etwa wenn man in einen Brunnen oder

Spiegel blickt und sich selbst oder seinen Schatten sieht.

Das Spiegelbild, aber auch Doppelgänger und Schatten

gelten im Volksglauben als ätherische feine, geisterartige

Körper, die wiederum den „Bösen Blick“ besitzen. Solche

Wesen gewinnen vor allem dann die Macht über einen,

wenn man sich umsieht. Dies ist auch der Grund für die

zahlreichen Verbote des Sich-nicht-umschauens bei einer

großen Anzahl magischer Handlungen.

Wie wir sehen, stellt der Augenkontakt eine Kommunikationsform

dar, die alles andere als harmlos ist und es

verwundert daher nicht, wenn überall auf der Welt Blicke

ganz bestimmten Regeln bzw. Tabus unterliegen. Niedrigstehende

dürfen z.B. nur selten einen Höherstehenden

direkt anschauen. Kinder sollen keinen Fremden und

vor allem nicht Menschen, die in Verdacht stehen, den

„Bösen Blick“ zu besitzen, ansehen. Schwangere sind gehalten,

den Anblick von allem, was häßlich ist, mit dem

Tode zu tun hat oder sonst in irgend einer Weise versehrt

erscheint, zu meiden.

Umgekehrt müssen diejenigen, die die Fähigkeit besitzen,

anderen mit ihrem Blick zu schaden, diesen freiwillig

oder gezwungenermaßen „entschärfen“: Ihnen werden

die Augen verbunden oder ihr Kopf mit einem Schleier

oder Sack bedeckt. Die Sitte, das Gesicht des Toten zu

bedecken, ist auf der ganzen Welt verbreitet und Verbrechern

werden vor ihrer Hinrichtung häufig die Augen

verbunden.

Die einfachste Möglichkeit, sich vor dem „Bösen Blick“

zu schützen, besteht darin, daß man den Kopf wegdreht

oder dem böser Absichten Verdächtigten den Rücken

zeigt. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Gesicht

– oder dessen besonders gefährdete Partien wie den

Mund – mit der Hand zu bedecken, wie es diese Frau

aus dem heutigen Zaire angesichts des Fotografen (Paul

Schebesta) tut, der diese Aufnahme in den 30er Jahren

des letzten Jahrhunderts machte (In: Theye 1989, 48).

Vergegenwärtigt man sich die magische Theorie des Sehens

als einer Aussendung von krafthaltigen Strahlen, so

verwundert es nicht, wenn gerade der Akt des Photographierens

als äußerst bedrohlich empfunden wird. Dabei

geht es nicht nur darum, daß dem photographischen Apparat

die Aussendung verderblicher Strahlen zugerechnet

wird, die den Photographierten krank werden lassen.

Viel schlimmer noch ist der Umstand, daß die Kamera

bereits viele Menschen, darunter auch „böse“ oder „zauberkräftige“

mitsamt ihrer „verderblichen“ Ausstrahlung

abgelichtet hat. Diese wiederum wird beim Vorgang des

Photographierens auf die Abgebildeten gerichtet und

kann zu Krankheit oder Tod führen. So kommt es, daß die

Fotografierten versuchen, das Objekt des fotografischen

Interesses zu verhüllen oder aber selbst den Blickkontakt

mit dem Fotografen und dem „Auge“ der Kamera tunlichst

zu meiden.

Das folgende Bild wurde ca. 1900 von Kurt Boeck im indischen

Rajasthan aufgenommen. Es zeigt ein „Jugendliches

Radschputen-Ehepaar im Hochzeitsschmucke mit

den nächsten Verwandten“. Diese Hochzeitsgesellschaft

hat sich anscheinend eher widerwillig ablichten lassen.

Der Photograph schreibt dazu:

„Fast könnte es sogar scheinen, als ob die Brautmutter,

die neben ihrer, man möchte sagen hermetisch verschleierten

Tochter kauert, die Faust drohend ballt, um ihrer

Besorgnis vor dem bösen Blick des aus dem Apparat hervorlugenden

blanken Objektivauges Ausdruck zu geben.“

(In: Theye 1989, 48-49)

Diese Besorgnis erscheint indes um so verständlicher, als

ja gerade auch der Hochzeitsschleier gewöhnlich dazu

dient, die Braut während eines der zentralen Statuswechsel

in ihrem Leben vor dem „Bösen Blick“ zu schützen.

3


Das die Angst vor dem „Bösen Blick“ keineswegs „exotisch“

ist, verdeutlicht diese Photographie aus dem Jahre

1840. Es handelt sich um ein Porträt des dänischen Bildhauers

Bertel Thorvaldsen. Bei genaueren Hinsehen entdeckt

man nicht nur den skeptischen Gesichtsausdruck

des Abgebildeten, sondern auch eine merkwürdige Geste

der linken Hand.

Dabei handelt es sich um die sogenannte mano cornuta

oder „Hörnchenhand“, bei der der kleine und der Zeigefinger

ausgestreckt sind, während der Daumen und die

anderen Finger angelegt werden.

Diese Geste bezieht ihre symbolische Bedeutung offenbar

aus der Ähnlichkeit der Fingerstellung mit einem

Halbmond – dem alten Fruchtbarkeitsamulett, das auch

gegen den „Bösen Blick“ helfen soll. Zum anderen stellen

die beiden gestreckten Finger „Hörner“ dar, die das Zauberauge

durchbohren.

Die „Hörnchenhand“ ist auch als Amulett weit verbreitet:

Das gerade Fruchtbarkeitsamulette gegen den „Bösen

Blick“ eingesetzt werden, hängt damit zusammen, daß

dessen Schadenswirkung vor allem im Austrocknen, Dörren,

Verzehren, eben im Unfruchtbarmachen gesehen

wird.

Dementsprechend wird auch die Feige, also die symbolische

Darstellung des Geschlechtsaktes, gegen den Bösen

Blick eingesetzt.

Hier ein Holzarm aus Brasilien, der die Feigengeste

zeigt.

Sehr beliebt sind auch Korallenamulette, besonders das

sogenannte „Korallenhörnchen“. Nach der griechischen

Sage entstand die Koralle nämlich aus dem Blut des abgeschlagenen

Hauptes der Medusa, die für ihren „Bösen

Blick“ gefürchtet war. Ein „Korallenhörnchen“ trug der

französische Dichter und Kunstkritiker Theophile Gautier

4


stets am Halse, um sich vor dem „Bösen Blick“ Jacques

Offenbachs zu schützen.

Neben den Abwehrgesten der Hand spielt – entsprechend

dem magischen Gesetz der Ähnlichkeit – auch das

Auge selbst eine große Rolle bei der Abwehr des „Bösen

Blicks“, und zwar sowohl in Form von Gegenständen oder

Abbildungen des Auges als auch in Form von augenähnlichen

Objekten, Ornamenten oder Symbolen.

So war es in Deutschland durchaus üblich, im Zimmer

einen Halbkreis mit einem kleineren Kreis darin anzubringen,

der das allsehende „Auge Gottes“ vorstellen sollte.

Als „Auge Gottes“ werden auch die Augen an Kirchen,

Kirchenstühlen und Totenbrettern erklärt. Um sich in Dänemark

gegen den bösen Blick zu schützen, war es eine

verbreitete Sitte, die Zeichnung eines Auges auf das zu

kratzen, was geschützt werden sollte; und in alten Bauernhäusern

trifft man noch ab und zu hinter Glas und

Rahmen einen „göttlichen Haussegen“ oder einen Bibelspruch,

über welchem ein Auge angebracht ist.

Im gesamten Mittelmeerraum verbreitet sind Amulette,

die zumeist aus farbigem Glas bestehen und entweder

als „Auge der Fatima“ bezeichnet werden (womit der Bezug

zur Tochter des Propheten Muhammad hergestellt

wird), als „Nazar“ (was im arabischen „Blick“ bedeutet),

oder einfach als „blaues Auge“.

Typisch für ein solches Amulett sind die in verschiedenen

Blau- (manchmal auch Grün-) Tönen gehaltenen konzentrischen

Kreise, die – zusammen mit dem Weiß – der

Regenbogenhaut des Auges ähneln.

In kleiner Ausführung werden solche Augen an der Kleidung

von Kindern befestigt, als Schmuck am Körper getragen

oder gegenüber einer Tür an der Wand befestigt.

Man findet sie am Rückspiegel von Taxis und Lastwagen

oder als Verzierung am Schlüsselanhänger. Wird ein solches

Auge beschädigt, so hat es offensichtlich seine Aufgabe

erfüllt und den „Bösen Blick“ abgewendet.

Solche Augenamulette kennen wir auch von den alten

Ägyptern, die auf die Kraft des sogenannten „Udjat-Auges“

vertrauten. Dabei handelt es sich um das Auge des

Falkengottes Horus, dem es von seinem Onkel Seth geraubt

(bzw. verletzt) wurde. Mit Hilfe von Thoth, dem

weisen Mondgott, erlangte Horus sein Auge heil und gesund

wieder zurück.

Daher wurde es auch „Udjat-Auge“ genannt: udjat bedeutet

nämlich wörtlich übersetzt: „das, was (wieder)

heil geworden ist“. Das „Udjat-Auge“ ist also das geheilte

Auge des Horus und symbolisierte im Alten Ägypten

Vervollständigung und Heilung. Es besaß Regenerationsfunktion

und stellte gleichzeitig ein Schutzsymbol gegen

den „Bösen Blick“ dar.

Von der Form her ist das „Udjat-Auge“ eine Mischung

aus Menschen- und Falkenauge: Augenbraue, Augenkörper

und Schminkstrich entsprechen dem menschlichen

Auge, der vertikale Fortsatz und der Spiralbogen unter

dem Augenkörper stammen von der Zeichnung des Falkengefieders.

- Steine

Es sind aber nicht nur die Augen bzw. deren Blicke, die

mit Magie in Zusammenhang gebracht werden, auch

Steine können Kraft entfalten. Nicht von ungefähr zitiert

5


das Handbuch des Deutschen Aberglaubens die Warnung:

Steine soll man nicht nach Hause tragen, denn das

bedeutet Unglück. Vor diesem Hintergrund ist es alles

andere als überraschend, daß von den ca. 300 Augensteinen

lediglich 17 im Inneren eines Gebäudes abgelegt

wurden!

Von ihrer starren, leblosen Form darf man sich übrigens

nicht täuschen lassen: Steine sind durchaus beweglich,

sie können etwa, wie Pflanzen aus der Erde wachsen, aus

der sie besondere Heilkraft saugen. Besonders krafthaltig

sind daher Steine, die lange an demselben Platz in oder

auf der Erde gelegen und damit ihre Kraft in sich aufgenommen

haben.

Die in Indien lebenden Raj Gond gehen sogar davon aus,

daß die Steine nicht nur in der Erde wachsen, sondern

sich sogar vermehren – ein Eindruck, der nicht so abwegig

scheint angesichts des Phänomens, daß man beständig

Steine von einem Acker ablesen kann und doch

immer wieder neue vorfindet (Müller 1987, 183).

Ackersteinen schrieb man Fruchtbarkeitskräfte zu, wohl

auch deshalb, weil man sie in Zusammenhang mit den

Ahnen sah, die man sich gewöhnlich unterhalb der heimischen

Felder wohnend dachte.

So pflegten die Birhor, eine ebenfalls in Indien lebende

Gruppe von Jägern und Sammlern Steine, von denen sie

glaubten, daß sie gleich ihren Urahnen tief aus der Erde

herausgekommen seien, bei sich zu tragen, um ihr Jagdglück

zu mehren.

Manchmal können Steine die Ahnen sogar unmittelbar

repräsentieren oder jedenfalls bestimmte einzelne von

ihnen, die z.B. bei den Osseten im Kaukasus als Sitze der

lokalen Erd- und Muttergöttinnen gelten.

Steine fanden dementsprechend auch eine magisch-rituelle

Verwendung, beispielsweise um den Ertrag anderer

Felder zu steigern, um Regen zu fördern, den Fischfang,

die Milchproduktion, ganz generell zur Sicherung von Gesundheit,

Erfolg und Glück allgemein.

Steine dienen als Orakel: Wie das bereits zitierte Handbuch

des Deutschen Aberglaubens berichtet, heben

manche Leute vor einem Krankenbesuch Steine auf und

suchen, ob darunter etwas Lebendiges liegt, ein Käfer

oder ein Wurm etwa. Ist dies der Fall, so wird der Kranke

wieder gesund, andernfalls stirbt er.

Krankheiten können auf Steine übertragen werden, die

dann z.B. in einen Bach geworfen oder an einen möglichst

dunklen Ort gelegt werden.

Mit einem Stein kann man sich aber auch vor Unheil

schützen, etwa indem man ihn auf den Weg wirft, und

zwar bevor man nach dem Bemerken eines Unheilzeichens

Atem geschöpft hat.

Gerne werden Steine auch als Amulette getragen: Steine

mit einer ungewöhnlichen Zeichnung, wie das Belusauge

(Bel oculus), verschaffen, in der Hand getragen, klare,

helle Augen. Vor dem „Bösen Blick“, Hexerei, Bezauberung

und jedem Unfall schützen der Augenachat, das

Chrysoberyll-Katzenauge, der Malachit und der Sardonyx

.

Tatsächlich als „Augenstein“ bezeichnet wird übrigens der

Gnatzstein oder Quarz, der schlimme Augen verursacht,

wenn man ihn längere Zeit ansieht

6


Teil II. Kunstprojekt

Spricht man von der „Magie des Augen-Blicks“ bzw. „Jägern

und Sammlern“ in bezug auf das hier ausgestellte

Kunstprojekt, so kommen zu dem eben Gesagten noch

einige Facetten hinzu.

Daß Steine krafthaltig sind, dürfte all jenen schon längst

klar geworden sein, die sich in irgend einer Form mit den

Augensteinen Volker Steinbachers beschäftigt haben. Vor

allem dann, wenn sie – zum Jäger und Sammler geworden

– auf der Jagd nach einem Ablageort waren bzw.

Stein-Ablagen sammeln – gibt es inzwischen doch viele

Protokollanten, die mehrere Steine abgelegt haben.

Auch der Künstler hat diese Kraft gespürt. Dies wird in

seinem Bericht über die mythischen Anfänge seines Projektes

deutlich:

„So fiel mein Blick irgendwann auf jene Steine, die ganz

Mirabel bevölkerten. Steine aus Basalt, Kalkstein und

Scherben der alten Dachziegel. Alle Straßen waren voll

damit, jeder Schritt davon bestimmt. Ich fing an, diese

Steine mit Augen und Tieren zu bemalen. Die „Augen“

schienen unmittelbar zu überzeugen [...] Jeder wollte einen

solchen Stein haben“.

Und nicht mehr weggeben, könnte man hinzufügen. In

einem Protokoll heißt es beispielsweise:

„Ich war traurig, den Stein zurücklassen zu müssen“ (Albanien,

Saranda Maloku, 12. Juli 2005).

Offenkundig erzeugt die Kraft der Steine Resonanz im

Betrachter, auch bei solchen, die sich magischer Vorstellungen

gar nicht bewußt sind.

In anderen Ländern dagegen kommt es sofort zu Assoziationen

des „Bösen Blicks“. Etwa wenn turkmenische

Schulmädchen, zur Ablage aufgefordert, fragen, „ob das

Auge auch Glück bringt und auf keinen Fall negative Auswirkungen

hat“ (Birgitte Harries, Dreieich, 2006).

Oder, wenn der Stein in der Stadt Maiduguri gute Dienste

als Wächter leistet, weil, wie die Protokollantin berichtet,

„im muslimischen Norden Nigerias der Respekt vor dem

Auge und dem „Bösen Blick” doch noch seine Wirkung

tut“ (Editha Platte, Frankfurt/Main 2004).

Um den „Bösen Blick“ geht es auch in der Geschichte der

Steinablage im saudi-arabischen, nahe Mekka gelegenen

Mina. Diese Geschichte ist so wunderbar, daß ich sie gerne

etwas ausführlicher erzählen möchte: Der Protokol-

lant war sich darüber im Klaren, daß es äußerst schwierig

werden würde, einen Stein an den Heiligen Stätten des

Islam zu plazieren. Ich zitiere aus dem Protokoll:

„Ich erfand nun ein junges Ehepaar, dem der Kinderwunsch

bisher versagt geblieben war. Laut einem Hodscha

in Istanbul sollte nun dieses Ehepaar mithilfe eines

‚guten Auges’ von dem bösen Blick befreit werden, der

bisher dem Kinderwunsch im Wege stand. Weiterhin sollte

dieser Stein nicht irgendwo abgelegt werden, sondern

an einem bestimmten Ort der Pilgerroute nach Mekka,

nämlich Mina (8 km von Mekka entfernt), wo man das

Böse und den Teufel steinigt.

Mina (Saudi Arabien)

Dieses Ritual entstand, weil Abraham dreimal Steine

nach dem Teufel geworfen hat und wird symbolisch an

drei Steinsäulen von Gläubigen nachvollzogen. Der Stein

von Volker machte zunächst den Weg von Frankfurt nach

Istanbul, den ich bei meiner Reise mitnahm und dort

meinem Neffen übergab. Er brachte den Stein nach Konya

zu meiner Schwester, die dort in einer Grundschule

als Lehrerin tätig ist. Sie fragte in der Klasse, ob jemand

aus der Familie oder Verwandtschaft plane nach Mekka

zu pilgern. Tatsächlich fand sich die Mutter einer Schülerin,

deren Onkel sich bereit erklärte für diesen guten

Zweck den Stein mitzunehmen. Der Stein machte also

den langen Weg von Frankfurt über Istanbul und Konya

nach Mekka und wurde schließlich in Mina abgeworfen“

(Zafer Toker, Frankfurt/Main, Yiġit Kurt, Istanbul, Sabahat

Kurt, Konya 2003).

Ein letztes Beispiel ist der Mitbewohner eines mit einem

Augenstein versehenen Hauses, der nervös und mit eingezogenem

Kopf daran vorbeischleicht, weil, wie die

Protokollantin festhält, „er glaubt, daß er nun ständig

beobachtet wird und sich kein ‚lasterhaftes Leben’ mehr

7


leisten kann. Seine Frau ist natürlich erfreut darüber“,

wird im Protokoll vermerkt (Argentinien, San Jose de la

Esquina, Katja und Miguel Epes, Darmstadt; 2003).

Auch hier ist wieder Magie im Spiele, denn der Stein ist

– wir wissen es inzwischen – zwar durchaus krafthaltig,

kann aber trotz allem nicht sehen. Dies gelingt ihm erst

in dem Maße, in dem er zum Symbol, zur Projektionsfläche,

zum Stellvertreter bzw. Zeugen wird.

Der eingangs zitierten magischen Seh-Theorie folgend,

läßt Volker Steinbacher seine Augensteine Strahlen aussenden,

die auf Gegenstände treffen und sie beleuchten,

wodurch sie Wahrnehmung vermitteln. Genau darum

geht es ihm. Er schreibt:

„Es sollen AugenSteine in die ganze Welt ausschwärmen,

schauen und berichten. Sie sollen berichten von

der Vielfalt der menschlichen Kultur, den großen und kleinen

Dingen des Lebens, den tagtäglichen Trivialitäten,

der Schönheit der Natur, aber auch von den Verbrechen

und Untaten der menschlichen Historie. Als friedliche und

minimalistische Weltbesetzung. Dem Reisenden kam die

Rolle des Zeugen zu, er bezeugte mit seinem Namen,

daß der Stein wirklich an dem von ihm genannten Ort

abgelegt worden war“ (Volker Steinbacher, Frankfurt am

Main, 2006).

Was aber bezeugen die Steine bzw. was projizieren die

Protokollanten und Protokollantinnen in ‚ihre’ Steine, wo

legen sie sie ab?

Überblickt man die über 300 Ablageorte, fallen mehrer

Kategorien ins Auge, die sich – durchaus zum Zwecke

höherer Erkenntnis – in eine Hierarchie bringen lassen:

Die weitaus meisten Steine – ich habe 60 gezählt – sehen

Wasser:

Cliffs of Moher, Irland

sie blicken auf das Meer (36)

der Mara River, Kenia

oder liegen an Fluß (9)-

der Saimaasee, Finnland

bzw. Seeufern (6).

Häufig handelt es sich dabei um „Caspar-David-Friedrich-

Steine“, wie Volker Steinbacher sie treffend genannt hat,

„weil sie die Position einnehmen, die auf seinen Gemälden

von meist einsamen Gestalten verkörpert werden:

Zivilisationsabgewandt, sinnend, vertieft in die Weite

der Landschaft oder die Unendlichkeit schauend“ (Volker

Steinbacher, Frankfurt am Main, 2006).

die Para-Wasserfälle (Venezuela)

2 Steine schauen auf Wasserfälle.

8


Lingsar, Lombok (Indonesien)

8 befinden sich sogar unter Wasser.

41 Steine wurden an Stellen abgelegt, die ich Gedächtnisorte

nennen möchte.

Dazu gehören mit 24 Ablagen an erster Stelle Orte, an

denen Verbrechen im Namen einer Ideologie verübt wurden.

Zu diesen „Orten des Terrors“, wie Volker Steinbacher

sie nennt, gehören so unterschiedliche wie

Kuta auf Bali,

der Flughafen in Entebbe (Uganda),

die Scharfschützenhügel über Sarajewo (Bosnien und

Herzegowina) und

der Rio de la Plata (Uruguay), in dem viele Gegner der

Militärdiktaturen einen gewaltsamen Tod fanden.

Zentral für das kollektive Gedächtnis Deutschlands

bleibt natürlich Auschwitz und allerspätestens hier wird

9


deutlich, welche Kraft ein Augenstein zu bewegen, ja

aufzuwühlen vermag. Volker Steinbacher hat lange gezögert,

einen Stein für diesen Ort herauszugeben, in

der Befürchtung, die Ungeheuerlichkeit der hier begangenen

Verbrechen könnten trivialisiert werden. Zumindest

nach meinem Empfinden ist das Gegenteil der Fall.

Zu den Gedächtnisorten zählen aber auch Denkmäler

berühmter Personen (13), seien es Dichter wie

Pablo Neruda (Isla Negra, Chile),

Politikerinnen wie Rosa Luxemburg (Berlin) oder

weltberühmte Trinker wie Wenedikt Jerofejew (Moskau).

Dann gibt es noch 3 Steine, die an Orten von Umweltkatastrophen

abgelegt wurden:

10


Das ist die nordpakistanische Stadt Balakot, die bei einem

Erdbeben am 8. Oktober 2005 fast vollständig dem

Erdboden gleich gemacht wurde. Bei diesem Beben kamen

fast 80.000 Menschen ums Leben, Hunderttausende

wurden verletzt und ca. zwei Millionen obdachlos.

Die indonesische Stadt Banda Aceh auf Sumatra, die von

dem Tsunami an Weihnachten 2004 schwer verwüstet

wurde. Diese schwerste Flutkatastrophe seit Menschengedenken

hat rund 280.000 Menschenleben gekostet.

Dies war einmal der Aralsee (Usbekistan), Schauplatz

einer beispiellosen Umweltkatastrophe, bei der der See

aufgrund der Ableitung seines Wassers zur Bewässerung

von Baumwollmonokulturen ungefähr die Hälfte seines

Umfangs eingebüßt hat.

Mit 31 Steinen zählen Berge – ganz gleich ob Gipfel,

Hang oder Fuß – ebenfalls zu den beliebten Ablageorten.

Zu den beeindruckendsten zählen sicherlich

das Basislager am Mount Everest (Nepal),

der Ayers Rock (Australien)

und der Cotopaxi (Ecuador).

In Anbetracht der besonderen Kraft der Augensteine verwundert

es nicht, wenn viele von ihnen (27) an sakralen

Orten abgelegt wurden.

Dazu zählen

11


ein Klostergarten (Melk, Österreich),

ein buddhistischer Tempel (Bangkok),

genauso wie Steinpyramiden (Karakorum, Mongolei)

und ein Runenstein (Mirnock, Österreich).

Mit 22 Ablagen folgen Bäume

– hier finden sich

ein Bodhi-Baum (Laos),

ein Olivenbaum(Rama, Israel),

12


genauso wie

ein Baobab (Arusha, Tansania).

Weitere beliebte Ablageorte sind

Crak des Chevaliers (Syrien)

Festungen (12),

Platz der Revolution, Havanna (Kuba)

Stadtzentren (10),

Hoi An, Vietnam

Brücken (8), sowie

13


Chichen Itza, Mexiko

Plätze von archäologischer Bedeutung (6).

Zu den eher ungewöhnlichen Ablageorten gehören

eine Bärenhöhle (Schweden),

ein Termitenhügel (Simbabwe),

die Guinness-Fabrik in Dublin,

eine Dampfmaschine (Matopos, Mosambik),

ein Kaktus (Lima, Peru)

sowie eine Gefahrguttonne (Neuseeland). Im Reich der

Sicherheitstechnik (sprich dem Flughafen) können selbst

unbescholtene Augensteine zur Provokation werden. Im

Protokoll dazu heißt es :

14


„Ich habe den Stein bis ans andere Ende der Welt getragen

um Ihn an einen passenden Ort zu betten, doch

der Ort, wo er jetzt liegt erscheint mir wenig passend, ist

aber zumindest in Neuseeland. Bei der Ankunft in Auckland

und diversem Papierkram, in dem deklariert werden

mußte, was man so alles einzuführen gedenkt, wurde

mein Handgepäck gescannt und der Stein gefunden. Er

wurde sofort als Biohazard eingestuft und mußte von

mir noch am Schalter in entsprechende Tonnen entsorgt

werden. Da liegt er nun, mit ‚anderen sehr gefährlichen

Gütern’, 18.000 Km von daheim. Leider war ich zu perplex

um ein Foto zu schießen. Ich habe im Verlauf der 6wöchigen

Rundreise sehr viele schöne Orte besucht, wo

er viel besser hingepaßt hätte, aber es sollte wohl diese

Tonne sein!“ (Alexander Bauer, Frankfurt/Main 2003)

Mit „Magie des Augenblicks“ ist aber noch etwas anderes

gemeint, als das, was der Stein im Zuge der Projektionen

seines Protokollanten „sieht“. Wir haben es hier nämlich

auch in einem weiteren Sinne mit einem Augenblick zu

tun, denn die Photographien der abgelegten Steine sind

Momentaufnahmen, sie halten flüchtige Augenblicke fest.

Auch in diesem Zusammenhang gilt es, sich nicht von

ihrer starren, schweren Form täuschen zu lassen: Steine

wachsen eben nicht nur, sie sind teilweise auch ganz

schnell wieder verschwunden.Dies hat zum einen mit der

Situation der Ablageorte zu tun: ebenso schnell, wie ein

Stein abgelegt werden kann, kann er unter Umständen

auch wieder fortgenommen werden. Protokollanten beschreiben,

wie sich Passanten mit Steinen ‚anfreunden’

oder berichten, daß bei ihrer Wiederkehr der Stein verschwunden

ist. Einigen von ihnen scheint es interessanterweise

genau darum zu gehen, sie legen den Stein z.B.

gut sichtbar auf einem Parkplatz ab.

Tanger (Marokko)

Die Vergänglichkeit dieses speziellen Augenblicks hängt

zum anderen aber auch mit der künstlerischen Intention

Volker Steinbachers zusammen. Denn die Bemalung der

Augensteine erfolgt ausschließlich mit schwarzer Tusche:

So ist gewährleistet, daß das Auge nur für kurze Zeit zu

sehen ist und beim nächsten Regen verschwindet. Die

Steine verlieren also ihre Sehkraft und damit auch ihre

Identität: wenn das Tuscheauge sich auflöst, gehen sie

auf in der Masse der unscheinbaren, der ‚bloßen’ Steine.

In beiden Fällen bleiben uns Bilder und ein Text, das

Protokoll einer Steinablage und der damit verbundenen

Zeugenschaft.

Wo führt das alles hin? Das Ziel ist klar: in jedem Staat

der Erde soll mindestens ein Stein liegen, eine klare Aufgabe

für Jäger und Sammler. Was aber, wenn dieses Ziel

erreicht ist? Zum jetzigen Zeitpunkt sind 140 von 198

Staaten mit einem Stein versehen, der nördlichste und

südlichste Punkt der Erde sind bereits mit einem Stein

‚belegt’...

Da Jagen und Sammeln aber nicht nur eine Wirtschaft-

sondern auch eine Lebensform ist, droht diese mit dem

Erreichen des Zieles unterzugehen. Eine schreckliche

Vorstellung!

Allerdings haben sich Menschen – wie die Ethnologie zeigen

kann – immer wieder an sich ändernde Bedingungen

ihrer natürlichen und sozialen Umwelt angepaßt, indem

sie ihre Lebensweisen oder ihre Ziele änderten.

Dies könnte eine Chance auch für das Augenstein-Projekt

sein. Seit kurzem gibt es nämlich die Ablagekategorie

„Niemandsland“ und ich hoffe doch, daß dort die

Ablagemöglichkeiten ins Unendliche gehen.

Andreas Ackermann,

Professor für Kulturwissenschaft,

Universität Koblenz-Landau

Überarbeitete Fassung eines Vortrags

vom November 2006

15


Verwendete Literatur:

Bächtold-Stäubli, Hans (Hg.), 2000: Handwörterbuch

des deutschen Aberglaubens, Artikel Auge & Stein. Berlin/New

York: Walter de Gruyter. (1927) Artikel Auge &

Stein.

Haller, Dieter, 2005: dtv-Atlas Ethnologie, Artikel Magie.

München: Deutscher Taschenbuch Verlag.

Knuf, Astrid und Joachim, 1984: Amulette und Talismane.

Symbole des magischen Alltags. Köln: Dumont.

Müller, Klaus E., 1987: Das magische Universum der

Identität: Elementarformen sozialen Verhaltens; ein

ethnologischer Grundriß. Frankfurt am Main/New York:

Campus.

Steinbacher, Volker und Wingertszahn, Gerald, 2006:

Der Weg der Steine, Kunst Archiv Darmstadt

Streck, Bernhard (Hg.), 1987: Wörterbuch der Ethnologie,

Artikel Magie. Köln: Dumont.

Theye, Thomas (Hg.), 1989: Der geraubte Schatten.

Eine Weltreise im Spiegel der ethnographischen Fotografie.

München und Luzern: C. J. Bucher.

Bildnachweis:

Abbildung 1,2,3 aus

Theye, Thomas (Hg.), 1989: Der geraubte Schatten.

Eine Weltreise im Spiegel der ethnographischen Fotografie.

München und Luzern: C. J. Bucher.

Abbildung 4

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Tonhand.jpg

Abbildung 5

Andreas Ackermann, 2007

Abbildung 6

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:ChristianEyeOfProvidence.png

Abbildung 7

http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Blue_eyes.JPG

Alle anderen Abbildungen aus

Steinbacher, Volker und Wingertszahn, Gerald,

2003-2007: Der Weg der Steine, Frankfurt am Main

www.wegdersteine.de

16


Briefe und Emails


Dear Volker,

This Letter is a part of our struggling Pitcairners striving for the rights of Pitcairn islanders.

Would appreciate any feedback and if possible to pass this on.

Thank you

Meralda

We are a group of concerned Pitcairners on and off the island who are deeply distressed by

the struggle the last six years to prove that the Pitcairn men are not child rapists. We have

been advised by legal experts to take our case to the court of last resort, the Privy Council in

London in July 2006. Now we have come to the point where we need to ask for help, though

it goes against the grain of our independence and self sufficiency. We are used to work for

everything we have, we are hard workers, and it has taken us a great deal of heartache to

decide to ask for help.

The Pitcairn men charged with serious crimes have till now not had their fundamental right of

counsel of their own choice to represent them. A Public Defender and a Deputy Public

Defender from New Zealand were appointed by the Governor of Pitcairn Islands, responsible

for the introduction of English criminal laws to Pitcairn. These counsel were then assigned

under Legal Aid laws to represent the Pitcairn men. Another counsel chosen by the Public

Defender was also assigned to represent them shortly before the 2004 trial. In 2002 this

counel was still an associate member of the law firm chosen to prosecute the alleged crimes.

Again the Pitcairn men had no say in this choice, they had three lawyers to defend the seven

of them, and there was great concern about the situation.

For reasons which they believed to be good and valid, the majority of the Pitcairn men have

lost trust and confidence in the representation assigned to them. They have chosen to obtain

the services of very senior and experienced lawyers, because they are concerned at the very

real prospect that if they don't succeed in the Privy Council appeal, the future of Pitcairn

Island is in extreme peril. We have to appeal for help in raising the funds needed to fight for

our own and Pitcairn's survival. When it is understood that there are less than forty

Pitcairners living on the island, and that the monthly wages range from NZ$50 to NZ$350, it

is clear that a proper fight in the Privy Council is only possible if friends of Pitcairn Island

contribute generously to save a special and unique community.

One of our highly qualified independent lawyers is working for free, the other one at reduced

rate, but there are still associated costs which will all but bankrupt us. The Privy Council in

London in July will cost over NZ$100.000,- an astronomical sum for us, but the only way to

try to get justice for the island.

Essential justice and fairness have not been given to our men in the proceedings so far:

1. No jury trial, the defendants were not judged by their own peers, but by NZ judges

2. The defendants were accused and convicted according to a British law that had never been

promulgated on the island. The relevant Pitcairn ordinance, the only one the islanders knew,

was not applied.

3. The allegations from several Pitcairn women about police promising “compensation”

during interviews were not investigated by the courts.


4. There was no legal counsel available to Pitcairners till Legal Aid appointment in May 2002,

two years after the investigations started and the Pitcairn prosecutor was appointed, thus

giving lots of time for media speculation and bias to grow…

5. The Pitcairn justice and court system was created after allegations made and some even

after the decision to prosecute and lay charges.

If you want to see justice be done to all the Pitcairn men and women, please go to

www.pitcairner.com, and there make a contribution to our cause. The Justice for Pitcairn

Group at this site is working in our best interest, and is constituted by three prominint Norfolk

Island citizens with Pitcairn ties. To make a contribution, click on the name “The Justice for

Pitcairn Group”. That will take you to a screen which explains fully the function of the group,

and to the right you will see buttons for the use of either VISA or PayPal . You simply click

on the appropriate button and all the particulars needed will be spread before you.

Thank you for helping us in this hour of great need and despair. We believe justice and

fairness CAN prevail, but it cannot do so unless we continue to secure the services of our two

independent counsels, who are dedicated to providing justice for all, and making it possible to

be represented at the highest possible level in Privy Council.

Yours faithfully

Nadine Christian Clarice Oates

Olive Christian Yvonne Brown

Dobrey Christian Anette Boye Young

Julie Christian Kari Young

Tania Christian Vula Young

Irma Christian Nola Warren

Meralda Warren Carol Warren

Mavis Warren Darralyn Griffiths

Pauline Brown Charlene Warren


Sehr Damen und Herren,

mein Name ist Volker Steinbacher und ich möchte Sie um Mithilfe für ein Kunstprojekt

gewinnen.

Seit ca 5 Jahren werden im Rahmen des Kunstprojektes DER WEG DER STEINE auf der

ganzen Welt Steine (ca. 200 gr.) abgelegt. Jeder Stein hat ein aufgemaltes Auge.

Der "Steinbote" legt den Stein an einem Ort eigener Wahl ab, und dokumentiert dies mit zwei

Fotos und einem kurzen Text.

Steine des Projektes liegen in mehr als 160 Staaten dieser Erde, ein Stein reiste letztes Jahr

auf die Weltraumstation ISS, eine Reihe von Steinen wurden von Organisationen wie dem

Alfred-Wegener-Institut, verschiedenen Missionswerken und auch deutschen

Auslandsvertretungen abgelegt und dokumentiert.

Das Projekt kann unter www.wegdersteine.de


im Internet besucht werden.

Für Irak suche ich zur Zeit einen Boten.

Deshalb meine Frage:

Wären Sie oder einer Ihrer Mitarbeiter bereit, einen Stein per Post

anzunehmen , an einem Platz eigener Wahl abzulegen und dies kurz zu

dokumentieren?

Das Projekt ist natürlich vollkommen kostenfrei.

Ich würde mich freuen, wenn ich von Ihnen hören würde und verbleibe mit

freundlichen Grüßen

Volker Steinbacher

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Wir sind bereit Ihren Stein in Empfang zu

nehmen, einen Platz für ihn zu finden und Ihnen die Fotos zu schicken.

Bitten geben Sie Bescheid, wann und auf welchem Wege der Stein zu uns kommt.

Mit freundlichen Grüßen

N.N.

---------------------------------------------------------

Referent für Politik, Kultur und Presse

Deutsche Botschaft Bagdad


E-Mail:

Internet: www.bagdad.diplo.de

-------- Original-Nachricht --------

Betreff: [Fwd: Anfrage Kulturabteilung]

Datum: Tue, 12 Feb 2008 08:20:00 +0300

Von: .BAGD VW-101 N.N.>

Organisation: Auswaertiges Amt

An: N.N.

Volker Steinbacher schrieb am 16.02.2008 10:53 Uhr:

Sehr geehrter Herr N.N.,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre Zusage. Das Projekt DER WEG DER STEINE hat schon

viele Orte auf der Welt erreicht, der Irak ist natürlich ein sehr schwieriges Ziel. Deshalb bin

ich sehr froh, daß Sie sich zurückgemeldet haben.

Den Stein würde ich Ihnen gerne bald zukommen lassen. Nur: Wie mache ich das?

Ihn einfach als Brief mit der Adresse der Deutschen Botschaft in Bagdad in den Briefkasten

zu werfen...funktioniert das?

Oder gibt es einen internen Post-, Paket, Fracht- oder Kurierdienst des Auswärtigen Amtes, an

den ich den Stein schicken könnte?

Es verbleibt

mit freundlichen Grüßen

Volker Steinbacher

Absender: ".BAGD POL-1 N.N.

Empfänger: "Volker Steinbacher"

amt.de>

Datum: 16. Feb 2008 09:25

Betreff: Re: [Fwd: [Fwd: Anfrage Kulturabteilung]]

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

Sie können den Stein z.B. mit DHL schicken. Wenn Sie das Päckchen mit

"Deutsche Botschaft Bagdad, Kulturreferat, Al-Mansur, Bagdad, Irak"

adressieren, wird es ankommen. Bei DHL kann man Ihnen das auch

bestätigen. Geben Sie Bescheid, wenn das Päckchen auf dem Weg ist.

Freundliche Grüße

N.N.


Volker Steinbacher schrieb am 01.03.2008 20:33 Uhr:

Sehr geehrter N.N.,

ist der Stein inzwischen bei Ihnen angekommen?

Mit freundlichem Gruß

Volker Steinbacher

BAGD KU-10 N.N.:

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

bisher ist der Stein hier noch nicht eingegangen. Auf welchem Versandwege sollte er denn

kommen?

Mit freundlichen Grüssen

Im Auftrag

N.N.

Deutsche Botschaft Bagdad

Volker Steinbacher schrieb am 07.04.2008 15:03 Uhr:

Sehr geehrter Herr N.N.

der Stein ging als Maxibrief mit der Deutschen Post AG.

Er wurde am 18.2. aufgegeben.

Ich gehe inzwischen davon aus, daß die Sendung verloren gegangen ist.

Wäre es denn möglich, bei einem erneuten Versuch den Kurier- oder Frachtdienst des

Auswärtigen Amtes zu nutzen?

Oder einen anderen, internen Transportweg des Auswärtigen Amtes?

Vor einem halben Jahr ist auf diesem Wege ein Stein zur Deutschen Botschaft Moldau völlig

problemlos gelangt...

Mit freundlichen Grüßen

Volker Steinbacher


N.N. schrieb:

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

leider ist die Mitbenutzung des amtlichen Kurierweges in diesem Falle nicht möglich. Ich

hoffe Sie haben Verständnis dafür, aber in Bagdad gelten leider - noch - völlig andere Regeln

aufgrund der besonderen Situation im Land.

Aber Sie können den Stein doch sicherlich mit DHL versenden, wie es Ihnen bereits Herr

Huppertz vorgeschlagen hatte.

Unsere genaue Anschrift in Bagdad lautet:

German Embassy

Baghdad Hay Al-Mansour / Mahala 609 / Street 3 / House No. 53

DHL liefert hier mehrmals in der Woche Frachtsendungen für uns an.

Ich hoffe Ihnen mit diesen Angaben weitergeholfen zu haben und verbleibe

mit freundlichen Grüssen

Im Auftrag

N.N.

Deutsche Botschaft Bagdad

Volker Steinbacher schrieb am 07.05.2008 18:59 Uhr:

Sehr geehrter Herr N.N.,

vor vier Wochen habe ich noch einen Versuch gestartet, einen Stein des Kunstprojektes DER

WEG DER STEINE mit der DHL nach Bagdad zu schicken.

Ist er denn inzwischen angekommen?

Ansonsten würde ich einen Nachforschungsantrag bei der Post stellen.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Steinbacher

Absender: ".BAGD N.N: (Der Botschafter persönlich)

Empfänger: "Volker Steinbacher" ,

Datum: 08. Mai 2008 08:53


Betreff: Re: Stein

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

ich kenne das Projekt. Herr Reuter ist z.Zt. zur Erholung außer Landes.

Leider ist bisher hier nichts angekommen! The German Embassy in Bagdad

is not stoned yet -:) Spaß beiseite: da müßten Sie wohl nachforschen.

Hier ist es zwecklos..

Mit besten Grüßen

Ihr

N.N.

Botschafter

30.5.2008

---Ursprüngliche Nachricht---

From: ".N.N.

To: "Volker Steinbacher"

Subject: Re: Stein

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

das Päckchen mit dem Stein ist heute (!) hier eingegangen. Haben Sie

irgendwelche Wünsche, was das Foto mit dem Stein angeht (sofern zu

verwirklichen)?

Gruss,

N.N.

Deutsche Botschaft Bagdad

9.6. 2008

---Ursprüngliche Nachricht---

From: ".N.N.

To: "Volker Steinbacher"

Subject: Re: Stein

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

nachdem ich so gut wie nie ausserhalb der Botschaft unterwegs bin, hat

sich mein Kollege Andreas Krüger bereit erklärt, den Stein irgendwo

draussen zu platzieren. Ich selbst werde - so Gott will - in ca. einer

Woche Bagdad verlassen um dann Anfang August meinen Dienst in San

Salvador anzutreten. Dort gibt es ja schon einen Stein :) Aber

vielleicht kann ich Ihnen bei Honduras helfen. Ich werde öfter mal nach

Nicaragua fahren und der Weg führt durch Honduras...

Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg bei Ihrem Projekt!

Beste Grüsse aus Bagdad,

N.N. Deutsche Botschaft Bagdad


Anfang der weitergeleiteten E-Mail:

Von: Volker.Steinbacher@t-online.de

Datum: 17. Oktober 2005 07:52:00 MESZ

An: "gerald wingertszahn"

Betreff: Re: Kunstprojekt (fwd)

---Ursprüngliche Nachricht---

From: "N.N.>

To:

Subject: Re: Kunstprojekt

Sehr geehrter Herr Steinbacher

ich habe mir die Homepage Ihres Projektes angeschaut und frage mich nach

der Botschaft bzw. der Intention Ihres Projektes. Ich sehe leider wenig

Sinn darin, Steine in der Welt zu verteilen, insbesondere in Länder, wo

es ohnehin schon viele, wenn nicht zu viele Steine und zu wenig Bäume

bzw. Menschen gibt, die sich für eine 'Ent-steinung' dieser Gebiete

engagieren.

Daher kann ich Ihr Projekt leider nicht unterstützen.

Dennoch weiterhin viel Erfolg für Ihr Vorhaben.

N.N.


Verlängerung Genehmigung durch das Bundesumweltamt Dessau 2010

-------- Original-Nachricht --------

Betreff: Kunstprojekt "Der Weg der Steine", Genehmigung des UBA vom 04.11.2005

Datum: Tue, 20 Apr 2010 09:04:11 +0200

Von: X

An: volker.steinbacher@t-onlinede

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

mit Genehmigung vom 04.11.2005 hatten wir Ihnen die Genehmigung für die Durchführung des

Kunstprojektes "Der Weg der Steine" in der Antarktis erteilt. Die Genehmigung war bis zum

31.03.2010 befristet. Der Stein wurde an der Neumayer II-Station abgelegt und sollte dort bis zum

Abbau der Station - der nunmehr nahezu abgeschlossen ist - verbleiben.

Bitte teilen Sie uns mit, ob und wann der Stein aus der Antarktis entfernt worden ist.

Vielen Dank und viele Grüße

X

_____________________________________________________

Umweltbundesamt Federal Environment Agency/Germany

I 3.5: Schutz der Antarktis I 3.5: Protection of the Antarctic

Umweltbundesamt, Wörlitzer Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau

Postadresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau

Fon: +49-340-XXXX, Fax: +49-340-XXXX

E-Mail: XXX

www.umweltbundesamt.de/

_____________________________________________________

------- Original-Nachricht --------

Betreff: Re: Kunstprojekt DER WEG DER STEINE, Genehmigung des UBA vom

04.11.2005

Datum: Wed, 21 Apr 2010 13:04:33 +0200

Von: Y

An: Volker Steinbacher

CC: Z

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

der Stein befindet sich noch in der Bibliothek im Eis. Vor Beginn der nächsten Sommersaison

(also ab September) kann er auch nicht rücktransportiert werden. Bitte klären Sie doch mit

dem Umweltbundesamt, wie weiter verfahren werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Y


24.04.2010 11:21

Sehr geehrte Frau X,

wie ich Ihnen bereits telefonisch mitgeteilt habe, hat Herr Y vom Alfred-Wegener-Institut,

Bremerhaven bei der Stationsleitung von Neumeyer 3 nachgefragt und die Auskunft erhalten,

daß sich der Stein in der sogenannten "Bibliothek im Eis" befindet.

Hier noch einmal die Mail:

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

der Stein befindet sich noch in der Bibliothek im Eis. Vor Beginn der nächsten Sommersaison

(also ab September) kann er auch nicht rücktransportiert werden. Bitte klären Sie doch mit

dem Umweltbundesamt, wie weiter verfahren werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Y

Als Anlage erhalten Sie eine etwas ältere Aufnahme der Bibliothek, auf der der Stein am

Fensterrahmen zu erkennen ist. Ein weiteres Foto zeigt die Ankunft des Steines in der

Antarktis.

Wenn Sie einverstanden sind, telefonieren wir in dieser Sache nächste Woche noch einmal.

Ich möchte zu Bedenken geben, daß es um einen Naturstein von wenigen Zentimeter Größe

geht.

Das Kunstprojekt DER WEG DER STEINE ist vollkommen unkommerziell und wird von

den Initatoren aus eigenen Mitteln finanziert.

Um Unabhängigkeit zu gewährleisten, wurde auf Sponsoren verzichtet.

Weder die Initiatoren noch die Teilnnehmer ziehen aus dem Projekt irgendeinen finanziellen

Nutzen.

Viele Mitarbeiter deutscher Auslandsvertretungen, NGO´s und Entwicklungshilfeorganisatoren,

aber auch des Alfred-Wegener-Instituts und der ESA nehmen an diesem

Projekt teil, weil es sich ausdrücklich für Umweltschutz und interkulturellen Dialog einsetzt.

Mit freundlichen Grüßen

Volker Steinbacher


Am 27.04.2010 11:31, schrieb X:

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

vielen Dank für Ihre Email.

In unserem Telefonat letzte Woche hatten Sie mitgeteilt, dass Sie das Kunstprojekt gern weiterführen

möchten. Dagegen bestehen unsererseits grundsätzlich keine Bedenken. Wir waren so verblieben,

dass Sie einen Antrag hinsichtlich der Verlängerung der bereits erteilten Genehmigung vom

04.11.2005 bis zum geplanten Abbau der Neumayer-III-Station stellen.

Da die Genehmigung nur nach einem schriftlichen Antrag verlängert werden kann, bitten wir Sie noch,

uns einen entsprechenden Antrag - gern auch per Email - zu übersenden.

Für Rückfragen stehen wir selbstverständlich gern zur Verfügung.

Viele Grüße

im Auftrag

X

_____________________________________________________

Umweltbundesamt Federal Environment Agency/Germany

I 3.5: Schutz der Antarktis I 3.5: Protection of the Antarctic

Umweltbundesamt, Wörlitzer Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau

Postadresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau

Von: Volker Steinbacher [mailto:volker.steinbacher@t-online.de]

Gesendet: Dienstag, 27. April 2010 08:13

An: X

Betreff: Re: Kunstprojekt "Der Weg der Steine", Genehmigung des UBA vom 04.11.2005

Sehr geehrte Frau X,

an einer Verlängerung der Genehmigung für das Kunstprojekt DER WEG DER STEINE in

der Antarktis bin ich interessiert.

Ist die Verlängerung durch das Bundesumweltamt mit Kosten verbunden?

Wenn ja, in welcher Höhe?

Mit freundlichen Grüßen

Volker Steinbacher


Fon: +49-340-XXXX, Fax: +49-340-XXXX

www.umweltbundesamt.de/

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

vielen Dank für Ihre Mitteilung, dass Sie weiterhin an dem Kunstprojekt „Der Weg der

Steine“ interessiert sind.

Damit das Projekt fortgeführt werden kann, ist eine neue Genehmigung erforderlich.

Diese würden wir – so Sie einen Antrag stellen – bis zum Abbau der Neumayer-III-

Station (in ca. 25 Jahren) erteilen, d. h. der Stein kann weiterhin in der Bibliothek im

Eis verbleiben, ohne dass weitere Maßnahmen durch Sie notwendig werden. Für

diese Verlängerung der Genehmigung würden wir Kosten in Höhe von 50,- € erheben.

Viele Grüße

X

27.4.2010

Sehr geehrte Frau X,

gut, machen wir das so.

Hiermit beantrage ich, wie besprochen eine Genehmigung zur Verlängerung des Verbleibs

des AugenSteines des Kunstprojektes Welt-Auge - Der Weg der Steine in der Antarktisstation

Neumeyer III, beziehungsweise in der Bibliothek im Eis, bis zum Abbau der Station in ca. 25

Jahren.

Es verbleibt mit freundlichen Grüßen

Volker Steinbacher


10.5.2010

Sehr geehrte Frau X,

haben Sie herzlichen Dank für die rasche Bearbeitung meines Antrags.

Nach der Lektüre des Genehmigungsbescheides vom 7. Mai 2010, Geschäftszeichen 13.5.-

94004-4/5 stellen sich mir noch folgende Fragen zur Durchführung:

1. In welcher Form soll die Rückführung des Steines bis spätestens 31.12. 2033 bei Ihnen

gemeldet werden?

Genügt ein einfaches Schreiben meinerseits, oder bedarf es einer Bestätigung seitens des

Alfred-Wegener-Institutes oder einer anderen amtlichen Bestätigung?

2. Da der Genehmigungszeitraum mit 25 Jahren erheblich ist, der Stein recht klein und sich in

mir praktisch vollkommen unzugänglichen Region der Erde befindet und ich somit keinen

Zugriff auf ihn habe, stellt sich mir die Frage, was eigentlich passiert, wenn der Stein

abhanden kommt, also verloren geht, nicht mehr auffindbar ist oder entwendet wird?

Soll ich den Verlust des Steines dann bei der Polizei anzeigen?

Können dann Bußgelder o.ä. wegen Verstoßes gegen das AUG auf mich oder meine Erben

zukommen?

Es verbleibt

mit freundlichen Grüßen

Volker Steinbacher

-------- Original-Nachricht --------

Betreff: AW: Genehmigung Kunstprojekt DER WEG DER STEINE

Datum: Tue, 11 May 2010 11:53:25 +0200

Von: X

An: Volker Steinbacher

CC:

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

gern beantworten wir Ihre Fragen in Ihrer Email vom 10.05.2010:

Zu 1.) Sofern bei Abbau der Neumayer-Station der Stein tatsächlich noch

vorhanden ist und mit den abgebauten Materialien zurückgeführt wird, können

Sie uns dies in einem einfachen Schreiben kurz mitteilen. Eine Bestätigung

des AWI oder ein sonstige amtliche Bestätigung benötigen wir nicht.

Zu 2.) Aufgrund der Größe und Beschaffenheit des Steins hätte es keine

negativen Umweltauswirkungen, wenn der Stein in der Antarktis verloren

gehen würde. Mit einem Bußgeld wegen Verstoß gegen das AUG müssen weder Sie

noch Ihre Erben rechnen.


Ob Sie den Verlust des Steins melden wollen, bleibt Ihnen überlassen -

verpflichtet sind Sie dazu nicht.

Viele Grüße

Im Auftrag

X

_____________________________________________________

Umweltbundesamt Federal Environment Agency/Germany

I 3.5: Schutz der Antarktis I 3.5: Protection of the Antarctic

Umweltbundesamt, Wörlitzer Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau

Postadresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau

Sehr geehrter Herr Y,

so, für den Stein vom Kunstprojekt Welt Auge- Der Weg der Steine habe ich eine

Verlängerung der Genehmigung erreicht.

Immerhin bis 31.12.2033 !

Außerdem habe ich mich erkundigt, was denn nun passiert, wenn der Stein 2033 nicht mehr

aufzufinden ist.

Frau X vom Umweltbundesamt schreibt dazu:

Sehr geehrter Herr Steinbacher,

gern beantworten wir Ihre Fragen in Ihrer Email vom 10.05.2010:

Zu 1.) Sofern bei Abbau der Neumayer-Station der Stein tatsächlich noch

vorhanden ist und mit den abgebauten Materialien zurückgeführt wird, können

Sie uns dies in einem einfachen Schreiben kurz mitteilen. Eine Bestätigung

des AWI oder ein sonstige amtliche Bestätigung benötigen wir nicht.

Zu 2.) Aufgrund der Größe und Beschaffenheit des Steins hätte es keine

negativen Umweltauswirkungen, wenn der Stein in der Antarktis verloren

gehen würde. Mit einem Bußgeld wegen Verstoß gegen das AUG müssen weder Sie

noch Ihre Erben rechnen.

Ob Sie den Verlust des Steins melden wollen, bleibt Ihnen überlassen -

verpflichtet sind Sie dazu nicht.

Viele Grüße

Im Auftrag

X

_____________________________________________________

Umweltbundesamt Federal Environment Agency/Germany

I 3.5: Schutz der Antarktis I 3.5: Protection of the Antarctic

Umweltbundesamt, Wörlitzer Platz 1, 06844 Dessau-Roßlau

Postadresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau

_____________________________________________________


Ich denke, wenn Sie einverstanden sind, können wir den Stein in der

Bibliothek ruhen lassen. Wenn er die ganzen Jahre über dort bleibt und aus

dem Fenster guckt, ist das für das Projekt eine schöne Sache. Wenn er

verschwindet, passiert auch nichts.

Vielen Dank, daß Sie bereit waren, sich mit dieser Sache zu beschäftigen...

Es grüßt herzlich

nach Bremerhaven und die Antarktis

Volker Steinbacher


� -----Original Message-----

> From: Volker Steinbacher [mailto:volker.steinbacher@t-online.de]

> Sent: Saturday, January 24, 2009 1:45 PM

> To: N.N.

> Subject: DER WEG DER STEINE Internet

>

> Hallo Frau : N.N.

>

> Ihr Beitrag ist "drin".

> Vielen Dank nochmal.

>

> Beste Grüße

>

> Volker Steinbacher

__________

": N.N." schrieb:

> Hallo Herr Steinbach,

>

> Danke für die Rückmeldung. Als Autorin, die namentlich auf der Seite zu

> finden ist, muss ich einen raschen Einspruch anmelden:

> - die Bezeichnung "umstritten" bitte ich zu löschen, keinesfalls ist der

> Begriff "Kosovo" umstritten. Dies gilt bestenfalls für die Frage der

> internationalen Anerkennung. Hier ist für mich verbindlich, dass meine

> Regierung die Republik Kosovo anerkannt hat. Dieses bitte ich,

> keinesfalls in Frage zu stellen, ansonsten müsste ich darauf bestehen,

> meine Person namentlich nicht mit Ihrem Vorhaben - welches mir als Idee

> durchaus sehr sympathisch ist und mich motivierte, einen kleinen Beitrag

> zu seiner Vervollständigung zu leisten - in Verbindung zu bringen.

>

> Noch eine weitere Bitte: auch im Eigennamen Prishtinas bitte ich auf

> einheitliche Schreibweise zu achten. Ich verwende die englische

> Transkription im Text, Ihre unten aufgeführte Schreibweise entspricht

> der serbischen Transkription.

>

> Mit freundlichen Grüßen,

> : N.N.

__________

Liebe Frau : N.N.

ja, Kosovo ist natürlich eine heikle Sache.

Die obere Zeile des Protokolle zeigt den Staat, die Kolonie, Besitzung etc. an.


Ein Blick bei Wikipedia zeigt folgendes Bild:

Von den 192 Staaten der UN haben 54 Staaten Kosovo anerkannt. In der EU ist die Haltung

uneinheitlich, z.B. haben Spanien, Ungarn, Rumänien, Zypern und Griechenland Kosovo

nicht anerkannt. Weder China, Rußland, Brasilien, Argentinien noch Indien haben Kosovo

anerkannt. Im Wesentlichen wurde das Kosovo von den Staaten anerkannt, die vor zehn

Jahren den Krieg gegen Jugoslawien führten.

Der WEG DER STEINE hat eine Staatenliste und nachfolgend eine Definition, was als Staat

geführt wird:

Ein Staat muß dafür UN-Mitglied sein oder von der Mehrheit der Staaten anerkannt worden

sein. Das ist beim Kosovo nicht der Fall. Auch hat es keinen Sitz bei der UN.

Deshalb ist der Status des Kosovos definitiv "umstritten".

Das betrifft aber auch andere "de-facto" Regime wie Südossetien, Transnistrien, Berg

Karabach und Somaliland.

Das kann ich also nicht ändern, das ist die Sachlage.

Ich kann natürlich gerne Ihren Beitrag jederzeit wieder aus der website herausnehmen, kein

Problem. Schade fände ich das natürlich schon.

Was die Schreibweise von Pristina angeht: Der WEG DER STEINE verwendet generell

deutsche Ortsbezeichnungen, keine englische. Wenn Sie möchten, kann ich gerne das

Dächelchen vom š nehmen.

Priština ist übrigens nicht die serbische Schreibweise, denn die ist kyrillisch Приштина.

Beste Grüße

Volker Steinbacher

__________


": N.N." schrieb:

Lieber Herr Steinbacher,

vielen Dank für Ihre Antwort. Es hat mich motiviert, mir Ihre Seite noch einmal genauer anzuschauen.

Dort findet sich als Kriterium auch:

Nennung auf der Liste des Deutschen Auswärtigen Amtes

Hierzu habe ich recherchiert:

http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-

Laender/DeutscheAVen/Kosovo/DeutscheVertretungen.html

und sehe damit dieses Kriterium als gewährleistet.

Mit der Schreibweise der Hauptstadt würde ich mich ebenfalls am AA orientieren und dann einheitlich

"Pristina" vorschlagen.

Mit besten Grüßen,

: N.N.

__________

Liebe Frau :N.N.,

ja, bei der Staatenliste sind Kriterien aufgeführt.

Es steht da:

² Als Staat wird definiert:

Eigenes Staatsvolk, eigenes Territorium (souverän oder

besetzt) und eigene Staatsorgane

und

Mitglied bzw. Vertretung bei den Vereinten Nationen

und/oder

Nennung auf der Liste des Deutschen Auswärtigen Amtes


und

Annerkennung durch die Mehrzahl der anerkannten Staaten.

Also, da ist ein "und" zwischen den letzten beiden Kriterien.

Wenn das Kosovo von mehr als 96 Staaten anerkannt ist, wird es

auch als Staat geführt.

Bei den Vereinten Nationen, die der eigentlichen Maßstab

meines Projektes sind, wird übrigens das Kosovo weiterhin als

Teil Serbiens geführt. Das aufgrund der Resolution 1244 der

UN-Vollversammlung.

Das Projekt DER WEG DER STEINE versucht Menschen

unterschiedlicher Ethien, Kulturen usw. zu Wort kommen zu

lassen. Jeder kann seine Sicht der Dinge frei im dafür

vorgesehenen TextBildfeld äußern. Aus der Sicht der

Projektidee geht es nicht um deutsche Sichtweisen oder

deutsche Belange und Interessen. Und auch nicht um Interessen

anderer Länder. Wichtig für die internationale Verständigung

ist aber auch, daß Konflikte klar benannt werden. Das

Konfliktpotential der kosovarischen Unabhängigkeitserklärung

ist so groß, daß es sogar in Konflikten im Kaukasus (zumindest

argumentativ) sichtbar wird.

Wir kennen uns nicht und ich weiß auch nicht, was Sie

beruflich und privat im Kosovo tun. Vielleicht sind Sie ein

Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland oder

repräsentieren auf andere Weise deutsche Positionen. Oder Sie

sehen die Problematik einfach ganz anders. Dann könnte ich gut

verstehen, daß Sie mit der Regelung "Kosovo (umstritten)"

nicht leben können.

Aus den dargelegten Gründen kann ich die Regeln des Projektes

aber nicht ändern. (Gerne schreibe ich aber Pristina ohne

Dächelchen.)

Deshalb mein freundlicher Vorschlag:

Wenn Sie möchten, nehme ich Ihren Beitrag einfach wieder

heraus und wir beenden unsere Zusammenarbeit ohne Ärger.

Wichtig ist ja eine faire Lösung, mit der wir beide gut

umgehen können.

Es verbleibt

mit besten Grüßen

Volker Steinbacher


____________

Lieber Herr Steinbacher,

ich danke Ihnen für Ihre freundliche Mail, die ich hinsichtlich der Aussage teile, dass aus den

unterschiedlichen Sichtweisen kein Grund für persönliche Zwistigkeiten entstehen sollte.

Ihre Position ist nachvollziehbar. Sie ist für mich jedoch nicht teilbar, da ich in Kosovo lebe und sagen

kann, dass endlich - nachdem der Status jahrelang umstritten war - mit der Anerkennung der

Unabhängigkeit der Republik Kosovo durch die Bundesrepublik Deutschland eine Klärung erfolgte.

Warum die Situation in den Vereinten Nationen und speziell im Sicherheitsrat so ist, wie von Ihnen

geschildert, wissen Sie sicherlich genauso gut wie ich.

Daher stimme ich Ihrem Vorschlag zu und bitte Sie meinen Beitrag herauszunehmen.

Für Ihr engagiertes Projekt wünsche ich Ihnen gleichwohl viel Erfolg und falls es Veränderungen in

der Statusfrage geben sollte, würde ich mich über einen erneuten Kontakt sehr freuen.

Mit besten Grüßen,

N.N.

__________

Liebe Frau N.N.,

gut, den webmaster werde ich heute informieren, daß er Ihren

Beitrag wieder herausnehmen soll.

Unseren Dialog empfand ich übrigens sehr konstruktiv und

möchte mich nochmal für Ihre Mühe ganz herzlich bedanken.

Auf alle Fälle nehme ich Sie in den Verteiler vom WEG DER

STEINE auf. So werden Sie künftig über den weiteren Verlauf

des Projektes informiert.

Beste Grüße

nach Pristina

Volker Steinbacher


Erster Hinweis, daß ein Augenstein zur Internationalen Weltraumstation

reiste

Space History News, Dezember 2006


collectSPACE - news - "Shuttle lifts-off with 7 crew, 6000 mementos"

86.

87.

a.

b. 200 FPMU Decals

c.

d.

e. 48 Engineering Support

Contract Patches

f. 100 FIT Placards

g. 50 POEMS Placards

h. 45 Space Life Sciences Lab

Patches

i. 49 ISS Research and

Technology Patches

a. 100 STS-121 Crew Patches

b.

c. 15 SEM Satchel Placards

89. 100 Italian-ALTEC Pennants

90.

91.

92.

a. 200 LMC Decals

b. 50 LMC Patches

c. 50 LMC Pins

a. 100 DTO 849 Pins

b. 50 DTO 851 Patches

c. 30 DTO 851 Patches

d. 200 DTO 848 Decals

e. 2 RCC Repair Decals/1

Pennant

f. 200 DTO 848 Patches

a. 250 Decals

b. 150 Patches

93. 300 Sheets SSP Bookmarks

JSC ISS Payloads

Customer Presentation

SPACEHAB

Presentation

Italian Space Agency

(ASI) Presentation

Goddard Space Flight

Center LMC

Presentation

Customer DTO

Presentation

Wireless Instrumentation

System Presentation

Space Shuttle Program

Presentation

94. 50 MAUI Patches DoD Presentation Items

95. 1 Dominican Republic Flag Agency Presentation

STS-121 OFK Addendum: Expedition 13 Crewmember Thomas

Reiter (Up on STS-121 — Over to ISS — Down on STS or Soyuz)

Expedition 13 — ISS Official Flight Kit (OFK)

1. Flag

2.

Rock

City of Neu Isenburg,

Germany

Der Weg Der Steine

Project (The Journey of

the Rock), Neu Isenburg,

Germany

3. Patch Astrolab - ESA

4. Patch

5. Patch

6. Flag

http://www.collectspace.com/news/news-070406a.html (9 von 10)16.06.2007 12:23:05

European Astronaut

Centre

European Space Agency

(ESA)

ESA - DLR (German

Space Agency)

7. Flag European Union


Artikel Wikipedia und Löschantrag


Welt Auge – Der Weg der Steine 1

Welt Auge – Der Weg der Steine

Welt Auge – Der Weg der Steine ist ein von dem Frankfurter

Künstler Volker Steinbacher und dem Webdesigner Gerald

Wingertszahn initiiertes, intermediales Kunstprojekt.

Seit dem Frühjahr 2003 werden Steine auf der ganzen Welt abgelegt,

die mit einem Auge aus Tusche bemalt sind. Die Position jedes Steines

und die Umgebung wird mit Text und Bild protokolliert und im

Internet zugänglich gemacht. Die teilnehmenden Personen (meist

Touristen, Wissenschaftler, Geschäftsleute und Entwicklungshelfer)

AugenSteine

bestimmen selbst den Ort der Steinablage. Teilnehmen kann jeder, sofern er ein Land bereist, in dem noch kein Stein

liegt. Jeder Teilnehmer verbürgt sich mit seinem Namen dafür, dass er den Stein wirklich an dem angegebenen Ort

abgelegt hat.

Alle Steine stammen aus dem südfranzösischen Bergdorf Mirabel/Ardèche. In der Regel verschwindet die Bemalung

nach dem ersten Regen. Der Stein bleibt, ist aber nicht mehr zu identifizieren.

Das Projekt strebt an, in allen Staaten der Welt (194), sowie in Kolonien, Treuhandgebieten und Territorien mit

strittigem Status, als auch in internationalen Gebieten Steine abzulegen. Sie wurden bereits in mehr als 189 Staaten

verteilt (Stand Januar 2010), so unter anderem an Meeren, Brücken und Bäumen, Denkmälern, an Orten

menschlichen Terrors, ökologischer Katastrophen und an Kriegsschauplätzen. Sie liegen auch an Urlaubsstränden, in

Restaurants und im heimischen Wohnzimmer. Zwei Steine befinden sich in Forschungsstationen der Arktis und

Antarktis (Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung). Ein Stein reiste 2006 auf die Internationale

Raumstation ISS.

Welt Auge – Der Weg der Steine beabsichtigt nicht, ein ausgewogenes, repräsentatives Bild der Welt zu zeigen,

sondern sucht den willkürlichen und zufälligen Ausschnitt des Zeitgeschehens.

Publikationen

• Der Weg der Steine, 2005, Kulturamt der Stadt Neu-Isenburg

• Der Weg der Steine, 2006, Kunstarchiv Darmstadt

Weblinks

Welt Auge – Der Weg der Steine [1]

• faz.net – Der Fels im Gepäck des Astronauten [2]

• Atka Express 1/07 [3]

• Spitzbergener Zeitung 3/06 [4]


Welt Auge – Der Weg der Steine 2

Referenzen

[1] http:/ / www. wegdersteine. de

[2] http:/ / www. faz. net/ s/ Rub8D05117E1AC946F5BB438374CCC294CC/

Doc~E6B732B6FAA2345E8AAA12BA1233DBCBA~ATpl~Ecommon~Scontent. html

[3] http:/ / www. awi. de/ fileadmin/ user_upload/ Infrastructure/ Stations/ Neumayer_Station/ Station_News/ AtkaXpress/ 2007/

ATKAXPRESS_07_01. pdf

[4] http:/ / www. awi. de/ fileadmin/ user_upload/ Infrastructure/ Stations/ AWIPEV_Base/ Spitze/ sz-2006-3. pdf


Bei der QS kam nicht wirklich etwas zustande, Relevanz ist seehr fraglich. m.E. auch

schnelllöschbar. --V·R·S ( | ) 18:37, 27. Jul. 2008 (CEST)

Contra Löschung: 1. Wurde der Text bearbeitet und alle "feuilletonistische" Elemente

entfernt. 2. Handelt es sich bei WeltAuge um ein Kunstprojekt, das sowohl in seiner

Konzeption als Realisierung ausgesprochen vielschichtig ist. Gerade die Realisierung

zeigt ein großes, allgemeines Interesse sowohl von Privatpersonen als auch

Institutionen. Deshalb keine Löschung. (-- Wolgafischer 20:14, 27. Jul. 2008

(CEST))

• Relevanz nicht ersichtlich. Halt irgendein Kunstprojekt - wenn ich dran denke wofür

Steuergelder so alles verschwendet werden, dann wirds mir speiübel. Löschen.

Weissbier 20:15, 27. Jul. 2008 (CEST)

Wo steht was von Steuergeldern? --88.117.81.6 22:47, 27. Jul. 2008 (CEST)

Es scheint, als haben sich die Löschungsbefürworter das Projekt nicht einmal

angesehen. Das ist ein schlechter Stil. Es wäre ein leichtes gewesen, festzustellen,

daß dieses Projekt kostenfrei funktioniert. Ohne Steuergelder. Sie sollten sich schon

die Mühe machen, den Löschungsantrag zu begründen. Gutes Projekt, deshalb nicht

löschen(-- 79.220.215.43 10:49, 28. Jul. 2008 (CEST)


Also ich bin doch was den Stil dieser Diskussion angeht mehr als unangenehm

überrascht. Wikipedia gilt soweit ich weiß inzwischen als Standardnachschlagewerk

und dies ist nicht zu letzt der akribischen Kleinarbeit vieler engagierter Leute zu

verdanken...und dann ein derart ideologisiertes Diskussionsniveau?? Allen voran

zeichnet sich dies durch die wirklich unpassenden Ressentiments die uns hier von

Weissbier präsentiert werden aus und das Ganze wird selbstredend ergänzt durch

den wirklich nicht nachvollziehbaren Löschanspruch eines V.R.S.. Das Kunstprojekt

ist mehr als außergewöhnlich! Es haben sich eine Vielzahl von Menschen auch in

Vertretung für hochrangige Organisationen oder Institutionen an diesem wirklich

globalen Projekt beteiligt, um wirklich weit entfernte Orte zu erreichen...man sollte

an dieser Stelle noch einmal an die Ablage am Südpol erinnern oder die Reise eines

Steins in den Weltall durch die Mitnahme durch den Astronauten Thomas Reiter. Das

Projekt ist medial beachtet, aber keine Geldmache. Es ist keine Spinnerei, sondern

eine wie ich denke unglaubliche Organisationsarbeit und vor allem ist es Kunst!

Warum also löschen? (-- Kunstallergie 18:24, 3. Aug. 2008 (CEST))

Kunst bzw. relevant ist, was in der Zeitung steht, gem. Definition nach --Superbass 23:45, 3. Aug.

2008 (CEST)

(Entscheidung erfolgte trotz, nicht wegen der hier aufgetretenen Stimmsocken)


Liebe Freunde vom Weg der Steine,

am 16.3.2003 begann eine große Reise mit kleinen Steinen.

Jeder Stein hatte ein aufgemaltes Tuscheauge und sollte einen bestimmten Platz auf

unserem Planeten bekommen:

In jedem Land der Erde.

Menschen aus vielen Ländern haben teilgenommen, indem sie Steine abgelegt und

dokumentiert haben, andere haben Verbindungen und Kontakte geknüpft, die das

Projekt beförderten.

Am 10.12.2010 erreichte ein Stein Malabo in Äquatorialguinea und damit das letzte

Land auf unserer langen Liste.

Das Ziel des Projektes war erreicht.

Als am 9.7.2011 der Südsudan als Vollmitglied bei den Vereinten Nationen aufgenommen

wurde, haben wir erneut einen Stein auf Reisen geschickt.

Mit der Ankunft des Steines in Juba, der Hauptstadt des Südsudan, am 12.11. 2011

endet nun unser Projekt.

Wir danken auf diesem Wege allen Menschen, die mitgemacht und geholfen haben!

Volker Steinbacher und Gerald Wingertszahn


Impressum:

© 2011

Volker Steinbacher

und Gerald Wingertszahn

Frankfurt/Main

Urheberrechte für Wort und Bild

bei den Autoren

Herausgeber:

Volker Steinbacher

Musikantenweg 16

60316 Frankfurt/Main

volker.steinbacher@t-online.de

www.wegdersteine.de

www.der-weg-der-steine.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine