Reportage: Zwischen Tradition und Aufbruch - CARITAS - Schweiz

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Reportage: Zwischen Tradition und Aufbruch - CARITAS - Schweiz

Nr.1/März 2010

Menschen

Wir helfen

«Heiraten kommt nicht zuerst.»

Senada (16) will sich im Kosovo als Anwältin für Roma einsetzen.


ZWISCHEN TRADITION

UND AUFBRUCH

Caritas Schweiz setzt sich im Kosovo gezielt für die Integration

der Roma in die Gesellschaft ein. Die Resultate dieser Arbeit sind

erstaunlich: Die junge Generation von heute erhält Chancen,

die ihren Eltern noch versagt blieben, wie die Begegnung mit

der 16-jährigen Senada und ihrer Familie zeigt.


Der «grüne Garten» Malis ist

wegen Übernutzung bedroht.


Reportage: Roma im Kosovo

Text: Stefan Gribi

Bilder: Andreas Schwaiger

«Was ist das?», fragt der Biologielehrer und

hält ein Plastikteil in die Höhe, das er soeben

aus einer Kiste hervorgekramt hat.

Gelächter in der Klasse. Die Hände der

Mädchen in den vorderen Reihen schnellen

in die Höhe, während sich die Jungs in den

hinteren Reihen zurückhalten. «Senada?»,

sagt der Lehrer. Das Mädchen mit den langen

dunkeln Haaren steht auf und gibt die

richtige Antwort: eine Lunge.

Senada ist die älteste Tochter einer

Roma-Familie, die im Quartier «Jeta e Re»

in Prizren, der zweitgrössten Stadt des Kosovo,

zuhause ist. Alles sieht an diesem

Herbstmorgen nach Normalität aus in dieser

Schulstube. Doch diese Normalität ist

Ausdruck einer grossen Umwälzung. Senada

sagt, dass sie gerne Anwältin werden

möchte, weil sie sich für die Anliegen benachteiligter

Menschen einsetzen will. Dieser

Berufswunsch eines Roma-Mädchens

wäre vor wenigen Jahren noch völlig utopisch

gewesen. Zwar ist auch heute damit

zu rechnen, dass Senada aufgrund ihrer Zugehörigkeit

zu einer Minderheit Hindernisse

überwinden muss. Sie wird mit Misstrauen,

Vorurteilen bis hin zu Ressentiments konfrontiert

sein. Dass ihr Berufswunsch dennoch

eine reale Option ist, macht eine tiefgreifende

gesellschaftliche Veränderung

erkennbar.

Volk ohne Land

Um mehr darüber zu erfahren, sprechen wir

mit Osman Osmani. Er sitzt an einem der

vier Arbeitsplätze in einem fünf auf fünf

Meter grossen Büro mitten in Prizren.

Durch die Glastür, die bei jedem Öffnen aus

den Fassungen zu brechen droht, ist der Gemüsemarkt

zu sehen. Das bescheidene Büro

ist der Hauptsitz der Roma-NGO Initiative

6, die Osman Osmani leitet. Er zitiert aus

Ergebnissen von Erhebungen, die er gemacht

hat: «Im Jahr 2003 schlossen erst ein

Viertel aller Kinder aus unserer Gemeinschaft

die Grundschule ab. Heute sind es

über 80 Prozent.» Mit «unsere Gemein-

8 Caritas «Menschen» 1/10

Bild: Nach der 9. Klasse will Senada die

Mittelschule besuchen.

schaft» meint er die sogenannten RAE. Die

drei Buchstaben stehen für Roma, Ashkali

und Egyptians, drei Gruppen mit unterschiedlichem

Selbstverständnis und kultu-

Prizren war einer der ersten Orte, wo sich die aus Indien

kommenden Roma in Europa niederliessen.

rellen Eigenheiten, die aber alle der Volksgruppe

der Roma angehören, zu der in

Europa 8 bis 12 Millionen Menschen zählen

(siehe Kasten Seite 11). Prizren war einer

der ersten Orte, wo sich die aus Indien

kommenden Roma in Europa niederliessen.

Das belegt eine urkundliche Erwähnung aus

dem Jahr 1348. Sie sind bis heute ein Volk

ohne Land. «Über Jahrhunderte wurden

Roma in minimale Lebensstandards gedrängt

und diskriminiert», sagt Osman Osmani.

Das sozialistische Jugoslawien hat

dies vorübergehend überdeckt, weil viele

Arbeitsplätze in staatlichen Industriebetrieben

bestanden. Die politische Transition

legte aber den nach wie vor prekären Bildungsstand

der RAE wieder offen. Mehr

noch: «Unsere Leute hatten keinerlei Wissen

darüber, wie sie im freien Markt bestehen

können», sagt Osman Osmani. Der

Rückgriff auf Traditionen lag nahe. Eine

davon sieht vor, dass Mädchen nur solange

zu Schule gehen, bis die Pubertät beginnt.

Dann bleiben sie bis zur Hochzeit zuhause.

Doch nicht nur die Roma-Familien selbst

waren für Schulabbrüche verantwortlich.

Immer wieder wurden Kinder aus der Schule

nach Hause geschickt, weil sie schmutzige

Schuhe und Kleider trugen. Dass der

Schmutz vor allem auf desolate Wohnverhältnisse

und sumpfige Quartierstrassen

zurückzuführen war, sei oft gar nicht zur

Kenntnis genommen worden, erzählt Osmani.

Zwei Zimmer für sechs Personen

Senada und ihre Geschwister Hamide (15),

Eroll (13) und Benjamin (10) können ihren

Schulweg heute mit sauberen Schuhen

zurücklegen, seit im Quartier die Strassen

in einem Infrastrukturprojekt der Caritas

Kosovo

Montenegro

Albanien

Gjakova

Mitrovica

Prizren

Priština

Serbien

Mazedonien


Bild: Die vier Geschwister unterwegs auf

dem Schulweg.

Schweiz mit einer festen Pflästerung versehen

wurden. Es ist Mittag, die Kinder bereiten

das Mittagessen vor, während die Mutter

noch unterwegs ist von der Arbeit. Im

Wohnzimmer stellen sie einen runden Tisch

auf, um den sich die Familie für die Mahlzeit

auf den Boden setzt. Der gleiche Raum

ist zudem das Schlafzimmer für vier der

sechs Familienmitglieder, zwei weitere

schlafen in der Küche, mehr Zimmer gibt es

nicht. Es sind enge Platzverhältnisse, aber

die Wohnung wirkt dennoch behaglich und

ordentlich. Vom prominent platzierten

Computer mit Flachbildschirm werden emsig

E-Mails verschickt, unter anderem an

Verwandte in Albanien, Frankreich und Dänemark.

Der relative Wohlstand ist der Tatsache

zu verdanken, dass beide Eltern Arbeit

haben. Die Mutter arbeitet in der

«Für mich ist es wichtig, dass wir unseren Töchtern so viel

Unterstützung wie möglich geben.»

Schule, welche die Kinder besuchen. Die

Frage, ob sie Lehrerin sei, klingt in den Ohren

der Kinder lustig. Nein, ihre Mutter

Bild: Die Eltern beschränken den Wirkungskreis

ihrer Töchter nicht auf Haus und Küche.

«Menschen» 1/10 Caritas 9


Reportage: Roma im Kosovo

hatte noch nicht die Chancen, die sie selbst

bekommen. Sie ist Raumpflegerin und daneben

zuständig für die Betätigung der

Schulklingel.

Vater Talat kommt heute nicht nach

Hause. Der 38-Jährige betreibt einen Holzhandel

auf einem kleinen Grundstück am

alten Trassee der still gelegten Eisenbahnlinie,

die Prizren früher mit der jugoslawischen

Hauptstadt Belgrad verband. Das

Holz wird aus den Bergen geliefert. Talat

zerkleinert es auf einer gefährlich wirkenden,

benzinbetriebenen Kreissäge und liefert

es dann an die Kunden aus. 40 Euro, offizielle

Währung des noch jungen Staates, kann

er für den Ster verlangen, in kalten Zeiten

bis zu 50. Es ist ein unsicheres Geschäft.

Während er im Herbst bis tief in die Nacht

arbeitet, steht im Frühjahr und Sommer die

Sägescheibe meistens still. «Für mich ist es

wichtig, dass wir unseren Töchtern so viel

Unterstützung wie möglich geben. Ich will

nicht, dass meine Kinder einmal so schlecht

leben müssen wie wir jetzt», sagt er, während

er ein neues Holzstück auf der Säge

bereitlegt.

Im Quartierzentrum spielt sich das

Leben ab

Die Kinder erwartet der schulfreie Nachmittag

mit einem gedrängten Programm.

Wohin sie denn gehen? «Ins Quartierzentrum»,

sagen die beiden Mädchen aus einem

SEE THE WORLD THROUGH MY EYES

Wie sehen junge

Roma ihre Welt? Um

das zu zeigen, rüstete

die Roma-NGO

Durmish Aslano 20

Jugendliche mit Fotoapparaten

aus und

schickte sie los, zu

fotografieren, was

für ihre Lebenswelt wichtig und typisch ist.

Das Projekt war ein voller Erfolg: «Wir

konnten sehen, wie glücklich und stolz die Jugendlichen

waren, als sie von ihrer Reportage-

Arbeit zurückkamen», erzählt Bayram Galush

von Durmish Aslano. 250 der entstandenen

Bilder wurden im Quartierzentrum in «Jeta e

Re» ausgestellt. Sehr bewährt hat sich auch,

dass neben Roma auch albanische Jugend-

10 Caritas «Menschen» 1/10

liche die Gelegenheit erhielten, mitzumachen.

Es entstanden freundschaftliche Banden, die

bis heute anhalten.

Die Idee zu diesem Projekt hatte ein Jugendlicher

selbst. Der 20-jährige Edis Galushi

hat soeben ein Englischstudium an der Universität

angefangen und nimmt regelmässig

an internationalen Treffen junger Roma teil. Er

setzt sich neben dem Fotoprojekt auch mit anderen

Projekten für die Integration von jugendlichen

Roma ein und zeigt ihnen zum Beispiel,

wie bei der öffentlichen Verwaltung eine Geburtsurkunde

für ein Kind ausgestellt wird.

Bilder aus dem Fotoprojekt «See the world

through my eyes» sind zu sehen auf:

www.caritas.ch/roma-fotoprojekt

Bild: Vater Talat verkauft Brennholz. Seinen

Kindern wünscht er eine bessere Zukunft.

Munde und die Jungs nicken bestätigend.

Nachhilfeunterricht in Mathematik klingt

nicht gerade nach dem Wunschtraum von

Jugendlichen, dennoch sind Tatendrang und

Vorfreude unübersehbar. Das Quartierzentrum

ist im Quartier «Jeta e Re» der Gravitationspunkt,

seit es vor einem Jahr durch

die Initiative 6 mit Unterstützung der Caritas

Schweiz eröffnet worden ist. Denn es

bietet eine ganze Palette von Chancen (siehe

dazu Kasten links).

Das Quartierzentrum ist ein freistehendes

Einfamilienhaus. Der Besitzer, der im

Ausland lebt, hat es der Gemeinschaft für

zehn Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt.

Arbeiter sind daran, der Fassade den letzten

Anstrich zu geben. Im Eingang liegen Dut-


zende von Schuhen, von drinnen ist Stimmengewirr

und Gelächter zu hören. Senada

und ihre Schwester werden von Kolleginnen

und Kollegen freudig begrüsst. Auf ihren

Gesichtern, aus der selbstverständlichen

Art, wie sich die jungen Menschen hier bewegen,

ist klar abzulesen: Dieses Haus ge-

hört ihnen. Sie haben es sich zu Eigen gemacht.

Es gibt kaum etwas, das sie davon

abhalten könnte, jeden Nachmittag hierhin

zu kommen. Hier spielt sich ihr Leben ab

und eröffnet sich ihre Zukunft. Und man

fragt sich, wo diese Energie hinströmte, als

es dieses Haus noch nicht gab.

Senada und Hamide antworten plötzlich

nur noch kurz angebunden auf Fragen. Das

Treffen der jungen Frauengruppe beginnt,

Bild: Beim traditionellen Tanz ist Senada in

ihrem Element.

und sie möchten es nicht verpassen. Organisiert

werden diese Kurse durch «Foleja»,

eine auf diesem Gebiet spezialisierte Roma-

«Wir Roma wollen nicht nur Unterstützung bekommen, sondern

unseren Beitrag zur Entwicklung dieses Landes leisten.»

NGO. Es gibt viel zu erfahren, über Rechte

und die Rolle der Frau in der Familie. «Ja,

ich habe sehr viel gelernt in dieser Gruppe

und verhalte mich heute anders», sagt Senada

später in einer ruhigen Minute. Als Beispiel

erzählt sie, dass sie Konflikte seltener

mit lauter Stimme austrage und ihren Stimmungen

nicht mehr einfach freien Lauf

lasse. Respekt gegenüber den Eltern und

den Geschwistern sei ihr wichtig. Sie nimmt

Roma

In Europa leben schätzungsweise 8 bis 12

Millionen Roma. «Die genaue Anzahl ist

schwer bestimmbar, da viele Roma integriert

sind und ungern sagen, sie seien Roma»,

schreibt die Rroma Foundation. Die grössten

Minderheitengruppen leben in Rumänien,

Bulgarien, Ungarn und der Slowakei. Fast alle

Roma sind sesshaft. Nur gerade ein bis drei

Prozent sind zeitweise unterwegs.

Im Kosovo leben rund 40 000 Roma. Rund

150 000 sind im Krieg ins Ausland geflüchtet.

In der Schweiz leben rund 50 000 bis

60 000 Roma. Viele von ihnen kamen als

Gastarbeiter nach dem Zweiten Weltkrieg und

verfügen über die schweizerische Staatsbürgerschaft.

Nicht zu den Roma zählen die 35 000 Jenischen

in der Schweiz. Sie verfügen über

eine eigene Geschichte, Sprache und Kultur.

Quelle: Rroma Foundation, www.rroma.org

«Menschen» 1/10 Caritas 11


Reportage: Roma im Kosovo

aber auch ihre Umgebung mit anderen Augen

wahr: Eine Freundin von ihr habe die

Schule mit 15 beenden wollen. Sie habe

aber rechtzeitig gemerkt, dass sie einen Fehler

mache, und kehrte wieder zurück. «Das

Leben wäre langweilig ohne Schule», stellt

Senada nüchtern fest. Entsprechend zählt

Heiraten auch nicht zu ihren vordinglichen

Zielen.

Integration fördern

«Wir versuchen ganz gezielt, die Mädchen

zu stärken», sagt Besnik Avdosoji, der im

Auftrag der Initiative 6 das Quartierzentrum

leitet. «Wir haben sehr viele Elterngespräche

geführt. Häufig ist es uns gelungen,

«DIE SITUATION IST UNHALTBAR»

Viele der 40 000 Angehörigen der

RAE-Gemeinschaft im Kosovo (Roma,

Ashkali und Egyptians) leben in prekärsten

Verhältnissen. Dies zeigt ein

Besuch in der illegalen Siedlung Ali Ibra

in Gjakova.

Sie sind arbeitslos, leben vom Abfallsam-

meln und wohnen in notdürftigsten Behausungen

ohne sanitäre Anlagen. «Die Situation der

Menschen hier ist unhaltbar», sagt Kapllan Hasan,

der Vorsteher der Siedlung. Die praktisch

einzige Möglichkeit, Geld zu verdienen, bietet

die nahegelegene Mülldeponie. Mit Handkar-

12 Caritas «Menschen» 1/10

die Eltern davon zu überzeugen, wie wichtig

eine gute Ausbildung für ihre Töchter ist»,

erzählt er und weist aber gleichzeitig darauf

hin, dass noch vieles im Argen liege. «Der

Ausbildungsstand in der RAE-Gemeinschaft

ist noch immer sehr tief.» Das drückt sich

«Das Leben wäre langweilig ohne Schule.»

zum Beispiel darin aus, dass 90 Prozent der

Menschen hier keine geregelte Arbeit haben.

Viele seien von der Sozialhilfe abhängig,

und dass diese nur an Familien ausbezahlt

werde, die ein Kind unter fünf Jahren

haben, sei ein komplett falscher Anreiz.

«Wir Roma wollen nicht nur Unterstützung

ren schleppen Erwachsene und Kinder Abfall

und sortieren diesen in ihren Höfen. Was noch

Materialwert hat, wird verkauft. «Sieben unserer

Kinder sind an Infektionen oder Vergiftungen

gestorben», erzählt Kapllan Hasan. Er setzt

sich vehement dafür ein, dass die Deponie geschlossen

wird. «Sie zerstört unsere Gesundheit.»

Das Ende der Tabakindustrie

Zu jugoslawischen Zeiten bot die Tabakproduktion

in Gjakova und Umgebung tausend

Menschen eine Arbeit. Die hier wohnenden

Egyptians hatten einen Job in der Fabrik ne-

bekommen, wir wollen auch Steuern zahlen

und unseren Beitrag zur Entwicklung dieses

Landes leisten», sagt Besnik Avdosoji mit

Nachdruck.

Das Gemeinschaftszentrum ist Kernstück

eines umfassenden Engagements der

Caritas zur Integration von Minderheiten

im Kosovo. «Unser wichtigstes Anliegen ist

es, dass wir die Gemeinschaft nachhaltig

und verlässlich dort unterstützen, wo sie

selbst den grössten Bedarf sieht», sagt Gerhard

Meili, Projektleiter der Caritas

Schweiz. Daher arbeitet Caritas auch eng

benan. Aber wie bei vielen staatlichen Unternehmen

ging es nach dem Ende Jugoslawiens

ungebremst bergab. Mit der Schliessung der

Fabrik im Jahr 1998 verloren alle ihre Existenzgrundlage.

Und dann kam der Krieg. Die Menschen

in der Siedlung fielen durch alle Netze.

Es kam auch zu gewaltsamen Übergriffen. Die

Sicherheitslage hat sich in den letzten Jahren

wieder verbessert, auch dank dem wachsamen

Auge der Polizei, sagt Kapllan Hasan.

Heute leben rund 700 Personen in dieser illegalen

Siedlung.

Caritas unterstützt die Gemeinschaft seit

mehreren Jahren mit humanitärer Hilfe und gemeinschaftsfördernden

Aktivitäten. 2007 hat

sich Caritas an der Einrichtung eines Kindergartens

beteiligt. Seither werden deutlich mehr

Kinder in die Primarschulen der Gemeinde

Gjakova eingeschult.

Caritas baut neue Häuser

Im letzten Herbst gab es einen grossen Durchbruch:

Nach intensiven Verhandlungen konnte

Caritas Schweiz mit den örtlichen Behörden

und der RAE-Gemeinschaft eine Vereinbarung

über ein vollständige Umsiedlung abschliessen.

Die Stadt stellt ganz in der Nähe Land zur

Verfügung, auf dem Caritas noch dieses Jahr

hundert Wohneinheiten bauen wird. «Wir wissen,

dass sich nicht alles über Nacht ändern

kann. Aber die Menschen hier sind glücklich

über diese Entwicklung und haben wieder Vertrauen

in die Zukunft geschöpft», sagt Kapllan

Hasan.


mit lokalen NGOs zusammen. Es ist dies

die Fortsetzung eines umfassenden Wiederaufbauprogramms

nach dem Krieg, in dessen

Rahmen Caritas Schweiz in den letzten

zehn Jahren im Kosovo 2500 Häuser wieder

aufgebaut hat.

Eine gute Ausbildung zählt

Auf die Frage, ob Roma diskriminiert seien,

sagt Senada ohne zu zögern: «Ja, manchmal

geben die Lehrer den Roma-Kindern

schlechtere Noten.» Am eigenen Leib hätten

sie so etwas aber noch nie erlebt, finden

die vier Geschwister aber dennoch einhellig.

Das verdanken sie nicht zuletzt ihrem

Wohnort Prizren. Die Stadt blickt auf eine

jahrhundertealte Tradition des Zusammenlebens

von Albanern, Bosniaken, Türken

und Roma zurück, die auch den Krieg überdauerte.

Serben leben hier allerdings nur

noch sehr wenige seither. In anderen Regionen

des Kosovo sind Diskriminierungen

gegenüber Roma offensichtlicher (siehe

dazu Kasten Seite 12). Die Schweizerische

Flüchtlingshilfe und andere Organisationen

kritisieren aus diesem Grund, dass das kürzlich

unterzeichnete Rücknahmeabkommen

der Schweiz mit Kosovo die für Minderheiten

labile Sicherheitssituation verkenne. In

Mitrovica sind die Roma zwischen die verhärteten

Fronten des Konflikts zwischen

Albaner und Serben geraten. Die erreichten

Erfolge in Prizren scheinen daher alles andere

als gesichert. «Die wirtschaftlichen

Aussichten für unser Land sind nicht sehr

vielversprechend. Das Wichtigste, was wir

tun können ist, unserer jungen Generation

eine gute Ausbildung zu geben. Das ist ein

Prozess, der bei jedem Kind 16 Jahre dauert»,

sagt Osman Osmani. Senadas Mutter

vertraut auf diesen Prozess: «Mit einer guten

Ausbildung haben unsere vier Kinder

mehr Sicherheit für die Zukunft. Welcher

Beruf der richtige für sein wird, wollen nicht

wir bestimmen. Das können sie am besten

selbst entscheiden.» <

Bild: Was bringt die Zukunft?

Senadas Schwester Hamide möchte

Schauspielerin werden.

«Menschen» 1/10 Caritas 13

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