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Gesamtes Livebook als PDF - Börsenblatt des deutschen ...

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Heft 1•2012 ISSN 0178-7241<br />

Geprügelte Kinder<br />

Ingrid Müller-Münch<br />

über Gewalt in der<br />

Nachkriegszeit<br />

Subtile Erzählerin<br />

Ein Besuch bei<br />

Jessica Durlacher<br />

Kriegsherr und Poet<br />

Neue Bücher zum<br />

300. Geburtstag von<br />

Friedrich dem Großen<br />

Gesund und fit<br />

Laufend zu mehr<br />

Lebensqualität<br />

SchwErPunKt<br />

^ Krimi &<br />

Thriller<br />

Auf den Spuren von<br />

Fred Vargas, neue<br />

Frauenkrimis, Porträts<br />

und viele Tipps für<br />

spannende Lektüre<br />

Gewinnspiel<br />

buchjournal.de<br />

Für Sie von Ihrer Buchhandlung<br />

buchjournal<br />

Weil Lesen Spaß macht<br />

Christine<br />

Westermann<br />

Die neue Kolumnistin


Drei Bären auf der Suche nach<br />

352 Seiten, a 14,95. ISBN 978-3-407-81104-2.<br />

Hol dir die Leseprobe<br />

und gewinn<br />

ein Wochenende<br />

im Bärenpark!<br />

der letzten Wildnis<br />

www.seekers-die-bären.de<br />

Reinlesen<br />

Von der Autorin der<br />

Gewinne ein großes<br />

Abenteuer-Wochenende<br />

im Bärenpark Wörbis für<br />

dich und deine drei<br />

besten Freunde!<br />

und gewinnen!<br />

Die Welt der Bären<br />

ist in großer Gefahr. Das<br />

ewige Eis schmilzt, die Flachgesichter<br />

zerstören die Wälder<br />

und Beute ist knapp. Hoch im<br />

Norden Amerikas machen sich<br />

drei junge Bären, jeder auf sich<br />

allein gestellt, auf eine außergewöhnliche<br />

Reise. Kallik, die<br />

Eisbärin, Schwarzbärin Lusa<br />

und Toklo, der Grizzly.


© Denis Stanišic´<br />

Eckart Baier, Redaktionsleiter<br />

e.baier@buchjournal.de<br />

Liebe Leserin,<br />

lieber Leser!<br />

Editorial<br />

elcher Fernsehzuschauer hat W Christine Westermann<br />

nicht schon dafür bewundert, wie klug<br />

sie in der TV-Sendung „Zimmer frei!“ ihre<br />

WG-Aspiranten befragt, wie sie ihnen bei<br />

den Gesprächen zwischendurch Dinge entlockt,<br />

die sie in einem normalen Interview<br />

wohl nie erzählt hätten? Dafür überlässt sie ihrem Partner, „Rampensau“<br />

Götz Alsmann, auch gern die Chefrolle bei den teils witzigen, teils<br />

albernen Spielchen beim „Kindergeburtstag für Prominente“ . Für<br />

ihren klugen Journalismus hat Christine Westermann zahlreiche Preise<br />

erhalten, dem Publikum ist sie aber auch <strong>als</strong> leidenschaftliche Leserin<br />

bekannt. Umso mehr freut es uns, dass wir sie in diesem Jahr <strong>als</strong> neue<br />

Buchjournal-Kolumnistin gewinnen konnten. Lesen Sie ihre erste Kolumne<br />

über schwierige Anfänge (Seite 18) und das Westermann-Porträt<br />

von Buchjournal-Redakteurin Sabine Schmidt (Seite 14).<br />

Mit Spannung erwartet wird, wer in diesem Jahr das Rennen um den<br />

Preis der Leipziger Buchmesse machen wird. Das Buchjournal <strong>als</strong><br />

Medienpartner stellt in diesem Heft alle nominierten Titel und Autoren<br />

vor. Und wir laden Sie herzlich ein, dabei zu sein beim größten<br />

Bücher- und Literaturereignis <strong>des</strong> Frühjahrs! (Seite 12)<br />

Die Krimis der Französin Fred Vargas genießen Kultstatus, doch die<br />

Autorin selbst scheut die Öffentlichkeit. Anlässlich ihres neuen Romans<br />

haben wir uns für den Schwerpunkt Krimi & Thriller in Paris auf<br />

Spurensuche nach ihrem Kommissar Adamsberg begeben (Seite 40).<br />

Außerdem geht unser Buchjournal-Schreibwettbewerb in eine<br />

neue Runde: Lassen Sie sich inspirieren zum Thema „Gut gemeint“<br />

und senden Sie uns Ihre Kurzgeschichte! Die Teilnahme kriterien<br />

finden Sie auf Seite 87.<br />

buchjournal 1/2012<br />

3<br />

DER GRANDIOSE<br />

AUFTAKT EINER<br />

NEUEN THRILLER-SERIE<br />

Thriller, 480 Seiten<br />

Deutsch von Birgit Moosmüller<br />

Klappenbroschur<br />

€ 14,99 [D]<br />

Die Gedanken eines Psychopathen.<br />

Der Verdacht einer Therapeutin.<br />

Ein Wettlauf gegen die Zeit.<br />

»Nicci French schreibt<br />

brilliante Psychothriller!«<br />

Cosmopolitan<br />

www.nicci-french.de


Wie die<br />

Popmusik<br />

erfunden wurde<br />

448 S. · 34 Abb. · € 24,95 · ISBN 978-3-15-010838-3<br />

Vom<br />

Ragtime bis<br />

zum Rock‘n Roll<br />

Musik – Technologie – Business<br />

Die Entstehung der Popmusik im 20. Jahrhundert:<br />

von der Jahrhundertwende bis zum »King of<br />

Rock‘n Roll«. Mit einem Epilog zur jüngeren Vergangenheit<br />

– von Woodstock bis zum iPod.<br />

www.reclam.de<br />

Reclam<br />

© Monalyn Gracia / Corbis / Fotomontage<br />

Inhalt<br />

Titel<br />

14 Christine Westermann _ Ihre Show „Zimmer frei!“ ist längst Kult, aber auch<br />

sonst ist die Kölner Journalistin oft im Radio und Fernsehen, sie stellt Bücher vor,<br />

schreibt selbst welche – und 2012 ist sie die Buchjournal-Kolumnistin.<br />

Literatur / Kinder- und Jugendbuch<br />

12 Preis der Leipziger Buchmesse _ Die 15 Nominierten in drei Kategorien<br />

20 Lesestoff Romane _ Neuerscheinungen kurz und knapp<br />

22 Porträt _ Ein Besuch bei Jessica Durlacher<br />

24 Debüt _ Romanentdeckungen <strong>des</strong> Bücherfrühlings<br />

28 Familiengeschichte _ Marion Braschs Erinnerungen an die DDR<br />

30 Kriegserfahrung _ Über ein Leben im Ausnahmezustand<br />

78 Fantasy_ Janine Wilks Faible für gruselige Kinderbücher<br />

80 Lesestoff Kinder- und Jugendbuch_ Neuerscheinungen kurz und knapp<br />

87 Eifel_ Das zehnte Literaturfestival<br />

Mediathek<br />

32 Kino, DVD, CD _ Neuheiten kurz und knapp<br />

36 Dietmar Wunder _ Sprecher mit sexy Stimme<br />

38 Neue Hörbücher_ Eine Auswahl für die Ohren<br />

Schwerpunkt Krimi & Thriller<br />

40 Fred Vargas _ Auf den Spuren von Kommissar Adamsberg in Paris<br />

44 Lesestoff Krimis _ Neuerscheinungen kurz und knapp<br />

47 Buchjournal-Tipp _ Ulrich Ritzels „Schlangenkopf“<br />

48 Frauenkrimis _ Überlegungen zu einem nur bedingt beliebten Begriff<br />

51 Dunkelkammer _ Die Krimikolumne von Tobias Gohlis<br />

52 Robert Harris _ Auseinandersetzung mit Finanzjongleuren<br />

54 Lieblingsbücher _ Tipps von Michael Kobr, Thomas Wörtche und Andreas Eschbach<br />

56 Anne Chaplet _ Interview mit einer Frau und zwei Persönlichkeiten<br />

Im Gespräch<br />

62 Ingrid Müller-Münch _ Die Kölner Journalistin widmet sich in ihrem Buch<br />

„Die geprügelte Generation“ einem Thema, über das lange nicht gesprochen<br />

wurde: häusliche Gewalt gegen Kinder in den 1950er und -60er Jahren<br />

24<br />

© Alexandre Isard / Corbis<br />

4<br />

40<br />

buchjournal 1/2012


© Gustav Kuhweide<br />

62<br />

Sachbücher / Ratgeber<br />

66 Geschichte im Bild _ Fotokunst-Bücher halten magische Momente fest<br />

68 Biografie _ Zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen<br />

72 Lesestoff Sachbücher _ Neuerscheinungen kurz und knapp<br />

74 Wirtschaft _ Petra van Laak über ihren Kampf gegen die Arbeitslosigkeit<br />

82 Lernen _ Lektürehilfen für den Deutschunterricht<br />

84 Abnehmen_ Susanne Fröhlich über ihre Erfahrungen mit Yoga<br />

86 Fitness _ Neue Trends im Ausdauersport<br />

Service<br />

58 BuchTipps _ Neuerscheinungen im Überblick<br />

„Gut gemeint“<br />

Machen Sie mit beim Buchjournal-<br />

Schreibwettbewerb 2012.<br />

Mehr dazu auf Seite 87<br />

© Ludolf Dahmen<br />

buchjournal 1/2012 5<br />

Rubriken<br />

3 Editorial<br />

6 Leselust<br />

10 Schön & Gut<br />

18 Westermanns Welt _ Gelungene Anfänge<br />

19 Fundstücke _ Buchhändler geben Lesetipps<br />

76 Wir lesen<br />

77 Leselotse<br />

88 Bücherköpfe<br />

89 Ganz oder gar nicht _ Rafik Schami<br />

89 Impressum<br />

90 Ratelust _ Das Buchjournal-Gewinnspiel<br />

© 2011 Steve McCurry / Magnum Photos<br />

Titelbild: © Ludolf Dahmen<br />

66 68<br />

© picture-alliance / ZB<br />

Bücher<br />

für eine bessere Welt<br />

Einer von drei Bänden mit Verschenktexten,<br />

die in die Tiefe gehen, Alltagssituationen,<br />

Gedanken und Gefühle von Millionen<br />

spiegeln. Auch wer Gedichte sonst<br />

nicht so sehr mag, kann sich für diese<br />

Bestseller von K. Allert-Wybranietz begeistern:<br />

„Immer mehr legen ihre Gefühle<br />

in die Tiefkühltruhe. Ob sie glauben,<br />

dadurch die Haltbarkeit zu verlängern?“<br />

64 Seiten, kart., traumhaft illustriert!<br />

ISBN 978-3-922028-02-4 12,50 €<br />

Eine literarische Lovestory über Gefühle,<br />

die selbst im Winter noch tanzen:<br />

Zwei grundverschiedene Menschen begegnen<br />

sich – und damit zwei gegensätzliche<br />

Welten, die in einer überraschenden<br />

Liebe aus den Fugen zu geraten drohen.<br />

Die seltsame Stimmung und eigenwillige<br />

Sprache werden Sie zutiefst berühren,<br />

wenn Sie sich auf die faszinierende Frau<br />

mit den tiefschwarzen Augen und den<br />

Traumtänzer einlassen!<br />

96 Seiten, kartoniert<br />

ISBN 978-3-922028-14-7 12,50 €<br />

www.lucy-koerner-verlag.de<br />

Postfach 11 06 · 70701 Fellbach<br />

lucy körner verlag


Leselust_Reisen<br />

Das Gefühl<br />

von Freiheit<br />

Segeln kann kalt, ungemütlich und anstrengend sein – aber niemanden, der von dieser Sportart<br />

fasziniert ist, stört das wirklich. Da zählt vor allem, dass es spannend und aufregend ist<br />

oder aber auch, je nach Wind und Wetter, entspannend und romantisch – und dass man selbst<br />

auf einer kleinen Jolle das fast unglaubliche Gefühl von Freiheit und Weite spüren kann, das<br />

Segeln vor allem bedeutet. Franco Pace ist passionierter Segler, und er fotografi ert seit mehr<br />

<strong>als</strong> 30 Jahren Segeljachten. Dabei gelingt es ihm, besondere Momente und Stimmungen einzufangen:<br />

Segel, die im Sonnenlicht leuchten; ein Holzdeck, das unter der Gischt glitzert;<br />

Jachten, die durch hohe Wellen in einem wunderbar klaren Blau gleiten. In seinem neuen<br />

Bildband zeigt Franco Pace seine besten Aufnahmen – ein Genuss nicht nur, aber insbesondere<br />

für Segler und alle, die es werden wollen. sc<br />

^ „Magie <strong>des</strong> Segelns. Best of Franco Pace“. Delius Klasing, 200 S., 49,90 € (D) • 51,30 € (A) • 74,90 sFr.<br />

Nachhaltige Erholung<br />

Wer lebt, hinterlässt einen ökologischen Fußabdruck.<br />

Wer reist, tut das erst recht. Vermeiden lässt<br />

sich der Verbrauch von Energie und das Hinterlassen<br />

von Müll nicht, verkleinern lässt sich der Fußabdruck<br />

aber schon – am liebsten von Skischuh-<br />

auf Flipfl opgröße, wünschen sich Petra Percher<br />

und Robert Kropf. Sie stellen dann auch Hotels vor,<br />

die dem Gedanken der Nachhaltigkeit verpfl ichtet<br />

sind: zum Beispiel durch ökologische Bauweise<br />

bei größtmöglicher Schonung der Naturressourcen<br />

oder durch die Finanzierung von sozialen Projekten<br />

über den Zimmerpreis. Das kann ein Luxushotel<br />

auf den Seychellen ebenso sein wie ein<br />

Vollholz-Hotel im Allgäu<br />

zu deutlich niedrigeren<br />

Preisen. sc<br />

^ Petra Percher, Robert<br />

Kropf: „Green Hotels.<br />

100 exklusive Reiseziele<br />

für nachhaltige Erholung“.<br />

Brandstätter, 192 S.,<br />

19,90 € (D / A) • 30,50 sFr.<br />

© Franco Pace/ Delius Klasing<br />

Berglandschaften<br />

Das Wallis bietet beeindruckende Berge – seien<br />

es die Viertausender rund um Saas-Fee oder das<br />

Matterhorn bei Zermatt. Wer diese Gipfel nicht<br />

selbst besteigen, aber bewundern oder auch andere<br />

Impressionen in den Landschaften zwischen<br />

Genfersee und Rhonequelle einfangen möchte,<br />

kann mit Stéphane Maire auf Wanderschaft gehen.<br />

Es sind 50 ganz unterschiedliche Touren, zu<br />

denen der Walliser Bergfotograf einlädt: Klassiker<br />

ebenso wie abseitige Wege zu einsamen Seitentälern.<br />

Und das in fast allen Schwierigkeitsgraden<br />

bis hin zum anspruchsvollen Berg- und schwierigen<br />

Alpinwandern meist ohne Wegspuren. Mit<br />

praktischen Tipps zum Beispiel zu Unterkunft und<br />

Verpfl egung. sc<br />

^ Stéphane Maire: „Das große Wanderbuch Wallis“.<br />

AT Verlag, 208 S., 39,90 € (D) • 41,10 € (A) • 49,90 sFr.<br />

»Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist,<br />

sieht nur eine Seite davon«<br />

Augustinus Aurelius<br />

Mistral über der<br />

Bucht von Saint-<br />

Tropez – kein<br />

Grund zur Panik<br />

für erfahrene<br />

Segler<br />

Beeindruckende Bauwerke<br />

Wenn Sie sich für Architektur, Kunst und Geschichte<br />

interessieren, aber keine Zeit zum Reisen haben,<br />

ist dieser Bildband genau das Richtige. Er<br />

zeigt in Fotos und Zeichnungen beeindruckende<br />

Bauwerke wie die Kathedrale von Chartres, den<br />

Petersdom in Rom, Schloss Schwanstein, den<br />

Himmelstempel in Bejing oder die Chinesische<br />

Mauer: detaillierte Einblicke in mehr <strong>als</strong> 100<br />

Kirchen, Tempel, Museen, Schlösser und historische<br />

Anlagen auf der ganzen Welt. sc<br />

^ „Das muss ich sehen. Reise-Highlights der Welt<br />

in 3D“. Dorling Kindersley, 264 S., 24,95 € (D) •<br />

25,70 € (A) • 42,90 sFr.<br />

6<br />

buchjournal 1/2012


Faszinierende Impressionen aus einer anderen Welt:<br />

Der Fotograf Stanislas Fautré lädt nach Australien ein.<br />

Schräge Vögel, steile Klippen<br />

E s<br />

sind ganz unterschiedliche Eindrücke:<br />

Der Fotograf Stanislas Fautré<br />

zeigt einsame, idyllische Buchten, bizarre<br />

Felsen, atemberaubende Schluchten und<br />

Wasserfälle; die fantastische Oper von<br />

Sydney, aber auch verlassene Häuser im<br />

Nirgendwo – <strong>als</strong> würden die Geisterorte in<br />

diese Landschaften gehören; Aborigines<br />

mit bemalten Gesichtern und Körpern,<br />

Truckfahrer vor ihren riesigen Lkws, umgeben<br />

von Sand und Staub, Cowboys, die<br />

in den endlosen Weiten hier geradezu zu<br />

Hause zu sein scheinen, und Motorradfahrer,<br />

echte Männer, die keine Angst haben<br />

vor stundenlangen Fahrten ins Nichts und<br />

Nirgendwo.<br />

Krokodile gibt es auch und asiatische<br />

Wasserbüffel, die von Kolonisten Ende <strong>des</strong><br />

19. Jahrhunderts eingeführt wurden,<br />

Schlangen, bizarr anmutende Vögel, Koalas<br />

und ganz am Ende <strong>des</strong> Buchs die obligatorischen<br />

Kängurus.<br />

Es gibt unendlich viel zu entdecken in<br />

Australien – und im gleichnamigen Bildband.<br />

Es sind meist ganzseitige Aufnahmen,<br />

die Landschaften einfangen, beson-<br />

buchjournal 1/2012 7<br />

dere Stimmungen, wunderbare Farben.<br />

Dazu gibt es Texte, mal kurze Bildlegenden,<br />

mal längere Erklärungen zu Nationalparks,<br />

die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören<br />

oder zur Geschichte <strong>des</strong> Kontinents, auf<br />

dem es fast 40 000 Jahre alte Höhlenmalereien<br />

gibt. Eine Geschichte, die durch die<br />

Kolonialmacht England im 18. Jahrhundert<br />

grundlegend verändert wurde, <strong>als</strong> Traditionen<br />

und Kultur der Aborigines bekämpft<br />

und zum Teil zerstört wurden.<br />

Fautrés Buch ist eine Einladung: zum<br />

Staunen, Genießen und Nachdenken – und<br />

zum Reisen. Zumin<strong>des</strong>t einmal im Leben<br />

nach Down Under! sc<br />

Lesezeichen<br />

Stanislas Fautré:<br />

Australien. National<br />

Geographic Deutschland,<br />

192 S., 39,95 € (D) •<br />

41,20 € (A) • 65,– sFr.<br />

Unweit von Hobart<br />

stürzen die Russell Falls<br />

fast 40 Meter in die<br />

Tiefe, umgeben von<br />

einer einzigartigen<br />

Vegetation<br />

© Stanislas Fautré / National Geographic<br />

Für alle, die es wissen wollen.<br />

Kann ich<br />

Erfolg<br />

trainieren?<br />

Pädagogen und Motivationstrainer haben<br />

es uns versprochen: Erfolg ist ganz einfach.<br />

Wir müssen nur an uns glauben! Aber warum<br />

sind dann immer noch so viele Menschen<br />

erfolglos und unzufrieden? Roy Baumeister<br />

und John Tierney kennen die Antwort.<br />

2012. 328 Seiten, € 24,99<br />

www.campus.de


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LESELUST_REISEN<br />

Schrille Typen in Big Apple<br />

Es muss wohl so eine Art Traumjob für den <strong>deutschen</strong> Fotografen Philip Koschel gewesen sein:<br />

Im Auftrag von „Merian“ reiste er für ein paar Wochen nach New York, um hier zu fotografi eren.<br />

Für seinen Bildband brachte er zwar auch wohlbekannte Motive mit, den Blick auf Wolkenkratzer<br />

und in die Wall Street, auf das Guggenheim Museum und die Brooklyn Bridge. Viel häufi ger hat<br />

Koschel mit seiner Kamera aber die Einwohner von Big Apple gesucht: den breit grinsenden Typ<br />

im Superman-Shirt auf seinem rostigen Fahrrad, den tätowierten Bauarbeiter an Ground Zero, die<br />

junge Gitarristin vor dem Flatiron Building oder die artistischen Street-Rapper im Park. Und er hat<br />

vieles entdeckt, was man in der pulsierenden Metropole am Hudson kaum vermuten würde:<br />

prächtige Dachgärten, auf denen Gemüse gedeiht, die grüne Oase <strong>des</strong> Botanical Garden oder<br />

einen Gorilla, der im Dickicht <strong>des</strong> Bronx Zoo genüsslich sein Frühstück verspeist. bai<br />

^ „New York – 100 Momente“. Merian, 193 S., 49,90 € (D) • 51,4o € (A) • 85,50 sFr.<br />

Sylt total<br />

Dünen; tosen<strong>des</strong> oder auch ganz stilles Meer;<br />

dramatische Sonnenuntergänge; traumhafte<br />

Frühlings- und Sommerlandschaften: Es sind erst<br />

einmal Bilder, die einem bei dem Gedanken an<br />

Sylt in den Sinn kommen und die Hans Jessel in<br />

schönen, stimmungsvollen Fotos eingefangen<br />

hat. Es gibt aber auch Geräusche und Musik, die<br />

typisch für Sylt sind: Kirchenglocken, Bahnübergänge,<br />

die Brandung, Vogelgeschrei, das alles<br />

und vieles mehr ist auf drei CDs zu hören. Sylt für<br />

die Augen und für die Ohren – ein Erlebnis zum<br />

Träumen für<br />

alle, die auf<br />

dem Festland<br />

feststecken. sc<br />

^ Hans Jessel:<br />

„Sylt Sounds“.<br />

Edel Germany,<br />

120 S., 39,95 €<br />

(D) • 41,10 € (A) •<br />

56,90 sFr.<br />

Abenteuerleben<br />

Wo anderen schon<br />

vom Hinschauen<br />

schwindlig wird,<br />

klettert Stefan Glowacz.<br />

Immer wieder<br />

bricht er auf,<br />

nimmt auch tagelangen<br />

Regen oder<br />

eisige Kälte in Kauf – für immer neue Expeditionen<br />

und das immer neue Überwinden von Grenzen.<br />

Was er mit seinem Team zuletzt erlebt hat, zeigt er<br />

in einem Fotoband mit Landschafts- und Abenteuerimpressionen,<br />

mit Bildern von Kanu- und Segelfahrten<br />

und natürlich vom Klettern. Sie erzählen<br />

eindrücklich von einem Leben, <strong>des</strong>sen Ziel der Aufbruch<br />

ist: sei es in Kanada oder in der Antarktis, in<br />

Patagonien oder in Nepal. sc<br />

^ Stefan Glowacz, Tanja Valérien-Glowacz:<br />

„Stefan Glowacz Expeditionen. Extremklettern am<br />

Ende der Welt“. Delius Klasing, 240 S., 39,90 € (D) •<br />

41,1o € (A) • 51,90 sFr.<br />

8<br />

buchjournal 1/2012


Im vorigen Herbst fragten wir die Buchjournal-Leser nach ihrem<br />

Lieblingsautor – die meisten votierten für Rebecca Gablé.<br />

Den Riesen-Bücherstapel durfte ein Leser in Hameln packen.<br />

„Wunderbar unterhaltend“<br />

© Nils Propfen<br />

Ü berraschend<br />

klar hat Rebecca<br />

Gablé das Rennen<br />

um den zeitgenössischen<br />

Lieblingsautor für sich entschieden:<br />

Beim großen Buchjournal-Gewinnspiel<br />

vereinte<br />

die sympathische Autorin aus<br />

Mönchengladbach die meisten<br />

Stimmen der rund 1 500 Einsendungen<br />

auf sich. Zuletzt<br />

hatte sie mit ihrem Historienschmöker<br />

„Der dunkle Thron“<br />

(Ehrenwirth) im vergangenen<br />

Herbst für Furore gesorgt.<br />

Und dies sind die Top Five<br />

der beliebtesten Autoren:<br />

1. Rebecca Gablé<br />

2. Charlotte Link, Jussi Adler-Olsen<br />

3. Dora Heldt, Walter Moers,<br />

Martin Suter<br />

4. Jo Nesbø<br />

5. Ken Follett, Cornelia Funke<br />

Henning Mankell<br />

Der attraktive Preis war ein Grund für die<br />

große Beteiligung: Der Sieger durfte sich so<br />

viele Bücher aussuchen, wie er aus der Ladentür<br />

seiner Buchhandlung hinaustragen<br />

konnte. Reinhard Soyka war der glückliche<br />

Hauptgewinner, der in der Buchhandlung<br />

buchjournal 1/2012 9<br />

© Olivier Favre<br />

Lieblingsautorin,<br />

hautnah: Rebecca Gablé<br />

wird am 3. April mit<br />

ihren Fans chatten<br />

GEWINNSPIEL<br />

Stolzer Sieger:<br />

Reinhard Soyka<br />

(rechts) gewinnt<br />

den Bücherberg,<br />

Buchhändler Peter<br />

Matthias gratuliert<br />

Matthias in Hameln einen<br />

Bücherberg an Dokumentationen,<br />

Kunst- und Sachbüchern<br />

und leichter Unterhaltung aufschichtete.<br />

Und hier eine Auswahl der<br />

Begründungen für die Wahl<br />

von Rebecca Gablé:<br />

„Weil sie mich in eine andere<br />

Welt entführt.“ (Barbara<br />

Dadlhuber)<br />

„Weil ihre Romane wunderbar<br />

unterhalten, ohne seicht zu<br />

sein.“ (Petra Brechtel)<br />

„Weil die Bücher wahnsinnig<br />

spannend sind“ (Carmen Fabel)<br />

„Weil sie englische Geschichte so spannend<br />

und interessant verpackt“ (Petra Alberti)<br />

Alle Infos zum Gewinnspiel und das Video<br />

der Preisverleihung finden Sie unter<br />

buchjournal.de/gewinnspiel. bai<br />

Rebecca Gablé freut sich, mit ihren<br />

Buchjournal-Fans live zu chatten: am<br />

Dienstag, 3. April, ab 18 Uhr. Klicken<br />

Sie rein auf www.buchjournal.de/chat!<br />

Edition am Gutenbergplatz Leipzig.<br />

Verlag für Forschung, Lehre und Anwendung.<br />

Gegründet am 21.02.2003 im Haus <strong>des</strong> Buches<br />

in Leipzig, am Gutenbergplatz.<br />

Verlagsname abgekürzt: EAGLE bzw. EAG.LE.<br />

www.eagle-leipzig.de / tagesaktuell:<br />

www.eagle-leipzig.de/verlagsprogramm.htm<br />

2011. 1. Aufl. W. Stolz. 2011. 2. Aufl. G. Graumann.<br />

EAGLE 053. 75 S. € 14,50 EAGLE 006. 120 S. € 14,50<br />

ISBN 978-3-937219-53-0 ISBN 978-3-937219-80-6<br />

2011. 1. Aufl. Hupfer / Tinz. 2010. 1. Aufl. Deweß / Hartwig.<br />

EAGLE 043. 98 S. € 14,50 EAGLE 038. 186 S. € 18,50<br />

ISBN 978-3-937219-43-1 ISBN 978-3-937219-38-7<br />

Alle Titel im VLB-online.<br />

weiss@eagle-leipzig.eu<br />

2011. 6. Aufl. H. Wußing. 2012. 1. Aufl. Hardc. H. Krämer.<br />

EAGLE 051. 279 S. € 26,50 EAGLE 056. 43 S. € 19,50<br />

ISBN 978-3-937219-51-6 ISBN 978-3-937219-56-1<br />

2011. 1. Aufl. R. Thiele. 2011. 1. Aufl. H. W<strong>als</strong>er.<br />

EAGLE 047. 277 S. € 26,50 EAGLE 042. 98 S. € 14,50<br />

ISBN 978-3-937219-47-9 ISBN 978-3-937219-42-4<br />

EAGLE: Unabhängiger Wissenschaftsverlag in Leipzig.<br />

www.eagle-leipzig.de / www.leipziger-manuskripte.de<br />

Bestellungen bitte an Ihre Buchhandlung.


Schön&Gut<br />

Dekorative Teelichte<br />

Wer Spaß am Gestalten hat,<br />

möchte am liebsten sofort<br />

loslegen. Doch nichts bremst<br />

die Laune und Motivation so<br />

sehr wie die Feststellung,<br />

dass wichtige Bastelzutaten<br />

fehlen. Wer auf Nummer sicher<br />

gehen möchte, setzt auf<br />

Kreativsets, in denen alle<br />

Materialien samt Anleitung<br />

komplett vorhanden sind – wie bei den Deko-<br />

Laternen, die man selbst bemalen kann. So<br />

kann man hoch inspiriert seiner Kreativität freien<br />

Lauf lassen und schwungvoll zur Tat schreiten.<br />

Eine Idee, die auch Anfängern erfolgreiche<br />

Bastelerlebnisse verspricht.<br />

^ Kreativset „Harmony“ oder „Romantic Dream“.<br />

Deko-Laterne für Teelicht aus Metall mit herausnehmbaren<br />

Glasscheiben, 3 x 15 ml Glasfarbe, 20 ml<br />

Reliefpaste, Pinsel, Anleitung und Malvorlagen.<br />

12,95 €. www.marabu.de<br />

Knall-<br />

Effekte<br />

Wer behauptet, Chemie sei langweilig, weiß nicht, was alles möglich ist. Zum Beispiel <strong>als</strong> durchgeknallter<br />

Showmaster ein spektakuläres Bühnenprogramm aus dem Ärmel zaubern! Also:<br />

Schutzbrille auf, Kittel an, die Haare durchwuscheln (für den ultimativen Einstein-Look) und die<br />

erstaunlichsten Experimente mit überraschenden chemischen und physikalischen Effekten einstudieren.<br />

Die Show kommt ohne doppelten Boden aus und die weißen Kaninchen können auch<br />

unbehelligt bleiben, denn alle Experimente basieren auf naturwissenschaftlichen Phänomenen.<br />

Versuche wie „Pharaoschlangen“ oder „Hexenmehl“ setzen Wissenschaft unterhaltsam in Szene<br />

und eröffnen so manchem, dem der Chemieunterricht bisher ein Graus war, neue Perspektiven.<br />

^ „Showexperimente“. Laborausstattung mit Geräten, Gefäßen, Chemikalien, Schutzbrille und<br />

Anleitung für 27 Experimente im Comicstil. 49,99 €, ab 12. www.kosmos.de<br />

Prickelnd schön<br />

„Guck mal, Mami, hab’ ich selbst gemacht!“ Kinder<br />

lieben es, ihre Fantasie auszuleben. Die etwas<br />

Größeren brauchen dazu nur Buntstifte,<br />

Schere, Kleber und Papier; den etwas Kleineren<br />

helfen schöne Vorlagen, die sie ausmalen und<br />

weitergestalten können. Eine alte Basteltechnik,<br />

die auch ganz Kleine schon erfolgreich selbstständig<br />

ausführen können, ist das Prickeln. Voller<br />

Stolz können sie dann ihr eigenes Kunstwerk<br />

präsentieren und ein dickes Lob einheimsen.<br />

^ „Kreativset Glitzern“. Block mit 25 Vorlagen,<br />

2 Stickerbögen, 3 Glitzer-Dosen, 1 Prickelnadel,<br />

1 Prickelunterlage, 11,95 €, ab 2. www.haba.de<br />

© Fa. Habermaaß GmbH<br />

TEXT: CHRISTINA BUSSE<br />

© Kosmos<br />

Frühlingsfrische Stoffi deen<br />

Selbermachen ist im Trend. Davon zeugen zahlreiche<br />

Internet-Foren wie etwa dawanda.com, in<br />

denen kreative Köpfe Ideen, Tipps und Tricks<br />

austauschen. Eine wachsende Fangemeinde hat<br />

die skandinavische Designerin Tone Finnanger,<br />

die mit frühlingsfrischen Stoffi deen für die eigenen<br />

vier Wände begeistert. Bei der Norwegerin,<br />

die auf einer kleinen Insel lebt, wartet ein dekorativer<br />

Hausengel in der Küche auf Gesellschaft.<br />

^ Tilda Bastel-Set „Engel Kitchengarden“, inklusive<br />

Stoffen, Perlen, Spitze, Schnittmuster, Garn, Nadel<br />

u.v.m. Die fertige Figur ist 63 cm hoch. 43,99 €.<br />

www.knorrprandell.de<br />

Wolkenstürmer<br />

In Japan haben die aus einem Bogen Papier gefalteten<br />

Origamidrachen eine jahrhundertealte Tradition;<br />

ebenso in Europa, wo Leonardo da Vinci <strong>als</strong><br />

Urvater der Papierfl iegerei gilt – und nach ihm haben<br />

mit Papierfl iegern schon Generationen von<br />

Schülern in langweiligen Unterrichtsstunden ihrer<br />

Kreativität Flügel verliehen. Auch heute noch<br />

macht es Kindern und Erwachsenen in aller Welt<br />

Spaß, Origamifi guren zu basteln – erst recht,<br />

wenn diese spielerisch in die Luft gehen können<br />

wie der Wolkenstürmer oder der Hundedrachen.<br />

^ Mari Ono und Roshin Oni: „Flieg, Origami, fl ieg“.<br />

128 Seiten, mit 50 Blatt Origamipapier, 16,99 €.<br />

www.christophorus-verlag.de<br />

10<br />

© KnorrPrandell GmbH<br />

buchjournal 1/2012


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Exklusiv für Buchjournal-Leser –<br />

Leserreise mit der MS/ASTOR<br />

12-tägige Ostsee-Kreuzfahrt vom 03.09.-14.09.2012<br />

„Wo Geschichte lebendig wird!“<br />

Freuen Sie sich auf pures<br />

Kreuzfahrtvergnügen zu den<br />

schönsten Städten an der<br />

Ostsee. Gleich zu Beginn<br />

steuert Ihre kleine, familiäre<br />

ASTOR Kaliningrad (ehem<strong>als</strong><br />

Königsberg) an, das gleichermaßen<br />

ein Symbol deutscher<br />

und russischer Vergangenheit<br />

ist. In Tallinn werden Sie<br />

von echter Lebensfreude begrüßt.<br />

Schlendern Sie durch<br />

die pulsierenden Altstadtgassen<br />

und genießen Sie<br />

das zauberhafte Flair der<br />

estländischen Metropole.<br />

Glanz und Gloria erwartet<br />

Sie in St. Petersburg. Die<br />

prächtige Zarenstadt an der<br />

Newa verwöhnt Sie mit<br />

unsagbaren Schätzen ihrer<br />

Geschichte. Unser Tipp für<br />

Sie: Begleiten Sie uns auf<br />

eine Führung durch die im<br />

Winterpalais untergebrachte<br />

Eremitage, eine der größten<br />

und berühmtesten Gemäldegalerien<br />

der Welt. Auch<br />

Helsinki und Stockholm<br />

werden Sie begeistern. Die<br />

beiden skandinavischen<br />

Metropolen laden durch<br />

ihre Verbundenheit zum<br />

Meer und zur Natur zum<br />

ganz entspannten Verweilen<br />

ein. Vielleicht haben Sie<br />

ja Lust, per Boot Helsinkis<br />

Inseln und Schären zu entdecken.<br />

Romantikern empfehlen<br />

wir hingegen die verträumte<br />

Insel Gotland und<br />

zum krönenden Abschluss<br />

dieser Kreuzfahrt das königliche<br />

Kopenhagen. Eine wahr-<br />

lich internationale Route,<br />

reichlich gespickt mit Kunst<br />

und Kultur, architektonischen<br />

Sehenswürdigkeiten<br />

und unvergesslichen Eindrücken.<br />

Willkommen an<br />

Bord der ASTOR.<br />

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Kategorien auf Anfrage.<br />

Exklusiv-Leistungen nur für Buchjournal-Leser<br />

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Telefon 069 830066-0 Telefax 069 830066-66<br />

LEIPZIGER BUCHMESSE<br />

Ein Höhepunkt der Messe ist die<br />

Verleihung <strong>des</strong> Preises der<br />

Leipziger Buchmesse – mit dem<br />

Buchjournal <strong>als</strong> Medienpartner.<br />

Spannung<br />

in der Halle<br />

A nd<br />

the winner is …“ Ein wenig Oscar-<br />

Fieber wird in der riesigen Glashalle<br />

der Leipziger Messe wieder aufkommen,<br />

wenn am Donnerstag, dem 15. März, ab<br />

16 Uhr die Jury die 15 nominierten Autoren<br />

und Übersetzer – und natürlich ihre Bücher<br />

– vorstellt. Die Spannung ist mit Händen<br />

zu greifen, bis dann endlich unter dem<br />

Applaus <strong>des</strong> Publikums die drei Sieger in<br />

den drei Kategorien verkündet werden.<br />

460 Titel aus 147 Verlagen wurden in diesem<br />

Jahr in den Kategorien Belletristik,<br />

Sachbuch und Übersetzung eingereicht. Die<br />

siebenköpfi ge Jury unter Vorsitz von Verena<br />

Belletristik<br />

^ Anna Katharina Hahn:<br />

Am Schwarzen Berg.<br />

Suhrkamp, 236 S., 19,95 €<br />

^ Sherko Fatah:<br />

Ein weißes Land. Luchterhand<br />

Literaturverlag,<br />

480 S., 236 S., 21,99 €<br />

^ Wolfgang Herrndorf:<br />

Sand. Rowohlt Berlin,<br />

480 S., 19,95 €<br />

Auffermann las, prüfte und diskutierte, bis<br />

man sich schließlich Anfang Februar auf jeweils<br />

fünf Nominierungen verständigte.<br />

Das Buchjournal ist 2012 erneut Medienpartner<br />

beim Preis der Leipziger Buchmesse<br />

– und 20 Buchjournal-Leser können mit<br />

ein wenig Glück bei der Preisverleihung dabei<br />

sein (siehe Kasten).<br />

Doch auch sonst ist die Frühjahrsbuchmesse<br />

vom 15. bis 18. März eine Reise wert:<br />

Rund 2 100 Verlage präsentieren ihre Neuerscheinungen,<br />

und das Lese festival „Leipzig<br />

liest“ lädt ein zu mehr <strong>als</strong> 2 300 Veranstaltungen<br />

an rund 350 Orten. �<br />

12<br />

Besuchen Sie uns auf<br />

der Buchmesse!<br />

• Buchjournal-Talk mit Anne Chaplet<br />

Donnerstag, 15. März, 12 Uhr<br />

Halle 3, Stand E 403 / F 410<br />

• Buchjournal-Talk mit Marion Brasch<br />

Freitag, 16. März, 12 Uhr<br />

Halle 3, Stand E 403 / F 410<br />

^ Jens Sparschuh:<br />

Im Kasten. Kiepenheuer &<br />

Witsch, 224 S., 18,99 €<br />

^ Thomas Steinaecker:<br />

Das Jahr, in dem ich<br />

aufhörte, mir Sorgen<br />

zu machen, und anfi ng<br />

zu träumen. S. Fischer,<br />

400 S., 19,99 €<br />

buchjournal 1/2012


Sachbuch<br />

^ Jörg Baberowski:<br />

Verbrannte Erde. Stalins<br />

Herrschaft der Gewalt.<br />

C. H. Beck, 606 S., 29,95 €<br />

^ Carolin Emcke:<br />

Wie wir begehren.<br />

S. Fischer, 256 S., 19,99 €<br />

^ Manfred Geier:<br />

Aufklärung. Das europäische<br />

Projekt. Rowohlt,<br />

416 S., 24,95 €<br />

^ Lothar Müller:<br />

Weiße Magie. Die<br />

Epoche <strong>des</strong> Papiers.<br />

Hanser, 384 S., 24,90 €<br />

^ Wilfried F. Schoeller:<br />

Alfred Döblin. Eine<br />

Biographie. Hanser,<br />

912 S., 34,90 €<br />

10 x 2 Karten zu gewinnen!<br />

buchjournal 1/2012 13<br />

Übersetzung<br />

^ Aus dem Bulgarischen<br />

von Thomas Frahm:<br />

Nie war es herrlicher<br />

zu leben. C. H. Beck,<br />

428 S., 24,95 €<br />

^ Aus dem Französischen<br />

von Hans Pleschinski:<br />

Vladimir Zarev:<br />

Feuerköpfe. Deuticke,<br />

704 S., 25,90 €<br />

^ Aus dem Englischen von<br />

Nikolaus Stingl:<br />

William H. Gass:<br />

Der Tunnel. Rowohlt,<br />

1 096 S., 36,95 €<br />

^ Aus dem Ungarischen<br />

von Christina Viragh:<br />

Péter Nádas: Parallelgeschichten.<br />

Rowohlt,<br />

1 728 S., 39,95 €<br />

^ Aus dem Französischen<br />

von Caroline Vollmann:<br />

Théophile Gautier:<br />

Mademoiselle de Maupin.<br />

Manesse, 704 S., 24,95 €<br />

Das Buchjournal verlost 10 x 2 Tageskarten<br />

für die Leipziger Buchmesse, die<br />

vom 15. bis 18. März täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist. Senden Sie uns unter<br />

dem Stichwort „Leipziger Buchmesse“ eine E-Mail an leipzig@buchjournal.de oder<br />

schreiben Sie uns per Post an: Redaktion Buchjournal, Postfach 10 04 42, 60004<br />

Frankfurt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsen<strong>des</strong>chluss ist der 4. März.<br />

Viel Glück!<br />

Rudolf<br />

Steiner<br />

Zwischen<br />

Ost<br />

und<br />

West<br />

Ursachen<br />

<strong>des</strong><br />

neuzeitlichenWeltgeschehens<br />

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431 S., gebunden<br />

ISBN 978-3-86772-031-1<br />

Vor 100 Jahren waren Kräfte<br />

am Werk, die den 1. Weltkrieg<br />

ausgelöst haben.<br />

Der Nation<strong>als</strong>ozialismus und der<br />

2. Weltkrieg – mit ihren Folgen bis in<br />

die Gegenwart – werden erst<br />

durch die Auseinandersetzung<br />

mit diesen Kräften<br />

wirklich verständlich,<br />

erklärbar.<br />

Rudolf<br />

Steiner<br />

Zukunft<br />

verstehen<br />

Ein Grundkurs<br />

in Apokalyptik<br />

13 Vorträge 1908<br />

352 S., gebunden<br />

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978-3-86772-005-2<br />

€ 12<br />

Was Rudolf Steiner in diesen Vorträgen<br />

über die Zukunft von Erde und Mensch<br />

zu sagen hat, ist einmalig. Der Ernst der<br />

menschlichen Freiheit, die eine zunehmende<br />

Scheidung der Geister hervorruft<br />

– bis hin zum großen «Krieg aller<br />

gegen alle» –, entscheidet auch über die<br />

Zukunft unseres Planeten.


Titel<br />

Mit Götz Alsmann moderiert Christine Westermann die Fernsehsendung<br />

„Zimmer frei!“. Sie empfi ehlt Bücher im WDR. Sie ist selbst Autorin – und 2012<br />

schreibt sie auch für das Buchjournal. Hier ist sie, unsere neue Kolumnistin:<br />

Offen, lebendig und<br />

immer noch jung<br />

TEXT: SABINE SCHMIDT • FOTOS: LUDOLF DAHMEN<br />

ihre Fernsehshow „Zimmer frei!“ gibt es<br />

seit 15 Jahren, sie hat längst Kultstatus,<br />

aber Christine Westermann gibt sich nicht<br />

<strong>als</strong> Star. Sie wirkt still, und auch ihr Erscheinungsbild<br />

ist zurückhaltend. Sie ist<br />

ganz in Schwarz gekleidet, trägt zur Auflockerung<br />

nur ein helles Tuch und <strong>als</strong><br />

Schmuck ihren Ehering und schlichte<br />

Ohrringe. Man kennt sie, das ist zu merken,<br />

im Café <strong>des</strong> Museums für Angewandte<br />

Kunst in Köln, wo sie sich gern zu<br />

Interviews verabredet. Aber sie wird nicht<br />

angesprochen, und das ist für sie in Ordnung.<br />

„Götz Alsmann ist die Rampensau“,<br />

sagt Christine Westermann über ihren<br />

Mitstreiter bei „Zimmer frei!“. „Ich bin die<br />

Frau in der zweiten Reihe“, und zurückhaltend<br />

bleibt sie auch, wenn die Kameras<br />

ausgeschaltet sind.<br />

Dass sie Mitte der 1990er Jahre zu der<br />

Fernsehsendung kam, war nur halbwegs geplant.<br />

Dam<strong>als</strong> moderierte sie im WDR-Fernsehen<br />

die „Aktuelle Stunde“ mit Frank Plasberg<br />

und war für „Zimmer frei!“ nur die<br />

zweite Besetzung. Für eine Show, die zudem<br />

nur für wenige Sendungen geplant war: Es<br />

ist ein Zimmer frei in einer fi ktiven WG; die<br />

beiden Bewohner, Christine Westermann<br />

und Götz Alsmann, suchen einen dritten<br />

und casten dafür Gäste, bei einem gemein-<br />

samen Aben<strong>des</strong>sen, bei Gesprächen sowie<br />

bei witzigen bis albernen Spielen – die beiden<br />

Gastgeber bezeichnen ihre Show selbst<br />

gern <strong>als</strong> „Kindergeburtstag für Prominente“.<br />

Dabei liegt Westermanns Schwerpunkt<br />

eher bei den Gesprächen, während<br />

Alsmann der geniale Musiker und der Richtige<br />

fürs Gokartfahren ist, „das mir nicht<br />

mehr ganz so leichtfällt“, sagt die 63-Jährige<br />

lächelnd – und man merkt, dass sie nicht<br />

nur gern gute Gespräche führt, sondern<br />

auch selbst Spaß an Blödsinn hat.<br />

Ein großes Aufgebot an Stars und Sternchen<br />

hat sich in 15 Jahren bei der Fernseh-<br />

WG vorgestellt, und zu diesem kleinen Jubiläum<br />

gibt es eine DVD-Box: „Zimmer<br />

frei! 15 Jahre, 15 Lieblingssendungen“. Rudolph<br />

Moshammer war da, Roger Willem-<br />

Lesezeichen<br />

Götz Alsmann und Christine<br />

Westermann: Zimmer frei!<br />

15 Jahre, 15 Lieblingssendungen.<br />

Roof Music, DVD,<br />

44,95 € (D) • 45,40 € (A) •<br />

62,90 sFr.<br />

»Götz Alsmann ist<br />

die Rampensau.<br />

Ich bin die Frau in<br />

der zweiten Reihe«<br />

sen, Katharina Thalbach, Wencke Myhre,<br />

Hape Kerkeling, Sönke Wortmann oder<br />

Alice Schwarzer, „die von Anfang an Götz<br />

sehr zugewandt war und mich links liegen<br />

ließ“. Westermann nimmt’s locker – und<br />

lässt sich weitere Äußerungen über ihre<br />

prominenten Gäste nicht entlocken.<br />

Nur über Matthias Brandt spricht sie etwas<br />

mehr, den Schauspieler und Sohn von<br />

Willy Brandt. „Ich bewundere ihn sehr,<br />

und <strong>als</strong> er bei uns in der Sendung war, habe<br />

ich mich vor lauter Bewunderung ganz<br />

klein gefühlt.“ Eine gestandene Journalistin<br />

mit jahrzehntelanger Radio- und Fernseherfahrung,<br />

die für „Zimmer frei!“ im<br />

Jahr 2000 den renommierten Grimme-<br />

Preis erhielt, fühlt sich ihren Gesprächspartnern<br />

gegenüber klein?<br />

„Sehr selbstbewusst bin ich tatsächlich<br />

lange nicht gewesen, und sicherlich hat<br />

das auch an meiner Kindheit gelegen. Meine<br />

Eltern haben sich nach nur vier Jahren<br />

Ehe scheiden lassen und mein Vater, der<br />

mir sehr zugetan war, ist gestorben, <strong>als</strong> ich<br />

erst 13 war“, sagt sie – nimmt sich aber 0<br />

14<br />

buchjournal 1/2012


Selbstbewusst „Wenn mich heute<br />

jemand fragt, wer ich sein möchte, dann<br />

möchte ich Christine Westermann sein“<br />

buchjournal 1/2012 15


TITEL<br />

0 gleich wieder zurück. „Es war<br />

nicht einfach, aber auch keine Katastrophe.<br />

Andere Menschen müssen<br />

Schlimmeres durchmachen.“<br />

Dennoch: Ein Stück Unsicherheit<br />

ist lange geblieben. Auch der Grimme-Preis<br />

hat da nicht geholfen – „der<br />

galt ja nicht mir, sondern dem ganzen<br />

Team, so habe ich das jedenfalls empfunden.<br />

Der Ritterschlag war für<br />

mich erst der Deutsche Radiopreis.“<br />

Das war im Herbst 2010. Ausgezeichnet<br />

wurde Christine Westermann in<br />

der Kategorie Bestes Interview für ein<br />

Gespräch auf WDR 2 in der Sendung<br />

„Montalk“. Sie hat diesen Preis nicht<br />

zuletzt für „intelligentes Zuhören“<br />

bekommen, so die Begründung der<br />

Jury. „Intensive Vorbereitung, gut<br />

zuhören – und bereit sein, den geplanten<br />

Weg zu verlassen, wenn das<br />

Gespräch anders läuft, <strong>als</strong> ich mir<br />

das gedacht habe“, so fasst die Journalistin<br />

ihr „Rezept“ für ein gutes<br />

Interview zusammen.<br />

Neben „Zimmer frei!“ und dem<br />

„Montalk“ empfiehlt sie Bücher, alles<br />

beim WDR und alles freiberuflich. Ihre<br />

Buchtipps gibt sie auf dem Kulturkanal<br />

WDR 5, bei „Frau TV“ und sonntagmorgens<br />

auf WDR 2. Sie sind sehr beliebt: Titel,<br />

die von Christine Westermann empfohlen<br />

werden, werden gekauft und gelesen. Und<br />

wenn sie mit ihren Buchempfehlungen in<br />

der Vorweihnachtszeit auf Tour geht, füllt<br />

sie Säle mit 500 Plätzen.<br />

Zu den Buchtipps ist sie für sie selbst<br />

ganz überraschend gekommen. „Ich wurde<br />

2000 gefragt, ob ich, abwechselnd mit Elke<br />

Heidenreich, Bücher vorstellen will.“ Sie<br />

hatte dam<strong>als</strong> keine Ahnung, wie Literaturkritiker<br />

arbeiten, und ging erst einmal in<br />

eine Buchhandlung. „Ich holte mir einen<br />

Stapel Bücher aus den Regalen, setzte mich<br />

in einen Sessel und fing an zu lesen. Vier<br />

Romane gefielen mir, die habe ich dann gekauft<br />

und für die Buchtipps beim WDR zugesagt.<br />

Dam<strong>als</strong> habe ich sie noch <strong>als</strong> Texte<br />

formuliert und vorgelesen. Furchtbar!“<br />

Heute empfiehlt sie ihre Bücher im Gespräch<br />

mit dem Moderator der jeweiligen<br />

Sendung – eine lebendige Form, die ihr<br />

sehr entspricht. Dabei ist sie im Radio wie<br />

im direkten Gespräch: konzentriert, zugleich<br />

aber locker und humorvoll.<br />

Welche Bücher haben ihr in letzter Zeit<br />

besonders gut gefallen? „Sprechende Män-<br />

Zur Person<br />

Christine Westermann, geboren 1948 in Erfurt,<br />

arbeitet seit 1972 <strong>als</strong> freie Journalistin. Sie moderiert<br />

gemeinsam mit Götz Alsmann die Sendung<br />

„Zimmer frei!“. Sie ist zudem <strong>als</strong> Moderatorin für<br />

die WDR- Radiosendung „Montalk“ tätig, sie<br />

empfiehlt Bücher im WDR-Fernsehen und WDR-<br />

Radio, und sie schreibt selbst Bücher. 2000 wurde<br />

sie (gemeinsam mit Götz Alsmann) mit dem<br />

Grimme-Preis und 2010 mit dem Deutschen<br />

Radio preis ausgezeichnet. Christine Westermann<br />

lebt mit ihrem Mann in Köln.<br />

ner“ von Jochen-Martin Gutsch und Maxim<br />

Leo, „34 Meter über dem Meer“ von Annika<br />

Reich, „und vor Kurzem habe ich ‚Süden<br />

und die Schlüsselkinder‘ von Friedrich Ani<br />

gelesen – ich habe mich abends mit dem<br />

Krimi ins Bett gelegt und erst aufgehört, <strong>als</strong><br />

ich ihn durchhatte.“<br />

Mit der Zurückhaltung ist es jetzt vorbei,<br />

und es ist, wie im Radio, eine lebhafte, leidenschaftliche<br />

Christine Westermann, die<br />

von ihren Leseerlebnissen erzählt. Sie lässt<br />

sich von Büchern fesseln, und diese Faszination,<br />

diese Begeisterung gibt sie an ihre Zuhörer<br />

weiter.<br />

16<br />

Lässig – und leidenschaftlich: Christine<br />

Westermann kämpft für „ihre“ Bücher<br />

Im klassischen Feuilleton stoßen<br />

ihre sehr persönlichen Empfehlungen<br />

zuweilen ebenso auf Ablehnung<br />

wie die Auswahl ihrer Titel.<br />

Christine Westermann legt zwar<br />

großen Wert auf sprachliche Qualitäten,<br />

aber insbesondere auch auf<br />

das, was sie „Lesbarkeit“ nennt.<br />

„Meine Zuhörer sind in der Regel<br />

nicht ausgebildete Literaturwissenschaftler,<br />

sondern zum Beispiel Versicherungskauffrauen,<br />

die gern lesen,<br />

sich aber nicht mühsam einen<br />

Text erarbeiten wollen.“<br />

Zu Diskussionen darüber, wie ein<br />

gutes Buch zu definieren ist, kam es<br />

auch, <strong>als</strong> Christine Westermann im<br />

vergangenen Herbst Jurymitglied<br />

beim Deutschen Buchpreis war und<br />

sie versuchte, ihre Titel – unter anderem<br />

„Léon und Louise“ – auf die<br />

Longlist zu bringen. „Es war eine<br />

harte Zeit“, sagt sie – und lächelt<br />

dann über sich selbst, weil sie sich auch<br />

jetzt noch in Rage redet, auch wenn am<br />

Ende mit Eugen Ruges „In Zeiten <strong>des</strong> abnehmenden<br />

Lichts“ ein Buch ausgezeichnet<br />

wurde, mit <strong>des</strong>sen Wahl sie sehr einverstanden<br />

ist. „Unmittelbar danach wollte ich<br />

nie wieder in einer Jury mitarbeiten. Jetzt<br />

habe ich aber doch schon wieder Lust<br />

dazu.“<br />

In vier Jahrzehnten journalistischer Arbeit<br />

hat sie gelernt, Kritik und Rückschläge<br />

einzustecken – und weiterzumachen.<br />

Nur einmal habe sie zu früh aufgegeben,<br />

meint sie: <strong>als</strong> sie im WDR-Fernsehen im<br />

Herbst 2009 in einer eigenen Sendung Bücher<br />

unter dem Titel „west.art“ am späten<br />

Abend vorstellte. Die Quoten waren niedrig,<br />

und die hausinterne Kritik war so heftig,<br />

dass sie krank wurde und nach nur<br />

drei Sendungen aufgab. „Heute denke ich,<br />

dass ich hätte weitermachen sollen. Eine<br />

solche Sendung braucht Zeit, sich zu etablieren.“<br />

Und jetzt? Sie ist voller Ideen und Pläne,<br />

auch wenn sie in den vergangenen Jahren<br />

etwas ruhiger geworden ist. 1990 ist sie<br />

noch einfach mal nach San Francisco aufgebrochen,<br />

nachdem eine Liebe zu Ende<br />

gegangen war. Zehn Jahre pendelte sie zwischen<br />

Köln und den USA, weil sie weiterhin<br />

buchjournal 1/2012


für den WDR tätig war. „So etwas würde<br />

ich gern noch mal machen, dieses Mal in<br />

Rom oder Sydney. Aber ich bin etwas bequem<br />

geworden und inzwischen sehr vernetzt<br />

hier in Köln. Und verheiratet.“<br />

Im Juni 2000 hat sie den Unternehmensberater<br />

Jochen Baller geheiratet, der auch<br />

ihr Agent ist. Die beiden sind sehr gesellig,<br />

haben viele Freunde und sind treue und leidensfähige<br />

Anhänger <strong>des</strong> 1. FC Köln. Heimspiele<br />

ihrer Fußballer erleben sie im Stadion.<br />

„Manchmal fahren wir auch zu Auswärtsspielen<br />

mit, zum Beispiel nach<br />

Freiburg, wo man gut schlemmen kann.“<br />

Christine Westermann steht dazu, dass sie<br />

gern isst und trinkt – und joggt dreimal in<br />

der Woche, um in Form zu bleiben, morgens<br />

um acht, bei Wind und Wetter.<br />

Aufbrüche in unbekanntes Terrain<br />

wünscht sie sich, hat sie konkret aber erst<br />

ansatzweise geplant. Das neue Jahr hat mit<br />

Dreharbeiten für „Zimmer frei!“ begonnen.<br />

Es gibt weiterhin den „Montalk“ und die<br />

Buchtipps. Zudem schreibt sie die Kolumne<br />

für das Buchjournal (siehe Seite 18). Und es<br />

gibt ein eigenes neues Buchprojekt.<br />

erliebt<br />

inFluss... Beratung<br />

Bisher hat Christine Westermann vier<br />

Bücher geschrieben: die Beziehungskomödien<br />

„Baby, wann heiratest du mich?“<br />

(1999) und „Ich glaube, er hat Schluss gemacht“<br />

(2000); „Aufforderung zum Tanz“<br />

(2008), ein Briefwechsel mit dem Journalisten<br />

Jörg Tadeusz; und gemeinsam mit<br />

Westermanns Lesetipps<br />

1. Jochen-Martin Gutsch, Maxim Leo: Sprechende<br />

Männer. Blessing, 304 S., 17,95 € (D) • 18,50 € (A) •<br />

25,90 sFr.<br />

2. Annika Reich: 34 Meter über dem Meer. Hanser,<br />

272 S., 18,90 € (D) • 19,40 € (A) • 26,90 sFr.<br />

3. Friedrich Ani: Süden und die Schlüsselkinder. Droemer<br />

Knaur, 192 S., 8,99 € (D) • 9,30 € (A) • 14,50 sFr.<br />

Stefan Worring ein Buch zum Karneval<br />

(2009) – die gebürtige Erfurterin, die in<br />

Mannheim aufgewachsen ist, ist längst<br />

nicht nur Kölnerin, sondern auch Karnevalistin.<br />

„Worüber das neue Buch sein wird,<br />

weiß ich noch nicht“, sagt sie. „Aber ich<br />

habe das Gefühl, an einem Wendepunkt<br />

zu sein. Genauer kann ich es noch nicht<br />

fassen, aber es scheint, <strong>als</strong> ob sich<br />

manches in neue Richtungen bewegen<br />

wird. Vielleicht greife ich das auf und<br />

schreibe über das Älterwerden und darüber,<br />

wie es ist, auf der Zielgeraden <strong>des</strong><br />

Lebens zu sein.“<br />

Es klingt nach einem ernsten, nachdenklichen<br />

Buch. Geschrieben werden<br />

wird es von einer Frau, die oft unsicher<br />

war, manchmal auch kämpfen und einiges<br />

einstecken musste, die aber mit sich und<br />

ihrem Leben einverstanden ist. „Wenn<br />

mich jemand fragt, wer ich sein möchte,<br />

dann möchte ich Christine Westermann<br />

sein.“ Eine schöne Zwischenbilanz von einer<br />

Frau, die – auch wenn sie ruhiger geworden<br />

ist – noch viel vorhat. Die offen<br />

wirkt, lebendig und immer noch jung. �<br />

und Buchung in Ihrem Reisebüro<br />

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Weltweite buchjournal 1/2012 Flussreisen 17 auf Premium-Niveau


Westermanns Welt<br />

Ein gelungener erster Satz ist schwer, weiß<br />

unsere Kolumnistin Christine Westermann.<br />

Selbst Daniel Glattauer hat schließlich mehr <strong>als</strong><br />

einen Monat um die ersten 15 Wörter seines<br />

neuen Romans gerungen.<br />

Schlag nach<br />

bei Tolstoi<br />

D ie<br />

Frage ist doch, wie fange ich es jetzt an. Wie kriegt diese<br />

Kolumne einen gescheiten Beginn. Und wenn schon nicht<br />

gescheit, dann wenigstens amüsant oder überraschend.<br />

Neulich haben sie in der „Süd<strong>deutschen</strong> Zeitung“ Hellmuth<br />

Karasek interviewt. Zu der Frage, wie wichtig der erste Satz einer<br />

Geschichte ist. Zum Beispiel einer wie dieser: „Ich bin gerade<br />

auf dem Weg zum Emir.“ Kommt harmlos daher, baut aber<br />

eine enorme Bedeutungskulisse auf. Da ist einer immerhin so<br />

wichtig, dass er sich gleich mit einem Emir treffen kann. So weit<br />

Karaseks literarische Analyse. Das Ganze könne <strong>als</strong>o durchaus<br />

noch das Zeug zu einem Drama haben. Vielleicht aber auch<br />

nicht.<br />

„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche<br />

Familie hingegen ist unglücklich auf ihre besondere Art.“<br />

So beginnt Leo Tolstoi seine „Anna Karenina“. Ungeheure Spannung<br />

baue das auf, findet Karasek, schon ist der Leser gefangen<br />

und nach 1 014 Seiten hin und weg. „Anna Karenina“ gehört zu<br />

seinen Lieblingsromanen.<br />

Noch hat Daniel Glattauer, der Bestsellerautor von „Gut gegen<br />

Nordwind“ nicht ganz die literaturhistorische Bedeutung<br />

von Tolstoi erreicht, aber einen Anfang musste schließlich<br />

auch er machen. Die Geschichte seines neuen Romans „Ewig<br />

Dein“ beginnt mit einem Mann, der in der Käseabteilung eines<br />

Supermarktes einer Frau mit seinem Einkaufswagen in die Hacken<br />

rauscht. Um diesen simplen Fakt in eine schöne Form zu<br />

gießen, brauchte es am Ende nur 15 Wörter: „Als er in ihr Leben<br />

trat, verspürte Judith einen stechenden Schmerz, der gleich<br />

wieder nachließ.“ Um diese 15 Wörter hat der Autor allerdings<br />

mehr <strong>als</strong> einen Monat gerungen. Die Erleichterung hätte nicht<br />

größer sein können, <strong>als</strong> der erste Satz endlich auf dem Papier<br />

stand.<br />

Er hat mir das neulich mal in einem Interview erzählt. Danach<br />

bin ich in mich gegangen und habe mich gefragt, ob ich nicht<br />

vielleicht doch geduldiger, gelassener sein sollte beim Bücherlesen.<br />

Den ersten Satz eben nicht so wichtig nehmen. Und ein<br />

»Ich sollte beim Bücherlesen<br />

doch geduldiger werden«<br />

Buch auch nicht schon (?) nach 30, 40 Seiten beiseitelegen, nur<br />

weil es mein Interesse bis dahin noch nicht wecken konnte.<br />

Uwe Tellkamp, sagen die Leute, habe min<strong>des</strong>tens 80 Seiten<br />

gebraucht, bis seine Geschichte vom Turm endlich anfing. Das<br />

sei zu Beginn <strong>als</strong>o ziemlich öde und mühsam gewesen. Der Rest<br />

<strong>des</strong> Buches hingegen, immerhin noch über 900 Seiten, sei überragend<br />

erzählt und geschrieben.<br />

80 Seiten Anlauf, um dann den ganz großen literarischen<br />

Wurf zu landen?<br />

Möglich.<br />

Ich kann es nicht beurteilen. Ich habe sein Buch nicht gelesen.<br />

Was? Die Westermann schreibt Kolumnen für das Buchjournal<br />

und kennt einen <strong>deutschen</strong> Buchpreisträger nicht? Stimmt.<br />

Vielleicht war der Beginn dieser ersten Kolumne nur mäßig,<br />

aber wenn das kein überraschen<strong>des</strong> Ende ist, weiß ich auch<br />

nicht. �<br />

^ Christine Westermann ist Fernseh- und Radiojournalistin und<br />

Autorin. Sie moderiert die Sendung „Montalk“ im WDR-Radio und<br />

gemeinsam mit Götz Alsmann die TV-Sendung „Zimmer frei!“. 2010 wurde<br />

Christine Westermann mit dem Deutschen Radiopreis ausgezeichnet<br />

(siehe Porträt Seite 14).<br />

18<br />

buchjournal 1/2012<br />

© Gustav Kuhweide


© privat<br />

© privat<br />

Ein starkes Buch über die Kraft der Vergebung und eine Lovestory<br />

mit Witz und sagenhaften Charakteren: Corinna Dettmers und<br />

Simone Frank empfehlen zwei außergewöhnliche Romane.<br />

Corinna Dettmers,<br />

Buchhandlung<br />

Anagramm, Berlin<br />

Simone Frank,<br />

Buchhandlung<br />

Pustet, Freising<br />

Versäumnisse<br />

eines Lebens<br />

Nach einem erfüllten Berufsleben <strong>als</strong> Manager<br />

einer Londoner Werbeagentur wird Henry Cage<br />

von seinen Partnern aus der Firma gedrängt<br />

und in den Vorruhestand gesetzt. Plötzlich steht<br />

er vor einem privaten Leben, das er nicht auszufüllen<br />

weiß. Eine Reihe von Unglücksereignissen bringt die angekratzte Stabilität<br />

weiter ins Wanken. Nachdem ihn ein Brief seiner schwer kranken Exfrau<br />

erreicht hat, wird auch die Vergangenheit präsent. Es kommt zu einer erneuten<br />

Annäherung zwischen ihm und seiner Familie, die inneren Frieden verspricht<br />

– zumin<strong>des</strong>t kurzfristig. David Abbott erzählt in seinem späten Debütroman<br />

von einem Mann, der mit den Verfehlungen und Versäumnissen seines<br />

Lebens konfrontiert wird und <strong>des</strong>sen sicheres Lebensgerüst zu zerbrechen<br />

droht. „Die späte Ernte <strong>des</strong> Henry Cage“ ist ein starker Roman über Verlust,<br />

Verantwortung und die Kraft der Vergebung.<br />

^ David Abbott: „Die späte Ernte <strong>des</strong> Henry Cage“.<br />

Übersetzt von Peter Torberg. dtv, 360 S., 14,90 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr.<br />

Tolle Liebesgeschichte<br />

Will hat es nicht leicht – <strong>als</strong> kurzsichtiger Vegetarier lebt er in einer Familie von<br />

Bodybuildern und Extrem-Fleischfressern. Sein junges Leben ändert sich rapide,<br />

<strong>als</strong> seine Mutter stirbt und sein Vater nach einiger Zeit eine neue Frau<br />

kennenlernt. Die Psychotherapeutin Willow zieht bei den Millers ein – im<br />

Schlepptau ihre kleine Tochter Lulu, die dem neunjährigen Will gehörig den<br />

Kopf verdreht. Will und Lulu teilen fortan alles: ihre Gedanken, ihre Sehnsüchte,<br />

ihre Neugierde. Doch langsam werden beide erwachsen, und plötzlich<br />

schleicht sich Fremdheit in ihre zarte, liebevolle Beziehung.<br />

Lulu geht fort, aus dem Haus, aus der<br />

Stadt, doch nicht aus Wills Kopf. Jonathan Evison ist<br />

mit „Alles über Lulu“ ein herrlich zarter, manchmal<br />

aberwitziger Roman gelungen. Sagenhafte Charaktere<br />

und originelle Bilder zeichnen dieses Buch<br />

ebenso aus wie die anrührende Story. Eine tolle<br />

Liebesgeschichte – ganz ohne Schmonz und Schmus,<br />

aber mit ganz viel Herz!<br />

^ Jonathan Evison: „Alles über Lulu“. Übersetzt von<br />

Brigitte Jakobeit, Kiepenheuer und Witsch, 384 S.,<br />

19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

buchjournal 1/2012 19<br />

FUNDSTÜCKE_WAS BUCHHÄNDLER LESEN<br />

Alle Buchhändler-Empfehlungen fi nden Sie unter<br />

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Unsere Special Edition<br />

Im Zeichen<br />

<strong>des</strong> Rosenmonds<br />

Karl-Heinz Biermann<br />

Der dubiose Auftrag eines mysteriösen<br />

Fahrgastes bringt einen Taxifahrer<br />

zurück zu seinen Wurzeln und in<br />

eine Welt aus Geheimnissen, Misstrauen<br />

und Illegalität.<br />

ISBN: 978-3-86279-103-3, € 14,90<br />

Mal so, mal anders<br />

Pia Neuß<br />

Der 13. Geburtstag wird für Lars Oliver<br />

zum Wendepunkt seines Lebens.<br />

Der unauffällige Junge verlebte bis<br />

dahin seine Freizeit, unbeachtet von<br />

seinen gestressten Eltern, mit seinem<br />

einzigen Freund Cospifu, einer Com-<br />

����������������<br />

ISBN: 978-3-86279-225-2, € 6,90<br />

Pappus Pusteblume<br />

Christoph Langner<br />

Pappus ist das Samenkorn<br />

einer Pusteblume das sich in<br />

einer 9-phasigen Entwicklung<br />

vom Samenkorn zum Löwenzahn<br />

und letztendlich zur<br />

Pusteblume verwandelt ...<br />

ISBN: 978-3-86279-101-9, € 11,90<br />

Ein Muss für alle Sci-Fi Liebhaber!<br />

Top-Secret:<br />

Alienbasis auf dem Mars<br />

Peter H. F. Mayer<br />

Christopher Stone und seine Crew<br />

von der „Explorer“ machen sich auf,<br />

um den Mars friedlich zu erobern.<br />

Dass daraus wohl nichts wird, dämmert<br />

Stone, <strong>als</strong> der Funkkontakt zur<br />

Erde abreißt ...<br />

ISBN: 978-3-86683-586-3, € 19,90<br />

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in Halle 4.0, Stand A 403


Lesestoff Romane<br />

CHARAKTERE VOLLER WÜRDE<br />

Wiedersehen mit Emily<br />

Passionierte Leser der Romane<br />

von Stewart O’Nan –<br />

und von ihnen gibt es<br />

glücklicherweise recht<br />

viele! – werden die Protagonistin<br />

seines neuen<br />

Buchs bereits kennengelernt<br />

haben: Die mittlerweile<br />

80 Jahre alte, resolute<br />

und absolut lebenstüchtige<br />

Emily Maxwell bildete bereits das<br />

Zentrum von O’Nans grandiosem Familienroman<br />

„Abschied von Chautauqua“, in dem sich die<br />

Sippschaft nach dem Tod von Emilys Ehemann<br />

zum letzten Mal im Ferienhaus am Meer begegnet,<br />

bevor dieses verkauft werden muss. Nun<br />

<strong>als</strong>o: „Emily, allein“. Der Titel ist selbsterklärend.<br />

Der Mann ist unter der Erde, die Kinder sind verstreut<br />

in alle Winde, noch nicht einmal zu einer<br />

Thanksgiving-Einladung hat es gereicht. In der<br />

Figur dieser Seniorin, die sich innerlich auf das<br />

Ende vorbereitet, ohne dabei in Larmoyanz und<br />

Trübsinn zu verfallen, erweist sich O’Nans große<br />

Könnerschaft: Er ist ein wunderbarer Menschenzeichner,<br />

der sich über seine Charaktere nicht<br />

erhebt und ihnen eine selbstverständliche Würde<br />

verleiht. Das Leben erscheint <strong>als</strong> ein stetiger,<br />

unaufhaltsamer Fluss. Wir fl ießen mit. Emily will<br />

es dann doch noch einmal wissen. Möge sie uns<br />

noch lange erhalten bleiben. cs<br />

^ Stewart O’Nan: „Emily, allein“. Übersetzt von<br />

Thomas Gunkel. Rowohlt, 384 S., 19,95 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

Sterblich<br />

verliebt<br />

BEZIEHUNGSTHRILLER<br />

Im Strudel<br />

fataler Liebe<br />

Nach jahrelanger Pause meldet sich der<br />

Spanier Javier Marías zurück. Wie im Titel<br />

seines Welterfolgs „Mein Herz so weiß“<br />

geht es auch in seinem jüngsten Roman um<br />

Herzensangelegenheiten. Jeden Morgen<br />

hat die Erzählerin María in einem Café ein<br />

scheinbar perfektes Liebespaar beobachtet:<br />

Luisa und Miguel. Eines Tages kommen die<br />

beiden nicht mehr. Erst Monate später erfährt<br />

María, dass ein brutales Verbrechen<br />

sie jäh und für immer auseinandergerissen<br />

hat. Von der verwitweten Luisa zu sich eingeladen,<br />

lernt sie einen engen Freund <strong>des</strong><br />

Paares kennen – Javier, in den sich nunmehr<br />

María sterblich verliebt. So erfährt sie, dass<br />

bei der Ermordung Miguels die Liebe und<br />

der Tod enger miteinander verknüpft waren,<br />

<strong>als</strong> es die Polizei für möglich gehalten<br />

hatte. Ein großer Roman über die großen<br />

Themen <strong>des</strong> Lebens, an <strong>des</strong>sen dramatischem<br />

Höhepunkt<br />

María das Schicksal<br />

zweier Verliebter in ihrer<br />

Hand hat. ub<br />

^ Javier Marías: „Die<br />

sterblich Verliebten“.<br />

Übersetzt von Susanne<br />

Lange. S. Fischer, 432 S.,<br />

19,99 € (D) • 20,60 €<br />

(A) • 30,50 sFr.<br />

© casenbina<br />

PREISGEKRÖNTE PROSA<br />

Bittere Erinnerungen<br />

Erinnerungen an die eigene<br />

Jugend sind bisweilen trügerisch<br />

– und schmerzhaft.<br />

Für den pensionierten Historiker<br />

Tony in Julian Barnes’<br />

Roman gerät die Reise in<br />

die Vergangenheit sogar zu<br />

einer höchst bitteren Erfahrung,<br />

die in der Frage gipfelt,<br />

welche Verantwortung<br />

er am Jahrzehnte zurückliegenden Selbstmord<br />

seines besten Freun<strong>des</strong> Adrian trägt. Alles beginnt<br />

mit einer Erbschaft, die Tony überraschend von<br />

der Mutter seiner Ex-Freundin Veronika erhält, die<br />

unter anderen Adrians Tagebuch umfasst. Je tiefer<br />

sich Tony in die Geschehnisse der 1960er Jahre<br />

vergräbt – eine Zeit, <strong>als</strong> er und seine Freunde die<br />

Snobs gaben und Marx und Camus verehrten –,<br />

umso größer werden die Risse in seinem scheinbar<br />

festgefügten Leben. Ein großartiger Roman,<br />

für den Barnes 2011 zu Recht mit dem Booker-<br />

Preis ausgezeichnet wurde. bai<br />

^ Julian Barnes: „Vom Ende einer Geschichte“.<br />

Übersetzt von Gertraude Krueger. Kiepenheuer &<br />

Witsch, 192 S., 18,99 € (D) • 19,60 € (A) • 27,90 sFr.<br />

AUF NACH SÜDEN!<br />

Peinlichkeiten <strong>des</strong> Alltags<br />

Unfalltod der Tochter, verfehlter<br />

Adoptionsversuch,<br />

Proll-Nachbarn mit Kampfhunden,<br />

eine kettenrauchende<br />

alte Dame, abscheulicher<br />

Vater, abscheulicher<br />

Stiefvater und ein<br />

Chefredakteur, der sich<br />

gern am Telefon ausheult.<br />

Und dann schließt sich die<br />

Ehefrau noch den Zeugen Jehovas an. Nein, recht<br />

erhebend klingt dies nicht. Doch von alldem und<br />

den tückischen Peinlichkeiten <strong>des</strong> Alltags erzählt<br />

Dietmar Sous mit Humor, beschwingter Leichtigkeit<br />

und viel Herz für seine Figuren. Natürlich<br />

spielt die Musik wie in allen Büchern <strong>des</strong> 1954<br />

geborenen Autors eine große leitmotivische<br />

Rolle – der 56-jährige Ich-Erzähler ist Rockmusikkritiker.<br />

Doch die Fallhöhe ist bei ihm noch<br />

nie so groß gewesen wie in diesem Roman.<br />

Am Ende geht es auf nach Süden, auf dem Beifahrersitz<br />

die aus dem Altersheim befreite<br />

Nachbarin Frau Hauenstein! ky<br />

^ Dietmar Sous: „Sweet about me“. Knaus, 192 S.,<br />

16,99 € (D) • 17,50 € (A) • 24,50 sFr.<br />

20<br />

buchjournal 1/2012


LEBEN AUF DEM PRÜFSTAND<br />

Reise durch Absurdistan<br />

Der Mann ist nur in einem Land unterwegs: Absurdistan.<br />

Selbstironie, Sinnsuche und Skepsis prägen<br />

das Dasein von W., einem Reisejournalisten,<br />

der nie reist und Ost-Berlin seit der Wende nicht<br />

verlassen hat. Als jedoch nach einem Text über<br />

Nordkorea auffl iegt, dass alle Reportagen nur<br />

Kopfgeburten waren, bricht das reale Leben in die<br />

Fiktion ein. In Rayk Wielands Roman „Kein Feuer,<br />

das nicht brennt“ steht das Dasein auf dem Prüfstand.<br />

So viel scheint unwirklich, selbst <strong>als</strong> W. sich<br />

erstm<strong>als</strong> auf eine Reise zur Chinesischen Mauer<br />

aufmacht. Dass selbst die Flammen im Bildschirm-<br />

Kamin nur virtuell lodern, kann der Antiheld nur<br />

mit viel Humor aushalten.<br />

Alles Kopie? Alles schon<br />

gesehen, ob mit eigenen<br />

Augen oder nicht? Wieland<br />

schockiert und amüsiert<br />

zugleich. Denkwürdig. pms<br />

^ Rayk Wieland: „Kein<br />

Feuer, das nicht brennt“.<br />

Kunstmann, 160 S., 16,95 €<br />

(D) • 17,40 € (A) • 24,50 sFr.<br />

FOLGEN EINER OHRFEIGE<br />

Blick hinter die Fassaden<br />

„Die Ohrfeige schallte durch den ganzen Garten.<br />

Als ginge ein Riss durch die Abenddämmerung.“<br />

Nicht nur durch die Abenddämmerung geht dieser<br />

Riss: Der Cousin <strong>des</strong> Gastgebers einer Barbecue-<br />

Party in einem Vorort von Melbourne gibt einem<br />

widerborstigen Dreijährigen eine Ohrfeige, und<br />

deren Widerhall ist durch den gesamten Roman<br />

<strong>des</strong> Australiers Christos Tsiolkas spürbar. Aus den<br />

verschiedenen Perspektiven der Gäste, die entweder<br />

empört oder zustimmend reagieren, gerät<br />

man immer tiefer hinein in die Geschichten und<br />

Gemütszustände der einzelnen Figuren – und erkennt<br />

nach und nach die Verwerfungen, Verschiebungen,<br />

Verstörungen einer multikulturellen Gesellschaft<br />

zu Beginn <strong>des</strong> 21. Jahrhunderts. „Nur<br />

eine Ohrfeige“ lässt aus einer kleinen, scheinbar<br />

unbedeutenden Szene ein ganzes Panorama entstehen.<br />

Ein zu Recht gefeierter<br />

Roman, der subtil einen<br />

Blick hinter die Fassaden<br />

von Suburbia wirft. rüd<br />

^ Christos Tsiolkas: „Nur<br />

eine Ohrfeige“. Übersetzt<br />

von Nicolai von Schweder-<br />

Schreiner. Klett-Cotta,<br />

510 S., 24,95 € (D) •<br />

25,70 € (A) • 34,90 sFr.<br />

buchjournal 1/2012 21<br />

UNTER RÄUBERN<br />

Hannikel und seine Bande<br />

Als im 18. Jahrhundert<br />

Frankreichs Adel unter der<br />

Guillotine fi el, zitterte<br />

man zwischen Schwarzwald<br />

und Elsass vor einer<br />

anderen Heimsuchung.<br />

Der Räuber Hannikel lauerte<br />

mit seiner Bande<br />

nicht nur im Wald, sondern<br />

suchte seine Opfer in ihren<br />

Häusern heim: „Zigeuner, ungefähr 40 Jahre alt,<br />

etwa 5 Schuh und 2 Zoll groß, von Gesicht<br />

schwarzbraun, gibt sich <strong>als</strong> Jäger aus“, hieß es<br />

im Steckbrief. Nach einem brutalen Ehrenmord<br />

half diese Tarnung nicht mehr. Der 1944 in Bern<br />

geborene Lukas Hartmann hat aus dem historischen<br />

Stoff vom Hannikel und seinem Jäger<br />

Jacob Schäffer, Oberamtmann von Sulz, einen<br />

Roman gemacht, der das Räuberleben seiner<br />

Romantik aber nicht seiner Spannung entkleidet.<br />

Aus Sicht <strong>des</strong> Schreibers Grau erscheinen<br />

die „Jauner“, vor allem der junge Sohn Hannikels,<br />

hier nicht <strong>als</strong> unverbesserliche Verbrecher,<br />

sondern <strong>als</strong> Ausgestoßene, die nie eine<br />

Chance hatten, ehrbar zu leben. ub<br />

^ Lukas Hartmann: „Räuberleben“. Diogenes,<br />

352 S., 22,90 € (D) • 23,60 € (A) • 38,90 sFr.<br />

GESCHICHTE EINES SEITENSPRUNGS<br />

Langsames Scheitern<br />

Es ist der Zufall, nicht die<br />

Liebe auf den ersten Blick,<br />

die Gina und Sean, beide<br />

verheiratet, zum Seitensprung<br />

verleitet. Damit beginnt<br />

eine Amour fou, die<br />

ihr bisheriges Leben in<br />

Trümmer legen wird. Gina,<br />

die Ich-Erzählerin, berichtet<br />

im typischen Enright-Sound<br />

vom schicksalhaften Ereignis: Nüchtern, nonchalant<br />

gelegentlich fast fl apsig im Ton erzählt sie<br />

von der Geschichte einer Liebe, die in einem Gespinst<br />

aus Heimlichkeiten und Lügen beginnt und<br />

in den Niederungen einer Patchworkfamilie endet.<br />

Die „Anatomie einer Affäre“ hält keine wunderbare<br />

Wendung, keinen Knalleffekt am Ende<br />

bereit, sondern breitet die Geschichte eines langsamen<br />

Scheiterns aus – der man <strong>als</strong> Leser fasziniert<br />

und betroffen folgt. bai<br />

^ Anne Enright: „Anatomie einer Affäre“. Übersetzt<br />

von Hans-Christian Oeser und Petra Kindler. DVA,<br />

320 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

Jussi Adler-Olsen<br />

Donna Leon<br />

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für Leser 2012<br />

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ROMANE_PORTRÄT<br />

Als Survivor Child ist<br />

Jessica Durlacher von<br />

der Nazivergangenheit und<br />

deren Folgen geprägt. In ihrem<br />

neuen Roman „Der Sohn“ wird<br />

Zeitgeschichte zum Thriller.<br />

Meisterin<br />

der<br />

Emotion<br />

TEXT: ANITA STRECKER<br />

S ie<br />

ist mal wieder da, angekommen in<br />

ihrer Vergangenheit, die doch immer<br />

auch Gegenwart ist. Feiner Regen nieselt<br />

vom wintergrauen Himmel, färbt die Straße<br />

vor dem kleinen Bahnhof im Städtchen<br />

Bloemendaal schwarz, lässt sie glänzend<br />

ansteigen, den Hang hinauf, vorbei an<br />

stattlichen alten Steinhäusern, die in zugewachsenen<br />

Gärten stehen. Jessica Durlacher<br />

ist hinter den großen Fenstern im Erdgeschoss<br />

schon von der Straße aus zu sehen.<br />

Groß, schlank, die langen blonden<br />

Haare locker hinter die Ohren gesteckt,<br />

steht sie in der Küche, hantiert am Smartphone,<br />

bemerkt den Gast und öffnet auch<br />

schon lachend die große Holztür in ihr<br />

weitläufiges Haus mit den alten Motivfliesen<br />

am Eingang, weißen Landhausmöbeln<br />

und lässig schicken Vintageteppichen auf<br />

den Dielenböden.<br />

Nur wenige Kilometer entfernt, in<br />

Amsterdam, ist sie aufgewachsen. Ähnlich<br />

wie die Ich-Erzählerin Sara in ihrem<br />

jüngsten Buch. Und wie sie selbst lässt Jessica<br />

Durlacher auch Sara am Ende mit ihrer<br />

Familie nach Kalifornien übersiedeln, um<br />

dort schreibend die Vergangenheit abzuschütteln,<br />

die sie und ihre Familie fast lebensbedrohlich<br />

bis in die Jetztzeit verfolgt.<br />

Sara ist ein Survivor Child, Kind eines<br />

KZ-Überlebenden – so, wie sie selbst. Tochter<br />

<strong>des</strong> Soziologen und Schriftstellers Ger-<br />

© Karin van Til<br />

Jessica Durlacher: Sie erzählt spannende Geschichten, die anrühren und fesseln<br />

hard Durlacher, der <strong>als</strong> Einziger seiner jüdischen<br />

Familie Auschwitz überlebte. Ein<br />

Trauma, das das ganze Leben überschattet,<br />

sich fortpflanzt, auch Kinder und Kin<strong>des</strong>kinder<br />

prägt.<br />

Die Verwundungen und die Auseinandersetzungen<br />

der Nachgeborenen mit der<br />

Nazivergangenheit ziehen sich wie ein<br />

roter Faden durch die Romane der 50-Jährigen,<br />

die im schwarzen Mini über den Leggins<br />

und Stiefeletten locker zehn Jahre<br />

jünger aussieht: „Das Gewissen“, „Die<br />

Tochter“, „Emoticon“, jetzt: „Der Sohn“.<br />

Die Vergangenheit holt selbst die Enkel<br />

ein, lenkt deren Lebenswege. Man mag<br />

beim Lesen viele Parallelen sehen zwischen<br />

Sara und Jessica. In Saras Mann, den Filme-<br />

macher und Produzenten Jacob, gar Jessica<br />

Durlachers Mann, den Schriftstellerkollegen<br />

und Filmemacher Leon de Winter,<br />

erkennen. Und wie im wahren Leben hat<br />

auch das Paar im Buch einen Sohn und<br />

eine Tochter. Jessica Durlacher lacht, wirft<br />

die blonden Haare über die Schulter und<br />

schließt biografische Analogien kategorisch<br />

aus. Ja, sie spielt mit allen Zutaten,<br />

die Familie und ihr Umfeld so bieten, sagt<br />

sie. Aber der Plot ist frei erfunden.<br />

In ihm wird Zeitgeschichte zum Psychothriller,<br />

der Saras sorgloses Leben auf mysteriöse<br />

Weise aus den Angeln hebt. Ihr<br />

sanftmütiger Sohn verpflichtet sich in den<br />

USA bei den Marines, um in Afghanistan<br />

zu kämpfen, sie wird Opfer einer Vergewaltigung,<br />

die Familie überfallen, ihr Mann<br />

22<br />

buchjournal 1/2012


Zur Person<br />

Jessica Durlacher, 1961 in Amsterdam geboren, ist<br />

mit ihren Romanen „Das Gewissen“, „Die Tochter“<br />

und „Emoticon“ in den Niederlanden eine Bestsellerautorin.<br />

Für ihr Buch „Der Sohn“ erhielt sie den<br />

Opzij-Literaturpreis 2010 <strong>als</strong> bestes Buch <strong>des</strong> Jahres.<br />

Sie lebt mit ihrem Mann Leon de Winter und ihren<br />

zwei Kindern in Bloemendaal und in Kalifornien.<br />

niedergeschossen, Tochter Tess bedroht.<br />

Heimsuchungen, die aus der Vergangenheit<br />

herrühren und traumatisierende Gegenwart<br />

werden, weil eben nicht nur das<br />

Leid der Nazi-Opfer das Leben ihrer Nachkommen<br />

prägt, sondern auch Hass und<br />

rechtsextreme Gewalt der Täter immer neuen<br />

Hass, neue Gewalt, neue Täter gebären.<br />

„Der Sohn“ ist ein atemlos spannen<strong>des</strong><br />

Buch, das von Schweigen und Ohnmacht<br />

handelt, vom Ausgeliefertsein und von der<br />

verzweifelten Hilfl osigkeit, seine Lieben<br />

nicht beschützen zu können. Aber auch<br />

von Gegenwehr, der Möglichkeit zur Revanche<br />

und der Entschlossenheit, nicht<br />

länger Opfer zu sein.<br />

Jessica Durlachers Ansatz, sich mit NS-<br />

Terror und seinen Folgen aus dem Blickwinkel<br />

der Menschen von heute zu befassen,<br />

ist lebensnah, bisweilen erschreckend<br />

aktuell – wie jetzt, angesichts der rechtsextremen<br />

Mordserie in Deutschland. Dabei<br />

schreibt sie nicht mit erhobenem Zeigefi nger,<br />

sondern will spannende Geschichten<br />

von Menschen und ihren Abgründen erzählen.<br />

Geschichten, die anrühren, fesseln.<br />

„Emotion schafft eine Vorstellung.“ Mit<br />

großer Empathiefähigkeit und psychologischem<br />

Feinsinn durchdringt sie jede ihrer<br />

Figuren, dass je<strong>des</strong> Wort, jede Reaktion<br />

zutiefst glaubwürdig erscheinen.<br />

Das kostet Kraft. Zumal sie sich vorhält,<br />

zu wenig Fantasie und Leichtigkeit zu haben.<br />

Anders <strong>als</strong> ihr Mann Leon, der jederzeit<br />

„selbst mitten im größten Tumult am<br />

Küchentisch schreiben kann“, braucht sie<br />

absolute Ruhe und Konzentration. „Wenn<br />

ich losmuss, die Kinder abzuholen, oder<br />

irgend jemand anruft, ist der Arbeitstag<br />

gelaufen.“<br />

„Der Sohn“ hat sie in ihrer Wahlheimat<br />

Los Angeles geschrieben. Ein Ort, an dem<br />

beide, Leon de Winter und sie, „vollkommen<br />

frei arbeiten können“. Der durch seine<br />

Weite und Vielfalt interessanter und inspi-<br />

buchjournal 1/2012 23<br />

rierender für sie ist <strong>als</strong> das beschauliche<br />

Holland. An dem sie aber immer auch ein<br />

bisschen Heimweh verspürt – gut für die<br />

Arbeit, wie sie sagt. „Schreiben wird dadurch<br />

so was wie ein Versteck für mich,<br />

meine eigene Welt.“<br />

Die braucht sie auch für ihre Recherchen<br />

und Gedanken. Jede ihrer Geschichten ist<br />

zu Ende gedacht, ehe sie sich ans Schreiben<br />

macht. So, wie sie sich <strong>als</strong> Kind immer tausend<br />

Gedanken machte. „Extrem sorgsam“<br />

war, dass es ihrem Vater gut geht. „Ich<br />

wollte immer alles richtig machen, immer<br />

die Beste sein.“ Bis ihr klar wurde, dass sie<br />

sich davon lösen muss. Mit 17 zog sie aus.<br />

Studierte niederländische Literatur, gründete<br />

nebenbei mit Freunden eine eigene<br />

Literaturzeitschrift, erhielt schließlich<br />

auch von anderen Medien Aufträge für Literaturkritiken.<br />

So lernte sie Leon de Winter<br />

kennen. Sohn jüdischer Eltern – und<br />

Survivor Child wie sie. „Nach dem zweiten<br />

Interview mit ihm hat er angefangen, mich<br />

anzurufen.“<br />

Zwei Autoren unter einem Dach, zwei,<br />

die sich obendrein mit ähnlichen Themen<br />

befassen – „doch, das geht“, sagt Durlacher.<br />

Ohne Konkurrenz. Im Gegenteil. Sie<br />

lesen sich ihre Texte gegen, geben Tipps<br />

und schreiben konsequent im Schichtdienst.<br />

„Während der eine an einem Buch<br />

arbeitet, kümmert sich der andere um die<br />

Kinder und alles andere.“<br />

Auch inhaltlich kommen sie sich nicht<br />

ins Gehege, sagt Jessica Durlacher. Während<br />

Leon de Winter <strong>als</strong> politischer Kopf<br />

ständig in der Öffentlichkeit präsent ist –<br />

oft auch heftig umstritten –, konzentriert<br />

sie sich ganz auf ihre Literatur. Ihre Bücher<br />

werden anders <strong>als</strong> die ihres Mannes von der<br />

Kritik in den Niederlanden ausnahmslos<br />

gelobt, „dafür verkaufen sich die von Leon<br />

besser“. Aber das, sagt sie und lacht, ändert<br />

sich auch noch. �<br />

Lesezeichen<br />

Jessica Durlacher: Der Sohn.<br />

Übersetzt von Hanni Ehlers.<br />

Diogenes, 416 S.,<br />

22,90 € (D) • 23,60 € (A) •<br />

38,90 sFr.<br />

Sind Sie<br />

bereit für eine<br />

Reise hinter<br />

alle Grenzen?<br />

272 Seiten, ISBN 978-3-485-01368-0<br />

s D 19,99 / CHF 29,90 (UVP)<br />

Geheimnisvoll.<br />

Intelligent.<br />

Mitreißend.<br />

Der sensationelle Roman<br />

<strong>des</strong> Bestsellerautors.<br />

www.nymphenburger-verlag.de


ROMANE_DEBÜT<br />

Hier sind die Entdeckungen <strong>des</strong> Bücherfrühlings: junge Autoren, die mit erzählfreudigen<br />

Romanen überzeugen. Vier von ihnen sind bei der Leipziger Buchmesse live zu erleben.<br />

Dem Leben abgelauscht<br />

Der Vergangenheit<br />

auf der Spur<br />

Vielleicht ist dies der perfekte<br />

Roman für Ihren nächsten Sommer<br />

– in jedem Fall dann, wenn<br />

Sie einen Bretagne-Urlaub planen.<br />

Denn in „Sommertöchter“<br />

erzählt Lisa-Maria Seydlitz von<br />

drückend schwülen Nächten, in<br />

denen nur eine kalte Dusche ein<br />

wenig Abkühlung bringt, von<br />

malerischen Dörfern an der französischen<br />

Atlantikküste und<br />

vom trägen Leben in der<br />

Sommerhitze. Und von<br />

Menschen, die traurig sind,<br />

weil ihnen die Familie und<br />

das Glück abhandengekommen<br />

sind – und von Menschen,<br />

die zueinanderfi nden.<br />

Juno erfährt durch einen<br />

anonymen Brief von<br />

einem Häuschen in Frankreich, das sie von ihrem<br />

verstorbenen Vater geerbt hat. Da ihre Mutter<br />

Antworten verweigert, setzt sich die junge Frau<br />

kurzerhand ins Auto, um der Sache auf den Grund<br />

zu gehen. Das Haus ist allerdings schon von der<br />

Kellnerin Julie besetzt, die mit Junos Kindheit, die<br />

in Rückblenden vergegenwärtigt wird, in Beziehung<br />

zu stehen scheint. Ihr Handwerk hat die<br />

26-jährige Lisa-Maria Seydlitz beim Studium <strong>des</strong><br />

Kreativen Schreibens in Hil<strong>des</strong>heim gelernt. Als<br />

Stipendiatin am Klagenfurter Literaturkurs traf<br />

die Mannheimerin einen Lektor <strong>des</strong> DuMont-Verlags,<br />

der sie anspornte, ihren ersten Roman zu<br />

schreiben. Drei Jahre hat sie daran gearbeitet,<br />

und es hat sich gelohnt: „Sommertöchter“ ist ein<br />

Buch, das den Leser anrührt und auch sprachlich<br />

ein Genuss ist – empfehlenswert! bai<br />

Leipziger Buchmesse: Lisa-Maria Seydlitz liest am Donners<br />

tag, 15. März, ab 20 Uhr in der Moritzbastei<br />

^ Lisa-Maria Seydlitz: „Sommertöchter“.<br />

DuMont, 208 S., 18,99 € (D) • 19,60 € (A) •<br />

27,50 sFr.<br />

Gestrandet auf<br />

dem Campingplatz<br />

Für einen Auszug aus seinem Debütroman „Die Glücksparade“<br />

erhielt der 1979 in Mainz geborene Andreas Martin Widmann<br />

2010 den Robert-Gernhardt-Preis und steht damit in einer Reihe<br />

mit Schriftstellern wie Andreas Maier und Peter Kurzeck. Simon<br />

ist 15 Jahre alt und wächst auf in einem Umfeld, in dem die soziale<br />

Realität sämtliche einst hochfl iegenden Pläne eingeholt hat:<br />

Sein Vater nimmt einen Job <strong>als</strong> Mädchen für alles auf einem<br />

Dauer campingplatz an; ein 29 Quadratmeter großer Wohncontainer<br />

wird Simons neues Zuhause. Der Campingplatz ist ein Sammelbecken<br />

kurioser, gestrandeter, merkwürdiger Figuren. Lisa,<br />

die Tochter eines Bewohners, schafft es bis ins Fernsehen: Das ist Andreas M. Widmann<br />

nicht viel, aber mehr, <strong>als</strong> andere sich erträumen.<br />

Und bald bemerkt Simon, dass auch sein Vater ein spezielles Verhältnis<br />

zu Lisa zu haben scheint. Widmann erzählt in ruhigem Tonfall<br />

eine Coming-of-Age-Geschichte, deren Traurigkeit und Melancholie immer<br />

wieder auch durchsetzt ist von Augenblicken der Hoffnung. cs<br />

Leipziger Buchmesse: Andreas M. Widmann liest am Donnerstag, 15. März, um 21 Uhr<br />

im Skala im Leipziger Centraltheater (Gottschedstraße 16)<br />

^ Andreas Martin Widmann: „Die Glücksparade“. Rowohlt,<br />

208 S., 16,95 € (D) • 17,50 € (A) • 24,50 sFr. Erscheint am 9. März<br />

24<br />

© severafrahm<br />

Lisa-Maria Seydlitz<br />

© Ramune Pigagaite<br />

buchjournal 1/2012


Verhängnisvoller<br />

Vorfall<br />

Schramm kann Unkraut nicht ausstehen. Im<br />

Sommer fängt er schon in aller Frühe damit an,<br />

die kleinsten Fugen seiner Garageneinfahrt<br />

vom lästigen Bewuchs zu befreien. Schramm<br />

hat Zeit. Seit Monaten ist er krankgemeldet<br />

vom Schuldienst, Rückkehr ausgeschlossen.<br />

Irgend etwas ist vorgefallen mit einem Schüler.<br />

Schramms Gedanken kreisen unentwegt um<br />

diesen Schüler und um seinen eigenen Bruder<br />

Viktor, der ihn an diesem Tag besuchen kommen<br />

wird. Nina Bußmann (31) hat mit Schramm<br />

eine seltsame Figur erdacht: einen Eigenbrötler,<br />

ohne Familie oder Partnerin, der im gesamten<br />

Roman – neben dem Unkrautbeseitigen<br />

– nichts anderes tut, <strong>als</strong> über andere Menschen<br />

nachzudenken. Bußmanns ungemein<br />

Nina Bußmann<br />

präzise Sprache steht in<br />

scharfem Kontrast zu Schramms Gedanken, die schweifen und vage bleiben.<br />

Er klopft seine Erinnerungen ab, er horcht in sich hinein, doch bis<br />

zuletzt bleibt unklar, was in der Schule passiert ist. Ein hochliterarischer<br />

Text, der 2011 in Klagenfurt mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet wurde. bai<br />

buchjournal 1/2012 25<br />

Leipziger Buchmesse: Nina Bußmann liest am Don ners tag, 15. März, ab 20 Uhr in<br />

der Moritzbastei<br />

^ Nina Bußmann: „Große Ferien“. Suhrkamp, 202 S., 17,95 € (D) •<br />

18,50 € (A) • 25,90 sFr. Erscheint am 12. März<br />

© Monalyn Gracia / Corbis / Fotomontage<br />

© Susanne Schleyer / Suhrkamp Verlag<br />

Der neue<br />

Roman von<br />

Frank Goosen<br />

Roman. 320 Seiten. Gebunden<br />

€ (D) 19,99 / € (A) 20,60 / sFr 28,90<br />

Frank Goosen<br />

Sommerfest<br />

Roman<br />

Ein hinreißend witziger,<br />

cooler und warmherziger<br />

Roadtrip durch den »Pott«.<br />

Und die Geschichte einer<br />

großen Liebe.<br />

www.kiwi-verlag.de


Fünf Jungen, wie sie unterschiedlicher<br />

nicht sein könnten.<br />

Ferien. Und eine Entdec kung,<br />

die das Leben der Kinder<br />

radikal verändern wird. Was <strong>als</strong><br />

Spiel beginnt, <strong>als</strong> Abenteuer für<br />

einen Tag, führt zum spurlosen<br />

Verschwinden der fünf und zu<br />

einem Kampf auf Leben und<br />

Tod. Völlig von der Außenwelt<br />

abgeschnitten, verwandelt<br />

sich Hoffnung in Panik, wird<br />

Freundschaft zu Wahnsinn.<br />

Und der einzige Mensch, der<br />

ahnt, wo die Jungen sein könn -<br />

ten, ist ein alter Mann. Ein alter<br />

Mann, der nur noch auf seinen<br />

Tod wartet …<br />

Nach seinem Bestseller-Debüt<br />

»Rattentanz« legt Michael Tietz<br />

mit »Apfeldiebe« einen weiteren<br />

packenden Roman mit<br />

Psychothriller-Qualitäten vor.<br />

Apfeldiebe<br />

Michael Tietz<br />

ISBN 978-3-937357-52-2<br />

464 Seiten, Hardcover<br />

16,95 Euro<br />

www.bookspot.de<br />

26<br />

Sommerleichte<br />

Coming-of-Age-Geschichte<br />

Max ist 15 und die Welt erscheint<br />

ihm, typisch Pubertät, <strong>als</strong> ein Planet<br />

mit tausend Geheimnissen. Da ist<br />

der kugelbäuchige Vater, ein Architekt<br />

und Gourmet, der in manischen<br />

Schüben die Bilder seiner verschwundenen<br />

Frau überpinselt.<br />

Dort der beste Freund,<br />

der dank der Klassenschönheit<br />

mit dem morbiden<br />

Touch zum Volltrottel mutiert.<br />

Und da ist Sofi a, eine<br />

fl atterhafte Blondine, die<br />

sich erstaunlicherweise für<br />

„Wunderbare Insekten“, das<br />

Lieblingsbuch <strong>des</strong> eigenbrötlerischen<br />

Romanhelden, interessiert.<br />

Die sommerleichte Coming-of-Age-Geschichte<br />

<strong>des</strong> 25-jährigen<br />

Elias Wagner spielt auf<br />

Elias Wagner<br />

kleinem Raum, zwischen Max’ Bett<br />

und einer Schwimminsel im Starnberger<br />

See. Doch von hier aus ziehen die Gedanken und Gefühle der Figuren abenteuerliche<br />

Kreise. Wagner, der in München Medizin studiert, entdeckte sein Talent im Literaturzirkel<br />

seines Gymnasiums. Für den Abschluss seines ersten Romans wurde er vom Literaturhaus<br />

München mit einem Stipendium gefördert. aw<br />

Leipziger Buchmesse: Elias Wagner liest am Donnerstag, 15. März, ab 20 Uhr in der Moritzbastei<br />

^ Elias Wagner: „Vom Liebesleben der Mondvögel“. Hoffmann und Campe,<br />

224 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 31,90 sFr. Erscheint am 9. März<br />

© Jonas Merz<br />

Verschlungene<br />

Lebenspfade<br />

Drei Clans, acht Generationen: Michèle Minellis stattliche<br />

Familiensaga ist eine tollkühne Reise durch 150 Jahre und<br />

83 Länder. Am Ende <strong>des</strong> über 700 Seiten starken Romans<br />

landet man im Zürich der Gegenwart, bei der Ornithologin<br />

Aude. Es ist die Geschichte ihrer Familie, die hier erzählt<br />

wird. Wir begegnen einem feinsinnigen Perückenmacher,<br />

einem geschäftstüchtigen Zwerg, eigenwilligen Ehefrauen<br />

und faulen Söhnen, Juden, Christen, Menschen in<br />

Kriegszeiten, Flüchtlingen und ausgewanderten Bürgern,<br />

die im Exil auf das große Geld hoffen. Allesamt Charakterköpfe,<br />

deren Lebenswege sich über Generationen hinweg<br />

Michèle Minelli<br />

auf verschlungenen Pfaden kreuzen –<br />

und die sich in ihrem Wollen und in ihren Wünschen doch gänzlich<br />

fremd sind. Diese Multiperspektivität verhilft Minellis Opus zu einer inneren<br />

Spannung, die bis zum Ende unaufgelöst bleibt. So vielschichtig<br />

wie ihr Roman, so bunt ist der Lebenslauf der 44-jährigen Schweizerin,<br />

die <strong>als</strong> Aufnahmeleiterin beim Film, Drehbuchautorin, Dozentin für Kreatives<br />

Schreiben und Mediatorin gearbeitet hat. aw<br />

^ Michèle Minelli: „Die Ruhelosen“. Aufbau, 752 S.,<br />

24,99 € (D) • 25,70 € (A) • 35,50 sFr.<br />

buchjournal 1/2012<br />

© Anne Bürgisser


© Birgitta Kowsky<br />

Schmerzvoll-schräge<br />

Spurensuche<br />

Manchmal genügt ein guter Satz, der ein Buch<br />

glaubwürdiger macht. Einer wie dieser: „Nirgendwo,<br />

nicht im Himmel und nicht in der Hölle,<br />

sitzt jemand und verteilt Unglück gerecht auf<br />

Lebensläufe.“ Traudl Bünger schildert in „Lieblingskinder“<br />

ein spätes Erwachsenwerden. Rosalie<br />

kann sich nur schwer vom Vater lösen. Als<br />

ihr Held, und da ist sie schon in den Dreißigern,<br />

plötzlich verschwunden ist, macht sie sich auf<br />

eine schmerzvoll-schräge Spurensuche. Wo ist Papa? Die Staatsanwältin<br />

geht die Sache, da Aktenordner und Akribie ihr berufl ich ei-<br />

Traudl Bünger<br />

gen sind, zielgerichtet an. Wären da nicht die Emotionen, die sie<br />

manche Regel vergessen lassen. Oder wäre da nicht der ehemalige Nachbarjunge Tobias. Er<br />

sitzt im Rollstuhl und entwickelt sich zu einem attraktiven, klug-erotischen Partner ihrer<br />

Recherchen. Bünger zeichnet ein Familien-Szenario, das verstehen lässt, warum wir so wenig<br />

voneinander wissen. Und ebenso, wie schmerzhaft es sein kann, Fassaden herunterzureißen.<br />

Dabei spielt auch der Untergang der guten alten Glühbirne eine entscheidende Rolle.<br />

Falls sie kein Lampenschirm umhüllt, blendet sie auch, wenn sie mattiert ist. Grell ... pms<br />

^ Traudl Bünger: „Lieblingskinder“. Kiepenheuer & Witsch, 256 S., 17,99 € (D) • 18,50 € (A) • 25,90 sFr.<br />

Sehnsucht trifft auf Wirklichkeit<br />

Schon in ihren beiden Erzählungsbänden hat Franziska Gerstenberg, Jahrgang 1979, in Dresden geboren<br />

und Absolventin <strong>des</strong> Deutschen Literaturinstituts in Leipzig, sich <strong>als</strong> kühle Beobachterin<br />

menschlicher Minidramen erwiesen. In ihrem Debütroman erzählt sie aus einer Welt, in der die<br />

Tabus gefallen sind, alle Wünsche erfüllbar scheinen – und irgendwo, ganz in der Ferne, die Liebe<br />

<strong>als</strong> Bedrohung lauert. Reinhard ist 50 Jahre alt, Rechtsanwalt und geschieden. Kristine ist zehn<br />

Jahre jünger und alleinerziehende Mutter. Über ein virtuelles Kontaktforum haben sie sich kennengelernt.<br />

Ihre streng choreografi erten sexuellen Rollenspiele nehmen immer bizarrere Formen an,<br />

bis sie eines Tages einen Schritt zu weit gehen und Emma, Kristines sechsjährige Tochter, dem<br />

vermeintlichen Spiel eine völlig neue Wendung gibt. „Spiel mit ihr“ ist eine Versuchsanordnung: Was<br />

geschieht, wenn erotische Fantasien, die mit Sehnsucht aufgeladene Parallelwelt <strong>des</strong> Internets und<br />

der banale Alltag aufeinanderprallen? Es gibt einen Knall. Nicht allzu laut, aber nachhaltig. cs<br />

Leipziger Buchmesse: Franziska Gerstenberg liest am Donnerstag,15. März, um 17.30 Uhr in Halle 5, D 200<br />

^ Franziska Gerstenberg: „Spiel mit ihr“. Schöffl ing, 264 S., 19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

buchjournal 1/2012 27<br />

Franziska Gerstenberg<br />

© Bettina Fürst-Fastré<br />

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Thema (Klasse A), Das Licht (Klasse B)<br />

und Das Währende (Klasse C).<br />

Ausgewählte Gedichte erscheinen im Standardwerk<br />

deutschsprachiger Lyrik, der Frank-<br />

furter Bibliothek.<br />

Einsen<strong>des</strong>chluß: 1. Oktober 2012. Sie können ein<br />

Gedicht über das Internet oder per Post einreichen. Das<br />

eingesandte Gedicht darf 20 Zeilen nicht überschreiten;<br />

es muss maschinenschriftlich und mit Rückporto (3x EUR<br />

0,55) eingereicht werden (dem Autor entstehen außer dem Porto<br />

keine Kosten). Bitte geben Sie bei Ihrer Einsendung Ihr Geburtsjahr<br />

an. Dieses wird ggf. mitveröffentlicht. Es darf<br />

nur ein einziges Gedicht eingereicht werden.<br />

Redaktion der Frankfurter Bibliothek<br />

Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. mbH<br />

Großer Hirschgraben 15, D-60311 Frankfurt/M.<br />

Tel. 069-13377-177, Fax-175, www.brentano-gesellschaft.de


ROMANE_FAMILIENGESCHICHTE<br />

Marion Brasch hat ein bewegen<strong>des</strong> Buch über ihre berühmte Familie<br />

geschrieben – und mitreißende Erinnerungen an das Leben in der DDR.<br />

Warmherziger Blick zurück<br />

TEXT: ECKART BAIER<br />

I hr<br />

Buch über ihre Familie habe sie ihrer<br />

Tochter zuliebe geschrieben, sagte Marion<br />

Brasch in einem Interview. „Ihr wollte<br />

ich die Geschichte erzählen.“ Es hätte eine<br />

sehr traurige werden können, denn am<br />

Ende bleibt die heute 50-Jährige <strong>als</strong> Einzige<br />

übrig, legt fünf Rosen auf die Gräber ihrer<br />

drei Brüder und ihrer Eltern.<br />

Dass ihr Roman „Ab jetzt ist Ruhe“ dennoch<br />

ein überwiegend heiterer geworden<br />

ist, liegt daran, dass Marion Brasch, wie sie<br />

selbst sagt, nicht so gern Geschichten liest,<br />

die „schicks<strong>als</strong>schwer und bleiern sind“.<br />

So berichtet sie vom Leben ihrer berühmten<br />

Familie mit einer Leichtigkeit,<br />

die bezaubert, und mit einem erzählerischen<br />

Geschick, das man einer Romandebütantin<br />

kaum zutrauen würde.<br />

Doch warum Roman? Alle Geschichten<br />

seien wahr, stellt die Autorin gleich zu Beginn<br />

klar, dennoch wollte sie keine Autobiografi<br />

e schreiben. Nur so hätte sie auch mal<br />

rumspinnen können, sagt sie, konnte Fakten<br />

und Fiktion mischen. Denn zu recherchieren<br />

gäbe es eine Menge, schließlich ist<br />

der Name Brasch vor allem in Kulturkreisen<br />

geläufi g: Marion Braschs Eltern lernten sich<br />

im Londoner Exil kennen, wohin sie wegen<br />

ihrer jüdischen Herkunft 1938 fl iehen mussten.<br />

Ihr erster Sohn Thomas wurde 1945<br />

noch dort geboren, bevor die Familie nach<br />

Ostdeutschland zurückkehrte, wo Horst<br />

Brasch schnell Karriere machte, stellvertretender<br />

Kulturminister der DDR wurde.<br />

Der Vater starb wenige Wochen vor dem<br />

Fall der Mauer und war bis zuletzt von der<br />

Idee <strong>des</strong> ost<strong>deutschen</strong> Staats überzeugt.<br />

Umso schwerer waren für ihn seine ebenso<br />

rebellischen wie verwundbaren Söhne zu ertragen,<br />

die gegen den Vater und gegen die<br />

Verhältnisse aufbegehrten: Der jüngste<br />

Sohn Peter (geboren 1955) wurde wegen seines<br />

Protests gegen die Ausbürgerung Wolf<br />

Biermanns 1976 aus der Uni geworfen, arbeitete<br />

<strong>als</strong> Schauspieler, Dramaturg und<br />

Schriftsteller, bevor er mit 45 Jahren an den<br />

Folgen seiner Alkoholsucht starb. Da war<br />

sein fünf Jahre älterer Bruder Klaus bereits<br />

21 Jahre tot. Als begabter junger Schauspieler<br />

spielte er auf der Volksbühne Berlin und<br />

in berühmten DEFA-Filmen. Und auch er<br />

hatte sich schließlich, wie Marion Brasch<br />

schreibt, „aus dem Leben getrunken“.<br />

Ein kreatives Kraftwerk, ein Künstler, der<br />

rücksichtslos gegen sich und andere agierte,<br />

war der älteste Bruder Thomas. Der<br />

Schriftsteller und Regisseur saß 1968 wegen<br />

seines Protests gegen die Niederschla-<br />

Lesezeichen<br />

Marion Brasch: Ab jetzt ist<br />

Ruhe. Roman meiner fabelhaften<br />

Familie. S. Fischer,<br />

400 S., 19,99 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

© Juergen Bauer<br />

28<br />

Besuchen Sie uns auf der<br />

Leipziger Buchmesse!<br />

Buchjournal-Talk mit Marion Brasch<br />

Freitag, 16. März, 12 Uhr<br />

Halle 3, Stand E 403/F 410<br />

Marion Brasch: debütiert<br />

mit einem Roman über<br />

ihre „fabelhafte Familie“<br />

Zur Person<br />

Marion Brasch wurde 1961 in Berlin geboren.<br />

Nach dem Abitur arbeitete die gelernte<br />

Schriftsetzerin in einer Druckerei, bei verschiedenen<br />

Verlagen und beim Komponistenverband<br />

der DDR. 1987 begann sie<br />

<strong>als</strong> Musikredakteurin beim Jugendsender<br />

DT64 und ist heute <strong>als</strong> freie Rundfunkjournalistin<br />

und -moderatorin beim RBB tätig.<br />

„Ab jetzt ist Ruhe“ ist ihr erster Roman.<br />

gung <strong>des</strong> Prager Frühlings im Gefängnis<br />

und siedelte nach einem Publikationsverbot<br />

1976 in den Westen über. Sein Aufbegehren<br />

bedeutete auch für den Vater das<br />

Ende der Politkarriere. Thomas Brasch, das<br />

Multitalent, starb ein halbes Jahr nach seinem<br />

Bruder Peter, im November 2001.<br />

Marion Brasch schreibt über ihre schwierigen<br />

Brüder, die ihr oft ganz fern und fremd<br />

waren, mit viel Liebe und Zuneigung. Wie<br />

alle anderen prominenten Personen – man<br />

begegnet Heiner Müller, Katharina Thalbach,<br />

Wolf Biermann – bleiben auch die<br />

Brüder im Buch namenlos. Schließlich<br />

wollte sie ja keine Familienbiografi e abliefern,<br />

sondern vom Leben in diesem merkwürdigen<br />

<strong>deutschen</strong> Staat erzählen. Von<br />

den Geschichten, die sie erlebte, von den<br />

Sorgen, Nöten und Zwängen. Vom wunderbaren<br />

Gefühl, endlich eine eigene Wohnung<br />

ergattert zu haben oder <strong>als</strong> Sängerin einer<br />

Folkband auf Tour zu sein. Und von der<br />

großen Freiheit, mit Freunden drei Wochen<br />

lang durch Ungarn zu trampen. �<br />

buchjournal 1/2012


Cum »Jessica dit Durlachers vendae sed<br />

escil bisher ideles bester sam et<br />

mi, si Roman!« quas endunt<br />

De dunt Volkskrant, arumqui Amsterdam te<br />

ratus<br />

Die Vergangenheit<br />

ist ein Paar Stiefel –<br />

sie passen jedem,<br />

der sie sich anzieht.<br />

Ein gewitzter<br />

Zeitreise-Roman.<br />

416 Ma aut Seiten, fuga. Leinen, Ut dolorer € (D) orero- 22.90<br />

vidvEqui sFr 38.90* dundenti / € aut (A) 23.60 harumque<br />

a volor apis apis ad ut od<br />

Gendus Schlagartig dolesequatia ist es vorbei, dendita das consed sorglose quatuste Leben der<br />

necti Familie vendae Silverstein. voloria con Da con ist einer, conseque der etur ihr Leben mint<br />

ipicae bedroht, in nis denn doluptio er ist gefangen ommoles in eaquis einer explam, Geschich-<br />

int, te, die sant der as Vergangenheit aut et et hario voluptaturia angehört und porporae doch auf<br />

quam fatale Weise cum invende bis in die bitatur, Gegenwart ipsamus reicht velesto … que<br />

optatiunt exerspe rspicime ilibusanis quaecepra<br />

352 Seiten, Leinen, € (D) 22.90<br />

sFr 38.90* / € (A) 23.60<br />

Je<strong>des</strong> Mal, wenn Igor in die alte Uniform samt<br />

Stiefeln und Mütze schlüpft , reist er durch die<br />

Zeit und landet in Otschakow am Schwarzen<br />

Meer, im Jahr 1957. Dort triff t er auf Weindiebe<br />

und andere Gauner, und auf eine schöne, rothaarige<br />

Marktfrau …<br />

Foto: © Karin van Til<br />

Foto: © Regine Mosimann / Diogenes Verlag<br />

Der Roman, der<br />

Irving über Nacht<br />

weltberühmt machte,<br />

jetzt in einer<br />

einmalig schönen<br />

Leinenausgabe<br />

848 Seiten, Leinen, € (D) 26.90<br />

sFr 45.90* / € (A) 27.70<br />

Wer diesen Roman noch nicht gelesen hat, ist<br />

zu beneiden. Denn ihn erwartet eine Welt voller<br />

skurriler Ereignisse und liebenswert verschrobener<br />

Figuren in Neuengland und Wien. Garps<br />

Welt eben, in der alles passieren kann und meistens<br />

auch passiert.<br />

Ein großer Liebesroman<br />

– auch für<br />

all jene, die nicht<br />

(mehr) an die Liebe<br />

glauben.<br />

656 Seiten, Leinen, € (D) 22.90<br />

sFr 38.90* / € (A) 23.60<br />

Wahre Liebe gibt es nicht. Nur Beziehungen, die<br />

ein wenig Sicherheit geben – so sieht es Clare.<br />

Oder Aff ären – so Daniel. Bei einem Autounfall<br />

begegnen sich die beiden zum ersten Mal. Denkbar<br />

unromantisch. Doch derart nüchtern beginnen<br />

nur die ganz großen Liebesgeschichten.<br />

Foto: © Jane Sobel Klonsky<br />

Foto: © Angela Scipioni<br />

»Grünberg ist ein<br />

Autor, der alles<br />

kann, er ist leicht<br />

und komplex, tiefsinnig<br />

und albern.«<br />

WAZ, Essen<br />

Neue Bücher bei Diogenes<br />

Mit Haut und Haaren ist eine messerscharfe<br />

Satire über die ewige Kontaktsuche von Beziehungsfl<br />

üchtlingen. Bravourös spitzt Arnon<br />

Grünberg innere Widersprüche zu aphoristischen<br />

Paradoxen zu.<br />

Ein fesselnder<br />

historischer<br />

Roman über das<br />

Räuberische im<br />

Menschen.<br />

688 Seiten, Leinen, € (D) 22.90<br />

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352 Seiten, Leinen, € (D) 22.90<br />

sFr 35.90* / € (A) 23.60<br />

Geächtet, verteufelt, gejagt – das ist das Schicksal<br />

<strong>des</strong> Räuberhauptmanns Hannikel und seiner<br />

Familie. Ein lebenspraller Roman, der von den<br />

Zigeunerlagern in den Tiefen <strong>des</strong> Schwarzwalds<br />

bis in die Privatgemächer von Herzog Karl Eugen<br />

und seiner Franziska führt.<br />

www.diogenes.ch<br />

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Foto: © Bernhard van Dierendonck *unverbindliche Preisempfehlung


© ullstein bild<br />

ROMANE_KRIEGSERFAHRUNG<br />

Krieg liefert seit der Antike reichlich Erzählstoff. Seit einiger Zeit wenden sich auch<br />

Schriftsteller der jüngeren Generation wieder dem Thema zu.<br />

Totalität <strong>des</strong> Schreckens<br />

TEXT: ELISABETH GRÜN<br />

E rich<br />

Maria Remarque, <strong>des</strong>sen „Im<br />

Wes ten nichts Neues“ weder die erste<br />

noch die einzige drastisch-realistische<br />

Kriegsschilderung ist, erklärte seinen Roman<br />

zunächst zu dem „Versuch, über eine<br />

Generation zu berichten, die vom Kriege<br />

zerstört wurde“; später bekannte er: „Ich<br />

habe den Krieg für eine literarische Arbeit<br />

gebraucht.“ Seit einiger Zeit wenden sich<br />

nun auch Literaten der jüngeren Generation<br />

dem Thema zu. Das verwundert, denn<br />

abgesehen von wenigen Ausnahmen wie<br />

Jonathan Littell, der <strong>als</strong> Mitarbeiter einer<br />

Nichtregierungsorganisation in Kriegsgebieten<br />

eingesetzt war, hatten die meisten<br />

dieser Autoren keine persönliche Berührung<br />

mit einem Krieg, sondern gehören<br />

einer „pazifizierten“ Generation an.<br />

Dient die schrecklich-faszinierende Totalität<br />

<strong>des</strong> Krieges heute noch <strong>als</strong> Geschichtenfundus?<br />

Peter Englund, Sekretär der Schwedischen<br />

Nobelpreis-Akademie, war <strong>als</strong><br />

Kriegsberichterstatter in Bosnien, Afghanistan<br />

und Irak und versucht <strong>als</strong> Historiker,<br />

das Phänomen Krieg zu fassen.<br />

„Schönheit und Schrecken“ <strong>des</strong> Ersten<br />

Weltkriegs mag er rational nicht beikommen.<br />

Deshalb bildet er aus 19 sorgfältig recherchierten<br />

Einzelschicksalen ein gesamteuropäisches<br />

Gefühlspanorama: vom<br />

<strong>deutschen</strong> Schulmädchen bis zum südamerikanischen<br />

Kavalleristen in der osmanischen<br />

Armee. Ließ Kempowski im „Echolot“<br />

die Notate der Zeitzeugen unkommen-<br />

30<br />

„Im Westen nichts<br />

Neues“ – der Erste<br />

Weltkrieg auf der<br />

Leinwand (US-<br />

Spielfilm von 1930)<br />

tiert, deutet Englund behutsam und<br />

ergänzt (unbedingt lesenswerte) Fakten zu<br />

dem Krieg, <strong>des</strong>sen Unüberschaubarkeit<br />

auch zu Absurditäten führte: Bei Opatów<br />

beschossen sich im Oktober 1914 Deutsche<br />

untereinander!<br />

Michael Martens ist für die „FAZ“ auf<br />

Dienstreise in Serbien, <strong>als</strong> er einen Hinweis<br />

erhält: Ob er das Denkmal <strong>des</strong> <strong>deutschen</strong><br />

Soldaten Josef Schulz anschauen wolle, der<br />

sich im Zweiten Weltkrieg geweigert habe,<br />

Partisanen zu erschießen, und daraufhin<br />

selber exekutiert worden sei? Irritiert, weil<br />

der Fall in <strong>deutschen</strong> Geschichtsbüchern<br />

unerwähnt ist, begibt sich Martens auf Spurensuche,<br />

befragt Zeitzeugen, durchkämmt<br />

Archive und rekonstruiert, wie ein Film<br />

über Schulz Anfang der 1970er Jahre zum<br />

buchjournal 1/2012


Politikum wurde. Doch die Aussagen sind<br />

so widersprüchlich, die Spuren so erratisch,<br />

dass Martens’ spannende Dokumentation<br />

schließlich den programmatischen Titel<br />

„Heldensuche“ überraschend unterläuft.<br />

Der Franzose Laurent Binet widmet sein<br />

Buch „HHhH“ dem Tschechen Jozef Gabcik.<br />

Der verübte 1942 ein Attentat auf den Nazi<br />

Heydrich, der sich eine Weile, analog zu<br />

einem britischen Geheimdienstchef, „H“<br />

hatte nennen lassen. Für Binet, der die Mixtur<br />

aus Dokumentation und Fiktion im Gegensatz<br />

zu Martens geradezu manieristisch<br />

refl ektiert, gibt Geschichte immer weitere<br />

Geschichten zum Schreiben frei: Im letzten<br />

Kapitel zeigt er den Agenten Gabcik auf der<br />

Schifffahrt entgegen seiner künftigen mörderischen<br />

Mission. „Und vielleicht“, setzt<br />

Binet hinzu, „bin auch ich an Bord.“<br />

Eine solche Selbsteinschreibung in die<br />

Vergangenheit nimmt Christoph Poschenrieder<br />

nicht vor. Es geht subtiler. Sein Ich-<br />

Erzähler gerät über Alben eines Ahnen in<br />

den Sog der Vergangenheit. Beide Handlungsstränge<br />

– der gegenwärtige eines zunehmend<br />

vereinsamten Computer-Junkies,<br />

Identität aus vergangenen und digitalen<br />

Imaginationen schöpfend, und der <strong>des</strong> Ismar<br />

Manneberg inmitten <strong>des</strong> drastisch geschilderten<br />

Ersten Weltkriegs – werden parallel<br />

und mittels <strong>des</strong> Spiegelkastens<br />

zusammengeführt: Dieses – titelgebende –<br />

Gerät ermöglicht es, per Spiegelung heiler<br />

Gliedmaßen, etwa <strong>des</strong> rechten Arms, das<br />

Gehirn zu überzeugen, dass auch der linke<br />

Arm unversehrt sei, selbst wenn dieser am-<br />

Lesezeichen<br />

1. Peter Englund: Schönheit und Schrecken. Eine Geschichte <strong>des</strong> Ersten Weltkriegs, erzählt in neunzehn Schicksalen.<br />

Übersetzt von Wolfgang Butt. Rowohlt Berlin, 704 S., 34,95 € (D) • 36,– € (A) • 46,90 sFr.<br />

2. Michael Martens: Heldensuche. Die Geschichte <strong>des</strong> Soldaten, der nicht töten wollte. Zsolnay,<br />

400 S., 24,90 € (D) • 25,60 € (A) • 34,90 sFr.<br />

3. Laurent Binet: HHhH. Himmlers Hirn heißt Heydrich. Übersetzt von Mayela Gerhardt. Rowohlt, 448 S.,<br />

19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

4. Christoph Poschenrieder: Der Spiegelkasten. Diogenes, 224 S., 21,90 € (D) • 22,60 € (A) • 36,90 sFr.<br />

5. Maja Haderlap: Engel <strong>des</strong> Vergessens. Wallstein, 288 S., 18,90 € (D) • 19,50 € (A) • 27,50 sFr.<br />

buchjournal 1/2012 31<br />

putiert wurde. So können sogar Phantomschmerzen<br />

kuriert werden: metaphorisch<br />

gesprochen jene Identitätsbeschädigungen,<br />

die bei Nachfolgegenerationen hervorgerufen<br />

werden, wenn Vorläufergenerationen<br />

traumatische Erlebnisse tabuisieren, <strong>als</strong>o<br />

unterbrochene Emotionen brüchige Identitäten<br />

evozieren. In dem Sinne ist Poschenrieders<br />

„Spiegelkasten“ ein treffl iches Bild<br />

für die psychologische Hoffnung, die versehrte<br />

Gegenwart durch Refl exion der Vergangenheit<br />

zu ergänzen.<br />

Maja Haderlap, Bachmann-Preisträgerin<br />

2011, schildert in „Engel <strong>des</strong> Vergessens“<br />

poe tisch eindrücklich, wie Menschen von<br />

ihrer traumatischen Vergangenheit eingeholt<br />

werden. Der Jahre zurückliegende<br />

Kriegskonfl ikt im Kärntner Dorf ist für die<br />

kindliche Erzählerin all gegenwärtig: Der Vater,<br />

<strong>als</strong> Kind schon Partisan, fl üchtet in Wutexzesse<br />

und Alkohol, die Mutter in oberfl<br />

ächliche Fröhlichkeit, die Großmutter immerhin<br />

spricht vom KZ Ravensbrück. Das<br />

Kind kann sich lange seinen Glauben „nicht<br />

erklären, dass das Leben für mich keine Zukunft<br />

bereithält“. Ein Horchen rückwärts in<br />

der Zeit. Haderlaps Buch löst seit Erscheinen<br />

rege Resonanz und Dialogbereitschaft über<br />

den bislang tabuisierten Konfl ikt zwischen<br />

Österreichern und Slowenen aus. In einem<br />

solchen Sinne öffnen sich die literarischen<br />

Kriegsschilderungen erzählerisch bewusst<br />

der emotionalen Komplexität der Vergangenheit<br />

und vermögen so die bisherigen<br />

Denkmuster über Krieg, auch das Opfer-<br />

Täter-Schema, zu ergänzen. �<br />

Schreiben<br />

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Romane, Erzählungen,<br />

Biografien, Gedichte, Sach-,<br />

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Mediathek<br />

CD-TIPPS<br />

HÄNDEL<br />

Aufregende<br />

Barockoper<br />

Ränkespiele am römischen<br />

Kaiserhof:<br />

Mit „Agrippina“<br />

wendet sich der Barockspezialist<br />

René<br />

Jacobs Händels frühemOpera-Seria-Erfolg<br />

zu. Aufregend!<br />

(Harmonia Mundi)<br />

CHRISTIAN TETZLAFF<br />

Perfektes Paar<br />

Schumanns selten<br />

gespieltes Violinkonzert<br />

mit Christian<br />

Tetzlaff und<br />

dem HR-Sinfonieorchester<br />

– eine<br />

Aufnahme, die keine<br />

Wünsche offenlässt.<br />

(Ondine)<br />

ROSENKRANZSONATEN<br />

Preisgekrönt<br />

Für diese Aufnahme<br />

von Bibers „Rosenkranzsonaten“<br />

heimsten Violinist<br />

Daniel Sepec und<br />

Gambistin Hille Perl<br />

den Preis der DeutschenSchallplattenkritik<br />

ein. (Coviello)<br />

KINO UND BUCH: „HEADHUNTERS“<br />

Kriminelles Doppelleben<br />

Roger Brown ist der beste Headhunter der Branche, hat<br />

aber ein kleines Problem: Er ist nur 1,68 Meter groß und mit<br />

einer blendend aussehenden, großen Frau verheiratet, der<br />

eine angesagte Galerie in Oslo gehört. Um seine Gattin mit<br />

teuren Geschenken überhäufen zu können, geht Brown<br />

einem Nebenerwerb nach: Er horcht seine Klien ten, denen<br />

er zu Topjobs verhilft, aus, ob sie wertvolle Kunst zu Hause<br />

haben, bricht dort ein und verkauft die Gemälde über<br />

dunk le Kanäle weiter. Eines Tages gerät er an den F<strong>als</strong>chen.<br />

Im Manager und Ex-Elitesoldaten Clas Cleve sieht Brown<br />

nicht nur die ideale Besetzung für den vakanten Chefposten<br />

einer GPS-Firma, sondern auch das Ziel für den Beutezug<br />

seines Lebens: Cleve soll im Besitz eines verschollen<br />

geglaubten Rubens-Gemäl<strong>des</strong> sein. Doch alles kommt an-<br />

DVD-TIPPS<br />

Singende Teufelsgeige<br />

Operetten haftet der Ruf eines etwas<br />

angestaubten Genres an, vornehmlich<br />

geeignet für ältere Herrschaften. Dass<br />

manche Stücke zweifellos hohen<br />

Unterhaltungswert haben können, beweisen<br />

Werke wie Franz Lehárs Operette<br />

„Paganini“: Die Rolle <strong>des</strong> legendären<br />

Teufelsgeigers hatte der<br />

ös ter reichische Komponist einem<br />

Lands mann, dem Tenor Richard Tauber,<br />

auf den Leib geschrieben. In der Verfi lmung<br />

aus dem Jahr 1973 ist Antonio<br />

Theba <strong>als</strong> Paganini<br />

zu sehen, außerdem<br />

der erst kürzlich verstorbene<br />

Johannes<br />

Hees ters <strong>als</strong> Fürst<br />

Felice. (Arthaus<br />

Musik)<br />

Auf der Jagd nach Roger Brown: Nikolaj Coster-Waldau <strong>als</strong> Clas Cleve<br />

Duell unter Künstlern<br />

Es ist ein Genuss,<br />

die Leinwandlegende<br />

Armin Mueller-<br />

Stahl in Aktion zu<br />

erleben – umso besser,<br />

wenn ihm wie<br />

in dem Film „Die<br />

Farben <strong>des</strong> Herbstes“ eine Rolle wie<br />

auf den Leib geschneidert ist. Er spielt<br />

den russischen Künstler Nicholi Seroff,<br />

der sich in seinem abgelegenen Haus<br />

in Pennsylvania von der Menschheit<br />

ab- und dem Alkohol zugewandt hat.<br />

Die Malerei interessiert ihn sowieso<br />

nicht mehr – bis eines Tages ein junger<br />

Künstler auftaucht, der vom verehrten<br />

Meister lernen will und sich auch von<br />

<strong>des</strong>sen rüdem Auftreten nicht abschrecken<br />

lässt. (Sunfi lm Entertainment)<br />

ders und Brown hat einen Verfolger an den Hacken, der nur<br />

eines will: seinen Tod. Jo Nesbøs perfekt konstruierter, dennoch<br />

etwas seelenloser Thriller ist die ideale Vorlage für<br />

eine Verfilmung, die die Produzenten von Stieg Larssons<br />

„Millennium-Trilogie“ nun temporeich umgesetzt haben.<br />

Wir bekommen eine Welt vorgesetzt, die von Zynismus und<br />

Skrupellosigkeit regiert wird und in der nur eines zählt: Erfolg<br />

und Renommee. Fazit: solide, spannende Kino-Unterhaltung,<br />

die nicht zuletzt durch die beiden erstklassigen<br />

Hauptdarsteller Aksel Hennie <strong>als</strong> Roger Brown und Nikolaj<br />

Coster-Waldau <strong>als</strong> Clas Greve überzeugt. bai<br />

^ „Headhunters“. Filmstart: 15. März. FSK: ab 16 Jahre<br />

Jo Nesbø: „Headhunter“. Übersetzt von Günther Frauenlob.<br />

Ullstein, 320 S., 9,99 € (D) • 10,3o € (A) • 13,90 sFr.<br />

32<br />

Gnadenlose Jagd<br />

© NFP / Erik Aavatsmark<br />

„A Lonely Place to Die“ ist ein Film,<br />

der mit dem Entsetzen spielt: Anfangs<br />

ist es nur die Angst vor den senkrechten<br />

Felswänden und gefährlichen Kletterpartien<br />

in den schottischen Highlands.<br />

Dann fi ndet eine Gruppe junger<br />

Bergsteiger in der Einsamkeit der Berge<br />

ein in ein Erdloch eingekerkertes Mädchen.<br />

Sie befreien das Kind, doch es<br />

dauert nicht lange, dann sind ihnen die<br />

Kidnapper auf den Fersen. Es beginnt<br />

eine gnadenlose Jagd in unwegsamem<br />

Gelände. Ein Actionthriller,<br />

der einem<br />

nicht nur wegen der<br />

grandiosen Naturkulisse<br />

den Atem<br />

raubt. (Arthaus /<br />

3sat-Edition)<br />

buchjournal 1/2012


CD-TIPPS DVD-TIPPS<br />

CROSSOVER<br />

Wiener<br />

Virtuosen<br />

Als „The Philharmonics“<br />

zeigen Musiker<br />

der Wiener Philharmoniker,<br />

dass sie<br />

nicht nur Klassik<br />

können. Virtuose<br />

und mitreißende<br />

Musik quer durch<br />

alle Genres. (Deutsche<br />

Grammophon)<br />

PETER HERBOLZHEIMER<br />

Big-Band-Sound<br />

„Remembering<br />

Peter Herbolzheimer“:<br />

Die grandiose<br />

Doppel-CD huldigt<br />

– unter anderen mit<br />

frühen Aufnahmen<br />

von 1970 und 1971 –<br />

dem genialen, 2010<br />

verstorbenen Bandleader.<br />

(HGBS)<br />

BACH MEETS JAZZ<br />

Springlebendig<br />

Bachs Musik forderte<br />

Jazzer seit jeher<br />

heraus. Komponist<br />

Dieter Falk und<br />

Söhne interpretieren<br />

auf „Celebrate Bach“<br />

ein gängig und<br />

spring le b endig.<br />

(Boutique)<br />

buchjournal 1/2012 33<br />

© rbb / Tom Schulze, DOKfi lm<br />

Unter der Totenkopf-Flagge<br />

Paul Watson war Greenpeace-Aktivist der ersten Stunde, doch schließlich<br />

wurden ihm die Kollegen zu bequem. 1977 gründete er die Umweltschutzorganisation<br />

Sea Shepherd und machte unter der Totenkopffl<br />

agge fortan Walfängern, Treibnetzfi schern<br />

und Robbenjägern die Hölle heiß. Mehr <strong>als</strong> 28 Jahre<br />

lang hat Regisseur Peter Brown die ebenso mutigen<br />

wie gefährlichen Aktionen mit der Kamera begleitet<br />

und Watson mit dem Film „Bekenntnisse eines Öko-<br />

Terroristen“ ein Denkmal gesetzt. (Ascot Elite)<br />

Chaos im Dschungel<br />

Es sollte ein Film über das nationale Trauma Vietnam werden, doch schon<br />

die Dreharbeiten zu „Apocalypse Now“ gerieten für Francis Ford Coppola<br />

zum Albtraum: Aus ursprünglich geplanten sechs Wochen<br />

Drehzeit im Dschungel wurden drei Jahre, weil<br />

Darsteller absprangen, ein Bürgerkrieg ausbrach und<br />

ein Taifun den Set zerstörte. Coppolas Ehefrau Eleonor<br />

erinnert in der Dokumentation „Reise ins Herz der<br />

Finsternis – Hearts of Darkness“ an die chaotische<br />

Produktion eines genialen Kriegsfi lms. (Studiocanal)<br />

Rückkehr in eine verlorene Heimat<br />

Kritiker attestierten dem äthiopischen Regisseur Haile Gerima, dass er<br />

mit „Morgentau“ das Kino zu einem magischen Ort gemacht habe. Der<br />

Film erzählt die spannende und schmerzhafte Geschichte<br />

seiner Heimat: Anberber verlässt Äthiopien,<br />

um in Deutschland Medizin zu studieren und danach<br />

mit dem erworbenen Wissen sein Land voranzubringen.<br />

Doch Anberber kehrt in ein geschundenes, zutiefst<br />

gespaltenes Land zurück und fl üchtet sich in Erinnerungen<br />

an die verlorene Heimat. (good!movies)<br />

Die Thalbachs in der Hosenrolle<br />

Das Leben Friedrichs II., <strong>des</strong> Preußenkönigs, gespielt von zwei Frauen –<br />

kann das gut gehen? Es kann, wie „Friedrich. Ein deutscher König“ zeigt.<br />

Die Produktion, die im Januar im Fernsehen zu sehen war, zeichnet wichtige<br />

Stationen von Friedrichs Leben nach, inklusive kompetenter Kommentare<br />

von Historikern. Die Rolle <strong>des</strong> kunstsinnigen, vom brutalen Vater,<br />

dem „Soldatenkönig“, drangsalierten Jünglings spielt Anna Thal bach, <strong>als</strong><br />

„alter Fritz“ brilliert mit knarzender Stimme ihre Mutter Katharina. (Edel)<br />

Widerspenstiger Preußenprinz: Anna Thalbach<br />

in der Rolle <strong>des</strong> jugendlichen Friedrich<br />

nuVero 10<br />

„German<br />

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MEDIATHEK<br />

KINO UND BUCH: „RUHM“<br />

Ausfl ug in<br />

Spiegelwelten<br />

2012 wird ein gutes Jahr für alle Kehlmann-Fans. Ein neuer<br />

Roman <strong>des</strong> Österreichers ist bislang zwar nicht angekündigt,<br />

doch dafür zwei Kinofi lme: Erfolgsregisseur Detlev<br />

Buck dreht derzeit an Kehlmanns Bestseller „Die Vermessung<br />

der Welt“, der voraussichtlich Ende <strong>des</strong> Jahres zu sehen<br />

sein wird. Bereits am 22. März läuft die Leinwandadaption<br />

von Kehlmanns Episodenroman „Ruhm“ in den<br />

Kinos an. Produziert wurde der Streifen von Sönke Wortmann<br />

(„Das Wunder von Bern“), Regie führte Isabel Kleefeld,<br />

die die sechs miteinander verbundenen Geschichten<br />

in Köln, Zürich, Buenos Aires, Kiew, auf der Krim und in<br />

Mexiko drehte. Am Start ist ein wahres Staraufgebot an<br />

DVD-TIPPS<br />

Yoga und freie Liebe<br />

Bhagwan trifft auf Bayern: Wir schreiben<br />

das Jahr 1980, <strong>als</strong> eine Berliner<br />

Bhagwan-Kommune in die bayerische<br />

Provinz zieht, um der Erleuchtung näher<br />

zu sein. Die Fremdlinge praktizieren<br />

hüllenlose Yoga-Übungen im Garten,<br />

Urschrei-Therapie und freie Liebe<br />

– und bringen das Leben der Einheimischen<br />

gehörig durcheinander. Markus<br />

H. Rosenmüller lässt in seiner Komödie<br />

„Ein Sommer in Orange“ zwar kaum<br />

ein Klischee aus, doch ist sein Film ein<br />

herrlicher Spiegel<br />

einer Zeit, <strong>als</strong> Bonn<br />

deutsche Hauptstadt<br />

war und Indien<br />

noch ganz<br />

weit weg. (Twentieth<br />

Century Fox)<br />

Ab nach Buenos Aires<br />

Okay, man muss<br />

Tommy Jauds Bücher<br />

nicht mögen –<br />

witzig und mit<br />

feiner Beobachtungsgabegeschrieben<br />

sind sie<br />

aber schon. Seine Fans lieben ihn und<br />

so sind auch die Verfi lmungen Kassenerfolge,<br />

wie etwa die Komödie<br />

„Resturlaub“: Pitschi Greulich (Maximilian<br />

Brückner) ist ein unsympathischer<br />

Durchschnittstyp, der nicht<br />

schon wieder mit den Kumpels nach<br />

Malle fl iegen will, sondern lieber nach<br />

Buenos Aires düst, um dort ein neues<br />

Leben zu beginnen. Kino-Klamotte, die<br />

an die Humor-Qualitäten der Buchvorlage<br />

nicht herankommt. (Sony Pictures)<br />

Wer spricht da? Mobile Kommunikation<br />

spielt in „Ruhm“ eine zentrale Rolle<br />

<strong>deutschen</strong> Schauspielern: Stefan Richter spielt den Schriftsteller<br />

Leo Richter, Heino Ferch den Mann, <strong>des</strong>sen Telefon<br />

nicht mehr klingelt, Justus von Dohnányi gibt den Ingenieur,<br />

der auf seinem Mobiltelefon seltsame Anrufe empfängt,<br />

Senta Berger eine Todkranke, und Gabriela Maria<br />

Schmeide ist die Schriftstellerin, die auf einer Reise in<br />

Zentralasien vergessen wird. Kehlmanns tragikomische<br />

Geschichten, die sich zu einer fabelhaft erzählten Spiegelwelt<br />

fügen, bekommen in der Verfi lmung eine neue Dimension,<br />

die einen Kinobesuch unbedingt lohnt. bai<br />

^ „Ruhm“. Filmstart: 22. März<br />

Daniel Kehlmann: „Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten“.<br />

Rowohlt Taschenbuch, 256 S., 10,– € (D) • 10,3o € (A) • 14,90 sFr.<br />

Amerikaner in Paris<br />

34<br />

© CLittle Shark Entertainment GmbH / Martin Menke<br />

Es soll Leute geben, die genau ein Mal<br />

pro Jahr ins Kino gehen, nämlich dann,<br />

wenn ein neuer Film von Woody Allen<br />

zu sehen ist. Damit hätten sie in ihrem<br />

Leben immerhin 42 Kinobesuche absolviert,<br />

das letzte Mal im vorigen<br />

Sommer bei „Midnight in Paris“, einer<br />

spritzigen Komödie, die nun auch<br />

auf DVD zu haben ist. Die Geschichte<br />

<strong>des</strong> amerikanischen Autors Gil Pender,<br />

der in Paris hofft, seine Schreibblockade<br />

zu überwinden, und auf wundersame<br />

Weise ins Paris<br />

der 20er Jahre entführt<br />

wird, machte<br />

den Streifen zum erfolgreichsten<br />

Allen-<br />

Film überhaupt.<br />

(Concorde Video)<br />

CD-TIPPS<br />

BAROCK<br />

Funkelnder<br />

Vivaldi<br />

Barock einmal ganz<br />

ohne Celli und<br />

Bässe: Die Philharmonischen<br />

Geigen<br />

Berlin – alle sind<br />

Mit glieder der Berliner<br />

Philharmoniker<br />

– verleihen Vivaldis<br />

Konzerten funkelnden<br />

Glanz. (MDG)<br />

JAZZ<br />

Sternstunden<br />

Das Label Jazzhaus<br />

präsentiert musikalische<br />

Sternstunden<br />

aus dem Archiv <strong>des</strong><br />

Südwestrundfunks.<br />

Hier mit dem Duke<br />

Ellington Orchestra<br />

in der Stuttgarter<br />

Liederhalle im März<br />

1967. (Jazzhaus)<br />

ZUM WOHLFÜHLEN<br />

Über die Liebe<br />

CD ein-, Beine hochlegen,<br />

Augen zu und<br />

genießen: Axel<br />

Hackes hintergründige<br />

Texte über die<br />

Liebe, gemixt mit<br />

Ursula Mauders soulig<br />

interpretierten<br />

Songs. (Kunstmann)<br />

buchjournal 1/2012


DVD-TIPPS<br />

Sinfonie der Großstadt Gangster und Ganoven<br />

„Wir werden dieser Stadt ein<br />

Konzert geben, das sie nie vergessen<br />

wird.“ Wir: Das sind<br />

sechs Schlagzeuger, die genug<br />

haben von Bach und Beethoven,<br />

aber auch von der allgegenwärtigen<br />

musikalischen<br />

Dauerberieselung. Deshalb werden sie zu Sound-<br />

Terroristen mit dem Plan, eine Großstadt sinfonie<br />

zu geben, die die Welt noch nicht gehört hat. Instrumente<br />

fi nden sie an Ort und Stelle ihrer Überfälle:<br />

in einem OP-Saal, in einer Bank, sie besteigen<br />

Planierraupen und klettern auf Stromleitungen.<br />

Polizist Amadeus Warnebring ist ihnen<br />

auf den Fersen – aus Überzeugung, denn Warnebring,<br />

<strong>des</strong>sen Bruder Stardirigent ist, hasst Musik.<br />

Schnell wird klar, dass die Trommel-Terroristen<br />

und der empfi ndsame Ermittler letztlich dieselben<br />

Ziele verfolgen – und das große Finale gemeinsam<br />

gestalten. Die Regisseure Ola Simonsson und<br />

Johannes Stjärne Nilsson haben mit dem Low-<br />

Budget-Film „Sound of Noise“ eine skurril-abgedrehte<br />

Satire über das Musik-Establishment und<br />

die Kraft der Fantasie gedreht. (Sunfi lm)<br />

buchjournal 1/2012 35<br />

Er ist der Altmeister <strong>des</strong> Gangsterfi lms, <strong>des</strong>sen<br />

Filme noch heute Kult sind: Jean-Pierre Melville<br />

(1917 – 1973) ist eine Ausnahmeerscheinung <strong>des</strong><br />

europäischen Kinos, der mit Filmen wie „Der eiskalte<br />

Engel“ oder „Vier im roten Kreis“ Klassiker<br />

schuf. Drei seiner Werke sind in der Arthaus Close-<br />

Up Edition vereint: Das fi nstere Gangsterdrama<br />

„Der Teufel mit der weißen Weste“ (1962) mit<br />

Jean-Paul Belmondo und Serge Reggiani in den<br />

Hauptrollen kreist um Vertrauen und Verrat, um<br />

Rätsel und Lügen. Kritiker bewerten den Film <strong>als</strong><br />

Melvilles spannendsten und undurchschaubarsten.<br />

„Armee im Schatten“ (1969) ist ein pa-<br />

© Kinowelt GmbH<br />

ckender Thriller über<br />

eine französische Widerstandsgruppe<br />

im<br />

Zweiten Weltkrieg<br />

mit Lino Ventura und<br />

Simone Signoret in<br />

den Hauptrollen. Ein Film, in dem Melville<br />

seine eigenen Erfahrungen während <strong>des</strong> Zweiten<br />

Weltkriegs einfl ießen ließ, in dem der <strong>als</strong> Jean-<br />

Pierre Grumbach geborene Widerstandskämpfer<br />

zur Tarnung den Namen <strong>des</strong> Schriftstellers Herman<br />

Melville annahm. In „Vier im roten Kreis“ (1970),<br />

dem dritten Film der Arthaus-Edition, treffen der<br />

eben entlassene Einbrecher Corey (Alain Delon)<br />

und der entfl ohene Sträfl ing Vogel (Gian Maria<br />

Volontè) aufeinander. Zusammen mit dem Säufer<br />

und Ex-Polizisten Jansen (Yves Montand) bilden<br />

die drei ein schlagkräftiges Ganoventrio, das einen<br />

raffi nierten Einbruch in ein Pariser Juweliergeschäft<br />

plant. (Arthaus)<br />

Monique Hennessy und Jean-Paul Belmondo in<br />

„Der Teufel mit der weißen Weste“


MEDIATHEK_PORTRÄT<br />

Seit 2006 ist Dietmar Wunder die deutsche Stimme von Daniel Craig alias James Bond.<br />

Und er ist – nicht nur dank 007 – einer der begehrtesten <strong>deutschen</strong> Hörbuchsprecher.<br />

So sexy<br />

klingt<br />

Agent 007<br />

TEXT: SABINE SCHWIETERT<br />

B erlin,<br />

Ackerstraße in Mitte, DC Studios.<br />

Viel Technik, Sprecherkabine,<br />

ein bequemes, sandfarbenes Sofa. Dietmar<br />

Wunder fühlt sich hier wohl. Heute standen<br />

die letzten 120 Seiten von „Schutzlos“<br />

auf dem Programm. Der Thriller von Jeffery<br />

Deaver erscheint im März. Spannender<br />

noch war für Wunder die Vertonung von<br />

Deavers „Carte Blanche“, dem neuen<br />

James-Bond-Roman. Bond trifft Deaver –<br />

beide treffen auf Dietmar Wunder, den<br />

Synchronsprecher im Dienste Ihrer Majestät:<br />

Seit „Casino Royale“ und Daniel Craig<br />

(2006) ist er die deutsche Stimme von 007.<br />

Manchmal gehen Kindheitsträume in Erfüllung.<br />

Die Begeisterung für James Bond, für<br />

Sean Connery in dieser Rolle, hat Dietmar<br />

Wunder zur Schauspielerei gebracht.<br />

Nach einer Ausbildung zum Optiker im<br />

elterlichen Laden nahm der gebürtige<br />

Berliner Schauspielunterricht – und landete<br />

nach Arbeiten für die Serien „Twin<br />

Peaks“ und „Ausgerechnet Alaska“ im<br />

Synchron-Geschäft. Er leiht den Hollywood-Schauspielern<br />

Sam Rockwell, Cuba<br />

Gooding jr., Omar Epps und Adam Sandler<br />

seine Stimme. Und: Bingo! Dietmar<br />

Wunder synchronisiert Daniel Craig. Der<br />

Durchbruch. Auftragsflauten sind für ihn<br />

seither kein Thema.<br />

Hörbücher am laufenden Band, Synchronisation,<br />

Live-Lesungen – der Laden läuft.<br />

Bereitet man sich da überhaupt noch groß<br />

vor? Der Tontechniker mischt sich ein:<br />

Zur Person<br />

Dietmar Wunder, geboren 1965 in Berlin, ist<br />

Schauspieler, Synchron- und Hörbuchsprecher<br />

und Synchronregisseur. Er leiht <strong>als</strong> Synchronsprecher<br />

u. a. Daniel Craig seine Stimme und ist einer<br />

der beliebtesten Hörbuchsprecher. Wunder lebt<br />

mit seiner Familie in Berlin-Zehlendorf.<br />

„Dietmar ist immer vorbereitet.“ Prima vista,<br />

<strong>als</strong>o vom Blatt, liest er nur, wenn es sich<br />

nicht vermeiden lässt. „Ich muss den Handlungsbogen<br />

vorher kennen, wissen, wie<br />

viele Charaktere dabei sind, wie sie aussehen.“<br />

Sprechen, das ist für Wunder immer<br />

auch durchdringen, interpretieren, schauspielern.<br />

Eine ganz eigene Kunst. „Jeder<br />

Text muss interpretiert werden, sonst kann<br />

man ihn nicht vorlesen. Beim Lesen kann<br />

man Zurückblättern, beim Hören nicht.“<br />

Im Studio ist dann wieder alles wie neu:<br />

„Ich lese mir selbst vor, sehe Bilder, lasse<br />

36<br />

© picture-allianz / ZB<br />

Rau, rauchig,<br />

männlich: Dietmar<br />

Wunders Stimme passt<br />

perfekt zum Image<br />

von Daniel Craig<br />

die erzählte Welt vor meinen Augen entstehen.“<br />

Sein Hörbuchdebüt war „Das Haus<br />

ohne Spuren“ von Viktor Arnar Ingólfsson,<br />

ziemlich düsterer Stoff. „Ich war andauernd<br />

zu schnell“, erinnert er sich.<br />

Außerdem ist er <strong>als</strong> Synchronregisseur<br />

gefragt; in der nächsten Woche steht mal<br />

wieder eine Produktion im Synchronstudio<br />

seines jüngeren Bruders Christian an,<br />

der sich ebenfalls den Stimmen verschrieben<br />

hat. Funktioniert der Rollenwechsel?<br />

„Ich habe dadurch mehr Respekt. Wenn ich<br />

<strong>als</strong> Sprecher vorn stehe, würde ich niem<strong>als</strong><br />

sagen, ich weiß es besser“, sagt Wunder.<br />

Tief, rau, rauchig, zugleich kratzig und<br />

samtig, jugendlich und sonorig – cool ist<br />

wohl das Adjektiv, das die Klangfarbe von<br />

Wunders Stimme am besten trifft. Er ist<br />

auf Krimis abonniert, das passt. „Ich liebe<br />

es, die Wahnsinnigen zu sprechen, die<br />

Psychopathen.“ Der komödiantische Romantiker<br />

Adam Sandler funktioniert aber<br />

ebenso gut. Gern wird Wunder auch <strong>als</strong><br />

deutsche Stimme für Schwarze einge-<br />

buchjournal 1/2012


setzt, etwa für Mathew St. Patrick, der die<br />

Rolle von Keith Charles in der US-Serie<br />

„Six Feet Under“ spielt – einen gut aussehenden<br />

schwulen Cop. Sexy kann der Berliner<br />

nämlich auch.<br />

Durchtrainiert und kompakt, nicht<br />

übermäßig groß, Charakterkopf, weißer<br />

Rollkragenpullover, Jeans, derbe Schuhe.<br />

Dietmar Wunder ist ein attraktiver Mann.<br />

Inwieweit muss die Körperlichkeit <strong>des</strong><br />

Sprechers zum Schauspieler, zur Sprecherrolle<br />

passen? „Das Klischee muss bedient<br />

werden.“ Einen großen Kerl assoziiere man<br />

mit einer tiefen Stimme. Außerdem werde<br />

beim Synchronisieren versucht, der Stimme<br />

<strong>des</strong> Origin<strong>als</strong> möglichst nahezukommen.<br />

„Mathew St. Patrick hat im Original<br />

eine wirklich sexy Stimme.“<br />

Was soll noch kommen, nach Bond?<br />

„Ich würde gern auf der Bühne singen.“ In<br />

jüngeren Jahren ist er mit einer Coverband<br />

durch Berlin gezogen, Oasis, Westernhagen,<br />

Red Hot Chilli Peppers. Jetzt<br />

wird die Musik zur Zukunftsaufgabe. Bis<br />

es so weit ist, macht er in Zehlendorf<br />

Hausmusik mit seiner Familie. Auch die<br />

buchjournal 1/2012 37<br />

Schauspielerei hat ihn noch nicht ganz<br />

losgelassen. „Ich sehe mich <strong>als</strong> den geborenen<br />

Cop.“ Viele andere auch. In „Not<br />

Worth a Bullet“, einem Kurzfi lm von Marco<br />

Riedl, spielt er den Klassiker, im Hemd<br />

und mit Waffe an der Hüfte. Annähernd<br />

Lesezeichen<br />

j j<br />

j<br />

40 Preise hat der Streifen gewonnen, inklusive<br />

der Auszeichnung „Best Supporting<br />

Actor“ beim Los Angeles Reel Film<br />

Festival. Ein „Tatort“-Kommissar vielleicht?<br />

Wunder gibt sich gelassen: „Wenn<br />

es sein soll, dann soll es sein.“ �<br />

1. Don Winslow: Zeit <strong>des</strong> Zorns. Gelesen von Dietmar Wunder. Der Audio Verlag, 5 CDs, 19,99 € (D) • 20,20 € (A) •<br />

30,50 sFr.<br />

2. Jeffery Deaver: Carte Blanche. Ein James-Bond-Roman. Gelesen von Dietmar Wunder. Random House Audio, 6 CDs,<br />

19,99 € (D / A) • 29,90 sFr.<br />

3. Susanne Falk: Das Wunder von Treviso. Gelesen von Dietmar Wunder. Jumbo, 3 CDs, 16,99 € (D / A) • 24,90 sFr.<br />

4. Thomas Thiemeyer: Der gläserne Fluch. Gelesen von Dietmar Wunder. Jumbo, 22,99 € (D / A) • 32,90 sFr.<br />

5. Cowboys & Aliens. Mit Olivia Wilde und Daniel Craig (Sprecher: Dietmar Wunder). Paramount Home<br />

Entertainment, DVD, 19,99 €<br />

j<br />

JETZT AUF BLU-RAY, DVD<br />

UND ALS VIDEO-ON-DEMAND<br />

Film: © 2011 Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten. Artwork: © 2012 Universal Studios. Alle Rechte vorbehalten.


MEDIATHEK_NEUE HÖRBÜCHER<br />

© madochab / photocase<br />

Kein Entkommen<br />

EINE FRAU BLICKT ZURÜCK<br />

Bilanz eines Lebens<br />

Zeruya Shalev ist<br />

bekannt für ihre leisen<br />

Geschichten<br />

über die Liebe und<br />

vor allem über das<br />

Liebesleid. Ob dabei<br />

nun Mann und Frau<br />

im Mittelpunkt stehen oder Familienkonstruktionen<br />

– wie kaum einer anderen gelingt es der<br />

Israelin, die unendliche Tiefe von Beziehungen<br />

auszuloten. In ihrem neuen Roman lässt sie<br />

eine ältere Frau, Chemda Horovitz, auf ihre Leben<br />

zurückblicken. Auf ihre Kindheit, ihre Ehe<br />

und ihre Kinder, von denen sie eines zu viel und<br />

eines zu wenig geliebt hat. Es geht um Wut und<br />

Enttäuschung, um Liebe und Sehnsucht und um<br />

Familienbande, die stärker sind <strong>als</strong> alles andere.<br />

Die unerträgliche Schwere <strong>des</strong> Seins wird<br />

von der Schauspielerin Maria Schrader mit genau<br />

der widersprüchlichen Empathie, Hoffnung,<br />

Zartheit und Zurückhaltung gelesen, die die Romane<br />

der 52 Jahre alten Schriftstellerin brauchen.<br />

Einen Vorgeschmack auf diese kongeniale<br />

Verbindung kann man auch auf der gemeinsamen<br />

Lesereise der beiden Frauen im März<br />

und April bekommen. nf<br />

^ Zeruya Shalev: „Für den Rest <strong>des</strong> Lebens“.<br />

Gelesen von Maria Schrader. Random House Audio,<br />

6 CDs, 19,99 € (D / A) • 29,90 sFr.<br />

KRANKE LIEBE<br />

Mr. Wonderfuls<br />

Wandlung<br />

Manche Liebe macht krank. Zu Beginn dieser<br />

Romanze sieht das aber überhaupt<br />

nicht danach aus. Denn Hannes scheint ein<br />

wahrer Mr. Wonderful zu sein: Er ist überaus<br />

zuvorkommend und wahnsinnig<br />

freundlich, er verdient gut mit seinem Architekturbüro<br />

und er verschenkt gern Rosen.<br />

Außerdem ist er ledig und sieht auch<br />

noch großartig aus. Am Anfang ist Judith<br />

hin und weg. Doch irgendwann gibt sich<br />

das – und Mr. Wonderful fängt an zu klammern.<br />

So leicht, wie Hannes in Judiths Leben<br />

gekommen war, lässt er sich jedenfalls<br />

nicht mehr daraus entfernen. Daniel<br />

Glattauer, der österreichische Journalist,<br />

Autor und Experte für Gefühlvolles aller Art,<br />

hat einen bitteren Liebesroman geschrieben.<br />

Die Schauspielerin Andrea Sawatzki,<br />

die auch schon bei den Glattauer-Bestsellern<br />

„Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben<br />

Wellen“ zu hören war, liest mit markanter<br />

Stimme, in der sich Verletzbarkeit<br />

mit Stärke mischen. rma<br />

^ Daniel Glattauer: „Ewig Dein“. Gelesen von<br />

Andrea<br />

Sawatzki. HörbucHHamburg,<br />

4 CDs,<br />

19,99 € (D / A)<br />

• 29,50 sFr.<br />

ERLEBNISSE EINES STADTBILDERKLÄRERS<br />

Berliner Seemannsgarn<br />

Sein Arbeitsplatz befi<br />

ndet sich mitten in<br />

Berlin und ist fast immer<br />

in Bewegung. Er<br />

kommt mit Menschen<br />

aus vielen Ländern<br />

zusammen, und er erzählt<br />

allen ungefähr dasselbe. Tilman ist „Stadtbilderklärer“.<br />

Auf einem Ausfl ugsschiff schippert er<br />

quer durch Berlin und erklärt den Touristen, was<br />

links und rechts <strong>des</strong> Landwehrkan<strong>als</strong> so alles zu<br />

sehen ist. Seine Passagiere kommen aus Spanien,<br />

Indien oder Marzahn. Und manchmal sind sie besoffen.<br />

Nein, nicht manchmal: Oft sind sie besoffen.<br />

Tilman Birr hat seine Karriere bei Poetry<br />

Slams begonnen. Das ist seinen Geschichten von<br />

den Berliner Wasserstraßen auch anzumerken.<br />

Denn alles ist nah an der Wirklichkeit, aber auch<br />

ganz schön verrückt. Selbstverständlich versteht<br />

es der bühnengeschulte Autor, sein Seemannsgarn<br />

schön anschaulich vorzutragen. Als begnadeter<br />

Dialektimitator beherrscht er nicht nur den<br />

unfreundlichen Berliner, sondern auch den wütenden<br />

Bayern. Ganz famos. rma<br />

^ Tilman Birr: „On se left you see se Siegessäule.<br />

Erlebnisse eines Stadtbilderklärers“. Gelesen vom<br />

Autor. Der Hörverlag, 16,99 € (D / A) • 25,90 sFr.<br />

GEFEIERTER DEBÜTROMAN<br />

Mit kalter Wut<br />

Der große Schauspieler<br />

Sepp Bierbichler<br />

hat nun seinen ersten<br />

Roman geschrieben.<br />

„Verfl uchtes Fleisch“,<br />

der Titel seines 2001<br />

erschienenen autobiografi<br />

schen Erstlingswerks, würde auch hier passen,<br />

denn natürlich geht es auch in „Mittelreich“<br />

wieder um sexuelles Verlangen. Und es geht<br />

auch wieder um die eigene Geschichte: Der Gasthof<br />

am See, in dem Bierbichler aufgewachsen ist,<br />

spielt eine wichtige Rolle. Sein Buch ist Anekdotensammlung,<br />

gesellschaftskritischer Essay und<br />

brutale Geschichtsschreibung. Selbstverständlich<br />

liest der Autor selbst. Und wie: langsam, bedächtig,<br />

mit bayrischem Dialekt und kalter Wut. Gerade<br />

so, <strong>als</strong> würde er nicht nur eine Geschichte,<br />

sondern gleich die Welt buchstabieren. Und das<br />

tut er ja auch. rma<br />

^ Josef Bierbichler: „Mittelreich“. Gelesen vom Autor.<br />

Der Audio Verlag, 10 CDs, 39,99 € (D ) • 40,40 € ( A) •<br />

55,90 sFr.<br />

38<br />

buchjournal 1/2012


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24.04.12 · Lemgo<br />

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Mobilfunk max. 0,42 €/Min.)


Schwerpunkt Krimi & Thriller<br />

Er stammt aus den Pyrenäen, aber längst ist Kommissar Adamsberg in<br />

der Großstadt zu Hause. Im Quartier Latin etwa begann Fred Vargas’ Held<br />

seine Polizeilaufbahn; und an der Seine lässt der „Wolkenschaufler“ gern<br />

seinen Gedanken freien Lauf. Irene Binal ist ihm gefolgt.<br />

Das Paris<br />

der blauen Kreise<br />

TEXT: IRENE BINAL<br />

Paris ist eine Stadt der Fremden. Hierher<br />

zieht es Einwanderer und Abenteurer,<br />

Künstler und Literaten, Glückssucher und<br />

Glücksritter – und Kommissare. Seit Jahren<br />

lebt Jean-Baptiste Adamsberg in der<br />

Hauptstadt, man bezeichnet ihn <strong>als</strong> „Pariser“,<br />

obwohl er aus einem Dorf in den französischen<br />

Pyrenäen stammt. Nicht dass er<br />

die Stadt nie verließe: Im Zuge seiner Mordermittlungen<br />

verschlägt es ihn nach Straßburg,<br />

nach Quebec, nach Südfrankreich<br />

oder, wie in seinem neuen Fall, in die Normandie.<br />

Dennoch klebt Paris an seinen<br />

Schuhsohlen, die „Stadt aus Stein“, die in<br />

der Lage ist, „ihm die Welt der Steine wiederzugeben,<br />

die er brauchte“.<br />

Wie mag sich Adamsberg im Kommissariat<br />

<strong>des</strong> 5. Arrondissements gefühlt haben,<br />

in dem seine Pariser Laufbahn begonnen<br />

hat? Der schmutzig braune, gefängnisartige<br />

Betonklotz erhebt sich mitten im quirligen<br />

Quartier Latin, ein strenges Gebäude,<br />

das keinen Blick hinter die verschlossenen<br />

Fenster gewährt. Hier hat Adamsberg seinen<br />

ersten Fall gelöst, ist dem Geheimnis<br />

der blauen Kreise auf die Spur gekommen,<br />

die in ganz Paris auftauchten. Etwa in der<br />

Rue du Moulin-Vert im 14. Arrondisse-<br />

ment, einer unauffälligen, schmalen Straße,<br />

gesäumt von Wohnhäusern und hinter<br />

Zäunen versteckten kleinen Gärten.<br />

Eine gute Straße, um Kreise zu zeichnen,<br />

kaum jemand interessiert sich dafür, nur<br />

eine ältere Frau bleibt neugierig stehen.<br />

Kennt sie Fred Vargas? „Ah, non“, bedauert<br />

sie, aber interessant sei das doch. Dann<br />

geht sie mit einem freundlichen Nicken<br />

weiter, der Schlüsselbund klimpert in ihrer<br />

Hand. Der Regen verwischt die blaue Kreide<br />

bald wieder. Aber die Kreisform bleibt<br />

sichtbar, ein Stück von Adamsbergs Wirklichkeit,<br />

die Ahnung eines ebenso poetischen<br />

wie grausamen Paris an der Grenze<br />

zur Realität, eines Paris der blauen Kreise<br />

und der roten Pestzeichen.<br />

Zur Person<br />

Fred Vargas, geboren 1957 in Paris, ist Archäologin<br />

und heute die bedeutendste französische Kriminalautorin.<br />

Von ihr gibt es zwei Krimireihen, beide mit<br />

grotesken Zügen und schrägen Figuren: eine um<br />

Jean-Baptiste Adamsberg, die andere um Ludwig<br />

Kehlweiler. Vargas erhielt zahlreiche Auszeichnungen,<br />

unter anderen 2004 den Deutschen Krimipreis<br />

für „Fliehe weit und schnell“.<br />

Diesen Zeichen ist Adamsberg in seinem<br />

zweiten Pariser Fall auf der Spur. Er<br />

hat das 5. Arrondissement verlassen und<br />

ist an den Quai <strong>des</strong> Orfèvres gewechselt,<br />

zur Brigade criminelle de la Préfecture de<br />

police groupe homicide antenne du 13ème,<br />

so der eindrucksvoll komplizierte Name<br />

seiner Einheit.<br />

Das Gebäude neben der berüchtigten<br />

Conciergerie ist alt und kühl, riesig und ein<br />

bisschen düster. Aber gleich nebenan fließt<br />

die Seine, an der Adamsberg gern spazieren<br />

geht, eine „fließende Zuflucht“, wie geschaffen<br />

für einen „Wolkenschaufler“. So<br />

wird Adamsberg genannt, wegen der ungeordneten<br />

und scheinbar abseits jeder Logik<br />

verlaufenden Struktur seiner Überlegungen,<br />

die seine Kollegen teils fasziniert,<br />

teils verärgert.<br />

Hier, an der Seine, lässt es sich besonders<br />

gut „Wolken schaufeln“, hier kann der<br />

Kommissar seine Gedanken auslüften: „Er<br />

ließ sie frei, wie man einen Schwarm Vögel<br />

aufsteigen lässt, und sie zerstreuten sich<br />

über den Himmel, spielten, indem sie sich<br />

vom Wind emportragen ließen, leichtfertig<br />

und unbesonnen.“<br />

Ein paar Möwen gleiten vorbei, ein Liebespaar<br />

duckt sich im Schatten einer Brü-<br />

40 buchjournal 1/2012


© Alexandre Isard / Corbis<br />

»Paris klebt an<br />

den Schuhsohlen<br />

von Kommissar<br />

Adamsberg«<br />

cke. Ein Ausflugsboot bringt für ein paar<br />

Minuten Lärm und Leben, dann ist es wieder<br />

ruhig, so <strong>als</strong> wäre man nicht im Herzen<br />

von Paris, am Puls der Geschichte,<br />

gleich neben der Ile aux Juifs: jener Seine-<br />

Insel, auf der der letzte Großmeister <strong>des</strong><br />

Templerordens, Jacques de Molay, 1314<br />

verbrannt wurde.<br />

Auch Adamsberg muss sich mit der<br />

His torie befassen, mit dem Schwarzen<br />

buchjournal 1/2012 41<br />

Fred Vargas: Sie scheut die Öffentlichkeit, aber<br />

„ihr“ Bürgermeister kennt die Autorin<br />

Tod und den roten, spiegelverkehrten Vieren,<br />

den alten Abwehrzeichen gegen die<br />

Pest, die an Wohnungstüren überall in der<br />

Stadt auftauchen. In der Rue Poulet etwa,<br />

im 18. Arrondissement, wo sich Paris ganz<br />

anders zeigt: Friseure und Perückenläden<br />

säumen die belebte Straße, Afrikanerinnen<br />

schwatzen vor den Eingangstüren,<br />

ein paar Ecken weiter wird ganz offen mit<br />

Drogen gehandelt.<br />

Von Fred Vargas, Adamsberg oder Zeichen<br />

an Türen weiß hier niemand etwas.<br />

Vielleicht ist das am Place Edgar Quinet anders,<br />

jenem kleinen Platz, an dem der Ausrufer<br />

Joss Le Guern die merkwürdigen Botschaften<br />

<strong>des</strong> Mörders verliest. Eigentlich<br />

handelt es sich nur um eine Kreuzung, 0<br />

Die blauen Kreise, wie sie der Mörder in<br />

dem Krimi „Es geht noch ein Zug von der<br />

Gare du Nord“ gezeichnet haben könnte<br />

Ein Ort für die blauen Kreise: die Rue du<br />

Moulin-Vert im 14. Arrondissement<br />

Die Kreuzung Edgar Quinet: ein realer Ort,<br />

den Fred Vargas neu erschaffen hat<br />

© Robert Kluba<br />

© Robert Kluba<br />

© Robert Kluba


SCHWERPUNKT KRIMI & THRILLER<br />

0 die sich kaum von anderen Pariser<br />

Kreuzungen unterscheidet. Einen Fahrradladen<br />

wie im Roman sucht man freilich<br />

vergebens, ebenso die Platane mit dem<br />

blauen Briefkasten, in dem jeder seine Botschaften<br />

deponieren kann, und angesichts<br />

<strong>des</strong> lärmenden Gemüsemarkts hätte Joss<br />

am Wochenende kaum die Chance, sich<br />

hier überhaupt Gehör zu verschaffen.<br />

Für das Café Viking, in dem sich die Bewohner<br />

<strong>des</strong> Viertels treffen, könnten gleich<br />

mehrere Bistros Pate gestanden haben. Das<br />

„La Liberté“ etwa, in dem drei Männer<br />

beim Kaffee sitzen. Einer von ihnen entpuppt<br />

sich <strong>als</strong> Pascal Cherki, seines Zeichens<br />

Bürgermeister <strong>des</strong> 14. Arrondissements<br />

und stolz auf sein Viertel. Ja, natür-<br />

»Adamsberg lebt in<br />

einer Sackgasse,<br />

wo die Großstadt<br />

sich dörfl ich gibt«<br />

lich kenne er Fred Vargas, sie sei ja öfter im<br />

gegenüber liegenden „Café O<strong>des</strong>sa“ anzutreffen.<br />

Überhaupt habe sein Arrondissement<br />

eine große literarische Geschichte:<br />

Henry Miller etwa sei hier gewesen; Jean-<br />

Paul Sartre und Simone de Beauvoir hätten<br />

in der Nähe gewohnt, auch Lenin und<br />

Trotzki hätten sich dem Charme von Montparnasse<br />

nicht entziehen können.<br />

Cherki lacht, fi ndet es fast seltsam, dass<br />

es noch keine „Adamsberg-Touren“ durch<br />

Paris gibt, vergleichbar mit den schwedischen<br />

Wallander-Trips oder den Reisen auf<br />

den Spuren von Dan Brown. Dann steht er<br />

auf, <strong>als</strong> Bürgermeister hat man viel zu tun.<br />

Eine Frage ist noch offen: Kennt er die Ruelle<br />

aux Mouettes, jene Gasse, in der Adamsberg<br />

sich ein Haus gekauft hat? „Nein“, sagt<br />

Cherki, „diese Straße gibt es nicht.“ Ein Händedruck,<br />

ein Lächeln, dann ist er fort, unterwegs<br />

auf bürgermeisterlichen Pfaden.<br />

Also kein Besuch bei Adamsbergs Haus –<br />

aber vorstellen kann man sich die kleine<br />

Straße immerhin: eine stille Sackgasse im<br />

Herzen von Paris, wo die Großstadt sich<br />

dörfl ich gibt, gesäumt von Häusern mit aneinandergeschmiegten,<br />

kleinen Vorgärten.<br />

Eines dieser Häuser hat Adamsberg im fünften<br />

Roman der Krimireihe erworben, ein<br />

altes Gemäuer, das irgendwann ein Nonnen-<br />

An der Seine lässt Adamsberg gern seine<br />

Gedanken aufsteigen<br />

In der Rue Poulet war der Kommissar mit<br />

Pestzeichen konfrontiert<br />

kloster gewesen sein soll. Aber der angeblich<br />

herumspukende Geist hat sich mit dem<br />

Kommissar arrangiert. Nebenan ist das<br />

Haus von Lucio, Adamsbergs bizarrem<br />

Nachbarn, der um die Rettung kleiner Kätzchen<br />

bemüht ist und in regelmäßigen Abständen<br />

an den Haselnussstrauch pinkelt.<br />

Vielleicht ist es ganz gut, dass diese Gegend<br />

nur in der Fantasie <strong>des</strong> Lesers existiert,<br />

vielleicht würde andernfalls ihr Zauber<br />

verfl iegen. Und vielleicht hatte Fred<br />

Vargas ebendiesen Gedanken im Hinter-<br />

Lesezeichen<br />

j<br />

Fred Vargas: Die Nacht <strong>des</strong> Zorns. Übersetzt von<br />

Waltraud Schwarze. Aufbau, 432 S., 22,99 € (D) •<br />

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Fred Vargas: Die Nacht <strong>des</strong> Zorns. Gelesen von Volker<br />

Lechtenbrink. Bastei Lübbe, 19,99 € (D ) • 20,20 € (A) •<br />

29,90 sFr.<br />

© Robert Kluba<br />

© Robert Kluba<br />

kopf, <strong>als</strong> sie die Straße erfand. Aber wir<br />

müssen zurück in die Wirklichkeit, zum<br />

Gefängnis La Santé im 14. Arrondissement,<br />

wo viele der Kriminellen landen, die Adamsberg<br />

wolkenschaufelnd überführt hat.<br />

Es ist ein mächtiger, dunkler Bau mit vergitterten<br />

Fenstern hinter hohen, graubraunen<br />

Mauern, ein abweisen<strong>des</strong> Gebäude, das<br />

nicht zum Betreten einlädt. Zwei Polizisten<br />

halten, springen aus dem Wagen, erklären,<br />

dass Fotografi eren hier verboten sei. „Haben<br />

Sie eine Genehmigung? – Nein? – Desolée,<br />

bitte weitergehen.“ Eine Aufforderung,<br />

der man nicht ungern Folge leistet.<br />

Hier spürt man die Abgründe, die Fred Vargas<br />

in ihrer unvergleichlichen Prosa entwirft<br />

und denen der Kommissar auf Schritt<br />

und Tritt begegnet, sei es nun in Paris oder<br />

anderswo.<br />

Denn oft verlegt Vargas ihre Handlung in<br />

ebendieses Anderswo, so auch im jüngsten<br />

Adamsberg-Roman „Die Nacht <strong>des</strong> Zorns“,<br />

»In Fred Vargas’<br />

Paris umschlingen<br />

sich Realität und<br />

Imagination«<br />

in dem es den Ermittler in die Normandie<br />

verschlägt, auf die Spuren der Wilden Jagd,<br />

die im Dorf Ordebec gesehen worden sein<br />

soll und Unheil ankündigt. So pendelt<br />

Adamsberg zwischen der Großstadt und<br />

dem kleinen Ort, der so ganz anders ist <strong>als</strong><br />

die graue Stadt, in dem Mythen und Legenden<br />

zum Leben erwachen können. Hier<br />

scheint es tatsächlich denkbar, dass das<br />

Wütende Heer regelmäßig den Weg von<br />

Bonneval entlangreitet und den Tod mit<br />

sich bringt.<br />

Dennoch ist es erneut Paris, das Adamsberg<br />

befähigt, den Fall zu lösen, das Paris<br />

seiner bewährten Kollegen, in dem ein jugendlicher<br />

Brandstifter zum Verbündeten<br />

wird und eine verletzte Taube sich <strong>als</strong><br />

zahmes Haustier entpuppt. Erst nach vielen<br />

Um- und Abwegen kommt Adamsberg<br />

dem Geheimnis von Ordebec und seinen<br />

merkwürdigen Bewohnern auf die Spur<br />

und kann in die Hauptstadt zurückkehren,<br />

der Pariser aus den Pyrenäen, in <strong>des</strong>sen<br />

steinerner Stadt der blauen Kreise sich Realität<br />

und Imagination auf einzigartige Weise<br />

zu umschlingen scheinen. �<br />

42<br />

buchjournal 1/2012


Kult!<br />

Echt abgefahren<br />

Der Klassiker „VW T1 Bulli“<br />

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SCHWERPUNKT KRIMI & THRILLER<br />

Kriegsjahre<br />

MORD AN DER UNI<br />

Der Kampf ums Dasein<br />

Ein plötzlicher Wassereinbruch<br />

reißt den Kieler Biologieprofessor<br />

Hermann<br />

Pauli aus seiner nächtlichen<br />

Schreibtischarbeit.<br />

Wenig später steht er in<br />

einem verwüsteten Labor<br />

voller sterbender Aquariumsbewohner<br />

vor einem<br />

toten Doktoranden. Welche<br />

Mächte hat <strong>des</strong>sen Chef Frank Moebus geweckt,<br />

<strong>als</strong> er, Star der Universität, seine sensationelle<br />

Entdeckung aus der Tiefsee ins Labor<br />

gebracht hat? Obwohl die attraktive Kommissarin<br />

Anne Detlefsen nicht nur an Paulis Forschungen<br />

Gefallen fi ndet, hält der den schrecklichen<br />

Verdacht, den er hegt, zunächst geheim.<br />

Nach „Der Rote“ ist dies der zweite Thriller mit<br />

dem Kalmarexperten Pauli. Kegel liefert darin<br />

spannende, lehrreiche und kritische Innenansichten<br />

aus einem Wissenschaftsbetrieb, in<br />

dem die Jagd nach Ruhm und Forschungsmitteln<br />

zum Kampf ums Dasein zählt. ub<br />

^ Bernhard Kegel: „Ein tiefer Fall“. Mare Verlag, 512<br />

S., 19,90 € (D) • 20,50 € (A) • 28,90 sFr.<br />

EX-JUGOSLAWIEN<br />

Einsatz in der<br />

fremden Heimat<br />

Rottweil mag beschaulich anmuten. Doch in „Der kalte Traum“, Oliver<br />

Bottinis jüngstem Thriller, hebt in der Stadt am Rande der Schwäbischen<br />

Alb ein schwäbischer Albtraum an. Es ist das Jahr 1991. Thomas<br />

Cavar, <strong>des</strong>sen Vorfahren zwar aus Kroatien stammen, der sich<br />

aber bislang stets <strong>als</strong> Deutscher begriff, hat sein Abitur bestanden.<br />

Das verzweifelte Ringen der im Balkankrieg aufgeriebenen Kroaten um die Durchsetzung<br />

ihrer Unabhängigkeit lässt den jungen Mann glauben, er werde dort gebraucht, wo seine<br />

Wurzeln liegen. Thomas tritt zum Kampf für das Land seiner Ahnen an – und bezahlt seinen Idealismus<br />

mit dem Leben. So heißt es jedenfalls. Anderthalb Jahrzehnte später stößt eine Reporterin<br />

in Zagreb auf Spuren von martialischen Kriegsverbrechen, die mit Thomas’ Heimatfronteinsatz zu<br />

tun zu haben scheinen. Unter<strong>des</strong>sen recherchiert der kroatische Geheimdienst in Rottweil die<br />

Umstände seines Lebens und mutmaßlichen Sterbens. Bottini ist ein klug komponierter Krimi gelungen,<br />

<strong>des</strong>sen politischer Hintergrund angesichts <strong>des</strong> nahenden EU-Beitritts Kroatiens eine gewisse<br />

Brisanz besitzt. Man liest dergleichen gern in einem Genre, das hierzulande oft mehr auf<br />

knallige Effekte denn auf historische Tiefenschärfe setzt. wer<br />

^ Oliver Bottini: „Der kalte Traum“. DuMont, 448 S., 18,99 € (D) • 19,60 € (A) • 27,50 sFr.<br />

INTERNATIONALE VERFLECHTUNGEN<br />

Ein Fall für Europol<br />

Der schwedische Erfolgsautor Arne Dahl hat seine<br />

Sonderermittlungseinheit A-Gruppe endgültig<br />

aufgelöst und den Wirkungskreis ihrer Mitglieder<br />

in einen globalen Kontext überführt. Paul Hjelm,<br />

nun Chef einer geheimen Einheit bei Europol in<br />

Den Haag, und seine international zusammengesetzte<br />

Truppe werden mit einem Fall konfrontiert,<br />

der weit über Europa hinausreicht. Während<br />

in London ein Tibeter von einem Auto überfahren<br />

wird, muss ein schwedischer Möbelfabrikant<br />

sich mit der italienischen Mafi a<br />

auseinandersetzen. Eine chinesische Putzfrau<br />

surft im Internet nach Kinderpornografi e, und<br />

ein lettischer Umweltpolitiker scheint das illegale<br />

Verschieben von Giftmüll zu verschleiern,<br />

während in New York eine Familie bestialisch<br />

mit Stacheldraht gefoltert wird. Natürlich hängt<br />

hier eins mit dem anderen und alles überhaupt<br />

mit allem zusammen. Leider nur kommt die<br />

Story recht konstruiert daher,<br />

was der Spannung<br />

nicht unbedingt zuträglich<br />

ist. Weniger wäre mehr<br />

gewesen. gran<br />

^ Arne Dahl: „Gier“.<br />

Übersetzt von Antje Rieck-<br />

Blankenburg. Piper, 512 S.,<br />

16,99 € (D) • 17,50 € (A) •<br />

24,90 sFr.<br />

SPANNUNG AUF SCHOTTISCH<br />

Interne Ermittlungen<br />

Der zweite Fall für Malcolm<br />

Fox und seine aufklärerisch<br />

gestimmte „Abteilung für<br />

interne Ermittlungen“ führt<br />

in den Küstenort Kirkcaldy<br />

auf der Halbinsel Fife. Das<br />

jüngste auf Deutsch erhältliche<br />

Buch <strong>des</strong> Schotten Ian<br />

Rankin ist gewohnt raffi -<br />

niert gewoben, dynamisiert<br />

von psychologisch schlüssigem Thrill und atmosphärisch<br />

ungefähr so dicht, wie Kalauerfreunde<br />

es sonst nur besonders trinkfreudigen<br />

Schotten zubilligen. Allerdings weist dieser Krimi<br />

um korrupte Polizisten und düstere Leidenschaften<br />

den für sentimentalische Rankin-Fans<br />

bedeutsamen Malus auf, kein John-Rebus-Roman<br />

zu sein. Seit Rankins mutmaßlich endgültigem<br />

Abschied von diesem Ermittler, den zuverlässig<br />

ein Hauch von Fäulnis, Whiskey und Vergeblichkeit<br />

umfl orte, sind seine mit sozialen Verheerungen<br />

aufgeladenen Spannungsromane keinen<br />

Deut schlechter geworden. Und doch fehlt jener<br />

schwarzgallige Protagonist, der ihm ein kundiger<br />

Fährmann durch düstere, ja apokalyptische<br />

Schauplätze war. wer<br />

^ Ian Rankin: „Die Sünden der Gerechten. Ein Fall<br />

für Malcolm Fox“. Übersetzt von Conny Lösch. Manhattan,<br />

5 126 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

44<br />

buchjournal 1/2012


RACHE IN DEN PYRENÄEN<br />

Im Talkessel, im Winter<br />

Es ist dunkel, sehr kalt und es schneit, <strong>als</strong> Arbeiter,<br />

die in einem Pyrenäen-Ort mit der Seilbahn<br />

zu einem Wasserkraftwerk in 2 000 Metern Höhe<br />

fahren, einen grausigen Fund machen: Ein Pferd<br />

wurde enthauptet, gehäutet und wie ein riesiger,<br />

bedrohlich schwarzer Schmetterling hergerichtet.<br />

Die Polizei ermittelt, wer hinter dieser<br />

grausigen Inszenierung steckt, nicht zuletzt weil<br />

das Pferd einem der einfl ussreichsten Unternehmer<br />

Frankreichs gehörte – und dann wird ein<br />

Mann auf grausige Weise ermordet. Involviert<br />

scheint ein Schweizer zu sein, der gar nicht involviert<br />

sein kann: ein ehemaliger sehr erfolgreicher,<br />

hochintelligenter Staatsanwalt, der<br />

durch Zufall <strong>als</strong> Serienmörder<br />

enttarnt wurde – und<br />

der nun seit Jahren im<br />

Hochsicherheitstrakt einer<br />

hermetisch abgeriegelten<br />

psychiatrischen Anstalt in<br />

dem kleinen Pyrenäen-Ort<br />

einsitzt. Wie aber kommt<br />

seine DNS an Tatorte, bei<br />

denen es wohl, der Leser<br />

buchjournal 1/2012 45<br />

Verschneit, klaustrophobisch: ein Dorf in den<br />

Bergen – am Rand der Welt<br />

ahnt es bald, um Rache geht? Alles andere <strong>als</strong><br />

ein neues Krimithema <strong>als</strong>o – das Besondere an<br />

dieser Geschichte ist aber die Art, wie Bernard<br />

Minier sie in seinem Romandebüt erzählt: spannend,<br />

atmosphärisch und mit viel Sinn für Dramatik.<br />

Ein Pageturner. Aber einer, der zwischendurch<br />

die Frage refl ektiert, ob es das Böse gibt,<br />

und der sich nachdenklich mit dem auseinandersetzt,<br />

was Menschen einander antun. sc<br />

^ Bernard Minier: „Schwarzer Schmetterling“.<br />

Übersetzt von Thorsten Schmidt. Droemer Knaur,<br />

688 S., 14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 21,90 sFr.<br />

Wohin sie auch<br />

kommen, der Tod<br />

war schon da.<br />

Der neue Thriller von Ursula Poznanski<br />

Holen Sie sich das exklusive Bonuskapitel<br />

und ermitteln Sie am Tatort auf www.fuenf-thriller.de<br />

© chinaface<br />

BERLIN IM ERSTEN WELTKRIEG<br />

Der Dichter <strong>als</strong> Mörder<br />

Das Kriegsjahr 1916 war keine gute Zeit, um in<br />

Berlin <strong>als</strong> Theaterdichter zu debütieren. So tragen<br />

die Zeitläufte zumin<strong>des</strong>t Mitschuld daran, dass<br />

Wilhelm Blümel nicht <strong>als</strong> Autor, sondern <strong>als</strong> Doppelmörder<br />

von sich reden macht. Wie hätte er<br />

auch ahnen können, dass der Geldbriefträger sich<br />

gegen seine Beraubung wehren und seine Hauswirtin<br />

zu früh zurückkehren würde? Doch so sehr<br />

ihm sein kriminelles Debüt auch missraten ist, so<br />

geschickt weiß sich der Dichter den Nachstellungen<br />

<strong>des</strong> Kommissars Fokko von Falkenrehde<br />

zu entziehen. Horst Bosetzky, der unter seinem<br />

Kürzel –ky zu den Pionieren <strong>des</strong> <strong>deutschen</strong> Sozio-<br />

Krimis zählt, erweist sich wieder einmal <strong>als</strong> exzellenter<br />

Kenner <strong>des</strong> historischen<br />

Berlins und liefert<br />

ein kriminalistisches Milieustück,<br />

an <strong>des</strong>sen Ende nicht<br />

nur der Vorhang für Blümel<br />

fällt. ub<br />

^ Horst Bosetzky: „Der Fall<br />

<strong>des</strong> Dichters“. Gmeiner,<br />

270 S., 9,90 € (D) •<br />

10,20 € (A) • 14,90 sFr.<br />

384 Seiten | Klappenbroschur<br />

¤ 14,95 (D) / ¤ 15,40 (A) / sFr. 21,90 (UVP)<br />

© Michael Bodmann/iStockphoto; cg-textures


© Randy Faris / Corbis<br />

SCHWERPUNKT KRIMI & THRILLER<br />

MORD AUF NIEDERBAYERISCH<br />

Aber bitte mit Strudel<br />

Fast jeder Landstrich hat<br />

seine Regionalkrimis, Niederbayern<br />

auch – nicht zuletzt<br />

dank Jutta Mehler, die<br />

bereits ihren fünften vorlegt.<br />

Wieder ermittelt die<br />

toughe Hausfrau, Mutter,<br />

Großmutter und Teilzeitgeliebte<br />

Fanni Rot, von der<br />

ihr Noch-Gatte Hans behauptet,<br />

sie sei ein „verstocktes, widerborstiges,<br />

dickschädliges Trumm“. Ein Kompliment klingt anders,<br />

so viel versteht auch der lesende Nicht-Bayer.<br />

Hans ahnt eine Ehekrise und einen Geliebten an<br />

der Seite seiner Fanni, ignoriert jedoch bei<strong>des</strong><br />

ebenso tapfer wie missmutig. Diffi zile Probleme<br />

anzusprechen ist seine Sache nicht, deren Aussitzen<br />

schon eher. Doch Fanni hat gerade keinen<br />

Nerv für seine Gemütslage, denn sie ist beim Besuch<br />

von Tante Luise im Seniorenheim über einen<br />

Toten gestolpert. Doch nachdem Fanni Hilfe geholt<br />

hat, ist die Leiche spurlos verschwunden und<br />

der vermeintlichen Finderin haftet nun der Ruf<br />

von zu viel blühender Fantasie an. Die herzhafte<br />

Niederbayerin lässt sich weder beirren noch einschüchtern<br />

– gemeinsam mit ihrem Geliebten und<br />

Tante Luise fi ndet sie heraus, dass der Ermordete<br />

im Seniorenheim einem üblen Skandal auf der<br />

Spur war. „Milchrahmstrudel“ ist ein spannender<br />

Krimi mit einer eindrucksvollen Protagonistin, bezauberndem<br />

Lokalkolorit, trockenem Humor und<br />

nicht nur für Niederbayern lesenswert. br<br />

^ Jutta Mehler: „Milchrahmstrudel“. Emons,<br />

192 S., 9,90 € (D) • 10,20 € (A) • 14,90 sFr.<br />

Schräge<br />

Kreuzfahrt<br />

DER KILLER ALS ARZT<br />

Wahnsinns-<br />

Idylle<br />

„Schneller <strong>als</strong> der Tod“, das Thriller-Debüt<br />

<strong>des</strong> Amerikaners Josh Bazell aus dem Jahr<br />

2010, war zumal wegen seines unkonventionellen<br />

Protagonisten bemerkenswert.<br />

Pietro heißt der Held dieser rasanten Pulp-<br />

Fiction-Variante, seines Zeichens Ex-Mafi a-<br />

Killer im Zeugenschutzprogramm – und<br />

von Tarnberufs wegen Assistenzarzt in<br />

Manhattan. Jetzt legt Bazell mit „Einmal<br />

durch die Hölle und zurück“ die Fortsetzung<br />

seines fulminanten Erstlings vor. Sie<br />

kommt mit weniger Blut aus, ohne je anämisch<br />

anzumuten. Und sie steigert nochm<strong>als</strong><br />

das ohnehin irrwitzige Erzähltempo<br />

<strong>des</strong> Vorläufers. Pietro, nunmehr <strong>als</strong> Schiffsarzt<br />

auf einem Luxuskreuzer tätig, soll für<br />

einen Milliardär ergründen, ob dieser Opfer<br />

eines Betrugs geworden ist. Die Recherchen<br />

führen ihn in idyllische Weltgegenden,<br />

die Orgien der Gewalt und <strong>des</strong><br />

Wahnsinns harsch kontrastieren. Josh Bazell<br />

fabuliert so wild, dass selbst genreerprobte<br />

Leser vom Glauben abfallen dürften.<br />

Auch und gerade darum: Mach’s noch<br />

einmal, Pietro! wer<br />

^ Josh Bazell: „Einmal durch die Hölle und<br />

zurück“. Übersetzt von Thomas Gunkel und<br />

Malte Krutzsch. S. Fischer, 416 S., 18,95 € (D) •<br />

19,50 € (A) • 27,50 sFr.<br />

SCHWEDISCHES DEBÜT<br />

Entführung aus Rache<br />

Nette Leute sind es, so<br />

scheint es, die neben Ylva<br />

ihr Auto stoppen und sie<br />

fragen, ob sie mitfahren<br />

will. Sie will – und kommt<br />

nie zu Hause an. Sie wird<br />

entführt, in einem Keller<br />

gefangen gehalten und<br />

gedemütigt. Ein lang zurückliegen<strong>des</strong><br />

Geheimnis<br />

scheint sie mit den Tätern zu verbinden. Ylvas einzige<br />

Verbindung zur Außenwelt ist ein Monitor,<br />

der ihr Haus zeigt, das nur wenige Meter vom Kellerverlies<br />

entfernt ist. Tagtäglich sieht sie ihre<br />

kleine Tochter im Garten und ihren Mann, ihre<br />

Schreie aber hört niemand. Hans Koppels Thrillerdebüt<br />

ist nichts für schwache Nerven. Denn der<br />

schwedische Autor versteht es prächtig, Angst<br />

und Schrecken zu verbreiten. Er spielt perfekt auf<br />

der Klaviatur <strong>des</strong> Genres und hält den Spannungsbogen<br />

buchstäblich bis zur letzten Seite. Seinem<br />

dänischen Kollegen Jussi Adler-Olsen wächst hier<br />

eine ernst zu nehmende Konkurrenz heran. br<br />

^ Hans Koppel: „Entführt“. Heyne, 352 S.,<br />

14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 21,90 sFr.<br />

ZWISCHEN FIKTION UND REALITÄT<br />

Verschwundene Mädchen<br />

Steve Mosby betreibt eine<br />

atemberaubende Gratwanderung<br />

zwischen literarischer<br />

Erfi ndung und Realität.<br />

Ein kleines Mädchen<br />

taucht wie aus dem Nichts<br />

an Englands Ostküste auf<br />

und erzählt der Polizei eine<br />

haarsträubende Geschichte.<br />

Das aber scheint zunächst<br />

nur der Anfang eines Krimis zu sein, den<br />

der Vater <strong>des</strong> Dozenten Neil Dawsons vor seinem<br />

rätselhaften Unfalltod gelesen hat. Mit <strong>des</strong>sen<br />

Aufklärung ist die Polizistin Hannah Price beschäftigt.<br />

Dabei erfährt sie, dass auch ihr Vater mit jenem<br />

Roman über verschwundene Mädchen,<br />

schwarze Blumen und eine unfassbare Mordserie<br />

zu tun gehabt hat. Dann wird Neils Freundin Ally<br />

entführt, und die Geschichte verwandelt sich in<br />

grausame Wirklichkeit. Wird sich das schreckliche<br />

Ende, auf das der Roman im Roman hinausläuft,<br />

in der Realität wiederholen? ub<br />

^ Steve Mosby: „Schwarze Blumen“. Übersetzt von<br />

Anke und Eberhard Kreutzer. Droemer Knaur, 400 S.,<br />

14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 21,90 sFr.<br />

46<br />

buchjournal 1/2012


BUCHJOURNAL-TIPP<br />

Buchjournal-Redakteurin Sabine<br />

Schmidt empfi ehlt Ulrich Ritzels<br />

Krimi „Schlangenkopf“<br />

Er schaut sehr genau<br />

hin, setzt sich kritisch und<br />

engagiert mit Themen<br />

unserer Zeit auseinander:<br />

Ulrich Ritzel schreibt ruhige,<br />

nachdenkliche Bücher für<br />

Leser, die gehaltvolle<br />

Spannung schätzen.<br />

Komplexe Geschichte<br />

Darum geht’s: Berlin bei Nacht – in einer dunklen Straße wird ein Mann überfahren,<br />

der Täter verschwindet spurlos. Die Familie <strong>des</strong> Toten will wissen, wer<br />

der Fahrer war, traut der Polizei nicht und beauftragt Privatdetektiv Berndorf.<br />

Der fi ndet bald heraus, dass der Mord geplant war, aber eine Verwechslung vorliegt:<br />

Tatsächlich sollte nicht der junge Türke, sondern ein Mann getötet werden,<br />

der aus dem früheren Jugoslawien stammt. Der jugoslawische Bürgerkrieg<br />

ist das Hauptthema <strong>des</strong> Krimis – und die Verstrickungen von <strong>deutschen</strong> Politikern,<br />

Nachrichtendiensten und Geschäftemachern in diesen Krieg.<br />

Wer ist der Autor? Ulrich Ritzel, geboren 1940, hat Jura studiert und 35 Jahre<br />

<strong>als</strong> Journalist gearbeitet, für seine Gerichtsreportagen erhielt er 1981 den renommierten<br />

Wächter-Preis. Er gilt <strong>als</strong> einer der besten Kriminalautoren<br />

Deutschlands, seine Berndorf-Krimis wurden mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt<br />

erhielt Ritzel für „Beifang“ den Deutschen Krimipreis 2010.<br />

Wer ist der Ermittler? Hans Berndorf, ehem<strong>als</strong> Kommissar in Süddeutschland,<br />

schon etwas älter, ruhig, aber noch längst nicht unberührbar, liiert mit<br />

der Sprachwissenschaftlerin Barbara Stein. Berndorf ist jetzt Privatdetektiv in<br />

Berlin, von Lodenmantel und Hut abgesehen, ein auf den ersten Blick unauffälliger<br />

Mann, tatsächlich aber einer mit ausgeprägtem Charakter, stur, dabei<br />

aufmerksam seiner Umgebung gegenüber. Ein Mann, der Anteil nimmt. Aber<br />

einer, der genau hinschaut und sich nicht einwickeln lässt.<br />

Das bekommen Sie nicht: Action und atemlose Spannung. Alberne Helden.<br />

Belanglose Themen.<br />

Was ist das Besondere? Ulrich Ritzel nimmt seine Figuren ernst, unsere Gegenwart<br />

und deren Themen, setzt sich klug und engagiert mit ihnen auseinander.<br />

Er bezieht deutlich Stellung, drängt seine Meinungen dem Leser aber<br />

nicht auf. Nur eines muss man, wenn man sich auf seine Geschichte einlässt:<br />

über sie nachdenken. �<br />

^ Ulrich Ritzel: „Schlangenkopf “. btb, 448 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

buchjournal 1/2012 47<br />

© Uli Knörzer<br />

Söderstedt beugt sich über das<br />

Gesicht <strong>des</strong> Sterbenden. Es ist,<br />

<strong>als</strong> sei <strong>des</strong>sen ganzer Körper zerbrochen.<br />

Wie ein hei ßer Gey sir<br />

speien die rö chel n den Atemzüge<br />

<strong>des</strong> Man nes Blut in sein Ohr.<br />

Dennoch weicht er nicht zurück.<br />

Dieser Mann will ihm etwas mitteilen.<br />

Jetzt noch …<br />

NEU – GIERIG?!<br />

© Sara Arnald


© Brent T. Madison / Corbis<br />

SCHWERPUNKT KRIMI & THRILLER<br />

Der Begriff „Frauenkrimi“ wird immer wieder benutzt – aber was meint er eigentlich?<br />

Eine Spurensuche in einem erfolgreichen, aber nicht bei allen Frauen beliebten Subgenre.<br />

Nischen-<br />

Produkte<br />

TEXT: SABINE SCHMIDT<br />

E<br />

in „Frauenkrimi“ ist ein Krimi, der von<br />

einer Frau geschrieben wurde – das ist<br />

die erste Erklärung <strong>des</strong> Begriffs, die einem in<br />

den Sinn kommt. Dass das aber noch nicht<br />

wirklich passt, merkt man, wenn man einen<br />

Blick auf die aktuellen Neuerscheinungen<br />

wirft. Die Bücher der Französin Fred Vargas<br />

zum Beispiel (siehe Seite 40), die unter<br />

einem männlich klingenden Pseudonym<br />

veröffentlicht und sich mit ihrem Kommissar<br />

Adamsberg einen männlichen Helden<br />

ausgesucht hat, oder die Krimis von Anne<br />

Chaplet (siehe Seite 56) würde man wohl<br />

eher nicht unter diesen Begriff fassen.<br />

Es ist nicht mal klar, ob Frauen wirklich<br />

anders schreiben <strong>als</strong> Männer; und ob sie anders<br />

lesen – gibt es doch viele, die entgegen<br />

den Erwartungen „Noir“ mögen und diese<br />

coolen Helden, die, wie früher die Cowboys,<br />

allein unterwegs sind und beinhart und superclever<br />

ihr Ding durchziehen.<br />

Es gibt aber auch Autorinnen, die anders<br />

<strong>als</strong> Fred Vargas (und zum Teil Anne Chaplet)<br />

weibliche Helden haben. Aber auch<br />

damit ist man noch nicht beim „Frauenkrimi“<br />

– oder sollte es nicht sein, denn insbesondere<br />

Autorinnen eher anspruchsvoller<br />

Titel wollen nicht unter dieses Label gefasst<br />

werden. Wie sehr bei ihnen (und bei<br />

Kritikern) der Begriff „Frauenkrimi“ sogar<br />

verpönt ist, wurde 2006 deutlich, <strong>als</strong> der<br />

erst wenige Jahre zuvor ins Leben gerufene<br />

Frauenkrimipreis der Stadt Wiesbaden<br />

Das liest frau schon mal ganz gern: dass<br />

Geschlechtsgenossinnen handgreiflich werden<br />

48<br />

buchjournal 1/2012


nach lebhafter Diskussion eingestellt wurde<br />

– mit der Begründung, dass er eher diskriminiere<br />

<strong>als</strong> nütze.<br />

Dabei ist es geblieben. Ein guter Krimi<br />

ist ein guter Krimi, egal ob er von einem<br />

Mann oder einer Frau geschrieben wurde,<br />

sagen Kritiker wie der Sprecher der Krimi-<br />

Zeit-Bestenliste Tobias Gohlis. Autorinnen<br />

stimmen zu, auch wenn die Quote nicht<br />

unbedingt für sie spricht. Beim renommierten<br />

Deutschen Krimipreis etwa waren<br />

von 2000 bis 2011 unter den drei ersten Plätzen<br />

im <strong>deutschen</strong> Sprachraum, <strong>als</strong>o unter<br />

33 Autoren, vier Frauen (Anne Chaplet,<br />

Thea Dorn, Astrid Paprotta und Andrea<br />

Maria Schenkel); unter den 33 internationalen<br />

Preisträgern waren es zwei (Fred Vargas<br />

und Dominique Manotti).<br />

Über Quoten in der Literatur zu sprechen<br />

klingt aber auch allzu schräg. Davon sollte<br />

man die Finger lassen, zumal Krimis, vor<br />

allem in der ersten Liga, zwar Jungssache<br />

sind, Mädchen aber<br />

mitspielen dürfen, und<br />

das zuweilen auf hohem<br />

Niveau. Beim <strong>deutschen</strong><br />

Krimipreis 2012 kam<br />

Mechthild Bormann<br />

mit „Wer das Schweigen<br />

bricht“ (Pendragon) auf<br />

Platz eins und Elisabeth<br />

Herrmann mit „Zeugin<br />

der Toten“ (List) auf Platz drei; und in der<br />

Gesamtwertung <strong>des</strong> Jahres 2011 der Krimi-<br />

Zeit-Bestenliste ist ebenfalls eine Frau ganz<br />

oben: die Französin Dominique Manotti<br />

mit „Roter Glamour“ (Ariadne).<br />

Wenn man aber vom Elite-Gipfel in die<br />

Niederungen <strong>des</strong> Mainstreams hinabsteigt,<br />

nimmt die „Frauendichte“ (wie insgesamt<br />

in Unterhaltungsromanen) deutlich zu.<br />

Jetzt kann man wohl von „Frauenkrimis“<br />

sprechen, ohne mit vielen Protesten rechnen<br />

zu müssen: nicht nur, dass sich hier<br />

viele Autorinnen tummeln, die weibliche<br />

Helden haben; sie schreiben auch über<br />

Themen, die insbesondere Frauen ansprechen<br />

– verpackt in fesselnde Krimi- und<br />

Thrillerhandlungen.<br />

Mo Hayder zum Beispiel. In „Atem“ erzählt<br />

sie von zwei ungleichen Schwestern.<br />

Zoë ist eine toughe Polizistin mit sehr verletzlicher<br />

und verletzter Seele, auf der Suche<br />

nach einem Mann, der ein junges Mädchen<br />

auf besonders grausame Weise vergewaltigt<br />

und ermordet hat; ihre gerade geschiedene<br />

Schwester Sally war bisher verwöhnte Ehe-<br />

buchjournal 1/2012 49<br />

»Krimis sind eher<br />

Jungssache,<br />

Mädchen dürfen<br />

aber mitspielen«<br />

frau, muss jetzt aber sich und ihre Tochter<br />

mit Putzjobs über Wasser halten – und setzt<br />

sich sehr blutig mit einem Widerling auseinander.<br />

Beide Schwestern haben den Kontakt<br />

zueinander verloren, finden aber über<br />

Zoës aktuellen Fall wieder zueinander. In<br />

ihm geht es unter anderem um brutale Pornofilme;<br />

darum, dass immer mehr Teenager<br />

bereit sind, sich und ihren Körper zu verkaufen;<br />

und um die psychische und physische<br />

Verletzlichkeit insbesondere von<br />

Mädchen und Frauen.<br />

Ein anderes Beispiel für einen „Frauenthriller“<br />

ist Karin Slaughters neuer Pageturner<br />

„Tote Augen“. Er ist um eine der tief<br />

sitzendsten Ängste von Frauen gesponnen:<br />

einem Psychopathen hilflos ausgeliefert zu<br />

sein. Scheinbar wahllos greift er in diesem<br />

Buch Frauen auf, sperrt sie in einer Erdhöhle<br />

oder anderen Gefängnissen ein, lässt sie<br />

hungern und dursten, um sie dann weiter<br />

zu foltern und zu verstümmeln.<br />

Sara Linton, Slaughters<br />

langjährige Heldin,<br />

trauert um ihren verstorbenen<br />

Mann und<br />

bleibt im Hintergrund,<br />

während dieses Mal ein<br />

neues Ermittlerpaar<br />

dem Täter auf die Spur<br />

zu kommen sucht: der Polizist Will, der<br />

schwer an seiner Heimkindheit trägt und<br />

daran, dass er nicht richtig lesen und<br />

schreiben kann; und seine Partnerin Faith,<br />

die zum zweiten Mal ungewollt schwanger<br />

ist, nachdem sie ihr erstes Kind mit 14 bekommen<br />

hatte und ihr Junge jetzt fast ein<br />

selbstständiger Teenager ist. Slaughter<br />

setzt auf besonders grausame Verbrechen,<br />

um die Aufmerksamkeit ihrer Leserinnen<br />

zu gewinnen, greift dabei existenzielle Fragen<br />

auf und gibt insbesondere „Frauenthemen“<br />

viel Raum.<br />

Auch der neue Thriller der bisherigen Kinder-<br />

und Jugendbuchautorin Ursula Poznanski<br />

kann in die Kategorie „Frauenthriller“<br />

einsortiert werden. In ihrem ersten Buch für<br />

Erwachsene – „Fünf“ – geht es um Geocashing:<br />

Kleine „Schätze“ wie Murmeln<br />

oder Schlüssel werden im Wald, an Flüssen<br />

oder in Höhlen versteckt. Die Koordinaten<br />

sind im Internet abrufbar, und jeder, der mit<br />

einem GPS umgehen kann und gern wandert,<br />

kann sich auf Schatzsuche begeben.<br />

In diesem Fall aber sind die „Schätze“<br />

Leichenteile, und der Mörder scheint 0<br />

KRIMINALROMANE<br />

Extrem fesselnd<br />

Die Krimi-Highlights 2012<br />

Klaus Erfmeyer<br />

Drahtzieher<br />

.................................<br />

324 S. · € 11,90<br />

Der Dortmunder Anwalt<br />

Stephan Knobel untersucht<br />

die Umstände eines<br />

mysteriösen To<strong>des</strong>. Stand<br />

das Opfer einem geheimen<br />

Kartell im Umfeld von<br />

ThyssenKrupp im Weg?<br />

Oskar Feifar<br />

Dorftratsch<br />

.................................<br />

322 S. · € 11,90<br />

Im kleinen Ort Tratschen<br />

wird der Trainer der Fußballmannschaft<br />

tot aufgefunden.<br />

Vorurteile, Neid<br />

und Missgunst hinter dem<br />

auf den ersten Blick harmonischen<br />

Miteinander!<br />

Matthias P. Gibert<br />

Menschenopfer<br />

.................................<br />

366 S. · € 11,90<br />

Hideo Asami, Küchenhilfe<br />

in einem Sushi-Restaurant<br />

in Kassel, gehen die Haare<br />

büschelweise aus, dann<br />

verschwindet er spurlos.<br />

Kommissar Paul Lenz<br />

ermittelt!<br />

Claudia Rossbacher<br />

Steirerherz<br />

.................................<br />

278 S. · € 9,90<br />

Sandra Mohr und Sascha<br />

Bergmann vom LKA in<br />

Graz ermitteln in der<br />

Weststeiermark in einem<br />

grausamen Mordfall.<br />

Wird der Mörder ein weiteres<br />

Mal zuschlagen?<br />

Bernward Schneider<br />

To<strong>des</strong>eis<br />

.................................<br />

276 S. · € 11,90<br />

Die Flucht vor dem Mörder<br />

ihres Geliebten führt Gladys<br />

auf die Titanic, <strong>als</strong> diese<br />

am 10. April 1912 zu ihrer<br />

Jungfernreise in See sticht.<br />

Doch auch an Bord ist sie<br />

nicht sicher …<br />

Wir machen’s spannend<br />

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Sie ist sexy, klug und<br />

unschlagbar: Die<br />

chinesisch-kanadische<br />

Agentin Ava Lee<br />

löst ihren ersten Fall.<br />

Und bald geht es weiter<br />

mit Ian Hamiltons<br />

gefeierter Krimireihe.<br />

KEIN & ABER<br />

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SCHWERPUNKT KRIMI & THRILLER<br />

0 mit der Polizei zu spielen, insbesondere<br />

mit Beatrice Kaspary, einer alleinerziehenden<br />

Mutter. Für ihre beiden Kinder hat<br />

sie während der Ermittlungen nicht immer<br />

Zeit, was ihr Ex-Mann ihr gern und heftig<br />

zum Vorwurf macht.<br />

Bei dem neuen Fall der schwedischen<br />

Bestsellerautorin Camilla Läckberg laufen<br />

„Frauenthemen“ nicht nur mit, sondern<br />

nehmen sehr viel Raum ein: Wohin man<br />

auch sieht, überall ist in<br />

ihrem Krimi „Meerjung-<br />

frau“ Schwangerschaft<br />

und Familie. Die Heldin<br />

erwartet Zwillinge, ihre<br />

Schwester ist ebenfalls<br />

schwanger, der Rest<br />

ihrer kleinen Welt im<br />

westschwedischen Fjällbacka<br />

hat Kinder oder<br />

will sie haben. Dabei sind Männlein wie<br />

Weiblein mit der Aufzucht und Pfl ege der<br />

lieben Kleinen befasst – und mit der Frage,<br />

wie man Beruf und Familie unter einen Hut<br />

bringen kann. Und mitten hineingewebt in<br />

diese Familiengeschichten ist die spannende<br />

Suche nach einem Mörder.<br />

Auch die fi nnische Autorin Leena Lehtolainen<br />

beleuchtet das Leben einer berufstätigen<br />

Mutter. Im Vordergrund ihres zehnten<br />

Falles um Maria Kallio – „Sag mir, wo<br />

die Mädchen sind“ – steht allerdings nicht<br />

der Familienalltag, sondern es geht um andere<br />

frauenspezifi sche Themen: um Frauen<br />

in Afghanistan, die versuchen, <strong>als</strong> Polizistinnen<br />

in ihrem Land zu arbeiten, allen<br />

Lesezeichen<br />

»Die Nischen sind<br />

größer geworden<br />

– aber Nischen<br />

geblieben«<br />

Widerständen und blutigen Anschlägen<br />

zum Trotz; und um junge Migrantinnen in<br />

Finnland, die, so scheint es, in Gefahr geraten<br />

sind, weil sie gegen den Willen ihrer<br />

Familien ein selbstbestimmtes Leben führen<br />

wollten.<br />

Das sind nur einige wenige Beispiele –<br />

tatsächlich gibt es sehr viel mehr Krimis<br />

und Thriller, in denen „Frauenthemen“ viel<br />

Raum einnehmen. Es gibt, das zeigen nicht<br />

zuletzt die Bestsellerlisten<br />

und Lesungen, viele<br />

Frauen, die sich dafür<br />

interessieren. Und es<br />

gibt, (nicht repräsentativen)<br />

Umfragen zufolge,<br />

eher wenige Männer,<br />

die ein Faible für diese<br />

Bücher haben.<br />

Was lernen wir daraus?<br />

Themen wie die Vereinbarkeit von Beruf<br />

und Familie oder Gewalt gegen Frauen,<br />

die alles, nur keine reinen „Frauenthemen“<br />

sind oder zumin<strong>des</strong>t nicht sein sollten, werden<br />

nach wie vor <strong>als</strong> solche gesehen – und<br />

Frauen ziehen sich mit ihnen in ihre (Lese-)-<br />

Nischen zurück. Die sind größer <strong>als</strong> etwa<br />

noch in den 1970er Jahren, komfortabler<br />

und schöner. Nischen sind sie dennoch.<br />

Besser wäre es, wenn es nicht dabei bliebe.<br />

Statt sich mit den „Frauenthemen“,<br />

eingepackt in spannende Geschichten, zurückzuziehen,<br />

sollten Frauen sie (wieder)<br />

dorthin tragen, wohin sie auch gehören: in<br />

die Politik und die öffentlichen Debatten.<br />

Und lesen kann frau ja trotzdem und immer<br />

noch ... �<br />

1. Mo Hayder: Atem. Übersetzt von Rainer Schmidt. Goldmann, 480 S., 14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 21,90 sFr.<br />

2. Karin Slaughter: Tote Augen. Übersetzt von Klaus Berr. Blanvalet, 576 S., 19,99 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

3. Ursula Poznanski: Fünf. Wunderlich, 384 S., 14,95 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr.<br />

4. Camilla Läckberg: Meerjungfrau. Übersetzt von Katrin Frey. List, 464 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 27,90 sFr.<br />

5. Leena Lehtolainen: Sag mir, wo die Mädchen sind. Maria Kallio ermittelt. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara.<br />

Kindler, 352 S., 19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

50<br />

buchjournal 1/2012


Oliver Harris’ Held ist ein versoffenes Wrack –<br />

aber noch clever genug, sich selbst zu retten. Ein<br />

überraschend munteres Krimidebüt.<br />

Der Penner und<br />

der Millionär<br />

TEXT: TOBIAS GOHLIS<br />

Versoffene, verschuldete und überhaupt<br />

nicht korrekte Bullen kennen wir. Aber<br />

dieser Detective Constable Nick Belsey, der<br />

eines Morgens verfroren, ohne Handy und<br />

Dienstmarke unter ein paar Kiefern <strong>des</strong><br />

Hampstead Heath Parks aufwacht, ist wirklich<br />

und in jeder Hinsicht am Boden. Seine<br />

Kreditkarten sind gesperrt, die Frau ist weg,<br />

die Wohnung ist gekündigt, und über den<br />

Geschehnissen der zurückliegenden Nacht<br />

liegt dichter Alkoholnebel. Belsey ist heruntergekommen<br />

zum Penner, aber er ist immer<br />

noch ein kompetenter Penner.<br />

Belsey gilt <strong>als</strong> einer der besten Detectives<br />

seines Reviers. Ein Mann mit Nase. Wie er,<br />

heimgewankt in die letzte Zufl ucht Büro,<br />

mit einem Griff in den Stapel der über<br />

Nacht neu eingetroffenen Meldungen beweist.<br />

Obwohl Vermisste nicht zu seinem<br />

Aufgabenbereich gehören, schnappt er<br />

sich intuitiv die Nachricht über einen verschwundenen<br />

Hausherrn und steuert seine<br />

Adresse an, die zu den teuersten der Welt<br />

gehört: Bishops Avenue. Dort fi ndet er eine<br />

Putzfrau, aber keinen Besitzer vor. Und<br />

greift sich erst mal ein Frühstück. Und<br />

dann den Rest. Kaltschnäuzig bedient er<br />

sich an Kreditkarten, Anzügen und SUV<br />

<strong>des</strong> verschollenen A. Devereux. Aus dem<br />

Dreck ins Schlaraffenland in einer Stunde.<br />

Ein Ausweg aus Belseys Schlamassel tut<br />

sich auf, und es ist ein Vergnügen, bei der<br />

Lektüre mitzuverfolgen, wie sich in Belseys<br />

Hirn der winzige Fluchtspalt nach und<br />

nach zum Plan konkretisiert: Belsey wird<br />

aus dem Haus in die Identität <strong>des</strong> verschwundenen,<br />

ebenso im Verborgenen lebenden<br />

wie superreichen Exilrussen Devereux<br />

schlüpfen, einen Teil seiner Konten<br />

abräumen und irgendwo in einem Land<br />

mit gutem Klima abtauchen, von dem er<br />

weiß, dass es kein Auslieferungsabkommen<br />

mit Großbritannien hat.<br />

buchjournal 1/2012 51<br />

DUNKELKAMMER_DIE KRIMIKOLUMNE<br />

Eine feine Umkehrung: Schicksal und<br />

Verbleib <strong>des</strong> möglichen Opfers eines Verbrechens<br />

interessieren den Detective überhaupt<br />

nicht. Die Biografi e <strong>des</strong> verschollenen<br />

Russen ist für Belsey nur unter dem Aspekt<br />

interessant, dass er sie <strong>als</strong> Deckmantel für<br />

seinen eigenen Abgang nutzen kann.<br />

Es gehört zu den feinen Raffi nessen <strong>des</strong><br />

Plots, dass Belsey auf diesem krummen Weg<br />

den Machenschaften der Superreichen auf<br />

die Spur kommt. Denn Devereux scheint ein<br />

großer Investmentschwindler gewesen zu<br />

sein, einer von der Sorte, die Lords, Polizeibosse<br />

und andere Gierschlünde bis zur<br />

Besinnungslosigkeit einwickelt. Und so<br />

spannt sich vom ersten To<strong>des</strong>schuss auf ein<br />

gar nicht unschuldiges Schulmädchen bis<br />

zu multiplen Showdowns am Ende ein komplexes,<br />

mitreißen<strong>des</strong> Handlungsgewirr, in<br />

dem Belsey den Fall Devereux aufklären<br />

muss, um weiter seine Flucht aus dem Polizeidienst<br />

vorantreiben zu können.<br />

Wahrheit <strong>als</strong> Kollateralnutzen von<br />

Belseys Landfl ucht. Diese Konstruktion<br />

gibt dem Roman etwas unverschämt Heiteres:<br />

Durch den Dunst aus Alkohol und<br />

Verzweifl ung und Einsamkeit weht ein frischer<br />

Hauch von Cleverness und Selbstbehauptung.<br />

Wenn nicht alles täuscht, bringt<br />

der Newcomer Oliver Harris einen ebenso<br />

munteren wie neuen Ton in den britischen<br />

Kriminalroman. �<br />

^ Tobias Gohlis ist Sprecher der<br />

KrimiZeit-Bestenliste.<br />

www.arte.tv/krimiwelt<br />

Oliver Harris: London Killing.<br />

Übersetzt von Wolfgang Müller.<br />

Karl Blessing, 480 S., 19,95 € (D) •<br />

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Tobias Gohlis<br />

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Buch ISBN 978-3-7857-6060-4 | € 14,99 [D]<br />

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© EPA / Frantzesco Kangaris Ein<br />

SCHWERPUNKT KRIMI & THRILLER<br />

Er spricht druckreif und schreibt geschliffen – am liebsten über<br />

Cicero. Die Gegenwart hat Robert Harris aber auch im Visier:<br />

„Angst“ ist eine Auseinandersetzung mit Finanzjongleuren.<br />

gefährliches Spiel<br />

TEXT: SABINE SCHMIDT<br />

D unkler<br />

Anzug, darunter ein Hemd<br />

ohne Krawatte – formell gekleidet<br />

und doch lässig gibt Robert Harris seine Interviews.<br />

Wir treffen den Briten in Frankfurt<br />

während seiner Lesereise zu dem neuen<br />

Thriller „Angst“. Er ist im Steigenberger<br />

Hotel abgestiegen, nah bei den Banken, wo<br />

er auch schon in Szene gesetzt wurde: Das<br />

„heute journal“ filmte ihn vor dem Euro-<br />

Symbol bei der EZB; das Männermagazin<br />

„GQ“ überredete ihn, für Fotos auf den Bullen<br />

zu klettern, das Wahrzeichen der Frankfurter<br />

Börse.<br />

Harris reißt sich nicht um solche Termine,<br />

aber er macht sie mit. Ruhig, zurückhaltend,<br />

freundlich, und was er in die<br />

Mikrofone der Journalisten spricht, ist<br />

druckreif. „Eigentlich bin ich aber lieber zu<br />

Hause in Berkshire“, bekennt er – allerdings<br />

nur auf Nachfrage. Jammern ist<br />

nicht sein Ding, schon gar nicht in diesem<br />

Kontext. Er ist sehr erfolgreich, will es sein<br />

und nimmt dafür auch Interviews im Halbstundentakt<br />

auf sich.<br />

52<br />

Robert Harris: Er<br />

kennt Hollywood,<br />

die Reichen und die<br />

Mächtigen – und<br />

ist am liebsten zu<br />

Hause in Berkshire<br />

„In der Regel ist mein Leben aber unspektakulär“,<br />

sagt er. „Ich stehe um halb<br />

sechs auf und schreibe bis Mittag. Zum<br />

Lunch treffe ich mich meist mit einem<br />

Freund.“ Von Sport hält der notorische<br />

Schreibtischtäter nicht viel. „Dafür gehe<br />

ich mit dem Hund spazieren.“ Genug<br />

Landschaft hat er um sich herum. Er lebt<br />

Zur Person<br />

Robert Harris, geboren 1957 in Nottingham, war<br />

Reporter bei der BBC, Redakteur beim „Observer“<br />

und Kolumnist bei der „Sunday Times“ sowie beim<br />

„Daily Telegraph“. 2003 wurde er <strong>als</strong> bester Kolumnist<br />

mit dem „British Press Award“ ausgezeichnet.<br />

Seine Romane, unter anderen „Vaterland“, „Pompeji“<br />

und „Ghost“, sind internationale Bestseller.<br />

Gerade hat er das Drehbuch zu seinem Thriller<br />

„Angst“ geschrieben, das der Regisseur Paul Greengrass<br />

(„Das Bourne Ultimatum“) verfilmen wird.<br />

Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire.<br />

buchjournal 1/2012


Lesezeichen<br />

j<br />

Robert Harris: Angst. Übersetzt von Wolfgang Müller.<br />

Heyne, 384 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

Robert Harris: Angst. Gelesen von Hannes Jaenicke.<br />

Random House Audio, 6 CDs, 19,99 € (D / A ) •<br />

29,90 sFr.<br />

eine Autostunde westlich von London in<br />

einem großen alten Pfarrhaus, das in einem<br />

parkähnlichen Garten liegt. Der 54-Jährige<br />

bewohnt es mit seiner Frau und den beiden<br />

jüngeren Kindern; die beiden älteren sind<br />

schon an der Uni.<br />

„Ich reise nicht mehr gern“, sagt er – und<br />

jetzt ist doch zu merken, dass die Lese- und<br />

Pressetour anstrengend ist. „Je älter ich<br />

werde, <strong>des</strong>to mehr fi ndet mein Leben im<br />

Kopf statt. Und jeder Tag, an dem ich nicht<br />

schreiben kann, ist ein verlorener.“<br />

Dabei hat er sich die unruhigen Tage<br />

selbst eingebrockt, mit dem großen internationalen<br />

Erfolg seiner Romane. Den<br />

Startschuss gab gleich der erste: „Vaterland“<br />

aus dem Jahr 1992, in dem Harris ein<br />

Horrorszenario entwirft – Hitler hat den<br />

Krieg gewonnen und Nazideutschland beherrscht<br />

ganz Europa. Nach dem internationalen<br />

Siegeszug <strong>des</strong> Buchs konnte Harris<br />

sich das Pfarrhaus leisten. Und wird seitdem<br />

von den Medien <strong>als</strong> Star gehandelt.<br />

Auf „Vaterland“ folgten unter anderem<br />

„Pompeji“, der nächste richtig große Erfolg<br />

<strong>des</strong> erfolgsverwöhnten Autors, und „Imperium“,<br />

der Auftakt einer Trilogie um Cicero.<br />

Auch wenn Harris sagt, dass er unter<br />

seinen acht Romantiteln kein Lieblingsbuch<br />

hat – „Es ist so wie bei den Kindern:<br />

Ich mag keines bevorzugen“ –, gesteht er<br />

dann doch, dass dieses historische Romanprojekt<br />

sein liebstes ist: Der Schriftsteller,<br />

der selbst geschliffen spricht und schreibt,<br />

schätzt es sehr, in die Welt <strong>des</strong> klugen, redegewandten<br />

Römers einzutauchen.<br />

Harris interessiert sich aber nicht nur<br />

für Geschichte, sondern insbesondere für<br />

buchjournal 1/2012 53<br />

Politik und begibt sich mit seinen Romanen<br />

auch immer wieder in die Gegenwart.<br />

Zwischen dem ersten und dem zweiten Cicero-Band<br />

schrieb der gelernte Journalist<br />

„Ghost“, einen Thriller um einen ehemaligen<br />

britischen Premierminister, der während<br />

seiner Amtszeit <strong>als</strong> Marionette der<br />

CIA agierte. Harris machte nie einen Hehl<br />

daraus, dass hinter dieser Romanfi gur<br />

Tony Blair stand. Die Freundschaft zu ihm<br />

war vor allem <strong>des</strong>halb abgekühlt, weil der<br />

Politiker den Schulterschluss mit George<br />

W. Bush gesucht und sein Land in den Irakkrieg<br />

geführt hatte. Verfi lmt wurde das<br />

Buch 2010 von Roman Polanski mit Pierce<br />

Brosnan und Ewan McGregor. Das Drehbuch<br />

schrieb der Autor selbst.<br />

Nach dem zweiten Cicero-Band („Titan“)<br />

kam dann „Angst“. Über einen Börsencrash<br />

wollte Harris in seinem neuen Roman<br />

schreiben und „zeigen, wie gefährlich das<br />

Spiel ist, das die Akteure der Finanzmärkte<br />

spielen“. Er wollte erklären, wie Hedgefondsmanager<br />

arbeiten – und aufrütteln.<br />

So zurückhaltend und cool er sonst auch<br />

ist, über den Spieltrieb der Banker, die skrupellos<br />

mit dem Geld anderer Leute zocken,<br />

über ihre allzu große Macht und die ihrer<br />

Computer empört er sich, und dagegen<br />

wendet er sich engagiert. Mit seinem Buch<br />

ebenso wie mit seinen Interviews.<br />

Und er hat Hoffnung. Harris ist zwar davon<br />

überzeugt, dass Banker zunehmend<br />

die Demokratien aushöhlen. Aber er glaubt<br />

an diese Staatsform. Und an die „Occupy“-<br />

Bewegung, auch wenn ihre aktiven Anhänger<br />

dem scharfsinnigen Briten nicht<br />

scharfsinnig genug denken und „keine kohärenten<br />

Ziele“ verfolgen.<br />

Die Botschaften und Warnungen, die<br />

Harris in „Angst“ übermitteln will, kommen<br />

bald nach Hollywood: Paul Greengrass<br />

wird den Thriller verfi lmen. Das Drehbuch<br />

schreibt der Autor wieder selbst. Bis Weihnachten<br />

wollte er damit fertig sein, um<br />

sich jetzt seinem Herzensprojekt widmen<br />

zu können: dem letzten Roman der Cicero-<br />

Trilogie. Ganz allein mit sich, seinen Büchern<br />

und seinen Geschichten im alten<br />

Pfarrhaus in Berkshire. �<br />

Das Buchjournal-Interview mit Robert<br />

Harris können Sie lesen unter<br />

www.buchjournal.de/harris_angst<br />

© FinePic®, München<br />

BOTEN<br />

DES TODES.<br />

In der düsteren Phantasie eines<br />

Schriftstellers? Auf einem Gräberfeld<br />

<strong>des</strong> Grauens? Wo blühen sie, die<br />

schwarzen Blumen?<br />

400 Seiten I € [D] 14,99


SCHWERPUNKT KRIMI & THRILLER<br />

Spannung ist ihr Metier, aber in ganz unterschiedlichen Versionen: Michael Kobr, Thomas<br />

Wörtche und Andreas Eschbach stellen Lieblingsbücher vor.<br />

Michael Kobr schreibt Krimis um den schrulligen<br />

Kommissar Kluftinger aus dem Allgäu – zusammen mit<br />

Volker Klüpfel. Zuletzt ist ihre Kultfi gur in dem<br />

Fall „Schutzpatron“ aufgetreten (Piper)<br />

© Peter von Felbert<br />

MICHAEL KOBR<br />

Sherlock Holmes ist zurück<br />

»<br />

Auf meinem Nachttisch liegt seit vorgestern Abend „Das Geheimnis<br />

<strong>des</strong> weißen Ban<strong>des</strong>“. Und ich bin fast durch. Das will was heißen, so<br />

langsam, wie ich lese. Sherlock Holmes und Doktor Watson kehren zurück<br />

in einem neuen Fall, der allerhand bekannte, nostalgische Holmes-Elemente<br />

enthält und den Leser sogar bis hin zur Sprache der Übersetzung mitnimmt<br />

auf eine Zeitreise nach England zu Beginn <strong>des</strong> letzten Jahrhunderts. Das ist<br />

ein sehr spannender, atmosphärisch dichter Krimi, der <strong>als</strong> Einstieg dienen<br />

kann für Holmes-Neulinge und der die Fans der alten Romane sicher<br />

nicht enttäuschen wird. Weniger experimentell ist das freilich <strong>als</strong><br />

die neuen Holmes-Filme, wo Sherlock googelt und sein Smartphone<br />

in der Tasche hat, wenn er durch Londons Straßen hetzt.«<br />

^ Anthony Horowitz: „Das Geheimnis <strong>des</strong> weißen Ban<strong>des</strong>. Ein Sherlock-Holmes-Roman“.<br />

Insel Verlag, 350 S., 19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

THOMAS WÖRTCHE<br />

So geht Kriminal-<br />

Literatur<br />

»<br />

Oh – nur ein Lieblingskriminalroman?<br />

Geht nur nach dem Zufallsprinzip,<br />

<strong>als</strong>o der von heute, 16.52 Uhr.<br />

Und weil er so ist, wie Kriminalromane<br />

sein sollen. Sittlich bedenkliche Hauptfi -<br />

guren nehmen Leute aus, die wirklich fi es<br />

sind, und reißen sich eine ganze Stadt un-<br />

ter den Nagel. Normale Gangster, Politik, Geheimdienste, la mafi a<br />

und keine albernen Detektive, die alberne Mordfälle aufklären. Solche<br />

Bücher haben mich zur Kriminalliteratur gebracht – elegante Dialoge,<br />

böse Plots, präzise, ausgefuchste Prosa. Über moralische Grauzonen,<br />

die wir alle haben, und darüber, was wir mit Verstand und<br />

Witz mit ihnen tun können. So wie Artie Wu und Quincy Durant,<br />

das intelligenteste Schurkenpaar der Weltliteratur.<br />

Inszeniert von einem scharfen, welterfahrenen<br />

Geist mit viel Sinn für die Komik <strong>des</strong> allgemeinen<br />

Wahnsinns. So geht Kriminal-Literatur.«<br />

^ Ross Thomas: „Umweg zur Hölle. Ein Artie-Wu-und-Quincy-<br />

Durant-Fall“. Alexander Verlag, 424 S., 14,90 € (D) • 15,40 € (A) •<br />

21,90 sFr.<br />

54<br />

© privat<br />

Dass er <strong>als</strong> einer der wichtigsten<br />

<strong>deutschen</strong> Krimi-Experten gilt,<br />

hört Thomas Wörtche nicht gern.<br />

Er ist es dennoch …<br />

buchjournal 1/2012


© picture-alliance / dpa<br />

ANDREAS ESCHBACH<br />

Ungewöhnlich<br />

und klug<br />

Auch Andreas<br />

Eschbach<br />

fesselt seine<br />

Leser – zuletzt<br />

mit dem<br />

Roman „Herr<br />

aller Dinge“<br />

(Lübbe)<br />

» Titelbild, Titel,Aufmachung<br />

und Klappentextversprechen<br />

einen<br />

Serienkillerroman, wie es schon viel<br />

zu viele gibt. Mit anderen Worten: Ich<br />

hätte dieses Buch keines weiteren Blickes<br />

gewürdigt, hieße der Autor nicht<br />

Wolfram Fleischhauer. Im Vertrauen<br />

darauf, dass er auch diesmal weiß, was<br />

er tut, habe ich das Buch gekauft – und<br />

bin nicht enttäuscht worden. Denn natürlich<br />

ist alles ganz anders, <strong>als</strong> es aussieht,<br />

und das wie immer auf verblüffende,<br />

ungewöhnliche, kluge Weise. Es<br />

ist ein hoch spannender Krimi und zugleich<br />

ein intelligenter Kommentar zu<br />

einem der größten Skandale Berlins, der<br />

von den Medien nie erkannt worden ist<br />

<strong>als</strong> das, was er war: die Laborversion jener<br />

Finanzkrise, die heute um den Planeten<br />

rast.«<br />

^ Wolfram Fleischhauer: „Torso“. Droemer Knaur,<br />

432 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 30,50 sFr.<br />

buchjournal 1/2012 55<br />

GESTATTEN: DIE<br />

EINE GANZ NORMALE FAMILIE...<br />

€ (D) 9,99, € (A) 10,30, sFr. 14,90. (UVP)<br />

In Bishopthorpe gelten die Radleys <strong>als</strong> Bilderbuchfamilie.<br />

Doch warum muss Rowan selbst im Winter Sonnenschutzfaktor<br />

60 auflegen? Wieso schmilzt Papa Peter<br />

beim Anblick fremder weiblicher Nacken dahin? Und<br />

warum ist plötzlich alles voller Blut?<br />

«Das ist der Vampirroman, auf den wir schon seit Beginn<br />

<strong>des</strong> Dauer-Hypes verbissen gewartet haben.» (Brigitte)<br />

© 2010 Walker Books Ltd.


SCHWERPUNKT KRIMI & THRILLER<br />

Als Cora Stephan nimmt sie die Kanzlerin auseinander; unter ihrem Pseudonym Anne Chaplet<br />

lässt sie Blut fl ießen – und das alles im idyllischen Vogelsberg.<br />

„Vor Krimis<br />

hatte ich<br />

Respekt“<br />

INTERVIEW: SABINE SCHMIDT<br />

A nne<br />

Chaplet lebt in einem kleinen,<br />

etwa 170 Jahre alten Fachwerkhaus.<br />

Im gemütlichen Wohnzimmer beäugen<br />

ihre Katzen feindselig die Haustiger <strong>des</strong><br />

Nachbarn, die draußen vor den Fenstern<br />

herumstreichen. Der Bauer von gegenüber<br />

versucht, seine gerade ausgebüxten<br />

Schweine wieder einzufangen. Und die<br />

Autorin bringt frisch aufgebrühten Darjeeling<br />

aus der Küche.<br />

Ihr neuer Krimi „Erleuchtung“ spielt zu großen<br />

Teilen in Peru. Waren Sie selbst auch dort, um<br />

zu recherchieren?<br />

Anne Chaplet: Nein, leider nicht. Ich<br />

halte es mit Karl May: Ich war mit dem Finger<br />

auf der Landkarte dort – beziehungsweise<br />

mit Google. Aber mit Google-Maps war<br />

ich Peru sehr, sehr nahe. Und ich habe wie<br />

wild gelesen. „Tod in den Anden“ von Mario<br />

Vargas Llosa zum Beispiel, ein unglaublich<br />

packen<strong>des</strong> Buch. Das hat mich alles noch<br />

mal sehr beschäftigt, all die Schicksale der<br />

Menschen in den 1970er Jahren, die über<br />

romantische Vorstellungen von Freiheit,<br />

Abenteuer und Revolution in solchen Sekten<br />

wie dem Sendero Luminoso, dem<br />

Leuchtenden Pfad, gelandet sind.<br />

Sie schreiben Krimis – lesen Sie sie selbst auch?<br />

Ja, immer. Das ist ja der Witz: Ich bin<br />

überhaupt nicht auf die Idee gekommen,<br />

dass ich so etwas auch machen könnte, weil<br />

ich vor dem Genre immer sehr viel Respekt<br />

hatte. Brit Crime ist vor allem mein Ding,<br />

ich mag die klassische britische Krimitradition.<br />

Während das bei uns lange <strong>als</strong> schlichte<br />

Unterhaltung eher verpönt war, ist das in<br />

Großbritannien schon lange ein akzeptiertes<br />

Genre. Man denke an Dorothy Sayers,<br />

die große alte Dame <strong>des</strong> britischen Krimis.<br />

Oder an Elizabeth George, die zwar US-<br />

Amerikanerin ist, aber sehr britische Krimis<br />

schreibt. Oder Reginald Hill, jüngst verstorben:<br />

Er war ein großartiger Autor, der ausgesprochen<br />

anspruchsvolle Krimis schrieb.<br />

Hat es Sie gestört, dass der Krimi im <strong>deutschen</strong><br />

Feuilleton eher verpönt war?<br />

Ja, und wie mich das gestört hat! Das hat<br />

mich genervt, geärgert, das ärgert mich<br />

heute noch, auch wenn sich etwas geändert<br />

hat, meiner Meinung nach aber nicht genug.<br />

Das Feuilleton – das ist Twinset, das<br />

Lesezeichen<br />

Anne Chaplet: Erleuchtung.<br />

List, 320 S., 19,99 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 27,90 sFr.<br />

Erscheint am 9. März<br />

Zur Person<br />

56<br />

Cora Stephan<br />

alias Anne<br />

Chaplet: Spaß am<br />

Spiel mit zwei<br />

Persönlichkeiten<br />

Anne Chaplet, geboren 1951, hat unter ihrem bürgerlichen<br />

Namen Cora Stephan zahlreiche Sachbücher<br />

verfasst. Für ihre Kriminalromane um die<br />

Frankfurter Staatsanwältin Karen Stark erhielt sie<br />

zweimal den Deutschen Krimipreis sowie den Krimipreis<br />

von Radio Bremen. Sie lebt mit ihren drei<br />

Katzen in Oberhessen und Südfrankreich.<br />

ist der abgespreizte Finger beim Teetrinken.<br />

Das Feuilleton nimmt Unterhaltungsromane<br />

und ihre Autoren erst zur Kenntnis,<br />

wenn jemand so unglaublich erfolgreich<br />

ist wie Henning Mankell oder jetzt<br />

Nele Neuhaus.<br />

Wie sind Sie dazu gekommen, selbst Krimis zu<br />

schreiben?<br />

Ich bin auf überhaupt nichts gekommen!<br />

Ich verdanke die Idee der Verlegerin Antje<br />

Kunstmann. Dam<strong>als</strong>, im Sommer 1996, saß<br />

ich an einem kulturhistorischen Essay, der<br />

dann bis 2011 mein letztes Sachbuch war:<br />

„Das Handwerk <strong>des</strong> Krieges“. Ich habe zu<br />

Antje gesagt: „Dieses Buch bringt mich<br />

um. Ich brauche noch was anderes! Was<br />

soll ich dir schreiben?“ Und sie sagte:<br />

„Schreib doch das, was du dauernd liest –<br />

schreib einen Krimi.“ Und ich habe gesagt:<br />

„Nein, das kann ich nicht.“ In dem Mo-<br />

buchjournal 1/2012<br />

© Hans Scherhaufer


Besuchen Sie uns auf der<br />

Leipziger Buchmesse!<br />

Buchjournal-Talk mit Anne Chaplet<br />

Donnerstag, 15. März, 12 Uhr<br />

Halle 3, Stand E 403/F 410<br />

ment, <strong>als</strong> ich das sagte, wusste ich, was ich<br />

schreiben würde, wenn ich schreiben würde.<br />

Und dann habe ich losgelegt, abends,<br />

nach getaner Arbeit.<br />

Wie lange haben Sie gebraucht?<br />

In drei Monaten war das Manuskript fertig.<br />

Und ich dachte: Hey, jetzt werde ich<br />

reich! Das denken ja viele meiner lieben<br />

Schriftstellerkollegen, wir sind alle irgendwie<br />

gleich: Wir sind ja so viel besser <strong>als</strong><br />

Henning Mankell und all die anderen<br />

Schwedenautoren! Und ich hatte schließlich<br />

schon zehn Sachbücher geschrieben.<br />

Nachdem Sie Ihr Manuskript fertig hatten –<br />

war dann auch alles ganz easy?<br />

Von wegen! Auf den Reichtum warte ich<br />

immer noch. Und das Krimischreiben ist<br />

wirklich harte Arbeit. Verlegerin und Lebensgefährte<br />

waren dam<strong>als</strong> zwar sehr angetan<br />

von meinem ersten Manuskript, haben<br />

aber beide gesagt: Da musst du noch<br />

mal ran. Dann habe ich meinen ersten Krimi<br />

zwei- oder dreimal komplett umgearbeitet,<br />

bis ich zufrieden war und die Verlegerin<br />

auch. Aber wenn ich mir heute mein<br />

Erstlingswerk anschaue, finde ich, dass<br />

man noch sehr viel mehr hätte tun können.<br />

Sie haben jetzt Ihren zehnten Krimi geschrieben.<br />

Ist es leichter geworden mit den Jahren?<br />

Leider nein. Was mich tröstet, wenn ich<br />

gerade wieder einen Durchhänger habe, ist,<br />

dass ich es ja schon mal geschafft habe –<br />

und dann sage ich mir, das wirst du auch<br />

dieses Mal wieder schaffen. Aber ich finde es<br />

immer noch schwierig, den richtigen Angelpunkt<br />

zu finden, die richtige Perspektive,<br />

das Gefühl, was zu einer Person passt.<br />

Ihr letztes Sachbuch ist vor einem Jahr erschienen<br />

–<br />

Mein jüngstes, ich hoffe, nicht mein<br />

letztes. Da bin ich nach 15 Jahren mal wieder<br />

ausgebrochen aus der Krimiwelt.<br />

Sie haben sich mit der Kanzlerin auseinandergesetzt<br />

unter dem Titel „Angela Merkel. Ein<br />

Irrtum“. Was stört Sie an dieser Frau?<br />

buchjournal 1/2012 57<br />

Nicht die Person, ihre Politik hat mich<br />

geärgert. Dabei mag ich Merkels unaufgeregte<br />

Art sehr. Doch ihr Programm, mit<br />

dem sie 2005 angetreten ist, hat sie sang-<br />

und klanglos fallen gelassen. Und nun<br />

„fährt sie auf Sicht“, ohne erkennbares<br />

Konzept, ohne Ideen, ohne Visionen.<br />

Schreiben Sie lieber Krimis oder Sachbücher?<br />

Das kann ich gar nicht sagen. Es ist anders.<br />

Bei einem Sachbuch argumentiert, bei<br />

einem Krimi verführt man. Politik finde ich<br />

wichtig, aber ich kann mich über sie nicht<br />

so leidenschaftlich erregen wie über existenzielle<br />

Situationen, in die Menschen geraten<br />

können. Andererseits war das Merkel-<br />

Buch eine sehr intensive Arbeit. Ich musste<br />

es unter großem Zeitdruck fertigstellen.<br />

Meine Mutter starb während<strong>des</strong>sen, das beschäftigte<br />

mich natürlich sehr, und dann<br />

wurde die Zeit knapp. Doch auch durch diesen<br />

Druck war das eine zwar anstrengende,<br />

aber schöne, intensive Erfahrung.<br />

Sie veröffentlichen Ihre Krimis unter dem Namen<br />

Anne Chaplet, und dieses Pseudonym haben<br />

Sie lange sehr sorgsam gehütet. Warum?<br />

Ich wollte, dass meine Krimis vorbehaltlos<br />

gelesen werden und die lieben Kollegen<br />

nicht sagen können, ach, jetzt schreibt sie<br />

auch noch Krimis. Es ist schöner, wenn sich<br />

das Produkt auch ohne die Autorin bewährt.<br />

Hat sich dadurch etwas verändert, dass inzwischen<br />

bekannt ist, wer sich hinter dem Pseudonym<br />

verbirgt?<br />

Hm, ich weiß nicht. Ich spiele das Spiel ja<br />

weiterhin. Auf Facebook bin ich <strong>als</strong> Anne<br />

Chaplet vertreten. Es macht mir Spaß – und<br />

so, wie ein Roman etwas anderes ist <strong>als</strong> ein<br />

Sachbuch, ist Anne Chaplet jemand anderes<br />

<strong>als</strong> Cora Stephan. Cora Stephan ist eher die<br />

politisch interessierte Person, und Anne<br />

Chaplet ist eher wie meine Schriftstellerkollegen,<br />

die posten: „Oh Mann, ich komme<br />

heute überhaupt nicht weiter!“ Oder: „Heute<br />

werden aber zehn Seiten geschrieben!“<br />

Cora Stephan würde sich eher mit Christian<br />

Wulff auseinandersetzen. Anne Chaplet<br />

wäre eher genervt und würde ihn sein lassen,<br />

wer und was immer er ist. �<br />

Lesen Sie das ganze Interview mit<br />

Anne Chaplet unter buchjournal.de/<br />

chaplet_erleuchtung<br />

emons:<br />

immer ein guter krimi<br />

erscheinen im März<br />

978-3-89705-920-7 · ca. 9,90 EUR<br />

978-3-89705-933-7 · 10,90 EUR<br />

978-3-89705-955-9 · ca. 9,90 EUR<br />

978-3-89705-914-6 · 11,90 EUR<br />

www.emons-verlag.de


BuchTipps<br />

Flashman im Krimkrieg und<br />

in Russland<br />

Harry Flashman lässt<br />

es sich am Hof Königin<br />

Victorias gut<br />

gehen – doch er muss<br />

in den Krimkrieg ziehen,<br />

wo er ungewollt<br />

<strong>als</strong> Held an der<br />

Schlacht von<br />

Balaklava teilnimmt.<br />

Doch die Krim ist nur<br />

der Anfang, dahinter<br />

erwartet ihn Russland<br />

mit seinen schneebedeckten Weiten, erwarten<br />

ihn unbarmherzige Feinde, allerdings<br />

auch schöne Frauen, und schließlich gerät er<br />

in den fast unbekannten Krieg am „Dach der<br />

Welt“, in dem es um Indien geht.<br />

„Sein Humor ist so schwarz wie getrocknetes<br />

Blut. Mit großer Liebe zum Detail malt er je<strong>des</strong><br />

Versagen der Weltmacht aus.“ (Magnus<br />

Zawodsky)<br />

�<br />

�<br />

George MacDonald Fraser: Flashmans Attacke.<br />

Kuebler Verlag, 416 S., 9,95 € (D / A), • 10,95 sFr.,<br />

ISBN 978-3-942270-94-6<br />

Mord am heiligen Berg<br />

der Apachen<br />

Frank Begay, Ermittler<br />

und Fährtenleser<br />

der Navaho-Stammespolizei,<br />

fi ndet die<br />

Leiche eines Geologen,<br />

der die Aufgabe<br />

hatte, eine neue Straße<br />

auf den Mount<br />

Graham in Arizona<br />

zu planen. Auf dem<br />

Berg betreibt ein internationalesKonsortium,<br />

zu dem unter anderen die Universität<br />

von Arizona und der Vatikan gehören,<br />

riesige Teleskopanlagen. Das schürt den<br />

erbitterten Widerstand von Naturschützern<br />

und Apachen, für die der Berg<br />

heilig ist. Liegt hier das Motiv für die Tat?<br />

Als Begay die Spuren der Mörder am<br />

Mount Graham verfolgt, gerät er selbst in<br />

eine tödliche Falle.<br />

Ein spannender Reservationsthriller, nicht<br />

nur für Indianerfreunde!<br />

Ulrich Wißmann: Wer die Geister stört.<br />

TraumFänger Verlag, 197 S., 16,50 € (D),<br />

ISBN 978-3-941485-11-2<br />

Belletristik | Krimi | Sachbuch | Ratgeber | Kinder- und Jugendbuch<br />

Richard Sharpe in Spanien und<br />

Portugal<br />

1809 in Spanien: Die<br />

Briten ziehen sich<br />

vor den Truppen<br />

Napoleons zurück.<br />

Richard Sharpe und<br />

seine Rifl es verlieren<br />

den Kontakt zur<br />

Armee und verbünden<br />

sich mit einem<br />

j<br />

spanischen Major,<br />

der in geheimer Mission nach Santiago de<br />

Compostela zieht. Sharpe gelingt es zunächst<br />

nicht, sich Achtung bei seiner Einheit<br />

zu verschaffen, doch sein militärisches<br />

Geschick und das Vorbild <strong>des</strong> Spaniers helfen<br />

ihm.<br />

Episode 6, in sich abgeschossene Handlung,<br />

ungekürzt und hervorragend gelesen von<br />

Torsten Michaelis.<br />

„Bernard Cornwell ist der König <strong>des</strong> historischen<br />

Abenteuerromans.“ (Spiegel online)<br />

�<br />

�<br />

Bernard Cornwell: Sharpes Aufstieg. Gelesen von<br />

Torsten Michaelis. Kuebler Hoerbuch, 10 Std.,<br />

24,80 € (D / A) • 29,90 sFr. – mp3-Ausgabe 19,80 €<br />

(D / A) • 22,95 sFr. (alle UVP)<br />

Schwacher Mann liebt<br />

starke Frau: Geht das gut?<br />

Wie schwach wünscht<br />

sich die moderne Frau<br />

ihren Mann wirklich?<br />

Wie stark sollte die<br />

moderne Frau nach<br />

den Vorstellungen <strong>des</strong><br />

modernen Mannes<br />

sein? Dieses Buch gibt<br />

ein Bild emotional gelebter<br />

Wirklichkeit,<br />

wie es in dieser Form<br />

noch nie vorgelegt wurde. Denn der Autor<br />

schreibt aus unmittelbarer Erfahrung. Nach<br />

zehn gemeinsamen Jahren zerbrach seine ungewöhnliche<br />

Freundschaft mit einer Frau, die<br />

ihn erstaunte, irritierte und zurückließ.<br />

Neben der Brisanz <strong>des</strong> persönlichen Falles<br />

wird ein unerlässliches Quellenwerk für jeden<br />

geliefert, der dieses Tabuthema näher kennenlernen<br />

möchte.<br />

Andreas Schäfer: Ein letztes Tabu. Romneya-Verlag,<br />

187 S., 13,80 € (D) • 14,20 € (A) • 19,80 sFr.,<br />

ISBN 978-3-934502-07-9, www.aschaefer59.de<br />

Geschichten aus dem Hartz<br />

�<br />

�<br />

58<br />

Anzeige<br />

Für die fußballbegeisterteFamilienhelferin<br />

steht eine Partie<br />

der Bun<strong>des</strong>liga auf<br />

dem Programm, da<br />

klingelt mal wieder<br />

das Telefon: „Es geht<br />

wegen meine Tochter<br />

…“ Eine ihrer Klientinnen<br />

ist besonders<br />

hartnäckig, wenn es<br />

um ihre kleinen und großen Sorgen geht.<br />

Adieu Fußballabend.<br />

Mitten im Brennpunkt, im Spagat zwischen<br />

„Problemfamilien“ und den betreuenden Behörden<br />

spielt der neue Roman von Andrea Gabriele<br />

Küter. In „Geh doch wo du wohnst“<br />

schöpft sie aus ihrem reichen Erfahrungsschatz<br />

<strong>als</strong> Familienhelferin. Übereinstimmungen<br />

mit wahren Begebenheiten sind<br />

nicht beabsichtigt – aber wohl auch nicht zu<br />

vermeiden.<br />

Andrea Gabriele Küter: Geh doch wo du wohnst!<br />

Edition Kopfsalat, 163 S., 11,90 € (D / A) •<br />

14,37 sFr., ISBN 978-3-00-036546-1<br />

Offene Worte über die Sexarbeit<br />

Tausenden Männern bot<br />

Karin Freiwald ihre<br />

sexuellen Dienstleistungen<br />

an. Dadurch<br />

lernte sie das „starke“<br />

Geschlecht in einer charakterlichen<br />

und körperlichen<br />

Vielfalt kennen,<br />

wie es in einem „normalen“<br />

Leben nie möglich<br />

wäre. Den Freiern gefi el<br />

es, einer attraktiven jungen Frau so nahe zu<br />

kommen, der man ebenso gut im Büro, im<br />

Zug oder bei Freunden hätte begegnen können,<br />

ohne auch nur im Geringsten an eine<br />

„Nutte“ zu denken.<br />

Mit beachtlichem Bekennermut erzählt die<br />

Autorin von ihrem Werdegang zur Hure. Ihre<br />

Erinnerungen an angenehme, aufregende<br />

und auch böse Erlebnisse erlauben einen tabufreien<br />

Blick in die eigentümliche Welt der<br />

Prostitution.<br />

Karin Freiwald: Venusdienst. Meine Jahre <strong>als</strong><br />

Hure. Books on Demand, 300 S., 22,90 € (D) •<br />

23,60 € (A) • 38,50 sFr.,<br />

ISBN 978-3-8423-2815-0<br />

buchjournal 1/2012


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BuchTipps<br />

Schweizer Thrill – besser <strong>als</strong> jeder<br />

Skandinavier!<br />

In Zürich häufen sich<br />

die Fälle, in denen Deutsche<br />

massiv bedroht<br />

werden. Johanna di Napoli<br />

bekommt den undankbaren<br />

Auftrag, der<br />

Sache nachzugehen. Die<br />

vermeintliche Beschäftigungstherapieentwickelt<br />

sich zu einer hochbrisantenAngelegenheit,<br />

<strong>als</strong> bei der Einweihung eines<br />

Nuklearforschungsinstituts ein deutscher<br />

Spitzenpolitiker ermordet wird. Hat die Ablehnung<br />

Deutscher in der Schweiz eine neue<br />

Dimension erreicht? Oder sollte in Wahrheit<br />

der neue Leiter <strong>des</strong> Instituts sterben, weil er<br />

für einige Leute zum Risiko geworden ist?<br />

Atomwirtschaft und Politik – bei den Ermittlungen<br />

ist Fingerspitzengefühl gefragt. Nicht<br />

gerade Johannas Stärke …<br />

�<br />

Michael Herzig: Töte deinen Nächsten.<br />

Grafi t Verlag, 288 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) •<br />

28,90 sFr., ISBN 978-3-89425-668-5<br />

Die Sprache der Gefühle<br />

Liebeskummer?<br />

Oder Eifersucht?<br />

Wer kennt das<br />

nicht? Wie steht es<br />

mit Freude, Trauer<br />

oder Zorn? Manchmal<br />

sind Gefühle<br />

einfach nur wunderbar,<br />

ein anderes<br />

Mal machen sie uns<br />

zu schaffen. Und<br />

oft stellen wir uns<br />

die Frage: Was tun? Anna hat Liebeskummer.<br />

Doch die Warmherzigkeit und Lebenserfahrung<br />

von Opa Willi helfen ihr rasch auf<br />

die Sprünge: denn er weiß, woher unsere Gefühle<br />

kommen, was sie in uns auslösen und<br />

wie wir besser mit ihnen umgehen können.<br />

Mit Humor, Phantasie und viel Liebe hilft er<br />

Anna, sich und ihre Gefühle besser zu verstehen.<br />

Ein witziges und zugleich sehr nützliches<br />

Buch, das sogar bei Liebeskummer<br />

hilfreich sein kann.<br />

�<br />

Andreas Busch: Seelenwichtel. Lucy Körner<br />

Verlag, 80 S., 11,50 € (D / A), • 18,40 sFr.,<br />

ISBN 978-3-922028-30-7,<br />

www.lucy-koerner-verlag.de<br />

Belletristik | Krimi | Sachbuch | Ratgeber | Kinder- und Jugendbuch<br />

Ein raffi nierter und facettenreicher<br />

Justizkrimi!<br />

Johanna Reichert ist todkrank<br />

und möchte sterben.<br />

Ihr Arzt wendet sich<br />

an Rechtsanwalt Marc<br />

Hagen: Wie kann der<br />

Frau geholfen werden,<br />

ohne dass es für den Helfer<br />

ein juristisches Nachspiel<br />

hat? Marc erklärt<br />

sich bereit, Arzt und Patientin<br />

zu unterstützen.<br />

Er fi lmt Johanna Reicherts<br />

Aussage, dass es ihr freier Wille ist, aus<br />

dem Leben zu scheiden, und wie die Frau allein<br />

die tödlichen Medikamente einnimmt.<br />

Zwei Wochen später steht die Polizei vor<br />

Marcs Tür. Die Anklage lautet: Mord. Denn Johanna<br />

Reichert war kerngesund. Als dann<br />

auch noch der Arzt spurlos verschwindet,<br />

wird Marc klar, dass er das Opfer einer Intrige<br />

ist …<br />

�<br />

Andreas Hoppert: Schwanengesang.<br />

Grafi t Verlag, 320 S., 9,99 € (D) • 10,30 € (A) •<br />

14,90 sFr., ISBN 978-3-89425-397-4<br />

Der Fall Lena K.<br />

Lena wächst gut behütet<br />

in einer Starnberger<br />

Villa heran.<br />

Ihr Vater ist erfolgreich<br />

in der Versicherungsbranche,<br />

ihre Mutter eine fl eißige<br />

Edel-Hausfrau.<br />

Doch die Idylle beginnt<br />

gleich nach ihrem<br />

Abitur zu bröckeln.<br />

Dann passiert<br />

etwas Unfassbares:<br />

Lena wird entführt und in einem Haus auf<br />

Rügen gefangen gehalten. Der Entführer<br />

verlangt Lösegeld von ihren Eltern. Lena<br />

kann entkommen, aber damit fangen die<br />

Probleme erst richtig an ...<br />

�<br />

Michael Geigenberger: Der Fall Lena K.<br />

Books on Demand, 248 S., 16,90 € (D / A),<br />

ISBN 978-3-8448-6269-0, www.mallorcaautoren.com<br />

Krimispielbuch – der Leser<br />

<strong>als</strong> Ermittler<br />

�<br />

�<br />

60<br />

Anzeige<br />

„Kugeln statt Blumen“<br />

ist die erste Kriminalgeschichte,<br />

in der der Leser<br />

selbst die Ermittlungen<br />

leitet. An der<br />

Seite der Unternehmerin<br />

Clara Neufeld gilt<br />

es, clever auf Spurensuche<br />

zu gehen, Verdächtige<br />

zu verhören<br />

und den Täter zu überführen.<br />

Dazu kann im Buch nahezu beliebig<br />

geblättert und recherchiert werden.<br />

Clara ist zum Geburtstag <strong>des</strong> Kunstkritikers<br />

und Mäzen Friedrich Dossberg eingeladen.<br />

Doch kaum treffen die illustren Gäste in der<br />

Villa ein, fi ndet das Hausmädchen den Gastgeber<br />

tot in seinem Arbeitszimmer. Einer der<br />

Anwesenden muss der Mörder sein! Die Ermittlungen<br />

von Clara gehen ihre eigenen Wege<br />

… und welche, bestimmt der Leser.<br />

Simon Flöther: Kugeln statt Blumen. Krimi Total,<br />

12,95 € (D) • 13,40 € (A),<br />

ISBN 978-3-943428-00-1<br />

Mörderisch leckere Nudeln<br />

Lesefutter für den<br />

Krimifreund.<br />

250 Gramm geballte<br />

Freude für den kriminalistischenLiteraturfreund.<br />

Die Nudeln in Form<br />

eines Revolvers<br />

lassen das Herz <strong>des</strong><br />

Krimifreun<strong>des</strong> höher<br />

schlagen. Farblich<br />

gemischt in einer<br />

blutroten und einer<br />

pechrabenschwarzen Mischung. Oder lieber<br />

die Krimi Nudeln in Form eines schwarzen<br />

Totenkopfes?<br />

Die Krimi Nudel gibt es in einer speziellen<br />

Fanedition mit Kochlöffel und spannendem<br />

Kochrezept nebst einer „tödlichen“ Gewürzmischung<br />

oder einfach nur die Krimi Nudel in<br />

der 250 Gramm Einzelpackung.<br />

Guten Appetit !<br />

www.Trendsforfriends.com, 5,95 € (Einzeltüte) •<br />

12,95 € (Krimiedition)<br />

buchjournal 1/2012


BuchTipps<br />

Belletristik | Krimi | Sachbuch | Ratgeber | Kinder- und Jugendbuch<br />

Pilgerreise zu den 88 Tempeln<br />

von Shikoku<br />

Aktueller denn je ist<br />

das reich bebilderte<br />

Tagebuch mit Reiseberichten<br />

zu den Pilgerreisen<br />

von Ossi<br />

Stock. Nachfolge-<br />

„Pilger“ gab es inzwischen<br />

schon viele und<br />

alle waren sich einig:<br />

„Das Buch bietet einen<br />

guten Einblick in<br />

die Welt das Pilgerns zu Fuß“. Tausende Kilometer<br />

ist Stock inzwischen schon in Japan<br />

gewandert und erzählt abwechslungsreich<br />

von seinen Reisen. Das Folgebuch „Der<br />

Schatz <strong>des</strong> Kobo Daishi“ wurde ein Roman<br />

und am 3. Buch „Das Kind der hohen Priesterin“<br />

wird seit 2010 gearbeitet.<br />

Das Buch „Auf den Spuren von Kobo<br />

Daishi“ war am Tag der Veröffentlichung<br />

das ersten Buch in dieser Art in Deutsch in<br />

Europa.<br />

�<br />

�<br />

Oswald Stock: Auf den Spuren von Kobo Daishi.<br />

Eigenverlag, 176 S., über 150 farb. Abbildungen,<br />

39,90 € (D / A), ISBN 978-3-9502513-0-2,<br />

www.sport-ossi.at<br />

Fitness für Körper und Seele<br />

Tai Chi Chuan, die<br />

chinesische Bewegungsmeditation,<br />

steigert Wohlbefi nden<br />

und Leistungsfähigkeit!<br />

Die bekannten<br />

Meister<br />

Liang und Wu beschreiben<br />

die 24er<br />

Kurzform und die<br />

48er Langform präzise<br />

in allen Einzelheiten<br />

und erläutern die traditionellen und<br />

philosophischen Hintergründe.<br />

Das Besondere an diesem Lehrbuch sind die<br />

kampfbezogenen Anwendungen der 24er<br />

Form, die das Studium <strong>des</strong> Tai Chi Chuan<br />

lebendig und authentisch gestalten.<br />

Das Buch gibt viele wertvolle Ratschläge für<br />

Anfänger und Fortgeschrittene und begleitet<br />

Sie auf Ihrem Weg zu Gesundheit, Konzentration<br />

und Stärke!<br />

Shou-Yu Liang / Wen-Ching Wu: Tai Chi Chuan.<br />

Weinmann Verlag, 151 S., 619 Abbildungen,<br />

16,80 € (D) • 17,30 € (A) • 29,50 sFr.,<br />

ISBN 978-3-87892-075-5<br />

buchjournal 1/2012<br />

61<br />

�<br />

Anzeige<br />

Alte Rosen und die Geschichten<br />

ihrer Namen<br />

Viele der schönsten<br />

Rosensorten wurden<br />

nach Frauen benannt,<br />

die tatsächlich<br />

gelebt haben,<br />

viele klingende Namen<br />

sind darunter.<br />

Ann Chapman hat<br />

die Schicksale dieser<br />

Frauen akribisch recherchiert<br />

und stellt<br />

dem Leser 43 spannende historische Biografi<br />

en vor – von Jeanne d’Arc über Maria Stuart<br />

bis zu Königin Viktoria. Starfotograf Paul<br />

Starosta zeigt jede der Rosen in kunstvollen<br />

Fotografi en. Ergänzt werden diese Bilder<br />

durch genaue Beschreibungen von Wuchs<br />

und Charakter sowie praktische Tipps für<br />

ihre Pfl anzung und Pfl ege. Ein wunderschöner<br />

und faszinierender Spaziergang durch<br />

die Welt der Rosen!<br />

�<br />

Ann Chapman / Paul Starosta: Frauen in meinem<br />

Rosengarten. Knesebeck, 192 S., 150 farb. Abbildungen,<br />

29,95 € (D) • 30,80 € (A) • 40,90 sFr.,<br />

ISBN 978-3-86873-368-6<br />

Die Faszination der Eisenkugeln<br />

Boule-Pétanque, das<br />

Spiel mit den Stahlkugeln<br />

aus Frankreich,<br />

wird auch in<br />

Deutschland immer<br />

beliebter. Die einen<br />

betreiben es <strong>als</strong><br />

ernsten Wettkampfsport,<br />

die anderen<br />

<strong>als</strong> herrliche Freizeitbeschäftigung.<br />

Der Boule-Lehrer<br />

Martin Koch erklärt die Grundlagen <strong>des</strong><br />

Spiels, die Technik und seine taktischen<br />

Tricks – das Legen und Schießen. Er beschreibt<br />

die Geschichte <strong>des</strong> Kugelspiels und<br />

zeigt, worauf es sonst noch ankommt.<br />

Martin Koch: Das Boule-Spiel Pétanque. Weinmann<br />

Verlag, 155 S., 36 Abbildungen, 16,80 € (D)<br />

• 17,30 € (A), ISBN 978-3-87892-078-6<br />

Anzeige<br />

Wie kann man etwas sein, von dem man<br />

selbst noch nie gehört hat?<br />

Mit unnachgiebigen Fragen macht sich<br />

Sevinç auf die Suche nach dem Unterschied<br />

zwischen Gott und Allah und der<br />

Erklärung, warum der Nikolaus ihr und<br />

ihren Geschwistern in der Nacht nur<br />

Schnee gebracht hat.<br />

Ihr Vater gibt sich alle Mühe, doch sorgen<br />

Sprachbarrieren für so manches Missverständnis.<br />

Wie ein Mosaik bastelt Sevinç<br />

sich ihre Antworten zusammen, lässt sich<br />

dabei aber keinesfalls leicht überzeugen.<br />

Kann es mehr <strong>als</strong> nur eine Wahrheit geben?<br />

In diesem Buch erzählt Sevinç Neumann<br />

ihre wahren Erlebnisse <strong>als</strong> in Deutschland<br />

geborenes Migrantenkind und die damit<br />

verbundenen Hürden.<br />

Der Zusammenprall von zwei Kulturen<br />

bringt so manche Verwirrung und zeigt<br />

sehr deutlich, dass jede Medaille eine<br />

Kehrseite hat.<br />

Sevinç Neumann<br />

Mehr über mich erfahren Sie<br />

auf meiner Autorenseite:<br />

www. sevinc-neumann.de<br />

Sevinç Neumann | Moslem oder Müslüman<br />

240 S. Hardcover mit Lesebändchen | Eingeschweißt<br />

ISBN: 978-3-981-44362-2 | € 14,95 [D]<br />

www.silvercon-verlag.de<br />

silvercon<br />

silvercon


Im Gespräch<br />

Für viele deutsche Nachkriegskinder gehörten Schläge und Ohrfeigen zum<br />

Alltag. In ihrem Buch „Die geprügelte Generation“ schildert Ingrid Müller-<br />

Münch die Leiden dieser Menschen – und die Folgen für ihr Leben.<br />

„Man hat sich geschämt“<br />

INTERVIEW: ECKART BAIER • FOTOS: LUDOLF DAHMEN<br />

es gab Zeiten in Deutschland, da endete<br />

der Tag für viele Kinder mit einer<br />

Tracht Prügel. Noch in den späten 1960er<br />

Jahren hielten 85 Prozent aller west<strong>deutschen</strong><br />

Eltern die Prügelstrafe für eine angemessene<br />

Erziehungsmethode und nur zwei<br />

Prozent aller Eltern schlugen ihre Sprösslinge<br />

nie. Und weil es für einen Großteil der<br />

<strong>deutschen</strong> Nachkriegskinder normal war,<br />

dass sie von Vater oder Mutter mit dem<br />

Kochlöffel, dem Rohrstock oder mit bloßen<br />

Händen vertrimmt wurden, hat kaum jemand<br />

darüber gesprochen. In ihrem Buch<br />

„Die geprügelte Generation“ arbeitet die<br />

Journalistin und Publizistin Ingrid Müller-<br />

Münch dieses dunkle Kapitel auf, fragt<br />

nach dem Warum und nach den Folgen der<br />

brutalen und menschenverachtenden Erziehungsmethoden<br />

in den 1950er und -60er<br />

Jahren.<br />

Prügel in Kinderheimen, Gewalt und sexueller<br />

Missbrauch in Internaten: In den vergangenen<br />

Monaten kamen viele schockierende Details<br />

ans Licht. Warum aber war die körperliche Gewalt<br />

gegen Kinder in den eigenen vier Wänden<br />

bisher nie Thema?<br />

Ingrid Müller-Münch: Vor allem, weil<br />

Gewalt so selbstverständlich war. Fast je<strong>des</strong><br />

Kind wurde verprügelt oder kannte<br />

Kinder, denen Gewalt angetan wurde. Es<br />

war ganz normal und <strong>des</strong>halb sprach man<br />

nicht darüber. Ein weiterer Grund für das<br />

Schweigen der Betroffenen ist, dass sie sich<br />

insgeheim dafür schämten. Jeder möchte<br />

gern auf seine Eltern stolz sein, doch wenn<br />

Vater oder Mutter ihr eigenes Kind misshandeln,<br />

gibt es hierfür keinen Grund.<br />

Haben sich Betroffene denn nicht untereinander<br />

ausgetauscht?<br />

Selten. Sehr, sehr selten. Dazu fällt mir<br />

ein Beispiel ein: Erst kürzlich sprach ich<br />

mit einem befreundeten Ehepaar über das<br />

Thema und die Frau sagte mir, dass sie und<br />

ihr Mann <strong>als</strong> Kinder nie verprügelt worden<br />

seien. Der Mann schwieg zunächst, sagte<br />

dann aber nach einer Weile, das stimme<br />

nicht, er sei von seiner Mutter regelmäßig<br />

mit dem Teppichklopfer verhauen worden.<br />

Seine Frau war völlig fassungslos. Die beiden<br />

waren seit 30 Jahren verheiratet und sie<br />

wusste davon rein gar nichts.<br />

Sie selbst sind auch in den 60er Jahren aufgewachsen.<br />

Waren Sie bei den Recherchen für Ihr<br />

Buch dennoch überrascht, wie viele Kinder<br />

dam<strong>als</strong> geschlagen wurden?<br />

Zur Person<br />

Ingrid Müller-Münch ist Journalistin und Autorin.<br />

Sie war Korrespondentin der Nachrichten agentur<br />

Reuters und der „Frankfurter Rundschau“, Redakteurin<br />

beim „Stern“ und arbeitet heute hauptsächlich<br />

für den West<strong>deutschen</strong> Rundfunk. Ihr Doku-<br />

Theaterstück „Zwei Welten“ wurde 2010 zum<br />

Theatertreffen nach Düsseldorf eingeladen.<br />

Ja. Ich hatte es viele Jahre lang für mein<br />

persönliches Schicksal gehalten. Doch damalige<br />

Untersuchungen ergeben, dass<br />

85 Prozent der Eltern die Prügelstrafe für<br />

eine angemessene Erziehungsmethode<br />

hielten und nur zwei Prozent angaben, ihre<br />

Kinder nie zu schlagen. In den 70er Jahren<br />

schrieb ein renommierter US-Psychologe<br />

in einem Standardwerk zur Geschichte der<br />

Erziehung, dass das Peitschen von Kindern<br />

in den USA langsam aus der Mode käme, in<br />

Deutschland hingegen immer noch 80 Prozent<br />

der Eltern das Schlagen ihrer Kinder<br />

billigen und 35 Prozent der <strong>deutschen</strong> Eltern<br />

zum Rohrstock greifen würden. Man<br />

muss einfach konstatieren: Bis in die 70er<br />

Jahre hinein haben viele Eltern, quer durch<br />

alle gesellschaftlichen und sozialen Schichten,<br />

ihre Kinder geschlagen.<br />

War es für Ihre Interviewpartner denn schwer,<br />

über diese Erfahrungen zu reden?<br />

Zunächst einmal habe ich festgestellt,<br />

dass da ein hoher Gesprächsbedarf besteht.<br />

An Interviewpartnern mangelte es<br />

mir nicht, sie alle haben bereitwillig über<br />

ihre Kindheit geredet. Und die Fälle aus<br />

meinem Buch sind überhaupt die ers ten<br />

Interviews, die ich zu dem Thema führte.<br />

Die späteren Gespräche bestätigten mir<br />

dann nur noch, dass ich mit meinem Thema<br />

richtiglag. Allerdings wollten alle Interviewpartner,<br />

mit Ausnahme <strong>des</strong> Schriftstellers<br />

Tilman Röhrig, in meinem Buch<br />

anonym bleiben, zum Teil habe ich auch<br />

ihre Biografien etwas verändert. Auch 0<br />

62<br />

buchjournal 1/2012


uchjournal 1/2012 63<br />

Das große Schweigen Ingrid Müller-Münch hat ihrer<br />

Generation den Spiegel vorgehalten und sich mit einem Thema<br />

beschäftigt, über das dam<strong>als</strong> nie gesprochen wurde – aus Scham<br />

und weil häusliche Gewalt für Kinder so normal war


IM GESPRÄCH<br />

0 hier ist vor allem Scham der Grund,<br />

weil Eltern oder Geschwister nicht erfahren<br />

sollten, dass meine Gesprächspartner<br />

mit dieser Familienschande an die Öffentlichkeit<br />

gegangen sind.<br />

Wie haben diese Menschen ihre traumatischen<br />

Erlebnisse denn verarbeitet?<br />

Bei vielen spürt man, dass die Prügel der<br />

Kindheit tief in die Seele eingedrungen<br />

sind. Einige haben ihre Erlebnisse professionell<br />

aufgearbeitet. Andere haben sie<br />

verdrängt. Bei wieder anderen verlief das<br />

Leben so günstig, dass sie ihre Kindheit irgendwann<br />

hinter sich lassen konnten.<br />

Manche bemühten sich, ihren Eltern zu<br />

verzeihen, was aber nicht allen gelang.<br />

Eine Frau, mit der ich gesprochen habe, hat<br />

irgendwann den Kontakt zu ihrer Mutter<br />

komplett abgebrochen. Vor das Bild der<br />

freundlichen alten Dame von heute<br />

drängten sich immer wieder die Erinnerungen<br />

an eine Mutter, die eine Zigarette<br />

rauchend im Wohnzimmer saß und gelassen<br />

mit ansah, wie ihre Kinder vom Vater<br />

vertrimmt wurden.<br />

Haben Sie denn auch mit Eltern über die Gründe<br />

ihrer Prügeleien gesprochen?<br />

Das habe ich schnell aufgegeben. Die inzwischen<br />

ja sehr betagten Eltern, die ich hierauf<br />

angesprochen habe, leugnen, wollen es<br />

nicht mehr wahrhaben, behaupten, dass<br />

sich ihre Kinder das nur ausgedacht haben.<br />

Geprügelt wurde aber auch schon vor der Zeit,<br />

die sie zum Thema Ihres Buchs machen …<br />

Natürlich. Schon im Mittelalter ging man<br />

davon aus, dass Kinder von Natur aus<br />

schlechte Menschen sind. Selbst Säuglingen<br />

wurde böser Wille unterstellt, den es zu<br />

brechen galt. Eine unrühmliche Rolle bei<br />

der Prägung eines auf Gewalt beruhenden<br />

Erziehungside<strong>als</strong> spielte Martin Luther, der<br />

gern den Bibelspruch zitierte: „Wer seine<br />

Rute schonet, der hasset seinen Sohn; wer<br />

ihn aber lieb hat, der züchtiget ihn.“<br />

Heißt das, dass nicht unbedingt aus Sadismus<br />

geprügelt wurde, sondern aus der Überzeugung,<br />

dass man dem Kind damit Gutes tut?<br />

Auch wenn man es nur schwer akzeptieren<br />

mag: Ja, viele Eltern waren tatsächlich<br />

der Meinung, ihren Kindern Schläge aus Liebe<br />

und Fürsorglichkeit zu verabreichen. Mit<br />

dem Spruch „Wir haben ja nur dein Bestes<br />

gewollt“ wird die brutale Gewalt von dam<strong>als</strong><br />

gern verharmlost und gerechtfertigt.<br />

Wie etwa auch mit dem bekannten Spruch<br />

„Hat mir dam<strong>als</strong> ja auch nicht geschadet“…<br />

Genau. Die frühere Hamburger SPD-<br />

Politikerin und Kinderschutzexpertin Lore<br />

Maria Peschel-Gutzeit pflegt auf diesen<br />

dummen Spruch zu antworten: „Was aus<br />

Ihnen wohl für ein bezaubernder Mensch<br />

geworden wäre, wenn man Sie <strong>als</strong> Kind<br />

nicht verprügelt hätte!“<br />

Ingrid Müller-Münch bei der Zeitungslektüre in ihrem<br />

argentinischen Lieblingscafé Sur in der Kölner Südstadt<br />

Welche Rolle spielen denn die Erfahrungen aus<br />

Kriegs- und NS-Zeit für die Eltern der Nachkriegskinder?<br />

Ich glaube, eine sehr große. Diese Eltern<br />

kamen zum Großteil schwer traumatisiert<br />

oder verroht aus dem Krieg zurück oder hatten<br />

gerade erst die NS-Zeit <strong>als</strong> Täter oder<br />

Opfer überlebt. Viele fanden sich in dem Leben,<br />

das sie nun aus Schutt und Asche neu<br />

aufbauen mussten, nicht zurecht. Kindern<br />

dabei Nähe, Emotionalität und Liebe zu geben<br />

war ihnen schlichtweg unmöglich.<br />

Zumal auch ihre Erziehung von den Idealen<br />

der NS-Zeit geprägt war.<br />

Das kam noch dazu. Im „Dritten Reich“<br />

galt das Ideal, dass man Kinder zurechtbiegen<br />

müsse, um aus ihnen stahlharte Erwachsene<br />

zu formen. Schon bei Neugeborenen<br />

ging es darum, deren Willen möglichst<br />

schnell und rigoros zu brechen. Johanna<br />

Haarer, eine der wichtigsten NS-Pädagoginnen,<br />

empfahl Eltern, ihre Säuglinge<br />

nachts allein schreien zu lassen und ihnen<br />

auf keinen Fall zu viel Zärtlichkeit entgegenzubringen.<br />

Haarers Erziehungsratgeber<br />

wurden übrigens unter anderen Titeln bis<br />

in die 1980er Jahre aufgelegt und verkauft.<br />

Welche Folgen für Kinder hat denn die körperliche<br />

Gewalt?<br />

Geprügelte Kinder neigen zu Risikoverhalten,<br />

sie werden häufiger alkohol-<br />

und drogenabhängig,<br />

sind aggressiver und tendieren<br />

eher zu Wahnvorstellungen<br />

und Depressionen. Ein<br />

geprügeltes Kind ist durch<br />

den Stress, dem es ausgesetzt<br />

ist, weniger aufnahme- und<br />

lernfähig. Und was ich aus<br />

meinen Gesprächen und Interviews<br />

mitgenommen habe:<br />

Menschen, die <strong>als</strong> Kinder verprügelt<br />

wurden, haben ihr Leben<br />

lang damit zu tun, dass sie<br />

von ihren Eltern so gedemütigt<br />

und verletzt wurden.<br />

Und schlagen dann auch die eigenen<br />

Kinder?<br />

Da gibt es keinen Automatismus,<br />

auch wenn die Wahrscheinlichkeit,<br />

dass Eltern, die<br />

selbst <strong>als</strong> Kind geprügelt wurden,<br />

ihre eigenen Kinder misshandeln,<br />

schon groß ist. Mein<br />

Buch beschränkt sich im Übrigen<br />

ja nicht auf die Beschreibung der Gewalt<br />

gegen Kinder in den 50er und 60er<br />

Jahren, sondern berichtet auch von den<br />

Veränderungen der Erziehungsideale. In<br />

den späten 60er und 70er Jahren begannen<br />

sich viele gegen die Gewalt in der Erziehung<br />

zu wehren. Es entstanden Kinderläden<br />

und völlig neue Formen <strong>des</strong> Umgangs<br />

mit Kindern. Heute ist es den meisten<br />

komplett unverständlich, wie man Kinder<br />

überhaupt systematisch schlagen konnte<br />

und wie ein Erziehungskonzept, das auf<br />

Gewalt beruhte, so lange praktiziert werden<br />

konnte.<br />

Gesetzlich verboten wurde das häusliche Prügeln<br />

aber erst spät.<br />

Es ist in der Tat erstaunlich, wie lange das<br />

Züchtigungsrecht <strong>des</strong> Vaters – die Mutter<br />

spielte juristisch keine Rolle – im Gesetz verankert<br />

war. Noch 1986 entschied der Bun<strong>des</strong>gerichtshof,<br />

dass Eltern „eine Befugnis<br />

zur maßvollen körperlichen Züchtigung“<br />

64<br />

buchjournal 1/2012


haben, und erst seit dem Jahr 2000 wird Kindern<br />

ein gesetzlich verankertes Recht auf<br />

gewaltfreie Erziehung zugebilligt.<br />

Wird heute denn nicht mehr geprügelt?<br />

Natürlich wird auch heute noch geschlagen,<br />

doch hat sich die Situation im Vergleich<br />

zu früher erheblich verbessert. Laut<br />

Deutschem Kinderschutzbund ist für 90<br />

Prozent der Eltern eine gewaltfreie Erziehung<br />

das Ideal. Andererseits sind für etwa<br />

60 Prozent der Eltern leichte körperliche<br />

Strafen wie der Klaps auf den Po und die<br />

Ohrfeige immer noch ein probates erzieherisches<br />

Mittel. Auf einem ganz anderen<br />

Blatt stehen seelische Grausamkeiten, die<br />

oft ähnlich verheerende Folgen für Kinderseelen<br />

haben, die aber noch viel schwerer<br />

zu fassen sind.<br />

Haben es Kinder heute deutlich besser <strong>als</strong> vor<br />

50 Jahren?<br />

Was das Prügeln angeht, in jedem Fall.<br />

Dam<strong>als</strong> hat sich niemand eingemischt,<br />

wenn ein Kind verdroschen wurde, und<br />

Kinder hatten keinerlei Fürsprecher, an die<br />

sie sich wenden konnten. Selbst in der<br />

Schule wurden ja noch strafl os Ohrfeigen<br />

verteilt. Wenn heute auf der Straße ein<br />

Kind geschlagen wird, kann man sich eigentlich<br />

sicher sein, dass jemand dazwischengeht<br />

oder mit einer Anzeige droht.<br />

Dennoch werden auch heute noch viel zu<br />

viele Kinder von ihren Eltern misshandelt<br />

und gedemütigt.<br />

Wird Ihr Buch die Diskussion über Gewalt gegen<br />

Kinder weiter in Gang setzen?<br />

Ich hoffe. Die Zeit scheint reif zu sein, um<br />

über dieses Thema öffentlich zu reden. Es<br />

muss klar sein, dass körperliche Gewalt<br />

kein Mittel ist, einen Menschen auf eine<br />

glückliche Zukunft vorzubereiten. Geprügelte<br />

Kinder können zu Duckmäusern werden,<br />

aber schwerlich zu Menschen, die<br />

selbstbewusst in die Welt hinausgehen. �<br />

81 Tage auf dem Jakobsweg<br />

Ein ungewöhnlich reichhaltiges Buch. Es führt auch zu den wenig<br />

bekannten vorchristlichen Wurzeln <strong>des</strong> Pilgerweges.<br />

Der Autor ist 69jährig,<br />

dem Pilgergruss «Ultreia»<br />

aus innerem<br />

Antrieb gefolgt und hat – nach<br />

einem ersten, unter seltsamen<br />

Umständen missglückten Versuch<br />

– den unendlich langen<br />

Pilgerweg ein zweites Mal<br />

alleine unter die Füsse genommen.<br />

Der Pilgermarsch begann unmittelbar<br />

vor der eigenen<br />

Haustüre in Reinach / BL und<br />

führte durch den Schweizer-<br />

Jura, Frankreich und Spanien,<br />

um nach über 2'250 km end-<br />

Stimmen zum Buch<br />

Ein Buch das packt.<br />

Kurt Felix; Fernsehmoderator<br />

Ich möchte Ihnen heute einfach<br />

herzlich danken für ihr<br />

wunderbares «Pilger-Buch»,<br />

das mir durch «Zu-Fall» in die<br />

Hände gekommen ist! Ich<br />

konnte kaum mehr aufhören<br />

zu lesen, so sehr haben<br />

mich der Inhalt und vor allem<br />

auch die sehr schönen, seltenen<br />

Fotos in Bann gezogen.<br />

Es ist wirklich staunenswert,<br />

was Sie auf dem Weg nach<br />

Compostela erbracht und erlebt<br />

haben. Maya Thomi<br />

lich das erhoffte Ziel Santiago<br />

de Compostela zu erreichen.<br />

Die Aufzeichnungen lassen<br />

uns teilhaben an landschaftlichen<br />

Eindrücken, kunst- und<br />

kulturhistorischen Kostbarkeiten,<br />

aber ebenso an aussergewöhnlichen<br />

Begegnungen mit<br />

Einheimischen und Pilgern.<br />

Ein Buch, das man mit steigender<br />

Spannung liest, lässt einen<br />

immer mehr zum «Mitwanderer»<br />

werden. Ein bewegen<strong>des</strong><br />

Erinnerungsbuch für Jakobs<br />

pilger mit vielen nützlichen<br />

Hinweisen für künftige Pilger.<br />

Es schien mir mitgewandert<br />

zu sein und die aussergewöhnlichen<br />

Begegnungen<br />

und erlebnisreichen Eindrücke<br />

und Strapazen miterlebt<br />

zu haben. Ruth Zell<br />

Einem Jakobspilger würde<br />

ich für den Pilgerweg aus den<br />

vielen Büchern diese «81 Tage<br />

auf dem Jakobsweg» am<br />

meisten empfehlen, weil es<br />

das detaillierteste, nützlichste<br />

und mit 440 Farbbildern<br />

schönste Pilgerbuch<br />

ist. Beat Schmutz<br />

Ein kulturhistorischer<br />

Bericht und<br />

spiritueller<br />

Das am grosszügigsten<br />

Lesezeichen<br />

Wegbegleiter<br />

Ich habe zum Jakobsweg<br />

schon so viel Literatur gelesen,<br />

aber noch keine Schrift<br />

illustrierte Pilgerbuch,<br />

durchgehend vierfarbig<br />

mit 440 Fotos. 280 Seiten,<br />

Ingrid Müller-Münch: Die<br />

geprügelte Generation.<br />

Kochlöffel, Rohrstock und die<br />

Folgen. Klett-Cotta, 284 S.,<br />

19,95 € (D) • 20,50 € (A) •<br />

war so treffend, spannend gebunden, Hardcover,<br />

und ehrlich wie Ihr Werk. laminiert.<br />

Schlichtweg wunderbar.<br />

€ 26.40<br />

Walter Leuthold-Heuberger Erhältlich im Buchhandel<br />

Versand ab Deutschland<br />

Informationen zum Buch: ISBN: 978-3-9523684-0-4<br />

27,90 sFr. www.prosana.eu<br />

Pilgerbuch Jakobsweg<br />

Hinweis für Buchhandlungen:<br />

Bestellungen via: KNV / IBU /<br />

Lesermeinungen Libri oder direkt mit Fax:<br />

buchjournal 1/2012 65<br />

Pressestimmen<br />

0041 61 715 90 09


© Gundula Schulze Eldowy /<br />

Lehmstedt Verlag, 2011<br />

SACHBUCH_GESCHICHTE IM BILD<br />

Magische Momente<br />

TEXT: STEFAN HAUCK, NILS KAHLEFENDT<br />

Ein Bild sagt mehr <strong>als</strong> tausend Worte: Wir haben für Sie vier<br />

Fotokunst-Bücher ausgewählt, die den Beweis für diese These<br />

antreten. Anschauen, einkaufen, weiterempfehlen.<br />

Tabulose Sicht der DDR<br />

Arme, Alte, Trinker,<br />

Heiminsassen: Gundula<br />

Schulze Eldowy<br />

nahm die DDR von<br />

den Rändern her<br />

wahr. Ihre radikalen,<br />

an Diane Arbus<br />

oder Boris Mikhailov<br />

erinnernden Arbeiten, die heute auch im<br />

New Yorker MoMa hängen, schockten Funktionäre<br />

und manche Kollegen. Dabei waren ihre<br />

Tabubrüche nie Selbstzweck: In den von ihr<br />

meisterhaft dokumentierten Momenten der<br />

Einsamkeit und Tris tesse ist immer auch die<br />

Gier nach Leben, nach Glück präsent.<br />

^ Gundula Schulze Eldowy: „Berlin in einer Hundenacht“.<br />

Lehmstedt, 248 S., 29,90 € (D) • 30,90 € (A) •<br />

52,90 sFr.<br />

© 2011 Steve McCurry / Magnum Photos<br />

Krieg in Zeitlupe<br />

Bombeneinschläge. Blutlachen. Trauer. Unglaublich,<br />

unter welchen Bedingungen die junge Kate<br />

Brooks ihre Bilder aus dem Gazastreifen oder<br />

aus Afghanistan festgehalten hat. Fast lakonisch<br />

erzählt sie von der latenten Angst. Ihre Fotos<br />

gehen unter die Netzhaut, fangen ebenso poetische<br />

wie grausige Momente ein, die den<br />

ganzen Schrecken <strong>des</strong> Krieges auf einen Blick<br />

offenbaren. Brooks ist genial.<br />

^ Kate Brooks: „Im Licht der Dunkelheit. Ein fotografisches<br />

Tagebuch seit 9 / 11“. Benteli, 252 S., 100 Fotos,<br />

49,80 € (D) • 51,20 € (A) • 62,– sFr.<br />

© Kate Brooks<br />

66<br />

Einblicke<br />

in den Tresor<br />

Hier wird ein Bilderschatz gezeigt,<br />

der nie zur Veröffentlichung gedacht<br />

war. Auf 139 Kontaktbögen<br />

von 69 Fotografen der legendären<br />

Magnum Agentur kann der Betrachter<br />

entdecken, was alles so<br />

vor und nach dem ausgewählten<br />

„besten Schuss“ entstanden ist. Die<br />

Fotos sind ein aufschlussreiches<br />

Dokument aus 70 Jahren Fotografiegeschichte.<br />

Texte schlüsseln die<br />

Bilder auf.<br />

^ Kristen Lubben (Hrsg.): „Magnum<br />

Contact Sheets“. Schirmer / Mosel,<br />

508 S., 435 Fotos, 98,– € (D) •<br />

100,80 € (A) • 129,– sFr.<br />

Die Wahrheit<br />

hinter den Bildern<br />

Doisneaus berühmter Kuss vor dem Pariser<br />

Rathaus, Dorothea Langes US-Wanderarbeiterin<br />

mit Kindern (oben), Bert Sterns Fotosession<br />

mit Marilyn Monroe, sie alle findet man in diesem<br />

Band: Fotos, die fast jeder kennt. Aber<br />

wie kam es zu den Aufnahmen, wie hat der<br />

Fotograf den richtigen Zeitpunkt zum Festhalten<br />

der Szene getroffen (etwa bei Cartier-<br />

Bressons Dessauer Lagerbild, wo das Opfer<br />

zum Täter wird), wie hat er das Bild „choreografiert“?<br />

Ausführlich, sehr kenntnisreich und<br />

gut lesbar erzählt Hans-Michael Koetzle die<br />

Geschichte hinter diesen Fotos, begleitet von<br />

der Frage nach der Wahrheit in den Bildern.<br />

Der Band ist eine erhellende Jahrhundertreise.<br />

^ Hans-Michael Koetzle: „50 Photo Icons“. Taschen,<br />

300 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 32,90 sFr.<br />

© Dorothea Lange<br />

buchjournal 1/2012


Kober Verlag AG<br />

Postfach 1051<br />

CH-8640 Rapperswil<br />

Das geistige Lehrwerk<br />

von Bô Yin Râ umfaßt die<br />

folgenden Titel:<br />

Das Buch der königlichen Kunst<br />

Das Buch vom lebendigen Gott<br />

Das Buch vom Jenseits<br />

Das Buch vom Menschen<br />

Das Buch vom Glück<br />

Der Weg zu Gott<br />

Das Buch der Liebe<br />

Das Buch <strong>des</strong> Trostes<br />

Das Buch der Gespräche<br />

Das Geheimnis<br />

Die Weisheit <strong>des</strong> Johannes<br />

Wegweiser<br />

Das Gespenst der Freiheit<br />

Der Weg meiner Schüler<br />

Das Mysterium von Golgatha<br />

Kultmagie und Mythos<br />

Der Sinn <strong>des</strong> Daseins<br />

Mehr Licht<br />

Das hohe Ziel<br />

Auferstehung<br />

Welten<br />

Psalmen<br />

Die Ehe<br />

Das Gebet<br />

So sollt ihr beten<br />

Geist und Form<br />

Funken/Mantra Praxis<br />

Worte <strong>des</strong> Lebens<br />

Über dem Alltag<br />

Ewige Wirklichkeit<br />

Leben im Licht<br />

Briefe an einen und viele<br />

Hortus Conclusus<br />

Daran anschließende Werke:<br />

Kodizill zu meinem geistigen Lehrwerk<br />

Marginalien<br />

In eigener Sache<br />

Über die Gottlosigkeit<br />

Geistige Relationen<br />

Okkulte Rätsel<br />

Mancherlei<br />

Warum ich meinen Namen führe<br />

Über meine Schriften<br />

Aus meiner Malerwerkstatt<br />

Das Reich der Kunst<br />

Nachlese I<br />

Nachlese II<br />

www.koberverlag.com<br />

info@koberverlag.ch<br />

Nicht auf dein Für-wahr-halten kommt es<br />

hier an, denn die Dinge von denen ich rede,<br />

sind unabhängig von deiner Zustimmung<br />

oder Ablehnung, und ich gebe dir hier keine<br />

Glaubenslehre, sondern zeige dir eine<br />

Erscheinungsform der Wirklichkeit, die du<br />

vorerst noch nicht anders kennen lernen<br />

kannst, <strong>als</strong> in der Vermittlung <strong>des</strong> Vorstellungsbil<strong>des</strong><br />

durch das Wort der Menschensprache.<br />

Das Buch vom Jenseits<br />

185 Seiten, Leineneinband<br />

Fr. 34.- / € 24.-<br />

ISBN 978-3-85767-099-2<br />

Inhalt:<br />

Einleitung<br />

Die Kunst zu sterben<br />

Vom „Tempel der Ewigkeit“<br />

und der Welt <strong>des</strong> Geistes<br />

Das einzig Wirkliche<br />

Was ist zu tun?<br />

Die Berichte von Nahtod-Erlebnissen (R. A. Moody,<br />

E. Kübler-Ross und vielen anderen) sind heute Allgemeingut.<br />

Die geschilderten Erfahrungen können wegen der<br />

kurzen Zeitspannen verständlicherweise nur oberflächlich<br />

sein. Anders in diesem bereits 1920 erschienenen Buch.<br />

Hier wird sachlich und aus eigener langjähriger Erfahrung<br />

vom Leben nach dem Zerfall <strong>des</strong> Erdenkörpers berichtet.<br />

Der Tod ist die Erlösung <strong>des</strong> unsterblichen Bewußtseins<br />

aus dem Tierleib und der Beginn <strong>des</strong> Weges in eine ewige<br />

Welt voller Licht, Wärme und Liebe. Wer schon auf Erden<br />

guten Willens war, wird ihn ohne Last durchwandern.<br />

In den den Büchern von Bô Yin Râ geht es nicht um eine neue<br />

religiöse Bewegung, es wird keine Gefolgschaft erwartet und<br />

nicht einmal ein Glaube ist gefordert. Es geht vielmehr um<br />

„ein Erwecken der lebendigen geistigen Kräfte, die der Erdenmensch<br />

auch heute noch in sich selber finden kann …“.<br />

Mehr über den Autor mit dem fremd klingenden Namen, <strong>des</strong>sen<br />

Werk in elf Sprachen übersetzt worden ist, erfahren Sie auf<br />

www.koberverlag.ch oder in unserem Gesamtverzeichnis, das<br />

wir Ihnen gerne zustellen, Telefon 0041 55 214 11 34 oder<br />

info@koberverlag.ch


© picture-alliance / ZB<br />

SACHBUCH_BIOGRAFIE<br />

Geizh<strong>als</strong> und Poet, Frauenverächter und Aufklärer: Friedrich<br />

der Große ist ein Held voller Widersprüche. Zum 300. Geburtstag<br />

wird sein Leben frisch durchleuchtet.<br />

Ruhmsüchtiger<br />

Preußenkönig<br />

TEXT: STEFAN HAUCK, ANDREAS TROJAN<br />

w enn<br />

Sie von Tugend sprechen, erkennt<br />

man, dass Sie in diesem Land<br />

zu Hause sind“, schrieb Voltaire 1737 an<br />

Friedrich II. von Preußen. Die Leitfigur der<br />

Aufklärung und der Monarch <strong>des</strong> aufge-<br />

klärten Absolutismus pflegten eine ambivalente<br />

Beziehung; ihre über 42 Jahre dauernde<br />

Korrespondenz gehört zu den wichtigen<br />

Dokumenten der europäischen<br />

Geschichte. Schriftsteller Hans Pleschinski<br />

Mythos Friedrich der Große – hier in der Interpretation von Andy Warhol<br />

hat in „Voltaire – Friedrich der Große“ eine<br />

kluge Auswahl übersetzt. In seinen Briefen<br />

gibt Friedrich auch Kostproben seiner<br />

Dichtkunst, wie die „Ausgewählten<br />

Schriften“ zeigen. „Sie werden sagen, daß<br />

ich gute Verse liebte und selbst schlechte<br />

machte“, meinte er selbstironisch. Noch<br />

mehr Oden, Stanzen, Sonette, Episteln,<br />

Epigramme finden sich in der Anthologie<br />

„An meinen Geist: Friedrich der Große in<br />

seiner Dichtung“ (Schöningh, 300 S., 24,90<br />

Euro), ins Deutsche übersetzt – denn Friedrich<br />

bevorzugte die französische Sprache.<br />

„Ein Augenblick der Lust ist für den, der<br />

genießt, so viel wert wie / ein Jahrhundert<br />

der Ehre, <strong>des</strong>sen schöner Schein trügt“: Diese<br />

Verse Friedrichs sind doppelzüngig.<br />

Denn er suchte den Genuss nicht unbedingt<br />

in der Liebe, sondern in fein gewürzten<br />

Speisen und feurigem Ungarwein und war<br />

von Ehre und Ruhm geradezu besessen, was<br />

so gut wie alle Biografien verdeutlichen.<br />

Dass den Beinamen „der Große“ <strong>als</strong> Erster<br />

übrigens Voltaire lanciert hat, darauf weist<br />

Tillmann Bendikowski in „Friedrich der<br />

Große“ hin. Für den Historiker ist der Preußenkönig<br />

eine widersprüchliche Figur: Er<br />

war ohne Zweifel von der Epoche der Aufklärung<br />

getragen, schaffte die Folter ab, zögerte<br />

zugleich aber nicht, <strong>als</strong> „Hasardeur“<br />

eine rücksichtslose Großmachtpolitik zu<br />

»Den Beinamen ›der<br />

Große‹ hat Voltaire<br />

<strong>als</strong> Erster lanciert«<br />

verfolgen und dafür Kriege zu führen, in<br />

denen Tausende Soldaten ihr Leben ließen.<br />

Die militärischen Erfolge machen für<br />

Bendikowski auch den Mythos <strong>des</strong> Preußenkönigs<br />

aus. So haben sich die wilhelminischen<br />

Kaiser, Hitler sowie Honecker auf<br />

Friedrich und die preußischen Tugenden<br />

berufen. Immer wenn es um Treue, Gehorsam<br />

und Vaterland ging, trat der Alte Fritz<br />

auf den Plan: Das stellt der Autor fest, <strong>des</strong>sen<br />

Biografie mit klarer Kapiteleinteilung,<br />

Bildteil, Personen- und Sachregister brilliert.<br />

Texteinschübe von Friedrich und seinen<br />

Zeitgenossen, aber auch Einschätzungen<br />

späterer Generationen machen das<br />

Buch lebendig. Ebenso kritisch wie Bendikowski<br />

durchleuchtet Tom Goeller den<br />

Preußenkönig, offenbart sein Doppelge-<br />

68<br />

buchjournal 1/2012


sicht, zeigt seine kühne Voraussicht, befragt<br />

Prominente und stellt dabei stets den<br />

Bezug zur Gegenwart her. In leicht lesbarem<br />

Plauderton gehalten, geht Goeller dem Mythos<br />

<strong>des</strong> fl ötenden und komponierenden<br />

Monarchen in „Der alte Fritz“ auf den<br />

Grund. Nebenbei: Der Preußenkönig ist der<br />

Komponist der spanischen Nationalhymne.<br />

Von „gloire“, der Sucht nach Ruhm und<br />

Ehre, gezeichnet, sieht Historiker Jürgen<br />

Luh den König. Gloire betrifft nicht nur<br />

den militärischen Bereich, sondern auch<br />

Philosophie, Kunst und Verwaltung <strong>des</strong><br />

Staates. Aber genau diese „Ruhmsucht“<br />

und dieser „Eigensinn“ machten aus Friedrich<br />

einen Menschen, der sich weit von den<br />

Monarchen seiner Zeit abhob. Deshalb hat<br />

Jürgen Luh auch zwei Kapitel seiner Biografi<br />

e „Der Große. Friedrich II. von Preußen“<br />

entsprechend überschrieben.<br />

Ein weitaus milderes Bild zeichnet der<br />

Journalist Johannes Unger in seinem Buch<br />

„Friedrich. Ein deutscher König“, das er<br />

mit Exkursen wie „Bauern und Junker“<br />

oder „Verwaltung und Wirtschaft“ aufl ockert.<br />

Unger sieht den Herrscher seit seiner<br />

Jugend in die Weltpolitik verstrickt: Das<br />

buchjournal 1/2012 69<br />

kleine Königtum lag zwischen den Großmächten<br />

Frankreich, England, Österreich,<br />

Russland – Friedrich versuchte sich <strong>als</strong><br />

Heerführer und Fürst von europäischem<br />

Format zu profi lieren.<br />

Die meisten Biografen halten fest, dass<br />

er – eine Ausnahme unter den Regierenden<br />

– mit seinen Truppen kämpfte und sie in<br />

Lesezeichen<br />

führte. Auch das macht den Mythos und<br />

den Erfolg von Friedrich aus.<br />

Wen Bündnispolitik und Kriegsstrategien<br />

in den Schlesienkriegen besonders<br />

interessieren, der erhält detaillierte Informationen<br />

in Johannes Kunischs kleiner<br />

„Friedrich der Große“-Biografi e. Die C. J.<br />

Bucher-Reihe „Die 50 wichtigsten Fragen“<br />

vermittelt in bewährter Manier Sach-<br />

oft lebensgefährlichen Situationen an- 0<br />

1. Tillmann Bendikowski: Friedrich der Große. C. Bertelsmann, 336 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

2. Tom Goeller: Der alte Fritz. Mensch, Monarch, Mythos. Hoffmann und Campe, 352 S., 21,99 € (D) • 22,70 € (A) •<br />

36,50 sFr.<br />

3. Johannes Kunisch: Friedrich der Große. C. H. Beck, 127 S., 8,95 € (D) • 9,20 € (A) • 14,50 sFr.<br />

4. Jürgen Luh: Der Große. Friedrich II. von Preußen. Siedler, 288 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

5. Johannes Unger: Friedrich. Ein deutscher König. Propyläen, 256 S., 16,99 € (D) • 17,50 € (A) • 23,90 sFr.<br />

Das Vermächtnis David Servan-Schreibers: Ein sehr persön liches, ergreifen<strong>des</strong><br />

Buch über seinen Kampf gegen den Krebs – weise, ehrlich, inspirierend.<br />

Startauflage 50.000<br />

Seit Erscheinen auf den ersten Plätzen<br />

der französischen Bestsellerliste<br />

270.000 verkaufte<br />

Exemplare in Frankreich<br />

152 Seiten, gebunden, Euro 14,95 (D) | 15,40 (A)<br />

ISBN 978-3-88897-751-0<br />

verlag antje<br />

kunstmann


SACHBUCH_BIOGRAFIE<br />

0 wissen in Häppchen: Ob Sparsamkeit,<br />

Einführung der Kartoffel<br />

oder Umgang mit der Justiz: In<br />

„Friedrich der Große“ (144 S., 17,95<br />

Euro) wird der Leser kompakt und<br />

unterhaltsam informiert.<br />

Zum Stöbern lädt auch ein schön<br />

gestalteter Band aus der Anderen Bibliothek<br />

ein: „Friedrich II. von Preußen“<br />

(400 S., 32 Euro). Norbert Leithold<br />

zeichnet darin ein positives<br />

Friedrich-Bild. Amüsantes zu Friedrichs<br />

„Feldbett“ und seinem sprichwörtlichen<br />

„Geiz“ hat in diesem kulturgeschichtlichen<br />

„Panorama von<br />

A bis Z“ ebenso Platz wie Interessantes<br />

zu seiner ausgeklügelten Geheimdiplomatie,<br />

zum Hofstaat oder<br />

zu den Lebenswegen seiner Geschwister<br />

– immerhin drei Brüder<br />

und sechs Schwestern. Das Stichwort<br />

„Amerika“ mag verwundern,<br />

aber der Preußenkönig interessierte<br />

sich sehr für das Staatengebilde, das<br />

sich 1776 von England lossagte.<br />

Diesem bislang von der Forschung<br />

kaum beachteten Aspekt widmet<br />

der Historiker Jürgen Overhoff gleich ein<br />

Doppelporträt: „Friedrich der Große und<br />

George Washington“. Der eine verordnete<br />

die Aufklärung von oben, der andere erstritt<br />

sie von unten – das Buch ist eine sorgfältig<br />

recherchierte Analyse der Umbrüche<br />

in der Alten und Neuen Welt.<br />

Nach Amerika fuhr der von Gicht geplagte<br />

König nie, dafür aber reiste er rastlos<br />

durch seine Territorien, um alles zu kontrollieren.<br />

Historiker Bernd Ingmar Gutberlet<br />

ist den Spuren <strong>des</strong> Monarchen gefolgt<br />

und skizziert in dem reich bebilderten<br />

Band „Friedrich der Große. Eine Reise zu<br />

den Orten seines Lebens“ die Lebensstationen.<br />

Aktuelle Debatten wie die um den<br />

Wiederaufbau <strong>des</strong> Berliner Schlosses bezieht<br />

Gutberlet mit ein.<br />

Experten <strong>des</strong> Militärgeschichtlichen Forschungsamts<br />

in Potsdam schildern in dem<br />

großformatigen, klar strukturierten Sachbildband<br />

„Preußen. Aufstieg und Fall einer<br />

Großmacht“ (Theiss, 208 S., 39,95 Euro)<br />

den Weg von der politischen Vormachtstellung<br />

bis zur Zerschlagung Preußens. Friedrichs<br />

Anteil daran wird klar herausgearbeitet,<br />

die zahlreichen Bilder und lebendig<br />

formulierten Texte führen in die preußischen<br />

Lebenswelten ein und stellen beispielhaft<br />

Persönlichkeiten aus Gesell-<br />

schaft, Kultur und Wirtschaft vor – etwa<br />

Hegel, Moltke und Rathenau.<br />

Die vielen Novitäten erwecken den Anschein,<br />

<strong>als</strong> wisse man heute alles über das<br />

Leben Friedrichs <strong>des</strong> Großen. Doch ein<br />

kleines Rätsel bleibt: War der König schwul?<br />

Historikerin Karin Feuerstein-Praßer stützt<br />

sich auf eine Aussage von Friedrichs medizinischem<br />

Berater Georg Ritter von Zimmermann:<br />

Danach soll sich der König mit<br />

Gonorrhö angesteckt und nach einem ver-<br />

Lesezeichen<br />

mutlich missglückten chirurgischen<br />

Eingriff an „eingebildeter<br />

Eunuchheit“ gelitten haben. Verdienstvoll<br />

holt Feuerstein-Praßer in<br />

„,Ich bleibe zurück wie eine Gefangene‘“<br />

Friedrichs ungeliebte Gattin<br />

Elisabeth Christine aus dem Schatten<br />

der Geschichte und beleuchtet<br />

die Beziehung <strong>des</strong> Paars. Der unter<br />

einer intriganten Mutter und einem<br />

brutalen, jähzornigen Vater aufgewachsene<br />

Fritz ging zeitlebens keine<br />

Bindungen ein, hielt seine Frau vom<br />

Hof fern und gab sich zynisch: „Das<br />

ist meine alte Kuh“ – so stellte er sie<br />

vor.<br />

Meist umgab er sich mit Männern.<br />

Wolfgang Burgdorfs Befund in dem<br />

biografi schen Porträt „Friedrich der<br />

Große“ (Herder, 224 S., 12,95 Euro) ist<br />

dem trockenen Witz <strong>des</strong> Preußenkönigs<br />

ebenbürtig: „Als Held konnte er weder<br />

impotent noch schwul sein, aber er konnte<br />

eine ‚galante’ Krankheit haben, und die zog<br />

er sich dann nach seinem Tod zu.“ �<br />

70<br />

Kühner Blick: Teil <strong>des</strong> Friedrich-Mythos<br />

sind seine Erfolge <strong>als</strong> Kriegsherr<br />

(Denkmal an der Knock, Ostfriesland)<br />

1. Friedrich der Große: Ausgewählte Schriften. Fischer Taschenbuch, 336 S., 12,– € (D) • 12,40 € (A) • 17,90 sFr.<br />

2. Hans Pleschinski: Voltaire – Friedrich der Große. Briefwechsel. Hanser, 656 S., 29,90 € (D) • 30,80 € (A) • 39,90 sFr.<br />

3. Karin Feuerstein-Praßer: „Ich bleibe zurück wie eine Gefangene.“ Elisabeth Christine und Friedrich der Große.<br />

Pustet, 120 S., 12,90 € (D) • 13,30 € (A) • 18,90 sFr.<br />

4. Jürgen Overhoff: Friedrich der Große und George Washington. Zwei Wege der Aufklärung. Klett-Cotta,<br />

365 S., 22,95 € (D) • 23,60 € (A) • 32,90 sFr.<br />

5. Bernd Ingmar Gutberlet: Friedrich der Große. Eine Reise zu den Orten seines Lebens. Primus, 144 S.,<br />

29,90 € (D) • 30,80 € (A) • 41,90 sFr.<br />

© picture-alliance / DUMONT Bildar<br />

Ein Interview mit „Friederisiko“-Ausstellungskurator<br />

Jürgen Luh lesen Sie unter<br />

www.buchjournal.de/luh_interview<br />

buchjournal 1/2012


PRÄHISTORISCHE KULTSTÄTTEN UND FRÜHCHRISTLICHE KLÖSTER<br />

DAS BESONDERE<br />

■ Erlebnisreiches Studienreiseprogramm<br />

mit deutschsprachiger Reiseleitung<br />

■ Sie wohnen in sehr komfortablen 3*Sup. /<br />

4-Sterne-Hotels in bester, zentraler Lage<br />

■ Flexibilität bei Anreise und Reiseverlängerung:<br />

Gerne buchen wir Ihre Flüge<br />

■ Sie reisen in einer spannenden Gemeinschaft<br />

interessierter Gäste<br />

Dingle<br />

Kerry<br />

Irland<br />

Galway<br />

Killarney<br />

Garinish<br />

Burren<br />

Cork<br />

Kilbeggan<br />

Clonmacnoise<br />

Cashel<br />

Monasterboice<br />

Newgrange<br />

Inklusivleistungen<br />

DUBLIN<br />

Glendalough<br />

● Bus-Rundreise ab/bis Dublin Flughafen gemäß Programm<br />

● 7 Ubernachtungen in 3*Superior/4-Sterne-Hotels: 1x<br />

Dublin, 1x Cork, 2x Killarney, 1x bei Galway, 2x Dublin<br />

● 7x Halbpension (Frühstück und Aben<strong>des</strong>sen)<br />

● fachkundige deutschsprachige Reiseleitung<br />

● Eintrittskosten für alle genannten Besichtigungen<br />

● Führung in der Whiskey-Destillerie Kilbeggan<br />

Termine und Preise<br />

Profitieren Sie von EUR 100 Leserreiserabatt<br />

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Preis pro Person ab/bis<br />

Dublin<br />

27.05.-03.06.2012<br />

24.06.-01.07.2012<br />

29.07.-05.08.2012<br />

23.09.-30.09.2012<br />

07.10.-14.10.2012<br />

EUR 899<br />

EUR 799<br />

Wunschleistungen<br />

50km<br />

● Einzelzimmerzuschlag EUR 215<br />

● Ausflug Brú Na Bóinne und Monasterboice (Tag 7) EUR 59<br />

● Reiserücktrittskostenversicherung ab EUR 26<br />

● Rail&Fly-Fahrkarte, 2. Klasse, keine Zugbindung EUR 72<br />

Bitte beachten Sie...<br />

Geben Sie den VIP-Reisecode BJ12-IKL bei Buchung an<br />

und wir ermäßigen Ihnen den regulären Reisepreis für Sie und<br />

Ihre Reisebegleitung um EUR 100. Sie zahlen dann nur die o.g.<br />

Sonderpreise. Bei Nicht-Erreichen einer Teilnehmerzahl von 15<br />

Personen kann der Veranstalter die Reise bis zum 30. Tag<br />

vor Reisebeginn absagen. Für die Einreise benötigen Sie <strong>als</strong> deutsche(r)<br />

Staatsbürger(in) einen gültigen Personalausweis. Es gelten<br />

die Reisebedingungen der REISEKULTOUREN GmbH, die Sie auf<br />

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druck- und speicherfähig hinterlegt sind. Anzahlung von 20 %<br />

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ab/bis Frankfurt,<br />

München, Düsseldorf<br />

+ EUR 265<br />

andere Flughäfen<br />

auf Anfrage<br />

Cliffs of Moher<br />

Monasterboice<br />

Irlands Kulturlandschaft<br />

8tägige Studienreise auf die Insel der Mönche und Heiligen<br />

Ihr Reiseprogramm<br />

Landschaft und Geschichte sind in Irland auf das Engste verbunden.<br />

Irische Mönche brachen im 6.Jh. auf, um den Kontinent zu christianisieren.<br />

Diese Blütezeit, von der Klosterruinen, Hochkreuze und das<br />

berühmte Book of Kells erzählen, ist für irische Verhältnisse junge<br />

Vergangenheit. Von der älteren Geschichte legen prähistorische<br />

Stätten wie Newgrange und die Dolmen <strong>des</strong> Burren Zeugnis ab. In<br />

Irland ist die Vergangenheit vor einer lieblich-subtropischen, spektakulär-schroffen<br />

und immer satt grünen Kulisse lebendig.<br />

1. Tag: Dublin und die Illustrationskunst der Mönche<br />

Reisebeginn ist 13:30h am Flughafen Dublin. Wir machen Sie dann<br />

mit der Stadt vertraut und sehen u.a. das Trinity College an.<br />

Herausragend ist hier das <strong>als</strong> schönstes Buch der Welt gerühmte<br />

Book of Kells, ein Meisterstück frühchristlicher Illustrationskunst aus<br />

dem 8.Jh..<br />

2. Tag: Klosterstadt und Felsen <strong>des</strong> Glaubens<br />

Wicklow Mountains, Glendalough und Rock of Cashel<br />

Die Klosterruine Glendalough liegt in den Wicklow Mountains. 498<br />

zog sich der Eremit Kevin hier zurück. Aus seiner Klause wuchs eine<br />

blühende Siedlung, die im 9.Jh. mit Clonmacnoise um den Status <strong>als</strong><br />

führende Klosterstadt wetteiferte. Auch der Rock of Cashel vereint<br />

Landschaft und Kirchengeschichte. Cromac’s Chapel gilt <strong>als</strong> erste<br />

romanische Kirche Irlands. Keltische Könige und Bischöfe regierten<br />

hier. Nutzen Sie den Abend in Cork für einen Pub-Bummel bei Irish<br />

Folk und lokalem Bier.<br />

3. Tag: Farbenfrohe City und buntes Gartenparadies<br />

Cork, Bantry Bay und Garinish Island<br />

Cork spielte beim Kampf um die irische Unabhängigkeit eine wichtige<br />

Rolle. Sie hören hier auch über die Massenauswanderungen zur<br />

Zeit der Großen Hungernot und die Tragödie der Lusitania, die 1915<br />

in den Gewässern vor Cork torpediert wurde. Das vom Golfstrom<br />

beeinflusste Mikroklima der Bantry Bay begünstigt üppigsten<br />

Pflanzenwuchs. Zu jeder Jahreszeit ist der Besuch der im italienischen<br />

Stil angelegten Garteninsel Garinish Island ein Erlebnis.<br />

Vielleicht sehen Sie sogar die hiesige Robbenkolonie. Dann geht die<br />

Fahrt nach Killarney.<br />

4. Tag: Landschaftspanoramen die Geschichte atmen<br />

Ring of Kerry und Nationalpark Killarney<br />

Der Ring of Kerry zählt zu den schönsten Küstenstraßen Europas. Auf<br />

gut 170km bieten sich Ihnen unvergessliche Aussichten auf Berge,<br />

Buchten, Klippen und Strände. Am Ladies View bewundern Sie das<br />

Panorama mit den drei Seen <strong>des</strong> Killarney National Parks (UNESCO).<br />

Unternehmen Sie doch noch einen Spaziergang in dieser schönen<br />

Landschaft, bevor Sie zum Hotel zurück kehren.<br />

5. Tag: Prähistorische Stätten, Karst und Klippen<br />

Dingle Halbinsel, Cliffs of Moher, Burren und Galway<br />

Die Dingle-Halbinsel ist eine Mini-Version Irlands: Klippen, Strände,<br />

Felder, Wiesen - darin eingebettet zahllose Ring-Forts,<br />

Bienenkorbhütten und standing stones. Mittags schauen wir von den<br />

Cliffs of Moher 200m in die Tiefe. Die Kalksteinlandschaft Burren<br />

beeindruckt durch ihre wüste Schönheit. In den Felsspalten gedeiht<br />

im Frühjahr eine außergewöhnliche Flora. Grabstätten wie der<br />

Dolmen von Poulnabrone zeugen von der frühen Besiedlung. Dann<br />

erreichen wir Galway. Entdecken Sie die quicklebendige und irischbunte<br />

Stadt, bevor wir in unserem Hotel am Meer einchecken.<br />

Gerne senden wir Ihnen das ausführliche Reiseprogramm und<br />

beraten Sie rund um unsere Themenreisen. Sprechen Sie uns an!<br />

Foto © Tourism Ireland<br />

8 Tage<br />

Poulnabrone Dolmen<br />

6. Tag: Klosterstadt, Whiskey-Tradition und “Dirty Old Town”<br />

Clonmacnoise, Kilbeggan und Dublin<br />

Als der Hl. Ciarán am Shannon 548 ein Kloster gründete, nutzte er die<br />

wichtigste Kreuzung der Verkehrswege Irlands. Clonmacnoise wuchs<br />

zu einer Bastion irischer Religiosität, Literatur und Kunst heran.<br />

Mönche brachte die Kunst <strong>des</strong> Destillierens im 10. Jh. aus dem<br />

Nahen Osten auf die Britischen Insel. Das sehr interessant gestaltete<br />

Museum der Destillerie Kilbeggan zeigt die Geschichte der irischen<br />

Whiskeyproduktion. Dann geht es zurück nach Dublin, Stadt<br />

der Literaten und Musiker. Jonathan Swift, Autor von „Gullivers<br />

Reisen“, war Dekan der St. Patricks Kathedral, die dem<br />

Nationalheiligen geweiht ist. Inspiration der ganz anderen Art ist der<br />

Besuch der Guinness-Brauerei. In der Gravity Bar im 7. Stock <strong>des</strong><br />

Storehouses haben wir einen Rundum-Blick über Dublin – und sind<br />

im Irland von heute angekommen.<br />

7. Tag: Neolithische Totenstadt am River Boyne (UNESCO)<br />

Brú na Bóinne und Monasterboice (fakultativer Ausflug)<br />

Die prähistorische „VIP-Nekropole“ im Tal <strong>des</strong> Boyne, von der<br />

Knowth, Newgrange und Dowth die bekanntesten Ganggräber sind,<br />

beeindruckt durch enorme Ausmaße (UNESCO). Die sehr viel jüngeren<br />

Hochkreuze der Klosterruine Monasterboice sind bestes Beispiel<br />

keltischer Kunst Den späten Nachmittag können Sie individuell in<br />

Dublin verbringen.<br />

8. Tag: Transfer und Heimreise<br />

Mittags erfolgt der Transfer zum Flughafen und Sie reisen heim.<br />

REISEKULTOUREN GmbH<br />

Behringstr. 25 - D-32756 Detmold<br />

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Foto © REISEKULTOUREN GmbH<br />

Foto © Tourism Ireland<br />

Foto © Tourism Ireland / Holger Leue


Die Brokkoli-Lüge:<br />

die wahren Gründe<br />

für ein langes und<br />

glückliches Leben<br />

Vergesst Brokkoli, Wellness und<br />

Joggen! Die wahren Gründe für<br />

ein lebenslanges Glück liegen woanders,<br />

das haben die Autoren<br />

in einer weltweit einzigartigen<br />

Studie herausgefunden. Charakter,<br />

das soziale Umfeld und Herausforderungen<br />

in der Arbeit führen<br />

zu lang anhaltender Gesundheit.<br />

Das Buch enttarnt auf lockere und<br />

verständliche Weise weitverbreitete<br />

Mythen und zeigt anhand<br />

von Selbsttests und Beispielen<br />

neue und erfolgreiche Strategien<br />

auf, um gesund zu bleiben und<br />

glücklich alt zu werden.<br />

www.beltz.de<br />

320 Seiten, gebunden, a 19,95 D<br />

ISBN 978-3-407-85939-6<br />

Lesestoff Sachbücher<br />

Krebszelle<br />

ALLTAGSREFLEXIONEN<br />

Werdegang eines Thunfi schs<br />

Alain de Botton wurde bekannt<br />

durch den Bestseller<br />

„Wie Proust Ihr Leben<br />

verändern kann“. Das<br />

Buch basiert auf einem<br />

frechen Einfall: Man<br />

nehme Marcel Prousts<br />

Monumentalwerk „Auf<br />

der Suche nach der verlorenen<br />

Zeit“ und <strong>des</strong>tilliere<br />

daraus ein witziges, kurzes und lebenspraktisches<br />

Ratgeberbuch für den postmodernen<br />

Zeitgenossen. In seinem neuen Buch stellt sich<br />

der populäre Philosoph nun der Frage nach den<br />

Freuden und Mühen der Arbeit. Dabei folgt de<br />

Botton dem Weg eines Thunfi schs, vom Fang bis<br />

auf den Teller, schaut hinter die Kulissen einer<br />

Keksproduktion oder befragt Controller und<br />

Künstler nach dem Wert ihrer Leistung. Ihm gelingt<br />

dabei der Spagat zwischen Reiseführer, Fotoreportage<br />

und Essaysammlung. Die zahlreichen<br />

Fotografi en von Richard Baker nehmen<br />

einen besonderen Platz in jeder der Erzählungen<br />

ein – ob ästhetisch dargestellt Industrie-Architektur<br />

oder die einsame Leere eines Bürogebäu<strong>des</strong><br />

bei Nacht. Gelassen, elegant, mit einer wunderbaren<br />

Beobachtungsgabe lädt der in London<br />

lebende Schweizer Autor erneut dazu ein, über<br />

die Gesellschaft im Allgemeinen und das Individuum<br />

im Besonderen nachzudenken. nf<br />

^ Alain de Botton: „Freuden und Mühen der Arbeit“.<br />

S. Fischer, 352 S., 19,99 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

Erscheint am 8. März<br />

PULITZER-PREIS<br />

Kunst und Tod<br />

Der Titel <strong>des</strong> im vergangenen Jahr mit dem<br />

Pulitzer-Preis bedachten Buchs mag auch<br />

und gerade auf Betroffene paradox bis abgeschmackt<br />

wirken. Und doch trifft er es<br />

insofern angemessen, <strong>als</strong> das von der<br />

Essay istin Susan Sontag und Dramatikern<br />

wie Heiner Müller vermessene metaphorische<br />

Potenzial von Krebserkrankungen<br />

immens hoch ist. Man mag sogar, wenn<br />

nicht auch das zynisch klingen könnte, von<br />

einer kunstaffi nen Krankheit sprechen. Das<br />

liegt zuallererst daran, dass diese unsterblich<br />

scheint. Denn anders <strong>als</strong> gegen Aids,<br />

das Susan Sontag <strong>als</strong> legitimen Nachfolger<br />

von Krebs etikettiert hat, ist gegen ihn<br />

noch immer kein Kraut gewachsen, das zugleich<br />

die mythisch verbrämte Überhöhung<br />

der Krankheit lindern könnte. In seiner historisch<br />

fundierten, zudem in eleganter Wissenschaftsprosa<br />

verfassten Studie untersucht<br />

Siddhartha Mukherjee kunstvoll<br />

Schnittstellen zwischen Stilisierung und<br />

Symptomen, künstlerischen<br />

Adaptionen und<br />

real existierendem<br />

Siechtum. wer<br />

^ Siddhartha Mukherjee:<br />

„Der König aller<br />

Krankheiten. Krebs – eine<br />

Biografi e“. DuMont,<br />

760 S., 24,- € (D) •<br />

24,70 € (A) • 34,50 sFr.<br />

72<br />

buchjournal 1/2012<br />

© picture-alliance / dpa


NATURPHÄNOMENE<br />

Die Geschichte <strong>des</strong> Wetters<br />

Der Geologe und Spiegelonline-Kolumnist<br />

Axel Bojanowski<br />

sammelt geowissenschaftliche<br />

Raritäten. Er<br />

hat 30 der rätselhaftesten<br />

Naturphänomene in sein<br />

spannen<strong>des</strong> Buch aufgenommen<br />

und gibt interessante<br />

Antworten auf knifflige<br />

Fragen. Zum Beispiel<br />

auf die, wie das Wetter den Verlauf der Geschichte<br />

beeinfl usst. Historische Epochen fügen sich nämlich<br />

in Klimazyklen; Blütezeiten fi elen in Warmzeiten;<br />

Völkerwanderungen, Pest und Dreißigjähriger<br />

Krieg ereigneten sich in Zeiten rauen Klimas.<br />

Klima-Umschwünge führten zu Missernten, beförderten<br />

Hungersnöte und Revolutionen. Unterhaltsam,<br />

verständlich und mit Gespür für schräge Details<br />

erzählt Axel Bojanowski von den großen<br />

Themen der Geowissenschaften und ihren möglichen<br />

Auswirkungen auf unser Leben. br<br />

^ Axel Bojanowski: „Nach zwei Tagen Regen folgt<br />

Montag. Und andere rätselhafte Phänomene <strong>des</strong><br />

Planeten Erde“. DVA, 224 S., 14,99 € (D) • 15,50 € (A) •<br />

21,90 sFr.<br />

BEETHOVEN-BIOGRAFIE<br />

Schlampiges Genie<br />

Sohn eines trunksüchtigen<br />

Vaters, Komponist und gefeierter<br />

Klaviervirtuose,<br />

schlampiges Genie und Verfasser<br />

merkwürdiger Texte<br />

wie dem „Heiligenstädter<br />

Tes tament“: Beethovens<br />

Leben bot Autoren schon<br />

immer viel Stoff für Mutmaßungen<br />

und Gerüchte. Der<br />

Dirigent und Wissenschaftler Jan Caeyers stellt in<br />

seinem voluminösen Beethoven-Buch alle Mythen<br />

und Klischees kritisch auf den Prüfstand und<br />

liefert statt trockener musikwissenschaftlicher<br />

Analysen eine glänzend zu lesende, mit viel historischen<br />

Fakten angereicherte Biografi e. In neuem<br />

Licht erscheint Beethovens Krankengeschichte:<br />

Sein übermäßiger Alkoholkonsum hatte Leber,<br />

Nieren und Bauchspeicheldrüse schwer geschädigt,<br />

was wiederum Grund für seine Augenerkrankung<br />

war – Beethoven war im Alter nicht nur taub,<br />

sondern auch halb blind. bai<br />

^ Jan Caeyers: „Beethoven. Der einsame Revolutionär.<br />

Eine Biographie“. C. H. Beck, 832 S., 29,95 € (D) •<br />

30,80 € (A) • 43,50 sFr.<br />

buchjournal 1/2012 73<br />

ARABISCHER FRÜHLING<br />

Einfl ussreiches Internet<br />

Wohl nie zuvor hat die Generation Web 2.0 ihren<br />

politischen und technologischen Geltungsanspruch<br />

so nachhaltig und so anrührend dokumentiert<br />

wie im Arabischen Frühling. Wael Ghonim,<br />

ägyptischer Protagonist dieser Bewegung,<br />

gefährdete dabei Leib und Leben: Sein mutiger<br />

Entschluss, eine Facebook-Seite namens „We are<br />

all Khaled Said“ zu etablieren, sorgte für den<br />

wichtigen Schulterschluss zwischen aufbegehrender<br />

Internet-Jugend und reformhungriger Bevölkerung.<br />

So viele Menschen zwischen Internet-Café<br />

und Straße mobilisierte der Informatiker<br />

mit diesem Akt <strong>des</strong> Widerstands, dass ihn<br />

das Mubarak-Regime zum Staatsfeind deklarierte<br />

– und vom Geheimdienst festsetzen ließ.<br />

In „Revolution 2.0“, einem klugen Erfahrungsbericht,<br />

der sich ähnlich spannend wie ein Thriller<br />

liest, erzählt Wael Ghonim von dem unbändigen<br />

Freiheitswillen der Ägypter<br />

und dem Weg zur Demokratie,<br />

der reich an<br />

Fallstricken ist. wer<br />

^ Wael Ghonim: „Revolution<br />

2.0. Wie wir mit der<br />

ägyptischen Revolution die<br />

Welt verändern“. Econ,<br />

384 S., 18,– € (D) •<br />

18,50 € (A) • 24,90 sFr.<br />

LEBENS- UND LIEBESGESCHICHTE<br />

Ein Jude in der Wehrmacht<br />

„Ohne Hitler würde es mich nicht geben. Welches<br />

Gefühl ist für so einen Fall reserviert? Ich bin auf<br />

der Welt, weil meine norwegische Mutter sich in<br />

einen <strong>deutschen</strong> Besatzungssoldaten verliebt und<br />

ihr Gefühl auch zugelassen hat“, bekennt Randi<br />

Crott in ihrem bewegenden Buch. Mit Leidenschaft<br />

rekonstruiert sie den Lebensweg <strong>des</strong> ungewöhnlichen<br />

Paars. Er reicht von der Judenverfolgung<br />

in Deutschland – Helmut Crott war Halbjude<br />

und versteckte sich in der <strong>deutschen</strong> Wehrmacht<br />

vor der Deportation, jeden Tag mit Entdeckung<br />

rechnend – über die deutsche Besatzung in Norwegen<br />

bis hin zu den Problemen<br />

der Vergangenheitsbewältigung<br />

nach<br />

dem Krieg. br<br />

^ Lillian Crott Berthung,<br />

Randi Crott: „Erzähl es niemandem!<br />

Die Liebesgeschichte<br />

meiner Eltern“.<br />

DuMont, 280 S., 19,99 € (D)<br />

• 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

Karlheinz Rader:<br />

Das Paradies kehrt zurück<br />

Books on Demand, 222 S., 17,20 €<br />

ISBN 978-3-8448-8475-3<br />

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SACHBUCH_WIRTSCHAFT<br />

Von der Managergattin zur Arbeitslosen ohne Perspektive: Petra van Laak beschreibt<br />

in ihrem Buch „1 Frau, 4 Kinder, 0 Euro (fast)“ die Schattenseiten der Wohlstandsgesellschaft.<br />

„Man wird zur leichten Beute“<br />

INTERVIEW: ECKART BAIER<br />

Vor zehn Jahren lebten Sie mit Ihrem Mann<br />

und Ihren vier Kindern noch in einer Villa,<br />

dann brach Ihre bürgerliche Existenz plötzlich<br />

zusammen. Was war passiert?<br />

Petra van Laak: Wir wohnten dam<strong>als</strong> in<br />

einem schönen Haus mit großem Garten,<br />

lebten zwar nicht in Saus und Braus, Geld<br />

war aber nie ein Thema, weil einfach genug<br />

da war. Dann gerieten die Firmen meines<br />

ehemaligen Mannes in die Insolvenz. So<br />

zog es uns den Boden unter den Füßen weg.<br />

Wie ging es weiter?<br />

Ich war bereit, die Ärmel hochzukrempeln<br />

und die Sache gemeinsam durchzustehen.<br />

Mein Ex-Mann wollte in meinen Augen<br />

das Desaster nicht wahrhaben. Zwei Jahre<br />

bemühte ich mich, irgendwie Geld zu verdienen.<br />

Dann kam es schließlich zur<br />

Zwangsräumung der Villa, und unsere Ehe<br />

ging schließlich auch in die Brüche.<br />

Und Sie standen ohne Geld und Wohnung, dafür<br />

mit vier Kindern von drei bis neun Jahren da.<br />

Wir zogen in eine kleine Sozialwohnung<br />

und fühlten uns wie Flüchtlinge, die quasi<br />

bei null beginnen mussten. Und ständig<br />

ging es für mich nur darum, einen Job zu<br />

ergattern, um Geld zu verdienen.<br />

Warum hat das nicht geklappt?<br />

Weil ich zwar studiert hatte, doch die<br />

letzten Jahre ausschließlich <strong>als</strong> Hausfrau<br />

und Mutter gearbeitet hatte. Das würde ich<br />

heute niem<strong>als</strong> mehr so machen: aus dem<br />

Beruf vollständig aussteigen und mich fi -<br />

nanziell komplett abhängig machen.<br />

Wie erlebten Ihre Kinder die neue Situation?<br />

Der Auszug aus dem schönen Haus mit<br />

dem großen Garten war für sie schlimm und<br />

natürlich auch, dass die Eltern nicht mehr<br />

zusammenlebten. Ich hatte den Kindern erklärt,<br />

dass wir von nun an anders leben<br />

müssten, weil wir kein Geld mehr hätten. Im<br />

Urlaub wurde im Garten gezeltet, jeder Cent<br />

wurde zweimal rumgedreht. Das ist für<br />

© Hasselblad<br />

Petra van Laak: „Ich rannte permanent gegen die Wand“<br />

Hunderttausende in Deutschland normal<br />

und so war das dam<strong>als</strong> auch für uns.<br />

Wie lief die Jobsuche?<br />

Bei meinen Bewerbungen auf klassische<br />

Stellenanzeigen merkte ich schnell, dass<br />

ich keine Chance haben würde. Deshalb<br />

fi ng ich an, die klein gedruckten Stellenanzeigen<br />

zu lesen. Wenn man das tut, hat<br />

man eigentlich schon verloren.<br />

Was wird dort geboten?<br />

Es sind die Annoncen, in denen Leute für<br />

leichte Telefon-Tätigkeiten gesucht werden,<br />

Models für Hobby-Fotografen, Verkäufer<br />

von Zeitschriftenabos und solche Dinge.<br />

Das haben Sie alles gemacht?<br />

Ja. Eher absurd empfand ich ein Casting,<br />

Lesezeichen<br />

Petra van Laak: 1 Frau, 4 Kinder,<br />

0 Euro (fast). Wie ich es<br />

trotzdem geschafft habe. Droemer<br />

Knaur, 272 S., 14,99 € (D) •<br />

15,50 € (A) • 21,90 sFr.<br />

an dem ich teilnahm, wo Darsteller für TV-<br />

Reality-Shows gesucht wurden. Ganz übel<br />

dagegen war es bei einer Telefonmarketing-<br />

Firma. Die geforderten Quoten waren Irrsinn,<br />

nach dem zehnten Arbeitstag bekam<br />

ich von dem Stress Bauchschmerzen. Nach<br />

14 Tagen rechnete ich aus, dass ich nur 325<br />

Euro verdient hatte, woraufhin ich kündigte.<br />

Was war das Schlimmste an der Situation?<br />

Am schlimmsten war die Perspektivlosigkeit<br />

bei der Jobsuche. Ich rannte permanent<br />

gegen eine Wand, würde ewig Aufstockerin<br />

bleiben. Aber es gab auch Gutes: Meine vier<br />

Kinder und ich waren ein tolles Team. Sie<br />

waren sehr erfi nderisch, was Sparen anging,<br />

und unterstützten mich vorbildlich, <strong>als</strong> ich<br />

mich schließlich selbstständig machte.<br />

Was wollen Sie mit Ihrem Buch erreichen?<br />

Ich will beschreiben, wie schnell man in<br />

diesem Sumpf von Arbeits- und Perspektivlosigkeit<br />

versinken kann. Dagegen sind<br />

auch gut ausgebildete Leute aus der bürgerlichen<br />

Mittelschicht nicht gefeit. Und ich<br />

will zeigen, wie man bei der verzweifelten<br />

Suche nach Arbeit leichte Beute für skrupellose<br />

Menschen werden kann – und wie<br />

sehr wir doch oft unsere Kinder unterschätzen.<br />

Sie haben die Zeit heldenhaft mit mir<br />

durchgestanden. �<br />

74<br />

Zur Person<br />

Petra van Laak, geboren 1966, verbrachte<br />

ihre Kindheit in Nigeria, wo<br />

ihre Eltern <strong>als</strong> Entwicklungshelfer<br />

tätig waren. Sie studierte Kunstgeschichte<br />

und betreibt heute eine Kommunikations-<br />

und Werbeagentur in<br />

Potsdam, wo sie mit ihren vier Kindern<br />

lebt. 2010 gewann sie den Swiss<br />

Text Award und war zur Unternehmerin<br />

<strong>des</strong> Lan<strong>des</strong> Brandenburg 2011<br />

nominiert. www.text-vanlaak.de<br />

buchjournal 1/2012


Bleiben Sie<br />

entspannt<br />

Fotograph Clive Arrowsmith<br />

auf Blu-ray und DVD erhältlich<br />

www.klassikradio.de<br />

Klassik Hits<br />

Anna Netrebko, David Garrett,<br />

Rolando Villazón, Nigel Kennedy...<br />

Alle Stars der Klassik.<br />

Filmmusik<br />

Fluch der Karibik, Herr der Ringe,<br />

Avatar, King Kong, The Day After Tomorrow...<br />

Die größten Filmmusik Hits.<br />

Klassik Lounge<br />

Entspannen mit sanften Downbeats,<br />

gemixt von Europas besten DJs.<br />

Auch h über über DAB+ DAB


© privat<br />

Wir lesen<br />

Große Zeiten<br />

Viele Illustrationen und lebendige<br />

Berichte – mit Sachbüchern kann man in die<br />

spannende Welt der Geschichte reisen.<br />

Und sogar alte Spiele spielen.<br />

ÄGYPTEN ZUM FÜHLEN, RÄTSELN UND SPIELEN<br />

Königin mit Bart<br />

Maya Zell (13)<br />

staunt, dass die<br />

alten Ägypter<br />

so viele Götter<br />

angebetet haben<br />

Die Pharaonen trugen einen künstlichen Bart <strong>als</strong><br />

Zeichen ihrer Macht – und einmal hat es sogar<br />

eine Frau geschafft, den Thron zu besteigen<br />

und das Land 22 Jahre zu regieren. Das war<br />

Hatschepsut, die sich dann auch einen solchen<br />

Bart umgebunden hat! Nicht nur über Könige<br />

erfährt man viel in dem Buch, auch über ihre<br />

Untertanen. Zum Beispiel gaben Eltern ihren<br />

Kindern so schöne Vornamen wie „Es ist ein<br />

Glück für mich“. Und sie kannten 40 Brotsorten,<br />

und Mistkäfer waren heilig für<br />

sie. Das Besondere an dem<br />

Buch ist, dass es viele Spielereien<br />

bietet. Da gibt es Effekte,<br />

Klappen und eine<br />

Schiebetafel, mit der man<br />

Hieroglyphen selbst übersetzen<br />

kann. Das dam<strong>als</strong> beliebte<br />

Brettspiel „Senet“ kann auch nachgespielt<br />

werden, es ähnelt unserem „Mensch<br />

ärgere dich nicht“. In diese fremdartige Welt<br />

einzutauchen hat mir Spaß gemacht.<br />

^ Susanne Rebscher: „Ägypten. Reich der Pharaonen“.<br />

Loewe, 32 S., 24,90 € (D) • 25,60 € (A) • 37,90 sFr.<br />

© Astrid Schlag<br />

DIE ENTSTEHUNG DER WELT<br />

Zeitreise zum Anfang<br />

Wer hat schon einmal Hieroglyphen übersetzt? Mithilfe<br />

neuer Sachbücher klappt das ganz gut<br />

Der Androide XaphoX, der mit seinem Raumschiff Hermes die Erde<br />

durch die Geschichte von der feurigen Kugel aus Sternenstaub zum<br />

Blauen Planeten begleitet, steht im Fokus <strong>des</strong> Buchs. XaphoX berichtet<br />

einem intergalaktischen Reisebüro von seinen Studien. Das Buch ver-<br />

Julian van Endert (15)<br />

wendet diesen Plot, um die Fakten und Erkenntnisse der Evolution, der<br />

rät zur Reise durch<br />

Physik, Chemie, Geologie und Biologie anschaulich zu erzählen. Und viele Wissensgebiete<br />

die Geschichte von XaphoX sorgt vom Titel bis zur letzten<br />

Seite für Lesefl uss und Spaß. Man merkt, dass der Wissenschaftsjournalist<br />

Gerd Schneider eindeutig weiß, wovon er schreibt, denn er hat lange Zeit für<br />

verschiedene naturwissenschaftliche Fachzeitschriften gearbeitet.<br />

SPANNENDE EXPEDITIONEN<br />

^ Gerd Schneider: „Von einem, der auszog, die Welt zu verstehen, und bis zum Aben<strong>des</strong>sen<br />

wieder zurück sein wollte“. Arena, 272 S., 22,– € (D) • 22,70 € (A) • 31,90 sFr.<br />

Mit 317 Schiffen lossegeln<br />

Habt ihr schon mal was von Zheng He gehört? Vor rund 600 Jahren war er<br />

der Kommandant der chinesischen Schatzfl otte, die der Kaiser mit Seide und<br />

Porzellan an Bord nach Indien ausgeschickt hatte, um dort Handel zu treiben.<br />

Die Flotte umfasste unglaubliche 317 Schiffe und 27 000 Männer.<br />

Von dieser und 13 anderen spannenden Expeditionen erzählt das<br />

Buch, und damit man sich alles gut vorstellen kann, gibt es viele detailreiche<br />

Zeichnungen und Landkarten zum Ausklappen. Ein schönes Buch<br />

zum Schmökern für geschichtsinteressierte Leseratten! Und ein Poster<br />

aus dem Buch habe ich mir an die Wand gehängt.<br />

Adrian Finke (10)<br />

mag Entdeckungen<br />

^ Stewart Ross, Stephen Biesty (Ill.): „Große Entdecker. Wagemutige Reisen von<br />

der Tiefsee bis ins All“. Gerstenberg, 96 S., mit zwölf Ausklapppostern und Landkarte<br />

<strong>als</strong> Schutzumschlag, 19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr.<br />

76<br />

buchjournal 1/2012<br />

© Tobias Helbig<br />

© Sabine Schwietert


© Anke Kuhl<br />

buchjournal 1/2012 77<br />

LeseLotse<br />

Bestes aus dem Büchermeer für Kids Die LeseLotse-Jury empfi ehlt neue Bücher<br />

BILDERBUCH<br />

KINDERBUCH<br />

JUGENDBUCH<br />

FÄLLT AUS DEM RAHMEN<br />

COMIC<br />

Der Bär und der Fremdling<br />

Etwas Blaues fl attert um den Kopf <strong>des</strong><br />

Bären. Vielleicht ein Außerirdischer, der<br />

ihn entführen will? Eine zauberhafte Waldgeschichte<br />

voller Spannung und Poesie.<br />

^ Sebastian Meschenmoser: „Herr Eichhorn und<br />

der Besucher vom blauen Planeten“. Esslinger,<br />

64 S., 9,95 € (D) • 10,30 € (A) • 14,90 sFr., ab 4<br />

(Vor-)Lese-Schatz<br />

Endlich ist dieser norwegische Kinderbuchklassiker<br />

um Trottelpups, den Zwiebackfuchs,<br />

Oktavia und den unheimlichen<br />

Grottenschniefer auch bei uns erhältlich.<br />

^ Rune Belsvik, Bernhard Oberdieck: „Vom<br />

kleinen Land am Bach“. Gerstenberg, 256 S.,<br />

14,95 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr., ab 8<br />

Freundinnen<br />

Drei Schwestern in den Niederlanden der<br />

1930er Jahre und ein deutsches Mädchen, das<br />

sich verstecken muss – der zweite Teil der<br />

eindrücklich schön erzählten Familiensaga.<br />

^ Benny Lindelauf: „Unsere goldene Zukunft“.<br />

Bloomsbury, 464 S., 16,90 € (D) • 17,40 € (A) •<br />

24,50 sFr., ab 12<br />

Geheimnisvolle Nacht<br />

Der Wolf öffnet seine Augen, der Uhu fl iegt<br />

davon – ein sonderbares Geräusch hat die<br />

Tiere <strong>des</strong> Wal<strong>des</strong> aufgeschreckt. Da enthüllt die Vollmondnacht<br />

ihr Geheimnis! Die aufwendige Stanztechnik der<br />

Bilder erinnert an Scherenschnitte und verwandelt das<br />

Buch in eine hinreißende Kostbarkeit.<br />

^ Antoine Guilloppé: „Bei Vollmond“. Knesebeck, 4o S.,<br />

19,95 € (D) • 20,60 € (A) • 28,50 sFr., ab 4<br />

Weltraumgeschichte<br />

1957 wurde die Hündin Laika in dem<br />

Satelliten Sputnik II ins All geschossen,<br />

nach nur fünf Stunden war sie tot. Die fesselnde<br />

Graphic Novel ist akribisch recherchiert<br />

und abwechslungsreich gestaltet.<br />

^ Nick Abadzis: „Laika“. Atrium, 208 S.,<br />

20,– € (D) • 20,60 € (A) • 28,90 sFr., ab 14<br />

Zum Einschlafen schön<br />

Funktioniert eine Einschlafgeschichte<br />

mit Ungeheuern? Ja, wenn sie so intelligent,<br />

lustig und originell daherkommt<br />

wie diese …<br />

^ Amanda Noll, Howard McWilliam:<br />

„Ich brauche mein Monster“. Lappan, 32 S.,<br />

12,95 € (D) • 13,40 € (A) • 20,50 sFr., ab 4<br />

Pferd oder Fahrrad?<br />

Schräg, schwarzhumorig, abenteuerlich:<br />

Fennymore sucht nach seinen Eltern – und<br />

wird unterstützt von seinem Fahrrad, das<br />

sich für ein Pferd hält. Purer Lesespaß!<br />

^ Kirsten Reinhardt: „Fennymores Reise oder<br />

Wie man Dackel im Salzmantel macht“. Carlsen,<br />

144 S., 11,90 € (D) • 12,30 € (A) • 16,50 sFr., ab 9<br />

Rasanter Thriller<br />

Nie mehr will Klaus <strong>als</strong> Verlierer abgestempelt<br />

werden – er muss nur bei den richtigen<br />

Leuten andocken. Doch dann kommt der<br />

Junge um, der ihm helfen sollte.<br />

^ Harald Rosenløw Eeg: „Caulfi eld“.<br />

Gerstenberg, 224 S., 14,95 € (D) • 15,40 € (A) •<br />

21,90 sFr., ab 14<br />

Die Jury<br />

Stefan Hauck <strong>Börsenblatt</strong>-Redakteur,<br />

Mitglied in verschiedenen Jurys<br />

Verena Hoenig Kulturjournalistin und<br />

Kinderliteratur-Expertin<br />

Katrin Maschke Buchhändlerin in München<br />

Ralf Schweikart Journalist und Literaturkritiker<br />

Fantastisch<br />

Dieser opulente, tiefsinnige Roman in Bildern<br />

erzählt von Terror, Freiheitsentzug<br />

und der Macht der Träume. Düster, poetisch<br />

und eindringlich – ein Meisterwerk.<br />

^ Carl Norac, Stéphane Poulin: „Im Land der<br />

verlorenen Erinnerung“. Jacoby & Stuart, 128 S.,<br />

24,– € (D) • 24,70 € (A) • 34,50 sFr., ab 14


KINDER- UND JUGENDBUCH_FANTASY<br />

Sie hat ein Faible für Halloween,<br />

und so hängt in Janine Wilks<br />

Arbeitszimmer schon mal ein<br />

Skelett an der Decke. Eine<br />

Begegnung mit der Jugendbuch-<br />

Autorin, die Grusel und düstere<br />

Geheimnisse liebt.<br />

Dämonen-<br />

Jägerin<br />

TEXT: SABINE SCHMIDT<br />

Z um<br />

Buchjournal-Gespräch hat sie ihre<br />

venezianische Maske mitgebracht. „Sie<br />

hat auf meinem Schreibtisch gelegen, <strong>als</strong><br />

ich ‚Die Schattenträumerin‘ geschrieben<br />

habe“, sagt Janine Wilk. Die Maske, zudem<br />

ein Venedig-Poster, eine kleine Gondel und<br />

ein Foto, das sie selbst bei ihrem letzten Besuch<br />

im vergangenen Sommer in der Lagunenstadt<br />

aufgenommen hat – von all diesen<br />

Dingen hat sie sich in das dunkle, geheimnisvolle<br />

Venedig ihres neuen Jugendromans<br />

hineinziehen lassen: ein Venedig voller<br />

Schatten, Flüche und Dämonen.<br />

Sie taucht buchstäblich ab in ihre Schreib-<br />

und Fantasiewelten. Musik gehört dazu, bei<br />

der „Schattenträumerin“ war es der Soundtrack<br />

von „Elizabeth – The Golden Age“ von<br />

Craig Armstrong. Und sie dekoriert ihr Arbeitszimmer.<br />

Als sie ihren ersten Kinderroman<br />

schrieb – „Lilith Parker“, in dem es<br />

um eine gruselig-geheimnisvolle Insel geht,<br />

auf der das ganze Jahr Halloween ist –, baumelte<br />

ein Skelett von der Decke ihres Arbeitszimmers,<br />

und dazu gab es jede Menge<br />

andere Toten- und Zombie-Deko.<br />

Janine Wilk schreibt schon lange, aber<br />

„Lilith Parker“ war ihr erster Erfolg. „Mehr<br />

<strong>als</strong> zehn Jahre habe ich versucht, Buchverträge<br />

zu bekommen. Ich wollte schon aufgeben<br />

und mich ausschließlich mit Klavierspielen<br />

befassen.“ Musik, das war die<br />

erste Leidenschaft der Autorin, die Tochter<br />

Janine Wilk: Mit der goldenen Maske ist sie in ihrer Fantasie nach Venedig gereist<br />

eines Musikers und einer Künstlerin ist.<br />

Und <strong>als</strong> Klavierlehrerin hat sie sich ihren<br />

Lebensunterhalt verdient, nicht zuletzt<br />

während sie Bibliotheks- und Informatikwesen<br />

studierte.<br />

Ihren ersten Roman „Sex und andere<br />

Peinlichkeiten“ konnte sie 2006 in einem<br />

Kleinverlag (Lerato) veröffentlichen; und<br />

sie belegte beim Wettbewerb der Zeitschrift<br />

„KulturSpiegel“ zur Wahl <strong>des</strong> Nachwuchsautors<br />

2009 den zweiten Platz im<br />

Hamburger Vorentscheid. Aber ihre Hoffnungen<br />

auf eine Schriftstellerkarriere erfüllten<br />

sich erst, <strong>als</strong> sie die Idee zu „Lilith<br />

Parker“ entwickelte – die spannende, aber<br />

auch witzige Gruselgeschichte um die<br />

13-jährige Lilith und die Halloween-Insel.<br />

Band zwei der auf mehrere Bände angelegten<br />

Serie ist im Manuskript schon fertig<br />

und wird im Herbst erscheinen. Zwischen<br />

den beiden Bänden hat sich Janine Wilk<br />

auf ihren Einzelband für etwas ältere Leserinnen<br />

konzentriert: „Die Schattenträumerin“.<br />

In dieser Geschichte verbringt die<br />

13-jährige Francesca ein paar Ferientage bei<br />

ihrer Großmutter im winterlichen Venedig.<br />

Dabei kommt sie einem jahrhundertealten<br />

Fluch auf die Spur, der auf ihrer Familie –<br />

einem (fiktiven) venezianischen Zweig der<br />

Medici – und Venedig lastet. Um ihn zu<br />

brechen, muss Francesca einen furchterregenden,<br />

mächtigen Dämon und ein böses,<br />

altes Buch bekämpfen.<br />

Neben den drei Jugendgeschichten – zwei<br />

Bände „Lilith Parker“ und „Die Schattenträumerin“<br />

– hat Janine Wilk einen Frauenroman<br />

geschrieben: „Der Märchenprinz<br />

2.0“, der im Juni erscheinen wird (bei<br />

Zur Person<br />

Janine Wilk, geboren 1977 <strong>als</strong> Tochter eines Musikers<br />

und einer Malerin in Mühlacker, schrieb schon<br />

<strong>als</strong> Kind ihre ersten Geschichten. Mit Anfang 20<br />

begann sie mit der Arbeit an ihrem ersten Buch und<br />

schon bald folgten die ersten Veröffentlichungen im<br />

Bereich Lyrik und Kurzprosa. Janine Wilk lebt mit<br />

ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Nähe<br />

von Heilbronn.<br />

78<br />

buchjournal 1/2012<br />

© Terzo Algeri/ Fotoatelier M


Schwarzkopf & Schwarzkopf ). „Zwischendurch<br />

habe ich es gebraucht, mich nicht in<br />

13-jährige Mädchen, sondern in eine erwachsene<br />

Frau hineinzudenken“, sagt die<br />

34-jährige Autorin lächelnd. Kurzgeschichten<br />

und Erzählungen würde sie auch gern<br />

weiterhin für Erwachsene schreiben. Ihr<br />

Herz schlägt aber vor allem für fantastische<br />

Kinder- und Jugendromane, und auf sie will<br />

sie sich in Zukunft konzentrieren.<br />

Sich auf junge Leser einzustellen fällt ihr<br />

nicht schwer. „Ich kann mich noch sehr<br />

gut daran erinnern, wie ich mich selbst mit<br />

zwölf oder 13 gefühlt habe. Dass mir alles<br />

Mögliche nicht gepasst hat und ich ganz<br />

schnell älter werden wollte, um selbst bestimmen<br />

zu können.“ Aber auch <strong>als</strong> Klavierlehrerin<br />

ist sie Kinderwelten sehr nahe<br />

gekommen. „Manchmal haben meine jüngeren<br />

Schüler sich auf den Klavierstuhl gesetzt<br />

und gesagt: ‚Frau Wilk, ich habe ein<br />

Problem‘, und dann haben wir geredet und<br />

nur am Ende der Stunde noch ein bisschen<br />

geübt.“ Zudem hat Janine Wilk eigene Kinder,<br />

13-jährige Zwillingsjungs, mit denen<br />

sie Kindheit intensiv erlebt.<br />

Auch<br />

<strong>als</strong> Hörbuch<br />

erhältlich<br />

Mehr Infos unter:<br />

buchjournal 1/2012 79<br />

www.boje-verlag.de<br />

Vor zwei Jahren, <strong>als</strong> die Buchverträge kamen,<br />

hat sie den Klavierunterricht eingestellt.<br />

Traurig, weil sie den Kontakt zu ihren<br />

Schülern aufgeben musste. Aber auch<br />

glücklich, weil sich ihr großer Traum,<br />

Autorin zu werden, zu verwirklichen<br />

schien. Sie hat sich hineingekniet, <strong>als</strong> es da-<br />

Lesezeichen<br />

j<br />

1. Janine Wilk: Lilith Parker. Insel der Schatten. Planet<br />

Girl, 368 S., 14,95 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr., ab 10<br />

2. Janine Wilk: Die Schattenträumerin. Planet Girl,<br />

384 S., 14,95 € (D) • 15,40 € (A) • 21,90 sFr., ab 12<br />

3. Janine Wilk: Die Schattenträumerin. Gelesen von<br />

Cathlen Gawlich. Der Audio Verlag, 16,99 € (D) •<br />

17,20 € (A) • 25,90 sFr. Erscheint am 1. März<br />

Buch ISBN 978-3-414-82322-9 | € 12,99 [D] / € 13,40 [A] / sFr 18,90 (UVP)<br />

Audio ISBN 978-3-7857-4627-51 | € 16,99 [D] [A] / sFr 25,90 (UVP)<br />

rum ging, diesen Traum zu leben, hat vier<br />

Bücher in nur zwei Jahren geschrieben und<br />

im letzten Jahr kaum noch Freunde getroffen,<br />

weil ihr die Zeit dafür fehlte. Sie recherchiert<br />

viel – sie achtet auf Details, in ihrer<br />

Venedig-Geschichte ist dann auch jede Brücke<br />

am richtigen Platz. Dann lässt sie sich in<br />

ihre Schreibprozesse hineinfallen. Jetzt will<br />

sie zudem Schauspielunterricht nehmen,<br />

um bei Lesungen eine gute Performance abzuliefern<br />

und mit unterschiedlichen Stimmen<br />

reden zu können. Und um sich das<br />

überhaupt zu trauen – Lampenfi eber war<br />

schon für die Klavierspielerin ein Problem<br />

und ist es für die Autorin geblieben.<br />

Sie nimmt es mit Humor und geht die<br />

Herausforderungen an. Ihr Arbeitspensum<br />

will sie zwar etwas herunterschrauben. Aber<br />

Band drei von „Lilith Parker“ steht an, und<br />

Janine Wilk hat viele weitere Ideen für fantastische<br />

Welten. Vielleicht wird sie tatsächlich<br />

etwas weniger schreiben. Aber nicht<br />

weniger begeistert – hinter jedem Wort und<br />

jeder Geste ist die Freude zu spüren, die sie<br />

an ihren Figuren und Geschichten hat. Und<br />

am Geheimnisvollen, Gruseligen, in <strong>des</strong>sen<br />

Bann sie sich gern ziehen lässt. �<br />

Auch<br />

<strong>als</strong> Hörbuch<br />

erhältlich<br />

Mehr Infos unter: www.baumhaus-verlag.de<br />

Buch ISBN 978-3-8339-0068-6 | € 9,99 [D] / € 10,30 [A] / sFr 14,90 (UVP) | Erscheint im März 2012<br />

Audio ISBN 978-3-7857-4629-5 | € 9,99 [D] [A] / sFr 15,90 (UVP) | Erscheint im März 2012<br />

BAUMHAUS


Große Augen<br />

und kleine<br />

Ohren.<br />

Dritte<br />

ISBN: 978-3-86615-972-3 ISBN: 978-3-86615-971-6<br />

ISBN: 978-3-86615-970-9<br />

Staffel<br />

Entdecken Sie die Welt der Bücher<br />

gemeinsam mit Ihren Kindern.<br />

Mit den drei neuen Titeln aus<br />

der Reihe SZ Junge Bibliothek<br />

„Bilderbücher zum Vorlesen“.<br />

Fantasievoll illustrierte Lieblingsbücher<br />

von ausgezeichneten<br />

Autoren – ausgewählt von der<br />

Kinder- und Jugendbuchredaktion<br />

der Süd<strong>deutschen</strong> Zeitung. Jetzt<br />

im Handel für nur 9,90 Euro<br />

pro Band.<br />

Lesestoff Kinder- und Jugendbuch<br />

In der kalten Jahreszeit kann man nicht genug zum Lesen<br />

haben. Wir empfehlen kluge Bücher für (fast) je<strong>des</strong> Alter.<br />

© Peter Atkins / Fotolia<br />

Typen gibt’s ...<br />

AB 3 GEFÜHLSSCHULE<br />

Sich freuen und zornig sein<br />

20 Fische, und jeder in<br />

anderer Stimmung. Dem<br />

neugierigen Flossentier<br />

etwa springt der Erlebnishunger<br />

förmlich aus<br />

den Augen, das betrübte<br />

schippert lustlos durchs Wasser.<br />

Ein Fisch pro Emotion – die Buch idee ist genial.<br />

Vor schwarzem Hintergrund leuchten die Schuppenträger<br />

um die Wette, ein eingängiges Kunstwerk<br />

und ein leichter Einstieg, um mit Kindern<br />

über ihre Gefühle zu reden.<br />

^ Mies van Hout: „Heute bin ich“. Aracari, 48 S.,<br />

13,90 € (D) ∙ 14,30 € (A) ∙ 21,90 sFr.<br />

AB 4 TELESKOP-GESCHICHTE<br />

Dieses Buch wächst<br />

Was kann man aus einem Buch alles machen?<br />

Tobias Krejtschi fährt sein Bilderbuch „Wipfelwärts<br />

und Wurzelwärts“ auf satte 2,75 Meter aus:<br />

Da klettert der Wurzelwicht zur Baumkrone und<br />

der Wipfelwicht zur Erde, und beide treffen unterwegs<br />

allerhand Baumbewohner. Und wenn<br />

man das Leporello dreht, geht die ganze Geschichte<br />

weiter … Hier gehen<br />

Inhalt und Form<br />

eine wunderbare<br />

Liaison ein.<br />

^ Tobias Krejtschi: „Wipfelwärts und Wurzelwärts“.<br />

Peter Hammer, Leporello, 16,90 € (D) •<br />

17,40 € (A) • 24,90 sFr.<br />

AB 4 MÄRCHEN<br />

In der Kürze liegt die Würze<br />

160 Zeichen reichen, um ein Märchen<br />

zu erzählen: Fabian Negrin<br />

kombiniert wundervolle Scherenschnitte<br />

mit 13 knappen Texten,<br />

die kleine Leser rasch weiterspinnen.<br />

Wer ein schönes Minimärchen<br />

erfi ndet und an den Verlag<br />

simst, bekommt ein 14. Negrin-Märchen auf<br />

sein Handy – und der eigene Text wird auf der Verlagshomepage<br />

und auf Facebook präsentiert.<br />

^ Fabian Negrin: „SMS Märchen. Grimm & Co. in<br />

160 Zeichen“. Mixtvision, 28 S., 13,90 € (D) •<br />

14,30 € (A) • 20,50 sFr.<br />

AB 8 POLARTIERE<br />

Verblüffende Fakten<br />

Kaum zu glauben, dass sich jemand bei minus<br />

20 Grad wohlfühlen kann. Aber Polartiere sind<br />

dabei sogar noch guter Dinge. Rentiere verstellen<br />

ihre Nasenlöcher, damit die Luft nicht so eisig in<br />

den Lungen landet, auch Lemminge, der Vielfraß<br />

oder Schnee-Eulen wappnen sich gegen die Kälte.<br />

Zwölf der besten Hörbuchsprecher präsentie-<br />

80<br />

TEXT: STEFAN HAUCK, VERENA HOENIG<br />

buchjournal 1/2012


j<br />

ren mit Schalk in der Stimme<br />

23 Tierporträts: Wie komisch<br />

sich Polartiere aus menschlicher<br />

Sicht manchmal verhalten!<br />

Der Zuhörer lacht<br />

sich schlapp und wird<br />

auch noch schlau.<br />

^ Bibi Dumon Tak: „Eisbär, Elch und Eule. Von<br />

Schnee- und Eisbewohnern“. Gesprochen von Patrick<br />

Bach, Andreas Fröhlich u. a. Oetinger Audio, 2 CDs,<br />

Laufzeit 150 Min., 13,95 € (D) • 14,10 € (A) • 20,90 sFr.<br />

AB 9 KUNST FÜR KINDER<br />

Haargenau<br />

Mona Horncastle komprimiert<br />

komplexe Zusammenhänge und<br />

reduziert Dürers Vita auf wesentliche<br />

Fakten, sodass die Bedeutung<br />

<strong>des</strong> Künstlers leicht nachvollziehbar<br />

wird: So realistisch<br />

malte er, dass man die Haare fast<br />

fühlen kann. Mit beschwingtem<br />

Strich schafft Barbara Yelin Episodencomics, die<br />

im Zusammenspiel mit den Reproduktionen von<br />

Dürers Gemälden Einblicke in die Welt der<br />

Renaissance geben.<br />

^ Mona Horncastle, Barbara Yelin (Ill.):<br />

„Kunst-Comic Albrecht Dürer“. Prestel, 48 S.,<br />

14,99 € (D) • 15,50 € (A) • 21,90 sFr.<br />

AB 11 VIKTORIANISCHES<br />

Skurriles Personal<br />

Zähnefl etschende Kreaturen, die an Schuhen<br />

nagen und den Mond anheulen: Die Kinder, die die<br />

junge Penelope erziehen soll, wurden im Wald<br />

ausgesetzt und anscheinend von Wölfen aufgezogen.<br />

Als das feinfühlige Mädchen, das Ponys und<br />

Gedichte liebt, feststellt, dass ihre Arbeitgeber gar<br />

nicht das Wohl ihrer Schützlinge im Blick haben,<br />

wächst sie über sich hinaus ... Der spannende<br />

Schmöker greift Motive<br />

aus „Jane Eyre“ und „Mary Poppins“<br />

auf.<br />

^ Maryrose Wood: „Das Geheimnis<br />

von Ashton Place. Aller Anfang<br />

ist wild“. Thienemann, 304 S.,<br />

12,95 € (D) • 13,40 € (A) • 18,90 sFr.<br />

AB 11 SELBSTFINDUNG<br />

Tolle Typen wie wir!<br />

Während der eine <strong>als</strong> Sportskanone hervorsticht,<br />

ist der andere eher der chaotisch-kreative Typ.<br />

buchjournal 1/2012 81<br />

Irgendein Talent hat jeder Junge,<br />

aber gut möglich, dass er<br />

seine persönliche Stärke bisher<br />

nicht aufgespürt hat. Abhilfe<br />

schafft Kinderpsychologe Khaschei<br />

in diesem Testbuch durch<br />

Fragen wie: Bin ich ein guter<br />

Freund? Wie überlebe ich die Schule? Oder: Wie<br />

wirke ich eigentlich auf andere? Darüber hinaus<br />

begleitet die Figur Härri den Leser, es gibt eine<br />

Menge Tipps zur Typ-Optimierung und Cartoons.<br />

^ Karsten Khaschei, Max Fiedler (Ill.): „Cooler<br />

Typ?! Das ultimative Testbuch für Jungs“. Oetinger,<br />

144 S., 9,95 € (D) • 10,30 € (A) • 14,90 sFr sFr.<br />

AB 12 TAGEBUCH<br />

Katastrophenjahre<br />

Als Timm unerwartet stirbt, ist die 13-jährige Mitschülerin<br />

Moni schockiert. Wie Timm fühlt sie sich<br />

oft unsichtbar, beginnt, ihm in ihrem Tagebuch zu<br />

schreiben und aus ihrem Leben zu erzählen, von<br />

ihrer Unsicherheit, permanenten Gefühlsverwirrungen<br />

und Jungs. Moni ist schüchtern, aber klug,<br />

kann peinliche Erlebnisse leicht abhaken und sammelt<br />

neuen Mut. In diesem locker illustrierten Tagebuch<br />

fi nden sich Mädchen wieder<br />

und fühlen sich verstanden –<br />

ein B<strong>als</strong>am für geschundene<br />

Teenagerherzen.<br />

^ Sylvia Gelinek, Jana Moskito (Ill.):<br />

„13, verliebt, unsichtbar“. Herzklopfen<br />

und so, 200 S., 12,95 € (D) • 13,40 € (A) •<br />

18,90 sFr.<br />

AB 14 1945<br />

Die Wahrheit ist ganz anders<br />

Els Beerten zeigt, wie sich der Alltag von Jugendlichen<br />

im besetzten Belgien verändert: Wie Ward<br />

glaubt, handeln und kämpfen zu müssen, wie er<br />

an der Front verheizt und nach Kriegsende <strong>als</strong> Verräter<br />

angeklagt wird. Wie sein Freund Jef sich danach<br />

sehnt, ein Held zu sein, und wider Willen<br />

einer wird. Wie <strong>des</strong>sen Schwester sich von ihrer<br />

Liebe zu Ward löst. Beerten baut grandios Spannungskurven<br />

auf, lässt den Leser zwischen den<br />

Perspektiven und Gefühlen der Jugendlichen hin<br />

und her pendeln, sodass es immer schwerer wird,<br />

gut und böse zu unterscheiden: Letztlich ist<br />

die Wahrheit eine ganz andere,<br />

<strong>als</strong> die Protagonisten zu<br />

erkennen glauben.<br />

^ Els Beerten: „Als gäbe es einen<br />

Himmel“. FJB, 624 S., 19,95 € (D) •<br />

20,60 € (A) • 28,50 sFr.<br />

Kinder<br />

entdecken<br />

die Welt!<br />

200 spannende Länder<br />

in einem Buch.<br />

Für Eltern verboten:<br />

Eine cool verrückte<br />

Weltreise<br />

Reise/Kinderbuch, Hardcover,<br />

208 Seiten, 1800 Fotos, 30,5 × 23 cm,<br />

€ 24,95 (D), € 25,70 (A), sFr 35,50 (CH)<br />

glcons<br />

www.nationalgeographic.de


SCHULE_LITERATUR<br />

Das Angebot an Lektürehilfen für den Deutschunterricht ist stattlich. Es reicht vom<br />

kompakten Überblick bis zum fundierten Hintergrundwissen.<br />

Kleine Helfer<br />

für große Werke<br />

TEXT: STEPHAN EPPINGER<br />

© Ke Yu<br />

Wer sich im Alltag mit der 160-Zeichen-Kommunikation<br />

per SMS zufriedengibt,<br />

kann bei der Interpretation<br />

von Schillers „Wallenstein“ schon mal an<br />

Grenzen stoßen – umso nützlicher erweisen<br />

sich die zahlreichen Lektürehilfen für<br />

den Deutschunterricht.<br />

Zu den Klassikern gehören Königs Erläuterungen<br />

aus dem Bange Verlag, die inhaltlich<br />

und im Layout komplett überarbeitet<br />

wurden. Die Ausgabe zu Dürrenmatts „Die<br />

Physiker“ etwa überzeugt durch das gut<br />

strukturierte, zweifarbige Layout. Praktisch<br />

sind der schnelle Überblick <strong>als</strong> Einstieg<br />

und die Zusammenfassung zu Beginn<br />

je<strong>des</strong> Kapitels. Inhaltlich bietet der Band<br />

eine Textanalyse und Interpretationsansätze.<br />

Dazu kommen Infos zur Rezeptionsgeschichte,<br />

Materialien und Prüfungsaufgaben<br />

inklusive Musterlösungen.<br />

Lesezeichen<br />

Gut vorbereitet:<br />

Mit der richtigen<br />

Lektürehilfe ist<br />

die Abitur prüfung<br />

ein Kinderspiel<br />

1. Textanalyse und Interpretation zu Friedrich Dürrenmatt.<br />

Die Physiker. Bange, 128 S., 7,90 € (D) •<br />

8,20 € (A) • 12,50 sFr.<br />

2. Friedrich Dürrenmatt: Interpretationshilfe<br />

Deutsch. Die Physiker. Stark, 114 S., 5,95 € (D) •<br />

6,20 € (A) • 8,20 sFr.<br />

3. Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker. Oldenbourg<br />

Interpretationen, 116 S., 13,50 € (D) • 13,90 € (A) •<br />

22,10 sFr.<br />

Ebenfalls ein Klassiker sind die Lektüreschlüssel<br />

von Reclam. Sie sind handlich<br />

und mit drei Euro unschlagbar günstig. Die<br />

Ausgabe zu den „Physikern“ umfasst eine<br />

Übersicht zu Autor, Inhalt und Interpretationsansätzen.<br />

Positiv sind Info-Kästen mit<br />

Stichwörtern. Eine Checkliste sorgt zudem<br />

dafür, dass kein wichtiger Aspekt bei der Interpretation<br />

übersehen wird.<br />

Den schnellen Überblick über eine Lektüre<br />

bieten auch die Interpretationen aus<br />

dem Stark Verlag. Darin fi ndet sich bei den<br />

„Physikern“ der historische Hintergrund<br />

<strong>des</strong> Kalten Krieges ebenso wie weitere Einfl<br />

üsse, die Dürrenmatts Werk bestimmt<br />

haben. Danach folgt eine systematische Interpretation,<br />

die den Fokus auf Schlüsselstellen<br />

legt. Fotos lockern das Layout auf<br />

und übersichtliche Schaubilder erweisen<br />

sich <strong>als</strong> praktische Helfer.<br />

Einen anderen Ansatz verfolgt die Basis-<br />

Bibliothek von Suhrkamp zum Preis von<br />

acht Euro. Sie verbindet den Originaltext<br />

mit wissenschaftlich fundierten Kommentaren,<br />

die aber dennoch gut verständlich<br />

sind. Außerdem umfasst der Kommentarteil<br />

eine Zeittafel sowie die Entstehungs-,<br />

Text- und Wirkungsgeschichte. Dazu kommen<br />

zu einzelnen Themen Deutungsansätze<br />

sowie Wort- und Sacherklärungen.<br />

Als Edition mit Materialien verstehen<br />

sich die Textausgaben <strong>des</strong> Klett Verlags. Sie<br />

bieten weniger Interpretationshilfen an,<br />

enthalten aber wichtige Texte, die das Verständnis<br />

einer Lektüre erschließen können.<br />

Bei Georg Büchners „Dantons Tod“ gehören<br />

dazu beispielsweise Informationen zur<br />

Französischen Revolution und die historische<br />

Figur <strong>des</strong> Danton. Preis: 6,50 Euro.<br />

Tiefgehende Informationen liefern die Interpretationen<br />

von Oldenbourg, die sich in<br />

erster Linie an Lehrkräfte und Studierende<br />

wenden, die aber auch Schülern wichtige Informationen<br />

bieten können. Hier wird weniger<br />

Wert auf die schnelle Übersicht <strong>als</strong> auf<br />

wissenschaftlich fundierte Informationen<br />

gelegt. Gezielt an Schüler richtet sich dagegen<br />

der Textnavigator von Oldenbourg, der<br />

kurz, übersichtlich und lesefreundlich die<br />

wichtigsten Informationen zum Inhalt und<br />

zur Interpretation von Lektüren zusammenfasst.<br />

Dazu zählen auch Abituraufgaben<br />

inklusive Lösungsvorschlägen. �<br />

82<br />

buchjournal 1/2012


© Marc Eckardt<br />

Schnell, schneller, Henssler!<br />

Nur wenige Minuten in der Küche wirbeln, und schon duftet es nicht nur verheißungsvoll,<br />

es schmeckt auch lecker – alles ganz easy mit Steffen Hensslers neuen Rezepten.<br />

Raffi niert und alltagstauglich:<br />

In seinem neuen Kochbuch<br />

begeistert der beliebte<br />

und erfolgreiche Fernsehkoch<br />

mit 110 superschnellen<br />

Rezeptideen. Ob fürs After-Work-Dinner,<br />

zum Freunde beeindrucken oder<br />

für den romantischen Abend zu zweit,<br />

Steffen Henssler zaubert in 10, 15, 20<br />

oder 25 Minuten geniale Express-Gerichte<br />

auf den Tisch, die garantiert<br />

schmecken!<br />

buchjournal 1/2012 83<br />

Steffen Henssler:<br />

Starkoch mit<br />

Bodenhaftung<br />

Rezepte mit dem besonderen Kick:<br />

Von Schoko-Bananen-Frühlingsrollen<br />

zu Limetten Pasta, Garnelenpfanne<br />

Caipirinha, Süßkartoffel-Orangensuppe,<br />

Chili Teriyaki-Burger und Kürbiscurry -<br />

inspiriert von den Aromen <strong>des</strong> Mittelmeers,<br />

Indiens oder Kaliforniens sorgen<br />

seine Gerichte für Spaß und Abwechslung<br />

in der Küche. Dazu gibt‘s tolle<br />

Fotos und ein trendiges Layout! Keines<br />

der Gerichte benötigt dabei mehr <strong>als</strong> 25<br />

Minuten Zubereitungszeit!<br />

Steffen Henssler, gebürtiger Schwarzwälder, wurde in einem Sternelokal zum<br />

Koch ausgebildet und besuchte die renommierte California Sushi Academy in Los<br />

Angeles, die er <strong>als</strong> erster Deutscher mit Bestnote abschloss. 2001 eröffnete er in<br />

Hamburg gemeinsam mit seinem Vater das Restaurant Henssler Henssler, 2009<br />

folgte das Ono. Seit 2004 ist Henssler regelmäßig Gast in TV-Shows wie „Die<br />

Küchenschlacht“ oder „Lanz kocht“. Seit August 2010 moderiert er das Koch-Quiz<br />

„Topfgeldjäger“ im ZDF.<br />

ANZEIGE<br />

2 Personen: 6 Stangen grüner Spargel<br />

• 8 küchenfertige Garnelen, ohne Kopf<br />

und Schale • 3 EL Olivenöl • 1 TL brauner<br />

Zucker • 2 EL weißer Rum • Saft von<br />

½ Limette • ½ Bund Schnittlauch • Salz,<br />

Pfeffer. Zubereitungszeit: 10 Minuten<br />

Vom Spargel holzige Enden abschneiden<br />

und schräg in dünne Scheiben<br />

schneiden. Garnelen klein schneiden.<br />

Öl in einer Pfanne erhitzen und die<br />

Garnelen darin anbraten. Spargelscheiben<br />

dazugeben und etwa 4 Minuten<br />

mitbraten.Braunen Zucker<br />

darüberstreuen und karamellisieren<br />

lassen. Mit weißem Rum und Limettensaft<br />

ablöschen. Schnittlauch grob<br />

hacken und untermischen. Mit Salz<br />

und Pfeffer würzen. Auf Teller verteilen<br />

und sofort servieren.<br />

Steffen Henssler:<br />

Schnell, schneller,<br />

Henssler! Dorling<br />

Kindersley, 192 S.,<br />

19,95 € (D) • 20,60 €<br />

(A) • 28,50 sFr. (UVP)<br />

Garnelenpfanne<br />

»Caipirinha«<br />

© Marc Eckardt


4.<br />

Auflage<br />

zivilisatoselos<br />

Mit der Wortschöpfung „Zivilisatose“ ist den Autoren<br />

die geniale Schöpfung eines einprägsamen<br />

Oberbegriffes für die in unserer Gesellschaft über<br />

Jahrzehnte entstandenen Zivilisationskrankheiten<br />

gelungen. Ob Sie unter Adipositas, Fibromyalgie,<br />

Diabetes mellitus, Rheuma, Gicht, Migräne,<br />

Neurodermitis oder Psoriasis leiden, finden Sie in<br />

diesem Buch Ursachen und wirkungsvolle naturheilkundliche<br />

Behandlungsweisen zu deren Linderung<br />

oder Überwindung.<br />

Betrachten Sie das Symptom nicht länger <strong>als</strong><br />

Ihren Feind, sondern <strong>als</strong> eine heilungsgerichtete<br />

Maßnahme Ihres intelligenten Organismus. Dieser<br />

will sich mit dem Symptom von ihn störenden<br />

Säuren und Schadstoffen befreien. Schauen Sie,<br />

zu welchem von den Autoren erforschten Stoffwechseltyp<br />

Sie gehören, und lesen Sie zahlreiche<br />

Tipps für basische Körperpflege und ganzheitliches<br />

Wohlbefinden.<br />

Unter Beachtung der „Drei Gebote der Gesundheit“<br />

wird es Ihnen gelingen, Ihren Körper und<br />

seine Funktionen besser zu verstehen und ihn so<br />

zu unterstützen, dass eine andauernde Gesundheit<br />

möglich ist.<br />

Dr. h. c. Peter Jentschura · Josef Lohkämper<br />

374 Seiten · Fadenheftung, fester Einband<br />

ISBN: 978-3- 933874-30-6 · € 39,50<br />

www.verlag-jentschura.de<br />

30 Jahre Verlag Peter Jentschura<br />

Verlag Peter Jentschura<br />

D-48163 Münster<br />

RATGEBER_ABNEHMEN<br />

Seit einem Jahr macht Susanne<br />

Fröhlich Yoga – und schwört<br />

darauf. Weil sie fitter geworden<br />

ist, entspannter und schlanker.<br />

„Man wird<br />

schnell sehr<br />

beweglich“<br />

INTERVIEW: SABINE SCHMIDT<br />

Sie haben in einem Jahr 25 Kilo abgenommen.<br />

Haben Sie das nur mit Yoga geschafft?<br />

Susanne Fröhlich: Es war wohl eine Mischung.<br />

Ich habe Yoga gemacht, aber auch<br />

weiterhin meinen Ausdauersport. Ich jogge<br />

schon seit Langem und bin letztes Jahr auch<br />

einen Marathon gelaufen.<br />

Haben Sie zusätzlich eine Diät gemacht?<br />

Nein. Aber irgendwann habe ich gemerkt,<br />

dass ich anders esse: Quark, Obst, Gemüse.<br />

Ich esse einfach einigermaßen gesund. Ich<br />

glaube aber, der Trick ist, sich nichts zu verbieten.<br />

Ich sage nicht mehr: „Ich esse keine<br />

Kohlehydrate“ oder „Nach 17 Uhr gibt es<br />

nicht mehr dieses oder jenes“, es gibt da ja<br />

die bizarrsten Dinge. Ich verbiete mir nicht<br />

mal Süßigkeiten. Aber ich esse nicht mehr<br />

nur <strong>des</strong>halb eine Bratwurst, einfach weil sie<br />

im Kühlschrank ist. Und manchmal schmecken<br />

mir Mohrenköpfe auch gar nicht mehr.<br />

Wie kommt das?<br />

Es gibt so etwas wie eine somatische Intelligenz:<br />

Der Körper weiß eigentlich, was gut<br />

für ihn ist. Durch zu wenig Bewegung und<br />

durch ungesun<strong>des</strong> Essen kommt das aus<br />

dem Gleichgewicht – und durch Yoga wieder<br />

ins Lot. Yoga senkt nachweislich den<br />

Cortisol-Level. Cortisol ist ein Stresshormon,<br />

das vor allem kräftige, speckigere<br />

Menschen haben. Viel Cortisol ist nicht gut,<br />

weil es sich an alles klammert, was kommt,<br />

84<br />

Susanne Fröhlich:<br />

„Ich habe einen<br />

Deal mit mir<br />

selbst: jeden Tag<br />

min<strong>des</strong>tens eine<br />

Viertelstunde“<br />

und alles verwerten will. Und Yoga bildet die<br />

Muskulatur anders und sehr viel besser aus<br />

<strong>als</strong> zum Beispiel das Laufen. Insbesondere<br />

die Tiefenmuskulatur wird stärker, und<br />

Muskeln verbrauchen mehr Energie <strong>als</strong> Fett.<br />

Man sieht die Muskeln auch – mich haben<br />

viele Leute gefragt, ob ich Krafttraining an<br />

Geräten gemacht habe. Aber das interessiert<br />

mich nicht, das langweilt mich.<br />

Ist Yoga nicht auch langweilig, anders <strong>als</strong> zum<br />

Beispiel ein Aerobic-Kurs mit Musik – Sie lie-<br />

buchjournal 1/2012<br />

© Gaby Gerster


Zur Person<br />

Susanne Fröhlich, geboren 1962 in Frankfurt am<br />

Main, ist Fernseh- und Rundfunkmoderatorin. Sie<br />

hat mehrere Sachbücher und Romane geschrieben,<br />

die alle zu Bestsellern wurden. Im März erscheint<br />

ihr neuer Roman: „Lackschaden“. Susanne Fröhlich<br />

lebt mit ihrer Familie im Taunus.<br />

gen zu Hause allein auf der Matte, legen eine<br />

DVD ein und schauen auf den Fernsehbildschirm?<br />

Ich fi nde es nicht langweilig. Und es ist<br />

wesentlich praktischer. Ich habe viel zu<br />

tun, ich habe Kinder, ich bin berufstätig –<br />

ich kann nicht ständig irgendwohin fahren.<br />

Mittwochs 19 Uhr Pilates-Kurs, das<br />

klappt nicht, ich kenne mich. Ich brauche<br />

etwas, was in meinen Alltag gut einzufügen<br />

ist. Ich mag effi ziente Dinge, und Yoga<br />

ist effi zient. Man kann es allein machen.<br />

Man kann nicht wahnsinnig viel f<strong>als</strong>ch<br />

machen, wenn man ein bisschen achtsam<br />

mit sich selber ist. Und man macht sehr<br />

schnell Fortschritte, man wird sehr schnell<br />

sehr viel beweglicher – das macht Spaß<br />

und motiviert.<br />

Muss man schon halbwegs fi t sein, um mit<br />

Yoga beginnen zu können?<br />

Nein, man kann mit jedem Fitnesszustand<br />

anfangen, wenn man nicht den Ehrgeiz<br />

hat, sich gleich zu Beginn wie eine Brezel<br />

zu verknoten. Es macht auch nichts,<br />

wenn der Bauch im Weg ist – der wird weniger,<br />

und nach ein paar Tagen klappt es<br />

schon besser.<br />

Es gibt ja aber Übungen, die recht akrobatisch<br />

anmuten. Machen Sie zum Beispiel auch<br />

Kopfstand?<br />

Ja, das kann ich inzwischen auch. Damit<br />

habe ich aber nicht angefangen. Ich bin einer<br />

DVD gefolgt und habe erst mal leichte<br />

Übungen gemacht.<br />

Haben Sie Lieblingsübungen?<br />

Alle, bei denen man sich entspannt und<br />

liegt, fi nde ich toll. Ansonsten mag ich<br />

Übungen, die mich herausfordern, an denen<br />

ich mich abarbeiten muss. Und ich<br />

mag alle Armbalancen. Das sind so Angeberposen,<br />

bei denen man sich auf den<br />

Armen abstützt, der ganze Körper ist in der<br />

Luft und man denkt: Das kann eigentlich<br />

nicht funktionieren!<br />

buchjournal 1/2012 85<br />

Anfangs waren Sie Yoga gegenüber skeptisch.<br />

Warum?<br />

Ich dachte, das sei so Esoterikkram, man<br />

müsste sich Räucherstäbchen kaufen im<br />

Zwölferpack und eine Buddha-Statue und<br />

immer „Om“ machen. Das wäre nicht das<br />

Richtige für mich gewesen, weil ich nicht<br />

eine Religion gesucht habe, sondern etwas,<br />

was mich fi t und beweglich macht. Aber es<br />

waren so viele davon überzeugt, und dann<br />

habe ich mir gedacht, dass ich Yoga einfach<br />

mal eine Chance geben sollte.<br />

Ist es für Sie dann vor allem eine Bewegungs-,<br />

eine körperliche Angelegenheit?<br />

Nicht nur. Ich bin durch Yoga auch sehr<br />

viel entspannter geworden. Bevor ich damit<br />

angefangen habe, haben Freundinnen gesagt:<br />

„Yoga macht was mit dir.“ Ich fand<br />

diesen Satz ziemlich blöd. Aber mittlerweile<br />

denke ich, dass an ihm etwas dran ist.<br />

Wie viel Zeit nehmen Sie sich für Yoga?<br />

Ich habe einen Deal mit mir selbst: jeden<br />

Tag min<strong>des</strong>tens eine Viertelstunde. Wenn<br />

ich Zeit und Lust habe, mache ich mehr.<br />

Sie haben nicht nur ein Yoga-Tagebuch geschrieben,<br />

sondern auch eine DVD aufgenommen.<br />

Ist das ein Video für Anfänger?<br />

Nicht nur, aber insbesondere für Anfänger.<br />

Das Programm ist leicht und langsam,<br />

weil man am Anfang ja immer noch gucken<br />

muss, wie alles geht. Es gibt auch eine Technikeinheit,<br />

bei der alle möglichen Übungen<br />

erklärt sind und die man sich in Ruhe anschauen<br />

kann. �<br />

Lesezeichen<br />

Susanne Fröhlich: Der Hund, die Krähe, das Om… und<br />

ich! Mein Yoga-Tagebuch. Gräfe und Unzer Edition,<br />

160 S., 16,90 € (D) • 17,40 € (A) • 24,50 sFr.<br />

Susanne Fröhlich: Yoga macht Fröhlich. WVG Medien,<br />

DVD, 14,95 € (D / A) • 20,90 sFr.<br />

Der Bestseller<br />

zum genussvollen<br />

Abnehmen<br />

ohne Jojo-Effekt! j<br />

Unterhaltsam.<br />

Undogmatisch.<br />

Lebensfroh!<br />

Dr. Andreas Schweinbenz<br />

Schatz, meine Hose rutscht!<br />

Wie Sie ohne Diät genussvoll abnehmen.<br />

BOOKS<br />

Broschiert, 20,8 x 14,6 cm<br />

248 Seiten<br />

15,90 € (D)<br />

ISBN 978-3-943088-00-7<br />

www.vibono.de/buch


FITNESS_AUSDAUERSPORT<br />

Ein neuer Trend beim Sport in freier Natur heißt Speed Hiking. Das schnelle Wandern in<br />

bergigem Terrain ist ideal für Bänder und Gelenke und kurbelt die Fettverbrennung an.<br />

Gesundheit und Naturgenuss<br />

TEXT: ECKART BAIER<br />

Wer sich für die modernen Formen<br />

<strong>des</strong> Ausdauersports interessiert,<br />

darf keine Scheu vor Anglizismen haben.<br />

Jogging, Nordic Walking und Inlineskating<br />

sind inzwischen längst im Duden angekommen,<br />

doch nun hat die Fitnessindustrie<br />

neue schick klingende Trends<br />

aufgespürt. Beispielsweise das Nordic Blading<br />

oder Nordic Inlineskating – hier geht<br />

es mit Rollski und Skistöcken rasant über<br />

den Asphalt – sowie das Speed Hiking,<br />

eine Form <strong>des</strong> schnellen Wanderns mit<br />

Stöcken und leichter Ausrüstung, das im<br />

hügeligen oder sogar alpinen Gelände<br />

praktiziert wird.<br />

Der Sinn dieser Leibesertüchtigung liegt<br />

aber nicht allein darin, einen Berg in kürzerer<br />

Zeit zu erklimmen. Speed Hiking ist,<br />

wie es Erwin Gollner in seinem Grundlagenbuch<br />

beschreibt, ein höchst effektiver<br />

Audauersport: Das Herz schlägt schneller<br />

<strong>als</strong> beim gemütlichen Wandern, dadurch<br />

steigt der Energieverbrauch. Gerade für<br />

Übergewichtige, die sich mit anderen Ausdauersportarten<br />

schwertun, sei das Speed<br />

Hiking ideal, da es Bänder und Gelenke<br />

schont und die Fettverbrennung ankurbelt,<br />

die bei diesem Sport doppelt so hoch<br />

ist wie beim Laufen, schreibt Gollner. Zudem<br />

führe regelmäßiges Speed Hiking zu<br />

einer Vergrößerung <strong>des</strong> Atemzugvolumens<br />

und der Lungenvitalkapazität.<br />

Sein Buch erläutert Gehtechniken, Trainingsmethoden<br />

und Grundsätze der Tourenplanung,<br />

die vor allem beim Wandern<br />

in den Bergen von größter Bedeutung sind.<br />

Wer sich unter Speed Hiking nun eine Art<br />

Wettlauf auf den Gipfel vorstellt, den kann<br />

Gollner beruhigen: „Beim Speed Hiking<br />

entscheidet jeder über seinen Speed, die<br />

persönliche Geschwindigkeit. Ob Sie den<br />

Schwerpunkt mehr auf Speed oder Naturgenuss<br />

setzen, ist einzig allein Ihre Entscheidung.<br />

Only speed kills – <strong>als</strong>o, legen<br />

Sie dazwischen Pausen ein!“ Der Sport in<br />

freier Natur fi ndet immer mehr Anhänger.<br />

© Olga Pasławska<br />

Dies zeigen nicht nur die Teilnehmerzahlen<br />

bei Marathonläufen, sondern auch der Verkauf<br />

von Langlaufski. Das Gleiten über den<br />

Schnee in klassischer Technik oder im<br />

sportlichen Skating-Stil hat große Faszination<br />

– muss aber erst einmal gelernt sein.<br />

„Das große Buch vom Skilanglauf“ <strong>des</strong> Autorenduos<br />

Kuno Hottenrott und Veit Urban<br />

richtet sich zwar in erster Linie an ambitionierte<br />

Sportler und Trainer, doch auch Wintersport-Novizen<br />

fi nden hier eine fundierte<br />

und umfangreiche Sammlung an Übungen<br />

sowie Grundlagen in Lauftechniken und<br />

Trainingsmethodik.<br />

Ist die Auswahl an Skilanglauf-Ratgebern<br />

eher schmal, fällt die Entscheidung zwischen<br />

Dutzenden Büchern zum Laufen<br />

umso schwerer. Ein neues, uneingeschränkt<br />

empfehlenswertes Werk kommt von Lutz<br />

Aderhold und Stefan Weigelt, der eine Arzt,<br />

der andere Sportwissenschaftler – und beide<br />

ausgewiesene Langstrecken- und Ultradistanzläufer<br />

jenseits <strong>des</strong> Marathons. Einsteiger<br />

bekommen Handreichungen, wie<br />

das Training gestaltet sein muss, um auch<br />

bald an Halbmarathon- und sogar Marathonläufen<br />

teilnehmen zu können – inklusive<br />

zahlreicher Tipps, wie Fehler und Verlet-<br />

Lesezeichen<br />

86<br />

Mit Tempo den<br />

Berg hinauf:<br />

Speed Hiking ist<br />

der neue Trend<br />

im Ausdauersport<br />

zungen vermieden werden können. Als Bonus<br />

locken 60 Trainingspläne für die<br />

Vorbereitung auf Wettkämpfe von 10 bis<br />

100 Kilometern, die auf der Homepage <strong>des</strong><br />

Schattauer Verlags bereitstehen. �<br />

1. Erwin Gollner: Speed Hiking. Die sportliche Form<br />

<strong>des</strong> Wanderns. Meyer & Meyer, 160 S., 16,95 € (D) •<br />

17,50 € (A) • 27,90 sFr.<br />

2. Lutz Aderhold, Stephan Weigelt: Laufen! ... durchstarten<br />

und dabeibleiben – vom Einsteiger bis zum<br />

Ultraläufer. Schattauer, 416 S., 29,95 € (D) •<br />

30,80 € (A) • 40,90 sFr.<br />

3. Kuno Hottenrott, Veit Urban: Das große Buch vom<br />

Skilanglauf. Meyer & Meyer, 448 S., 29,95 € (D) •<br />

30,80 € (A) • 40,90 sFr.<br />

buchjournal 1/2012


Das Buchjournal sucht wieder die<br />

beste, originellste Kurzgeschichte.<br />

„Gut gemeint“ lautet das Thema,<br />

Einsen<strong>des</strong>chluss ist Ende Mai.<br />

Erzählen<br />

Sie uns was!<br />

E s<br />

gibt Buchjournal-Leserinnen und<br />

-Leser, die auf die Einladung zu unserem<br />

alljährlichen Schreibwettbewerb offenbar<br />

ungeduldig warten: Die ersten Beiträge<br />

gehen in der Regel bereits wenige<br />

Tage nach Erscheinen der Ausschreibung<br />

in der Redaktion ein.<br />

So war es 2011, <strong>als</strong> zum Wettbewerbsthema<br />

„Rot“ am Ende mehr <strong>als</strong> 1 000 Einsendungen<br />

zusammenkamen, und so wird es –<br />

man kann darauf wetten – auch in diesem<br />

Jahr sein, wenn Kurzgeschichten zum Thema<br />

„Gut gemeint“ verlangt sind. Der Fantasie<br />

sind dabei wie immer keine Grenzen gesetzt,<br />

doch gilt es, die Form zu wahren: Der<br />

Prosa-Beitrag darf nicht mehr <strong>als</strong> 10 000<br />

Zeichen (inklusive Leerzeichen) umfassen.<br />

Beurteilt werden die Geschichten von einer<br />

Jury, zu der neben den Buchjournal-<br />

Redakteuren auch Cordelia Borchardt, Lektorin<br />

beim S. Fischer Verlag, Ines Thorn,<br />

Autorin historischer Romane, und die Literaturagentin<br />

Vanessa Gutenkunst gehö-<br />

Beim 10. Eifel-Literatur-Festival vom 20. April bis zum<br />

27. Oktober kann das Publikum Literaturstars hautnah erleben.<br />

Von Jussi Adler-Olsen bis Herta Müller<br />

D ora<br />

Heldt, Richard David Precht, Pater<br />

Anselm Grün, Eugen Ruge, das Krimiautoren-Duo<br />

Michael Kobr und Volker Klüpfel:<br />

Das 10. Eifel-Literatur-Festival lockt<br />

auch in diesem Jahr mit Autoren der Extraklasse.<br />

Den Startschuss gibt der dänische<br />

Krimistar Jussi Adler-Olsen mit seiner<br />

Lesung in der Bitburger Stadthalle am<br />

20. April. Den Schlusspunkt <strong>des</strong> Frühjahrsprogramms<br />

setzt am 6. Juni die Grande<br />

buchjournal 1/2012 87<br />

© Baran Özdemir<br />

ren. Dem Sieger oder der Siegerin winkt<br />

ein BücherScheck über 250 Euro, außerdem<br />

wird die Geschichte im Oktoberheft <strong>des</strong><br />

Buchjourn<strong>als</strong> veröffentlicht. An den Zweit-<br />

und Drittplatzierten gehen BücherSchecks<br />

über 150 Euro. Weitere 17 erhalten einen<br />

BücherScheck über 50 Euro. Alle 20 Prämierten<br />

sind zur Frankfurter Buchmesse<br />

eingeladen, wo die Preise überreicht werden.<br />

Außerdem werden ihre Geschichten<br />

ab September unter buchjournal.de zu lesen<br />

sein.<br />

Ein Sonderpreis für Kinder und Jugendliche<br />

soll insbesondere auch junge Autorinnen<br />

und Autoren animieren, sich am<br />

Wettbewerb zu beteiligen. Damit die Jury<br />

Dame der Krimiszene: Donna Leon, die in<br />

diesem Jahr Jubiläum feiert – es erscheint<br />

ihr 20. Commissario-Brunetti-Roman. Nach<br />

Info<br />

SCHREIBWETTBEWERB 2012<br />

Weck’ den Autor in dir! Rund<br />

1 000 Buchjournal-Leser fühlen<br />

sich je<strong>des</strong> Jahr angesprochen<br />

die Beiträge auch angemessen bewerten<br />

kann, sollten die Nachwuchsautoren unbedingt<br />

ihr Alter angeben. Wir wünschen allen<br />

Teilnehmern viel Erfolg! �<br />

Schreiben Sie Ihre Buchjournal-Kurzgeschichte<br />

zum Thema „Gut gemeint“. Der<br />

Prosa-Beitrag darf maximal 10 000 Zeichen<br />

umfassen (inklusive Leerzeichen)<br />

und muss bislang unveröffentlicht und<br />

frei von Rechten Dritter sein. Einsendungen<br />

– bitte nur per E-Mail – unter<br />

schreibwettbewerb@buchjournal.de.<br />

Einsen<strong>des</strong>chluss: 31. Mai 2012.<br />

der Sommerpause geht das Eifel-Literatur-<br />

Festival am 24. August mit dem Auftritt von<br />

TV-Moderator und Ökobauer Dieter Moor in<br />

Gerolstein in die Herbstrunde. Höhepunkt<br />

und Abschluss <strong>des</strong> Festiv<strong>als</strong> ist der Auftritt<br />

von Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller<br />

am 27. Oktober in Prüm.<br />

Das Eifel-Literatur-Festival, das alle zwei<br />

Jahre stattfindet und ehrenamtlich organisiert<br />

wird, verzeichnete 2010 mit rund<br />

15 000 Besuchern einen Rekord. Infos und<br />

Tickets zu den 25 Veranstaltungen in diesem<br />

Jahr gibt es im Internet unter eifel-literatur-festival.de<br />

oder in mehr <strong>als</strong> 400 Vorverkaufsstellen<br />

von Ticket Regional in<br />

Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, im<br />

Saarland und in Luxemburg. �


© Reuters<br />

Bücherköpfe<br />

David Byrne<br />

TEXT: ANITA STRECKER<br />

„Die Wirtschaftslage einer Stadt offenbart sich<br />

in den Schaufenstern, die Geschichte in Türrahmen.“<br />

Steile These, die er aber in „Bicycle Diaries“<br />

(S. Fischer) mit seiner Anatomie der Städte<br />

beweist: David Byrne, weit gereister Frontmann<br />

der US-Band Talking Heads, Regisseur,<br />

Autor, Komponist, Fotograf und: passionierter<br />

Pedalist. Angefangen hat es schon in Baltimore,<br />

wo der gebürtige Schotte aufgewachsen ist.<br />

Sein altes Drei-Gang-Fahrrad hat er von dort<br />

mitgenommen nach New York, das er seither<br />

allen Schlaglöchern und rüpelhaften Autofahrern<br />

zum Trotz tollkühn durchkreuzt. Und nicht<br />

nur New York. Alle Städte, die das Allround-<br />

Talent, Jahrgang 1952, bereist, erobert er sich<br />

auf dem Klapprad. Das<br />

fehlt nie in seinem<br />

Gepäck. Große Freiheit<br />

Drahtesel – für<br />

Byrne eine echte Mission.<br />

�<br />

Jasmin Ramadan<br />

Allround-Künstler und<br />

passionierter Pedalist:<br />

David Byrne<br />

Der Vater ist Ägypter, die Mutter Deutsche, was<br />

schon mal ihren Namen erklärt. Und dass Jasmin<br />

Ramadan seit ihrer Schulzeit mit Regisseur Fatih<br />

Akin befreundet ist, erklärt, wie die heute<br />

38-Jährige das ungewöhnlichste Romandebüt aller<br />

Zeiten vorlegen konnte: Zu Akins Kinohit<br />

„Soul Kitchen“ dachte sie sich aus, was die Helden<br />

erlebten, bis der Film einsetzt. Seither wird<br />

Ramadan <strong>als</strong> Shootingstar der Jungautoren-Liga<br />

gefeiert und mit Preisen<br />

überhäuft. Das setzt sie<br />

mit ihrem neuen Roman<br />

„Das Schwein unter<br />

den Fischen“ (Tropen)<br />

prompt fort. Für ihn erhielt<br />

sie den Hamburger<br />

Förderpreis für Literatur,<br />

noch ehe das Buch in den Shootingstar der<br />

Läden lag. Wer es liest, Jungautoren-Liga:<br />

versteht warum. � Jasmin Ramadan<br />

© Ali Salehi / Tropen Verlag<br />

Nachrichtensprecherin<br />

der ersten Stunde:<br />

Wibke Bruhns<br />

Wibke Bruhns<br />

„Entweder du gehst kaputt oder du wirst stärker.“<br />

In Wibke Bruhns’ Leben gibt es genügend<br />

Stichwörter für diesen Satz. Kriegskind. Halbwaise.<br />

Der Vater Hans Georg Klamroth wird <strong>als</strong><br />

Mitglied der Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944<br />

hingerichtet. Mutter Else, heillos überfordert,<br />

bringt mehr schlecht <strong>als</strong> recht fünf Kinder<br />

durch. Internat, Entbehrungen, Umzüge quer<br />

durch Europa, Verlorensein: Wibke Bruhns hat<br />

nichts umgebracht, trotzig alles stark gemacht.<br />

Sie hat sogar die ganze Republik erbeben<br />

lassen: <strong>als</strong> erste weibliche Nachrichtensprecherin<br />

auf dem „Heute“-Thron im Zweiten.<br />

Die Nation stand kopf – und Bruhns über<br />

Nacht auf dem Schild der Frauenbewegung.<br />

Tine Wittler<br />

Sie ist eine starke Persönlichkeit,<br />

in jeder Hinsicht.<br />

Spricht selbst von „prallen<br />

Prinzessinnen“, wenn es<br />

um Frauen ihres Formats<br />

geht. Und sie versteht es<br />

bestens, aus der Not, weder<br />

in gängige Schönheitsschemata<br />

noch Konfektionsgrößen<br />

zu passen, Kapital<br />

zu schlagen. So hat die<br />

frech-fröhliche Deko-Queen Tine Wittler, bekannt<br />

durch ihren Einsatz in vier Wänden, einfach<br />

eine eigene, maßgeschneiderte Modewelt<br />

entwickelt. Klingt toll, und doch hat auch der<br />

Star mit den Schattenseiten <strong>des</strong> Andersseins zu<br />

kämpfen. Sie hält mit Romanen und Ratgebern<br />

© Axel Kirchhof<br />

Reiste nach Mauretanien, dem Land<br />

der fülligen Frauen: Tine Wittler<br />

Dabei war das, womit<br />

die unerschrockene<br />

Blondine Fernsehgeschichte<br />

schrieb, ihr<br />

mit Abstand langweiligster<br />

Job: Nachrichten ablesen.<br />

Sie hat sie brandaktuell selbst geliefert, <strong>als</strong><br />

Unterstützerin von Willy Brandt, <strong>als</strong> Korrespondentin<br />

im Nahen Osten und in Washington.<br />

„Bild“, ZDF, „Stern“, Vox, ORB: ihre „Nachrichtenzeit“<br />

hat sie jetzt in einem Buch notiert.<br />

Zeitgeschichte von einer starken Frau. �<br />

^ Wibke Bruhns: „Nachrichtenzeit. Meine<br />

unfertigen Erinnerungen“. Droemer Knaur, 424 S.,<br />

22,99 € (D) • 23,70 € (A) • 34,90 sFr.<br />

dagegen – und ist jetzt auf<br />

den ultimativen Dreh gegen<br />

den pfundsschweren<br />

Minderwertigkeitskomplex<br />

gekommen: „Wer schön<br />

sein will, muss reisen“<br />

(Scherz Verlag) heißt ihr<br />

verwegener Perspektivwechsel<br />

in ein Land, in dem<br />

nur dicke Frauen schön<br />

sind. Nicht ungefährlich,<br />

denn das Ziel heißt Mauretanien,<br />

wo Frauen Ausmaße<br />

erreichen, die selbst Tine Wittler ein wenig verhungert<br />

aussehen lassen. Schlankheitswahn<br />

versus Völlerei und Tiermast-Pillen. Und Wittlers<br />

heilsame Erkenntnis: das eigene Maß fi nden<br />

und dazu stehen. Das macht stark. „Und wenn<br />

ich stark bin, bin ich schön.“ �<br />

88<br />

© picture-alliance<br />

buchjournal 1/2012


uchjournal 1/2012 89<br />

10 FRAGEN AN<br />

Rafi k Schami<br />

Beatles oder Beethoven? Beethoven und zwischen zwei Sinfonien<br />

„All you need is love“ oder „A Hard Day’s Night“.<br />

Obere oder untere Brötchenhälfte? Obere, weil<br />

Sesam, Sonnenblumenkerne und andere Leckereien immer oben sind.<br />

Margeriten oder Rosen? Rosen. Sie sind schöner und dauerhafter<br />

und stammen ursprünglich aus Damaskus: „Rosa damascena“.<br />

Brief oder E-Mail? E-Mail, weil sie viel mehr Gesprächs-Charakter<br />

hat, <strong>als</strong> der Brief es durch den zeitlichen Abstand vermag.<br />

Kino oder Theater? Kino. Leider kann ich im Theater nicht die Bühne<br />

übersehen. Im Kino vergesse ich den Saal und gehe in die fi ktive Welt.<br />

Schokolade oder Popcorn? Pistazien.<br />

Rot oder ...? Blau, weil es mich immer an das Mittelmeer erinnert.<br />

Italien oder Alaska? Italien. Einen Vorgeschmack auf<br />

Alaska habe ich auch hier vor der Haustür in der Pfalz bei – 15°C.<br />

Das reicht mir. Zum anderen gibt es in Italien höchstens die Mafi a,<br />

aber keine gefährlichen Weißbären.<br />

Tanzen oder Gläserschwenken? Gläserschwenken in der<br />

Gemeinschaft von Freunden oder Büchern.<br />

Stadt oder Land? Stadt, weil mich die Nervosität der Städte anregt.<br />

Mir ist jede Straßenbahn schöner <strong>als</strong> 100 Kühe.<br />

Impressum<br />

Herausgeber<br />

Börsenverein <strong>des</strong> Deutschen Buchhandels e.V.<br />

Redaktionsleiter<br />

Eckart Baier (bai), e.baier@buchjournal.de ..............................................-373<br />

Redakteurin<br />

Dr. Sabine Schmidt (sc), s.schmidt@buchjournal.de ................................-278<br />

Art-Direktor<br />

Denis Stanišić, d.stanisic@mvb-online.de .................................................-398<br />

Schlussredakteurin<br />

Dr. Andrea Rinnert, a.rinnert@mvb-online.de<br />

Redaktionsservice<br />

Yvonne Messer, y.messer@mvb-online.de ...............................................-468<br />

Autoren dieser Ausgabe<br />

Ulrich Baron (ub), Irene Binal, Christina Busse, Stephan Eppinger, Nicole<br />

Filbrandt (nf), Tobias Gohlis, Katharina Granzin (gran), Elisabeth Grün, Stefan<br />

Hauck, Verena Hoenig, Nils Kahlefendt, Alexander Kluy (ky), Ronald Meyer-<br />

Arlt (rma), Petra Mies (pms), Ulrich Rüdenauer (rüd), Bettina Ruzcinsky (br),<br />

Christoph Schröder (cs), Sabine Schwietert, Anita Strecker, Andreas Trojan,<br />

Alice Werner (aw), Hendrik Werner (wer), Christine Westermann<br />

Verlag<br />

MVB Marketing- und Verlagsservice <strong>des</strong> Buchhandels GmbH<br />

Geschäftsführer: Ronald Schild<br />

Verlagsleiter: Dr. Torsten Casimir<br />

Anschrift <strong>des</strong> Verlags und der Redaktion<br />

Braubachstraße 16, 60311 Frankfurt am Main<br />

Postfach 10 04 42, 60004 Frankfurt am Main<br />

Tel.: 069 / 1306-0 • Fax: 069 / 1306-424<br />

mail@buchjournal.de, www.buchjournal.de<br />

Anzeigen<br />

Katrin Willwater (verantwortlich), k.willwater@mvb-online.de .............-456<br />

Florian Böhler, f.boehler@mvb-online.de..................................................-219<br />

Stefanie Fries, s.fries@mvb-online.de .......................................................-213<br />

Daniela Kahl, d.kahl@mvb-online.de .........................................................-237<br />

Jessica Klein, j.klein@mvb-online.de .........................................................-218<br />

Marisa Wirth, m.wirth@mvb-online.de .....................................................-612<br />

Fax: 069 / 1306-209; anzeigen@mvb-online.de<br />

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Es gilt Tarif Nr. 65 vom 1.1.2012<br />

Marketing & Vertrieb<br />

Serviceline, serviceline@mvb-online.de ...................................................-550<br />

Fax: 069 / 1306-255<br />

Litho und Druck<br />

Druckhaus Main-Echo GmbH & Co. KG, Aschaffenburg<br />

Durchwahl<br />

Sie wählen 069 / 1306 und dann die angegebene Durchwahl<br />

^ Rafi k Schami wurde 1946 in<br />

Damaskus geboren und lebt seit<br />

1971 in Deutschland. Im Oktober<br />

2011 bekam er den Preis „Gegen<br />

das Vergessen – Für Demokratie“.<br />

Rafi k Schami: Das Herz der Puppe.<br />

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GANZ ODER GAR NICHT<br />

Die Rubrik Buchtipps ist von Verlagen finanziert. Eine Verwertung der urheberrechtlich<br />

geschützten Zeitschrift und aller in ihr enthaltenen Beiträge<br />

und Abbildungen, insbesondere durch Vervielfältigung oder Verbreitung,<br />

ist ohne vorherige schriftliche Zustimmung <strong>des</strong> Verlages unzulässig<br />

und strafbar, soweit sich aus dem Urheberrechtsgesetz nichts anderes ergibt.<br />

Insbesondere ist eine Einspeicherung oder Verarbeitung der auch in<br />

elektronischer Form vertriebenen Zeitschrift in Datensystemen ohne Zustimmung<br />

<strong>des</strong> Verlages unzulässig.<br />

Preisangaben in redaktionellen Beiträgen und im Anzeigenteil erfolgen<br />

ohne Gewähr, die mit € gekennzeichneten Preise für Bücher sind die in<br />

Deutschland geltenden gebundenen Ladenpreise. Preisangaben deutscher<br />

Verlage in € (A) sind unverbindliche Preisempfehlungen gemäß<br />

öster reichischem Preisbindungsgesetz. Preisangaben in Schweizer Franken<br />

sind unverbindliche Preisempfehlungen.<br />

Abonnement: Inland 30,– €, Ausland 40,50 € pro Jahr inkl. Versandkosten<br />

und MwSt.<br />

Das Buchjournal erscheint sechsmal im Jahr und ist in etwa 2200<br />

Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhältlich.<br />

Das Buchjournal ist Mitglied der Informationsgemeinschaft<br />

zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW).<br />

© Root Leeb


Ratelust<br />

niederl.<br />

Autorin<br />

letzter<br />

Vokal d.<br />

Alphabets<br />

dt.<br />

Erfinder<br />

<strong>des</strong> Telefons<br />

†<br />

Emirat<br />

am Persischen<br />

Golf<br />

südostasiatisches<br />

Volk<br />

Titelstadt<br />

bei<br />

Carlo<br />

Levi<br />

Fischöl<br />

engl.<br />

Thrillerautor<br />

3<br />

sechster<br />

Mitlaut d.<br />

Alphabets<br />

Nachahmung<br />

schwed.<br />

Krimiautorin<br />

weibliche<br />

Verwandte<br />

Altarräume<br />

orthod.<br />

Kirchen<br />

1<br />

italienischerAlpensee<br />

4<br />

Schmelzwasserrinne<br />

Initialen<br />

der<br />

Loren<br />

Kfz-Z.<br />

Görlitz<br />

8<br />

9<br />

ein<br />

Kartenspiel<br />

Lebensabschnitt<br />

biblische<br />

Figur<br />

(Jesse)<br />

dt.<br />

Krimiautorin<br />

(Anne ...)<br />

GeburtsortFriedrich<br />

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(Abk.)<br />

englischerMännername<br />

Zeitabschnitt<br />

bergm.:<br />

Kohlenabbaufront<br />

Heilige<br />

der russ.<br />

Kirche,<br />

† 969<br />

5<br />

Musikdrama<br />

2<br />

gepflegt,<br />

ordentlich<br />

Ziffernkennung<br />

(engl.)<br />

nebeneinander<br />

laufend,<br />

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Zeichen<br />

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Tritium<br />

Fleischgericht<br />

6<br />

Aufl ösung aus Heft 6 / 2011<br />

A S A E G A H<br />

K E P L E R N E B E N B E R U F<br />

S T E I L B O R B I T N N R<br />

I K G E R N E S I G N O R A<br />

V I E L E<br />

L E G E N<br />

G A S S O<br />

O N C C<br />

R S R<br />

B I H K<br />

G A S I G O S A I N T<br />

R E G R E S S P E D A L S C<br />

A U L E E L I A S H R U G E<br />

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buchjournal 1/2012


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Sie schreiben, wann und wo Sie wollen und<br />

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arbeiten für Zeitungen,<br />

Fachzeitschriften oder<br />

schreiben „nur“ für sich<br />

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Jugendtraum ermöglicht. Ich wollte<br />

schon <strong>als</strong> Kind Autorin werden.<br />

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