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COMPONENT REPORT RISE KOMPONENTE 2

dass Identität und Heimat nicht etwas Vorhandenes ist, sondern etwas, das tagtäglich neu erobert werden

muss, durch gemeinschaftliches und zugleich außergewöhnliches Tun.

Karin Rickenbacher, Leiterin Programm TeleBielingue und Theo Martin, Chefredaktor a.i. Bieler Tagblatt

(beide CH) berichteten von der identitätsstiftenden Wirkung regionaler Medien in einem zweisprachigen

Lebens- und Kulturraum.

Wie regionale Identität durch Raum- und Landesplanung entwickelt und gefördert werden kann, erzählte

Kathrin Maier (Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie München).

Dass die Umsetzung der landesplanerischen Ansätze in einer Region in hohem Masse von den beteiligten

Personen abhängig ist, ergänzte Klaus Busch (Geschäftsführer Teilraum Deggendorf/Plattling) aus

seinen Erfahrungen aus der Praxis.

Josef Schick (Kulturvernetzung Weinviertel) und Richard Resch (Dipl. Ing., Ingenieurkonsulent für Raumplanung

und Raumordnung und Regionalplaner Aichfeld-Murboden) zeigten anhand von Beispielen aus

Österreich (österreichische Eisen- und Bernsteinstrasse, Weinviertel Festival), wie regionale Identität durch

Vernetzung entstehen kann.

Als Einstieg in das Thema „Identität und Kultur“ hatten die TeilnehmerInnen in vier verschiedenen Gruppen

die Gelegenheit, einander die Identitätsmerkmale der eigenen Region vorzustellen, die anderen Regionen

kennen zu lernen sowie über Gemeinsamkeiten und Gegensätze zu diskutieren.

Als Besonderheiten in den drei Regionen sind u.a. die Klöster Deggendorf/Plattling, die Zweisprachigkeit im

Kooperationsraum Seeland –Jurasüdfuß – Jura Bernois und die Holz- und Metallindustrie in Aichfeld –

Murboden genannt worden.

Als Gemeinsamkeiten regionaler Identität wurden zahlreiche Merkmale erkannt: Alle drei Partnerregionen

haben vergleichbare naturräumliche und strukturelle Voraussetzungen (vgl. Anhang). Alle drei haben ländliche

oder ländlich-industrielle Wurzeln und in den letzten Jahrzehnten eine starke Entwicklung durchgemacht.

Alle drei verfügen über ein großes landschaftliches Potenzial, das vom Wasser geprägt ist. Alle drei

sind gut erschlossen und befinden sich im Einflussbereich größerer Agglomerationen. Alle drei kämpfen um

ihre Eigenständigkeit und Identität. Der Rohstoff Holz sowie regionaltypische Spezialitäten sind zwei weitere

gemeinsame Identitätsmerkmale, die genannt wurden.

Auf die Frage, wer oder was Identität in den Regionen stiftet, wurden folgende Merkmale geltend gemacht:

Vereine, Geschichten, Traditionen, der kausale Zusammenhang von Arbeitsplätzen, Wohlstand und

Wachstum, Bildungseinrichtungen, Medien, kulturell engagierte Personen und Institutionen.

Der regionsübergreifende Gedankenaustausch zum Thema „Identität“ ermöglichte vor allem den „Neulingen“

einen Einstieg in das Projekt RISE und diente als Grundlage für die weiteren Gruppenarbeiten.

7.2 Impulsreferat Prof. Ganser: Regionale Entwicklung durch regionale Identität

Regionale Identität

Individuelle Identität

Regionale Identität sei förderlich für die regionale Entwicklung, das ist heute eine weit verbreitete Annahme.

Reale Erfahrung dagegen ist, dass die Regionen, die sich am schnellsten und am frühesten an die

weltweiten Modernisierungsprozesse unter Verlust ihrer regionalen Eigenheit anpassen, zumindest unter

regionalwirtschaftlichen Gesichtspunkten die Nase vorne haben.

Umgekehrt wird auch gedacht: Regionale Entwicklung soll regionale Identität fördern. In dieser Denkweise

ist regionale Identität nicht Mittel, sondern mehr Ergebnis der regionalen Entwicklung. Dabei ist allerdings

die Frage zu beantworten, wozu regionale Identität dann gut ist. Auch hier ist die Erfahrung, dass die Modernisierung

von Regionen, um einen anderen Begriff für regionale Entwicklung zu wählen, die Unterschiede

unter den Regionen verwischt, nivelliert und nicht heraus präpariert.

So oder so, regionale Identität scheint also eine normative Vorstellung zu sein, die von der Realität weit

entfernt ist.

Fragen wir uns selbst nach unserer eigenen Identität mit der simplen Frage: „Wo bin ich zu Hause?“

Da fallen die Antworten äußerst unterschiedlich aus. Nur eine Minderheit wird den Ort/die Region angeben,

in der sie aufgewachsen ist und in der sie noch immer lebt. Diese „traditionelle Heimatverbundenheit“ ist

Menschen mit anderen Lebensstilen eher suspekt. Es fehle an Weltoffenheit, an Toleranz, an internationaler

Erfahrung, an Mobilitätsbereitschaft …

Im krassen Gegensatz dazu steht der „Weltenbürger“, der schon früh durch die Welt gereist ist, beinahe

überall schon war, sich überall und nirgendwo zu Hause fühlt und die Frage nach einem Zuhause als irrelevante

Zumutung empfindet.

Für diese Menschen sind die Schreibtische in den Metropolen der Welt überall gleich, die Hotels ebenso,

die Flughäfen, die Flugzeuge, die Apartments, die Restaurants und sie legen Wert darauf, überall und zu

jeder Zeit die weltbekannten Markenprodukte konsumieren zu können. Für diese Menschen ist die einheitliche

Normung aller Bauwerke und Produkte die Voraussetzung dafür, um überall schnell zu Hause sein zu

können oder auch um ohne Emotionen wieder abzureisen.

Dazwischen gibt es vielerlei Schattierungen. Eine besonders in der Schweiz auffällige Variante ist der

„genormte Weltbürger“, der am Ende seines Lebens oder schon früher eine Spaltung seiner Identität be-

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