Gesamte Vernetzung - Helfenstein-Klinik Geislingen

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Gesamte Vernetzung - Helfenstein-Klinik Geislingen

Kliniken-Telegraf

Zeitschrift für Patienten, Angehörige, Mitarbeiter und Freunde der

Kliniken des Landkreises Göppingen gGmbH

Notarztversorgung

Ausgabe 2 - Dezember 2010


Inhalt

Seite

Titelthema Der Notarzt – 24 Stunden im Einsatz 4

Hilfe im Großschadensfall: Der Leitende Notarzt 6

Zentrale Notaufnahme in der Klinik am Eichert 8

Portrait Chefarzt der Pathologie: Privatdozent Dr. Volker Bürkle 10

Medizin aktuell Pathologie: Schnittstelle zwischen Diagnose und Therapie 12

Wirbelsäulenchirurgie 14

Sicherheitscheck vor jeder OP verbindlich 16

Pflege aktuell Willkommen im Still-Café 18

Die Brückenpflege 20

Vielfalt hinter den Kulissen Die Telefonzentrale – Zentrum der Kommunikation 22

International Leadership Training 24

Hubschrauber-Einkauf mit Dr. Peter Dattani 25

Aktuelles aus den Kliniken Einweihung des Schulgebäudes ‚Pavillon‘ mit Examensfest 2010 26

Herzlichen Glückwunsch zum Examen 28

Neues umweltfreundliches Dienstfahrzeug der Helfenstein Klinik 29

Nach erfolgreicher Zertifizierung – nun auch Onkologisches Zentrum 30

Sommer der Verführungen – unser Beitrag 32

Das Interview Der Klinik- und Notfallseelsorger Erich Karp im Gespräch mit dem K.-T. 34

Notfallseelsorge

Personalien Ein Arzt für Kinderherzen 38

Neuer Chefkoch: Markus Adelmann 39

René Bärreiter ist der neue Leiter des Finanzbereichs 40

Neue Mitarbeiter in der Psychoonkologie 41

Dr. Susanne Knecht leitet zukünftig das Sozialpädiatrische Zentrum 41

40–jährige Dienstjubiläen 42

Neue Oberärztin in der Unfallchirurgie 44

Ihre Ansprechpartnerinnen im Marketing-Team 44

Veranstaltungen/Termine Bilder aus dem Niger in der Praxis für Strahlentherapie 46

Impressum 47

Titelbild: Rettungsfahrzeug Foto: M. Radloff


Sehr geehrte Damen und Herren,

liebe Leserin, lieber Leser,

Editorial

wer von uns hatte noch nie einen Unfall? Sei es, dass wir als Kind von der Schaukel fielen oder als Erwachsener

in einen Verkehrsunfall verwickelt waren. Vielleicht hatten wir Glück und es waren nur kleine Blessuren oder

Materialschäden zu verzeichnen.

Was aber geschieht, wenn medizinische Hilfe notwendig wird? Wer wird tätig, nachdem die Notrufnummer

110 oder 112 gewählt wurde? Wir möchten Sie in dieser Ausgabe des Kliniken-Telegraf mit den Menschen und

ihrer Arbeit bekannt machen, die im Falle eines Notfalles zum Einsatz kommen und Hilfe leisten. Natürlich

können wir nur Ausschnitte aus dem komplexen Prozess beleuchten und konzentrieren uns daher auf den

Notfallbereich. Die Intensivmedizin und der Operationsbereich werden zu einem anderen Zeitpunkt vorgestellt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Pathologie mit ihrem Leiter Privatdozent Dr. Volker Bürkle. Ein Bereich, der

im Hintergrund wirkt und doch für die Diagnostik und Therapie eminent wichtig ist.

Wir wünschen Ihnen beim Lesen der zweiten Ausgabe unseres Journals viel Vergnügen. Wir freuen uns auf

Ihre Anregungen, Kritik und Beiträge, die Sie dem Redaktionsteam jederzeit mitteilen können.

Ihre

Prof. Jörg Martin Wolfgang Schmid


Titelthema

Der Notarzt – 24 Stunden im Einsatz

Ohne Notarzt hätte er/sie das wohl nicht überlebt,

dieser Satz charakterisiert wohl oft genug die Bedeutung

eines Notarztsystems, das in Göppingen am

1. April 1980 von Professor Peter Milewski aufgestellt

wurde und auch in Geislingen seit 1. Januar 1981 zum

Einsatz kommt.

Die wichtigste Aufgabe dieser Dienste ist eine qualifizierte

notfallmedizinische Versorgung und Betreuung

von akut erkrankten oder verletzten Personen während

der Notfallrettung und des Transports in das nächste

geeignete Krankenhaus.

Waren es im Anfang noch eher die schweren Verkehrsunfälle

und nur drei Einsätze in 24 Stunden so

sind es heute zu über 80% akute Notfälle bei älteren

Menschen und zehn Einsätze am Tag, zu denen unsere

Notärzte rausfahren. Natürlich droht nicht immer

Lebensgefahr, wenn das Piepsersignal ertönt, aber wer

weiß das schon im Voraus.

Bei der integrierten Rettungsleitstelle in Göppingen

– Notruf 112 – hat ein Anrufer Symptome geschildert,

die zum Einsatzbild des Notarztes gehören: Bewusstlosigkeit,

Atemstörung, Lähmung, Krampfanfall oder

starker Brustschmerz. Wenn der Einsatz disponiert

ist, dürfen nur noch maximal 15 Minuten vergehen,

bis das Notarztteam beim Patienten eingetroffen ist.

Das verlangt die im Gesetz beschriebene Hilfsfrist.

Bei 95% der Einsätze muss sie erreicht werden. Die

Anstrengungen die Hilfsfristen einzuhalten sind gewaltig

und teuer und müssen immer wieder angepasst

werden. Schneller ausrücken als wesentlich unter zwei

Minuten geht auch nicht, alle Notärzte müssen in ihren

Kliniken in der einsatzfreien Zeit mitarbeiten, so eng

ist die Personaldecke.

Unsere Notärzte sind alle im Besitz der Zusatzbezeichnung

Notfallmedizin, die meisten darüber hinaus auch

Facharzt für Anästhesie, Innere Medizin oder Unfallchirurgie.

Zwölf von ihnen stehen als Leitende Notärzte

(LNA) für größere Schadensereignisse zur Verfügung.

Zwischen 8 und 18 Uhr halten sich im Eichert zwei

und danach ein Notarzt bereit, in Geislingen rund

um die Uhr nur einer. Die von Jahr zu Jahr steigende

4 Kliniken-Telegraf 12/2010

Inanspruchnahme durch die Bevölkerung und die

niedergelassenen Ärzte hat vielschichtige Gründe,

zum hilfesuchenden Anrufer wird der Notarzt aber

nur bei entsprechender Indikation von der Integrierten

Leitstelle geschickt. Die ist seit 2009 unter der Notrufnummer

112 immer erreichbar.

Am Einsatzort eingetroffen wird ein routiniertes

Akut-Versorgungsprogramm abgewickelt. Anamnese,

Erstbefund, EKG-Ableitung, Messung von Blutdruck,

Blutzuckerschnelltest und Sauerstoffsättigung.

Eine erste Arbeitsdiagnose wird gestellt, Medikamente

kommen zum Einsatz und vor allem Schmerzen werden

behandelt. Für die wichtigsten Notfälle gibt es

Leitlinienorientierte Handlungsanweisungen (SOP´s).

Das schafft Sicherheit und sorgt für optimale Qualität.

Teamwork ist angesagt: Zwei Rettungsassistenten


arbeiten jeweils mit der Notärztin oder dem Notarzt

zusammen. Manchmal müssen sie auch allein tätig

werden, wenn kein Arzt verfügbar ist.

Besondere Bedeutung hat die konsequente notärztliche

Versorgung bei den sogenannten ‚first-hour‘

Notfällen: Herzinfarkt, Schlaganfall, schwere Atemnot,

Polytrauma und Reanimation. Vor Ort werden

die Weichen für ein optimales Überleben vor allem

dadurch gestellt, dass diese Patienten rasch in eine

geeignete Klinik kommen, wo sie unverzüglich und

spezifisch weiterbehandelt werden. Der Patient mit

dem Herzinfarkt muss ohne Umweg in das Herzkatheterlabor,

der ‚Schlaganfall‘ zur CT-Diagnostik und

dann zur Lyse, ‚die Atemnot‘ mit nicht-invasiver Ventilation

auf die Intensivstation, das Polytrauma in den

Schockraum und der erfolgreich reanimierte Patient

Der Notarztwagen hat alles an Bord:

Medikamente, Defibrillator, Sauerstoffgerät ...

Foto: L. Duschek

benötigt spezifische Postreanimations-Maßnahmen

wie die milde Hypothermie.

Die Kenntnis der Nahtstellen zwischen Rettungsdienst

und Kliniken ist für die Notärzte kein Thema, sie stehen

oft genug auf jeder der beiden Seiten und das stärkt den

Erfolg des Systems. Die Zentrale Notaufnahme in der

Klinik am Eichert hat nicht zuletzt für den Notarzt- und

Rettungsdienst eine entscheidende Lücke geschlossen.

Und wenn der Notarzt nichts mehr machen kann?

Dann kommt die Notfallseelsorge zum Zuge, auch

eine Einrichtung, die in Göppingen ihre Wurzeln hat.

Vom Göppinger Notarztdienst gingen im Laufe der

Jahre wichtige Impulse für die Notfallrettung aus. So

wurde NADOK. das in Baden-Württemberg verbreitete

Dokumentationssystem, durch Dr. Martin Messelken

entwickelt. Die externe Qualitätssicherung für das

Land baut wesentlich darauf auf. Dafür gab es 2003

einen Preis im Rahmen des Qualitätsförderpreises des

Sozialministeriums.

Die strukturellen Entscheidungen für die Notfallrettung

treffen in Baden-Württemberg die Selbstverwaltungsorgane,

also Vertreter der Krankenkassen

und des Rettungsdienstes. Im paritätisch besetzten

Bereichsausschuss wurden 2009 die Weichen für das

sogenannte Mehrzweckfahrzeugsystem im Bereich

Göppingen gestellt. Bestens ausgestattete Rettungswagen

mit optimalen Arbeitsmöglichkeiten für das Notarztteam

wurden in der Folge beim DRK angeschafft.

Die Qualifikation unserer Mitarbeiter sowie optimale

Prozessqualität sorgen für sehr gute Ergebnisse, die

uns nicht nur die Patienten und deren Angehörige

bestätigen, sondern auch die halbjährlich von der

Ärztekammer übermittelten Vergleiche.

„Am besten braucht man ihn aber gar nicht“. Das ist

wohl wahr.

Dr. Martin Messelken

5


Titelthema

Hilfe im Großschadensfall: Der Leitende Notarzt

Bei Zugunglücken, der Massenpanik während der

Loveparade oder zuletzt bei der Bombendrohung

im Göppinger Bahnhof: Immer dann, wenn eine Schadenslage

eingetreten ist oder erwartet werden muss,

bei der es zu einer Vielzahl von Verletzten kommen

kann, wird von der Rettungsleitstelle der Leitende

Notarzt (LNA) alarmiert. Dieser bildet zusammen

mit dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst

(OrgL) die Sanitätseinsatzleitung, die folgende Leitungs-

und Koordinierungsaufgaben umfasst: Neben

der Lagebeurteilung zählt die Bestimmung des Einsatzschwerpunktes,

die Sichtung der Verletzten und die

Festlegung der Transportmittel sowie die Auswahl der

Zielkliniken zu den wichtigsten Aufgaben des LNA.

Durch die Einteilung der Patienten in verschiedene

Behandlungskategorien wird sichergestellt, dass mit den

vorhandenen Ressourcen einer Vielzahl von Verletzten

geholfen werden kann.

Notarzteinsatzfahrzeug Foto: L. Duschek

6 Kliniken-Telegraf 12/2010

Einsatzkriterien für den LNA können beispielsweise

sein:

• der Einsatz von mehr als drei Notärzten an einem

Schadensort

• wenn mehr als zehn Notfallpatienten betroffen

sind

• bei allen Schadensereignissen, bei denen mit

einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrank-

ten jederzeit zu rechnen ist, wie zum Beispiel bei

Busunfällen.

Im Landkreis Göppingen besteht die Gruppe der Leitenden

Notärzte seit 1. April 2003 und setzt sich aus

insgesamt 15 Ärzten der Klinik am Eichert und der

Helfenstein Klinik Geislingen zusammen. Diese Ärztinnen

und Ärzte haben neben jahrelanger Erfahrung

als Notarzt eine Zusatzausbildung gemäß den Vorgaben

der Landesärztekammer Baden-Württemberg

absolviert und sind vom Landrat für diese Tätigkeit

besonders bestellt worden. Ein sehr wichtiger Punkt ist

die stetige Fortbildung: Hier werden mehrmals im Jahr

neben medizinischen Fragen vor allem einsatztaktische

Fähigkeiten, zum Beispiel durch Planspiele, geschult.

Die Fortbildungen geschehen immer zusammen mit

den Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz, die den

Organisatorischen Leiter Rettungsdienst stellen.

Da die Kräfte des regulären Rettungsdienstes für die

Bewältigung von Großschadensereignissen nicht

ausreichen, kann im Landkreis Göppingen auf drei

Schnelleinsatzgruppen zurückgegriffen werden, die

innerhalb kurzer Zeit den Rettungsdienst durch den

Aufbau von Behandlungsplätzen unterstützen und

zusätzliche Transportkapazität für Notfallpatienten

bereithalten. Auch diese Einheiten werden am Einsatzort

durch den Leitenden Notarzt geführt. Durch

diesen verzahnten Einsatz von Kräften und Mitteln

entsteht ein Hilfeleistungssystem, das schnell und

effektiv eingesetzt werden kann.

Dr. Stefan Schulz-Kirchrath


Titelthema

Zentrale Notaufnahme in der Klinik am Eichert

Der Kreistag beschloss 2006 eine Zentrale Notaufnahme

für die Klinik am Eichert. Am 2. Februar

2009 wurde die Interdisziplinäre Notfallstation unter

der Leitung von Dr. Katja Mutter in Betrieb genommen.

Nach gut eineinhalb Jahren kann ein erstes Fazit

gezogen werden.

Alle Menschen, die die KaE als Notfallpatient erreichen,

werden über die Interdisziplinäre Zentrale Notaufnahme

(ZNA) aufgenommen. Schnell erreichbar im

Erdgeschoss und durch einen Anbau erweitert sind

mehrere Untersuchungsräume, acht Liegestühle und

zwei große Patientenzimmer mit 14 Betten, an denen

jeweils mit Monitoren alle Kreislauf-Funktionen überwacht

werden, für Verletzte und plötzlich Erkrankte

vorbereitet. Dazu ein Schockraum, ein separates Zimmer

für Patienten mit vermuteten Infektionen und

modern ausgestattete Funktionsräume rundherum.

Hier erfolgt für derzeit über 3000 Notfallpatienten

pro Monat eine schnelle Not-Versorgung und eine

erste Diagnose, nach der die Patienten behandelt,

überwacht und – wenn nötig – in die entsprechenden

Fachabteilungen weitergeleitet werden.

"Die optimale Patientenversorgung ist unser oberstes

Ziel" betont die Chefärztin Dr. Katja Mutter. „Dazu

bietet die ZNA interprofessionelle Leistung auf hohem

Niveau". Die bisherige Leitende Ärztin wirkte

entscheidend bei der Entwicklung der Notaufnahme

mit und engagiert sich mit ihren Kolleginnen und

Kollegen für „optimale Erstversorgung, hohe Patientenzufriedenheit,

präzise Aufnahmeentscheidungen und

wirtschaftlich effizientes Arbeiten". Die ausgebildete

Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie ist auch

in ihrer jetzigen Position weiterhin als Notärztin und

Leitende Notärztin tätig. In der Klinik arbeitet sie im

Team mit acht Internisten, einem Allgemeinchirurgen,

einem Unfallchirurgen und Orthopäden sowie speziell

weitergebildeten Pflege- und Managementkräften. Bei

Bedarf können Fachärzte und Spezialisten aus anderen

Abteilungen auf kürzestem Weg dazugerufen werden.

365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr leuchten drei

farbige Schalter den Patienten zur ersten Orientierung.

8 Kliniken-Telegraf 12/2010

Dr. Katja Mutter übernimmt einen Patient

Die Patienten werden umgehend von qualifiziertem

und dafür ausgebildetem Pflegepersonal kurz befragt

und es wird eine Einschätzung der medizinischen

Dringlichkeit nach einem standardisierten Fünf-Stufen-

System vorgenommen. Das neue, computergestützte

Verfahren hilft Prioritäten nach bestehenden Risiken

zu setzen. „Natürlich bemühen wir uns die Wartezeiten

für alle so kurz wie möglich zu halten, aber

schwer Verletzte oder z. B. durch einen Infarkt oder

Schlaganfall gefährdete Patienten haben Vorrang",

erklärt Katja Mutter.

Da von Rettungssanitätern und Notärzten liegend

eingelieferte Menschen von der Wartezone aus nicht

gesehen werden können, führt das bei den Wartenden

schon mal zu Missverständnissen. Katja Mutter und ihr

Team wissen sehr wohl darum, dass bei Schmerzen oder

der Angst vor befremdlichen Symptomen bei sich selbst

oder Angehörigen, beispielsweise die intensive Beobachtung

wie eine quälend lange Wartezeit erscheint.

„Sobald die Patienten die Abläufe erklärt bekommen,

fühlen sie sich wesentlich besser - denn wir tun hier sehr

viel für sie", erläutert die erfahrene Ärztin. Nicht zuletzt

deshalb legt sie größten Wert auf freundliche und


aufmerksame Kommunikation – innerhalb des Teams

ebenso wie zwischen Mitarbeitern und Patienten. Und

das Fazit nach 20 Monaten Zentrale Notaufnahme?

"Ich bin sicher, dass niemand mehr die Zentrale Notaufnahme

missen möchte", lacht die 43-Jährige, die ab

November eine der wenigen Chefärztinnen in deutschen

Kliniken ist. „Wir machen gute Medizin und

alle Disziplinen arbeiten schnell und hervorragend

Hand in Hand."

Die einzige Chefärztin

Foto: Klinikenarchiv

Seit November 2010 ist Dr. Katja Mutter Chefärztin

an der Klinik am Eichert. Die 43-jährige Mutter einer

kleinen Tochter hat 24 Jahre nach Beginn ihres

Medizinstudiums geschafft, was bislang deutlich weniger

Frauen als Männer im medizinischen Dienst

erreichen: die Chefarzt-Position. „Ich hatte nie vor

Chefärztin zu werden, nicht mal Leitende Ärztin war

mein Ziel“. Durchweg authentisch beschreibt die Internistin

und Fachärztin für Nephrologie, die 1994

am Eichert bei Dr. Helgo Giesler begann, wie sie den

Weg in die Innere Medizin gefunden und durch die

Nephrologie erweitert und spezialisiert hat. Vor zehn

Jahren wurde sie als Notfallärztin anerkannt, drei

Jahre später war sie Leitende Notärztin im Landkreis.

Unter der Leitung von Chefarzt Dr. Klaus-Dieter Hanel

wurde Katja Mutter 2004 Oberärztin mit Schwerpunkt

Nephrologie, seit 2006 ist die auch zur Hypertensiologin

fortgebildete Ärztin zusätzlich Transplantationsbeauftragte

der Kliniken des Landkreises.

Im Jahr 2009 wurde sie zur Leitenden Ärztin der

grundlegend neu eingeführten Zentralen Notaufnahme

am Eichert berufen. „Es hat sich so entwickelt“,

lächelt sie auf die Frage nach ihrem Karriereflug.

Dr. Katja Mutter ist Ärztin aus Überzeugung, sie liebt

ihren Beruf und die Arbeit im Team und trotzdem

ist ihre Familie, ihre Tochter für sie das Wichtigste.

Eine Gratwanderung? „Nein“, lacht sie „eher ein

eng getakteter Alltag, der ausgeklügelt organisiert

ist, ein Partner, der mitzieht, eine tolle Kindertagesstätte

hier an der Klinik und eine super Tochter.“

Es darf nicht viel dazwischen kommen. Doch auch,

wenn die Kleine mal krank ist oder die Arbeitszeit

der Ärztin die Betreuungszeit in der KiTa weit überschreitet

„bisher hat es noch immer gut geklappt.“

In ihrem Büro liegen Malsachen bereit, die viereinhalbjährige

Tochter kennt sich in der Notaufnahme

bestens aus und findet immer jemand, der sie mit Bastelmaterial,

Getränken oder einer kleinen Unterhaltung

versorgt. „Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass

Frauen nicht in die Chefarztposition gelassen werden“,

überlegt Dr. Katja Mutter, die die einzige Frau an den

Kliniken des Landkreises in dieser Position ist. Noch

immer seien die Strukturen zwar weitgehend männlich

geprägt, aber „vielleicht trauen sich auch viele Frauen

leitende Positionen selbst nicht zu?“

Auch wenn die Ärztin wenig Wert auf Rang und Titel

legt, so freut sie sich dennoch – nicht zuletzt, weil sie

weiß, dass der Titel ‚Chefärztin‘ so manche Kommunikation

vereinfachen wird.

Andrea Maier

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Portrait

Chefarzt der Pathologie: Privatdozent Dr. Volker Bürkle

Eigentlich wollte er Landarzt werden. So richtig

auf der Schwäbischen Alb. Bei Wind und Wetter

raus – und zur Not auch mal helfen, ein Kälbchen zur

Welt zu bringen.

PD Dr. Volker Bürkle nach einem langen Arbeitstag

Foto: M. Radloff

10 Kliniken-Telegraf 12/2010

Stattdessen leitet Volker Bürkle an den Kliniken des

Landkreises jenen Fachbereich, den die meisten nur

reichlich verzerrt aus dem Sonntagabendkrimi kennen

– die Pathologie.

Der in Trossingen geborene junge Mann studiert Medizin

im nahegelegenen Tübingen. „Die Pathologie

hat mich fasziniert“, erinnert er sich. Sie biete die

Grundlagen und man sei „vom Scheitel bis zur Sohle“

zuständig. „Wenn ich etwas sehe, kann ich mir besser

vorstellen, was alles sein kann“, erläutert Bürkle und

weiß „je mehr klinische Sektionen Mediziner durchführen,

desto breiter ist ihr Spektrum in der differenzierten

Diagnostik“.

Tief beeindruckt habilitiert er in diesem Fach und geht

als Leitender Oberarzt der Pathologie nach Göttingen

an das Universitätsklinikum. Sechs Jahre forscht, lehrt

und arbeitet er dort. Zwei Jahre leitet er kommissarisch

auch den Lehrstuhl.

Es gibt viele Angebote für den engagierten Mediziner,

der in größter Hektik Ruhe ausstrahlt. „Hamburg

fand ich reizvoll“, lächelt er und winkt dann ab. „Die

Sehnsucht nach der Alb war stärker.“

Glücklicherweise kann seine Frau, die aus Göttingen

stammt, dem stolzen kargen Land auch viel abgewinnen

– sie kommt mit. Dem ersten Sohn folgt ein zweiter

und schließlich macht die Tochter die Familie rund.

1992 ziehen Bürkles an den Fuß der Schwäbischen Alb

nach Dürnau, er ist Leitender Oberarzt in der Pathologie

am Eichert. Seit dem Weggang von Professorin

Dr. Karin Sorger, 2003, ist Volker Bürkle Chefarzt. „Ich

habe ein außergewöhnlich gutes Team“, strahlt er und

stellt mit Vergnügen alle vor, die an diesem Vormittag

in den verzweigten und geheimnisvoll verbundenen

Kellerräumen an der Arbeit sind. Frauen und Männer

schneiden, sortieren und tauchen Gewebe in Paraffin,

hobeln hauchdünne minimale Mengen davon ab,

wieder andere untersuchen in zigfacher Vergrößerung

unter Mikroskopen, was zum Nutzen oder zum

Schaden der Menschen in deren Körpern wächst. Ein

paar Meter weiter wird geschrieben und versendet,

dokumentiert und archiviert - raumhohe Schränke


auf langen Fluren sind randvoll mit untersuchtem

Gewebe. „Es ist vorgeschrieben, jede Gewebeprobe 15

Jahre aufzubewahren“, erklärt Volker Bürkle und lässt

auch den Sezierraum beim Rundgang nicht aus. Der

sieht übrigens genau so aus wie im Tatort. Was aber

kaum jemand weiß: Bevor die Toten auf die genaue

Ursache ihres Todes hin untersucht werden, können

Angehörige in Ruhe Abschied nehmen.

Wie eine Oase im eifrigen Klinikalltag wirkt der stille

Raum, der selbstverständlich auch für die Rituale

und Bedürfnisse jener Menschen nichtchristlichen

Glaubens umgestaltet wird.

„Wenn ein Kind da liegt oder eine Mutter, die kleine

Kinder zurücklässt ...“ dann ergreift ihn das auch

noch nach den vielen Berufsjahren, nach allem, was

er schon gesehen hat.

Philosophische Gedanken liegen ihm nahe. Die erörtert

er gerne mit guten Büchern und noch besseren

Freunden. Auf intensiven Reisen in eher unbekannte

Regionen und Kulturen der nördlichen Welt erweitert

er seinen Blick auf Leben und Tod. Auf die Frage hin,

ob er gläubig sei, überlegt er lange „Als junger Mann

habe ich aufgehört zu glauben, heute bin ich mir da

nicht mehr so ganz sicher.“

Der aufmerksame Blick durch das Mikroskop hat ihm

noch dazu eine neue Dimension von Ästhetik eröffnet.

„Unglaubliche Schönheit ist in beinahe Unsichtbarem

zu finden“, schwärmt er und setzt seine Leidenschaft

für visuelle Kreativität nicht nur als Filmer und Fotograf,

sondern auch im Bund Deutscher Filmautoren

als Jurymitglied ein.

Frische Luft und neue Kraft schöpfen kann er am besten,

wenn er mit seiner kleinen Jolle über den Bodensee

segelt oder zu Pferd über Wiesen und Felder reitet.

„Das kommt alles viel zu kurz“, schmunzelt er und

hat nicht die geringste Sorge, dass ihn in seinem näher

rückenden Ruhestand Langeweile überfallen könnte.

Andrea Maier

PD Dr. Volker Bürkle Hier werden vielen Präparate archiviert Foto: A. Maier

11


Medizin aktuell

Pathologie: Schnittstelle zwischen Diagnose und Therapie

Im Untergeschoss angesiedelt findet sich, wie in den

meisten Krimis dargestellt, auch in der Klinik am

Eichert das Institut für Pathologie unter der Leitung von

PD Dr. Volker Bürkle. Entgegen der weit verbreiteten

Vorstellung werden dort selten Obduktionen durchgeführt

– und schon gar keine Kriminalfälle gelöst.

Genau genommen ist das der geringste Teil der täglichen

Arbeit. Hauptsächlich kümmern wir uns um das

Wohlergehen der Patienten. Dies geschieht meistens

nicht unmittelbar, aber in der Pathologie besteht mehr

Kontakt mit den Patienten der Klinik als es diese für

gemeinhin annehmen und wissen.

Oft erfährt man erst während oder nach einer Behandlung,

dass einer der behandelnden Ärzte ein Pathologe

war. Die Pathologie als Lehre von den abnormen und

krankhaften Vorgängen und Zuständen im Körper und

12 Kliniken-Telegraf 12/2010

Vieraugen-Prinzip Dr. Verena Lubczyk und PD Dr. Volker Bürkle Foto: A. Maier

deren Ursachen ist ein diagnostisches Fachgebiet der

Medizin. Der Hauptteil der Tätigkeit des Pathologen

besteht darin, Gewebeproben, zum Beispiel Biopsien,

Operationspräparate und zytologische Präparate dahingehend

zu untersuchen, ob entzündliche oder tumoröse

Krankheiten vorliegen und wenn ja, in welcher

Ausprägung. Gewebeproben werden bei den meisten

Eingriffen entnommen, die in der Klinik oder Praxis

durchgeführt werden. Diese Proben werden in das

Institut für Pathologie geschickt und dort zunächst

makroskopisch, also mit bloßem Auge, auf verdächtige

Veränderungen inspiziert und teils aufwändig und

zeitintensiv weiter bearbeitet, so dass schlussendlich

eine individuelle Beurteilung am Mikroskop erfolgen

kann. Wenn die Diagnose „bösartiger Tumor“ gestellt

wird, findet das Vieraugenprinzip Anwendung, das


edeutet, dass ein zweiter Pathologe die Diagnose bestätigen

muss. Im Rahmen der diagnostischen Tätigkeit

wird für jede Probe und somit für jeden Patienten ein

umfassender Bericht erstellt, in dem die Diagnose und

alle für die weitere Behandlung und Prognose wichtigen

Parameter berücksichtigt werden. Dabei sind vor allem

in der Entzündungs- und Tumordiagnostik moderne

immunhistochemische und molekularpathologische

Untersuchungsmethoden von Bedeutung.

Diese sind vor Einsatz spezieller Chemotherapeutika

in der Krebstherapie sogar vorgeschrieben. Es kann

damit geklärt werden, ob die erhoffte Wirkung des

Medikamentes im Einzelfall eintreten kann, oder ob

das Tumorgewebe Charakteristika aufweist, die einen

wirksamen Einsatz des Medikamentes verhindern.

So beeinflusst die Arbeit des Pathologen die Therapieentscheidungen

in den wöchentlich stattfindenden Tumorkonferenzen

maßgeblich. Mit Hilfe der Pathologen

kann festgelegt werden, welches Tumorleiden vorliegt,

wie weit fortgeschritten es ist und ob das Tumorgewebe

vollständig entfernt wurde. Diese Parameter sind in der

individualisierten Tumortherapie wichtig, da nur so

Mikroskopische Aufnahme eines papillären

Schilddrüsenkarzinoms Foto: Dr. V. Lubczyk

festgelegt werden kann, ob eine Chemotherapie beziehungsweise

Strahlentherapie durchgeführt werden soll

oder nicht. Das Prinzip der zielgerichteten Tumortherapie

wird durch den Einsatz von hochspezialisierten

molekularpathologischen und immunhistochemischen

Untersuchungsmethoden ermöglicht.

Ein weiterer Aspekt der täglichen Arbeit in der Pathologie

ist die Schnellschnittuntersuchung. Während einer

Operation wird Gewebe zum Beispiel dahingehend

untersucht, ob gut- oder bösartige Veränderungen

vorliegen. Diese Information beeinflusst den weiteren

Operationsverlauf und leistet dem Chirurgen eine

Hilfestellung für sein weiteres Vorgehen.

Und dann werden im Institut für Pathologie der Klinik

am Eichert auch heute noch Obduktionen durchgeführt.

Im Gegensatz zur gängigen Meinung erfolgen

diese nur auf Antrag der behandelnden Ärzte und

nicht auf Bitten der Staatsanwaltschaft. Es werden

nur Menschen obduziert, die eines natürlichen Todes

gestorben sind und deren Angehörige einverstanden

sind. Die Obduktion hat einen hohen Stellenwert und

beeinflusst auf vielfältige Weise die medizinische Versorgung

in der Klinik am Eichert. Auch hilft sie den

Angehörigen noch offene Fragen bezüglich Todesursache

und Grundleiden zu beantworten. Den behandelnden

Ärzten hilft das Resultat der Obduktion in der

Beurteilung von Therapieerfolg und der Ausbildung

des ärztlichen Nachwuchses und dient damit auch der

Qualitätskontrolle. Eine Obduktion ist immerhin der

letzte Dienst eines Arztes am Patienten.

Dr. Verena Lubczyk

13


Medizin aktuell

Wirbelsäulenchirurgie

Erkrankungen der Wirbelsäule sind weit verbreitet.

90% der Deutschen sind während ihres Lebens

wegen Rückenproblemen in ärztlicher Behandlung,

40% der Rentenanträge resultieren aus Rückenerkrankungen.

Hinsichtlich der daraus resultierenden

Arbeitsunfähigkeitszeiten haben die Wirbelsäulenerkrankungen

die Herz/Kreislauferkrankungen auf den

zweiten Platz verdrängt und deshalb auch eine große

volkswirtschaftliche Bedeutung.

Dr. Sven Moerk und Prof. Christoph Ulrich

Foto: A. Maier

Unterschiedliche Diagnosemöglichkeiten zeigen eine

weite Bandbreite an verschiedenen Behandlungswegen

auf, die Indikationsstellung ist durch verschiedene

Techniken und spezialisierte Implantate gekennzeichnet.

Im Bereich der Unfallchirurgie der ‚Klinik für Orthopädie

und Unfallchirurgie am Eichert‘ werden sowohl

traumatische als auch degenerative und onkologische

Wirbelsäulenerkrankungen operativ versorgt. Ein Alleinstellungsmerkmal

ergibt sich daraus, dass es kein

vergleichbares Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie

im Umkreis von 40 Kilometern gibt.

14 Kliniken-Telegraf 12/2010

Welche therapeutischen Möglichkeiten haben wir?

In Abhängigkeit von der Diagnose und eventuellen

Zusatzerkrankungen lassen sich folgende Prinzipien

darstellen:

Am häufigsten sind Verletzungen der unteren Brustwirbelsäule

und der oberen Lendenwirbelsäule. Je

nach Ausmaß der Verletzung und in Abhängigkeit

von Zusatzverletzungen werden von uns vorzugsweise

minimal invasive Verfahren angeboten. Dies

bedeutet kleinstmögliche Eingriffe bei notwendigen

Operationen. Im Gegensatz zu früher, als großflächig

Muskulatur abgelöst werden musste, können wir heute

mit dem minimal-invasiven Verfahren insbesondere

in der Tiefe schonend arbeiten. Nach der Operation

können die Patienten sofort zu Bewegung angeregt

werden, sie brauchen keine lange Bettruhe mehr.

Bei Metastasen oder Tumoren muss der betroffene

Wirbelsäulenabschnitt stabil überbrückt werden, eventuell

der Tumor ausgeräumt und nachbestrahlt werden.

Dies erfordert eine intensive Zusammenarbeit mit der

onkologischen und radioonkologischen Abteilung

unseres Hauses, welche hervorragend funktioniert.

In den letzten Jahren haben wir als Folge der Zunahme

von Patienten mit gestörtem Immunsystem (fortge-

Fraktur der Brustwirbelsäule und minimal-invasive

Stabilisation Foto: Unfallchirurgie KaE


schrittene Diabetes, Zytostatikabehandlung, Tumore)

Infektionen der Bandscheibe oder des Wirbelkörpers

mit Schmerzen und/oder neurologischen Ausfällen

zu verzeichnen. Hier muss vorrangig der Infekt ausgeräumt

und der betroffene Wirbelsäulenabschnitt

mit Metallimplantaten stabilisiert werden. Parallel

dazu erfolgt die Behandlung der Systemerkrankung.

Die größte Gruppe wird durch die degenerativen Wirbelsäulenveränderungen

repräsentiert, wozu auch

Bandscheibenvorfälle gehören. Grundsätzlich ist eine

Stufentherapie angezeigt:

Bei Bandscheibenvorfällen, die man übrigens hervorragend

im Kernspintomogramm nachweisen kann, ist

ein operativer Eingriff nur angezeigt, wenn eine entsprechende

neurologische Begleitsymptomatik auftritt.

Ansonsten wird bei Bandscheibenvorfällen, ebenso

wie bei degenerativen Veränderungen der kleinen

Wirbelgelenke, zunächst eine medikamentöse Therapie

durchgeführt. Wichtig ist, die Patienten darauf hin-

Narben nach minimal-invasivem Eingriff

Foto: Unfallchirurgie KaE

zuweisen, dass körperliche Schonung nicht weiterhilft

sondern eher schadet und deshalb eine gezielte krankengymnastische

Übungsbehandlung sehr wertvoll ist.

Die künstliche Bandscheibe ist seit Jahren im klinischen

Einsatz, zeigt sich aber mittel- und langfristig der

herkömmlichen Spondylodese, also der Versteifung

einiger Bewegungssegmente, nicht überlegen.

Unter den degenerativen Veränderungen nehmen die

sogenannten Spinalkanalstenosen (Verengungen des

Rückenmarkkanals und der Zwischenwirbellöcher)

durch degenerativen Kollaps der Bandscheiben stark

zu, insbesondere die dabei entstehenden Instabilitäten

mit Ausbildung von skoliotischen Deformierungen.

Hier ist zunächst einmal die Instrumentierung der

Wirbelkörper und Korrektur der Stellung angezeigt,

danach muss der Spinalkanal eröffnet und die einengenden

Wirbelsäulenkomponenten entfernt werden,

um den Nerven wieder Platz zu geben und ihnen zu

ermöglichen, ihre normale Funktion zu erfüllen. Es

handelt sich um eine minimal invasive Operation und

um Stabilisierungen mit minimal invasiv eingebrachten

Implantaten zur Korrektur der Fehlstellung.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die moderne

Wirbelsäulentherapie allen Wirbelsäulenpatienten

ein breites Feld von therapeutischen Möglichkeiten

bietet, die geeignet sind, eine dauerhafte Invalidität

oder Bettlägerigkeit zu vermeiden.

Prof. Dr. Christoph Ulrich

15


Medizin aktuell

Sicherheitscheck vor jeder Operation verbindlich

Mehr Sicherheit für den Patienten

Eine internationale Studie der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) hat ergeben, dass das Patientenrisiko

im Operationssaal deutlich verringert werden

kann, wenn vor dem Eingriff eine festgeschriebene

Checkliste durchgegangen wird. In den Kliniken des

Landkreises ist das kurze Innehalten vor jeder Operation

seit Oktober Pflicht.

16 Kliniken-Telegraf 12/2010

Foto: Klinikenarchiv

Das falsche Bein amputiert? „Bei uns kann so etwas

nicht passieren – das wird jede Klinik versichern“, leitet

Prof. Jörg Martin, Geschäftsführer der Kliniken des

Landkreises, die Einführung der WHO-Sicherheitscheckliste

im Operationssaal ein. Bei weltweit etwa

263 Millionen Operationen pro Jahr sterben rund

eine Million Menschen, in den wenigsten Fällen wegen

“Schlamperei im OP“, aber eben auch aus diesem

Grund. Aus der WHO-Untersuchung folgt, dass die

Sterberate bei oder direkt nach großen Operationen

von 1,5 auf 0,8 Prozent sinkt, wenn die Checkliste vom

Team im Operationssaal sorgsam und verbindlich

durchgegangen wird.

Als „logische Konsequenz“, bezeichnet Prof. Matthias

Fischer, Chefarzt der Anästhesiologie am Eichert, die

sofortige Einführung der so genannten ’Safety-Card’.

Bislang böten nur wenige Kliniken diesen extra Sicherheitscheck

an. Man könne stolz auf die Entscheidung

sein.

20 Punkte sind in drei Phasen, nämlich während des

’Sign In’ vor der Narkose, im ’Time Out’ vor dem ersten

Schnitt und im ’Sign Out’ nach dem Eingriff vom

Team zu überprüfen. Es beginnt mit der Identität des

Patienten, der genauen Bezeichnung der Eingriffstelle,

eventueller Unverträglichkeiten, dem erwarteten

Blutverlust und mündet in eine kurze Information

jeder Fachkraft. Nach der Operation wird noch einmal

die Aufmerksamkeit des gesamten Teams gebündelt.

„Alle Beteiligten sammeln sich, begreifen sich als

Team und sind mit ganzer Aufmerksamkeit bei dem

Patienten“, fasst Jörg Martin das Prozedere zusammen.

Selbst bei Notoperationen sei das kurze Innehalten

möglich. „Für Piloten ist der Check Up vor jedem

Flug selbstverständlich – für uns wird es ebenso sein“.

Jede und jeder an Operationen Beteiligte ist seit Oktober

an den Kliniken des Landkreises sogar per Dienstanweisung

zu dem „kurzen Innehalten für größtmögliche

Patientensicherheit“ verpflichtet. Jörg Martin hat

in seiner Verantwortlichkeit für die beiden Kliniken

seit 2008 erst zwei Dienstanweisungen ausgegeben, „die

Safety-Card ist uns für noch mehr Patientensicherheit

enorm wichtig“, begründet er seinen Schritt.

Dr. Walter Schlittenhardt, Chefarzt der Klinik für

Anästhesie und Intensivmedizin in Geislingen hält die

Einführung des Checks, neben der hochqualifizierten

Ausbildung und Weiterbildungen aller Mitarbeitenden

für einen „wesentlichen Baustein der Sicherheitskultur

in unseren Kliniken“.

Chefchirurg am Eichert, Prof. Stefan Riedl, betont, dass

die ’Safety-Card’ im OP nicht nur dazu diene, Fehler

zu vermeiden sondern auch helfe „eine konstruktive

Fehlerkultur zu etablieren“. Durch den formalen

Weg der Dienstanweisung sei jeder verpflichtet und

berechtigt, eigenes Wissen und Erfahrung einzubringen

– „über alle Hierarchien hinweg.“ Fehler müssten

offen gelegt statt verschwiegen werden, um sie künftig

zu vermeiden.

Helma Behle, Leiterin des Pflege- und Funktionsdienstes

und Petra Strauß, Gruppenleiterin der Anästhesie,

pflichten den Medizinern bei: „Jede Berufsgruppe ist

bisher für sich gut organisiert – nun ergänzen sich die

Akteure mit ihren unterschiedlichen Blickwinkeln noch

besser“. Andrea Maier


Pflege aktuell

Willkommen im Still-Café

Die Kliniken des Landkreises haben am Eichert

ein Still-Café eröffnet. Mütter und Väter, mit

und ohne Baby, sind jeden Mittwochnachmittag eingeladen

sich dort wohl zu fühlen, auszutauschen und

zu informieren.

„Am Anfang ist es oftmals wie beim Tanzen“, lacht

Dorothee Ballreich. „Man ist sich erst mal gegenseitig

im Weg, bevor die Abläufe harmonisch werden – und

viel Freude bereiten.“ Die Stationsleiterin der Entbindungsstation

am Eichert spricht vom Stillen, von der

innigsten Form der Säuglingsernährung. Über das

Stillen geben Frauen ihren Kindern den besten Start ins

Leben. Stillen gilt als Indikator für Gesundheit, für eine

intensive Mutter-Kind-Beziehung, für eine fürsorgliche

Umgebung und vieles mehr. Das ist Standpunkt der

Kliniken des Landkreises.

Und weil das Stillen nicht immer einfach ist, Unsicherheiten

weckt, aus verschiedenen Gründen nicht

klappen will, gibt es nun das Still-Café.

Hier finden Frauen vor und nach der Entbindung Beratung,

praktische Tipps, informative Vorträge und viel

Wohlgefühl. Hebammen, eine Still- und Laktationsberaterin,

Kinderkrankenschwestern und die Ärztinnen

und Ärzte der Frauen- und Kinderklinik sorgen für

eine abwechslungsreiche, rundum wohltuende Einrichtung,

in der man in aller Ruhe plaudern, lachen,

ausprobieren und Kontakte knüpfen kann.

18 Kliniken-Telegraf 12/2010

Schon die Eröffnung war ein voller Erfolg: Über 60

Frauen und einige Männer kamen mit und ohne Babys,

um sich zu informieren und auch, um sich verwöhnen

zu lassen.

Ein wunderbar angenehmer Duft lockte die Besucherinnen

im achten Stock geradewegs in den Speiseraum.

Freundlich dekoriert und mit weitem Blick aus den großen

Fenstern herrscht hier so gar keine „Krankenhaus-

Atmosphäre“. „Eine richtige Wohlfühloase“, staunt eine

junge Frau, die erst am Anfang ihrer Schwangerschaft

steht und sich umfassend informieren möchte. Handmassagen

mit wertvollen Aromaölen, Energiehäppchen

und natürlich der sagenhafte Klinik-Vitalcocktail ließen

die Gäste entspannen und mit allen Sinnen genießen.

Frau Ursula Gropper, leitende Apothekerin und ihr

Team aus der „Marktapotheke“ in Donzdorf unterstützte

die Auftaktveranstaltung mit viel Engagement.

Sonja Emberger, Hebamme aus der „babyfreundlichen

Apotheke in Donzdorf “, zeigte den richtigen Umgang

mit Tragetüchern und erläuterte auch verschiedene

Wellnessprodukte. Die Pflegekräfte und Hebammen

der Klinik beantworteten sorgsam all die vielen Fragen

rund um Kinder-Gesundheit und ums Stillen.


Fotos: Klinikenarchiv

Der gelungene Eröffnungsnachmittag findet fortan

jeden Mittwoch von 14.30–16.30 Uhr seine Fortführung

im Speiseraum der achten Etage. Eingeladen sind

nicht nur Frauen, die in der Klinik entbinden. „Jede

Frau, die am Stillen interessiert ist, Probleme dabei hat

oder einfach Kontakt sucht, ist herzlich willkommen“,

betont Dorothee Ballreich.Wer mag, kann Fragen auch

per E-Mail stellen: dorothee.ballreich@kae.de

Andrea Maier

Unsere ganze

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unsere Region

AlbWerk GmbH & Co. KG

Eybstraße 98-102

73312 Geislingen

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19


Pflege aktuell

Die Brückenpflege

Seit 1. Januar1995 arbeiten wir auf diesem Gebiet mit

viel Idealismus, fachlicher Kompetenz und beruflicher

Erfahrung. Unser Ziel ist es die schwerstkranken

Patienten und ihre Angehörigen im eigenen Umfeld

zu Hause in der belastenden Lebensphase zu begleiten.

Damit nehmen wir folgende Aufgaben wahr:

Das Team der Brückenpflege

v. l. Sylvia Folk, Iris Köpper, Brigitte Ertl,

Gaby Burbeck,Liane Bartels

Foto: R. Mütschele

20 Kliniken-Telegraf 12/2010

In der Klinik:

Im Erstgespräch, das meist in der Klinik stattfindet,

stellen wir den Kontakt zu Patienten, deren Angehörigen

und Begleitpersonen her. Mit dem zuständigen

Arzt und dem Pflegeteam besprechen wir was der

Patient braucht und stellen einen individuellen Versorgungsplan

auf.

Beim Patienten zu Hause:

Es ist unsere Aufgabe, die individuelle Pflege der

kranken Menschen stets an deren Bedürfnisse anzupassen.

Die palliativmedizinische Therapie hat für

jeden Menschen unterschiedliche Bedeutung und

muss deswegen auf Autonomie und Individualität

eines jeden Patienten geprüft werden. Dazu gehört

auch die Unterstützung der Patienten in ihrer Selbstbestimmung.

Wir unterstützen die Organisation im

gesamten Umfeld des Patienten und versuchen einer

Überforderung der Angehörigen entgegenzuwirken,

indem wir Pflegedienste oder MitarbeiterInnen des

Hospizvereins einbeziehen.

Notruf im Bereitschaftsdienst:

Unsere Hausbesuche finden nach Terminabsprache

statt. Kommt es außerhalb dieser Zeiten zu Notsituationen

(z. B. starke Schmerzen), kommen wir in unserem

24-Stunden-Bereitschaftsdienst vorbei. Durch unsere

Vernetzung mit den Hausärzten und Klinikärzten

ist es uns möglich nach Rücksprache schnell zu re-

Die häufigsten Erkrankungen der Patienten, die wir in den letzten fünf Jahren betreuten:

Diagnosen 2006 2007 2008 2009 bis 08.2010 Gesamt

Lungenkrebs 61 83 72 56 45 317

Nieren-,Blasen-Prostatakrebs 41 39 56 29 40 205

Darmkrebs 42 42 43 24 24 175

Bluterkrankungen 29 24 49 25 22 149

Brustkrebs 20 27 25 40 32 144

Gynäkologischer Krebs 30 36 26 24 16 132


Gesamte Vernetzung

Visa/Sozialdienst, Aufenthaltsgenehmigung

Schmerztherapeuten,

Onkologe, Chemoärzte,

Psychoonkologe

Ambulante Chemo

Ambulante Bestrahlung

Sozialdienste

Psychoonkologie

Apotheken

Stationsarzt

B r ü c k e

Onkologe

Angehörige

Hausarzt

Schmerztherapeut

Angehörige

Patient

Sozialstationen

agieren. Teilweise können wir so Klinikeinweisungen

vermeiden.

Betreuung:

Von 1995 bis Ende August 2010 wurden insgesamt 4114

Patienten betreut, davon waren 1922 Frauen und 2192

Männer. Mit Blick auf das Alter der Patienten waren

in den vergangenen 4 Jahren zwei Drittel der Patienten

66-85 Jahre alt. In den vergangenen fünf Jahren

besuchten wir 6600 zuhause und 5400 in der Klinik.

Unser Ziel ist es, durch rasche und effiziente Krisenintervention

Tumorpatienten bei optimierter Lebensqualität

zu Hause betreuen zu können, damit sie nicht

wegen Schmerzen oder anderer Symptome wieder in

die Klinik eingewiesen werden müssen.

P�ege

Private

P�egedienste

Brückenp�ege

Seelsorge

Stomatherapie

Krankenkasse

Pastor-Pfarrer oder andere

seelsorgerliche Begleiter

Nach Wunsch

Sanitätshäuser

spez. P�egedienste

Krankenkasse (Finanzierung)

Wir streben eine enge Vernetzung (siehe Schaubild)

zwischen stationärer und häuslicher Pflege und Betreuung

von tumorkranken Menschen an. Unsere Arbeit

ist eine Serviceleistung der Kliniken des Landkreises

Göppingen und somit für unsere Patienten kostenlos.

Siegfried Reich

2008 wurde das Team der Brückenpflege für den Service-

Oscar nominiert und ausgezeichnet. Karl-Otto Kaiser

vom Förderverein der Kaufmännischen Schule zitierte

in seiner Laudatio „Die Frauen hätten sich in mehreren

Fällen auf sehr persönliche Weise für Patienten bzw.

deren Angehörige eingesetzt“. Sie sind nach Ansicht der

NWZ-Leser die “STARS IN DER PFLEGE“.

21


Vielfalt hinter den Kulissen

Die Telefonzentrale – Zentrum der Kommunikation

Was wäre, wenn die Telefonzentralen der Kliniken

des Landkreises nicht wären? Es würde nicht

nichts, aber nicht mehr sehr viel funktionieren.

Klinik am Eichert, Klein, guten Tag“. Es hat nur zweimal

geläutet, da ist schon diese freundliche Stimme.

Ruhig und geduldig hört Holger Klein was die Anrufer

wünschen. Während er Verbindungen herstellt, erklärt

Irene Heer einer Anruferin, dass die zu sprechen gewünschte

Ärztin derzeit im Operationssaal beschäftigt

ist. „Versuchen Sie es am Nachmittag noch mal.“

Klare Ansagen, freundliche Hilfe, Ruhe in der Stimme

und den Überblick im Kopf - selbst in der größten

Hektik, wenn alle Apparate gleichzeitig klingeln, aus

dem OP dringende Anfragen kommen, ein Mitarbeiter

hereinflitzt, eine eilige Auskunft braucht, am freien

Telefon schnell ein Gespräch führt, wieder hinauseilt

und eine Nachricht für XY hinterlässt, vor der großen

Glasfront der Rettungswagen heranbraust und

augenblicklich Nachrichten von hier nach dort fliegen

müssen, dann noch jemand intern Bescheid gibt, dass

22 Kliniken-Telegraf 12/2010

Holger Klein und Irene Heer Foto: A. Maier

er in den folgenden zwei Stunden nicht gestört werden

möchte und die Dame von geradeeben schon wieder

versucht, diese eine Ärztin zu erreichen, die doch im

OP zu tun hat … . Irene Heer und Holger Klein lachen:

„Der ganz normale Wahnsinn.“

Die beiden haben Frühschicht, also kurz vor Sechs

ihr Tagwerk von der Nachtschicht-Kollegin in der

Telefonzentrale der Klinik am Eichert übernommen.

Sie haben drei Telefonapparate im Griff, bewahren

an zwei Monitoren den Überblick über alle Gespräche,

die innerhalb des Hauses, von außen nach innen

und von innen nach außen durch die Drähte rasen,

drücken Tasten, notieren Nachrichten, merken sich

Namen, Fakten, Nummern und müssen um all die

vielschichtigen Zusammenhänge im Betrieb wissen.

„Sie haben nur eine Sieben vergessen, versuchen Sie

es noch mal, viel Glück.“

Endlose Geduld, ausdauernde Freundlichkeit und

ständig klingelt es in unterschiedlichen Tonfolgen.

Nachts bewältigt das eine Mitarbeiterin

allein, tags sind sie zu

zweit. 13 Spezialisten in Teil- und

Vollzeit, von denen fünf auch den

Empfangsdienst im Klinik-Foyer

besetzen. „Kann mir jemand mit

diesem Piepser helfen?“ – „Ist Herr

XX heute da?“ Und wieder ruft

diese Dame an, die die Ärztin dringend

verlangt, die im OP steht und

wieder streckt jemand den Kopf

zur Glastür herein: „Können Sie

mir mal schnell die Nummer von

XY heraussuchen?“ Klar, wird sofort

erledigt und schon klingelt es

wieder. „Wenn es ein paar Minuten

ruhig ist, denken wir, die Anlage

sei kaputt“, lacht Irene Heer, die

nach 15 Jahren Telefonzentrale

kaum mehr etwas schreckt. „Wir


müssen aus allem das Wesentliche heraushören“, fasst

die Bereichsleiterin ihre Arbeit und die von Michael

Sautter, Jürgen Aggeler, Johanna Barthold, Sibylle

Korn, Maria Ederle, Mirjana Lamp, Edith Schneider,

Dorothea Gottlieb, Ingrid Grimm, Eleonore Daiß,

Elfriede Wodre und Holger Klein zusammen.

Fast wortgleich erklärt Katica Tarcal, Kollegin in der

Helfenstein Klinik, ihr tägliches Tun. Nur sehr selten

bekommt der Anrufer, der die 23-0 in Geislingen

wählt, die automatische Ansage, obwohl in der zweiten,

kleineren Klinik des Landkreises rund um die Uhr nur

eine Mitarbeiterin Telefondienst macht – übrigens

gleichzeitig mit Empfang, Informationszentrale, Telfonkartenausgabe

… „Spricht bei uns jemand ungarisch?“

– „Wer hat denn heute Bereitschaft?“ – „Guten

Tag, ja, den Hausmeister finden Sie jetzt gerade …“

– „Helfenstein Klinik, Tarcal, Guten Tag, was kann

ich für Sie tun?“ – „Bitte noch einen

Moment Geduld, ich versuche es auf

der anderen Station“ – „Ja, gerne, das

richte ich ihr aus“ – „Frau XY hat Urlaub,

ich verbinde Sie mit Herrn XX,

er kann Ihnen sicher weiterhelfen“

– „Ihre Tante wurde verlegt und liegt

jetzt in Zimmer …“

„Ruhe bewahren und freundlich bleiben

– das beruhigt auch die anderen“,

so lautet das Geheimnis von Katica

Tarcal, Edith Hartmann, Elke Schumann,

Alexandra Hobus und den beiden

im Krankheits- oder Urlaubsfall

dazu gerufenen Kolleginnen. „Zuerst

das Wichtigste und dann immer der

Reihe nach“, erklärt Katica Tarcal und

hat ein Ohr für die dringenden Anweisungen

aus dem OP reserviert. Was

von dort oder der Intensivstation kommt, hat Vorrang.

„Wir machen unsere Arbeit alle gern und deshalb

schaffen wir’s auch, wenn richtig viel los ist“.

Wieder ein Geheimnis? Nein, eher notwendiger Teamgeist,

ohne den in den Kommunikationszentralen der

Kliniken nichts läuft. „Wir informieren uns bei der

Schichtübergabe grundlegend. Wir brauchen möglichst

jede Information, anders kann der Betrieb nicht reibungslos

laufen“, betont auch Irene Heer am Eichert.

Wer nur einmal für Minuten gehört und gesehen

hat, was die Telefonzentralen-Mitarbeiterinnen und

-mitarbeiter der Kliniken des Landkreises Stunde um

Stunde leisten, wird künftig garantiert mit sehr viel

Hochachtung anrufen.

Andrea Maier

Alexandra Hobus, Edith Hartmann,

Elke Schumann, Katica Tarcal

Foto: L. Duschek

23


Vielfalt hinter den Kulissen

International Leadership Training

Bereits seit fünf Jahren bietet die Klinik am Eichert

Praktika für Stipendiaten des Weiterbildungsprogramms

‚International Leadership Training‘ (ILT) an.

Dieses Programm wird als Projekt von InWEnt – Internationale

Weiterbildung und Entwicklung GmbH – im

Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung durchgeführt. Akademischer

Fachpartner ist die Hochschule Neu-Ulm

unter der Projektleitung von Prof. Dr. Rainer Burk.

Ziel des Weiterbildungsprogramms ist es, leitendes

Gesundheitspersonal aus fünf afrikanischen Ländern

dazu zu befähigen, mit modernen Managementinstrumenten

eine effiziente und bedarfsgerechte Führung

von Gesundheitseinrichtungen zu gewährleisten. Nach

ihrer Rückkehr sollen die Stipendiaten dann an Reformen

im Krankenhaussektor ihres eigenen Landes

mitwirken.

Das Weiterbildungsprogramm startet mit einem intensiven

fünfmonatigen Sprachtraining. Danach werden

die Teilnehmenden an der Hochschule Neu-Ulm vier

Dr. Peter Dattani bei einer Feier Foto. M. Radloff

24 Kliniken-Telegraf 12/2010

Monate lang in verschiedenen Themenbereichen des

Krankenhausmanagements unterrichtet. Es schließt

sich ein dreimonatiges Praktikum im Verwaltungsbereich

eines Krankenhauses an, in dem die Stipendiaten

verschiedene Abteilungen kennenlernen und individuelle

Transferprojekte bearbeiten.

Konzipiert und betreut wird das jeweilige Praktikum

von Daniela Feix vom Institut für Fort- und Weiterbildung

in der Klinik am Eichert. In Kooperation mit

der Hochschule Neu-Ulm stimmt sie das Praktikum

dabei möglichst gut auf das individuell gewählte Transferprojekt

ab und berücksichtig zudem darüber hinausgehende

inhaltliche und organisatorische Wünsche

der Stipendiatinnen und Stipendiate.

Die bisherigen ILT-Praktikantinnen und Praktikanten

der Klinik am Eichert kamen aus Ruanda, Tansania,

Malawi und Kamerun.

Im Sommer 2010 kam Dr. Peter Dattani zu uns in die

Klinik. Er kommt aus Tansania, ist Kinderchirurg und

hat sein Medizinstudium in Volgograd (Russland) absolviert.

Besonders interessiert war er an der hiesigen

Kinderklinik, aber auch an Fragen zur organisatorischen

und wirtschaftlichen Steuerung verschiedener

Bereiche.

Dass diese Praktika neben dem fachlichen Austausch

das Leben in der Klinik kulturell bereichern und weit

über eine berufliche Zusammenarbeit hinausgehen,

zeigt die Geschichte vom Hubschrauber-Einkauf.

Dr. Karin Kaiser


Hubschrauber-Einkauf mit Dr. Peter Dattani

Ich habe Dr. Dattani während seines Praktikums

kennen gelernt, in dessen Rahmen er zwei Tage bei

mir hospitierte.

Auch anschließend besuchte er mich öfter. Er hatte viele

Fragen, auf die ich nicht immer sofort eine Antwort

wusste, z. B. wie die Erstattung der Mehrwertsteuer

funktioniert, wenn in Deutschland gekaufte Artikel

ins Ausland mitgenommen werden. In einem Fall

handelte es sich um Solarleuchten. Obwohl der Betrag

sehr gering war, habe ich mich beim Finanzamt

erkundigt. Natürlich erwähnte ich dort nicht, dass es

sich um Solarleuchten im Wert von 5,- Euro handelt.

Erst nachdem er abgereist war, hörte ich, dass es nicht

um eine Solarleuchte ging, sondern um zwei komplette

Paletten. Somit hatte sich dann auch mein Anruf beim

Finanzamt gelohnt.

Eines Tages fragte Dr. Dattani, ob ich Kontakt zur

DRF Luftrettung herstellen könne, er habe erfahren,

dass sie Hubschrauber verkaufen. Ich gab ihm die

Telefonnummer des Standortes Stuttgart und hatte die

Angelegenheit bereits wieder vergessen, als er mich

erneut ansprach. Die Telefonnummer war nicht mehr

aktuell, deshalb rief ich selbst im Operation-Center

der DRF an. Ich erzählte von unserem Gast-Arzt und

seinen Wünschen und bekam prompt eine Preisliste

für mehrere Hubschrauber zugeschickt.

Mit dabei war eine Einladung in den Baden Airpark.

Da mich das sehr interessierte, nahm ich kurzerhand

einen Tag Urlaub und lud auch meinen Neffen ein.

So fuhren wir zu Dritt in den Airpark. Ein Fachmann

erläuterte Dr. Dattani, dass Tansania nicht nur Hubschrauber,

sondern auch Lear Jets („fixed wings“)

anschaffen könne, um in der Lage zu sein, Patienten

auch über große Entfernung transportieren zu können.

Während unseres Gespräches wurde ein Lear Jet angefordert,

um einen Intensivpatienten aus Norwegen

nach England zu fliegen und wir erlebten die Vorbereitungen

unmittelbar mit.

Die DRF Luftrettung sagte zu, ein Angebot aus Hubschrauber,

Pilotentraining und Schulung für Mechaniker

zu erstellen und dies direkt an das Gesundheitsministerium

in Tansania zu senden.

Dr. Dattani musste mir nach diesem höchst bemerkenswerten

Tag und der für mich außergewöhnlichen

Aktion versprechen, mich weiter auf dem Laufenden

zu halten. Ich bin sehr gespannt, ob ein Vertrag zustande

kommt.

Günter Bühlmaier

DRF Hubschrauber Foto: M. Radloff

25


Aktuelles aus den Kliniken

Einweihung des Schulgebäudes ‚Pavillon‘ mit Examensfest 2010

Einen schöneren Anlass als mit den Examensfeierlichkeiten

des Kurses 2007–2010 kann es wohl

kaum geben, um die neu renovierten Schulräumlichkeiten

der Schule für Pflegeberufe auf dem Gelände

der Helfenstein Klinik Geislingen einzuweihen.

Nachdem in den letzten Wochen unter Hochdruck

umgebaut und renoviert wurde, konnte das ehemals

als Kindertagesstätte genutzte Gebäude pünktlich zur

feierlichen Übergabe der Zeugnisse am 14. September

in Betrieb genommen werden. Dies war der Abschluss

des staatlichen Examens der 14 Gesundheits- und

Krankenpflegerinnen und eines Gesundheits- und

Krankenpflegers, die in diesem Jahr erfolgreich an der

Schule für Pflegeberufe Geislingen ihre dreijährige

Ausbildung abgeschlossen haben. Nach einer schriftlichen

und praktischen Prüfung hatten die Absolventen

26 Kliniken-Telegraf 12/2010

an diesem Tag noch den mündlichen Prüfungsteil zu

bewältigen. Unter Aufsicht von Dr. Heinz Pöhler, dem

Leiter des Gesundheitsamtes Göppingen, haben die zukünftigen

Pflegekräfte ihr Wissen unter Beweis gestellt.

Belohnt wurden sie nicht nur durch die Überreichung

der Zeugnisse sondern auch durch ein köstliches Büfett

aus der Küche der Helfenstein Klinik.

Erfolgreich bestanden haben:

Christina Häberle, Angelika Haller, Elina Hermann,

Jasmin Kling, Hannah Kretschmer, Corinna Lack,

Shejmi Krasniqi, Mariell Quade, Melanie Ruff,

Karin Schmid, Lisa Schneller, Dominik Schwarz,

Larissa Franziska Spenle, Lena Straub, Nicole Thorwart,

Vivienne Madeline Vrancur

Foto: M. Sontheimer


Dass die Feierlichkeiten in den neubezogenen Räumlichkeiten

stattfinden konnten, ist dem Team der Technischen

Abteilung der Helfenstein Klinik zu verdanken.

Sie haben in den letzten Wochen beinahe ihre vollen

Kapazitäten in die Umbaumaßnahmen gesteckt, um

den Bezugstermin einhalten zu können.

Die neu renovierten Räume ersetzen den ehemaligen

Schulsaal aus dem Teil des Verwaltungsgebäudes, das

im Zuge der Baumaßnahmen zum Gesundheitszentrum

der Spitzhacke zum Opfer fallen wird. Dass

die Räume jedoch mehr als nur ein Ersatz sind zeigt

sich daran, dass neben einem neuen Klassenzimmer

zusätzlich auch ein Demonstrationsraum, ein EDV-

Bereich und ein großzügiger Aufenthaltsbereich mit

Küche den Auszubildenden zur Verfügung stehen.

Auch das Lernambiente hat sich spürbar verbessert.

Das Schulgebäude ist sehr hell und ruhig in Parknähe

gelegen. Damit stehen der Schule für Pflegeberufe

Geislingen zusätzlich zum Gebäude in der Richthofenstraße

modernste Unterrichtsräume für die Ausbildung

zur Gesundheits- und Krankenpflege zur Verfügung.

Aber nicht nur die Schule kommt in den Genuss der

Nutzung dieser Räumlichkeiten. Auch das Institut

für Fort- und Weiterbildung der Kliniken des Landkreises

hat hier sein Zuhause. Nicht nur das Büro des

Institutes ist hier untergebracht, sondern es werden

zukünftig auch diverse Fortbildungsveranstaltung im

Schulgebäude Pavillon stattfinden.

Alexander Vater

Im Pavillon: Schule für Pflegeberufe – Institut für Fort- und Weiterbildung Foto: A. Vater

27


Aktuelles aus den Kliniken

Herzlichen Glückwunsch zum Examen

Mit großem Erfolg haben 17 Gesundheits- und

Krankenpflegerinnen und drei Gesundheitsund

Kinderkrankenpflegerinnen nach dreijähriger

Ausbildung an der Schule für Pflegeberufe der Klinik

am Eichert ihr staatliches Examen bestanden.

Die Freude war riesig und die Erleichterung war ihnen

anzusehen. 20 Auszubildende bestanden am Mittwoch,

8. September 2010 die staatlichen Abschlussprüfungen

und dürfen ab sofort die Berufbezeichnung ‚Gesundheits-

und Krankenpfleger/in bzw. Gesundheits- und

Kinderkrankenpflegerin‘ führen.

Die vom Regierungspräsidium entsandte Prüfungsvorsitzende

teilte die Zeugnisse aus und beglückwünschte

alle Prüflinge zu ihren guten Leistungen.

Offiziell gefeiert wurde das Examen mit feierlichen

Reden und einem Sektempfang für die Prüflinge, ihre

Familienangehörigen und Freunde. Freudestrahlend

und unter heftigem Applaus nahmen vier Auszubilden-

28 Kliniken-Telegraf 12/2010

Foto: Schule

de eine Belobigung für gute bis sehr gute Leistungen

in Empfang. Mit ihnen freuten sich alle Lehrenden,

insbesondere die Kursleiterin Daniela Bär.

Die schriftliche, mündliche und praktische Prüfung

bildete den Abschluss der dreijährigen Ausbildung

mit über 2100 Stunden Theorie und mehr als 3000

Praxisstunden.

„Die Ausbildung ist abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll!

Professionell zu pflegen bedeutet, trotz der

aktuellen gesundheitspolitischen und wirtschaftlichen

Probleme in den Kliniken, qualitativ hochwertig und

patientenorientiert zu pflegen. Unsere Gesellschaft

braucht Sie und wir sind uns sicher, dass Sie sehr gut

auf die beruflichen Herausforderungen vorbereitet

sind!“ ermutigte Schulleiter Lucio Cecconi.

Den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvierten die

SchülerInnen vorwiegend in den Fachabteilungen der

Klinik am Eichert. Aber auch in anderen betrieblichen

Einsatzorten, wie beispielsweise dem Christophsbad,

in Reha-Kliniken oder in den verschiedenen Sozialstationen

im Landkreis konnten die SchülerInnen ihre

Kompetenzen erweitern und die vielfältigen Aufgabengebiete

einer Pflegekraft kennen lernen.

Wer sich für die Berufe der Gesundheits- und Kranken-

bzw. Kinderkrankenpflege interessiert, erhält nähere

Informationen auf der Internetseite der Kliniken des

Landkreises.

Lucio Cecconi

Erfolgreich bestanden haben:

Max Andor, Sarah Baur, Mascha Katharina Bollinger, Manuela

Bühler, Christin Dellinger, Lisa Egidy, Marcel Florian,

Sabrina Henle, Jennifer Hüger, Maren Kunze, Sarah

Nowack, Lena Pankraz, Brigitte Pavel, Carolin Pittner, Eva

Rapp, Anja Seybold, Jacqueline Uhlemann, Irmela Wacker,

Katharina Wahl, Johanna Wiest


Neues umweltfreundliches Dienstfahrzeug der Helfenstein Klinik

Seit August diesen Jahres hat die Helfenstein Klinik

ihren 15 Jahre alten Dienstwagen durch einen

„neuen“ Gebrauchten ersetzt. Angeschafft wurde ein

mit Erdgas betriebener Opel-Zafira CNG.

Bedingung für den ‚Neuen‘ war ein großer Stauraum,

der durch die Gastanks nicht eingeschränkt wird. Das

ist wichtig, da das Fahrzeug für Besorgungsfahrten der

Technischen Abteilung eingesetzt wird. Weiter kann

es mit wenigen Handgriffen zu einem Sieben-Sitzer

umgebaut werden. Dadurch kann teilweise bei den

Dienstfahrten zwischen den Kliniken auf ein zusätzliches

Fahrzeug verzichtet werden.

Erdgas tanken ist im Kreis Göppingen kein Problem.

Allein die EVF Energieversorgung Filstal hat im Kreisgebiet

drei Tankstellen und das Tanken dauert nicht

länger als eine herkömmliche Betankung mit Benzin.

Die Helfenstein Klinik Geislingen setzt seit Jahren

die Vorgaben der EMAS-Verordnung (frühere Öko-

Audit-Verordnung) freiwillig um und überprüft in

regelmäßigem Rhythmus die Einhaltung der Vorgaben.

So haben wir ein Umweltleitbild, nach dem wir Umweltfreundlichkeit,

Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung

verbindlich gemacht haben. Weiter haben

wir 2008 am ECOfit-Projekt teilgenommen und dafür

im Juli 2008 von der Landesumweltministerin Gönner

eine Urkunde überreicht bekommen.

Foto und Text: Ludwig Duschek

Bei uns sind Sie in guten Händen!

Energieversorgung Filstal

Erdgas

Wasser Wärme

www.evf.de

Großeislinger Straße 30

73033 Göppingen

Tel.: 07161/6101-0

29


Aktuelles aus den Kliniken

Nach erfolgreicher Zertifizierung – nun auch Onkologisches Zentrum

Die Arbeit des Onkologischen Schwerpunktes begann

1983 mit dem Onkologischen Arbeitskreis

Göppingen. Im Jahr 2000 wurde der Onkologische

Schwerpunkt als erster bundesweit durch den Krebsverband

Baden-Württemberg im Auftrag des Sozialministeriums

zertifiziert.

Durch die enge Zusammenarbeit der in der Onkologie

tätigen Kliniken, Institute und niedergelassenen Ärzte

wurde der organisatorische Rahmen für die fächerübergreifende

Zusammenarbeit zwischen Onkologischem

Schwerpunkt und Kreisärzteschaft geschaffen.

Den Onkologischen Schwerpunkt bilden:

• Frauenklinik

Klinik für Allgemeinchirurgie

Klinik für Hämatologie,

Onkologie und Infektionskrankheiten

Klinik für Gastroenterologie,

Hepatologie und Diabetologie

Klinik für Radioonkologie und

Praxis für Strahlentherapie

Klinik für Urologie

• Palliativstation der Helfenstein Klinik Geislingen

• Institut für Pathologie

Die enge Verknüpfung und Zusammenarbeit aller

beteiligten Abteilungen ermöglicht eine optimale Behandlung

unserer Patienten.

Der Onkologische Schwerpunkt/das Onkologische

Zentrum umfasst die drei zertifizierten Organzentren:

• Brustzentrum seit dem Frühjahr 2004

• Gynäkologisches Krebszentrum seit Oktober 2009

• Darmkrebszentrum seit März 2010

Im Onkologischen Schwerpunkt/Onkologischen Zentrum

sind viele Fachbereiche und die verschiedensten

Berufsgruppen an der Behandlung und Betreuung der

onkologischen Patienten beteiligt. Nicht nur Gastroenterologie,

Hämatoonkologie, Chirurgie, Radioonkologie,

Pathologie, Urologie, Gynäkologie sondern auch

30 Kliniken-Telegraf 12/2010

Bereiche wie Psychoonkologie, Palliativmedizin und

Palliativstation, Sozialdienst, Apotheke, Physiotherapie

und Stomatherapie sind in die Behandlung der Patienten

aktiv mit einbezogen. Durch Kooperationen mit

niedergelassenen Ärzten, Hospizen, Selbsthilfegruppen,

Kliniken, ambulanten Pflegediensten und dem ambulanten

Hospizdienst ist sichergestellt, dass auch nach

dem Aufenthalt in unserer Klinik die bestmögliche

Betreuung der Patienten erfolgt.

Zertifizierungen:

Linearbeschleuniger Foto: Klinikenarchiv

Nachdem für 2010 die Re-Zertifizierung des Onkologischen

Schwerpunktes durch den Krebsverband Baden-

Württemberg geplant war, entschieden Geschäftsführung

und Vorstand, dass nicht nur der Onkologische

Schwerpunkt re-zertifiziert, sondern parallel dazu die

Onkologie als Onkologisches Zentrum durch die Deutsche

Krebsgesellschaft erst-zertifiziert werden sollte.


Als Voraussetzung für diese Zertifizierungen musste

die gesamte Onkologie einschließlich der Palliativstation

in der Helfenstein Klinik in Geislingen über ein

Qualitätsmanagementsystem verfügen. Im September

2009 wurde die Onkologie in Göppingen und die

Palliativstation in Geislingen nach der Norm DIN EN

ISO 9001:2008 zertifiziert.

Erst jetzt konnten die geplanten fachlichen Zertifizierungen

stattfinden. Am 4. und 5. März 2010 begutachteten

insgesamt 18 externe Auditoren die Onkologie.

Die Gutachterkommission setzte sich aus Experten

des Krebsverbandes Baden-Württemberg und der

Deutschen Krebsgesellschaft zusammen.

Ein Hauptaugenmerk lag für die Gutachter auf der

interdisziplinären Zusammenarbeit und der fachlichen

Expertise der Abteilungen. Es wurde überprüft, ob

in den Tumorkonferenzen alle Fachabteilungen auf

Facharztniveau vertreten waren, ob z. B. die Psychoonkologin

und der Sozialdienst in die Betreuung der

Patienten mit einbezogen wurden und ob ausreichend

onkologische Fachpflege in der Klinik vorhanden ist.

Fortbildungsnachweise aller Mitarbeiter wurden kontrolliert

und bewertet. Niedergelassene

Ärzte und Vertreter der kooperierenden

Selbsthilfegruppen wurden über die Zusammenarbeit

mit der Klinik befragt.

Auch die Flyer zur Patienteninformation

wurden dahingehend studiert, ob sie den

Anforderungen der Krebsgesellschaft

entsprechen.

Nach dieser Zertifizierung dürfen sich

die Kliniken des Landkreises Göppingen

gGmbH nicht nur Onkologischer

Schwerpunkt sondern auch Onkologisches

Zentrum nennen.

Die Klinik am Eichert mit der Palliativstation

der Helfenstein Klinik Geislingen

ist eines der sieben Onkologischen Zen-

tren deutschlandweit (Stand August 2010) und einer

der zwölf Onkologischen Schwerpunkte in Baden-

Württemberg. Die Kliniken des Landkreises Göppingen

sind die erste Klinik deutschlandweit mit dieser

gelungenen Doppelzertifizierung als Onkologischer

Schwerpunkt und Onkologisches Zentrum.

Am 7. Oktober 2010 konnte der kaufmännische Direktor

Wolfgang Schmid insgesamt 15 Zertifikate der

Deutschen Krebsgesellschaft an die Abteilungen überreichen.

Mit einem Stehempfang bedankte sich die Geschäftsführung

bei allen Mitarbeitern, die zum Gelingen der

Zertifizierung beigetragen haben. Eingeladen waren

Vertreter der kooperierenden Selbsthilfegruppen, Vertreter

des Krebsverbandes Baden-Württemberg e. V.

und Vertreter der AOK und der Presse.

Die Zertifizierungen konnten nur gelingen, weil alle

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Onkologie

gemeinsam und hoch motiviert in der Betreuung jedes

einzelnen Patienten arbeiten.

Uta Tekdal

Prof. Becker dankt allen Beteiligten Foto: M. Radloff

31


Aktuelles aus den Kliniken

Sommer der Verführungen – unser Beitrag

Am 12. und 19. August veranstaltete die Kinderund

Allgemeinchirurgie im Rahmen der 'Sommer

der Verführungen' des Landkreises Göppingen eine

Führung für Kinder durch die Notfallambulanz der

Klinik. An diesen Tagen besuchten uns jeweils zehn

interessierte Sommerferienkinder im Alter von sechs

bis zehn Jahren.

• Was passiert bei einem Unfall?

• Wie sieht ein Krankenwagen von innen aus?

• Wie kommt der Gips auf den gebrochenen Arm?

• Wie wird eine Wunde versorgt?

Um auf diese und viele andere Fragen eine Antwort

zu geben und vor allem den Kindern die Angst vor

einem Krankenhausaufenthalt zu nehmen, führten

Chirurgen die Kinder durch das Haus.

Die Idee, die Kinder durch die Notfallambulanz zu führen,

haben der Chefarzt der Allgemeinchirurgie Prof.

Dr. Stefan Riedl und der Leitende Arzt der Kinderchirurgie

Dr. Edmund Beck verwirklicht, die ähnliche

Veranstaltungen schon in anderen Krankenhäusern

organisiert haben.

Begonnen hat die Reise für die Kinder im Krankenwagen.

Edgar Scherr vom DRK erklärte den Kindern,

wie eine Infusion gelegt wird, was ein EKG ist, wie eine

Vakuummatratze funktioniert. Dann ging es mit der

Transportliege in den Schockraum, wo Dr. Jochen Stü-

32 Kliniken-Telegraf 12/2010

bel und Mathias Mattulat erklärten, wie ein Röntgengerät

funktioniert. Krankenpfl eger Wolfgang Schwab

legte Freiwilligen an Arm und Bein Gipsverbände an

und zeigte auch wie man einen Gips trotz der lauten

Säge schmerzlos entfernen kann.

Für das leibliche Wohl der Kinder sorgten die Sekretärinnen

Martina Mehlbeer und Bettina Schätzle mit

Saft und Brezeln. Nach einer Pause ging es ins Ultraschallzimmer,

wo Laura Leyerer und Dr. Jochen Stübel

den Kindern die Möglichkeit gegeben haben, in den

eigenen Bauch hineinzuschauen und im Ultraschallbild

ihre Leber und anderes zu sehen.

Edmund Beck erklärte wie eine Wundversorgung

durchgeführt wird. Mit OP-Haube und Mundschutz übten

die Kinder mit Nadel und Nadelhalter umzugehen.

Mit Verbänden an Kopf, Arm, Bein und Kuscheltieren

liefen die Kinder nach diesem erlebnissreichen Tag

zufrieden ihren Elternentgegen. Den Kindern war das

Krankenhaus etwas vertrauter geworden.

Dr. Edmund Beck

Foto: Kliniken des Landkreises


Das Interview

Der Klinik- und Notfallseelsorger Erich Karp

im Gespräch mit dem Kliniken-Telegraf

K-T: Herr Karp, was ist Ihr Beruf?

Das ist nicht so einfach zu sagen. Manchmal bezeichne

ich mich als Hebamme - das zu heben, was bei den

Menschen verschüttet ist, damit sie ihr eigenes Leben

auf die Welt bringen können, sehe ich als eine Aufgabe.

Wie kann es gelingen, dass Menschen, die durch ein tiefes

Leid haltlos abstürzen, im Leben gehalten werden?

Mein Beruf ist ‚Stopper’, im wahrsten Wortsinn: „Stopp“

sagen, „der Absturz hört jetzt auf “, weil Stopp und Halt

ganz wesensverwandte Worte sind.

K-T: Sie sind auch Theologe, Pastoralreferent, Notfall-

Seelsorger und hier am Eichert Klinik-Seelsorger

– was ist hier Ihre Aufgabe?

Hier an der Klinik vermischen sich meine Aufgaben

häufig. Ich lebe davon mit Menschen in Beziehung zu

sein. Das ist das Charakteristische von Klinik-Seelsorge.

Ich bin sehr gerne mit ganz vielen Menschen in Beziehung,

mit den Mitarbeitern im Haus und mit der

Notfallseelsorge

34 Kliniken-Telegraf 12/2010

Es begann im Jahr 1996.

Damals trafen sich Vertreter

aller Hilfsorganisationen

im Landkreis. Anlass waren

mehrere schwere Unfälle

in der Region, besonders ein

verheerendes Busunglück bei

Donaueschingen mit vielen

Toten. Neben Mitarbeitern

des Technischen Hilfswerkes

waren Polizisten und auch

Schüler der nahegelegenen

Polizeischule im Einsatz, bei

dem es galt, alle Leichenteile

der Verunglückten einzusammeln

und einander zuzuordnen.

Zwei Polizisten nahmen

großen Gruppe der Patienten. Viele Mitarbeiter sind

Ärztinnen, Notärzte und einer meiner Schwerpunkte

ist die Intensivstation.

Ein anderes großes Anliegen von mir sind die Rettungsassistenten,

die alle hier im Haus stationiert sind.

Immer wieder gebe ich Fortbildungen oder Supervision

für sie und auch für Notärzte. Inhalt sind meist

die konkreten Erlebnisse bei Einsätzen. In oder nach

schlimmen Situationen kommen Beteiligte auch einfach

hier auf mich zu – alleine, in einem ruhigen Moment.

Morgens komme ich immer über die Rampe ins Haus,

über die die Rettungsfahrzeuge Patienten bringen. Dort

beobachte ich immer sehr genau wie die Stimmung ist.

Wenn da jemand sitzt und mir nicht recht gefällt, setz’

ich mich schon mal dazu und frage. „So ein Sch…, jetzt

hab’ ich schon wieder zwei Freunde vom Baum kratzen

müssen.“ Da vermischt sich Notfall– und Klinikseelsorge.

Für mich ist das ein Dienst geworden, von dem

ich denke: das ist ureigenste Kirche. Das erlebe ich als

sich danach das Leben, gut die Hälfte der Polizeischüler

brach die Ausbildung ab.

Ein Schrei nach Hilfe stand schweigend im Raum. Aus

einem privaten Gespräch entstand die ungewöhnliche

Einberufung der großen Runde. Eine Arbeitsgemeinschaft

mit Angehörigen aller Organisationen entwickelte aus

der konkreten Erfahrung Ideen und Hilfsangebote für

die Helfer vor Ort, aber auch für jene Menschen, die am

Unglück beteiligt sind und Betreuung, Gespräche, Halt

brauchen. Ein Mann tötet bei einem Streit seine Frau

und sich selbst. Die gemeinsame Tochter kommt aus der

Schule, ahnungslos. Wer bringt ihr das Unbegreifliche bei?

Wer bleibt an ihrer Seite? Wer sucht nach Möglichkeiten,

wo und wie sie in der ersten Zeit weiterleben kann?

Ein junger Mann verunglückt tödlich, sein Vater muss

hilflos zusehen, die Feuerwehrleute, die den Jungen

bergen sollen, sind mit ihm zur Schule gegangen, sind

seine Freunde, die wenig später mit ihm bei einem Fest

verabredet waren, die Polizisten vor Ort kennen den


meinen Auftrag. Mein Chef will von mir, dass ich als

Seelsorger für Menschen da bin.

K-T: Wer ist Ihr Chef?

Der Herrgott. Ich hab’ nur diesen einen Chef.

K-T: Und wer bezahlt Sie, wer gewährt Ihnen Urlaub

und all das?

Das macht mein zweiter Chef, der Bischof in Rottenburg.

Hier im Dekanat vertritt ihn der Dekan Hermann.

An der Klinik habe ich den Status eines Gastes, dem

ein Zimmer

gewährt wird und der die gesamte Infrastruktur nutzen

darf.

K-T: Was bewegt Sie, Klinikseelsorger zu sein?

Meine Aufgabe und mein Wunsch ist Menschen zu

besuchen, die ins Krankenhaus kommen. „Ich habe

Interesse an dir und ich will wissen, wie es dir geht.“

Jungen von Kindesbeinen an. Die unmittelbare Betroffenheit

macht überlegtes Handeln schier unmöglich, der

Schock lähmt. Der Notfallseelsorger ist dabei, bindet

alle in ein Ritual ein, hält sie mit etwas, das den Sturz

ins Bodenlose bremst… Die Notfallseelsorgerinnen und

-seelsorger sind Teil aller Hilfsorganisationen und stehen

den Einsatzkräften gleichermaßen zur Verfügung.

1. Oktober 1997: Im Landkreis Göppingen sind 24 Frauen

und Männer aus kirchlichen Diensten konfessionsübergreifend

zu Notfallseelsorgenden ausgebildet. Diese Art,

praktische und unmittelbare Hilfe zu leisten, war damals

in Baden-Württemberg einzigartig. Mittlerweile sind 32

Frauen und Männer im Einsatz. Neben ihrer alltäglichen

Arbeit als Religionslehrer, Pfarrerinnen, Pastoralreferentinnen,

Klinikseelsorgern etc. sind sie zweimal im Jahr

sieben Tage rund um die Uhr bereit Halt zu geben, wo ein

schlimmes Ereignis den Boden unter den Füßen aufreißt.

In ihren Reihen ist eine Mitarbeiterin, die fließend türkisch

spricht und aus ihrer Ehe mit einem Moslem Riten

Mein Handwerkszeug sind die Neugier

und Zeit. Ich hab alle Zeit der Welt, auch

wenn ich sie nicht habe. Mein Chef sagt,

ich solle dann eben nur einen Besuch

am Tag machen, wenn es dazu dient,

diesem einen Menschen das Gefühl zu

geben, dass ich für ihn alle Zeit der Welt

habe. Das, so sagt mein Chef, sei das,

was er selbst am liebsten allen Menschen

geben würde – das Gefühl, dass er bei

jedem Einzelnen ist, mit aller Zeit und

mit allem Interesse der Welt. Und weil

er das nicht kann, braucht er solche wie

mich. So, glaube ich, tickt mein Chef.

K-T: Viele, die in die Klinik kommen

haben keinen religiösen Glauben oder

einen ganz anderen Herrgott als Sie.

und Gebräuche der Islamangehörigen kennt. Sie kommt

bei Bedarf dazu. Die Arbeitgeber haben sich verpflichtet,

die Notfallseelsorger jederzeit frei zu stellen. Jeder und

jede von ihnen hat einen Notfallkoffer griffbereit, in

dem neben Funkgerät, Stadtplänen, Navigationsgerät,

Einsatzprotokollen und vielem mehr auch ganz persönlich

ausgewählte Utensilien für die Hilfe in unfassbaren

Situationen sind.

Nüchterne Zahlen und Fakten:

Im Durchschnitt werden die Notfallseelsorgenden in

einer Woche 2,7 mal in schlimmer Not gebraucht. Ihr

Einsatz kann auch über Tage notwendig sein, er dauert

im Schnitt neun Stunden.

Links: Notfallseelsorger im Einsatz Foto R. Mütschele

35


Das Interview

Wenn ich zu ihnen gehe und mich ihnen zuwende,

ihnen Zeit und Neugier entgegenbringe, habe ich noch

kein einziges Wort über meinen Herrgott gesagt. Wenn

ich mein Interesse an diesem einen Menschen zeige,

dann geht keine Tür zu.

K-T: Wie entscheiden Sie, wen Sie besuchen?

Auch wenn ich kein einziges Wort über ihn sage, weiß

ich, dass mein Herrgott mich in dieses Zimmer, zu

diesem Menschen geschickt hat.

Ganz oft ist es das, was für mich eben kein Zufall ist:

Da gehe ich in irgendein Zimmer oder treffe auf dem

Flur jemanden … Oder das Personal auf der Station

ruft mich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind

sehr feinfühlig und sie wissen um mich - da ist wieder

diese Vernetzung. Sie schicken mich - aber wieso

gerade zu diesem Zeitpunkt, in dieser Situation? Ich

weiß, dass mein Chef den Pflegekräften in diesem

Moment gesagt hat „Hol’ den Karp hierher“. Und es

ist immer noch kein Wort vom Herrgott gesprochen.

Manchmal kommt es am Ende des Besuches zu einem

religiösen Ritual, aber nur auf Wunsch des Patienten.

Für mich zählt einzig der Mensch, nicht seine Religion

oder Konfession.

K-T: So viele unterschiedliche Menschen – wie gelingt

Ihnen das ‚in Beziehung kommen’?

Die einfachste und ganz normale Form des ‚in Beziehung

kommen’ ist „Grüß Gott“ zu sagen. Der einfache

Gruß oder die Anrede mit Namen öffnet die meisten

Türen. Und dann ist es eben das Interesse, das echte

und ernst gemeinte Interesse von mir, das mich mit

den Menschen in Beziehung kommen lässt.

K-T: Im konkreten Fall: Was ist in der Seelsorge das

Wichtigste?

Das Erkennen und Aufzeigen der eigenen Ressourcen.

Jeder einzelne Mensch hat sie, nur sind sie gerade im

Absturz kaum erkennbar. Wir alle haben im Leben

traumatische Erlebnisse und wir haben auch alle Strategien

und Möglichkeiten, diese so zu bearbeiten, dass

36 Kliniken-Telegraf 12/2010

eben kein belastendes Trauma daraus entsteht. Früher

wurde oft so gearbeitet, dass der Mensch immer wieder

erzählen sollte, was ihn verletzt hat, es passierte so

eine ständige Wiederverletzung. Jetzt ist der Ansatz

derart gestaltet, dass wir aus dem Erzählten, das nicht

vertieft wird, heraushören, welche Kompetenzen dieser

Mensch hat, wie er bislang Schwierigkeiten und

Verletzungen aus sich heraus bewältigt hat. Das sind

seine Ressourcen, die es aufzuzeigen gilt.

K-T: Welche Bedeutung hat Spiritualität bei Ihrer

Arbeit?

Mir wird immer deutlicher, dass der Mensch auch über

spirituelle Ressourcen verfügt. Damit sind nicht nur

religiöse gemeint, aber auch: In Notsituationen fangen

viele Menschen plötzlich an zu beten, die sonst nie

oder schon lange nicht mehr beten. Da gibt es also eine

ganz tiefe Verankerung der Spiritualität im Menschen.

Betrachten wir als Beispiel die schreckliche Situation,

in der ein junger Mann tödlich verunglückte, seine

Freunde bei der Feuerwehr im Ort ihn bergen mussten,

die Polizisten ihn schon seit seiner Geburt gut kannten

und der Vater den Unfall hilflos mit ansehen musste.

Diese so sehr vom Tod des Jungen betroffenen Menschen

verlangten ein Ritual, sie brauchten etwas, das sie

in dieser furchtbaren Situation vor Ort hält. Wir hatten

uns damals alle an den Händen gefasst, wir haben uns

gegenseitig gehalten und miteinander das ‚Vater Unser’

gesprochen. Das hat nichts besser gemacht, aber es war

wichtig, um das Abstürzen anzuhalten.

K-T: Herr Karp, Sie helfen Menschen in schlimmster

Verzweiflung, in tiefster Trauer – können Sie selbst

noch weinen?

Ja, ich weine und lache. Und ganz häufig bin ich verständnislos,

wirklich oft habe ich nicht das geringste

Verständnis für das, was so viel Leid bedeutet. Ich habe

da einen Abladeort, es ist die Kapelle. Nein, eigentlich

brauch’ ich die Kapelle nicht dazu. Es ist egal wo, das

kann ich mit meinem Chef überall besprechen. Ich

frage ihn häufig, warum manche Menschen so viel


Leid abbekommen. Und dann muss ich auch oft lachen.

Nicht auslachen! Es ist ein vor Freude lachen, weil hier

so viel Schönes passiert. Diese Begegnungen, bei denen

Menschen in nullkommanix ganz weit aufmachen und

ihr Leben auspacken. Wie sie mich teilhaben lassen und

mich staunend machen, wie sie das alles schaffen – das

ist unglaublich bereichernd.

K-T: Irgendwann gehen Sie nach Hause. Was geschieht

auf Ihrem Heimweg?

Ich fahre öfter mit dem Rad zur Klinik und nach Hause,

manchmal geht mir das zu schnell und ich gehe lieber

zu Fuß oder drehe eine doppelte Runde. Ich brauche

entsprechende Zeit. Da ist auch das tolle Angebot der

Supervision und einen ganz wunderbaren Kollegen

habe ich hier auch – wir reden viel und über etwas zu

sprechen hilft. Aber ganz dringend brauche ich den Weg

allein, die Gespräche mit meinem Chef – besonders

wenn ich kein Verständnis habe. Ich habe ihm oft viel

zu sagen und ihn viel zu fragen.

K-T: Zu Hause sind Ihre zwei Kinder und Ihre Frau

kommt von der Arbeit heim - es gibt ganz andere

Dinge und Themen, die wichtig sind…

Meine Familie und alle Turbulenzen, die damit zusammen

hängen, ist mir sehr wichtig, wichtiger als

all meine Arbeit.

K-T: Was tun Sie mit den Bildern des Schreckens,

mit dem Leid, das Sie gehört haben?

Wenn ich es im Guten zu meinem Chef tragen kann,

sagt er ganz „Gib’ her, ich nehme das zu mir“. Das tut

gut und ich erlebe das sehr häufig. Ich habe mit meinem

Chef eine ganz klare Abmachung: „Wenn ich es nicht

mehr an dich abgeben kann, dann mach’ ich etwas

anderes.“ Das hat er mir fest zugesagt.

Für K.-T. : Andrea Maier

Erich Karp Alle Fotos im Interview: A. Maier

Erich Karp wurde 1950 geboren,

studierte Theologie in Tübingen, Innsbruck und Wien.

Anschließend bildete er sich zum Ehe–, Familien– und

Lebensberater weiter und ergänzte damit seine Tätigkeit

als Pastoralreferent in der Göppinger Gemeinde

St. Maria.

Der Ehemann und zweifache Vater ist seit 1989 Klinikseelsorger

an der Klinik am Eichert und seit 1997

Notfallseelsorger im Landkreis.

Ausbildung bei Victor Emil Frankl in Wien zum Logotherapeut

und Existenzanalytiker. Ausbildung als Lehrtherapeut

in Wien, in Österreich ausbildungsberechtigt

Ausbildung zum Traumatherapeuten in Verbindung

mit Logotherapie und Existenzanalyse für den Dienst

in der Notfallseelsorge

37


Personalien

Ein Arzt für Kinderherzen

Der neue Kinderkardiologe heißt Dr. Klaus Leischner.

Mit seiner bald abgeschlossenen Zusatzausbildung für

Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern ist er in

Deutschland einer von noch wenigen Kinderkardiologen

mit dieser Weiterbildung.

Acht von tausend Kindern kommen mit einem angeborenen

Herzfehler zur Welt. Wenn dies an den

Kliniken des Landkreises geschieht, ist Klaus Leischner

zur Stelle. Seit August ist der 44-jährige Facharzt für

Anästhesie sowie Kinderheilkunde und Jugendmedizin

in der Kinderklinik der Klinik am Eichert tätig. Das

kindliche Herz ist sein Spezialgebiet.

Kinderkardiologie heißt die Zusatzausbildung, die

Klaus Leischner absolvierte, nachdem er in Ulm und

Bern Medizin studiert, in der Klinik am Eichert und am

Krankenhaus Sigmaringen seine Facharztausbildung

zum Anästhesisten und anschließend zum Facharzt

für Kinder- und Jugendheilkunde gemacht hat.

Der Vater eines zwölfjährigen Sohnes beschäftigte

sich als Anästhesist häufig mit Narkosen bei Kindern,

so wuchs sein Interesse für die Kinderheilkunde.

Dr. Klaus Leischner Foto. A. Maier

38 Kliniken-Telegraf 12/2010

Sein tiefes Interesse an der Kinderintensivmedizin

und -kardiologie zog ihn weiter nach Stuttgart, an das

Kinder-Herz-Zentrum. Dort lernte und arbeitete er

von 2006 bis 2009, erwarb die Zusatzqualifikationen

für pädiatrische, also Kinder-Intensivmedizin und

Kinderkardiologie. Die kleinen Herzen, in denen das

Blut anders gepumpt wird als normal, haben es ihm

besonders angetan.

2009 zog er nach Bayern, um am Deutschen Herzzentrum

München zu arbeiten, einem der größten

Kinder-Herz-Zentren Europas. Er hatte sich für die

Zusatzausbildung für Erwachsene mit angeborenem

Herzfehler (EMAH) entschieden. Noch ist diese Weiterbildung

nicht ganz abgeschlossen. Dass Klaus Leischner

deshalb noch einige Tage im Monat in München tätig

ist, bedeutet weder für ihn noch für die Klinikleitung

ein Problem.

„Es lohnt sich“, verspricht er. „In Deutschland gibt es

derzeit nur 167 Kinderkardiologen mit dieser Qualifikation,

aber immer mehr Kinder, die mit einem angeborenen

Herzfehler zur Welt kommen, erreichen heute

das Erwachsenenalter.“ Bis vor kurzem pendelten diese

Patienten zwischen der Kinder- und der Erwachsenenkardiologie.

„Es sind zwei ganz unterschiedliche

Fachdisziplinen, die für diese Patienten zusammen

gebracht werden müssen“, so Leischner. Immerhin sind

von den rund 300.000 Menschen mit einem angeborenen

Herzfehler etwa 180.000 Erwachsene.

Um dieser wachsenden Patientengruppe auch außerhalb

der beiden größten deutschen EMAH-Zentren

in Berlin und München eine heimatnahe hochqualifizierte

Versorgung angedeihen zu lassen, wurde Klaus

Leischner nach Göppingen geholt. Er kam gerne und

fühlt sich wohl im vertrautem Umfeld. „Zu sehen, wie

ein Kind mit angeborenem Herzfehler heranwächst,

sich entwickelt und oft sogar ein völlig normales Leben

führen kann, ist für mich als Arzt mit das Schönste.“

Andrea Maier


Neuer Chefkoch: Markus Adelmann

Seit August lenkt Markus Adelmann die Geschicke

der Zentralküche in der Klinik am Eichert. Sein

Ziel ist die Zufriedenheit von Patienten, Mitarbeitern

und Gästen wachsen zu lassen.

Markus Adelmann Foto: M. Radloff

Sommer 1969, Ludwigsburg, Schlosshotel Monrepos.

Markus Adelmann hat sich entschieden Koch zu werden,

seine Ausbildungsstelle hat einen guten Ruf. Bei

der Bundeswehr arbeitet er als Feldkoch schon mal im

provisorisch aufgebauten Zelt, dann bei Steigenberger,

auf dem Passagierschiff MS Europa, in der Karibik ...

„Als Koch hast du ein bewegtes Leben“, sagt der heute

56-Jährige und ist, wie meist, vielbeschäftigt in Eile.

Als Küchenchef in feiner Hotelgastronomie war er

entsetzt, als ihm sein Chef Steigenberger Senior 1996

empfahl, sich doch mal die Aufgaben im Verpflegungsbereich

des Münchner Universitätsklinikums

anzuschauen. „Massenverpflegung – der Horror für

jeden Hotelfachmann“, lachend erinnert sich Markus

Adelmann an seine Empörung.

Es hat nicht lange gedauert, da hat ihn die große Herausforderung

gepackt: 4500 Mahlzeiten täglich, Mitarbeiterführung,

Planung, Einführung eines neuen

Verpflegungssystems ... – Er sagte „Ja“ und blieb. Zwar

musste er dafür seine Selbstständigkeit im Remstal

aufgeben, aber der Wunsch nach Neuem war stärker

als aller Erfolg im Überschaubaren.

Über eine Hoteleröffnung am Bodensee führte ihn der

Weg weiter nach Freudenstadt – wieder an eine Klinik.

Dort hat er umstrukturiert, Neues gestaltet und auf

den Weg gebracht.

Seit August diesen Jahres arbeitet Markus Adelmann

an einem Konzept für die gesamte Verpflegung der

der beiden Kliniken des Landkreises mit.

Das Verpflegungssystem grundlegend zu optimieren

stehe an erster Stelle, so Adelmann. Sein Hauptaugenmerk

liegt dabei auf einer höheren Zufriedenheit

der Patienten, Mitarbeiter und Gäste mit Essen und

Trinken. Selbstverständlich sei auch der wirtschaftliche

Aspekt enorm wichtig.

Mit der gelungenen Umgestaltung des neuen Speisesaals

(an der er noch nicht beteiligt war) sieht er das

erste Projekt dahinführend bereits erfolgreich abgeschlossen.

Begeistert schwärmt Markus Adelmann von

gelungenen Licht- und Farbkonzepten. Sein Anliegen

für die Zukunft: „Verpflegung in guter Qualität für

unsere beiden Häuser – zubereitet von zufriedenen

Mitarbeitern.“

Andrea Maier

39


Personalien

René Bärreiter ist der neue Leiter des Finanzbereichs

Seit September 2010 leitet René Bärreiter den Geschäftsbereich

2, den Finanzbereich der Kliniken

des Landkreises. Sein Hauptziel ist es, die Gratwanderung

zwischen bestmöglicher Patientenversorgung

und solidem Wirtschaften für alle Beteiligten positiv

zu unterstützen.

Der Blick aus seinem Bürofenster ist sagenhaft, doch

viel Zeit zum Hinausschauen hat René Bärreiter nicht.

Der 40-jährige Diplom-Betriebswirt ist seit September

als neuer Leiter des Finanzbereichs umfassend

beschäftigt.

Sein Aufgabengebiet beinhaltet die Themen Kaufmännisches

Controlling und Finanzwesen. Das bedeutet,

dass René Bärreiter und sein 15-köpfiges Team monatliche

Berichte zur wirtschaftlichen Situation der

Kliniken des Landkreises erstellen und analysieren.

Der Geschäftsbereich ist zudem mit der Unternehmensplanung

und dem Jahresabschluss für die beiden

Kliniken des Landkreises betraut. Einen weiteren Aufgabenschwerpunkt

stellen die jährlichen Budget- und

Entgeltverhandlungen mit den Krankenkassen dar. Das

Erstellen von Wirtschaftlichkeitsanalysen als Basis für

Entscheidungen der Geschäftsführung runden sein

Aufgabenprofil ab.

40 Kliniken-Telegraf 12/2010

René Bärreiter Foto: A. Maier

Das Ziel einer sogenannten „schwarzen Null“ im Ergebnis

stellt eine große Herausforderung dar, das weiß

René Bärreiter als erfahrener Gesundheitsökonom

sehr wohl. „Es geht um Menschen, um Patienten, die

auf höchstem Qualitätsniveau versorgt werden sollen

und gleichzeitig um ein Unternehmen, das solide und

wirtschaftlich sinnvoll betrieben werden muss“.

Dass diese beiden Positionen oft unvereinbar scheinen,

schreckt Bärreiter nicht. Immerhin arbeitete der bei

Günzburg geborene Betriebswirt gleich nach seinem

Studium in Kempten insgesamt zwölf Jahre im Karl-

Olga-Krankenhaus in Stuttgart. Mit einiger Erfahrung

wurde er zum Leiter des Controllings berufen und

etwas später zum Kaufmännischen Leiter. Zwei Jahre

in der Industrie haben ihm weiterführende Einblicke

und Erfahrungen ermöglicht und seinen Weitblick

geschärft. Vor allem hatte er in dieser Zeit gespürt, wie

wichtig es ihm ist, sich mit seinen Fachkenntnissen

im sozialen Umfeld einzusetzen. „Es ist zu schaffen,

wenn alle an einem Strang ziehen“, versichert er und

ist positiv gestimmt. Sehr erfreut zeigt er sich über

die freundliche Aufnahme durch die Kolleginnen

und Kollegen im Haus und insbesondere in „seinem“

Geschäftsbereich.

Für den zweifachen Familienvater ist der Dialog ein entscheidendes

Element guter Arbeit. Trotz einer Vielzahl

an Themen, die er gerade in der Einarbeitungsphase

zu bewältigen hat, versucht René Bärreiter deshalb

alle Abteilungen zu besuchen, er interessiert sich für

das, was die Kliniken anbieten und nimmt mit allen

Chefärzten Kontakt auf. Dabei stellt er sich und sein

Tun vor und wirbt ganz persönlich für Transparenz

und gegenseitige Unterstützung.

Seine Freizeit verbringt René Bärreiter mit seiner Familie

im Aalener Zuhause. Als ehemaliger Handballspieler

will er nicht auf Sport verzichten. Heute ist das

Mountainbiken seine große Leidenschaft, zudem joggt

er regelmäßig, und wenn dann noch Zeit bleibt, liest

er gerne ein gutes Buch.

Andrea Maier


Neue Mitarbeiter in der Psychoonkologie

Bereits seit 25 Jahren besteht der Psychologische

Dienst unter der Leitung von Dr. Iris Schüle.

Nun erhält sie Verstärkung durch zwei neue Mitarbeiter,

die sich eine Stelle teilen:

Diplom-Psychologin Ingrid Veit ist 48 Jahre alt. Nach

einer kaufmännischen Lehre studierte sie in Tübingen

Psychologie und arbeitete anschließend in selbständiger

Praxis. Sie schloss eine Verhaltenstherapie-Ausbildung

mit Approbation als Psychologische Psychotherapeutin

an, arbeitete in einer Suchtklinik im Schwarzwald,

einer Psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses

Tauberbischofsheim sowie in einer ambulanten psychotherapeutischer

Praxis. Zuletzt war Frau Veit über

fünf Jahre in der Suchtkrankenhilfe an einer Tagesrehabilitation

in Ulm tätig.

Dr. med. Carl-Ludwig v. Ballestrem ist 51 Jahre alt. Nach

dem Studium promovierte er im Bereich Geburtshilfe

und Gynäkologie an der Universitätsklinik Homburg/

Saar. Verschiedene ärztliche und wissenschaftliche

Tätigkeiten führten ihn an die Universitätskliniken in

Lübeck und Magdeburg. Seit 10 Jahren ist er im Bereich

Dr. Susanne Knecht leitet zukünftig das Sozialpädiatrische Zentrum

Dr. Susanne Knecht Foto: R. Mütschele

Ingrid Veit und Carl-Ludwig von Ballestrem Foto: Privat

der Psychosomatischen Medizin und Psychotherapie

spezialisiert. Nach Abschluss seiner Ausbildung in

Verhaltenstherapie mit Approbation als Ärztlicher

Psychotherapeut vor fünf Jahren arbeitet er in eigener

Praxis in Ostfildern bei Stuttgart.

Beide freuen sich sehr auf ihre neue Aufgabe, auf die

interdisziplinäre Zusammenarbeit im Onkologischen

Schwerpunkt und die Begleitung von chronischen

Schmerzpatienten.

Dr. Iris Schüle

Die Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin

und der Zusatzbezeichnung Neuropädiatrie arbeitet

seit 2004 in der Klinik am Eichert. Vorher hat

sie am Olgaspital in Stuttgart in der Kinderchirurgie

und in der Pädiatrie viele Jahre gearbeitet. Ehrenamtlich

wirkt sie als Jugendhilfsschöffin am Amtsgericht

in Stuttgart. Ebenso ist sie beratendes Mitglied des

Jugendhilfeausschusses des Landkreis Göppingen.

Der bisherige Leiter Dr. Wolfgang Ettrich, der Ende

des Jahres in Rente geht, hat ihr gerne den Stab überreicht.

Wir werden in einer weiteren Ausgabe das

SPZ und sein Team vorstellen.

Max Radloff

41


Personalien

40-jährige Dienstjubiläen

Am 3. September 2010 konnte Herr Kreisoberverwaltungsrat

Jürgen Knoblauch sein 40-jähriges

Dienstjubiläum feiern. Herr Knoblauch begann seine

Ausbildung zum gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst

1970 bei der Stadt Göppingen. Nach dem

Studium an der Fachhochschule für Verwaltung und

Abschluss der fünfjährigen Ausbildung begann Herr

Knoblauch 1975 seine Tätigkeit als Sachbearbeiter in

der Finanzverwaltung des Landratsamtes Göppingen.

Von 1980–1985 war er Stellvertretender Leiter des

Kämmereiamtes. Am 1. November 1985 begann Herr

Knoblauch seine Tätigkeit beim Kreiskrankenhaus

in Geislingen als Leiter der Personalabteilung und

Stellvertretender Verwaltungsdirektor.

Im März 1989 wählte der Kreistag Jürgen Knoblauch

zum Krankenhausdirektor des Kreiskrankenhauses

Geislingen. In dieser Zeit bildeten den Schwerpunkt

der Tätigkeit neben der Leitung des laufenden Klinikbetriebes

die seinerzeitigen umfassendsten Sanierungsmaßnahmen

des Krankenhauses seit seinem

Bestehen. Zunächst waren dies der Abschluss der

42 Kliniken-Telegraf 12/2010

Jürgen Knoblauch Foto: L. Duschek

Sanierung und Erweiterung der Funktionsbereiche

und in den Jahren 1990–1998 die Generalsanierung

des Bettenhauses und der sonstigen Betriebsbereiche.

Ab 1. Januar 2007 wurde die Helfenstein Klinik

zusammen mit der Klinik am Eichert in die Kliniken

des Landkreises Göppingen gGmbH überführt. Seither

obliegt Herrn Krankenhausdirektor Knoblauch die

Leitung des Betriebsmanagements der Helfenstein

Klinik Geislingen.

Christa Grau

Elisabeth Zajontz Foto: L. Duschek

Seit 40 Jahren ist Frau Elisabeth Zajontz als Krankenschwester

im Dienst der Helfenstein Klinik

Geislingen. Mit ihrer Ausbildung von Oktober 1970

bis September 1973 wurde Elisabeth Zajontz Mitglied

der Schwesternschaft vom Roten Kreuz Baden-

Württemberg.

Unmittelbar nach dem Examen wurde sie als stellvertretende

Stationsleitung auf der Chirurgischen

Station 1a eingesetzt und nach dem Ausscheiden der

Stationsleitung übernahm Frau Zajontz deren Aufgabe

im Jahr 1974. Stationsleitung blieb sie, bis im


Jahr 1976 die Station aufgelöst wurde, weil an dieser

Stelle die neue Intensivstation gebaut wurde. Von der

Oberschwester (so war der Titel der Pflegedienstleitung

damals) gefragt, ob sie in die Innere Abteilung oder

den OP wechseln wolle, beantwortete die chirurgische

Schwester diese Frage mit: „In den OP“. Von 1981

bis 1983 absolvierte sie die Fachweiterbildung zur

OP-Schwester.

Für die Erziehung ihrer beiden Kinder reduzierte sie

dann ihre Arbeitszeit und wechselte in die Nachtwache

der chirurgischen Abteilung. Seit 1996 ist Elisabeth

Zajontz wieder im OP tätig.

Ludwig Duschek

Danica Grigic Foto: L. Duschek

Es begann an einem Montag. Anfang März 1970

nahm Frau Danica Grigic in der Helfenstein Klinik

Geislingen ihre Tätigkeit im Hausdienst auf. Wenn

man sie fragt, kann sie viel darüber erzählen, wie es

damals war. Mit Wehmut denkt Frau Grigic an "ihre"

Station 5 zurück. Glanz tritt in ihre Augen, wenn sie

in Erinnerungen an Schwester Agatha und Dr. Phleps

Senior schwelgt. Die HNO-Belegabteilung war oft mit

mindestens 20 Patienten voll belegt, im Kinderzimmer

lagen oft 14 Neugeborene nebeneinander. In diesen Bereichen

hatte Danica Grigic die meiste Zeit gearbeitet.

Sie kann sich noch genau erinnern, als während des

Frühstücks bei einem Patienten eine Embolie auftrat.

Zufällig kam sie genau in diesem Moment ins Zimmer

und verständigte sofort das Pflegepersonal. Dr. Phleps

sprach sie danach immer wieder als "die Lebensretterin"

an. Das hat sie doch sehr berührt und auch stolz

gemacht.

Auch an Herrn Duschek als jungen Zivildienstleistenden

kann sie sich gut entsinnen. Er musste das Geschirr

von den Stationen in die Spülküche bringen. Die damalige

Hausdienst-Mitarbeiterin Frau Silac trieb ihre

Späße mit ihm, wenn sie ihn mit der Begründung von

der Gynäkologischen Abteilung wegschickte: "Schnell

weg hier, hier gibt's lauter junge Mädchen!". Es wurde

viel gelacht.

Aber nicht nur Spaß brachte die Zeit im Hausdienst.

Viel Arbeit und noch mehr Veränderungen hat

Frau Grigic in den 40 Jahren ihrer Dienstzeit erlebt.

Beide Kinder von Frau Grigic waren anfangs in der

Krankenhaus-KiTa untergebracht, sonst wäre eine

Vollzeit-Arbeit nicht möglich gewesen. Ihr Mann war

als Schleifer in der WMF beschäftigt, so musste sie

sich alleine um Kinder und Haushalt kümmern. Ihr

lieber Mann sorgte am Wochenende für die Familie.

Auch die OP-Reinigung hatte Frau Grigic erlernt und

mehr als drei Jahre dort gearbeitet. Gesundheitlich

konnte sie dies aber nicht mehr weiterführen und so hat

sie ihren festen Stammplatz bis heute auf den Stationen

30 und 35. Dort trifft man die kleine dunkelhaarige

Frau mit dem gütigen Blick und der sanften Stimme

oft beim Wischen an – der besondere Glanz der Flure

sind ein Markenzeichen von Frau Grigic.

Corina Bremes

43


Personalien

Neue Oberärztin in der Unfallchirurgie

44 Kliniken-Telegraf 12/2010

Dr. Iris Lasser

Ihre Ansprechpartnerinnen im Marketing-Team:

Sabine Braterschofsky, Daniela Feix, Margit Cordt

Foto: M. Radloff

Das Oberarztteam der Unfallchirurgie der Klinik am

Eichert wird seit 1. November 2010 durch eine junge

Kollegin ergänzt. Dr. Iris Lasser ist seit vielen Jahren die

erste Ärztin in diesem Team. Nachdem immer mehr

Frauen Medizin studieren wird dies in den nächsten

Jahren allerdings in allen unfallchirurgischen Kliniken

ein ganz normaler Vorgang sein. Frau Lasser hat in

Frankfurt und Ulm Medizin studiert. Die Ausbildung

zur Fachärztin für Unfallchirurgie und Orthopädie

absolvierte sie in der Klinik am Eichert und in der

Universitätsklinik Ulm. Im Sommer diesen Jahres hat

sie die Zusatzbezeichnung für Sportmedizin erhalten.

Sie nimmt regelmäßig am Notarztdienst teil und hat

inzwischen auch die Fortbildung zur Leitenden Notärztin

erfolgreich absolviert.

Text und Foto: Max Radloff

Sabine Braterschofsky

Zentrale Ansprechpartnerin extern/intern,

Steuerung und Management

Tel: 07161 64-2732 – Piepser: 291

Fax: 07161 64-52732

sabine.braterschofsky@kae.de

Daniela Feix

Bereich Veranstaltungen und Kooperationen

Tel: 07161 64-2929

daniela.feix@kae.de

Margit Cordt

Bereich Öffentlichkeitsarbeit,

Printmedien und Internet

Tel: 07161 64-2835 – Piepser: 293

margit.cordt@kae.de


Das Therapiezentrum ist ein Team von 50 Therapeuten aus den Berufen Physiotherapie, Massage,

Ergotherapie und Logopädie. Wir arbeiten mit den Patienten auf Station -in allen Fachbereichen- und

in engem Austausch mit den Ärzten, sowie den Pflegekräften und anderen Funktionsdiensten

Wir bieten unseren Patienten und Mitarbeitern auch ambulante Behandlungen an. D. h. die therapeutischen

Leistungen werden dem vom Arzt verordneten Rezept entsprechend dem Heilmittelkatalog ausgeführt.

Wir bieten außerdem alle Behandlungen zu Selbstzahlerleistungen an

Im Bereich Physiotherapie:

• Krankengymnastik • Manuelle Therapie • Vojita, Castillo Morales

• Therapie nach Bobath, Mc Kenzie, PNF, Qi Gong, Dorn, Cranio-Sacrale Therapie

Schlingentisch, Kinesio-Tape

• Gerätegestützte Krankengymnastik – nur in der Klinik am Eichert

• Computergestütztes Gerätetraining – nur in der Klinik am Eichert

• Bewegungsbad • Gruppentherapie (z. B. Rückenkurse)

Im Bereich Massage und physikalische Therapie:

• Klassische Massage • Lymphdrainage • Triggerpunktbehandlung

• Bindegewebsmassage, Fußreflexzonen Therapie, Kolonmassage

• Stangerbad/Sprudelbad/Unterwassermassage/Zellenbad • Fango/heiße Rolle

• Elektrotherapie • Rotlicht • Laserbehandlung/Magnetfeld – nur in der Klinik am Eichert

• Eisanwendung • Ultraschall

Weiterhin haben wir wechselnde Angebote für Sie:

Im Januar: Fit und entspannt durch den Winter

• Gerätetraining 5er Karte

• Massage und Fango

• Massage und Magnetfeld

Unsere Öffnungszeiten im ambulanten Bereich:

in der Klinik am Eichert in Göppingen:

Montag – Donnerstag : 7.30 – 12.00 und 12.30 – 19.00 Uhr

Freitag: 7.30 – 12.00 und 12.30 - 15.00 Uhr

Telefon: 07161 64-2808

In der Helfenstein Klinik in Geislingen:

Montag – Freitag : 7.30 – 12.00 und 12.30 – 16.00 Uhr

Telefon: 07331 23-190

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Veranstaltungen

Bilder aus dem Niger in der Praxis für Strahlentherapie

Dr. Beata Olejnik-Kurz ist die Vorsitzende des Vereins Med ASS Sub-Sahara e.V. Sie zeigt in den kommenden

Monaten Fotografien von ihren Einsätzen im Niger. Der gemeinnützige Verein hat das Ziel, den Not leidenden

Menschen im Niger schnell und unbürokratisch zu helfen. Er hilft beim Aufbau und bei der Unterhaltung von

Stützpunkten für die medizinische Versorgung der dort lebenden Bevölkerung. Am Südrand der Sahara liegt

die Republik Niger zwischen Mali und Tschad. Auf einer Fläche von 1.267.000 qkm – größtenteils Wüste –

leben ca. 12 Mio. Einwohner, davon ca. 1,5 Mio. Nomaden (Tuareg). Niger ist eines der ärmsten Länder der

Welt und nimmt mit Platz 174 von 177 auf dem Index für menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen

einen der letzten Plätze ein. Rund 63 % der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Die Lebenserwartung

beträgt selbst heute nur 44 Jahre. Niger besitzt eine katastrophale medizinische Infrastruktur.

Im Vergleich: Republik Niger: ca. 38.500 Patienten pro Arzt – Deutschland: ca. 270 Patienten pro Arzt

Spenden an:

Dr. Beata Olejnik-Kurz

Kreissparkasse Reutlingen; Konto-Nr. 9049; BLZ 640 500 00

Für Spenden erhalten Sie eine Spendenbescheinigung.

Telefon 0711 728 88 52; E-Mail: info@subsahara-ev.org; Homepage: www.subsahara-ev.org

46 Kliniken-Telegraf 12/2010

Fotos: Dr. B. Olejnik-Kurz


Impressum

Kliniken-Telegraf

Die Zeitschrift der Kliniken des Landkreises Göppingen

Herausgeber: Kliniken des Landkreises Göppingen gGmbH

Vorsitzender des Aufsichtsrats: Landrat Edgar Wolff

Geschäftsführer: Prof. Dr. Jörg Martin

V. i. S. d. P. Max Radloff

Die Beiträge der Autoren geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.

Redaktion: Sabine Braterschofsky - Zentrale Ansprechpartnerin des Marketing-Teams

Ludwig Duschek - Stv. Betriebsratsvorsitzender

Dr. Karin Kaiser - Leiterin des Instituts für Innerbetriebliche Fort- und Weiterbildung

Andrea Maier - Freie Journalistin

Max Radloff - Betriebsratsvorsitzender

Anschrift: Eichertstraße 3

73035 Göppingen

E-Mail: kliniken-telegraf@kae.de

Telefon: 07161 64-2302 oder 07331 23-103

Layout: Max Radloff

Druck: GO Druck Media GmbH & Co. KG - Kirchheim unter Teck

Auflage: 5000

Erscheinen: 2 x pro Jahr - kostenfrei

Internet: www.kliniken-landkreis-goeppingen.de

www.kae.de

www.helfenstein-klinik.de

Dank: Wir danken allen Autorinnen und Autoren für die Beiträge zu dieser Ausgabe.

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Kombination.

Das 3-fach-Plus der AOK.

+ AOK-HausarztProgramm: Hausärzte haben mehr

Zeit für ihre Patienten

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schnellere Termine für Herz-Kreislauf-Patienten

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Diagnosen in der Onkologie und Orthopädie

AOK – Die Gesundheitskasse · Neckar-Fils

Plochinger Straße 13 · 73730 Esslingen

Telefon 0711 9399-0

www.aok-bw.de./nef

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