R A U M G E S T A L T U N G - Lehr- und Forschungsgebiet ...

raum.arch.rwth.aachen.de

R A U M G E S T A L T U N G - Lehr- und Forschungsgebiet ...

R A U M G E S T A L T U N G

Eremit

Mensch und Ort

Einführung in das Entwerfen II, Übung 3

SS 2011


R A U M G E S T A L T U N G

Eremit

Mensch und Ort

Einführung in das Entwerfen II, Übung 3

SS 2011


Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Fakultät für Architektur

Lehr- und Forschungsgebiet Raumgestaltung

Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Uwe Schröder

Dipl.-Ing. Christoph Lajendäcker

Dipl.-Ing. Susanne Rupprecht-Reinke

Dipl.-Ing. Christopher Schriner

Abb. Vorderseite: Osmoderma Eremita

Eremit

Mensch und Ort

Einführung in das Entwerfen II, Übung 3

SS 2011, Kurs BA 1.04


Inhalt

Eremit - Mensch und Ort 6

Vorübung „Auffinden, Auflösen, Auslegen“ 8

Vorübung „Versammeln“ 10

Termine 12

Luftbild 13

Anhang 14

Sammelsurium Einsiedelei

Kloster St. Benediktusberg

Thematisierungen von Ort und Landschaft

Literaturverzeichnis

Textauszug: Francesco Petraca, Das einsame Leben


„Der vielbeschäftigte, unglückliche Stadtbewohner steht mitten in der Nacht auf, von

seinen Sorgen oder den Stimmen der Klienten aus dem Schlaf gerissen; oft auch aus

Angst vor dem kommenden Tag, oft von nächtlichen Gesichtern aufgeschreckt. Bald

zwingt er seinen Leib auf einen unbequemen Stuhl und seinen Geist zu Betrügereien:

Damit ist er ganz beschäftigt, entweder rechnet er Warenpreise aus, oder er überlegt,

wie er seinen Geschäftspartner oder sein Mündel hereinlegen, wie er durch Schmeicheleien

die mit Keuschheit gewappnete Ehefrau des Nachbarn erobern, wie er durch Worte

einem ungerechtfertigten Streit den Schein von Recht verleihen, wie er den Staat oder

einen Privatmann schädigen kann. Einmal ist er von Zorn überwältigt, einmal brennt er

vor Verlangen, dann erstarrt er vor Verzweiflung: So spinnt der Unglückselige schon vor

Tag die Fäden seines Tagesgeschäfts, mit denen er sich und andere fesselt.“

Francesco Petraca (1304-1374), Das einsame Leben, Stuttgart 2004.

Heinrich Breling, Die Einsiedelei des Gurnemanz im Ammerwald bei Linderhof,

Tafelmalerei, Aquarellfarbe, 1881.

5


Eremit - Mensch und Ort

In der Übung 3, Mensch und Ort, wird die Aufgabe gestellt eine Einsiedelei

in der Umgebung des Benediktinerkloster St. Benediktusberg,

westlich von Vaals (Niederlande) zu entwerfen.

Die Bestimmung des Entwurfsortes geht einher mit der Bestimmung

der natürlichen Räumlichkeit des Ortes: Dinge (Tal, Wald, Gewässer

und Bäume), Ordnung (Topographie), Charakter (romantisch), Licht

(Himmel, Wetter), Zeit (Jahreszeit) und der Bestimmung der künstlichen

Elemente des Ortes, beispielshalber den Bauten.

Die Einsiedelei soll als ein Ort der Kontemplation und Reflexion sowie

der Meditation und Konzentration verstanden werden. Die existenzielle

Verfasstheit oder Befindlichkeit der Wohnenden (Eremit) bestimmen

die Widmung der Räume. In welcher Art und Weise räumt die Einsiedelei

die Widmung an ein einsames Wohnen ein?

Die Landschaft

Der Topos ist durch die Landschaft bestimmt. Die Widmung der Räume

als Einsiedelei fordern den Umgang und die Identifikation mit der

Landschaft. Wie korrespondieren die Dinge, die Ordnung, der Charakter,

das Licht und die Zeitlichkeit der Landschaft mit der Architektur?

Wie versammelt das Haus des Eremiten die Landschaft um sich?

6

Landschaft bei Vaals, NL, Kloster St. Benediktusberg


Das Kloster

Das in die Landschaft eingelassene Kloster St. Benediktusberg versammelt

die Elemente der Landschaft um sich. Als Stätte der Kontemplation

dient das Kloster in konkreter wie auch übertragener Hinsicht

als Orientierung: in welcher Weise tritt die Einsiedelei mit dem

Kloster in Korrespondenz?

Einsiedeln

Die Landschaft, das Kloster und das Haus mit der Widmung an das

einsame Wohnen konstituieren die Räumlichkeit des Ortes. Welche

Anforderungen entstehen hieraus an die zu entwerfenden Räume und

Anräume? Wie richten sich „innere“ und „äußere“ Räume aus? Wie

bilden Wände, Decke und Boden Räume?

Inwieweit ermöglichen die gewidmeten Räume Offenheit und Geschlossenheit,

Nähe und Distanz; Begegnung mit dem „Selbst“ und

Begegnung mit Anderen?

Durch die Thematisierung des Ortes spiegelt das Haus des Eremiten

die Landschaft und wird zum Element des Ortes. Inwieweit bezieht

sich die Atmosphäre der architektonischen Räume auf den Charakter

der Landschaft?

Raumprogramm:

Wohnraum (inkl. Küche und Bad) ca. 45 m 2 ; Raum der Wahl (z.B. Atelier,

Bibliothek, Werkstatt) konzeptabhängig ca. 15-30 m 2 ; Anräume

(Lager und Geräte) ca. 2 x 7,5 m 2 ; Hof und/oder Garten ca. 90 m 2 .

Leistungen:

Blatt 1: Konzeptblatt, Erläuterungstext zu Motiv und Thema des Entwurfs

(4000 Zeichen), analytische Zeichnungen, etc.; Blatt 2: Lageplan

M 1:2000 oder M 1:1000 (geeigneter Ausschnitt!); Blatt 3: Lageplan

und Schnitte M 1:500; Blatt 4-5: Grundrisse M 1:200, mit Darstellung

der Umgebung, Schnitte und Ansichten M 1:200; Blatt 6: „Libero“,

räumlich-atmosphärische Darstellung des Entwurfes; Blattformat:

Modul DIN A3.

Modell 1: Einsatz in das topographische Umgebungsmodell M 1:2000

(siehe Vorübung „Auffinden, Auflösen, Auslegen“); Modell 2: Architekturmodell

M 1:200, Format Modul DIN A3.

7


Vorübung „Auffinden, Auflösen, Auslegen“

In der Vorübung „Auffinden, Auflösen, Auslegen“ soll die Landschaft

in der Umgebung des Klosters St. Benedictusberg analysiert werden.

Die Räumlichkeit des Ortes soll anhand der gegebenen Begriffe Ding,

Ordnung, Charakter, Licht und Zeit betrachtet werden.

Für die Analyse kann aus verschieden Darstellungstechniken (Planzeichnung,

Fotographie, Freihandzeichnung, Modell) eine zur Bearbeitung

der Vorübung ausgewählt werden. Die Wahl ist zu begründen!

Der Titel der Vorübung stellt die Frage nach den Eigenschaften des

Ortes. In welcher Art und Weise lassen sich diese Eigenschaften des

Ortes bestimmen? Wie bestimmen die Eigenschaften der einzelnen

Elemente den Ort? Wie läßt sich das Wesen des Ortes „Auffinden“,

„Auflösen“ und „Auslegen“, um der Grundlage für den Entwurf als

Haus eines Eremiten zu dienen?

Leiten Sie aus der Analyse des Ortes einen Vorschlag für den gesuchten

Ort des Hauses ab!

Erläuterung der Begriffe:

Dinge der Landschaft (Bäume, Flüsse, Berge); Ordnungen der Landschaft

(Erdboden, Topographie); Charakter der Landschaft (z.B. romantische

Landschaft), Licht der Landschaft (der Himmel, das Wetter,

die Atmosphäre), Zeit der Landschaft (Jahreszeitliche Veränderungen:

Frühling, Sommer, Herbst und Winter);

8


Leistungen:

Gruppenleistungen:

Topographisches Umgebungsmodell M 1:2000, Ausschnitt DIN A2

nach Vorgabe, Schichtenmodell als Gussmodell.

3er Gruppen:

Analyse der Elemente (Ding, Ordnung, Charakter, Licht, Zeit) unter der

Verwendung einer Darstellungstechnik (Planzeichnung, Fotographie,

Freihandzeichnung, Modell) und einer textlichen Erläuterung, Blattformat:

Modul DIN A3.

Einzelleistungen:

Vorschlag für einen Entwurfsort mit schriftlicher Begründung: Benennen

von maßgeblichen Kriterien zur Wahl des Ortes; Darstellung eines

Lageplans M 1:2000, ggf. weitere analytische Darstellungen (Darstellungstechniken:

Planzeichnung, Fotographie, Freihandzeichnung.)

Format: Postkate DIN A6, postalischer Versand an das Lehrgebiet

Raumgestaltung; Posteingag bis zum Mi. den 20.04.2011, 12.00 Uhr.

Abb. 1-4: Ding, Ordnung, Charakter, Licht und Zeit

9


Vorübung „Versammeln“

Die Räumlichkeit des Ortes (Topos) versammelt die Welt unserer Vorstellung.

Das Haus als Ort versammelt die Landschaft.

Ausgehend von der Vorübung „Auffinden, Auflösen, Auslegen“ in der

die Räumlichkeit des Ortes betrachtet wird, ist das Ziel der Vorübung

„Versammeln“ die Analyse eines Hauses in der Landschaft und die

Betrachtung der Landschaft durch eine Beschreibung der Architektur.

In welcher Art und Weise stehen die Räume des Hauses in Korrespondenz

mit der Räumlichkeit der Landschaft? Wie versammelt das

Haus die künstlichen und natürlichen Elemente des Ortes? Inwieweit

spiegelt die Architektur die Landschaft wieder?

Bearbeitung der Übung in 3er Gruppen, Leistungen:

Dokumentation: Lageplan, Grundrisse, Schnitte, Ansichten im Kontext

der Landschaft;

Analyse „Versammeln“: Darstellung verschiedener Aspekte: Spiegelung,

Orientierung, Einbindung, Verräumlichung z.B. in Bezug zu den

Begriffen Ding, Ordnung, Charakter, Licht, Zeit etc., Blattformat Modul

DIN A3;

Abb. 1, S. 11: Fallingwater, Frank Lloyd Wright, Allegheny Mountains, Pennsylvania,

USA, 1935-37; Abb. 2, S. 11: Casa Malaparte, Adalberto Libera, Capri, Italien, 1938-

1941; Abb. 3, S. 11: Haus Bianchi, Mario Botta, Riva San Vitale, Tessin, Schweiz, 1971-

1973; Abb. 4, S. 11: Haus Kalmann, Luigi Snozzi, Brione sopra Minusio, Tessin, Schweiz,

1976; Abb. 5, S. 11: 73; Abb. 4, S. 11: Haus Rudin, Jac ques Her zog, Pierre de Meu ron,

Leymen, Elsass, Frankreich, 1996-1998; Abb. 6, S. 11: Casa Barreira Antunes, Manuel

Aires Mateus, Francisco Aires Mateus, Grândola, Alentejo, Portugal, 2000.

10


Häuser in der Landschaft:

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 3 Abb. 4

Abb. 5

Abb. 6

11


Termine

Datum Ort, Zeit Betreuung

Mi 06.04.11 R 140, 14.00 Uhr Vorstellung der Übung 3 Mensch und Ort

Einführung in die Vorübungen „Auffinden,

Auflösen, Auslegen“ und „Versammeln“

Mi 13.04.11 Kloster St. Benediktusberg,

14.00 Uhr

12

Exkursion zum Kloster St. Benediktusberg;

Bearbeitung der Vorübung „Auffinden,

Auflösen, Auslegen“

Mi 20.04.11 Baumhaus 14.00 Uhr Präsentation der Vorübungen „Auffinden,

Auflösen, Auslegen“ und „Versammeln“;

Workshop Einsiedlerei

Mi 27.04.11 Baumhaus, 14.00 Uhr Betreuung der Übung 3

„Mensch und Ort“

Mi 04.05.11 R 220, 14.00 Uhr Zwischenkolloquium

„Idee und Konzeption“

Mi 11.05.11 Baumhaus, 14.00 Uhr Betreuung der Übung 3

„Mensch und Ort“

Mi 18.05.11 Foyer Reiffmuseum,

14.00 Uhr

Abgabe der Übung 3, „Mensch und Ort“

Kolloquium und Leistungsnachweis

Anfahrt Kloster St. Benediktusberg, Mamelis 39, NL-6295 Na Lemiers (bei Vaals)

Bus, Montag bis Freitag:

Haltestelle Aachen, Audimax, Linie 33 Richtung Vaals, Flats, Abfahrt: 13:18 Uhr, Vaals,

Sint Jozefkerk Ankunft: 13:43 Uhr;

Haltestelle Vaals, Sint Jozefkerk, Linie 50 Richtung Maastricht, Centraal Station/Busstation/Busbahnhof,

Abfahrt: 13:46 Uhr, Vaals, Mamelis Benedictusberg, Ankunft: 13:54 Uhr;

Haltestelle Aachen, Schanz (Vaalser Straße), Linie 50, Richtung Maastricht, Centraal

Station/Busstation/Busbahnhof, Abfahrt: 13:12 Uhr, Vaals, Mamelis Benedictusberg,

Ankunft: 13:37 Uhr;

Haltestelle Aachen, Audimax, Linie 33 Richtung Vaals, Flats, Abfahrt: 13:24 Uhr, Vaals,

Sint Jozefkerk Ankunft: 13:37 Uhr;

Haltestelle Vaals, Sint Jozefkerk, Linie 50 Richtung Maastricht, Centraal Station/Busstation/Busbahnhof,

Abfahrt: 13:52 Uhr, Vaals, Mamelis Benedictusberg, Ankunft: 14:22Uhr;

Haltestelle Aachen, Schanz (Vaalser Straße), Linie 50, Richtung Maastricht, Centraal

Station/Busstation/Busbahnhof, Abfahrt: 13:27 Uhr, Vaals, Mamelis Benedictusberg,

Ankunft: 13:52 Uhr;

Abb. S. 15: Luftbild Vaals, Mamelies, Kloster St. Benediktusberg, M 1:10000.


Anhang

Sammelsurium Einsiedelei:

Abb. 1, S.14: Grundriss der Zelle einer

Karthause, in: Die Kartäuser. Der Orden

der schweigenden Mönche. Marijan

Zadnikar mit Adam Wienand, Köln 1983;

Abb. 2, S. 14: Eremitage Gessnergrotte,

Arlesheim, Gmelin/Mechel; Abb. 3, S. 14:

Kartäusermönch, in: Zadnikar/Wienand,

14

Abb. 1

Abb. 2

Köln 1983; Abb. 4, S. 14: La Grande Charteuse,

Saint-Pierre-de-Chartreuse, in:

Zadnikar/Wienand, Köln 1983; Abb. 5, S.

14: Einsiedelei Poggio Bustone, Umbrien,

Gesamtaufnahme; Abb. 1, S.15: Einsiedelei,

Tibet; Abb. 2, S.15: Eremitage im

Fürstenlager Auerbach, Bensheim; Abb.

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5


3, S.15: Eremitage mit Memento Mori

Türschmuck, 1755; Abb. 4, S.15: Magdalenenklause,

Ansicht von Südosten nach

einer Lithografie von Carl von Lebschée,

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 3

1830, Schlosspark Nymphenburg, München;

Abb. 5, S.15: Le Cabanon, Grundriss,

Promenade Le Corbusier, Roquebrune

Cap-Martin, 1952; Abb. 6, S. 15: Le

Cabanon, Ansicht, Promenade Le Corbusier,

Roquebrune Cap-Martin, 1952.

Abb. 4

Abb. 5

Abb. 6

15


Abtei St. Benediktusberg

Die Abtei Benediktusberg wurde 1893 unter

dem Namen St. Clemens in Merkelbeek

als erste benediktinische Abtei auf niederländischem

Boden seit der Reformation

von Dom Hermann Renzel gegründet und

1923 von Dom Romuald Wolters nach Mamelis

verlegt.

1922 wurde mit dem Bau der Abtei nach

Plänen des Architekten Dominicus Böhm

(1880-1955) begonnen.

Böhm errichtete einen vierflügligen Bau

mit einem Innenhof, um den sich zu ebener

Erde der Kreuzgang mit Refektorium

und Gästeunterkunft, im Obergeschoss ein

zweiter Kreuzgang mit Kapitelsaal, Skriptorium

und Mönchszellen versammeln.

Der oberer Kreuzgang ist durch zwei monumentale

Treppen mit dem Refektorium

16

Abb. 1

Abb. 2

verbunden. Die zum alten Wallfahrtsweg

zwischen Aachen und Maastricht weisende

Südfassade wird von zwei runden, massiven

Ecktürmen flankiert.

Die von Böhm ebenfalls geplante Klosterkirche

kam nicht zur Ausführung.

1956 wurde der Mönch und Architekt Hans

van der Laan (1904-1991) aus Oosterhout

mit dem Entwurf einer Klosterkirche beauftragt.

Bestehend aus Oberkirche, Krypta

und Atrium wurde diese 1968 vollendet.

1987 wurde die Abtei durch den Bau einer

neuen Sakristei und einer neuen Bibliothek

vollendet.

Abb. 3

Abb. 4


Die theoretischen Grundlagen seiner Architektur

fasste van der Laan in seinem 1977

veröffentlichten Werk „Der Architektonische

Raum“ zusammen.

Quelle: Schnell Kunstführer, Benediktinerabtei

St. Benediktusberg, München, 1991

Abbildungen:

Abb. 1, S. 14: Grundriss Kloster St. Benediktusberg,

Vaals, NL; Abb. 2, S. 14: Atrium;

Abb. 3, S. 14: Zeichnung Dom Hans

van der Laan; Abb. 4, S. 14: Treppenauf-

Abb. 1

gang zur Oberkirche; Abb. 1, S. 15: Westansicht;

Abb. 2, S. 15: Luftbild der Klosteranlage,

Süden; Abb. 3, S. 15: Innenansicht

Oberkirche.

Abb. 2

Abb. 3

17


Thematisierungen von Ort und Landschaft: Kulturlandschaften, Ideen und Ideale;

Abbildungen:

Abb. 1, S. 16: Festpavillon Comor Park,

Roberto Pirzio-Birolis, Udine, Italien, 1993;

Abb. 2, S. 16: Turm, Erwin Heerich, Insel

Hombroich, Neuss; Abb. 3, S. 16: Totehain

des Fürsten Pückler-Muskau, Branitz bei

Cottbus, Lageplan; Abb. 4, S.16: Erdpyramide

im Totehain des Fürsten Pückler-

Muskau, Branitz bei Cottbus; Abb. 5, S.

18

Abb. 1

Abb. 2

16: Verschönerungsplan der Umgebung

von Potsdam, Peter Joseph Lenné, 1833;

Abb. 1, S. 17: Gartenhaus in Charlottenhof

bei Potsdam, Perspektive, K. F. Schinkel,

Abb. 2, S. 17: Fasanerie im Park von Charlottenburg,

Ludwig Persius; Abb. 3, S. 17:

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5


Insel Potsdam, Lindenallee; Abb. 4, S. 17:

Schloss Charlottenburg, Luftbild; Abb. 5, S.

17: Landhaus bei Syrakus, K. F. Schinkel;

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5

19


Architektur und Landschaft;

Abb. 1 u. 2, S. 18: Villa Rotonda, Andrea

Palladio, Vicenza, Italien, 1567–71, Grundriss

und Fotographie; Abb. 3, S. 18: Villa

20

Abb. 1

Abb. 2

Adriana, Tivoli, Italien, 118 bis 134 n. Chr;

Lageplan; Abb. 4, S. 18: Castel del Monte,

Apulien, Italien, 1240-1250; Abb. 5, S.

18: Villa Adriana, Tivoli, Italien, 118 bis 134

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5


n. Chr, Rekonstruktionsmodell, Abb. 1,

S. 19: Chinesische Mauer; Abb. 2, S. 19:

Salk Institute, L.I. Kahn, La Jolla, Kalifornien,

USA, 1959-65, Innenhof; Abb. 3, S.

19: Stonehenge, England, ca. 2500-2000

v. Chr.; Abb. 4, S. 19: Abb. 5, S. 19: Haus

Barragán, Luis Barragán Tacubaya, Mexico-Stadt,

Mexico, 1947-48, Hof;

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 3

Abb. 4

21


Wege, Marken, Male, Symbole.

Abb. 1, S. 20: Die Teufelstreppe im Glienicker

Schloßpark, Ludwig Persius, 1838;

Abb. 2, S. 20: Lawinenverbauungen, Alpen;

Abb. 3, S. 20: Projekt Cefalu, 1976, Abb. 4,

S. 20: Pont du Gard, römisches Aquädukt,

1. Jhd. n. Chr., Remoulins, Frankreich;

Abb. 5, S. 20: Panropa Projekt, Hermann

Sörgel, Planung zur Absenkung des Mittel-

22

Abb. 1

Abb. 2

meeres durch fünf Staumauern, 1927/28;

Abb. 1, S. 21: Himmelstreppe und Goldene

Spirale, H. Voth, Lageplan; Abb. 2, S. 21:

Furka-Paß, Per Kirkeby, Schweiz, 1886 ;

Abb. 3, S. 21: Goldene Spirale, Marokko,

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5


1993–97, Luftbild; Abb. 4, S. 21: Steinkreis

in den Anden, Richard Long, 1972; Abb. 5,

S. 21: Himmelstreppe, Marokko, 1980-87;

Abb. 6, S. 21: Beta Giyorgis von Lalibela,

Äthiopien, ca. 1250.

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5

Abb. 6

23


Literatur

Christian Norberg-Schulz, Genius Loci. Landschaft, Lebensraum, Baukunst, Klett-Cotta,

Stuttgart 1991;

Pieper, Jan, in: Kunstforum 69, Ort, Erinnerung, Architektur. Über den Genius Loci, Köln

1984;

Gion A. Caminada, Stiva da Morts. Vom Nutzen der Architektur, gta, Zürich 2003;

Dom Hans van der Laan, Der Architektonische Raum Fünfzehn Lektionen über die Disposition

der menschlichen Behausung, E.J. Brill Leiden New York Köln, Leiden, 1992;

Ungers, Oswald Mathias: Die Thematisierung der Architetektur, Stuttgart 1983;

Kunsthaus Bregenz, Per Kirkeby, Backsteinskulptur und Architektur, Werkverzeichnis,

Verlag Walter König, Köln, 1997

Sabine Bohle-Heintzenberg, Manfred Hamm: Ludwig Persius - Architekt des Königs,

Gebr. Mann Verlag, Berlin, 1993;

Michael Seiler, Jörg Wacker: Insel Potsdam, Ein kulturhistorischer Begleiter durch die

Potsdamer Parklandschaft, Verlag Nishen, Berlin, 1991

Goerd Peschken: Karl Friedrich Schinkel, Das Architektonische Lehrbuch, Deutscher

Kunst Verlag, München, Berlin, 2001

Karl Friedrich Schinkel, Collection of Architectural Designs, Butterworth Architecture,

Guildford, 1989

Armand Salas Portugal, Barragán, Photographs of the Architekture of Luis Barragán,

Rizzoli, New York, 1992

Boga, Thomas, Tessiner Architekten. Bauten und Entwürfe 1960-1985, Schweiz 1986

Daidalos, Architektur Kunst Kultur; Ausgabe 12, Juni 1884, Architektur und Landschaft

Daidalos, Architektur Kunst Kultur; Ausgabe 34, Dezember 1989, Beziehungs-Netze

Daidalos, Architektur Kunst Kultur; Ausgabe 38, Dezember 1990, Orte ohne Wiederkehr

Daidalos, Architektur Kunst Kultur; Ausgabe 63, März 1997, Extreme Topographie

Daidalos, Architektur Kunst Kultur; Ausgabe 65, September 1997, Der Hain

24


„Der vielbeschäftigte, unglückliche Stadtbewohner steht mitten in

der Nacht auf, von seinen Sorgen oder den Stimmen der Klienten aus

dem Schlaf gerissen; oft auch aus Angst vor dem kommenden Tag,

oft von nächtlichen Gesichtern aufgeschreckt. Bald zwingt er seinen

Leib auf einen unbequemen Stuhl und seinen Geist zu Betrügereien:

Damit ist er ganz beschäftigt, entweder rechnet er Warenpreise aus,

oder er überlegt, wie er seinen Geschäftspartner oder sein Mündel

hereinlegen, wie er durch Schmeicheleien die mit Keuschheit gewappnete

Ehefrau des Nachbarn erobern, wie er durch Worte einem

ungerechtfertigten Streit den Schein von Recht verleihen, wie er den

Staat oder einen Privatmann schädigen kann. Einmal ist er von Zorn

überwältigt, einmal brennt er vor Verlangen, dann erstarrt er vor Verzweiflung:

So spinnt der Unglückselige schon vor Tag die Fäden seines

Tagesgeschäfts, mit denen er sich und andere fesselt.

Der in Abgeschiedenheit und Muße Lebende steht auf, glücklich,

von maßvoller Ruhe, von kurzem, nicht abgebrochenem, sondern

erfülltem Schlaf erquickt, manchmal sogar vom Gesang der nie ruhenden

Nachtigall geweckt. Kaum daß er sich leicht von seinem Lager

erhoben und die Benommenheit abgeschüttelt hat, beginnt er zu

dieser stillen Stunde zu singen, bittet demütig den Beschließer seiner

Lippen, sie für das Morgenlob zu öffnen, ruft den Herrn seines Herzens

um Hilfe an, weil er nicht auf seine eigene Kraft baut, sich der

drohenden Gefahren bewußt ist und sie fürchtet: Er schmiedet nicht

finsteren Betrug, sondern will nicht nur täglich, sondern stündlich mit

nimmermüder Zunge und demutsvollem Geist das Lob Gottes und

der Heiligen singen, damit das Gefühl der Dankbarkeit für die Gaben

Gottes ihn nie verläßt. Oft geschieht es dann wunderbarerweise,

daß er in sorgloser Furcht und banger Hoffnung, im Bewußtsein der

Vergangenheit und mit Blick auf die Zukunft vor freudigem Schmerz

und glücklichen Tränen überfließt. Diesem Zustand der Verzückung

kann kein Vergnügen der Beschäftigten, keine der Zerstreuungen des

städtischen Lebens, keine königliche Pracht je gleichkommen. Von

da zum Himmel und den Sternen aufblickend und mit ganzer Seele

Gott den Herrn, der dort oben wohnt, ersehnend, wendet er sich dann

im Gedanken an sein wahres Vaterland in seinem irdischen Exil der

Beschäftigung mit gottgefälliger und angenehmer Lektüre zu; und so

bereitet er sich, von den herrlichsten Speisen gesättigt, im tiefen Frieden

des Geistes auf den Morgen vor.

Der Tag, dem unterschiedliche Erwartungen entgegengebracht werden,

bricht an. Die Schwelle des einen ist von Feinden und Freunden

25


elagert, man grüßt ihn, ruft ihn, zerrt an ihm, drängt ihn, macht ihm

Vorwürfe und verunglimpft ihn. Die Schwelle des anderen ist leer, und

es steht ihm frei, im Hause zu bleiben oder zu gehen, wohin ihm der

Sinn steht. Der eine begibt sich trübsinnig voller Klagen und Sorgen

aufs Forum und bewertet den Tagesanbruch nach dem Vogelflug. Der

andere wandert wohlgemut in den nahen Wald, überschreitet voller

Muße und Freude schweigend die Schwelle des heiteren Lichts. Sobald

jener die hochaufragenden Paläste der Mächtigen oder die gefürchteten

Sitze der Richter erreicht hat, verkehrt er Wahrheit in Lüge,

kritisiert ein gerechtes Urteil gegen einen Unschuldigen, unterstützt

die Dreistigkeit eines schuldigen Angeklagten oder leitet in die Wege,

was ihm selbst Unehre oder einem anderen Schaden bringt, wobei ihn

Gewissensbisse plagen und ihm oft aus Furcht die Stimme versagt; oft

bringt er Wahres gegen Lügen vor, antwortet mit Schlägen auf Schlagworte,

wird zornesrot und leichenblaß und schilt sich selbst, nicht die

Dürre der Einsamkeit der Fülle der Beredsamkeit vorgezogen zu haben;

lieber würde er Felder statt Zuhörer beackern, kehrt hastig, ohne

alles erledigt zu haben, nach Hause zurück und entzieht sich verstohlen

nicht so sehr dem Blick seiner Feinde als dem seiner Klienten. Der

andere aber hält inne, sobald er einen Sitzplatz inmitten von Blumen

und eine luftige Höhe erreicht hat, um im Glanz der aufgegangenen

Sonne zu frommer Stunde frohgemut das tägliche Lob Gottes anzustimmen

(das um so süßer ist, wenn seine tiefempfundenen Seufzer

von dem leichten Murmeln einer nahen Quelle oder dem süßen Klagen

der Vögel begleitet werden). Er erbittet vor allem Unschuld, Zügelung

der Zunge, die nichts von Streit wissen soll, Schutz für das Auge, um

gegen Eitelkeiten gefeit zu sein, Reinheit des Herzens, Abwesenheit

von Bosheit und Enthaltsamkeit zur Zähmung des Fleisches. Bald danach

wendet er sich im Gebet zur dritten Stunde an die dritte Person

der Dreieinigkeit und erfleht das Kommen des Heiligen Geistes, eine

Zunge und einen Geist, der vom heilbringenden Bekenntnis widerhallt,

und Nächstenliebe, die, vom himmlischen Feuer entbrannt, auch die

Mitmenschen entflammen kann. Wenn er demütig um diese Gaben

bittet, besitzt er sie bereits und ist durch dieses glühende Empfinden

um vieles glücklicher als durch den Glanz von Gold oder Edelsteinen.

Wenn die Sonne, die am Morgen den neuen Tag hat erstrahlen lassen,

schon hoch amHimmel den Mittag verkündet, kehrt er gemächlich auf

seinem Weg zurück und will nichts lieber, als daß die Flammen der

Streitigkeiten gelöscht werden, die jener absichtlich angefacht und

genährt hat und von denen er sich gierig versengen läßt, während

dieser allen bösen Willen und die Hitze des Streits unbedingt beseitigt

26


wissen will. Schließlich bittet er um einen gesunden Geist in einem

gesunden Körper, das einzige, was man nach den Worten des Satirendichters

Juvenal gefahrlos wünschen kann.6 Wer von beiden, frage

ich, hat seine Stunden bisher gottgefälliger verbracht?“

Textauszug aus: Petraca, Francesco: Das Einsame Leben, Über das Leben in Abgeschiedenheit,

Mein Geheimnis, Kapitel II, S. 62-65, Hrsg. Franz Josef Wetz, Stuttgart, 2004.

27

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine