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<strong>alberta</strong><br />
Magazin <strong>für</strong> Studierende der Freiburger Hochschulen Gratis <strong>02</strong> <strong>2009</strong><br />
Tu was,<br />
mach mit, pack an:<br />
Engagement<br />
ist Ehrensache.<br />
Und Idealismus. Und Karrierehilfe.<br />
Ein Schwerpunkt zum Thema.<br />
plus:<br />
SWFR Magazin<br />
Reise
Impressum<br />
Herausgeber<br />
Studentenwerk Freiburg<br />
Schreiberstr. 12–16<br />
79098 Freiburg<br />
und<br />
text & partner<br />
Möslestr. 21, 79117 Freiburg<br />
Redaktion<br />
Dietrich Roeschmann (V.i.S.d.P.),<br />
Peter Blöcher, Thomas Goebel,<br />
Johanna Schwarz<br />
Mitarbeit an dieser Ausgabe<br />
Christoph Bonnemann, Annette<br />
Hoffmann, Laura Ilse, Dirk Rohde,<br />
Katharina Schwarz<br />
Konzept & Layout<br />
text & partner<br />
Anzeigen<br />
Peter Blöcher, Tel. 0761.767 14 60<br />
Redaktionsanschrift<br />
<strong>alberta</strong> c/o text & partner<br />
Möslestr. 21, 79117 Freiburg,<br />
Tel. 0761.767 14-60/-52,<br />
<strong>alberta</strong>@textundpartner.de<br />
www.<strong>alberta</strong>-freiburg.de<br />
www.textundpartner.de<br />
<strong>alberta</strong> ist Mitglied der<br />
Stadtillustrierten GmbH,<br />
Karl-Liebknecht-Str. 29,<br />
10178 Berlin, Tel. 030 / 259 369-0<br />
Liebe Leserinnen,<br />
liebe Leser,<br />
Inhalt 3<br />
manchmal wäre es super, jemanden zu haben, der einem einfach sagt:<br />
Hey, da geht’s lang, mach dies, oder probier’s doch mal damit. Das dachte<br />
sich auch der Freiburger Student Sebastian Thiele. Sein Fach – Geschichte –<br />
ist nicht gerade <strong>das</strong>, woran die Hoffnungen von Zukunftsmärkten und Boom-<br />
Industrien hängen. Die Jobsuche ist kompliziert, die Tätigkeitsfelder <strong>für</strong><br />
HistorikerInnen sind so zahlreich wie unüberschaubar. Deshalb sammelte der<br />
24-Jährige die unterschiedlichsten Berufsbilder seines Fachs, stellte sie ins<br />
Netz (www.berufe-fuer-historiker.de) und gewann mit dieser selbstlosen<br />
Ersten Hilfe <strong>für</strong> Orientierungslose den Studentenwerkspreis „Studierende <strong>für</strong><br />
Studierende 2008“. Herzlichen Glückwunsch.<br />
Bleibt die Frage: Warum tun Menschen wie Sebastian Thiele <strong>das</strong>? Oder<br />
grundsätzlicher: Warum engagieren wir uns eigentlich <strong>für</strong> andere – und<br />
warum nicht? In unserem Schwerpunkt zum Thema findet ihr die<br />
Antworten: Johanna Schwarz erzählt in ihrem Essay En-gage (S. 6) vom<br />
Dilemma der Engagierten zwischen Selbstlosigkeit und Karrieredruck, der<br />
Verhaltensbiologie Joachim Bensel erklärt den Solidarpakt der Gene<br />
(S. 8) – und schließlich geben Freiburger Studierende, die sich in<br />
verschiedenen Bereichen engagieren, Auskunft über ihre persönliche<br />
Motivation: Warum tust du <strong>das</strong>? (S. 9).<br />
Außerdem findet Ihr in diesem Heft wie üblich den Infoticker des<br />
Studentenwerks (S. 13) mit News und Veranstaltungshinweisen <strong>für</strong> die<br />
Mensabar sowie unsere Reiseseite, auf der euch Katharina Schwarz den<br />
Frühling in Montpellier (S. 18) schmackhaft macht. Viel Spaß.<br />
Eure <strong>alberta</strong>
4<br />
Intro<br />
Very gemutlich In seiner Antrittsrede stahl uns Barack Obama die<br />
Idee unserer letzten Redaktionskonferenz: Die Leute sollen sich engagieren! Na gut, gönnen<br />
wir sie ihm. Und legen noch etwas Gemütlichkeit oben drauf. Damit die Welt besser wird ...<br />
Text: Christoph Bonnemann<br />
Manchmal kommt Hilfe von unerwarteter Stelle. So<br />
hat Barack Obama als frisch gebackener Präsident der<br />
Vereinigten Staaten von Amerika bei seiner Antrittsrede<br />
passend zum Thema der vorliegenden Ausgabe der <strong>alberta</strong><br />
seine Mitbürger zu mehr Engagement <strong>für</strong> ..., nun<br />
ja, <strong>für</strong> eigentlich alles aufgefordert. Und den Rest der<br />
Welt gleich mit, dem er da<strong>für</strong> im Gegenzug die abermalige<br />
Führungsposition der USA anbot. Ein Win-<br />
Win-Situation, könte man sagen.<br />
Schon am Vortag, dem Martin Luther King Jr. Day,<br />
hatte er die US-Amerikaner aufgerufen, es dem Bürgerrechtler<br />
gleich zu tun und sich stärker in gemeinnütziger<br />
Arbeit zu engagieren. Er unterstrich diesen Appell,<br />
indem er selbst zur Malerrolle griff und am Vortag<br />
seines Amtsantritts einem Noch-Obdachlosen dabei<br />
half, sein künftiges Heim zu renovieren. Eine<br />
gute Übung in Sachen Heimwerker-Arbeit, sagte<br />
Obama in Richtung Kamera, während die blaue<br />
Wandfarbe auf den Boden kleckerte, schließlich sei<br />
er ja selbst gerade am Umziehen und könne sich so<br />
schon mal vorbereiten auf den Einzug ins Weiße Haus.<br />
„There’s no place like home“, wusste schon Dorothy<br />
aus „The Wizard of Oz“. Der Andrang an Helferinnen<br />
und Helfern, die Obamas Aufruf direkt gefolgt waren,<br />
war groß genug, um wenigstens einige der plötzlich<br />
aufs Heftigste umsorgten Obdachlosen<br />
ein wenig einzuschüchtern.<br />
Die Antrittszeremonie des Präsidenten<br />
am nächsten Tag wirkte dann<br />
trotz allem recht gemütlich mit Teetrinken<br />
bei den Bushs kurz vorm Eid,<br />
auch wenn die Begrüßung zwischen der<br />
scheidenden und der antretenden Präsidentengattin<br />
etwas holprig ausfiel. Das wirkte<br />
alles andere als eingeübt, was aber ja auch<br />
positiv ist.<br />
Wer an diesem 20. Januar <strong>2009</strong> auf der<br />
deutschen Seite von Wikipedia unter dem<br />
Stichwort „Gemütlichkeit“ suchte, konnte<br />
dort einen kleinen Artikel finden, der neben<br />
einer hübschen Beschreibung des Begriffs<br />
auch die Anmerkung enthielt, <strong>das</strong>s<br />
es <strong>für</strong> „Gemütlichkeit“ bislang kein Pendant<br />
im Englischen gibt, weshalb man<br />
im englischsprachigen Raum schlicht <strong>das</strong><br />
deutsche Wort gebraucht, um eben diesem<br />
Gefühl des Wohlseins einen Namen zu geben. Ähnliches<br />
ist bekanntlich ja auch schon mit anderen Begriffen<br />
geschehen, erinnern wir uns an “Angst”, “Blitzkrieg”,<br />
“Kindergart/den”, “Sauerkraut”, und nicht zu<br />
vergessen: “Gesund/theit!” nach dem Niesen.<br />
So gesehen wäre es eigentlich eine schöne Geste gewesen,<br />
den US-Amerikanern zum Amtsantritt von Präsident<br />
Obama den Begriff „Gemütlichkeit“ zu schenken,<br />
so wie es einst die Franzosen mit der Freiheitsstatue getan<br />
haben: Schön definiert und ausformuliert, vielleicht<br />
sogar in Gedichtform – so was in der Richtung wie der<br />
Evergreen von Bär Balu: „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“...<br />
Allerdings wurde ja direkt nach Obamas Rede<br />
schon ein Gedicht vorgetragen, und den Live-Bildern<br />
im Fernsehen nach zu urteilen wäre <strong>das</strong> Publikum bei<br />
einem zweiten Gedicht wahrscheinlich schluchzend zusammengebrochen.<br />
Ohnehin kann man Worte nicht<br />
verschenken, also belassen wir es dabei, dem neuen<br />
Präsidenten und seinem Land wenigstens etwas von der<br />
Haltung, dem Gefühl und der Gelassenheit zu wünschen,<br />
die sich mit dem Begriff „Gemütlichkeit“ verbinden.<br />
Beide könnten es gebrauchen.<br />
Wie Barack Obama ja in seiner Antrittsrede erwähnte,<br />
sind die USA eine junge Nation, die nun endlich Reife<br />
erlangen müsse, und sei es nur, damit diese junge Nation<br />
– die im übrigen um ein Vielfaches älter ist als<br />
Deutschland in seiner jetzigen Form – nach ihrer von<br />
Machtproben und Wutausbrüchen geprägten pubertären<br />
Phase nicht in einen Stupor der Übereifrigkeit mit<br />
anschließender depressiver Phase fällt. Ohne ein wenig<br />
Gemütlichkeit <strong>für</strong> die vom Obama angemahnte Zeit<br />
der Besinnung dürften die US-Amerikaner wohl im<br />
wahrsten Sinne des Wortes unbesonnen von dem ungemütlichen<br />
Erbe eingeholt werden, <strong>das</strong> ihnen Amtsvorgänger<br />
Bush hinterlassen hat. Gut, <strong>das</strong>s dieser in Zukunft<br />
nur noch über sein Häuschen in Dallas herrschen<br />
wird, sozusagen als König von Texas, auch wenn einem<br />
zuletzt fast schon Leid tun konnte, wie ihn alle Welt am<br />
Ende nur noch ignoriert hat, auf den Moment wartend,<br />
an dem keiner nicht mehr über ihn reden muss.<br />
Die ARD Kommentatorin, die die Live-Reportage des<br />
Ersten von der Inaugurations-Zeremonie in Washington<br />
begleitete, musste sich jedenfalls hörbar zusammenreißen,<br />
um Bush nicht noch einige üble Verwünschungen<br />
mit auf den Weg zu geben. Obama dagegen<br />
geben wir anderes mit auf den Weg: alles Gute, generell<br />
<strong>das</strong> Beste eigentlich, und <strong>das</strong> mit dem Engagement<br />
merken wir uns.
Bertas Welt von Dirk Rohde<br />
War <strong>das</strong> ein komischer Traum neulich. Gleich zwei Töchter hatte ich<br />
nach elf Stunden geboren. Dabei war ich ein Mann. Bei der zweiten<br />
hatte es etwas länger gedauert.Wahrscheinlich, weil ich die ganze Zeit<br />
wahnsinnig dringend aufs Klo musste. Das alles gab mir noch zu denken,<br />
als ich auf meinem Liegerad Richtung UB 1 unterwegs war. Muss ich mal<br />
nachlesen, dachte ich.Traumdeutung. Meine Dylan-Studien gestalteten<br />
sich in letzter Zeit sowieso zäh.Vor allem, seit ich mir „No direction home“<br />
im Director’s Cut angeschaut und danach zehnmal <strong>das</strong> gleichnamige Stück<br />
von I am kloot gehört hatte. An Dreikönig.<br />
Aber deshalb war ich ja nach Freiburg gekommen. Hier steht die Welt noch<br />
still, im Rest des Landes ist da<strong>für</strong> schon wieder richtig Betrieb. Unten im Freihandbereich<br />
suchte ich und hatte Glück. Er war wieder da, der kleine Band.<br />
„Detering wagt es, den ‚ganzen’ Dylan auf gelbe Reclamgröße zu verdichten,<br />
und gewinnt“, warb die Rückseite mit einer Besprechung aus der Zeit. Lächerlich.<br />
Den ‚ganzen’ Dylan verdichtet ... Aber so ist sie halt, die gute alte Zeit.<br />
„Berta“, hat Ali neulich gesagt, „die Zeiten sind echt vorbei.Wer abonniert<br />
heute schon noch Zeitungen, die in keinen Briefkasten passen? Wer soll <strong>das</strong> alles<br />
lesen? Wir lesen doch sowieso schon den ganzen Tag.“ Deshalb hab’ ich<br />
jetzt auch die taz abonniert. Lustig, dünn und gerade noch 30.Wir sind dann<br />
erstmal Kaffee trinken gegangen. „Ich hab’ echt schlecht geschlafen “, sagte<br />
ich beim Umrühren und erzählte Ali den Traum. „War Vollmond?“, fragte sie.<br />
„Glaub’ schon“, sagte ich. „Ach so, du meinst, <strong>das</strong> war deswegen?“ „Hab mal<br />
so was gelesen. Bei Vollmond würden besonders viele Kinder geboren. Die Eskimos<br />
nennen die ‚Moonchildren’.“ „Wie originell. Kenn’ ich nur den Song<br />
bis<br />
max.<br />
100 000 km<br />
ab 5.000,– €*<br />
Intro 5<br />
von Rory Gallagher“, sagte ich. „Wie läuft’s eigentlich so mit dem Studium?<br />
Bist du jetzt scheinfrei?“, fragte Ali. „Ne“, hatte ich geantwortet, „<strong>das</strong> dauert<br />
noch. Seit dem Film bin irgendwie von meiner These nicht mehr voll überzeugt.“<br />
„Das mit ‚viele Hühner sind des Häschens Tod’?“ „Ja. Aber vielleicht<br />
muss ich mir auch ‚I’m not there’ noch im Director’s Cut reinziehen.Vielleicht<br />
sehe ich dann wieder klarer.“<br />
Ich erzählte Ali, <strong>das</strong>s meine Schwester jetzt eine Patenschaft <strong>für</strong> einen Jungen<br />
aus Haiti übernommen hat. Für 20 Euro pro Monat. „Sie hat mir ein<br />
Foto nach Hause gesimst. Am zweiten Weihnachtsfeiertag. Ich stand gerade in<br />
der Kölnarena und versuchte, einen halben Liter Kölsch aus einem Plastikbecher<br />
zu trinken ...“ „Iiiiiih ...“ „Klar, eben ... und wartete, <strong>das</strong>s <strong>das</strong> BAP-<br />
Konzert losgeht.“ „Ist <strong>das</strong> diese neue Hiphop-Band aus Bergheim, die der<br />
Poldi immer hört, wenn er Heimweh hat?“, fragte Ali. „Ne“, sagte ich, „die<br />
sind schon älter.“ Ali ist halt auch noch jung.<br />
„Das find’ ich gut“, sagte Ali. „Ein Patenkind aus Haiti. Ich hab’ mir <strong>das</strong> auch<br />
schon überlegt. 20 Euro – wenn man zehnmal schwarz fährt, hat man <strong>das</strong> ja<br />
schon raus.“ „Genau“, meinte ich. „Ich verstehe sowieso nicht, <strong>das</strong>s es hier<br />
keine Kurzstrecken gibt. Nur weil alles nicht so weit ist. Aber jetzt lass uns<br />
mal hochgehen und weiterlesen.“ „Aber vorher rauchen wir noch eine. Oder<br />
hast du aufgehört Silvester?“ „Quatsch“, schrie ich fast hysterisch durch die<br />
Cafeteria, „Was meinst du, wieso ich seit letztem Jahr Liegerad fahre. Da<br />
kann ich mir sogar beim Fahren eine Drehen. Außerdem, habe ich gelesen, ist<br />
Rauchen gut gegen Alpträume. Und jetzt komm endlich.“<br />
Unschlagbar! Jetzt erst recht.<br />
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*Angebotspreis unter Einbeziehung der staatl.<br />
Umweltprämie <strong>für</strong> die Verschrottung eines Altautos:<br />
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Gesamtverbrauch (l/100 km): innerorts 9,6, außerorts 5,4, kombiniert 7,0; CO2-Emission: 165 g/km (Messverfahren gemäß RL 80/1268/EWG). Abbildung zeigt Sonderausstattung.<br />
DACIA-CENTER RIEKERT<br />
autor. Haupthändler
6<br />
Zahlen<br />
Thema<br />
En-gage! Soziales Engagement ist gut. So gut, <strong>das</strong>s Arbeitgeber bei ihren<br />
Bewerbungskandidaten inzwischen besonders Wert darauf legen und die Begabtenförder-<br />
werke in Deutschland ohnehin keine Stipendien mehr an Nichtengagierte vergeben. Aber,<br />
Moment mal: War Engagement nicht eigentlich eine freiwillige Entscheidung? Ein Essay<br />
✃<br />
Der erste Schnitt:<br />
Bischof Martin von Tours legendärer<br />
Mantelteiler, setzte dem Gedanken<br />
des Martyriums als allein möglicher<br />
Umsetzung des Wort Gottes ein<br />
Ende – und begründete damit die<br />
moderne Idee des Engagements als<br />
Sinnproduktion ohne Lohn.<br />
39,8 Prozent<br />
beträgt der Anteil ehrenamtlich Engagierter<br />
an der Gesamtbevölkerung in<br />
Baden-Württemberg. Unter Studierenden<br />
liegt die Quote bei 64 Prozent.<br />
14,3<br />
Stunden pro Monat engagieren sich<br />
Ehremamtliche im Schnitt in Baden-<br />
Württemberg. Unter Studierenden<br />
liegt die Quote bei 24 Stunden<br />
47 Prozent<br />
der Engagierten unter 30 Jahren<br />
verfolgen nach eigenen Aussagen mit<br />
ihrem Ehrenamt vor allem Eigeninteressen<br />
wie die Verbesserung ihrer<br />
Karriereaussichten oder den Ausbau<br />
ihres Netzwerks.<br />
Quellen: „Engagement Atlas 09“ der<br />
Generali Deutschland Holding AG; Freiwilligen<br />
Survey der Bundesregierung II/2006;<br />
HISBUS-Studie der Hochschulinformations<br />
System GmbH zu Engagement 2006<br />
Text: Johanna Schwarz<br />
Von Engagement wird heute gerne und oft geredet. Jeder<br />
engagiert sich, alle finden’s toll. Aber wissen wir<br />
wirklich, wovon wir sprechen, wenn von Engagement<br />
die Rede ist? Wann bin ich engagiert und wer entscheidet<br />
<strong>das</strong>? Wie engagiere ich mich? Und warum? Sollte<br />
ich mich engagieren? Wo fängt Engagement an und was<br />
kommt eigentlich vorher? Wem darf Engagement einen<br />
Vorteil verschaffen? Fragen über Fragen.<br />
Gehen wir die Sache mal ethymologisch an: Engagement<br />
ist ein Begriff, der seit dem späten 17. Jahrhundert<br />
Einzug in den deutschen Wortschatz hielt. Er entlehnt<br />
sich dem französischen engager, dem „in Gage<br />
nehmen“, <strong>das</strong> heißt dem Anstellen einer Person, womit<br />
implizit lange Zeit auch <strong>das</strong> Auffordern einer Dame<br />
zum Tanz verstanden wurde. Auch heute noch wird der<br />
Begriff in seiner ursprünglichen Bedeutung verwendet,<br />
wenn etwa von der Anstellung eines Künstlers die Rede<br />
ist. Doch <strong>das</strong> ist längst die Ausnahme. Im gegenwärtigen<br />
Sprachgebrauch ist Engagement häufiger mit anderen<br />
Partnern unterwegs, ist „beruflich“, „sozial“, „bürgerschaftlich“,<br />
„kirchlich“, „politisch“ oder „zeitweise“.<br />
Irgendwie verwirrend.<br />
Gut, <strong>das</strong>s es da den Duden gibt: „Engagement, (<strong>das</strong>);<br />
Verpflichtung, Bindung, Anstellung, persönlicher Einsatz”.<br />
Damit kann man arbeiten. Also, Frage: Bin ich<br />
ein engagierter Mensch, wenn ich meine Familie liebe,<br />
ihr innerlich verpflichtet bin und deshalb zu Familienfesten<br />
nach Hause fahre? Ja, lautet die gefühlte Ant-<br />
Engagement<br />
wort, Nein die strenge: Sich gegenüber etwas zu verpflichten<br />
geht weit über die Pflege einer verwandtschaftlichen<br />
Beziehung hinaus. Dann anders: Ich habe<br />
den Dienst an der Waffe verweigert und arbeite stattdessen<br />
im Altenheim – Engagement? Nein: Job! Denn<br />
es ist die Wehrpflicht, der man sich verweigert hat, und<br />
die Alternative dazu ist halt die Pflicht des Zivildienstes.<br />
Gut, dann dies: Ich überweise jedes Jahr zu Weihnachten<br />
einem SOS-Kinderdorf 5 Euro und werfe manchmal<br />
einem Bettler Kleingeld in den Pappbecher – bin<br />
ich engagiert? Nein, eher großzügig, oder wenigstens<br />
saisonal großzügig. Mit Engagement hat <strong>das</strong> nichts zu<br />
tun. Ein Letztes: Fachschaftsarbeit.Wenn ich neben dem<br />
Studium wöchentlich zwei Stunden meiner, inzwischen<br />
muss man ja sagen: „teuren Zeit“ da<strong>für</strong> opfere, Kaffee<br />
<strong>für</strong> Erstsemester zu kochen,Vorträge und Partys zu organisieren,<br />
bin ich dann engagiert? Bedingt. Zumindest<br />
ist dann nämlich <strong>das</strong> Kriterium des persönlichen Einsatzes<br />
erfüllt – auch wenn dieser in einem klar zum eigenen<br />
Sozialumfeld gehörigen Rahmen stattgefunden<br />
hat.Wer mag, kann sich dann <strong>für</strong> etwaige Bewerbungen<br />
die Fachschaftsarbeit im Lebenslauf notieren.<br />
Denn, um es gleich zu sagen: Für Engagement muss<br />
man nicht frieren, früher aufstehen als alle anderen,<br />
man muss sich nicht schmutzig machen – auch wenn<br />
viele Bereiche, in denen man sich engagieren kann,<br />
einen dieser Aspekte mit sich bringen können. Soziales<br />
Engagement ist nicht <strong>das</strong> Dschungelcamp des täglichen<br />
Lebens. Man muss nicht bedingungslos leiden, um von<br />
sich sagen zu können, man sei engagiert. Nächstenliebe<br />
ist <strong>das</strong> Wort der Wahl. Dass dies auch reicht, um selig,<br />
ja, sogar heilig gesprochen zu werden, verdanken wir<br />
Martin von Tours (316–397 n.u.Z.), der als Bischof seinen<br />
Umhang mit einem Armen teilte und der damit<br />
dem Gedanken des Martyriums als allein möglicher<br />
Umsetzung des göttlichen Wortes ein Ende setzte. Engagement,<br />
<strong>das</strong> ist zunächst einmal Sinnproduktion ohne<br />
Lohn – zumindest kommt der Lohn nicht sofort<br />
und lässt sich auch nicht in pekuniärer Form darstellen.<br />
Der viel gerühmte Gottes Lohn.<br />
Freiwillig sollte <strong>das</strong> Engagement allerdings sein. Und<br />
zwar in vielerlei Hinsicht: Sich zu engagieren, nur „weil<br />
alle es tun“, ist ebenso wenig authentisches Engagement<br />
wie <strong>das</strong> Aufnehmen einer ehrenamtlichen Arbeit,<br />
um damit den eigenen Lebenslauf zu schmücken. Wie<br />
aber damit umgehen, wenn es weder zur weltanschauli-
Engagement Thema 7<br />
chen Verbundenheit reicht, noch es mit dem inneren<br />
Verpflichtetsein und dem persönlichen Einsatz besonders<br />
weit her ist, der angestrebte Job aber ohne Engagement-Bonus<br />
in unerreichbare Ferne rückt? Trotzdem<br />
in einer Suppenküche arbeiten? Jain. Zentral hierbei ist<br />
die Frage: Darf man Engagement einfordern? Diese<br />
lässt sich zunächst klar mit Ja beantworten. Denn Engagement<br />
im Kleinen fängt da an, wo man die Einkäufe<br />
<strong>für</strong> einen kranken Nachbarn übernimmt, auch mal<br />
einen Obdachlosen zum Mittagessen mit an den Tisch<br />
bittet und so soziale Verantwortung übernimmt, die<br />
ganz nach dem Grundsatz im 3. Buch Mose, 19,18<br />
„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“ gestrickt ist.<br />
Schwieriger wird es, wenn andere Engagement einfordern:<br />
Arbeitgeber, Stiftung oder andere. Denn dann gerät<br />
<strong>das</strong> Moment der Freiwilligkeit ins Wanken und so<br />
ergeben sich Probleme – zugleich wird die zweite ethische<br />
Ebene von Engagement und auch dessen (nicht<br />
minder volkswirtschaftliches) Dilemma deutlich.<br />
Fordert man lebenslauftaugliches und mit Sozialprestige<br />
verbundenes Engagement ein, so kommt es auch zu<br />
Engagement, <strong>das</strong>s zwar der Handlung nach als solches<br />
gewertet werden kann, aber nicht unter dem Aspekt der<br />
Motivation. Denkbar ist dann, <strong>das</strong>s die oder der Engagierte<br />
nicht hinter der Handlung steht, zu der er sich<br />
wider Willen bereit gefunden hat – was wiederum auf<br />
<strong>das</strong> Objekt der Handlung Auswirkung haben kann.<br />
Beispiel: Wie ernst nimmt jemand die Aufgabe einer<br />
Sterbebegleitung, der auf einen Eintrag im Lebenslauf<br />
schielt wie „9/2001 bis 10/2003 Sterbebegleitung im<br />
Hospiz auf ehrenamtlicher Basis“? Was bedeutet <strong>das</strong> <strong>für</strong><br />
denjenigen, der auf diesen Menschen zählt, was bedeutet<br />
<strong>das</strong> aber auch <strong>für</strong> diesen selbst, der diese Aufgabe<br />
als eine Art „Pflichtübung“ eher „durchstehen“ muss?<br />
Man könnte also meinen, eine Form des unauthentischen<br />
Engagements verrät die Idee des Engagements<br />
selbst. Ja, sie stellt, böse gesprochen, all jene, die ihre<br />
Arbeit in Armenküchen, Kirchen, bei der Telefonseelsorge<br />
oder in der AIDS-Hilfe aus dem Bedürfnis heraus<br />
machen, anderen Menschen zur Seite zu stehen,<br />
Du suchst einen Nebenverdienst?<br />
Wir suchen Unterstützung im<br />
Anzeigenverkauf <strong>für</strong> unser Magazin <strong>alberta</strong>.<br />
Du bist kontaktfreudig und nicht so leicht<br />
aus der Ruhe zu bringen?<br />
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freuen uns auf eine kurze E-Mail von dir an:<br />
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und dies vollkommen „selbstlos“ tun, als verblendete<br />
Idealisten dar. Engagement sollte daher immer nur<br />
eines sein, <strong>das</strong> man sich „leisten“ kann, <strong>das</strong> einen als<br />
Person nicht überfordert und <strong>das</strong> mit den eigenen<br />
Grundsätzen vereinbar ist. Denn den Vorteil aus dem<br />
Engagement einer Person sollten in erster Linie immer<br />
die ziehen, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen<br />
sind – Personen und Institutionen, bei denen man sich<br />
engagiert. Dem wäre entgegen zu halten, <strong>das</strong>s viele<br />
Institutionen auf jegliche Form des Engagements angewiesen<br />
sind und ohne Heerscharen von Freiwilligen<br />
– gleich welcher Motivation – schlicht nicht existieren<br />
könnten. Angewiesen sind diese Institutionen übrigens<br />
auch auf die Hilfe durch zum Beispiel straffällig gewordene<br />
Jugendliche, die zu Sozialstunden verurteilt wurden<br />
und somit den Raum der Engagierten als Strafvollzugsanstalt<br />
betreten. Ein Dilemma.<br />
Hat man jedoch erst einmal die „Engagementsgeilheit“<br />
akzeptiert, die <strong>das</strong> Sprießen unauthentischen Engagements<br />
mit sich bringt und dazu führt, <strong>das</strong>s Engagement<br />
entfremdet auftreten kann, ist dem Missbrauch des Begriffs<br />
durch Werbung Tür und Tor geöffnet – und führt<br />
ihn damit endgültig ad absurdum. Firmen werben damit,<br />
<strong>das</strong>s sie sich engagieren (gemeint sind von der<br />
Steuer absetzbare Sachmittel und Geldspenden), was<br />
die Objekte dieses Engagements gern erdulden, denn<br />
ohne dieses Engagements wäre ihre Arbeit oft nicht<br />
möglich. Firmen oder Kommunen werben aber auch<br />
damit, <strong>das</strong>s der Bürger sich bei ihnen engagieren kann.<br />
So unlängst im Rahmen der CO 2-libri-Kampagne der<br />
Stadt Freiburg, wo BürgerInnen dazu aufgerufen werden,<br />
sich <strong>für</strong> den Klimaschutz zu engagieren, indem sie<br />
bei der großen Eröffnungsgala im März freiwillig „zwei<br />
große CO 2-Wasserbälle“ durch die Gegend „begleiten“.<br />
Außer einem Überraschungspaket und jeder Menge<br />
Spaß gibt es nix da<strong>für</strong>, also ist <strong>das</strong> ganze „ehrenamtlich“.<br />
Klar. Und natürlich ist auch viel werbewirksamer,<br />
500 „engagierte“ Bürger präsentieren zu können als<br />
500 wenig motivierte 1-Euro-Jobber. Und so sind wir<br />
am Ende wieder da, wo der Begriff des Engagements<br />
einmal herkam. Beim engager – in Gage nehmen.<br />
www.josfritz.de<br />
jos fritz. bücher<br />
Do. 05.<strong>02</strong>. - 20h<br />
Erasmus Schöfer:<br />
Winterdämmerung<br />
Lesung<br />
josfritzcafé,<br />
Wilhelmstr. 15<br />
Eintritt: 6.-/4.-<br />
Info & Links<br />
literatur und wissenschaft<br />
Wilhelmstraße 15 · 79098 Freiburg<br />
Tel.: 0761 / 26877 · buch@josfritz.de<br />
http://bagfa.de<br />
www.studentenwerke.de<br />
www.studis-online.de/HoPo/ini.php<br />
www.engagement-macht-stark.de<br />
www.weltweite-initiative.de<br />
www.buerger-engagement.de<br />
www.buergerengagement.de<br />
www.echt-gut.bw.de<br />
www.socialentrepreneurs.de<br />
www.aids-hilfe-freiburg.de<br />
www.caritas-freiburg.de<br />
www.diakonie-freiburg.de<br />
www.<strong>freiburger</strong>-tafel.de<br />
www.hospizgruppe-freiburg.de<br />
www.nightline-freiburg.de<br />
www.rasthaus-freiburg.org<br />
www.runder-tisch-freiburg.de<br />
www.skm-freiburg.de<br />
www.telefonseelsorge.de<br />
www.u-asta.uni-freiburg.de<br />
Do. 19.<strong>02</strong>.- 20h<br />
Gerd Koenen:<br />
Traumpfade<br />
der Weltrevolution -<br />
Das Guevara-Projekt<br />
Lesung und Diskussion<br />
josfritzcafé,<br />
Wilhelmstr. 15<br />
Eintritt: 6.-/4.-
8<br />
Thema<br />
Interview: Dietrich Roeschmann —Warum engagieren wir uns eigentlich?<br />
Joachim Bensel: Aus der Sicht der Soziobiologie gibt es<br />
zwei Prinzipien, nach denen sich unser Engagement <strong>für</strong><br />
andere erklären lässt. Zum einen ist <strong>das</strong> <strong>das</strong> Prinzip der<br />
Verwandtenselektion, <strong>das</strong> verständlich macht, warum<br />
wir genetisch nahestehenden Menschen helfen: also zuerst<br />
der Kernfamilie und dann entfernteren Verwandten.<br />
Zum anderen gibt es <strong>das</strong> Prinzip des reziproken<br />
Altruismus: Wir verhalten uns solidarisch in der Kleingruppe,<br />
die wir kennen, und erwarten im Gegenzug die<br />
Solidarität der anderen, weil wir diese auch ihnen entgegenbringen.<br />
Diese Gegenleistung <strong>für</strong> unser Engagement<br />
erwarten wir nicht immer sofort, aber wenn wir sie zu<br />
lange nicht erfahren, dann wird der andere <strong>für</strong> uns als<br />
Sozialpartner, dem wir etwas Gutes tun, uninteressant.<br />
Zur Person<br />
Joachim Bensel<br />
ist promovierter<br />
Biologie, u.a. Mitautor<br />
des 14-bändigen<br />
“Lexikons<br />
der Biologie” sowie<br />
Mitinhaber der<br />
Forschungsgruppe<br />
Verhaltensbiologie des Menschen<br />
(FVM). Das selbständige Institut untersucht<br />
aktuelle praxisrelevante Fragestellungen<br />
zur menschlichen Verhaltensentwicklung<br />
und stellt sein<br />
gewonnenes Wissen in Beratungen,<br />
Fortbildungen und eigenen Publikationen<br />
<strong>für</strong> die Forschung und die Praxis<br />
zur Verfügung.<br />
—www.verhaltensbiologie.com<br />
—So gesehen hätte ich ja eigentlich keinen Grund, mich<br />
zum Beispiel <strong>für</strong> Flüchtlinge zu engagieren. Ich kenne sie<br />
nicht, teile nicht ihr Leben.Warum tue ich es trotzdem?<br />
Das wäre in der Tat die erweiterte Form des Altruismus:<br />
Jemandem zu helfen, den man weder kennt noch<br />
von ihm erwarten kann, <strong>das</strong>s er einem irgendwann einmal<br />
selbst etwas Gutes tut. In der Biologie gibt es die<br />
Idee, <strong>das</strong>s man diese Form des Altruismus als eine<br />
Möglichkeit der Selbstdarstellung begreifen kann. Man<br />
möchte Eindruck auf andere machen. Wenn wir uns<br />
den Luxus leisten, fremden Menschen zu helfen, ohne<br />
von ihnen etwas erwarten zu können, dann hat dieser<br />
Luxus etwas mit Status zu tun. Das Demonstrieren von<br />
Stärke, Energie und Überschuss macht uns attraktiv <strong>für</strong><br />
die Sozialgruppe. Es ist ein kostenintensives Signal, <strong>das</strong><br />
sich nur die leisten können, die wirklich stark sind. Das<br />
ist übrigens auch im Tierreich zu beobachten, etwa bei<br />
den Bonobo-Männchen, die ihren Überschuss an<br />
Fleisch zwar verteilen, ihn aber indirekt gegen Sexualität<br />
tauschen, da sie durch ihren Altruismus zu attraktiveren<br />
Paarungspartnern <strong>für</strong> die Weibchen werden.<br />
—Wenn ich ohnehin mit Anerkennung durch meine Sozialgruppe<br />
rechnen kann, warum helfe ich dann Flüchtlingen<br />
oder Hungernden und nicht Obdachlosen oder Gefangenen?<br />
Weil wir unsere Hilfe <strong>für</strong> Fremde differenzieren. Ganz<br />
wichtig ist <strong>für</strong> uns dabei der Faktor der Unverschuldetheit<br />
des Elends. Deshalb hat ein kleines Mädchen, dessen<br />
Eltern im Krieg umkamen und <strong>das</strong> jetzt in einem<br />
Waisenheim lebt, ungleich höhere Chancen, Hilfe von<br />
uns zu erfahren, als etwa ein Obdachloser, bei dem wir<br />
– im direkten Vergleich zur Kriegswaisin – eher bereit<br />
sind, davon auszugehen, <strong>das</strong>s ein gewisses eigenes Verschulden<br />
zu seiner Situation beigetragen hat. Das gilt<br />
erst Recht beim verurteilten Straftäter. Entsprechend<br />
Engagement<br />
Solidarpakt der Gene Ist der Mensch ein engagiertes Wesen?<br />
Gehört Hilfsbereitschaft zu unserer biologischen Grundausstattung? Joachim Bensel von der<br />
„Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen” weiß die Antwort.<br />
nimmt unsere Bereitschaft ab, Mitleid zu entwickeln<br />
und altruistische Gefühle in uns aufsteigen zu lassen.<br />
—Werden wir mit der Fähigkeit zum Engagement <strong>für</strong><br />
andere geboren?<br />
Nein. Diese entwickelt sich erst in der Erfahrung von<br />
Wahrgenommenwerden und Aufmerksamkeit im zweiten<br />
Lebensjahr. Schon beim Kleinstkind spielt der<br />
Wunsch, Aufmerksamkeit <strong>für</strong> sich zu erfahren, eine zentrale<br />
Rolle. Zu Anfang ist seine Aufmerksamkeit noch<br />
ganz auf die Eltern gerichtet, doch dann beginnt es,<br />
auch seinerseits die Aufmerksamkeit der Eltern auf <strong>das</strong><br />
zu lenken, was es selbst tut. Dadurch kann es <strong>das</strong> Gefühl<br />
entwickeln, <strong>das</strong>s es eine Rolle spielt, eine Wirkung<br />
erzielt. Diese Aufmerksamkeit bekomme ich natürlich<br />
auch, wenn ich mich <strong>für</strong> jemanden engagiere. Der Leitsatz<br />
der PR „Tue Gutes und rede darüber“ besagt<br />
nichts anderes:Wer sich engagiert, will Aufmerksamkeit<br />
da<strong>für</strong>. Nicht die Leistung von dem, dem wir helfen, ist<br />
unsere Belohnung, sondern die Aufmerksamkeit, die wir<br />
da<strong>für</strong> in einem bestimmten Sozialraum erfahren.<br />
Zwischen dem 18 und 24 Lebensmonat beginnt <strong>das</strong><br />
Kind aus dem Gemeinschaftsgefühl mit den Eltern herauszutreten<br />
und sein Selbstbewusstein zu entwickeln.<br />
Es beginnt sich selbst im Spiegel zu erkennen und kann<br />
andere von sich selbst unterscheiden, und <strong>das</strong> wiederum<br />
korreliert stark mit der Fähigkeit, Empathie <strong>für</strong> andere<br />
zu empfinden. Kinder in diesem Alter weinen nicht, weil<br />
ein anderes Kind weint, sondern merken, wenn es dem<br />
anderen schlecht geht. Wo sich Babys gegenseitig noch<br />
mit ihren Gefühlen anstecken, beginnen bei dem eineinhalb-<br />
bis zweijährigen Kind die ersten empathischen<br />
Reaktionen, die abgekoppelt sind vom eigenen Befinden.<br />
Es empfindet zwar nach, was der andere gerade<br />
fühlt, aber es weiß, <strong>das</strong>s es der andere ist, um den es<br />
jetzt geht. Das ist sicher einer der größten Schätze, die<br />
wir als Mensch haben. Daraus entwickelt sich so ziemlich<br />
alles, was wir später an sozialen Kompetenzen und<br />
humanitären Fähigkeiten ausdifferenzieren können. Aber<br />
es ist ein instabiles System, denn es hängt davon ab, ob<br />
<strong>das</strong> Kind selbst erfahren hat, <strong>das</strong>s sich jemand da<strong>für</strong> interessiert,<br />
wie es ihm geht.<br />
—Heißt <strong>das</strong>, wer als Kind nie Aufmerksamkeit <strong>für</strong> sich erfahren<br />
hat, wird sich später auch nicht <strong>für</strong> andere engagieren?<br />
Sind deshalb einige mehr, andere weniger engagiert?<br />
Ja, verkürzt könnte man <strong>das</strong> so sagen.Wenn Eltern sich<br />
nie da<strong>für</strong> interessieren, was ihr Kind tut und ob oder<br />
warum es ihm schlecht geht, dann verkümmert auch bei<br />
dem Kind selbst die Fähigkeit zur Empathie und damit<br />
die Wahrscheinlichkeit, sich <strong>für</strong> andere zu engagieren.
Engagement Thema 9<br />
Warum tust du <strong>das</strong>? Obwohl sie dank enger Semesterpläne<br />
und knappem Zeitbudget eigentlich schon genug um die Ohren haben, engagieren sich viele<br />
Studierende aus Freiburg <strong>für</strong> andere Menschen. Wir haben nach ihrer Motivation gefragt<br />
Die Brückenbauerin Tina Gröbmayr, 24,<br />
studiert Jura an der Uni Freiburg. In ihrer Freizeit hilft sie<br />
Ex-Häftlingen zurück in ein normales Leben<br />
Text: Thomas Göbel<br />
Info<br />
Anlaufstelle <strong>für</strong> Haftentlassene<br />
Brombergstraße 6<br />
791<strong>02</strong> Freiburg<br />
Tel. 0 7 61 / 7 55 87<br />
Tina Gröbmayr hat keine Angst vor großen Worten.<br />
„Ich lebe <strong>für</strong> den Kontakt mit Menschen“, sagt sie, „je<br />
extremer, desto interessanter.“ Seit zweieinhalb Jahren<br />
arbeitet sie ehrenamtlich mit Haftentlassenen: Männer,<br />
die oft Jahre lang im Gefängnis saßen und danach<br />
nicht wissen, wohin. „Viele von ihnen sind völlig entsozialisiert“,<br />
sagt sie. „Das sind erwachsene Männer,<br />
die zu nichts mehr selbstständig in der Lage sind“.<br />
Wohnungssuche, Behördengänge, Bewerbungen – viele<br />
Schritte sind zu gehen. „Am wichtigsten ist es, <strong>das</strong>s<br />
den Männern jemand zuhört“, sagt Tina, „viele haben<br />
Angst oder sind misstrauisch gegenüber jedem Menschen<br />
hier draußen.“ Sich helfen zu lassen, fällt vielen<br />
nicht leicht. „Die Vorstellung von männlicher Ehre<br />
spielt eine wichtige Rolle“, sagt sie. „Viele müssen<br />
über einen verdammt großen Schatten springen, um<br />
Hilfe anzunehmen.“<br />
Ein bis zwei Vormittage pro Woche hat Tina früher in<br />
der Cafeteria der Anlaufstelle verbracht; seit sie <strong>für</strong> ihr<br />
Examen lernt, hat sie die Tage reduziert. Sie organi-<br />
siert weiter den Spieleabend, der einmal im Monat<br />
stattfindet. Dazu lädt sie auch andere Jurastudenten<br />
ein; sie hat Sendungsbewusstsein: „Der Mensch hinter<br />
den Gesetzen kommt im Studium kaum vor“, sagt sie.<br />
Das will sie ändern.<br />
„Strafrecht hat mich zum Jurastudium bewegt“, sagt<br />
Tina. „Mich interessieren die Täter.“ An ihrem Fach<br />
interessiert sie <strong>das</strong> systematische Denken – und <strong>das</strong>s<br />
sie mit ihrem Wissen <strong>für</strong> die Rechte derjenigen arbeiten<br />
kann, die <strong>das</strong> nicht selber können. Ihre ehrenamtliche<br />
Arbeit hat mit einem Praktikum beim<br />
„Bezirksverein <strong>für</strong> soziale Rechtspflege“ begonnen,<br />
einem unabhängigen Verein, der die Anlaufstelle <strong>für</strong><br />
Haftentlassene unterhält. Die Mitarbeiter freuten<br />
sich, <strong>das</strong>s Tina danach bei ihnen blieb – Juristen hatten<br />
sie bis dahin nicht.<br />
„Die Arbeit ist <strong>für</strong> mich kein Opfer“, sagt Tina. „Ich<br />
lerne <strong>für</strong>s Leben – und tue dabei was Gutes.“ Sicher,<br />
manchmal könne es auch belasten, ständig mit<br />
den Lebensgeschichten von Menschen in schwieriger<br />
Lage konfrontiert zu werden. „Da<strong>für</strong> ist nicht<br />
jeder gebaut.“ Das eigene Engagement führt sie auf<br />
die politische Prägung durch ihren Vater zurück –<br />
und ihre Kindheit in einem kleinen, oberbayrischen<br />
Dorf südöstlich von München: „Dort läuft vieles<br />
auf der persönlichen Ebene, aus der der Staat sich<br />
raushält.“<br />
Die damals in Bayern fast schon revolutionäre Erkenntnis:<br />
„Es ist nicht alles gut – trotz CSU“ hat ihre<br />
kritische Haltung bis heute beeinflusst, auch gegenüber<br />
dem Staat insgesamt, der sich ihrer Meinung<br />
nach in vielen Bereichen stärker zurückhalten sollte.<br />
„Die Menschen sind zu unselbstständig“, sagt sie,<br />
„man müsste <strong>das</strong> Engagement der Einzelnen wieder<br />
stärker wecken.“ Studenten, die sich sozial engagieren,<br />
könnten zum Beispiel einen Teil der Studiengebühren<br />
erlassen bekommen, findet Tina, „die Menschen brauchen<br />
ja immer Anreize“.<br />
Sie selbst will im September ihr Examen machen, ihr<br />
berufliches Ziel ist klar: Strafverteidigerin – <strong>für</strong> die<br />
Menschen, mit denen sie auch jetzt schon arbeitet.<br />
„Herrn Ackermann vertreten und richtig viel Geld verdienen<br />
werde ich wohl nicht“, sagt sie. „Aber gerade<br />
Menschen mit Schulden brauchen oft einen besonders<br />
guten Anwalt.“ Und schon ist sie wieder beim Thema:<br />
„Ein Drogenabhängiger gehört verdammt noch mal<br />
nicht in den Knast.“
10<br />
Thema<br />
Die Grenzgängerin M., 29, promoviert zurzeit<br />
an der Uni Freiburg. Und arbeitet nebenher ohne Lohn bei<br />
der Freiburger Tafel. Weil sie helfen will<br />
Text: Dietrich Roeschmann<br />
Info<br />
Freiburger Tafel e.V.<br />
Tel. 0761.2927-244<br />
www.<strong>freiburger</strong>-tafel.de<br />
M. ist 29. Ihr Name tut eigentlich nichts zur Sache,<br />
sagt sie. Jedenfalls nicht, wenn sie einmal in der Woche<br />
in dem kleinen Ladengeschäft der Freiburger Tafel an<br />
der Schwarzwaldstraße steht und sich draußen die<br />
Schlange der Leute bis zum Bordstein windet, wo die<br />
Autos vorbeifahren und die Straßenbahn, und alle, die<br />
nicht wissen, was <strong>das</strong> soll, denken: Was ist denn hier<br />
los, gibt's da was umsonst? Nein, umsonst gibt es hier<br />
nichts. Banane, Orange, Apfel je 5 Cent, eine Schale<br />
Nektarinen 25. Kartoffeln sind sehr begehrt, sagt sie,<br />
auch Zwiebeln. M. kommt seit einem Jahr hierher und<br />
hilft. Sortiert die Kisten mit dem Obst und Gemüse,<br />
<strong>das</strong> die Geschäfte in der Stadt nicht mehr an ihre Kunden<br />
verkaufen können, weil es Stellen hat. Manchmal<br />
komme man sich vor, wie in einem Müllsortierbetrieb.<br />
Da wandert dann einiges in die Tonne. In der Regel<br />
aber seien die Sachen gut. Man sieht ihnen die zweite<br />
Wahl nicht an. Dann richtet sie alles her, damit es gut<br />
aussieht. Damit sich die Menschen, die hierher kommen,<br />
gut fühlen. So gut es geht jedenfalls. Denn viel<br />
Grund haben sie da<strong>für</strong> eigentlich nicht. Wer hier einkauft,<br />
hat den Nachweis, <strong>das</strong>s er hier einkaufen darf, in<br />
der Tasche wie andere ihr Geld. Ausgestellt vom Sozialamt.<br />
Roter Punkt heißt Single, Blau mit einem Kind,<br />
Grün mit zwei oder mehr Kindern, da gibt’s dann etwas<br />
mehr. Wenn der Laden aufmacht, bekommt jeder<br />
eine Nummer nach Zufallsprinzip. Für mehr als zwölf<br />
Kunden ist im Laden kein Platz, deshalb müssen die<br />
anderen draußen warten. Der Nummer nach. Keine<br />
angenehme Situation <strong>für</strong> die Menschen, sagt M. Aber<br />
es geht leider nicht anders. Alles andere wäre nicht gerecht.<br />
Und darum geht es auch.<br />
Engagement<br />
Am Abend, kurz bevor der Laden geschlossen wird,<br />
sollte dann alles Verderbliche weg sein. Die EU-Richtlinien<br />
sind streng.Von der Abholung bis zur Ladentheke<br />
wird der Weg jeder Spende protokolliert. Stimmt <strong>das</strong><br />
Haltbarkeitsdatum? Ist die Kühlkette geschlossen? Gibt<br />
es von einer Ware so viel, <strong>das</strong>s die Verkaufsbeschränkungen<br />
aufgehoben werden können, damit am Ende<br />
nichts weggeworfen werden muss? Verordnungen,<br />
Nachweise, Ausgabequoten. Es ist kompliziert, Lebensmittel,<br />
die viele nicht mehr haben wollen, weil ihr Auge<br />
mitisst, an diejenigen zu verteilen, die einfach nur Hunger<br />
haben. Kompliziert und anstrengend. Die von der<br />
Freiburger Tafel machen es trotzdem. Und sie machen<br />
es gerne. Eine tolle Einrichtung.<br />
Warum sie sich hier engagiert? M. überlegt kurz. Dann<br />
sagt sie: drei Punkte. Zum einen: Wenn man will, <strong>das</strong>s<br />
Demokratie eine Zukunft hat, dann sollte man da<strong>für</strong><br />
auch etwas tun. Klingt vielleicht blöd, aber: Eine Solidargemeinschaft<br />
kann nicht funktionieren, wenn jeder<br />
nur <strong>für</strong> sich lebt. M. lebt gerade von einem Promotionsstipendium.<br />
Deshalb möchte sie gerne etwas zurückgeben.<br />
Zweitens: Spenden sei gut, klar. Auch organisieren, im<br />
Hintergrund tätig sein, alles wichtig. Sie aber möchte<br />
den direkten Kontakt, möchte körperlich helfen, da<br />
sein. Weil da, wo sie sonst ist, an der Uni, Armut etwa<br />
so weit weg ist wie die Freiburger Tafel von der Ladentheke<br />
des nächsten Olivenöl-Käse-Wein-Spezialisten.<br />
Da liegen Welten dazwischen. M. will die Bodenhaftung<br />
nicht verlieren. Sie will sich den Erfahrungen armer<br />
Menschen nicht verschließen, und auch: lernen,<br />
<strong>das</strong>s es keinen Grund gibt, Dankbarkeit da<strong>für</strong> zu erwarten.<br />
Es ist nicht einfach, mit dieser Situation umzugehen.<br />
Aber <strong>das</strong> ist es <strong>für</strong> keinen. Erst recht nicht <strong>für</strong><br />
die, die hier einkaufen. Ältere Menschen, Studenten,<br />
Migranten, junge Familien. Nach Ladenschluss nimmt<br />
man <strong>das</strong> Unbehagen mit nach Hause, <strong>das</strong>s es jeden<br />
treffen kann, auch einen selbst. Armut ist nie weit. Erst<br />
recht nicht in Freiburg, sie lebt in der Nachbarschaft.<br />
Man muss nur bereit sein, sie zu sehen.<br />
Und dann drittens, die Belohnung: Es mache unglaublich<br />
Spaß, ein Teil dieses Projekts zu sein. Das<br />
gemeinschaftliche Arbeiten. Kontakte, die ihr viel geben.<br />
Man fühlt sich gut, wenn man etwas Sinnvolles<br />
<strong>für</strong> die Leute tun kann. Ein Ehrenamt, sagt M., hat<br />
immer eine egoistische Dimension, anders geht es<br />
nicht. Man wird sensibel, man lernt viel von anderen<br />
über sich selbst und profitiert auf diese Weise. Das ist<br />
gut, <strong>für</strong> <strong>das</strong> eigene Leben. Und <strong>für</strong> den Lebenslauf?<br />
M. überlegt noch einmal kurz. Wahrscheinlich auch,<br />
sagt sie dann, aber reinschreiben wird sie es wohl<br />
trotzdem nicht. Denn mal ehrlich: was habe <strong>das</strong> mit<br />
ihren beruflichen Qualifikationen zu tun, wenn sie in<br />
der Freibuger Tafel Kisten schleppt und Gemüse sortiert<br />
oder an der Kasse steht? Sie will helfen, nicht<br />
Bonuspunkte sammeln.
Engagement Thema 11<br />
Der Gebetshelfer Christian Schuck, 27, studiert Deutsch, Englisch<br />
und Erziehungswissenschaften in Freiburg. Und engagiert sich <strong>für</strong> Gott<br />
Interview: Laura Ilse<br />
—Wo engagierst du dich?<br />
Ich arbeite ehrenamtlich in der Katholischen Hochschulgemeinde<br />
Freiburg. Ich war dort ein Jahr im Gemeinderat<br />
und kümmere mich jetzt um die Hauskreisarbeit.<br />
Man trifft sich in einer kleinen Gruppe zu<br />
Hause, singt, betet und spricht miteinander über den<br />
Glauben und wie man darin den Alltag bewältigen<br />
kann. Es gibt hier einen Hauskreis, zu dem zurzeit nur<br />
Studierende kommen. In der engen Gemeinschaft wollen<br />
wir der Anonymität des katholischen Gottesdienstes<br />
entgegenwirken. In der Kirche engagiere ich mich, weil<br />
ich denke, <strong>das</strong>s sie eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft<br />
erfüllt. Sie kann den Zugang zu Gott und zum<br />
Glauben vermitteln, und umgekehrt kann Gott einen<br />
Weg zu den Menschen finden. Ich möchte die Kirche<br />
mitgestalten, Dinge verändern und im Sinne der Allgemeinheit<br />
verbessern, und auch Entscheidungen mittragen,<br />
wie im Rahmen meiner Mitarbeit im Gemeinderat.<br />
—Was bedeutet Engagement <strong>für</strong> Dich?<br />
Das heißt <strong>für</strong> mich, mit seinen Fähigkeiten in einem<br />
Bereich tätig zu sein, der einem wichtig ist und sich<br />
dabei <strong>für</strong> Andere und die Gesellschaft einzusetzen. Es<br />
Jonathan Schaller ist Lehramtsstudent in den Fächern<br />
Sport, Politik und Latein. Die andere Möglichkeit<br />
wäre <strong>für</strong> ihn Medizin gewesen. Das hätte ihm<br />
auch gut gefallen. Doch dann, nachdem er beide Studienrichtungen<br />
lange gegeneinander abgewogen hatte,<br />
gewann am Ende doch <strong>das</strong> Lehramtsstudium.<br />
Medizin, <strong>das</strong> wusste er, bedeutet wenig Freizeit. Sowohl<br />
während des Studiums als auch danach.<br />
Allerdings war <strong>das</strong> keine Entscheidung zu Gunsten<br />
von Faulheit und Abhängen. Im Gegenteil. Was ihn<br />
an der Medizin interessierte, dieser Gedanke des<br />
Helfens und Heilens, vor allem in der Not- und<br />
Unfall-Medizin, hat ihn nie losgelassen. Deshalb<br />
nutzt er die Freizeit, die er als Lehramtsstudent übrig<br />
hat, jetzt <strong>für</strong> die Medizin.Während des Studiums<br />
absolvierte er eine Ausbildung beim Deutschen Roten<br />
Kreuz, legte später sogar ein Urlaubssemester<br />
ein, um sein Staatsexamen als Rettungsassistent zu<br />
machen. Nun fährt er einmal die Woche im Rettungswagen<br />
mit. Daneben gibt Jonathan Erste-Hilfe-<br />
ist <strong>für</strong> mich ein bewusster Gedanke, mich zu engagieren.<br />
Jedem sind von Gott gewisse Fähigkeiten gegeben.<br />
Man sollte die Verantwortung haben, sie positiv,<br />
<strong>für</strong> sich und andere anzuwenden.<br />
—Warum engagierst Du dich?<br />
Es ist mir wichtig, mich in die Gesellschaft einzubringen.<br />
Ich denke, <strong>das</strong>s man ein erfülltes Leben führen<br />
kann, wenn man seine individuellen Fähigkeiten<br />
<strong>für</strong> sich und andere einsetzt. Allerdings denke ich<br />
auch, <strong>das</strong>s man sich nicht überall gleichzeitig investieren<br />
kann. Deshalb sollte man sich, obwohl es viele<br />
wichtige Bereiche in der Gesellschaft gibt und sich<br />
jeder Mensch auf vielfältige Weise engagieren könnte,<br />
<strong>für</strong> einen Bereich entscheiden.<br />
—Ist es noch Engagement, wenn man Geld bekommt?<br />
Es ist nicht wichtig, ob man <strong>für</strong> seine Tätigkeit Geld<br />
bekommt oder nicht. Es kommt auf die persönliche<br />
Motivation an.<br />
—Schreibst Du dein Engagement in deinen Lebenslauf?<br />
Ja, denn es ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich<br />
denke auch, <strong>das</strong>s ich davon profitiere. Aber <strong>das</strong> ist<br />
nicht der Grund, warum ich mich engagiere.<br />
Der Retter Jonathan Schaller, 24, studiert Sport, Politik und Latein<br />
auf Lehramt an der PH Freiburg. Und arbeitet freiwillig beim Roten Kreuz<br />
Text: Christoph Bonnemann<br />
Kurse, auch einmal wöchentlich, teils bezahlt – etwa<br />
<strong>für</strong> Führerscheinanwärter –, teils auch gratis, zum<br />
Beispiel <strong>für</strong> Jugendliche, die sich selbst ehrenamtlich<br />
engagieren, als Betreuer in Zeltlagern oder bei ähnlichen<br />
Veranstaltungen. Außerdem gibt er zweimal in<br />
der Woche DLRG-Kurse an der Sportuni und der<br />
PH, arbeitet ehrenamtlich beim CVJM als Aufsicht<br />
im Fußballstadion oder bei Konzerten, und bildet<br />
von Zeit zu Zeit Kommilitonen, die er mag, einfach<br />
so zum Erste-Hilfe-Ausbilder aus.<br />
Dass er <strong>für</strong> einige dieser Tätigkeiten auch Geld bekommt,<br />
sieht Jonathan als einen angenehmen Nebeneffekt,<br />
der es ihm ermöglicht, sowohl sein Studium<br />
zu finanzieren als auch seinem Bedürfnis<br />
nachzukommen, <strong>für</strong> Andere in der Not da zu sein.<br />
Oder eben auch Anderen zu vermitteln, wie man<br />
sich in Notfällen verhält. Was ihm daran gefällt? Immer,<br />
wenn er seinen Bekannten oder Freunden dieses<br />
Wissen weitergeben könne, sagt er, dann habe er<br />
<strong>das</strong> Gefühl, einen kleinen Schneeballeffekt auszulösen.<br />
Das ist gut. Die meisten seiner Kommilitonen<br />
werden schließlich Lehrer.<br />
Info<br />
Katholische Hochschulgemeinde<br />
Lorettostr. 24<br />
Tel. 0761.70529-0<br />
www.khg-freiburg.de<br />
Evang. Studierendengemeinde<br />
Turnseestr. 16<br />
Tel. 0761.74144<br />
www.esg.uni-freiburg.de<br />
Info<br />
Deutsches Rotes Kreuz<br />
Rimsinger Weg 15<br />
Tel. 0761.88 508-0<br />
www.drk-freiburg.de
12<br />
Info<br />
Thema<br />
Fachschaft der Angewandten<br />
Wissenschaften<br />
http://fachschaft.informatik.<br />
uni-freiburg.de<br />
Info<br />
www.br-online.de/bayerisches-fernsehen/rundschau/trachtler-adlerflaumaufregung-ID1230309429659.xml<br />
Interview: Laura Ilse<br />
—Was bedeutet Engagement <strong>für</strong> Dich?<br />
Etwas, was man <strong>für</strong> eine kleine Allgemeinheit tut und<br />
nicht nur <strong>für</strong> sich selbst. Man kann jedoch auch selbst<br />
davon profitieren, <strong>das</strong> will ich nicht ausschließen.<br />
—Auch finanziell?<br />
Wenn man sich freiwillig engagiert und im Nachhinein<br />
als Zeichen des guten Willens ein Dankeschön,<br />
zum Beispiel einen Gutschein oder etwas in der Art<br />
bekommt: warum nicht? Außerdem gibt es Formen<br />
des Engagements, bei denen zwar von Anfang an klar<br />
ist, <strong>das</strong>s es einen Lohn da<strong>für</strong> gibt, aber es wichtig ist,<br />
<strong>das</strong>s jemand diese Aufgabe übernimmt. Als Tutorin<br />
oder Tutor zum Beispiel wird man <strong>für</strong> seine Lehrtätigkeit<br />
bezahlt. Die Tutorate sind wichtig <strong>für</strong> die Studierenden.<br />
Gäbe es sie nicht, würden sie darunter leiden.<br />
—Wo<strong>für</strong> engagierst Du dich?<br />
Ich bin seit drei Jahren in der Fachschaft der Angewandten<br />
Wissenschaften (FAW) engagiert. Anfangs habe<br />
ich nur zugehört und versucht, die Möglichkeiten<br />
und Aufgaben der Fachschaft zu verstehen. Im zweiten<br />
Semester habe ich dann <strong>das</strong> Fachschaftskonto über-<br />
Text: Christoph Bonnemann<br />
Nicht alles, wo<strong>für</strong> sich manche einsetzen, erscheint anderen<br />
zwangsläufig als unbedingt richtig und wichtig<br />
oder gut. Aber wie auch? Das absolut Gute, <strong>für</strong> <strong>das</strong><br />
man sich engagieren könnte, gibt es nicht, jedes Engagement<br />
kann potenziell auf Interessenskonflikte stoßen,<br />
Mäkler und Nörgler auf den Plan rufen oder einfach<br />
Leute, die sagen:Wie bitte, <strong>das</strong> soll Engagement sein?<br />
Gerhard Hinterbrandner dürfte so etwas zum Beispiel<br />
schon öfter gehört haben. Und er versteht’s nicht: Dabei<br />
ist er doch nun wirklich engagiert! Jeder kennt diese<br />
Hüte, grün, schöne Krempe, Kordel. Und an der<br />
Seite wippt eine stolze, schmückende Feder. Denkt<br />
man sich da eine Lederhose, ein Dirndl und einen<br />
Bierseidel dazu, dann weiß auch der in der entlegendsten<br />
Ecke der Welt wohnende Mensch: Wer einen solchen<br />
Hut trägt, der muss ein Bayer sein.Wie der Hinterbrandner<br />
Gerhard. Ein echter Trachtler. Nun sind<br />
allerdings ausgerechnet jene Vögel, deren Federn bei<br />
den Trachtlern am begehrtesten sind – Adler, Auerhahn,<br />
Schlangenreiher – eher seltene Vögel. So selten<br />
Engagement<br />
Der Ersti-Helfer Hagen Mayer, 23, studiert Mikrosystemtechnik<br />
an der Uni Freiburg. Sein Ehrenamt hat er gleich um die Ecke gefunden<br />
nommen. Einmal die Woche ist Fachschaftssitzung, da<br />
werden alle Projekte geplant, wichtige E-Mails besprochen<br />
und die Ergebnisse des Fakultätsrats erläutert, der<br />
Prüfungsordnungen, neue Professorenstellen, die Semesterplanung<br />
usw. beschließt. Im Fakultätsrat bin ich<br />
seit einiger Zeit auch gewählter Studierendenvertreter.<br />
Viel Spaß macht mir mit den anderen außerdem die<br />
Durchführung der Ersti-Hütte. Außerdem organisieren<br />
wir vor Weihnachten jedes Jahr eine Weihnachtsvorlesung<br />
mit einem passenden amüsanten Thema und<br />
Glühweinausschank. Und dann gibt es hin und wieder<br />
noch die Partys, die organisiert werden müssen.<br />
—Warum engagierst Du dich?<br />
In erster Linie, weil es Spaß macht.Wenn man da erst<br />
mal dabei ist, hört man so schnell nicht wieder auf.<br />
Manchmal gibt es zwar ganz schön viel Arbeit, aber<br />
<strong>das</strong> Ergebnis ist doch meistens viel größer und der<br />
Aufwand lohnt sich.<br />
—Erwähnst du dein Engagement im Lebenslauf?<br />
Ja, schon. Es ist Teil eines hoffentlich positiven Bildes<br />
von mir. Aber ich würde nicht sagen, <strong>das</strong>s ich mich<br />
nur deshalb in der Fachschaft engagiere, damit ich<br />
später bei der Jobsuche davon profitieren kann.<br />
Der Hutfederaktivist Gerhard Hinterbrandner, 61, studiert<br />
zwar nicht, testet da<strong>für</strong> aber <strong>für</strong> uns die Grenzen des Engagements aus<br />
gar, <strong>das</strong>s sie in Deutschland auf der Roten Liste der<br />
vom Aussterben bedrohten Arten stehen. Deshalb hat<br />
die EU in ihren europaweiten Artenschutzrichtlinien<br />
kürzlich den Handel und Besitz der Federn dieser<br />
Tiere komplett untersagt, was <strong>für</strong> den Hinterbrandner<br />
Gerhard einem Verbot seines liebsten Tuns, dem<br />
Trachteln, gleichkommen mag. Alternativen, wie etwa<br />
die Federn eines Marabu, hält er <strong>für</strong> suboptimal,<br />
sagt er, da man hier mehrere Federn zu einem Bündel<br />
formen müsste, um an die Pracht eines echten<br />
Adlerflaumes heranzureichen. Und so engagiert er<br />
sich jetzt mit seinen Mittrachtlern da<strong>für</strong>, <strong>das</strong>s es ihnen<br />
zumindest gestattet werde, bei Wanderungen von<br />
Vögeln verlorene Federn aufzulesen oder sich die<br />
von gefangenen Exemplaren (Volieren) abgeworfenen<br />
Statussymbole an den Hut stecken zu dürfen.<br />
Denn <strong>das</strong> müsse man sich mal vorstellen: Momentan<br />
drohe einem Volierenwärter, der eine verbotene Feder<br />
weitergibt, statt sie zu verbrennen, der Verlust seiner<br />
Arbeitsstelle! So kann er seinen Kampf <strong>für</strong> den<br />
Hut gleich mit dem Kampf <strong>für</strong> Rechte der Volierenwärter<br />
verbuchen. Saupraktisch, eigentlich, so a<br />
Doppelengagement.
Studentenwerk Freiburg Magazin 13<br />
Termine Am 27. 3. um 20.30 Uhr verzaubert der junge<br />
Berlinexilant Bernhard Eder mit seinen zwischen Nick Drake, Elliott Smith<br />
und Damien Rice angesiedelten, von Folk-Traditionen inspirierten<br />
Popmelodien <strong>das</strong> MensaBar-Publikum.<br />
MensaBar, Rempartstr. 3<br />
1. 2., 20 Uhr<br />
Internationaler Club:Tatort Mensa-<br />
Bar. Kalte Morde, heiße Suppe.<br />
Eintritt 2 €, Clubmitglieder frei<br />
5. 2., 20.30 Uhr<br />
Internationaler Club: Länderabend –<br />
Spanien.Wir feiern La Fiesta Grande<br />
Espanola! Spanien gehört mit seinen<br />
Inseln zu den beliebtesten europäischen<br />
Urlaubsländern. Jede Region hat<br />
ihren eigenen Reiz.Wir alle kennen<br />
Flamenco und den Vino tinto. Doch<br />
<strong>das</strong> reicht nicht, um Spanien zu beschreiben.<br />
Die aktuelle Kunst- und<br />
Kulturszene ist sehr reich. Dies gilt<br />
nicht nur <strong>für</strong> die Metropolen Madrid<br />
und Barcelona, sondern zunehmend<br />
auch <strong>für</strong> die übrigen Regionen. Dreimal<br />
bereits wurden spanische Städte<br />
als Kulturhauptstadt Europas ausgewählt<br />
(Madrid 1992, Santiago de<br />
Compostela 2000 und Salamanca<br />
20<strong>02</strong>). Eintritt 2 €, Clubmitglieder frei<br />
6. 2., 20.30 Uhr<br />
Shakes on Rock. Live-Musik mit<br />
„Sunson“: die fünf Freiburger liefern<br />
eine Mischung aus brachialen Gitarrenriffs<br />
und eingängigen Balladen.<br />
Sie fühlen sich auf großen Bühnen<br />
genauso zu Hause wie bei kleinen<br />
Clubgigs. Dies konnten sie als Support<br />
<strong>für</strong> Gruppen wie den Emil<br />
Bulls, Liquido, Bananafishbones<br />
oder Paul Di-Anno unter Beweis<br />
stellen. „Sunson“ wird den Abend<br />
zusammen mit zwei anderen Live-<br />
Bands bestreiten. Eintritt frei.<br />
7. 2. , 21 Uhr<br />
Special: KFH-Party. Studierende der<br />
Katholischen Fachhochschule zelebrieren<br />
ihre legendäre KFH-Party in<br />
der MensaBar. Es wird gerockt bis<br />
zum Morgengrauen. Eintritt 3 €<br />
8. 2., 20 Uhr<br />
Internationaler Club:Tatort Mensa-<br />
Bar. Kalte Morde, heiße Suppe.<br />
Eintritt 2 €, Clubmitglieder frei<br />
11. 2., 20 Uhr<br />
Fußball live auf Großbildleinwand:<br />
Deutschland – Norwegen. Eintritt<br />
frei<br />
12. 2., 20.30 Uhr<br />
Unterwegs: Skandinavien. Die Vielfalt<br />
des Nordens. Mit den Ländern<br />
Skandinaviens verbindet man vor allem<br />
unberührte Natur, malerische<br />
Städtchen mit Häusern in kräftigen<br />
Farben, <strong>das</strong> Meer und die Geschichten<br />
der Schwedin Astrid Lindgren.<br />
Eintritt 2 €, Clubmitglieder frei<br />
14. 2., 21 Uhr<br />
Impro-Comedy-Theater: Lux –<br />
Theater des Moments aus Freiburg<br />
gemeinsam mit dem Gastensemble<br />
Theatre Inedit aus Straßburg.<br />
Spritziges und extrem lustiges Improtheater<br />
auf deutsch, französisch,<br />
englisch und irgendwas dazwischen.<br />
Französischkenntnisse sind nicht<br />
Voraussetzung <strong>für</strong> den Besuch! Das<br />
Straßburger Ensemble gilt international<br />
als eines der besten Impro-Ensembles.<br />
Die beiden Ensembles stehen<br />
seit geraumer Zeit in Kontakt<br />
und bieten an diesem Abend ihren<br />
ersten gemeinsamen öffentlichen<br />
Auftritt. Die Schauspieler agieren<br />
heute abend auf offener Bühne und<br />
kreieren gemeinsam Szenen, die auf<br />
Einwürfen des Publikums aufbauen.<br />
Eintritt 8/12 €<br />
20. 2.., 20.11 Uhr<br />
Special: 51. Kripoball. Die Freiburger<br />
Mensa wieder närrisch mit den<br />
traditionellen Night Kings im Großen<br />
Saal, Diego's Canela im Foyer<br />
und – zum zweiten Mal – Vampires<br />
Daydream im Pavillon. Und mit DJ<br />
Giuseppe gibt es einen Ausklang bis<br />
in die frühen Morgenstunden. Kleine<br />
Ruhepausen können im Bistro (Erdgeschoss)<br />
bei einem Imbiss oder Kaf-<br />
fee und bei ruhiger Barmusik genommen<br />
werden. Mit den Vampires<br />
Daydream aus dem vorderen Murgtal<br />
ist lebendiges, energiegeladenes<br />
und harmonisches Entertainment<br />
angesagt. Sie geben, wonach ein<br />
dürstendes Publikum verlangt: einen<br />
Streifzug durch die besten Hits der<br />
80er. Eintritt 15/23 €<br />
24. 2., 20.30 Uhr<br />
Fußball Championsleague live auf<br />
Großbildleinwand. Eintritt frei.<br />
25. 2., 20.30 Uhr<br />
Fußball Championsleague live auf<br />
Großbildleinwand. Eintritt frei.<br />
10.3., 20.30 Uhr<br />
Fußball Championsleague live auf<br />
Großbildleinwand. Eintritt frei.<br />
11.3., 20.30 Uhr<br />
Fußball Championsleague live auf<br />
Großbildleinwand. Eintritt frei.<br />
13.3., 20.30 Uhr<br />
Lux zeigt: „Flux“. Impro-Comedy-<br />
Theater. Bei Flux! wackelt die Bühne,<br />
wenn die Schauspieler blitzschnell<br />
vom Publikum vorgebene<br />
Szenen entwickeln. Da geht es querbeet<br />
durch alle Genres und Stilmittel.<br />
Eintritt 8/12 €<br />
25. 3., 20.30 Uhr<br />
Mensa-Live-Club mit dem österreichen<br />
Singer/Songwriter Bernhard<br />
Eder, der auf dem Label Solaris Empire<br />
veröffentlicht. Eintritt 5/7 €<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik<br />
3. 2., 20 Uhr<br />
Mendelssohn-Abend: Sonate <strong>für</strong> Violine<br />
und Klavier f-Moll op. 4, Sonate<br />
<strong>für</strong> Violoncello und Klavier D-Dur<br />
op. 58,Trio <strong>für</strong> Klavier,Violine und<br />
Violoncello c-Moll op. 66<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
5. 2., 20 Uhr<br />
vorEcho. Abschiedskonzert <strong>für</strong> Prof.<br />
Mathias Spiegelhalter. „Spahlinger<br />
farben der frühe (1997-2005) <strong>für</strong> sieben<br />
Klaviere“.<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
6. 2., 20 Uhr<br />
Abschiedsrezital. Nicolas Chumachenco,Violine;<br />
Kaya Han, Klavier.<br />
Werke: Franck Sonate A-Dur<br />
(1886); Chausson Poème Es-Dur op.<br />
25; Dvorák Sonatine G-Dur op. 100<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
7. 2., 20 Uhr<br />
Abschlusskonzert des Klarinetten-<br />
Meisterkurses von Prof. Karl Leister.<br />
Klarinetten-Quintette von Mozart<br />
und Brahms.<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
10. 2., 20 Uhr<br />
Hörprobe <strong>2009</strong>. Solisten und Ensembles<br />
der Musikhochschule.<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
12. 2., 20 Uhr<br />
Duo-Abend. Ildiko Moog-Ban,Violine;<br />
Igor Kamenz, Klavier.Werke:<br />
Prokofieff Sonate Nr. 1 f-Moll op.<br />
80; Beethoven Sonate Nr. 6 A-Dur<br />
op. 30 Nr. 1; Franck Sonate A-Dur<br />
(1886)<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
13. 2., 20 Uhr<br />
Späte Werke von Chopin. Guido<br />
Heinke, Klavier<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
16. 2., 20 Uhr<br />
Harald Genzmer zum 100. Geburtstag<br />
mit folgenden Werken: Genzmer<br />
Sonate <strong>für</strong> Posaune und Orgel<br />
(1977); Genzmer Sonate <strong>für</strong> Horn<br />
und Klavier (1968); Genzmer Sonate<br />
Nr. 2 <strong>für</strong> Orgel (1956); Genzmer<br />
Quartettino <strong>für</strong> vier Blockflöten<br />
(1956); Hindemith Streichquartett<br />
Nr. 4 op. 32 (1923)<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
18. 2., 20 Uhr<br />
Lieder und Balladen. Schubert und<br />
Loewe. Christian Feichtmair, Bariton;<br />
Ryoko Taguchi, Klavier.<br />
Hochschule <strong>für</strong> Musik, Schwarzwaldstr.<br />
141<br />
E-WERK Freiburg<br />
DANIEL KAHN AND<br />
THE PAINTED BIRD<br />
(USA/D)<br />
Radical Yiddish Song,<br />
Klezmer und American Folk<br />
MO 09.<strong>02</strong>.09<br />
20.30 UHR<br />
KAMMERTHEATER<br />
www.ewerk-freiburg.de
14<br />
Magazin<br />
Aktion Lieblingsessen! Was <strong>für</strong> ein Ferienstart! Eine Woche<br />
lang werden in den Mensen die Essenshighlights 2008 serviert<br />
Das habt ihr euch verdient! Die Prüfungen sind vorbei,<br />
<strong>das</strong> Semester ist geschafft, die Ferien stehen vor<br />
der Tür. Und was fehlt? Richtig, eine Belohnung.<br />
Wir haben sie. Als Lohn <strong>für</strong> eure Mühen<br />
gibt es in den Mensen Rempartstraße,<br />
Institutsviertel und Flugplatz<br />
vom 9. bis 16. Februar die „Aktion<br />
Lieblingsessen“. Wir haben nachgesehen,<br />
welche Essen im Jahr 2008<br />
die beliebtesten waren und die gibt es<br />
nun eine Woche lang. Spaghetti Carbonara, Kartoffelgratin,<br />
Frühlingsrollen, Chili con Carne oder Walliser<br />
Käseschnitzel mit Butterhörnle.<br />
Ausgegeben werden die Lieblingsspeisen<br />
beim Essen eins<br />
und zwei, beim Schnellen<br />
Teller sowie beim Tagesgericht.<br />
An den Aktionstheken<br />
gibt es <strong>das</strong> übliche Programm.<br />
An altem Ort: Die Mensa Institutsviertel bietet ab sofort<br />
wieder die Möglichkeit zum Abendessen<br />
Vor einigen Jahren – die älteren Semester erinnern sich<br />
noch dunkel – war die Mensa im Institutsviertel Ziel<br />
aller hungrigen Studentinnen und Studenten, die auch<br />
abends nicht am eigenen Herd stehen wollten. Nun,<br />
nach der Sanierung der Mensa, wird es <strong>das</strong> Abendessen<br />
wieder am alten Ort im Institutsviertel geben.<br />
Nach dem Umbau bietet die Mensa ein angenehmes<br />
Ambiente und größere Wahlmöglichkeiten beim Speiseangebot.<br />
Künftig kann jede/r Gast am Abend<br />
sein/ihr Essen nach Lust und Laune und in den ent-<br />
sprechenden Portionen zusammenstellen – es gibt Salate,<br />
Gegrilltes, asiatische Gerichte aus dem Wok, verschiedene<br />
Beilagen und Desserts.<br />
Das Abendessen wird von Montag und Freitag von 18<br />
bis 20 Uhr angeboten. Denjenigen, die früher hungrig<br />
werden, bietet <strong>das</strong> Institutscafé künftig bis 18 Uhr kleine<br />
Zwischenmahlzeiten und heiße Getränke. Für Studierende,<br />
die den Weg ins Institutsviertel scheuen, gibt’s<br />
im Café Europa ab sofort ein kleines Abendessen.<br />
—www.studentenwerk.uni-freiburg.de/mensen<br />
Die Vorlesung <strong>für</strong> unterwegs: Die Freiburger Universität<br />
ist auf Apples Podcast-Plattform iTunes U vertreten<br />
Was bisher ausschließlich Top-Unis aus den USA, Irland<br />
oder Großbritannien vorbehalten war, gilt seit<br />
Mitte Januar auch <strong>für</strong> vier deutsche Hochschulen: Sie<br />
stellen ihr Podcast-Angebot weltweit auf iTunes U ( U<br />
<strong>für</strong> University) kostenlos zur Verfügung. Mit dabei ist<br />
die Albert-Ludwigs-Universität, die erst einmal mehr<br />
als 500 Mitschnitte von Vorlesungen, Vorträgen, Konzerten<br />
oder Beiträgen des Uni-TV und Uni-Radios<br />
freigeschaltet hat. Die Inhalte können auf jeden Computer<br />
sowie auf portable Audio- oder Videogeräte ge-<br />
laden beziehungsweise abonniert werden. Das Themenangebot<br />
wird ständig aktualisiert und erweitert.<br />
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, <strong>das</strong>s die von<br />
den Freiburger ProfessorInnen zur Aufnahme von<br />
Vorlesungen verwendeten Programme auch an der<br />
Freiburger Uni entwickelt wurden. Und: alle, die kein<br />
iTunes auf ihrem Computer laufen haben, können<br />
RSS-Feeds des Angebots nutzen.<br />
—www.itunes.uni-freiburg.de<br />
K19, die CafeKulturBar: Die Mensa in Schwenningen bietet<br />
neuerdings auch in den Abendstunden einen Treffpunkt<br />
In der neuen Mensa in Schwenningen wird mit dem<br />
Abendbetrieb des K19 <strong>das</strong> Angebot vervollständigt.<br />
Von Montag bis Freitag von 16 bis maximal 24 Uhr<br />
verwandelt sich die Cafeteria der Mensa in der Karlstraße<br />
19 in <strong>das</strong> K19 – eine coole Bar mit modernem<br />
Sound- und Lichtdesign als Treffpunkt <strong>für</strong> alle Studie-<br />
renden auch in den Abendstunden. Die Bar soll ein<br />
Kultur- und Kommunikationsort werden. Die Betreiber<br />
sind offen <strong>für</strong> Anregungen und Ideen, sei es zum<br />
Speise- und Getränkeangebot oder <strong>für</strong> Veranstaltungen.<br />
—Bitte einfach <strong>das</strong> Personal an der Bar ansprechen,<br />
oder per mail an haider@studentenwerk.uni-freiburg.de.<br />
Service<br />
Studentenwerk Freiburg<br />
Die neue Broschüre „Service<br />
rund ums Studium“ des Studentenwerks<br />
ist erschienen.<br />
Sie löst <strong>das</strong> bisherige Infoheft<br />
„Das bekommen Sie <strong>für</strong> Ihr<br />
Geld“ ab. In neuem Design informiert<br />
die Broschüre weiterhin<br />
über alle Leistungen des Studentenwerks.<br />
So erfahren die Studierenden,<br />
was mit Ihrem Semesterbeitrag<br />
passiert.<br />
Die Broschüre ist ein wichtiger<br />
Begleiter <strong>für</strong>s ganze Jahr. Sie<br />
nennt die richtigen Ansprechpartner,<br />
wenn es um Zimmersuche,<br />
Jobs, finanzielle Hilfen, psychologische<br />
Beratung oder<br />
Versicherungen geht – um nur einige<br />
Angebote des Studentenwerks<br />
zu nennen. Die neue Broschüre<br />
erscheint einmal im Jahr.<br />
Geburtstag<br />
Der UniShop Freiburg feiert seinen<br />
1. Geburtstag. Glückwunsch.<br />
Gestartet wurde mit gerade mal<br />
15 bis 20 verschiedenen Artikeln<br />
im Angebot, heute sind es weit<br />
über 100. Seit kurzem auch zertifizierte<br />
Fairtrade-Textilien in vielen<br />
modernen Farben und Designs.<br />
—Di. bis Sa. von 14 bis 18 Uhr,<br />
alte Universität, Bertoldstr. 17, FR.<br />
www.shop.uni-freiburg.de
Studentenwerk Freiburg Magazin 15<br />
Wohnen <strong>für</strong> Hilfe Studentenwerk Freiburg und die Lebenshilfe<br />
kooperieren bei integrativen Wohngemeinschaften<br />
Text: Annette Hoffmann Foto: Susanne Merkwitz<br />
Wer von zu Hause auszieht, will selbständig leben.<br />
Doch wie <strong>das</strong> neue Leben in einer anderen Stadt<br />
aussieht, ist nicht immer nur eine Frage der Neigung,<br />
sondern auch der Möglichkeiten. Da kann es<br />
an Geld fehlen, an Freunden oder auch an Unterstützung.<br />
Auf den ersten Blick sieht es nach ungleichen<br />
Partnern aus, die sich im integrativen Projekt<br />
„Gemeinsam Wohnen“ finden. Denn Studierende<br />
und Menschen mit Behinderungen scheinen in völlig<br />
anderen Lebensphasen zu stecken. Engagement<br />
schön und gut, aber warum gerade jetzt, wenn Reisen<br />
so unkompliziert ist wie später nie mehr und<br />
man vieles ausprobieren kann?<br />
Und dennoch wusste Eva Armbruster, <strong>das</strong>s sie mit<br />
ihrer Idee einer integrativen Wohngemeinschaft beim<br />
Freiburger Studentenwerk auf offene Ohren stoßen<br />
würde. 20<strong>02</strong> initiierte man dort <strong>das</strong> Projekt „Wohnen<br />
<strong>für</strong> Hilfe“, <strong>das</strong> Studierende mit älteren Menschen<br />
oder Familien zusammenbringt, die mehr<br />
Wohnraum haben, als sie brauchen, aber auch mehr<br />
Hausarbeit, als sie bewältigen können. Jeder gibt<br />
<strong>das</strong>, was er hat.<br />
Als Eva Armbruster im Sommer 2007 ihre Stelle bei<br />
der Freiburger Lebenshilfe antrat – einem Verein,<br />
der sich <strong>für</strong> <strong>das</strong> Wohlergehen von Menschen mit geistiger<br />
Behinderung engagiert – galt ihr besonderes<br />
Augenmerk dem unterstützten Wohnen. Wohl wissend,<br />
<strong>das</strong>s auch junge Menschen mit Handicap<br />
durchaus andere Vorstellungen vom Leben haben,<br />
als zu Hause oder im Heim zu wohnen. Dass Freiburg<br />
eine Studentenstadt ist, kam Eva Armbruster<br />
dabei sehr gelegen. „Ziel des Projekts“, sagt sie, „ist<br />
es, Menschen mit Assistenzbedarf dabei zu unterstützen,<br />
so selbständig wie möglich zu leben.“<br />
Ähnliche Modelle gibt es bereits in Tübingen, Saarbrücken,<br />
aber auch in München. Die Menschen, die<br />
sich beim Verein Lebenshilfe in Freiburg melden, sind<br />
zwischen 19 und 25 Jahre alt, die Studierenden, die<br />
sich beim Studentenwerk <strong>für</strong> diese Wohnform informieren,<br />
eher selten Erstsemester.Viele studieren sozialpädagogische<br />
Fächer, hat Eva Armbruster beobachtet.<br />
Dass es bislang erst eine integrative Wohngemeinschaft<br />
in Freiburg gibt, liegt nicht am fehlenden Interesse der<br />
Studierenden, stellt sie fest. Ein dreiviertel Jahr hat sie<br />
eine geeignete Wohnung <strong>für</strong> eine Vierer-WG gesucht,<br />
die im Februar gegründet werden soll.<br />
Auf dem freien Wohnungsmarkt ist sie bislang noch<br />
nie fündig geworden. Die Konstellation: WG, Studierende,<br />
Menschen mit geistiger Behinderung, sei<br />
Vermietern nur schwer zu vermitteln, musste sie<br />
erfahren. Dabei muss man sich integrative Wohngemeinschaften<br />
nicht als offenes Experiment vorstellen.<br />
Die Mitarbeiter der Lebenshilfe statten regelmäßige<br />
Besuche ab, helfen den Alltag zu strukturieren<br />
und springen ein, wenn es mal ernst werden sollte.<br />
Die Dienste, die die Studierenden übernehmen, haben<br />
mit Pflege nichts zu tun, sie beschränken sich<br />
auf Einkaufen, Kochen oder die Begleitung zu Terminen.<br />
Im Gegenzug können sie günstig wohnen, so<br />
kommt jeder auf seine Kosten.<br />
—Interessierte Studierende und Vermieter können<br />
sich an Nicole Krauße krausse@studentenwerk.unifreiburg.de<br />
und Eva Armbruster wohnen@lebenshilfefreiburg.de<br />
wenden.<br />
Markenpop<br />
Hauptsache, es rockt? So ein Blödsinn.<br />
Die akustischen Signale, die<br />
aus den Kopfhörern deines iPods<br />
lärmen, sind nur der eine Teil des<br />
Systems „Popsong“. Den anderen<br />
übernehmen die Bilder. Ob<br />
Prince, The Killers oder die Provinzpunkband<br />
deines Vertrauens:<br />
Längst hat fast jede Band ihr eigenes<br />
Corporate Design inkl. Typo,<br />
Logo, Farb- und Fashionkonzept.<br />
Warum <strong>das</strong> so ist und wie <strong>das</strong><br />
funktioniert, erfahrt ihr in der aktuellen<br />
Ausgabe des Zwiebelfisch-<br />
Magazins. Unter dem knackigen<br />
Titel „Branded Pop“ liefern (und<br />
gestalten) Studierende der Freien<br />
Hochschule <strong>für</strong> Bildende Künste<br />
und Grafikdesign Freiburg hier<br />
gut ein Dutzend Beiträge über <strong>das</strong><br />
Verhältnis von Pop und Design.<br />
Klug: Joachim Schneiders Porträt<br />
der Marke Madonna. Lustig: die<br />
Fake-Rezensionen von Dietmar<br />
Dath. Spannend: <strong>das</strong> ausführliche<br />
Interview mit Poptheoretiker Diedrich<br />
Diederichsen. Seine Thesen<br />
zu Vermarktungsstrategien im<br />
Popbusiness bieten eine schöne<br />
Steilvorlage <strong>für</strong> <strong>das</strong> prominent be-<br />
setzte DESIGNFORUM <strong>2009</strong>,<br />
<strong>das</strong> im E-Werk stattfindet. Stargäste<br />
des Kongresses sind Design-<br />
Legende David Carson („raygun“<br />
etc.) und Autor Dietmar Dath.<br />
—Zwiebelfisch Magazin #8:<br />
Branded Pop, 114 S., 10 Euro.<br />
—Designforum <strong>2009</strong>, 28. Februar<br />
<strong>2009</strong>, E-Werk Freiburg, Eschholzstr.<br />
77, 10.30–18.30 Uhr (Kongress),<br />
20.00–5.00 Uhr (Konzert, Party);<br />
Programm und Informationen unter<br />
www.designforum–freiburg.de
16<br />
Magazin<br />
Text & Fotos: Susanne Stamer Was genau machen eigentlich ein Lektor im Verlag,<br />
ein Consultant in der Unternehmensberatung oder<br />
ein Anwendungsentwickler im IT-Bereich? Welche<br />
Möglichkeiten gibt es <strong>für</strong> den Berufseinstieg in einer<br />
bestimmten Branche? Reichen meine im Studium erlernten<br />
Fähigkeiten überhaupt <strong>für</strong> einen Job in diesem<br />
Berufsfeld aus oder muss ich noch zusätzliche<br />
Qualifikationen erwerben? Und nicht zuletzt: Wie<br />
kann ich Kontakt zu interessanten Arbeitgebern herstellen?<br />
Diese Fragen stellen sich spätestens gegen<br />
Ende des Studiums, wenn sich so langsam abzeichnet,<br />
welche in den Studienjahren entwickelten Interessen<br />
und Fähigkeiten man gerne auch im späteren<br />
Beruf verwirklichen möchte. Gerade in Fachbereichen,<br />
die nicht auf ein klar definiertes Berufsziel ausgerichtet<br />
sind, geben letztlich diese persönlichen Neigungen<br />
den Ausschlag, in welche Richtung sich die<br />
Berufs(feld)wahl orientiert.<br />
Bild links: Im persönlichen Gespräch<br />
Kontakte zu Arbeitgebern knüpfen.<br />
Bild rechts: Bewerbungsunterlagencheck<br />
durch den Branchenexperten.<br />
Und dann wird es schnell ernst: die Jobsuche beginnt,<br />
und Bewerbungen müssen geschrieben werden. Bewerbungsratgeber<br />
und Internetrecherche helfen bei den ersten<br />
orientierenden Schritten durch den unüberschaubaren<br />
Arbeitsmarkt weiter, liefern aber oftmals nur<br />
theoretische und sehr allgemein gehaltene Informationen.<br />
Die besten Antworten haben letztlich doch immer<br />
noch die Branchen-Insider.Von diesem Gedanken ausgehend<br />
hat <strong>das</strong> Career Center der Uni Freiburg ein<br />
neues Beratungskonzept entwickelt, <strong>das</strong> Berufsfeldinformationen<br />
aus erster Hand, nämlich von den Arbeitgebern<br />
selbst, bietet. Company on Campus nennt sich<br />
dieses – übrigens in der deutschen Hochschullandschaft<br />
bisher einzigartige – Angebot, <strong>das</strong> Beratungsund<br />
Vermittlungsservice kombiniert und seit dem Wintersemester<br />
besteht.<br />
Berufsorientierung<br />
Company on Campus Das neue Service-Angebot des<br />
Career-Centers möchte die Studierenden auf dem Weg in den Berufseinstieg unterstützen<br />
Wie funktioniert <strong>das</strong>? Personalverantwortliche aus unterschiedlichen<br />
Berufsfeldern – vorwiegend aus der Region<br />
– kommen an die Uni und bieten im Career Center<br />
individuelle Einzelberatungen zum Einstieg in ihrer<br />
Branche und speziell in ihrem Unternehmen an. Das<br />
Angebot ist kostenlos und offen <strong>für</strong> alle Studierenden<br />
und Absolvent(inn)en der Uni Freiburg.Voraussetzung<br />
<strong>für</strong> die Teilnahme ist die vorherige verbindliche Anmeldung.<br />
Außerdem sollte man sich etwas Zeit <strong>für</strong> die Vorbereitung<br />
auf <strong>das</strong> Gespräch nehmen. Das Career Center<br />
stellt den teilnehmenden Studierenden da<strong>für</strong> einen<br />
Vorbereitungsleitfaden mit möglichen Fragen zur Verfügung.<br />
Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Informationen,<br />
die man eben nicht in der gängigen Literatur<br />
oder in der allgemeinen Berufsberatung erhält. Für die<br />
Doktorandin Jutta Schloon, die den neuen Service bereits<br />
wahrgenommen und ein Beratungsgespräch mit<br />
Nadine Walbach vom Herder Verlag geführt hat, war<br />
diese Vorbereitung sehr hilfreich. „Von alleine wäre ich<br />
vermutlich nicht darauf gekommen, Frau Walbach<br />
nach den persönlichen Erfahrungen mit ihrem Berufseinstieg<br />
ins Verlagswesen zu fragen. Aber gerade diese<br />
Informationen waren <strong>für</strong> mich sehr interessant und haben<br />
mich <strong>für</strong> meinen eigenen Weg ermutigt.“ Ein zentraler<br />
Bestandteil des Angebots liegt in der gemeinsamen<br />
Durchsicht der Bewerbungsunterlagen mit dem<br />
Branchenexperten. „Meinen beruflichen Lebenslauf<br />
mal von jemandem beurteilen zu lassen, der aus der<br />
Branche kommt und bereits viele Bewerbungen gesehen<br />
hat, hat mir viel gebracht. Dass zum Beispiel Nebenjobs,<br />
von denen ich mir gar nicht sicher war, ob ich<br />
sie überhaupt erwähnen sollte, doch als wichtig <strong>für</strong> den<br />
,Roten Faden‘ in meinem Lebenslauf hervorgehoben<br />
wurden, war schon eine Bestätigung, bisher alles richtig<br />
gemacht zu haben.“ Deshalb sollte die eigene Bewer-
ungsmappe vor dem Gespräch auch noch mal auf Aktualität<br />
und Vollständigkeit geprüft werden. Darüber<br />
hinaus ist es empfehlenswert, sich im Vorfeld über <strong>das</strong><br />
jeweilige Unternehmen zu informieren, am besten über<br />
deren Internetauftritt, und die dort eventuell ausgeschriebenen<br />
Stellen oder Praktika zu sondieren.<br />
„Ich erwarte von den Teilnehmern, <strong>das</strong>s sie mit konkreten<br />
Fragen in <strong>das</strong> Gespräch kommen, sich unsere<br />
Website vorher angeschaut und sich über ihre Berufswünsche<br />
schon intensiv Gedanken gemacht haben“,<br />
betont Daniel Kleinhans, Personalreferent der CAS<br />
Software AG, der im Rahmen von Company on Campus<br />
zum Thema „Einstieg in die IT-Branche“ berät. Interesse<br />
am Unternehmen und dessen Philosophie setzt<br />
auch Nadine Walbach von der Personalabteilung des<br />
Herder Verlags voraus. Sie bietet die Company-on-<br />
Campus-Gespräche sogar regelmäßig einmal im Monat<br />
an. Der Andrang ist groß, alle Termine waren bisher<br />
ausgebucht. Den Vorteil <strong>für</strong> beide Seiten sieht Walbach<br />
darin, <strong>das</strong>s die Beratungen in der Uni stattfinden und<br />
nicht im Unternehmen. „Wir treten in den Raum der<br />
Studierenden und führen auf ihrem ,Terrain‘ die Gespräche.<br />
Dem Studierenden fällt es dadurch leichter,<br />
sich auf ein entspanntes und offenes Gespräch einzulassen.<br />
Kommt er oder sie zu uns ins Unternehmen, ist<br />
<strong>das</strong> häufig mit Erwartungen und Ängsten verknüpft.“<br />
Michael Borchardt, Leiter des Career Centers, hält diesen<br />
Punkt <strong>für</strong> besonders wichtig: „Wir möchten den<br />
Studierenden die Gelegenheit geben, mit Arbeitgebern<br />
aus der Region Kontakte zu knüpfen, und <strong>das</strong> in einem<br />
Rahmen außerhalb der üblichen Bewerbungssituation.“<br />
Dass es sich um kein klassisches Vorstellungsgespräch<br />
handelt, hebt Nadine Walbach auch hervor: „Ich verstehe<br />
mich hier in erster Linie als Berater und Ideengeber.“<br />
Aber natürlich spielt der wirtschaftliche Aspekt<br />
<strong>für</strong> die Unternehmen eine Rolle – schließlich geht es<br />
letztlich um die Gewinnung qualifizierter Nachwuchskräfte.<br />
Wenn also während des Beratungsgesprächs auf<br />
beiden Seiten Interesse an einer Einstellung bzw. einem<br />
Einstieg im Unternehmen entsteht, dann kann sich<br />
daraus durchaus ein Vorstellungsgespräch entwickeln<br />
und aus der Beratung eine Vermittlung werden.<br />
Das Career Center bietet derzeit Company-on-<br />
Campus-Gespräche zu den Berufsfeldern Verlag, IT<br />
und Pharmaindustrie an. Weitere Arbeitgeber aus der<br />
Region Dreiländereck, einschließlich Schweiz und<br />
Elsass, sollen noch gewonnen werden. „Ziel ist es, langfristig<br />
einen festen Stamm an Arbeitgebern aufzubauen,<br />
der ein breites Branchenspektrum abdeckt“, sagt<br />
Borchardt.<br />
Magazin 17<br />
Carl-Schurz-Haus/Deutsch-Amerikanisches Institut e.V.<br />
AMERICA IS JUST<br />
DOWN THE STREET<br />
BLACK HISTORY MONTH<br />
All three events below take place in the Carl-Schurz-Haus<br />
Dienstag/17. Februar <strong>2009</strong>/20 Uhr<br />
Dolls & Balls: What it means<br />
to be a black, female athlete<br />
Paneldiscussion in English<br />
Hope Foster, USA&Sarah Hayes, USA<br />
Providing different perspectives on their social status as<br />
professional black female basketball players (Eisvögel Freiburg).<br />
Donnerstag/19. Februar <strong>2009</strong>/20 Uhr<br />
Khalif „Wailin‘“ Walter presents<br />
Urban Electric Blues<br />
Lecture & Performance in English<br />
Sam & Son/28. Feb. & 1. März <strong>2009</strong>/11-16 Uhr<br />
The Golden Era: A Diary on Hip-Hop<br />
between 1985 and 1992 in America<br />
Workshop in English<br />
„Sir“ Reginald Anthony, USA<br />
Registration required: 0761-556527-0<br />
WAR AND MEDIA<br />
Montag/9. Februar <strong>2009</strong>/20 Uhr c.t.<br />
Hörsaal 1199/KG I der Universität<br />
Art Spiegelman - Sprechblasen gegen Krieg und Terror<br />
Alexander Sancho-Rauschel, M.A., Freiburg<br />
Montag/16. Februar <strong>2009</strong>/20 Uhr c.t.<br />
Hörsaal 1199/KG I der Universität<br />
Neue Kriege - Neue Medien.<br />
Amerikas Methoden der Presselenkung<br />
Prof. Dr. Andreas Elter, Köln<br />
Mittwoch/25. Februar <strong>2009</strong>/20 Uhr c.t.<br />
Hörsaal 1098/KG I der Universität<br />
What has happened to the American Press?<br />
Walter Pincus, Washington Post, USA<br />
Pulitzer Price Winner<br />
English Courses & Exchange<br />
Program Advising<br />
Business, Medicine<br />
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Sprachkurse / Austauschberatung<br />
Tel: 0761/556527-16<br />
Courses for Kids ‘n‘ Teens<br />
Tel: 0761/556527-12<br />
American Library<br />
(Mo - Fr. 11:30-13:30 & 15-18 hrs)<br />
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EINMALIG IN FREIBURG - EBSCO Database!<br />
(Academic Search Elite Periodical Database)<br />
Study Materials (TOEFL, GRE, SAT)<br />
Open Dialog - German-American<br />
Discussion Group meets every other<br />
Wednesday<br />
Film Program<br />
For details please see our website<br />
and program brochures<br />
Eisenbahnstraße 62 (3.0G), 79098 Freiburg; www.carl-schurz-haus.de<br />
Info<br />
Informationen zu Company on Campus<br />
und den teilnehmenden Unternehmen<br />
finden sich auf der Internetseite<br />
des Career Centers www.ccenter.de.<br />
Anmeldungen unter Telefon<br />
0761/203-4432. Career Center,<br />
Sedanstraße 6, 79098 Freiburg
18<br />
Magazin<br />
Montpellier Olga Katharina Schwarz, 25, studierte ein Auslandssemester in der<br />
Stadt am Mittelmeer, bevor es sie in die Metropole an der Seine zog<br />
Bereits der Arme Heinrich wusste schon, <strong>das</strong>s man der<br />
Erkenntnis wegen nach Montpellier reist. Und so<br />
machte auch ich mich auf den Weg in den Süden<br />
Frankreichs, um die Sprache unserer Nachbarn zu lernen<br />
und dann zwei Jahre später zum Studium hierher<br />
zurückzukommen: Der Charme der mittelalterlichen<br />
Welt, die Spuren des Sonnenkönigs und seines Vaters,<br />
der Einfluss Hausmanns und moderne Architektur gehen<br />
ineinander über und bilden die Kulisse <strong>für</strong> einen<br />
langen Sommernachtstraum. Die erste Erkundung<br />
Montpelliers findet daher auch idealerweise abends<br />
statt, wenn die Sonne untergegangen ist und die Straßenlampen<br />
die Gassen in ein mattgelbes Licht tauchen.<br />
Reisezeit: Doch zuvor kommt man erst einmal an, <strong>für</strong><br />
die Schwimmer unter uns am besten im Mai/Juni oder<br />
Ende August.<br />
Anschauen: Vom – recht pompösen – Bahnhof führt<br />
die von Palmen gesäumte Rue Magelone zum Place<br />
de la Comédie, dem touristischen Herzen Montpelliers.<br />
Ich rate jedem, hier einen Augenblick zu verweilen,<br />
sich in eines der vielen Cafés in die Sonne zu setzen<br />
und die Stadt und ihre Straßenmusiker auf sich<br />
wirken zu lassen. Diejenigen, die es lieber etwas schattiger<br />
haben, sollten noch einige Meter mehr in Kauf<br />
nehmen und „die“ Einkaufsstraße Montpelliers, Rue<br />
de la Loge, hinauflaufen: Das Rebuffy (2, rue Rebuffy)<br />
ist mit seinen Gesellschaftsspielen sehr beliebt.<br />
Beim nächtlichen Spaziergang wird in den labyrinthisch<br />
ineinander verschachtelten Gassen so manches<br />
Haus zweimal passiert, und doch kommt man immer<br />
wieder an einem Ort an, dem Peyrou. Tagsüber von<br />
Joggern oft als Sportstätte mißbraucht, entpuppt sich<br />
der als Garten angelegte Platz abends als höchstromantisches<br />
Plätzchen: Das Château d’eau spiegelt sich bei<br />
Mondschein in einem kleinen Teich, während sich der<br />
dahinterliegende Aquädukt irgendwo im Nichts verliert.<br />
Gleich daneben der Jardin des plantes. Mit seinen<br />
viereinhalb Hektar bietet er genug Raum zum Spazie-<br />
ren und Ausruhen – Paul Valéry und André Gide ließen<br />
sich hier inspirieren.<br />
Um die ganze Schönheit der Stadt wahrzunehmen,<br />
sollte man nicht vor geschlossenen Türen zurückschrecken:<br />
Dahinter verbergen sich die schönsten „hôtels<br />
particuliers“, wie zum Beispiel <strong>das</strong> der Maison de<br />
Heidelberg (4, rue des Trésoriers de la Bourse). Auch<br />
außerhalb des alten Stadtkerns gibt es einiges zu sehen:<br />
die Viertel Beaux Arts und Antigone, der Zoo Lunaret<br />
im Norden der Stadt (Eintritt frei) und selbstverständlich<br />
<strong>das</strong> Mittelmeer, per Bus oder Fahrrad (verleiht die<br />
Verkehrsgesellschaft Tam in der Rue de Maguelone) zu<br />
erreichen .Wunderschöne Ausflugsziele (mit Auto) sind<br />
der Lac du Salagou oder der Pont du Diable.<br />
Einkehren: Zum Essen empfiehlt sich die Umgebung<br />
des Place Saint Roch mit den Restaurants Le Bouchon<br />
Saint Roch (15, rue Plan d'Agde) und La Tomate (6,<br />
rue Four des Flammes). Zum Tanzen geht es dann ins<br />
Rockstore (20, rue de Verdun) oder ins Macadam (1<br />
rue des Deux Ponts).<br />
Einkaufen: Wer seinen Aufenthalt in Frankreich nutzen<br />
möchte, um sich mit den französischen „Nouveautés“<br />
einzudecken, der sei <strong>für</strong> den ersten Klamotteneinkauf<br />
an die bereits erwähnte Rue de la Loge verwiesen. Dieser<br />
lässt sich dann beliebig in den kleinen Gassen der<br />
Stadt „par hasard“ ergänzen. Für CDs und Bücher gilt<br />
die französische Standardadresse Gibert Joseph. Wenn<br />
es dann ein klein wenig spezieller sein soll, gibt es auch<br />
noch O’CD (16, rue Saint-Guilhem) oder die Antiquariate<br />
in der Rue de l’Aiguillerie. Bei einem Besuch des<br />
Flohmarkts am Sonntag ist Vorsicht geboten: Auch <strong>für</strong><br />
Taschendiebe ist er ein lohnendes Ausflugsziel.<br />
Übernachten: Eine passable Unterkunft bietet die Jugendherberge<br />
(rue des Ecoles Laïques, pro Nacht 15 –<br />
20 Euro). Die sehr nette Atmosphäre hat leider zur<br />
Folge, <strong>das</strong>s sie oft ausgebucht ist.Wer lieber etwas ruhiger<br />
wohnt, kehrt am besten im Ibis-Hotel ein (95, place<br />
Vauban Boulevard d'Antigone, 80 Euro <strong>für</strong> zwei Personen<br />
pro Nacht).<br />
Links<br />
Reise<br />
Montpellier bietet eine faszinierende Mischung<br />
aus modernen internationalen<br />
Einflüssen und dem typischen Charme<br />
einer französischen Küstenstadt.<br />
Olga Katharina Schwarz, 25 Jahre,<br />
Studentin der Germanistik und der<br />
Romanistik, studiert zur Zeit in Paris<br />
(Foto: privat)<br />
www.ge-montpellier.fr<br />
http://de.www.uni-montp1.fr<br />
www.univ-montp2.fr<br />
http://urlaubinmontpellier.wordpress.com<br />
www.billigflugflugnetz.de/montpellier<br />
www.ryanair.com