mit den Be gabungen, die sie empfangen - Evangelische Kirche in ...

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mit den Be gabungen, die sie empfangen - Evangelische Kirche in ...

„ … alle mit den

Be gabungen,

die sie empfangen

haben.“

Geschäftsbericht

2011

Das Diakonische Werk

der EKD im Europäischen

Jahr der Freiwilligen-

tätigkeit


Editorial FotoKunst

00 Editorial

02 Vorwort des Vorstandes

04 Mitten im Leben

06 FotoKunst

„ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

28 Unsere Themen

30 Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier im Gespräch

34 Zukunftsprojekt Fusion

36 Das Ziel: ein starker und gerechter Sozialstaat

38 „Freiwillig engagiert“: Das Jahresthema der Diakonie

39 Viel Bewegung in sozialpolitischen Arbeitsfeldern

44 Diakonie steht für Beratung und Schutz

48 Heimerziehung in der Nachkriegszeit

49 Deutschland als Einwanderungsgesellschaft

51 Kirche findet Stadt

52 Diakonie in der Öffentlichkeit

55 Diakonie und Sozialstaat

58 Engagement für Benachteiligte

63 Der missionarische Auftrag der Kirche

64 An der Seite der Armen und Notleidenden

71 Corporate Social Responsibility

72 Unsere Zahlen

74 Bilanz

76 Gewinn- und Verlustrechnung

77 Lagebericht

92 Birger-Forell-Stiftung

93 Diakonie Texte

96 Organigramm

Diakonie in Zahlen

Bundesverband 1

Landesverbände 19

Fachverbände 71

Hauptamtliche Mitarbeitende 453.000

Ehrenamtliche Mitarbeitende 1 400.000

Anzahl der Einrichtungen 27.100

Plätze in der Jugendhilfe 544.000

Plätze in der Altenhilfe 165.000

Plätze in der Behindertenhilfe 150.000

Mittelverwendung 2010:

„Brot für die Welt“ 76.511.464,43 Euro

Diakonie Katastrophenhilfe 35.509.572,78 Euro

Zahl der Projekte:

„Brot für die Welt“ 1.020

Diakonie Katastrophenhilfe 220

1 geschätzt.

Unsere Themen Unsere Zahlen

Unser Selbstverständnis

Die Diakonie ist die soziale Arbeit der evangelischen Kirchen.

Weil der Glaube an Jesus Christus und praktizierte Nächstenliebe

zusammengehören, leisten diakonische Einrichtungen

vielfältige Dienste am Menschen.

Sie helfen Menschen in Not und in sozial ungerechten Verhältnissen

in Deutschland und weltweit. Sie versuchen,

die Ursachen dieser Notlagen zu beheben. „Diakonie“ leitet

sich vom griechischen Wort für Dienst ab.


Editorial Vorwort des Vorstandes FotoKunst

Vorwort des Vorstandes

„ … alle mit den Begab ungen, die sie empfangen haben.“

(1. Petr. 4,10)

Oberkirchenrat Johannes Stockmeier, Präsident;

Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, Vizepräsidentin.

Foto: Ulrike Pape

2/3

Der diesjährige Geschäftsbericht des Diakonischen Werkes

der EKD ist mit einem Bibelwort aus dem 1. Petrusbrief

überschrieben: „Alle sollen einander mit den Begabungen

dienen, die sie empfangen haben. Setzt sie so ein, dass ihr

euch als Menschen erweist, die mit der vielfältigen Gnade

Gottes gut haushalten können.“ (1. Petr. 4,10)

Wir schließen damit einerseits an das „Europäische Jahr der

Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft

2011“ an und verweisen andererseits auf das Jahresthema

des Diakonie Bundesverbandes: „Da sein, nah sein, Mensch

sein: Freiwillig engagiert“.

Freiwilliges Engagement ist weder aus diakonischen Diensten

und Einrichtungen im Inland noch aus der Arbeit der

Ökumenischen Diakonie wegzudenken. Diakonische Pflege,

Betreuung, Bildung und viele andere Dienste sind im

21. Jahrhundert nur mit den geschätzt 400.000 freiwillig

Engagierten in Diakonie und Kirche in Deutschland vorstellbar.

Freiwillig Engagierte sind ein Garant dafür, dass die

Diakonie ihre Angebote aufrechterhalten und weiterentwickeln

kann. Im Zusammenspiel mit den hauptamtlich Engagierten

sichern sie die Zukunfts fähigkeit der Diakonie.

Das christliche Menschenbild ist wesentlich vom Gedanken

der Freiheit bestimmt. Menschen, die sich freiwillig engagieren,

leben diese Freiheit, indem sie Gestalterinnen und

Gestalter der Solidarität und Gerechtigkeit des Gemeinwesens

sind. Es lohnt sich daher, gemeinsam mit unseren

Mitgliedsverbänden den Beitrag des Freiwilligen Engagements

zum sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft

in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken.

Mit der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes im Jahr

2011 hat unser Jahresthema eine hohe politische Brisanz

entwickelt. Freiwilliges Engagement ist mehr denn je in aller

Munde. Die Diakonie ist aufgefordert, deutlich zu machen,

Unsere Themen Unsere Zahlen

dass Freiwilliges Engagement nicht als Lückenbüßer eingesetzt

werden darf, wenn die Mittel für die Finanzierung sozialstaatlicher

Aufgaben nicht ausreichen oder gekürzt werden.

Hier hat sich der Diakonie Bundesverband angesichts deutlicher

Haushaltskürzungen – etwa in der aktiven Arbeitsmarktpolitik

– dafür starkgemacht, dass die finanziellen Einsparungen

nicht zu Lasten sozial Benachteiligter gehen dürfen.

In der Ökumenischen Diakonie haben wir uns viele Jahre an

den Grundbedürfnissen armer Menschen orientiert. Menschen

brauchen ein Dach über dem Kopf, sie bedürfen Kleidung,

Gesundheit, Bildung. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich

ergänzend dazu eine neue Perspektive durchgesetzt, nämlich

die Ausrichtung an den Menschenrechten: das Recht auf

Nahrung, das Recht auf Bildung und auf Gesundheit – neben

anderen sozialen Menschenrechten. In der Ökumenischen

Diakonie haben wir uns darüber hinaus ein drittes Augenmerk

zu eigen gemacht, so dass wir gerne in einem Dreiklang von

den Bedürfnissen, Rechten und Potenzialen – aller Menschen,

aber besonders der armen Menschen – sprechen. Potenziale –

das sind die Gaben, die alle Menschen empfangen haben

und entfalten wollen. Alle Menschen haben Fähigkeiten und

Talente, Gaben und Begabungen.

Wir unterstützen arme Menschen in den Ländern des Südens

mit dem Ziel, dass sie ihre Potenziale, also ihre Handlungs­

und Gestaltungsmöglichkeiten, entfalten können, so dass

sie selbst für eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse,

für die solidarische Gestaltung ihres Gemeinwesens und die

Umsetzung der Menschenrechte für alle eintreten können.

Alle Menschen haben von Gott Gaben und Begabungen

empfangendiese gilt es zu fördern und zu stärken, damit

die Armen tatsächlich Subjekte ihrer eigenen „Entwicklung“

sein können. Denn: Menschen können nicht entwickelt

werden, sondern können sich nur selbst entwickeln.

Gerechte Verhältnisse zeichnen sich dadurch aus, dass sie

Menschen ein selbstbestimmtes Leben nach eigenen Vorstellungen

ermöglichen, die Verwirklichung ihrer Rechte und

individuellen Möglichkeiten zulassen. Es braucht geeignete

Rahmenbedingungen, damit Menschen ihre Potenziale zur

Entfaltung bringen können. Auch dafür setzen wir uns ein.

„Alle sollen einander mit den Begabungen dienen, die sie

empfangen haben. Setzt sie so ein, dass ihr euch als Menschen

erweist, die mit der vielfältigen Gnade Gottes gut haushalten

können.“ Dieses Motto begleitet auch die Fusion des

Diakonischen Werkes der EKD mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst.

Inzwischen sind große Fortschritte in der

Fusion erzielt worden. Wir sind zuversichtlich, dass das neue

Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung im Oktober

2012 am gemeinsamen Standort Berlin seine Arbeit aufnehmen

wird, um nationale und internationale Diakonie noch

besser miteinander zu verbinden.

Das vergangene Jahr war für den Vorstand des Diakonischen

Werkes der EKD ein Jahr des Wechsels: Klaus­Dieter K. Kottnik,

Kerstin Griese und Dr. Wolfgang Teske sind aus dem Vorstand

ausgeschieden. Sie alle haben mit ihren Begabungen dazu

beigetragen, dass die Stimme der Diakonie als Anwältin für

Menschen in Not und Bedrängnis auch im vergangenen Jahr

deutlich zu hören war.

„Alle sollen einander mit den Begabungen dienen, die sie

empfangen haben. Setzt sie so ein, dass ihr euch als Menschen

erweist, die mit der vielfältigen Gnade Gottes gut haushalten

können.“ Dieses Motto gilt auch für die Autorinnen und

Autoren, Künstlerinnen und Künstler, Fotografinnen und Fotografen,

die mit ihrer Arbeit diesen Geschäftsbericht erstellt

und gestaltet haben. Ihnen ist es zu verdanken, dass Sie

Einblick nehmen können in die vielfältige diakonische Arbeit

des vergangenen Jahres.

Viel Freude bei der Lektüre wünschen Ihnen

Oberkirchenrat

Johannes Stockmeier

Präsident des Diakonischen

Werkes der EKD

Cornelia Füllkrug­Weitzel

Vizepräsidentin des

Diakonischen Werkes

der EKD


Editorial Mitten im Leben FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen

11. Februar 2011: Diakonie-Präsident Johannes Stockmeier in sein Amt eingeführt. 400 Gäste

aus Diakonie, Kirche und Politik waren dabei, als der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider,

Johannes Stockmeier in sein Amt als Präsident des Diakonischen Werkes der EKD einführte (Foto unten rechts). Oberkirchenrat

Stockmeier ist seit 2001 Mitglied im Diakonischen Rat und war zuvor Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Baden.

Der sich anschließende Jahresempfang des Diakonie Bundesverbandes stand unter dem Motto „Da sein, nah sein,

Mensch sein: Freiwillig engagiert.“ Die Festrede hielt Pfarrer Dr. Joachim Gauck (Foto unten Mitte).

Großes Foto: (v. l. n. r.) Präses Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der EKD; Cornelia Füllkrug­Weitzel, Vorstand;

OKR Johannes Stockmeier, Diakonie­Präsident; Dr. Frank O. July, Vorsitzender des Diakonischen Rates; Dr. Wolfgang Teske, Vorstand

Foto unten links: (v. l. n. r.) Dr. Wolfgang Teske; Cornelia Füllkrug­Weitzel; Dr. Joachim Gauck; Johannes Stockmeier.

Fotos: Stephan Röger

12.–14. Oktober 2010: Diakonische Konferenz. Schwerpunktthema

der Konferenz in Karlsruhe war das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut

und sozialer Ausgrenzung. Das „Wort“, das die Kon ferenz dazu verabschiedete,

legt in zehn Schritten dar, wie mehr Gerechtigkeit und soziale Teilhabe erreicht

werden können. Der Vorsitzende des Diakonischen Rates, Landesbischof

Dr. h. c. Frank Otfried July, dankte dem aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen

Präsidenten Klaus­Dieter K. Kottnik. Auf der Sitzung im Oktober wurde

der Termin für die Sonderkonferenz am 9. Dezember in Kassel festgelegt, auf der

Oberkirchenrat Johannes Stockmeier zum neuen Präsidenten gewählt wurde.

Am 16. Juni 2011 haben auf einer weiteren Sonderkonferenz in Bonn das

Diakonische Werk der EKD und die Mitgliederversammlung des Evangelischen

Entwicklungsdienstes eine gemeinsame Satzung verabschiedet. Diese ist

Voraussetzung für die Zusammenführung der beiden kirchlichen Werke an

einem gemeinsamen Standort in Berlin. Das Evangelische Werk für Diakonie

und Entwicklung wird im Oktober 2012 seine Arbeit in Berlin aufnehmen.

v. l. n. r.: Vorstand Kerstin Griese; Bischof Dr. Frank Otfried July; Vorsitzende

der Diakonischen Konferenz Landespastorin Annegrethe Stoltenberg; Vorstand

Dr. Wolfgang Teske; Vorstand Cornelia Füllkrug­Weitzel. Foto: Stephan Röger

Mitten im Leben

Höhepunkte 2010/2011

6. Mai 2011: Grundsteinlegung für das Evangelische Werk für

Diakonie und Entwicklung. „Wir legen heute gemeinsam den baulichen

Grundstein für eine große Chance, die wir mit der Fusion 2008 ergriffen haben.

Ab 2012 werden rund 640 Mitarbeitende in Berlin-Mitte gemeinsam Dienst am

Menschen in Deutschland und in der Welt leisten“, so Tilman Henke, Vorstand

des Evangelischen Entwicklungsdienstes in Gegenwart von etwa 350 Mitarbeitenden

des künftigen Werkes. Auch Handwerker, Bauherr und Architekten sowie

zahlreiche Gäste aus Kirche und Politik waren Zeugen, als die traditionelle Kapsel

mit Urkunden, Bauplänen, Segen der anwesenden Mitarbeitenden und zeithistorischen

Zeugnissen in der Baugrube an der Caroline-Michaelis-Straße

eingemauert wurde.

Diakonie-Präsident OKR Johannes Stockmeier und Vizepräsidentin Cornelia

Füllkrug-Weitzel (Foto rechts oben).

Etwa 350 Mitarbeitende des Diakonischen Werkes der EKD (aus Stuttgart und

Berlin) und des Evangelischen Entwicklungsdienstes (aus Bonn) nahmen an der

Grundsteinlegung teil (Foto rechts). Fotos: Ulrike Pape

1.–5. Juni 2010: 33. Deutscher Evangelischer Kirchentag

in Dresden … unter dem Motto „da wird auch dein Herz sein“, Matth. 6, 21.

Mit dem Diakonischen Quartier, einem Stadtviertel auf Zeit, war die Diakonie

vertreten. In 38 „Häusern“ auf dem Theaterplatz vor der Semperoper illustrierten

Einrichtungen und Dienste der Diakonie Sachsen sowie der Diakonie Bundesverband

die Vielfalt und Lebendigkeit ihrer Arbeit. Das Diakonische Stadtviertel

war ein Ort der Begegnung. Fotos oben: Ulrike Pape

28. November 2010: Eröffnung der 52. Aktion „Brot für die Welt“

in der Wiesbadener Marktkirche. Die 52. Aktion steht unter dem Motto

„Es ist genug für alle da“. „Brot für die Welt“­Direktorin Cornelia Füllkrug­Weitzel

mahnte, eine Milliarde Menschen hungere – Hunger aber werde von Menschenhand

gemacht. Es fehle vor allem in den Industrienationen der politische Wille,

die Ursachen des Hungers zu beseitigen. Bei der Eröffnung der Aktion am

1. Advent stand ein Projekt in Bangladesch im Mittelpunkt: Die Garo, eine christliche

Minderheit im Norden von Bangladesch, leben von der Landwirtschaft.

Doch die Zerstörung ihres Lebensraums bedroht sie in ihrer Existenz.

Foto links: „Brot für die Welt“


„ Manchmal versteckt sich

Lisa so gut, dass ich sie eine

halbe Stunde nicht finde.“

Richard Zeller, 62 Jahre, war vor einem guten Jahr neu in

Berlin mit seiner Partnerin und suchte Anschluss an eine

nette Familie. Lisa (jetzt 5) und Julian (8) waren mit ihren

Eltern auch neu in Berlin und suchten so etwas wie Groß­

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

eltern. Gefunden haben sie sich über das Patenschaftsprojekt

„Die Fünfte Hand“ in Berlin­Köpenick. Ein­ bis

zweimal in der Woche kümmert sich Richard nun um die

Kinder, holt sie von der Schule ab, begleitet sie zum Sport­

Training, liest vor. Seine eigenen vier Töchter sind erwachsen

und leben alle mit ihren Kindern, seinen Enkeln, mehr als

600 Kilometer entfernt von ihm. „Es war von Anfang an

stimmig“, sagt der ehrenamtliche Großvater, und mittlerweile

sei eine richtig gute Freundschaft gewachsen, wo man

auch mal am Wochenende gemeinsam eine Fahrradtour

mache. Der frühere Bildjournalist hofft, dass das noch

lange so bleibt.


Tom Fischer

Fotograf

1998 Diplom Visuelle Kommunikation HDK Berlin

(jetzt Universität der Künste Berlin)

Freie Tätigkeit im Bereich Illustration

und Mediendesign

1999 Art­Direktor bei Litwin, Münich & Partner

2000 Art­Direktor bei BBDO Berlin GmbH

2005 Kreativ­Direktor bei BBDO Berlin GmbH

2008 Seither freier Fotograf in Berlin

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FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

Kurz den Alltag anhalten

Die Visualisierung des Themas „Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit“

war für alle Beteiligten seitens der Diakonie,

der betreuenden Agentur und mich eine Herausforderung:

angesichts der Fülle der Tätigkeitsfelder, der Vielzahl der

Freiwilligen und nicht zuletzt der Problematik, dass die „Freiwilligkeit“

einer Tätigkeit sich sowieso nicht bildlich festhalten

lässt. Übrig blieb, von redaktioneller Herangehensweise bis

zur abstrakten Übersetzung des Themas, die Idee, exemplarisch

einige freiwillige Helfer zu porträtieren, jeweils mit einer

Person, die mit ihrer Tätigkeit in Verbindung steht und die sie

ohne ihre Entscheidung zu einer freiwilligen Arbeit nie kennengelernt

hätten. Die daraus entstandenen Verhältnisse und

emo t io nalen Bindungen der Personen zueinander haben mich

sehr beeindruckt. Ihre Beweggründe waren sehr unterschiedlich,

doch immer positiv gerichtet in die Zukunft: in die eigene,

die der anderen, des Stadtteils, der Kinder oder der Gesellschaft

im Allgemeinen.

Durch meine langjährige Tätigkeit im werblichen Bereich verspüre

ich oft eine leichte Abneigung gegen eine inszenierte

Fröhlichkeit, die in Verbindung mit einem Nachstellen der

täg lichen Routine oder symbolhafter Gesten einer Tätigkeit

eine vermeintlich authentische Welt vorspielen will. Plakativität

und das Bedienen von Klischees sind zu oft Stilmittel einer

Kommunikationswelt, die ungefragt auf uns einprasseln. Die

Entscheidung, die zu porträtierenden Personen einfach in

den Raum zu stellen oder zu setzen, stellte sich dagegen

als eine für alle Beteiligten sehr angenehme Vorgehensweise

heraus. Die meisten waren überaus erleichtert, sie selbst sein

zu dürfen, den Alltag kurz anzuhalten, meinen Anweisungen

zu folgen und den technischen Aufwand mit Lampen und

Stativen als einen Moment der Wertschätzung ihres Engagements

genießen zu können.


„ Ich war mit 14 auch ein Chaot.

Jetzt versuch ich den Jungs

zu zeigen, wann es Zeit ist, die

Kurve zu kriegen.“

Hassan, 23 Jahre, und sein Bruder Ahmad, neun Jahre, im

Jugendprojekt Bethania e. V. in Moabit. Sechsmal in der

Woche kommt Hassan und kümmert sich um Kinder und

Jugendliche, die hier nachmittags Beschäftigung, Freunde,

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

Vertrautheit und Hilfe bei den Hausaufgaben bekommen.

Hassan ist aus dem Libanon. Geboren in Berlin, war er 2006

aus gerechnet zu dem Zeitpunkt dort, als das Land bombardiert

wurde. „Ich habe richtigen Krieg erlebt, musste

flüchten wie die anderen“, erzählt er. In Bethania hat er einen

Fußball verein aufgemacht, da spielen auch Mädchen mit.

Zurzeit hat Hassan Bewerbungen laufen, nach zweijähriger

Ausbildung zum Sozialassistenten. Aber er wird weiter

hierherkommen. Denn die Kinder fragen sofort nach ihm,

wenn er mal nicht da ist: „Wo ist Hassan, wo ist Hassan?“

„Da fühle ich mich richtig geehrt und angenommen durch

die Kinder“, sagt er ein bisschen stolz.


„ Zuerst hat es ein bisschen ge dauert, das Vertrauen von Marvin zu

gewinnen. Am Schluss wollte er mich gar nicht mehr loslassen.“

Marvin, 17 Jahre, der seit frühester Kindheit an der Autismus­Spektrum­Störung

leidet, spricht nie, sagen seine

Betreuer. Aber er tanzt gern, und nicht einen Schritt geht er

ohne seine Schirmmütze – die ist sein Marken zeichen.

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

Seit 2007 nutzt er regelmäßig das vielfältige ambulante

Angebot des Familienentlastenden Dienstes der Stephanus­

Werkstätten in Bad Freienwalde. Sehr gern und ganz angstfrei

reitet er dort auch, aber nie mehr als drei Stunden. Anne

Schmidt, 18 Jahre, die sich hier seit einem Jahr ehrenamtlich

engagiert, hält Marvin die Longe. Sie will nach dem

Abitur schauen, wie Sozialarbeit in den USA aussieht, und

danach Sonderpädagogik studieren. Es sei immer wieder

„faszinierend, wie wenig es bedarf, um behinderte Kinder

durch die Ver mitt lung von Wohlbefinden und Freude zu

erreichen und gemeinsam Fortschritte zu erleben“, sagt sie.


Ilse Wroblewski, 63 Jahre, und der zwölfjährige Leon sind

inzwischen ein vertrautes Team. Seit Beginn des Jahres

wohnt Leon an sieben oder acht Tagen im Monat bei

Ilse Wroblewski wie ein eigener Enkel. Immer dann, wenn

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

seine Mutter, die Stewardess ist, ihn nicht selbst versorgen

kann. Kennengelernt haben die beiden sich über das

Diakonie­Patenschaftsprojekt „Die Fünfte Hand“ in Berlin­

Köpenick. „Die Chemie stimmt hundertprozentig“, sagt

„ Ich muss ihn morgens um

fünf aus dem Bett schmeißen.

So früh aufstehen ist nicht

jedermanns Sache – meine

auch nicht.“

die Ehrenamtliche. Leon freue sich immer auf die Tage mit

ihr, dann aber auch wieder auf die Zeit mit seiner Mutter.

„Ein sehr interessanter Junge ist das“, sagt Ilse anerkennend.

Hochintelligent, ganz ausgefallene Interessen habe

er, zum Beispiel wisse er alles über die Berliner Verkehrssysteme,

habe ein Faible für alte Technik. Leon besucht

in Köpenick die 7. Klasse eines Gymnasiums.


„ Ich kann denen den Mut

am Leben geben …“

„Der Damien ist pfiffig, flink und gewitzt“, sagt Sven Plein

über seinen achtjährigen Schützling mit Downsyndrom.

Und es sei das Größte für ihn, wenn sich mal einer ganz

allein mit ihm beschäftigt. Sven Plein, 31 Jahre, tut das

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

ehrenamtlich zwei­ bis dreimal die Woche. Sven Plein war

mitten in seiner Zimmermannsausbildung, als er vor 13 Jahren

durch einen Motorradunfall einen Unterschenkel verlor.

Danach gelang es ihm, eine Tischlerlehre abzuschließen.

Vor kurzem aber entschloss er sich, eine Ausbildung zum

Heiler ziehungspfleger zu machen. Nach seinem Unfall habe

er sehr unter den danach spürbaren Einschränkungen und

Ausgrenzungen gelitten. Da gab es Menschen, die ihm Kraft

gegeben und über Hürden geholfen haben. „Jetzt will auch

ich anderen den Mut am Leben geben“, sagt er, nun sollen

andere von seinen positiven Erfahrungen profitieren, „das ist

eine ganz starke Motivation.“


„... da fühlt er sich wie auf Wolken“, erklärt Katrin Klinger.

„Es ist einfach sein Element!“ Und deshalb steigt die junge

Ehrenamtliche regelmäßig mit ihm – meist zusammen mit

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

anderen Kindern – in das Schwimmbecken der Stephanusstiftung

in Bad Freienwalde. Katrin Klinger, 21, kommt, sooft

es ihre Ausbildung zur Erzieherin zulässt. Der 13­jährige

„ Das Wasser ist sein

ganzes Glück …“

Paul mit seiner Gehbehinderung ist ihr ans Herz gewachsen,

ein sehr hilfsbereiter Junge mit Epilepsie, der sich

liebevoll und umsichtig um andere kümmert. „Wenn ich

die Kinder nicht regelmäßig sehe, fehlt mir was!“, sagt

Katrin Klinger.


Termine für den Besuch ihrer Schützlinge macht Gisela

Bruchmann, 66 Jahre, ungern. Sie kann ja nicht garantieren,

dass ihr nicht doch einmal was dazwischenkommt, und

dann ist die Enttäuschung groß. Frau Bruchmann kennt

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

Gerda Wentzel, 91 Jahre, bereits eine geraume Zeit. Seit

Jahren begleitet sie sie nun schon durch ihr Leben. Als die

alte Dame aus ihrem Häuschen in eine kleinere Wohnung

umzog, war sie dabei und sie besucht sie genauso häufig,

„ Wenn man da ist, ist man da.“

seit sie im Elisabeth­Seniorenzentrum Bergfelde lebt. Ab

und zu hat sie dann die viermonatige quirlige Laika dabei.

„Mir ist es wichtig, dass ich immer frischen Wind und

gute Laune mitbringe“, schmunzelt sie. So, hofft Frau

Bruchmann, kann sie den besuchslosen Alltag von Frau

Wentzel ein wenig aufheitern und erhellen.


„ Im Grunde genommen

arbeiten wir daran,

uns selbst abzuschaffen.“

„Viele der Frauen begleiten wir seit Jahren, wir merken,

wenn sie offen sind für Veränderung, und dann versuchen

wir, sie zu unterstützen“, erzählt Gerhard Schönborn,

49 Jahre, seit acht Jahren ehrenamtlich für „Neustart e. V.“

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

in Berlin tätig, dessen Vorsitzender er ist. Die Motivation für

seinen hohen Einsatz beschreibt Schönborn – der Politik

studierte und unter anderem Büroleiter im Bundestag war –

schlicht mit „christliche Nächstenliebe“. Und so bringt er den

Prostituierten auf dem Berliner Straßenstrich in der Kurfürstenstraße

nachts Tee und Süßigkeiten, begleitet Frauen zum

Gericht, zur Arbeitsagentur und macht Besuche im Gefängnis.

Es sind Frauen aus der Armuts­ und der Beschaffungs­

prostitution, Frauen, die mit dem hier verdienten Geld die

Familie in Osteuropa ernähren, und Frauen, die Opfer von

Menschenhandel sind. „Seit ich bei Euch reinkomme, denk

ich über Gott nach“, sagen sie manchmal im Café Neustart.


„Als ich mit 65 als Kunsthistorikerin in Rente ging, hab ich

zuerst gedacht, ich kann irgendwie in dem Bereich weiterarbeiten.“

Aber dann ist Aune Renk, 77 Jahre, die schon

zuvor 30 Jahre Mitglied in der Marienkantorei war, von der

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

Organisatorin der Suppenküche in der Marienkirche darum

gebeten worden, sie zu unterstützen, und kurz darauf fiel die

Verantwortung ganz an sie. Jeden zweiten Sonntag ist sie

seither dort, wenn die Gäste ab 14 Uhr zum Essen kommen.

„Wir sind eine richtige Tischgemeinschaft – um die 100 Menschen“,

sagt sie. Jedes Mal ist auch die 89­jährige Margarethe

dabei. Arm ist sie, hat früh ihren Mann und danach alle drei

Söhne verloren. Trotzdem sei sie immer gutgelaunt, „ein

„ Ich fahre jeden

Sommer ins

Klos ter, meinen

Heiligenschein

polieren. Der

nutzt sich dann

im Laufe des

Jahres wieder

ab.“

echtes Berliner Original“. In der Woche begleitet Aune Renk

Menschen auf Ämter und unterstützt sie bei anderen

Erforder nissen des täglichen Lebens. Und Aune Renk begleitet

Sterbende. Ihre Energie scheint unerschöpflich.


Christel Nötzold, 66 Jahre, Rentnerin, war früher Verkäuferin.

Sie kannte und betreute Ursula Schulze, 95 Jahre,

schon in deren Wohnung, bevor diese dann in das Elisabeth­Seniorenzentrum

Bergfelde umzog. Die Vorstellung,

FotoKunst „ … alle mit den Begabungen, die sie empfangen haben.“

Frau Schulze nun im Heim zu besuchen, war Frau Nötzold

erst fremd. Aber sie ist, wie sie sagt, schnell in die neue

Situation hineingewachsen. Und nun profitieren auch viele

andere Bewohner von ihren Besuchen bei Frau Schulze

„ Häufig erzählt man mir mehr

als der eigenen Familie.“

im Seniorenzentrum. Mit vielen plaudert sie kurz oder umarmt

sie einfach. „Mehr ist manchmal nicht nötig, um ein Lächeln

bei den Bewohnern hervorzurufen.“ Den Bewohnern das

Gefühl zu geben, dass sie sich richtig für diese und ihr Leben

interessiert, steht für Frau Nötzold im Mittelpunkt ihrer

ehrenamtlichen Arbeit.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen

Unsere Themen Diakonie im

Europäischen Jahr

der Freiwilligen-

tätigkeit


Editorial FotoKunst Unsere Themen Johannes Stockmeier im Gespräch Unsere Zahlen

Hoffnung darauf, dass wir in der Diakonie eine

gute Adresse sind für Gottes Sache in unserer Welt

Diakonie­Präsident Johannes Stockmeier im Gespräch

30/31

Am Steuer eines großen Sozialver bandes zu stehen in

global und national wirtschaftlich instabilen, in fordernden

Zeiten – was daran ist schön, was daran ist schwierig?

Schön ist an dieser Aufgabe die Reichweite der Verantwortung,

die national und inter national beispielsweise in der Armutsfrage

erkennbar wird. Schwierig ist all das, was mit der Komplexität

und dem Management der Komplexität zu tun hat.

In der Armutsfrage etwa wird deutlich, dass wir nicht nationale

Antworten auf die Herausforderungen geben können, denen

wir gegenüberstehen, ohne den inter nationalen Kontext der

Armutsfrage mit im Blickfeld zu behalten.

Sie kennzeichnen sich selbst als jemanden, der schon

immer – geprägt durchs Elternhaus und auch als Pfarrer –

für die sozial Schwachen, Benachteiligten eingetreten ist.

Deren Zahl und die der Problemlagen wird ja nicht kleiner:

Ist das nicht frustrierend?

Es ist schade, dass wir hier keine andere Entwicklung haben.

Frustrierend heißt ja vergeblich – und als vergeblich betrachte

ich daran gar nichts, sich auch heute dafür einzusetzen, dass

sich die wachsende Zahl der Menschen in schwierigen Lebensverhältnissen

in ihrer Situation nicht alleingelassen fühlt.

Sie leben ständig mit dem Zielkonflikt, dass Sie für eine

Interessengruppe – sagen wir Langzeit arbeitslose, behinderte

Menschen, Hartz­IV­Empfänger – Forderungen

stellen möchten und gleichzeitig wissen, dass der staatliche

Geldtopf endlich ist und es viele weitere berechtigte

Forderungen an Zuteilung gibt – wie geht man mit diesem

Wissen um?

Demokratisch! Dafür haben wir ja unsere Form des Sozialwesens

im Grundgesetz geordnet, dass genau die verschiedenen

Positionen und Ziele sich miteinander ins Gespräch

begeben und dann hart darum gerungen wird, wofür Ressourcen

zur Verfügung stehen – nur, das muss man auch sagen:

In unserem Land muss jedem klar sein, dass sich nicht alle

Ziele gleichzeitig erreichen lassen. Und das veranlasst uns

dann in der Freien Wohlfahrtspflege, für die Interessen derer

einzutreten, für die wir da sind.

Wohlfahrtsverbände haben vom Staat die Verantwortung

übertragen bekommen, sich um die vielfältigen Anliegen

von Menschen zu sorgen, dafür starkzumachen, die in

irgendeiner Weise benachteiligt oder bedürftig sind. Wie

sichern sich diese Verbände auf dem politischen Parkett

und in der Öffentlichkeit am ehesten ihre Glaubwürdigkeit,

damit sie auch weiterhin Gehör finden?

Die Frage nach der Vertrauenswürdigkeit wird Tag für Tag

durch die beantwortet, die unsere Dienste in der Freien

Wohlfahrtspflege in Anspruch nehmen. Das, denke ich,

ist ausschlaggebend. Und wir haben Regelungen und

Verfahren – von der Transparenz angefangen bis zum

Umgang mit ethischen Standards, die wir am Evangelium

messen müssen, um weiter am Vertrauen zu arbeiten.

Ethische Standards – welche wären die wichtigsten?

Das fängt damit an, dass wir kein gewinnorientiertes Unternehmen

sind, sondern dass wir das, was an Er trägen erwirtschaftet

wird, einsetzen zum Wohl der Menschen, für die

die Arbeit getan wird.

Oberkirchenrat Johannes Stockmeier,

Präsident des Diakonischen Werks der EKD

Die Diakonie hat zusammen mit der Caritas Transparenzstandards

erarbeitet – wie ist Ihr Eindruck: Reichen sie

aus, um künftig im Haus der Diakonie eine transparente

Situation zu erhalten?

Ich glaube, dass wir insgesamt gesehen mit unseren Transparenzrichtlinien,

mit unserem Corporate Governance Codex

gute Rahmenbedingungen aufgestellt haben, die eine klare

Orientierung geben. Systeme allein sind jedoch nie ausreichend.

Es kommt immer auf die handelnden Personen an, die

sich innerhalb der Systeme mit ihrer Verantwortung bewegen.

Ich bin guter Zuversicht, dass wir in der Diakonie mit dieser

Verantwortung auch wirklich in Verantwortlichkeit umgehen.

Es werden seit einigen Jahren immer wieder öffentlich

Grundpfeiler der kirchlichen Wohlfahrtsverbände in Frage

gestellt, Stichwort Gemeinnützigkeit und Dritter Weg.

Warum ist es so wichtig, für den Erhalt dieser Bedingungen

einzutreten?

Weil unser Sozialstaat daran hängt, dass wir die Organi sationen

der Freien Wohlfahrtspflege haben. Ohne sie würde

unser Sozialsystem nicht funktionieren. Deswegen brauchen

wir mit dieser Herausforderung überhaupt nicht defensiv

umzugehen, sondern gehen den Weg weiter, den wir auch

bislang zum Wohl unseres Gemeinwesens beschritten haben.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Johannes Stockmeier im Gespräch Unsere Zahlen

Sind Sie guter Zuversicht, dass die Wohlfahrtsverbände

erfolgreich sein werden?

Ich zweifle überhaupt nicht daran, dass wir in der derzei tigen

Konstruktion genügend Entwicklungspotenziale und den Willen

zur Veränderung haben, um das nach vorn zu bringen und

damit in die Zukunft zu gehen. Wir sind nun mal in der Komplexität

des Sozialstaates der Bundesrepublik Deutschland

und des Sozialstaatsgebotes die jenigen, die gut wissen, wie

sie sich gemeinsam und im Namen der Menschen, die uns

brauchen, für deren Wohl einsetzen können.

In den sozialpolitischen Auseinandersetzungen spielen

die Medien eine wichtige Rolle. Was nehmen Sie wahr:

Sind sie der Diakonie generell eher freundlich, wohlwollend

gesinnt oder eher kritisch?

Das ist keine Alternative, es geht um beides. Sie sind uns

dann freundlich gesinnt, wenn sie sehen, welche Leistungen wir

erbringen. Es ist schon deutlich zu merken, dass Besuche in

Einrichtungen, Begegnungen mit Menschen mit Behinderungen,

Begegnungen auch im Krankenhaus oder in Altenhilfeeinrichtungen

Medienvertreter überzeugen: Hier ist Diakonie

eine gute Adresse, hier wird etwas getan, was anderswo so

nicht getan wird. Und wenn die Presse kritisch mit uns umgeht,

ist das etwas, was ich als Nutzer der Medien selbst

durchaus erwarte. Insofern ist das für mich kein Gegensatz,

sondern es gehört zusammen.

Wird in den Medien ausreichend gesehen und kenntlich

gemacht, was Sie vorhin sagten: Ein Staat ohne funktionierendes

Wohlfahrtssystem, das würde nicht gehen?

Ich vermute, dass die Komplexität unserer sozialstaatlichen

Regelungen da und dort die Medien in Bezug auf adäquate

Darstellung an den Rand bringt. Die Dinge sind wirklich so

vielschichtig, dass es schwer wird, dies in einzelne kurze

Texte oder in kurze Spots im Fernsehen zu übersetzen. Auf

der anderen Seite bin ich der Auffassung, dass die Medien im

Großen und Ganzen mit der Verantwortung sehr fair umgehen,

die wir bei der Wahrnehmung unserer Aufgaben haben.

32/33

Die großen Wohlfahrtsverbände verfolgen alle ähnliche

oder gleiche Ziele – sind sie dabei eher Konkurrenten

oder Partner, die sich gegenseitig unterstützen, weil sie

gegenüber dem Staat mit einer Stimme sprechen und

auch sprechen wollen?

Auch hier gilt beides: Wir sind auf der einen Seite glas klar

Konkurrenten am Markt, um in unseren Einrichtungen Menschen

so zu begleiten, wie es uns wichtig ist. Es ist unbestreitbar,

dass wir hier als Konkurrenten gegenein ander antreten,

etwas, was die Sozialgesetzgebung ausdrücklich auch so

wünscht. Auf der anderen Seite sind wir selbstverständlich

Partner, alle gleichermaßen den hilfe bedürftigen Menschen

verpflichtet. Und wir formulieren gemeinsame Anforderungen

an die Entwicklungen in der Politik. Dazu dient uns insbesondere

auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege,

deren Präsident ich seit dem 1. April 2011 bin.

Um ein paar Schlaglichter auf die Arbeit der Diakonie

zu werfen – umreißen Sie doch bitte in aller Kürze zu

folgenden Stichworten die Positionen oder Problemlagen

und die Forderungen der Diakonie: Stichwort

Langzeit arbeitslose …

Wir kommen nicht umhin, einen dritten Arbeitsmarkt zu

etablieren, um denjenigen, die am ersten Arbeitsmarkt nicht

mehr vermittelbar sind, eine langfristige Beschäftigungsperspektive

zu geben.

Asyl­ und Migrationspolitik …

Die Politik wacht langsam auf und sieht, dass wir an der Stelle

den bisherigen Kurs nicht mehr fortsetzen können. Wir brauchen

alle Migranten, müssen sie befähigen, damit sie uns in

der Bewältigung unserer Zukunftsaufgaben zur Seite stehen

können.

Umsetzung der UN­Behindertenrechtskonvention …

Der große nationale Aktionsplan macht deutlich, wie weitreichend

die Anstrengungen sind. Das ist ein guter Anfang.

Wir werden aber viel Arbeit – intern und extern – damit haben,

diese Konvention auch umzusetzen.

Mutter­Vater­Kind­Kuren …

Die Überforderung der Familien nimmt erkennbar zu. Deswegen

macht es deutlich Sinn, an diesem Instrument der Stützung

und Stärkung von Familien weiterzuarbeiten und diese Kuren

beizubehalten.

Die Diakonische Konferenz des Diakonischen Werkes

der EKD und die Mitgliederversammlung des Evangelischen

Entwicklungsdienstes haben im Juni 2011 in Bonn

für das neue Evangelische Werk für Diakonie und Entwicklung

eine gemeinsame Satzung zur geplanten Fusion

verabschiedet. Worin liegen die besonderen Chancen,

wenn ab Herbst 2012 die evangelische Entwicklungsarbeit

und die inländische Sozialarbeit der Diakonie ganz eng

zusammenarbeiten?

Wir finden jetzt eine gemeinsame Form in einem neuen Verein,

um alle Aspekte zusammenzuführen. Der Diakonie Bundesverband

war mit seiner Aktion „Brot für die Welt“ schon immer

national und international aufgestellt. Ich sehe vor allem einen

Vorteil darin für die Partner, die wir in ihrer Arbeit unterstützen

wollen. Gerade wenn es um Projekte in den Ländern der

Zweidrittelwelt geht, brauchen sie sich künftig nicht mehr

mit zwei Organisationen ausein anderzu setzen, sondern wir

haben die Fachleute im Haus, die von beiden Seiten – „Brot

für die Welt“ und dem Evangelischen Entwicklungsdienst – her

die künftige Projektarbeit begleiten und damit auch erleichtern.

Können Sie Beispiele nennen, wo die Zusammenarbeit

ganz besonders relevant werden wird?

Wenn Sie zum Beispiel auf die Begleitung von Kontinenten

und Ländern schauen: Das Afrika­Referat wird künftig aus

einer Hand gemacht und die Arbeit von da aus begleitet.

Das gilt sowohl für die Projekte, die spendenorientiert sind,

als auch für die, die mit Mitteln des Bundes ministeriums

für wirtschaftliche Zusammenarbeit finanziert werden.

Es war ein mutiges Vorhaben, dieses gewaltige Projekt

anzugehen – welche Reaktionen hören Sie bei Ihren

politischen Gesprächspartnern?

Es wird deutlich wahrgenommen, dass das neue Evan gelische

Werk für Diakonie und Entwicklung sich in der Mitte von Berlin

etablieren wird. Es wird wahrgenommen, dass wir dort ab

Herbst 2012 mit etwa 640 Mitarbeitenden im politischen Berlin

mit neuer Gewichtung auftreten werden.

Wenn Sie wie im Märchen drei Wünsche frei hätten –

was würden Sie wünschen?

Die Diakonie ist kein Märchen, insofern gibt es hier täglich

harte Arbeit, viel Zuversicht und vor allem die Hoffnung

darauf, dass wir in der Diakonie eine gute Adresse sind für

Gottes Sache in unserer Welt.

Das war ein Wunsch …

Der zweite Wunsch ist der, dass es uns gelingt, immer wieder

Mitarbeitende für die vielen Arbeitsfelder in der Diakonie zu

gewinnen und ihnen ein verlässlicher Arbeitgeber zu sein. Und

der dritte Wunsch ist für mich, dass das, was die Kraft der

Hoffnung im Evangelium ist, uns gerade in vielen Schwierigkeiten

immer wieder so erreicht, dass wir unsere Arbeit

gerne tun.

Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Das Gespräch führte Barbara­Maria Vahl.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Zukunftsprojekt Fusion Unsere Zahlen

Zukunftsprojekt Fusion

Die wichtigsten Hürden sind

genommen

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Neubau angemietet und Satzung erstellt

Der Zusammenschluss des Diakonischen Werkes der EKD

mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst ist in entscheidender

Weise vorangekommen. Nach der endgültigen Entscheidung

zur Anmietung des Neubauprojektes in der

Caroline­ Michaelis­Straße und der Vertragsunterzeichnung

mit der Hochtief Projektentwicklung GmbH im Dezember

2010 konnte der Termin der Betriebsstättenverlagerung auf

den 1. Oktober 2012 festgelegt werden. Damit war es möglich,

an der Planung eines frühen Umzugstermins fest zuhalten.

An diesem Termin orientieren sich jetzt alle weiteren

Fusions prozesse.

Im Verlauf der Erstellung einer Satzung des neuen Werkes

fand im Oktober 2010 die erste Lesung des Satzungstextes

statt. Bei einer grundsätzlichen Zustimmung blieben noch

Punkte offen, die in einem vereinbarten Verfahren geklärt

werden konnten. Am 16. Juni 2011 fand auf dieser Grundlage

eine abschließende Lesung in der Diakonischen Konferenz

und zeitgleich in der Mitgliederversammlung des Evangelischen

Entwicklungsdienstes statt. Die Zustimmung zum Satzungsentwurf

erfolgte ohne Gegenstimmen.

Parallel zur Satzung wurden Entwürfe für die Mitgliedschaftsordnung,

die Wahlordnung für die Konferenz für Diakonie

und Entwicklung und für den Aufsichtsrat erarbeitet. Eben ­

so wurden die Geschäftsordnungen für den Ausschuss Entwicklungsdienst

und humanitäre Hilfe und den Ausschuss

Diakonie sowie die Beitragsordnung erarbeitet. Auch diesen

Ordnungen wurde auf der Sondersitzung der Diakonischen

Konferenz und der Mitgliederversammlung des Evangelischen

Entwicklungsdienstes zugestimmt.

Weiterhin wurde der Entwurf eines Kirchengesetzes für das

neue Werk vorbereitet, um das bestehende Kirchengesetz

über das Diakonische Werk der EKD abzulösen. Dieses

Kirchengesetz soll im November 2011 von der Synode der

EKD beschlossen werden.

Wichtig für den Fusionsprozess ist, dass das Diakonische

Werk der EKD zum 31. Dezember 2010 aus der Versorgungsanstalt

des Bundes und der Länder (VBL) ausgeschieden ist.

Damit wurde eine notwendige Voraussetzung für eine gemeinsame

Zusatzversorgung der Mitarbeitenden des neuen Werkes

in der Evangelischen Zusatzversorgungskasse Darmstadt

geschaffen.

Grundsteinlegung am 6. Mai 2011. V. l. n. r.: Niederlassungsleiter von Hochtief Carsten Sellschopf‚ Architekt Heinz Mornhinweg‚

Diakonie­Präsident Johannes Stockmeier‚ Vorstand EED Tilman Henke‚ Bischof Markus Dröge‚ Vizepräsidentin Cornelia Füllkrug­Weitzel‚

Vorstand EED Dr. Claudia Warning. Foto: Ulrike Pape

Sozialplan seit dem 1. August 2010 in Kraft

Nach Zustimmung der Gremien auf Dienstgeber­ und Dienstnehmerseite

trat am 1. August 2010 der Sozialplan in Form

von zwei Dienstvereinbarungen in Kraft. Am 2. Dezember

2010 konstituierte sich der Sozialplanausschuss, der für die

Auslegung des Sozialplans und für die Regelung von Härtefällen

zuständig ist.

Die zukünftige Struktur und die Arbeitsweisen im neuen Werk

werden in fünf Einzelprojekten erarbeitet. Die Einzelprojekte

sind mit Mitarbeitenden der fusionierenden Werke besetzt.

Nach vorbereitenden Analysen wurde in den drei Einzelprojekten

Entwicklungsdienst, Service und Bundesverband die Beschreibung

der Aufbauorganisation erarbeitet. Auf der Grundlage

der Aufbauorganisation und eines Stellenplanes können

dann die Personalentscheidungen getroffen werden. An die

Beschreibung der Aufbauorganisation wird sich die Erarbeitung

der Ablaufprozesse anschließen.

Mitarbeitende begegnen sich

Im Mai 2011 trafen sich über 300 Mitarbeitende aus Stuttgart,

Bonn und Berlin zu inhaltlichen Diskussionen und nahmen

am 6. Mai an der Grundsteinlegung des neuen Gebäudes in

der Caroline­Michaelis­Straße teil, die ein weiterer Meilenstein

im Fusionsprozess war. Ebenfalls im Mai startete das Einzelprojekt

„Arbeitsaufnahme“ in Berlin. Dieses Einzelprojekt

wird den Umzug der Dienststelle und der Mitarbeitenden

vorbereiten. Dazu gehören die Versorgungsinfrastruktur, die

Raumplanung und die Sicherstellung der Arbeitsfähigkeit in

der Übergangsphase.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Ein starker und gerechter Sozialstaat Unsere Zahlen

Das Ziel: ein starker und

gerechter Sozialstaat

Politikgestaltung muss strukturell

stärker Interessen der

armen und benachteiligten

Menschen berücksichtigen

Die zurückliegenden Monate waren geprägt von bundespolitischen

Weichenstellungen zur Bewältigung der Wirtschafts­

und Finanzkrise und der Konsolidierung öffentlicher Haushalte.

Anliegen des Diakonie Bundesverbandes in dieser

Zeit war und ist es, sich dafür einzusetzen, dass die Sanierung

der Bundesfinanzen nicht sozial unausgewogen gestal ­

tet wird. Die Lasten der wohl schwersten Wirtschafts­ und

Finanzkrise der Nachkriegsgeschichte dürfen sich nicht mit

ungeminderter Wucht bei den schwächsten Teilen der Gesellschaft

niederschlagen. Vielmehr müssen die Interessen und

Bedürfnisse armer und sozial benachteiligter Menschen in

der Politikgestaltung deutlich stärker Berücksichtigung finden.

Ein starker und auf allen föderativen Ebenen solide finanzierter

Sozialstaat muss der Garant dafür sein, dass Armut strukturell

und nachhaltig bekämpft und so möglichst weitgehend

verhindert wird.

Mit dieser Perspektive hat der Diakonie Bundesverband

die Sozial­ und Gesundheitspolitik mit Stellungnahmen und

Veranstaltungen, in politischen Hintergrundgesprächen in

Parlament und Ministerien und mit öffentlichen Äußerungen

kritisch begleitet.

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Ausbau einer beitragsfreien Bildungs­ und

Teilhabekultur für Kinder nötig

Besonders intensiv beschäftigt hat die Diakonie die Umsetzung

des Bundesverfassungsgerichts­Urteils vom 9. Februar

2010 zur Neuberechnung der Regelsätze in SGB II, SGB XII

(„Hartz IV“). Die im Februar beschlossene Neuregelung blieb

sowohl in der Regelsatzhöhe als auch in der geforderten

Transparenz der Berechnung weit hinter den Erwartungen der

Diakonie an die Reform der Grundsicherung zurück. Armut

von Kindern und Jugendlichen wird weiterhin eines der drängendsten

Probleme in Deutschland bleiben. Der Ausbau einer

weitgehend beitragsfreien sozialen und Bildungs­ und Teilhabe­Infrastruktur

ist eine Hauptforderung der Diakonie. Auf

diese Weise kann ein wesentlicher Beitrag zur Teilhabe von

allen Familien mit geringem oder ohne Einkommen gewährleistet

werden.

Auch auf die Migrationspolitik hat die Neuregelung der Regelsätze

im SGB II Auswirkungen: Die Bundesregierung musste

im November 2010 im Bundestag einräumen, dass das Asylbewerberleistungsgesetz,

dem Asylsuchende und Geduldete

sozialrechtlich unterfallen, in seiner jetzigen Form den Anforderungen

des Urteils des Bundesverfassungsgerichts nicht entspricht

und die Leistungen deshalb überprüft werden müssten.

Der Diakonie Bundesverband kritisiert unter anderem die

deutlich zu niedrigen Leistungen, die Sachleistungen und die

eingeschränkte medizinische Versorgung. Er wird den anstehenden

Gesetzgebungsprozess kritisch begleiten: Die will ­

kür liche, migrationspolitisch begründete Einschränkung von

Sozial­ und Gesundheitsleistungen für Asylsuchende und

Geduldete ist für die Diakonie nicht hinnehmbar.

Kritisch äußerte sich die Diakonie auch in einem anderen migrationspolitischen

Feld: Sie veröffentlichte in der politischen

Diskussion um das Richtlinienumsetzungsgesetz, das unter

anderem die europäische Rückführungsrichtlinie in deutsches

Recht umsetzt, ein Positionspapier zur Abschiebungshaft in

Deutschland. Aus diakonischer Sicht darf das staatliche Interesse

an der Vollstreckung einer Abschiebung das Grundrecht

auf persönliche Freiheit des Einzelnen nicht überwiegen.

Bessere Ausbildungs­ und Arbeitsmarktintegration

gefordert

Nach dem Willen der Bundesregierung ist die Arbeitsmarktpolitik

ebenfalls dazu ausersehen, einen erheblichen Sparbeitrag

zu leisten. Nicht Einsparziele der Haushaltspolitik in

Milliardenhöhe sollten jedoch die Neugestaltung der arbeitsmarktpolitischen

Instrumente bestimmen, sondern eine bessere

Ausbildungs­ und Arbeitsmarktintegration muss der

Maßstab sein. Die deutlichen Kürzungen führen dazu, dass

Menschen Wege aus der Arbeitslosigkeit verbaut werden

dies betrifft vor allem Langzeitarbeitslose – und gerade diejenigen,

die ohnehin schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt

haben, weiter benachteiligt werden.

In der Gesundheitspolitik stand mit der ambulanten ärztlichen

Versorgung ein Thema mit dringendem politischem Handlungsbedarf

auf der Tagesordnung. Die gesundheitliche Versorgung

in strukturschwachen ländlichen Regionen muss

neu gedacht werden, soll es nicht in einigen Jahren zu erheblichen

Versorgungsengpässen kommen. Der Diakonie Bundesverband

hat in diese Diskussion vor dem Hintergrund der

Praxiserfahrungen in den komplementären Arbeitsfeldern –

Krankenhaus, Altenhilfe, Behindertenhilfe – die Erfordernisse

der Versorgung schwer chronisch kranker, pflegebedürftiger

und behinderter Menschen eingebracht, die ganz besonders

in ländlichen Regionen vor großen Schwierigkeiten stehen.

Die Reform der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen

ist mit dem Anspruch verbunden, die Gewährung

von Leistungen nicht mehr an einer Institution, sondern am

tatsächlichen Bedarf der leistungsberechtigten Personen zu

orientieren. Der begrüßenswerte personenzentrierte Ansatz

stellt das System der Eingliederungshilfe vor große Herausforderungen,

vor allem weil die Bundesländer und die Kommunen

auf die Begrenzung der finanziellen Ausgaben für die Eingliederungshilfe

drängen. Aus diakonischer Sicht kommt es

wesentlich darauf an, dass Menschen mit Behinderungen sich

umfassend und unabhängig vom Kostenträger beraten lassen

können, welches Arrangement von Assistenzleistungen zur

sozialen und beruflichen Teilhabe für sie sinnvoll ist. Im kommenden

Jahr wird sich zeigen, ob Bund und Länder die hohen

Erwartungen einlösen werden, die nicht zuletzt durch die

Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten

Nationen im Jahr 2010 geweckt worden sind.

Neue Wege in der Pflegeausbildung

Im vom Bundesgesundheitsministerium initiierten „Pflegedialog“

zur Vorbereitung einer weiteren Pflegereform konnte

der Diakonie Bundesverband seine Forderungen für eine gute

pflegerische Versorgung alter Menschen einbringen. Die baldige

Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, eine

angemessene Personalausstattung und die Refinanzierung

leistungsgerechter tariflicher Löhne sind aus Sicht der Diakonie

zentrale Forderungen. In der Weiterentwicklung der Pflegeausbildung

setzt sich der Diakonie Bundesverband gemeinsam

mit dem Deutschen Caritasverband und den Fachverbänden

der Kranken­ und Altenpflege für eine generalistische

Pflegeausbildung ein, die die Krankenpflege­, Kinderkrankenpflege­

und Altenpflegeausbildung modular zusammenführt.

Es wird jedoch auch in diesem Politikbereich deutlich, dass

haushalts­ und finanzpolitische Prioritäten zu diskutieren und

neu zu setzen sind, um den sozialen Zusammenhalt in unserer

Gesellschaft nicht zu gefährden. Zusätzliche finanzielle Ressourcen

sind notwendig, damit eine würdige Begleitung und

Unterstützung älterer Menschen mit Pflegebedarf geleistet

werden kann. Nur so ist sicherzustellen, dass auch bei deutlich

zunehmender Zahl von Menschen mit Pflegebedarf menschenwürdige

Rahmenbedingungen in verschiedenen Pflege­

und Wohnformen und Pflegesettings in der häuslichen, in

der teilstationären und stationären Pflege vorgehalten werden

können.

Federführung bei der Bundesarbeitsgemeinschaft

der Freien Wohlfahrtspflege beim Diakonischen

Werk der EKD

Seit dem 1. April 2011 hat das Diakonische Werk der EKD die

turnusmäßige zweijährige Federführung bei der Bundes arbeitsgemeinschaft

der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) übernommen.

Aufgrund des Wechsels im Präsidentenamt in der Diakonie

war Donata Freifrau von Schenck zu Schweinsberg,

Deut sches Rotes Kreuz, bereit, ihr Amt als BAGFW­Prä si dentin

um drei Monate zu verlängern. Der neue Diakonie­Präsident

Johannes Stockmeier ist im April 2011 zum BAGFW­Präsidenten

gewählt worden und die Mitarbeitenden des Bundesverbandes

der Diakonie übernehmen die Vorsitze der meisten

BAGFW­Fachausschüsse. In Abstimmung mit den fünf anderen

Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege und der

BAGFW­Geschäftsstelle wurden Schwerpunkte und Aufgaben

festgelegt. Wichtig wird etwa das Thema Freie Wohlfahrtspflege,

zu dem es auch eine BAGFW­Imagebroschüre geben

soll. Strategisch bedeutsame Projekte werden weitergeführt.

Eines davon ist das ursprünglich vom Gesundheitsministerium

begleitete Projekt „Indikatoren für Ergebnisqualität in der

Pflege“, ein anderes das neue BAGFW­Projekt „Wie misst

man Teilhabe in der Psychiatrie und Behindertenarbeit?“. Die

Aktualisierung der BAGFW­Satzung und ­Geschäftsordnung

stehen auf dem Plan.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Sozialpolitische Arbeitsfelder Unsere Zahlen

„Freiwillig engagiert“

Das Jahresthema der

Diakonie

Ehrenamtliches Engagement hat lange Tradition in

Kirche und Diakonie

In Anlehnung an das „Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit

zur Förderung der aktiven Bürgerschaft 2011“ hat der Vorstand

des Diakonischen Werkes der EKD im März 2010 das

Thema „Freiwilliges Engagement“ zum Schwerpunktthema

„Diakonie ist undenkbar ohne ehrenamtliche Arbeit und die

Freiwilligentätigkeit“, sagte Diakonie­Präsident Johannes Stockmeier

anlässlich des Jahresempfangs 2011. Foto: Stephan Röger

38/39

2011 des Diakonie Bundesverbandes bestimmt. Freiwilliges

Engagement gilt als Oberbegriff für die vielen unterschiedlichen

Begriffe für Engagement wie „Ehrenamt“, „Bürgerschaftliches

Engagement“ oder „Freiwilligendienste“. Es hat in Kirche

und Diakonie eine lange Tradition und ist aus dia ko nischen

Diensten und Einrichtungen nicht wegzudenken.

Ziel des Jahresthemas der Diakonie ist es, die Vielfalt Freiwilligen

Engagements in der Diakonie noch sichtbarer zu machen

und die Beteiligung von Interessierten an Freiwilligentätigkeiten

und aktiver Bürgerschaft zu erhöhen. Die Bedingungen für

bestehendes Freiwilliges Engagement in Kirche und Diakonie

sollen verbessert werden. Und den Menschen, die sich bereits

in Kirche und Diakonie engagieren, soll ausdrücklich Anerkennung

und Dank entgegengebracht werden.

Der Jahresempfang des Diakonie Bundesverbandes im Februar

2011 stand ganz im Zeichen des Freiwilligen Engagements.

Präsident Johannes Stockmeier eröffnete offiziell

das Jahresthema und die zugehörige Kampagne. Zahlreiche

Freiwillige aus verschiedenen Einsatzfeldern kamen mit lebhaften

und eindrücklichen Berichten über ihre Erfahrungen im

Freiwilligen Engagement in der Diakonie zu Wort. Pfarrer

Joachim Gauck hielt die Festrede.

Die Diakonie­Kampagne „Menschlichkeit braucht Unterstützung“

wurde eigens um ein weiteres Motiv mit der Headline

ergänzt: „Da sein, nah sein, Mensch sein: Freiwillig engagiert“.

Als Modell konnte eine engagierte Freiwillige gewonnen werden,

deren Gesicht nun – sehr aussagekräftig und mit hohem

Wiedererkennungseffekt – auf Großplakaten, Flyern und Postkarten

bundesweit präsent ist. Das Jahresthema des Diakonie

Bundesverbandes wird auch von Landesverbänden und Einrichtungen

unterstützt und mitgetragen.

Die europäische Perspektive auf Freiwilliges Engagement

und dessen rechtliche Rahmenbedingungen in verschiedenen

Ländern wurde am 3. Mai 2011 in einer gemeinsam mit Eurodiaconia

organisierten Fachveranstaltung beleuchtet.

Im Oktober 2011 werden Bundesministerin Kristina Schröder

und Diakonie­Präsident Johannes Stockmeier unter dem

Motto „Freiwillig – was ist es uns wert?“ über Hindernisse,

Probleme und strukturelle Rahmenbedingungen für Freiwilliges

Engagement diskutieren. Auf der Abschlussveranstaltung

des Diakonie­Jahresthemas im Dezember werden die Ergebnisse

einer repräsentativen empirischen Studie zum Freiwilligen

Engagement in diakonischen Einrichtungen und Diensten

ver öffentlicht.

Viel Bewegung in

sozial politischen

Arbeitsfeldern

Chancen für Teilhabe

eröffnen

Vom Zivildienst zu den Freiwilligendiensten

Bis Ende 2011 wird auch der letzte Zivildienstleistende entlassen

sein. In Anlehnung an Prediger Salomo 3, Vers 1, ließe

sich sagen: „Alles hat seine Zeit.“ Die des Zivildienstes ist

vorbei.

Die inzwischen getroffenen Entscheidungen zum Ausbau der

Freiwilligendienste sind als große zivilgesellschaftliche und

engagementpolitische Chance anzusehen. Kirche und Diakonie

haben sich aus vielen Gründen stets für einen Freiwilligendienst

und gegen eine staatliche Dienstpflicht eingesetzt.

Allerdings ist die Anforderung, in kurzer Zeit einen Paradigmen­,

System­ und Strukturwechsel umzusetzen, politisch unterschätzt

worden. Die vollständige Konversion von den Dienstpflichten

hin zu den Freiwilligendiensten stellt eine große

sozialstaatliche Veränderung dar. Dieser Prozess wird in

ohnehin spannenden (sozial­)politischen Zeiten interessant

und herausfordernd bleiben.

Keiner muss, alle könnten

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist so angelegt, dass Interessierte

sich für sechs bis 24 Monate anmelden können –

während das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und das Freiwillige

Ökologische Jahr (FÖJ) in der Regel zwölf Monate umfassen.

Dabei ist der BFD offen für Menschen beiderlei Geschlechts,

auch wenn sie älter als 27 Jahre sind. Die vom Bund angestrebte

Zahl von 35.000 Dienstleistenden wird jedoch angesichts

zahlreicher zum Start noch offener Fragen allenfalls

mittel fristig zu erreichen sein.

Die Diakonie hat immer für einen Ausbau der Freiwilligendienste

geworben und wird sich nun zusammen mit der

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) und

ihren Untergliederungen auf Träger­ und Einrichtungsebene

dafür engagieren, neben dem Erfolgsmodell FSJ als Bildungsjahr

auch den Bundesfreiwilligendienst als Lerndienst auszugestalten

und (mittelfristig) qualitativ und quantitativ zum

Erfolg zu führen. Dazu wird das Diakonische Werk der EKD

die Aktivitäten des Bundesministeriums für Familie, Senioren,

Frauen und Jugend (BMFSFJ) konstruktiv und kritisch

begleiten.

Der Bund hat im Mai 2011 eine Kampagne für den Bundesfreiwilligendienst

fertiggestellt und Elemente und Motive für

die Werbung zur Verfügung gestellt.

Unter www.evangelischer­bundesfreiwilligendienst.de werben

die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend und die

Diakonie mit Motiven dieser Grundlage für den Bundesfreiwilligendienst

im evangelisch­diakonischen Raum.

Der Bundesfreiwilligendienst bietet viele Möglichkeiten für junge

Menschen – noch ist offen, wie er angenommen wird. Foto: Ulrike Pape


Editorial FotoKunst Unsere Themen Sozialpolitische Arbeitsfelder Unsere Zahlen

Freiwilliges Engagement und die Haftung

freiwillig Engagierter

Vorstände

Mit Fokus auf ehrenamtlich tätige Vorstände hat der Gesetzgeber

im Oktober 2009 mit der Einfügung eines neuen § 31 a

ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eine Haftungsbegrenzung

für ehrenamtlich tätige Vorstände von Vereinen und Stiftungen

beschlossen. Dies war von den Verbänden des Dritten Sektors

gefordert worden. Galt bislang eine Haftung auch ehrenamtlicher

Vorstände bereits für leichte Fahrlässigkeit, tritt nun eine

Haftung nur in den erschwerten Formen der groben Fahrlässigkeit

und des Vorsatzes ein.

Die Haftungsbegrenzung gilt für unentgeltlich tätige Vorstände

und solche, die nicht mehr als 500 Euro pro Jahr erhalten.

Tritt ein Haftungsfall des Vorstands gegenüber Vereinsmitgliedern

oder Dritten ein, steht ihm nach § 31 a Abs. 2 BGB ein

Freistellungsanspruch von der Verbindlichkeit gegenüber

dem Verein, also im Innenverhältnis, zu. Auch hier ist Voraussetzung,

dass der Vorstand den Schaden weder vorsätzlich

noch grob fahrlässig verursachte und in Ausübung seines

Vorstands amtes handelte.

Diese Haftungseinschränkung darf jedoch nicht den Blick

darauf verstellen, dass etliche Haftungstatbestände bestehen

bleiben. Praxisrelevant ist etwa die bis in die persönliche

Haftung hineinreichende Verpflichtung, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge

korrekt abzuführen. Nach wie vor ist

also ein qualifizierter Versicherungsschutz von Bedeutung. Verbreitete

Formen sind die „D & O­Versicherung“ und die „erweiterte

Vermögensschaden­Haftpflichtver sicherung“.

Vereinsmitglieder

Noch im Gesetzgebungsverfahren befindet sich ein Gesetzentwurf

des Bundesrates zur Förderung ehrenamtlicher

Tätigkeit im Verein. Mit Fokus auf die Vereinsmitglieder ist

mit Einfügung eines neuen § 31 b Bürgerliches Gesetzbuch

eine vergleichbare Haftungsprivilegierung für die einzelnen Vereinsmitglieder

beabsichtigt (vergleiche BRDruckS 41/11­

Beschluss). In ihrer Stellungnahme hat die Bundesregierung

den Kern des Gesetzentwurfs in Gestalt des § 31 b Bürgerliches

Gesetzbuch begrüßt (BTDruckS 17/5713). Mittelfristig

wird mit einer Ergänzung der Haftungsprivilegierung zu

rechnen sein.

Die beschriebenen Initiativen des Gesetzgebers sind Ausdruck

eines gewachsenen gesellschaftlichen Bewusstseins für die

Bedeutung ehrenamtlicher (Leitungs­)Tätigkeit. Unabhängig

40/41

von der Größe eines Rechtsträgers vermitteln sie die Anregung,

Haftungsbestimmungen beim eigenen Rechtsträger generell

und auf ausreichenden Ver sicherungsschutz hin zu überprüfen.

Umsatzsteuerbefreiung von Freiwilligendiensten

Verbesserte Rahmenbedingungen finden ihren Niederschlag

auch in der Befreiung der Freiwilligendienste von der Umsatzsteuer.

Seit Jahren fordern die Verbände der Freien

Wohlfahrtspflege eine Umsatzsteuerbefreiung für Freiwilligendienste

auf der Basis des Art. 132 Abs. 1 Buchstabe f und g

der EU­Richtlinie 2006/112/EG.

In der Praxis versuchen Träger und Einsatzstellen (bisher insbesondere

der Jugendfreiwilligendienste) Organisationsstrukturen

zu schaffen, die einen möglichst optimalen Einsatz der

Freiwilligen einschließlich der dazugehörenden Betreuung

ermöglichen. Zugleich soll durch eine vertraglich vereinbarte

Arbeitsteilung zwischen Einsatzstelle und Träger oder auch

Zentralstellen der Verwaltungsaufwand für den Einsatz und die

Betreuung der Freiwilligen möglichst gering gehalten werden.

Die Finanzverwaltung betrachtet eine solche Arbeitsteilung

zwischen Einsatzstelle und Träger jedoch als umsatzsteuerpflichtige

Personalgestellung, die nur durch dreiseitige Verträge

nach § 11 Abs. 2 Jugendfreiwilligendienste­Gesetz (JFDG)

vermieden werden kann.

Unabhängig davon unterliegen Verwaltungsleistungen zwischen

Einsatzstelle und Träger nach wie vor dem vollen Umsatzsteuersatz

von derzeit 19 Prozent. Da für den neuen Bundesfreiwilligendienst

ähnliche Organisationsstrukturen wie für die

Jugendfreiwilligendienste vorgesehen sind, droht auch hier

eine entsprechende Umsatzsteuerpflicht. Der Gesetzgeber

ist deshalb dringend gefordert, eine Umsatzsteuerbefreiung für

Frei willigendienste im Umsatzsteuergesetz zu verankern. Das

Diakonische Werk der EKD wird sich weiterhin dafür einsetzen.

Strategie Europa 2020

Die Strategie Europa 2020 beschreibt die Ziele, die die Europäische

Union bis 2020 in ihrer Wirtschafts­, Sozial­ und

Umweltpolitik erreichen will. Eines der Ziele, deren Aufnahme

das Diakonische Werk der EKD im Zusammen wirken mit

ande ren sozialen Nichtregierungsorganisationen in Brüssel

durch gesetzt hat, ist die Reduzierung der Anzahl der Menschen,

die in der EU von Armut betroffen sind, um 20 Millionen. Die

Tatsache, dass sich auch Deutschland diesem Ziel verpflichtet

hat, unterstützt die Bemühungen der Diakonie auf Bundesebene,

weitere Einschnitte im sozialen Netz zu ver hindern.

Zahl der von Armut betroffenen Menschen muss

ohne Beschränkungen reduziert werden

Anfang 2011 hat die Bundesregierung in ihrem Nationalen

Reformprogramm vorgestellt, welchen Beitrag sie zur Umsetzung

dieses Zieles leisten will. Sie will sich im Wesentlichen

darauf beschränken, die Zahl der Langzeitarbeitslosen zu

reduzieren und geht dabei von etwa 660.000 betroffenen

Menschen aus. Das Diakonische Werk der EKD hat diese

Beschränkung kritisiert, denn auch Menschen, die aufgrund

sozialer Risiken, etwa Alter, Behinderung, Krankheit oder

ihrer Herkunft, am Arbeitsmarkt nur schlechte Chancen

haben, sollten nicht in Armut leben. Zudem ist offen, wie

die Mitgliedsstaaten insgesamt jemals eine Reduzierung um

20 Millionen erreichen können, wenn die stärkste Wirtschaftsmacht

der EU nur einen solch geringen Beitrag leistet. Das

Diakonische Werk der EKD hat die Bundesregierung gebeten,

die Diakonie in Zukunft – so wie vom Rat der EU verabredet –

in die Erarbeitung des jährlichen Nationalen Reformprogramms

zur Umsetzung der Strategie 2020 einzubeziehen.

Jeweils im März eines Jahres definiert der Europäische Rat –

die Staats­ und Regierungschefs der europäischen Länder –

die größten wirtschaftlichen Herausforderungen der EU und

formuliert strategische Hinweise für die Politik der Mitgliedsstaaten,

insbesondere im Hinblick auf ihre Haushalts­ und

Ausgabenpolitik (sogenanntes Europäisches Semester). Zur

selben Zeit erstellen die Regierungen ihre nationalen Reformprogramme

zur Umsetzung der Strategie EU 2020. Darin sind

die Maßnahmen genannt, die zur Verstärkung ihrer Politik in

Bereichen wie Beschäftigung und soziale Eingliederung zu

ergreifen sind. Die Ziele der Strategie Europa 2020 sind damit

bei den Konsolidierungsmaßnahmen der Mitgliedsstaaten zu

berücksichtigen.

Derzeit im Vordergrund: Rettung des Euro

Das Europäische Semester gibt damit den Zeitplan vor, wann

die Diakonie im Verbund mit anderen Nichtregierungsorganisationen

in den nächsten Jahren ihren Anliegen zur Armuts bekämpfung

Geltung verschaffen wird. Dabei ist realistisch zu

sehen: Im Vordergrund des Europäischen Semesters steht der ­

zeit die Rettung des Euro. Manche deutsche Ministerien sehen

in der Armutsbekämpfung ein Ziel zweiter Klasse. Dennoch

sind sozialpolitische Themen in der EU aufgewertet worden.

Die Diakonie wird die damit verbundenen Chancen nutzen. In

einer Handreichung für seine Dienste und Einrichtungen hat

das Diakonische Werk der EKD das Ziel der Armutsbekämpfung

aufgegriffen, indem es die sozialrechtliche Lage von mit­

tellosen EU­Bürgern in Deutschland beschreibt und Anregungen

zur Verbesserung gibt.

Beschäftigung schaffen für soziale Teilhabe

Die Diakonie setzt sich politisch und durch die Arbeit ihrer

zahlreichen Beschäftigungsträger dafür ein, dass allen

Arbeitsuchenden Chancen eröffnet werden, an der gesellschaftlichen

Arbeit teilzuhaben. Der Wandel der Erwerbsarbeitsgesellschaft

und die damit verbundenen wachsenden

Anforderungen an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

erfordern, dass alle, die diesem Wandel nur mit Mühen

gewachsen sind, Hilfe und Unterstützung erhalten.

Insbesondere für benachteiligte Arbeitsmarktgruppen ist eine

aktive Arbeitsmarktpolitik gefordert, denn die Arbeitsmärkte

versagen bei der Integration von Arbeitsuchenden, deren

Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist oder deren formale Qualifikationen

gering sind. Sogenannte Einfacharbeitsplätze sind

zwar um der Menschen willen dringend notwendig, aber

de facto Mangelware.

Im Diakonie Text „Gerechte Teilhabe an Arbeit. Diakonische

Position zur aktuellen Arbeitsmarktpolitik“ hat der Diakonie

Bundesverband seine Erwartungen an die Arbeitsförderung

formuliert. Die Forderungen und Anregungen resultieren aus

den langjäh rigen Erfahrungen der Diakonie in der Arbeit mit

Arbeitslosen. Sie verfolgen das Ziel, die Rahmenbedingungen

in diesem sozialpolitischen Arbeitsfeld den Bedürfnissen der

Menschen stärker anzupassen, die unterstützt und gefördert

werden sollen. Im Fokus stehen dabei vor allem die Arbeitslosen,

die schon mehrere Jahre auf Hartz­IV­Leistungen

an gewiesen sind, und die ohne individuelle und nachhaltige

Förderung nicht aus dieser Situation herauskommen. Die

gesetzlichen Akti vierungsstrategien und Instrumente der aktiven

Arbeitsmarktpolitik werden entweder nicht effektiv umgesetzt

oder sind für diese benachteiligten Personengruppen ungeeignet.

Oft können sie das Versprechen einer Brückenfunktion

in den allgemeinen Arbeitsmarkt nicht erfüllen oder sie führen

geradewegs in eine prekäre Beschäftigung.

Arbeitsmarktpolitische Instrumente müssen sicher

und differenziert zur Verfügung stehen

Im Februar 2011 stellte Diakonie­Präsident Johannes Stockmeier

die Forderungen einem politischen Forum vor. Je nach wirtschaftlicher

Situation, regionalen Bedingungen und indi viduellen


Editorial FotoKunst Unsere Themen Sozialpolitische Arbeitsfelder Unsere Zahlen

Erfordernissen muss es ein differenziertes Angebot von

arbeits marktpolitischen Instrumenten geben, um den von Erwerbs

arbeit ausgegrenzten Menschen Wege zur Teilhabe an

Arbeit und Gesellschaft zu ebnen. Diese arbeitsmarktpoli tischen

In strumente müssen zuverlässig finanziert werden und

dürfen nicht ständig zur Verfügungsmasse kurzfristiger politischer

und fiskalischer Kalküle werden. Einrich tungen, die

diese Instrumente umsetzen, brauchen stabile Rahmenbedingungen,

die die Leistungserbringung zielgerichtet ermöglichen

und unterstützen.

Darüber hinaus ist es notwendig, Beschäftigung schaffende

Instrumente aufzuwerten, denn sie sichern sowohl Einkommen

als auch soziale Teilhabe. Öffentlich geförderte sozialversiche

rungs pflichtige Beschäftigung für Langzeitarbeitslose

braucht höhere gesellschaftliche Anerkennung und Akzeptanz,

sie muss ausgebaut und verstetigt werden. Der Diakonie

Bundesverband engagierte sich bei der arbeitsmarktpolitischen

Instrumentenreform für diese Ziele.

Statt Bedarfsgerechtigkeit Nachbesserungsbedarf

Am 9. Februar 2010 urteilte das Bundesverfassungsgericht

zu den Regelsätzen in den Sozialgesetzbüchern II und XII

(„Hartz IV“). Die Politik war gefordert, die Regelsätze in einem

transparenten, sach­ und realitätsgerechten Verfahren zu

ermitteln. Das Gericht betonte, dass die staatliche Sicherung

des sozialen und kulturellen Existenzminimums in der Verfassung

begründet liegt. An die Neuregelung knüpften sich

Vier von sechs Brüdern sind zusammen mit ihrer Mutter im Kinderzimmer versammelt.

Seit Barbara M. arbeitslos ist, ist es auch finanziell ganz schön eng.

Foto: Matthias Rietschel, epd

42/43

große Erwartungen. Viele Akteure hofften, ihre sozialpolitischen

Forderungen nunmehr direkt aus dem Grundgesetz

ableiten zu können.

Im März 2011 trat die Neufassung von Hartz IV in Kraft. Große

Ernüchterung machte sich breit bei Lei stungsberechtigten,

Wohlfahrtsverbänden, Helfenden und in den Medien. Der Gesetzgeber

hatte den vom Gericht genannten Gestaltungsspielraum

weitestmöglich zu Ungunsten der Leistungsberechtigten

ausgeschöpft. Neue Musterklagen zeichnen sich ab. Die

Diakonie hatte Rechtsprechung und Gesetzgebungsverfahren

von Anfang an kritisch begleitet. Bei der Umsetzung des Bildungs­

und Teilhabepaketes befürchtete die Diakonie zu bürokratische

Regelungen und eine Stigmatisierung der Leistungsberechtigten.

Erste Erfahrungen aus der Praxis bestätigen diese Befürchtungen.

Für Regierungs­ wie Oppositionsfraktionen war die

Diakonie kompetenter Gesprächspartner. So konnten zum

Beispiel bei der Anrechnung von Aufwandsentschädigungen

für ehrenamtlich Tätige oder von familiären Zuwendungen

wesentliche Verbesserungen erreicht werden. Die befürchteten

Doppelstrukturen bei Einführung der Bildungs­ und

Teilhabe leistun gen konnten vermieden werden. Die Kommunen

erhielten die Federführung. In Überschneidungsbereichen

zu an deren sozialen Regelungen wie bei studierenden oder

in Ausbildung befindlichen Müttern gibt es nun klar definierte

Leistungsan sprüche. Dennoch bleibt als Bilanz, dass zwar

viele Unklar heiten oder Verschlechterungen im Detail abgewendet

werden konnten. Die wesentlichen Kritikpunkte der

Diakonie blieben jedoch unberücksichtigt.

Unbefriedigende Lösung für junge Familien

und Menschen in Armut

Mit Enttäuschung nahm die Diakonie auf, dass bei der Regelsatzermittlung

deutliche Unschärfen in Kauf genom men

wurden. So werden durch Krankheit entstehende Aus gaben,

Kosten für Babysitter, wenn wichtige Termine wahrgenommen

werden müssen, oder die Reinigung von Kleidung für Bewerbungsgespräche

nicht als relevante Ausgaben der Referenzgruppe

anerkannt, obwohl diese unabdingbar zum sozialen

und kulturellen Existenzminimum gehören. Auch die bekannten

Probleme bei der Gewährung einmaliger Bedarfe wie

für Kühlschrank und Waschmaschine werden nicht gelöst,

sondern nochmals verschärft. Die weitere Umsetzung der

Gesetzesänderungen wird die Diakonie durch ein eigenes

Monitoring engagiert begleiten und Rückschlüsse für wesent­

liche Änderungsnotwendigkei ten am SGB II aus sozialpolitischer

Perspektive ziehen.

Einsparungen beim Elterngeld sind sozial

unausgewogen

Seit dem 1. Januar 2011 wird das Elterngeld nach dem Haushaltbegleitgesetz

auf die Leistungen nach SGB II und SGB XII

angerechnet. Begründet wird dies damit, dass es sich hierbei

um eine Lohnersatzleistung handle, die den Verdienstausfall

für die Betreuung des Kindes im ersten Lebensjahr kompensie

ren solle. Eine Auszahlung des Elterngelds an Bezieher

von Arbeitslosengeld II sei systemwidrig, ihr Bedarf werde

von den Regelleistungen und den Mehrbedarfszuschlägen

gedeckt. Seither erhalten ausgerechnet die Familien und

Allein erziehenden, die nur über geringe finanzielle Mittel verfügen,

faktisch kein Elterngeld mehr. Sie verlieren dadurch

monatlich 300 Euro – viel Geld für eine junge Familie im Hartz­

IV­Bezug.

Das Diakonische Werk der EKD hat diesen Sachverhalt in Stellungnahmen,

in Anhörungen im Bundesfamilienministerium

und durch Schreiben an den zuständigen Staatssekretär im

Bundesministerium für Arbeit und Soziales als sozial unausgewogen

kritisiert. Es hat darauf hingewiesen, dass diese Einsparungen

beim Elterngeld Familien in der sensiblen Phase

der Familiengründung treffen, in der Eltern besondere Unterstützung

brauchen, um ihren Kindern einen guten Start ins

Leben zu ermöglichen. Das Diakonische Werk der EKD kritisiert

die Einsparung beim Elterngeld als ein falsches Signal an

die Familien im Hartz­IV­Bezug, weil es die Erziehungsleistungen

dieser Familien nicht mehr anerkennt. Es beabsichtigt,

die Auswirkungen dieser neuerlichen Kürzung auf die Klientel

ihrer Einrichtungen und Dienste – wie zum Beispiel Schwangerschaftsberatungsstellen

oder Angebote für Alleinerziehende

– zu erheben und die Ergebnisse in die politische Diskussion

einzubringen. Damit ist die Hoffnung verbunden,

konkrete Anstöße zu einer gerechteren Sozial­ und Familienpolitik

zu liefern.

Beratungskapazitäten in der Schuldnerberatung

aufstocken

Die Beraterinnen und Berater in den Schuldnerberatungsstellen

der Diakonie erarbeiten gemeinsam mit überschuldeten

Menschen eine Perspektive zur Überwindung ihrer Notlage.

Die Betroffenen erleben während dieser Begleitung eine

Stärkung ihrer sozialen Handlungsfähigkeit. Damit verbessert

sich auch ihre gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe.

In den letzten Jahren hat sich in der Schuldnerberatung zudem

der Fokus auf präventives Handeln gerichtet. Aus diesem

Grund hat der Diakonie Bundesverband in Zusammenarbeit

mit den Landesverbänden die konzeptionellen und sozialpolitischen

Handlungsmöglichkeiten im Diakonie Text „Prävention

in der Schuldnerberatung der Diakonie“ dargestellt und veröffentlicht.

Sowohl die indivi duelle als auch die strukturelle

Prävention werden dabei als unverzichtbare In strumente zur

Überwindung von Überschuldung betrachtet. Die Veröffentlichung

ermutigt die Fachkräfte in den Beratungsstellen zum

Ausbau von Präventionsmaßnahmen.

Dies hat deutlich gemacht, dass die sozialpolitischen Anstrengungen

zur Veränderung überschuldungsförderlicher und

entschuldungshemmender Rahmenbedingungen – etwa im

Sozialrecht und in der Finanzwirtschaft – beim Diakonie Bundesverband

und in den Landesverbänden eine hohe Priorität

haben müssen. Konsequenterweise hat der Diakonie Bundesverband

im Jahr 2011 mit der Übernahme des Sprecheramtes

in der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände

(AG SBV) sein sozialpolitisches Engagement verstärkt. Neben

der Aufgabe der Koordinierung dieser verbandsübergreifenden

Arbeit will der Bundesverband die Zusammenarbeit mit den

Bundes­ und Landesministerien neu strukturieren und inten sivieren.

Der Arbeitsbereich Schuldnerberatung im Diakonie

Bundesverband unterstützt und berät die polnische Diakonie

bei der Implementierung einer gemeinnützigen Schuldner­

Spätestens, wenn es kalt wird, zieht es obdachlose Menschen in Kaffeestuben

und an Mittagstische, hier in Berlin­Mitte. Auch das Zusammensitzen in der

Gemeinschaft bringt Wärme. Foto: Barbara­Maria Vahl


Editorial FotoKunst Unsere Themen Diakonie steht für Beratung und Schutz Unsere Zahlen

beratung. Hintergrund sind die zunehmende Verschuldung

pol nischer Haushalte und das Fehlen einer an fachlichen

Qualitätsstandards ausgerichteten Schuldnerberatung. Die

überschuldeten Menschen geraten dadurch nicht selten in

die Fänge unseriöser gewerblicher Anbieter, die ihre Notlage

und ihre Verzweiflung ausnutzen und in erster Linie Geld

verdienen wollen.

Eintreten für die sozialen Rechte von Menschen

in Wohnungsnot

Zentrales Ereignis im Arbeitsfeld „Hilfen in besonderen Lebenslagen“

war im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut

und sozialer Ausgrenzung der Kongress „Bürger oder Bettler

…“ im November 2010, der die sozialen Rechte von Menschen

in Wohnungsnot in Deutschland und im europäischen

Ausland in den Blick nahm. Er wurde in Kooperation mit der

Evangelischen Obdachlosenhilfe in Deutschland durchgeführt.

Bei dieser Gelegenheit wurde unter anderem der Zugang von

EU­Bürgern zu Sozialleistungen in Deutschland thematisiert.

Die Frage führt in der Praxis häufig zu Anwendungsschwierigkeiten,

weil sich Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt mit

Informationen zum Europäischen Fürsorgeabkommen überlagern.

Auf dem Kongress bestätigte sich eindrucksvoll die

Notwendigkeit, die Sanktionen für unter 25­Jährige zu überdenken

und den Regeln anzupassen, die für über 25­Jährige

gelten. Es droht im Übrigen die Gefahr, dass junge Menschen

aus finanziell schwachen Familien im Gewirr der Zuständigkeiten

zwischen Jugendhilfe und SGB­II­Leistungen verloren

gehen. Insgesamt vertraten die meisten Teilnehmenden jedoch

die Auffassung, dass Sanktionen sofort aufzuheben sind,

sobald der Zweck der Sanktion erreicht ist. Ansonsten werde

eine Wirkung wie bei einer Geldstrafe erreicht, wofür es jedoch

keine rechtliche Grundlage gibt.

Die Mehrzahl aller Wohnungslosen ist im Sinne des SGB II

erwerbsfähig. Die Wohnungslosenhilfe beteiligt sich deshalb

am Monitoringprozess zu den Änderungen im SGB II. Bereits

die eingeführte Verschlechterung der Rechtsposition von einkommensarmen

Menschen wurde reklamiert. Sie hat dazu

geführt, dass die aufschiebende Wirkung eines Widerspruchs

gegen einen belastenden Verwaltungsakt entfällt. Die Wohnungs

lo senhilfe befürchtet durch die vom Gesetzgeber ermöglichte

Pauschalierung von Wohn­ und Heizkosten im Rahmen

von kommunalen Satzungen eine Verletzung des Bedarfsdeckungsprinzips.

Das würde dazu führen, dass Familien beispielsweise

ihre Heizkosten aus Beträgen decken müssen, die

– amtlich berechnet – für Nahrung oder Kleidung gedacht sind.

44/45

Diakonie steht für

Beratung und Schutz

Gefragte Adresse

bei vielen Problemen

OnlinBeratungsportal der Diakonie ist sehr

beliebte Adresse

Seit März 2010 ist die neue Version des Diakonie­Beratungsportals

unter www.evangelische­beratung.info online. Sie enthält

neben einer komplett überarbeiteten Webmail­Beratungslösung

mit noch höherem Datenschutzniveau eine deutlich

ansprechendere und einfachere Beratungsstellensuche. Seit

diesem Neustart hat sich die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer

des Portals kräftig erhöht. Inzwischen sind 1.850 Beratungsstellen

aus zehn verschiedenen Beratungsbereichen in das

Portal integriert: Neben der Familienberatung sind dies Suchtberatung,

Adoptionsberatung, Schuldner­ und Insolvenzberatung,

die allgemeine Sozialberatung sowie die Kurberatung

für Mütter und Väter.

Monatlich wird das Portal von mehr als 22.000 Besucherinnen

und Besuchern aufgerufen. 315 Beratungsstellen sind in die vertrauliche

Webmail­Beratung eingebunden und für Rat such ende

über Internet – datenschutzrechtlich gesichert – erreichbar.

Mehr als 300 Ratsuchende machen derzeit jeden Monat von

dieser Möglichkeit Gebrauch und stellen eine E­Mail­Anfrage

an eine Beratungsstelle.

Das Beratungsportal der Diakonie gewährleistet den derzeit

höchsten Standard an Vertraulichkeit für OnlinBeratung

unter den bestehenden Portalen.

Mehr als 600 Beratungsfachkräfte arbeiten mit der eigens

entwickelten Beratungssoftware für evangelische Beratungsstellen.

Die Beratungsstellen haben eine ausführliche tele ­

fo nische Einweisung in die Nutzung dieser Beratungslösung

erhalten. Zusätzlich hat das Projekt Einstiegsschulungen

organisiert, in denen sich die Fachkräfte mit der Technik

und der neuen Beratungsform vertraut machen konnten.

Die stetig wachsende Nutzung des Portals und des Onlin

Beratungsangebotes zeigt, dass die Diakonie mit ihrem neuen

Angebot auf einen Bedarf von Ratsuchenden reagiert hat.

Viele Beraterinnen und Berater machen die Erfahrung, dass

auf dem Wege der OnlinBeratung neue Zielgruppen erreicht

werden, die sonst nicht oder noch nicht zu diesem Zeitpunkt

eine örtliche Beratungsstelle aufgesucht hätten.

Im März 2011 hat das Beratungsportal den WebFish 2011 in

Bronze gewonnen, der jährlich durch die Evangelische Kirche

in Deutschland und das Gemeinschaftswerk der Evangelischen

Publizistik verliehen wird.

Diakonische Einrichtungen für Kinder und Jugendliche

setzen sich seit langem mit dem Thema

sexuelle Gewalt auseinander

Das Thema „sexuelle Gewalt in sozialen Institutionen“ wurde

insbesondere vor dem Hintergrund von Vorkommnissen in

den Kirchen diskutiert, die ab Anfang 2010 die Öffentlichkeit

bewegten. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland

befasste sich mit der Frage, welche Impulse vom evangelischen

Bereich ausgehen könnten und beauftragte das

Diakonische Werk der EKD, bisher gesammelte Erkenntnisse

zum Thema sexuelle Gewalt zusammenzutragen. Die Aktivitäten

des Diakonischen Werkes der EKD konzen trierten

sich dabei auf zwei Schwerpunkte: Vier qualifizierte und

Seelsorge­erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beteiligen

sich sowohl an der Telefon­Hotline der EKD als auch

an der Hotline der Bundesregierung.

Viele Einrichtungen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten,

haben bereits explizite Regelungen zur Prävention, zum Umgang

mit Verdachtsfällen sowie zur Intervention erarbeitet.

Diese Erkenntnis war für das Diakonische Werk der EKD Anlass,

innerhalb des Verbandes nach bestehenden Standards

in den unterschiedlichen Arbeitsfeldern zu suchen und sie

zusammenzutragen. Dabei wurde schnell deutlich, dass sich

viele Einrichtungen schon seit langer Zeit mit solchen Standardsetzungen

beschäftigt hatten.

Diese unterschieden sich allerdings hinsichtlich der Zielgruppen

und Arbeitsfelder. Auch werden stark unterschiedliche Prioritäten

gesetzt in der Art der Aufbereitung der Informationen

zur Prävention und im Umgang mit Situationen eines tatsächlichen

Missbrauchs. Das Diakonische Werk der EKD hat diese

Erfahrungen sowohl in die EKD als auch über die BAGFW in

den Runden Tisch der Bundesregierung eingebracht. Es ist

geplant, aus diesen Dokumenten eine Hand reichung für Dienste

und Einrichtungen zu erarbeiten.

Recht auf Schutz und Hilfe bei Gewalt im sozialen

Nahraum nicht ausreichend gewährleistet

Es besteht kein spezifischer gesetzlicher Anspruch auf Schutz

und Unterstützung für Frauen, die in ihrem engen Lebensumfeld

von Gewalt bedroht sind. Schutz und Hilfe sind damit

staatlich nicht garantiert. Auch ein niedrigschwelliger Zugang

für alle betroffenen Frauen und ihre Kinder zu dem bestehenden

Hilfesystem ist nicht gewährleistet.

Das Schutz­ und Hilfesystem wird derzeit entweder institutionell

durch sogenannte freiwillige Leistungen der Länder und

Kommunen oder auf der Basis von Tagessätzen finanziert. Die

freiwilligen Leistungen können aber von Kürzungen der Haushalte

betroffen sein und jederzeit eingestellt werden. In mehreren

Bundesländern bleiben bestimmten Gruppen betroffener

Frauen – zum Beispiel Auszubildenden, Studierenden,

Gruppen von Migrantinnen – Schutz und Hilfe sogar versagt.

Die Finanzierung auf der Basis von Tagessätzen hat sich

nach dem Inkrafttreten des SGB II im Jahr 2005 ausgeweitet.

Länder und Kommunen erhoffen sich die Finanzierung des

Hilfesystems durch Sozialleistungen, die der Bund finanziert.

Ein Problem unter vielen ist, dass Frauen mit Erwerbseinkommen

als sogenannte Selbstzahlerinnen behandelt werden.

Die Tagessätze in Schutzeinrichtungen sind mit dem üblichen

weiblichen Erwerbseinkommen jedoch meist nicht finanzierbar.

Als Folge müssen Einkommen und Ersparnisse für den unverschuldeten

Hilfebedarf aufgebraucht werden und stehen für

einen Weg in die Unabhängigkeit nicht mehr zur Verfügung.

Seit drei Jahren werden die Probleme der Frauenhausfinanzierung

in Politik und Fachwelt verstärkt diskutiert. Der Bundestag

befasste sich in einer Anhörung mit dem Thema. Der

Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge hat ein

Diskussionspapier erarbeitet. Konkrete Schritte zur Lösung des

Problems sind aber bisher nicht unternommen worden. Die

Situation für die betroffenen Frauen wie für die Frauenhäuser

wird zugleich immer schwieriger.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Diakonie steht für Beratung und Schutz Unsere Zahlen

Bei „Kids on Tour“, einem Service der Bahnhofsmission, werden alleinreisende Kinder von Mitarbeitenden der Bahnhofsmission betreut. Foto: Rolf Zöllner, epd

Das Diakonische Werk der EKD und die Frauenhauskoordinierung

sprechen das Thema offensiv auf politischer Ebene an.

Ziel ist ein Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe, der das

gesamte Hilfespektrum der Schutz­ und Unterstützungseinrichtungen

umfasst.

TelefonSeelsorge unter den Bedingungen moderner

Kommunikationsmedien – auf allen Kanälen

stark nachgefragt

Im Jahr 2011 besteht die TelefonSeelsorge in Deutschland seit

55 Jahren. Dies hat sie zum Anlass genommen, im „Europäischen

Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven

Bürgerschaft“ erstmals ihre Ehrenamtlichen detailliert zu befragen,

wie sie die Mitarbeit in der TelefonSeelsorge erleben,

was sie zum Beispiel als belastend oder unterstützend erleben,

wie sie die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen

und Hauptamtlichen in den Stellen einschätzen, wie zufrieden

sie überhaupt mit diesem Engagement sind. Auf diese Weise

gelingt es, neben dem Bild, das die statistischen Daten von

den Ratsuchenden zeichnen, auch das Bild derer deutlicher

werden zu lassen, die am anderen Ende der Leitung erreichbar

sind. Eine hohe Zufriedenheit mit ihrer Arbeit wurde in der

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Befragung deutlich. Ebenso, wie sehr die Ehrenamtlichen einerseits

das selbstständige, eigenverantwortliche Tätigsein schätzen

und welchen Stellenwert andererseits die verlässliche fachliche

und menschliche Begleitung durch die Hauptamt lichen

für sie hat. Anspruchsvolle ehrenamtliche Tätigkeit setzt verlässliche

Rahmenbedingungen voraus.

Internetbasierte Kommunikationsformen

verzeichnen rasante Entwicklung

Die internetbasierten Kommunikationsformen haben in den

vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung genommen

und gewinnen immer mehr an Bedeutung. Seit 15 Jahren ist

die TelefonSeelsorge mit ihrem E­Mail­ und Chatangebot im

Internet vertreten. Wie findet „Begegnung unter den Be dingungen

moderner Kommunikationsmedien“ statt? Das war

die Frage auf einer Fachtagung im Herbst 2010 in Berlin. Wie

wird aus dem flüchtigen Klicken und Zappen, wie wird in der

überbordenden Flut der Mitteilungen ein Verweilen möglich,

das eine Tiefendimension des Kontaktes ermöglicht – als unerlässliche

Voraussetzung, um von sehr Persönlichem, vielleicht

Verletzendem und Beschämendem mitteilen zu können?

Die Inanspruchnahme der TelefonSeelsorge in den zwei Millionen

Anrufen, 15.500 E­Mail­Kontakten (in Erst­ und Folge­

E­Mails) und 4.400 Chatkontakten pro Jahr führt die 8.500

Ehrenamtlichen an ihre Grenzen. So ist die Sicherstellung der

Erreichbarkeit eines der zentralen Themen, das die Telefon­

Seelsorge derzeit bewegt.

Zugleich erreichen sie immer wieder Anfragen nach Unterstützung

von Betreibern von Internet­Netzwerken und Websites,

die ihrerseits gehäuft auf Suizidankündigungen im Rahmen

ihrer Angebote stoßen und in solchen Fällen die TelefonSeelsorge

um Unterstützung bitten. Mit Facebook wird derzeit

eine Kooperation geprüft, um auf suizidal klingende Nachrichten

angemessen eingehen zu können und Betroffenen das

Angebot der TelefonSeelsorge nahezubringen.

„Kids on Tour“ – Großprojekt der Bahnhofsmission

bietet Service, wenn Kinder reisen (müssen)

Schon in den frühen 50er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte

Armgard von Alvensleben, die damalige Geschäftsführerin

der Evangelischen Bahnhofsmission, vehement gefordert,

Qualitätsstandards für die Betreuung und Begleitung der Kinder

zu entwickeln, die aus dem kriegszerstörten Berlin oder anderen

städtischen Ballungsräumen in die Ferien oder zur Kur

geschickt wurden. Bis in diese Zeit zumindest reicht es zurück,

dass Bahnhofsmissionen Kinder auf Reisen unterstützen und

begleiten.

Bis heute gibt es die Umsteigehilfen für allein reisende Kinder

und die Betreuung der sogenannten Fahrschüler, die nach

der Schule in den Räumen der Bahnhofsmission auf ihren

Regionalzug nach Hause warten und die Zeit mit den Haus­

30 Bahnhofsmissionen bilden hochfunktionales Netzwerk mit 120 freiwillig Mitarbeitenden

„Kids on Tour“ ist in vielerlei Hinsicht ein Erfolgsprojekt:

Bemerkenswert ist nicht nur, dass mittlerweile fast 30.000

Kinder auf inzwischen sieben Strecken des Fernverkehrs

sicher ans Ziel geleitet worden sind und die Nachfrage die

Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze weit übersteigt.

Bemerkenswert ist vor allem, dass es gelungen ist, für die

Umsetzung des Angebotes mehr als 30 Bahnhofsmissionen

zu aktivieren, die in freiwilliger Selbstverpflichtung ein hochfunktionales,

sicheres und verbindliches Netzwerk bilden.

Der Dienst wird durch mittlerweile über 120 hoch engagierte

freiwillige Mitarbeitende geleistet, die sorgfältig auf ihre

Aufgabe vor bereitet und in dieser begleitet werden.

aufgaben verbringen. Durchschnittlich mehr als 150.000 Kontakte

zu Kindern und Jugendlichen zählt die Bahnhofsmission

jährlich. Die Steigerung auf mehr als 200.000 Kontakte im

vergangenen Jahr zeigt eindrücklich, dass die Hilfe für Kinder

und Jugendliche derzeit eine Renaissance erlebt.

Einen erheblichen Beitrag zu dieser Entwicklung leistet der

Kinderbegleitdienst „Kids on Tour“: Bereits 2003 wurden erste

Überlegungen angestellt, das Angebot der Bahnhofsmissionen

wieder „auf die Schiene“ zu erweitern. Kinder, die nur

in Begleitung Erwachsener reisen können, waren eine Hauptzielgruppe

der Planungen. Aber auch die zu erwartende Zunahme

von altersbedingten Mobilitätseinschränkungen war

Grundlage für das Konzept, durch entsprechende Angebote

Menschen in einer sich individualisierenden und immer mobiler

werdenden Gesellschaft selbstbestimmte Teilhabe­ und

Kontaktmöglichkeiten zu bieten.

Die Idee zu „Bahnhofsmission Mobil“ entstand und die Geburtsstunde

von „Kids on Tour“ war gekommen. Gemeinsam

mit der Deutschen Bahn wurde ein Begleitkonzept entwickelt,

das Kindern im Alter von sechs bis 14 Jahren das Reisen im

Fernverkehr ohne Eltern ermöglicht. Fünf Kinder werden seitdem

von einer Begleitperson der Bahnhofsmission auf besonderen

Sitzplätzen oder in besonderen Abteilen in Zügen des

Fernverkehrs betreut. Ein großer Teil der Kinder, die dieses

Angebot nutzen, reist zwischen getrennt lebenden Eltern hin

und her. Die Bahnhofsmission ermöglicht diesen Kindern einen

regelmäßigen Kontakt zu beiden Elternteilen und ent lastet die

Familien von einer oft zermürbenden Transport logistik. Nicht

zuletzt kann sie einen Teil der fami liären Konfliktdynamik, die

von den Kindern mitgebracht wird, auffangen und abmildern.

Heute ist „Kids on Tour“ zu einem Aushängeschild der Arbeit

der Bahnhofsmission geworden. Die Bundes ministerin für

Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder,

hat die Schirmherrschaft für das Angebot übernommen.

Erfreulich ist zudem, dass der Erfolg von „Kids on Tour“

Anlass für die beiden Koopera tionspartner Deutsche Bahn

AG und Bahnhofsmission war, gemeinsam intensiv über

die Familienfreundlichkeit von Bahnhöfen nachzudenken.

Die als erstes Ergebnis dieser Überlegungen in Nürnberg

und Essen eröffneten Kinderlounges machen Hoffnung,

dass die Bahnhofsmission noch lange das soziale Gesicht

der Bahnhöfe bleibt – auch und besonders für Kinder.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Deutschland als Einwanderungsgesellschaft Unsere Zahlen

Heimerziehung in der

Nachkriegszeit

Schonungslose Benennung

der Missstände und aktive

Aufarbeitung

Die politische Bearbeitung der Heimkinder­Problematik ist entscheidend

vorangekommen. Der Runde Tisch Heimerziehung

hat seine Tätigkeit nach zwei Jahren zum Jahresende 2010

erfolgreich beendet. Der einmütig verabschiedete Abschlussbericht

wurde am 19. Januar 2011 dem Bundestagspräsidenten

Norbert Lammert übergeben. Der Bericht stellt fest, dass

die Strukturen der damaligen Heim erziehung Gewalt, Demütigung,

Missbrauch und ande res Unrecht begünstigt haben und

mündet in Vorschläge zur Rehabilitierung und Unterstützung

ehemaliger Heimkinder. Die vom Runden Tisch vorgeschlagenen

Lösungen richten sich zum einen auf die Gesamtheit aller

Betroffenen mit dem Ziel, die fortdauernde Stigmatisierung

durch den Heimaufenthalt zu durchbrechen. Dazu sollen unter

Beteiligung der freien Jugendhilfeträger regionale Anlauf­ und

Beratungsstellen für ehemalige Heimkinder eingerichtet werden.

Von den Repräsen tanten der damals verantwortlichen

Institutionen – Jugend ämter, Vormünder und Gerichte, kirchliche

und nichtkonfessionelle Träger – wird erwartet, dass sie

das seinerzeit verursachte Leid und das geschehene Unrecht

ausdrücklich anerkennen und die Betroffenen öffentlich um

Verzeihung bitten. Zum anderen soll ein Fonds zur materiellen

Unterstützung einzelner Betroffener eingerichtet werden, die

durch den Heimaufenthalt in besonderer Weise Leid erfahren

und Folgeschäden erlitten haben. Für Menschen, deren Arbeitsleistung

im Heim nach heutigem Verständnis sozialversicherungspflichtig

gewesen wäre, sind Rentenersatzleistungen

vorgesehen. In allen Fällen sollen keine hohen Hürden für die

Glaubhaftmachung der Schäden aufgestellt werden.

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Die Diakonie hat die Arbeit des Runden Tischs nachdrück ­

lich unterstützt und die schonungslose Benennung der Missstände

sowie die Bereitstellung individueller Hilfen deutlich

befürwortet. Unmittelbar mit der Veröffentlichung des Abschlussberichts

haben Diakonie, Caritas und Kirchen ihre

Bereitschaft zur Übernahme ihres Anteils an dem geplanten

Heimkinder­Fonds erklärt und die Verantwortlichen in Bund

und Ländern aufgefordert, ihre Verantwortung in gleicher

Weise zum Ausdruck zu bringen. Mit seinem Beschluss vom

7. Juli 2011 hat sich nun der Bundestag die Empfehlungen des

Runden Tisches zu eigen gemacht. Nachdem auch die Landesjugendministerkonferenz

die Beteiligung der Länder befürwortet

hat, werden in der zweiten Jahreshälfte 2011 zwischen

Bund, Ländern und Kirchen die rechtlichen Rahmenbedingungen

für den Heimkinder­Fonds erarbeitet. Er soll seine Tätigkeit

möglichst mit Beginn des neuen Jahres aufnehmen.

Eine wesentliche Grundlage für den Abschlussbericht des

Runden Tisches stellten die Erkenntnisse des zentralen Forschungsprojekts

an der Ruhr­Universität Bochum über die

„konfessionelle Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik“

dar. Am 24. Mai 2011 wurden die Ergebnisse des Projekts

der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit dieser wichtigen Studie ist

es erstmals möglich, ein wissenschaftlich fundiertes Gesamturteil

über die Heimerziehung in konfessioneller Trägerschaft

dieser Zeit zu treffen. Der Forschungsbericht wird im Herbst

in Buchform veröffentlicht. 1) Das Vorliegen der Forschungsergebnisse

und des Abschlussberichts des Runden Tischs

bildet die Grundlage für die förmliche Bitte um Verzeihung,

die der Präsident des Diakonie Bundesverbandes, Johannes

Stockmeier, und der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Nikolaus

Schneider, am 11. September 2011 in einem gemeinsamen

öffentlichen Akt an die ehemaligen Heimkinder richten.

Mit der Einrichtung des Fonds und der Bitte um Verzeihung ist

die Bearbeitung dieses Themas nicht beendet. Die damals in

der Jugendhilfe tätigen diakonischen Einrichtungen stehen vor

der Aufgabe, ehemaligen Heimkindern für die Antragstellung

beim Fonds Unterlagen über den Heimaufenthalt und mögliche

Arbeitsleistungen auszustellen.

Die historische Aufarbeitung in den Einrichtungen und der

Aufbau einer Ehemaligenarbeit werden fortgesetzt. Die Erinnerung

an Missstände und Unrecht in der Vergangenheit kann

und soll dazu beitragen, die Gegenwart und Zukunft der diakonischen

Jugendhilfe verantwortungsvoll zu gestalten und

durch präventive Maßnahmen künftig Fehlentwicklungen zu

verhindern.

1) Bernhard Frings/Uwe Kaminsky: Gehorsam, Ordnung, Religion.

Konfessionelle Heimerziehung 1945–1975, Münster 2011.

Deutschland als

Einwande rungsgesellschaft

Diakonie sieht positive

Entwicklungen

Viele Erfolge und viele Ziele

Der Diakonie Bundesverband betrachtet Deutschland als

Einwanderungsgesellschaft grundsätzlich positiv und sieht,

dass es schon viele Erfolge gibt, auch wenn manches noch

Zeit braucht. Ein besonderes Anliegen ist das Engagement für

Schutzsuchende ohne festen Aufenthaltstitel. Ihren Rechten

soll mehr Geltung verschafft werden.

Integration ist ein Langzeitprozess

Die soziale Arbeit der Diakonie kann die jahrzehntelangen

Versäumnisse der Politik nicht kompensieren, engagiert sich

aber für den Abbau der Benachteiligungen und die Linderung

der Probleme, die die Ratsuchenden in die Beratungsstellen

mitbringen und stärkt ihre Position. Die Migrationsberatung

für erwachsene Zuwanderer (MBE) erreicht die Menschen,

die Unterstützung dringend benötigen. Eine Auswertung der

Beratungsdaten aus der Diakonie in Kooperation mit der

Evangelischen Fachhochschule in Bochum zeigte: „Die

typische Ratsuchende der MBE ist 39 Jahre, weiblich, verheiratet,

lebt mit Partner und Kindern zusammen, ist arbeitsuchend,

SGB­II­Bezieherin und lässt sich vor allem zu

ressourcen orientierten Themen beraten.“ Diese Typisierung

darf nicht verdecken, dass die Lebenslagen der Ratsuchenden,

die in die MBE kommen, sehr unterschiedlich und die

Beratungsbedarfe unterschiedlich groß sind. Die MBE arbeitet

nach einem ganzheitlichen Ansatz und nimmt die persönlichen

Bedarfe der einzelnen Zuwanderer in den Blick.

Der Protest hat sich gelohnt – das Asylbewerberleistungsgesetz

auf dem Prüfstand

Besonders schwierig ist der Alltag für Asylsuchende und Geduldete,

die sozialrechtlich dem Asylbewerberleistungsgesetz

unterfallen. Von Anfang an lehnten Kirchen, Wohlfahrtsverbände

und Flüchtlingsorganisationen das 1993 im Asylkompromiss

entstandene Sondergesetz mit willkürlich reduzierten

Sozial­ und Gesundheitsleistungen ab. Die seit vielen Jahren

geführte Diskussion hat nun durch das Grundsatzurteil des

Bundesverfassungsgerichts vom 9. Februar 2010 über die Berechnung

der Regelsätze nach dem SGB II und die Definition

eines soziokulturellen Existenzminimums neuen Aufwind

bekommen. Danach entspricht das Gesetz in der derzeitigen

Form mit seinen evident zu niedrigen Leistungen nicht den

Anforderungen, die das Bundesverfassungsgericht formuliert

hat. Eine Neuberechnung auch der Leistungen nach dem

Asylbewerberleistungsgesetz ist notwendig. Das hat die Bundesregierung

selbst eingeräumt. Das Gesetz liegt zurzeit dem

Bundesverfassungsgericht zur Prüfung vor. Die Diakonie war

an der Erarbeitung von Stellungnahmen zum Thema beteiligt.

Sie fordert die Abschaffung des Vorrangs von Sachleistungen

(Essenspakete, Gemeinschaftsunterkünfte, Kleiderkammern),

die Angleichung der Regelsätze an die SGB­II­ und SGB­XII­

Leistungen und damit auch die Abschaffung der Bezugsdauer

von vier Jahren.

Abschiebehaft für Frauen in Neuss. Foto: Andreas Labes, epd


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Abschiebungshaft passt nicht zu einer freiheitlichen

Gesellschaft

Kritisch begleitet das Diakonische Werk der EKD ein Gesetz,

das EU­Richtlinien in deutsches Recht umsetzt und aufenthaltsrechtliche

Änderungen mit sich bringt. Eine dieser Richtlinien,

die EU­Rückführungsrichtlinie, war für die Diakonie

Anlass, eine Neufassung ihrer Position zur Abschiebungshaft

zu erarbeiten. Die Diakonie lehnt die Inhaftierung von Migrantinnen

und Migranten zur Sicherung der Abschiebung ab.

Das staatliche Interesse an der Vollstreckung einer

Abschiebung darf das Grundrecht auf persönliche Freiheit

des Einzelnen nicht überwiegen. Weil Abschiebungshaft trotzdem

weiter zur Anwendung kommt, formuliert das Papier für

die Rechts­ und Vollzugspraxis Positionen und Mindestanforderungen:

Abschiebungshaft darf – wenn überhaupt – nur

als Ultima Ratio angewandt werden und sollte niemals länger

als drei Monate andauern. Besonders schutzbedürftige Menschen

– etwa Minderjährige, Traumatisierte und Kranke –

dürfen aus Sicht der Diakonie gar nicht inhaftiert werden.

Abschiebungshaft ist keine Strafhaft und muss grundsätzlich

getrennt vom Strafvollzug durchgeführt werden. Der Zugang

von unabhängigen Organisationen und Seelsorgern zu den

Inhaftierten muss gewährleistet sein und Rechtsberatung zur

Verfügung gestellt werden. Die Bedingungen der Unterbringung

und der Vollzug müssen so freiheitlich wie irgend möglich

gestaltet werden.

Abschiebehaft bedeutet: Menschen, die in Deutschland Asyl suchten, leben –

oft wochen­ und monatelang – hinter Gittern und Stacheldraht. Auch

Frauen, Minderjährige, Traumatisierte. Die Diakonie lehnt die Inhaftierung

zur Sicherung der Abschiebung von Migrantinnen und Migranten ab.

Foto: Jens Schulze, epd

50/51

Diakonie­Unterrichtsmaterial zu sozialen Themen

für alle Altersgruppen

Um Bildung von Kindern und Jugendlichen in sozialen

Belangen zu fördern, initiierte das Diakonische Werk

der EKD eine neue Publikationsreihe. Regelmäßig wird

Unterrichtsmaterial zu sozialen Themen veröffentlicht.

Dieses richtet sich besonders an Lehrerinnen und Lehrer

und Aktive in der Kinder­ und Jugendarbeit und hilft

bei der Vorbereitung von Unterrichtsstunden oder

Projekten.

Das Material enthält Hintergrundinformationen für Unterrichtende

und Arbeitsblätter für Kinder, Jugendliche und

junge Erwachsene. Zu einem Thema erscheinen drei

Hefte, die sich jeweils auf die unterschiedlichen Altersgruppen

beziehen.

Zielgruppe 1 – Primarstufe: Kinder im Alter von 6 bis

11 Jahren, einsetzbar in der Grundschule, in der Arbeit

mit Kindern in der Gemeinde, im Kindergottesdienst

Zielgruppe 2 – Sekundarstufe I: Jugendliche im Alter

von 12 bis 16 Jahren, einsetzbar in verschiedenen

Schulformen der Sekundarstufe I, in der Jugendarbeit,

im Konfirmandenunterricht

Zielgruppe 3 – Sekundarstufe II: Jugendliche und junge

Erwachsene im Alter von 17 bis 20 Jahren, einsetzbar

in verschiedenen Schulformen der Sekundarstufe II, in

der Jugendarbeit, in der beruflichen Bildung

Das Material steht als druckfähige Version zum kostenlosen

Download auf der neuen Seite

www.diakonie.de/unterrichtsmaterial zur Verfügung.

Zugleich wurde ein Leitfaden veröffentlicht, der beschreibt,

welche Qualitätskriterien an das Unterrichtsmaterial

gestellt werden und wie dieses professionell

er arbeitet werden soll.

In den kommenden Jahren sollen kontinuierlich weitere

soziale Themen bearbeitet werden, wie zum Beispiel

das Thema Freiwilliges Engagement.

Kirche findet Stadt

Gemeinwesendiakonie

als gemeinsame Aufgabe

von Kirche und Diakonie

„Leuchtturm­Standorte“ vermehren sich

Die Themen „Vernetzung im Stadtteil“, „Verankerung in Nachbarschaft“

und „Mitwirkung der Betroffenen“ stehen unter

dem Begriff Gemeinwesendiakonie fast überall in Kirche und

Diakonie auf der Agenda.

Auf Bundesebene besteht eine Zusammenarbeit von Evangelischer

Kirche in Deutschland (EKD) und Diakonischem Werk

der EKD. Hier werden unter anderem Kriterien zum Aufbau

von Gemeinwesendiakonie­Projekten entwickelt und Fachtagungen

durchgeführt. Ein gemeinsamer Fachbeirat unterstützt

diese Bemühungen durch die Einbeziehung von Forschung

und Lehre.

Inzwischen gibt es eine Vielzahl von „gemeinwesendiakonischen

Leuchtturm­Standorten“. Die Diakonie unterstützt sie

durch ihre Netzwerkstelle Gemeinwesendiakonie.

Kirche als zivilgesellschaftlicher Akteur in der

sozialen Stadtentwicklung

Vor diesem Hintergrund wurde das ökumenische Verbundprojekt

Kirche findet Stadt“ gestartet. Der Diakonie Bundes­

verband hat dafür die Trägerschaft übernommen und führt

das Projekt in enger Kooperation mit dem Deutschen Caritasverband

gemeinsam mit der EKD, dem Verbund der evangelischen

und katholischen Akademien sowie dem Sekretariat

der katholischen Bischofskonferenz durch. Gefördert wird dieses

Vorhaben vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

(www.nationale­stadtentwicklungs politik.de).

Das ökumenische Projekt Kirche findet Stadt (KfS) will den

lokalen Akteuren eine überregionale und auch bundesweit

angelegte Diskurs­Plattform bieten, um die „gute zivilgesellschaftliche

Praxis“ kirchlicher Träger zu identifizieren und

deren Erkenntnisse für weitere Initiativen vor Ort nutzbar

zu machen.

Unterstützung des Bündnisses für eine

Soziale Stadt

Die von der Regierungskoalition beschlossene radikale Kürzung

des Programms „Soziale Stadt“ stellt

den bisher er folgreichen strate gischen Ansatz

in Frage; für das Jahr 2012 zeichnen

sich weitere Kürzungen ab. Kernanliegen und

Erfolgsgarantie des Programms, nämlich die

Verknüpfung baulich­investiver und sozialer

Maßnahmen, werden damit nur eingeschränkt möglich sein.

Das bedeutet faktisch das Aus für das „Soziale“ im Programm

„Soziale Stadt“.

Die Diakonie unterstützt das „Bündnis für eine Soziale Stadt“

und hat sich darüber hinaus durch Pressearbeit, fachpolitische

Stellungnahmen sowie durch Unterstützung von Aktionen

auf regionaler und lokaler Ebene intensiv für die Weiterentwicklung

und Förderung dieses integrierten Ansatzes

eingesetzt.

Vor dem Hintergrund der sozialen Differenzierung und Spaltung

in Deutschland wäre es nötig, das Programm „Soziale

Stadt“ als Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und

Gemeinden auf hohem Niveau zu verstetigen.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Diakonie in der Öffentlichkeit Unsere Zahlen

Diakonie in der

Öffentlichkeit

Die Marke stärken unter

sich wandelnden

politischen und medialen

Bedingungen

Markenschutz: Der Verband hat einen Schatz

zu hüten

Die bereits langjährige Arbeit des Diakonie Bundesverbandes

zur Markenpflege – das bedeutet vor allem die Anmeldung

von Marken und ihren Schutz vor unberechtigten Zugriffen –

hat im Berichtszeitraum verstärkt ihren Weg in die Gremien

und Organe des Diakonischen Werkes der EKD gefunden.

Dies gilt besonders für diejenigen Marken, die zur Kennzeichnung

diakonischer Dienste von zentraler Bedeutung sind, die

sogenannten Referenz­Marken. Im Mittelpunkt stehen hier

die Wort­Bild­Marken „Diakonie mit Kronenkreuz“ und „Brot

für die Welt“ in verschiedenen Varianten. Der Wort­Bild­Marke

„Brot für die Welt“ kommt sogar der maximal erreichbare

Status einer „öffentlich bekannten Marke“ zu.

Grundlage der Verbandsdiskussion war das Arbeitspapier der

Arbeitsgruppe Markenrecht, das in seinen rechtlichen Kernaussagen

und Anforderungen an den Diakonie Bundesverband

und seine Mitglieder von den Organen Vorstand und

Diakonischer Rat und den Gremien Leitungskonferenz und

Fachverbandskonferenz zustimmend erörtert worden ist.

Eine Reihe von Vorschlägen ist zwischenzeitlich in die Entwicklung

der Satzung für das neue „Evangelische Werk für

Diakonie und Entwicklung“ und seine Mitgliedschaftsordnung

52/53

eingeführt worden. Einzelne relevante Aspekte etwa zum Verwechslungsschutz

der Referenz­Marken zu anderen ein getragenen

und nicht eingetragenen Marken von Mitgliedern und

Dritten sowie zur einheitlichen Anmeldungspraxis werden

weiterverfolgt. Der Bundesverband des Diakonischen Werkes

hat hier einen Schatz zu hüten und zu mehren, der sowohl

identitätsbildend als auch von allen Beteiligten als Marktwert

erkannt worden ist.

Die Klarheit über Rechte und Pflichten der Mitglieder wird

ebenso Thema bleiben wie die reflektierte Verwendung der

Marken im Sponsoring und Fundraising. Die bewährte Zusammenarbeit

insbesondere mit den Fachleuten aus Recht

und Öffentlichkeitsarbeit der Mitglieder des Diakonischen

Werkes der EKD wird fortgesetzt und vertieft werden.

Die Jahreskampagne 2011: Menschlichkeit

braucht Unterstützung

Die Kampagne „Menschlichkeit braucht Unterstützung“ wurde

vor allem über bundesweite Großflächenplakate in der Außenwerbung

sowie über den TV­ und Kinospot „Perspek tiven“

kommuniziert. Es konnte auch 2011 ein bundesweiter Vertrieb

der Großflächenplakate über verschiedene Spender und Sponsoren

aus der Werbewirtschaft sichergestellt werden. Dabei

kamen alle Motive der Kampagne in etwa gleichen Anteilen

zum Einsatz. Sie alle stellen über Porträts von Menschen Kernarbeitsfelder

diakonischer Arbeit vor. Der Vertrieb erfolgte

überwiegend kostenlos.

Zusätzlich wurde das Motiv dieser Kampagne zum Euro päischen

Jahr der Freiwilligentätigkeit „Da sein, nah sein, Mensch

sein: Freiwillig engagiert“ über ein spezielles Spon soring direkt

in Berlin platziert. So konnte das eigens für das EU­Jahr entwickelte

Plakat – es zeigt eine freiwillig Engagierte aus Stuttgart

in hoher Konzentration zu Beginn des Jahres gezielt auf

den Berliner Plakatmarkt gebracht werden.

Erfolg: Plakatwerbung der Diakonie auf Flughäfen

Einen besonderen Erfolg verzeichnete die Plakatwerbung des

Diakonischen Werkes der EKD in der Platzierung auf deutschen

Flughäfen. Die Flughafenwerbung setzt auf digitale Großbildschirme

mit hochwertiger Auflösung, die an stark frequen tierten

Plätzen der Flughäfen im Sekundentakt Werbung zeigen.

Diese Werbung ist regulär sehr teuer. Durch einen Förderer

der Diakonie­Werbung ist es 2011 gelungen, die Plakate

in das Vertriebsnetz deutscher Flughafenwerbung aufzu­

Andreas Wagner, Jürgen Hammelehle und Dieter Pool, Verantwortliche in

der Öffentlichkeitsarbeit bei Diakonie Bundesverband, EED und

Ökumenischer Diakonie. Foto: Stephan Röger

nehmen, und zwar konstant über das ganze Jahr hinweg. Mit

dieser gespendeten Werbung werden jedes Jahr in Deutschland

Millionen Menschen mit Diakonie­Werbung erreicht

(220 Millionen Bruttokontakte im Jahr). Dabei ist das Verfahren

sehr kostengünstig: Der Werbetreibende benötigt lediglich

eine Bilddatei der Kampagnenmotive. Weitere wichtige Aspekte

der Kampagnenumsetzung sind die Nutzung durch die Verbandsmitglieder

sowie Kooperationen. Dabei stellt der Diakonie

Bundesverband Werbeträger der Kampagne für regio nale

Veranstaltungen zur Verfügung. Als Beispiele seien der Kampagnen­Ballon

„Skyball“ oder die Gebäudeposter des Diakonie

Bundesverbandes genannt, die auf vielen regionalen

Diakonie­Events zum Einsatz kommen.

Im Frühjahr 2011 zeigte der Fernsehsender RTL in einer zweiten

Staffel den Diakonie­Spot „Perspektiven“. RTL hatte sich

2010 der Initiative des Diakonie Bundesverbandes gegen

Kinderarmut in Deutschland angeschlossen und sendete

diesen Spot pro bono. Der TV­ und Kino­Spot „Perspektiven“

des Diakonischen Werkes der EKD wurde auf dem interna tionalen

world media festival in Hamburg am 18. Mai 2011 mit

einem „Intermedia­globe gold“ in der Kategorie „TV Commercials“

ausgezeichnet.

Arbeitsbedingungen der Diakonie im

Kreuzfeuer der Medien

„Hauptsache billig, billig, billig“ – unter diesem Titel veröffentlichte

der „Stern“ am 12. Januar 2011 einen Artikel über die

Ein Motiv aus dem Kino/TV­Spot „Perspektiven“ der Diakonie zum Thema

„Kinderarmut“. Buch und Regie Justus Becker, Kamera Stephan Burchardt,

Produktion Axel Brügmann

Arbeitsbedingungen in diakonischen Einrichtungen. Da war

von Lohndumping die Rede, von miesen Tricks des evangelischen

Wohlfahrtsverbandes, von Leiharbeit und Ausgründungen.

Zahlreiche Medien berichten seit längerem über angeblich

schlechte oder kirchenrechtswidrige Beschäftigungs­ und

Tarifbedingungen bei der Diakonie. Leitmedien griffen das Thema

auf. Ausgliederungen von bestimmten Mitarbeiter gruppen

einzelner Einrichtungen werden als gezieltes „Lohn dumping“

interpretiert und auf die Gesamtorganisation pro ji ziert, der

Gebrauch der Übungsleiterpauschale als missbräuch lich dargestellt

sowie das Streikverbot in Diakonie und Kirche problematisiert.

Durch Beispiele aus der gesamten Republik wurde

der Eindruck vermittelt, es handele sich um ein flächendeckendes

Problem. Der „Stern“­Artikel hat mit der Verallgemeinerung

von Einzelfällen das Thema zugespitzt und verschärft.

Durch die christlich­ethischen Ansprüche, die die Diakonie

an sich selbst stellt, ist die „moralische Fallhöhe“ der medialen

Beurteilung besonders groß. Die negative Medienberichterstattung

über die Arbeitsbedingungen in der Diakonie zielt darauf

ab, einen Widerspruch zu den ethischen Ansprüchen der

Diakonie glauben zu machen. Es entstehen erheb liche Risiken

für das Image und die Glaubwürdigkeit. Diese Risiken können

Auswirkung auf die Handlungsfähigkeit der Diakonie gegenüber

verschiedenen Bezugsgruppen wie Klienten, Mitarbeitenden,

der Politik sowie sozialen Trägern und Kostenträgern

haben.

Erfolgreiche Kommunikationsarbeit ist möglich, wenn sich

alle Handlungsebenen dessen bewusst sind. Die Position der


Editorial FotoKunst Unsere Themen Diakonie und Sozialstaat Unsere Zahlen

Diakonie zum sogenannten Dritten Weg wird für verschiedene

Zielgruppen verständlich aufbereitet. Kommunikationsarbeit

braucht zudem verlässliche und überprüfbare Fakten über den

Ist­Zustand. Eine Erhebung zu den Arbeitsverhältnissen der

Diakonie wird deshalb durchgeführt. Das ist Grundlage dafür,

dass Fehlinformationen korrigiert und informative und überzeugende

Botschaften verbreitet werden können.

Wer arbeitet hauptamtlich in der Diakonie?

Mitarbeitendenstatistik zum 1. September 2008

2008 führte das Diakonische Werk der EKD eine statistische

Erhebung durch, bei der die aktuell verfügbaren Strukturdaten

der Mitarbeitenden der Diakonie auf der Grundlage einer

repräsentativen, proportionalen Stichprobe mit dem Stichtag

1. September 2008 bei etwa 1.500 Einrichtungen der Diakonie

erfasst wurden. Detaillierte Ergebnisse sind festgehalten im

Diakonie Text „Mitarbeitendenstatistik zum 1. September 2008“.

Demnach ist „der typische Mitarbeitende“ eine Frau, um die

40 Jahre alt, evangelisch und arbeitet schon neun Jahre bei

einem diakonischen Träger. Sie ist teilzeitbeschäftigt und

angestellt in den Entgeltgruppen zwischen 5 bis 8 nach TVöD.

Die in der Erhebung genannte Frauenquote von 78 Prozent

schließt die Mitarbeitenden der Kindertagesstätten nicht ein.

Die Mitarbeitenden der Diakonie sind im Schnitt 43 Jahre alt.

Damit ist der Altersdurchschnitt im Vergleich zu 1994, dem

Zeitpunkt der letzten Mitarbeitendenstatistik um vier Jahre

gestiegen. Über die Hälfte der Beschäftigten der Diakonie

(53 Prozent) ist evangelisch. Gleichzeitig ist Integration für die

Diakonie ein hoher Wert und wird praktisch gelebt in der Zusammenarbeit

mit Mitarbeitenden anderer Religionen und

ohne Glaubens bekenntnis.

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit in der Diakonie

beträgt etwa neun Jahre. Darin kommen eine hohe Mitarbeiterbindung

und eine hohe Identifikation der Beschäftigten mit

der Diakonie zum Ausdruck. Die im Vergleich mit gewerblichen

Arbeitgebern größere Arbeitsplatzsicherheit und die fast flächendeckende

Tarifentlohnung steigern die Attraktivität diakonischer

Arbeitgeber.

Die Arbeitsvertragsrichtlinien des Diakonischen Werkes der

EKD und die regionalen Arbeitsvertragsrichtlinien waren mit

45,2 Prozent, bezogen auf die Zahl der Beschäftigten, schon

im Jahr 2008 die am häufigsten angewendeten Tarifwerke. Der

Anteil der Sondertarife in der Diakonie liegt unter 15,6 Prozent

und ist damit eher klein. Die Tarife selbst bewegen sich über

54/55

der Mindestlohnnorm. Die häufigsten Vergütungsgruppen entsprechen

den Entgeltgruppen 6 bis 7 in den Arbeitsvertragsrichtlinien

des Diakonischen Werkes der EKD. Das zeigt einen

hohen Anteil qualifizierter Mitarbeitender in der Diakonie.

Ungleichheiten in der Geschlechterdifferenzierung stammen

noch aus dem geschichtlich prägenden konservativen Milieu

im Protestantismus und wirken in der diakonischen Kultur

nach. Die ehemalige Zuschreibung der diakonischen Arbeitsebene

als „weiblich“ und der Leitungsebene als „männlich“

ist in der Tendenz noch in der Verteilung der Vergütungsgruppen

sichtbar.

Der Großteil der Mitarbeitenden ist teilzeitangestellt (70 Prozent),

25 Prozent sind vollzeitbeschäftigt. Dies ist Ausdruck einer

Ent wicklung in den letzten Jahren, in der der Anteil von Teilzeitmitarbeitenden

an der Gesamtzahl der Mitarbeitenden gestiegen

ist. Die häufigsten Berufe in der Diakonie sind Alten pfleger/

­innen, Sozialarbeiter/­innen, Ehe­ und Erziehungs berater/

­innen (21 Prozent), Sozialpädagogen und Heilerzie hungspfleger/­innen

(18 Prozent) sowie Kranken schwestern/­pfleger

und Krankenpflegehilfen mit 15 Prozent.

Eine hohe Fachlichkeit ist in der Diakonie wichtig und drückt

sich unter anderem in der hohen Zahl der Mitarbeitenden

mit Berufsausbildung beziehungsweise Hochschulabschluss

(81 Prozent) aus. Die diakonischen Träger geben aber auch

Menschen eine Chance, die keine berufliche Ausbildung

vorweisen können (10 Prozent).

Beschäftigungsdauer in Jahren

0 10 20 30 40

Beschäftigungsdauer

in Jahren

< 5 36,0

5 – 9 23,9

10 – 14 15,9

15 – 19 12,6

20 – 24 5,2

25 – 29 3,4

30 – 34 1,9

35 – 39 0,9

40 – 44 0,1

Mitarbeitende in Prozent

45 + 0,09

Diakonie und

Sozialstaat

Den Rahmen liefern

das Recht und politische

Entscheidungen

Zuwendungen zur Erfüllung satzungsgemäßer

Aufgaben – das Zuwendungsrecht

Wie viele andere Organisationen auch, erhält das Diakonische

Werk der EKD selbst sowie als Zentralstelle mit koordinierender

und überwachender Funktion für seine Landesverbände

und deren Einrichtungen freiwillige finanzielle Leistungen des

Bundes, sogenannte Zuwendungen, zur Erfüllung satzungsmäßiger

Aufgaben und für die Umsetzung bestimmter Projekte.

Die Geldmittel werden dem Empfänger mit einem Zuwendungsbescheid

zur Verfügung gestellt. Dieser ist mit

bestimmten Bedingungen und Auflagen versehen. Bestand ­

teil des Bescheids sind ferner Verwaltungsvorschriften und

all gemeine Nebenbestimmungen sowie weitere spezifische

Auflagen zur Mittelverwendung, wobei in den letzten Jahren

eine stetig steigende inhaltliche Detailsteuerung durch den

Zuwendungsgeber zu beobachten ist.

Diese zunehmende engmaschige Normierung von Auflagen

in den Zuwendungsbescheiden einzelner Förderbereiche

birgt die Gefahr, ein Leistungsaustauschverhältnis und somit

einen umsatzsteuerpflichtigen Tatbestand zu begründen.

Erste Entscheidungen des Bundesfinanzhofs weisen in diese

Richtung, auch wenn das Bundesministerium der Finanzen

in seinem Umsatzsteuer­Anwendungserlass vom 1. Oktober

2010 grundsätzlich festgestellt hat, dass Zuwendungen echte

Zuschüsse und somit nicht umsatzsteuerpflichtig sind. Das

Diakonische Werk der EKD hat sich in einer beim Deutschen

Verein für öffentliche und private Fürsorge eingesetzten

Arbeitsgruppe zusammen mit weiteren Zuwendungsempfängern

auf Bundesebene dafür eingesetzt, die bestehende und

bewährte Differenzierung beizubehalten und die Abgrenzung

im Umsatzsteuerrecht klarer zu fassen.

Erhält das Diakonische Werk der EKD Mittel als Zentralstelle,

werden diese Mittel in Form von Weiterleitungsverträgen

an die Zwischen­ beziehungsweise die sogenannten Letztempfänger

weitergegeben.

Im Verlauf der Jahre hat sich eine ausdifferenzierte und divergierende

Vertragspraxis entwickelt, und eine Förderinstitution

hat damit begonnen, den Zuwendungsbescheiden eigene verbindlich

anzuwendende Musterverträge beizufügen – obgleich

die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege den darin vorgegebenen

Vertragsbedingungen aus tatsächlichen oder rechtlichen

Gründen nicht nachkommen konnten. Inzwischen hat

eine von der Finanzkommission der Bundesarbeitsgemeinschaft

der Freien Wohlfahrtspflege eingesetzte Arbeitsgruppe

unter Federführung des Diakonischen Werkes der EKD Musterweiterleitungsverträge

erarbeitet, die der Vereinheitlichung

der Mittelweiterleitung bei allen beteiligten Spitzenverbänden

dienen. Diese für die Migrationsberatung entwickelten Musterverträge

sind nach Abstimmung mit dem Bundesamt für

Mi gration und Flüchtlinge erstmals mit der Zuwendung

für das Jahr 2011 dem Bescheid als verbindliches Muster

beigefügt worden.

Das Zuwendungsrecht muss flexibler und

wirtschaftlicher werden

Das staatliche Zuwendungsrecht ist in seiner Ausgestaltung

unübersichtlich und durch ein Übermaß an Bürokratie gekennzeichnet.

Das führt in der Praxis zu unwirtschaftlichem

Arbeiten, Beschränkung der eigenständigen Aufgabenerfüllung

der Zuwendungsempfänger und Behinderung des bürgerschaftlichen

Engagements. Die genannte Arbeitsgruppe

beim Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge

hat deshalb Vorschläge zur Reform des Zuwendungsrechts

erarbeitet, die unter anderem auch an die Bundesregierung

herangetragen worden sind.

Diese sieht derzeit keinen Bedarf, das Zuwendungsrecht

zu vereinfachen. Sie vertritt die Auffassung, dass die Ausgestaltung

des Zuwendungsrechts im Spannungsfeld zwischen

dem Interesse eines geringen Verwaltungsaufwands für Zuwendungsempfänger

und Zuwendungsgeber einerseits und


Editorial FotoKunst Unsere Themen Diakonie und Sozialstaat Unsere Zahlen

andererseits den Interessen der Allgemeinheit an einer transparenten

und wirtschaftlichen Verwendung der Zuwendungsmittel

steht, die zur Erreichung eines bestimmten Interesses

des Bundes gewährt werden. Nach Auffassung der Bundes ­

regierung gewährleistet das geltende Zuwendungsrecht die

Vereinbarkeit dieser Ziele.

Ziel aller Reformüberlegungen muss sein, das Zuwendungsrecht

flexibler und wirtschaftlicher zu gestalten. Das ist nur zu

erreichen durch eine Verringerung des Verwaltungsaufwands.

Deshalb werden die im Deutschen Verein vertretenen Akteure

ihr Anliegen auf allen politischen Ebenen weiterverfolgen: eine

Reform des Zuwendungsrechts unter Beachtung der berechtigten

Interessen von Allgemeinheit, Zuwendungs geber und

Zuwendungsempfänger.

Europarechtliche Ansätze zur Modernisierung

des Vergaberechts

Europarechtliche Ansätze zur Modernisierung des Vergaberechtes

sind zurzeit besonders interessant: Die bereits allgemein

anerkannte Besonderheit der für die sozialen Dienste

und die Sozialwirtschaft verbindlichen Werteentscheidungen

soll in der anstehenden Modernisierung der einschlägigen

EU­Vergaberechtsrichtlinie Berücksichtigung finden. Zur

Vorbereitung hat die EU­Kommission ein Grünbuch erstellt

und ist in ihrem Fragenkatalog ausdrücklich auch auf die

Besonderheiten der sozialen Dienste und des Sozialwesens

eingegangen.

Erfreulich ist, dass ein Problem bei der Anwendung von Vergaberecht

auf sozialrechtliche Leistungsbeziehungen breitere

parlamentarische Aufmerksamkeit erfährt: An der öffentlichen

Vergabe von Integrationsfachdiensten lässt sich derzeit plausibel

darstellen, welche Auswirkungen die Verfahrensgestaltung

auf fachlich gebotene Leistungsaspekte hat. Verwiesen

sei hier auf eine Kontinuität der Ansprechpartner und vernetzte

Leistungsstrukturen als Rahmen einer interdisziplinären

Zusammenarbeit. Parallel zu den Verhandlungen der Konferenz

der Arbeits­ und Sozialministerkonferenz (ASMK) steht

das Thema auch auf der Tagesordnung des Bundestages,

dessen Ausschuss für Arbeit und Soziales die erwähnten

Probleme in einer öffentlichen Anhörung erörtern wird. An

dieser Debatte beteiligt sich das Diakonische Werk der EKD

über die BAGFW mit einer Stellungnahme.

Das gemeinsame Auftreten der Verbände und die fachlich

fundierte Vertretung des Problems über die BAGFW werden

56/57

Die Gewerkschaft ver.di hat zum Streik für den Abschluss eines Tarifvertrags

vor dem Sitz des Diakonie Bundesverbandes aufgerufen. Die Diakonie hält am

Dritten Weg fest. Foto: Rolf Zöllner, epd

künftig auch bei anderen Gesetzgebungsvorhaben zum

Tragen kommen, in denen die Bundesregierung und der

Gesetzgeber auf einer vergaberechtsrelevanten Gestaltung

beharren.

Der Dritte Weg ist zukunftsfähig

Im Jahr 2009 und 2010 befand sich der sogenannte Dritte Weg

auf Bundesebene in der Krise. Die Diakonische Konferenz im

Juni 2010 hatte die Ordnung der Arbeitsrechtlichen Kommission

(ARK) des Diakonischen Werkes der EKD geändert. Durch

einen gesonderten Beschluss wurde entschieden, diejenigen

Arbeitsgemeinschaften der Mitarbeitervertretungen, die öffentlich

erklärt hatten, am Dritten Weg nicht mehr festhalten zu

wollen, für die nächste – also die jetzt laufende – Wahlperiode

nicht mehr zur Delegiertenversammlung einzuladen.

Damit wurde erreicht, dass die Arbeitsrechtliche Kommission

des Diakonischen Werkes der EKD arbeitsfähig ist. Die Dienstnehmerseite

ist nach dem Beschluss der Diakonischen Konferenz

ordnungsgemäß von den entsendungsberechtigten

Delegierten gewählt worden. Die Arbeitsrechtliche Kommission

hat ihre Arbeit im Dezember 2010 aufgenommen.

Positiv hat sich ausgewirkt, dass beide Seiten der Arbeitsrechtlichen

Kommission durch die Beschlüsse der Diakonischen

Konferenz materiell gestärkt wurden. Ein eigenes Bud­

get macht es möglich, sowohl externe Sachverständige als

auch Sachmittel für die Verhandlungsparteien bereitzustellen.

Arbeitsrechtliche Kommission stellt sich aktuellen

Herausforderungen

Die Arbeitsrechtliche Kommission hat die erforderlichen

redaktionellen Änderungen der Arbeitsvertragsrichtlinien

(AVR DWEKD) beschlossen, bereits im April des Jahres 2011

eine Entgelterhöhung verabschiedet sowie die Frage des

Übergangs von dem früheren BAT­ähnlichen System in die

AVR­Reform (2007) deutlich gestrafft. Zudem wurde eine

Ost­West­Angleichung mit Öffnungsmöglichkeiten für Einrichtungen

in wirtschaftlich belasteten Situationen geschaffen.

Zugleich hat sich die Arbeitsrechtliche Kommission mit dem

Thema des demografischen Wandels befasst, um angesichts

des drohenden Fachkräftemangels rechtzeitig notwendige

Beschlüsse im Arbeitsrecht fassen zu können. Die ARK hat

sich damit als handlungs­ und einigungsfähig erwiesen.

Parallel dazu hat die vom Kirchenamt der EKD eingesetzte

Arbeitsgruppe getagt, um ein Arbeitsrechtsregelungsgrundsätzegesetz

vorzubereiten. Durch dieses Gesetz wird die

Arbeitsrechtliche Kommission des Diakonischen Werkes der

EKD auf eine gesetzliche Grundlage gestellt. Dieses Kirchengesetz

soll im November 2011 von der EKD­Synode verabschiedet

werden.

Tarife in der Diakonie liegen über Mindestlohn

in der Pflege

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hatte eine

Pflegekommission einberufen, in der unter Wahrung des

kirchlichen Selbstbestimmungsrechtes Vertreterinnen und

Vertreter der Arbeitsrechtlichen Kommissionen von Diakonie

und Caritas mitgearbeitet haben. Aufgrund der Empfehlung

dieser Kommission ist zum 1. Juli 2010 ein Mindestlohn in

der Pflege in Höhe von 8,50 Euro im Tarifgebiet West und

von 7,50 Euro im Tarifgebiet Ost eingeführt worden.

Die in der Diakonie bestehenden Tarife für ungelernte Pflegekräfte

liegen über diesem Mindestlohn. Die Einführung des

Mindestlohnes hatte daher keinen Einfluss auf die Gehälter

in der Diakonie. Mit der Einführung des Mindestlohnes ist die

Hoffnung verbunden gewesen, dass das Ansehen der Pflege

insgesamt und die Attraktivität dieses Berufsbildes steigen

würden. Da aber die Attraktivität des Pflegebereiches an den

Vergütungen der Pflegefachkräfte gemessen wird, hat die Ein­

Die Refinanzierung der Pflege durch die Kostenträger ist nach wie vor nicht

gesichert, es mangelt an gesetzlichen Klarstellungen. Leidtragende sind oft

Angehörige. Hier: im Elisabeth­Seniorenzentrum Bergfelde. Foto: Tom Fischer

führung des Mindestlohnes zu keinem messbaren Ergebnis

geführt. Das Diakonische Werk der EKD und die EKD haben

bei der Einführung des Mindestlohnes gegenüber dem Bundesministerium

für Arbeit und Soziales deutlich gemacht,

dass die Probleme in der Pflege tiefer gehen. Vor allem ist die

Refinanzierung der Pflege durch die Kostenträger sowohl

zum damaligen Zeitpunkt als auch heute nicht ausreichend.

Mit den von den Pflegekassen gezahlten Leistungsentgelten

können die tariflichen Personalkosten, wie sie bei der Umsetzung

der Beschlüsse der Arbeitsrechtlichen Kommissionen

entstehen, nicht gedeckt werden. Dieses Problem besteht

weiterhin. Es gibt keine gesetzliche Klarstellung, dass die tariflichen

Entgelte aus Arbeitsrechtsregelungen oder Tarifverträgen

bei der Refinanzierung berücksichtigt werden. Der Forderung

der Diakonie, den Begriff der ortsüblichen Vergütung

im SGB XI dahingehend klarzustellen, dass hierunter nur tarifvertragliche

oder durch Arbeitsrechtsregelungen festgesetzte

Vergütungen zu verstehen sind, ist nicht Rechnung getragen

worden. Die Interpretationshilfen der Pflegekassen sind unzureichend.

Die Diakonie hält nach wie vor die Einführung des gesetzlichen

Mindestlohnes für sehr erfreulich, da jetzt nicht mehr

unterhalb dieses festgelegten Mindestlohnes im Pflegebereich

bezahlt werden darf. Dies ist auch in Hinblick auf die Einführung

der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit zum 1. Mai 2011

als wichtige Sicherung begrüßenswert.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Engagement für Benachteiligte Unsere Zahlen

Engagement für

Benachteiligte

Angemessenheit von

Leistungen mit

Nachdruck vertreten

Finanzierung von Altenarbeit im Gemeinwesen

Der demografische Wandel zeigt sich vor allem im Quartier,

im Stadtteil, im Dorf, im Kiez, aber auch in diakonischen

Arbeitsfeldern. Angebote, Dienste und Einrichtungen werden

vor große Herausforderungen gestellt. Der Ausbau quartiersbezogener

Unterstützungssysteme und zivilgesellschaftlicher

Angebote gerät in den Fokus der sozial­ und gesundheits ­

politischen Diskussion. Der § 71 SGB XII zur Altenhilfe beschreibt

zwar die notwendigen Aufgaben einer kommunalen

Daseinsvorsorge. Weil diese aber bisher nur als Kann­Leistung

definiert sind, ist die Umsetzung von der jeweiligen Finanzausstattung

und der „Demografie­Sensibilität“ der Kommu ­

nen abhängig. Die Gestaltung altersgerechter Quartiere setzt

jedoch ein verlässliches Finanzierungssystem voraus. Ein

solches Finanzierungssystem ist derzeit nicht vorhanden.

Vor diesem Hintergrund hat das Diakonische Werk der EKD

einen Vorschlag zur regelhaften Finanzierung der Altenarbeit

im Gemeinwesen erarbeitet. Die Projektergebnisse wurden

2011 als Diakonie Text unter dem Titel „Altenarbeit im Gemeinwesen.

Demografisch geboten – politisch notwendig – verlässlich

finanziert“ veröffentlicht.

Ein Arbeitsergebnis ist die Forderung nach einem verbindlichen

Sockelbetrag, den jede Kommune für die Altenarbeit

im Gemeinwesen bereitstellen muss. Er errechnet sich mit

58/59

Hilfe eines sogenannten demografischen Faktors. Abhängig

von der Anzahl älterer Menschen in einer Kommune oder

einem Stadtteil soll ein bestimmter Betrag des verfügbaren

Gesamtbudgets zur Verfügung stehen. Aus diesen Mitteln

werden Angebote, Dienste und Beteiligungsmöglichkeiten

für ältere Menschen finanziert.

Zukunft liegt in Kompetenznetzwerken

Dringend notwendig ist die flankierende Etablierung von

Kompetenznetzwerken. Ihnen müssen kommunale Dienstleister

ebenso angehören wie die Wohnungswirtschaft, Vereine,

diakonische Dienste und Kirchengemeinden. Die Praxis

zeigt, dass ein Bewusstsein für die Bedeutung von Netzwerken

noch viel zu wenig ausgeprägt ist und Konkurrenzen

dies behindern. Die Herausforderungen des demografischen

Wandels werden bisher noch in zu geringem Maße als Anlass

für ein gemeinsames strategisches Handeln aller Verbände,

Einrichtungen, Dienste von Kommunen, Kirche und Diakonie

erkannt.

Integrierte Versorgung in der Psychiatrie: kreativ

mit Möglichkeiten experimentieren

In der Psychiatrie werden zurzeit verschiedene Modelle der

sogenannten integrierten Versorgung kontrovers diskutiert.

Die integrierte Versorgung wurde vor über zehn Jahren im

Gesundheitswesen eingeführt und steht für zwei zentrale

Reformanliegen: Zum einen soll die Behandlung insbesonde re

von chronisch kranken Menschen durch neue Versorgungsformen

nachhaltig verbessert werden, die den ambulanten

mit dem stationären Sektor verzahnen oder die sich durch

interdisziplinäre Behandlungsansätze auszeichnen. Zum

anderen soll durch Einzelverträge zwischen Krankenkassen

und Leistungserbringern der Wettbewerb angeregt werden.

Das Diakonische Werk der EKD hat das Reformvorhaben

von Anfang an unterstützt, da die Behandlung von Menschen

mit schweren und chronisch verlaufenden Erkrankungen –

die nach wie vor zu den unterversorgten Patientengruppen

im deutschen Gesundheitswesen zählen – eine wichtige Aufgabe

diakonischen Handelns ist. So hat sich das Diakonische

Werk der EKD in einer Arbeitshilfe für Dienste und Einrichtungen

dafür ausgesprochen, die integrierte Versorgung als

Experimentierfeld kreativ zu nutzen und sich mit Nachdruck

für eine bessere ambulante Versorgung für Menschen in

akuten psychischen Krisensituationen einzusetzen. Nicht

nur psychiatrische Kliniken, sondern auch Dienste und Einrichtungen

der Gemeindepsychiatrie sollen mit den Krankenkassen

ins Gespräch kommen und das Gesundheitssystem

mitgestalten.

Reform der Eingliederungshilfe für Menschen mit

Behinderungen wird vorangetrieben

Einen wesentlichen Arbeitsschwerpunkt im Diakonischen Werk

der EKD bildete die von Bund und Ländern im Dialog mit den

Verbänden vorangetriebene Reform der Eingliederungshilfe

für Menschen mit Behinderung. Im November 2010 hatte die

87. Arbeits­ und Sozialministerkonferenz (ASMK) sich mit

einem Beschluss und Eckpunkten für die Reform an den Bund

gewandt, der im Laufe des Jahres einen ersten Gesetzesentwurf

vorlegen wird.

Im Fokus der angestrebten Strukturreform steht die Weiterentwicklung

des Leistungsrechtes der Eingliederungshilfen

als eine personenzentrierte Leistung zur gesellschaftlichen

Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Anlehnung an die

Vorgaben der UN­Konvention über die Rechte behinderter

Menschen.

Das Diakonische Werk der EKD hat die bisherige Diskussion

zur Reform der Eingliederungshilfe engagiert begleitet. An

den von der Bund­Länder­Arbeitsgruppe initiierten Verbändeanhörungen

hat es mitgewirkt, auch im Verbund mit den anderen

Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege. Darüber

hinaus hat sich eine intensive verbändeübergreifende Zusammenarbeit

mit den Fachverbänden der Behindertenhilfe und

den Selbsthilfeorganisationen von Menschen mit Behinderungen

(im Deutschen Behindertenrat) entwickelt.

Die Diakonie begrüßt grundsätzlich die Reformprozesse, ins ­

besondere das Kernanliegen der personenzentrierten Teilhabeleistungen.

An wesentlichen Punkten sieht sie noch Klärungsbedarf.

Dies beginnt bei der Frage, wie die „personenzentrierte

Teilhabeleistung“ rechtlich zu definieren ist, betrifft aber auch

den Anspruch des Sozialhilfeträgers, die Leistungsgewährung

umfassend zu steuern, und die Notwendigkeit einer unabhängigen

Beratung des Leistungsberechtigten.

Weiterentwicklung der Eingliederungshilfen

darf nicht durch Konsolidierung der kommunalen

Finanzen in Frage gestellt werden

Parallel zur Reform der Eingliederungshilfe mit ihrer fachli ­

chen Programmatik hat die Bundesregierung eine „Gemein­

Tiergestützte Therapie ist hilfreich bei der Behandlung von Depressionen, so

eine Studie der Klinik für seelische Gesundheit im oberbergischen Marienheide.

Hundetrainerin (re.), Patientin und Kelpie­Hündin Penny beim Training.

Foto: Jörg Decker, epd

de finanzkommission“ mit dem Ziel eingerichtet, bundesweit

wirksame Maßnahmen zur Konsolidierung der kommunalen

Finanzen vorzuschlagen. Dabei wurden im November 2010

Vorschläge gemacht, die aus der Sicht des Diakonischen

Werks der EKD elementare Standards von Sozialleistungen

für Menschen mit Behinderungen zur Disposition stellen.

Dazu zählen die Einschränkung des sogenannten Wunsch­

und Wahlrechtes, Zugangsbeschränkungen für Menschen

mit Behinderungen zu Werkstätten, stärkere Heranziehung

von unterhaltsverpflichteten Eltern, voller Einsatz des Kindergeldes,

Deckelung der Entgelte zur Kostenbegrenzung und

die Ausschreibung von Leistungen in stationären Einrichtungen

der Eingliederungshilfe. Eine Weiterentwicklung der Eingliederungshilfen

für Menschen mit Behinderungen wird so

eher konterkariert.

Höchste Zeit für Umsetzung der

UN-Behindertenrechtskonvention

Die Reformdiskussionen in den verschiedenen Zweigen der

sozialen Sicherung werden von den Aktivitäten zur Umsetzung

der UN­Behindertenrechtskonvention überwölbt. Die

Bundesregierung hat in kurzer Folge einen Nationalen Aktionsplan

und den von den Vereinten Nationen angeforderten

Staatenbericht zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention

vorgelegt. Für die Diakonie galt es, die Bundesregierung

dabei an ihre im vorausgehenden Konsultationsprozess gesteckten

Erwartungen zu erinnern. Vor diesem Hintergrund

war der Nationale Aktionsplan, der für die kommenden zehn

Jahre die wichtigsten Maßnahmen zur Inklusion von Menschen

mit Behinderung zusammenfasst, Gegenstand detaillierter

Kritik. Der Staatenbericht wird voraussichtlich in einer


Editorial FotoKunst Unsere Themen Engagement für Benachteiligte Unsere Zahlen

verbändeübergreifenden Parallelberichterstattung in den

nächsten beiden Jahren bearbeitet und begleitet.

Kann man „gute Pflege“ messen?

Anlässlich der Reform der Pflegeversicherung im Jahr 2008

hatte der Gesetzgeber festgelegt, dass Pflegeeinrichtungen

ihre Leistungen und deren Qualität, insbesondere hinsichtlich

der Ergebnis­ und Lebensqualität, veröffentlichen sollen. Damit

ist Lebens­ und Ergebnisqualität zum gesetzlichen Qualitätsmaßstab

für Einrichtungen der Altenhilfe geworden.

Bereits 2005 hatte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien

Wohlfahrtspflege das Forschungsprojekt „Entwicklung und

Erprobung von Instrumenten zur Beurteilung der Ergebnisqualität

in der stationären Altenhilfe“ angestoßen, das Wissenschaftler

des Instituts für Pflegewissenschaft an der Univer si tät

Bielefeld und des Instituts für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik

in Köln – im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums

und des Bundesministeriums für Familie, Senioren,

Menschen mit Demenz können in Gärten Ruhe und Orientierung, Beschäftigung

und Geborgenheit finden. Viele Pflegeheime legen deshalb Gärten an.

Foto: Anna Rosa Bonato, epd

60/61

Frauen und Jugend – seit 2008 durchgeführt haben. Die

Diakonie hat mit neun Pflegeheimen an der Entwicklung und

Erprobung der Indikatoren für Ergebnisqualität engagiert

mitgewirkt und war gemeinsam mit den anderen Verbänden

der BAGFW an der Gestaltung des Projektablaufs beteiligt.

Seit Sommer 2011 liegen die Projektergebnisse vor.

Die Wissenschaftler schlagen ein praxiserprobtes Verfahren vor,

das mit Hilfe sogenannter pflegesensitiver Indikatoren gesundheitsbezogene

Ergebnis­ und Lebensqualität in der stationären

Altenhilfe erhebt und einen fairen Vergleich der Ergebnisse

ermöglicht. Während die gesundheitsbezogene Ergebnisqualität

nach festgelegten Standards durch geschulte Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter der Einrichtungen gemessen wird, wird

die Lebensqualität vor allem über eine Befragung der Bewohnerinnen

und Bewohner durch einrichtungsfremde Interviewer

erhoben.

Viele der vorgeschlagenen Indikatoren zur Ergebnisqualität

messen Veränderungen im pflegerischen Zustand der Bewohnerinnen

und Bewohner, so dass mindestens zwei Erhebungen

in einem gewissen zeitlichen Abstand erforderlich sind.

Im Unterschied zu den heutigen Stichproben­Prüfungen durch

den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) sollen

die Einrichtungen halbjährlich eine Vollerhebung der Ergebnis­

und Lebensqualität bei allen Bewohnerinnen und Bewohnern

durchführen. Die externe Qualitätssicherung durch den MDK

kann dann durch Stichproben überprüfen, ob die Standards

zur Erhebung zuver lässig angewendet worden sind.

Nicht noch mehr Kontrollen, sondern ressourcenschonend

und „intelligent“ prüfen

Die Umsetzung des Forschungsprojekts führt in der Konsequenz

zu einer Neugestaltung der externen Qualitätssicherung. Sie

braucht nicht noch mehr Kontrollen, sondern ist ein intelligentes

und ressourcenschonendes Prüfkonzept, das aussagefähige

Ergebnisse hervorbringt.

Gegenwärtig stehen für die Altenpflege keine objektiven

Grenz werte für gute oder schlechte Qualität zur Verfügung.

Im Verständnis vieler pflegebedürftiger Menschen zeichnet

sich ein gutes Heim dadurch aus, dass es „besser ist als

andere Heime“. Diesen Ansatz greift das Projekt auf, indem

es Heimen für jeden Indikator eine durchschnittliche beziehungsweise

über­ oder unterdurchschnittliche Lebens­ und

Ergebnisqualität bescheinigt. Die Projektergebnisse laden

zu einem Paradig menwechsel in der Transparenzberichterstattung

und der externen Qualitätssicherung der Altenpflege

ein. Das Diakonische Werk der EKD engagiert sich zusammen

mit den Verbänden der BAGFW für eine rasche und konsequente

Umsetzung.

Ein Aspekt von Qualität: Leitlinie zur Wäschepflege

in sozialen Einrichtungen

Das Diakonische Werk der EKD startete gemeinsam mit dem

Deutschen Caritasverband und der Deutschen Gesellschaft

für Hauswirtschaft ein Projekt zur Entwicklung einer Leitlinie

„Wenn in sozialen Einrichtungen gewaschen wird“. Vertreterinnen

und Vertreter aus Wissenschaft und Praxis arbeiteten

dabei zusammen. Die Leitlinie unterstützt soziale Einrichtungen,

Wäsche den Wünschen der Bewohner entsprechend

zu waschen und gleichzeitig den gesetzlichen Normen zu

entsprechen – wie dem Infektionsschutzgesetz oder Arbeitsschutzbestimmungen.

Zudem werden wirtschaftliche Aspekte

einbezogen. Die Handreichung kann von sozialen Einrichtungen

zur Überprüfung und gegebenenfalls Verbesserung ihrer

Prozessabläufe herangezogen werden. Sie unterstützt Qualitätssicherungsprozesse,

da die Frage der Wäscheversorgung

Eine Pflegerin mit einem unheilbar kranken Kind im „Wohlfühlzimmer“ eines

Kinderhospizes. Foto: Klaus Landry, epd

auch bei Prüfungen durch den Medizinischen Dienst der

Krankenkassen und bei Zertifizierungen – beispielsweise nach

den verschiedenen Diakonie­Siegeln – eine Rolle spielt. Besondere

Bedeutung hat die Publikation für Einrichtungen, die

umstrukturieren und große Komplexeinrichtungen in kleine

Einheiten oder Wohngruppen umwandeln.

Gute Versorgung und Begleitung sterbenskranker

Menschen auch in der Regelversorgung ausbauen

Hospizarbeit und Palliative Care sind als spezialisierte Leistungen

in den Versorgungs­ und Begleitungsstrukturen für

sterbenskranke Menschen, ihre Angehörigen und Zugehörigen

mittlerweile fest verankert. Diese spezialisierten Ein richtungen

und Dienste sind aber keine Lösung für alle in Deutschland

sterbenden Menschen: Nur etwa zwei Prozent sterben zurzeit

in stationären Hospizen und auf Palliativstationen. Auch ihr

massiver Ausbau führt nicht zu einer „flächen deckenden Versorgung“.

Eine solche „Flächendeckung“ für alle sterbenskranken

Menschen ist einerseits aus Kostengründen nicht

Blick in den Garten eines Kinderhospizes in Hamburg. Jedes Licht steht für

ein verstorbenes Kind. Foto: Simone Viere, epd


Editorial FotoKunst Unsere Themen Der missionarische Auftrag der Kirche Unsere Zahlen

möglich, andererseits aber auch nicht nötig. Vielmehr besteht

die Aufgabe für die Zukunft darin, die Prinzipien der Versorgung

und Begleitung sterbenskranker Menschen in den allgemeinen

Strukturen des Gesundheitssystems und der Pflege,

also in der Regelversorgung, weiterzuentwickeln.

Mit diesen Herausforderungen hat sich eine Projektgruppe im

Diakonischen Werk der EKD beschäftigt. Der als Ergebnis vorliegende

Diakonie Text „Der Tod gehört zum Leben“ führt in

das Thema der „allgemeinen“ hospizlichen Begleitung und palliativen

Versorgung ein. „Allgemein“ ist hier in Abgrenzung zu

einer rein spezialisierten Begleitung und Versorgung sterbenskranker

Menschen zu verstehen.

Hospizlich-palliative Haltung im Umgang

mit Sterbenden erwerben

Das Bewusstsein dafür, dass der Tod zum Leben gehört und

wir alle eines Tages sterben werden, hat Konsequenzen für

die Arbeit in den diakonischen Einrichtungen und Diensten.

Auch wenn diese nicht ausschließlich auf sterbenskranke

Menschen spezialisiert sind – wie etwa stationäre Hospize,

Palliativstationen in den Krankenhäusern oder Teams der

Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung –, so müssen

sich die diakonischen Einrichtungen und Dienste konzeptionell

und auch menschlich auf die Begleitung und Versorgung

sterbenskranker Menschen sowie deren Angehöriger

und Zugehöriger einstellen. Dies erfordert angemessene Rahmenbedingungen

und verlässliche Finanzierungsgrundlagen

in der Regelversorgung. Es ist aber auch eine „hospizlich­

palliative“ Haltung im Umgang mit Sterben und Tod notwendig,

einschließlich der Auseinandersetzung mit der eigenen

Endlichkeit und Sterblichkeit. Hierbei ist zuallererst die Bereitschaft

von allen Beteiligten (Träger, Leitung und Mitarbeiten de)

erforderlich, sich auf eine Implementierung einer allgemeinen

Kultur des Sterbens einzulassen.

Lernen für den Umgang mit Alten, Kranken und

Sterbenden: „Existenzielle Kommunikation und

spirituelle Ressourcen im Pflegeberuf“

Das Projekt des Diakonie Bundesverbandes „Existenzielle

Kommunikation und spirituelle Ressourcen im Pflegeberuf“

nimmt einen erfolgreichen Verlauf. Gefördert wird es durch

das Programm Rückenwind des Europäischen Sozialfonds

(ESF) und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Nach etwa der Hälfte der Projektlaufzeit melden die Projektstandorte,

die teilnehmenden Pflegenden und die mitwirkenden

Trainerinnen und Trainer zurück, dass die Schulungen vor

62/63

Ort für alle Beteiligten gewinnbringend und ertragreich sind.

Einige diakonische Einrichtungen planen bereits, diese

Schulung auch für andere Mitarbeitende ab Herbst 2012 anzubieten.

Pro Standort nehmen in mehreren Städten im ganzen Bundesgebiet

bis zu dreißig Pflegende aus unterschiedlichen Handlungsfeldern

der Pflege in diakonischen Einrichtungen (Krankenhäuser,

geriatrische Einrichtungen und Dienste, ambulante

Pflegedienste) an den Schulungen teil. Bewerben konnten

sich diakonische Einrichtungen und Trainer über eine bundesweite

Ausschreibung. An jedem Projektstandort setzt je ein

in der Regel – dreiköpfiges Trainerteam ein von der Curriculumgruppe

konzipiertes und den Trainerinnen und Trainern in

einzelnen Bausteinen erarbeitetes Schulungsprogramm um

und passt es den Gegebenheiten des Standortes an (Pflege

von Psychiatrieerfahrenen, Pflege von an Demenz erkrankten

Bewohnern, Pflege von akut oder chronisch Erkrankten und

mehr). Die Trainerteams setzen sich aus Seelsorgenden,

geistlichen Begleiterinnen und Begleitern sowie Kommunikationstrainern

zusammen.

Eine Krankenhausseelsorgerin spricht im Diakonie­Krankenhaus Friederikenstift

Hannover mit einem Patienten. Foto: Jens Schulze, epd

Der missionarische

Auftrag der Kirche

Arbeitsgemeinschaft

Missionarische Dienste

lädt zu Konsultation

Projekt „Erwachsen glauben“ soll zu

Regelangebot werden

In den vergangenen Jahren hat es einen beachtlichen Mentalitätswechsel

im Blick auf die Mission in der evangelischen

Kirche gegeben. Als Wendepunkt wird oft die Kundgebung

der EKD­Synode von 1999 genannt, in der es an einer Stelle

heißt: „Weitergabe des Glaubens und Wachstum der Gemeinden

sind unsere vordringliche Aufgabe, an dieser Stelle müssen

alle Kräfte konzentriert werden.“ Im Jahr 2000 erschien

der EKD­Text „Das Evangelium unter die Leute bringen“.

Hier wird ein mehrere Jahre umspannendes missionarisches

Arbeitsprogramm in konkreten Schritten dargelegt. Auch das

Impulspapier „Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische

Kirche im 21. Jahrhundert“ aus dem Sommer 2006

weist deutlich auf den missionarischen Auftrag der Kirche hin:

„Wer glaubt, kann nicht stumm bleiben. Wer glaubt, hat etwas

zu erzählen von der Güte Gottes. Darum tragen wir die Bilder

des Lebens, des Trostes und der Sehnsucht weiter und treten

ein für die Sache Gottes – leise und behutsam, begeistert

und werbend.“

Vieles ist bereits in Gang gekommen, zum Beispiel die Einrichtung

eines EKD­Zentrums für Mission in der Region sowie

ein EKD­weites Projekt mit dem Ziel, dass missionarische

Glaubenskurse zum Regelangebot in der evangelischen Kirche

werden. Die Synode der EKD wird sich im Herbst 2011 erneut

mit dem Schwerpunktthema befassen „Was hindert’s,

dass ich Christ werde? Überlegungen zu einer einladenden

Mission“.

In die Bemühungen um die missionarische Ausrichtung der

evangelischen Kirche reihte sich eine Konsultation mit

gut 100 Teilnehmenden zum Thema „Missionarisch Volkskirche

gestalten – Möglichkeiten der mittleren Leitungsebene“

ein. Eingeladen hatten die Arbeitsgemeinschaft Missionarische

Dienste (AMD) im Diakonischen Werk der EKD, Netzwerke

der landeskirchlichen Ämter für missionarische Dienste

und Gemeindeentwicklung sowie 70 missionarisch tätige

freie Werke gemeinsam mit weiteren Institutionen (siehe

epd­Dokumentation 16/17, 19. April 2011).

Vizepräsident Thies Gundlach vom Kirchenamt der Evangelischen

Kirche in Deutschland (EKD) warnte bei dieser

Kon sultation die Kirchen vor einer „hamsterradähnlichen“

Geschäftigkeit, die zur Trivialisierung und Banalisierung des

Evangeliums führe. „Die Glaubwürdigkeit der Kirche hängt

an ihrem zentralen Thema Gott und der Sehnsucht nach

Gott“, formulierte Gundlach. Glaubwürdig sei eine Verkündigung,

die die tiefen existenziellen Dimensionen der Seele

anspreche und sich nicht in moralischer Verbesserung oder

trivialen Nützlichkeiten verliere.

Michael Herbst, evangelischer Theologieprofessor aus Greifswald,

verwies auf den Sachverhalt, dass die Amtsträger mit

knapperen Ressourcen, Stellenabbau und zunehmenden

Verwaltungsaufgaben zurechtkommen müssen. „Die Kirche

wird kleiner, älter und ärmer“, sagte Herbst. Er appellierte an

die Führungskräfte, sich nicht nur als „Verwalter des Vorhandenen“,

sondern auch als „Unternehmer in Sachen Mission“

zu sehen.

Landesbischof Ulrich Fischer aus Baden problematisierte,

die evangelische Kirche habe als „Kirche des Wortes“ buchstäblich

die Sprache verloren. Nötig seien „Sprachschulen“

des Glaubens. Große Chancen biete das Projekt „Erwachsen

glauben“, durch das vom kommenden Jahr an Glaubenskurse

zum Regelangebot in der evangelischen Kirche werden sollen.


Editorial FotoKunst Unsere Themen An der Seite der Armen und Notleidenden Unsere Zahlen

An der Seite der Armen und Notleidenden

„Brot für die Welt“ und Diakonie Katastrophenhilfe

weltweit im Einsatz

Katastrophen in Haiti und Pakistan überschatteten

das Jahr 2010

Das Jahr 2010 war stark durch zwei Katastrophen geprägt:

das schwere Erdbeben in Haiti im Januar, das über 200.000

Menschen tötete und mehr als eine Million Menschen obdachlos

machte, sowie die verheerenden Überschwemmungen

in Pakistan im August, von denen über 20 Millionen Menschen

betroffen waren. Nach beiden Katastrophen setzte

umgehend die Hilfe durch die Ökumenische Diakonie für die

Opfer ein – über die Aktion „Brot für die Welt“ und vor allem

über deren Schwesterorganisation Diakonie Katastrophenhilfe.

Es waren eine intensive, langanhaltende Medienberichterstattung

sowie eine hohe Spendenbereitschaft der Bürgerinnen

und Bürger zu verzeichnen.

In Haiti wurde erneut deutlich, dass sich beide Organisationen

in idealer Weise ergänzen: Während die Diakonie Katastrophenhilfe

Sofortmaßnahmen zur Linderung der akuten Not ergriff

und sich anschließend vor allem auf den Bau erdbeben­

und sturmsicherer Häuser konzentrierte, legte „Brot für die

Welt“ den Schwerpunkt der Hilfe auf die langfristige Ernährungssicherung,

die Förderung von Bildung und Gesundheit

sowie die Gewaltprävention.

Anders als in Haiti verfügt „Brot für die Welt“ in Pakistan über

kein eigenes Partnernetzwerk. Die – vor allem über das Bünd­

64/65

nis „Entwicklung Hilft“ – eingegangenen Spenden wurden daher

verabredungsgemäß zu einem großen Teil an die Diakonie

Katastrophenhilfe weitergeleitet. Sie versorgte die Notleidenden

mit Grundnahrungsmitteln und Trinkwasser, errichtete

Zelte, half bei den Aufräumarbeiten und stattete Kleinbauern

mit Saatgut und Dünger aus.

Haiti: Neuanfang nach dem Erdbeben

Auch Mitte 2011, fast eineinhalb Jahre nach dem verheerenden

Erdbeben, leben immer noch Hunderttausende Haitianer

in Zelten und Notunterkünften. Denn die Katastrophe am

12. Januar 2010 traf ein bereits Not leidendes Land. Die ärmsten

Bevölkerungsschichten hatten schon vorher nicht immer

genug zu essen. „Brot für die Welt“ arbeitet bereits seit 40

Jahren in dem Karibikstaat und ist vor allem mit Projekten in

den Bereichen Landwirtschaft, Frauen und Gesundheit aktiv.

Nach dem Erdbeben ging es vor allem darum, die Programme

an die neue Situation nach der Katastrophe anzupassen.

Hatte sich der haitianische Partner Centre de Promotion des

Femmes Ouvrières (CFPO) beispielsweise zuvor vor allem

darum gekümmert, die Lebensumstände von Fabrikarbeiterinnen

zu verbessern, engagiert sich die Organisation nun auch

für den Schutz von Frauen und Mädchen in den Zeltlagern der

obdachlos gewordenen Menschen. Diese sehen sich immer

wieder sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Mit Theaterstücken

Kinder in Begin im Bezirk Bainet/Haiti vor ihrem von der Diakonie

Katastrophenhilfe erbauten Haus. Foto: Thomas Lohnes, epd

klärt CFPO über das tabuisierte Thema auf: Sie sollen zeigen,

wie sich Frauen wehren und ihre Rechte erfolgreich verteidigen

können. Zum Programm gehören auch Hygiene­ und

Sexualerziehung, um weitere Frühschwangerschaften in den

Lagern zu verhindern. Denn deren Zahl nimmt zu. Manche

der schwangeren Mädchen sind nicht älter als zwölf Jahre.

Auch andere von „Brot für die Welt“ geförderte Initiativen konzentrieren

sich auf den Gesundheitssektor. Haitianische Ärzte

und Krankenschwestern der Partnerorganisation Osapo betreiben

70 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port­au­Prince

in eigener Initiative ein kleines Krankenhaus. Kurz nach dem

Erdbeben nahm es seine Arbeit auf. Die Cholera hat durch

die schlechte sanitäre Situation, das enge Zusammenleben

der Menschen und die Mangelernährung nach der Naturkatastrophe

leichtes Spiel. Eine Basisgesundheitsversorgung

oder gar flächendeckend verteilte Krankenhäuser gibt es in

Haiti nicht. In seiner Quarantänestation behandelte Osapo

mehr als 1.000 Patienten.

Diakonie Katastrophenhilfe startet umfangreiches

Wiederaufbauprogramm

Um neue, sichere Wohnmöglichkeiten zu schaffen, hat die

Diakonie Katastrophenhilfe ein umfangreiches Wiederaufbauprogramm

gestartet – 842 Häuser waren bis Ende März 2011

Diakonie Katastrophenhilfe baut im Bezirk Bainet/Haiti ein Krankenhaus.

Direktorin Cornelia Füllkrug­Weitzel schlägt unter Aufsicht von Bauingenieur

Jens Sols beim Richtfest einen Nagel ein. Foto: Thomas Lohnes, epd

errichtet. Oberstes Ziel ist, möglichst vielen Erdbebenopfern

so schnell wie möglich wieder ein festes Dach über dem Kopf

zu geben. Denn die Tatsache, dass immer noch Überlebende

in großer Zahl in Zelten und Notunterkünften untergebracht

sind, stellt eine enorme Belastung für die Menschen dar, die

auf dichtem Raum unter einfachsten Bedingungen zusammenleben

müssen. Zudem trägt das Klima der Karibik mit

tropischen Regengüssen, Hurrikans und brütender Hitze zu

einer Zuspitzung der Situation in den Zeltlagern bei. Die Hilfe

der Diakonie Katastrophenhilfe konzentriert sich vor allem auf

die ländlichen Gebiete im Südosten, in die sonst kaum internationale

Hilfe gelangt. Hier arbeitet das Hilfswerk bereits seit

Jahren mit einheimischen Partnern zusammen.

Erfahrene Bauingenieure haben spezielle Haustypen entwickelt,

deren Konstruktion höhere Stabilität bei Hurrikans

und Erdbeben gewährleisten soll. Das Bauprogramm kommt

in erster Linie einkommensschwachen Familien mit kleinen

Kindern oder alten, chronisch kranken und behinderten

Familienangehörigen zugute, aber auch Alleinerziehenden,

denen die Mittel fehlen, sich aus eigener Kraft eine neue

Unterkunft zu errichten. Für die Menschen bedeuten die

Häuser einen ersten Schritt zurück zu einem besseren und

menschenwür digen Leben.


Editorial FotoKunst Unsere Themen An der Seite der Armen und Notleidenden Unsere Zahlen

Pakistan: Nothilfe, Wiederaufbau und zukunftsgerichtete

Selbsthilfe

Extremer Monsunregen setzte im Juli 2010 nach und nach

ein Fünftel der Landesfläche Pakistans unter Wasser. Über

20 Millionen Menschen waren betroffen. Fast zwei Millionen

Häuser wurden zerstört oder beschädigt, 2,4 Millionen Hektar

Ernte vernichtet, 1,2 Millionen Tiere ertranken.

Von Beginn an leistete die Diakonie Katastrophenhilfe zusammen

mit ihren lokalen Partnern Hilfe. Der Schwerpunkt der

Arbeit lag in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa im Nordwesten

Pakistans. Aber auch in Kaschmir und weiter südlich im Punjab

wurden Flutopfer mit dem Nötigsten unterstützt. Dort erhielten

5.500 Familien Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis, Linsen,

Öl, Zucker und Tee. Im Nordwesten verteilten die Hilfsteams

bis Ende Oktober über 200.000 warme Mahl zei ten. Ins wochenlang

von der Außenwelt abgeschnittene Swat­Tal flog die

Diakonie Katastrophenhilfe 2.000 Nahrungsmittel pakete per

Hubschrauber ein.

Auch die Trinkwasserversorgung der Menschen in den zerstörten

Dörfern und in den Flüchtlingslagern musste so schnell

wie möglich sichergestellt werden. In der Provinz Khyber

Pakhtunkhwa errichteten die Hilfskräfte 70 mobile Wassertanks,

die von Tanklastern regelmäßig gefüllt wurden. Die

Mitarbeitenden der Partnerorganisationen besorgten 2.750

Zelte, die rund 20.000 Menschen eine vorübergehende Unterkunft

bieten. Auch Haushaltsutensilien, Hygieneartikel und

Werkzeugsets wurden verteilt. In den höher gelegenen Landesteilen

waren die Menschen dankbar für Winterkleidung, Decken

und Gasöfen. Denn viele von ihnen mussten den Winter bei

Minustemperaturen in Zelten über stehen.

Damit die Aufräumarbeiten zügig beginnen konnten, stellte

die Diakonie Katastrophenhilfe schweres Gerät zur Trümmerbeseitigung

bereit, ebenso Geräte zum Abpumpen des Wassers

aus den überschwemmten Dörfern. Im Swat wurde eine

wichtige Straße wieder hergestellt. Im Punjab mietete das

Hilfswerk Traktoren und Bulldozer an, um den Schlamm von

den Feldern zu räumen. In „Geld­für­Arbeit­Programmen“ half

die Bevölkerung bei den Aufräum­ und Reparaturarbeiten.

Für viele war dieses Einkommen überlebenswichtig, um ihre

Familie ernähren zu können.

Viele Kleinbauern hatten durch die Flut ihre gesamte Ernte verloren.

Notgedrungen verließen sie ihr Zuhause, um sich in den

Städten als Tagelöhner zu verdingen. Durch das genannte Programm

konnten sie zurückkehren und für einen angemessenen

66/67

Im Camp für Flutopfer in Pakistan unweit Charsadda trägt ein Junge ein Bett

zu seinem Zelt. Foto: Thomas Lohnes, epd

Lohn ihre Heimatdörfer und Felder instandsetzen. Rechtzeitig

zum Zeitpunkt der Aussaat erhielten rund 8.500 Bauernfamilien

Saatgut und Dünger. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt

der Arbeit auf dem Bau und der Wiederherstellung von rund

1.000 erdbebensicheren und flutresistenten Häusern für die

am schwersten betroffenen Menschen. Dabei werden lokale

Materialien und traditionelles Design mit moderner Bautechnik

kombiniert.

Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene

Demokratische Republik Kongo

Fast zwei Millionen Menschen sind im Osten des Kongo auf

der Flucht vor dem immer wieder aufflammenden Konflikt.

Von zu Hause vertrieben, suchen viele Kriegsopfer Zuflucht

bei Verwandten und Freunden, die ihre wenigen Ressourcen

mit ihnen teilen. Um ihr Überleben zu sichern, versorgen Partner

der Diakonie Katastrophenhilfe sie mit dem Nötigsten:

Nahrungsmittel, Decken und Kleidung. Angesichts der verbreiteten

sexuellen Gewalt ist die medizinische und psychosoziale

Unterstützung für Vergewaltigungsopfer ein weiterer

Schwerpunkt. Dazu stattet die Diakonie Katastrophenhilfe

ländliche Gesundheitsstationen mit Material und Basismedikamenten

aus. Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden

sind, können in Kursen Fertigkeiten erlernen, mit denen sie

sich ein eigenes Einkommen erwirtschaften können. Aufklärungskampagnen

informieren über Hilfsangebote und treten

für ein Ende der Gewalt und Diskriminierung ein.

Sudan

Im Südsudan, der kürzlich die eigene Staatsgründung feiern

konnte, hat der langjährige Bürgerkrieg große Zerstörung und

Mangel hinterlassen. Hunderttausende, die vor dem Konflikt

geflohen waren, kehren nach und nach zurück. Die Diakonie

Katastrophenhilfe unterstützt den Wiederaufbau von Gesundheits­

und Trinkwasserversorgung und Schulen. In Rumbek

und Cueibet betreibt die Organisation ein Netz von zehn Gesundheitsstationen,

das die medizinische Grundversorgung

von fast 500.000 Menschen sichert. Sie stattet die Stationen

mit Material und Medikamenten aus und bildet einheimische

Fachkräfte aus. In Ikotos trägt sie mit dem Bau von Tief brunnen

zum Zugang zu sauberem Trinkwasser bei. Der Bau von Schulen

ermöglicht Bildung.

Kolumbien

Seit fast 50 Jahren tobt in Kolumbien ein Bürgerkrieg, der

mehr als drei Millionen Menschen aus ihren Dörfern vertrieben

hat. Um die Zivilbevölkerung vor Angriffen zu schützen, unterstützt

die Diakonie Katastrophenhilfe in Kolumbien die Bewohner

in Konfliktzonen dabei, gemeinsam Schutzmaßnahmen

zu entwickeln. Risikokarten ihrer Umgebung, in denen

Fundorte von Minen und Munition, Stellungen der Guerillas

oder Gefechte der vergangenen Monate markiert sind, warnen

vor Gefahren. Zivile Einrichtungen wie Schulen werden

zu „humanitären Zonen“ deklariert. Da viele Kriegsgebiete

vermint sind, ist Aufklärung über Minen und nicht explodierte

Munition vor allem an Schulen ein wichtiger Schwerpunkt.

Da es kaum staatliche Hilfen für die Vertriebenen gibt, verteilen

die Partner zudem Basispakete an neu ankommende

Flüchtlinge und unterstützen den Aufbau von Gemeinschaftsküchen.

Hier erhalten vertriebene Frauen, Jugendliche und

Kinder täglich eine Mahlzeit. Lokale Frauengruppen betreiben

die Küchen und bauen dafür selbst Gemüse an.

Den Armen Gerechtigkeit – auch in Osteuropa

Da die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ zum Jahresende 2010

als bundesweite und beim Diakonischen Werk der EKD angesiedelte

Aktion eingestellt wurde, hat „Brot für die Welt“ die

Partner und Projekte dieser Hilfsaktion übernommen. „Brot

für die Welt“ will seine Arbeit in den armen Ländern Osteuropas

insbesondere denen, die unter den Folgen der Wirtschafts­

und Finanzkrise leidenin den nächsten Jahren

weiter ausbauen. Dafür sollen durch gezielte Werbemaßnahmen

zusätzliche Mittel eingeworben werden.

Cornelia Füllkrug­Weitzel freut sich mit der jungen Mutter an deren Sohn

Kasereka. Dank Unterstützung der Gesundheitsstation im Kongo durch

Diakonie Katastrophenhilfe ist die Säuglingssterblichkeit gesunken.

Foto: „Brot für die Welt“

Ein Junge nach der Flutkatastrophe in Zarren Abad, Pakistan. Zaghafte

Freude über ein Hygiene­Set mit Seife, Zahnbürste und Handtuch darin.

Foto: Thomas Lohnes, epd


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Respektvoll folgen Kinder den Ausführungen einer Ärztin. Die von Diakonie Katastrophenhilfe unterstützte Gesundheitsstation in

Rumbek/Südsudan kümmert sich besonders um junge Schwangere und junge Mütter sowie deren Kinder. Foto: Christoph Püschner

Neue Hoffnung für Roma-Rückkehrer

Während der kriegerischen Auseinandersetzungen der 1990er

Jahre flohen Hunderttausende Roma aus dem zerfallenden

Jugoslawien nach Westeuropa. Nach Kriegsende wurden sie

zusammen mit ihren dort geborenen Kindern „rückgeführt“.

Heute leben in Serbien offiziell gut 100.000 Roma, inoffiziellen

Schätzungen zufolge sind es sogar bis zu 800.000.

Neben oft mangelhaften Kenntnissen der serbischen Sprache

machen den Rückkehrern soziale und bürokratische Hürden

das Einleben schwer. Viele besitzen weder Geburts­ noch

Staatsangehörigkeitsdokumente. Ohne diese bleiben ihnen

grundlegende Bürgerrechte und jegliche Sozialhilfe verwehrt,

ebenso die kostenlose staatliche Krankenversicherung. Nur

sieben Prozent der serbischen Roma suchen regelmäßig einen

Arzt auf, Roma­Kinder haben überdurchschnittlich häufig

Gesundheitsprobleme. Außerdem schließt nicht einmal jedes

fünfte „rückgeführte“ Roma­Kind die Schule ab. Unter anderem

liegt dies daran, dass viele Eltern zu arm sind, um ihren Kindern

Kleidung und Schulmaterialien zu kaufen.

Vielen Roma fällt der Zugang zum geregelten Arbeitsmarkt

schwer. Entweder sie verfügen über keine abgeschlossene

Berufsausbildung oder die vorhandenen Abschlüsse werden

nicht anerkannt. Daher besitzt die Mehrheit von ihnen keinen

festen Arbeitsplatz. Viele Roma leben in illegal errichteten

68/69

Siedlungen, die teilweise aus Häusern, teilweise aus behelfsmäßigen

Unterkünften bestehen und meist weder über Strom­

und Wasseranschluss noch ausreichende Sanitäranlagen verfügen.

Roma, die erst kürzlich in ihr Land rückgeführt wurden,

leben meist bei Freunden und Verwandten. Vom Staat organisierte

Unterkünfte gibt es kaum.

Mit finanzieller Unterstützung von „Brot für die Welt“ und der

Diakonie Württemberg kümmert sich die Ecumenical Humanitarian

Organization (EHO) um die Angehörigen der ethnischen

Minderheit. Sie ermittelt gemeinsam mit ihnen, welche Dokumente

benötigt werden, beschafft diese bei den Standesämtern

und übernimmt die Kosten. Außerdem informiert die Organisation

über sozialstaatliche Leistungen und Ansprüche und hilft

beim Ausfüllen von Anträgen und sonstigem Schriftverkehr.

Bedürftige Roma­Kinder erhalten von EHO Nachhilfeunterricht.

Schwerpunktfächer sind dabei Mathematik und Serbisch. Besonders

arme Kinder erhalten zusätzlich Lehrbücher und Unterrichtsmaterialien.

Ihre Eltern können sich bei EHO um eine

mehrmonatige berufliche Ausbildung im Handwerk bewerben.

Die Kursgebühren werden von der Organisation übernommen.

Im Anschluss erhalten die Teilnehmenden ein ihrer Qualifikation

entsprechendes Werkzeugset. Teilnehmenden, die die Selbstständigkeit

anstreben, wird ein Tagesseminar angeboten, in

dem sie bei der Erstellung eines Businessplans beraten und

über Kleinkredite informiert werden. Teilnehmende, die eine

Festanstellung anstreben, besuchen ein zweitägiges Seminar

zu Arbeitssuche und Bewerbungs training.

Schließlich unterstützt EHO bedürftige Familien auch bei der

Verbesserung ihrer Wohnverhältnisse. Sie erhalten fachliche

Anleitung und Unterstützung bei der Einrichtung einer Abwasser

entsorgung, dem Bau von Toiletten und Duschen, der

Sanierung und Renovierung von Häusern, der Schaffung von

zusätzlichem Wohnraum und bei der Durchführung von Dachreparaturen.

Dank dieser Förderung eröffnen sich Menschen, die zuvor oft

jahrelang unter massiver Ausgrenzung litten, wieder Zukunftsperspektiven.

Gegen die Kriminalisierung der Zivilgesellschaft

Mit wachsender Sorge beobachten „Brot für die Welt“ und

seine Partnerorganisationen seit einiger Zeit Tendenzen zur

Kriminalisierung sozialer Bewegungen.

Diese Entwicklung ist nicht nur für die Partner beunruhigend,

die häufig Teil der kriminalisierten Zivilgesellschaft sind, sondern

auch für die internationalen kirchlichen Förderorganisationen,

die zunehmend mit in den Fokus geraten. Im Rahmen

von APRODEV (Dachverband der protestantischen Entwicklungsorganisationen

in Europa), in Kooperation mit dem

internationalen kirchlichen Netzwerk ACT Alliance (Action by

Churches Together) sowie im Rahmen der Gemeinsamen

Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) hat „Brot für die

Welt“ eine kritische Beobachtung der Entwicklung angeregt.

Ein Vorschlag lautet, Länderstudien zu erstellen, die Handlungsmöglichkeiten

in Reaktion auf diese Entwicklung auf zeigen

sollen.

Gemeinsam mit Partnerorganisationen hat „Brot für die Welt“

Fälle der beschriebenen Kriminalisierung in unterschiedlichen

Ländern Lateinamerikas dokumentiert und systematisiert.

„Brot für die Welt“ und weitere Mitglieder der ACT Alliance

haben die Länderstudien im März während der Sitzungsperiode

des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen im

Palais de Nations in Genf einem Fachpublikum vorgestellt.

Eine besorgniserregende generelle Tendenz war dabei deutlich

zu erkennen: Es ist eine große Herausforderung für die nationale

wie internationale entwicklungspolitische Arbeit, den politischen

Handlungsspielraum für zivilgesellschaftliche Akteure

aufrechtzuerhalten.

Kinder in Uganda freuen sich, dass in der Nähe ihrer Schule ein Wassertank

aufgebaut wurde. Foto: „Brot für die Welt“

Menschenrecht auf Wasser

Noch immer haben weltweit 900 Millionen Menschen kein

sauberes Trinkwasser. 2,6 Milliarden Menschen haben keinen

Zugang zu ausreichender Sanitärversorgung. Im Juli 2010

erkannte die Generalversammlung der Vereinten Nationen

in New York das Menschenrecht auf sauberes Trinkwasser

und Sanitärversorgung an. Die Initiative dazu ging von der

bolivianischen Regierung aus und wurde von 33 Staaten

unterstützt. Zusammen mit anderen Nichtregierungsorganisationen

hatte sich „Brot für die Welt“ für ihre Verabschie ­

dung eingesetzt. Das Hilfswerk war auch am Entwurfstext

der Resolution beteiligt.

Zunächst hatte der UN­Menschenrechtsrat in Genf eine

entsprechende Resolution angenommen. „Brot für die Welt“

hatte das Auswärtige Amt der Bundesregierung bei der Vorbereitung

auf die Abstimmung beraten, an den entscheidenden

Sitzungen in Genf teilgenommen und gemeinsam mit

Amnesty International die zivilgesellschaftliche Lobbyarbeit

im Rat koordiniert.

Die Resolution verändert das Verhältnis zwischen den Regierenden

und den Armen in einem Land grundlegend. Bislang

wurde die Verbesserung der Wasser­ und Sanitärversorgung

in vielen armen Staaten als eine Art freiwillige Goodwill­Geste


Editorial FotoKunst Unsere Themen Corporate Social Responsibility Unsere Zahlen

verstanden. Jetzt aber können Vertreter der Zivilgesellschaft

auf internationalem Recht basierende Forderungen an die Verwaltungen

und Regierungen stellen.

Freiwillig Gutes tun: „Dein Jahr für die Welt“

Mit dem Programm „Dein Jahr für die Welt“ bietet „Brot

für die Welt“ seit drei Jahren einen entwicklungspolitischen

Freiwilligendienst für junge Menschen an. Ziel ist es zum

einen, Jugendlichen bereits nach dem Schulabschluss erste

Einblicke in entwicklungspolitische Zusammenhänge sowie

in den Alltag in den Ländern des Südens zu ermöglichen –

in der Hoffnung, dass dies ihren Blick auf die Welt und ihre

Lebenseinstellung auf Dauer prägen wird. Zum anderen versucht

„Brot für die Welt“ mit dem Programm Multiplikatorinnen

und Multiplikatoren im jungen Erwachsenenalter für sich

zu gewinnen. Nicht zuletzt dient „Dein Jahr für die Welt“ auch

der Nachwuchsförderung in der Evangelischen Entwicklungszusammenarbeit

sowie der Verankerung von entwicklungspolitischer

Kompetenz in der evangelischen Jugend. Daher

wird das Programm in enger Kooperation mit den Evangelischen

Freiwilligendiensten für junge Menschen durchgeführt,

einer Tochtergesellschaft des Diakonischen Werks der EKD

und der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend.

Die jungen Menschen hospitieren zunächst bei Partnerorganisationen

von „Brot für die Welt“. Nach einiger Zeit übernehmen

sie einfache unterstützende Tätigkeiten. Später sind sie

in gewissem Umfange eigenverantwortlich tätig. In Vorbereitungsseminaren

in Deutschland und vor Ort werden die Freiwilligen

in entwicklungsbezogenen Fragen geschult und auf

das Leben und Arbeiten im Gastland mit seinen kulturellen

Besonderheiten vorbereitet. Um ein umfassendes Verständ ­

nis der entwicklungspolitischen Situation vor Ort zu schaffen,

finden Besuche bei Nichtregierungsorganisationen und Seminare

statt. Zur Halbzeit des Einsatzes vertieft ein Zwischenseminar

Erkenntnisse und Eindrücke und bereitet auf den

zweiten Teil des Jahres vor.

Im August 2010 wurde der dritte Jahrgang von Freiwilligen

entsendet. Die 17 jungen Frauen und Männer unterstützen

zwölf Monate lang die Arbeit von insgesamt sechs Partnerorganisationen

von „Brot für die Welt“ in Argentinien, Costa

Rica, Kamerun und Indien. Sie sind dabei in unterschiedlichen

Bereichen tätig: Beim Cameroon Baptist Convention Health

Board (CBC) in Bamenda und Kumbo (Kamerun) zum Beispiel

leisten die Freiwilligen ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechende

Zuarbeiten im Labor, bei der Medikamentenver­

70/71

Teilnehmende des Programms „Dein Jahr für die Welt“ am 5. August 2010

kurz vor der Ausreise. Foto: „Brot für die Welt“

teilung, bei Untersuchungen, bei der Datenverarbeitung oder

bei der Pflege. Bei der Iglesia Luterana del Río de la Plata

(IERP) und dem Movimiento Ecuménico por los Derechos

Humanos (MEDH) in Buenos Aires (Argentinien) sowie dem

Tamil Nadu Theological Seminary in Madurai (Indien) arbei ­

ten die jungen Deutschen in Kindergärten mit, helfen bei der

Hausaufgabenbetreuung oder organisieren Freizeitangebote

für Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. Beim

Tamil Nadu Theological Seminary (TTS) und der Palmyrah

Worker’s Development Society (PWDS) in Madurai (Indien)

können die Jugendlichen in der Menschenrechtsarbeit

assistieren. Sie helfen bei der Planung und Vorbereitung

von Workshops, werden an der Erstellung von Studien zur

Menschenrechtssituation beteiligt, übernehmen Aufgaben

bei Menschenrechtskonferenzen oder wirken bei der PR­

Arbeit von Menschenrechtsorganisationen mit.

Nach der Rückkehr der Freiwilligen findet in Deutschland ein

Rückkehrseminar statt, das dazu anleiten soll, die Erfahrungen

für das weitere Leben fruchtbar zu machen. Zudem werden

zertifizierte Fortbildungen zum Multiplikator für Globales

Lernen angeboten. Ein Großteil der Freiwilligen der ersten

beiden Jahrgänge engagiert sich seit der Rückkehr auf vielfältige

Art und Weise in der Öffentlichkeitsarbeit von „Brot für

die Welt“ – zum Beispiel durch die Begleitung ökumenischer

Partner und die Teilnahme an Kirchentagsaktivitäten. Außerdem

geben sie ihre Erfahrungen bei Vorträgen an Schulen,

Hochschulen und in Gemeinden weiter.

Corporate Social

Responsibility

Nachhaltig handeln

Zukunftsfähiges Leben und Wirtschaften ist ein

zentrales Ziel von „Brot für die Welt“

… auch im eigenen Haus. Die Hilfsorganisation setzt eine Vielzahl

von Initiativen um, die auf die Schonung von natürlichen

Ressourcen ausgerichtet sind. Auch wenn es das Hauptziel

eines Wirtschaftsunternehmens ist, Gewinne zu machen: Unternehmen

haben eine soziale Verantwortung. Diese Ansicht setzt

sich zunehmend durch – nicht zuletzt dank kritischer Konsumenten,

die von der Wirtschaft „Corporate Social Responsibility“

(CSR) einfordern. Die Unternehmen sollen ihren Beitrag zu einer

nachhaltigen Entwicklung leisten und ökologische, soziale und

ethische Standards berücksichtigen. „Brot für die Welt“ gehört

zu den Akteuren der Zivilgesellschaft, die sich für den Gedanken

der Unternehmensverantwortung stark machen. Doch

wer an andere Forderungen richtet, sollte mit gutem Beispiel

vorangehen. Auch Nichtregierungsorganisationen werden von

Spendenden immer häufiger gefragt, ob ihr tägliches Arbeiten

und Wirtschaften Nachhaltigkeitskriterien standhält.

Klimaschonendes Reisen

Beispiel Dienstreisen. Der Verkehr trägt weltweit zu 20 Pro­

zent aller klimaschädlichen Emissionen bei. Im Oktober 2010

hat das Diakonische Werk der EKD deshalb „Leitlinien für

klimaschonendes Reisen“ beschlossen, die zum 1. Januar 2011

in Kraft getreten sind. Für innerdeutsche Dienstreisen werden

nur noch Bahntickets gelöst. Wer unbedingt fliegen muss,

weil er sonst einen Termin nicht wahrnehmen kann, braucht

vom Abteilungsleiter eine Sondergenehmigung. Dienstreisen

mit dem Auto finden praktisch nicht mehr statt. Wo möglich,

sollen die Mitarbeitenden künftig ganz auf Dienstreisen verzichten

und stattdessen moderne Kommunikationsmittel

wie Internet­Telefonie oder Videokonferenzen nutzen. Reisen

in Länder des Südens zu Gesprächen mit Partnern und Evaluierungen

von Projekten sollen möglichst zusammengelegt

werden. Insgesamt können so ein Viertel aller Flugkilometer

und damit pro Jahr 175 Tonnen des Treibhausgases CO 2 eingespart

werden. Auch werden ab 2011 alle unvermeidbaren

Flugkilometer erfasst. Der CO 2 ­Ausstoß wird berechnet und

jede Tonne über die „Klima­Kollekte“ ausgeglichen, einen

Klimakompensationsfonds, den „Brot für die Welt“ gemein ­

sam mit anderen kirchlichen Institutionen gegründet hat.

Der Fonds finanziert damit klimafreundliche Projekte.

Sparsamer Umgang mit Papier

Auch durch den mittlerweile ausschließlichen Gebrauch von

Recycling­Papier in den Büros und beim Druck von Broschüren

und sonstigen Publikationen werden Wälder und Energieverbrauch

geschont. Auf allen Fluren stehen Duplex­Drucker,

die das Papier beidseitig bedrucken können.

Ökofaire Küche

Bereits im Jahr 2005 hat das Diakonische Werk der EKD für

seine Zentrale in Stuttgart ein Umweltmanagement eingeführt.

Seitdem wird der Umweltschutz systematisch in die Betriebsabläufe

integriert. Beispielsweise wurde die Elektrizitätsversorgung

auf Anbieter umgestellt, die Strom aus regenerativen

Energiequellen liefern. Und in der Kantine hat die sogenannte

ökofaire Küche Einzug gehalten. Das Ziel ist einerseits, dass

die Rohwaren aus Ländern des Südens nach den Prinzipien

des fairen Handels eingekauft werden. Andererseits sollen

möglichst viele Zutaten aus ökologischem, regionalem und

saisonalem Anbau kommen. Mittlerweile gibt es nur noch dreimal

pro Woche ein Fleischgericht neben dem vegetarischen

Menüangebot. In der Kampagne „Niemand is(s)t für sich allein

weist „Brot für die Welt“ darauf hin, welche großen landwirtschaftlichen

Flächen für die Produktion von Futter mitteln benötigt

werden – Land, das den armen Kleinbauern fehlt. Dementsprechend

wird im Hauptsitz des Hilfswerkes dazu angeregt,

den eigenen Fleischkonsum deutlich einzuschränken.

Transparenzstandards in der Diakonie

Diakonie und Caritas haben sich im Oktober 2010 auf

gemeinsame Transparenzstandards verständigt. Sie

sollen einen Wirtschafts­, Leistungs­ und Spendenbericht

sowie wesentliche Strukturdaten enthalten. Die Angaben

des Diakonie­Bundesverbandes finden Sie unter

www.diakonie.de/transparenz.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen

Unsere Zahlen Transparenz der

eigenen Zahlen


Editorial FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen Bilanz

Bilanz zum 31. Dezember 2010

Aktivseite

Anlagevermögen

Immaterielle Vermögensgegenstände

74/75

31.12.2010 31.12.2009

Entgeltlich erworbene Konzessionen, gewerbliche Schutzrechte und ähnliche Rechte

und Werte sowie Lizenzen an solchen Rechten und Werten

2.923.321,84 2.074.848,28

Geleistete Anzahlungen 55.833,93 237.836,97

Sachanlagen

Grundstücke, grundstücksgleiche Rechte mit Bauten

2.979.155,77 2.312.685,25

einschließlich der Bauten auf fremden Grundstücken 9.692.355,16 10.211.822,41

Andere Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung 1.177.929,86 1.186.241,13

10.870.285,02 11.398.063,54

Finanzanlagen

Beteiligungen 44.335.153,48 2.357.545,08

Wertpapiere des Anlagevermögens 27.097.833,13 29.320.713,36

Sonstige Ausleihungen 3.258.101,60 3.302.319,07

74.691.088,21 34.980.577,51

88.540.529,00 48.691.326,30

Umlaufvermögen

Vorräte

Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe 11.263,84 29.562,50

Waren 803.132,35 46.425,85

Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände

814.396,19 75.988,35

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 541.161,57 418.533,59

Forderungen gegen Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 105.768,68 101.921,98

Sonstige Vermögensgegenstände 3.506.100,35 7.298.523,55

Vorfinanzierungen aus zweckgebundenen Zuwendungen 7.005.226,28 7.436.933,29

Wertpapiere des Umlaufvermögens

11.158.256,88 15.255.912,41

Sonstige Wertpapiere 78.629.788,08 75.014.817,60

Kassenbestand, Guthaben bei Kreditinstituten 45.376.180,00 23.011.210,67

135.978.621,15 113.357.929,03

Rechnungsabgrenzungsposten 361.404,77 495.438,11

Bilanzsumme 224.880.554,92 162.544.693,44

Passivseite

31.12.2010 31.12.2009

Eigenkapital

Vereinskapital 7.860.047,90 7.7.860.047,90

Rücklagen

Zweckgebundene Rücklage 0,00 2.265.102,43

Freie Rücklagen 16.652.767,81 17.537.349,45

16.652.767,81 19.802.451,88

Bilanzgewinn –234.566,68 100,00

Sonderposten aus Zuschüssen und Zuweisungen zur Finanzierung des Sachanlagevermögens

24.278.249,03 27.662.599,78

Sonderposten aus Zuschüssen für Investitionen 485.481,08 515.261,23

Rückstellungen

Rückstellungen für Pensionen 1.573.523,67 1.585.402,00

Sonstige Rückstellungen 42.677.904,05 9.121.503,24

Verbindlichkeiten

44.251.427,72 10.706.905,24

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 586.250,25 945.644,24

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 3.287.805,88 1.485.198,75

Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht 1.901,15 3.111,48

Verbindlichkeiten aus zweckgebundenen Zuwendungen 144.401.950,18 119.426.264,61

Sonstige Verbindlichkeiten 7.576.750,60 1.789.943,50

155.854.658,06 123.650.162,58

Rechnungsabgrenzungsposten 10.739,03 9.764,61

Bilanzsumme 224.880.554,92

162.544.693,44


Editorial FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen Lagebericht

Gewinn- und Verlustrechnung für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010

in EUR 2010 2009

Umsatzerlöse 9.765.647,40 10.267.504,92

Beitragseinnahmen zur Erfüllung des Satzungszwecks 1.312.237,12 1.339.349,91

Zuwendungen und Zuschüsse zur Erfüllung des Satzungszwecks 14.992.758,32 13.948.186,34

Sonstige betriebliche Erträge 2.265.283,14 2.971.256,83

Erstattungen aus Zweckverbindlichkeiten 21.490.838,59 15.926.373,07

Gesamtleistung

Materialaufwand

49.826.764,57 44.452.671,07

Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und für bezogene Waren 13.613.465,91 12.592.290,22

Aufwendungen für bezogene Leistungen

Personalaufwand

464.433,11 352.560,49

Löhne und Gehälter 22.852.980,61 18.658.149,13

Soziale Abgaben und Aufwendungen für Altersversorgung und für Unterstützung 5.548.771,02 5.462.622,64

(davon für Altersversorgung) (1.798.023,45) (2.065.844,90)

Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlangen 1.512.810,87 1.265.589,63

Sonstige betriebliche Aufwendungen 14.410.850,19 11.507.177,48

58.403.311,71 49.838.389,59

Zwischenergebnis –8.576.547,14 –5.385.718,52

Erträge aus Beteiligungen 135.884,44 6.257,72

Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens 757.706,52 1.819.469,69

Sonstige Zinsen und ähnliche Erträge 2.929.715,72 3.305.456,18

Zuschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 271.046,38 1.248.782,32

Abschreibungen auf Finanzanlagen und Wertpapiere des Umlaufvermögens 1.271.927,46 335.427,68

Zinsen und ähnliche Aufwendungen 252.640,04 30.946,65

(davon aus Aufzinsung) (236.529,05) (0,00)

2.569.785,56 6.013.591,58

Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit –6.006.761,58 627.873,06

Außerordentliche Erträge 32.782.148,83 1.000.000,00

Außerordentliche Aufwendungen 30.159.738,00 4.000.000,000

Außerordentliches Ergebnis 2.622.410,83 –3.000.000,00

Jahresfehlbetrag 3.384.350,75 2.372.126,94

Gewinnvortrag 100,00 100,00

Entnahmen aus Rücklagen 3.149.684,07 2.372.126,94

Bilanzverlust (–)/Bilanzgewinn –234.566,68 100,00

76/77

Lagebericht 2010 des

Diakonischen Werkes

der Evangelischen Kirche

in Deutschland

Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland

e. V. mit Sitz in Stuttgart und weiteren Dienststellen in

Berlin und Brüssel hat die Aufgabe, seine Mitglieder zu fördern

und die diakonische und volksmissionarische Arbeit

anzuregen, zu planen und zu fördern, um den Gemeinden

dadurch zu helfen, die im Evangelium bezeugte Liebe Gottes

auch durch ihr Sein und Handeln mitzuteilen. Als anerkann ­

ter Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege ist das Werk

Mitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege

(BAGFW) und vertritt die Diakonie gegenüber

der Bundesrepublik Deutschland sowie gegenüber in­ und

ausländischen zentralen Organisationen. Zu den Aufgaben

im internationalen Rahmen gehört die Verantwortung für die

Aktionen „Brot für die Welt“, Diakonie Katastrophenhilfe und

„Hoffnung für Osteuropa“.

Das Diakonische Werk der EKD e. V. ist von der Körperschaftsteuer

befreit, weil es ausschließlich und unmittelbar kirchliche,

mildtätige und gemeinnützige Zwecke im Sinne der

§§ 51 ff. der Abgabenordnung verfolgt.

Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Das Jahr 2010 war durch eine kraftvolle Erholung der Weltwirtschaft,

getragen insbesondere durch die BRIC­Staaten

(Brasilien, Russland, Indien, China), gekennzeichnet. Die

Konjunkturentwicklung wurde durch die Geldpolitik – die

großen Notenbanken setzten in 2010 ihre Niedrigzinspolitik

fort – und die Fiskalpolitik unterstützt.

Das Bruttoinlandsprodukt der Weltwirtschaft legte um 5 Prozent

zu. Im Jahr 2009 war noch ein Rückgang von 0,6 Pro ­

zent zu verzeichnen gewesen. Das Bruttoinlandsprodukt

der Bundes republik Deutschland legte um 3,6 Prozent zu.

Wachs tums treiber waren insbesondere die Exporte mit einer

Steigerung von 14,2 Prozent.

Die Rentenmärkte waren das gesamte Jahr 2010 über von

heftigen Turbulenzen geprägt. Zweifel an der Zahlungsfähigkeit

Griechenlands führten kurz nach Jahresbeginn zu einem

massiven Anstieg der Risikoaufschläge der Staatsanleihen

des Landes. Griechische Staatsanleihen erreichten ab Ende

April zweistellige Renditen. In diesem Umfeld stiegen auch die

Kreditausfallprämien anderer Mitgliedsstaaten des Euroraums

deutlich an. Vor allem die Anleihen Portugals, Irlands und

Spaniens gerieten unter starken Verkaufsdruck. Vor diesem

Hintergrund beschlossen die Staats­ und Regierungschefs

der EU unter Beihilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF)


Editorial FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen Lagebericht

Ende April zunächst ein Hilfspaket für Griechenland im Umfang

von 110 Mrd. EUR, dem Anfang Mai für die übrigen Staaten

der EWU ein Rettungspaket im Gesamtumfang von 750 Mrd.

EUR folgte.

Bundesanleihen profitierten bis zum August 2010 massiv

von der Angst vor einem Zahlungsausfall Griechenlands.

Dies führte dazu, dass die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen

bis Ende August auf das historische Tief von 2,09 Prozent

sank. Zum Ende des Jahres stiegen die Renditen der zehnjährigen

Bundesanleihen auf über drei Prozent.

Die internationalen Aktienmärkte konnten trotz gelegentlicher

Rückschläge – mit Ausnahme des Eurostoxx 50 – auf breiter

Front zulegen. Der Eurostoxx 50 beendete das Jahr 2010

mit 2.793 Indexpunkten unter seinem Vorjahresschluss von

2.961 Punkten.

Der Leitindex für deutsche Standardwerte, der Dax, stieg

ungeachtet gelegentlicher Rückschläge im Umfeld der Euro­

Schuldenkrise von 5.957 auf 6.914 Punkte.

„Brot für die Welt“

Die Arbeit von „Brot für die Welt“ wird zu fast 100 Prozent

aus privaten Spenden finanziert. Entsprechend beeinflusst die

jeweilige wirtschaftliche Lage in Deutschland unser Einnahmeergebnis.

Zudem drängen angesichts knapper Kassen –

nicht nur bei Bund, Ländern und Gemeinden, sondern auch

bei Kirche und Diakonie – immer mehr Institutionen auf den

Spendenmarkt.

Auch 2011 wird „Brot für die Welt“ über 1.000 Projekte in

mehr als 70 Ländern fördern. Insgesamt sind Projektauszahlungen

im Umfang von 51,9 Mio. EUR geplant. Der größte

Teil davon soll mit 44,1 Mio. EUR auf langfristige Entwicklungsprojekte

entfallen. Für Stipendien­ und Menschenrechtsprogramme

sind 4,5 Mio. EUR, für humanitäre Hilfsmaßnahmen

der Schwesterorganisation Diakonie Katastrophenhilfe

3,3 Mio. EUR vorgesehen.

Die Finanzplanung 2011 sieht Einnahmen in Höhe von 65,3

Mio. EUR (davon Spenden und Kollekten 56,1 Mio. EUR) vor.

78/79

Diakonie Katastrophenhilfe

Die Diakonie Katastrophenhilfe plant, im Jahr 2011 rund

31 Prozent ihrer verfügbaren Mittel für Überlebens­ und

Soforthilfe, 48 Prozent für Wiederaufbaumaßnahmen und

21 Prozent für Katastrophenvorsorge einzusetzen. Regionaler

Schwerpunkt der Arbeit wird weiterhin Afrika sein mit 37 Prozent

der geplanten Mittel, gefolgt von Asien (34 Prozent),

Lateinamerika und der Karibik (25 Prozent) sowie Europa und

weltweiten Programmen (4 Prozent). Die Finanzplanung 2011

sieht Einnahmen in Höhe von 30,6 Mio. EUR (davon Spenden

12,0 Mio. EUR) vor.

Geschäftsverlauf des Diakonischen Werkes der

Evangelischen Kirche in Deutschland

Gremienbeschlüsse

Die Arbeit der verantwortlichen Gremien des Diakonischen

Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland – Vorstand,

Diakonischer Rat und Diakonische Konferenz – im Jahr 2010

war erneut maßgeblich bestimmt durch die Umsetzung des

von der Diakonischen Konferenz im Oktober 2008 gefassten

Grundsatzbeschlusses, dass sich das Diakonische Werk der

EKD und der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) zu einem

neuen Gesamtwerk am Standort Berlin zusammenschließen

und die Verschmelzung nach dem Umwandlungsgesetz spätestens

zum 31. Dezember 2012 abgeschlossen sein soll.

Der Diakonische Rat hat sich in seinen fünf regulären Sitzungen

und fünf Sondersitzungen im Jahr 2010 schwerpunktmäßig

mit der Erarbeitung des Satzungsentwurfs für das

durch die Verschmelzung entstehende „Evangelische Werk

für Diakonie und Entwicklung“ befasst sowie mit dem zukünftigen

Standort in der Mitte von Berlin und mit der Frage der

künftigen Zusatzversorgung für die Mitarbeitenden. Weiterer

Schwerpunkt der Arbeit des Diakonischen Rates war die

Weiterentwicklung des Arbeitsrechts in der Diakonie.

Das inhaltliche Schwerpunktthema der Jahrestagung der

Diakonischen Konferenz vom 12. bis zum 14. Oktober 2010

in Karlsruhe war das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von

Armut und sozialer Ausgrenzung“. Hierzu wurde ein „Wort der

Diakonischen Konferenz“ verabschiedet. Die erforderlichen

Beschlüsse der Diakonischen Konferenz zum Jahresabschluss

des Werkes zum 31. Dezember 2009 und zum Wirtschaftsplan

für das Haushaltsjahr 2011 wurden gefasst. Der

Bericht des Ausschusses für Ökumenische Diakonie der

Diakonischen Konferenz wurde zustimmend zur Kenntnis genommen.

Zudem erfolgte eine erste Lesung des Satzungsentwurfs

für das neue gemeinsame Werk.

Im Rahmen einer Sondersitzung der Diakonischen Konferenz

vom 14. bis 15. Juni 2010 in Berlin erfolgte eine Beratung des

Satzungsentwurfs und es wurden Beschlüsse zur Weiterentwicklung

des Arbeitsrechts in der Diakonie gefasst. Im Zuge

der Amtsniederlegung von Präsident Klaus­Dieter K. Kottnik

zum 30. September 2010 wurde anlässlich einer weiteren

Sondersitzung der Diakonischen Konferenz am 9. Dezember

2010 in Kassel auf Vorschlag des Diakonischen Rates Oberkirchenrat

Johannes Stockmeier zum neuen Präsidenten des

Diakonischen Werkes der EKD gewählt.

Geschäftsverlauf der einzelnen Bereiche

Bundesverband

Im Jahr 2010 sind Herr Präsident Klaus­Dieter K. Kottnik

zum 30. September 2010 und der Vorstand für Sozialpolitik,

Frau Kerstin Griese, zum 31. Dezember 2010 ausgeschieden.

Im Jahr 2010 sind in den drei Zentren des Präsidialbereichs

und des Vorstandsbereichs Sozialpolitik und den ihnen zugeordneten

Lenkungsausschüssen zahlreiche innovative Projekte

bearbeitet worden, die sowohl für die sozialpolitische

Arbeit des Werkes selbst als auch für die praktische Verwendung

in den Landes­ und Fachverbänden sowie in den Diensten

und Einrichtungen der Diakonie von Bedeutung sind.

Im Zentrum Familie, Integration, Bildung und Armut (FIBA)

konnten im Jahr 2010 zwei Projekte zum Abschluss gebracht

werden:

1. Herausforderungen und Forderungen in der Arbeitsmarktpolitik

(FIBA 014)

2. Diakonie und Bildung – Bildungsverständnis und Bildungsangebote

der Diakonie (FIBA 015)

Im Zentrum Gesundheit, Rehabilitation und Pflege (GRP)

wurden im Jahr 2010 drei Projekte zum Abschluss gebracht:

1. Profil sozialarbeiterischen Case­Managements in der

Eingliederungshilfe (GRP 022)

2. Transparenz und Ergebnisqualität als diakonische Herausforderung

in der stationären Altenhilfe (GRP 025)

3. Entwicklung eines Gesamtkonzeptes der Assistenz und

Versorgung für Menschen mit Bedarf an Pflege und

Teilhabeförderung (GRP 030)

Im Zentrum Kommunikation wurde im Jahr 2010 ein Projekt

zum Abschluss gebracht: TV­ und Kino­Spot zum Europäischen

Jahr gegen Armut und Ausgrenzung (ZKom 030).

Die kalkulatorischen Kosten der Projektarbeit werden – wie

in den Vorjahren – gesondert dokumentiert und ausgewiesen.

Dies bedeutet, dass die anteiligen Personalkosten für die in

den Projekten tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie

Sachkosten gesondert erfasst werden. Dadurch werden die

Transparenz verbessert und das Kostenbewusstsein geschärft.

Die Landes­ und Fachverbände sowie die diakonischen

Einrichtungen sind an den von den drei Zentren verantworteten

Projekten unter anderem in der Form beteiligt, dass

von ihnen vorgeschlagene Mitarbeitende in den Projektgruppen

mitwirken. Dadurch leisten sie einen nicht unerheblichen

finanziellen Beitrag zur Projektarbeit, da die in diesem Zusammenhang

anfallenden Personal­ und Sachkosten (z.B. Reisekosten)

den entsendenden Stellen vom Diakonischen Werk

der EKD nicht erstattet werden.

Die kalkulatorischen Gesamtaufwendungen für die im Jahr

2010 abgeschlossenen Projekte betrugen rund 211 TEUR

(circa 184 TEUR Personal­ und 27 TEUR Sachkosten). An

diesen Kosten haben sich die unmittelbaren und mittelbaren

Mitglieder des Werkes mit einem Betrag in Höhe von circa

140 TEUR beteiligt – davon entfallen circa 120 TEUR auf Personal­

und 19 TEUR auf Sachkosten. Der finanzielle Beitrag

der Landesverbände zur Projektarbeit betrug danach circa

76 TEUR (circa 65 TEUR Personal­ und 11 TEUR Sachkosten),

der der Fachverbände circa 52 TEUR (circa 44 TEUR Personal­

und 8 TEUR Sachkosten) und der der diakonischen

Einrichtungen und Dienste circa 12 TEUR (circa 10 TEUR

Personal­ und 2 TEUR Sachkosten). Dem stehen interne

Kosten des Diakonischen Werkes der EKD in Höhe von rund

71 TEUR (circa 63 TEUR Personal­ und 8 TEUR Sachkosten)

gegenüber.

In der permanenten Arbeitsstruktur der Zentren hat sich das

Diakonische Werk der EKD mit einer großen Zahl von innerverbandlich

abgestimmten Positionierungen intensiv in die

Gesetzgebungstätigkeit des Bundes eingebracht. Hier sind

zum Beispiel zu nennen der Entwurf zum Sozialversicherungs­Stabilisierungsgesetz,

der Referentenentwurf für ein


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Gesetz zur Änderung des Vormundschaftsrechts, die Einführung

eines Bundesfreiwilligendienstes und das Gesetz zur

Ermittlung von Regelbedarfen und zur Änderung des Zweiten

und Zwölften Buches Sozialgesetzbuch. Zudem wurde eine

gemeinsame Stellungnahme der beiden großen christlichen

Kirchen und ihrer Werke, Caritas und Diakonie, zur Konsultation

über die künftige EU­Strategie 2020 abgegeben.

Ökumenische Diakonie

Die beiden Spendenaktionen „Brot für die Welt“ und Diakonie

Katastrophenhilfe, die in der Verantwortung des Vorstandsbereichs

Ökumenische Diakonie liegen, erhielten auch für das

Jahr 2010 das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts

für soziale Fragen (DZI) in der besten Kategorie. Beide Aktionen

waren auch dieses Jahr wieder unter den zehn Finalisten

und am besten bewerteten Spendenorganisationen, die von

der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers

im Rahmen des Transparenzpreises 2010 auf die Transparenz

der Darstellung ihrer Ziele, Tätigkeit und Finanzflüsse hin untersucht

wurden.

Die Gesamteinnahmen der Aktion „Brot für die Welt“ sind im

vergangenen Jahr erneut um 13 Prozent auf rund 73,1 Mio.

EUR gestiegen. Wesentlich dazu beigetragen hat das Spenden­

und Kollektenaufkommen der Aktion „Brot für die Welt“,

das sich im Jahr 2010 sehr gut entwickelt hat und gegenüber

dem Vorjahr um 14,0 Prozent auf rund 62,4 Mio. EUR (Vorjahr

rund 54,7 Mio. EUR) gesteigert werden konnte. Positiv ausgewirkt

hat sich dabei, insbesondere nach dem verheerenden

Erdbeben in Haiti und der Flutkatastrophe in Pakistan, die

Zusammenarbeit im Bündnis „Entwicklung Hilft – Gemeinsam

für Menschen in Not“. Über dieses Bündnis konnten rund

8,2 Mio. EUR an zweckgebundenen Spenden für „Brot für die

Welt“ eingeworben werden. Auch die Einnahmen aus Bußgeldzuweisungen

und Nachlässen sind im vergangenen Jahr

signifikant auf rund 5,2 Mio. EUR (Vorjahr rund 2,2 Mio. EUR)

gestiegen.

Auch die Aufwendungen der Aktion „Brot für die Welt“ sind im

vergangenen Jahr um 16 Prozent auf rund 76,5 Mio. EUR gestiegen.

Diese Steigerung resultiert vor allem aus um rund

7,5 Mio. EUR höheren Projektmittelauszahlungen an Projekt­

80/81

partner (+14,7 Prozent), der Zuführung des Gründungskapitals

an die Ende 2009 gegründete Stiftung Brot für die Welt in

Höhe von 1,0 Mio. EUR und der Zuführung zur Altersteilzeitrückstellung

in Höhe von rund 1,3 Mio. EUR, bedingt durch

einen Anstieg der abgeschlossenen Altersteilzeitverträge im

vergangenen Jahr.

Zu Beginn des Jahres 2010 wurde der Zusammenschluss von

ACT International und ACT Development zur ACT Alliance

vollzogen. „Brot für die Welt“ gehört zusammen mit ihrer

Schwesterorganisation, der Diakonie Katastrophenhilfe, zu

den über 100 Gründungsmitgliedern dieser internationalen

Allianz von Kirchen und kirchlichen Hilfswerken, die sich in

der Entwicklungszusammenarbeit und der humanitären Hilfe

engagieren. Neben dem Ausbau der nationalen Foren wird

sich die ACT Alliance in den nächsten Jahren für die beiden

großen Themen Hunger und Klima sowie für den Erhalt

neu tra ler humanitärer Hilfe einsetzen. Bei der ersten Mitgliederversammlung

der ACT Alliance wurde die Direktorin von

„Brot für die Welt“, Pfarrerin Cornelia Füllkrug­Weitzel, zur

Moderatorin der ACT Alliance gewählt.

Die Gesamteinnahmen der Diakonie Katastrophenhilfe beliefen

sich in 2010 dank hoher Spendeneinnahmen auf rund

62,7 Mio. EUR (Vorjahr rund 25,2 Mio. EUR). Die Spendeneinnahmen

der Diakonie Katastrophenhilfe standen im vergangenen

Jahr ganz unter dem Zeichen der Großkatastrophen „Erdbeben

Haiti“ und „Flutkatastrophe in Pakistan“ und sind auf

rund 41,0 Mio. EUR (Vorjahr rund 6,6 Mio. EUR) gestiegen,

davon zweckgebunden für Pakistan rund 17,6 Mio. EUR und

für Haiti rund 16,8 Mio. EUR. Die Bereitschaft der öffentlichen

Drittmittelgeber, der Diakonie Katastrophenhilfe Geld für die

humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau anzuvertrauen, ist

weiterhin sehr groß. So konnten im vergangenen Jahr die

Drittmitteleinnahmen auf rund 15,6 Mio. EUR (Vorjahr rund

13,9 Mio. EUR) gesteigert werden.

Die Gesamtaufwendungen der Diakonie Katastrophenhilfe

stiegen im vergangenen Jahr um rund 6,6 Mio. EUR auf insgesamt

rund 35,5 Mio. EUR. Dieser Anstieg resultiert aus

höheren Projektauszahlungen an Partnerorganisationen (rund

4,6 Mio. EUR) sowie gestiegenen Aufwendungen für Werbung,

bedingt durch zusätzliche Werbemaßnahmen, und

höheren Aufwendungen in der Verwaltung durch den hohen

Arbeitsanfall in der Spendenbuchhaltung.

In Absprache mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

CURACON GmbH, Stuttgart, und dem Verband Entwicklungspolitik

Deutscher Nichtregierungsorganisationen e. V. (VENRO)

werden bei den Jahresabschlüssen der Aktion „Brot für die

Welt“ und bei der Diakonie Katastrophenhilfe die Empfehlungen

des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW) zur Rechnungslegung

Besonderheiten der Rechnungslegung Spenden

sammelnder Organisationen“ (IDW RS HFA 21) nicht in allen

Punkten angewandt. So werden die Spenden und Kollekten

im Jahr ihres Zuflusses vollständig ertragswirksam ausgewiesen

und nicht, wie vom IDW vorgeschlagen, im Jahr ihrer Verwendung.

Die Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ wurde zum Jahresende

2010 als bundesweite und beim Diakonischen Werk der EKD

angesiedelte Aktion eingestellt. Die Europaarbeit der Ökumenischen

Diakonie geht gleichwohl weiter: Die Einwerbung der

Mittel sowie die Projektförderung werden ab 2011 unter dem

Dach von „Brot für die Welt“ fortgeführt. Die Markenrechte

von „Hoffnung für Osteuropa“ sind Ende des Jahres 2010 auf

das Diakonische Werk Württemberg übergegangen.

Personalbereich

Am Ende des Jahres 2010 beschäftigte das Diakonische Werk

der Evangelischen Kirche in Deutschland – ohne Zivildienstleistende

und Aushilfen – 288 Mitarbeiterinnen (68,6 Prozent,

im Vorjahr mit 271 Mitarbeiterinnen 67,4 Prozent) und 132 Mitarbeiter

(31,4 Prozent, im Vorjahr mit 131 Mitarbeitern 32,6

Prozent), insgesamt also 420 Mitarbeitende (im Vorjahr 402).

Zum Ende des Berichtsjahres standen 111 Mitarbeitende

(26,4 Prozent, im Vorjahr mit 99 Mitarbeitenden 24,6 Prozent)

in einem Teilzeitbeschäftigungsverhältnis.

In Bezug auf die Vollzeitbeschäftigten zeigt sich die Zusammensetzung

und Entwicklung wie folgt:

Vollkräfte im Jahresdurchschnitt

2007 2008 2009 2010

Präsidialbereich 19 18 42 36

Ökumenische Diakonie 128 140 167 177

Sozialpolitik 84 82 60 65

Wirtschaft und Verwaltung 114 107 108 122

Fusion 1 3

345 347 378 403

Die Bezüge für die vier aktiven Vorstandsmitglieder in Höhe

von insgesamt 479.347,65 EUR verteilen sich wie folgt auf die

einzelnen Vorstände:

Klaus-Dieter K. Kottnik Präsident (bis 30.09.2010) 91.061,52 EUR

zzgl. Versorgungsumlage 26.400,00 EUR

zzgl. VERKA 14.994,24 EUR

Dr. Wolfgang Teske Vizepräsident u. Vorstand

Wirtschaft und Verwaltung

99.275,19 EUR

Cornelia Füllkrug-Weitzel Vorstand Ökumenische Diakonie 100.106,89 EUR

zzgl. Versorgungsumlage 26.880,00 EUR

zzgl. VERKA 10.872,36 EUR

Kerstin Griese Vorstand Sozialpolitik

(bis 31.12.2010)

109.757,45 EUR


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Stellenbesetzungsübersicht 2010

Entgeltgruppen

nach DVO.EKD

82/83

B-Gr.

EG 15

EG 14

EG 13

EG 12

EG 11

EG 10

EG 9

EG 8

EG 6

EG 5

EG 4

EG 3

EG 2

Azubi

ZDL

z. b. V.

Stellenanzahl

0 10 20 30 40 50 60 70 80

0

0

0

0

1

1

1

2

2

2

2

3

3

3

2

4

4

5

3,9

4,2

4,5

6

6

8

6,75

11

10,75

13,3

15,6

Mitarbeiterinnen Mitarbeiter

30

30,9

48,45

63,08

68,25

Entwicklung des Soll-Stellenplans 2006–2011

450

400

350

300

250

200

150

100

2006 2007 2008 2009 2010

356,78

239,78

117,00

351,18

361,48

232,68 229,43

118,50

132,05

Stellen in vollständig refinanzierten Arbeitsfeldern der Ökumenischen

Diakonie (insbesondere „Brot für die Welt“ und Diakonie Katastrophenhilfe)

Nicht und nicht vollständig über OED-Mittel refinanzierte Stellen

Gesamt

Stellenplan Soll/Ist

Der Soll­Stellenplan für das Jahr 2010 mit einer ausgewiesenen

Zahl von 414,98 Stellen wurde im Ist (403,02 Voll­AKs) –

einschließlich Vakanzen und krankheitsbedingter Ausfälle –

rechnerisch um 11,96 Vollzeitstellen unterschritten. Im

Ver gleich zum Stellenplan des Vorjahres (387,58 Stellen)

wurden 27,4 Stellen neu errichtet. Durch den Zuwachs

von 17,7 Stellen in den Arbeitsfeldern der Ökumenischen

Diakonie – insbesondere Aktionen „Brot für die Welt“ und

Diakonie Katastrophenhilfe – erhöhte sich der relative Anteil

dieser Stellen auf 44,12 Prozent (im Vorjahr 42,67 Prozent).

Fluktuationsrate

Im Berichtsjahr betrug die Fluktuationsrate – ohne Berücksichtigung

von Aushilfen – 8,8 Prozent (37 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen,

im Vorjahr 29 Mitarbeitende beziehungs weise

circa 7 Prozent). Diese Fluktuationsrate ist auch auf die

Fusion und den Umzug nach Berlin in 2012 zurückzuführen.

Bis zum 31. Dezember 2010 wurden insgesamt 50 Stellen

(im Vorjahr 74 Stellen) neu beziehungsweise wieder besetzt,

davon 11 (im Vorjahr 13) Stellen in Berlin.

387,58

222,18

165,40

414,98

231,88

183,10

2011

416,98

235,73

181,25

Altersteilzeitregelung

Im Jahr 2010 wurden 11 Altersteilzeitvereinbarungen mit

den Mitarbeitenden geschlossen. Es befanden sich zum

31. Dezember 2010 insgesamt 20 Mitarbeitende (11 Mitarbeiterinnen

und 9 Mitarbeiter, im Vorjahr 16 Mitarbeitende) im

Diakonischen Werk der EKD in Altersteilzeit. Dabei wird auf

Antrag der Mitarbeitenden in aller Regel das sogenannte

Blockzeitmodell (18 Fälle) vereinbart. Zur Abdeckung der

daraus resultierenden Ansprüche der Mitarbeitenden wurde

zum 31.12.2010 eine mit dem vorhandenem Deckungsvermögen

in Höhe von 549 TEUR saldierte Rückstellung in Höhe

von 3.764 TEUR (im Vorjahr 1.014 TEUR) gebildet. Darin ist

auch eine Rückstellung für mögliche Altersteilzeitvereinbarungen

in Höhe von 2.123 TEUR enthalten. Diese ist durch die

in 2010 mit Blick auf die Fusion abgeschlossene Dienstvereinbarung

zur Altersteilzeit begründet.


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Lage des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland

Ertragslage

Soll-Ist-Vergleich Wirtschaftsplan 2010 mit Ist 2009

Gewinn- und Verlustrechnung

in TEUR Plan 2010 Ist 2010 Differenz Ist 2009

1. Umsatzerlöse 2.642 2.2821 –360 2.3672 (davon Zuschlagserlöse WBM) (1.125) (868) (–257) (1.091)

2. Beitragseinnahmen

3. Betriebskostenzuschüsse und -zuwendungen

1.424 1.312 –112 1.339

a) Evangelische Kirche in Deutschland 5.761 6.587 826 6.083

b) Öffentliche Mittel 4.887 4.776 –111 4.764

c) Sonstige Zuschüsse 2.679 3.630 951 3.101

4. Sonstige Erträge 870 2.2663 1.396 2.9714 (davon Spenden und Nachlässe) (0) (245) (245) (296)

5. Erstattung und Auflösung aus Zweckverbindlichkeiten 17.883 21.4915 3.608 15.9266 Ordentliche Erträge insgesamt 36.146 42.344 6.198 36.551

6. Materialaufwand 6.228 6.5947 366 5.0458 7. Personalaufwand 24.187 28.402 4.215 24.121

8. Abschreibungen 1.112 1.513 401 1.266

9. Sonstige betriebl. Aufwendungen 9.889 14.4119 4.522 11.50510 Ordentliche Aufwendungen insgesamt 41.416 50.920 9.504 41.937

10. Betriebsergebnis –5.270 –8.576 –3.306 –5.386

11. Finanzergebnis 5.000 2.570 –2.430 6.014

12. Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit –270 –6.006 –5.736 628

13. Außerordentliche Erträge 0 32.782 32.782 0

14. Außerordentliche Aufwendungen 0 30.160 30.160 0

15. Zuführung zur Rückstellung Fusion 0 0 0 3.000

16. Jahresfehlbetrag/Jahresüberschuss 0 –3.384 –3.384 –2.372

17. Gewinnvortrag aus dem Vorjahr 0 0 0 0

18. Entnahmen aus Rücklagen 270 4.750 4.480 3.872

19. Einstellung in Rücklagen 0 1.600 1.600 1.500

20. Bilanzgewinn/-verlust 0 –234 –234 0

1 Ohne Erlöse Wohlfahrtsbriefmarken (TEUR 7.500). 2 Ohne Erlöse Wohlfahrtsbriefmarken (TEUR 7.900). 3 Ohne Nachlassertrag OED, inkl. Veräußerungsgewinn Wertpapiere.

4 Ohne Nachlassertrag OED, inkl. Veräußerungsgewinn Wertpapiere. 5 Inkl. Erstattung sonstige Zweckverbindlichkeiten. 6 Inkl. Erstattung sonstige Zweckverbindlichkeiten.

7 Ohne Wareneinsatz Wohlfahrtsbriefmarken (TEUR 7.500). 8 Ohne Wareneinsatz Wohlfahrtsbriefmarken (TEUR 7.900). 9 Ohne Nachlassaufwand. 10 Ohne Nachlassaufwand.

Zu wesentlichen Abweichungen in Einzelpositionen

Zu 1 Geringere Zuschlagserlöse aus Wohlfahrtsbriefmarken als geplant.

Zu 2 Die geringeren Beitragseinnahmen sind auf eine temporäre Buchungsverschiebung zurückzuführen.

Zu 3a Die höheren Zuschüsse sind im Wesentlichen auf den ertragswirksam vereinnahmten Zuschuss des

Kirchenamtes der Evangelischen Kirche Deutschland in Höhe von 798 TEUR für Aufwendungen im

Rahmen des Fusionsprozesses zurückzuführen.

Zu 3b Geringere Bundesmittel als geplant.

Zu 3c Die höheren sonstigen Zuschüsse sind auf die höhere Zuwendung der Stiftung Kronenkreuz zurückzuführen.

Zu 4 Im Planansatz des Wirtschaftsplans wurden die erwarteten Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren

im Finanzergebnis berücksichtigt. Im Jahr 2010 betrugen die Veräußerungsgewinne aus Wertpapierverkäufen

961 TEUR. Weiter sind in dieser Position die nicht planbaren Spenden, Nachlasserträge

und periodenfremde Erträge enthalten.

Zu 5 Ursächlich hierfür waren die höheren Aufwendungen der Ökumenischen Diakonie.

Zu 6 Die Mehraufwendungen resultieren aus dem Materialmehraufwand der Ökumenischen Diakonie.

Zu 7 Die höheren Personalaufwendungen resultieren insbesondere aus der Veränderung (Verbrauch und

Zuführung) der Altersteilzeitrückstellung für Mitarbeitende in Höhe von 3.153 TEUR, der Umstellung

des Vergütungssystems in der Dienstvertragsordnung der EKD sowie der Errichtung von neuen Stellen

in der Ökumenischen Diakonie.

Zu 8 Die höheren Abschreibungen sind bedingt durch den Zugang der Software DRMS in Höhe von 962 TEUR.

Zu 9 Die höheren sonstigen betrieblichen Aufwendungen sind insbesondere für nachfolgende Positionen

entstanden:

- Zuführung zur Rückstellung für die Entschädigung von ehemaligen Heimkindern in Höhe von

1.000 TEUR. 143 TEUR für die Zuführung zur Rückstellung für ausstehende Rechnungen.

- Beratungs- und IT-Anpassungskosten im Rahmen der Fusion in Höhe von 992 TEUR. Davon sind

durch den Zuschuss des Kirchenamtes der EKD 763 TEUR refinanziert.

- Herstellkosten für Produkte Werbe- und Öffentlichkeitsarbeit des Projektes „Erwachsen glauben“

in Höhe von 127 TEUR. Diese Kosten sind durch Drittmittel refinanziert.

- Werbe- und Produktionskosten für die Entwicklung des Corporate Designs 93 TEUR.

- Zuschüsse an die Führungsakademie für Kirche und Diakonie in Höhe von 96 TEUR sowie an

84/85

die Stiftung BfdW in Höhe von 56 TEUR.

- Personalaufwendungen für Stellenanzeigen in Höhe von 69 TEUR sowie für Personalleasing 46 TEUR.

- Aufwendungen für Miete Rechenzentrum und Wartung Oracle für die EDV-Software DRMS in Höhe

von 260 TEUR. Diese Kosten sind refinanziert.

- Sitzungs- und Tagungskosten in Höhe von 69 TEUR im Rahmen der Fusion. Davon sind 31 TEUR

durch den Zuschuss des Kirchenamtes der EKD refinanziert. Mehraufwendungen der Zentren in

Höhe von 62 TEUR. Diesen stehen zusätzliche Erstattungen in Höhe von 30 TEUR gegenüber. Mehraufwendungen

des Zentrums Kommunikation in Höhe von 36 TEUR, denen zusätzliche Erstattungen

in Höhe von 33 TEUR gegenüberstehen. Die Ökumenische Diakonie hat höhere Kosten in Höhe von

67 TEUR ausgewiesen. Diese Aufwendungen sind refinanziert.

- Periodenfremde Aufwendungen in Höhe von 273 TEUR.

Zu 11 Das Finanzergebnis wurde maßgeblich durch den Ausweis der Veräußerungsgewinne (vgl. auch

Erläuterung zu Ziffer 4), der Teilwertabschreibung der Beteiligung an der Bürgschaftsbank in Höhe

von 844 TEUR und Abschreibungen auf Wertpapiere des Umlaufvermögens in Höhe von 345 TEUR

geprägt. Weiter ergaben sich aus der erstmaligen Anwendung der neuen handelsrechtlichen Bilanzierungsregelungen

Zinsaufwendungen aus der Abzinsung von Rückstellungen zum 31.12.2010 in

Höhe von 348 TEUR.

Zu 12 Das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit resultiert im Wesentlichen aus der Veränderung

der Altersteilzeitrückstellung für Mitarbeitende in Höhe von 3.135 TEUR, der Rückstellung für

die Entschädigung von ehemaligen Heimkindern in Höhe von 1.000 TEUR und der Teilwertabschreibung

der Beteiligung an der Bürgschaftsbank in Höhe von 844 TEUR.

Zu 13 Die außerordentlichen Erträge enthalten im Wesentlichen eine Zuwendung der Stiftung Kronenkreuz

in Höhe von 32.241 TEUR. Weiter entstanden aus der erstmaligen Anwendung der neuen handelsrechtlichen

Bilanzierungsregelungen a. o. Erträge aus der Abzinsung von Rückstellungen zum

1.1.2010 in Höhe von 541 TEUR.

Zu 14 Die außerordentlichen Aufwendungen beinhalten die Zuführung zur Rückstellung für den Ausstieg

des Diakonischen Werks der EKD aus der VBL in Höhe von 30.000 TEUR. Weiter entstanden aus der

erstmaligen Anwendung der neuen handelsrechtlichen Bilanzierungsregelungen a. o. Aufwendungen

aus der Abzinsung von Pensionsrückstellungen zum 1.1.2010 in Höhe von 160 TEUR.

Nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten untergliedert zeigt sich die Ertragslage für das Geschäftsjahr wie folgt:

2010 2009 Veränderung

in TEUR in % in TEUR in % in TEUR in %

Umsatzerlöse 9.766 20,1 10.268 24,1 –502 4,9

Beitragseinnahmen zur Erfüllung

des Satzungszwecks 1.312 2,7 1.339 3,1 –27 2,0

Zuwendungen und Zuschüsse 14.993 30,9 13.948 32,8 1.045 7,5

Sonstige betriebliche Erträge 1.037 2,1 1.076 2,6 –39 3,6

Erstattungen aus

Zweckverbindlichkeiten 21.491 44,2 15.926 37,4 5.565 34,9

Betriebliche Erträge 48.599 100,0 42.557 100,0 6.042 14,2

Materialaufwand 14.078 29,0 12.945 30,4 1.133 8,8

Personalaufwand 28.402 58,4 24.121 56,7 4.281 17,7

Abschreibungen (nicht gefördert) 1.483 3,1 1.197 2,8 286 23,9

Sonstige betriebliche Aufwendungen

einschließlich Steuern 14.136 29,1 11.492 27,0 2.644 23,0

Betriebliche Aufwendungen 58.099 119,6 49.755 116,9 8.344 16,8

Betriebsergebnis –9.500 19,7 –7.198 16,9 –2.302 32,0

Fördermittelergebnis 0 0 0

Finanzergebnis 3.531 7.547 –4.016

Neutrales Ergebnis 2.585 –2.721 5.306

Jahresergebnis –3.384 –2.372 –1.012

Ertragskennzahlenübersicht

2010 2009

Personalaufwand in TEUR 28.402 24.121

Vollkräfte 403 378

Personalaufwandsquote, in % (A) 58,4 56,7

Personalaufwand je Vollkraft, in TEUR (B) 71 64

Betriebliche Erträge je Vollkraft, in TEUR (C) 117 113

Materialaufwand, in TEUR 14.078 12.945

Materialaufwandsquote, in % (D) 29,0 30,4

Berechnungsart der einzelnen Positionen

Zu (A) Personalaufwand x 100/ Betriebliche Erträge

Zu (B) Personalaufwand/ Vollkräfte

Zu (C) Betriebliche Erträge/ Vollkräfte

Zu (D) Materialaufwand x 100/Betriebliche Erträge


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Vermögens- und Finanzlage

Die Vermögens­ und Finanzlage des Diakonischen Werkes der

Evangelischen Kirche in Deutschland ist geordnet und ausreichend

zur Erfüllung der satzungsgemäßen Aufgaben.

Vermögenslage

Vermögensstruktur

31.12.2010 31.12.2009 Veränderung

in TEUR in % in TEUR in % in TEUR

Langfristige Aktiva

Immaterielle Vermögensgegenstände 2.979 1,4 2.313 1,5 666

Sachanlagen 10.870 5,0 11.398 7,3 –528

Finanzanlagen 74.691 34,3 34.980 22,6 39.711

Sonstige Vermögensgegenstände 0 0,0 629 0,4 –629

88.540 40,7 49.320 31,8 39.220

Kurzfristige Aktiva

Vorräte 815 0,4 76 0,0 739

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 541 0,2 419 0,3 122

Forderungen im Unternehmensverbund 106 0,0 102 0,1 4

Sonstige Vermögensgegenstände 3.506 1,6 6.670 4,3 –3.164

Wertpapiere des Umlaufvermögens 78.630 36,1 75.015 48,4 3.615

Liquide Mittel 45.376 20,8 23.011 14,8 22.365

Rechnungsabgrenzungsposten 361 0,2 495 0,3 –134

129.335 59,3 105.788 68,2 23.547

217.875 100,0 155.108 100,0 62.767

Die Finanzanlagen haben sich im Jahresverlauf durch den Kauf von Aktien der Bank für

Sozialwirtschaft erhöht.

Die Vorräte geben den Bestand an Wohlfahrtsbriefmarken zum Bilanzstichtag in Höhe von

803 TEUR (31.12.2009 46 TEUR) wider.

Zu sonstige Vermögensgegenstände/sonstige Verbindlichkeiten:

Die Veränderungen beruhen auf dem Verkauf der BFS-Aktien der Stiftung Kronenkreuz an das

Diakonische Werk der EKD. Per Saldo ergibt sich zum 31.12.2010 – trotz der Gewinnabführung der

Stiftung Kronenkreuz an das Diakonische Werk der EKD – eine Verbindlichkeit (2009 Forderung)

gegenüber der Stiftung Kronenkreuz.

Die Wertpapiere des Umlaufvermögens spiegeln die gute Lage an den Finanzmärkten in 2010 wider.

Die Veränderung der Verbindlichkeiten aus zweckgebundenen Zuwendungen spiegelt insbesondere

das gestiegene Spendenaufkommen der Diakonie Katastrophenhilfe wider.

86/87

Kapitalstruktur

31.12.2010 31.12.2009 Veränderung

in TEUR in % in TEUR in % in TEUR

Eigenkapital 24.279 11,1 27.663 17,8 –3.384

Sonderposten 485 0,2 515 0,3 –30

Langfristige sonstige Passiva

24.764 11,3 28.178 18,1 –3.414

Rückstellungen 10.365 4,8 8.187 5,3 2.178

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 496 0,2 586 0,4 –90

Sonstige Verbindlichkeiten 28 0,0 28 0,0 0

10.889 5,0 8.801 5,7 2.088

Kurzfristige Passiva

35.653 16,3 36.979 23,8 –1.326

Rückstellungen 33.886 15,6 2.520 1,6 31.366

Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen 3.288 1,5 1.485 1,0 1.803

Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten 90 0,0 360 0,2 –270

Verbindlichkeiten im Unternehmensverbund 2 0,0 3 0,0 –1

Verbindlichkeiten aus zweckgebundenen Zuwendungen 144.402 66,3 119.426 77,0 24.976

Abzüglich Vorfinanzierungen –7.005 3,2 –7.437 4,8 432

Sonstige Verbindlichkeiten 7.548 3,5 1.762 1,2 5.786

Rechnungsabgrenzungsposten 11 0,0 10 0,0 1

182.222 83,7 118.129 76,2 64.093

217.875 100,0 155.108 100,0 62.767


Editorial FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen Lagebericht

Finanzlage

Cash-Flow

in TEUR 2010 2009

1. Periodenergebnis vor außerordentlichen Posten –3.384 628

2. Abschreibungen/Zuschreibungen auf Gegenstände des Anlagevermögens 2.356 1.266

3. Zunahme/Abnahme der Rückstellungen 3.544 2.984

4. Auflösung von Sonderposten und sonstige zahlungsunwirksame Erträge/Aufwendungen –2.271 –69

5. Gewinn/Verlust aus dem Abgang von Gegenständen des Anlagevermögens 0 0

6. Abnahme/Zunahme der Vorräte, der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Aktiva,

die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind

88/89

3.062 –486

7. Zunahme/Abnahme der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie anderer Passiva,

die nicht der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit zuzuordnen sind

26.271

–7.640

8. Ein-/Auszahlungen aus außerordentlichen Posten 0 –3.000

9. Cash-Flow aus der laufenden Geschäftstätigkeit 29.578 –6.317

10. Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Sachanlagevermögens 9 0

11. Auszahlungen für Investitionen in das Sachanlagevermögen –506 –537

12. Auszahlungen für Investitionen in das immaterielle Anlagevermögen –1.155 –1.483

13. Einzahlungen aus Abgängen von Gegenständen des Finanzanlagevermögens 168 8.280

14. Auszahlungen für Investitionen in das Finanzanlagevermögen –1.754 –1.226

15. Cash-Flow aus der Investitionstätigkeit –3.238 5.034

16. Einzahlungen von Zuschüssen für Investitionen in das Anlagevermögen 0 30

17. Auszahlungen aus der Tilgung von Finanzkrediten –360 –359

18. Cash-Flow aus der Finanzierungstätigkeit –360 –329

19. Zahlungswirksame Veränderungen des Finanzmittelfonds 25.980

–1.612

20. Finanzmittelfonds am Anfang der Periode 98.026 99.638

21. Finanzmittelfonds am Ende der Periode 124.006 98.026

Zu 1:

Die Veränderung zu 2009 beruht auf dem geringeren Finanzergebnis 2010 in Höhe von 2.570 TEUR

(2009 6.014 TEUR) sowie den Zuführungen zur Rückstellung für die Entschädigung von ehemaligen Heimkindern

und zur Rückstellung für Altersteilzeit.

Zu 3:

Die Veränderung beruht auf den Zuführungen zur Rückstellung für den Ausstieg aus der VBL sowie den

Zuführungen zur Rückstellung für die Entschädigung von ehemaligen Heimkindern und zur Rückstellung für

Altersteilzeit.

Der Anstieg des Cash­Flow aus laufender Geschäftstätigkeit

ist im Wesentlichen auf eine Steigerung der Verbindlichkeiten

aus Zweckvermögen zurückzuführen, da hier noch kein Zahlungsmittelabfluss

stattgefunden hat.

Finanzmittelfonds

in TEUR 31.12.2010 31.12.2009 Veränderung

Liquide Mittel 45.376 23.011 22.365

Wertpapiere des Umlaufvermögens 78.630 75.015 3.615

124.006

Die Erhöhung der liquiden Mittel ist im Wesentlichen auf das

gestiegene Spendenaufkommen der Diakonie Katastrophenhilfe

zurückzuführen.

Zu 6:

Die Veränderung resultiert aus der Bestandserhöhung Wohlfahrtsbriefmarken (757 TEUR), der Erhöhung

der Forderung aus Lieferung und Leistungen (123 TEUR), der Erhöhung der Vorfinanzierungen von Projekten

der Ökumenischen Diakonie (4.861 TEUR) und der Verminderung des Forderungsbestandes aus 2009

gegenüber der Stiftung Kronenkreuz (–2.970 TEUR).

98.026 25.980

Liquidität

in TEUR 31.12.2010 31.12.2009

Liquide Mittel und Wertpapiere des Umlaufvermögens 124.006 98.026

Abzüglich

Kurzfristiges Fremdkapital

182.222

118.129

Liquidität I –58.216 –20.103

Zuzüglich

Kurzfristige Forderungen

4.153

7.686

Liquidität II –54.063 –12.417

Zuzüglich

Vorräte

815

76

Liquidität III/Unterdeckung 53.248 12.341

Veränderung des Liquiditätssaldos –40.907

Die Vermögens­ und Finanzlage des Diakonischen Werkes der

Evangelischen Kirche in Deutschland stellte sich im Jahr 2010

wie folgt dar: Die kurzfristige Liquiditätsdeckung unter Einbeziehung

auch der dem Anlagevermögen gewidmeten Wertpapiere

und unter Berücksichtigung aller kurzfristigen Verpflichtungen

(einschließlich der kurzfristigen Rückstellungen) weist

Vermögens- und Finanzkennzahlenübersicht

in % 31.12.2009 31.12.2008

Anlagendeckung (A) 40,3 75,9

Eigenkapitalquote I (B) 11,1 17,8

Eigenkapitalquote II (C) 11,3 18,1

Fremdkapitalquote (kurzfristig) (D) 83,7 76,2

Liquiditätsgrad I (E) 67,5 83,0

Liquiditätsgrad II (F) 69,7 89,5

Liquiditätsgrad III (G) 70,2 89,6

Berechnungsart der einzelnen Positionen

Zu (A) (Eigenkapital + Sonderposten + langfristiges Fremdkapital) x 100/ Anlagevermögen

Zu (B) Eigenkapital x 100/ Bilanzsumme

Zu (C) (Eigenkapital + Sonderposten) x 100/ Bilanzsumme

Zu (D) Kurzfristiges Fremdkapital x 100/ Bilanzsumme

Zu (E) (Liquide Mittel + Wertpapiere des Umlaufvermögens) x 100/ Kurzfristiges Fremdkapital

Zu (F) (Liquide Mittel + Wertpapiere des Umlaufvermögens + kurzfristige Forderungen) x 100/ Kurzfristiges Fremdkapital

Zu (G) (Liquide Mittel + Wertpapiere des Umlaufvermögens + kurzfristige Forderungen + Vorräte) x 100/ Kurzfristiges Fremdkapital

Planungswesen und Risikoerkennungssystem

Das Diakonische Werk der EKD erstellt jährlich einen Wirtschaftsplan,

der auch einen Investitions­, Finanz­ und

Stel lenplan umfasst. Auf der Grundlage der jeweiligen Wirtschaftspläne

wird eine mittelfristige Finanzplanung mit einer

Perspektive von bis zu fünf Jahren entwickelt. Diese Planungsrechnungen

des Vorstandes, die der Vorstandsbereich

Wirtschaft und Verwaltung erstellt, werden den Aufsichtsgremien

des Diakonischen Werkes der EKD zur Prüfung

und Beschlussfassung vorgelegt.

eine Überdeckung von rund 17.200 TEUR (im Jahr 2009

circa 14.700 TEUR) aus.

Im Geschäftsjahr 2010 wurden Investitionen mit einem

Geschäftsvolumen von 506 TEUR (im Vorjahr: 537 TEUR)

in langfristig gebundenes Sachanlagevermögen getätigt.

Das Berichtswesen beinhaltet unter anderem laufende EDVgestützte

Soll­Ist­Vergleiche, die vierteljährliche Überwachung

der Einhaltung des genehmigten Wirtschaftsplans (Soll­Ist­

Vergleich) und den Halbjahresabschluss. Die Berichte –

Soll­Ist­Vergleich, Wirtschaftsplan und Halbjahresabschluss –

werden auch dem Finanzausschuss des Diakonischen Rates

beziehungsweise dessen Vorsitzenden zur Kenntnisnahme

vorgelegt.


Editorial FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen Lagebericht

Vor dem Hintergrund der Sonderprüfung der Wirtschafts prü ­

fungsgesellschaft Solidaris Revisions­GmbH, Köln, zur Zu ­

sammenarbeit des Diakonischen Werkes der EKD mit Dr.

Dithmar & Partner wurden Maßnahmen zur Verbesserung der

internen Kontrollen des Berichtswesens sowie des Controllings

in 2011 für den Diakonie Bundesverband beschlossen.

Chancen und Risiken der künftigen Entwicklung

Die wesentlichen Finanzierungsquellen für die Arbeit des

Diakonischen Werkes der EKD sind der Verwaltungskostenzuschuss

auf der Grundlage des Haushaltsplans der Evangelischen

Kirche in Deutschland, projektbezogene Zuwendungen

aus dem Bundeshaushalt (insbesondere aus Kapitel 1702 Titel

684 04 des Bundeshaushalts für die Durchführung zentraler

und internationaler Aufgaben der Spitzenverbände der Freien

Wohlfahrtspflege), Erstattungen aus Zweckverbindlichkeiten

(insbesondere auf der Grundlage der geschlossenen Refinanzierungssysteme

für die Aktionen „Brot für die Welt“ und

Diakonie Katastrophenhilfe) sowie Erträgnisse aus dem Vermögen.

Weitere Quellen sind die Mitgliedsbeiträge gemäß

§ 14 Nr. 3 der Satzung des Diakonischen Werkes der EKD

sowie Publikationserlöse.

Auf der Grundlage der §§ 1, 4 des Kirchengesetzes über das

Diakonische Werk der EKD und § 14 Nr. 1 der Satzung des

Diakonischen Werkes der EKD erhält das Diakonische Werk

der EKD Zuschüsse nach Maßgabe des Haushaltsplans der

90/91

Verwaltungskostenzuschuss der EKD inklusive Rechtshilfeprogramm

Mio. EUR

8

7

6

5

4

2

0

Evangelischen Kirche in Deutschland zur Erfüllung seiner

Aufgaben. Dieser umlagefinanzierte Zuschuss zu den Verwaltungskosten

des Werkes erhöht sich im Jahr 2012 um

4,4 Prozent (245 TEUR). Nach der mittelfristigen Finanzplanung

des Kirchenamts der Evangelischen Kirche in

Deutschland sinkt der Zuschuss im Jahr 2013 um 1,2 Pro ­

zent (70 TEUR). Aufgrund der allgemeinen Entwicklung

des Kirchensteueraufkommens in den Landeskirchen sinkt

der Zuschuss im Jahr 2014 voraussichtlich um 2 Prozent

(115 TEUR). Für 2015 ist mit keiner wesentlichen Änderung

gegenüber 2014 zu rechnen.

Die projektbezogenen Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt

insbesondere zur Durchführung zentraler und internationaler

Aufgaben der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege

aus Kapitel 1702 Titel 684 04 des Bundeshaushalts –

sind die wichtigste finanzielle Basis für die Arbeit des Vorstandsbereichs

Sozialpolitik und für den Präsidialbereich mit

den Zentren FIBA, GRP und Kommunikation sowie die dortigen

Stabsstellen. Für das Jahr 2011 wurde eine Zuwendung aus

diesem Titel des Bundeshaushalts in Höhe von 4.249 TEUR

beantragt und bewilligt. Dies entspricht der Zuwendung des

Jahres 2010. Die Zuwendung unterliegt in ihrer Höhe – wie

auch die weiteren projektbezogenen Zuwendungen aus dem

Bundeshaushalt – dem Grundsatz der Jährlichkeit, so dass

keine langfristige Planungssicherheit besteht.

1995 2000 2005 2010 2014

Neben den Erstattungen aus Zweckverbindlichkeiten (insbesondere

auf der Grundlage der geschlossenen Refinanzierungssysteme

für die Aktionen „Brot für die Welt“ und Diakonie

Katastrophenhilfe) sind schließlich als wesentliche

Finanzierungsquelle für die Arbeit des Diakonischen Werkes

der EKD die Erträgnisse aus dem Vermögen zu nennen.

Im Zusammenhang mit den Empfehlungen des Abschlussberichts

des „Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und

60er Jahren“ hat das Diakonische Werk der EKD – angesichts

der noch nicht feststehenden Zahlungsmodalitäten des vom

Diakonischen Werk der EKD zu entrichtenden Betrages – eine

Rückstellung im Jahr 2010 in Höhe von 1 Million EUR für

den bundesweiten Fonds beziehungsweise die bundesweite

Stiftung für ehemalige Heimkinder gebildet.

Ausblick 2011

Vor dem Hintergrund der Verschuldensproblematik, der Infl ationsentwicklung,

der Turbulenzen an den europäischen Anleihemärkten

sowie der Sorgen vor einer globalen Konjunkturabkühlung

sind Prognosen zur Entwicklung der Märkte derzeit

nicht möglich. Das Diakonische Werk der EKD wird in Zusammenarbeit

mit seinen Partnern aus dem Bankenbereich seine

vorsichtige und risikoaverse Anlagepolitik fortsetzen. Vor

dem so umrissenen Hintergrund der Unsicherheiten an den

Kapitalmärkten wird ein unter dem Planansatz des Jahres

2011 liegendes Finanzergebnis erwartet. Der Vorstand des

Diakonischen Werkes der EKD ist sich der sich weiter verschlechternden

finanziellen Rahmenbedingungen bewusst.

Insbesondere die projektbezogenen Bundesmittel bieten – vor

dem Hintergrund der notwendigen Haushaltskonsolidierung

auf Ebene des Bundes – keine langfristige Planungssicherheit.

Um das Diakonische Werk der EKD zukunftsfähig aufzustellen,

sind weitere Anstrengungen zu unternehmen, um die Erträge

zu steigern und die Aufwendungen weiter zu reduzieren.

Die Haushaltsplanung des Diakonischen Werkes der EKD

rechnet mit einem ausgeglichenen Jahresergebnis für das

Geschäftsjahr 2011.

Die geplante Fusion mit dem EED lässt eine verbesserte Koordination

der Arbeit und damit Einsparungen im operativen Bereich

des neuen Gesamtwerkes „Evangelisches Zentrum für

Diakonie und Entwicklung“ erwarten. Zur Abdeckung der aus

der Altersteilzeitregelung im Rahmen des Sozialplans resul tierenden

Ansprüche der Mitarbeitenden wurde zum 31.12.2010

eine mit dem vorhandenen Deckungsvermögen in Höhe von

37 TEUR saldierte Rückstellung in Höhe von 3.418 TEUR gebildet.

Darin ist auch eine pauschale Rückstellung für Altersteilzeitvereinbarungen

in Höhe von 2.123 TEUR enthalten.

Der zukünftige Standort des Evangelischen Zentrums für Diakonie

und Entwicklung wurde im Hinblick auf das erklärte Ziel

gewählt, alle Aktivitäten in einem Bürogebäude zu bündeln.

Bauherr und Vermieter des neu zu errichtenden Gebäudes in

der Caroline­Michaelis­Straße in Berlin ist Hochtief Solutions.

Die geplante Fusion des Diakonischen Werkes der EKD

(DWEKD) mit dem Evangelischen Entwicklungsdienst (EED) hat

auch eine Entscheidung über die zusätzliche Altersversorgung

der Mitarbeitenden des künftigen Werkes notwendig gemacht.

Beide Werke wenden die Dienstvertragsordnung der EKD (DVO)

an, nach der die Mitarbeitenden gemäß § 14 Abs. 1 DVO Anspruch

auf eine betriebliche Altersversorgung entweder über

die Kirchliche Zusatzversorgungskasse Darmstadt, die Kirchliche

Zusatzversorgungskasse Dortmund oder die Versorgungsanstalt

des Bundes und der Länder haben. Das Diakonische

Werk der EKD hatte diese Verpflichtung bislang über eine Beteiligung

an der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder

(VBL), der EED über eine Beteiligung an der EZVK Darmstadt

sichergestellt. Im Zuge der Vereinheitlichung wurde die

Beteiligung des Diakonischen Werkes der EKD an der VBL zum

31. Dezember 2010 gekündigt. Der aus dem Ausstieg resultierenden

erheblichen Gegenwertforderung wurde im Abschluss

zum 31. Dezember 2010 durch eine Rückstellung in Höhe von

30 Mio. EUR Rechnung getragen. Die VBL hat eine Berechnung

der endgültigen Gegenwertforderung noch nicht vorgelegt.

Die Finanzierung der Gegenwertforderung wird durch

Aufnahme eines ent sprech en den Darlehens erfolgen. Die Finan ­

zierungskosten werden zu zusätzlichen Belastungen führen.

Nachtragsbericht

Vorgänge von besonderer Bedeutung nach dem

Schluss des Geschäftsjahres

Herr Dr. Wolfgang Teske ist zum 30. April 2011 aus dem

Vorstand ausgeschieden. Frau Cornelia Füllkrug­Weitzel,

Pfarrerin, ist zum 1. Mai 2011 zur Vizepräsidentin bestellt

worden. Frau Maria Loheide wird zum 1. Oktober 2011

zum Vorstand Sozialpolitik berufen.

Stuttgart, den 29. Juli 2011

OKR Johannes Stockmeier

Präsident

Cornelia Füllkrug­Weitzel

Vizepräsidentin


Editorial FotoKunst Unsere Themen Unsere Zahlen Diakonie Texte

Birger-Forell-Stiftung

Wie bereits im Rechenschaftsbericht 2010 des Diakonischen

Werkes der EKD dargelegt, haben das Kuratorium und die

Mitgliederversammlung der Birger­Forell­Stiftung e. V. im Jahr

1999 die Auflösung des Vereins zum 31. Dezember 2000

beschlossen. Gemäß § 10 der Satzung des Vereins ist das

Vereinsvermögen bei der Auflösung dem Diakonischen Werk

der EKD zuzuführen, mit der Maßgabe, es im Gebiet der

Bundesrepublik Deutschland für solche Zwecke zu verwenden,

die den Aufgaben des Vereins „Birger­Forell­Stiftung“

am nächsten kommen.

Gemäß § 2 der Satzung war es Aufgabe des Vereins, vertriebene

und geflüchtete Bauern im Gebiet der Bundesrepublik

Deutschland in ihrem Streben nach einer freien Existenz zu

unterstützen, ihre Eingliederung durch Hilfestellungen fürsorglicher,

beratender und materieller Art wirksam und erfolgreich

zu gestalten und zu diesem Zweck insbesondere geeignete

Ansiedlungsvorhaben zu fördern.

Zur Erfüllung seiner satzungsmäßigen Aufgaben gewährte der

Verein vornehmlich zinslose Darlehen. Zum 1. Januar 2001

wurde das Vereinsvermögen, das im Wesentlichen aus Forderungen

auf Rückzahlung gewährter Darlehen bestand, dem

Diakonischen Werk der EKD zugeführt. Der Geschäftsbereich

Finanz­ und Rechnungswesen übernahm damit die Verwaltung

von 275 Darlehen mit einem Valutabetrag von rund

1.182.000 Euro. Dem Diakonischen Werk der EKD flossen

seither circa 1.182.000 Euro zu. Im Berichtsjahr waren alle

92/93

Darlehen getilgt. Die Erträge aus den Anlegungen dieses Vermögens

werden vereinbarungsgemäß wie folgt verwendet:

– 40 Prozent der jährlichen Erträge werden für Fortbildungsveranstaltungen

und Betriebspraktika in Deutschland für

Existenzgründer und kleine und mittlere Unternehmer und

Unternehmerinnen (einschließlich Nachwuchskräfte) in den

evangelischen Kirchen in Mittel­ und Osteuropa und Zentralasien

eingesetzt. Diese Erträge erhält die Initiative für

evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel­ und

Osteuropas e. V., vormals Initiative e. V. (Fördergesellschaft

für evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel­

und Osteuropas), ein dem Diakonischen Werk der EKD

angeschlossener Fachverband. Der Verein ist verpflichtet,

den Nachweis der Verwendung der Mittel gegenüber dem

Diakonischen Werk der EKD zu führen.

– 60 Prozent der Erträge setzt das Diakonische Werk der EKD

für die seelsorgerische Betreuung von Aussiedlern ein.

So konnte die vielfältige Arbeit der Aussiedlerseelsorge der

Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste (AMD) im Diakonischen

Werk der EKD unterstützt werden. Die AMD bietet seit

April 1997 Arbeitshilfen für die Aussiedlerseelsorge an. Weiter

werden Studientagungen mit Haupt­ und Ehrenamtlichen in

verschiedenen Landeskirchen angeboten sowie Fachkonferenzen

und Regionaltagungen in Zusammenarbeit mit der Aussiedlerseelsorge

der EKD durchgeführt.

Aufgabe der Aussiedlerseelsorge ist es, Spätaussiedlerinnen

und Spätaussiedler auf eine ihnen gemäße Weise zum christlichen

Glauben einzuladen, ihnen Hilfen für Glaubens­ und

Lebensorientierung zu geben und ihr Einleben in unserer Gesellschaft

zu fördern.

Der Zinsertrag aus dem übertragenen Vermögen betrug im

Geschäftsjahr 2010 7.483,74 Euro. Der Verein Initiative für

evangelische Verantwortung in der Wirtschaft Mittel­ und Osteuropas

erhält hiervon vereinbarungsgemäß 2.993,50 Euro

(40 Prozent). Die mit der Übertragung des Vermögens (Notarkosten)

und der laufenden Verwaltung der Darlehen angefallenen

direkten Kosten sowie die anteiligen Personal­ und Sachkosten

bringt das Diakonische Werk aus Eigenmitteln auf.

Diakonie Texte

Übergreifende Themen

06.2011 Mitarbeitendenstatistik 2008

11.2010 Diakonie und Bildung

06.2010 Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche

in Europa – Herausforde rungen, Konzepte und

Positionen

05.2010 Perspektiven zur Mitarbeitendengewinnung

in der Diakonie

04.2010 Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und

sein Beitrag zur Personalgewinnung

14.2009 Gemeinsam in die Zukunft: „Weil wir es wert sind“

09.2009

Einrichtungsstatistik 2009

02.2009 Jugend gewinnen

17.2008 Characteristics of Diaconal Culture (deutsche

Version siehe 01.2008)

16.2008 Diakonische Perspektiven – 200 Jahre nach

Wicherns Geburt – Vorstandsbericht

13.2008 Interkulturelle Öffnung in den Arbeitsfeldern

der Diakonie

08.2008 Gesetz zur Neuregelung des Rechtsberatungs­

rechts – Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG)

vom 12. Dezember 2007

01.2008 Charakteristika einer diakonischen Kultur

17.2007 Diakonie in der Einwanderungsgesellschaft

16.2007

Präsidentenbericht 2007

15.2007 Rechenschaftsbericht 2007

14.2007 Einrichtungsstatistik Regional Stand

1. Januar 2006

10.2007 Einrichtungsstatistik 2006

07.2007 Zehn Jahre Gleichstellung von Frauen und

Männern im Diakonischen Werk der EKD

24.2006 Bericht des Vorstandes auf der Diakonischen

Konferenz 2006

23.2006 Leitbild und Selbstverständnis der Diakonie

21.2006 Erwartungen an die deutsche EU­Ratspräsidentschaft

2007

20.2006 Perspektiven der Geschlechtergerechtigkeit

in der Diakonie

16.2006 Bericht über die Arbeit des Ausschusses

für Ökumenische Diakonie

15.2006 Rechenschaftsbericht 2006

Familie, Integration, Bildung und Armut

08.2011 Prozesse interkultureller Öffnung konkretisieren, kommunizieren,

kultivieren

03.2011 Abschiebungshaft in Deutschland

02.2011 Migrationsberatung für erwachsene Zugewanderte 2009

01.2011 Prävention in der Schuldnerberatung der Diakonie

12.2010 Gerechte Teilhabe an Arbeit

09.2010 Erwartungen der Diakonie an die Reform der Grundsicherung

08.2010 Raus aus dem Abseits – Diakonisches Plädoyer für eine

gerechte Jugendpolitik

07.2010 Deutsche aus der ehemaligen Sowjetunion – auf der Suche

nach einer verlorenen Familien vergangenheit

03.2010 Es sollte überhaupt kein Armer unter euch

sein: „Tafeln“ im Kontext sozialer Gerechtigkeit

02.2010 Interkulturelle Öffnung – Zusammenstellung

von Stellungnahmen und Arbeitshilfen

01.2010 Bildung, Erziehung und Betreuung in der Kindheit

08.2009 Fehlerhafte Transparenzberichte nach § 115 Abs. 1a SGB

XI: Rechtsmittel gegen eine Veröffentlichung

07.2009 Zur Rechtsstellung einkommensarmer Menschen

und den notwendigen Änderungen im SGB II

06.2009 Ziele, Indikatoren und Evaluation in Projekten

der Migrationsarbeit

18.2008 Die „insoweit erfahrene Fachkraft“ nach § 8a Abs. 2 SGB

VIII – eine neue fachdienst liche Aufgabe?

15.2008 Familien wirksam fördern und ihre gesellschaftliche

Teilhabe sichern

12.2008 Integrationsarbeit von A – Z

11.2008 Migrationserstberatung der Diakonie 2007

05.2008 Die Allgemeine Sozialarbeit der Diakonie im Wandel

02.2008 Positionen der Diakonie zur Finanzierung von

Kindertageseinrichtungen

23.2007 Statistik der Allgemeinen Sozialarbeit der Diakonie

für das Jahr 2005

20.2007 Rolle rückwärts? Erfahrungen und Wirkungen

des Prostitutionsgesetzes

12.2007 Handlungsoption Gemeinwesendiakonie Gemeinschaftsinitiative

Soziale Stadt – Herausforderung

und Chance

09.2007 Die Rolle der Allgemeinen Sozialarbeit im Rahmen

gemeinde­ und gemeinwesenorientierten Handelns

der Diakonie


Editorial FotoKunst

94/MF

08.2007 Schuldnerberatung als Dienstleistung in der

Diakonie?

06.2007 Konzeption für die Arbeit der Frauenhäuser in

evangelischer Trägerschaft

03.2007 Ehrenamtlich Engagierte in der Schuldnerberatung

14.2006 Statistik der evangelischen Schwangeren­

und Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen

für das Jahr 2004

12.2006 Kirchliche soziale Arbeit und soziale Bewegung –

eine Nichtbeziehung?

11.2006 Freiwilliges Engagement in Kirche und Diakonie

07.2006 Option sozialversicherungspflichtige

Beschäftigung

Gesundheit, Rehabilitation und Pflege

09.2011 Altenarbeit im Gemeinwesen

07.2011 Kommunikation von Qualität in der stationären Altenhilfe

05.2011 Chancen für Kinder eröffnen – Teilhabe durch Kinder­ und

Jugendrehabilitation

04.2011 Der Tod gehört zum Leben

10.2010 Sozialarbeiterisches Casemanagement für Menschen mit

Behinderungen in der Eingliederungshilfe nach SGB XII/

SGB IX

13.2009 Verbesserung der Teilhabe am Arbeitsleben von

Menschen mit Behinderung außerhalb der WfbM

12.2009 Seelsorge in Palliative Care – Situationsanzeige und Empfehlungen

zu kirchlich­diakonischem Handeln

11.2009 Gesundheitspolitische Perspektiven der Diakonie 2009

10.2009 Stationäre medizinische Rehabilitation von Kindern und

Jugendlichen

08.2009 Fehlerhafte Transparenzberichte – Rechtsmittel

gegen eine Veröffentlichung

05.2009 Leistungs­ und Qualitätsmerkmale im SGB XI

04.2009 Zukunftssicherung der Dienste in der Familienpflege und

Dorfhilfe

03.2009 Bildungswege „Gesundheit und Soziales“ –

attraktiv für Nachwuchskräfte

01.2009 Krankheit als finanzielle Belastung

14.2008 Mobile Rehabilitation

10.2008 Sucht im Alter – Herausforderungen und Lösungswege

für diakonische Arbeitsfelder

09.2008 Sucht im Alter – Sozial­ und gesundheits politische

Forderungen der Diakonie

07.2008 Synopse zum Sozialgesetzbuch XI mit Änderungen durch

das Pflege­Weiterentwicklungsgesetz und

durch das GKV­Wettbewerbsstärkungsgesetz

06.2008 Sucht im Alter – Materialsammlung

04.2008 Gesunde Kinder – gesunde Zukunft? Zukunftsaufgabe

Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen

03.2008 Zukunftswege Pflegeausbildung

22.2007 Hauswirtschaft – gesicherte Qualität in der

stationären Pflege

21.2007 Synopse zum Pflege­Weiterentwick lungs gesetz

19.2007 Synopse zum Referentenentwurf der

Pflegereform 2007

18.2007 Neue Wohnformen im Alter

13.2007 Pflegestatistik 2005

11.2007 Ärztliche Versorgung im Pflegeheim

05.2007 Diakonische Positionen zur Weiterent wicklung

der Pflegeversicherung

04.2007 Diakonische Positionen zu einer Moder ni sierung

des Heimrechts

02.2007 Forderungen der Diakonie zur Weiterent wicklung

der medizinischen Reha

01.2007 Behandlungspflege in stationären Einrich tungen

der Eingliederungshilfe

22.2006 Kosten für die Unterkunft – ein Beratungs­

und Aktionsleitfaden

19.2006 Positionierung zu Wahlmöglichkeiten

in stationären Altenhilfeeinrichtungen

18.2006 Leben bis zuletzt – Positionspapier

17.2006 Leben bis zuletzt – Handreichung

10.2006 Anforderungen an eine nachhaltige und

sozial ausgewogene Gesundheitsreform

aus diakonischer Perspektive

06.2006 Gesundheitliche Chancengleichheit durch

Gesundheitsförderung

05.2006 Perspektiven integrierter Versorgung für

psychisch kranke und suchtkranke Menschen

04.2006 Integrierte Versorgung nach den

§§ 140 a–d SGB V für psychisch kranke

und suchtkranke Menschen

Unsere Themen Unsere Zahlen Diakonie Texte

Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen

ACT Action by Churches Together (Kirchen helfen gemeinsam)

aej Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend

AG SBV Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände

AMD Arbeitsgemeinschaft Missionarische Dienste

AÖD Ausschuss für Ökumenische Diakonie

APRODEV Dachverband der protestantischen Entwicklungsorganisationen in Europa

AVR Arbeitsvertragsrichtlinien

BAGFW Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege

BGB Bürgerliches Gesetzbuch

BFD Bundesfreiwilligendienst

CSR Corporate Social Responsibility

DEKT Deutscher Evangelischer Kirchentag

DEVAP Deutscher Evangelischer Verband für Altenarbeit und Pflege e. V.

DRK Deutsches Rotes Kreuz

DZI Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen

EED Evangelischer Entwicklungsdienst

EFAS Evangelischer Fachverband für Arbeit und soziale Integration

EHO Ecumenical Humanitarian Organisation

EKD Evangelische Kirche in Deutschland

ESF Europäischer Sozialfonds

EU Europäische Union

EWU Europäische Wirtschafts- und Währungsunion

EVA Evangelischer Fachverband für Frauengesundheit

FAO Food and Agriculture Organisation (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation)

FSJ Freiwilliges Soziales Jahr

FÖJ Freiwilliges Ökologisches Jahr

GEPA The Fair Trade Company

GKKE Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung

GKV Gesetzliche Krankenversicherung

ISO Internationale Organisation für Normung

IWF Internationaler Währungsfonds

JFDG Jugendfreiwilligendienste-Gesetz

KED Kirchlicher Entwicklungsdienst

KfS Kirche findet Stadt

MBE Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer

MDK Medizinischer Dienst der Krankenkassen

OKR Oberkirchenrat

ÖRK Ökumenischer Rat der Kirchen

SAPV Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung

SGB Sozialgesetzbuch

SGB II Sozialgesetzbuch Zweites Buch – Grundsicherung für Arbeitssuchende

SGB V Sozialgesetzbuch Fünftes Buch – Gesetzliche Krankenversicherung

SGB IX Sozialgesetzbuch Neuntes Buch – Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen

SGB X Sozialgesetzbuch Zehntes Buch – Sozialverwaltungsverfahren und Sozialdatenschutz

SGB XII Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch – Sozialhilfe

ver.di Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft

WfbM Werkstätten für behinderte Menschen


Editorial FotoKunst

Organigramm des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.

Vorstand

Präsident

Vorsitzender des Vorstandes

OKR Johannes Stockmeier

Missionarische Dienste

Dr. Erhard Berneburg

Zentrum Kommunikation (ZKom)

Andreas Wagner

Impressum

Herausgeber:

Diakonisches Werk

der Evangelischen Kirche

in Deutschland e. V.

Stafflenbergstraße 76

70184 Stuttgart

Telefon: +49 711 2159­0

Telefax: +49 711 2159­288

diakonie@diakonie.de

www.diakonie.de

www.brot­fuer­die­welt.de

www.diakonie­katastrophenhilfe.de

Redaktion:

Barbara­Maria Vahl

Zentrum Kommunikation

Verantwortlich:

Präsident OKR Johannes Stockmeier

Reichensteiner Weg 24

14195 Berlin

Telefon: +49 30 83001­111

Telefax: +49 30 83001­555

präsidialbereich@diakonie.de

Layout: W.A.F. Werbegesellschaft mbH, Berlin

Druck: Ruksaldruck GmbH & Co KG, Berlin

ISBN 978­3­941458­39­0

96/97

Präsidialbüro mit Stabsstellen

Vorstand

Sozialpolitik

N. N.

Stabsstellen Diakonisches

Institut für Quali-

tätsentwicklung

Dienststelle

Brüssel

Zentrum Gesundheit, Rehabilitation und Pflege (GRP)

Dr. Peter Bartmann

Zentrum Familie, Integration, Bildung und Armut (FIBA)

Petra Zwickert

Unsere Themen Unsere Zahlen Organigramm

Wirtschaft und Verwaltung

N. N.

Verbandsjustiziariat

Gottfried Cless

Finanz- und Rechnungswesen

Karl-Heinz Stimpfig

Personal / -entwicklung

Christel Roth

Verwaltung/Vertrieb/EDV

Gerhard Raith

Arbeitsrechtliche Kommission /

Arbeitsrecht

Birgit Adamek

Ökumenische Diakonie

Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel

Stabsreferat Finanzen und IT

Gerhard Lämmle

Öffentlichkeitsarbeit

Dieter Pool

Politik und Kampagnen

Dr. Klaus Seitz

Projekte und Programme

Ulrich Gundert

Diakonie Katastrophenhilfe

Volker Gerdesmeier

Dienststelle Berlin

Reichensteiner Weg 24, 14195 Berlin

Telefon: +49 30 83001-0, www.diakonie.de

Dienststelle Stuttgart

Stafflenbergstraße 76, 70184 Stuttgart

Telefon: +49 711 2159 -0, www.diakonie.de

Dienststellen Berlin und Stuttgart

Stand: Juli 2011

© Zentrum Kommunikation

Stabsreferat QVM-C

Dr. Wolfgang Zeese


Diakonisches Werk

der Evangelischen Kirche

in Deutschland e. V.

Stafflenbergstraße 76

70184 Stuttgart

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