DAS RECHT DER TIERE DAS RECHT DER TIERE - Bund gegen ...

bmt.tierschutz.de

DAS RECHT DER TIERE DAS RECHT DER TIERE - Bund gegen ...

Dezember 2012

DAS RECHT DER TIERE

T IERSCHUTZMAGAZIN VOM B UND G EGEN M ISSBRAUCH DER T IERE E.V.

TIERSCHUTZWIDRIG

Wie Zoos

Vögel flugunfähig

machen

RÜCKBLICK

DIE ANFÄNGE

DES bmt

BÄRENZWINGER

VOR DEM AUS?

DRAMA UM

BERLINER BÄREN

NIMMT KEIN ENDE

NEUE EU-

VERORDNUNG

AUSLANDSTIER-

SCHUTZ IN

GEFAHR?


Das Recht der Tiere 4/2012

2

I NHALT

4

Schauspielerin Magda Schneider

Auch sie gehörte zu den prominenten

Unterstützern des bmt

10

In der Kritik

Wie Zoos Vögel flugunfähig machen

14

Rumänien

Erste Urteile gegen Tierquäler

gesprochen

Impressum

DAS RECHT DER TIERE Nr. 4/2012 Mitgliederzeitschrift des Bund

gegen Missbrauch der Tiere e. V.; Herausgeber: Bund gegen Missbrauch

der Tiere e.V, Viktor-Scheffel-Str. 15, 80803 München, Deutschland, Email:

mail@bmt-tierschutz.de; Redaktion: Verantwortlicher Redakteur .i.S.d.P.:

Claudia Lotz, Tel.: (030) 80 58 33 -38, Fax: -39, Petra Zipp, Tel.: (07121)

820 17 -0, Fax: -18; Rubrik Tierschutzpolitik Verantwortlicher Redakteur

i.S.d.P.: Torsten Schmidt, Tel.: (04642) 92 24 07;

Gestaltung: Stefan Lotz, Andrea Sturm;

4 60 JAHRE bmt

Die Anfänge des Vereins vor über 60 Jahren

10 TITEL

Vögel am Fliegen hindern

So unterlaufen Zoos das Tierschutzgesetz

14 AUSLANDSTIERSCHUTZ

Rumänien im Herbstnebel

Erfahrungsbericht von Petra Zipp

17 NEUE EU-VERORDNUNG

Wie der Auslandstierschutz erschwert werden soll

18 FLEISCHFREIER DONNERSTAG

bmt unterstützt Veggi-Kampagne

20 HUNDE-ERNÄHRUNG

Tierärztin über die Rohfleischfütterung

22 TIERSCHUTZPOLITIK

Berlin startet "Bello-Dialog"

24

bmt-GESCHÄFTSSTELLEN

24 Gst Bayern Kampfhähne auf der Durchreise

26 TH Arche Noah Diepholz erlässt Katzen-Kastrationspflicht

28 Franziskus TH Von Ansprüchen und hohen Erwartungen

30 Katzenhaus Taube Nüsschen und einäugige Piratenbräute

32 Gst Berlin bmt fordert: Freiheit für Maxi und Schnute

34 TH Hage Tierheimhunde brauchen Freunde

36 TH Köln Unvergesslich: Laternenumzug mit Hunden

38 TH Elisabethenhof Katzenflut im Tierheim

40 TSZ Pfullingen Gelungene Jubiläums-Veranstaltung

42 Gst Issum Wie Teddy zu seinem Namen kam

44 TH Kassel Tiervermittlung im Wandel der Zeit

47 ADRESSEN

ANZEIGEN Markt & Service 9 und 13

18 Vegetarismus

Fleischfreier Donnerstag

Druck: L.N. Schaffrath DruckMedien, Geldern;

Übernahme von Artikeln, auch auszugsweise, nur mit Quellenangabe

gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Auflage: 38.000 Exemplare,

Verantwortlich für den Anzeigenteil:

Anzeigen-Büro Udo Kraushaar,

Email: bmt@anzeigen-buero.de,

Tel. (0 28 45) 53 86, Fax (0 28 45) 80 69 49


Liebe Mitglieder, liebe Tierfreunde,

A UF EIN W ORT

60 Jahre kontinuierliche Arbeit für die Tiere, von denen ich 35

Jahre begleiten durfte. Sechs Jahrzehnte sind eine beachtliche

Leistung für einen Verein, auf die wir stolz sein können. Viel haben

wir erreicht, noch mehr bleibt zu tun.

bmt-Vorsitzende Petra Zipp

Manchmal fragen mich Tierfreunde, wie ich dieses heute

(Bildmitte) bei Protestaktion

existente, millionenfache Tierleid ertrage, ob ich nicht verzweifele vor dem Berliner Reichstag

an den Rückschlägen oder Misserfolgen. Ja, es frustriert mich, es

tut mir in der Seele weh!

Verstehen kann ich vieles nicht, zum Beispiel, warum der Mensch auf den Mond fliegen kann,

aber es noch nicht geschafft hat, Tierversuche durch Alternativmethoden zu ersetzen, die Tier und

Mensch nutzen. Dass wir heute noch gegen Tierquälerei ankämpfen müssen, die es schon vor 35

Jahren gab - das macht mich wütend.

Und es macht mich ebenfalls wütend, dass an bestimmten Stellen in dieser Welt, Welpen wie

Sondermüll entsorgt und an anderer Stelle hunderttausendfach produziert werden. Es macht mich

auch wütend, dass viele Menschen bei ihrer Nahrung nicht darüber nachdenken, ob sie mit

Tierleid geschaffen wurde und ob man das vielleicht ändern könnte… viele, unendlich viele

Beispiele könnte ich da noch anbringen.

Eine Tierärztin, die regelmäßig in den rumänischen Elendslagern kastriert und die ich sehr

schätze für ihren nicht leichten Einsatz, hat mir folgendes Zitat von Mahatma Gandhi

weitergegeben: "Aus bitterster Erfahrung zog ich diese eine und höchste Lehre: Man muss den

Zorn in sich aufstauen, und so wie gestaute Wärme in Energie umgesetzt werden kann, so kann

unser gestauter Zorn in eine Kraft umgesetzt werden, die die Welt zu bewegen vermag."

Das ist jetzt auch mein Leitspruch!

Für viele Tiere haben wir ihre Welt positiv verändert, das macht mich glücklich. Für viele andere

Tiere müssen wir aber noch mehr Einsatz zeigen, um auch ihnen zu helfen. Wir dürfen in unseren

Bemühungen nicht nachlassen, denn, wenn wir den Tieren helfen, helfen wir immer auch den

Menschen.

Ich bedanke mich herzlich bei Ihnen allen, die uns geholfen und uns unterstützt haben, damit

unsere Arbeit erst möglich wurde, und zähle auf Sie auch im neuen Jahr.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Tieren ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und

einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Ihre

Petra Zipp, bmt-Vorsitzende

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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T ITELTHEMA

Aus dem RdT 2/1958:

Ehrung von Heinrich Zimmermann

IM


Zum diesjährigen Jubiläum

des bmt

60 JAHRE

Der folgende Beitrag nimmt Sie, liebe Leser, auf eine kleine Zeitreise in die Anfangsjahre des

Vereins mit. Welche Tierschutzprobleme beschäftigten unsere Gründungsmütter und -väter und

hatten sie überhaupt die Möglichkeit, sich tierschutzpolitisch

zu engagieren?

Anhand historischer Texte und Fotos aus den ersten

"Recht der Tiere"-Ausgaben zeigen wir Ihnen, wie

unsere Vorgänger die Öffentlichkeit für das Leid

der Schlachtpferde, Versuchstiere und Kettenhunde

sensibilisierten und welche prominenten Mitstreiter

ihnen dabei zur Seite standen.

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle von ganzem

Herzen danken - für Ihre Unterstützung, Ihr Vertrauen

und Ihre tiefe Verbundenheit zum Tier, die

uns alle eint.

Genau genommen feiert der Bund gegen Missbrauch der

Tiere in diesem Jahr nicht sein 60., sondern bereits sein 90.

Jubiläum,denn die Anfänge des Vereins reichen bis ins Jahr

1922 zurück. Damals schlossen sich engagierte Tierfreunde

mit dem Ziel zusammen, gegen grausame Eingriffe am unbetäubten,

lebenden Tier vorzugehen. Diese als "Vivisektion"

bezeichneten Tierversuche spiegelten sich auch in der Namensgebung

"Bund gegen die Vivisektion" wider.

Vorbild der Gründergeneration des Bundes war der deutsche

Philosoph Arthur Schopenhauer(1788 - 1860), ein entschiedener

Gegner der Vivisektion. Er hatte über lange Zeit einen

prägenden Einfluss auf die erwachende Tierschutzidee in

Deutschland. Für Schopenhauer war das Mitleid mit dem leidensfähigen

Individuum die zentrale Motivation und Grundlage

für moralisches Handeln auch gegenüber dem Tier.

bmt-JUBILÄUM

EINSATZ FÜR DIE TIERE !

Wie alles anfing ...

Aus dem RdT 4/1957

Das Recht der Tiere 4/2012

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6

Aus dem RdT 4/1959

Aus dem RdT 7/1955

Mit dem Reichstierschutzgesetz zum Schutz der

Tiere vom 14. November 1933 wurde in

Deutschland der erste Schritt zum ethischen

Tierschutz vollzogen. Vivisektion sollte nur

dann nochzulässig sein, wenn der erstrebte

Zweck anders nicht erreicht werden konnte.

Ein Sieg für die Tierschutzbewegung, der auf

katastrophale Weise durch die Ereignisse im

"Dritten Reich" diskreditiert wurde. Unter den

Nationalsozialisten wurde auch der Bund gegen

die Vivisektion verboten!

Neugründung in Zeiten des

Wirtschaftsaufschwunges

1952 gründete sich der Verein unter dem Namen "Bund gegen

den Missbrauch der Tiere e.V." neu. Namhafte Größen

des öffentlichen Lebens dieser Zeit setzten sich aktiv für den

Tierschutz ein. So gründete die damals berühmte Schauspielerin

Lil Dagover den Landesverband Bremen des bmt,

und zu den prominentesten Mitgliedern zählten z.B. Romy

Schneider und ihre Mutter Magda Schneider. Der Aufbau des

Vereins fiel in eine Zeit, als Deutschland aus den Trümmern

des 2. Weltkrieges neu erstand und sich der wirtschaftliche

Aufschwung bereits abzeichnete. Gleichzeitig bahnte sich in

der Landwirtschaft eine unheilvolle Entwicklung an: Die Einführung

der intensiven Massentierhaltung ließ (und lässt)

Millionen Tiere als reine Produktionsmaschinen in den Ställen

einer gewinnorientierten Agrarindustrie dahinvegetieren.

Mit verheerenden Folgen für die Tiere, die Umwelt und nicht

zuletzt auch für den Menschen. Auf tagelangen Transporten

erleiden seither Schlachttiere Höllenqualen. Kleinste Verbesserungen

für die Tiere mussten (und müssen) gegen den

erbitterten Widerstand wirtschaftlich kalkulierender Industrieverbände

durchgesetzt werden.

Politischer und

praktischer

Tierschutz:

Eine Beschränkung der Tierschutzarbeit

einzig auf den Bereich

der Tierversuche war dem

bmt angesichts des millionenfachen

Elends der sogenannten

Nutztiere nicht mehr möglich. Mit zahlreichen Unterschriften

setzte sich der Verein bereits in den 50er Jahren für die Beendigung

der grausamen Schlachtpferdetransporte durch

Europa ein. Mit Erfolg, denn am 29. Juni 1961 beschloss der

Deutsche Bundestag auf Druck der Tierschützer, die Ausfuhr

von Schlachtpferden grundsätzlich zu verbieten!

Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Forderung nach tierschonenden

Betäubungsmethoden für Schlachttiere. In vielen

Schlachthöfen wurden die Tiere noch von den so genannten

Kopfschlächtern mit einem Hammer brutal erschlagen.

Humane Schlachtung für alle Tiere im In- und Ausland

war eine zentrale Forderung des Bundes gegen Missbrauch

der Tiere in diesen Jahren - eine Forderung, die bis


Aus dem RdT 4/1958

heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt

hat. Mit der Schlachtung eng verbunden

war auch die Thematik des

Schächtens. Besondere Brisanz erhielt

das Thema 1961, als der Bundesgerichtshof

in Karlsruhe das Schächtverbot

aufhob. Seither kämpft der Verein

für ein generelles Verbot des Schächtens.

Mit einem "Tierschutz-Mobil" in Form

eines umgebauten Busses machte der

bmt bereits 1959 deutlich, dass zu einer

effektiven Tierschutzarbeit auch die

Öffentlichkeitsarbeit gehört. Schon

damals erwies sich der bmt als

moderne Tierschutzorganisation,

die zeitgemäß und in ansprechender

Weise Tierschutzthemen für die

Öffentlichkeit darstellte. So wurde

beispielsweise auch immer wieder

auf den grausamen Singvogelmord

in Italien hingewiesen, wo

alljährlich Abertausende Zugvögel

als "Delikatesse" gefangen, grausam

getötet und gegessen wurden.

Das größte Manko der 50er und

60 JAHRE bmt

Aus dem RdT 2/1956

Aus dem RdT 2/1961

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht Recht

der Tiere 4/2012

8

1972: Der große Erfolg - das

neue Tierschutzgesetz kommt

60erJahre war das Fehlen eines eigenständigen

Tierschutzgesetzes in Deutschland.

Mit großem Engagement setzte

sich der bmt in diesen Jahren für die Erarbeitung

und Verabschiedung eines

solchen Gesetzes ein. Mit Erfolg, denn

im Jahr 1972 verabschiedete der Deutsche

Bundesrat endlich ein eigenständiges

und vergleichsweise fortschrittliches

Tierschutzgesetz, das bis heute in

überarbeiteter Form immer noch gültig

ist.

Auch Wildtiere gehörten bis in die

90er Jahre zu den bmt-Schützlingen

Bei allen vielfältigen Aktivitäten blieb

der Verein seinem ursprünglichen Anliegen,

der Abschaffung von Tierversuchen,

jedoch immer treu. Medienwirksam

beteiligte er sich an zahlreichen

Großdemonstrationen und sammelte

Tausende Unterschriften gegen diese

brutale Form der Tierausbeutung. Es ist

ein Verdienst vor allem des bmt, dass

zahllose Menschen in Deutschland

heutzutage Tierversuche ablehnen und

Alternativen zum Tierversuch mehr

denn je eingefordert werden.

Praktischer

Tierschutz

Auch der individuelle,praktische

Tierschutz

hatte im Bund gegen Missbrauch der

Tiere schon immer einen hohen Stellenwert.

Immer wieder stößt man in

den alten Ausgaben der Verbandszeitschrift

"Das Recht der Tiere" auf Bilder

und Berichte über Hunde, Katzen und

andere Tiere, die aus schlechter Haltung

gerettet wurden. Kettenhunde, die

halb verhungert und ohne Witterungsschutz

Höfe "bewachten", misshandelte

Katzen, Rinder und

Pferde aus katastrophalenHaltungen

- sie

alle

fanden einen Fürsprecher im Bund.

Viele Heimtiere konnten in ein besseres

Zuhause vermittelt werden, während

die Wildtiere in Auffangstationen, Wildparks

und Gnadenbrothöfen auf Kosten

des Vereins ihren Lebensabend genießen

durften.

Sie sehen auf dem Bild links, dass zu

den Gnadenbrottieren bis weit in die

90er Jahre u.a. sogar noch sibirische

Tiger, Löwen, Luchse, Wölfe, Panther

und Schimpansen gehörten. Eine geeignete

Unterkunft für diese (oft beschlagnahmten)

Wildtiere, die in der

Regel aus Wanderzirkussen und insolventen

Tierparks stammten, zu finden,

war ein schwieriges Unterfangen. Damit

übernahm der Verein schon früh

als eine der wenigen Tierschutzorganisationen

in Deutschland auch staatliche

Aufgaben, da die Betreuung und

Unterbringung beschlagnahmter "Exoten"

nach dem Gesetz eigentlich der

Staat zu leisten hätte.

Eine der unzähligen Rettungsaktionen

für Pferde Helfen auch Sie !

Die unzähligen Tiere, die durch das Engagement

des Bundes gegen den Missbrauch

der Tiere gerettet werden konnten,

sind unser Antrieb für die nächsten

60 Jahre! Wir haben die visionäre

Hoffnung, dass unsere Gesellschaft eines

Tages keine Tierschutzorganisationen

mehr braucht, weil der verantwortungsvolle

Umgang mit der Natur und

den Mitgeschöpfen selbstverständlich

geworden sein wird - eine Vision, die

zum jetzigen Zeitpunkt noch in weiter

Ferne liegt.

Lassen Sie uns daher bitte nicht

im Stich. Unterstützen Sie uns

auch weiterhin bei unserer so

wichtigen Arbeit, um unserem

Ziel des gewaltfreien Umgangs

mit den Tieren ein Stück näher

zu kommen. Wir zählen auf Sie

und danken Ihnen von Herzen

für Ihre großartige

Unterstützung.

Text: Heike Pankatz, Claudia Lotz

Fotos: bmt-Archiv


Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 2/2012 4/2012

12 10

G ST B ERLIN

Deutschland hat eines der besten Tierschutzgesetze in Europa

- behauptet zumindest die Bundesregierung. Selbst wenn

man dieser Aussage Glauben schenken möchte, so ist

ein Gesetz stets nur so gut, wie es auch in der Praxis

umgesetzt wird. So ist nach dem Tierschutzgesetz

das "vollständige oder teilweise Amputieren

von Körperteilen oder das vollständige

oder teilweise Entnehmen oder Zerstören

von Organen oder Geweben eines

Wirbeltieres" grundsätzlich untersagt.


Verbotene

Amputationen

im Zoo

Wie das Tierschutz-

Gesetz unterlaufen wird

Einige Ausnahmen von diesem Verbot sind im Gesetz zugelassen, u.a. wenn der Eingriff nach tierärztlicher

Indikation geboten ist. Die im Tierschutzgesetz genannten Ausnahmen sind abschließend

geregelt, d.h. ein Ermessensspielraum für weitere Ausnahmen besteht somit nicht. Diese Regelung gilt

bereits seit 1998. Es dürfte allerdings den meisten Bundesbürgern unbekannt sein, dass Zoos, die sich

gerne in einer Vorbildfunktion im Umgang mit Tieren sehen, offen gegen diese Bestimmung des Tierschutzgesetzes

verstoßen.

So erläuterte die Tierärztin des Gelsenkirchener

Zoos auf einer tierärztlichen

Fachtagung in Rostock im Mai,

dass in ihrem Zoo seit 2006 bereits

mehr als 120 Vögel durch Herausziehen

der Schwungfedern mit anschließender

Verödung der Federpapillen

dauerhaft flugunfähig gemacht wurden

- offensichtlich mit Duldung der

zuständigen Veterinärbehörden. Angemerkt

sei, dass diese illegalen Praktiken

auch bei vielen Vogelzüchtern

festzustellen sind.

Nach Recherchen vom bmt sind die

Verstöße in Zoos nicht etwa eine seltene

Ausnahme, sondern die Regel! So

werden eine Reihe von Wasservogelarten

wie Flamingos, Pelikane, Störche,

Enten, Reiher etc. regelmäßig

künstlich flugunfähig gemacht, um sie

auf Freianlagen dem Publikum zu präsentieren.

Erstaunlich ist, dass bislang

diese tierschutzrechtlichen Verstöße

weitgehend ohne Folgen für die Zoos

geblieben sind.

Mittlerweile ist das Vollzugsproblem

auch bei den Bundesländern angekommen.

Der bmt hatte im September

zu diesem Thema alle Tierschutzreferenten

der Länder angeschrieben. Im

Zuge der Diskussion, wie das Problem

zu lösen sei, werden vereinzelt auch

Forderungen laut, dass für Zoos eine

Ausnahme vom Amputationsverbot im

Tierschutzgesetz wieder eingeräumt

werden müsse. Gäbe es denn substanzielle,

tierschutzrechtlich nachvollziehbare

Gründe hierfür?

Hier wird von den Befürwortern argumentiert,

dass es für bestimmte größere

Wasservogelarten besser sei, in einer

großen Freianlage künstlich

flugunfähig untergebracht zu sein, als

flugfähig in einer kleinen Voliere, die

aufgrund ihrer geringen Größe ohnehin

keinen Flug zuließe. Der Eingriff sei

T ITELTHEMA

dann nötig, um zu verhindern, dass

die Tiere aus den Freianlagen entwichen.

Da Zoos regelmäßig Vogelarten

halten, die in Deutschland nicht heimisch

sind, wäre ein Entweichen der

Tiere in der Tat problematisch.

In vielen Fällen dürften die Tiere angesichts

ihrer speziellen Ansprüche an

Klima und Nahrung oder der ihnen

unbekannten Fressfeinde wohl nicht in

der Lage sein, in hiesiger Natur längere

Zeit zu überleben. Gefangenschaftsflüchtlinge,

die es dennoch

schaffen, sich im neuen Lebensraum

dauerhaft zu behaupten und stabile

Populationen aufbauen, können sogar

für heimische Arten mit ähnlichen Lebensansprüchen

zum problematischen

Konkurrenten werden ("Neozoenproblematik").

Deshalb sind die Zoos bereits

nach europäischem Recht (EU-

Zoo-Richtlinie) verpflichtet, ein Entweichen

ihrer Tiere zu verhindern.

Diese Art der Argumentation ist bei näherer

Betrachtung jedoch eine Scheindebatte.

Die Gefahr des Entweichens

stellt sich nur bei offenen Haltungssystemen,

sprich einer Haltung in Freianlagen.

Diese sind für den Zoobesu-

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

12

cher in der Regel optisch ansprechender

als bspw. die oben erwähnten kleinen

Vogelvolieren. Aber beide Haltungssysteme

sind aus Gründen des

Tierschutzes inakzeptabel, wenn den

untergebrachten Vögeln ihre arteigene

Fortbewegungsweise, das Fliegen, verwehrt

wird.

Die von vielen Zoos schön gestylten

Freianlagen mit verschiedensten Wasservogelarten

entpuppen sich somit als

"Potemkische Dörfer des Tierschutzes".

Letztlich bleibt es ein rein ökonomischer

Grund, Tiere für das Haltungssystem

"zurechtzuschneiden". Damit

wenden die Zoos ein tierschutzwidriges

Prinzip an, das in intensiven Nutztierhaltungen

(z.B. Schnäbelkupieren von

Geflügel, Schwänzekupieren bei Ferkeln)

millionenfache Anwendung findet:

Die Tiere werden an ihre Haltungsumwelt

angepasst - notfalls

durch operative Eingriffe.

Der umgekehrte Weg wäre aber tiergerecht

und ethisch vertretbar: Die

Haltungsumwelt hat sich an den Bedürfnissen

der Tiere zu orientieren. Somit

verstoßen Zoos gegen ihre eigenen

ethischen Grundsätze der Tierhaltung.

So fordert der Weltzooverband (WAZA)

in seinen "Grundsätzen für Tierschutz

und Ethik" von allen seinen Mitgliedern,

dass sie sicher stellen sollen,

dass alle Tiere in ihrer Obhut mit der

"größten Rücksicht" behandelt werden,

ihr "Wohlergehen höchste Priorität" habe.

Gesetzliche Vorgaben im Tierschutz

sollten stets als "Mindestanforderungen"

betrachtet werden.

Hingegen ist es schon bedauerlich, wie

einige Zoos diese Problematik insgesamt

herunterspielen. So wird teilweise

die Notwendigkeit voll funktionsfähiger

Flügel für die in Freianlagen gezeigten

Vögel sogar grundsätzlich in

Frage gestellt, da die Vögel ja dort

ausreichend Futter erhielten, einen

Brutpartner hätten und keine Gefahr

vor Fressfeinden drohe. Nicht nur aus

biologischer und tierärztlicher Sicht ist

diese Sichtweise falsch, sie wirft auch

ein ungutes Licht, mit welchem Tierverständnis

offensichtlich einige Zoos

Tiere präsentieren.

Die Flügel der Vögel dienen nämlich

nicht nur zur artgemäßen Fortbewegung

in der Luft (teilweise auch unter

Wasser) - sie haben zudem große Bedeutung

bei der Ventilierung der Luftsäcke,

der innerartlichen Kommunikation,

beim Fortpflanzungsverhalten, für

den Gleichgewichtssinn und bei der

Thermoregulation. Wissenschaftlich

belegt ist, dass der Verlust der Flugfähigkeit

zu Stoffwechsel- und Faktorenerkrankungen

führen kann. Keineswegs

zu unterschätzen ist, dass der

operative Eingriff selber mit erheblichem

Tierleid und gesundheitlichen Risiken

für die Tiere verbunden ist. Wird

dann noch eine Methode gewählt, die

an sich schon ein hohes Risiko birgt

und erfahrungsgemäß mit schlechten

praktischen Erfahrungen verbunden ist

und wird dieser Eingriff zudem nicht

von einem erfahrenen Tierarzt ausgeführt,

ist weiteres Leid vorprogrammiert.

Aus Sicht des Bundes gegen Missbrauch

der Tiere ist es dringend geboten,

diese tierschutzrechtlichen Verstöße

sofort zu stoppen. Dass die

zuständigen Stellen dies seit mehr als

zehn Jahren ignorieren, lässt sich

durchaus als Skandal titulieren. Der

bmt hat sich, da es sich um ein

bundesweites Vollzugsproblem handelt,

mit zwei konkreten Forderungen

an die Tierschutzreferenten der Länder

gewandt:

Erstens muss sichergestellt werden,

dass das Amputationsverbot des Tierschutzgesetzes

auch zukünftig keine

Ausnahmen für zoologische Einrichtungen

zulässt, selbst wenn durch den

Eingriff die Vögel auf größeren Flächen

für den Besucher besser präsentiert

werden könnten.

Da zoologische Einrichtungen auch eine

Vorbildfunktion für andere Tierhalter

im Umgang mit Tieren einnehmen,

ist es unseres Erachtens wichtig, gerade

hier konsequent das Tierschutzrecht

anzuwenden. Denn viele private Halter

von Vögeln, die ebenfalls ohne Rechtsgrundlage

ihre Tiere flugunfähig machen,

berufen sich nicht selten in Internetforen

auf die gängige nicht

rechtskonforme Praxis in den Zoos.

Zweitens ist es notwendig, dass die zuständigen

Veterinärbehörden über die

rechtliche Situation informiert und angewiesen

werden, Verstöße konsequent

als Ordnungswidrigkeit zu ahnden.

Sollten die Gespräche der

Tierschutzreferenten nicht zu einem raschen

Ende dieser tierschutzwidrigen

Praxis führen, so wird der bmt den

Gang zu den Gerichten wählen.

Text: Torsten Schmidt

Foto (unten): Petra Zipp

Es geht auch ohne Tierquälerei: Im französischen Bioparc Doue-La-

Fontaine werden den frei fliegenden Papageien nicht die Flügel gestutzt.

Ihr Lebensraum wurde so gestaltet, dass die Vögel ihre artgerechten

Bedürfnisse ausleben können


Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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Erfahrungsbericht von Petra Zipp

RUMÄNIEN

EIN LAND UND SEINE HUNDE IM HERBSTNEBEL

Es ist November. Unsere Kastrationsaktion in Bals ist dank unseres

motivierten Tierärzteteams mit 348 kastrierten Hunden und Katzen

für dieses Jahr abgeschlossen. 248 weibliche und 100 männliche

Tiere wurden unfruchtbar gemacht und dürfen unbehelligt weiterleben.

Nächstes Jahr im Frühjahr wird in der Kooperation bmt, TAS-

SO und Tierärztepool wieder weitergemacht. Auch in den Tierheimen

Brasov, Sighisoara und Targu Mures wurden spezielle

Kastrationsaktionen ebenfalls für Besitzertiere durchgeführt, denn

nur so stoppen wir auf Dauer den Zustrom auf die Straße.

Interessant ist für mich

immer wieder die

Tatsache, dass

man in Städten

wie Sighisoara

und

Targu Mures,

wo es keine auf Profit

gerichteten Hundefänger gibt, die

Situation der Straßenhunde mit kleineren

Tierheimen mit einer Kapazität

von ca. 120 Tieren tatsächlich

optimal im Griff behalten kann. Natürlich

ist auch in diesen Tierheimen

noch die Unterstützung durch Verei-

ne wie den

bmt nötig. So

gibt es schon

Vermittlungen

von Hunden

vor Ort, aber

nicht ausreichend

- deshalb

muss die

deutsche Hilfestellung

durch Übernahme von

überzähligen oder in Rumänien unvermittelbaren

Tieren nach Deutschland

erfolgen.

Völlig unverständlich ist mir in diesem

Zusammenhang die teilweise

bmt-SPENDENKONTO AUSLAND

Stichwort: Rumänien oder Ungarn

Frankfurter Sparkasse

Konto 847 275

BLZ 500 502 01

IBAN DE 795005 0201 0000847275

SWIFT BIC HELADEF 1822

offene Hetze gegen diese Art der

Vermittlung. Wir helfen hier nicht nur

im Einzelfall, sondern tragen dazu

bei, vor Ort funktionierende Strukturen

aufzubauen, damit weiter notleidenden

Tieren geholfen werden

kann. Klappt die Hundeaufnahme

nämlich nicht reibungslos, kommen

sofort die Politiker mit ihrem Ruf

nach Tötungen.

Diese Situation hat ja letztlich auch in

Brasov dazu geführt, dass nach der

überaus positiven Entwicklung 2011

der Tierschutz ins Abstellgleis geschoben

und die grausame städti-

sche Anlage in

Brasov Stupin

wiedereröffnet

wurde.

Besonders

wichtig ist die

Vermittlung

nach Deutschland

von all jenen

Hunden, die schon in den Tierheimen

sitzen. Wir müssen oft

feststellen, dass viele Tierfreunde bevorzugt

Hunde aus Tötungsstationen

retten, weil die Tierheimhunde "ja

schon sicher" sind. Das ist emotional


absolut verständlich, aber es gilt vorrangig

zu verhindern, dass solche Anlagen

wieder aufgemacht werden. Wir

können sie nur dauerhaft schließen,

wenn die Tierheime vor Ort ihre Aufgaben

erfüllen können.

Bitte unterstützen Sie uns bei unserer

Rettungskette! Adoptieren Sie aus unseren

Tierheimen hier in Deutschland

einen rumänischen Hund, wenn Sie vor

Ort in Rumänien helfen möchten. Ihre

Adoption macht damit kurzfristig Platz

für einen weiteren Schützling

aus den Partnertierheimen -

und dieser freie Platz wiederum

ermöglicht die erneute

Aufnahme eines Notfalles.

Diese Hunde können Sie bei

uns mit Ihrer Familie kennenlernen

und schauen, ob der

Vierbeiner wirklich zu Ihnen

passt. Verlassen Sie sich bitte

nicht auf Fotos im Internet; sie

können nur einen ersten und

äußeren Eindruck vermitteln.

Zur Situation

in der Stadt und im Kreis Brasov

Endlich kümmert sich die Justiz um die

grausamen Vorkommnisse in der städtischen

Anlage in Brasov Stupin in den

Jahren 2008 und 2009 nach Inkrafttreten

des rumänischen Tierschutzgesetzes.

Der Staatsanwalt lässt ermitteln.

Er hat die grausigen Fangaktionen

überlebt (s. Foto Seite 16)

Am 7. November waren ich und unsere

ehemalige deutsche Mitarbeiterin,

Kerstin Nowitzke, bei der Polizei in Brasov

zur Zeugenaussage. Wir hatten

sechs Stunden Gelegenheit, unsere

persönlichen Eindrücke und Erfahrungen

zu schildern, die wir auch mit Fotos

belegen konnten. Nachdem wir

dies alles in kürzester Zeit vor den Beamten

noch einmal aufgearbeitet haben,

kommt für mich ein hohes Maß an

Unverständnis auf, dass Leute wie Flavius

Barbulescu (der berüchtigte Kopf

der Hundefänger) und seine Mitarbeiter

sich überhaupt noch auf 100 Meter

einem Hund nähern dürfen. Und diese

Menschen, die Tausende von Hunde

ermordet haben bzw. jämmerlich sterben

ließen, haben in Stupin wieder 300

Hunde zusammengepfercht.

Zusätzlich betreiben sie noch in Rasnov,

einer Stadt im Kreis Brasov, einen Stall

mit ca. 150 Hunden, dort unter dem

Deckmantel des Tierschutzes. Brasov

richtet übrigens 2013 das "European

Youth Olympic Festival" (EYOF) aus.

Vom 17. - 22. Februar wird Brasov mit

den Austragungsorten in Rasnov und

Poiana im Blick der Weltöffentlichkeit

stehen. Wir werden lautstark Fair Play

für Straßenhunde einfordern, die im

Rahmen der Vorbereitungen schon

wieder zum Opfer wurden.

Momentan bleibt abzuwarten, wo der

politische Weg Rumäniens hingeht. Am

9. Dezember wird eine neue Regierung

gewählt, die von eminenter Bedeutung

für die Zukunft der Straßenhunde sein

wird. In der Zwischenzeit bleiben wir

bei unserem Weg:

� Unterstützung unserer Partnertierheime

und ausgesuchter privater Auffangstationen

entsprechend der Zahl

der Tiere

� Übernahme von so vielen Tieren

wie möglich nach Deutschland. Es wäre

wünschenswert, wenn wir den verhungernden

Tieren in Brasov Stupin

noch besser durch erhöhte Vermittlung

A USLANDSTIERSCHUTZ

Dieser völlig abgemagerte Hund

wurde aus der städtischen

Anlage Stupin befreit

nach Deutschland helfen könnten. Seit

26.11. haben unsere Tierrechtler in

Stupin die Fütterung der Hunde übernommen.

Das Futter (60 Euro/Tag) finanziert

der bmt.

� Beratung und Unterstützung von

Bürgermeistern, die Hilfe wünschen,

Kastrationsaktionen werden weiterhin

verstärkt durchgeführt

� Juristische Verfolgung jeglicher

Gesetzesverstösse durch unsere Tierrechtspartnerorganisation.

Leider ziehen

sich diese Prozesse in die Länge

und werden aufgrund von Korruption

auch den Weg zum Europäischen Gerichtshof

nach sich ziehen können. Wir

hoffen sehr stark auf eine Verurteilung

der grausamen Hundefangaktion in

Gheorgheni, deren Bilder um die Welt

gingen. Hier musste gerade noch ein

Gutachten über den teilweise tödlichen

Transport von ca. 100 Hunden in vier

Dacia Logans angefordert werden.

2013 werden wir den Kampf gegen die

Hundefängermafia um Flavius Barbulescu

noch intensivieren. Wir wollen

sein grausiges Geschäft empfindlich

behindern und hoffentlich in (naher)

Zukunft irgendwann ganz beenden,

damit Rumäniens Hunde eine Chance

bekommen - eine Chance, ihr Leben zu

leben. Helfen Sie uns dabei? Wir zählen

auf Sie!

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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A USLANDSTIERSCHUTZ

Endlich wendet Rumänien

bestehende Gesetze an:

Erste Urteile wegen

"Grausamkeit gegenüber Tieren"

Seit Änderung des Tierschutzgesetzes

2008 gilt Tierquälerei

in Rumänien als Straftat. Dennoch

wurde in den Folgejahren

in den seltensten Fällen ein Täter

vor Gericht gestellt und

kaum eine Grausamkeit gegenüber

Tieren angezeigt. Doch

nun haben es sich zwei Oberstaatsanwältinnen

zur Aufgabe

gemacht, jegliche Form von

Tierquälerei konsequent zu

verfolgen und zu ahnden. Die

ersten rechtskräftigen Urteile

wurden bereits gesprochen.

Der Tierrechtler Codrut Feher

berichtet aus Brasov.

Nach der Reform des Tierschutzgesetzes

konnte 2008 davon ausgegangen

werden, dass Rumänien nun ebenfalls

ein nach europäischen Maßstäben leistungsfähiges

Tierschutzgesetz hatte.

Doch es zeigte sich bald, dass die gesetzlichen

Bestimmungen in der Praxis

einfach nicht angewendet wurden. Die

Gründe hierfür waren vielfältig: Meist

zögerte die Bevölkerung, Grausamkeiten

gegenüber Tieren anzuzeigen oder

es fehlten Zeugen. Mal waren die Polizisten

an einer Strafverfolgung nicht

interessiert, mal zeigten sich Staatsanwälte

und Richter gleichgültig.

Eine Erklärung für diese Untätigkeit auf

allen Ebenen könnte sein, dass in der

Vergangenheit das Quälen oder sogar

Töten eines Tieres in Rumänien nicht

ungewöhnlich war und keine strafrechtlichen

Konsequenzen nach sich

zog. Vor diesem Hintergrund wurde die

Anklageerhebung und Verurteilung

von Tierquälern zu einer Pionierarbeit:

Die Staatsanwälte und Richter, die gewillt

waren das Gesetz anzuwenden,

bewegten sich auf unbekanntem Terrain.

Zum Glück für die Tiere und Tierliebhaber

Rumäniens übernahmen dann

zwei Oberstaatsanwältinnen diese

wichtige Aufgabe und schufen eine

neue Rechtspraxis im Gebiet des Tierschutzes.

Stefania Chelu, Oberstaatsanwältin

der Stadt Strehaia (Verwaltungskreis

Mehedinti), und Cristina

Cardasol, Oberstaatsanwältin in Zarnesti

(Verwaltungskreis Brasov) erhoben

gegen mehrere Tierquäler Anklage

- die ersten rechtskräftigen Urteile

wurden bereits gesprochen.

Den ersten großartigen Sieg errang die

Oberstaatsanwältin Stefania Chelu.

Durch die rechtskräftigen Urteile des

Appellationsgerichts Craiova wurde

gegen drei Angeklagte, die jeweils

Hunde getötet hatten, Strafbefehl erlassen.

Jeder Verurteilte wurde zu einer

Zahlung von 2.000,- Leu (ca. 443,- Euro)

und zu einer Zivilentschädigung

verurteilt. Genauso wichtig wie die Verurteilungen

als solche sind die Begründungen

der Gerichte: Konnten

nach bisheriger Auslegung

nur Tierhalter wegen Grausamkeit

gegenüber ihren

eigenen Tieren verurteilt

werden, hat das

Appellationsgericht

Craiova nun deut-

lich gemacht,

dass Tierquälerei

unabhängig

vom Besitz des

Tieres bestraft

werden

muss.

Diese

oft gezeigte Szene

steht symbolisch für

die Brutalität der

Hundefängermafia.

Dass der Hund überlebt

hat, erfuhr Petra Zipp

erst im November 2012

“Eigentlich” ist Tierquälerei seit

2008 in Rumänien verboten

Der Grund: Das Tierschutzgesetz

schützt Tiere mit und ohne Halter

gleichermaßen.

Ebenfalls hatte die Oberstaatsanwältin

Cristina Cardasol Anklage beim Amtsgericht

Zarnesti gegen einen Mann erhoben,

der einen Hund getötet hatte.

Hier sollen Aussichten auf ein höheres

Strafmaß bestehen.

Angesichts der Professionalität der

Staatsanwältinnen und Richter sehen

wir, dass die Grundlagen für eine

Rechtspraxis (hinsichtlich Verstößen gegen

das Tierschutzgesetz) nun auch in

Rumänien gelegt wurden. Diese neue

Form der Rechtssprechung wird zweifellos

eine zunehmende Verurteilung

von Tierquälern nach sich ziehen und

den Schutz von Tieren - ob mit und ohne

Besitzer - verstärken.


Neue Gefahren für

den Auslandstierschutz

Der bmt berichtete bereits in seinen Ausgaben

im November 2011 und im Sommer

2012 ausführlich darüber, dass seit

ca. zwei Jahren Tierschutzorganisationen,

die (EU-) Auslandstierschutz betreiben,

von vielen Veterinärbehörden in

Deutschland pauschal als gewerbliche

Tierhändler einstuft werden.

Nun drohen dem Auslandstierschutz

neue Gefahren. Denn still, leise und

weitestgehend an der Öffentlichkeit

vorbei wurde im Sommer dieses Jahres

ein Vorschlag für eine "Verordnung des

Europäischen Parlaments über die Verbringung

von Heimtieren zu anderen

als Handelszwecken - COM (2012)

0089-C7-0080/2012-2012/0039

(COD)" in die Wege geleitet. Diese

neue EU-Verordnung soll alte Regelungen

zum Verbringen von Heimtieren

ersetzen.

Die Verordnung definiert dabei in den

Begriffsbestimmungen in Artikel 3 unter

Ziffer a eine "Verbringung zu anderen

als Handelszwecken" als jede Verbringung,

die weder direkt noch

indirekt einen finanziellen Gewinn oder

einen Eigentumsübergang mit sich

bringt oder bezweckt.

Eine solche Definition ist zu unbestimmt.

Denn gerade das Kriterium der

Gewinnerzielungsabsicht, welches für

die Einstufung als gewerblicher Händler

in Deutschland maßgeblich ist, ist

hier nicht ausreichend genannt.

Weiter soll in der EU-Verordnung in

dem geplanten Artikel 4a die Anzahl

der Tiere, die bei einer einzelnen Verbringung

erfolgen, pro Halter fünf nicht

überschreiten. Das bedeutet, dass "per

se" eine Verbringung von mehr als fünf

Tieren als eine Verbringung zu Handelszwecken

angesehen wird. Davon

sieht die Verordnung zwar verschiedene

Ausnahmeregelungen vor, jedoch

nicht für anerkannte Tierschutzorganisationen.

Im Auftrag von TASSO e.V. und dem

bmt e.V. haben wir diesbezüglich seit

dem Sommer erhebliche Anstrengungen

unternommen, um die in Brüssel

dafür maßgeblichen Personen zumindest

darauf hinzuweisen, dass eine

Umsetzung der EU-Verordnung in der

geplanten Form zu einer erheblichen

Behinderung des Auslandstierschutzes

führen wird.

Leider sind unsere, von der EU-Seite

nicht einmal bestrittenen, Argumente

und Vorschläge bislang nicht widerlegt

oder umgesetzt worden.

Sollte diese Verordnung derart in Kraft

treten, so führt dies faktisch zu einer

Feststellung, dass Tierschutzorganisationen,

die pro Halter mehr als fünf Tiere

innerhalb der EU verbringen und/

oder bei denen ein Eigentumsübergang

geplant ist, per definitione als eine

Verbringung zu Handelszwecken

festgelegt würde. Dies hätte national

zur Folge, dass dann die Veterinärämter

rechtmäßig diese Tierschutz-

EU-RECHT

Protestaktion des bmt

vor dem Reichstag in Berlin

Nun rüstet, wie viele Veterinärbehörden in Deutschland, auch die EU zum Kampf gegen den Auslandstierschutz.

Wie die neue Verordnung die Hilfe im Ausland nahezu unmöglich machen wird, erklärt

im folgenden Beitrag der auf das Tierschutzrecht spezialisierte Rechtsanwalt Dr. Konstantin Leondarakis

aus Göttingen.

organisationen als gewerbliche Tierhändler

einstufen müssten. Desweiteren

mit der Folge, dass all diese Tierschutzorganisationen

eine entsprechende

Genehmigung nach § 11 Abs 1

Ziff. 3b TierSchG benötigen würden.

Dr. Konstantin Leondarakis

im Interview

vor dem Reichstag in Berlin

Dies mit den bekannten, kaum abzuschätzenden

negativen Folgen für die

Tierschutzorganisationen, wie zum Beispiel

einer nachträglichen Feststellung

durch die Finanzämter mit einem möglichen

Verlust der Gemeinnützigkeit.

Wir können daher gegenwärtig nur

weiterhin diesen auslandstierschutzfeindlichen

Tendenzen auf der EU-Ebene,

die den auslandstierschutzfeindlichen

Tendenzen im nationalen

Bereich zuspielen würden, mit voller

Kraft entgegen wirken und auch weiterhin

davon berichten.

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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Werbebanner des VEBU

für den fleischfreien

Donnerstag

Unten: Aufkleber der

bmt-Aktion “Cool, dass

Sie mich nicht essen”

bmt unterstützt

VEGETARIER K

Donner

Die Schattenseiten des enormen

Fleischkonsums der modernen westlichen,

zunehmend auch der asiatischen

Gesellschaften sind längst

kein Geheimnis mehr. Übermäßiger

Fleischkonsum gefährdet die Gesundheit

des Einzelnen; seine Folgen

und Auswirkungen schaden dem Klima

und der Umwelt. Auch die Ernährungsgerechtigkeit

wird weltweit

verschoben. Es ist nicht allein auf den

Fleischkonsum zurückzuführen, doch

ist bereits heute die Zahl der untergewichtigen

und ständig von Hunger

bedrohten Menschen gleich hoch

wie die der Übergewichtigen. Schon

eine leichte Umstellung jedoch

könnte erhebliche Folgen haben.

Der britische Musiker Sir Paul McCartney hatte

2009 die Idee "Meat Free Monday" und

wirbt seitdem für einen fleischfreien Tag pro

Woche. Die Kampagne findet weltweit Beachtung,

so haben neben zahlreichen Städten

in den USA, Brasilien, der Schweiz,

Großbritannien, Belgien und Südafrika auch

viele deutsche Städte das Projekt erfolgreich

übernommen.

Die Bürgermeister der 100 größten deutschen

Städte wurden zuerst durch eine Initiative

des Vegetarierbundes (VEBU) angeschrieben,

als erste Stadt setzte Bremen mit

dem Donnerstag als Veggietag ein Zeichen;

viele weitere Kommunen sind bereits gefolgt.

In Kantinen, Mensen, Krankenhäusern und

öffentlichen Einrichtungen wird mit einem


AMPAGNE

großen Angebot vegetarischer Speisen dafür geworben, wenigstens

an einem Tag in der Woche auf den Konsum von

Fleisch zu verzichten.

Um die Auswirkungen des Fleischverzichts begreifen zu können,

hilft ein Blick auf die Statistik: Jeder Deutsche isst demnach

in seinem Leben vier Kühe, vier Schafe, zwölf Gänse,

37 Enten, 46 Truthähne, 46 Schweine und 945 Hühner -

macht 1.094 Tiere. Über eine Milliarde Tiere landen jedes

Jahr auf deutschen Tellern. Mit nur einem Tag Fleischverzicht

könnten, eine konsequente Einhaltung vorausgesetzt, über

eine Million Tiere verschont werden. Nicht nur den mittlerweile

auch in der Gesellschaft wahrgenommenen Missständen

der industriellen Massentierhaltung könnte so ein Stück

weit Einhalt geboten werden.

Wenn jedes Jahr mehr als eine Million Tiere weniger versorgt,

ernährt, untergebracht, geschlachtet, verpackt, ihr Fleisch

transportiert und ihre Fäkalien entsorgt werden müssten,

würde auch die Umweltbelastung deutlich zurückgehen.

Nach Angaben der UNO ist der Agrarsektor hauptverantwortlich

für den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen. Der

fleischfreie Wochentag würde das Klima danach stärker entlasten

als eine Einsparung von 6-8 Millionen Fahrzeugen -

allein auf deutschen Straßen: Der Ausstoß von Treibhausgasen,

die zur Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch anfallen,

entspricht einer Autofahrt über 250 Kilometer.

Die schlechte Energiebilanz in der Fleischproduktion macht

sich jedoch auch direkt bemerkbar: Die WHO rechnet mit einer

Menge von etwa 15 kg pflanzlicher Nahrung sowie bis

zu 20.000 Liter Wasser, die für die Erzeugung von einem Kilogramm

Rindfleisch nötig sind. Rund ein Drittel der weltweiten

Getreide- und Sojaernte wird heute als Tierfutter verwendet,

während gleichzeitig rund eine Milliarde Menschen

an Hunger und Unterernährung leidet. Bereits ein kleiner

Verzicht auf Fleisch könnte dafür sorgen, dass die Ernährungskatastrophe

der Dritten Welt massiv eingedämmt wird.

Eine direkte Versorgung der Menschen mit pflanzlicher Nahrung

könnte dazu beitragen, dass der Welthunger bekämpft,

V EGETARISMUS

stag ist Veggie-Tag

die Umweltverschmutzung eingeschränkt, der Klimawandel

verlangsamt und die industrielle Massentierhaltung in ihren

Ausmaßen verringert wird. Viele Prominente unterstützen daher

den "Meat Free Monday" oder, als deutsche Variante,

"Donnerstag = Veggietag." Neben international bekannten

Künstlern wie Bryan Adams, Alec Baldwin, Yoko Ono oder

Sheryl Crow gehört in Deutschland etwa der für seinen Einsatz

im Naturschutz bekannte Hannes Jaenicke zu den aktiven

Unterstützern der Kampagne, außerdem der bmt.

Auch in der Politik haben die Initiatoren Rückhalt gefunden:

Sowohl Bündnis 90 / Die Grünen als auch die Piratenpartei

befürworten den fleischfreien Tag. Dem Bremer Vorbild folgten

bisher die Städte Leer, Leverkusen, Paderborn, Gütersloh,

Magdeburg, Schweinfurt, Wiesbaden, Deggendorf, Rotenburg,

die Nordseeinsel Juist, Bad Hersfeld, Freiburg, Hannover,

Dinslaken, Düren, Köln, Münster, Karlsruhe, Straubing

und Ingolstadt. Zahlreiche Antworten auf die Anfragen der

Kampagne stehen noch aus.

Wenn Sie auch in Ihrer Stadt Werbung für die Kampagne

"Donnerstag ist Veggietag" machen wollen, finden Sie unter

www.donnerstag-veggietag.de zahlreiche Informationsmaterialien

und natürlich auch alle Anschreiben sowie

bisher eingegangenen Antworten der teilnehmenden Städte.

Text: Roman Kriebisch

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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Wo drin ist,

was drauf steht

Wer sich selbst nach ideologischen Grundsätzen (ökologisch, artgerecht, regional) ernährt, gerät spätestens

bei der Fütterung seines Hundes in einen inneren Konflikt. Denn das Fleisch, ob in Dosenform, als Trockenfutter

oder für Anhänger des Barfens roh angeboten, stammt - bis auf

ganz wenige Anbieter - von Tieren aus der Massentierhaltung.

"Wir konnten diese Art der Hundefütterung irgendwann nicht mehr mit

unserem Gewissen vereinbaren", erklären bmt-Mitglieder Gritli Catrina

Barich und Ehemann Markus. Und so begann das Tierarztehepaar

aus Strausberg mit der Produktion von eigenem Bio-Hundefutter. Das

Alleinfutter, zusammengestellt nach den strengen Vorgaben des National

Research Council (NRC) in den USA, enthält Fleisch von Demeter-

Milchrindern, Obst, Gemüse und Öle aus ökologischer Landwirtschaft

der Region.

RdT: Immer mehr Tierhalter entdecken

das BARFEN als Alternative zum

herkömmlichen Dosen- und KIA Trockenfutter

für ihre Hunde und Katzen. Was

bedeutet das "BARFEN"?

Tierärztin Gritli Catrina Barich:

Unter BARFEN verstehen wir die Versorgung

des Hundes mit Inhaltsstoffen,

die nicht industriell verarbeitet werden.

Alle ernährungsrelevanten Stoffe, wie

Fleisch, Gemüse und Öle etc., werden

roh in das Futter eingebracht.

RdT: Halten Sie es für möglich, dass

bestimmte Erkrankungen bei Hunden

auf das herkömmliche Fertigfutter zurückzuführen

sind?

Tierärztin G. C. Barich: Ja, das sehen

wir in unserer Praxs inzwischen immer

öfter. So gibt es Hunde, die zum

Beispiel kein Getreide vertragen. Als

allergische Reaktion darauf kommt es

zu quälendem, die Hunde oft stark beeinträchtigendem

Juckreiz.

Bei fast allen Hunden, die auf unseren

Ehepaar Barich stieg aus

Tierschutzgründen auf eigenproduziertes

Biofutter um

Rat hin von ihren Besitzern gebarft werden,

haben sich diese Probleme erledigt.

Ebenso gibt es Hunde, die gelegentlich

oder manchmal auch nur

einmal im Monat an Durchfall und Erbrechen

leiden. Auch sie profitieren

von der Rohfutterumstellung in erheblichem

Maße.

Und ein weiterer Aspekt freut die Tier-


Wichtiger Bestandteil beim BARFEN:

ergänzende Gemüse und Obstsorten in

ausbalancierten Anteilen

halter: Die Geruchsbelästigungen

durch "Darmwinde" verlieren sich komplett.

Ein zu hoher Kohlenhydratanteil,

der häufig im Trockenfutter zu finden

ist, verursacht nämlich verstärkt eine

Flatulenz …

Den Kot von Hunden, die mit minderwertigem

Fertigfutter ernährt werden,

erkennt man ohne Probleme. Nahezu

alles, was der Hund vorne aufnimmt,

kommt hinten wieder raus. Sein Verdauungssystem

muss also viel mehr arbeiten,

als bei einem Hund, der eine

hochverdauliche Nahrung erhält. Seitdem

wir unsere Hunde barfen, hat sich

ihr Kotvolumen um ca. 50 Prozent reduziert.

RdT:: Sie bieten bei Ihrem ersten Produkt

nun nicht nur Frischfleisch an, sondern

wählen bewusst nur Fleisch von

Tieren aus artgerechter Haltung. Warum?

Ist Tierschutz die Motivation oder

Ihre Überzeugung, dass BARFEN auf

A RTGERECHTE H UNDE-ERNÄHRUNG

der Grundlage von Fleisch aus der

Massentierhaltung ebenfalls nicht gesund

sein kann?

Tierärztin G. C. Barich: Ob das Fleisch

oder Gemüse aus der konventionellen

Tierhaltung (bzw. Landwirtschaft) nicht

gesund für unsere Hunde ist, können

wir nicht abschließend beurteilen. Wir

können dagegen aber ganz sicher sein,

dass unser verwendetes Fleisch weder

Hormone, Antibiotika noch

andere unerwünschte "Zusatzstoffe"

enthält.

Letztlich haben uns drei

Gründe bewogen, das Futter

selbst herzustellen:

1. Wir konnten es aus Tierschutzgründen

einfach

nicht mehr vertreten, dass

unsere Hunde Fleisch aus

der Massentierhaltung bekommen.

Gebarft hatten

wir unsere Hunde schon

länger.

Da wir es aber bei unserem

eigenen Futter nicht bei

dem "normalen" Bio belassen

wollten, haben wir uns

bei den Fleischlieferanten

überwiegend für Fleisch

aus Demeter-Betrieben entschieden.

2. Dann wollten wir wissen, was eigentlich

alles im Futter enthalten ist.

Aus den Etiketten wird man ja nicht besonders

schlau. Bei eigener Futterherstellung

wissen wir natürlich genau,

welche Inhaltsstoffe verwendet werden

- und bieten allen Interessierten an, bei

unserer Produktion dabei zu sein.

So kann sich jeder mit eigenen Augen

überzeugen, dass unser Futter tatsächlich

das enthält, was draufsteht. Mehr

Transparenz geht nach unserem Verständnis

nicht, und wir haben auch

noch keinen zweiten Hersteller kennengelernt,

der seinen Kunden solch eine

"gläserne Produktion" präsentiert. Jede

Charge wird in unserer eigenen "Manufaktur"

gefertigt. Wir haben dort einen

großen Fleischwolf, einen riesigen

Menger, eine Einwurstmaschine und

natürlich eine Tiefkühlzelle, in der alles

bei -19 Grad tiefgekühlt bleibt.

3. Wichtig war uns auch, endlich zu erfahren,

ob (und wann) ein Hundefutter

allen ernährungsrelevanten Faktoren

entspricht. Unser Futter, ein reines Alleinfuttermittel,

wird nach den strengen

Vorgaben des National Research

Council (NRC) zusammengestellt.

Die unabhängigen Wissenschaftler des

(zu deutsch) Nationalem Forschungsrat

der USA veröffentlichen regelmäßig,

was in einem Hundefutter zu sein hat.

Da werden also Werte über die Mindest-

und Höchstmengen über Vitamine,

Kalzium, Phosphor, Proteine, Selen,

Zink und Kupfer (um nur einige zu nennen)

erstellt und publiziert.

Wir halten uns mit unserer Futterrezeptur

freiwillig an die NRC-Vorgaben,

auch wenn es wesentlich teurer ist, sich

ein derartiges Rezept erstellen zu lassen,

als es selbst zu entwickeln, und

auch nicht gesetzlich vorgeschrieben

ist! Unser Alleinfutter setzt sich wie folgt

zusammen: Bio-Rinder-Muskelfleisch

(20%), Bio-Rinder-Herz (20%), Bio-Rinder-Pansen

(20%), Bio-Rinder-Lunge

(17%), Bio-Gemüse und -Obst (insg.

19% Möhren, Zucchini, Äpfel, Petersilie)

Bio-Sonnenblumenöl, Bio-Weizenkeimöl,

Hagebuttenpulver, Bio-Spirulina,

Bio-Eierschalen, Dorschlebertran,

Apfeltrester, Leinsamen und Seealgenmehl.

RdT: Wo haben die Rinder gelebt, die

Sie für Ihr Futter "nutzen"?

TA G. C. Barich: Wir beziehen unser

Fleisch überwiegend von Rindern aus

dem Demeter-Betrieb in Brodowin

(Schorfheide Chorin). Dieser Betrieb

macht jedes Jahr ein Hoffest, alle Besucher

können in die Ställe gehen, sich

die Tiere anschauen und/oder sie auf

den Weiden beim Grasen beobachten.

Hier dürfen die Kälber noch eine Zeit

bei ihren Müttern bleiben, haben alle

Tiere ausreichend Platz, Bewegungsmöglichkeit

unter freiem Himmel und

fressen nur das, was der Hof erwirtschaftet.

Mehr Infos unter

www.barichs.de

Interview: Claudia Lotz

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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“Bello-Dialog”

Berliner CDU arbeitet

an neuem Hundegesetz

in Berlin

Berlin soll ein neues Hundegesetz bekommen - und dies auf ganz besondere

Weise: Jeder Bürger kann sich mit Ideen und Vorschlägen an der Ausarbeitung

beteiligen. Die Anregungen werden dann in den Referentenentwurf einfließen, der voraussichtlich im

Frühjahr 2013 der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Der bmt begrüßt die Überarbeitung des Hundegesetzes

als überfällig und hat dem Berliner Senat ebenfalls seine Eckpunkte übermittelt.

Mirjana Plavac, Tierschutzlehrerin des Projekts "Liebe für´s Leben" von bmt und Purina, über den

Bello-Dialog und seine ersten Resultate.

In letzter Zeit wurden immer mehr Stimmen laut, dass das

derzeit gültige Hundegesetz in Berlin dringend einer Reform

bedürfe. Nachdem die Abgeordnete von Bündnis 90/Grüne,

Claudia Hämmerling, schon im Frühjahr einen Entwurf zu einem

neuen Hundegesetz veröffentlichte und auf rege Bürgerbeteiligung

stieß, zog die CDU mit Justizsenator Thomas

Heilmann und der Staatssekretärin für Verbraucherschutz,

Sabine Toepfer-Kataw, im Sommer 2012 mit einem neuen

Konzept nach.

Im sogenannten Bello-Dialog sollen nicht nur Betroffene und

Fachleute die Rahmenbedingungen für ein Berliner Hundegesetz

festlegen, sondern tatsächlich alle Bürger die Möglichkeit

haben, ihre Vorschläge mit einzubringen, so die Internetseite

des Berliner Senats.

Dies geschah in Form eines Internetportals, auf dem jeder

seinen Kommentar abgeben darf, und der Ausrichtung von

zwei runden Tischen, zu denen die Öffentlichkeit eingeladen

wurde. 32 Sondierungsbeauftragte, die aus verschiedenen

Interessensgemeinschaften (Kinderschutzbund, Wohnungsbaugesellschaften,

Seniorenvertreter, Tierschützer etc.) ausgewählt

wurden, sollen nun unter Mediation in Gruppen die

Bedürfnisse der Bevölkerung herausarbeiten.

Der erste Sondierungstermin fand am 16. Oktober 2012

statt. Für Transparenz sorgte das später veröffentlichte Protokoll

des Treffens im Internet. Die Gruppen fassten ihre erarbeiteten

Rahmenpunkte zusammen und trugen sie dann

der gesamten Sondierungsrunde vor. Kernpunkte der Probleme,

die zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern

bestehen, scheint vor allem der Hundekot zu sein. Auch in der

beträchtlichen Kommentarliste fehlt dieser Aspekt in kaum einer

Äußerung.

Weitere Punkte waren zu wenig Auslaufflächen und Sinn und

Zweck der derzeit bestehenden Rasseliste. Die Gruppen plädierten

für einen Sachkundenachweis für alle Hundehalter,

da ausreichende Sachkenntnis grundsätzlich die Voraussetzung

zum Halten eines Hundes sein sollte.

Weitere zwei Treffen werden noch vor Jahresende stattfinden.

Am Ende sollen die erarbeiteten Punkte in einen Referentenentwurf

zum neuen Hundegesetz für Berlin einfließen, der im

Frühjahr 2013 zu erwarten ist. Der bmt begrüßt ein neues

Hundegesetz sehr, da nach seiner Auffassung das derzeit gültige

Hundegesetz als nicht tierschutzkonform anzusehen ist.

Folgende Eckpunkte gehören für den bmt in das neue Hundegesetz:


� Sachkundenachweise für alle Hundehalter mit folgenden

Anforderungen: Es müssen Kenntnisse über Entwicklung,

Verhalten, Rassen, Haltung, Ernährung, Gesundheit,

Pflege und Sozialverhalten vorliegen. Außerdem wird verantwortungsbewusstes

Verhalten gegenüber Mitmenschen

(auf der Straße) erwartet und die Pflicht ausgesprochen,

den Hundekot des eigenen Tieres zu beseitigen

� Hundehalter müssen sich über die Hundegesetzgebung

und das Tierschutzrecht informieren, gleichfalls die Kosten

der Hundehaltung kennen

� Die Sachkundeüberprüfung muss nach neuestem

wissenschaftlichem Erkenntnisstand erfolgen und von

anerkannten Verhaltensbiologen und Fachtierärzten

für Tierschutz ausgearbeitet werden.

Buchtipp!

Hunde sind seit Zehntausenden

von Jahren unsere

engsten Begleiter. Und

obwohl wir noch nie so viel Geld für sie ausgegeben

haben wie heute, fehlt es doch häufig am grundlegenden

Verständnis für ihre Bedürfnisse.

Höchste Zeit, dass jemand einmal ganz eindeutig die

Partei der Hunde ergreift. Nicht die der Karikatur vom

Wolf im Hundepelz, der seinen Besitzer bei erstbester

Gelegenheit dominieren möchte, und auch nicht die des

Modeaccessoires oder Showtieres, das Schleifen und Pokale

für seinen Besitzer sammelt, sondern die des wahren Hundes, der

ganz einfach Teil der Familie sein möchte.

Biologen wissen heute weit mehr darüber, wie Hunde wirklich "ticken",

als noch vor zwanzig Jahren, und John Bradshaw war an dieser Forschung

maßgeblich beteiligt. Mit diesem Buch möchte er die neuen und

zum Teil erstaunlichen wissenschaftlichen Erkenntnisse dem Hundehalter

nahebringen und damit für ein besseres Verständnis unseres besten

Freundes werben.

Mit dem Kauf dieses Buches unterstützen Sie die Kynos Stiftung "Hunde

helfen Menschen". www.kynos-stiftung.de

EUR (D) 19,95 / EUR (A) 20,60 / CHF 28,50

T IERSCHUTZPOLITIK

Der Sachkundenachweis sollte vor der Anschaffung eines

Hundes erfolgen - und, um die Tierheime und Tierschutzvereine

nicht weiter zu belasten, für Tierschutzhunde kostenfrei

sein. Für Hunde sollte Chip-Pflicht gelten, für die Besitzer der

Abschluss einer Hundehaftpflichtversicherung bindend sein.

Desweiteren: das Fortfallen der Hundesteuer für Tierschutzhunde

und mehr Auslaufgebiete für die Hauptstadt-Vierbeiner.

Nach offiziellen Zahlen gab es 2010 circa 109 488 Hunde

in Berlin (http://www.berlin.de/berlin-im-ueberblick/zahlenfakten/index.de.html),

wobei die Dunkelziffer um einiges höher

angesetzt wird. Doch die Zahl der Hundeauslaufgebiete

ist sehr gering. In zwölf Waldabschnitten und 17 eingezäunten

Hunde-"Gehegen" sollen sich die Berliner Hunde austoben.

Jedoch sind die Hundeauslaufgebiete nicht gleichmäßig

in Berlin verteilt.

Beispielsweise gibt es im ehemaligen Ostteil kein einziges

Auslaufgebiet, wohingegen es eine Anhäufung im Süden der

Stadt gibt. Aus Mangel an Möglichkeiten versuchen also viele

Hundehalter, ihre Tiere in der Stadt auszulasten. Konflikte

(mit Menschen und anderen Hunden) sind vorprogrammiert.

Um ein möglichst konfliktarmes und harmonisches Miteinander

zwischen Hundehaltern und Nicht-Hundehaltern zu

gewährleisten, wäre es sinnvoll, die Hundeauslaufgebiete

auszudehnen und an die

Vernunft der Hundehalter

zu mehr Rücksichtnahme

zu appellieren.

Fotos: Stefan Kirchhoff,

Claudia Lotz

Das Recht Recht

der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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Klitschko lebte schon als Küken im bmt-

Tierheim Köln-Dellbrück und wurde

dort liebevoll großgezogen. Als er fast

ausgewachsen war, stellte man erstaunt

fest, dass es sich bei Klitschko

um einen Kampfhahn handelte. Glücklicherweise

machte er seinem Namen

nicht alle Ehre und entpuppte sich, entgegen

der weit verbreiteten Meinung,

Kampfhähne seien angriffslustig und

aggressiv, als unglaublich liebenswürdig.

Bei Schulführungen durchs Tierheim

war er die Attraktion. Die Kinder

liebten ihren Klitschko, schmusten mit

ihm und rissen sich buchstäblich darum,

ihn auf dem Arm zu halten.

Doch obwohl er im Tierheim wunderbar

versorgt und betreut wurde, hatte

Klitschko ein riesiges Problem: Er war

bereits zwei Jahre alt und immer noch

"Single". Das musste sich ändern. Und

das Schicksal meinte es gut mit ihm. Im

Mai wurden in einem Schrebergarten

in Köln-Höhenhaus Kampfhähne vom

Veterinäramt beschlagnahmt, die für illegale

Wettkämpfe missbraucht werden

sollten.

Über 30 der 87 Tiere wurden im Tierheim

Köln-Dellbrück untergebracht. Es

handelte sich dabei um die Rassen

Shamo und Hint-Horoz. Besonders die

Sensationelles Staraufgebot

Klitschko

erobert München !

Die Mitarbeiter der bmt-Geschäftsstelle Bayern staunten nicht schlecht, als

im vergangenen Juni ungewöhnliche Übernachtungsgäste im Büro eintrafen. Der hohe Besuch reiste in großen

Transportboxen an und sollte noch für einigen Wirbel sorgen. Es war ja nicht so, dass wir zum ersten

Mal tierische Freunde beherbergt hätten. Hunde, Katzen und Vögel fanden schon des Öfteren vorübergehend

Unterschlupf bei uns.

Doch diese Durchreisenden waren der Knüller. Wir öffneten vorsichtig die Türen der Transportboxen

und da stand: Klitschko. Beeindruckend, kraftvoll und mit seinem farbenprächtigen Gefieder wunderschön

anzusehen, stolzierte tatsächlich ein Kampfhahn durch unser Büro. Nachdem Klitschko

sorgfältig das Terrain sondiert und für gut befunden hatte, stellte er uns seine Begleitung, zwei reizende

junge Hennen, vor. "Kampfhühner am Arbeitsplatz, sind die noch bei Trost?" werden Sie jetzt

vielleicht denken. Aber dazu später. Denn München war für Klitschko lediglich ein kurzer Zwischenstopp.

Hint-Horoz-Hähne, die hauptsächlich

im orientalischen Raum, der Türkei sowie

Mittel- und Südamerika vorkommen,

wo sie traditionell wegen ihres

rassetypisch hohen Aggressionspotentials

in blutigen Hahnenkämpfen grausam

misshandelt werden, waren in einem

erbärmlichen Zustand. Da die

Hähne voneinander getrennt gehalten

werden mussten, belegten sie teilweise

sogar die Hundeanlagen des Tierheims

- und so wurde dringend ein artgerechtes

Zuhause für die Tiere, die bisher

ein unwürdiges Leben unter katastrophalen

Bedingungen erleiden

mussten, gesucht.

Die engagierte Tierärztin Dr. Anne Roth

aus Salzburg hatte den Hilferuf des Kölner

Tierheims im Internet gelesen und

sich sofort gemeldet. Sie hat sich spontan

bereit erklärt, einen Hahn und zwei

Hennen zu adoptieren und ihnen auf

ihrem Hof in Salzburg ein tolles Leben

zu schenken. Das war Klitschkos große

Chance.

Kurz entschlossen packte sein Pflegeteam

die Gelegenheit beim Schopf, ihn

mit zwei der halbwüchsigen, bildhübschen

Hennen, die aus oben genannter

Sicherstellung stammten, zusammenzubringen.

Endlich war

Klitschko nicht mehr alleine,

neues Zuhause inklusive. Das

Einladen der Tiere verlief

wider Erwarten völlig

unkompliziert. Jetzt

gab es nur noch

ein mögliches

Hindernis: den

Transport.

Frau Dr. Roth

konnte ihre drei

neuen Mitbewohner

zwar in München

abholen, aber

nicht in Köln. So entschloss

sich Herr

Bergmann, Leiter

der Geschäftsstelle

Bayern, nach Köln

zu fahren, um die

drei Kampfhühner im

Auto nach München zu

bringen. Klitschko und

seine bezaubernden Mädels,

da standen sie

nun, drei Kampfhühner

mitten in unserem

Büro in München.

Doch das war

längst nicht alles,


die Hühner hatten auf ihrer aufregenden

Reise sogar Eier gelegt.

Besonders rührend war das Verhalten

Klitschkos seinen zwei Hennen gegenüber.

Vom starken Beschützerinstinkt getrieben

hatte er immer ein Auge auf die

Beiden und teilte, wie sich das für einen

guten Hahn gehört, sein Futter mit ihnen.

Die typische Nahrungssuche mit Scharrund

Kratzbewegungen gestaltete sich auf

unserem Linoleumboden allerdings etwas

schwierig. Doch ein Klitschko lässt

sich nicht aus der Ruhe bringen. Apropos

Ruhe, es war erstaunlich ruhig.

Kein Gackern der Hühner, kein

Krähen von Klitschko. Das

wollten wir uns natürlich

nicht entgehen lassen,

also suchte Herr Bergmann

im Internet das

Krähgeräusch eines

Hahnes heraus und

spielte es Klitschko

mehrmals vor. Da das

Krähen zur akustischen

Markierung

des Reviers dient,

lief Klitschko nun

zur Hochform

auf. Mit stolz geschwellter

Brust

und eifrigem

Flügelschlag

ließ er sich

zu einer

regel-

Klitschko vor seiner

Abreise im Tierheim

Köln-Dellbrück

Gst-Leiter Rolf Bergmann mit

Klitschko im Münchener Büro

rechten Hahnenkräh-Arie hinreißen.

Und wer hart arbeitet, der soll auch belohnt

werden. Getreu diesem Motto holten

sich Klitschko und seine beiden Hennen

auf dem Schoß von Herrn Bergmann

anschließend ihre Streicheleinheiten ab.

Es ist wahrlich unfassbar, wie verschmust

und liebesbedürftig Kampfhühner sein

können. Nach so viel Zuwendung und

Aufmerksamkeit, hätte Klitschko vor dem

Schlafengehen wohl am liebsten noch

eine Mulde gescharrt und ein herrliches

Staubbad genommen. Denn mal ehrlich,

es geht doch nichts über ein gepflegtes

Staubbad. Aber abgesehen von der Tatsache,

dass wir normalerweise weder Erde

noch Stroh im Büro eingestreut haben,

war er bereits so müde, dass er sich

mit den beiden Ladies freiwillig in sein

Nest zurückzog.

Am nächsten Morgen packte Klitschko

zum letzten Mal seine Koffer und wartete

zusammen mit seinen zwei Hennen voller

Ungeduld auf seine neue Besitzerin.

Als Frau Dr. Roth im Büro eintraf, wurde

sie entsprechend euphorisch begrüßt. Als

Geschäftsstelle Bayern

Viktor-Scheffel-Straße 15, 80803 München

Tel. (089) 38 39 52-13, Fax -23

Leiter: Rolf Bergmann

Postbank München,

BLZ 700 100 80,

Kto. 142 20-802

www.bmt-bayern.de

G ST B AYERN

erstes wurden die beiden Hühner Gudrun

und Gerda getauft. Das erleichtert die

Kommunikation. Dann stand einem

glücklichen Ende nichts mehr im Weg.

Kurz nach dem erfolgreichen Einzug der

drei Kampfhühner bei Frau Dr. Roth

schwärmte sie, wie brav, unkompliziert

und gelassen ihre neuen Mitbewohner

doch seien. "Die ersten Tage des Freilaufs

haben Klitschko ein wenig mitgenommen,

er war abends so müde, dass ich

dachte, er ist tot, wie er da zum Schlafen

im Nest lag! So viel aufpassen auf seine

Damen, scharren, gucken, Käfer jagen,

sandbaden, etc. und dazu auch noch die

Bergluft hat ihn am Abend dann doch

umgehauen!" so die Tierärztin. Klitschko,

Gudrun und Gerda haben sich inzwischen

prächtig auf dem Hof von Frau Dr.

Roth eingelebt und genießen nun ihr Leben

im wunderschönen Salzburger Land

in vollen Zügen.

An dieser Stelle möchten wir uns ganz

herzlich bei all den anderen Tierfreunden

bedanken, die ebenfalls Kampfhähne

und -hühner aus der Sicherstellung im

Mai bei sich aufgenommen haben. Die

mehr als 30 Tiere konnten alle glücklich

vermittelt werden und haben ein artgerechtes

Zuhause gefunden. Bleibt zu hoffen,

dass die Tierquäler, die diese liebenswürdigen

Kampfhühner für illegale

Hahnenkämpfe missbrauchen wollten,

eine angemessene Strafe bekommen.

Klitschko und seine

Hennen im

Salzburger Land

Text: Tanja Pöch

Das Recht Recht

der Tiere 4/2012

25


Das Recht der Tiere 4/2012

26

Kastrations-

pflicht

Über 90% der Fundkatzen, die jährlich

vom Tierheim Arche Noah aufgenommen

werden, sind nicht kastriert und

darüber hinaus in äußerst schlechter

gesundheitlicher Verfassung. Weil die

Zahl herrenloser Katzen in vielen

deutschen Städten und Gemeinden

gewaltig angestiegen ist, fordern Tierschutzorganisationen

seit langem, die

Katzenbesitzer stärker in die Verantwortung

zu nehmen.

Nun haben auch die Kommunalpolitiker

der Stadt Diepholz reagiert. Seit 1.

Oktober 2012 gilt in ihrem Landkreis

die Kastrations- und Registrierungspflicht

für Katzen mit Freigang. Wie es

dazu kam, berichtet Tierheimleiter

Stefan Kirchhoff.

Dass wir in Deutschland ein Problem

mit der Überpopulation unkastrierter

Katzen haben, wissen die wenigsten

Menschen - woher auch? Wenn man

nicht aus Tierschutzgründen verwilderte

Hauskatzen an sogenannten

Fütterungsstellen versorgt oder wie

wir im Tierheim arbeitet, bleibt das

Leid herrenloser Katzen den meisten

Menschen verborgen.

Das liegt sicher auch daran, dass

man sie selten zu Gesicht bekommt;

Katzen sind sehr scheu und eher

nachtaktive Tiere. Richtig bemerkbar

für Katzen

STADT DIEPHOLZ NIMMT

TIERBESITZER IN DIE

VERANTWORTUNG

macht sich die ständig steigende Katzenpopulation

letztlich nur in den

Tierheimen, die Fundtierverträge mit

den umliegenden Gemeinden abgeschlossen

haben, und nach der

Trächtigkeit im Frühjahr in der Regel

in den Sommermonaten völlig überfüllt

sind.

So kommen über 90 % aller Fundkatzen

unkastriert und nicht gechipt in

die Arche Noah. Sie sind die Nachkommen

unkastrierter Freigänger,

die entweder noch ein Zuhause haben

oder (vor Generationen) ausge-

setzt wurden. Diese Fundkatzen bringen

fast immer Krankheiten mit, die

sie in kleinen Quarantäneboxen erst

einmal auskurieren müssen, bevor

sie kastriert und geimpft werden können.

Abgesehen davon, dass die

Quarantänezeit für die sensiblen,

freiheitsliebenden Vierbeiner eine

einzige Qual ist, stellt die notwendige

tiermedizinische Versorgung und intensive

Betreuung die Tierheime jedes

Jahr wieder vor eine besondere finanzielle

und personelle Herausforderung.


In Zusammenarbeit mit VIER PFOTEN

und TASSO gründete der bmt das

Bündnis "Pro Katze"

Weil die Zahlen der

Fundkatzen seit Jahren

stetig steigen, haben

sich in der Vergangenheit

viele Tierschutzvereine

an ihre Gemeinden

Drei Wochen alte Katzenwelpen, deren

Mutter bei der Beschaffung von Futter überfahren

wurde. Die Kleinen aufzuziehen, ...

gewendet und sie gebeten, dem Beispiel

der Stadt Paderborn zu folgen und

eine Kastrations-und Kennzeichnungspflicht

für freilaufende Katzen einzuführen.

Seitdem sind zahlreiche Städte und Gemeinden

in Bremen und in Niedersachsen

mit einer derartigen Verordnung

nachgezogen. Aber nicht immer

ende eine entsprechende Nachfrage

unsererseits erfolgreich - bis heute

streiten nämlich noch immer viele politisch

Verantwortliche einfach ab, dass

ihre Städte und Gemeinden ein Problem

mit der Überpopulation herrenloser

Katzen haben. Auch wir haben diese

Fehleinschätzung öfter hören

müssen. Die Gemeinde Stuhr war die

einzige Vertragsgemeinde, die uns in

diesem Punkt ernst nahm und uns half,

die Verordnung durchzusetzen.

In Zusammenarbeit mit Vier Pfoten und

Tasso gründete der bmt das Bündnis

"Pro Katze", für das am 22. März 2012

der Startschuss im Tierheim Arche Noah

fiel (wir berichteten im “Recht der

Tiere” darüber). Doch schon vor dieser

Kooperation hatte das bmt-Tierheim in

Stuhr/Brinkum mit der Tierschutzorganisation

Vier Pfoten die gemeinsame

Anstrengung unternommen,

über 100 verwilderte

Katzen kastrieren

zu lassen.

Im Rahmen des Dreierbündnisses

kamen dann

weitere Kastrationsaktionen

hinzu, und tatsächlich

hat sich unsere Ausdauer

und Öffentlichkeitsarbeit

bezahlt gemacht:

Nahezu eineinhalb

Jahre später verabschiedet

nun auch der

Landkreis Diepholz eine

Kastrations- und Kenn-

zeichnungspflicht für

freilaufende Katzen. Die

Regelung gilt seit 1. Oktober

2012.

... erfordert immer einen

immensen Pflegeaufwand.

Wie konsequent die Verordnung in der

Praxis angewendet bzw. umgesetzt

wird, muss sich zeigen. Für uns ist sie in

jedem Fall ein wichtiger politischer Impuls,

der uns dabei hilft, uneinsichtige

Katzenbesitzer von der Notwendigkeit

der Katzenkastration, des Chippens

und Registrierens zu überzeugen.

TH ARCHE N OAH

Kastrierte Katzen

leben länger

Bei der Kastration von Katzen geht es

nicht allein um die Populationsregulierung.

Kastrierte Katzen haben aus verschiedenen

Gründen eine höhere

Überlebenschance: Sie rasen nicht

mehr blind vor "Liebe" über die Straße

oder müssen erschöpft von der Laktation

Futter für sich und den Nachwuchs

besorgen. Eine Trächtigkeit kann das

(durch Mangelernährung beeinträchtigte)

Immunsystem noch weiter schwächen,

so dass Krankheiten ausbrechen

können und die Gesundheit des gesamten

Wurfes gefährden. Unkastrierte

Kater lassen sich viel eher auf Kämpfe

mit Artgenossen ein - und auch auf

diese Weise können Krankheiten übertragen

und verbreitet werden. Der Aktionsradius

freilaufender Katzen verringert

sich durch eine Kastration

erheblich.

Dass kastrierte Katzen angeblich weniger

Mäuse fangen, die Kastration ein

gravierender Eingriff in die Natur des

Tieres ist und der Kater seinen Geschlechtstrieb

ausleben muss, um gesund

zu bleiben (oder einfach seinen

"Spaß" braucht), sind überholte Vorurteile.

Diese Fehlmeinungen verantworten

den Tod unzähliger Katzen auf der

Straße, die Verbreitung von Krankheiten

und die Überfüllung der Tierheime.

Scheue Hofkatzen werden mit

einer Katzenfalle gefangen und

anschließend kastriert

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

28

KOLUMNE

Von An

und ho

Von Tierheimleiter

Eine der wichtigsten, wenn nicht die

wichtigste Eigenschaft im Umgang

mit Tieren ist Geduld. Eine Charaktereigenschaft,

über die ich verfüge

und die sich bei meiner Arbeit im

Tierheim als Teil eines Überlebenstrainings

herausgestellt hat. Für

mich gibt es täglich Situationen, die

sich lebensgefährlich auf meinen

Blutdruck auswirken könnten. Adrenalin-Schübe

schwappen bedenklich

tosend durch meine Hirnwindungen,

und auch das leichte Zittern meiner

Hände verrät einiges über den Gemütszustand.

Dabei stehe ich in solchen Situationen

nicht einem zähnefletschenden

Vierbeiner gegenüber - was weniger

nervenaufreibend wäre - der Grund,

warum ich Nervenstränge brauche,

die so dick wie Ankertaue sind, ist

der tägliche Umgang mit den lieben

Zweibeinern

Ich kenne keine Tätigkeit, an die so hohe Erwartungen

gestellt werden, wie an den Tierschutz.

Wir müssen für die Tiere alles möglich

machen und das sofort! Und auf keinen Fall

darf es etwas kosten. Es geht ja um die Tiere

- und ihr seid die Tierschützer! Wobei kein

Mensch darüber nachdenkt, dass wir die einzigen

sind, die sich kümmern.

Der Rest der Menschheit nutzt die Tiere aus

und verdient Milliarden daran. Wir Tierschützer

dagegen dürfen dankbar sein, dass man

uns großzügig erlaubt, uns der Tiere anzunehmen,

für die keiner Verwendung hat. Und


sprüchen

hen Erwartungen

Frank Weber

aus denen sich keine Profite mehr erwirtschaften

lassen. Ein kurzer Anruf, eine

mail an den Tierschutz genügen und

schon hat man die Verantwortung in andere

Hände gelegt ... Wie wir das machen

sollen, interessiert in wahrsten Sinne

des Wortes kein Schwein.

Das Wort "Notfall" klebt mir von morgens

bis abends an den Hacken und

gibt nicht mal im Schlaf Ruhe. Es tönt

aus dem Telefonapparat, steht vor dem

Tierheimtor und greift aus dem Computer nach mir. Da kann

man leider nur sagen - bitte hinten anstellen, es sind noch

ungefähr hundert Probleme vor Ihnen dran. Bitte ziehen Sie

eine Nummer! Oooommm, Weber, kein Adrenalin, fasse

dich in Geduld! Und um das mal ganz glasklar zu sagen -

das sind alles Probleme, die ich nicht verursacht habe.

Ich habe das Tier nicht falsch erzogen, ich habe keine Probleme

mit Vermietern oder Nachbarn, bin nicht geschieden

oder wohnungslos, muss nicht in die Psychiatrie oder habe

eine Allergie. Es sind nicht meine Kinder,

die die Kaninchen nicht versorgen, ich

habe nicht vor, auszuwandern und meine

Ersparnisse reichen dazu aus, eine

Katze kastrieren zu lassen und ihr Futter

zu kaufen. Ach ja - und ich bin definitiv

auch nicht schwanger ...

Wenn es Probleme mit einem vermittelten

Tier gibt, ist die Schuldfrage bereits

im Vorfeld geklärt. Da stellt niemand

mehr die Frage nach dem Vorbesitzer -

das Problem kommt aus dem Tierheim,

und damit ist der Schuldige sofort identifiziert.

Entweder "ballern" wir die Tiere

zu schnell raus oder wir wollen keine

Tiere "loswerden". Dass wir für unsere

Schützlinge auch noch ´ne Schutzge-

Franziskus-Tierheim

Geschäftsstelle Hamburg

Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg

Leiter: Frank Weber

Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32

Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37

Haspa, BLZ 200 505 50,

Konto 1049220799

Verwerfliche Der Leiter des Denunziation

Franziskus-

Tierheims von Tierschützern Frank Weber

F RANZISKUS-TIERHEIM

bühr verlangen (die nicht mal die Tierarztkosten

deckt) ist eine Unverschämtheit,

dass man die Tiere nicht reservieren

kann, bis der Interessent in sechs Monaten

umgezogen ist, empfindet man als

Anmaßung.

Und dass ein Tier im Laufe seines Lebens

auch mal krank wird, hat natürlich mit

dem Aufenthalt im Tierheim zu tun. Dazu

wird man täglich belogen, angepöbelt

und erpresst. Wenn Sie das jetzt nicht

nehmen, setz´ ich es aus - ich finde das eine großartige Argumentation,

bei der sich eine Frage aufdrängt: Wer trägt die

Verantwortung für sein Tier? Der Tierschutz oder derjenige,

der sich ein Tier anschafft? Die landläufige Meinung ist tatsächlich

- der Tierschutz!

www.franziskustierheim.de

Was wiederum meinen Blutdruck bedenklich in die Höhe

schießen lässt. Denn diese Auffassung ist nicht nur eine bodenlose

Unverschämtheit, das ist auch eine Respektlosigkeit

vor den Menschen, die sich uneigennützig

für Tiere einsetzen. Die Verantwortung

liegt beim Besitzer - so einfach ist

das. Michael Aufhauser, der Gründer

von Gut Aiderbichl, mein Lehrmeister in

Sachen Tierschutz hat mir Folgendes

mitgegeben:" Die Leute kommen zu dir,

um ein Problem loszuwerden - wenn du

dich darauf einlässt, ist es dein Problem."

Und damit muss ich leben, genauso wie

mit der Tatsache, dass ich alleine die

Welt nicht retten kann. Egal, was die

Menschen von mir erwarten. Und genau

deshalb brauche ich einen endlosen Geduldsfaden,

so dick wie ein Ankertau,

ooommmm, Weber, ooommmm ...

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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Taube

Nüsschen

Piratenbräute und

Glückliche Vermittlung

von Katzen mit Handicap

Sie flirten mit der Kamera, blinzeln, versuchen mit dem Pfötchen

den Lichtblitz zu erhaschen, den sie zwar sehen, aber nicht hören

können. Das weiße Geschwisterpärchen ist taub - und aufgrund ihres

Handicaps als Notfallvorstellung für dieses aktuelle RdT-Magazin

vorgesehen. Doch dann kommt ein junges Paar aus Göttingen

ins Katzenhaus, um unter den fast 100 Schützlingen die Tiere

auszusuchen, die aus den unterschiedlichsten Gründen eine erschwerte

Vermittlungschance haben. Wie Simba und Kimba, unsere

"tauben Nüsschen", so ihr liebevoller Kosename.

"Es ist großartig", sagt die Leiterin des

Katzenhauses, Monika Bossmann,

"dass es immer wieder Menschen gibt,

die gerade gehandicapten Tieren helfen

wollen und dafür alle erdenkliche

Mühe in Kauf nehmen."

Zu den besonderen Sorgenkindern des

Katzenhauses gehörte in diesem Jahr

u.a. Shira. Die Katze war als Jungtier

aus dem Fenster gestürzt und nach der

nicht behandelten Verletzung gelähmt

geblieben. Der Tierarzt machte zwar

Hoffnung, dass die Katze eines Tages

wieder würde laufen können, doch

neue Besitzer zu finden, die mit Shira

regelmäßig zur Physiotherapie gehen

und mit ihr Bewegungsübungen machen

würden, hielt Monika Bossmann

für nicht ganz einfach. Bis eben diese

ganz besonderen Menschen ins Katzenhaus

kamen und bereit waren, die

Verantwortung für die kleine Patientin

zu übernehmen …

Auch Merles Vermittlungschancen

schienen durch den Verlust ihres Auges

erheblich eingeschränkt - und umso erleichterter

waren die bmt-Mitarbeiter,

als ihre einäugige "Piratenbraut" über-

raschend schnell ein schönes und für

Katzen unendlich aufregendes Zuhause

fand, wie man auf dem Bild sieht.

Ein Glücksfall für das Katzenhaus war

ebenfalls die Vermittlung ihrer scheuesten

Katzen. Zwölf Jahre lang hatte

zum Beispiel die Menschen gegenüber

äußerst zurückhaltende Emily im Katzenhaus

verbracht, bis eine - gerade

mit schüchternen Samtpfötchen vertraute

- Katzenliebhaberin die 13jährige

Katze gemeinsam mit Lisa und Tigerlilly

bei sich aufnahm. Zwei weitere

Scheue, Lenny und Frieda, durften etwas

später ebenfalls ihre "Köfferchen

packen".

SIMBA & KIMBA

PIRATENBRAUT

Und während im Katzenhaus jedes Tier,

ob blind, taub, dreibeinig, gelähmt

oder anderweitig erkrankt, liebevolle

Fürsorge zuteil wird, setzte wenige hundert

Meter weiter ein Mensch bewusst

das Leben seiner Tiere aufs Spiel. Als

bmt-Mitarbeiterin Silvia Koch mit ihrem

Mann Anfang Mai auf dem Fahrrad an

dem Restaurantparkplatz vorbeiradelt,

sieht sie zwei Kaninchen dicht am Rand

der befahrenen Straße hoppeln. "Haben

Sie denn gar keine Angst, dass die

beiden überfahren werden könnten?",

fragt sie besorgt. Nein, antwortet der

Tierhalter, er bräuchte sie nicht mehr

und die Enkel hätten ohnehin das Interesse

verloren.

Das Ehepaar fängt die Zwergwidder

ein und sieht sofort, dass die Kaninchendame

krank ist. Sie hat am Hals

einen Abszess in der Größe eines Tennisballs,

der gleich am nächsten Morgen

von einem Tierarzt entfernt wird.

Über 14 Tage muss die Wunde gespült

und Kaninchen Brownie medikamentös

behandelt werden. Weil der Eiter

bereits den Unterkiefer angegriffen


MERLE

hatte, musste

auch ein Zahn

gezogen werden.

Obwohl sich der

Abszess nach

sieben bis acht

Wochen neu bildet

und jedesmal

tierärztlich

versorgt werden

muss, ist Brownie

ein fröhliches und munteres Kaninchen,

das in bezaubernder Weise ihrem

Freund Cookie zugetan ist.

Die kosten- und zeitintensive Behandlung

Die Quarantäne wurde 1992 mit finanzieller

Unterstützung der bmt-Geschäftsstelle

Berlin erbaut und leistet uns nun

seit über 20 Jahren gute Dienste. In den

zwei Jahrzehnten beherbergte sie Hunderte neugeborener

Katzenbabies mit ihren Müttern, kranke Katzen, frisch operierte

Tiere oder gefundene Katzen, die erst einmal für einige

Zeit unter Beobachtung stehen müssen, weil man nicht

weiß, ob sie möglicherweise eine Erkrankung in sich tragen.

Und nun ist die Quarantäne selbst zum "größten Sorgenkind"

des Katzenhauses geworden. Aufgrund von Baumängeln im

Dachbereich des Außengeheges konnte jahrelang ungehindert

Regen- und Schmelzwasser die Außenmauern entlanglaufen.

Diese Feuchtigkeit hatte zu einem Algen- und Pilzbefall

geführt, der - durch Frostschäden verstärkt - schwerwiegende

Schäden im Mauerwerk verursacht hatte.

Unter aktiver Mitarbeit von Ehrenamtlichen wurden in diesem

Frühjahr der gesamte Putz der Quarantänestation

abgetragen sowie ein Teil des Mauerwerks der

Außenanlage. Danach wurden die Flächen behandelt,

mit Schutzanstrich versehen und versiegelt.

Doch nun muss konsequent auch das Schrägdach

der Außenanlage ersetzt werden, um das Mauerwerk

nicht erneut durch eindringende Nässe zu

schädigen. Weil die alten Materialien des Daches

nicht mehr zu nutzen sind und selbst ein Austausch

das ursächliche Feuchtigkeitsproblem nicht

lösen würde, steht nun eine grundlegend neue

Dachkonstruktion an. Wie dieses Dach beschaffen

sein muss, welches Holz die größte Stabilität

und Widerstandsfähigkeit gegenüber

BROWNIE

& COOKIE

K ATZENHAUS L UTTERTAL

erschwert die Vermittlung der beiden

Zwergwidder. Aber vielleicht gibt es doch

noch einige mehr von diesen besonderen

Menschen, die ein Herz für, wie auch immer

gehandicapte, Tiere haben?

Brownie und Cookie haben schon einmal

großes Glück gehabt, als das Ehepaar

Koch sie vor dem drohenden Tod auf der

Straße rettete - vielleicht findet sich jemand,

der den Kaninchen ein schönes Leben

bieten möchte?

Gleichfalls würden wir uns über Spenden freuen, die uns ermöglichen,

Tieren wie Brownie oder Shira schnell zu helfen

und ihnen die tiermedizinische Versorgung zukommen zu lassen,

die sie so dringend benötigen.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Monika Bossmann

Große Baustelle: Die Quarantänestation

muss komplett renoviert werden

Witterungseinflüssen aufweist, werden die Analysen von Experten

und Handwerkern klären.

Derzeit holen wir Kostenvoranschläge ein, die im Hinblick auf

die Qualität des Holzes und der weiter benötigten Materialien

sicher nicht gering ausfallen werden. Wir möchten mit

den notwendigen Arbeiten noch unbedingt vor Einbruch der

Frostperiode beginnen - und hoffen dabei auf Ihre tatkräftige

und vor allem auch finanzielle Unterstützung. Denn für

das Katzenhaus stellt eine solch umfangreiche, kostenintensive

Renovierungsmaßnahme eine kaum zu schulternde Herausforderung

dar.

Wenn Sie sich also mit Spenden an dem Bauprojekt beteiligen

möchten, freuen wir uns sehr. Genauso natürlich auch

über Ihre Bereitschaft, einem unserer Tiere ein schönes Zuhause

zu schenken oder uns mit einer Patenschaft bei der Versorgung

nicht mehr vermittelbarer Katzen zu unterstützen.

"Katzenhaus Luttertal"

Luttertal 79,

37075 Göttingen

Leiterin (TH): Monika Bossmann

Tel. (0551) 2 28 32

Postbank Hannover,

BLZ 250 100 30, Konto 732 223 06

www.katzenhaus-luttertal.de

Vielen Dank

im Voraus für

Ihre wichtige Hilfe!

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

32

In freier Wildbahn legen Bären Hunderte

Quadratkilometer auf der Suche

nach Nahrung zurück. Die Wildtiere

haben ein ausgeprägtes Erkundungsverhalten;

sie schwimmen sehr gut,

können Laufgeschwindigkeiten bis zu

50 km/h erreichen und graben Höhlen

für ihre Winterruhe. Nicht eines ihrer

arttypischen Bedürfnisse können Mutter

und Tochter in dem Bärenzwinger befriedigen

- brauchen sie auch nicht, argumentiert

der Berliner "Verein für Bärenfreunde",

die Tiere bekämen ja alles

vorgesetzt, selbst für eine Fußbodenheizung

im Backsteinhäuschen wurde

1992 gesorgt.

Die ehrenamtlich engagierten "Bärenfreunde"

gehören zu den erbittertsten

Gegnern einer Umsiedlung. Für ihr

Ziel, die bedauernswerten Bärinnen in

der Stadt zu halten, reden sie die armselige

Gefangenschaftshaltung schön.

� Zu wenig Platz? Kein Problem, die

Tiere müssen ja nicht auf anstrengende

Futter- und Partnersuche gehen

� Mangelhafte Bademöglichkeit im

flachen Becken und im schwer erreichbaren

Wassergraben? Ebenfalls unproblematisch,

da Bären ausgezeichnete

und geschickte Kletterer seien

� Keine Versteck-, Kletter- und Beschäftigungsmöglichkeiten

auf dem beengten

Gelände? Falsch, das Areal sowie

die Einrichtung genügten den

tierschutzrechtlichen Vorgaben, außerdem

sorgten die Pflegerinnen für "liebevolle"

und "abwechslungsreiche" Beschäftigung.

So werde u.a. das Futter in

verschiedenen Höhen in Laubästen

aufgespießt und Nüsse und Rosinen in

den mit Rindenmulch bedeckten Betonboden

gestreut

� Keine Möglichkeit zum Graben von

Höhlen? Auch dies hält der "Verein für

Bärenfreunde" für unnötig, weil die Bärinnen

"Winterruhe" im beheizbaren

Backsteinhäuschen hielten

� Verhaltensstereotypien, wie bei

Maxi und Schnute am unentwegten

Schwenken des Kopfes sofort erkenn-

Keine Freiheit

MAXI UND

In Berlin fiel vor zehn Jahren die Entscheidung, den Tierschutz im Grundgesetz

zu verankern - und in derselben Stadt werden heute zwei Braunbärinnen

in einer Form zur Schau gestellt, die weder tierschutzgerecht

noch zeitgemäß ist. Seit 31 Jahren lebt die Bärin Schnute im ca. 480 Quadratmeter

großen betonierten Bärenzwinger am Köllnischen Park

(nebenstehendes Bild). In diese Welt, die nach wenigen Schritten an ihre

Grenzen stößt, gebar sie 1986 ihre Tochter Maxi.

Immer wieder haben Tierschutzorganisationen Vorstöße unternommen, den verantwortlichen Bezirk

Mitte zur Aufgabe der äußerst umstrittenen Bärenhaltung zu bewegen - vergeblich. Der bmt bot mehrfach

bei Übernahme sämtlicher Kosten die Umsiedelung in ein artgemäßes Umfeld in den Wildpark

Johannismühle an, zuletzt im Mai und Oktober dieses Jahres. Am 22. November sollte nun erneut über

die Zukunft der mittlerweile hochgradig stereotypen Wildtiere entschieden werden, doch der Bezirk

vertagte die Diskussion - und macht damit wieder einmal deutlich, welchen Stellenwert er dem Tierschutz

einräumt.

bar? Falsch, mehrere Experten hätten

vor Jahren "Fell und Gangbild" gelobt

und den Allgemeinzustand der Bären

für gut befunden.

Der für Maxi und Schnute verantwortliche

Bezirk Mitte hingegen gesteht den

Kritikern des Bärenzwingers durchaus

zu, dass "das Halten von Wildtieren in

einem Gehege dieser Art nicht mehr

zeitgemäß und durchaus sehr kritisch

zu betrachten" ist. Aber er betont auch

in seinem Schreiben an den bmt (27.

September 2012), das "nach derzeitiger

Rechtslage die Haltung der beiden

Bären nicht zu beanstanden ist."

Grundlage für diese Beurteilung ist das

"Gutachten über die Mindestanforderungen

an die Haltung von Säugetieren".

Das Säugetiergutachten, herausgegeben

vom Bundesministerium für

Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

(BMELV), legt für zwei

Braunbären 150 Quadratmeter Mindestfläche

fest, 20 Quadratmeter extra


für Berliner Bären

SCHNUTE - OPFER EINER ÜBERHOLTEN TRADITION

für jeden weiteren Bären. Seit 2011

werden die unter Fachleuten als überholt

geltenden Mindestanforderungen

überarbeitet. Ende des Jahres soll der

neue Entwurf, an dem auch der bmt

mitgewirkt hat, vorliegen.

Weil bereits im Frühjahr absehbar war,

dass für die Haltung von Braunbären in

zoologischen Einrichtungen größere

Außengehege als bisher empfohlen

werden, wendete sich die Geschäftsstelle

Berlin an den Bezirk Mitte und bot

im Hinblick auf die zu erwartenden

strengeren Vorgaben abermals die

Umsiedelung in den Wildpark Johannismühle

an.

Auf dem ca. 100 Hektar großen Gelände

leben heimische Wildarten in großen

Freiläufen. Der Wildpark mit seiner einmaligen

Wald-, Wiesen- und Teichlandschaft

liegt vor den Toren Berlins, im

Übergang vom Baruther Urstromtal zum

Fläming. Im Wildpark Johannismühle

fanden auch die beiden bmt-Grauwölfe

Akela und Rufus einen artgemäßen Lebensraum

vor.

In der Nähe des Wolfsgeheges könnten

nun auch Schnute und Maxi auf einem

über 16.000 Quadratmeter großen

Gelände leben. Das strukturierte Areal

Infos in Kürze

� Der Bärenzwinger wurde 1939 errichtet.

55 Bären lebten hier, zeitweise

vier Bären gleichzeitig

� Der Unterhalt der Bären mit Instandhaltung

und Pflege des Areals

soll den Bezirk ca. 90.000 Euro im

Jahr kosten

� Im Oktober 2012 wurde das Berliner

Bärenbündnis gegründet. Partner

sind: Deutsches Tierschutzbüro, animal

public, bmt, Aktion Tier, Albert Schweitzer

Stiftung und TASSO.

Infos und Protestaktionen unter :

www.baerenzwinger-berlin.de

böte Mutter und Tochter Platz zum

Schwimmen, Laufen und Graben von

Höhlen. Das Gelände wäre im Frühjahr

2013 bezugsfertig - rechtzeitig,

wenn die Bärinnen aus ihrer "Winterruhe"

erwachen (Bild unten).

19.10.2012. Protestaktion des

bmt-Berlin vor Bärenzwinger

Wildparkleiter Frietjof Barnisch würde

sich über seine neuen Gäste freuen. Er

hat neben Eisbären, Polarwölfen und

Großkatzen bereits Braunbären aus

schlechten Haltungsbedingungen aufgenommen.

Die ehemaligen Zirkusbären

könnten die Nachbarn von Schnute

und Maxi werden - und ihnen zeigen,

wie man sich als Braunbär fühlt, der

erstmalig in seinem Leben einen weichen

Boden unter den Tatzen spürt.

� Schnute und Maxi zeigen schon

lange Verhaltensanomalien wie das

Herumwerfen des Kopfes. Laut Experten

treten Stereotypien ausschließlich in

Gefangenschaftshaltungen auf. Bei einer

Umsiedelung in einen artgerechten

Lebensraum legen die meisten Wildtiere

sie wieder ab

G ST B ERLIN

Geschäftsstelle Berlin

Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin

Leiterin (GSt): Claudia Lotz

(030) 80 58 33 -38, Fax -39

claudia.lotz@bmt-tierschutz.de

Postbank Berlin,

BLZ 100 100 10, Konto 9603-107

www.tierschutz-bmt-berlin.de

Doch weil der Bezirk Mitte seit Jahren

diese überfällige Entscheidung für gelebten

Tierschutz vor sich herschiebt,

werden Maxi und Schnute wohl weiter

ihre "Winterruhe" in zwei Boxen, 8,5

und 11 Quadratmeter groß, halten

müssen. Und wenn sie erwachen, dann

ist ihre Welt genauso beschränkt wie

die langen 31 und 26 Jahre zuvor.

Helfen Sie uns dabei, den Bärinnen

noch viele schöne Lebensjahre zu ermöglichen.

Im März 2013 soll erneut

über die Zukunft der Bärinnen abgestimmt

werden.

Bis dahin haben wir für Sie ein Protestschreiben

vorbereitet, dass Sie unter

www.baerenzwinger-berlin.de

(Rubrik Aufrufe) bitte zahlreich unterzeichnen.

Je mehr Berliner sich daran

beteiligen, desto wahrscheinlicher,

dass sich der verantwortliche Bezirk

Mitte nicht über die Mehrheitsmeinung

der Bürger hinwegsetzen wird.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Jan Peifer

� Gegen einen vorsichtigen und verantwortungsvollen

Transport der Bären

- auch bei fortgeschrittenem Alter - gibt

es aus tiermedizinischer Sicht nichts

einzuwenden, sagt der Berliner Tierschutzbeauftragte,

Dr. Klaus Lüdcke.

Mehr Infos zum

Wildpark Johannismühle:

www.wildpark-johannismuehle.de

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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Jack,

Warum Tierheimhunde

echte Freunde brauchen …

Ruth

Am Wochenende steht er früh auf, nimmt die erste Fähre von Norderney nach

Hage, fährt vom Hafen zum Tierheim mit dem Fahrrad, um dann vier Stunden

mit einem Hund zu laufen. "Jack ist mein Freund", sagt Holger Wirringa. "Ich

liebe ihn und möchte ihm gerne so gut helfen, wie ich nur irgendwie kann."

Kommt Ihnen das bekannt vor? Im Juni 2008 hatten wir Holger Wirringa besucht,

um die Geschichte des Huskys Bernd aufzuschreiben, der nach sehr viel

persönlichem Einsatz des Familienvaters auf die Nordsee-Insel umgezogen war

(RdT 2/2008). Bernd ist nach glücklichen Jahren in der Familie inzwischen verstorben

- und wieder schlägt das Herz des dreifachen Hundebesitzers für einen

Schützling mit äußerst schlechten Vermittlungschancen.

Jack, ein Australian Shepherd, wurde vor drei Jahren ins

Tierheim gebracht. Seitdem lebt der ca. acht Jahre alte Rüde

im Freigehege mit eigener Hundehütte. Bislang interessierte

sich niemand ernsthaft für ihn - bis auf Holger Wirringa.

Wie schon bei Husky Bernd setzt er auf Vertrauensaufbau

durch abwechslungsreiche lange Wanderungen und gemeinsames

Spiel.

Von Jack sehnsüchtig

erwartet, nimmt der

Berufstätige jedes Wochenende

die langen

Anfahrtswege von der

Insel in Kauf, um mit

seinem Freund Wald,

Feld und Flur zu erkunden.

Dabei versucht

er mit viel Einfühlungsvermögen

den Australian Shepherd

zu mehr

Gleichmütigkeit im

Umgang mit Kindern,

Radfahrern und Autos

zu bewegen. "Es ist

halt ein Job für den Menschen am anderen Ende der Leine,

Ereignisse oder Umstände kommen zu sehen und rechtzeitig

zu handeln", beschreibt er die Verantwortung des Hundehalters,

sein Tier auf dem Weg zu einem (sozial)verträglichen Familienmitglied

zu begleiten.

Gerade hat Holger Wirringa in seiner knappen Freizeit für

& Arthus

Ruth hat sich viel Zeit genommen, um die

"richtigen Menschen" zu finden.

Jack eine winterfeste Hundehütte

getischlert und überlegt

sich nun, wie er seinem

Freund das Tierheimleben

noch versüßen kann. Denn

das Wichtigste, ein eigenes Zuhause, wird er ihm dieses Mal

wohl nicht bieten können. Schon bei der Aufnahme von Husky

Bernd vor vier Jahren war seine Ehefrau

nicht begeistert vom Hundezuwachs, der

schwer mit der bereits im Haushalt lebenden

Ersthündin zu vergesellschaften war. Inzwischen

gehören drei Hunde zur Familie, denen

Eltern und Kinder neben Schule, Haushalt und

Berufstätigkeit gerecht werden müssen.

Doch ist ein wenig Träumen erlaubt, mögen

sich der Mann und sein neuer Freund denken,

wenn sie gemeinsam durch den herbstlichen

Blätterwald laufen - und manchmal hält das

Leben ja auch Überraschungen bereit.

Ruth hat das gerade erlebt. Über die schwarze

Mischlingshündin, die im März 2010 mit

fünf Jahren ins Tierheim kam, haben wir in

unserem Magazin wohl am häufigsten berichtet.

Erst über ihre komplizierte Vorderlauf-Operation in der

Tiermedizinischen Hochschule Hannover und über ihre überraschend

schnelle Vermittlung nach Köln. Zwei Mal lief sie ihren

neuen Haltern davon und konnte erst nach vier Wochen

mit Hilfe von Vorstandsmitglied Karin Stumpf und des bmt-

Tierheims Köln-Dellbrück wieder eingefangen werden.


Die wochenlange Odyssee hatte

die OP des rechten Vorderbeins

annähernd zunichte gemacht.

Dr. Ely, Tierarzt aus

Norden, entschloss sich, das

Vorderbein noch einmal zu

operieren. Die Hündin musste

das Laufen wieder neu erlernen

und blieb zur besseren Behandlung

über Wochen in Dr. Elys

Praxis. Der Tierarzt hatte eine

Patenschaft für Ruth übernommen,

die sich auf die gesamte

tiermedizinische Versorgung erstreckte.

So entstanden dem

Tierheim Hage keine Kosten für

die aufwändige Behandlung.

Obwohl Ruth sich im Tierheim

sehr wohl zu fühlen schien, legte

sie ein Verhalten nicht ab, das

ihre Vermittlungschancen denn

auch gegen Null gehen ließ:

Sie fürchtete Männer und ließ

sich dabei kaum eines Besseren

belehren. Doch eines Tages

machte sie etwas ganz Ungewöhnliches:

Ein Ehepaar saß auf

der Bank vor dem Tierheim - und

Ruth, die männerscheue kleine

Hündin, legte sich auf die Füße

des Mannes, ruhig und voller Vertrauen. Die Besucher nahmen

das "Angebot" erfreut an, obwohl sie nicht einmal in der festen

Absicht gekommen waren, einen Hund aufzunehmen.

Auf solch einen Glücksfall im Leben wartet auch Arthus. Der

Bouviermischling hatte mit einem Artgenossen die ersten

zwei Jahre seines Lebens ausschließlich in einer 50 Quadratmeter

großen Wohnung verbracht. Die beiden Rüden

kannten nichts, konnten nicht einmal ihr Bein heben. Arthus

wurde nach seiner Befreiung schnell vermittelt und leider jetzt

wieder zurückgebracht, weil sein Halter ihm nicht mehr gewachsen

war. Arthus wird mit Diana Meier arbeiten, die im

Tierheim als "Hundehalter-Trainerin", wie sie von sich sagt,

die nicht ganz einfachen Hunde schult. Auch Merlin, den

zweiten in der Wohnung gehaltenen Hund, hat sie "familientauglich"

gemacht (s. RdT 3/2011) und ist auch hinsichtlich

Arthus Entwicklung zuversichtlich.

Eine erfolgreiche Meldung noch am Schluss: Im Frühjahr

startete ein Vorzeigeprojekt in der Region Norden. Die Gemeinden

Dornum, Hage, Norden, Großheide, Südbrookmerland

und Holtriem unterstützen in Zusammenarbeit mit

dem Tierheim Hage unter bestimmten Voraussetzungen Katzenbesitzer

bei der Kastration, Kennzeichnung und Registrierung.

Bei Vorlage der Bedürftigkeit wird die Kastration einer

T IERHEIM H AGE

Katze mit 50 Euro, die eines Katers mit 30 Euro bezuschusst.

Die Gutscheine für die Ermäßigung geben die ehrenamtliche

bmt-Mitarbeiterin Dorit Benninghaus und Frau Lindemann

von der Katzenauffangstation Westerende aus. Die Geschäftsstelle

Norden übernimmt die Abrechnung und Zahlung

der Gutscheinbeiträge an die teilnehmenden Tierärzte.

200 Katzen und Kater wurden seit Beginn der Gemeinschaftsaktion

vom Frühjahr bis November 2012 kastriert -

200 Tiere, die keinen Nachwuchs mehr in die Welt setzen

können, für den ein entbehrungsreiches und gefährliches Leben

in freier Natur vorprogrammiert wäre.

Toller Hund sucht starken Besitzer:

Bouviermix Arthus

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns mit einer Spende

oder Patenschaft für ein unvermittelbares Tier unterstützen

könnten. Jede Unterstützung von Ihrer Seite hilft uns, unsere

wichtige Tierschutzarbeit fortzusetzen.

Ursula Karge hat ein neues Motiv für das Tierheim Hage

entworfen. Wie in den vergangenen Jahren spendet die

Künstlerin aus Norden den Erlös aus dem Kartenverkauf

dem Tierheim. Über 600 Euro kamen auf diese Weise 2012

zusammen.

Das bezaubernde Wintermotiv kann in der Geschäftsstelle

Norden (s. S. 47) bestellt werden.

5 Karten kosten 10 Euro

(inklusive Versandkosten).

Geschäftsstelle Norden

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Leiter: Dieter Kuhn,

und Ursula Sottmeier

Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

Tierheim Hage

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank

Fresenae.G.Norden, BLZ 283 615 92

Konto 6302020300

www.tierheim-hage.de

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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Tierheimfreunde

beim großen Kölner

“Laternenlauf mit

Hunden”

DER LÄNGSTE SANKT

"Laternenla

Der heilige Sankt Martin wurde einst

dadurch berühmt, dass er trotz eisiger

Kälte seinen Mantel mit einem

Bettler teilte. Um seiner zu gedenken,

gibt es seit vielen Jahren in

ganz Deutschland Martins-Umzüge.

Auch wir leben davon, dass Menschen

Dinge mit uns teilen. Tierfreunde

spenden uns Teile ihres Geldes,

sie geben uns Teile des Futters

ihrer eigenen Tiere, und sie spenden

uns Teile ihrer Zeit, um für unsere

Schützlinge da zu sein.

Warum sollte Sankt Martin also nicht

auch ein ganz besonderes Fest für

Tiere sein?

Unter dem Motto: "Laternenlauf mit Hunden

- für unsere Hunde" luden wir am 11. November

Hundefreunde und ihre Vierbeiner

zu unserem ganz speziellen Sankt Martins-

Fest ein. Bereits seit acht Jahren gibt es diese

Veranstaltung, und auch 2012 ließen uns die

Kölner trotz Karnevalsbeginn nicht im Stich:

Mehr als 300 Tierfreunde samt vierbeiniger

Begleitung versammelten sich in der Dämmerung

auf unserem mit Kerzen und Lichtern

geschmückten Tierheimparkplatz, um dabei

zu sein und unsere Arbeit zu unterstützen.

Zunächst wurde jeder Teilnehmer gegen eine

Spende von neun Euro mit einem Weckmann,

einem Glühwein und natürlich einer Laterne

ausgestattet. Jeder Hund bekam sein eigenes

Blinklicht (vielen Dank an dieser Stelle an

www.vergleichen-und-sparen.de für 350

Blinkis!).


MARTINSZUG VON KÖLN

uf mit Hunden -

Als alle Laternen brannten, setzte sich der Zug aus Zwei- und

Vierbeinern durch unseren Tierheimwald in Bewegung. Begleitet

von Fackeln ging die kleine Wanderung auch quer

über unsere große Spazierwiese. Dort bot sich allen ein unvergessenes,

farbenfrohes Bild. Mit Stolz und Recht können

wir behaupten, dass es der längste, bunteste und fröhlichste

Martins-Zug in ganz Köln war.

Anschließend setzten sich viele noch auf einen Glühwein und

einen Plausch an unsere gemütliche Feuertonne, und endlich

gab es Gelegenheit, unsere vielen ehemaligen Schützlinge zu

begrüßen. Zu sehen, wie gut sie sich

entwickelt haben und wie glücklich sie

ihre Besitzer machen, ist für uns der

schönste Lohn unserer Arbeit.

Insgesamt konnten wir durch die Spenden

einen Betrag von über 2000 Euro

für unsere Tiere sammeln. Aber nicht

nur das Geld, sondern auch die einmalige

Atmosphäre dieses Abends lässt

uns jetzt schon sicher sein, dass es auch

2013 wieder einen Laternenlauf bei uns im Tierheim geben

wird.

Mit dem neuen Kalender möchten wir

Sie auf eine Reise durch unseren

bunten Tierheimalltag ein-

TH KÖLN-DELLBRÜCK

für unsere Hunde"

UNSER NEUER KALENDER IST DA -

“EIN TAG IN UNSEREM TIERHEIM"

TH Köln-Dellbrück

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Leiterin (GSt): Sylvia Bringmann

Leiter (TH): Bernd Schinzel

Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48

Postbank Köln, BLZ 370 100 50

Konto 924 02-505

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

laden. Schon morgens geht es oft turbulent zu, wenn unsere

Pfleger beim Wecken der Tiere mit Gebell, Miauen, Piepen

und Quieken begrüßt werden.

Sehen Sie, wie unsere Schützlinge einen ganzen Tag - von

Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang - verbringen, wie sie

aufstehen, spielen, Gassi gehen und natürlich von einem

neuen Zuhause träumen. Lernen Sie unsere Katzenseniorin

Sweety kennen, die immer als Erste wach ist, und treffen Sie

Mischlingshündin Kira auf ihrem Abendspaziergang durch

den herbstlichen Wald.

Unser Tierheim ist 24 Stunden besetzt,

und nicht selten kommen mitten in der

Nacht neue Tiere zu uns. Frühdienst,

Spät- und Nachtschicht gewährleisten

mit viel Liebe, Herz und Einsatz eine optimale

Versorgung unserer Schützlinge

rund um die Uhr.

Der Kalender kostet 6,- Euro. Sie können

ihn bei uns im Tierheim kaufen,

wir schicken ihn auch gerne zzgl.

2,- Porto zu Ihnen

nach Hause.

Text: Sylvia Hemmerling

Fotos: Oli Bolzano

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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Es

wird eng

im Tierheim

lisabethenhof

E

Katzenelend in der Wetterau

Am Feldrand kauern sich junge Kätzchen aneinander. Wenige

Meter entfernt liegt ihre Mutter im Gras, regungslos. Sie

wurde vom Auto erfasst, als sie auf der Suche nach Nahrung

die Straße überqueren wollte. Die Kleinen konnten rechtzeitig

gerettet und ins Tierheim Elisabethenhof gebracht werden.

Eine von vielen kleinen Tragödien, die immer wieder auf eines

verweisen: Die Notwendigkeit einer verpflichtenden Kastration

und Registrierung von Freigängerkatzen. Ohne diesen

gesetzlichen "Zwang" wird das Leid der herrenlosen Katzen

weiter zunehmen - und die Tierheime vor gewaltige Probleme

stellen. Der Elisabethenhof geriet bereits in diesem Jahr mehrfach

an seine Kapazitätsgrenzen …

In den vergangenen Jahren wurden

durchschnittlich 50-60 Katzen im Tierheim

betreut. "Im Moment versorgen

wir 85 Katzen", sagt Christian Werner,

"hatten in Spitzenzeiten aber auch

schon um die 100 Tiere." Was geschieht

mit den Katzen, wenn der Elisabethenhof

aus Platzgründen die Hilfe

verweigern muss? "Dann nehmen unsere

Mitarbeiter die Katzen mit nach

Hause und betreuen sie privat, was ich

immer wieder großartig finde", erklärt

der Tierheimleiter.

Doch das persönliche Engagement

täuscht nicht darüber hinweg, dass es

dringend einer bundesweiten Regelung

bedarf, die der ständigen Populationsvergrößerung

einen Riegel vorschiebt.

Neben dieser seit Jahren geforderten,

bundesweiten Kastrationspflicht sieht

Christian Werner noch einen Grund für

die derzeit dramatisch ansteigenden

Zahlen von Fund- und Abgabekatzen.

"Wer seine Arbeit verloren hat, sich

oder seine Familie von Hartz 4 ernähren

muss, wird ganz zuletzt an die Kastration

seines Tieres denken", vermutet

der Tierheimleiter.

Finanzielle Schwierigkeiten, aber auch

grundlegende Nachlässig- und Gleichgültigkeit

seien weitere Gründe für die

explodierende Zahl herrenloser Samtpfötchen.

"Interessiert mich nicht, ob mein Kater

die Nachbarskatze deckt. Sollen die

sich doch um ihre Katze kümmern, sie

kastrieren oder im Haus behalten", solche

Argumentation hört das Team vom

Elisabethenhof häufig - und trägt die

Folgen gleich mit. Zilly und Zoby sind

so ein Beispiel. Fast fünf Monate schlugen

sich die Jungkatzen in freier Wildbahn

durch, bis Tierfreunde sie völlig

entkräftet fanden. Seitdem sitzt das be-

ZILLY & ZOBY

Schon drei Jahre im Tierheim

EIN IN BILDERBUCH-B ILDERBUCH-BEA

EAGLE GLE: :

zaubernde Geschwisterpärchen im

Tierheim und wartet nun schon fast drei

Jahre auf ein endgültiges Zuhause.

Weil Zilly und ihr Bruder ein wenig

scheu sind, werden sie von Besuchern

schnell übersehen - das typische Los

zurückhaltender Katzen. "Dabei sind

die beiden Menschen gegenüber

durchaus zugetan und genießen Liebkosungen

sehr, wenn sie ihre Bezugspersonen

etwas besser kennen", erklärt

Christian Werner. Die einander innig

zugetanenen Katzen werden nur gemeinsam

(in eine Wohnungshaltung)

vermittelt.

Unabhängig von der derzeitigen Katzensituation

treibt den Tierheimleiter eine

sehr viel größere Sorge um. Tierheime

in der Wetterau, die Fundverträge

mit den Gemeinden abgeschlossen haben,

erhalten pro Einwohner ca. 40

Cent pro Katze. Seit einigen Monaten

macht jedoch das Tierzentrum Gelnhausen

mit "Dumpingpreisen" von sich

reden. Das von einem Tierarzt betriebene

Tierzentrum bietet den Gemeinden

Fundtierverträge zu weitaus "günstigeren"

Konditionen (20 Cent pro


BRUNO BRUNO

Einwohner) an. 23 Gemeinden haben sich bereits

auf die Zusammenarbeit mit dem Tierarzt eingelassen

und hinterfragen dabei nicht, was aus den

Tieren wird, die nicht vermittelt werden!

"Im Schnitt werden 90% der Fundhunde wieder

von ihren Besitzern abgeholt. Bei Katzen sind das

aber höchstens 10%", erklärt Christian Werner.

"Was geschieht also mit den vielen Katzen - immerhin

aus 23 Gemeinden -, die nicht wieder abgeholt

werden?" Das Tierheim Elisabethenhof, das

sich mit 15 Tierschutzvereinen zur Kooperation

"Gemeinsam besser"zusammengeschlossen

hat, hält das

Vorgehen vom

Tierzentrum

Gelnhausen für

unseriös.

BAGGI

Baggi (11) ist ein

sehr lieber und anhänglicher

Kater.

Er würde sich über

eine nette Familie

freuen, die ihm in

der Wohnung einenkatzensicheren

Balkon bieten

könnte.

TH ELISABETHENHOF

HENRY

Henry (ca. 3)

kam als Fundkater in unser Tierheim und war in einem äußerst

desolaten Zustand. Er hatte einen Kieferbruch, der lange stationär

behandelt werden musste. Außerdem ist er auf einem

Auge blind und sieht leider auch mit dem anderen nicht mehr

viel. Henry ist zurückhaltend, baut aber Vertrauen auf, wenn

er seine Menschen näher kennt und genießt dann Streicheleinheiten

sehr. Eine ruhige Familie, gerne auch mit einer

freundlichen Katze, wäre das richtige Zuhause.

Bruno (1,5) ist ein Beagle, wie ihn sich Freunde seiner Rasse

wünschen: Aktiv, intelligent, unternehmungslustig, sozialverträglich

und verschmust. Leider hatte der junge Rüde bislang

kein Glück mit seinen Besitzern: Unüberlegt angeschafft fühlten

sich seine ersten Halter schnell überfordert, und auch die

kommenden Besitzer zeigten wenig Geduld, sein Temperament

in die richtigen Bahnen zu lenken. Eine hundeerfahrene,

sportliche Familie wäre schön.

Tierheim Elisabethenhof hilft in Rumänien

Die umfangreichen Bauarbeiten im Tierheim, die nun endlich zum Abschluss gekommen sind, hatten auch etwas Gutes. Die

alte Kunststoffzwingerüberdachung wurde in das rumänische Targu Mures tranportiert,

wo in einer neuen Zwingeranlage Hunde ohne Hütten und Witterungsschutz

saßen.

Der bmt hat mit der Stadt Targu Mures einen Partnerschaftsvertrag für das Tierheim

geschlossen, in dem durchschnittlich 120 Tiere

betreut werden. Die Kunststoffplatten wurden nun

seitlich angebracht, um Wind und Regen abzuhalten.

Der bmt hat zudem den Bau von Hundehütten

in Auftrag gegeben und wird das Material

bezahlen. Die frierenden und mageren Hunde

können nicht warten, bis Budgetentscheidungen

gefallen sind.

Tierheim Elisabethenhof

Geschäftsstelle Hessen

Siedlerstraße 2, 61203 Reichelsheim

Tel. (06035) 96 11 11

Leiter (TH): Christian Werner

Tel. (06035) 59 16, Fax 96 11 18

Frankfurter Sparkasse,

BLZ 500 502 01, Konto 5975

www.tierheim-elisabethenhof.de

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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J UBILÄUMS-VERANSTALTUNG

60

Jahre

Obwohl sich der Himmel über dem Tierschutzzentrum

immer wieder bedrohlich

zuzog, Regenschauer und Windböen die

Zeltplanen peitschten, riss der Besucherstrom

an diesem Sonntag nicht ab. Am 7.

Oktober beging der bmt im Tierschutzzentrum

Pfullingen sein 60jähriges Jubiläum

mit Prominenten und zahlreichen Gästen.

Frank Weber (rechts) stellt den

neuen Geschäftsstellenleiter

Josef Mohr vor

Schauspieler Pierre Brice hatte ein

Grußwort geschickt, in dem er dem

bmt zu seiner langjährigen Tierschutzarbeit

gratulierte und die Menschen

aufforderte, einem rumänischen Straßenhund

ein liebevolles Zuhause zu

schenken. Er selbst könne sich ein Le-

ben ohne seine Princess, eine aus Brasov

gerettete Schäferhündin, nicht

mehr vorstellen, schrieb er in bewegenden

Worten (Bild S. 41).

Auch Rudolf Heß, Bürgermeister aus

Pfullingen, wünschte dem Verein

weiterhin viel Erfolg bei der Durchsetzung

seiner Ziele. Die Sensibilisierung

von Menschen hielt er im Angesicht der

drängenden Tierschutzprobleme für

überaus notwendig, ebenso wie das

konsequente Vorgehen gegen jegliche

Form des Tiermissbrauchs.

Wie umfangreich die

Tierschutzprobleme in

der heutigen Zeit sind

und wie mühsam die Anstrengungen

auf politischer

Ebene grundlegende

Verbesserungen

für die Tiere durchzusetzen,

machte der Jurist

Dr. Christoph Maisack

deutlich. In seinem Vortrag

zeigte der stellvertretendeTierschutzbe-

bmt

TIERSCHUTZZENTRUM FEIERT

MIT ZAHLREICHEN GÄSTEN

auftragte Baden-Württembergs die Defizite

auf, die der aktuellen Tierschutznovelle

aus Sicht von Fachleuten

weiterhin zugrunde liegen.

Zu diesem Zeitpunkt ging die Öffentlichkeit

noch davon aus, dass die Regierungskoalition

ihre Tierschutznovelle

am 9. November dem Bundestag zur

Abstimmung vorlegen würde. Danach

hätte das neue Tierschutzgesetz am 14.

Dezember vom Bundesrat abgesegnet

werden sollen, um dann Anfang Januar

2013 in Kraft zu treten. Doch offensichtlichverhindertenMeinungsverschiedenheiten

in

der Union und

FDP, die sich anders

als Bundesministerin

Ilse

Aigner für kein

Verbot des Schenkelbrandes

bei

Pferden und für

eine weitere Ver-

Dr. Christoph Maisack, stellvertretender Tierschutzbeauftragter

von Baden-Württemberg


längerung der betäubungslosen Ferkelkastration

bis 2019 aussprachen,

die abschließenden Beratungen.

Petra Zipp warf der Koalition in einer

Pressemeldung vor, nicht nur den Tierschutz

gänzlich zur Farce verkommen

zu lassen, sondern auch ein Vertragsverletzungsverfahren

zu riskieren, weil

die EU-Tierversuchsrichtlinie nun nicht

mehr fristgerecht (zum 1. Januar 2013)

umgesetzt werden kann.

Hätte Frank Weber bereits bei der Jubiläumsveranstaltung

von diesem neuerlichen

Versagen der Bundesregierung

in Sachen Tierschutz erfahren - er

wäre nicht erstaunt gewesen. Unter viel

Beifall sprach der Leiter des Hamburger

Franziskus-Tierheims und beliebter

Moderator von "hundkatzemaus" den

Gästen aus dem Herzen, wenn er den

gleichgültigen Umgang mit Lebewesen

anprangerte und eine zunehmende

Verrohung in der Gesellschaft feststellte.

"60 Jahre Tierschutz", sagte Frank

Weber, "sind kein Anlass zur Freude -

im Gegenteil: Diese sechs Jahrzehnte

schmerzen uns tief!"

Doch der Vox-Moderator, der an diesem

Tag durch die Veranstaltung führte,

machte auch Mut. "Solange sich

großartige Menschen für Tiere stark

machen, habe ich die Hoffnung, dass

sich der Tierschutz-Gedanke unaufhaltsam

ausbreiten wird." Und mit die-

Grußbotschaft von Pierre Brice.

Hier mit seiner geliebten Princess, gerettet aus

dem bmt-Partnertierheim Brasov/Rumänien

ser schönen Überleitung stellte Frank

Weber den neuen bmt-Geschäftsstellen-

leiter Baden-Württembergs vor

und wünschte ihm viel Erfolg bei seiner

ehrenamtlichen Arbeit.

Josef Mohr beglückwünschte seinerseits

Petra Zipp zu ihrem 35jährigen

bmt-Jubiläum und überreichte ihr unter

viel Gelächter einen Arm voll Gemüse,

frisch, bunt und gesund, wie er sagte.

Wie Ernährung und Bewegung zur Gesunderhaltung

von Mensch und Tier

beitragen, führte der Gesundheitscoach

aus Rottenburg in seinem Vortrag

aus.

Von links: Radost Bokel, Philip

McCreight, Petra Zipp

Josef Mohr wird außerdem für ein neues

Projekt verantwortlich sein, das Kindern

in Rumänien zugute kommen soll.

"Straßenhunde helfen Kindern" heißt

das Kooperationsprojekt zwischen dem

bmt und SanEthik e.V., über das wir

ausführlich in der kommenden "Recht

der Tiere"-Ausgabe berichten werden.

Nur kurz soviel: Das Projekt verfolgt

zwei Ziele: Die Zukunftschancen rumänischer

Kinder durch Bildung zu verbessern

und sie für einen respektvollen

Umgang mit Tier und Natur zu sensibilisieren.

Die Schirmherrschaft haben

Frank Weber, die SWR-Moderatorin

Tatjana Geßler und Schauspielerin Radost

Bokel übernommen.

Tatjana Geßler, den Gästen u.a. durch

"Tatjanas Tiervermittlung" vertraut,

TSZ PFULLINGEN

Tatjana Geßler zeichnet Preisträgerin

Monica Fernengel aus

ehrte anschließend Monica Fernengel

mit dem bmt-Auslandstierschutzpreis

Hope.

Die engagierte, berufstätige Tierschützerin

aus Rumänien hat nach zehnjähriger

aktiver Hilfe für Straßenhunde seit

September 2012 die Leitung des städtischen

Tierheims Sighisoara (Schäßburg)

übernommen. Dr. Christoph

Hammer, Oberbürgermeister der Partnerstadt

Dinkelsbühl, hat der Preisträgerin

schriftlich zu ihrem hohen persönlichen

Einsatz gratuliert.

Der bmt unterstützt die Tierschutzarbeit

von Monica Fernengel finanziell. Bitte

machen Sie es mit Ihren Spenden weiter

möglich, dass wir diese wichtige Hilfe

auch in Zukunft leisten können.

Vielen Dank.

Text: Claudia Lotz

Fotos: Burgermeister

Tierschutzzentrum

Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18

Leiter (Gst): Josef Mohr

Leiterin (TH): Petra Zipp

Tel. (07121) 820 17 20

Kreissparkasse Reutlingen,

BLZ 640 500 00,

Kto. 75 7889

www.tierschutz-bmt-bw.de

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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All seine Vorgänger hießen Armin. Und wie

seine Vorgänger sollte auch dieser Armin

das einsam gelegene Haus der alten Dame

bewachen, durfte nur die Küche und den

Hof betreten und blieb mit den Katzen alleine

zurück, wenn die Seniorin wieder einmal

ins Krankenhaus eingeliefert wurde.

Doch die letzte Abwesenheit von Haus und Tieren im

August 2012 sollte der endgültige Abschied aus ihrem

bisherigen Leben werden. Die demenzkranke 87jährige

konnte sich nicht mehr alleine versorgen - und die

ihr zugewiesene gesetzliche Betreuerin hatte die Umsiedelung

ins Pflegeheim entschieden.

Die Nachbarn übernahmen, wie in den vergangenen

Jahren auch, die Fütterung von Armin und den Katzen,

darüber hinaus blieben die Tiere sich selbst überlassen.

"Der ist ja verhaltensgestört, dieser Hund. Er wird

eingeschläfert", kündigte die Betreuerin fast vier Wochen

später an. Besorgt riefen die Nachbarn Dagmar

Weist an und baten sie um schnelle Hilfe für den gutmütigen

Berner-Sennen-Schäferhundmischling.

Die Geschäftsstellenleiterin traf sich umgehend mit

der Nachbarin der erkrankten Dame und wurde von

Armin freudig begrüßt. Von nun an kam sie täglich,

um mit dem ca. 45 Kilo schweren Rüden spazieren zu

gehen, der sieben Jahre ausschließlich in Haus und

Hof verbracht und kaum Menschen kennengelernt

hatte. In seiner Einsamkeit, berichteten die Nachbarn,

hatte Armin oft seine Freundin, eine große Katze, vorsichtig

im Genick durch den Garten getragen.

Inzwischen hatte die Betreuerin angekündigt, den Rüden

kastrieren, tiermedizinisch durchchecken und ins

Tierheim bringen zu lassen. Alle Pflegestellen der Geschäftsstelle

Issum waren zu diesem Zeitpunkt, Anfang

September, besetzt.

Da fiel Dagmar

Weist plötzlich

eine hilfsbereite

Tierfreundin aus

Ennepetal (nahe

Hagen, NRW)

ein, die vor Jahren

den Hunde-

Armin - nun in Teddy umgetauft - nahm

sein Zuhause sofort in Besitz und teilte

es selbstverständlich mit Ersthund Bonito


Der letzte

von vielen Armins

Wie Teddy zu seinem neuen Namen kam

senior Robin von ihr aufgenommen und liebevoll betreut hatte,

bis er in diesem Jahr verstarb. Würde Armin bei Christine

zum Bruch und ihrer Mieterin Heike Kirsch ein neues Zuhause

finden?

"Ich habe meinem Hund insofern die Entscheidung überlassen",

erklärt Christine zum Bruch, "weil ich nicht wusste, ob

Bonito einen weiteren Rüden akzeptieren würde." Doch Bonito

scheint zu wissen, was auf dem Spiel steht und ignoriert

den stattlichen Artgenossen bei dem ersten Spaziergang weitestgehend.

"Armin hat so maßlos gezogen", erinnert sich die

Tierfreundin, "dass ich schon einen Haufen Erziehungsarbeit

auf mich zukommen

sah."

Nach der gemeinsamen

Runde beschließen

Christine zum

Bruch und ihre

Freundin und Mieterin

Heike Kirsch, den

Sennenhundmischling

mit nach Hause

zu nehmen. Im Auto

werden die beiden

getrennt sitzenden

Hunde mit einem Knabberstreifen beruhigt - und Armin, der

die ersten Kilometer noch verunsichert gewinselt hatte, lässt

sich beruhigt auf seine Pfoten sinken und genießt das unbekannte

Leckerlie. Nach siebenjähriger Ernährung mit Trocken-

und Katzenfeuchtfutter, kaum Bewegung und Beschäftigung

hat der Rüde Hautekzeme, Übergewicht, keine

Muskulatur und Hüftprobleme, wie der Tierarzt wenig später

feststellt.

Waren sich die Freundinnen anfänglich nicht einig, ob sie

den neuen Hausgenossen als Pflegestelle betreuen oder ihn

endgültig adoptieren sollten, wurde ihnen diese Entscheidung

ganz einfach abgenommen. Denn Armin, der sofort in

Teddy umgetauft wurde, nahm das Haus in Besitz, als habe

er sich das Leben mit seinen neuen zwei- und vierbeinigen

Freunden hier schon immer geteilt.

Weil er Bonito und Christine zum Bruch nicht auf der Lami-

Text: Claudia Lotz

Fotos: Christine zum Bruch

G ST I SSUM

nattreppe ins Obergeschoss

folgen konnte, wurde Teddy offiziell

von Heike Kirsch aufgenommen,

die das Erdgeschoss

bewohnt. "Ich habe mir immer

hundefreundliche Mieterinnen

gesucht", sagt Christine zum

Bruch, "mit denen ich mir die

Versorgung der Hunde geteilt

habe. So kann jede von uns beruhigt

zur Arbeit gehen, weil sie

weiß, dass die andere

in ihrer Abwesenheit

ja für die Hunde sorgt."

Während sich Teddy die ersten Tage kaum alleine

in den Garten wagt, zu zerbrechlich scheint

ihm seine neue Gemeinsamkeit, so fasziniert ist er

von der bislang unbekannten Erfahrung des Spazierengehens.

Kaum nimmt er andere Hunde

wahr, ihn interessieren das Laufen, die Gerüche,

die Geräusche, seine Umwelt, die ihm so lange

verschlossen blieb.

Doch Schritt für Schritt tastet er sich in sein neues

Leben: Mittlerweile begrüßt er andere Hunde,

spielt mit ihnen, läuft vorbildlich - und vor allem ohne Aggression

- an der Leine, baut durch die Bewegung zunehmend

Muskulatur und Kondition auf. "Es geht aufwärts mit

ihm", sagen Bekannte von Christine zum Bruch und Heike

Kirsch, "er guckt jetzt ganz anders, wach, aufmerksam und

voller Leben." In Kürze erwartet Teddy sogar eine neue Aufgabe:

Er wird als Therapiehund mit demenzkranken Menschen

arbeiten. Mieterin Heike Kirsch eröffnet ein so ge-

nanntes "Demenz-

Cafe".

Die Zeit, in der ein

Hund nur einer der

vielen Armins war,

ist vorbei. Jetzt ist

die Zeit von Teddy

angebrochen.

Geschäftsstelle Issum

Drosselweg 15, 47661 Issum

Leiterin: Dagmar Weist

Tel. (02835) 44 46 97, Fax (02835) -99

Sparkasse am Niederrhein,

BLZ 354 500 00,

Konto 111 500 2063

www.bmt-nrw.de

Das Recht der Tiere 4/2012

43


44

Tiervermittlung

Warum Menschen

ein Tier aus dem

Tierheim adoptieren

Wenn ein Mensch sich dafür entscheidet, mit einem Tier zusammenzuleben, will dieser Schritt wohl überlegt

sein. Ist man sich seiner Sache sicher, stellt sich die Frage, woher der neue Mitbewohner kommen soll.

Es gibt natürlich Züchter, Zoogeschäfte, die Zeitung, und - leider - wird immer mehr das Internet zur Tiervermittlungs-Plattform.

Oder man entscheidet sich bewusst dafür, einem Tier aus dem Tierheim eine zweite

Chance zu geben.

Obwohl es eigentlich eher so ist, dass die Tierheimbewohner

uns Menschen eine neue Chance geben, denn die meisten

Tierheimbewohner sitzen im Tierheim, ohne dass sie etwas

falsch gemacht haben, sondern eher die Menschen, die sich

das Tier irgendwann einmal angeschafft haben und wieder

abstoßen, sobald Probleme auftauchen.

Die häufigsten Gründe sind finanzielle Gründe, Umzug, Allergie

und Trennung. Gibt es Probleme mit dem Tier, wird

Überforderung angegeben, wobei wir leider häufig die Erfahrung

machen, dass der Mensch immer weniger dazu bereit

ist, sich dem Problem zu stellen und daran zu arbeiten.

Ziemlich schnell wird die Flinte ins Korn geworfen - auf Kosten

der Tiere, denn jedes Tier leidet, wenn es sein Zuhause

verliert.

Spike (*1998) ist ein ausgesprochen freundlicher

und bescheidener Staffordshire-Terrier-Opi, der die

letzten neun Jahre ein trauriges Dasein

in einer Hundepension

fristete, in der

die Stadt Kassel

ihre sichergestellten

Hunde unterbringt.

Dort wurde er mehr

verwahrt als versorgt,

Spaziergänge wurden

nicht gemacht, einmal

am Tag wurde er in einen

Auslauf gebracht, Sozialkontakte

mit Artgenossen

hatte er keine. Nun suchen wir für

ihn Liebhaber dieser Rasse, die

ihm ein wenig zurückgeben, was

er neun lange Jahre versäumt

hat. Einzig Autofahren mag er

nicht besonders.

im

Wandel der Zeit

Der Grund, warum

jemand einem Tier

aus dem Tierheim

ein Zuhause schenken

möchte, scheint

genauso naheliegend

zu sein wie

der Grund, warum

jemand in einem

Tierheim arbeitet:

Aus Liebe zum Tier.

So sollte man jedenfallsannehmen.

Vor einigen Jahren

sind Menschen

häufig zu uns ins

Tierheim gekommen

mit der Absicht,

einem Tier ein

Zuhause zu geben,

dass keine besonders

guten Vermittlungschancen

Mendel ist ein pfiffiger Terrier-Mix

(*2004) mit viel Charme, der nach

einem Jahr Vermittlung aus Überforderung

zurückkam. Vor seiner

Vermittlung hatten sich Tumore bei

ihm gebildet, die wir operiert haben,

die aber jederzeit wiederkommen

können. Hier sind Tierfreunde

mit Herz & Verstand gefragt.

hat, also entweder alt und gebrechlich oder unscheinbar

oder auch verhaltensauffällig ist. Die Bereitschaft, einem Tier

in Not zu helfen, einen Altersruhesitz zu bieten oder auch mit

einem problematischen Tier zu arbeiten, um aus ihm einen

akzeptablen Sozialpartner zu machen, sinkt leider immer

mehr.

Warum also ein Tier aus dem Tierheim? Auch hier spielen finanzielle

Aspekte eine Rolle, denn schließlich ist die Vermittlungsgebühr

wesentlich ‚günstiger' als beim Züchter oder

vom Zoohändler um die Ecke. Darüber hinaus sind die Tiere

medizinisch untersucht und bestens versorgt (entwurmt,

entfloht, geimpft, gechipt und häufig kastriert, bei Katzen


Dax ist ein liebenswerter und bescheidener Dackelrüde

(*2000), der einfach nur lieb, nett und

unkompliziert ist. Er freut sich über ein kuscheliges

Körbchen, einen lecker gefüllten

Futternapf, viele Streicheleinheiten und gemütliche

Spaziergänge. Mehr braucht Dax

nicht, um glücklich zu sein …

werden auch Blutuntersuchungen

durchgeführt). Liegt bei Tierabgabe eine

Vorerkrankung vor, sorgen wir auch

für die medizinisch Nachsorge bzw.

Weiterbehandlung.

Dies bieten wir natürlich hauptsächlich

darum an, damit auch kranke Tiere eine

Chance auf Vermittlung haben. Wir

freuen uns natürlich sehr, wenn Menschen,

die ein krankes oder älteres Tier

bei sich aufnehmen, auch für die Ausgaben

aufkommen, denn unsere Tierarztkosten

steigen durch die ganz

selbstverständliche Inanspruchnahme

dieser Kosten, übrigens auch von Menschen,

die finanziell sehr gut gestellt

sind, Jahr für Jahr an.

Um Missverständnissen vorzubeugen:

Es kommt immer auf den Einzelfall und

die Absprache an. Wenn jemand, der

nur eine kleine Rente hat oder Hartz IV

erhält und mit Mühe und Not sich selbst

versorgen kann, Hilfestellung erhält,

wir aber einem Tier helfen können,

dass sonst keine Chance auf Vermittlung

hat, ist es etwas anderes als wenn

jemand, der finanziell sehr gut da steht,

sich Spezialfutter, Medikamente oder

OPs, die wir selbst nicht durchführen

können, bezahlen lässt.

Wir bieten allen Tierübernehmern an,

in den ersten vier Wochen nach Tierübernahme

kostenlos zu unserer hauseigenen

Tierärztin zu kommen, falls etwas

vorliegt. Die allgemeine Tendenz

geht dahin, dass die Menschen diesen

Service überstrapazieren und sich melden,

wenn der Hund nach sechs Wochen

Durchfall hat oder die Katze nach

einem halben Jahr hustet, weil sie dies

bei Tierübernahme auch schon mal gemacht

habe. Oder es geht so weit, dass

Tierbesitzer auf der Matte stehen, um

den Hund noch mal durchchecken zu

lassen, weil die vier Wochen ja bald

vorbei seien.

Ein weiterer Aspekt ist sicherlich, dass

wir uns

ein Leben lang

um unsere Tiere kümmern. Das heißt,

wenn jemand sein Tier nicht mehr behalten

kann/will, nehmen wir dieses

und alle anderen Tiere ein Leben lang

wieder zurück in unsere Obhut. Natürlich

versuchen wir unsere Tiere so zu

vermitteln, dass die Mensch-Tier-Beziehung

ein Tierleben lang hält. Und darum

haben wir nichts davon, unsere

Schützlinge möglichst schnell zu vermitteln

- wenn es nicht passt, sind die

Tiere nämlich genauso schnell wieder

bei uns.

TH KÖLN-DELLBRÜCK

WAU-MAU-INSEL

GSt u. TH "Wau-Mau-Insel"

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Leiterin (GSt): Petra Hollstein

Leiter (TH): Karsten Plücker

Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681

Kasseler Sparkasse,

BLZ 520 503 53,

Konto 70 700

www.wau-mau-insel.de

Aber auch wir können den Menschen

nur vor den Kopf gucken: Und so haben

wir schon Hunde nach 13 bzw. 16

Jahren Vermittlung zurückbekommen,

weil der neue Lebenspartner keine Tiere

mag oder man plötzlich keine Zeit

mehr für das Tier hat.

Zum Glück gibt es aber auch noch

Menschen, die einem Tier wirklich helfen

möchten und nicht nach dem Aussehen

oder danach gehen, wie gesund

das Tier ist, wenn sie sich nach einem

neuen tierischen Mitbewohner umsehen,

sondern sich ganz bewusst für ein

bedürftiges Tier entscheiden und sich

diesbezüglich beraten lassen - und

nicht selten entdeckt man dabei wahre

Juwelen und Schätze, die man sonst

vielleicht übersehen hätte. Für diese

Tierheimbewohner freuen wir uns immer

ganz besonders, wenn sie umziehen,

und ihre Menschen uns Fotos zusenden

und berichten, wie glücklich sie

Anzeige

Das Recht der Tiere 4/2012

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Das Recht der Tiere 4/2012

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TH WAU-MAU-INSEL

und das Tier sind.

Wenn man sich also dafür entscheidet,

ein Haustier bei sich aufzunehmen, sollte

man dies nicht ohne Wenn und Aber tun?

Entscheide ich mich gegen ein Tier, weil

es einen Herzfehler oder nur drei Beine

oder ein Auge hat? Ich entscheide mich doch in erster Linie

mit dem Herzen für ein Haustier und prüfe natürlich mit dem

Verstand, ob ich dem Tier gerecht werden kann und ob das

Tier in mein Lebensumfeld passt oder ich es integrieren kann.

Bei der Wahl meines menschlichen Partners frage ich ja auch

nicht gleich beim ersten Kennenlernen, ob Vorerkrankungen

vorliegen oder gehe zu meinen Schwiegereltern, wenn mein

Partner unerwartet erkrankt.

Für Menschen wie für Tiere gilt für mich der Ausspruch "in gu-

Tamas ist ein reizender kleiner Rüde

(*2002), der mit seinem umwerfenden

Charme Zweibeiner sofort um seine

Pfoten wickelt. Er ist einfach nur

freundlich und sehr menschenbezogenen,

im neuen Zuhause möchte er

allerdings die alleinige Aufmerksamkeit

seiner Menschen genießen dürfen.

Diesen wunderschönen Tierschutzkalender erhalten Sie

von Ihrer Geschäftsstelle.

Weitere Exemplare

können Sie käuflich erwerben

bei

bmt@anzeigen-buero.de,

Tel: (02845) 53 86,

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Bankverbindung:

Volksbank Niederrhein

e.G.,

Konto 801 703 2012

BLZ 354 611 06

ten wie in schlechten

Zeiten".

An dieser Stelle möchten

wir uns ganz besonders

bei den Menschen

bedanken, die

sich bewusst für ein Tier entscheiden, dass es nicht so leicht

hat, ein neues Zuhause zu finden, und dieses ohne Wenn und

Aber und mit allen Konsequenzen tun!

Text und Fotos:

Claudia Bioly

Der große bmt-Tierschutzkalender 2013!

Der Kalender kostet zehn Euro, zuzüglich

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Der bmt - seine Geschäftsstellen und Tierheime

Geschäftsstelle Norden Franziskus-Tierheim

Nordbuscherweg 17, 26553 Dornum

Tel. (04933) 99 28 24, Fax 99 28 26

Tierheim Hage

Hagermarscher Str. 11, 26524 Hage

Tel. (04938) 4 25, Fax 91 49 90

Raiffeisen-Volksbank

Fresenae.G.Norden, BLZ 283 615 92

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GSt u. TH "Arche Noah"

Rodendamm 10, 28816 Stuhr/Brinkum

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Tierheim: Tel. (0421) 890171,

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Geschäftsstelle Issum

Drosselweg 15, 47661 Issum

Tel. (02835) 44 46 97, Fax 44 46 99

Sparkasse am Niederrhein,

BLZ 354 500 00,

Konto 111 500 2063

www.bmt-nrw.de

TH Köln-Dellbrück

Iddelsfelder Hardt, 51069 Köln

Tel. (0221) 68 49 26, Fax 68 18 48

Postbank Köln, BLZ 370 100 50

Konto 924 02-505

www.tierheim-koeln-dellbrueck.de

Tierschutzzentrum

Pfullingen

Gönninger Straße 201,

72793 Pfullingen

GSt: Tel. (07121) 820 17 -0, Fax -18

Tierheim: Tel. (07121) 820 17 20

Kreissparkasse Reutlingen,

BLZ 640 500 00, Kto. 75 7889

www.bmt-tierschutzzentrum.de

GSt Issum

Geschäftsstelle Hamburg

Lokstedter Grenzstr. 7, 22527 Hamburg

Tel. GSt (040) 55 49 28 - 34, Fax -32

Tel. Tierheim (040) 55 49 28 37

Haspa, BLZ 200 505 50,

Konto 1049220799

www.franziskustierheim.de

TH Hage/

GSt Norden

TH Köln

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Tierschutzzentrum

Pfullingen

VORSTAND

TH Arche Noah

TH Elisabethenhof

Franziskus-TH, Hamburg

Katzenhaus, TH

TH Wau-Mau-Insel

GSt Bayern

Vorsitzende: Petra Zipp

Tierschutzzentrum Pfullingen

Gönninger Straße 201, 72793 Pfullingen

Tel. (07121) 820 17 -23, Fax 820 17 -18

Stellv. Vorsitzender: Bernd Stephan

Kaiser-Friedrich-Promenade 82

61348 Bad Homburg

Tel. (06172) 138 80 26, Fax 23 691

Weiteres Vorstandsmitglied: Karin Stumpf

Am Heiligenhäuschen 2, 50859 Köln,

Tel. (0221) 950 51 55, Fax 950 51 57

GSt Berlin

Geschäftsstelle Berlin

Sauerbruchstraße 11, 14109 Berlin

Tel. (030) 80 58 33 -38, Fax -39

Postbank Berlin,

BLZ 100 100 10,

Konto 9603-107

www.tierschutz-bmt-berlin.de

"Katzenhaus Luttertal"

Luttertal 79

37075 Göttingen

Tierheim: Tel. (0551) 2 28 32

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BLZ 250 100 30, Konto 732 223 06

www.katzenhaus-luttertal.de

GSt u. TH "Wau-Mau-Insel"

Schenkebier Stanne 20, 34128 Kassel

Tel. (0561) 86 15 680, Fax 86 15 681

Kasseler Sparkasse,

BLZ 520 503 53,

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Tierheim Elisabethenhof

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GSt.: Tel. (06035) 96 11 11

Tierheim: Tel. (06035) 59 16,

Fax (06035) 96 11 18

Frankfurter Sparkasse,

BLZ 500 502 01, Konto 5975

www.tierheim-elisabethenhof.de

Geschäftsstelle Bayern

Viktor-Scheffel-Straße 15,

80803 München

Tel. (089) 38 39 52-13, Fax -23

Postbank München,

BLZ 700 100 80, Kto. 142 20-802

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Das Recht der Tiere 4/2012

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„Das Recht der Tiere“ – Postvertriebsstück B 13769 – Entgelt bezahlt

Bund gegen Missbrauch der Tiere e.V.

Als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt

Beiträge und Spenden sind steuerlich absetzbar

Sitz: D-80803 München , Viktor-Scheffel-Str.15

www.bmt-tierschutz.de

DER bmt WÜNSCHT ALLEN TIERFREUNDEN BESINNLICHE FESTTAGE

Januarmotiv des neuen Tierschutzkalenders 2013

Liebe Mitglieder,

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(Die Spendenkonten finden Sie auf den Seiten der einzelnen bmt-Geschäftsstellen)

Bitte Coupon ausschneiden und frankiert an eine Geschäftsstelle Ihrer Wahl senden.

wir wünschen Ihnen ein wunderschönes

Weihnachtsfest und

ein gesundes neues Jahr.

Für Ihre Unterstützung in diesem

Jahr danken wir Ihnen

herzlich. Nur mit Ihrer Hilfe

können wir Tieren beistehen

und Ihnen in vielen Fällen sogar

das Leben retten.

Bitte schenken Sie uns auch

2013 Ihr Vertrauen und bleiben

Sie weiterhin unserer wichtigen

Tierschutzarbeit von Herzen

verbunden.

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