Gutachten von Katrin Brewitt zu Neophyten [PDF ... - Nationalpark Eifel

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Gutachten von Katrin Brewitt zu Neophyten [PDF ... - Nationalpark Eifel

Erfassung von Neophyten im Urfttal im Nationalpark Eifel

und Vorschläge für ein Maßnahmenkonzept zum Umgang

mit Neophyten im Nationalpark Eifel

Gutachten im Auftrag des Nationalparkforstamtes Eifel

Werkvertragsnummer: 25/2009

Katrin Brewitt


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Erfassung von Neophyten im Urfttal im Nationalpark Eifel und Vorschläge für ein

Maßnahmenkonzept zum Umgang mit Neophyten im Nationalpark Eifel.............................1

Inhaltsverzeichnis..................................................................................2

Abbildungsverzeichnis...........................................................................5

Tabellenverzeichnis...............................................................................7

1 Einleitung...........................................................................................9

2 Grundlagen....................................................................................... 13

2.1 Das Untersuchungsgebiet im Nationalpark Eifel............................................................13

2.1.1 Allgemeines.............................................................................................................13

2.1.2 Gesetzlicher Rahmen für den Nationalpark.............................................................16

2.1.3 Geologie..................................................................................................................20

2.1.4 Klima......................................................................................................................21

2.2 Die Urft und der Urft-Stausee........................................................................................23

2.2.1 Die Urft..................................................................................................................23

2.2.2 Der Urft-Talsperre..................................................................................................26

2.3 Pflanzen der Ufer der Fließgewässer im Nationalpark Eifel............................................27

2.3.1 Pflanzen der Ufer der Fließgewässer allgemein........................................................27

2.3.2 Vegetation der Urft und des Urft-Stausees ..............................................................28

2.3.3 Neophyten allgemein...............................................................................................30

2.3.4 Neophyten an Fließgewässern.................................................................................32

3 Die untersuchten Neophyten............................................................. 34

3.1 Heracleum mantegazzianum, Riesen-Bärenklau/Herkulesstaude..........................................34

3.1.1 Beschreibung und Biologie......................................................................................34

3.1.2 Standortansprüche...................................................................................................36

3.1.3 Geschichte und Ausbreitung...................................................................................36

3.1.4 Auswirkungen.........................................................................................................37

3.1.5 Maßnahmen............................................................................................................38

3.2 Impatiens glandulifera, Indisches Springkraut.....................................................................39

3.2.1 Beschreibung und Biologie......................................................................................39

3.2.2 Standortansprüche...................................................................................................40

3.2.3 Geschichte und Ausbreitung...................................................................................41

2


Inhaltsverzeichnis

3.2.4 Auswirkungen.........................................................................................................41

3.2.5 Maßnahmen............................................................................................................42

3.3 Fallopia japonica, Japanischer Staudenknöterich................................................................43

3.3.1 Beschreibung und Biologie......................................................................................43

3.3.2 Standortansprüche...................................................................................................45

3.3.3 Geschichte und Ausbreitung...................................................................................45

3.3.4 Auswirkungen.........................................................................................................46

3.3.5 Maßnahmen............................................................................................................46

3.4 Spiraea x billardii, Billards Spierstrauch............................................................................47

3.4.1 Beschreibung und Biologie......................................................................................48

3.4.2 Standortansprüche...................................................................................................49

3.4.3 Geschichte und Ausbreitung...................................................................................49

3.4.4 Auswirkungen.........................................................................................................49

3.4.5 Maßnahmen............................................................................................................49

3.5 Symphoricarpos albus, Gewöhnliche Schneebeere...............................................................50

3.5.1 Beschreibung und Biologie......................................................................................50

3.5.2 Standortansprüche...................................................................................................51

3.5.3 Geschichte und Ausbreitung...................................................................................51

3.5.4 Auswirkungen.........................................................................................................51

3.5.4 Maßnahmen............................................................................................................51

3.6 Lupinus polyphyllus, Vielblütige Lupine.............................................................................52

3.7 Bunias orientalis, Orientalisches Zackenschötchen............................................................52

3.7.1 Beschreibung und Biologie......................................................................................52

3.7.2 Standortansprüche...................................................................................................53

3.7.3 Geschichte und Ausbreitung...................................................................................54

3.7.4 Auswirkungen.........................................................................................................55

3.7.5 Maßnahmen............................................................................................................55

3.8 Solidago gigantea, Riesen-Goldrute....................................................................................55

3.9 Zusammenfassung der wichtigen Eigenschaften der Neophyten....................................56

4 Methoden......................................................................................... 59

4.1 Untersuchungskonzept ..................................................................................................59

4.2 Kartierung der Neophyten.............................................................................................60

4.2.1. Beschreibung der Ufer............................................................................................61

3


4.2.2 Kartierung der Neophyten mit GPS........................................................................61

4.2.3 Digitalisierung der Daten in GeoMedia Professional 6.1..........................................62

4.3 Untersuchungen zu Standort- und Umweltfaktoren (Untersuchungsflächen).................62

4.3.1 Vegetationsaufnahme..............................................................................................64

4.3.2 Zeigerwerte nach Ellenberg.....................................................................................66

4.3.3 Abiotische Parameter..............................................................................................68

5 Ergebnisse........................................................................................ 73

5.1 Kartierung......................................................................................................................73

5.1.1 Beschreibung der Ufer ............................................................................................73

5.1.2 Ergebnisse der Kartierung einzelner Neophyten .....................................................93

5.2 Untersuchungen zu Standort– und Umweltfaktoren (Untersuchungsflächen) ................96

5.2.1 Vegetationsaufnahmen............................................................................................96

5.2.2 Zeigerwerte nach Ellenberg...................................................................................101

5.2.3 Abiotische Parameter............................................................................................108

6 Maßnahmen anderer Nationalparke..................................................120

7 Diskussion.......................................................................................123

7.1 Methoden-Diskussion..................................................................................................123

7.2 Ergebnis-Diskussion....................................................................................................124

7.3 Maßnahmen-Diskussion ..............................................................................................128

8 Zusammenfassung...........................................................................130

9 Literatur ..........................................................................................132

10 Anhang ..........................................................................................142

10.1 Karten........................................................................................................................142

10.2 Termine.....................................................................................................................143

10.3 Anzahl der Sprosse in einer Fläche eines Neophyten-Bestandes.................................144

11 CD-Rom mit shape-Dateien ............................................................144

4


Abbildungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Lage der Nationalparke in Deutschland (Quelle: KLETT, 2009).......................................................13

Abbildung 2: Übersichtskarte des Nationalparks Eifel, Kreise und Gemeinden (Quelle

LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008).....................................................................................................14

Abbildung 3: Zonen des Nationalparks Eifel (Quelle: LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW,

2008) .................................................................................................................................................................................................................17

Abbildung 4: Temperaturen und Niederschläge 2008 an der Klimastation Heimbach-Hergarten (aus:

LEISTUNGSBERICHT, 2008)..........................................................................................................................................................22

Abbildung 5: Die Urft, Lage und Verlauf in der Eifel (zusammengestellt in Geomedia Professional). Der

untersuchte Bereich liegt zwischen Schleiden-Gemünd und der Talsperre..................................................................24

Abbildung 6: Ufer der Urft zwischen Gemünd und Talsperre (Höhe des alten Hotels, August 2009)........25

Abbildung 7: Urft-Talsperre, (Quelle: LOCR, 21.8.2009) ...................................................................................................26

Abbildung 8: links: Darstellung des Hotels an der Urft auf einer alten Postkarte (Quelle: AK, 2.8.2009);

rechts: Die Pulvermühle in Malsbenden (Quelle: EIFELMALER, Internet, 2.8.2009)..........................................29

Abbildung 9: H. mantegazzianum an der Urft, im Mai ohne Blüte.....................................................................................35

Abbildung 10: Blüte von I. glandulifera im August.....................................................................................................................39

Abbildung 11: Bestand von Fallopia japonica an der Urft im Juni......................................................................................44

Abbildung 12: Spiraea-Bestand an der K7, in der Nähe der Höhe, blühend, August 2009.................................48

Abbildung 13: Blüte von Spiraea x billardii im August............................................................................................................48

Abbildung 14: links: Blüte von S. albus (Quelle: SYMPHORICARPUS, 29.8.2009) ; ...........................................50

Abbildung 15: Größerer Bestand von B. orientalis, Juni 2009, Wildschweinfläche...................................................53

Abbildung 16: Schötchen von Bunias orientalis, im August..................................................................................................53

Abbildung 17: Die Lage der Untersuchungsflächen (1-9) und wichtige Punkte (zusammengestellt in:

GeoMedia Professional )........................................................................................................................................................................63

Abbildung 18: Hilfstafel zur BRAUN-BLANQUET-Methode (aus: INTERNET Uni Jena, 2009).............66

Abbildung 19: Die Brücke in Malsbenden, K7 (Quelle: google earth, 3.8.2009) , gelbe Linie= 100 m........73

Abbildung 20: Die Urft, Blick flussabwärts von der Brücke in Malsbenden im April 2009...............................74

Abbildung 21: Bestand von H. mantegazzianum in der Nähe der Brücke (April 2009)...........................................74

Abbildung 22: Weide am Ufer mit Treibgut und H. mantegazzianum..............................................................................75

Abbildung 23: Zwischen Malsbenden (rechts) und der Wildschweinfläche (links): Die Urft nähert sich der

K7. (Quelle: google earth, 3.8.2009)..................................................................................................................................................76

Abbildung 24: Die Schießanlage (freie Fläche), die Brücke gibt es nicht mehr........................................................77

Abbildung 25: Das Ufer an der Schießanlage B. orientalis (Juni 2009, vom linken Ufer aus fotografiert)....77

Abbildung 26: Bogen der Urft am Ende des Schießstandes und der Wall (rechts neben dem hellen

Streifen links im Bild), (Quelle: google earth, 3.8.2009)..........................................................................................................78

5


Abbildungsverzeichnis

Abbildung 27: Die Fläche im Bogen (=Untersuchungsfläche 3), rechts die Brücke, hier gibt es große

Bestände von H. mantegazzianum (Mai 2009)...............................................................................................................................79

Abbildung 28: Einzelne Sprosse eines kleinen F. japonica Bestandes am Ufer im Bogen (Mai 2009)...........79

Abbildung 29: K7 am Ende des Bogens, enge Stelle zwischen Urft und K7 (Quelle: google earth,

3.8.2009)..........................................................................................................................................................................................................80

Abbildung 30: Der Bereich der Pulvermühle (Quelle: google earth, 3.8.2009).........................................................81

Abbildung 31: Untersuchungsfläche 5 (An der Pulvermühle), kein Neophyt...........................................................81

Abbildung 32: S. x billardii auf Untersuchungsfläche 6 (Am Mauerrest)......................................................................82

Abbildung 33: Der Verlauf der Urft vor dem Alten Hotel (Quelle: google earth, 3.8.2009) .............................82

Abbildung 34: S. gigantea am Alten Hotel im August..............................................................................................................83

Abbildung 35: Die gestaute Urft hinter dem Hotel, Blick auf das linke Ufer............................................................84

Abbildung 36: Hinter dem Alten Hotel, oben rechts ist der Bereich zu erkennen, an dem die Ufer steiler

und felsiger werden (Quelle: google earth, 3.8.2009)................................................................................................................84

Abbildung 37: Urft hinter dem Hotel (Quelle: google earth, 13.8.2009)......................................................................85

Abbildung 38: Blick flussabwärts zwischen Hotel und Schweizer Bergen, geringe Fließgeschwindigkeit im

gestauten Bereich........................................................................................................................................................................................86

Abbildung 39: Typischer Uferbereich in der Nähe der Schweizer Berge, Mai 2009..............................................87

Abbildung 40: Blick auf die Stelle Schweizer Berge im Juni von südlichen Ufer, niedriger Pegelstand.......87

Abbildung 41: Keimlinge in Juni auf freiliegendem Ufer am Schifferberge, linkes Ufer.....................................88

Abbildung 42: Blick auf den Urft-Stausee, im Vordergrund die Baustelle der Fußgängerbrücke im Mai

2009...................................................................................................................................................................................................................88

Abbildung 43: Das linke Ufer in Höhe des Alten Hotels (rechts: Brücke des Hotels) vom rechten Ufer

aus fotografiert, auch im Bild: Kanadagänse (Neozoen)!.......................................................................................................89

Abbildung 44: Verjüngung von Spiraea am Schifferberge, Waldrand.............................................................................90

Abbildung 45: I. glandulifera im August am linken Ufer hinter dem Alten Hotel......................................................91

Abbildung 46: Olef trifft auf Urft, verbautes Ufer in Gemünd........................................................................................92

Abbildung 47: Abgeschnittene Pflanzenteile von F. japonica in Gemünd....................................................................93

Abbildung 48: Übersicht über die Karten in Kapitel 10. (zusammengestellt in: GeoMedia Professional

6.1.) ....................................................................................................................................................................................................................94

Abbildung 49: Anzahl der aufgenommenen GPS-Punkte...................................................................................................95

Abbildung 50: Mittelwerte und S.E. der PAR in µmol m -2 s -1 an den Untersuchungsflächen 1 bis 9, MW,

n=5, UF 4: n=1, UF 7: keine Daten, da der Quantum-Sensor nicht funktionierte...............................................108

Abbildung 51: Photosynthetisch aktive Strahlung an den einzelnen Pflanzen, MW der Par in µmol m 2 s -1

mit S.E..........................................................................................................................................................................................................109

Abbildung 52: Wassergehalt des Bodens der verschiedenen Untersuchungsflächen in % (MW und S.E.)

..........................................................................................................................................................................................................................110

Abbildung 53: Nitratgehalt (mg kg -1 ) in den Bodenproben der Standorte (n=5)................................................111

6


Tabellenverzeichnis

Abbildung 54: Monatliche Mittelwerte der Stauhöhen der Urft-Talsperre in m+NN (und S.E.) von 1960

bis Juli 2009 (Quelle: DATEN STAUHÖHE WVER, 2009) ..........................................................................................113

Abbildung 55: Höhenlinienkarte (Ausschnitt) der Urft. In Rot: Höhe ü. NN im Bereich der Urft. Bis zu

dieser Stelle reicht der gestaute Bereich der Urft bei entsprechender Stauhöhe an der Talsperre, Grün:

Norden (nach: HÖHENLINIENKARTE, ohne Datum).................................................................................................114

Abbildung 56: Ufer am Schifferberg am 10.6.2009, niedriger Wasserstand mit freiliegendem Ufer..........115

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Flächenanteile verschiedener Biotopgruppen an der Nationalparkfläche, Biotopkartierungen

2003-2005 (nach: LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008)...............................................................15

Tabelle 2: Schutzgebiets-Kategorien der IUNC (nach: HEIDELBERG, RÖSNER, 2008)..............................16

Tabelle 3: Gewässerstrukturgüteklassen (Quelle: LANDESUMWELTAMT NRW, 2005)...............................24

Tabelle 4: Auswirkungen der Neophyten (nach: WALDWISSEN, Internet, 30.6.2009).....................................31

Tabelle 5: Vorteilhafte Art- und Standorteigenschaften (nach: NEOFLORA, Internet, 10.8.2009) .............32

Tabelle 6: Natürliche und anthropogene Faktoren der Neophytenausbreitung an Fließgewässern (nach:

KOWARIK, 2003) ....................................................................................................................................................................................32

Tabelle 7: Zeigerwerte nach Ellenberg für H. mantegazzianum (ELLENBERG, 1991) .........................................36

Tabelle 8: Zeigerwerte nach Ellenberg für I. glandulifera (ELLENBERG, 1991)......................................................41

Tabelle 9: Zeigerwerte nach Ellenberg für F. japonica (NEOFLORA, 2009) .............................................................45

Tabelle 10: Zeigerwerte nach Ellenberg für S. x billardii (ELLENBERG, 1991) .....................................................49

Tabelle 11: Zeigerwerte nach Ellenberg für L. polyphyllus (ELLENBERG, 1991) ..................................................52

Tabelle 12: Zeigerwerte nach Ellenberg für B. orientalis (ELLENBERG, 1991) .......................................................54

Tabelle 13: Zeigerwerte nach Ellenberg für Solidago gigantea (ELLENBERG, 1991)..............................................56

Tabelle 14: Die wichtigsten Eigenschaften der untersuchten Neophyten (nach: KOWARIK; 2003,

NEOFLORA (2009) und ADOLPHI (2009)..............................................................................................................................57

Tabelle 15: Aufnahmeparameter bei der Kartierung...............................................................................................................60

Tabelle 16: Die Benennung der Untersuchungsflächen, ihr Standorttyp und ihre Neophyten.........................64

Tabelle 17: Erfahrungswerte für die Größe von Aufnahmeflächen in Pflanzengesellschaften

Mitteleuropas (nach: DIERSCHKE, 1994)...................................................................................................................................65

Tabelle 18: BRAUN-BLANQUET-Skala (aus: INTERNET: Uni Jena, 2009) ........................................................66

Tabelle 19: Zeigerwerte nach Ellenberg (aus: LIENENBECKER, ohne Datum)..................................................67

Tabelle 20: Beispiele für PAR-Werte (aus: STRAßBURGER, 2002).............................................................................69

Tabelle 21: Einstufung der Böden nach dem pH-Wert (aus: SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL, 2002)

.............................................................................................................................................................................................................................71

Tabelle 22: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 1, Wildschweinfläche

.............................................................................................................................................................................................................................96

7


Tabellenverzeichnis

Tabelle 23: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 2, Wall am

Schießstand....................................................................................................................................................................................................97

Tabelle 24: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 3, Brücke am Bogen

.............................................................................................................................................................................................................................97

Tabelle 25: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 5, An der

Pulvermühle..................................................................................................................................................................................................98

Tabelle 26: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 6, Am Mauerrest....98

Tabelle 27: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 7, Brücke in

Malsbenden...................................................................................................................................................................................................99

Tabelle 28: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 8, Am Klärwerk...100

Tabelle 29: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 9, Morsbachzufluss

..........................................................................................................................................................................................................................101

Tabelle 30: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 1, Wildschweinfläche.......................................102

Tabelle 31: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 2, Wall am Schießstand...................................102

Tabelle 32: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 3, An der Brücke am Bogen.........................103

Tabelle 33: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 4, Am Ufer am Bogen.....................................103

Tabelle 34: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 5, An der Pulvermühle....................................104

Tabelle 35: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 6, Am Mauerrest................................................104

Tabelle 36: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 7, Brücke in Malsbenden...............................105

Tabelle 37: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 8, Am Klärwerk..................................................106

Tabelle 38: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 9, Morsbachzufluss...........................................107

Tabelle 39: pH-Werte der Bodenproben...................................................................................................................................112

Tabelle 40: Fließgeschwindigkeit in m s -1 ..................................................................................................................................112

Tabelle 41:Gesamttabelle Ergebnisse der Standort- und Umweltfaktoren, grau unterlegt:

Untersuchungsfläche ohne Neophyten........................................................................................................................................116

Tabelle 42: Neophytische/Neozoische Arten im Nationalpark Kellerwald-Edersee und

Kontrollmaßnahmen (nach: SCHLOTE, 2009) ......................................................................................................................120

Tabelle 43: Termine der Kartierung und der Vegetationsaufnahmen.........................................................................143

Tabelle 44: Anzahl der Sprosse/Einzelpflanzen in einer Fläche eines Neophytenbestandes.........................144

8


1 Einleitung

1 Einleitung

Der ständig stattfindende Prozess der Veränderung der Pflanzenwelt wird spätestens seit

der neolithischen Revolution, in der die nomadisierende Lebensweise des Menschen gegen

die Sesshaftigkeit ausgetauscht wurde, durch den Menschen beeinflusst (KOWARIK,

2002). Aber erst durch den weltumfassenden Handel, dessen Beginn mit der Entdeckung

Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492 gleichgesetzt wird, wird der Einfluss des

Menschen auf die Pflanzenwelt (und auch auf die Tierwelt) groß. Durch den Welthandel

kommt es zur absichtlichen und unabsichtlichen Einbringung gebietsfremder Tier- und

Pflanzenarten. Diese Neobiota können sich in den neuen Gebieten unauffällig verhalten,

aber sich auch stark ausbreiten. Arten, die zu Problemarten geworden sind, indem sie

andere Arten durch ihre starken Ausbreitungstendenzen verdrängen, werden als invasive

Neobiota bezeichnet (BÖCKER et al. 1995). Die gebietsfremden Pflanzen, die sich stark

ausbreiten und zur Verdrängung anderen Arten und zur Zerstörung von Biotopen führen,

werden als invasive Neophyten bezeichnet. Von Menschen ausgelöste Invasionen

übertreffen natürliche Invasionen um ein Vielfaches in ihrem Ausmaß, ihrer Reichweite,

Geschwindigkeit und vor allem in ihren Auswirkungen.

Diese Invasionen stellen nach Zerstörung der Landschaft heutzutage weltweit die

zweitstärkste Bedrohung für die Biodiversität dar (KOWARIK, 2003 und BfN, 2009). Dies

trifft in besonderem Maße auf Gebiete außerhalb Mitteleuropas zu. WILSON (2004)

beschreibt das am Beispiel der Inselkette Hawaii: Dort gab es vor der menschlichen

Besiedlung (schon ungefähr 400 v. Chr. erreichten polynesische Seefahrer die Inseln) eine

einzigartige und vielfältige Flora und Fauna, darunter 125 bis 145 Vogelarten, die hier

endemisch vorkommen. Heute gibt es davon noch 35 Arten, 24 davon sind in ihrem

Bestand gefährdet, 12 Arten sind so selten, dass sie wahrscheinlich aussterben werden.

Auch von der Pflanzenwelt sind nur noch Relikte in unzugänglichen Bereichen vorhanden,

1935 wild lebende Pflanzenarten gibt es heute auf Hawaii, 902 davon wurden irgendwann

eingeführt. Ursprünglich, also vor Ankunft des Menschen, gab es mehr als

10.000 Pflanzenarten auf Hawaii. In manchen Teilen der Welt sind die fremden Arten also

ein großes Problem. In Mitteleuropa treffen neobiotische Arten auf eine viel weniger

empfindliche Tier- und Pflanzenwelt, da diese seit mehreren tausend Jahren mit durch den

Menschen verursachten Veränderung ihrer Umwelt zurecht kommen müssen

(KOWARIK, 2003). Beides kann also nicht unbedingt direkt miteinander verglichen

werden.

9


1 Einleitung

Aber auch im Gebiet des Nationalparks Eifel gibt es unterschiedlich große Vorkommen

verschiedener Neophyten, die sich auch entweder in die heimische Vegetation integrieren

oder sich invasiv verhalten. Da das Verdrängen der einheimischen Vegetation im

Widerspruch zu einer wichtigen Aufgabe der Nationalparks stehen würde, nämlich die

heimische Vegetation und ihre Vielfalt zu erhalten, ist es für den Nationalpark unerlässlich,

den Umgang mit diesen invasiven Arten zu regeln und eventuell Maßnahmen gegen die

invasiven Pflanzen zu unternehmen. Allerdings gilt in weiten Gebieten des Nationalparks

Prozessschutz, d. h. die Natur soll sich ohne Eingriffe des Menschen entwickeln. Nach

FÖRDERVEREIN NATIONALPARK EIFEL (2006) lautet das Motto der

Nationalparke: „Natur Natur sein lassen“. Dieser im Bundesnaturschutzgesetz verankerte

Grundsatz definiert das Ziel der Nationalparke, im überwiegenden Teil ihres Gebietes den

möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu

gewährleisten.

Die Handlungsgrundsätze für den Umgang mit Neophyten werden durch den

Nationalparkplan (LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008)

festgeschrieben: Es sollen laut Nationalparkplan diese Arten nur dann mit Maßnahmen

entfernt werden, wenn es „unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit der

anwendbaren Mittel möglich erscheint“. (LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ

NRW, 2008). Dabei muss allerdings das Ziel, also die Entfernung der Arten aus dem

Gebiet des Nationalparks, realistisch sein, was für ständig nachwandernde Arten nicht

gegeben ist. Laut Nationalparkplan muss daher eine Beurteilungsgrundlage für die

einzelnen Arten vorliegen. Diese Beurteilungsgrundlage verlangt nach:

• Erfassung: Wo und wie ausgeprägt kommen die Arten vor?

• Bewertung: Was haben die Arten für Auswirkungen auf andere

(geschützte) Arten und Biotope?

• möglichen Maßnahmen: Wie könnten diese Maßnahmen je nach Art aussehen und

sind Aufwand und Kosten gerechtfertigt?

In dieser Arbeit wurde eine Beurteilungsgrundlage für das Gebiet des Fließgewässers Urft

und der Urft-Talsperre erstellt. Bei der Urft handelt es sich um ein Fließgewässer, das seit

1905 gestaut wird und in der Urft-Talsperre mündet. Seit der Gründung des Nationalparks

Eifel im Jahr 2004 gehören ein großer Teil der Urft im Unterlauf und die Talsperre zum

Gebiet des Nationalparks. Damit unterliegt das Fließgewässer in weiten Bereichen den

besonderen Bedingungen und Regelungen eines Nationalparks. Im Uferbereich der Urft

10


1 Einleitung

gibt es nach PARDEY (persönliche Mitteilung, 2009) besonders viele Neophyten. Nach

KOWARIK (2003) kommen Neophyten gehäuft an Verkehrswegen und Fließgewässern

und in Ballungsräumen vor. Gestörte Stellen an Ufern werden bevorzugt von Neophyten

besiedelt, da hier Bedingungen vorherrschen, die die Besiedlung, Etablierung und

Verbreitung von Neophyten begünstigen. Fließgewässer sind Hauptausbreitungswege für

Neophyten. Deshalb ist es wichtig, den Oberlauf der Urft, der sich außerhalb des

Nationalparks Eifel befindet und mehrere Gemeinden durchfließt, mit in die Überlegungen

einzubeziehen. Der Nationalpark hat keine abgeschlossenen Grenzen. Neophyten können

über das Fließgewässer eingebracht werden, so dass Maßnahmen mit den Gemeinden im

Oberlauf der Urft koordiniert werden müssen.

Der Nationalpark hat also für sich zu klären, wie im Einzelfall je nach Art mit den

Neophyten umgegangen werden soll. Ist die Art grundsätzlich zu dulden oder handelt es

sich um eine Art, die Maßnahmen erfordert? Oder gibt es Neophyten, die ein Biotop

diverser machen oder z.B. wichtige Futterpflanzen für Insekten sind (SCHULDES, 1995)?

Die vorliegende Arbeit soll diese Fragen für den Bereich der Urft im Nationalpark Eifel

beantworten, außerdem soll konkret die Frage beantwortet werden, wo sich die Wuchsorte

der Neophyten befinden und welche Faktoren in diesem Biotop ausschlaggebend sind für

die Ansiedlung der einzelnen Neophyten.

Als Hypothese wurde deshalb postuliert:

• Die Standort- und Umweltfaktoren der Ufer der Urft im Nationalpark Eifel haben

einen Einfluss auf das Ausmaß der Besiedlung mit den ausgewählten Neophyten

Heracleum mantegazzianum, Impatiens glandulifera, Fallopia japonica, Bunias

orientalis, Symphoricarpos albus und Spiraea x billardii.

Bisher gibt es keine Daten aus dem Nationalparkgebiete der Urft zu Neophyten

(PARDEY; mündliche Mitteilung, 2009). KASPAREK hat 1999 im Gebiet der Rur und

ihrem Nebenflüssen (also auch der Urft) Vegetationsuntersuchungen zu Neophyten

gemacht. Er diskutierte anhand der Verbreitungsdaten von fünf Neophyten an Flussufern

(Impatiens glandulifera, Bidens frondosa, Galinsoga ciliata, Heracleum mantegazzianum, Fallopia

japonica) die Faktoren, die ihre Ausbreitung ermöglichten oder förderten. Effekte des

Maßstabs der Betrachtungsweise werden anhand der Fallstudie besonders hervorgehoben.

Auch in anderen Gebieten der Nationalparks Eifel sollen Fragen zu Neophyten

beantwortet werden, beispielsweise hat BAUMEISTER (2007) Kartierungen zu

L. polyphyllus im Bereich der „Dreiborner Hochfläche“ durchgeführt. Auch

11


1 Einleitung

Untersuchungen zur Douglasie (LOVENS, 2004) wurden erstellt. Die Biostation

Euskirchen (EUSKIRCHEN, 2009) führte Kartierung der Arten Heracleum mantegazzianum

und Fallopia japonica durch. REIHL führte 2006 Untersuchungen zu Dominanzbeständen

von Neophyten an ausgewählten Gewässers in Detmold durch und kommt zu dem

Ergebnis, dass besonders der anthropogen Einfluss auf ein Gewässer wichtig ist für die

Besiedlung mit Neophyten, nicht so sehr die Länge der Gewässer. Kleinräumige Störungen

scheinen wichtig zu sein für die Ansiedlung der Neophyten, nicht so sehr die großräumige

Einordnung in eine Gewässerstrukturgüteklasse.

12


2 Grundlagen

2.1 Das Untersuchungsgebiet im Nationalpark Eifel

2.1.1 Allgemeines

2 Grundlagen

Mit Inkrafttreten der Nationalparkverordnung (NP-VO, 2003) am 1. Januar 2004 gehört

der Nationalpark Eifel zu den 14 Nationalparken in Deutschland. Er ist der jüngste der

deutschen Nationalparke und der einzige Nationalpark in Nordrhein-Westfalen. Vorrangig

geschützte Lebensräume sind die atlantisch geprägten, bodensauren Buchenmischwälder

(kollin bis (sub)montan), die Quellgebiete und die zahlreichen natürlichen Fließgewässer.

Insgesamt beträgt die reine Landfläche der Nationalparke 962.051 ha an der Gesamtfläche

Deutschlands (BfN, 2009). Bezogen auf die statistische Fläche Deutschlands entspricht die

Gesamtfläche der Nationalparke einem Flächenanteil von 0,54%

(UMWELTBUNDESAMT, 2009). In Abbildung 1 ist die Lage der Nationalparke in

Deutschland zu erkennen.

Abbildung 1: Lage der Nationalparke in Deutschland (Quelle: KLETT, 2009)

13


2 Grundlagen

Zum Zeitpunkt seiner Ausweisung hat der Nationalpark Eifel eine Fläche von ungefähr

11.000 ha. Die FÖNAD (Föderation der Natur- und Nationalparke Europas) empfiehlt

eine Fläche von mindestens 6.000 bis 8.000 ha für einen von Mittelgebirgen geprägten

Nationalpark (WOIKE et al. 2002). Der Nationalpark Eifel liegt im Naturraum Rureifel

(LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008) im nördlichen Bereich der Eifel

(Nideggen im Norden, Gemünd im Süden, Belgien im Südwesten). Innerhalb des

Nationalparks befinden sich: Urft-Talsperre, Burg Vogelsang und im Nordwesten

angrenzend die Rurtalsperre. Seit 2006 gehört auch die Dreiborner Hochfläche, die vorher

von den Belgischen Streitkräften militärisch genutzt wurde, zum Gebiet des Nationalparks.

Die Größe beträgt in Nord-Süd-Richtung 21 km, von West nach Ost schwankt die Größe

zwischen 1 km und 11 km. Der Nationalpark Eifel unterteilt sich in die Untereinheiten

„Monschau-Hellenthaler Wald“, „Monschauer Heckenland“, „Dreiborner Hochfläche“,

„Urft- und Oleftal“, „Kermeter“ und „Mittleres Urfttal“. Angrenzend liegt im Westen das

Plateau „Hohe Venn“ und im Osten die flache „Kölner Bucht“ (LANDESBETRIEB

WALD UND HOLZ NRW, 2008). Eine Übersicht über das Gebiet des Nationalparks

zeigt Abbildung 2.

Abbildung 2: Übersichtskarte des Nationalparks Eifel, Kreise und Gemeinden (Quelle:

LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008)

14


2 Grundlagen

Das Landschaftsbild und die Vegetation des Nationalparks werden geprägt durch

großflächige Buchen- und Eichen-Laubwälder meist im Norden sowie im Westen,

ausgedehnte Graslandschaften auf der Dreiborner Hochfläche, von Fichten dominierte

Waldbestände im Süden und von Kiefern geprägte Wälder im Osten, viele Bachtäler mit

Auenwäldern, artenreichen Grünlandflächen im gesamten Gebiet, Felsen v. a. in der

Nordhälfte und die Urft-Talsperre sowie den teilweise im Nationalpark gelegenen Obersee

(LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008). Eine Übersicht und anteilige

Verteilung der Naturräume zeigt Tabelle 1.

Tabelle 1: Flächenanteile verschiedener Biotopgruppen an der Nationalparkfläche,

Biotopkartierungen 2003-2005 (nach: LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008)

Biotoptypengruppe Anteil an der Fläche des

Nationalparks in %

Eichenw ald 16

Buchenw ald 11

Edellaubholzw ald (Ahorn-Eschen-Lindenw ald) 1

Birken, Erlenw ald 2

Kiefernw ald 3

Fichtenw ald 29

Douglasienw ald 2

sonstige Wälder (Mischw älder, Aufforstungen,

Vorw älder verschiedener Arten)

Gebüsch (inkl. fortgeschrittene Verbuschungs-

stadien der Offenlandsukzession)

Offenland (Grünland und Grünlandbrachen) 14

sonstige Offenlandbiotope (Felsen,

Steinbrüche und trockene Heiden, Hoch-

Zw ischenmoor, einschließlich Feuchtheide)

Gew ässer (Fließgew ässer, Quellen und

begleitende Hochstaudenfluren, naturnahe

Stillgew ässer, Röhrichte, Riede)

Urft-Talsperre und Obersee 2

sonstige Biotoptypen (insb. Funktionsflächen

w ie Wege, Straßen, Gebäude, Park- und

Lagerplätze, Gärten…)

Der Anteil der Gewässer und der begleitenden Vegetation, um die es in dieser Arbeit geht,

beträgt auf die Gesamtfläche des Nationalparks bezogen weniger als 1 %. Die Urft-

Talsperre und der Obersee haben einen Anteil von 2% an der Gesamtfläche des

Nationalparks.

12

3

1

< 1

4

15


2.1.2 Gesetzlicher Rahmen für den Nationalpark

2 Grundlagen

Für die Existenz des Nationalparks Eifel sind verschiedene rechtliche Grundlagen

ausschlaggebend (NUA SEMINARBERICHT, BAND 8, 2002). Es gelten die

Qualitätskriterien und rechtlichen Grundlagen der IUCN (International Union for

Conservation of Nature), des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) und des

Landschaftsgesetzes Nordrhein-Westfalen. (LG 2000, § 43 Nationalparke). Weitere

wichtige Richtlinien sind die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH, 1992) und die

Vogelschutzrichtlinie (1979) auf EU-Ebene (FÖRDERVEREIN NATIONALPARK

EIFEL, 2006).

Aufgrund der weltweit sehr unterschiedlichen Definitionen und Richtlinien hat die IUCN

es sich zur Aufgabe gemacht, das System der Schutzgebiete zu vereinheitlichen. Die IUCN

unterteilt die Schutzgebiete daher in Kategorien (EUROPARC und IUCN, 2000). In

Tabelle 2 sind diese Schutzgebiets-Kategorien zusammengefasst:

Tabelle 2: Schutzgebiets-Kategorien der IUNC (nach: HEIDELBERG, RÖSNER, 2008)

Ia

Ib

II

III

IV

V

VI

Strenges Naturreservat

(Strict Nature Reserve):

Wildnisgebiet (Wilderness

Area):

Nationalpark

(National Park)

Naturmonument

(Natural Monument)

Biotop/Artenschutzgebiet mit

Management

(Habitat/Species Management Area)

Geschützte Landschaft/

Geschütztes marines Gebiet

(Protected Landscape/Seascape)

Ressourcenschutzgebiet mit

Management

(Managed Resource Protected Area)

Schutzgebiete, die hauptsächlich zum Zwecke der

Forschung oder des Schutzes großer,

unbeeinflusster Wildnisareale verwaltet werden

Schutzgebiete, die hauptsächlich zum Zwecke der

Forschung oder des Schutzes großer,

unbeeinflusster Wildnisareale verwaltet werden

Schutzgebiet, das hauptsächlich zum Schutz

von Ökosystemen und zu Erholungszwecken

verwaltet wird

Schutzgebiet, das hauptsächlich zum Schutz einer

besonderen Naturerscheinung verwaltet wird

Schutzgebiet, für dessen Management gezielte

Eingriffe erfolgen

Gebiet, dessen Management hauptsächlich auf den

Schutz einer Landschaft oder eines marinen

Gebietes ausgerichtet ist und der Erholung dient

Schutzgebiet, dessen Management der

nachhaltigen Nutzung natürlicher Ökosysteme

dient

Die Kriterien für die einzelnen Kategorien sind vom IUCN mit Absicht allgemein gefasst

worden, damit sie den regionalen Bedingungen angepasst werden können. Wichtig ist also,

dass in Nationalparken der Schutz natürlicher Lebensräume Vorrang hat, aber auch den

Schutzzielen untergeordnete menschliche Aktivitäten zu Bildungs- und Erholungszwecken

zugelassen sind. Entscheidend ist auch die Gewährleistung natürlicher Prozesse auf

mindestens 75 % der Fläche. Nationalparke können in Europa als

Entwicklungsnationalparke auch auf Flächen ausgewiesen werden, die lange Zeit der

16


2 Grundlagen

anthropogenen Nutzung gedient haben, also als Kulturlandschaften eine andere

Entwicklung als die natürliche genommen haben. In Europa findet man fast nur

Landschaften, die mehr oder weniger durch den Menschen beeinflusst waren und sind.

Deshalb ist dieser Zusatz für Nationalparke in Deutschland notwendig gewesen, um

überhaupt Nationalparkgebiete ausweisen zu können. (FÖRDERVEREIN

NATIONALPARK EIFEL, 2006).

Für den Nationalpark Eifel gilt also die Schutzkategorie II der IUCN. Dies wird auch in

der Präambel der Nationalparkverordnung festgelegt:

„Die für die Naturlandschaft der Eifel charakteristischen Lebensräume von Laubwäldern,

Quellgebieten, Bachtälern und Offenlandflächen sollen durch die Errichtung eines

Nationalparks der Kategorie II nach den Kriterien der IUCN (International Union for

Conservation of Nature and Natural Resources) besonders geschützt werden; diese

Kriterien sollen nach spätestens 30 Jahren erfüllt sein.“

Die Umsetzung wird erleichtert durch die Möglichkeit, verschiedene Managementzonen

auszuweisen (WOIKE et al., 2002). Innerhalb der Nationalparke können so Zonen

unterschiedlicher Schutzintensität entstehen. In der Nationalparkverordnung werden diese

Zonen in § 3 benannt und in einer Karte dargestellt (Abbildung 3).

Abbildung 3: Zonen des Nationalparks Eifel (Quelle: LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ

NRW, 2008)

17


2 Grundlagen

Der Nationalpark Eifel ist nach der Nationalparkverordnung (NP-VO, 2003) in zwei

Zonen gegliedert: Zone I: Prozessschutzzone (grün) und Zone II: Pflegezone (gelb). Die

Zone I unterteilt sich in Zone I a (Flächen, die ab sofort dem Prozessschutz überlassen

werden können) und Zone I b (Flächen, die nach einer Umbauphase von längstens 30

Jahren in den Prozessschutz entlassen werden können) und Zone I c (ein Umbau innerhalb

der nächsten 30 Jahre wird voraussichtlich nicht möglich sein; die Entlassung in den

Prozessschutz bleibt erklärtes Ziel).

Zone II unterteilt sich in Zone II a: (Offenlandflächen, die der regelmäßigen Pflege

bedürfen; Funktionspflegezonen im Bereich der denkmalgeschützten Gebäude; technische

Funktionspflegezonen wie der Urftsee) und Zone II b: (Offenlandflächen, deren Verbleib

in Zone II im Rahmen des Nationalparkplans in Form eines Prüfauftrages durch die

Nationalparkverwaltung zu klären ist)

Der Nationalparkplan (LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008) erläutet

diese Flächenzuordnung so: „Konkret bedeutet diese Flächenzuordnung, dass mit den

Flächen der Zonen I A und I B innerhalb von 30 Jahren nach der Nationalparkausweisung

75 % der Nationalparkfläche dem Prozessschutz überlassen werden. Damit werden die

internationalen Vorgaben erfüllt, die eine ungestörte Entwicklung ohne weitere Eingriffe

auf mindestens 75 % der Fläche innerhalb von 30 Jahren fordern.“

Das Gebiet der Urft und der Urft-Talsperre sind in der Nationalparkzonierung als

Managementzone (Zone II) ausgewiesen.

Auch das Bundesnaturschutzgesetz BNatSchG (GRIESE, 2002) formuliert die Ziele in

§ 24 (2):

Nationalparke haben zum Ziel, im überwiegenden Teil ihres Gebiets den möglichst

ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten.“

§ 24 (1) Nr. 3 besagt, dass sie „sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem

vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich

in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen

möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik

gewährleistet.“

Nach DIEPOLDER, GROSSMANN (2009) hat die Mitgliederversammlung der

Föderation der Natur- und Nationalparke Europas (EUROPARC) die Rechtslinien der

IUCN für Europa interpretiert und am 6. September 1992 in Helsinki eine

Grundsatzerklärung zum Naturschutzziel in Schutzgebieten der Kategorie II abgegeben.

18


2 Grundlagen

EUROPARC ist der Dachverband der Nationalparke, UNESCO-Biosphärenreservate und

Naturparke (EUROPARC, 2009). Die Grundsatzerklärung erklärt u.a.:

- Die Natur hat sich seit Jahrmillionen unabhängig vom Menschen entwickelt.

Auch heute kann sie ohne Pflege durch den Menschen existieren.

- In natürlichen Lebensgemeinschaften laufen ständig dynamische Prozesse ab.

- Schutzgebiete der Kategorie II (Nationalparke) dienen vorrangig dem Schutz

natürlicher Lebensgemeinschaften und damit dem Schutz natürlicher

Prozesse. Deshalb ist die Nutzung der natürlichen Ressourcen durch Jagd,

Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, Fischerei, Weidewirtschaft und anderes

grundsätzlich nicht zulässig. Dies gilt für die weit überwiegende Fläche des

Schutzgebietes.

- In Gebieten, die seit Jahrhunderten genutzt werden, ist aus kulturellen und

sozioökonomischen Gründen bis zur Einstellung der Nutzungen

eine Übergangszeit zulässig.

- In natürlichen Lebensgemeinschaften gibt es keine Katastrophen. Windwurf in

Wäldern, Massenvermehrung von Insekten, Lawinen oder Brände sind

ökologische Phänomene und erfordern keine Eingriffe, ausgenommen

benachbarte Gebiete werden gefährdet

- Ausgerottete Tier- oder Pflanzenarten können nach sorgfältiger Prüfung des

Einzelfalles dann, wenn sie nicht auf natürliche Weise zurückwandern,

wieder angesiedelt werden.

- In Schutzgebieten der Kategorie II sind nicht autochthone Arten unerwünscht.

Maßnahmen zu ihrer Beseitigung sind im Einzelfall zu prüfen und sorgfältig

die positiven und negativen Folgen abzuwägen.

Der letzte genannte Punkt bezieht sich damit auf dem Umgang mit gebietsfremden

Pflanzen- und Tierarten in Nationalparks.

Im Nationalparkplan wird das Leitbild des Nationalparks erläutert, darin werden auch

Vorgaben zu eingebrachten und eingewanderten Arten (Neobiota) gemacht

(LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008), da auch in diesen Gebieten

sowohl bewusst durch den Menschen eingebrachte Arten (Fichte, Douglasie, Mufflon,

Regenbogenforelle u.a.) als auch von selbst eingewanderte Arten (Waschbär, Nutria,

Schmalblättriges Greiskraut, Springkraut u.a.) vorkommen. Als Handlungsgrundsatz gilt für

diese Arten, dass sie nur dann mit Maßnahmen entfernt werden, wenn dies „unter

Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit der anwendbaren Mittel möglich erscheint“

19


2 Grundlagen

(LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008). Grundlage dieses

Handlungsgrundssatzes des Nationalparks Eifel sind der Artikel 8 der

Biodiversitätskonvention von Rio, die Vorgaben der IUCN zur Verhinderung des

Biodiversitätsrückgangs in Folge invasiver Arten (IUCN 2000), die Grundsatzerklärung der

Föderation der Natur- und Nationalparke Europas für den Umgang mit Neobiota

(FNNPE, 1993) und die Leitlinien für deutsche Nationalparke (FÖNAD, 1997).

In diesen Vorgaben steht, dass Neobiota aus dem Gebiet des Nationalparks unter

bestimmten Voraussetzungen zu entfernen sind. Außerdem sollte ihre Ansiedlung

verhindert werden. Dies gilt dann, wenn sie Vorkommen einheimischer Arten

beeinträchtigen. Nach KLINGENSTEIN (ohne Datum) ist bundesweit noch keine Art

durch gebietsfremde Arten ausgestorben und auch die Auswirkungen auf Ökosysteme sind

offensichtlich nicht so tiefgreifend wie in anderen Regionen der Welt oder nicht so

bedeutsam wie andere Gefährdungsfaktoren: So werden zum Beispiel nur 5 % der

gefährdeten Pflanzenarten von gebietsfremden Arten bedroht (KLINGENSTEIN, ohne

Datum).

Das Ziel, also die Entfernung der Arten aus dem Gebiet des Nationalparks muss realistisch

sein, was für ständig nachwandernde Arten nicht gegeben ist. Als Beurteilungsgrundlage

muss eine Erfassung und Bewertung der Neobiota sowie eine darauf basierende

Maßnahmenplanung vorliegen. Pflanzliche Arten, die durch Maßnahmen entfernt werden

sollen, sind laut Nationalparkplan zum Beispiel Heracleum mantegazzianum, Fallopia japonica

und Prunus serotina.

Auch die Kommission der Europäischen Gemeinschaft befasst sich mit einer Strategie für

den Umgang mit invasiven Arten (EU, 2008), da es bis zu diesem Zeitpunkt „kein

umfassendes Rechtsinstrument für dem Umgang mit invasiven Arten“ gibt. In ihrem

Papier wird das Problem beschrieben und als wichtigstes Ergebnis die Prüfung eines

Vorwarnsystems genannt. Eine endgültige Fassung einer EU-Strategie soll 2010 vorliegen.

Zurzeit gilt der hierarchische Dreistufenansatz: 1. Verhütung, 2. Früherkennung und

Tilgung und 3. Bekämpfung und langfristige Eindämmung

2.1.3 Geologie

Der Nationalpark Eifel liegt in der Region Rureifel. Heute ist diese Gegend geprägt durch

Hochflächen, die von tiefen, engen Kerbtälern mit Fließgewässern durchzogen wird

(FÖRDERVEREIN NATIONALPARK EIFEL, 2006). Im Nationalpark Eifel liegt die

höchste Stelle mit 635 m ü. NN im Bereich Wahlerscheid im Süden, die geringste Höhe

20


2 Grundlagen

liegt in Hetzingen an der Nordostgrenze zum Rurtal bei 180 m ü. NN

(LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008).

In früheren Zeiten (im Devon vor ca. 400 Mio. Jahren) befand sich in Gebiet ein flaches

Meer. In ihm wurde Ton aus dem angrenzenden Bereich des „Old Red Kontinents“ als

Sediment abgelagert. Später (im Oberkarbon, vor 300 Mio. Jahren) faltete sich dieses

Sediment auf zum „Variscischem Gebirge“. Aus dem Ton entstand durch den hohen

Druck Tonschiefer, der heute zusammen mit Sandsteinen die Geologie der Eifel prägt. Auf

diesem aufgefalteten Gebirge lagerten sich später im Erdmittelalter Buntsandstein,

Muschelkalk und Keuper ab. Im Bereich des heutigen Nationalparks wurden diese

Schichten aber wieder abgetragen, so dass das Schiefergestein zur Bodenbildung diente. So

entstanden die vor allem basenarmen unterschiedlich tiefgründigen Braunerden, teilweise

sind sie aber auch etwas basenreicher. In Gebieten mit Staunässe findet man Pseudogley-

Braunerden und seltener Pseudogleye. Im Osten gibt es auch Podsole auf sandigem

Substrat. In Auen der Bäche und Fließgewässer findet man von Grundwasser geprägte

Gleye vor (LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008).

Durch die Nutzung durch den Menschen zum Beispiel durch Rodung sind die Böden

teilweise nur noch in geringen Mächtigkeiten und degradiert als Ranker vorhanden

(FÖRDERVEREIN NATIONALPARK EIFEL, 2006).

2.1.4 Klima

Das Klima im Nationalpark Eifel wird bestimmt durch die Nähe zum Atlantik, es herrscht

gemäßigtes, humides, sub-ozeanische Klima vor. Das ganze Jahr über gibt es westliche

Winde mit Tiefdruckgebieten. Milde Winter und kühle, regenreiche Sommer sorgen für ein

ausgeglichenes Klima (FÖRDERVEREIN NATIONALPARK EIFEL, 2006).

Andererseits gibt es innerhalb des Gebietes, hauptsächlich verursacht durch den

Höhenunterschied von ca. 450 m, natürlich auch regionale Unterschiede. So gibt es mittlere

Jahresniederschlagsmengen von 1200 mm im Süden und 700 mm im Nordosten

(LANDESBETRIEB WALD UND HOLZ NRW, 2008), die mittlere Jahrestemperatur

steigt vom Süden nach Norden von 6,5°C auf 8,5°C an (FÖRDERVEREIN

NATIONALPARK EIFEL, 2006). Durch die hohen Niederschlagsmengen und das

wasserundurchlässige Gestein handelt es sich bei der Rureifel um ein sehr wasserreiches

Gebiet. Dies wurde schon ab 1905 zur Gewinnung von Strom und Wasser durch den Bau

von Talsperren genutzt.

21


2 Grundlagen

Die untersuchten Gebiete der Urft befinden sich im nördlichen Bereich des Nationalparks.

Hier in der Nähe in Heimbach-Hergarten befindet sich eine Klimastation. In Abbildung 4

sind die Klimadaten (Temperatur, Niederschlag) dargestellt.

Abbildung 4: Temperaturen und Niederschläge 2008 an der Klimastation Heimbach-Hergarten

(aus: LEISTUNGSBERICHT, 2008)

Das langjährige Jahresmittel (1971-2008) der Temperaturen betrug in Heimbach-Hergarten

9,3°C, liegt damit also höher als im Durchschnitt im Nationalpark. Das langjährige Mittel

der Niederschläge liegt bei 734 mm, also im Bereich der durchschnittlichen Werte für den

Norden des Nationalparks. Die höchste durchschnittliche monatliche Temperatur wurde

im Juli und August gemessen (ca. 17°C), die niedrigste durchschnittliche monatliche

Temperatur betrug ca. 2°C im Dezember und Januar. Die monatlichen Niederschläge

schwanken im langjährigen Mittel in allen Monaten um 50-60 mm Niederschlagsmenge. An

den Daten von 2008 kann man aber erkennen, dass es Monate geben kann (März, Mai und

Juli 2008 beispielsweise), in denen die Mengen deutlich höher liegen (ca. 130 mm

Niederschlagsmenge im März 2008).

Für die Untersuchung der Vegetation im Bereich der Urft werden diese Klimadaten

vorausgesetzt. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass das Mikroklima am Ufer der Urft von

verschieden Faktoren beeinflusst wird.

22


2.2 Die Urft und der Urft-Stausee

2 Grundlagen

Für die Untersuchungen im Nationalpark wurde speziell das Gebiet des Fließgewässers

Urft ausgesucht. In diesem Bereich kommen Neophyten verstärkt vor (persönliche

Mitteilung, PARDEY, 2009). Fließgewässer gehören allgemein zu den am stärksten mit

Neophyten besiedelten Gebieten, da es sich hier um Gebiete mit sowohl natürlicher als

auch anthropogener Störung handelt. Störungen führen zu offenen konkurrenzarmen

Standorten, auf denen sich auch neue Arten leicht etablieren können. Außerdem gelingt

hier Fernausbreitung leicht. Die Isolation zwischen Ausbreitungsquellen und geeigneten

Wuchsorten wird genau wie bei Verkehrswegen aufgehoben (KOWARIK, 2003).

Weiter muss beim Standort Urft bedacht werden, dass das Gewässer in einen Stausee

mündet. Die Pegelstände können durch die Maßnahmen an der Staumauer im Laufe des

Jahres stark schwanken und beeinflussen damit die Beschaffenheit der Ufer und die

Vegetation.

Die Urft fließt nur in ihrem Unterlauf durch das Gebiet des Nationalparks. Ihre Quelle, der

Mittellauf und ihre Zuflüsse befinden sich außerhalb des Nationalparks. Der Nationalpark

wird also an dieser Stelle direkt von außen beeinflusst. Gerade in Bezug auf die

Neophytenausbreitung ist das ein wichtiger Punkt.

2.2.1 Die Urft

Bei der Urft (Gewässerkennzahl 2822) handelt es sich um ein Fließgewässer, das im

Nationalpark Eifel in den Urft-Stausee mündet. In Abbildung 5 ist sind die Lage und der

Verlauf der Urft zu erkennen. Die Urft ist ein rechter Nebenfluss der Rur. Die Quelle der

Urft befindet sich westlich von Schmidtheim in Nähe des Flugplatzes „Dahlemer Binz“ in

der Nordeifel. Die Urft mündet bei Rurberg in die Rurtalsperre. In ihrem Lauf ändert sich

die Höhe um 299 m, die Quellhöhe beträgt 581 m ü. NN, die Mündungshöhe beträgt

282 m ü. NN.

Die Urft hat eine Länge von ungefähr 40 km (WISSENSPIEGEL, Internet, 21.8.2009). In

ihrem Verlauf fließt sie durch Nettersheim, Kall und Gemünd. Sie hat einige Zuflüsse,

nämlich den von rechts zufließenden Genfbach, und die von links zufließenden Bäche

Kallbach (im Ort Kall), Kuttenbach und Gillesbach (im Ort Urft). In Gemünd trifft die

Urft auf die Olef.

23


2 Grundlagen

Abbildung 5: Die Urft, Lage und Verlauf in der Eifel (zusammengestellt in Geomedia Professional).

Der untersuchte Bereich liegt zwischen Schleiden-Gemünd und der Talsperre.

Die Gewässerstrukturgüte sagt etwas aus über die ökologische Qualität eines Gewässers.

Die ökologische Qualität wird durch anthropogene und auch natürliche Faktoren

beeinflusst. Im Gewässerstrukturgütebericht (LANDESUMWELTAMT NRW, 2005) wird

die Strukturgüte verschiedener Parameter zu Sohle, Ufer und Umland der Urft beurteilt. Es

gibt die in Tabelle 3 beschriebenen Gewässerstrukturgüteklassen.

Tabelle 3: Gewässerstrukturgüteklassen (Quelle: LANDESUMWELTAMT NRW, 2005)

Strukturgüteklasse Grad der Beeinträcht igung

1 unverändert

2 gering verändert

3 mäßig verändert

4 deutlich verändert

5 stark verändert

6 sehr stark verändert

7 vollständig verändert

In Bezug auf das untersuchte Gebiet sind folgende Aussagen herausgenommen

(LANDESUMWELTAMT NRW, Internet, 10.8.2009):

24


2 Grundlagen

Die Sohle der Urft wird meist mit Güteklasse 4 bis 6 bewertet, da große Teile begradigt

wurden. Stark bis übermäßig geschädigte Abschnitte (Strukturgüteklassen 6 und 7) waren

besonders in den stärker besiedelten Bereichen, wie z. B. in den Ortschaften Gemünd und

Schmidtheim zu verzeichnen. Die Abschnitte zwischen Gemünd und der Urft-Talsperre

entsprechen dagegen überwiegend dem Leitbild (Güteklasse 1 und 2).

Das Ufer der Urft wird so beurteilt: die meisten Abschnitte bekommen die

Strukturgüteklasse 3 bis 5, da das Ufer häufig verbaut ist, teilweise fehlt die typische

Uferstruktur oder ist nur gering ausgeprägt (fehlende Sturzbäume und

Holzansammlungen). Diese Abschnitte sind besonders im stark verbauten Gemünd

anzutreffen. Zwischen Gemünd und der Talsperre liegen die naturnahen bis bedingt

naturnahen Abschnitte (Güteklasse 1 und 2).

Die Bewertung des Parameters Umland (Ausprägung der Uferstreifen und Nutzung der

Aue) ist auch sehr unterschiedlich: Die Abschnitte zwischen Gemünd und Talsperre weisen

einen sehr guten Zustand auf. Hier schließen sich häufig, wie in Abbildung 6 zu erkennen,

bodenständige Wälder (=ufertypische Bäume, die Teil eines angrenzenden geschlossenen

und bodenständigen Laubwaldes sind) an das Ufer an.

Abbildung 6: Ufer der Urft zwischen Gemünd und Talsperre (Höhe des alten Hotels, August 2009)

Die Uferstreifen in den besiedelten oder landwirtschaftlich genutzten Bereichen sind meist

nur gering ausgeprägt oder fehlen ganz (Güteklasse 4 bis 6).

25


2 Grundlagen

Unter anderem in Gemünd und Mauel befinden sich die stark bis übermäßig geschädigten

Abschnitte des Umlandes (Güteklasse 6 und 7).

Der untersuchte Bereich zwischen Gemünd und der Talsperre entspricht also in weiten

Teilen dem Leitbild.

Allerdings wirken laut Gewässerstrukturgütebericht (LANDESUMWELTAMT NRW,

2005) Talsperren durch die Regulation des Abflusses bis weit in das Tiefland hinein (so bei

Rur, Kall, Urft und Olef ).

2.2.2 Der Urft-Talsperre

Die Urft wird seit 1905 gestaut. Sie war zu diesem Zeitpunkt der größte europäische

Stausee. Die Urft-Talsperre gehört zu einer Stauseenkette der Rur, die das Gebiet prägt. An

die Urft-Talsperre schließen sich Rurtalsperre und Obersee an (Abbildung 7).

Abbildung 7: Urft-Talsperre, (Quelle: LOCR, 21.8.2009)

Die Urft-Talsperre fasst ungefähr 45 Millionen Kubikmeter, die überstaute Fläche ist

ungefähr 2,16 km 2 groß. Die Talsperre wurde zur Energiegewinnung, zum

Hochwasserschutz und zur Wasserversorgung der Industrie angelegt (WVER, ohne Datum

und TALSPERRE, Internet, 10.8.2009). Zur Energiegewinnung wird das Wasser der Urft

durch einen unterirdischen, 2,7 km langen Stollen zum Wasserkraftwerk Heimbach geleitet.

Das Wasser gelangt also normalerweise nicht in den unterhalb der Staumauer gelegene

Obersee, um das hier gesammelte Trinkwasser nicht zu verunreinigen. Nur bei sehr starken

26


2 Grundlagen

Niederschlagsereignissen oder wenn bei Niedrigwasser der Wasserstand des

anschließenden Obersees erhöht werden soll, wird hier Wasser der Urft in den Obersee

eingelassen. Im Winter und im Frühjahr füllt sich die Talsperre durch Schmelz- und

Hochwasser. Am Ende des Sommers, Anfang des Herbstes wird die Talsperre geleert,

damit wieder Platz ist für das Hochwasser des Frühjahrs (persönliche Mitteilung,

PARDEY, 2009). Pegelstände werden gemessen an den Messstellen „Urft-Talsperre

Beckenpegel“ und „Urft-Talsperre Überlauf“. Außerdem gibt es eine Messstelle im Ort

Gemünd (WVER, 11.8.2009).

Seit 1993 gehört die Anlage zum Wasserverband Eifel-Rur (WVER, ohne Datum). Im

sonst nutzungsfreien Nationalpark gibt es also einen Bereich, der wasserwirtschaftlich

genutzt wird, dies ist vertraglich geregelt zwischen dem Betreiber und dem Land

Nordrhein-Westfalen. Deshalb ist das Gebiet in der Nationalparkzonierung als

Managementzone ausgewiesen. Am Nordufer der Talsperre und der Urft verläuft die

Kreisstraße 7 (auch K7 genannt), die als Fußgänger– und Radfahrweg dient. Die Talsperre

ist ein wichtiger Lebensraum und eine wichtige Nahrungsquelle für Wasservögel,

Greifvögel und Fledermäuse (TALSPERRE, Internet, 10.8.2009).

2.3 Pflanzen der Ufer der Fließgewässer im Nationalpark Eifel

2.3.1 Pflanzen der Ufer der Fließgewässer allgemein

Eine Pflanzengesellschaft gehört zur Flussaue, wenn sie zum Bereich gehört, der

überschwemmt wird. Dieser Umweltfaktor bestimmt die Zusammensetzung der Arten

(ELLENBERG, 1978). Die meisten Pflanzen dieser Zone können eine zeitweise

Überflutung ohne Schaden überstehen. Die Unsicherheit dieses Lebensraums wird

teilweise wieder wettgemacht durch die sonst optimalen Bedingungen: Jede Überflutung

bringt nährstoffreichen Boden mit, außerdem ist der Boden immer genügend

durchfeuchtet. Dieser Standort hat also einen der nitratreichsten Böden (ELLENBERG,

1978). WENDELBERGER (1986) fasst die Vorteile des Standortes so zusammen: „Gute

Wasser- und Nährstoffversorgung, lockerer, gut durchlüfteter Boden, voller Genuss des

Sonnenlichtes“. Die typische natürliche Vegetation der Gewässerufer ist die artenreiche

Hochstaudenflur. Damit bezeichnet man eine Vegetationsform, die von hochgewachsenen

mehrjährigen krautigen Pflanzen geprägt wird und sich an Fließgewässerufern,

Auenwäldern, Waldrändern und Gräben entwickelt.

Gräser fehlen in diesem Vegetationstyp fast völlig, es gibt nur einige hochgewachsene

Arten wie Molinia arundinacea (Rohr-Pfeifengras) und Phalaris arundinacea (Rohr-Glanzgras).

27


2 Grundlagen

Die Artzusammensetzung ist abhängig von Nährstoff- und Wasserversorgung. Arten wie

Petasites hybridus (Bach-Pestwurz), Cirsium oleraceum (Kohl-Kratzdistel), Filipendula ulmaria

(Echtes Mädesüß), Chaerophyllum hirsutum (Rauhhaariger Kälberkropf), Eupatorium

cannabinum (Gewöhnlicher Wasserdost) und Urtica dioica (Gewöhnliche Brennnessel)

dominieren die Bestände. Die Hochstaudenflur kann sich auf Sand- und Schotterbänken

von Fließgewässern entwickeln. Sie ist zudem Lebensraum und Nahrungsquelle von

Kleinsäugern, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Insekten. Allerdings sind diese

Gesellschaften nicht mehr oft unzerstört anzutreffen. Meist sind durch Nutzung der

Gebiete bis ans Ufer nur noch Streifen dieser Vegetation erhalten geblieben. So geht die

Bodenfeuchte und die relativ hohe Luftfeuchtigkeit verloren. (HOCHSTAUDENFLUR,

Internet, 10.8.2009,). Die Hochstaudenflur entsteht durch wiederkehrende Störungen wie

Überschwemmungen. Die Flächen werden so baumfrei gehalten und gleichzeitig immer

wieder durch die Anschwemmungen mit Nährstoffen versorgt. Manchmal wird eine

Hochstaudenvegetation auch durch anthropogene Einflüsse gefördert, z.B. auf extensiv

genutzten Weideflächen. Nach LANDKREIS GÖPPINGEN (Internet, 10.8.09) stellt ein

naturnaher Bewuchs besonders an Bächen einen wirksamen Erosionsschutz dar. Wird die

Vegetation durch Neophyten verdrängt, sind instabile Uferböschungen die Folge.

Eine weitere typische Gewässervegetation zeigen die von hohem Grundwasserspiegel und

Überschwemmungen und daher hohem Nährstoffeintrag geprägten Auwälder. Die

häufigste Baumart ist hier die Alnus glutinosa (Schwarz-Erle), krautige Pflanzen im

Unterwuchs sind Stellaria memorum (Hain-Sternmiere), Athyrium filix-femina (Frauenfarn),

Circaea lutetiana (Hexenkraut), Lamium galeobdolon (Goldnessel), Impatiens noli-tangere (Echtes

Springkraut), Stachys sylvatica (Wald-Ziest) und Filipendula ulmaria (Mädesüß). Außerdem

können Pestwurz und Rohr-Glanzgras vorkommen. Ein kleiner Wechsel der

Standortverhältnisse genügt, um das Muster der Vegetation zu verschieben, damit sind

diese Standorte sehr artenreich. Im Nationalpark Eifel stellen diese Auwälder einen großen

Anteil der natürlichen Vegetation dar (FÖRDERVEREIN NATIONALPARK EIFEL,

2006).

2.3.2 Vegetation der Urft und des Urft-Stausees

Die Vegetation der Urft und des Urft-Stausees ist anthropogen beeinflusst durch die

Talsperre und dadurch, dass die Urft in ihrem Verlauf durch mehrere Orte fließt. Nach

VEGETATION URFT (Internet, 10.8.2009) schwankt der Wasserspiegel im Verlauf eines

Jahres um mehrere Meter. Dies hat natürlich einen großen Einfluss auf die Vegetation.

28


2 Grundlagen

Laut FÖRDERVEREIN NATIONALPARK EIFEL (2006) wäre auch für die Urft ab

Malsbenden ein Schwarz-Erlen-Auenwald die natürliche Vegetation. Aber nur auf dem

ersten Kilometer in Nationalpark ab Malsbenden sind einige Reste davon zu erkennen. Im

Übergangsbereich der Urft zum Urft-Stausee kommen halbnatürliche Weichholzauwälder

mit Mandel- und Bruchweide vor (FÖRDERVEREIN NATIONALPARK EIFEL, 2006).

Meist besteht die Uferzone aber aus Hochstaudenflur oder Grünflächen. Weiter in

Richtung Urft-Stausee wird die Urft breiter und tiefer, durch die Stauung liegen

ursprüngliche Randbereiche unter Wasser. Im weiteren Verlauf gelangen dadurch die

Wälder der Steilhänge an beiden Seiten in Ufernähe. Wenn der Wasserstand durch

Entleerung der Talsperre sinkt, liegen die kahlen Felsen offen dar. Außerdem sind diese

Bereich oft sehr steil, so dass kein Bodensubstrat vorhanden ist.

Bereiche, die außerhalb der Pegelschwankungen liegen, sind Standorte der Hochstaudenflur

mit Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea), Sumpfsegge (Carex acutiformis) und der seltenen

Blasen-Segge (Carex vesicaria). Außerdem wachsen in der Hochstaudenflur der Gewöhnliche

Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), der Sumpf-Ziest (Stachys palustris) und die Wasser- und

Ackerminze (Mentha aquatica, Mentha arvensis), Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) und der

Blutweiderich (Lythrum salicaria) (VEGETATION URFT, Internet, 10.8.2009).

Die Ortschaften, durch die die Urft im oberen Bereich fließt, beeinflussen die Vegetation

der Ufer durch Gärten, Gebäude, Industrie, Weiden und Äcker.

Nicht vergessen werden darf, dass das untersuchte Gebiet ein gut besuchtes Ausflugziel

war und ist. An einer Stelle an der K7 gab es bis 1945 (WISOVEG, Internet, 15.8.2009) das

Wald-Hotel mit einem Fähranleger und einer Brücke über die Urft (Abbildung 8, links).

Eventuell gab es hier Anpflanzungen. Außerdem gab es bis zum Bau der Urft-Talsperre

1904 eine Pulvermühle (Abbildung 8, rechts) kurz hinter Malsbenden. Hier sind heute noch

Mauerreste zu finden.

Abbildung 8: links: Darstellung des Hotels an der Urft auf einer alten Postkarte (Quelle: AK,

2.8.2009); rechts: Die Pulvermühle in Malsbenden (Quelle: EIFELMALER, Internet, 2.8.2009)

29


2.3.3 Neophyten allgemein

2 Grundlagen

Zur Begrifflichkeit: In dieser Arbeit werden der Einfachheit halber nur die im Folgenden erklärten

Begriffe dieses Themenbereiches benutzt. In der Literatur gibt es aber eine Fülle an Begriffen zu

diesem Thema, die sich in ihrer Bedeutung teilweise überschneiden oder nicht praktikabel sind.

(KOWARIK, 2003; Kapitel 1)

Neophyten werden definiert als Pflanzenarten, die erst durch den Einfluss des Menschen in

Gebiete gelangen konnten, in denen sie ursprünglich nicht vorkamen. Der Begriff

„Neobiota“ steht für die nichteinheimischen Tier-, Pflanzen- Pilz- und

Mikroorganismenarten. Als Zeitpunkt für den Beginn des Einflusses des Menschen setzt

man dabei definitionsgemäß die Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 an, da es ab diesem

Zeitpunkt zu einem verstärkten Kontakt und Austausch zwischen den Kontinenten kam.

Die Einführung von Neophyten in die Gebiete kann dabei absichtlich (als Nutzpflanze,

Zierpflanze, durch Imker) und unabsichtlich (Verschleppung von Pflanzensamen über

Verkehrswege) sein.

Unterscheiden muss man zwischen etablierten Arten und invasiven Arten. Etablierte Arten

können sich ohne weiteren Einfluss des Menschen über mehrere Generationen im neuen

Gebiet erhalten. Invasive Arten haben zusätzlich unerwünschte Auswirkungen auf andere

Arten oder Lebensräume (KOWARIK, 2003 und NEOFLORA, Internet, 30.6.2009).

Nach KOWARIK (2003) versteht man also unter Biologischen Invasionen „die durch

menschliche Aktivitäten ermöglichte Ausbreitung von Pflanzen, Tieren und

Mikroorganismen in Gebieten, die sie natürlicherweise zuvor nicht erreicht haben.“

Von Menschen ausgelöste Invasionen übertreffen natürliche Invasionen um ein Vielfaches

in ihrem Ausmaß, ihrer Reichweite, Geschwindigkeit und vor allem in ihren Auswirkungen.

Diese Invasionen stellen nach Zerstörung der Landschaft weltweit die zweitstärkste

Bedrohung für die Biodiversität dar (KOWARIK, 2003 und BfN, 2009).

Das Problem ist allerdings in den tropischen und subtropischen Gebieten, auf ozeanischen

Inseln, in Neuseeland, Australien, Südafrika und Nordamerika größer als im

mitteleuropäischen Raum. In Mitteleuropa heimische Arten (indigne Arten) sind selbst

nach der letzten Eiszeit Invasoren auf natürlichem Weg (also ohne Einfluss des Menschen)

gewesen und haben sich schon lange mit dem Überleben in dicht von Menschen

besiedeltem Raum auseinandergesetzt. Sie reagieren nicht so empfindlich auf neue invasive

Arten, da sie seit mehreren tausend Jahren mit durch den Menschen verursachten

Veränderung ihrer Umwelt zurecht kommen müssen. (KOWARIK 2003)

30


2 Grundlagen

Neu eingewanderte Organismen finden in Mitteleuropa also schwerere Bedingungen zur

Etablierung vor als in anderen Teilen der Welt. Bei der Betrachtung invasiver Arten ist es

deshalb wichtig, nicht einfach auf Modelle aus anderen Teilen der Welt zurückzugreifen.

Die in Tabelle 4 dargestellten Auswirkungen der Neophyten können ökologischer,

medizinischer und wirtschaftlicher Natur sein (WALDWISSEN, Internet, 30.6.2009).

Tabelle 4: Auswirkungen der Neophyten (nach: WALDWISSEN, Internet, 30.6.2009)

Ökologisch Verdrängen anderer Arten durch Konkurrenz, Auffressen, neue Krankheiten mitbringen.

Besonders gefährdet sind inselartig isolierte Ökosysteme ohne Ausw eichmöglichkeiten.

Veränderung von Ökosystemen (z.B. Stickstoffanreicherung durch die Robinie)

Aussterben durch Einkreuzen (z.B. bei Verw andtschaft die genetische Veränderungen der

heimischen Population)

Medizinisch Gesundheitsgefahr durch Allergien (z.B. Ambrosia), Gifte (z.B. Herkulesstaude)

Wirtschaftlich

Hohe Kosten im Gesundheitsbereich; Produktionsausfälle und –schäden, Behinderung von

Bew irtschaftung, Verschlechterung der Produktqualität, höhere Produktionskosten

Wirtschaftliche Schäden durch notw endige Bekämpfung könnte große Grundbesitzer

(Waldbesitzer!) besonders stark treffen

Einstufung als Quarantäne-Schädling Im Internationalen Pflanzenschutzabkommen (IPPC)

w urden Richtlinien (ISPM-Standards) festgelegt, nach denen eine Art als Quarantäneart

eingestuft w erden kann. Derzeit haben z.B. der Asiatische Laubholzbockkäfer (ALB), der

Kiefernholznematode oder die Esskastanien-Gallw espe diesen Status. Dies hat zur Folge,

dass bei internationalen Transporten bezüglich der Quarantänearten bestimmte, meist

kostspielige Auflagen erfüllt w erden müssen.

Nach NEOFLORA (Internet, 30.6.2009) sind insgesamt wohl 12.000 Gefäßpflanzen durch

den Menschen nach Deutschland gebracht worden, davon kommen 1.000 als unbeständige

Neophyten vor. Unbeständige Neophyten kommen gelegentlich und verstreut vor.

Dagegen gibt es ungefähr 400 Arten, die sich etablieren konnten, weil sie auf für sie gute

Standortbedingungen trafen: beispielsweise weil ihre Ansprüche mit den

Standortbedingungen besonders gut übereinstimmen, sie eine bisher dort unbesetzte

„Lücke“ besetzen oder ihre Fraßfeinde/Schädlinge fehlen. Von diesen etablierten Arten

haben ungefähr 50 aus verschiedenen Gründen einen invasiven Charakter.

In anderen Teilen der Welt verhalten sich Neophyten auch nach dieser Regel, der so

genannten „Zehner-Regel“: 10 % der eingeführten Arten befinden sich unbeständig im

neuen Gebiet, davon 10 % können sich etablieren, und davon sind dann wieder 10 % der

Arten als invasiv zu beschreiben. Es gibt einige Eigenschaften, die diese Vorgänge

erleichtern, wie Tabelle 5 auf der folgenden Seite zeigt.

31


2 Grundlagen

Tabelle 5: Vorteilhafte Art- und Standorteigenschaften (nach: NEOFLORA, Internet, 10.8.2009)

Arteigenschaften eine hohe Samenproduktion,

eine starke Wuchskraft oder Toleranz gegenüber Störungen bzw . Bevorzugung von

Nährstoffreichtum

eine gew isse Plastizität des Genoms ermöglicht offensichtlich eine schnellere

Anpassung an die neue Umwelt und begünstigt damit die Invasivität von Arten

Standorteigenschaften der Nährstoffhaushalt oder die Störungsintensität der neu besiedelten Lebensräume

ist w ichtig;

2.3.4 Neophyten an Fließgewässern

in Mitteleuropa sind stärker gestörte und nährstoffreiche Standorte w ie Äcker und

Straßenränder reicher an Neophyten als z.B. Wälder und Moore

Täler von Flüssen sind nach KOWARIK (2003) bekannt als Ausbreitungsweg von

Pflanzen, ganz besonders aber für Neophyten. Dies wird durch eine Kombination von

anthropogenen und natürlichen Faktoren erklärt (Tabelle 6).

Tabelle 6: Natürliche und anthropogene Faktoren der Neophytenausbreitung an Fließgewässern

(nach: KOWARIK, 2003)

Art des Faktors Beschreibung

natürlich Verbreitung von Samen, Früchten, regenerationsfähigen Teilen der Pflanze über

w eite Strecken mit dem fließenden Wasser (Hydrochorie, Beispiel H. mantegazzianum)

natürlich Wasserstandsschw ankungen und Treibgut verursachen Störungsstandorte, die durch

ihre Offenheit günstige Ansiedlungsflächen bieten, z.B. Sedimentationsstellen, Sand-

und Kiesbänke, Uferanrisse, Auflichtungen der Auw älder

anthropogen größere Flüsse sind Verkehrsw ege, durch Schiffe können Samen in die Gew ässer

gelangen

anthropogen Gartenpflanzen aus Gärten am Ufer können ihre Samen verbreiten

anthropogen durch Kanalbauten w erden vorher nicht verbundene Gew ässersysteme verbunden,

w as den Austausch erhöht

anthropogen Gew ässer und die Ufer w erden durch den Menschen oft nachhaltig verändert und

sind damit gestörter

In Fließgewässern kommt es zum Absterben der Vegetation, wenn beispielsweise bei

Überschwemmungen die Pflanzen mit angeschwemmtem Boden bedeckt werden. Da im

angeschwemmten Boden Samen von Neophyten enthalten sein können, können diese den

Zustand der freien Fläche für ihr Wachstum nutzen (ELLENBERG, 1978). Oberläufe sind

weniger anthropogen beeinflusst als Mittel- und Unterlauf eines Fließgewässers, da sie

mehr von potentiellen Ausbreitungsquellen (Ortschaften, Verkehrswege) isoliert sind.

32


2 Grundlagen

REIHL (2006) zeigt, dass zwar die Anzahl von Neophyten am Ufer der Fließgewässer mit

der Länge des Gewässers ansteigt, aber vielmehr der Ausbaugrad und der anthropogene

Einfluss für die Anzahl entscheidend sind. Innerhalb der Flussaue wird die Verbreitung

bestimmt von der Überschwemmungsdauer: Einjährige Pflanzen (I. glandulifera) bevorzugen

zum Beispiel die offenen, vom Frühjahrshochwasser freigegebenen Stellen. I. glandulifera

kann aber auch in ausdauernder Vegetation nah am Ufer wachsen. Fallopia-Arten

bevorzugen die höher gelegenen Stellen (KOWARIK, 2003).

Fallopia-Bestände können sich nicht dauerhaft halten, wenn die ufernahen

Hochstaudengesellschaften häufig und lange überschwemmt werden (Beispiel: Rhein), an

der Elbe an Sandufern fehlen Fallopia-Bestände völlig, auf Steinaufschüttungen sind sie

dann wieder zu finden (KOWARIK, 2003)

33


3 Die untersuchten Neophyten

3 Die untersuchten Neophyten

Zur Kartierung werden sechs Neophytenarten ausgewählt, die ihre

Ausbreitungsschwerpunkte am Ufer des Fließgewässers Urft haben. Zwei weitere Arten

werden kartiert, aber nicht weiter beurteilt, da sie nur vereinzelt vorkommen. Im

Nationalpark Eifel gibt es weitere Neophyten, die in dieser Arbeit aber nicht berücksichtigt

werden. Ein Beispiel ist Senecio inaequidens, das Schmalblättrige Greiskraut aus Südafrika, das

typisch ist für andere Standorte. Im Nationalpark Eifel kommt es gehäuft an den Felsen in

der Nähe von Wegen vor, beispielsweise an der K7 (NATIONALPARK, 2009). Die

kartierten Arten Heracleum mantegazzianum, Fallopia japonica und Impatiens glandulifera gehören

nach DAISIE (2009) zu den hundert schlimmsten („100 of the Worst“) Neobiota in

Europa (INTERNET: DAISIE, 30.6.2009).

Im folgenden Abschnitt werden die untersuchten Neophyten einzeln beschrieben. Die

Beschreibungen und Biologie der Pflanzen, ihre Herkunft und Ausbreitungswege und ihre

zur Ausbreitung wichtigen Eigenschaften erfolgen hauptsächlich nach NEOFLORA

(August 2009), BÖCKER et al. (1995) und KOWARIK (2003). Eine Erläuterung zu den

teilweise aufgeführten Zeigerwerten ist in Kapitel 4.3.2 nachzulesen.

3.1 Heracleum mantegazzianum, Riesen-Bärenklau/Herkulesstaude

3.1.1 Beschreibung und Biologie

Heracleum mantegazzianum (Abbildung 9) gehört zur Familie der Apiaceae, der Doldenblütler.

Die Staude ist zweijährig, sie wächst im Jahr nach der Keimung als Rosette, im zweiten Jahr

bildet sie die Blüte aus und stirbt dann nach der Fruchtbildung ab. Teilweise kann man die

auffälligen vertrockneten Blütenstände im Gelände erkennen. Durch seine Größe von 2 bis

5 m ist H. mantegazzianum eine sehr auffällige und leicht zu bestimmende Art. Der gefurchte

Stängel der Staudenpflanze ist hohl, trägt im unteren Bereich auffällige, purpur-rötliche

Flecken und kann am Boden bis zu 10 cm dick werden. Die Blätter der Herkulesstaude

sind gefiedert (3-5teilig) und werden 1 bis 3 m lang. Die Milchsaft enthaltende Pfahlwurzel

der Pflanze kann bis zu 60 cm tief in den Boden reichen, und wird oben bis zu 15 cm dick.

34


3 Die untersuchten Neophyten

Abbildung 9: H. mantegazzianum an der Urft, im Mai ohne Blüte

Die Blüte der Herkulesstaude ist eine Doldenblüte, kann bis zu 80 cm Durchmesser

erreichen und blüht weiß bis rosafarben von Juni bis August. Eine Pflanze kann ab Juli bis

Oktober bis zu 50.000 Früchte bilden, da eine Pflanze bis zu 80.000 Blüten haben kann,

die jeweils zwei Früchte bilden können. Die Früchte sind flach und haben aufwärts

gebogene Borsten. Sie sind sehr leicht, können daher mit dem Wind im Umkreis von nicht

mehr als 100 m verbreitet werden. Jungpflanzen befinden sich meist im Umkreis von 10 m

um die Mutterpflanze herum. Außerdem sind die leichten, flachen Samen sehr gut

schwimmfähig (bis zu 3 Tagen) und können so durch fließendes Wasser weit transportiert

werden. Sie haben eine Keimfähigkeit im Boden von 7 bis 15 Jahren. Die Pflanze kann sich

nicht vegetativ vermehren, ist also auf die Samenproduktion angewiesen. Da auch

Selbstbestäubung möglich ist, reicht eine einzelne Pflanze aus, um den Bestand zu

vergrößern. Die Keimung erfolgt früh (Anfang bis Mitte Februar) und massenhaft

(2500 Samen pro m 2 wurden im Boden gezählt), das ergibt vor Konkurrenten einen

Etablierungsvorteil. Anfang Mai haben die stärksten jungen Pflanzen schon eine Höhe von

einem Meter.

Die Pflanze produziert einen Furanocumarine enthaltenden Milchsaft, der in Verbindung

mit Licht auf der Haut eines Menschen zu starken Verätzungen führen kann. Durch diese

phototaktische Wirkung hat H. mantegazzianum also direkte Auswirkungen auf die

menschliche Gesundheit.

35


3 Die untersuchten Neophyten

Wenn die Staude vor Ende der Blütezeit abgeschnitten wird oder an einem ungünstigen

Standort wächst, kann sie auch älter als zwei Jahre werden und in diesen späteren

Jahren Blüten ausbilden. H. mantegazzianum kann hybridisieren mit H. spondylium.

3.1.2 Standortansprüche

Nach NEOFLORA (August 2009) kommt H. mantegazzianum bevorzugt auf

nährstoffreichen, nicht zu sauren Böden vor. In Mitteleuropa ist er nicht - wie in seiner

ursprünglichen Heimat - auf Gebirge oder feuchte Standorte angewiesen. In besonders

warmen Gebieten tritt er nicht so häufig auf. Gestörte und artenarme Vegetation wird

stärker besiedelt. Er ist besonders an Flüssen und Bächen häufig, mit denen auch die

Samen ausgebreitet werden.

In Bezug auf Bodenreaktion und Wasserversorgung hat H. mantegazzianum eine breite

ökologische Amplitude, nur der Faktor Licht schränkt das Wachstum und die Blühfähigkeit

ein. Im Experiment verhindern stark versauerte Böden eine Etablierung der Keimlinge. Für

H. mantegazzianum werden in Tabelle 7 ausgewählte Zeigerwerte nach ELLENBERG

(1991) genannt.

Tabelle 7: Zeigerwerte nach Ellenberg für H. mantegazzianum (ELLENBERG, 1991)

L T K F R N

Heracleum

mantegazzi anum

3.1.3 Geschichte und Ausbreitung

9 6 0 6 0 8

Die Herkulesstaude als invasiver Neophyt stammt ursprünglich aus dem westlichen

Kaukasus und wächst dort in Gebieten über 2.300 m Meereshöhe. Nach KOWARIK

(2003) wächst sie dort in Hochstaudenfluren an den Ufern von Flüssen und Bächen, an

Waldrändern und auf Lichtungen oder auch auf Wiesen. Eingeführt nach Europa wurde sie

1890, eventuell auch früher, zuerst nach Großbritannien und später in andere europäische

Länder als Zierpflanze. Als Gartenpflanze war sie lange beliebt und verwilderte von dort

aus in die freie Natur. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts gab es dann immer häufiger Fundorte.

Außerdem wurde die Herkulesstaude von Imkern direkt in die freie Natur ausgebracht.

36


3 Die untersuchten Neophyten

Auch das Benutzen der getrockneten Blüte als Schmuck und der Transport von

samenenthaltener Erde und das Ausbringen mit Gartenabfall begünstigte die Verbreitung.

Heute ist der Neophyt in Europa von Zentralrussland bis Frankreich und von Norwegen

bis Ungarn verbreitet. Er kommt vor auf anthropogen genutzten Standorten, aber auch in

naturnahen Gebieten wie Fließgewässern, Verkehrswegen, Ruderalstandorten, Halden,

Gärten, Parkanlagen, Hecken, Waldrändern, Kahlschlägen, Lichtungen, Schonungen,

Wiesen und Äckern. Zuerst und besonders häufig besiedelt er aber die Ufer von

Fließgewässern. Hier scheint die Zahl exponentiell anzusteigen.

3.1.4 Auswirkungen

H. mantegazzianum verändert durch seine Größe und durch das Ausbilden großer

Dominanzbestände das Landschaftsbild. Betroffen sind dabei meistens Standorte, die

feucht und nährstoffreich sind, mit Störungen oder Nutzungsänderungen.

Durch seine phototoxische Wirkung stellt er eine direkte Gefahr für den Menschen dar.

Der Saft der Pflanze enthält besonders viel der Furanocumarine, aber auch in der restlichen

Pflanze sind sie überall enthalten. Nach Kontakt mit der Pflanze und nach

Sonneneinstrahlung können sich Verbrennungen dritten Grades auf der menschlichen

Haut entwickeln und Narben und Pigmentierungen hinterlassen. Bei der Arbeit an

H. mantegazzianum–Beständen muss daher immer Schutzkleidung getragen werden und bei

Hautkontakt zur Pflanze sofort mit Wasser abgespült werden.

Auch für einige Tiere sind die Furanocumarine giftig: Kühe sollen nach Verzehr gestorben

sein, bei jungen Enten kam es nach Kontakt mit der Pflanze zu Schäden an Schnabel und

Füßen. Schafe, Ziegen und Schweine dagegen sollen die Herkulesstaude fressen können.

Für unspezialisierte Hautflügler, Schwebfliegen und Käfer ist die Herkulesstaude eine gute

Blütenpflanze.

Teilweise beeinflussen Dominanzbestände die Krautschicht an ihrem Standort, da sie

den Lichteinfall durch ihren Schatten vermindern. In diesen Beständen sind die

Artenzahl und der Deckungsgrad geringer als in vergleichbarer benachbarter

Vegetation. H. mantegazzianum wächst aber meist an Standorten, an denen keine

seltenen Arten verdrängt werden. In Ausnahmefällen werden z.B. auf Trockenrasen

seltene Arten verdrängt. Dominanzbestände direkt am Ufer von Fließgewässern können

zur Ufererosion beitragen, da H. mantegazzianum im Gegensatz zu den von ihr

37


3 Die untersuchten Neophyten

verdrängten Pflanzen keine uferbefestigende Wirkung hat. So kann sich das

Abflussverhalten von Flüssen verändern.

3.1.5 Maßnahmen

Maßnahmen gegen den am meisten bekämpften Neophyten müssen sorgfältig geplant

werden, damit sie erfolgreich sind. Kontrolle und Nachbearbeitung der Flächen sind sehr

wichtig. Das Ziel ist es, das Blühen der Pflanze und damit das Ausbilden der Früchte zu

vermeiden. Alle Pflanzen müssen erfasst werden und auch nachkontrolliert werden, da die

Produktion einer übersehenen Pflanze ausreichen würde, um alle Maßnahmen hinfällig

werden zu lassen. Nach der Beseitigung ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass keine Samen

durch den Transport der entfernten Pflanzen in andere Gebiete gelangen können. Unreife

Samen können an einer abgeschlagenen Pflanze nachreifen, daher muss das Schnittgut

verbrannt oder bei 70°C kompostiert werden. Einzelpflanzen werden folgendermaßen

bekämpft: Abtöten der Pflanze bis spätestens Mitte April oder im Herbst von Oktober bis

Anfang November durch Ausgraben und Abstechen der Wurzel 10 bis 15 cm unterhalb

der Erdoberfläche. Samenbildung wird verhindert durch Mahd oder Abschneiden der Blüte

zu Beginn oder während der Blüte im Juni oder Juli. Es kann zu Notblüten kommen,

deshalb sind Nachkontrollen wichtig. Wenn die Fruchtreife begonnen hat (Ende Juli), kann

der Fruchtstand entfernt, verbrannt oder kompostiert und so die Pflanze zum Absterben

gebracht werden. Außerdem hat sie keine Reserven mehr für eine Notblüte. Die Früchte

müssen dafür noch vollständig grün sein. Größere Dominanzbestände werden anders

behandelt: Mit einer Traktor-Fräse werden die Bestände bearbeitet und so zerstört. Der

lockere Boden gibt im nächsten Jahr die noch austreibenden Pflanzen leicht frei, sie

können einfach herausgezogen werden. Im Laufe der Zeit (z.B. sechs Jahre) wird so der

Bestand vollständig vernichtet, teilweise wurde dabei das Mähgut nicht abtransportiert.

Eine weitere Möglichkeit ist die Beweidung mit Schafen, diese sollte früh im Jahr erfolgen,

wenn die Pflanzen noch klein sind.

Die Bekämpfung von H. mantegazzianum ist sinnvoll, da es durch die Maßnahmen zu einer

Verminderung der Gesundheitsgefahr für den Menschen kommt. Werden kleine Bestände

rechtzeitig vernünftig und sorgfältig bekämpft, kann dies gut eine Ausbreitung in neue

Standorte verhindern. Gerade durch die Gefahr für den Menschen ist eine breite

Information über diesen Neophyten sehr wichtig.

38


3 Die untersuchten Neophyten

Zu den Kosten der Bekämpfung liegen verschiedene Zahlen aus Deutschland und aus

Großbritannien vor. Der einmalige Einsatz eines Mulchgerätes wird auf 400 €/ha beziffert,

für das Ausstechen auf einem Hektar werden 6700 € angegeben. Eine mechanische

Bekämpfung von flächigen und linienförmigen Beständen auf insgesamt 26 ha durch

sechsmaliges Freischneiden pro Jahr kostete 1615 € pro Hektar und Jahr.

3.2 Impatiens glandulifera, Indisches Springkraut

3.2.1 Beschreibung und Biologie

Das Indische Springkraut, Impatiens glandulifera (Abbildung 10) gehört zur Familie der

Balsaminaceae, der Springkrautgewächse. Die einjährige Pflanze wird bis zu 2 m hoch. Der

Stängel ist bis 5 m dick und oben verzweigt und fleischig durchscheinend. Die Blätter

werden bis zu 25 cm lang und 5 cm breit und sind scharf gezähnt und eilanzettlich. Sie

stehen gegenständig, oben an der Pflanze auch manchmal quirlständig mit 3 Blättern. Der

Blattstiel besitzt extraflorale Nektarien (Drüsenzellen, -haare, die zusätzlich Nektar

ausscheiden). Die Blüten stehen in 2-14-blütigen Trauben, sind rot bis weiß und duftend.

Insgesamt sind die Blüten bis 40 mm lang und haben 3 Kelchblätter und 5 Kronblätter, das

obere ist dabei größer als die übrigen, die paarweise verwachsen sind.

Abbildung 10: Blüte von I. glandulifera im August

39


3 Die untersuchten Neophyten

I. glandulifera blüht von Juni bis Oktober und bildet Kapselfrüchte, die bei Berührung

aufspringen und die Samen bis zu einer Entfernung von 2 bis 7 m herausschleudern. So

können Samen z.B. direkt in das nahe Fließgewässer gelangen und weiter transportiert

werden. Im Wasser sinken die Samen rasch ab und werden wie das Geschiebe im Flussbett

transportiert. So werden Samen im Überflutungsbereich von Ufern abgesetzt und können

bei Rückgang des Wasserstandes auskeimen. Pro Pflanze werden bis zu 2500 Samen

produziert, die bereits im nächsten Frühjahr keimen, aber auch bis zu sechs Jahre im Boden

überdauern können. Die Keimlinge können sich in einer dichten Hochstaudenvegetation,

beispielsweise unter Brennnesseln etablieren. Das liegt an der großen Schattentoleranz der

Keimlinge: je tiefer der Schatten reicht, desto schneller wachsen die Keimlinge in die Höhe.

Der zweite Faktor für die Etablierung in den Hochstaudenfluren ist, dass sie alle

heimischen einjährigen Pflanzen im Höhenwachstum übertreffen. Im Juli ist I. glandulifera

schon größer als Brennnessel und Rohrglanzgras. Die Arten werden aber nicht vom

Neophyten verdrängt. Es entsteht teilweise nur eine weitere Vegetationsschicht in den

Gebieten.

3.2.2 Standortansprüche

I. glandulifera kommt vor allem vor auf nassen und feuchten Böden bis in eine Höhe von

ungefähr 1000 m. Auch auf trockenen Böden kann die Pflanze wachsen, wenn die

Luftfeuchtigkeit hoch genug ist. Meistens wächst I. glandulifera jedoch an den Ufern von

Gewässern, mit einem grundwasserfeuchten Boden. Gewässerränder und deren

Überflutungsbereich sind häufige Standorte; außerdem Kiesbänke, frische

Sedimentationsstellen und Standorte mit hoher Umweltdynamik. Deshalb wird eine

Ausbreitung des Neophyten begünstigt durch menschliche Eingriffe in die

Uferbeschaffenheit (wie beispielsweise Auflockerung, Beseitigung von Auenwäldern,

dadurch kommt es zu einer größeren Lichtversorgung der Standorte). Die Ansprüche an

den Boden sind weit gefasst von nährstoffarmen bis zu nährstoffreichen Böden, auch

Torfe oder mineralische Böden mit verschiedenen Korngrößen sind mögliche Wuchsorte.

Auch der pH-Wert des Bodens kann in einem weiten Bereich zwischen 4,5 und 7,8 liegen.

I. glandulifera wächst also sowohl auf sauren als auch auf basischen Böden. Ihre Ansprüche

an das Licht reichen von voll besonnt bis zu halbschattig. So kommt sie vor in dichten

Uferstaudengesellschaften, in lichten bis halbschattigen Auenwäldern und auf

Feuchtwiesen. Sie ist aber auch anzutreffen in Straßengräben und lichten Forsten, an

Waldwegen und -rändern und ruderal in Siedlungen.

40


3 Die untersuchten Neophyten

Für I. glandulifera werden in Tabelle 8 ausgewählte Zeigerwerte nach ELLENBERG (1991)

genannt.

Tabelle 8: Zeigerwerte nach Ellenberg für I. glandulifera (ELLENBERG, 1991)

L T K F R N

Impatiens

glandulifera

3.2.3 Geschichte und Ausbreitung

5 7 2 8 7 7

I. glandulifera, das Indische Springkraut, stammt aus dem westlichen Himalaja aus dem

Gebiet von Nord-Pakistan bis Indien. Die Angaben zum Vorkommen reichen von 1800 m

bis 3200 m und 1600 bis 4300 m Höhe. In ihrem Heimatgebiet im Himalaja findet man

I. glandulifera hauptsächlich in feuchten Nadelwäldern, auf Lichtungen, in Straßengräber und

an Ackerrändern. Bachläufe und andere Fließgewässer besiedelt sie dort dagegen nicht.

Das Indische Springkraut wurde zuerst 1839 in Großbritannien als Gartenpflanze

eingeführt und kam von dort in den folgenden Jahren auch in weitere europäische Länder.

Seitdem ist sie als Gartenpflanze beliebt. Auch für Imker war und ist sie eine wichtige

Blütenpflanze, sie haben zur Ausbreitung beigetragen, indem sie die Pflanze bewusst in die

freie Natur ausgebracht haben. Die Verwilderung erfolgte schon früh, in Großbritannien

sind erste wild wachsende Pflanzen schon 1855 entdeckt worden. Heute ist I. glandulifera in

Deutschland weit verbreitet, bildet große Dominanzbestände aus und kommt in der

natürlichen Auenvegetation vor. Fernausbreitung erfolgt auf natürlichem Weg effektiv nur

über das Wasser, sobald Bestände außerhalb der Überschwemmungszone von

Fließgewässern angetroffen werden, muss die Ursache dafür in einer anthropogenen

Anpflanzung oder Verschleppung von Samen zu suchen sein. Die Ausbreitung in noch

nicht besiedelte Wuchsorte hält an.

3.2.4 Auswirkungen

Durch das Auftreten großer, auffälliger Dominanzbestände sagt man I. glandulifera eine

große Bedrohung der einheimischen Arten nach. Es kommt aber nicht zur Verdrängung

anderer Arten durch diese Bestände. I. glandulifera besiedelt gestörte Stellen an Gewässern,

die z.B. durch regelmäßige Überschwemmungen vegetationsfrei sind, dringt aber auch ein

41


3 Die untersuchten Neophyten

in die ausdauernde Vegetation (wie krautige Gesellschaften, lichte Wälder oder Erlen- und

Weidensäume der Fließgewässer, die ja noch einen seitlichen Lichteinfall haben können).

Über die Auswirkungen von I. glandulifera-Beständen auf die Vegetation an den Standorten

gibt es sehr unterschiedliche Ansichten. Es gibt Aussagen, dass das Auftreten von

I. glandulifera-Beständen sehr problematisch ist, aber auch Aussagen, dass es zu keinerlei

Auswirkungen kommt.

Wichtig ist, dass I. glandulifera erst sehr spät im Sommer ihre volle Größe erreicht und daher

andere Pflanzen, die früher im Jahr zur Blüte kommen, die Chance haben zu wachsen, weil

sie noch nicht von I. glandulifera beschattet werden. Es kommt maximal zu einer

verminderten Produktion von Samen bei diesen Pflanzen. I. glandulifera ist als einjährige Art

auch jedes Jahr wieder abhängig von den jeweiligen Klimabedingungen des Jahres. So kann

in einem Jahr der Bestand sehr groß und mächtig sein, in einem anderen Jahr eher klein

(z.B. Jahre mit Spätfrösten). Dadurch haben andere Pflanzen des Standortes die Chance,

frühere Jahre wieder auszugleichen. Nicht untersucht ist der Effekt der abgestorbenen

Pflanzenmassen von I. glandulifera auf die Keimung anderer Samen.

Fraglich ist auch, ob I. glandulifera die ausdauernden Uferpflanzen verdrängt und so zur

Erosion der Uferränder beiträgt. I. glandulifera dringt eher in die bestehende, ausdauernde

Vegetation ein oder besiedelt neue durch Umlagerung entstandene Uferbereiche z.B. in

Auengebieten.

Durch ihr hohes Nektarangebot und auch die extrafloralen Nektarien ist I. glandulifera eine

attraktive Blütenpflanze für viele Insekten. Ob das eine Erhöhung der Diversität zur Folge

hat oder aber für die anderen Pflanzen des Standorten Nachteile bringt, da sie weniger

attraktiv für die Bestäuber sind, ist noch nicht wirklich geklärt.

Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit gibt es nicht. Auch wirtschaftliche

Auswirkungen sind nicht bekannt, Bekämpfungskosten wären allerdings sehr hoch.

Es ist eher der Biotopschutz, der bei I. glandulifera wichtig ist, weniger der Artenschutz:

Biotope werden durch die Art stark verändert, in ausgewählten Naturschutzgebieten kann

es sinnvoll sein, das ursprüngliche Erscheinungsbild der Vegetation wieder herzustellen

und zu bewahren.

3.2.5 Maßnahmen

Die Gefahr für Arten und Biotope wird sehr unterschiedlich eingeschätzt. Maßnahmen

müssten sehr regelmäßig erfolgen. Da I. glandulifera eine einjährige Pflanze ist, ist die

Bekämpfung einfacher. Wenn die Samenbildung verhindert wird und alle Pflanzen eines

42


3 Die untersuchten Neophyten

Bestandes vernichtet werden, sind die Erfolgsaussichten gut. Vorbeugend ist es aber

wichtig, die Ausbringung zu verhindern, z. B. in Gartenabfällen oder Erde oder durch die

Ausbringung durch Imker. Wenn neue Bestände im Oberlauf von Fließgewässern entdeckt

werden, kann es sinnvoll sein, diese zu bekämpfen, bevor es zur Ausbreitung durch das

Gewässer kommt. Potentiell gefährdete Stellen sollten beobachtet werden. Die

Maßnahmen sehen konkret so aus: Mahd (die gemähten Pflanzen müssen weggebracht

werden, Mulchen (die Pflanzen werden zerkleinert), Schwaden (die geschnittenen Pflanzen

werden liegen gelassen). Dabei ist der Zeitpunkt für den möglichst tiefen Schnitt sehr

wichtig: Wird zu früh geschnitten, kann die Pflanze sich regenerieren, wird zu spät

geschnitten, kann es zum Nachreifen der Samen an der abgeschnittenen Pflanze kommen.

Richtig ist also der Zeitpunkt vor dem Auftreten der ersten Blüten meist Ende Juli.

Kleinere Vorkommen kann man auch durch Ausreißen der ganzen Pflanze bekämpfen, die

dann aber besonders gut entsorgt werden muss, damit sie durch die noch vorhandene

Wurzel nicht an anderen Orten austreiben kann.

3.3 Fallopia japonica, Japanischer Staudenknöterich

Leicht zu verwechseln ist Fallopia japonica mit Fallopia sachalinensis (Sachalin-

Staudenknöterich), der größere Blätter besitzt, die am Grunde herzförmig sind, und mit

dem Hybrid Fallopia x bohemica, der wahrscheinlich erst in den neu besiedelten Gebieten aus

den beiden anderen Arten entstanden ist.

3.3.1 Beschreibung und Biologie

Fallopia japonica, der Japanische Staudenknöterich (Abbildung 11 auf der nächsten Seite)

gehört zur Familie der Polygonacaea, der Knöterichgewächse. Die ausdauernde, krautige

Pflanze (Rhizomgeophyt) kann bis zu 3 m hoch werden und bildet ausgedehnte Bestände

aus. In jedem Frühjahr treibt die Pflanze aus den Rhizomen neu aus, dabei erreicht sie

Wuchsgeschwindigkeiten von 10 bis 30 cm pro Tag. Die Stängel sind hohl. Die Blätter sind

breit eiförmig, ca. 12 bis 18 cm lang und 8 bis 13 cm breit. Zu erkennen ist F. japonica

eindeutig daran, dass die Blätter ledrig derb sind und einen rechtwinkligen Blattgrund

haben. Auf der Blattunterseite bilden sich sehr kurze Haare. Der Japanische

43


3 Die untersuchten Neophyten

Staudenknöterich ist eine zweihäusige Pflanze, es gibt männliche und weibliche Individuen.

Die Blüten sind weiß.

Abbildung 11: Bestand von Fallopia japonica an der Urft im Juni

Die Blütezeit beginnt im August. In Deutschland gibt es fast ausschließlich weibliche

Individuen. Es ist nicht sicher, ob es männliche Exemplare gibt, sie sind leicht zu

verwechseln mit F. x bohemica. Allerdings wurden in Deutschland auch Keimlinge

gefunden, die aber auch Hybride mit anderen Fallopia-Arten sein können. Der Japanische

Staudenknöterich ist unter verschiedenen Synonymen zu finden, die teilweise noch benutzt

werden: Reynoutria japonica, Polygonum cuspidatum.

Die Bestände sind sehr dicht und hochwüchsig, sie können nicht von anderen krautigen

Pflanzen überwachsen werden. Eine wichtige Eigenschaft für den Erfolg von F. japonica ist

die Ausbildung seiner unterirdischen, sehr verzweigten Rhizome, die einen großen Anteil

an der Gesamtbiomasse der Pflanze haben. Sie sind bis zu 10 cm dick und aus ihnen bilden

sich neue Sprosse und neue Rhizome, wenn an ihnen eine Knospe vorhanden ist. So ist es

möglich, dass sich ein F. japonica-Bestand vegetativ bis zu 1 m pro Jahr ausdehnen kann.

Auch kleinste Fragmente des Rhizoms oder des Stängels besitzen diese hohe

Regenerationsfähigkeit. Es können so nach Verletzungen neue Pflanzen heranwachsen.

Durch den Transport dieser Stängel- und Rhizomteile durch Fließgewässer oder mit

Erdaushub kann sich der Japanische Staudenknöterich leicht über große Entfernungen

ausbreiten. Im Ursprungsgebiet überwiegt die generative Vermehrung durch

Samenproduktion.

44


3.3.2 Standortansprüche

3 Die untersuchten Neophyten

Der Japanische Staudenknöterich siedelt gerne an sonnigen Fließgewässerufern. Die

bevorzugten Abschnitte der Ufer für Dominanzbestände sind gehölzfrei (auch gerodete

oder ausgelichtete Bereiche) oder befinden sich so unter der Uferbegleitvegetation, dass

Licht seitlich einfallen kann. Zu finden ist F. japonica auf urbanen Ruderalflächen,

Straßenrändern und Böschungen. Auch in Wäldern kann er vorkommen, wenn auch nicht

so starkwüchsig.

Insgesamt ist die Pflanze sehr konkurrenzstark, hiervon ist durch Beschattung die

Gesellschaft von Pestwurz, Brennnessel und Zaunwinde in Weiden- und Erlenzonen der

Fließgewässer betroffen.

F. japonica hat eine breite ökologische Amplitude z.B. beim Boden-pH-Wert: Kalkböden

werden besiedelt, aber auch Böden mit einem pH-Wert von 3,5. Wenn ufernahe

Hochstaudengesellschaften häufig und lange überschwemmt werden (Beispiel: Rhein),

können sich Fallopia-Bestände nicht dauerhaft halten. An der Elbe an Sandufern fehlen

Fallopia-Bestände völlig, auf Steinaufschüttungen sind sie dann wieder zu finden

(KOWRIK, 2003). In Tabelle 9 sind die Zeigerwerte für F. japonica gezeigt (NEOFLORA,

August 2009)

Tabelle 9: Zeigerwerte nach Ellenberg für F. japonica (NEOFLORA, 2009)

L T K F R N

Fallopia

japonica

3.3.3 Geschichte und Ausbreitung

8 6 2 8 5 7

Das ursprüngliche Herkunftsgebiet des Japanischen Staudenknöterichs liegt in ozeanischen

Gebieten in Ostasien, wie China, Japan und Korea. Dort deckt er einen weiten

Standortbereich ab, die Pflanze wächst in den heimischen Gebieten sowohl auf trockenen,

mageren Böden als auch auf feuchten, nährstoffreichen Böden.

Zur Einführung des invasiven Neophyten als Park- und Gartenpflanze in Großbritannien

kam es schon 1823, die weitere Verbreitung in Europa erfolgte dann ab 1849. Zur

Verwilderung der Pflanze kam es in Deutschland wohl zuerst 1872 in Zwickau aus einer

Gärtnerei. Auch als Viehfutter und Böschungsbefestigung diente der Japanische

Staudenknöterich. Ablagerung von Gartenabfall und das unbeabsichtigte Mittransportieren

von Pflanzenteilen an Fahrzeugen ermöglichten die Ausbreitung. Spontane Ausbreitung

erfolgt auch über Fließgewässer, ursprünglich waren hauptsächlich Gewässerufer besiedelt.

45


3 Die untersuchten Neophyten

Es gibt auch immer häufiger Wuchsorte, die sich nicht in Fließgewässer-Nähe befinden.

Eine weitere Ausbreitung ist wahrscheinlich.

3.3.4 Auswirkungen

Durch sein Größenwachstum ist der Japanische Staudenknöterich eine sehr auffällige

Pflanze, er kann das Landschaftsbild stark verändern. Unter den dichten Beständen kann

durch Beschattung keine andere Vegetation existieren. Nur für Frühblüher ist dies möglich,

andere Pflanzen befinden sich maximal im Randbereich der Bestände. F. japonica dringt in

Staudenfluren an Gewässerufern ein und nimmt den Platz dieser eigentlichen Vegetation

ein. Meist sind aber von der Verdrängung keine seltenen Arten betroffen. Betroffen sind

eher die häufigen Arten der nitrophilen Staudenfluren wie beispielsweise Brennnessel und

Pestwurz. Durch diese Verdrängung einheimischer Blüten- und Nahrungspflanzen kann es

zur Verminderung spezialisierte Insekten kommen. Außerdem kann ein starker Bewuchs

am Ufer wasserbauliche Probleme mit sich bringen, es kann zu Erosion kommen, da die

Rhizome des F. japonica den Boden schlechter zusammenhalten als z.B. die Wurzeln von

Gräsern. Oder es kommt bei Hochwasser zur Verlangsamung der Abflussgeschwindigkeit,

da die Bestände oder auch Pflanzenteile das Wasser stauen. Oft haben die Bestände aber

keine Einfluss auf die Ufer und ihre Abflusseigenschaften.

Kosten können entstehen durch Schäden an Gebäuden, die verursacht werden durch die

Rhizome von F. japonica. Ufer müssen befestigt werden, an Ufern, Böschungen und

Verkehrswegen muss F. japonica bekämpft werden. Auch Deiche sind gefährdet. Für

Deutschland schätzt man nur für die Beseitigung der Bestände an Bahngleisen die Kosten

auf 2,4 Mio. Euro. Die Bekämpfung sämtlicher Bestände würde 6,2 Mio. Euro kosten, die

anschließende Sicherung der Abschnitte an Ufern 16,7 Mio. Euro.

3.3.5 Maßnahmen

Durch seine Eigenschaften gehört der Japanische Staudenknöterich F. japonica (und auch

die beiden anderen Arten F. sachalinensis und F. x bohemica) zu den problematischen

Neophyten, daher sind vorbeugende und bekämpfende Maßnahmen notwendig. Da die

Kosten sehr hoch sind, sollte man sich auf einzelne Standorte beschränken, an denen die

Neophyten direkt aus Naturschutzgründen oder aus wasserbaulichen Gründen entfernt

werden soll. Vorbeugend muss auf Anpflanzungen verzichtet werden, besonders auf

Flächen, die gewässernah liegen. Eine Gefahr sind auch unbeabsichtigte Ausbringungen,

46


3 Die untersuchten Neophyten

wenn Erde, Gartenabfall oder Ähnliches transportiert und abgelegt werden. Empfohlen

wird eine vorrangige Beseitigung von Einzelbeständen an Fließgewässern, die sonst noch

frei sind von Fallopia-Beständen.

Zur konkreten Bekämpfung ist es wichtig, vor allem die Rhizome zu bekämpfen. Die

Maßnahmen erstrecken sich über mehrere Jahre, da immer eine Nachsorge betrieben

werden muss. Eine Mahd von acht Mal pro Jahr zu Beginn führt zu einer Zurückdrängung

der Pflanze (berechnete Kosten: 2800 Euro/Hektar). Es entstehen dichte Grasnarben, die

zwar ein guter Schutz für die Ufer sind, aber die natürliche Vegetation nicht wachsen

lassen. Beweidung durch Schafe erzielt ähnliche Ergebnisse, die Kosten liegen bei

358 Euro /Hektar. Ein Ausgraben der Rhizome ist schwierig, diese können bis zu 2 m tief

im Boden liegen. Das entnommene Material muss sorgfältig behandelt werden, damit die

Rhizome nicht an anderer Stelle austreiben und es so zu einer weiteren Verbreitung

kommt. Kompostierung ist eine Möglichkeit (allerdings muss frischer Kompost zugegeben

und der Kompost mit einer 2 m hohen Erdschicht abgedeckt werden, damit die Rhizome

nicht austreiben können). In Süddeutschland wurden Ufer, die mit Fallopia-Beständen

bewachsen waren, mit Weiden bepflanzt. Die Weiden verhindern durch die Beschattung

das Nachwachsen der Bestände und befestigen gleichzeitig die Ufer.

3.4 Spiraea x billardii, Billards Spierstrauch

Da Spiraea x billardii eine bisher noch wenig erforschte Neophytenart darstellt, gibt es

wenige Daten zu Eigenschaften und Verbreitungswegen. Nach ADOLPHI (persönliche

Mitteilung, 1.7.2009) handelt es sich bei den Spierstrauch-Vorkommen im Nationalpark

Eifel um die Art Spiraea x billardii (=S. x pseudosalicifolia). Eine Unterscheidung von

S. x billardii und S. x pseudosalicifolia wird heute kaum noch praktiziert. Die Unterschiede

sind geringfügig und weil vermutlich die Elternarten dieselben sind (Spiraea douglasii x

Spiraea alba), darf nur der ältere Name (in diesem Fall S. billardii) verwendet werden. Die

Abbildungen 12 und 13 auf der nächsten Seite zeigen einen Spiraea-Bestand an der K7 und

eine Blüte im August.

47


3 Die untersuchten Neophyten

Abbildung 12: Spiraea-Bestand an der K7, in der Nähe der Höhe, blühend, August 2009

3.4.1 Beschreibung und Biologie

Abbildung 13: Blüte von Spiraea x billardii im August

Spiraea x billardii, Billards Spierstrauch gehört zur Familie der Rosaceae, der Rosengewächse

(BAUMKUNDE, 2009). Sie ist nach ADOLPHI (persönliche Mitteilung, 1.7.2009) die

zweithäufigste Spierstrauchart an den Mittelgebirgsflüssen. Dieser Hybrid ist entstanden

aus den Elternarten Spiraea douglasii und Spiraea alba. Der Hybrid ist steril, kann sich aber

vegetativ gut über Klone vermehren (ADOLPHI, persönliche Mitteilung, 1.7.2009). Das

48


3 Die untersuchten Neophyten

erkennt man nach ADOLPHI (persönliche Mitteilung, 1.7.2009) an den kompakten

Beständen, die durch unterirdische Ausläufer entstehen. Aus einzelnen Trieben können

innerhalb von Jahrzehnten große Bestände entstehen. Spiersträucher können in naturnaher

Umgebung Jahrzehnte an ihren Pflanzstellen (Imker) überdauern und ihre Bestände durch

Ausläufer vergrößern (ADOLPHI in KOWARIK, 2003).

3.4.2 Standortansprüche

In Tabelle 10 sind die Zeigerwerte nach ELLENBERG (1991) für S. x billardii gezeigt

(ELLENBERG, 1991).

Tabelle 10: Zeigerwerte nach Ellenberg für S. x billardii (ELLENBERG, 1991)

L T K F R N

Spiraea x

billardii

3.4.3 Geschichte und Ausbreitung

7 6 7 8 6 6

Die Ausbreitung von S. x billardii geht von Anpflanzungen aus (Imker) und durch vom

Hochwasser verdriftete Teile. Auch werden die Sträucher als Deckungsgehölz bei der

Jagd angepflanzt (ADOLPHI, persönliche Mitteilung, 1.7.2009). Nach ADOLPHI ist

und war S. x billardii eine sehr beliebte Zierpflanze. Sie blüht nach ADOLPHI im Juni

und Juli und wird in vielen Gärten angepflanzt. Spiräen gibt es in ganz Deutschland

auffällig in alten Militärgeländen. In einigen Moorgebieten in Ostdeutschland gelten sie

mit Einschränkungen zu recht als invasiv (ADOLPHI, persönliche Mitteilung,

1.7.2009). Es ist nicht geklärt, ob sich S. x billardii in der Sukzession überhaupt

langfristig halten kann. Nach ADOLPHI gibt es viele Stellen in Deutschland, wo die Art

im Laufe der Jahrzehnte wieder verschwunden ist.

3.4.4 Auswirkungen

Im einigen Moorgebieten in Ostdeutschland gilt S. x billardii mit Einschränkungen zu recht

als invasiv (ADOLPHI, persönliche Mitteilung, 1.7.2009). Laut ADOLPHI stellen sie im

Nationalpark Eifel keine Bedrohung für andere, besondere Arten dar.

3.4.5 Maßnahmen

Es sind keine Maßnahmen nötig, da keine Auswirkungen auf die Vegetation oder auf

Ökosysteme bekannt sind.

49


3.5 Symphoricarpos albus, Gewöhnliche Schneebeere

3 Die untersuchten Neophyten

S. rivularis und S. racemosus sind Synonyme von S. albus, die teilweise auch noch benutzt

werden.

3.5.1 Beschreibung und Biologie

Die Gewöhnliche Schneebeere, Symphoricarpos. albus, gehört zur Familie der Caprifoliaceae,

der Geißblattgewächse. Der Strauch wird ca. 1 bis 2 m hoch und hat vielfach verzweigte

Triebe. Im Boden befinden sich die Rhizome in 5 bis 10 cm Tiefe, aus ihnen werden die

Sprosse gebildet, die die sommergrünen, dichten Gebüsche bilden. Die Blätter stehen

gegenständig und sind eiförmig, ganzrandig oder buchtig gelappt. Die kleinen (6 mm),

radiärsymmetrischen, fünfzähligen Blüten sind rosafarben und stehen in Ähren an den

Zweigenden (Abbildung 4, links).

Abbildung 14: links: Blüte von S. albus (Quelle: SYMPHORICARPUS, 29.8.2009) ;

rechts: Früchte von S. albus (Quelle: BAUMKUNDE, 29.8.2009)

Blütezeit ist von Juni bis September. Im Juli bis Oktober wird eine weiße, fleischige ca.

1 bis 1,5 cm große Steinfrucht mit 2 Samen gebildet („Knallerbse“, Abbildung 4, rechts).

Verletzte Pflanzenteile oder durch Feuer zerstörte Pflanzenteile können durch Ausschlag

der Rhizome regeneriert werden und bereits im ersten Jahr nach diesem Ereignis wieder

blühen. Die Gewöhnliche Schneebeere verträgt Schatten sehr gut, allerdings kann hier die

sonst sehr reichliche Blüte geringer ausfallen und damit auch die Frucht-Produktion. Die

Früchte sind aufgrund ihrer weißen Farbe nicht sehr attraktiv für Vögel und werden daher

50


3 Die untersuchten Neophyten

selten durch sie verbreitet. Meist fallen sie im Winter vom Strauch ab und beginnen erst

nach einer Phase der Dormanz und der anschließenden Nachreifung nach ca. 18 Monaten

zu keimen. Die Entstehung einer Pflanze aus Samen ist also schwierig, in der Heimat wie

auch in den neuen Gebieten. Keimlinge sind unterschiedlich häufig gefunden worden in

Mitteleuropa: in Halle häufig auf Sandböden, in Großbritannien nur vereinzelte Funde von

Pflanzen, die aus Keimlingen entstanden sind. Bei der Vermehrung ist eher das klonale

Wachstum und die Regeneration aus den Rhizomen wichtig, so ist S. albus gut an

Störungen angepasst. Hauptsächlich geschieht die Vermehrung vegetativ.

3.5.2 Standortansprüche

Die Gewöhnliche Schneebeere verträgt sehr gut Schatten, sie wächst in Hecken, und

Gebüschen, aber auch in Wäldern und an Straßenrändern. In der Stadt kann sie auf

Ruderalstellen vorkommen.

3.5.3 Geschichte und Ausbreitung

Die ursprüngliche Heimat der Schneebeere liegt in Nordamerika. Dort kommt sie von

Alaska bis nach Kalifornien vor, nach Osten gibt es sie in Gebieten bis zur Hudson Bay

und nach North Carolina. Sie wächst bis in die Höhe von 2800 m in den Rocky Mountains.

Die Standorte können feucht bis trocken sein, sowohl im Wald als auch in der Steppe

liegen. S. albus wurde 1817 als Gartenpflanze nach Großbritannien eingeführt. Auch in

Deutschland gab es die Pflanze kurze Zeit später in Anpflanzungen und sie ist bis heute

eine beliebte Zier- und Strauchpflanze in Siedlungen. Es gibt sie auch in Wäldern, sie

wurde dort von Imkern oder Förstern und Jägern angepflanzt.

3.5.4 Auswirkungen

S. albus ist in den meisten Gebieten ein unauffälliger Neophyt ohne besondere Auswirkung

auf Lebensräume oder Tier- und Pflanzenarten.

3.5.4 Maßnahmen

Es sind keine Maßnahmen erforderlich.

51


3.6 Lupinus polyphyllus, Vielblütige Lupine

3 Die untersuchten Neophyten

Lupinus polyphyllus, die Vielblütige Lupine ist im Untersuchzugsgebiet nur an einer Stelle auf

einer Wiese gefunden worden. Der Vollständigkeit halber wird sie hier mit aufgeführt, es

werden aber zu dieser Neophytenart keine weiteren Betrachtungen angestellt, da es sich

nicht um eine typische Art der Gewässerufer handelt.

In Tabelle 11 sind die Zeigerwerte nach ELLENBERG (1991) für L .polyphyllus gezeigt.

Tabelle 11: Zeigerwerte nach Ellenberg für L. polyphyllus (ELLENBERG, 1991)

L T K F R N

Lupinus

polyphyllus

7 5 4 5 4 x

3.7 Bunias orientalis, Orientalisches Zackenschötchen

3.7.1 Beschreibung und Biologie

Das Orientalische Zackenschötchen, Bunias orientalis (Abbildung 15 auf der folgenden Seite)

gehört zur Familie der Brassicacae (Kreuzblütler). Die mehrjährige (>10 Jahre) Staude wird

bis 1,5 m hoch, ist oben stark verzweigt. Die Pflanze wächst sehr schnell und blüht bereits

im ersten Jahr nach der Keimung. Die Seitenäste sind stark abgespreizt. Der Blütenstand

und der obere Teil des Stängels sind drüsig. Die unteren Blätter von B. orientalis sind

gestielt, tief gefiedert mit einem dreieckigen Endabschnitt. Die oberen Blätter sehen anders

aus: sie sitzen am Stängel und sind meist ungeteilt.

52


3 Die untersuchten Neophyten

Abbildung 15: Größerer Bestand von B. orientalis, Juni 2009, Wildschweinfläche

3.7.2 Standortansprüche

Abbildung 16: Schötchen von Bunias orientalis, im August

Die Pflanze blüht auffällig gelb in strahligen Blüten, die 5-8 mm groß werden. Sie reifen zu

5-10 mm großen Schötchen, die Zacken haben (Abbildung 16). Die Samen fallen im Juli

und dem folgenden Frühjahr aus den Schötchen heraus, werden sonst aber nicht weiter

53


3 Die untersuchten Neophyten

transportiert durch natürliche Faktoren. Samen und Wurzelfragmente, aus denen sich die

Pflanze gut und schnell regenerieren kann, können ausgebreitet werden, indem das

Erdmaterial ihres Standortes transportiert wird. Die Samen von B. orientalis bleiben im

Boden mehrere Jahre keimfähig.

B. orientalis kann an nährstoffreichen Stellen sehr schnell eine Population aufbauen,

besonders, wenn die Stellen gestört sind. Sie ist oft schneller als Konkurrenten. Die

Keimungsaktivität wird gefördert durch Störungen. Abgefallenes Laub von B. orientalis

besitzt allelopathische Wirkung, das könnte mögliche Konkurrenten am Wachstum

hindern. Keimungsfähig sind die Samen bis in den Sommer hinein.

B. orientalis erfährt durch Störungen eine Förderung. Wenn es nicht zu schattig ist, kann sie

aber auch in einer ausdauernden Vegetation vorkommen. Ein optimaler Standort sieht für

B. orientalis folgendermaßen aus: viel Licht, hohe Ressourcenverfügbarkeit, gestörter

Standort, da hier die Konkurrenz durch beschattende Arten wegfällt. Dies trifft z.B. auf

einer Wiese zu, hier hat B. orientalis außerdem den Vorteil, dass die Mahd Vorteile bei einem

zweiten Wachstumsschub im Herbst bietet. Der Neophyt bevorzugt nährstoffreiche

Böden, er wird durch den anthropogenen Nährstoffeintrag begünstigt. Die Standorte

sollten warm sein. In Tabelle 12 sind die Zeigerwerte nach ELLENBERG (1991) für

B. orientalis aufgelistet.

Tabelle 12: Zeigerwerte nach Ellenberg für B. orientalis (ELLENBERG, 1991)

L T K F R N

Bunias

orientalis

3.7.3 Geschichte und Ausbreitung

7 6 5 5 8 5

Die Heimat des Orientalischen Zackenschötchens, B. orientalis reicht von Sibirien bis nach

Ost/Südosteuropa. Vorkommen, die im Südosten von Wien liegen, gelten eventuell noch

als natürliches Herkunftsgebiet. B. orientalis wurde als Futterpflanze für Vieh angebaut, und

wird auch als Gartenpflanze genutzt. Eine Einführung erfolgte auch durch verunreinigtes

Saatgut (FALTBLATT BUNIAS, 2004). Seit ungefähr 200 Jahren breitet sie sich immer

stärker in Europa aus. Das häufige Vorkommen an Transportwegen wie Straßen wird

durch das Anhaften von Bodenmaterial an Fahrzeugen erklärt. Seit ungefähr 20 Jahren

breitet sich der Neophyt verstärkt aus, seit ca. 1980 werden Dominanzbestände beobachtet.

Diese Massenvorkommen gibt es in den warmen Muschelkalkgebieten in Nordbayern,

54


3 Die untersuchten Neophyten

Hessen und Thüringen. Neuerdings erscheint B. orientalis neben Straßenrändern, Ufern,

Ruderalstandorten auch in Weinbergen, im Grünland und auf thermophilen Trockenrasen.

3.7.4 Auswirkungen

In gestörten Flächen können sich Dominanzbestände von B. orientalis entwickeln, auf

ungestörten Flächen ist ein weiteres Eindringen nicht zu erwarten, B. orientalis wird hier

längerfristig von höher wachsenden Konkurrenten verdrängt. Solche durch Menschen

gestörte Flächen sind beispielsweise Grünland und Weinberge. Je höher die Dichte von

B. orientalis in diesen Flächen wird, desto weniger andere Pflanzenarten können

vorkommen. An Straßenrändern betrifft das nur sowieso häufig vorkommende Arten, in

Trockenrasengebieten können aber auch seltene Pflanzen betroffen sein. Da B. orientalis

viele nektarspendende Blüten besitzt, stellt sie für Insekten und Bestäuber eine wichtige

Futterquelle dar, die eine Konkurrenz darstellen können für andere Pflanzen, die auch auf

Insekten für ihre Bestäubung angewiesen sind; dies kann für diese Pflanzen ein Nachteil

sein und sie zurückdrängen.

3.7.5 Maßnahmen

Außer den oben beschriebenen Auswirkungen sind keine Schäden oder Kosten zu

erwarten, Maßnahmen sind nicht nötig. Allerdings kann man Kosten durch Verluste auf

Grünland und Äckern erwarten. Es ist sinnvoll, Störungen durch Maßnahmen zu

vermeiden, da B. orientalis damit besser zurecht kommt als die Konkurrenten und daher

sogar durch Gegenmaßnahmen Vorteile hätte. Eine gute Maßnahme wäre daher das

Vermeiden von Störungen. Da an Straßenrändern eine Mahd nicht immer zu vermeiden ist,

sollte diese in Spätherbst oder so oft wie möglich durchgeführt werden, um durch die hohe

Frequenz die Pflanzen an der Blüte und Samenreife zu hindern.

3.8 Solidago gigantea, Riesen-Goldrute

Solidago gigantea, die Riesen-Goldrute, ist im Untersuchzugsgebiet nur an einer Stelle kartiert

worden. Der Vollständigkeit halber wird sie hier mit aufgeführt, es werden aber zu dieser

55


3 Die untersuchten Neophyten

Neophytenart keine weiteren Betrachtungen angestellt. Der Standort befindet sich in

unmittelbarer Nähe zum Alten Hotel an der K7. Die Goldrute kann sich über Rhizome

schnell ausbreiten. In Tabelle 13 sind die Zeigerwerte nach ELLENBERG (1991) für S.

gigantea gezeigt.

Tabelle 13: Zeigerwerte nach Ellenberg für Solidago gigantea (ELLENBERG, 1991)

L T K F R N

Solidago

gigantea

8 6 5 6 x 7

3.9 Zusammenfassung der wichtigen Eigenschaften der Neophyten

Für einen besseren Überblick über die in Kapitel 3 erwähnten Eigenschaften der

verschiedenen Neophyten, werden die wichtigsten Merkmale der Pflanzen in Tabelle 14

auf der folgenden Seite zusammengefasst.

56


3 Die untersuchten Neophyten

Tabelle 14: Die wichtigsten Eigenschaften der untersuchten Neophyten (nach: KOWARIK; 2003, NEOFLORA (2009) und ADOLPHI (2009)

H. mantegazzianum I. glandulifera F. japonica S. x billardii S. albus B. orientalis

Samenverbreitung Wind: 100m um

Herausschleudern der keine Weiße Früchte sind Samen fallen nur aus den

Mutterpflanze herum Samen, Transport im

unattraktiv für Vögel Schötchen heraus auf den

Wasser: Samen sind Flussbett, Anschwemmen

Boden um die Pflanze

schwimmfähig (bis zu 3 an Überflutungsbereichen

herum

Tagen)

Keimfähigkeit: 6 Jahre

Keimfähigkeit: mehrere

Keimfähigkeit: 7-15 Jahre

Jahre

Vegetatives Wachstum nein ja, Regeneration aus ja, durch Rhizome und ja, gut über Klone, ja, durch Rhizome und ja, Regeneration aus

Wurzelfragmenten Stängel (auch kleinste unterirdische Ausläufer, Pflanzenteile, auch nach Wurzelfragmenten

Fragmente)

aus einzelnen Teilen

können über die Jahre

große Bestände entstehen

(ADOLPHI, pers.

Mitteilung, 1.7.2009)

Feuer und Verletzungen

Bevorzugte Standorte helle, nährstoffreiche, nicht Nasse, feuchte Standorte Sonnige Flussufer,

kann schattig sein Gestörte, nährstoffreiche

zu warme Standorte, Böden oder trockene bei hoher gehölzfrei, Ruderalflächen,

Stellen, viel Licht, warm

nicht zu sauer, gestörte, Luftfeuchtigkeit, gestörte Straßenränder, pH-Wert:

artenarme Vegetation an Standorte, große Toleranz große Toleranz

Fließgewässern

bei Licht (bei wenig Licht

geringeres Wachstum),

Boden pH-Wert und

Nährstoffgehalt

Vorteilhafte

• Viele Samen, lange • Wächst sehr schnell und • vegetative Regeneration

• Schattenverträglichkeit • Schnelles Wachstum

Eigenschaften für die keimfähig,

höher als alle anderen • sehr konkurrenzstark

• gut an Störungen • Blüte im 1. Jahr nach der

Ausbreitung

• Selbstbestäubung, daher Pflanzen der Standorte,

angepasst

Keimung,

reicht 1 Pflanze aus, um aber es wird nur 1 weitere

• gute Regeneration nach • Regeneration aus Wurzel-

einen neuen großen Veg.schicht gebildet, andere

Verletzungen

fragmenten

Bestand auszubilden, Arten bleiben

• allelopathische Wirkung

• frühe und massenhafte • Schattentoleranz

des Laubes lässt

Keimung als

ermöglicht Wachstum in

Konkurrenten schlechter

Konkurrenzvorteil bestehender Vegetation

wachsen

• 2500 Samen/Pflanze

• Samen können bis in den

Sommer hinein keimen

• Störungen erhöhen die

Keimungsfähigkeit

57


Auswirkungen auf… • Ufer: Erosion durch große

Bestände

• Landschaftsbild

• Krautschicht: durch

Beschattung kommt es zur

Verminderung der

Artenzahl (aber: bei nicht

seltenen Pflanzen meist)

• menschliche Gesundheit:

durch phototoxische

Wirkung der

Furanocumarine

• nicht klar

• keine Auswirkungen auf

andere Pflanzen am

Standort, da Beschattung

erst dann, wenn diese schon

geblüht haben

• Insekten: attraktive

Blütenpflanze

• Ufer: keine

Erosionsschäden

• Landschaftsbild/Biotop

Maßnahmen empfohlen? ja • nur zum Biotopschutz, da

das Erscheinungsbild stark

verändert wird

Maßnahmen und

Zeitpunkt der

Maßnahmen

• alle ! Pflanzen entfernen,

da 1 ausreicht, um einen

neuen Bestand zu bilden

•spätestens Mitte April oder

Okt-Nov. durch Ausgraben

und Abstechen der Wurzel

• Verhindern der Blüte

durch Abschneiden im

Juni/Juli (Nachkontrolle

der Notblüten!)

• Verbrennen oder

Kompostieren der

Pflanzenteile

• große Bestände:

Traktorfräse über mind. 6

Jahre

• Information!

• Maßnahmen teuer

• vorbeugende

Maßnahmen:

Anpflanzungen verhindern

• Information

• Mahd, Mulchen,

Schwaden Ende Juli

Bemerkungen • Fernausbreitung nur über

Fließgewässer

• weite Entfernungen

werden sonst nur über

Verschleppung er Samen

oder Anpflanzungen

überwunden

• die Größe der bestände

kann je nach Klima von

Jahr zu Jahr variieren

• Ufergesellschaften:

Verdrängung durch

Beschattung

• Landschaftsbild

• Insekten: Verdrängung

der Blütenpflanzen

• Ufer: Erosion

• Hochwasser kann sich an

verfangenen Pflanzenteilen

anstauen, Erosion

• Gebäude, Deiche

3 Die untersuchten Neophyten

Keine bekannt Keine bekannt • gestörte Flächen

(Grünland, Weinberge):

Dominanzbestände

• andere Pflanzen dieser

Bestände: Verdrängung

• seltene Pflanzen in

Trockenrasengebieten

• Pflanzen, die auf

Insektenbestäubung

angewiesen sind: werden

verdrängt, da B. orientalis

eine gute Futterquelle

ja nein nein • nein!

• Im Gegenteil: Störungen

(wie Maßnahmen) erhöhen

• vorbeugende

Maßnahmen:

Anpflanzungen verhindern

• Rhizome vernichten,

vorbeugende Maßnahmen:

Anpflanzungen verhindern

Nachsorge wichtig

• vorbeugende

Maßnahmen:

Anpflanzungen verhindern

• Mahd: 8x/Jahr

• Schafbeweidung

• Kompostierung der

Pflanzenteile

• Weiden zur Beschattung

anpflanzen

• es gibt keine Ausbreitung

an Stellen, die lange oder

häufig überschwemmt

werden

das Wachstum

58


4 Methoden

In diesem Abschnitt wird zuerst das Untersuchungskonzept dargestellt, das zur Überprüfung

der Hypothese entwickelt wurde. Anschließend werden die Methoden zur Kartierung der

Neophyten und die Methoden zur Untersuchung der Standort- und Umweltfaktoren der Ufer

der Urft beschrieben.

4.1 Untersuchungskonzept

• Durch Begehungen der Ufer werden die Daten zu den Wuchsorte der Neophyten ermittelt

und kartiert. (Kapitel 5.1.2, Kapitel 10.1 (Karten) und Kapitel 12 (shape-Dateien auf der CD))

• Die für die Etablierung wichtigen Eigenschaften der einzelnen Neophyten werden mit Hilfe

von Literaturarbeit zusammengestellt. (Kapitel 3)

• Die Standort- und Umweltfaktoren der Ufer werden durch Beschreibungen der Ufer, wie

beispielsweise Morphologie, Höhe, Überschwemmungen, Fließgeschwindigkeit, Beschattung

durch Bewuchs, anthropogener Einfluss wie Gartenabfall, Störungen ermittelt. (Kapitel 5.1.1.)

• Die Standort- und Umweltfaktoren der Ufer werden durch Untersuchungen auf

verschiedenen Untersuchungsflächen im Uferbereich ermittelt. Diese Flächen werden in ihrer

Beschaffenheit (Vegetationsaufnahmen, Nährstoff- und Wassergehalt der Böden,

Lichtverhältnisse, Zeigerwerte nach Ellenberg) charakterisiert. (Kapitel 5.2.)

• Zusätzliche Parameter wie Pegelstände und Gewässerstrukturgüte werden hinzugezogen.

(Kapitel 5.2.3. und 2.2.1.)

• Zusätzliche Daten zu Vorkommen ausgewählter Neophyten im Oberlauf der Urft

(Biostation Euskirchen) werden hinzugefügt. (Kapitel 12 (shape-Dateien auf der CD))

• Die Eigenschaften der einzelnen Arten werden mit den Standort- und Umweltfaktoren

verglichen und so Zusammenhänge erkannt. (Kapitel 7.2.)


4 Methoden

• Optimalerweise erfolgt ein Vergleich zwischen einer Untersuchungsfläche mit Neophyten

und einer Untersuchungsfläche ohne Neophyten. (Kapitel 5.2.3, Tabelle 41)

• Zusätzlich werden Erfahrungen und auch Vorgehensweisen anderer Nationalparks in

Deutschland gesammelt. Das Vorgehen bei Neophyten ist bis jetzt nicht einheitlich für die

Nationalparks geregelt. (Kapitel 6)

• Aus diesen Ergebnissen für die ausgewählten Neophyten werden Maßnahmen abgeleitet.

(Kapitel 7.3 und 3)

• Die digitalen Daten der Kartierung ermöglichen ein zukünftiges Monitoring. (Karten in

Kapitel 10.1. (Karten) und Kapitel 12 (auf der CD))

4.2 Kartierung der Neophyten

Bei den Begehungen wurden alle in Kapitel 3 beschriebenen Neophyten aufgenommen. Die

Kartierung erfolgte während der Begehung in der Reihenfolge ihres Vorkommens entlang der

untersuchten Uferbereiche im Zeitraum von April bis August 2009 an mehreren Terminen

(siehe Kapitel 10.2., Tabelle 43). Die Neophyten waren an den unterschiedlichen Zeitpunkten

von April bis August unterschiedlich weit in ihrer Entwicklung. Nach KNAPP (1971) und

DIERSCHKE (1994) soll die Erfassung der Arten eines Bestandes möglichst zur Zeit ihrer

optimalen Entfaltung erfolgen. In Mitteleuropa reicht diese Phase nach KNAPP (1971) je

nach Pflanzengesellschaft von Ende Mai bis Anfang Oktober. Von I. glandulifera gab es im

April nur Keimlinge, deshalb wurde I. glandulifera zu einem späteren Zeitpunkt kartiert. Zur

Aufnahme einer Pflanze bzw. eines Bestandes wurden möglichst alle folgenden Parameter

direkt notiert:

Tabelle 15: Aufnahmeparameter bei der Kartierung

Parameter Einheit/Bemerkung

Art des Neophyten

Anzahl der Einzelpflanzen bei H. mantegazzianum

Größe des Bestandes m x m Fläche, bei S. x billardii, I. glandulifera, F. japonica, S. albus,

B. orientalis

GPS-Daten Gauss-Krüger-Koordinaten, Hochwert, Rechtswert

Entfernung zum Ufer m

PAR in µmol m -2 s -1 über der Pflanze

60


4.2.1. Beschreibung der Ufer

4 Methoden

Für die Beschreibung der Beschaffenheit der Ufer der Urft können einige Parameter durch die

Begehung der Ufer oder durch Luftbilder ermittelt werden. Nach FREY & LÖSCH (1998)

werden Luftbilder seit langem als Hilfsmittel benutzt, besonders in Gebieten, in denen die

direkte Erderkundung schwierig ist. Geländeformen sind meist gut ablesbar, die Vegetation

nur in beschränktem Maße.

Die ermittelten Parameter sind zum Beispiel die Morphologie des Ufers, die

Fließgeschwindigkeit der Urft, Störungen durch Wildschweinaktivität oder Überschwemmung,

die Nähe zu anthropogenen Einflüssen (z.B. Verbauungen im Siedlungsbereich, Gartenabfall),

der Bewuchs am Ufer und die Höhe des Ufers.

Allgemein sind bei der Beschreibung eines Flussufers die folgenden Definitionen wichtig:

Beim Blick von der Quelle zur Mündung erscheint das links liegende Ufer als „orographisch

linkes“ Ufer, das rechts liegende als „orographisch rechtes“ Ufer. Als „flussabwärts“ wird die

Richtung zur Flussmündung (hier: Talsperre) bezeichnet, „flussaufwärts“ bezeichnet die

Richtung zur Quelle hin. Ein Fließgewässer gliedert sich von der Quelle zur Mündung in

Oberlauf, Mittellauf und Unterlauf.

4.2.2 Kartierung der Neophyten mit GPS

Die Aufnahme der GPS-Daten für die Kartierung der genauen Neophytenstandorte erfolgte

im Idealfall direkt neben der Einzelpflanze bzw. direkt neben dem Bestand mit einem GPS-

Gerät (GARMIN GPSmap ® 60CS). Die Einstellung des Gerätes wurde dabei so gewählt,

dass die Daten (Hochwert und Rechtswert) im Gauss-Krüger-System angezeigt wurden. Der

Hochwert bezeichnet nach KUMMER (ohne Datum) den Abstand zum Äquator (die

Abstandslinien verlaufen parallel zum Äquator). Die Linien des Abstandes zum

Hauptmeridian verlaufen parallel zu diesem und werden durch den Rechtswert beschrieben.

Teilweise waren die Standorte der Pflanzen nur vom gegenüberliegenden Ufer aus zu

erkennen, oder durch andere Umstände (z.B. steiles Ufer, dichter Bewuchs des Gebietes) nicht

direkt zugänglich, in diesen Fällen wurden die GPS-Punkte vom eigenen Standort

aufgenommen und der Abstand zum Neophyt oder Neophytenbestand mit notiert. Die

Korrektur der GPS-Daten erfolgte dann im GIS-Programm Geomedia Professional 6.1..

61


4.2.3 Digitalisierung der Daten in GeoMedia Professional 6.1.

4 Methoden

Die Basis der Digitalisierung bilden die im Gebiet aufgenommenen GPS-Daten im Gauss-

Krüger–System (DHDN Potsdam Datum) und die digitalen Karten und Luftbilder des

Gebietes. Im Programm GeoMedia Professional 6.1. wurden diese Daten mit den Karten des

Gebietes verbunden und weiter digitalisiert. Es handelt sich dabei um ein GIS-Programm

(GIS=Geographische Informations-Systeme). Diese Programme erfassen, verwalten,

analysieren und präsentieren die verbundenen Daten. Das Präsentieren beinhalten die Option,

die digitalen Karten als Druck oder Bild auszugeben. Die digitalen Karten und die shape-

Dateien befinden sich auf der CD.

4.3 Untersuchungen zu Standort- und Umweltfaktoren (Untersuchungsflächen)

Um Aussagen zu den Bedingungen machen zu können, unter denen sich Neophyten ansiedeln

können, wurden zusätzlich einige ihrer Standorte durch Aufnahme der Vegetation und

verschiedener abiotischer Parameter in verschiedenen Untersuchungsflächen genauer

beschrieben. Durch die Vegetationsaufnahmen kann man Rückschlüsse auf die

Umweltbedingungen am Standort machen. Durch diese weiteren Untersuchungen kann man

im Vergleich mit Standorten, an denen nur die heimische ursprüngliche Vegetation

vorkommt, erkennen, welche Bedingungen die Besiedlung mit Neophyten begünstigen.

In Abbildung 17 auf der folgenden Seite sind das Untersuchungsgebiet und die Lage der

Untersuchungsflächen 1-9 zu erkennen. In der Abbildung werden außerdem einige wichtige

Punkte gezeigt, die in der Arbeit häufiger erwähnt werden.

62


4 Methoden

Abbildung 17: Die Lage der Untersuchungsflächen (1-9) und wichtige Punkte (zusammengestellt in:

GeoMedia Professional )

Die Untersuchungsflächen werden in Tabelle 16 auf der folgenden Seite benannt und kurz

beschrieben. Sie sind mit den ebenfalls in dieser Tabelle genannten Neophyten besiedelt bzw.

ohne Neophyten (Untersuchungsflächen 5 und 9). Jede Untersuchungsfläche soll einen

bestimmten Standorttyp repräsentieren, um möglichst alle Faktoren zu untersuchen. So zeigt

die Untersuchungsfläche 1 (Wildschweinfläche) beispielsweise einen Standort, der lückig mit

Bäumen bewachsen ist, anthropogen beeinflusst ist, durch die Nähe zum Schießstand und

durch die Wildschweinwühlspuren eine Störung aufweist. Andere Untersuchungsflächen

repräsentieren den Bereich, der sich in dem Teil der Urft befindet, der stark von der Stauung

beeinflusst wird (Untersuchungsfläche 9, Morsbachzufluss) oder einen bewaldeten Standort

wie die Untersuchungsflächen 5 (An der Pulvermühle) und 6 (Am Mauerrest). Wie in

Abbildung 17 zu erkennen, befindet sich die Untersuchungsfläche 7 (Brücke in Malsbenden)

nicht auf dem Gebiete des Nationalparks, sondern in einem Ortsteil von Gemünd, in

Malsbenden.

63


Tabelle 16: Die Benennung der Untersuchungsflächen, ihr Standorttyp und ihre Neophyten

Nr Name Standorttyp Neophyten

1 Wildschw einfläche lückiger Baumbew uchs, anthropogen

beeinflusst, gestörte Stelle

B. orientalis,

I. glandulifera

2 Wall am Schießstand anthropogen beeinflusst I. glandulifera

3 An der Brücke am Bogen flaches Ufer, lückiger Baumbew uchs H. mantegazzianum,

I. glandulifera

4 Am Ufer am Bogen sehr ufernah, flach, steinig F. japonica,

5 An der Pulvermühle im Wald, größere Entfernung zum

Ufer

6 Am Mauerrest im Wald, größere Entfernung zum

Ufer

7 Brücke in Malsbenden Siedlungsnah, ohne Baumbew uchs

anthropogen beeinflusst

8 Am Klärw erk Siedlungsnah, anthropogen

beeinflusst, mit Baumbew uchs,

Hochstaudenflur

I. glandulifera

S. x billardii

B. orientalis,

I. glandulifera,

/

H. mantegazzianum

B. orientalis,

I. glandulifera,

H. mantegazzianum

9 Morsbachzufluss Im gestauten Bereich, Waldsaum /

Die Untersuchungsflächen werden im Folgenden auch mit ihren Nummern benannt.

4.3.1 Vegetationsaufnahme

4 Methoden

Durch repräsentative Stichproben aus der Gesamtheit der Vegetation eines Gebiets kann die

dort existierende, reale Vegetation gut erfasst werden (STEUBING & FANGMEIER, 1992).

Bei der Vegetationsaufnahme handelt es sich um ein nicht destruktives Verfahren zur

Ermittlung von Aussagen über die Artenzusammensetzung dieses Gebietes. Bedingung dafür

ist die Homogenität und die Repräsentativität der Stichprobenflächen. Dies ist zu erreichen

durch die Wahl der richtigen Größe der Aufnahmefläche (Minimumareal).

Für bestimmte Pflanzengesellschaften existieren Erfahrungswerte (Tabelle 17 auf der

folgenden Seite) für die Größe, die aber an die konkreten lokalen Bedingungen des Gebietes

angepasst werden müssen (STEUBING & FANGMEIER, 1992).

64


Tabelle 17: Erfahrungswerte für die Größe von Aufnahmeflächen in Pflanzengesellschaften

Mitteleuropas (nach: DIERSCHKE, 1994)

a) Rechtecke, Quadrate (m 2)

-1 Moos- und Flechtenbestände, Wasserlinsendecken

-5 Quellfluren, Kleinbinsen-Uferfluren, Trittvegetation, Fels und Mauerspaltenvegetation

4 Methoden

-10 Hochmoore, Kleinseggen-Sümpfe, Salzmarschen, Intensivweiden. artenarme Pionierrasen, Schneetälchen

10-25 Küstendünen, Wiesen, Magerrasen, Gebirgsrasen, Zwergstrauch-Heiden, Wasservegetation, Röhrichte,

Großseggenriede, Hochstaudenfluren

25-100 Ackerwildkraut- und Ruderal-Vegetation, Gesteinsfluren, Schlagvegetation, Gebüsche

100-200 Krautschicht von Wäldern

>100->1000 Gehölzschichten von Wäldern, Pilzbestände

b) Streifen (Länge im m)

10-20 Säume, Spülsäume

10-50 Ufervegetation

30-50 Gebüsche, Hecken

30-100 Fließgewässer

Für die Vegetationsaufnahmen in den Untersuchungsflächen am Ufer der Urft wurde ein

Minimumareal von 4 m 2 angenommen, da in dieser Größe sowohl die Homogenität als auch

die Repräsentativität der Flächen gewährleistet war. Alle Untersuchungsflächen befinden sich

im Ufersaum der Urft, also in einem Abstand bis 20 m vom Ufer. Die Flächen sollen

optimalerweise nur eine Neophytenart aufweisen. Allerdings gelang das nicht immer.

B. orientalis und I. glandulifera sind fast überall auch in der Nähe von H. mantegazzianum und

F. japonica vertreten. Als Kontrollflächen wurden Flächen gesucht, die keine Neophyten

enthalten. Dies war kaum möglich, da die Ufer der Urft fast durchgängig mit Neophyten

besiedelt sind. Pro Untersuchungsflächentyp wurden 5-6 Replikate aufgenommen. Die

Bestimmung der Arten erfolgte nach ROTHMALER (2007) und SPOHN et al. (2007).

Die Vegetationsaufnahme erfolgte nach BRAUN-BLANQUET (1951). Bei dieser Methode

wird eine Schätzung von Abundanz und Dominanz der vorhandenen Pflanzenarten

durchgeführt. Die Kombination dieser beiden Parameter ergibt die Artmächtigkeitsschätzung,

die in % der gesamten Aufnahmefläche ausgedrückt wird. Es wurden innerhalb der durch

Maßbänder abgemessenen Aufnahmefläche alle vorhandenen Arten bestimmt und für jede

Art nach einer vorgegeben Skala (Tabelle 18 auf der folgenden Seite) der Deckungsgrad und

das Wuchsverhalten geschätzt und notiert.

65


Tabelle 18: BRAUN-BLANQUET-Skala (aus: INTERNET: Uni Jena, 2009)

4 Methoden

Zur genaueren und einheitlicheren Schätzung wurde bei der Vegetationsaufnahme die in

Abbildung 18 gezeigte Hilfstafel benutzt.

Abbildung 18: Hilfstafel zur BRAUN-BLANQUET-Methode (aus: INTERNET Uni Jena, 2009)

Neben den BRAUN-BLANQUET-Werten wurden für jede Aufnahmefläche noch der

Deckungsgrad der Vegetation in %, der Lichtwert und eventuell Besonderheiten notiert.

4.3.2 Zeigerwerte nach Ellenberg

Pflanzen korrelieren mit bestimmten Umweltgrößen oder Indikatoren. Diesen Indikatoren

wird ein Zeigerwert zugeordnet (STEUBING & FANGMEIER, 1992). Dabei kennzeichnen

66


4 Methoden

die Zeigerwerte das ökologische Verhalten einer Pflanzenart unter den Bedingungen am

Standort, niemals jedoch deren Ansprüche (LIENENBECKER, ohne Datum). So ist es

anhand der Zeigerwerte nach Ellenberg möglich, einen Standort auch ohne aufwendige

Untersuchungen zu charakterisieren. Pflanzen des Standortes können herangezogen werden,

um aufgrund ihres ökologischen Verhaltens und anderer Kenngrößen eine Aussage zu den

Eigenschaften des Standortes zu bekommen. Im System der Zeigerwerte werden Klimatische

Faktoren und Bodenfaktoren erfasst. Licht- (L), Temperatur- (T) und Kontinentalitätsfaktor

(K) sind Klimatische Faktoren, Feuchte (F), Bodenreaktion (R), Nährstoffzahl (N) und

Salzgehalt (S) sind Bodenfaktoren.

Im Ellenbergsystem wird jeder Pflanzenart für jeden Faktor eine Zahl von 1-9 (bzw. 12 bei

der Feuchtezahl und 0 bei der Salzzahl) zugeordnet. Ein x bedeutet, dass die Art ein

indifferentes Verhalten zeigt. Je größer die Zahl für diesen Faktor ist, desto größer ist die

Ausprägung des entsprechenden Parameters (siehe Tabelle 19).

Tabelle 19: Zeigerwerte nach Ellenberg (aus: LIENENBECKER, ohne Datum)

Beispielsweise zeigt eine Pflanze mit Lichtzahl 9 einen Standort mit Volllicht an, eine Pflanze

mit einer Nährstoffzahl von 1 zeigt einen sehr nährstoffarmen Standort an.

Es wurden in dieser Untersuchung nur die Zeigerwerte L, T, F, R und N berücksichtigt.

Für die Bewertung eines Standortes wurden für eine Umweltgröße (Indikator) alle Zeigerwerte

der gefundenen Arten gemittelt. Dieser ungewichtete Wert hat eine geringere Aussagekraft als

67


4 Methoden

der gewichtete Mittelwert, bei dem die Artmächtigkeit der Pflanzenarten am jeweiligen

Standort berücksichtigt wird (STEUBING & FANGMEIER, 1992). Über die Mittelwerte

ergibt sich eine ökologische Kurzcharakteristik der Untersuchungsfläche. Außerdem soll

verglichen werden, ob sich die Bedingungen an den Standorten unterscheiden, je nachdem, ob

Neophyten dort wachsen oder nicht. Die Zeigerwerte für die einzelnen Arten wurden mit

ELLENBERG (1991) und STATEDV ZEIGERWERTE (Internet, 14.8.2009) ermittelt.

4.3.3 Abiotische Parameter

Um als Pflanze in einem Gebiet überleben zu können, muss die Art mit den dortigen

abiotischen Umweltfaktoren zurechtkommen. Bei diesen Faktoren handelt es sich

beispielsweise um physiko-chemische Gegebenheiten wie Licht, Temperatur, pH-Wert der

Bodenlösung (WITTIG & STREIT, 2004). Zur näheren Beschreibung eines Standortes ist es

wichtig, diese Faktoren zu messen.

Da die Temperatur für alle Untersuchungsflächen gleich ist, wurde sie nicht aufgenommen.

Die Temperaturen sind den Klimadaten (Kapitel 2.1.4.) zu entnehmen. Weitere wichtige

Faktoren für Pflanzen sind Licht und Wassergehalt. Außerdem ist der Nährstoffgehalt (hier:

Nitrat) im Boden und der ph-Wert des Bodens wichtig für Wachstum der Pflanzen. Für die

Verbreitung von Samen spielt bei Hochstaudenfluren auch der Transport über das Wasser

eine wichtige Rolle. Um sagen zu können, wie weit sich Samen über das Wasser verbreiten

können, bestimmt man die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Beim speziellen Standort

Urft/Talsperre spielt auch der Faktor Pegelstand für die Pflanzen des Ufersaums eine wichtige

Rolle.

Licht

Für Pflanzen ist der Faktor Licht ein bedeutender Faktor, da sie für die Photosynthese das

Licht als Energiequelle benötigen. Licht der Wellenlänge von 400 bis 800 nm ist

photosynthetisch aktiv (PAR = Photosynthetically Active Radiation) und kann von den

Pflanzen genutzt werden. Je nach Art haben sie dabei unterschiedliche Ansprüche an die

Lichtmenge. Die zu messende Einheit in der Photobiologie ist nach STRAßBURGER (2002)

der Quanten-Photonen-Fluss, also die pro Zeit und Fläche auftreffende Menge an Photonen.

Die Einheit wird angegeben in mol m -2 s -1 . Beispielsweise kann man in folgenden Situationen

die genannten Lichtmengen messen (siehe Tabelle 20 auf der nächsten Seite):

68


Tabelle 20: Beispiele für PAR-Werte (aus: STRAßBURGER, 2002)

PAR (µmol m -2 s -1 ) Beispiel

1500-2000 Volles Sonnenlicht, hoher Stand der Sonne, keine Wolken

190-220 bewölkter Himmel

25-50 im Schatten der Vegetation

1 Dämmerung

3,2 x 10 -4 Vollmond, klarer Himmel

4 Methoden

Die Licht-Messung in den Untersuchungsflächen wurde vorgenommen mit dem Licor-

Quantum Sensor, (Model LI-250 Light Meter, Firma Walz, Serial Nr. LMA NO. LMA-

12383.4. GIS). Hierbei wurde das Gerät so eingestellt, dass direkt ein aus mehreren

Messwerten gemittelter Wert ausgegeben wurde. Die Messung erfolgte direkt oberhalb der

Pflanzen. Da sich zwischen den einzelnen Aufnahmetagen die Wettersituation und damit auch

die Sonneneinstrahlung veränderte, und auch innerhalb eines Tages unterschiedliche

Wettersituationen vorkamen, sind die Werte der Lichtmessung nur als grobe Richtwerte zu

betrachten. Man kann maximal an ihnen erkennen, ob es sich um einen eher beschatteten oder

eher hellen Standort handelt.

Wassergehalt

Kein Organismus kommt ohne Wasser aus, Pflanzen beziehen ihr Wasser fast ausschließlich

über die Wurzeln und damit über den Boden. Daher ist der Wassergehalt ein wichtiges

Kriterium bei der Beurteilung von Pflanzenstandorten (ENßLIN et al., 2000). Der gemessene

aktuelle Wassergehalt der Bodenproben aus den Untersuchungsflächen ist abhängig von

Wasserzufuhr, Verdunstung, Versickerung und der Überschwemmung der Flächen (ENßLIN

et al., 2000). Zur Ermittlung des Wassergehaltes wurden aus jeder Vergleichsfläche mit einer

kleinen Gartenschaufel Bodenproben aus der obersten Schicht entnommen und in

Plastikbeuteln luftdicht verpackt. Anschließend wurde sofort das Gewicht des feuchten

Bodens mit einer Feinwaage (Satorius portable PT600) ermittelt. Danach wurden die Proben

über einige Tage bis zum vollständigen Feuchtigkeitsverlust luftgetrocknet und wieder

ausgewogen. Aus der Differenz der beiden Gewichte (Gewichtsverlust) erkennt man den

aktuellen Wassergehalt, der auf die Masse der feuchten Erde bezogen den prozentualen

aktuellen Wassergehalt ergibt. Feuchter Lehmboden hat z.B. einen Wassergehalt von 50 %

(ENßLIN et al., 2000).

69


Nitratgehalt

4 Methoden

Nitrat gehört zu den Hauptnährelementen der Pflanzen. In Ökosystemen bestimmt der

Nitratgehalt maßgeblich das Wachstum der Pflanzen (SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL,

2002). An Fließgewässern besteht der Boden aus angeschwemmten Sedimenten. Deshalb ist

der Boden meist so nährstoffreich (ELLENBERG, 1978). Es gibt keine Bodenhorizonte wie

in gewachsenen Böden, sondern Schichten des angeschwemmten Materials. Einige

Untersuchungsflächen befinden sich im direkten Uferbereich (Untersuchungsflächen 3, 4, 7

und 8), andere weiter entfernt vom Ufer, (Untersuchungsflächen 1, 2, 5, 6 und 9). Die Proben

wurden aus dem obersten Bereich des Bodens entnommen. Für die Nitratbestimmung wurden

die Bodenproben benutzt, aus denen auch der Wassergehalt berechnet wurde. Nach

STEINLEIN & HEUER (2005) wurden 15 g der getrockneten Probe in einen 100 ml

Erlenmeyerkolben eingewogen und mit 30 ml CaCl 2-Lösung (0,01M) auf dem Schüttler für

60 min extrahiert. Die Proben wurden anschließend durch Zentrifugation (3000U min -1 ) und

Filtration (N-freie Filter in einer Spritze) von allen Partikeln befreit, die größer sind als 10 µm.

Die Proben für die Analyse mit Hilfe der Fließinjektionsanalyse (FIA) dürfen Partikel dieser

Größe nicht enthalten. Die Proben wurden direkt anschließend im FIA-LAB (MLE, Dresden)

analysiert. Mit dem aufgenommenen Feuchtgewicht aus der Berechnung des Wassergehaltes

wird der Umrechnungsfaktor zwischen Trocken- und Feuchtgewicht bestimmt. Dieser Faktor

wird benötigt, da der Nitratgehalt in mg kg -1 Trockengewicht angegeben wird. Die

Berechnung des Nitratgehaltes bezogen auf das Trockengewicht erfolgte nach folgender

Formel:

(Nitratwert (mg l -1 )*0,031/ Einwaage*10 -3 (kg)) x (TG (g) /FG (g))

Nach SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL (2002) liegen die Nitratwerte für einen Forst z.B.

bei durchschnittlich 39,2 mg kg -1 Nitrat im Ah-Horizont, Grünland hat einen

durchschnittlichen Gehalt von 39,8 mg kg -1 Nitrat, ein Acker einen durchschnittlichen Gehalt

von 17,2 mg kg -1 Nitrat. Insgesamt können aber bodentyp-, bodenhorizont- und auch

klimabedingt große Schwankungen auftreten. Für den Gesamtgehalt spielt auch die

Mächtigkeit der Schichen eine wichtige Rolle, die Horizonte im Forst sind beispielsweise viel

geringer als z.B. beim Acker.

ph-Wert

Viele Eigenschaften von Böden stehen in engem Zusammenhang mit dem pH-Wert des

Bodens. Daher ist der pH-Wert eine der wichtigsten verfügbaren Bodenkenngrößen und dient

70


4 Methoden

der Einteilung der Böden (SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL, 2002). Die Einteilung ist in

Tabelle 21 zu erkennen:

Tabelle 21: Einstufung der Böden nach dem pH-Wert (aus: SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL,

2002)

Für die pH-Wert-Bestimmung wurden die Bodenproben der Nitratbestimmung genutzt und

der Wert direkt in den mit CaCl 2 geschüttelten Proben gemessen. Die Messung des pH-Wertes

erfolgte mit einem pH-Messgerät (WTW, wissenschaftlich technische Werkstätten,

pH330i/SET).

Fließgeschwindigkeit

Die Bestimmung der Fließgeschwindigkeit erfolgte an einigen, zufällig ausgewählten Stellen

der Urft. Am Ufer der Urft wurde eine Strecke genau abgemessen (30 m) und dann von einer

Brücke oder auch vom Ufer ein Ast oder Holzstück ins Wasser geworfen. Es wurde die Zeit

genommen, die das Holzstück bis zum Erreichen der 30-Meter-Marke benötigt. Dabei wurde

der Bereich, an dem der Holzstück eingeworfen wurde, auch geändert, damit sowohl die

Geschwindigkeit in Ufernähe als auch die Geschwindigkeit in der Mitte der Urft bei der

Berechnung einer durchschnittlichen Fließgeschwindigkeit berücksichtigt werden. Um zu

überprüfen, ob die Größe des Objektes eine Rolle spielt beim Transport über das Wasser,

wurde auch die Größe des Objektes variiert. Mit der gemessenen Fließgeschwindigkeit in

Kombination mit der Länge der Schwimm- und Keimfähigkeit der Samen, kann man

Aussagen zu ihrer Transportreichweite machen.

Pegelstände

Da es sich bei der Urft um ein Fließgewässer handelt, das in einen Stausee mündet, wird der

Wasserstand vom Zustand der Talsperrenfüllung beeinflusst. Das hat zur Folge, dass

Wasserstände sich über den Jahresverlauf ändern können. Zu manchen Zeiten sind Bereiche

überflutet, die normalerweise oberhalb der Wasserlinie liegen oder es liegen Bereiche frei, die

71


4 Methoden

zu Zeiten, in denen die Talsperre gefüllt ist, unter der Wasserlinie liegen. Dieser Wechsel der

Höhe der Wasserlinie beeinflusst die Vegetation dieser Bereiche.

Durch die Übertragung der an der Talsperre gemessenen Stauhöhen auf eine

Höhenlinienkarte des Gebietes (HÖHENLINIENKARTE, ohne Datum) konnte genau

ermittelt werden, bis zu welcher Stelle in Verlauf der Urft der aufgestaute Bereich im Mittel

reicht. Wenn z.B. an der Talsperre ein Wasserstand von 312 m ü. NN gemessen wird, staut

sich das Wasser bis zu dem Punkt der Urft, der auf der Höhenlinie 312 m ü. NN liegt. Zur

Verfügung standen dafür die Werte aus den Jahren 1960 bis 2009 (DATEN STAUHÖHE

WVER, 2009). Aus diesen Werten wurden die „Monatliche Mittelwerte der Stauhöhen der

Urft-Talsperre in m+NN“ der Jahre 1960 bis Juli 2009 gebildet (siehe Abbildung 54).

72


5 Ergebnisse

5.1 Kartierung

5.1.1 Beschreibung der Ufer

5 Ergebnisse

Im Folgenden wird zuerst das rechte Ufer von der Brücke in Malsbenden bis zur Urft-

Talsperre und die Talsperre selbst beschrieben. Parallel zu diesem Ufer verläuft die

Kreisstraße 7. Anschließend erfolgt die Beschreibung des linken Ufers vom Klärwerk in

Malsbenden bis zum Schifferberge. Zum Schluss werden die Bereiche Gemünd, Mauel und

andere Abschnitte stichpunktartig beschrieben, die sich nicht mehr im Gebiet des

Nationalparks befinden.

Rechtes Ufer (K7)

Abbildung 19 zeigt das Luftbild des Bereichs der Brücke in Malsbenden. Zu erkennen sind

hier die Urft und auch die parallel verlaufende Kreisstraße K7.

Abbildung 19: Die Brücke in Malsbenden, K7 (Quelle: google earth, 3.8.2009) , gelbe Linie= 100 m

Die Brücke in Malsbenden (neben Untersuchungsfläche 7) überquert die Urft außerhalb des

Nationalparks. An dieser Stelle gibt es noch einige Wohnhäuser, aber keine Gärten mehr, die

direkt an die Urft grenzen, so wie im Bereich von Gemünd und auch am linken Ufer

73


5 Ergebnisse

gegenüber. Am rechten Ufer ist der Bewuchs zwischen der Brücke und dem Beginn des

Nationalparks aufgelockert, es stehen einige Weiden direkt am Ufer, sonst gibt es keinen

Bewuchs mit Bäumen. Auf der Brücke stehend erscheint die Urft wie in Abbildung 20. Die

Fließgeschwindigkeit beträgt hier 2,35 km h -1 .

Abbildung 20: Die Urft, Blick flussabwärts von der Brücke in Malsbenden im April 2009

Unterhalb der Brücke gibt es einen H. mantegazzianum Bestand (Abbildung 21), außerdem ist

die Fläche im August voll besiedelt mit I. glandulifera, im Juni blüht hier B. orientalis.

Abbildung 21: Bestand von H. mantegazzianum in der Nähe der Brücke (April 2009)

Im April sind Überschwemmungsspuren und durch die Strömung niederliegende Gräser an

dieser Stelle zu finden. Weiter fallen hier mehrere Stellen mit Gartenabfällen direkt am Ufer

auf, zu erkennen darin sind: Efeu, Forsythien, Rasenschnitt, andere Äste und Laub.

74


5 Ergebnisse

Wie in Abbildung 22 zu erkennen, wachsen in diesem Bereich der Urft sehr häufig einzelne

Pflanzen von H. mantegazzianum direkt vor einer in Ufernähe stehenden Weide. Eventuell

wirken die Äste und Wurzeln der ins Wasser ragenden Weiden als Hindernis für die

antreibenden Samen von H. mantegazzianum.

Abbildung 22: Weide am Ufer mit Treibgut und H. mantegazzianum

Zum Zeitpunkt der ersten Begehung im April zeigen sich fast überall auf der Fläche an der

Brücke in Malsbenden I. glandulifera-Keimlinge. Oft sind sie an Stellen mit Rohboden zu

finden, die sonst nicht bewachsen sind. Das Ufer ist an der rechten Seite der Urft flach. Auch

im weiteren Verlauf sind Überschwemmungsspuren zu erkennen. Die Urft nähert sich dann

der K7, das Ufer ist dicht mit Bäumen bewachsen, so dass der Bereich der Ufervegetation

nicht immer zu sehen ist. An dieser Stelle beginnt das Gebiet des Nationalparks, zwischen

Urft und der K7 hat sich hier ein Schwarz-Erlen-Auenwald (FÖRDERVEREIN

NATIONALPARK EIFEL, 2006) entwickelt, der aber nicht in Abbildung 23 zu sehen ist. In

dieser Abbildung ist links die Wildschweinfläche zu erkennen.

75


5 Ergebnisse

Abbildung 23: Zwischen Malsbenden (rechts) und der Wildschweinfläche (links): Die Urft nähert sich

der K7. (Quelle: google earth, 3.8.2009)

Die Wildschweinfläche wurde so genannt, weil sie im April bei der ersten Begehung sehr viele

Wildschweinwühlspuren aufwies. Sie befindet sich an der Stelle, an der die Urft wieder

Abstand zur K7 bekommt. Diese Fläche ist zur K7 hin ansteigend, das Ufer ist aber weniger

als 1 m hoch und locker mit Bäumen (Erlen, Weiden) bewachsen. Hier befindet sich die

Untersuchungsfläche 1, es gibt auf dieser Fläche große Bestände von B. orientalis und

I. glandulifera. Die Fläche ist bis auf die Störungen durch die Wildschweinspuren dicht

bewachsen, zum späteren Zeitpunkt im Sommer sind die Spuren durch die hohe Vegetation

(u.a. B. orientalis, Petasites hybridus, I. glandulifera) nicht mehr zu erkennen.

An diese Fläche grenzt im weiteren Verlauf das Gelände der ehemaligen Schießanlage. Das

Gebiet ist in Abbildung 24 zu erkennen. Am Zaun der Schießanlage befindet sich ein

L. polyphyllus-Vorkommen aus mindestens 10 Einzelpflanzen.

76


Abbildung 24: Die Schießanlage (freie Fläche), die Brücke gibt es nicht mehr

(Quelle: google earth, 3.8.2009)

5 Ergebnisse

Das rechte Ufer zeigt im weiteren Verlauf nach dem Beginn der Schießanlage Bewuchs mit

Weiden (Abbildung 24). Das Ufer erreicht in diesem Bereich der Urft eine Höhe von bis zu

2 m und ist sehr steil und nicht mit großen Bäumen bewachsen. Es gibt dadurch einige helle,

trockenere Stellen. Im August wachsen in diesem Bereich des Ufers große Bestände von

B. orientalis, und auch ein Bestand S. albus.

Abbildung 25: Das Ufer an der Schießanlage B. orientalis (Juni 2009, vom linken Ufer aus fotografiert)

77


5 Ergebnisse

Angrenzend an den bewachsenen Uferstreifen befindet sich die gemähte Wiese des

ehemaligen Schießstandes. I. glandulifera, das sich im Schatten der Bäume befindet, ist a. 50 cm

hoch, in sonnigen Bereichen ist es kleiner. Es kommt flächig fast überall vor.

Am Ende der Schießanlagen-Fläche macht die Urft einen Bogen (siehe Abbildung 26). Dieses

Gebiet ist insgesamt stark mit Neophyten verschiedener Arten besiedelt. Die Schießanlage

wird begrenzt von einem künstlich angelegten Wall, auf dem sich Neophyten (I. glandulifera, H.

mantegazzianum und B. orientalis) angesiedelt haben.

Abbildung 26: Bogen der Urft am Ende des Schießstandes und der Wall (rechts neben dem hellen

Streifen links im Bild), (Quelle: google earth, 3.8.2009)

Der Bereich innerhalb des Bogens der Urft gehörte früher auch zum Gelände der

Schießanlage. Es befindet sich an dieser Stelle eine Brücke über die Urft. Außerdem liegen

überall auf der Fläche Betonteile (Störung), die aber inzwischen stark zugewachsen sind. Hier

gibt es einen sehr großen H. mantegazzianum-Bestand mit mehr als 20 Einzelpflanzen,

außerdem überall I. glandulifera und auch B. orientalis (Abbildung 27). Hier wird die

Untersuchungsfläche 3 genommen. Das Ufer ist hier teilweise steinig oder zeigt Bereiche mit

Schwemmsand. Es gibt am flachen Stellen Kiesbänke.

78


5 Ergebnisse

Abbildung 27: Die Fläche im Bogen (=Untersuchungsfläche 3), rechts die Brücke, hier gibt es große

Bestände von H. mantegazzianum (Mai 2009)

Am dem Punkt, an dem der Wall die Fläche des Bogens berührt, befindet sich unter großen

Weiden und Erlen Untersuchungsfläche 2, etwas weiter am Ende des Bogens, liegt die

Versuchsfläche 4. Direkt am Ufer gibt es hier mehrere Fallopia-Bestände. Das Ufer ist an

dieser Stelle sehr flach und steinig und geröllig (Abbildung 28). Die Urft fließt an dieser Stelle

wieder schnell. Weitere Fallopia-Bestände gibt es ab dieser Stelle flussabwärts nicht mehr.

Abbildung 28: Einzelne Sprosse eines kleinen F. japonica Bestandes am Ufer im Bogen (Mai 2009)

79


5 Ergebnisse

Wie in der folgenden Abbildung 29 zu sehen ist, wird der Bereich in weiteren Verlauf

flussabwärts zwischen Urft und K7 so eng, dass er nicht mehr begangen werden kann. Die

Begehung erfolgt kurz über die K7.

Abbildung 29: K7 am Ende des Bogens, enge Stelle zwischen Urft und K7 (Quelle: google earth,

3.8.2009)

Von der K7 aus ist das Ufer nicht gut sichtbar, an der K7 direkt befinden sich mehrere

H. mantegazzianum –Pflanzen und auch S. x billardii. Das Ufer ist mit Bäumen bewachsen und

steil. Auch im weiteren Verlauf bis zur Pulvermühle herrscht dichter Baumbewuchs mit

Weiden und Eichen vor, das ist gut in Abbildung 30 zu erkennen.

80


Abbildung 30: Der Bereich der Pulvermühle (Quelle: google earth, 3.8.2009)

5 Ergebnisse

Im Umfeld der Pulvermühle, von der nur noch Mauerreste vorhanden sind, liegen die

Untersuchungsflächen 5 (An der Pulvermühle) und 6 (Am Mauerrest). Die

Untersuchungsfläche 5 ist dabei eine Fläche ohne Neophyten. Wie in Abbildung 31 zu

erkennen, wachsen hier unter Weiden hauptsächlich Urtica dioica, Lamium maculatum und

Galium aparine.

Abbildung 31: Untersuchungsfläche 5 (An der Pulvermühle), kein Neophyt

81


5 Ergebnisse

Direkt am Ufer gibt es hier einen S. x billardii Bestand. Auchweit entfernt vom Ufer an den

Mauerresten findet man einen sehr großen Spiraea-Bestand. Dieser Bestand befindet sich in

der Untersuchungsfläche 6 und ist in Abbildung 32 zu erkennen.

Abbildung 32: S. x billardii auf Untersuchungsfläche 6 (Am Mauerrest)

(Quelle: Julia Schielmann, 2009)

Die Urft macht dann einen Bogen. Hier befindet sich der Standort des Alten Hotels, in

Abbildung 33 ist der helle Bereich zu erkennen, in dessen Nähe sich das Gebäude befand.

Abbildung 33: Der Verlauf der Urft vor dem Alten Hotel (Quelle: google earth, 3.8.2009)

82


5 Ergebnisse

Der Bereich der Urft vor dem Alten Hotel (Abbildung 33) ist dann am rechten Ufer fast

komplett mit I. glandulifera besiedelt und direkt am Ufer frei von Baumbewuchs. Hier gibt es

eine Brücke über die Urft. Die Urft fließt hier schnell und das Ufer ist steil aber nicht höher

als 2 m. In der Nähe der K7 und des Alten Hotels befinden sich die zwei einzigen gefundenen

Bestände von Solidago gigantea (Riesen-Goldrute), siehe Abbildung 34.

Abbildung 34: S. gigantea am Alten Hotel im August

Der Bereich ab dem Alten Hotel weiter in Richtung Talsperre ist gekennzeichnet von einer

Verminderung der Fließgeschwindigkeit. An dieser Stelle der Urft beginnt der Bereich, in dem

sich die Stauung der Urft zu manchen Jahreszeiten bemerkbar macht. Im Frühjahr und im

Sommer, bevor die Talsperre für das Frühjahrshochwasser geleert wird (dies geschieht laut

PARDEY meist im frühen Herbst), staut sich ab hier das Wasser der Urft (Abbildung 35).

83


Abbildung 35: Die gestaute Urft hinter dem Hotel, Blick auf das linke Ufer

5 Ergebnisse

Die Uferbereiche hinter dem Alten Hotel sind daher oft vom höheren Wasserstand

beeinflusst. Anschließend wird hier das rechte Ufer steiler und felsiger. Dort kann sich kaum

Rohboden anlagern. Abbildung 36 zeigt den Bereich, an dem die Stauung er Urft beginnt.

Abbildung 36: Hinter dem Alten Hotel, oben rechts ist der Bereich zu erkennen, an dem die Ufer

steiler und felsiger werden (Quelle: google earth, 3.8.2009)

84


5 Ergebnisse

Die Begehung ab dem Alten Hotel erfolgt von der K7 aus, das Ufer befindet in diesem

Bereich sehr nah an der K7 und ist durch den Baumbewuchs meist nicht gut einsehbar. Es

gibt direkt an der K7 Spiraea-Bestände. Im weiteren Verlauf flussabwärts erscheint das rechte

Ufer bis zu den Schweizer Bergen und zum Beginn der Talsperre steil und felsig, das linke

Ufer dagegen flacher. Dies ist in Abbildung 37 zu erkennen.

Abbildung 37: Urft hinter dem Hotel (Quelle: google earth, 13.8.2009)

In Abbildung 37 sieht man am linken Ufer drei helle Bereiche, es handelt sich dabei um

künstlich angelegte Wälle (Militär). Sehr große Spiraea-Bestände befinden sich davor in

Richtung Ufer.

Der Blick flussabwärts erscheint an dieser Stelle der Urft wie in Abbildung 38 gezeigt. Zu

erkennen sind hier die flachen Bereiche am linken Ufer, die steileren Ufer an der rechten Seite

der Urft.

85


5 Ergebnisse

Abbildung 38: Blick flussabwärts zwischen Hotel und Schweizer Bergen, geringe Fließgeschwindigkeit

im gestauten Bereich

Das Ufer in der Nähe der Schweizer Berge ist steinig, von Geröll geprägt und sehr steil. Die

Vegetation an der K7 zeigt einen trockeneren Standort an. Es gibt zum Beispiel Ginster,

Farne, Kiefern und Eichen. Im Uferbereich gibt es hier, bis auf einen kleinen Bestand von

I. glandulifera am rechten Ufer (ca. 10 Einzelpflanzen) keine Neophyten. Dies ist der letzte

gefundene I. glandulifera-Wuchsort flussabwärts. Das Wasser der Urft zeigt keine Strömung

und hat im Mai einen hohen Pegelstand im Bereich der Schweizer Berge (Abbildung 39).

86


5 Ergebnisse

Abbildung 39: Typischer Uferbereich in der Nähe der Schweizer Berge, Mai 2009

Bei der Begehung des linken Ufers genau einen Monat später im Juni wurde folgendes Bild

des Bereiches der Schweizer Berge (Abbildung 40) gemacht. Das Bild zeigt einen Uferbereich

zur Zeit eines niedrigen Pegelstandes: der sonst unter dem Wasserspiegel liegende Bereich ist

zu erkennen.

Abbildung 40: Blick auf die Stelle Schweizer Berge im Juni von südlichen Ufer, niedriger Pegelstand

Auf dem freiliegenden Rohboden sind verschiedene, nicht näher bestimmte Keimlinge

gewachsen, die so aussehen wie die in Abbildung 41 gezeigten Keimlinge.

87


5 Ergebnisse

Abbildung 41: Keimlinge in Juni auf freiliegendem Ufer am Schifferberge, linkes Ufer

Ab der Baustelle für die neue Fußgängerbrücke zwischen K7 und Vogelsang öffnet sich die

Urft zum Urft-Stausee. Wie in Abbildung 42 zu erkennen, sind die Ufer hier überall felsig,

ohne Rohbodenauflage und bis zu einer bestimmten Höhe unbewachsen. Bei der Begehung

im Juni und im August im gesamten Bereich der Urft-Talsperre sind keine Neophyten

gefunden worden, bis auf zwei Spireae x billardii - Bestände kurz hinter der Baustelle an einem

ehemaligen, jetzt bewachsenem Zufahrtsweg.

Abbildung 42: Blick auf den Urft-Stausee, im Vordergrund die Baustelle der Fußgängerbrücke im Mai

2009

88


Linkes Ufer

5 Ergebnisse

Die Beschreibung des linken Ufers beginnt in der Höhe des Klärwerkes, diese Stelle befindet

sich gegenüber der Wildschweinfläche. Hier direkt am Ufer der Urft befindet sich die

Untersuchungsfläche 8 (Am Klärwerk). An dieser Stelle mündet ein Bach in die Urft. Es gibt

H. mantegazzianum, F. japonica und I. glandulifera. Das Ufer ist bewachsen mit Weiden und an

dieser Stelle über 1 m hoch und sehr steil. Der Bereich von der Brücke in Malsbenden bis zu

dieser Stelle wird nicht begangen, da er durch private Gärten und Weideflächen nicht

zugänglich ist. In diesem Bereich befindet sich I. glandulifera (vom anderen Ufer im August zu

sehen). Dieser Abschnitt ist fast völlig frei von Baumbewuchs.

Im weiteren Verlauf grenzen Weiden und Freiflächen an das Ufer, hier gibt es große Bestände

von B. orientalis und I. glandulifera. Es folgt eine Tannenschonung (siehe Abbildung 24), die fast

bis zum Ufer reicht. Bis zum Bogen der Urft ist das Ufer dann nur locker mit Bäumen

bewachsen. Es gibt sehr große und hohe Bestände von Petasites hybridus. Ab dem Bereich des

Bogens ist das linke Ufer der Urft bis zum Schifferberg auf Höhe des Alten Hotels fast

durchgehend mit Bäumen bewachsen und direkt am Ufer felsig (Abbildung 43).

Abbildung 43: Das linke Ufer in Höhe des Alten Hotels (rechts: Brücke des Hotels) vom rechten Ufer

aus fotografiert, auch im Bild: Kanadagänse (Neozoen)!

Nur an einigen Stellen gibt es Uferbereiche, die eine Hochstaudenflur mit Pestwurz und

Weiden zeigen. An diesen Stellen ist das Ufer flach. Das linke Ufer der Urft kann nur bis zur

Stelle gegenüber des Alten Hotels begangen werden. Ab dieser Stelle, im Bogen der Urft, ist

das Ufer sehr steil und felsig und daher nicht begehbar.

89


5 Ergebnisse

Den Abschnitt des Schifferberges erreicht man von der Dreiborner Hochfläche aus. Der

Schifferberge gehörte zum militärischen Gebiet der Dreiborner Hochfläche. Das Gebiet ist

meist bis zum Ufer der Urft bewaldet. An den Stellen, an denen der Wald nicht direkt bis zum

Wasser reicht, ist das Ufer flach und hauptsächlich mit Gräsern bewachsen (Abbildung 38,

links im Bild). An den locker bewachsenen Stellen stehen Weiden dicht am Ufer. In diesem

Bereich der Urft ist die Fließgeschwindigkeit schon vermindert bzw. steht das Wasser

aufgrund der Stauung. Zu bestimmten Jahreszeiten können Bereiche freiliegen, die sonst unter

Wasser stehen.

Außer Spiraea, deren Bestände sich aber weit oberhalb der Uferlinie an trockenen Standorten

befinden, I. glandulifera im direkten Uferbereich gegenüber des Hotels und etwas weiter

Richtung Stausee und einer einzige H. mantegazzianum-Pflanze, wurden keine Neophyten

gefunden. Die Spiraea-Bestände sind in diesem Bereich sehr groß und wachsen sowohl im

schattigen Waldrandbereich (hier verjüngt sich der Bestand in den Wald hinein, siehe

Abbildung 44) als auch an den sehr hellen, trockenen Standorten neben den gleichmäßig am

Waldrand auftretenden, wahrscheinlich durch das Militär entstanden Wällen (Abbildung 37).

Abbildung 44: Verjüngung von Spiraea am Schifferberge, Waldrand

Wie in der folgenden Abbildung 45 zu sehen, säumen die I. glandulifera Bestände im August am

linken Ufer flussabwärts hinter dem Alten Hotel den gesamten Uferbereich sehr dicht und in

unmittelbarer Nähe der Urft.

90


Abbildung 45: I. glandulifera im August am linken Ufer hinter dem Alten Hotel

5 Ergebnisse

Die letzte kartierte H. mantegazzianum-Pflanze befindet sich am Waldrand des Schifferberges

auf Höhe des Alten Hotels. Da sie sich hinter Weiden befindet, die am Ufer stehen, ist sie

vom rechen Ufer aus nicht zu sehen. Der mittlere Bereich des Schifferberges hat ein sehr

steiles, felsiges und unbegehbares Ufer. Hier am Waldrand in Ufernähe befindet sich zwischen

den Bäumen sehr viel Müll. Am Zufluss des Morsbaches gegenüber der Schweizer Berge

befindet sich in Waldrandnähe und im Bereich der Stauung Untersuchungsfläche 9

(Morsbachzufluss). Im Bereich Vogelsang soll es einen Buddlaja-Bestand geben (PARDEY,

persönliche Mitteilung, 2009)

Gemünd und andere Abschnitte

Im Siedlungsgebiet von Gemünd wird die Urft anthropogen sehr stark beeinflusst. Das ist

auch in der Einordnung in die Gewässerstrukturgüteklasse zu erkennen (siehe Kapitel 2.2.1).

In Stadtgebiet, durch das die Urft fließt, ist die Urft in einigen Bereichen mit Mauern verbaut

(Abbildung 46) und trifft auf ein Wehr. In Gemünd fließt die Olef in die Urft.

91


Abbildung 46: Olef trifft auf Urft, verbautes Ufer in Gemünd

5 Ergebnisse

Fast durchgängig ist das Ufer stark durch hohe Bäume beschattet. Im Uferbereich gibt es oft

größere Steine. Die Fließgeschwindigkeit ist sehr hoch. Am rechten Ufer befindet sich ein

Kurparkgelände, an das sich dann bis Malsbenden ein Wohngebiet mit Gärten anschließt.

Sowohl am rechten als auch am linken Ufer gibt es Fußwege, Brücken überqueren mehrmals

die Urft. Das Ufer der Urft im Bereich von Gemünd wird stark von Neophyten besiedelt: sehr

große Fallopia-Bestände, H. mantegazzianum, I. glandulifera, B. orientalis und S. albus. Die Fallopia-

Bestände bilden teilweise die Uferbepflanzung und wurden zum Zeitpunkt der Aufnahme in

Juni stark beschnitten. Dabei wurden abgeschnittenen Pflanzenteile direkt am Ufer

liegengelassen (Abbildung 47).

92


Abbildung 47: Abgeschnittene Pflanzenteile von F. japonica in Gemünd

5 Ergebnisse

Stichpunktartig wird dann noch der Stadtteil Mauel untersucht, hier überquert die B 266 die

Urft. Auch hier werden Neophyten gefunden (H. mantegazzianum, B. orientalis in einem großen

Bestand und I. glandulifera). Im oberen Lauf der Urft wird Anstois untersucht, auch hier gibt es

im Uferbereich F. japonica, H. mantegazzianum und I. glandulifera.

5.1.2 Ergebnisse der Kartierung einzelner Neophyten

Die Daten der Kartierung wurden in GeoMedia Professional 6.1 bearbeitet. Als Grundlage

dienten Luftbilder und digitale Karten des Nationalparkforstamts Eifel (2009). Die

gefundenen Neophyten werden auf den Karten dargestellt. Die Karten befinden sich im

Anhang (Kapitel 10.1.) und auf der CD. Im Anhang befinden sich die Rohdaten der

Kartierung. Um die Einzelpflanzen und die Bestände deutlich erkennen zu können, wurde ein

Maßstab für die Karten gewählt, bei dem diese Fundorte noch gut abgebildet werden. Die

Kartierung erfolgte bei den Arten B. orientalis, I. glandulifera, F. japonica, und S. x billardii nicht

als Einzelpflanze, sondern die Bestände sind in den Karten meist als Fläche dargestellt. Wenn

Einzelpunkte dieser Arten zu erkennen sind, markieren sie meist den Anfangs- oder Endpunkt

eines Bestandes. In der folgenden Abbildung 48 ist zu erkennen, welche Gebiete in den

Karten 1 bis 10 abgebildet werden. Einige Teilstücke der Urft ohne Neophyten wurden nicht

auf den Karten dargestellt. Die weiter flussaufwärts in Mauel und Anstois stichprobenartig

93


5 Ergebnisse

karierten Neophyten (H. mantegazzianum, B. orientalis, F. japonica) sind nicht auf den Karten

dargestellt, aber in die shape-Dateien aufgenommen.

Abbildung 48: Übersicht über die Karten in Kapitel 10. (zusammengestellt in: GeoMedia Professional

6.1.)

Die Karten zeigen:

• Die Neophyten konzentrieren sich im Gebiet zwischen Malsbenden und dem Alten Hotel

(Karten Bereich 4, 5, 6, 7 und 8)

• Auch im Gebiet der Ortschaft Gemünd sind alle Neophyten vorhanden.

• Meistens kommen die Neophyten in einem Bereich bis ca. 20 m Entfernung vom Ufer vor.

• Es gibt zwischen Gemünd und dem Bereich flussabwärts hinter dem Hotel kaum eine

neophytenfreie Zone.

• Der letzte flussabwärts gelegene Wuchsort von H. mantegazzianum befindet sich am

Schifferberg (Karte Bereich 8).

• Der letzte flussabwärts gelegene Wuchsort von I. glandulifera befindet sich direkt am Ufer im

ersten Knick hinter dem Hotel (Karte Bereich 9), gegenüber des Schifferberges.

• Der letzte flussabwärts gelegene Wuchsort von B. orientalis befindet sich am Schifferberge

(Karte Bereich 9).

94


5 Ergebnisse

• Der letzte flussabwärts gelegene Wuchsort von F. japonica befindet sich hinter dem Bogen in

Richtung Pulvermühle (Karten Bereich 6 und 7).

Zur Ergänzung wurden Daten zu Kartierungen der Arten F. japonica und H. mantegazzianum,

die die Biostation Euskirchen (EUSKIRCHEN, 2009) über längere Zeit gesammelt hat, als

shape-Dateien in Geomedia eingefügt. Diese Daten sind auf der CD zu finden. Die Daten

zeigen eine starke Verbreitung der beiden Arten im Gebiet.

Wenn man eine grobe Einschätzung über den Anteil der verschiedenen Neophyten im

untersuchten Gebiet vornehmen will, kann man behelfsmäßig auf die Anzahl der tatsächlich

per GPS aufgenommenen Punkte zurückgreifen. Dieser Wert entspricht in keinem Fall der

tatsächlichen Anzahl der Pflanzen, zeigt aber eine grobe Verteilung. Die Ungenauigkeit liegt

daran, dass man Einzelpflanzen (H. mantegazzianum, L. polyphyllus,) mit Beständen vergleicht

(B. orientalis, I. glandulifera, S. albus, F. japonica, S. x billardii und S. gigantea). Es ergibt sich

folgende in Abbildung 49 dargestellte Verteilung.

140

10

23

Symphoricarpus albus Spiraea x billardii Lupinus polyphyllus

Heracleum mantegazzinum Fallopia japonica Bunias orientalis

Impatiens glandulifera Solidago gigantea

Abbildung 49: Anzahl der aufgenommenen GPS-Punkte

Zu erkennen ist, dass H. mantegazzianum (es gibt 314 kartierte Einzelpflanzen) mit 140

aufgenommenen GPS-Punkten die am häufigsten kartierte Neophytenart ist. I. glandulifera

erreicht mit 71 GPS-Punkten fast ein Viertel der kartierten Neophytenarten. Die Zahl der

Einzelpflanzen ist wie bei allen als Bestand aufgenommenen Arten aber wesentlich höher.

Auch B. orientalis ist mit 42 Kartierungen stark vertreten. Um die Zahl der Einzelpflanzen zu

schätzen, könnte man die jeweilige aufgenommene Bestandsfläche mit den Daten zur Dichte

der Bestände hochrechnen (siehe Daten im Anhang, Kapitel 10.3).

9

21

2

42

71

95


5 Ergebnisse

5.2 Untersuchungen zu Standort– und Umweltfaktoren (Untersuchungsflächen)

5.2.1 Vegetationsaufnahmen

Im Folgenden (Tabellen 22 bis 29) werden die Ergebnisse der Artmächtigkeitsabschätzung der

Untersuchungsflächen 1 bis 9 mit Hilfe der Methode nach BRAUN-BLANQUET aufgeführt.

Pro Untersuchungsflächen wurden 5-6 Flächen in der Größe von 2 m x 2 m bearbeitet. Die

Sortierung innerhalb der Tabellenzeilen erfolgt von oben nach unten nach der Stetigkeit: Je

weiter oben eine Art steht, desto größer war ihr Vorkommen insgesamt innerhalb des

Standortes. In der letzten Zeile steht jeweils der Deckungsgrad, der in der Fläche überhaupt

als Fläche für die Vegetation in Frage kommt. Der Deckungsgrad beträgt in allen Aufnahmen

100 % (bis auf eine Fläche mit 95 % Deckungsgrad in Untersuchungsfläche 9).

Zu beachten ist, dass die Vegetationsaufnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr

gemacht wurden, bei Pflanzen wie I. glandulifera erscheinen die Pflanzen daher zu Beginn des

Frühjahrs mit einer viel geringeren Artmächtigkeit als zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr.

In Tabelle 22 ist die BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung von

Untersuchungsfläche 1 (Wildschweinfläche) zu sehen, die im Mai 2009 aufgenommen wurde.

Tabelle 22: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 1,

Wildschweinfläche

Art 1 2 3 4 5

Petasites hybridus 3 4 5 5 4

Urtica dioica 2b 2a 2a 2a 2a

Bunias orientalis 2b 2a 2a + 2a

Galium aparine 2b 2a 2a + 2a

Stachys sylvatica 2a 2a + 2a

Gräser, unbestimmt 2m 2m + 2m 2m

Stellaria nemorum + r 2a +

Silene dioica + + + + +

Impatiens glandulifera + +

Galium spec. +

Lamium maculatum r r

Cirsium spec. r

Aegopodium podagraria r

Alliaria petiolata r

Aconitum variegatum r

Lamium album r

Deckungsgrad in % 100 100 100 100 100

An Untersuchungsfläche 1 gibt es 15 Pflanzenarten. Da die Gräser nicht einzeln bestimmt

wurden, ist die Anzahl eigentlich größer. Es gibt 2 Neophytenarten in der

Untersuchungsfläche: B. orientalis und I. glandulifera. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen

96


5 Ergebnisse

dominieren Petasites hybridus, Urtica dioica, Bunias orientalis, Galium aparine, Stachys sylvatica und

Gräser.

In Tabelle 23 ist die BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung von

Untersuchungsfläche 2 (Wall am Schießstand) zu sehen, die im Mai 2009 aufgenommen

wurde.

Tabelle 23: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 2, Wall am

Schießstand

Art 1 2 3 4 5

Impatiens glandulifera 4 4 bis 5 4 bis 5 5 4

Urtica dioica 4 4 4 1 4

Galium aparine 2a 2a 2a 2a 2a

Stachys sylvatica 2a 2a 2b 1 1

Stellaria nemorum 2a 2a 2a

Gräser, unbestimmt 2a 2a 1 + 1

Alliaria petiolata + r + r +

Aegopodium podagraria + + +

Lamium maculatum +

Rubus fruticosus +

Deckungsgrad in % 100 100 100 100 100

An Untersuchungsfläche 2 gibt es 10 Pflanzenarten. Da die Gräser nicht einzeln bestimmt

wurden, ist die Anzahl eigentlich größer. Es gibt 1 Neophytenart in der Untersuchungsfläche:

I. glandulifera. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen dominieren I. glandulifera, Urtica dioica, Galium

aparine, Stachys sylvatica und Gräser.

An Untersuchungsfläche 3 (An der Brücke am Bogen) wurde die in Tabelle 24 gezeigte

BRAUN-BLANQUET -Artmächtigkeitsschätzung im Mai 2009 aufgenommen.

Tabelle 24: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 3, Brücke am

Bogen

Art 1 2 3 4 5

Petasites hybridus 4 2a 4 3 1

Urtica dioica 2a 5 2a 2a 1

Heracleum mantegazzianum 3 (2 3 (2 4 5 (3 3

Pflanzen)

Pflanzen)

Pflanzen)

Alliaria petiolata 2a 2a 1 3

Stachys sylvatica 2b 2a 3

Galium aparine 2a 1 2a + 1

Gräser, unbestimmt + 1 + 2m

Impatiens glandulifera + 2a

Silene dioica r 2a

Lamium maculatum + r

Bunias orientalis + +

Geum urbanum r

Deckungsgrad in % 100 100 100 100 100

97


5 Ergebnisse

An Untersuchungsfläche 3 gibt es 12 Pflanzenarten. Da die Gräser nicht einzeln bestimmt

wurden, ist die Anzahl eigentlich größer. Es gibt 2 Neophytenarten in der

Untersuchungsfläche: H. mantegazzianum und I. glandulifera. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen

dominieren Petasites hybridus, Urtica dioica und H. mantegazzianum

An Untersuchungsfläche 4 (Am Ufer am Bogen) wird keine BRAUN-BLANQUET-

Artmächtigkeitsaufnahme gemacht, da es unter dem Fallopia-Bestand keine Vegetation gibt. In

der näheren Umgebung des Bestandes gibt es Urtica dioica, Stachys sylvatica, Lamium maculatum

und I. glandulifera. Die Stelle befindet sich direkt am Ufer.

In Tabelle 25 ist die BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung von

Untersuchungsfläche 5 (An der Pulvermühle, ohne Neophyt) zu sehen, die im Mai 2009

aufgenommen wurde.

Tabelle 25: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 5, An der

Pulvermühle

Art 1 2 (unter

Weide)

3 4 5

Stachys sylvatica 3 4 3 4 3

Urtica dioica 3 3 3 3 3

Galium aparine r + + + r

Lamium maculatum r + r r r

Deckungsgrad in % 100 100 100 100 100

An Untersuchungsfläche 5 gibt es 4 Pflanzenarten. Es gibt keine Neophytenarten in der

Untersuchungsfläche. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen dominieren Stachys sylvatica und Urtica

dioica.

An Untersuchungsfläche 6 (Am Mauerrest) wurde die in Tabelle 26 gezeigte BRAUN-

BLANQUET -Artmächtigkeitsschätzung im Mai 2009 aufgenommen.

Tabelle 26: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 6, Am Mauerrest

Art 1 2 3 4 5

Stachys sylvatica 3 4 3 4 3

Urtica dioica 3 3 3 3 3

Lamium maculatum r + r r r

Galium aparine r + + + r

Deckungsgrad in % 100 100 100 100 100

An Untersuchungsfläche 6 gibt es 4 Pflanzenarten. Es handelt sich um einen Standort mit

Spiraea x billardii. Die aufgenommenen Pflanzen befinden sich in unmittelbarer Nähe oder

98


5 Ergebnisse

unter dem Bestand. Es gibt 1 Neophytenart in der Untersuchungsfläche: Spiraea x billardii.

Zum Zeitpunkt der Aufnahmen dominieren Spiraea x billardii, Stachys sylvatica und Urtica dioica.

Tabelle 27 zeigt die BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung von

Untersuchungsfläche 7 (Brücke in Malsbenden), die im Juni 2009 aufgenommen wurde.

Tabelle 27: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 7, Brücke in

Malsbenden

Art F1 F2 F3 F4 F5

Urtica dioica + 2a 2a 1 2a

Bunias orientalis 3 3 4 4

Phalaris arundinacea 4

Symphytum officinale 3

Holcus mollis 3

Rubus fruticosus 3

Galium mollugo + 2b r 1

Galium aparine 2b 1

Heracleum sphondylium + 2b

Impatiens glandulifera 2a

Alliaria petiolata 2a

Anthriscus sylvestris 2a

Arrhenatherum elatius + 2m

Hesperis matronalis +

Festuca pratense 1

Vicia cracca + + +

Dactylis glomerata 1 +

Vicia tetrasperma +

Stellaria holostea r

Deckungsgrad in % 100 100 100 100 100

An Untersuchungsfläche 7 gibt es 19 Pflanzenarten. Auch die Gräser sind einzeln bestimmt

worden. Es gibt 2 Neophytenarten in der Untersuchungsfläche: B. orientalis und I. glandulifera.

Zum Zeitpunkt der Aufnahmen dominieren Urtica dioica und B. orientalis. Die einzelnen

Flächen sind sehr heterogen, man hätte ein größeres Minimumareal annehmen müssen an

diesem Standort.

99


5 Ergebnisse

Tabelle 28 zeigt die BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung von

Untersuchungsfläche 8 (Am Klärwerk), die im Juni 2009 aufgenommen wurde.

Tabelle 28: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 8, Am Klärwerk

Art F6 F7 F8 F9 F10 F11

Impatiens glandulifera 4 1 2b 5 2b

Petasites hybridus 3 1 2a 4

Aegopodium podagraria 2b 2a 1

Urtica dioica 1 2a + 2a

Galium aparine 2a 1 1 2b 2a

Arrhenatherum elatius 4 2b

Poa pratensis 2a 2b

Bunias orientalis 2a 2a

Lolium perenne 4

Rubus fruticosus 4

H. mantegazzianum + 2a

Alliaria petiolata +

Hesperis matronalis r

Galium mollugo 2a

Epilobium parviflorum + + r

Silene dioica +

Galium cruciata 1

Vicia cracca +

Gräser, unbestimmt +

Geum urbanum +

Stellaria holostea +

Equisetum spec. +

Stellaria nemorum +

Stellaria holostea +

Deckungsgrad in % 100 100 100 100 100 100

An Untersuchungsfläche 8 gibt es 24 Pflanzenarten. Es gibt 3 Neophytenarten in der

Untersuchungsfläche: I. glandulifera, B. orientalis und H. mantegazzianum. Zum Zeitpunkt der

Aufnahmen dominieren I. glandulifera, Petasites hybridus, Aegopodium podagraria und Gräser. Die

einzelnen Flächen sind sehr heterogen, man hätte ein größeres Minimumareal annehmen

müssen an diesem Standort

100


5 Ergebnisse

In Tabelle 29 ist die BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung von

Untersuchungsfläche 9 (Morsbachzufluss, ohne Neophyt) zu sehen, die im Juni 2009

aufgenommen wurde.

Tabelle 29: BRAUN-BLANQUET-Artmächtigkeitsschätzung Untersuchungsfläche 9, Morsbachzufluss

Art F12 F13 F14 F15 F16

Filipendula ulmaria 4 5 2a 3 2a

Rubus fruticosus 2a 1 4 4 2a

Geum urbanum + r + r +

Deschampsia caespitosa 1 + 2a + 5

Glechoma hederacae + 2a +

Galium aparine + + 1 + 1

Vicia sepium + 1

Stellaria media 1

Symphytum officinale + + +

Acer pseudoplatanus + + r

Urtica dioica + r +

Vicia cracca r + r

Carpinus betulus r

Populus spec. +

Iris pseudacorus +

Alnus spec. r

Deckungsgrad in % 100 100 95 100 100

An Untersuchungsfläche 9 gibt es 16 Pflanzenarten. Es gibt keine Neophytenart in der

Untersuchungsfläche. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen dominieren Filipendula ulmaria und

Rubus fruticosus.

5.2.2 Zeigerwerte nach Ellenberg

In den Tabellen 30 bis 38 werden die mit ELLENBERG (1991), STATEDV

ZEIGERWERTE (Internet, 14.8.2009) und GEHOELZE (Internet, 15.8.2009) ermittelten,

ungewichteten Zeigerwerte aller Arten für einige Umweltfaktoren aufgelistet. Es wird aber im

Weiteren nur auf die Umweltfaktoren T, L, F, R und N eingegangen (grau). Die letzte Zeile

enthält den Mittelwert aus allen Einzelwerten der Zeigerwerte. Statistisch exakt ist dieser

Mittelwert nicht, da es sich bei den Zeigerwerten um Ordinalzahlen handelt und nicht um

Intervallzahlen In der Praxis hat sich dieses Verfahren aber trotzdem durchgesetzt (UNI

JENA; Internet, 26.7.2009).

Tabelle 30 auf der folgenden Seite zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die

Untersuchungsfläche 1 (Wildschweinfläche).

101


5 Ergebnisse

Tabelle 30: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 1, Wildschweinfläche

Art L T K F R N

Petasites hybridus 7 5 2 8 7 8

Urtica dioica x x x 6 7 8

Bunias orientalis 7 6 5 5 8 5

Galium aparine 7 6 3 x 6 8

Cirsium spec. x x x x x x

Stachys sylvatica 4 x 3 7 7 7

Aegopodium podagraria 5 5 3 6 7 8

Impatiens glandulifera 5 7 2 8 7 7

Lamium maculatum 5 x 4 6 7 8

Alliaria petiolata 5 6 3 5 7 9

Gräser, unbestimmt x x x x x x

Stellaria nemorum 4 x 4 7 5 7

Silene dioica x x 4 6 7 8

Galium spec. x x x x x x

Aconitum variegatum? 5 4 4 7 8 7

Lamium album 7 x 3 5 x 9

MW Zeigerwerte, ungewichtet 5,5 5,6 3,3 6,3 6,9 7,6

STABW Zeigerwerte 1,2136 0,9759 0,8876 1,0731 0,7930 1,0439

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 1 deuten auf einen Standort hin, der

halbschattig und mäßig warm ist, der Boden ist frisch bis feucht, neutral und nährstoffreich.

Tabelle 31 zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die Untersuchungsfläche 2 (Wall am

Schießstand).

Tabelle 31: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 2, Wall am Schießstand

Art L T K F R N

Impatiens glandulifera 5 7 2 8 7 7

Urtica dioica x x x 6 7 8

Galium aparine 7 6 3 x 6 8

Stachys sylvatica 4 x 3 7 7 7

Alliaria petiolata 5 6 3 5 7 9

Stellaria nemorum 4 x 4 7 5 7

Gräser, unbestimmt x x x x x x

Lamium maculatum 5 x 4 6 7 8

Aegopodium podagraria 5 5 3 6 7 8

Rubus fruticosus 3 4 3 3 3 4

MW Zeigerwerte, ungewichtet 4,8 5,6 3,1 6,0 6,2 7,3

STABW Zeigerwerte 1,1650 1,1402 0,6409 1,512 1,3944 1,4142

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 2 deuten auf einen Standort hin, der

schattig bis halbschattig und mäßig warm ist, der Boden ist frisch bis feucht, neutral bis mäßig

sauer und nährstoffreich.

102


5 Ergebnisse

Tabelle 32 zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die Untersuchungsfläche 3 (An der Brücke am

Bogen).

Tabelle 32: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 3, An der Brücke am Bogen

Art L T K F R N

Petasites hybridus 7 5 2 8 7 8

Heracleum mantegazzianum 9 6 x 6 x 8

Galium aparine 7 6 3 x 6 8

Urtica dioica x x x 6 7 8

Alliaria petiolata 5 6 3 5 7 9

Stachys sylvatica 4 x 3 7 7 7

Lamium maculatum 5 x 4 6 7 8

Geum urbanum 4 5 5 5 x 7

Gräser, unbestimmt x x x x x x

Bunias orientalis 7 6 5 5 8 5

Silene dioica x x 4 6 7 8

Impatiens glandulifera 5 7 2 8 7 7

MW Zeigerwerte, ungewichtet 5,9 5,9 3,4 6,2 7,0 7,5

STABW Zeigerwerte 1,6915 0,6901 1,1304 1,1353 0,5000 1,0357

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 3 deuten auf einen Standort hin, der

halbschattig bis halblicht und warm ist, der Boden ist frisch bis feucht, neutral und

nährstoffreich.

Tabelle 33 zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die Untersuchungsfläche 4 (Am Ufer am

Bogen).

Tabelle 33: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 4, Am Ufer am Bogen

Art L T K F R N

Urtica dioica x x x 6 7 8

Stachys sylvatica 4 x 3 7 7 7

Lamium maculatum 5 x 4 6 7 8

Impatiens glandulifera 5 7 2 8 7 7

MW Zeigerwerte, ungewichtet 4,7 7,0 3,0 6,8 7,0 7,5

STABW Zeigerwerte 0,5774 7 1,0000 0,9574 0,0000 0,5774

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 4 deuten auf einen Standort hin, der

schattig bis halbschattig und warm ist, der Boden feucht, neutral und nährstoffreich.

103


5 Ergebnisse

Tabelle 34 zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die Untersuchungsfläche 5 (An der

Pulvermühle).

Tabelle 34: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 5, An der Pulvermühle

Art L T K F R N

Stachys sylvatica 4 x 3 7 7 7

Urtica dioica x x x 6 7 8

Lamium maculatum 5 x 4 6 7 8

Galium aparine 7 6 3 x 6 8

MW Zeigerwerte, ungewichtet 5,3 6,0 3,3 6,3 6,8 7,8

STABW Zeigerwerte 1,2472 0,0000 0,4714 0,4714 0,4330 0,4330

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 5 deuten auf einen Standort hin, der

halbschattig und mäßig warm bis warm ist, der Boden ist frisch bis feucht, neutral und

nährstoffreich bis übermäßig nährstoffreich.

Tabelle 35 zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die Untersuchungsfläche 6 (Am Mauerrest).

Tabelle 35: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 6, Am Mauerrest

Art L T K F R N

Stachys sylvatica 4 x 3 7 7 7

Urtica dioica x x x 6 7 8

Lamium maculatum 5 x 4 6 7 8

Galium aparine 7 6 3 x 6 8

MW Zeigerwerte, ungewichtet 5,3 6,0 3,3 6,3 6,8 7,8

STABW Zeigerwerte 1,5275 0,0000! 0,5774 0,5774 0,5000 0,5000

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 6 deuten auf einen Standort hin, der

halbschattig und mäßig warm bis warm ist, der Boden ist frisch bis feucht, neutral und

nährstoffreich bis übermäßig nährstoffreich.

104


5 Ergebnisse

Tabelle 36 zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die Untersuchungsfläche 7 (Brücke in

Malsbenden).

Tabelle 36: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 7, Brücke in Malsbenden

Art L T K F R N

Urtica dioica x x x 6 7 8

Bunias orientalis 7 6 5 5 8 5

Galium aparine 7 6 3 x 6 8

Impatiens glandulifera 5 7 2 8 7 7

Alliaria petiolata 5 6 3 5 7 9

Hesperis matronalis 6 5 6 7 7 7

Rubus fruticosus 3 4 3 3 3 4

Festuca pratense 8 3 3 6 7 7

Vicia tetrasperma 6 6 5 5 5 5

Vicia cracca 7 5 x 5 x x

Symphytum officinale 7 6 3 8 x 8

Galium mollugo 7 6 3 4 7 x

Arrhenatherum elatius 8 5 3 5 7 7

Dactylis glomerata 7 x 3 5 x 6

Holcus mollis 5 5 2 5 2 3

Stellaria holostea 5 6 3 5 6 5

Phalaris arundinacea 7 5 x 9 7 7

Anthriscus sylvestris 7 x 5 5 x 8

Heracleum sphondylium 7 5 2 5 x 8

MW Zeigerwerte, ungewichtet 6,3 5,4 3,4 5,6 6,1 6,6

STABW Zeigerwerte 1,2834 0,9574 1,2042 1,5005 1,7033 1,6605

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 7 deuten auf einen Standort hin, der

halbschattig bis halblicht und mäßig warm ist, der Boden ist frisch, mäßig sauer und mäßig

nährstoffreich.

105


5 Ergebnisse

Tabelle 37 zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die Untersuchungsfläche 8 (Am Klärwerk).

Tabelle 37: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 8, Am Klärwerk

Art L T K F R N

Urtica dioica x x x 6 7 8

Bunias orientalis 7 6 5 5 8 5

Galium aparine 7 6 3 x 6 8

Impatiens glandulifera 5 7 2 8 7 7

Petasites hybridus 7 5 2 8 7 8

Aegopodium podagraria 5 5 3 6 7 8

Heracleum mantegazzianum 9 6 x 6 x 8

Alliaria petiolata 5 6 3 5 7 9

Hesperis matronalis 6 5 6 7 7 7

Rubus fruticosus 3 4 3 3 3 4

Silene dioica x x 4 6 7 8

Vicia cracca 7 5 x 5 x x

Galium mollugo 7 6 3 4 7 x

Poa pratensis 6 x x 5 x 6

Geum urbanum 4 5 5 5 x 7

Stellaria holostea 5 6 3 5 6 5

Equisetum spec. x x x x x x

Lolium perenne 8 6 3 5 7 7

Arrhenatherum elatius 8 5 3 5 7 7

Stellaria nemorum 4 x 4 7 5 7

Cruciata laevipes, galium cruciata 7 5 5 6 6 7

Epilobium parviflorum 7 5 3 9 8 6

MW Zeigerwerte, ungewichtet 6,2 5,5 3,5 5,8 6,6 6,9

STABW Zeigerwerte 1,5728 0,7174 1,1246 1,4364 1,1757 1,2681

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 8 deuten auf einen Standort hin, der

halbschattig bis halblicht und mäßig warm ist, der Boden ist frisch, mäßig sauer bis neutral

und nährstoffreich.

106


5 Ergebnisse

Tabelle 38 zeigt die ermittelten Zeigerwerte für die Untersuchungsfläche 9 (Morsbachzufluss).

Tabelle 38: Zeigerwerte nach Ellenberg, Untersuchungsfläche 9, Morsbachzufluss

Art L T K F R N

Filipendula ulmaria 7 5 x 8 x 4

Rubus fruticosus 3 4 3 3 3 4

Symphytum officinale 7 6 3 8 x 8

Geum urbanum 4 5 5 5 x 7

Glechoma hederacae 6 6 3 6 x 7

Vicia sepium x x 5 5 6 5

Deschampsia caespitosa 6 x x 7 x 3

Carpinus betulus 8 6 4 x x x

Acer pseudoplatanus 8 x 4 6 x 7

Galium aparine 7 6 3 x 6 8

Urtica dioica x x x 6 7 8

Populus spec.

Alnus spec.

Iris pseudacorus 7 6 3 9 x 7

Viccia cracca 7 5 x 5 x x

MW Zeigerwerte, ungewichtet 6,4 5,4 3,7 6,2 5,5 6,2

STABW Zeigerwerte 1,5667 0,7265 0,8660 1,7215 1,7321 1,8340

Die gemittelten Zeigerwerte für Untersuchungsfläche 9 deuten auf einen Standort hin, der

halblicht und mäßig warm ist, der Boden ist frisch bis feucht, mäßig sauer und mäßig

nährstoffreich.

107


5.2.3 Abiotische Parameter

Temperatur

5 Ergebnisse

Die Temperatur wird für alle Untersuchungsflächen als gleich vorausgesetzt (siehe Kapitel

2.1.4). Sie wurde daher nicht einzeln gemessen. Es kann aber durchaus Unterschiede im

Mikroklima der Standorte geben, je nach Beschattung können zum Beispiel die Temperaturen

höher oder niedriger sein.

Lichtwert

An den Untersuchungsflächen 1 bis 9 wurde an verschiedenen Tagen zwischen Mai und Juni

vormittags bis mittags bei wechselndem Bewölkungsgrad die photosynthetisch aktive

Strahlung (PAR) in µmol m -2 s -1 gemessen. Es ergaben sich die in Abbildung 50 dargestellten

Werte.

MW PAR µmol m-2 s-1

2500

2000

1500

1000

500

0

1 2 3 4 5 6 7 8 9

Untersuchungsfläche

Abbildung 50: Mittelwerte und S.E. der PAR in µmol m -2 s -1 an den Untersuchungsflächen 1 bis 9, MW,

n=5, UF 4: n=1, UF 7: keine Daten, da der Quantum-Sensor nicht funktionierte

Die Untersuchungsflächen 1, 3, 4, 7 und 9 sind Standorte ohne dichten Baumbewuchs,

sowohl Untersuchungsfläche 1 (Wildschweinfläche: 1662,5 ± 149,91 µmol m -2 s -1 ) als auch

Untersuchungsfläche 3 (An der Brücke am Bogen: 1268,75 ± 636,06 µmol m -2 s -1 ) und 9

(Morsbachzufluss: 1059,2 ± 516,74 µmol m -2 s -1 ) erreichen hohe PAR-Mittelwerte. Zu

bemerken ist, dass Untersuchungsfläche 1 eine viel geringer Standardabweichung hat als die

anderen beiden Untersuchungsflächen. Dadurch erkennt an, dass die PAR-Werte viel

beständiger sind. Die Wildschweinfläche hat den geringsten Baumbewuchs und damit auch

keine Schwankungen in der Lichtstärke.

108


5 Ergebnisse

Beim hohen Wert von Untersuchungsfläche 4 muss bedacht werden, dass hier nur eine

Messung gemacht wurde. Untersuchungsfläche 4 liegt unter Bäumen, es kann aber auch hier,

wenn die Messung in einem Sonnenfleck vorgenommen wurde, zu hohen Werten kommen.

Die Untersuchungsflächen 5 (An der Pulvermühle: 418,47 ± 315,88 µmol m -2 s -1 ), 6 (Am

Mauerrest: 546,8 ± 703,87 µmol m -2 s -1 ) und 8 (Am Klärwerk: 241,49 ± 136,5 µmol m -2 s -1 )

haben niedrige PAR-Werte. Diese Untersuchungsflächen sind Standorte mit starkem

Baumbewuchs.

An den hohen Standardabweichungen ist zu erkennen, dass sich während der Aufnahme in

den Flächen der Grad der Bewölkung geändert hat. Man erkennt im Vergleich mit den in

Tabelle 20 genannten Beispielwerten aber trotzdem, dass die Werte denen eines sonnigen,

teilweise bewölkten Tages entsprechen.

Auch bei der Kartierung der Neophyten wurden teilweise die PAR-Werte an einzelnen

Pflanzen bzw. an einzelnen Beständen gemessen. Die Anzahl n der Messungen ist dabei

unterschiedlich (H. mantegazzianum: 46, I. glandulifera: 19, F. japonica: 10, B. orientalis: 10,

S. x billardii: 6, S. albus: 5)

MW PAR µmol

7000

6000

5000

4000

3000

2000

1000

0

H. man tegazzianum

I. glandulifera

F. japonica

Neophytenart

B. o ri entalis

S.x bi llardi i

Abbildung 51: Photosynthetisch aktive Strahlung an den einzelnen Pflanzen, MW der Par in

µmol m 2 s -1 mit S.E.

Durch die sehr hohen Standardabweichungen ist zu erkennen, dass sich während der

Datenaufnahme der Grad der Bewölkung stark geändert hat. Die Aussagekraft der Werte ist

daher eher gering.

S. albus

109


Wassergehalt

5 Ergebnisse

Die Bestimmung des Wassergehaltes der Bodenproben der einzelnen Untersuchungsflächen

ergab die in Abbildung 52 dargestellten Werte:

MW, Wassergehalt %

120

100

80

60

40

20

0

1 2 3 4 5 6 7 8 9

Untersuchungsfläche

Abbildung 52: Wassergehalt des Bodens der verschiedenen Untersuchungsflächen in % (MW und

S.E.)

Es ist zu erkennen, dass die Untersuchungsflächen 2 (Wall am Schießstand: 90,98% ± 9,1465)

und 5 (An der Pulvermühle: 87,4% ± 25,372) den höchsten Wassergehalt haben. Auch

Untersuchungsfläche 4 (Am Ufer am Bogen: 55,5 % ± 24,294) hat einige Werte, die im

Bereich von 80 % Wassergehalt liegen. Die übrigen Untersuchungsflächen haben einen

Wassergehalt zwischen 30 % und 55 %. Da die Proben an drei verschiedenen Tagen

genommen wurden (Tag 1: 1, 2, 3, 4, 5, 6; Tag 2: 7 und 8; Tag 3: 9), können die Werte z.B.

durch Regen beeinflusst sein. Insgesamt handelt es sich aber an allen Untersuchungsfläche um

Böden mit einem für die Pflanzen ausreichenden Wassergehalt. Feuchter Lehmboden hat z.B.

einen Wassergehalt von 50 % (ENßLIN et al., 2000).

Nitrat

Die Nitratgehalte der Bodenproben, die aus den oberen Bodenschichten der

Untersuchungsfläche entnommen wurden, zeigen die in Abbildung 53 dargestellten Werte.

110


5 Ergebnisse

Die Untersuchungsflächen 4, 7 und 8 sind Standorte im direkten Uferbereich, könnten also

Standorte sein, an denen sich Bodenmaterial durch Überschwemmungen oder ähnliches

ansammeln kann.

mg Nitrat* kg-1 Trockengewicht

50

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

1 2 3 4 5 6 7 8 9

Untersuchungsfläche

Abbildung 53: Nitratgehalt (mg kg -1 ) in den Bodenproben der Standorte (n=5)

Die Untersuchungsflächen 1/Wildschweinfläche (6,74 mg kg -1 ± 1,842), 2/Wall am

Schießstand (5,33 mg kg -1 ± 3,092), und 3/An der Brücke am Bogen (6,05 mg kg -1 ± 2,698)

zeigen niedrige Nitratgehalte, die Untersuchungsfläche 4/Am Ufer am Bogen (20,08

mg kg 1 ± 4,217), 5/An der Pulvermühle (30,42 mg kg -1 ± 1,256), 8/Am Klärwerk (39,49

mg kg -1 ± 6,331) und 9/Morsbachzufluss (23,35 mg kg -1 ± 7,7602) zeigen höhere Nitratwerte.

Die höchsten Nitratwerte werden an Untersuchungsfläche 8 (Am Klärwerk) erreicht und sind

dort fast 8 x so hoch wie an Untersuchungsfläche 2 (Wall am Schießstand) mit dem

niedrigsten Nitratwert.

Vergleicht man die gemessenen Werte an den Untersuchungsflächen mit den in Kapitel 4.3.3

genannten Literaturwerten (SCHEFFER & SCHACHTSCHABEL, 2002), erkennt man, dass

die Werte den dort genannten im Durchschnitt entsprechen. Einzelne Werte der

Untersuchungsflächen zeigen niedrigere Nitratwerte.

111


pH-Wert

5 Ergebnisse

Die ermittelten pH-Werte des Bodens der einzelnen Untersuchungsflächen zeigt Tabelle 39.

Tabelle 39: pH-Werte der Bodenproben

Untersuchungsfläche Mittelwert (n=5) S.E.

1 6,58 0,1288

2 6,51 0,0425

3 6,53 0,1472

4 6,65 0,0662

5 6,60 0,1431

6 6,33 0,2038

7 6,42 0,1840

8 6,28 0,2109

9 5,52 0,4394

Die gemessenen pH-Werte zeigen, dass alle Untersuchungsflächen außer

Untersuchungsfläche 9 (Morsbachzufluss) in die Einstufung „schwach sauer“ nach der Tabelle

21 eingeordnet werden müssen. Untersuchungsfläche 9 (pH-Wert: 5,52) bekommt die

Einordnung „mäßig sauer“.

Fließgeschwindigkeit

Die Ermittlung der Fließgeschwindigkeit, die an einigen zufällig ausgewählten Abschnitten der

Urft außerhalb des Nationalparks vorgenommen wurden, ergab die in Tabelle 40 dargestellten

Werte im km h -1 und m s -1

Tabelle 40: Fließgeschwindigkeit in m s -1

Messpunkt MW (km h -1 )

MW (m s -1 )

Anstois Brücke ufernah 1,12 0,31

Anstois Brücke Mitte 1,86 0,52

Gemünd Brücke

Wohnmobilparkplatz

4,03 1,12

Malsbenden Brücke 2,35 0,65

"Wildschweinfläche" 1,52 0,42

Mittelwert 2,18 0,60

Die Größe des schwimmenden Objektes hatte keinen Einfluss auf die Fließgeschwindigkeit.

In 24 Stunden könnte also ein Transport von beispielsweise schwimmfähigen Samen oder

Pflanzenteilen bei optimalen Bedingungen über mehr als 50 km stattfinden, wenn man den

Mittelwert der Fließgeschwindigkeit zu Grunde legt.

112


Pegelstände

5 Ergebnisse

Zur Ermittlung der Abschnitte der Urft, an denen sich zu verschiedenen Zeitpunkten im Jahr

die Höchst-Wasserlinie (also der Bereich des gestauten Wassers) befindet, werden die Daten

aus Abbildung 54 in Zusammenhang gebracht mit der Höhenlinienkarte des Gebietes

(Abbildung 55). In diesem Bereich der Urft kommt es zu Schwankungen des Wasserspiegels

und damit zu einer Beeinflussung der Vegetation.

MW m+NN

330,00

325,00

320,00

315,00

310,00

305,00

300,00

295,00

290,00

311,68

314,46

316,96

318,05

317,10

315,39

312,88

310,31

308,13

285,00

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Monat

Abbildung 54: Monatliche Mittelwerte der Stauhöhen der Urft-Talsperre in m+NN (und S.E.) von

1960 bis Juli 2009 (Quelle: DATEN STAUHÖHE WVER, 2009)

Zu erkennen ist, dass der Höchststand im Mittel bei 318,05 m ü. NN liegt. Dieser Wert wird

im April erreicht. Anschließend sinken die Werte für die Stauhöhe bis zum Oktober

kontinuierlich ab auf 306,05 m ü. NN, um bis zum April wieder anzusteigen. In Abbildung 55

kann man jetzt diese Bereiche zwischen 306 m ü. NN und 318 m ü. NN heraussuchen.

306,90

306,05

309,11

113


5 Ergebnisse

Abbildung 55: Höhenlinienkarte (Ausschnitt) der Urft. In Rot: Höhe ü. NN im Bereich der Urft. Bis zu

dieser Stelle reicht der gestaute Bereich der Urft bei entsprechender Stauhöhe an der Talsperre, Grün:

Norden (nach: HÖHENLINIENKARTE, ohne Datum)

Man erkennt also, dass im April der gestaute Bereich der Urft im Mittel in den Jahren 1960

bis 2009 bis in die Nähe der Alten Pulvermühle reicht (Marke 318 m ü. NN). Bis zum

Oktober geht der Wasserstand dann langsam zurück bis zur 306 m ü. NN-Marke hinter den

Schweizer Bergen. Die im April überschwemmten Bereiche liegen dann wieder frei. Der

Bereich zwischen der Pulvermühle und dem Bereich der Schweizer Berge ist also den

Veränderungen des Wasserspiegels unterworfen: Im Sommer gibt es hier durchschnittlich

niedrigere Wasserstände (=freiliegende Ufer) als im Frühjahr (=überflutete Ufer). Hier in

diesem Bereich befinden sich bei der Kartierung im Sommer 2009 einige Flächen, an denen

der freiliegende Bereiche zu sehen ist (Abbildung 56).

114


5 Ergebnisse

Abbildung 56: Ufer am Schifferberg am 10.6.2009, niedriger Wasserstand mit freiliegendem Ufer

Zur Zeit der Keimung vieler (Neophyten)samen sind die Ufer also überschwemmt und bieten

keine Bereiche, die für eine Keimung frei liegen. Innerhalb der einzelnen Jahre können,

besonders in den Sommermonaten, die Schwankungen durch einmalige Hochwasserereignisse

durch starke Regenfälle extremer ausfallen (zu erkennen an den hohen Standardabweichungen

in diesen Monaten).

In der Gesamttabelle 41 auf der folgenden Seite werden alle Ergebnisse der Untersuchungen

zu den Standort- und Umweltfaktoren für jede Untersuchungsfläche zusammengefasst. Die

grau unterlegten Spalten der Untersuchungsfläche 5 und der Untersuchungsfläche 9 sind

Flächen ohne Neophyt.

115


Tabelle 41:Gesamttabelle Ergebnisse der Standort- und Umweltfaktoren, grau unterlegt: Untersuchungsfläche ohne Neophyten

Faktor 1

2

3

4

5

6

7

Wildschweinfläche

Wall am

Schießstand

An der Brücke am

Bogen UF 3

Am Ufer am

Bogen

An der

Pulvermühle

Am Mauerrest

Brücke in

Malsbenden

8

Am Klärwerk

5 Ergebnisse

Anzahl Neophytenarten 2 1 2 1 0 1 2 3 0

Art Neophyt I. glandulifera,

B. orientalis

I. glandulifera H mantegazzianum,

I. glandulifera

F. japonica Spiraea x billardii B. orientalis,

I, glandulifera

I. glandulifera,

B. orientalis,

H. mantegazzianum

Anzahl andere Arten 15 10 12 1 4 4 19 24 16

Dominante Arte Petasites hybridus,

Urtica dioica,

B. orientalis,

Galium aparine,

Stachys sylvatica,

Gräser

Morphologie des Ufers Ufer 0,5 m hoch,

Störung durch

Wildschweinspuren

I. glandulifera,

Urtica dioica,

Galium aparine,

Stachys sylvatica,

Gräser

flach, in der Nähe

des Walls, schattig,

feucht

Petasites hybridus,

Urtica dioica,

H. mantegazzianum

Böschung 0,5m

hoch, Betonteile,

Störung

F. japonica Stachys sylvatica,

Urtica dioica,

flach, steinig,

feucht

Spiraea x billardii,

Urtica dioica

Urtca dioica,

B. orientalis

>15 m entfernt >15 m entfernt anthropogen

beeinflusst,

Brücke, Ufer 0,5 m

hoch

I. glandulifera,

Petasites hybridus,

Aegopodium

podagraria, Gräser

anthropogen

beeinflusst,

Weiden, Ufer 0,5m

Entfernung zum Ufer 0-15 m 15-20 m 1-10 m 0-2m >15 m >15 m 0-10 m 0-3m 0-3m

Baumschicht am

Standort

einzelne Weiden dichter Bewuchs

mit Weiden

einzelne Weiden einzelne Weiden dichter Bewuchs,

wie Eichen,

Weiden

dichter Bewuchs,

wie Eichen,

Weiden

ja, aber zu weit

entfernt vom Ufer

einzelne Weiden,

sonst frei

hoch

dichter Bewuchs

mit Weiden

9

Morsbachzufluss

Filipendula ulmaria,

Rubus f ruticosus

am Waldrand, Ufer

im Bereich der

nein nein nein Nein ja, aber zu weit

nein nein ja

Pegelstandsänderung

entfernt vom Ufer

Nitrat (mg/kg) 6,74 5,33 6,05 20,08 30,42 20,16 12,86 39,49 23,35

PAR (µmol m -2 s -1) 1662,5 953 1268,7 1875 418,5 546,8 nicht gemessen 241,49 1059,2

pH-Wert 6,58 6,51 6,53 6,65 6,60 6,33 6,42 6,28 5,52

Wassergehalt (%) 33,8 90,98 46,4 55,5 87,4 48,7 36,1 37,2 31,9

0,5 m hoch

Zeigerwert L 5,7 4,8 5,9 4,7 5,3 5,3 6,3 6,2 6,4

Zeigerwert T 5,6 5,6 5,9 7,0 6,0 6,0 5,4 5,5 5,4

Zeigerwert F 6,3 6,0 6,2 6,8 6,3 6,3 5,6 5,8 6,2

Zeigerwert R 6,9 6,2 7,0 7,0 6,8 6,8 6,1 6,6 5,5

Zeigerwert N 7,6 7,3 7,5 7,5 7,8 7,8 6,6 6,9 6,2

frei

116


In der Gesamttabelle 41 lassen sich folgende Ergebnisse erkennen:

5 Ergebnisse

• Die Anzahl der Neophytenarten pro Untersuchungsfläche reicht von 1 bis 3 Arten. Der

Mittelwert beträgt 1,7 Neophyten/Untersuchungsfläche.

• Die höchste Anzahl an sonstigen Pflanzenarten wird mit 25 Arten erreicht an

Untersuchungsfläche 8 (Am Klärwerk), die niedrigste Anzahl gibt es an Untersuchungsfläche

4 (Am Ufer am Bogen). Hier wächst ausschließlich die neophytische Art F. japonica. Die

durchschnittliche Artenzahl beträt 11,6 Arten. Untersuchungsfläche 9 (Morsbachzufluss) ohne

Neophyten hat 16 zusätzliche Arten, also mehr als der durchschnittliche Wert.

Untersuchungsfläche 5 (An der Pulvermühle) ohne Neophyten hingegen hat nur 4 zusätzliche

Arten, ist also artenärmer als beispielsweise eine Untersuchungsfläche mit 3 Neophyten

(Untersuchungsfläche 8, 24 Arten). Scheinbar hat also das Vorhandensein von Neophyten

keinen Einfluss auf die Artenanzahl an einem Standort an der Urft. Es muss aber nach Art des

Neophyten differenziert werden, F. japonica verdrängt scheinbar die üblichen Arten der

Hochstaudenflur, I. glandulifera beeinflusst dagegen nicht die Anzahl der Arten an dem Ort, an

dem es vorkommt.

• Die in den Untersuchungsflächen dominierenden Arten sind hauptsächlich typische Arten

der Hochstaudenflur (Urtica dioica, Petasites hybridus und Stachys sylvatica).

• Die Morphologie des Ufers spielt bei der Besiedlung mit Neophyten wohl keine Rolle, es

gibt Ufer, die flach sind oder Ufer, die eine Böschung haben (0,5 bis 1 m hoch), es gibt

Standorte, die nicht in direkter Nähe des Ufers liegen. Ein wichtiger Punkt ist der Faktor

Störung. Einige Neophytenstandorte sind gestört durch die Nähe zur Siedlung oder durch

vorige Nutzung durch den Menschen (Schießstand Wall, Betonteile, Gärten, Mauerreste).

• Die Entfernung vom Ufer liegt in allen Untersuchungsflächen (mit und ohne Neophyten)

zwischen 0-20 m. In diesem Bereich sind Neophyten zu finden, die Entfernung zum Ufer

spielt also im Bereich zwischen 0-20 m keine Rolle. Allerdings muss man nach Arten

differenzieren: Die Arten I. glandulifera, H. mantegazianum und F. japonica sind eher im direkten

Uferbereich zu finden, S. x billardii, B. orientalis und S. albus können auch in größerer

Entfernung vom Ufer wachsen.

• Auch der Bewuchs mit Bäumen ist ein wichtiger Standortfaktor. Einige

Untersuchungsflächen (1, 3, 4, 7, 9) zeigen einen nur geringen Bewuchs mit einzelnen Bäumen

117


5 Ergebnisse

und haben daher eine größere Einstrahlung von Licht. Das ist auch an der Höhe der PAR-

Werte zu erkennen. Hier unterscheiden sich die Untersuchungsflächen stark. Allerdings gibt es

Neophyten sowohl in Untersuchungsflächen mit viel PAR, wenig Baumbewuchs

(Untersuchungsfläche 1, 3, 4) als auch in Untersuchungsflächen mit geringer PAR

(Untersuchungsfläche 2, 6, 8) durch dichten Baumbewuchs. Die Untersuchungsflächen mit

Neophyten (5 und 9) sind sowohl dicht bewachsen, (Untersuchungsfläche 5 (An der

Pulvermühle), niedrige PAR) als auch ohne Bewuchs (Untersuchungsfläche 9

(Morsbachzufluss), hohe PAR). Der Faktor Licht spielt also für die Neophyten im

Allgemeinen keine Rolle für die Ansiedlung an der Urft. Selbst H. mantegazzianum, eine

Pflanze, die sehr viel Licht beansprucht, kommt sowohl auf Flächen vor, die eine hohe

Lichteinstrahlung haben (Untersuchungsfläche 3, An der Brücke am Bogen) als auch auf

Flächen, die wenig Licht haben durch den Baumbewuchs (Untersuchungsfläche 8, Am

Klärwerk).

• Der Vergleich der Nitrat-Werte des Bodens zeigt große Schwankungen. Die Werte reichen

von 5,33 mg kg -1 bis 39,49 mg kg -1 . Der höchste Wert wird in Untersuchungsfläche 8 (Am

Klärwerk) erreicht, der niedrigste in Untersuchungsfläche 2 (Wall am Schießstand). Flächen

mit Neophyten haben sowohl hohe als auch niedrige Nitrat-Werte. Scheinbar ist der

Nitratgehalt kein bestimmender Faktor für die Ansiedlung mit Neophyten. I glandulifera

beispielsweise siedelt an Untersuchungsfläche 2 mit einem niedrigen Nitratwert, aber auch auf

Untersuchungsfläche 8 mit einem hohen Nitratwert. Auch B. orientalis wächst an Flächen mit

niedrigem Nitrat-Wert (Untersuchungsfläche 1, Wildschweinfläche) und mit hohem Nitrat-

Wert (Untersuchungsfläche 7, Brücke in Malsbenden). Flächen ohne Neophyt haben hier in

dieser Untersuchung hohe Nitrat-Werte.

• Der Wassergehalt des Bodens zeigt Werte von 31,9 % in Untersuchungsfläche 9

(Morsbachzufluss) bis 90,98 % in Untersuchungsfläche 2 (Wall am Schießstand). Wasser ist

also an allen Untersuchungsflächen ausreichend vorhanden für die Pflanzen.

Untersuchungsflächen mit Neophyten können hohe Werte (90,98 oder 55,5 % in

Untersuchungsfläche 4, Ufer am Bogen) und niedrige Werte haben (33,8 % in

Untersuchungsfläche 1, Wildschweinfläche). Der Faktor Wassergehalt des Bodens spielt also

scheinbar keine Rolle bei der Besiedlung mit Neophyten an der Urft. Unterschiede könnte es

aber je nach Art geben.

118


5 Ergebnisse

• Der pH-Wert des Bodens in allen Untersuchungsflächen unterscheidet sich kaum. Alle

Werte zeigen einen schwach sauren Boden, nur Untersuchungsfläche 9 (Morsbachzufluss)

zeigt einen mäßig sauren Boden. Da es kaum Unterschiede gibt, spielt der pH-Wert des

Bodens keine Rolle bei der Ansiedlung der Neophyten an der Urft.

• Die Zeigerwerte nach Ellenberg zeigen insgesamt in allen Untersuchungsflächen

Standorte an, die halbschattig, mäßig warm, feucht und nährstoffreich sind. Es gibt dabei

kleine, unwesentliche Ausnahmen beispielsweise ist Untersuchungsfläche 2 (Wall am

Schießstand) ein Standort mit einem etwas niedrigerem Lichtwert, es wird also ein etwas

schattigerer Standort angezeigt. Untersuchungsfläche 7 (Brücke in Malsbenden) zeigt einen

etwas trockeneren Standort, der Boden ist hier nicht feucht, sondern nur frisch. Weitere

Ausnahmen sind Untersuchungsfläche 9 und Untersuchungsfläche 7, die einen

Nährstoffgehalt von nur mäßig nährstoffreich anzeigen. Insgesamt unterscheiden sich die

Zeigerwert der Untersuchungsfläche aber so gering, dass man anhand dieser Werte keinen

entscheidenden Faktor für die Ansiedlung mit Neophyten erkennen kann.

• Die ausgewählten Untersuchungsflächen außer die Untersuchungsfläche 9 liegen alle

außerhalb des Bereichs, der durch die Änderung des Pegelstandes beeinflusst wird. Dieser

Faktor könnt daher eine Rolle spielen bei der Besiedlung mit Neophyten. Die

Untersuchungsfläche 5 (An der Pulvermühle) ohne Neophyten ist aus der Bewertung dabei

herauszunehmen, da sie durch die Entfernung von Ufer gar nicht mehr im Bereich der

Pegelstandsänderungen liegen würde.

Die Überprüfung der Hypothese durch die Untersuchungen an den Untersuchungsflächen

zeigt also, dass die meisten Standort- und Umweltfaktoren keinen Einfluss haben auf die

Besiedlung mit den ausgewählten Neophyten Heracleum mantegazzianum, Impatiens glandulifera,

Fallopia japonica, Bunias orientalis, Symphoricarpos albus und Spiraea x billardii an den Ufern der

Urft. Nur der Faktor Pegelstand scheint eine Rolle zu spielen.

119


6 Maßnahmen anderer Nationalparke

6 Maßnahmen anderer Nationalparke

Auch andere Nationalparks in Deutschland und Österreich beschäftigen sich mit dem Thema

Neophyten. Im Folgenden werden einige Vorgaben und praktischen Vorgehensweisen

anderen Nationalparks in Deutschland zu diesem Thema dargestellt.

Im Nationalpark Kellerwald-Edersee ist nach SCHLOTE (email vom 31.8.2009) das

Gebiet durch die Größe und Kompaktheit des Waldes relativ gering von invasiven

Pflanzenarten besiedelt. Robinia pseudoacacia bedroht durch Stickstoffanreicherung und

Standortkonkurrenz vor allem die Trockengebiete. Genau wie der Riesenbärenklau sollte nach

SCHLOTE diese Art systematisch und aktiv bekämpft werden. H. mantegazzianum verbreitet

sich rasant, gefährdet dadurch die heimische Vegetation und stellt durch seine phototoxische

Wirkung eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen dar. Auch Prunus serotina verfälscht

nach SCHLOTE die Flora in humiden und montanen Lage des Nationalparks. Impatiens

glandulifera wird bei Einsatz von Fahrzeugen und bei Waldeinsätzen verschleppt, dies soll in

Zukunft verhindert werden. Durch die hohen Kosten der Neophytenbekämpfung ist es dem

Nationalpark Kellerwald-Edersee wichtig, eine effektive Überwachung der Neophyten zu

organisieren und Maßnahmen effektiv zu planen, wie in Tabelle 42 zusammengefasst wird.

Tabelle 42: Neophytische/Neozoische Arten im Nationalpark Kellerwald-Edersee und

Kontrollmaßnahmen (nach: SCHLOTE, 2009)

Art Bestand Häufigkeit Maßnahmen

Waschbär

V. a. in den äußeren Waldbereichen am Sorgsame Beobachtung und

(Procyon lotor)

Edersee und an Siedlungen häufig bedarfsw eise Bejagung

Riesenbärenklau

Drei größere Bestände an NLP-Eingängen Ausgraben und/oder akribisches

(Heracleum mantegazzianum)

Indisches Springkraut

(Impatiens glandulifera)

Robinie

(Robinia pseudoacacia)

Späte Traubenkirsche

(Prunus serotina)

Des Weiteren und zum Teil

nur in den Randgebieten

vorkommend:

Japanknöterich

(Reynoutria cuspidata)

Kleinblütiges Springkraut

(Impatiens parviflora)

Bisam

(Ondatra zibethicus)

Marderhund (Nyctereutes

procyonoides)

Lokales Eindringen von randlichen Wegen

und Ufern; Problembestand im

Elsebachtal

Am Ederseeuferw eg und entlang einzelner

Innengatter gepflanzt

In großer Zahl angepflanzt am E.ON-

Oberbecken

Zw ei kleine Einzelvorkommen

(Wegekreuzung Himmelsbreite und

Himmelreich)

Abhacken der blühenden Pflanzen

Kontrolle und Eindämmung der

Ausbreitung, örtlich auch

Ausreißen oder Mahd

In krautreichen oder gestörten Wäldern Beobachtung

Banfebucht Beobachtung

Ringeln, Fällen, Jungw uchs mit

Freischneider mähen; evtl. auch

Selbstregulation durch starke

Beschattung

Siehe oben

Ausgraben, mehrmaliger Schnitt

und Beschattung

fördern

Erste sporadische Hinw eise im Naturraum Sorgsame Beobachtung und

bedarfsw eise Bejagung

120


6 Maßnahmen anderer Nationalparke

Der Nationalpark Hainich sagt im Nationalparkplan von 2001 (GROßMANN, email vom

27.8.2009), dass für eine Regulierung von Wildpflanzen derzeit keine Notwendigkeit gesehen

wird. Auch bis 2008 haben diese 2001 getroffenen Aussagen weiterhin Bestand, eine

expansive Ausbreitung von Neophyten ist nicht zu beobachten. Eine neue Zielformulierung

(undatiert) sagt aus, dass die Bestandsentwicklung nicht heimischer Pflanzenarten zu

beobachten ist, um dann gegebenenfalls Maßnahmen treffen zu können. Es treten im

Nationalpark Hainich einige Neophytenarten auf, in der Regel nur kleinflächig auf gestörten

Standorten: Impatiens parviflora, Impatiens glandulifera, Lupinus polyphyllus, Solidago canadensis. Nach

GROßMANN sind diese Pflanzen aber nicht problematisch einzuschätzen, da sie einen sehr

geringen Flächenanteil besiedeln und auch nur in naturfernen Lebensräumen vorkommen. Ein

Eindringen in naturnahe Wälder oder ein Verdrängen der ursprünglichen Bodenvegetation

besteht zur Zeit nicht. Im Nationalpark geht man davon aus, dass es durch fortschreitende

Sukzession (Lupinus polyphyllus) und durch die Umwandlung standortfremder Fichtenbestände

(Impatiens parviflora) zu einem Rückgang der jeweiligen Arten kommen wird. Beobachtung ist

aber wichtig.

Über das Neophytenthema im Nationalpark Sächsische Schweiz wird in den Heften der

SSI (Sächsische Schweiz Initiative, 2005) berichtet, dass vermehrt die invasiven Arten

F. japonica, I .glandulifera und Rudbeckia laciniata (Schlitzblättriger Sonnenhut) Probleme bereiten.

Auch zu den problematischen Arten gehören Solidago canadensis und H. mantegazzianum. Die

aktuelle Situation und die Auswirkungen wurden von PIECHULEK (2005) erfasst. Es wurde

festgestellt, dass die Ausbreitung an Gewässerläufe gebunden ist. Ein verstärktes Vorkommen

wird vor allem im Bereich der ehemals bewirtschafteten Wiesen beschrieben, während in den

Waldgesellschaften die Wachstumsbedingungen weniger optimal sind. Mit zunehmendem

Abstand vom Gewässer sind die Bestände nicht mehr so dicht und hoch.

Im Nationalpark Harz gibt es nach KISON (email vom 4.9.2009) keine Managementpläne

im eigentlichen Sinne, sondern ein in Erarbeitung befindliches „Konzept zur Erhaltung und

Förderung der Biologischen Vielfalt im Nationalpark Harz“. Dieses Konzept sagt zum Thema

Maßnahmen zur Zurückdrängung invasiver Pflanzen- und Tierarten: „Tier- und

Pflanzenarten, die durch den Menschen eingeschleppt werden und durch invasive

Ausbreitungstendenz die natürliche Entwicklung heimischer Lebensgemeinschaften nachhaltig

verändern oder gefährden, können in der Naturentwicklungszone und in der Nutzungszone

zurückgedrängt werden. Erfolg und Aufwand müssen hierbei in einem vernünftigen

Verhältnis zueinander stehen“. Zum Konzept des Nationalparks Harz gehört außerdem, dass

121


6 Maßnahmen anderer Nationalparke

Zuwanderungen im Zuge des Klimawandels wie die Ausbreitung wärmeliebender Arten in

höhere Lagen zur natürlichen Entwicklung gehören. Der Nationalpark Harz entscheidet also

zur Zeit je nach Situation, in der Kernzone (Naturdynamikzone) sind grundsätzlich keine

Maßnahmen vorgesehen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es laut KISON keine invasiven

Arten, die schon Probleme brächten. Dies soll aber nach KISON keine Prognose für die

Zukunft sein, da ja Entwicklungen erst nach der lag-Phase (= eine Phase ohne nennenswerte

Ausbreitung) in Gang kommen können. Wichtig ist auch, dass Maßnahmen zwischen den

Schutzgebieten und dem Umfeld unbedingt koordiniert werden müssen, da sich sonst die

Sinnhaftigkeit dieser internen Maßnahmen im Nationalpark stellt. Es würden damit nur lokale

Maßnahmen gegen ein globales Problem unternommen werden.

Auch in Österreich im Nationalpark Donauauen (DONAUAUEN, Internet, 2.9.2009)

beschäftigt man sich mit dem Thema Neophyten. Eine Studie von 2001 der Universität Graz

kommt zu folgendem Ergebnis: Es sollen aufgrund der schon weiten Verbreitung im

Nationalpark bzw. wegen des wahrscheinlichen hohen Ausbreitungspotenzials insgesamt neun

Arten direkt bekämpft werden: Acer negundo, Ailanthus altissima, Amorpha fruticosa, Angelica

archangelica subsp. Littoralis, Fraxinus pennsylvanica, Fallopia japonica, Fallopia sachalinensis, Populus-

Hybriden und Robinia pseudoacacia.

Für weitere drei Arten (Aster lanceolatus, Impatiens glandulifera und Solidago gigantea), die

wahrscheinlich aufgrund anthropogener Einflüsse auf die Aulandschaft sehr häufig sind,

werden indirekte Bekämpfungsmaßnahmen zu deren Zurückdrängung vorgeschlagen, wie z.B.

die Vermeidung zu starker Auflichtungen in den Waldbereichen oder die Einstellung des

einmal jährlich durchgeführten Ausmähens von Straßenrändern bzw. das Auflassen nicht

unbedingt benötigter Forstwege.

122


7 Diskussion

7 Diskussion

Im Folgenden soll erstens in einer Diskussion zur Methode besprochen werden, inwieweit die

gewählte Methoden zum gewünschten Ergebnis geführt haben, oder ob es noch

Möglichkeiten gibt, die Methoden für die Zukunft und für ein weiteres Monitoring zu

optimieren. Zweitens erfolgt dann die Diskussion zu den Ergebnissen. Im dritten Teil der

Diskussion werden Maßnahmen diskutiert.

7.1 Methoden-Diskussion

Zur Methode dieser Arbeit lassen sich folgende Punkte diskutieren:

• Durch die streckenweise Unwegsamkeit des Geländes war es nicht möglich, alle Bereiche des

Ufers zu sichten. So könnten einige Wuchsorte übersehen worden sein, auch die Morphologie

des Ufers ist so nicht an allen Stellen zu erkennen. Hier ist es teilweise besser, Luftbilder zur

Beurteilung hinzuzuziehen.

• Eine Kartierung in einer Vegetationsperiode kann immer nur eine Momentaufnahme sein,

allerdings bieten die Daten eine gute Grundlage für ein weiteres Monitoring des

Untersuchungsgebietes. Insbesondere die Wuchsorte von H. mantegazzianum und F. japonica

können so gut aufgesucht werden, um Maßnahmen gegen diesen Neophyten durchzuführen.

Für eine Beurteilung der Standort- und Umweltfaktoren müssten aber längerfristige und

wiederholte Untersuchungen durchgeführt werden.

• Die Messung der Lichtwerte ist kritisch zu sehen. Durch die tatsächliche Stärke der

Bewölkung am jeweiligen Aufnahmetag werden die Werte extrem beeinflusst. Sobald die

Bewölkung sich innerhalb eine Tages oder auch zwischen den Tagen der Aufnahme ändert,

ändern sich auch die Lichtwerte. Ein besseres Kriterium zur Beurteilung des Standortfaktors

Licht könnte die Beschattung durch Bäume sein, die man beispielsweise durch die Aufnahme

des Kronenschlusses messen kann.

• Eine Datenaufnahme einmal als Einzelpflanze und dann wieder als Bestand erschwert die

Beurteilung der tatsächlichen Vorkommensgröße der unterschiedlichen Neophyten. Allerdings

ist eine Aufnahme der Einzelpflanze bei den Arten B. orientalis, I. glandulifera, S. x billardii und

F. japonica nicht umzusetzen. Zur Vereinheitlichung könnte man bei den als Bestand

aufgenommenen Neophyten durch eine Dichtebestimmung auf die Anzahl der Einzelpflanzen

hochrechnen (siehe Kapitel 10.3).

123


7 Diskussion

• Für eine genauere Beurteilung der Standort- und Umweltfaktoren im Uferbereich wäre auch

die Transektmethode sinnvoll gewesen. Es könnten damit größere Bereiche erfasst werden.

• Im Bereich der Urft war es kaum möglich, Kontrollflächen ohne Neophyten auszuweisen.

Dadurch ist es schwierig, genaue Vergleiche anzustellen zwischen Flächen mit Neophyten und

Flächen ohne Neophyten als Kontrolle. Allerdings zeigt die Arbeit auch so, dass die

ausgewählten Neophyten gut mit fast allen gemessenen Faktoren zurechtkommen, d.h. sich

unabhängig von den jeweiligen Bedingungen an den einzelnen Untersuchungsflächen

ansiedeln können.

• Die Arbeit gibt einen ersten Überblick über die Frage nach den Faktoren der Ansiedlung.

Obwohl es sich bei den ausgewählten (invasiven) Neophyten um unterschiedliche Arten

handelt, gibt es doch einige Gemeinsamkeiten, die für die Etablierung und den „Erfolg“ der

Neophyten an Fließgewässern ausschlaggebend sind: Nach LFU (Internet, 9.9.2009) bilden

ausbreitungsstarke Arten rasch hohe Dominanzbestände. Die zahlreichen Samen werden über

Wind und Wasser gut transportiert, auch eine Ausbreitung über Wurzelausläufer macht die

Arten erfolgreich, sie können nährstoffarme Bereich so überbrücken. Regeneration aus

Wurzel- und anderen Pflanzenteilen ist möglich. Ausbreitungsstarke Arten können meist in

einem weiten Bereich an Standortfaktoren gut wachsen. Trotzdem müssten für jeden Neophyt

einzelne Untersuchungen zu Faktoren gemacht werden, um präzisere Antworten zu erhalten.

7.2 Ergebnis-Diskussion

Die Themen der Arbeit waren 1. die Bestimmung der konkreten Wuchsorte der

ausgewählten Neophyten, 2. die Frage nach den Standort- und Umweltfaktoren, die einen

Einfluss auf das Ausmaß der Besiedlung der Ufer der Urft mit Neophyten haben und

3. Herausarbeitung der möglichen Maßnahmen gegen einzelne Neophytenarten. Die

3. Frage wird gesondert in Kapitel 7.3 beantwortet.

Die Ergebnisse zu den Fragen 1 und 2 werden im Folgenden diskutiert.

Zur 1. Frage kann gesagt werden, dass eine annähernd vollständige Kartierung des Gebietes

erfolgte. Bis auf einige unzugängliche Stellen (durch Gärten, Verbauungen, Steilufer) wurden

124


7 Diskussion

alle ausgewählten Neophyten als Einzelpflanze oder als Bestand kartiert. Zusätzlich zu den

ausgewählten Arten wurden die Arten L. polyphyllus und S. gigantea gefunden.

Die Darstellung der Wuchsorte auf den Karten, die Datenbereitstellung als shape-Datei und

die angehängten Rohdaten ermöglichen eine Beurteilung der Situation für den Sommer 2009

und bilden eine Basis für das weitere Monitoring. Entwicklungen der Bestände, ein weiteres

Vordringen in bisher unbesiedelte Gebiete und eventuell auch ein Rückgang der

Neophytenbesiedlung, bei denen Maßnahmen durchgeführt werden, können so beobachtet

werden.

Zur Beantwortung der 2. Frage kann, wie schon in Kapitel 5.2.3. erwähnt, gesagt werden,

dass die meisten Standort- und Umweltfaktoren in diesem Gebiet keine Einfluss

haben auf das Ausmaß der Besiedlung mit den ausgewählten Neophyten. Die

Hypothese muss also zum Teil widerlegt werden. Die Neophyten siedeln in allen

möglichen Faktoren-Kombinationen. Beispielweise unterscheidet sich der Nitratgehalt in

den Untersuchungsflächen stark. In Untersuchungsfläche 8 liegt er 8x höher als in

Untersuchungsfläche 2, für I. glandulifera spielt das offensichtlich keine Rolle, der Neophyt

kommt an beiden Standorten vor. Auch der Wassergehalt ist unterschiedlich: er beträt in

Untersuchungsfläche 2 90,98 % an Untersuchungsfläche 7 weniger als 40 %, aber an beiden

Untersuchungsflächen ist I. glandulifera zu finden. Andererseits ist der pH-Wert in den

Untersuchungsflächen mit Neophyten genau gleich wie in den Untersuchungsflächen ohne

Neophyt, der pH-Wert scheidet also als Faktor für die Absiedlung von Neophyten aus.

Als mögliche wichtige Faktoren bleiben allerdings der Faktor Licht (besser:

Beschattung durch Bäume) und der Faktor Pegelstand. Der Pegelstand ist an der Urft

ein anthropogener Faktor, die Schwankungen im Pegelstand entstehen künstlich durch ein

Bewirtschaften der Talsperre. Die Stauung übertrifft die natürlichen Schwankungen des

Wasserstandes. Mehrere Monate im Jahr stehen einige Zonen der Urft unter Wasser, um dann

wieder einige Zeit frei zu liegen. Diese Bedingungen sind für Pflanzen und auch für die

Neophyten der Fließgewässer sehr schwierig. Für die Arten I. glandulifera, F. japonica, S. gigantea

und H. mantegazzianum sagt LUA (2001), dass sie Standortbedingungen benötigen, die in der

Vegetationsperiode, also im Sommer, überwiegend frei sind von Überschwemmungen, im

Winter werden gelegentliche Überflutungen übrigens nach LUA geduldet. Diese Arten werden

also direkt von den Überschwemmungen beeinflusst.

Wie in Kapitel 5.2.3 und auf den Karten (Bereich 7 und Bereich 8) zu sehen ist, gibt es an der

Urft einen Punkt, an dem die Besiedlung mit Neophyten sehr viel geringer wird. Diese Grenze

befindet sich im Bereich des Alten Hotels. Damit stimmt diese Grenze genau überein mit den

125


7 Diskussion

Gebieten, in denen nach DATEN STAUHÖHE WVER (2009) und HÖHENLINIEKARTE

(ohne Datum) die Stauung stattfindet. Das von Neophyten hauptsächlich besiedelte Gebiet

zwischen Gemünd und dem Alten Hotel befindet sich flussaufwärts vor dieser Einflusszone

der Stauung und bietet den Neophyten optimale Etablierungsbedingungen: der Boden ist

nährstoffreich durch Anschwemmungen, es gibt viel Licht durch den fehlenden

Baumbewuchs und das Gebiet liegt in der Nähe zur Siedlung, was eine Erhöhung der

gestörten (und damit für die Besiedlung mit Neophyten vorteilhaften) Fläche zur Folge hat.

Für die ausgewählten Neophyten können im Einzelnen folgende Punkte diskutiert werden:

Für F. japonica sagen KOWARIK (2003) und LUA (2001), dass diese Art keine lang

andauernden Überschwemmungen erträgt. Dies zeigt sich im untersuchten Gebiet daran, dass

der letzte kartierte Bestand sich flussabwärts am „Bogen“ befindet, weiter ist F. japonica nicht

in das Gebiet des Nationalparks eingedrungen.

I. glandulifera hat allerdings den Bereich, der von der Stauung der Urft unbeeinflusst ist,

schon verlassen: Es gibt einen kleinen Bestand (ca. 10 Einzelpflanzen) am rechten Ufer

gegenüber vom Schifferberge in Ufernähe. Hier könnten Maßnahmen ergriffen werden, auch

wenn das im übrigen Bereich bei I. glandulifera aufgrund der Größe der Bestände wenig

Aussicht auf Erfolg hat. Es muss beobachtet werden, ob eine weitere Ausbreitung

flussabwärts stattfindet. Die Samen von I. glandulifera sind schwer, versinken also im Wasser,

wenn sie in ein Fließgewässer geschleudert werden, sie gelangen erst mit der nächsten

Überschwemmung wieder ans Ufer (SCHULDES, 1995). Hier bevorzugen sie gestörte Stellen

mit freiliegendem Rohboden. I. glandulifera siedelt auch in besonnten Bereichen, braucht

allerdings immer viel Feuchtigkeit (SCHULDES, 1995). Daher ist die Pflanze nur selten in

weiterer Entfernung vom Uferbereich zu finden. Im Untersuchungsgebiet gibt es allerdings

auch einzelne Pflanzen, die an der K7 wachsen, und teilweise schon in das daran

anschließende Gebiet des Kermeters eindringen. Der Höhenzug Kermeter verfügt nach

WOIKE & PARDEY (2004) über eines der größten zusammenhängenden

Buchenwaldgebiete der Region und eines der größten Naturschutzgebiete in NRW. Auch in

Wäldern mit Feuchtigkeit kann I. glandulifera siedeln. Auch hier muss kontrolliert werden, um

ein Übergreifen des Neophyten auf dem Wald zu verhindern. Es ist nicht endgültig geklärt,

ob I. glandulifera andere Arten schädigt. An der K7 wurde neben einem Bestand von

I. glandulifera ein Bienennest in einem Baumstamm entdeckt, die Bienen flogen zwischen Nest

und einem I. glandulifera-Bestand hin und her. Zumindest für diese Insekten war der nahe

Bestand zu diesem Zeitpunkt eher von Vorteil.

B. orientalis hat seinen letzten Wuchsort flussabwärts am Schifferberge, allerdings handelt es

sich um einen kleinen Bestand. B. orientalis bevorzugt stark gestörte Stellen, hier ist die Pflanze

126


7 Diskussion

sehr konkurrenzstark. Im Gebiet zwischen Gemünd und dem Alten Hotel kommt B. orientalis

in großen Beständen vor, besonders an anthropogen beeinflussten Stellen wie an ehemaligen

Weideflächen oder auch an Verkehrswegen („Brücke in Malsbenden“). Ein großer Bestand

befindet sich auf der Wildschweinfläche, ein Bereich, der im Frühjahr eine starke Störung

durch Wildschweinwühlspuren zeigte.

H. mantegazzianum kommt überall im Gebiet zwischen Gemünd und dem Alten Hotel vor.

Auffällig ist hierbei, dass die Wuchsorte der einzelnen Pflanzen sehr häufig direkt vor einer

Weide direkt am Wasser zu finden sind. Das spricht für einen Transport der schwimmfähigen

Samen über das Fließgewässer Urft. Die angetriebenen Samen verfangen sich im Wurzelwerk

oder herabhängenden Zweigen der Weide, wenn sie oben auf dem Wasser in die Nähe des

Ufers gelangen. Im Gebiet gab es einige vertrocknete Blütenstände, diese Pflanzen haben also

Samen gebildet. Die Blühfähigkeit ist in schattigen Bereichen eingeschränkt. An den felsigen

Ufern der Talsperre dürfte eine Ansiedlung ausgeschlossen sein, den tiefen Wurzeln fehlt das

Bodensubstrat.

S. x billardii ist eher ein nicht so typischer Neophyt der Fließgewässer. Er kommt auch

häufig an Verkehrswegen und auf Militärgelände vor (ADOLPHI, persönliche Mitteilung,

1.7.2009). Die Wuchsorte befinden sich an der K7, an der ehemaligen Pulvermühle und

besonders ausgeprägt in der Nähe des Schifferberges und am Schifferberge selbst auf dem

ehemaligen Militärgelände hinter künstlich angelegten Wällen. Hier wurde S. x billardii

wahrscheinlich gezielt angepflanzt. Die Art kann sich vegetativ ausbreiten. Zu erkennen ist das

zum Beispiel in Abbildung 44 (Verjüngung in den Wald hinein). Eine Kontrolle wäre hier

sinnvoll. Allerdings verhält sich S. x billardii nach ADOLPHI nicht invasiv und es ist davon

auszugehen, dass sie, wie in anderen Gebieten auch, von alleine wieder verschwindet

(ADOLPHI, persönliche Mitteilung, 1.7.2009).

S. albus ist im untersuchten Gebiet mit nur neun Beständen kartiert worden, die Wuchsorte

befinden sich im Gebiet von Gemünd und vereinzelt flussabwärts an der K7 und am Ufer der

Urft. Die Verbreitung über Samen ist selten.

Im Folgenden werden noch weitere Einzelergebnisse diskutiert:

• An einige Stellen im Stadtgebiet von Gemünd wurden direkt am Ufer der Urft

Gartenabfälle entdeckt. Durch diese Abfälle kann es zum Ausbringen von Samen oder

Pflanzenteilen kommen, die zum Beispiel mit dem nächsten Hochwasser in die Urft und

damit in den Bereich des Nationalparks gelangen können, Neophyten könnten sich etablieren.

127


7 Diskussion

• Die Neophyten im Gebiet scheinen die Vegetation an ihren Wuchsorten nicht zu

verdrängen. Teilweise ist die Anzahl der Arten an Wuchsorten mit Neophyten höher als an

Wuchsorten ohne Neophyten. Nur in Untersuchungsfläche 4 (Am Klärwerk) bei F. japonica

werden alle anderen Arten verdrängt. Besonders hoch ist die Artenanzahl (24) an

Untersuchungsfläche 8 (Am Klärwerk), eine Fläche mit 3 Neophytenarten (H. mantegazzianum,

I. glandulifera, B. orientalis).

7.3 Maßnahmen-Diskussion

Der Nationalpark Eifel legt im Nationalparkplan fest, dass Maßnahmen gegen die Arten H.

mantegazzianum, F. japonica, Prunus serotina (Spätblühenden Traubenkirsche) und Pseudotsuga

menziesii (Douglasie) ergriffen werden sollen. Weiterhin ist hier gesagt, dass I. glandulifera trotz

ihrer beeinträchtigenden Ausbreitungstendenzen auch in die Bachauen nicht mit vertretbaren

Mitteln reduzierbar ist (LANDESBETRIEBWALD UND HOLZ NRW, 2008).

In dieser Arbeit soll eine Beurteilungsgrundlage für Maßnahmen gegen ausgewählte

Neophytenarten im Gebiet eines Fließgewässers im Nationalpark geschaffen werden: Welche

Arten sollen mit welchen Maßnahmen reduziert werden?

Auf dieser Beurteilungsgrundlage kommt es zu folgenden Empfehlungen:

• Die Neophyten H. mantega zianum und F. japonica können durch Maßnahmen entfernt

werden. Die Wuchsorte der einzelnen Pflanzen bzw. Bestände sind genau kartiert. Bei

H. mantegazzianum reicht eine einzelne Pflanze aus, um einen neuen Bestand zu gründen, auch

die letzte kartierte Pflanze am Schifferberge sollte daher entfernt werden. Wichtig ist es auch,

dass die Gebiete flussaufwärts mit einbezogen werden, da es sonst immer wieder zu Einträgen

von keimfähigen Samen bzw. regenerationsfähigen Pflanzenteilen kommt. Es sollte

Informationen in den Orten geben und unbedingt die Pflegemaßnahmen im Stadtgebiet

(Kurpark) von Gemünd geändert werden. F. japonica darf nicht einfach beschnitten werden,

ohne die Pflanzenteile komplett zu entfernen (siehe Abbildung 47). Die Maßnahmen sollten

durchgeführt werden, wie in Kapitel 3 und 6 beschrieben.

• I. glandulifera ist zumindest an der letzten kartierten Stelle zu entfernen, die hinter dem

Bereich des Alten Hotels liegen. Hier befindet sich bis zum Sommer 2009 nur ein kleiner

Bestand, der ohne Probleme durch einfaches Ausreißen und Vernichten der Pflanzen zu

entfernen ist. So könnte ein weiteres Vordringen der invasiven Art gestoppt werden. An den

anderen Wuchsorten, d.h. im kompletten Gebiet der Urft zwischen Gemünd und dem Alten

Hotel, kann die Besiedlung der Ufer mit I. glandulifera kaum rückgängig gemacht werden.

128


7 Diskussion

• B. orientalis, S. albus und S. x billardii müssen nicht durch Maßnahmen entfernt werden.

B. orientalis wird durch Maßnahmen, also Störungen, tatsächlich sogar gefördert, sodass

Maßnahmen zu vermeiden sind. Laut ADOLPHI ist es möglich, dass S. x billardii von alleine

im Laufe der Sukzession verschwindet. Ein Einbringen von Pflanzenteilen in die Urft muss

aber vermieden werden, um einer weiteren Verbreitung vorzubeugen. S. albus ist nur sehr

selten vorhanden.

• Weitere wichtige vorbeugende Maßnahmen sind: Erstellen von Informationen über die

Neophyten im Nationalpark für die Besucher (Faltblätter, Infotafeln an der K7 und im

Kurpark von Gemünd) und auch für die Bürger der Gemeinden oberhalb des Nationalparks

(Gartenbesitzer). Allgemein gilt: Die Wuchsorte der Neophyten außerhalb des

Nationalparks (also flussaufwärts) müssen mit berücksichtigt werden, sonst kommt es zu

Wiederbesiedlung.

• Die beste Maßnahme ist, das Gebiet der Urft so weit wie möglich wieder zu einem

natürlichen Gebiet ohne jede anthropogene Störung werden zu lassen, da zwischen dem

Vorkommen von Neophyten und der Störung eines Standortes ein Zusammenhang besteht

(KOWARIK, 2003). Ein wichtiger Punkt ist dabei wohl der Faktor Beschattung, der an

gestörten Standorten fehlt. Durch Beschattung durch Bäume an ungestörten Standorten wird

die Etablierung der Neophyten eingeschränkt. Als Maßnahme kann daraus eine Bepflanzung

der Ufer z.B. mit Weiden und Erlen abgeleitet werden. Dies gilt für die Neophyten der

Ufervegetation (LFU, Internet, 10.9.2009).

• Ein langfristiges Monitoring der kartierten Bereiche kann erfolgen, da eine komplette

Kartierung des Gebiets für den Sommer 2009 vorhanden ist. So können Veränderungen der

Besiedlung sofort bemerkt werden. Ein weiteres Vordringen von I. glandulifera, F. japonica, H.

mantegazzianum oder B. orientalis kann eingeschränkt werden.

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass das Neophyten-Problem in Mitteleuropa zur Zeit

nicht die Ausmaße hat wie in anderen Teilen der Welt (Hawaii zum Beispiel).

KLINGENSTEIN (ohne Datum) erwähnt, dass bundesweit noch keine Art durch

gebietsfremde Arten ausgestorben ist. Auch die Auswirkungen auf Ökosysteme sind

offensichtlich nicht so tiefgreifend wie in anderen Regionen der Welt. So werden hier zum

Beispiel nur 5 % der gefährdeten Pflanzenarten von gebietsfremden Arten bedroht

(KLINGENSTEIN, ohne Datum).

129


8 Zusammenfassung

8 Zusammenfassung

Dem Nationalpark Eifel fehlte bisher eine Beurteilungsgrundlage für den Umgang mit

Neophyten. Durch Erfassung der Neophyten im Bereich der Urft und eine Untersuchung zu

den für die Besiedlung mit Neophyten ausschlaggebenden Standort- und Umweltfaktoren soll

es dem Nationalpark ermöglicht werden, zu entscheiden, ob Maßnahmen gegen einzelne

Neophyten getroffen werden müssen oder nicht.

Dazu wurden von April bis August 2009 ausgewählte neophytische Arten im Ufersaum der

Urft innerhalb des Nationalparks und teilweise auch außerhalb kartiert, die Daten digital in

einem GIS-Programm verarbeitet und Karten des Gebietes erstellt.

Weiterhin wurden Untersuchungen zu den Standort- und Umweltfaktoren durchgeführt, die

eine Ansiedlung, Etablierung und Verbreitung der einzelnen Arten ermöglichen. Es wurden in

ausgewählten Untersuchungsflächen im Uferbereich Vegetationsaufnahmen nach BRAUN-

BLANQUET gemacht und die Zeigerwerte nach ELLENBERG als Grundlage für die

Beurteilung des Standortes herangezogen. Es ergaben sich daraus die Artenanzahl insgesamt

und die Anzahl der Neophyten. Dabei sollte möglichst jeder Standorttyp untersucht werden

(beispielsweise ein überschwemmtes Gebiet, ein Gebiet im Siedlungsbereich, ein Gebiet im

Wald, ein Hochstaudengebiet und ein Gebiet direkt an einem flachen Ufer). An diesen

Standorten wurden weitere abiotische Parameter aufgenommen. Eine bei der Begehung der

Ufer aufgenommenen Beschreibung der kompletten Ufer rundet das Bild der Faktoren ab.

Mit Hilfe von Literaturarbeit zu den Neophyten werden die Bedürfnisse der untersuchten

Neophyten mit den konkreten Bedingungen der Wuchsorte verglichen. Einbezogen werden

auch Daten aus der Biostation Euskirchen (EUSKIRCHEN, 2009), die Neophytenbestände

außerhalb des Nationalparks erfasst hat, und Daten zu den Pegelstände der Urft-Talsperre

(DATEN STAUHÖHE WVER, 2009).

Die Begehungen und Kartierungen weisen an der Urft im Uferbereich die folgenden

Neophyten nach: Bunias orientalis, Fallopia japonica, Heracleum mantegazzianum, Impatiens

glandulifera, Lupinus polyphyllus, Spiraea x billardii, Solidago gigantea und Symphoricarpos albus. Dabei

bilden Heracleum mantegazzianum, Fallopia japonica, Impatiens glandulifera und Bunias orientalis

Dominanzbestände aus, Symphoricarpos albus und Spiraea x billardii zeigen kleiner

Einzelbestände, Lupinus polyphyllus und Solidago gigantea gibt es jeweils an einem Wuchsort.

Die Arbeit zeigt, dass die Urft im Nationalpark Eifel zwischen Gemünd und dem Alten Hotel

insgesamt fast vollständig am Ufer mit verschiedenen Neophyten besiedelt ist, eine

Konzentration gibt es im Bereich flussabwärts hinter Gemünd zu Beginn des Nationalparks.

Hier gibt es keine neophytenfreien Flächen.

130


8 Zusammenfassung

Die Arbeit zeigt weiterhin, dass die meisten aufgenommenen Faktoren der Standorte und der

Uferbegehung keinen Einfluss auf die Besiedlung mit Neophyten haben. Das Vorkommen der

Neophyten an den Ufern der Urft ist unabhängig vom Faktor Licht, vom Faktor Nitrat-

Gehalt des Bodens, vom Faktor pH-Wert des Bodens und von der Morphologie des Ufers.

Der einzige feststellbare Faktor für die Besiedlung mit Neophyten sind die Schwankungen des

Pegelstands an der Urft-Talsperre und damit auch an der Urft und eventuell die Nähe zu

Bereichen mit einer Störung. Durch die Pegelschwankungen liegen die Ufersäume zu

bestimmten Zeiten frei oder sie werden überschwemmt. Diese Wasserstandsschwankungen

können eine Etablierung der Neophyten behindern, die typischerweise an Gewässerufern

vorkommen. Durch die Stauung der Urft sind Uferbereiche entstanden, die felsig sind und

keine Ablagerung von Bodensubstrat erlauben. Ohne das Bodensubstrat ist keine Besiedlung

mit diesen Pflanzen möglich.

Auf dieser Beurteilungsgrundlage kommt es zu der Empfehlung, die Neophyten

H. mantegazzianum und F. japonica durch Maßnahmen zu entfernen. I. glandulifera ist in den

Bereichen zu entfernen, die hinter dem Bereich des Alten Hotels liegen (ein Bestand).

B. orientalis, S. albus und S. x billardii sollen nicht durch Maßnahmen entfernt werden.

Grundsätzlich ist ein möglichst natürlicher Zustand der Bereiche, also ein natürlicher

Baumbewuchs, anzustreben. Weitere Maßnahmen sind: Erstellen von Informationen über die

Neophyten im Nationalpark für die Besucher (Faltblätter, Infotafeln an der K7 und im

Kurpark von Gemünd) und ein langfristiges Monitoring der komplett im Sommer 2009

kartierten Bereiche.

131


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Wald und Holz NRW, Nationalparkforstamt Eifel, Urftseestraße 34, 53937 Schleiden-

Gemünd, Tel.: 0049 (0) 24 44 / 95 10-0, Fax: 0049 (0) 24 44 / 95 10-85

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(undatiert), Landesbetrieb Wald und Holz NRW, Nationalparkforstamt Eifel, Urftseestraße

34, 53937 Schleiden-Gemünd, Tel.: 0049 (0) 24 44 / 95 10-0, Fax: 0049 (0) 24 44 / 95 10-85

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BILDER: Wo nicht anders erwähnt, handelt es sich um eigene Bilder!

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EUSKIRCHEN (2009): Die shape-Dateien zu H. mantegazzianum und F. japonica (email,

August 2009) von Michael Schulze, Biologische Station im Kreis Euskirchen e.V. Steinfelder

Straße 10, 53947 Nettersheim, www.biostationeuskirchen.de

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Hainich. (email vom 27.8.2009), von Manfred Großmann, Leiter, Nationalpark Hainich, Bei

der Marktkirche 999947 Bad Langensalza, Tel. 03603/ 390 7-0, 13

KISON, HANS-ULRICH (2009): Zum Umgang mit Neophyten im Nationalpark Harz.

(email vom 4.9.2009), von Dr. Hans-Ulrich Kison, Stellvertretender Leiter des Nationalparks

Harz und Leiter des Fachbereichs Naturschutz, Forschung, Dokumentation

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SCHLOTE, MATTHIAS (2009): Zum Umgang mit Neophyten im Nationalpark Edersee,

(email vom 31.8.2009), von Matthias Schlote, Nationalparkamt Kellerwald-Edersee, Laustraße

8, 34537 Bad Wildungen Tel.: 05621 75249 32, Fax: 05621 7524919, E-Mail:

Matthias.Schlote@forst.hessen.de

141


10 Anhang

10.1 Karten

Es wurden folgende Karten erstellt:

Übersicht über den am stärksten mit Neophyten besiedelten Bereich

Bereich 1 Gemünd A

Bereich 2 Gemünd B

Bereich 3 Malsbenden

Bereich 4 Wildschweinfläche

Bereich 5 Am Schießstand

Bereich 6 Pulvermühle

Bereich 7 Altes Hotel

Bereich 8 Schifferberge A

Bereich 9 Schifferberge B

Bereich 10 Schifferberge 3

Bereich 11 Talsperre

10 Anhang

142


10.2 Termine

10 Anhang

Tabelle 43: Termine der Kartierung und der Vegetationsaufnahmen

Termin Zweck Bearbeitete Abschnitte Untersuchungsfläche

2009_02_26 Vorbesprechung im

Fortsamt,

Themenauswahl

2009_04_22 Besichtigung der

Standorte Dedenborn,

Dreiborner Hochfläche

2009_04_23 Standorte kennenlernen Linkes Ufer am Klärwerk, außerhalb des

Nationalparks, kurze Besichtigung

2009_04_24 Standorte kennenlernen Rechtes Ufer, Erste Begehung und Einführung ins

2009_04_25 Erste Datenaufnahmen,

Kartierung

2009_05_18 Kartierung der

Neophyten

2009_05_19 Kartierung der

Neophyten,

Vegetationsaufnahmen

in den Unters.flächen

2009_06_10 Kartierung der

Neophyten,

Vegetationsaufnahmen

in den

Untersuchungsflächen

2009_06_12 Kartierung der

Neophyten

2009_06_13 Kartierung der

Neophyten,

Vegetationsaufnahmen

in den Unters.flächen

2009_06_15 Kartierung der

Neophyten,

Fließgeschwindigkeit

2009_08_08 Nachuntersuchung

Impatiens glandulifera

Thema mit Dr. Pardey, innerhalb des Nationalparks

vom Eingang bis zur Brückenbaustelle

Rechtes Ufer, Kartierung außerhalb des

Nationalpark von der Brücke in Malsbenden bis

zum Beginn des Nationalparks an der K7

Kartierung der Neophyten am rechten Ufer vom

Eingang bis zur Spitze an den Schweizer Bergen

Kartierung der Neophyten am rechten Ufer, von

der Spitze der Schweizer Berge bis zur Baustelle

der neuen Brücke zu Vogelsang

Kartierung von Bunias orientalis am gesamten

rechten Ufer,

Beginn der Kartierung des linken Ufers ab

Klärwerk bis ca. Beginn/Mitte des Schießstandes

am rechten Ufer

Kartierung am linken Ufer, die gesamte Strecke

bis zum Ende des am Ufer begehbaren Stückes vor

dem Schifferberge, Kartierung im Stadtgebiet

Gemünd, rechtes und linkes Ufer

Kartierung des linkes Ufers am Schifferberge

(Zufahrt über Modenhübel), Beginn am Zu fluss

Morsbach

Rechtes und linkes Ufer in Mauel und in

Anstois, stichpunktartig! Als Nachweis der

Neophyten außerhalb des Nationalparks, im

Oberlauf der Urft!

Rechtes Ufer, Malsbenden bis Schweizer Berge

(fast)

2009_08_25 Bereich der Talsperre und Vogelsang

Untersuchungsfläche

1-6, nördliches Ufer,

vom Eingang bis zu

den Mauerresten

F1 bis F11 =

Untersuchungsfläche

7 bis 8

F12 bis F16 =

Untersuchungsfläche

9

143


10.3 Anzahl der Sprosse in einer Fläche eines Neophyten-Bestandes

11 CD-Rom mit shape-Dateien

Um Aussagen zur Größe eine Neophytenbestandes machen zu können, werden bei der

Aufnahme der Daten während der Begehung der Ufer die Größe der Fläche notiert, die der

Bestand einnimmt. Es ist bei den Arten I. glandulifera, S. x billardii und F. japonica nicht möglich,

die Zahl der Einzelpflanzen eines Bestandes zu zählen. Durch die einmalige Aufnahme der

Einzelpflanzen auf einer bestimmten Fläche (1m 2 ) kann später auf die Anzahl der

Einzelpflanzen hochgerechnet werden.

Dazu werden für jede Art einige Flächen mit dem Maßband abgemessen, dort die Anzahl der

Einzelpflanzen gezählt und ein Mittelwert berechnet. Das Ergebnis zeigt Tabelle 44.

Tabelle 44: Anzahl der Sprosse/Einzelpflanzen in einer Fläche eines Neophytenbestandes

Art gezählt auf 1/2 m 2 MW Dichte

Impatiens glandulifera

Fallopia japonica

Spiraea x billardii

Bunias orientalis (auf 1m 2 gezählt)

11 CD-Rom mit shape-Dateien

(Sprosse/m 2)

87 75 113 - - 91,6 183,3

18 14 14 16 - 15,5 31

24 31 31 25 - 27,75 55,5

12 14 11 11 22 14 14

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