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Forum: Das Potential flexibler Teilzeitarbeit

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Tagung Arbeitszeitmodelle, 21. April 2009, Kaufleuten Zürich<br />

Barbara Gisi, KV Schweiz<br />

<strong>Forum</strong>: <strong>Das</strong> <strong>Potential</strong> <strong>flexibler</strong> <strong>Teilzeitarbeit</strong><br />

Flexible <strong>Teilzeitarbeit</strong><br />

Allgemeines<br />

♥ Gesetzgebung:<br />

Teilzeit- ist der Vollzeitarbeit gleichgestellt<br />

♥ Arbeitsgesetzliche Bestimmungen dürfen nicht ausser Acht gelassen werden, sollten aber zeit-<br />

und sinngemäss ausgelegt werden<br />

♥ Arbeitszeit-Modelle (inkl. Teilbarkeit der Führung) = Kulturfrage<br />

(gute Beispiele vorleben)<br />

♥ Anfangsinvestitionen für flexible Teilzeit können zu Beginn bestehen, längerfristig zahlen sie<br />

sich aber aus<br />

♥ Teilzeit- und Arbeitszeitmodelle beugen dem Arbeits-/Fachkräftemangel vor, der bevorsteht.<br />

(Aktuelle Krise kann das Phänomen bremsen, ändert aber an der Situation grundsätzlich<br />

nichts)<br />

Im Teilzeit-Arbeitsverhältnis lassen sich mehr Arbeitnehmende rekrutieren<br />

♥ Teilzeit- und Arbeitszeitmodelle eines Unternehmens werden vermehrt als Qualitäts-Label<br />

angesehen<br />

Blick über die Grenze<br />

GB: s. Zeitungsartikel NZZ, 7.4.2009<br />

Förderung von Teilzeit-Arbeit auf gesetzlichem Weg<br />

<strong>Potential</strong> <strong>flexibler</strong> Teilzeit<br />

♥ Zeitsouveränität / Handlungsspielraum / Autonomie<br />

♥ Gerechte Rollenverteilung in der Familien- / Freiwilligenarbeit<br />

♥ Mitbestimmung der Arbeitnehmenden betreffend ihre Situation im Unternehmen<br />

♥ Erleichterung der Koordination der verschiedenen Rollen heutiger Arbeitnehmender<br />

(Eltern; arbeitsmarktfähige Arbeitnehmende; Personen, die Freiwilligenarbeit verrichten, !"<br />

♥ Höhere Arbeitsplatzsicherheit<br />

(in Teilzeit-Arbeitsverhältnissen lassen sich mehr Arbeitnehmende im Arbeitsprozess halten)<br />

1


Aspekte zum Jobsharing<br />

♥ Beruf und Familie / andere (Freiwilligen-)Arbeit lassen sich gut vereinbaren<br />

(insb. wenn der/die eine Job-Sharing-Partner/-in zeitlich <strong>flexibler</strong> ist als der/die andere)<br />

♥ Sanfter Ausstieg aus dem Erwerbsleben und gleichzeitige Förderung von jüngeren<br />

Arbeitnehmenden wird ermöglicht<br />

♥ Wahlfreiheit zu Gunsten einer Arbeit nach eigenen / tatsächlichen Fähigkeiten<br />

(nach Vereinbarung mit Job-Sharing-Partner/-in)<br />

♥ Förderung sozialer Kompetenzen durch die Zusammenarbeit mit dem/der Job-Sharing-Partner/-in<br />

(= Weiterbildung on the job)<br />

♥ z.T. eigene Wahl des/der Job-Sharing-Partners/-in<br />

Vorteile <strong>flexibler</strong> <strong>Teilzeitarbeit</strong> für die Arbeitnehmenden<br />

♥ Freie(re) Einteilung der Arbeitszeit<br />

♥ <strong>Teilzeitarbeit</strong> erlaubt gleichzeitige Weiterbildung<br />

♥ Vorsicht:<br />

� Nach Weiterbildung wieder 100% zu arbeiten, ist nicht zwingend (frühzeitige Planung<br />

der weiteren Lebensphase wichtig)<br />

� Beteiligung des Arbeitgebers an einer Weiterbildung (Zeit/Geld) ist bei Teilzeit-<br />

Arbeitnehmenden z.T. kleiner<br />

� Teilzeit und Altersvorsorge:<br />

In der 2. Säule z.T. benachteiligt<br />

-> Möglichkeit bei den Vorsorgeeinrichtungen zu schaffen, auch Lohn unter<br />

CHF 20'000.-/Jahr zu versichern,<br />

Vorteile <strong>flexibler</strong> <strong>Teilzeitarbeit</strong> für die Arbeitgebenden<br />

♥ Teilzeit-Arbeitnehmende arbeiten fast immer mehr als ihr Pensum vorsieht<br />

♥ Teilzeit-Arbeitnehmende sind effizient, da sie einen Ausgleich haben (Familie / #$%&'()*+,-*<br />

Erholung von .'%*/+0(,('1)<br />

♥ Zufriedenheit von Arbeitnehmenden mit <strong>flexibler</strong> <strong>Teilzeitarbeit</strong> erfahrungsgemäss hoch<br />

♥ Abdecken von Spitzenzeiten/ Berücksichtigen von Flauten möglich<br />

♥ Know-how-Verslust vermeiden<br />

(Indem beispielsweise angehende Eltern, die das Pensum reduzieren wollen, nicht kündigen)<br />

2


Teilzeit und Arbeitszeitmodelle zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit<br />

♥ Stellenabbau ist nicht gleich Entlassungen (!)<br />

Einige Anregungen<br />

♥ <strong>Das</strong> reduzierte Arbeitsvolumen kann auf alle Arbeitnehmenden verteilt werden<br />

(In guten Zeiten ist das umgekehrte Prinzip ja auch üblich)<br />

♥ Mix von verschiedenen Arbeitszeitmodellen prüfen<br />

(Je mehr Modelle etabliert sind, desto eher können die meisten Bedürfnisse abgedeckt werden)<br />

♥ Vorzeitige Pensionierung nur als subsidiäre Lösung<br />

(Pensionierung gleitend ausgestalten2*3)(4567%)*#$,)'%--Teilzeit1"<br />

Attraktivitätssteigerung von Arbeitszeitmodellen i.Z.m. Entlassungen<br />

♥ Teilzeit<br />

befristen -> im Falle eines Stellenabbaus Rückversetzung in den ursprünglichen Beschäftigungsgrad<br />

Pensionskassenbeiträge auf ursprünglichem Beschäftigungsgrad belassen (für Arbeitgebende<br />

und Arbeitnehmende) -> allenfalls Wahlfreiheit für Arbeitnehmende vorsehen<br />

♥ Job-Sharing<br />

Unterstützung durch Unternehmen beim Suchen eines Job-Sharing-Partners, einer Job-Sharing-<br />

Partnerin<br />

befristen -> im Falle eines Stellenabbaus Rückversetzung in den ursprünglichen Beschäftigungsgrad<br />

♥ Flexibler Altersrücktritt<br />

(kann auch attraktiv sein für Grosseltern -> Betreuung der Enkel)<br />

� Reduzierter Beschäftigungsgrad mit unverändert versichertem Salär<br />

� Teilpensionierung (Teilaltersrente)<br />

� Weiterer Anreiz:<br />

Zeitgutschrift, z.B. von 100% -> 70%, AN muss nur 60% arbeiten, erhält aber Lohn für<br />

70%<br />

♥ Unbezahlter Urlaub / Sabbatical<br />

� <strong>Das</strong> Arbeitsverhältnis ist während des unbezahlten Urlaubs vor Kündigung geschützt<br />

� Versicherungsschutz bleibt gleich<br />

� Pensionskassenbeiträge von Arbeitnehmenden und Arbeitgeber bleiben gleich<br />

3


Sabbatical<br />

♥ Defintion:<br />

Langzeiturlaub (z.T. mehrere Monate), während dem die Arbeitnehmenden nicht ihrer angestammten<br />

Erwerbstätigkeit im Unternehmen nachgehen<br />

♥ Hängt eng mit der Lebensarbeitszeit zusammen<br />

(Erweitert die zeitlichen Perspektiven der Arbeitszeitregelung auf das ganze Erwerbsleben)<br />

♥ Bezahlter (Langzeitkonti, auf denen Überstunden gesammelt werden / Bandbreitenmodelle<br />

mit Anspruch auf mehr Ferien / Anspruch nach einer gewissen Anzahl Dienstjahre)<br />

oder<br />

unbezahlter Sonderurlaub während einer längeren Periode<br />

♥ Verschiedene Verwendungsmöglichkeiten (Weiterbildung2*$8-9'()2*/+0(,(':8%,+8&2*!"*<br />

♥ Manchmal geknüpft an Bedingungen<br />

(z.B. Hälfte der Zeit für persönlichkeitsbezogene Weiterbildung)<br />

♥ Finanzierung:<br />

Z.B. Umwandlung von Lohn- in Zeitguthaben (Sozialversicherungen auf diese Weise bereits geregelt)<br />

♥ Kein gesetzlicher Anspruch, in gewissen Unternehmen besteht Regelung. Falls keine Regelung<br />

vorhanden: Verhandlungssache<br />

♥ Rückkehr der Arbeitnehmenden ins Unternehmen:<br />

Gleicher Arbeitsplatz nicht zwingend, er sollte aber gleichwertig sein<br />

♥ Leistungsdruck hat zugenommen, Sabbatical trägt dem Rechnung (#)(0'78)*-)+))*&8%:78)1)<br />

♥ Unternehmen erkennen, dass gesunde Arbeitnehmende bessere Leistungen erbringen<br />

♥ Sabbatical nur von Erfolg gekrönt (für Arbeitnehmende und Arbeitgebende), wenn die Phase<br />

des Sabbaticals, insb. die Stellvertretung, genau und im Voraus organisiert wird, sonst:<br />

- Muss das Team den Urlaub auffangen -> Fehlen der Akzeptanz wegen Mehrarbeit<br />

- Hat der/die Arbeitnehmende deswegen ein schlechtes Gewissen<br />

-> Effekt des Sabbaticals bleibt aus<br />

♥ Mögliche Stellvertretung während der Sabbatical-Phase:<br />

Nachwuchsförderung, Mobilitätsförderung, Job-;7)+)(7:2*!<br />

♥ Zu bedenken:<br />

In schwierigen wirtschaftlichen Zeiten wagen die Arbeitnehmenden nicht zu fragen oder sie<br />

wollen gar keinen längern Urlaub, da sie #vor Ort sein1*8:.*&'(*


Aspekte Beruf und Familie vereinbaren<br />

!Die Krise kann Anreize zum Umdenken setzen"#<br />

Allgemeines<br />

♥ Vereinbarkeit ergibt sich nicht #einfach so1, sie muss geplant werden<br />

♥ Wunsch- und Realitätsmodell selten kongruent<br />

Ziel: möglichst grosse Überlappung erreichen<br />

♥ Wichtig: Existenzsicherung im Auge behalten (insb. Kinderbetreuung kann Budget belasten)<br />

♥ Sicherstellen, dass Eltern nach der Geburt im Unternehmen teilzeitlich weiterarbeiten können<br />

-> Anspruch anmelden und schriftlich verankern<br />

♥ #Preis1 der Teilzeit:<br />

Momentan immer noch geringere Aufstiegschancen, geringere Weiterbildungs-Möglichkeiten<br />

♥ Weiterbildung:<br />

Evt. #on the job1, da bei Teilzeit-Arbeitnehmenden oft nur wenig Zeit verfügbar ist<br />

♥ Zwei spezielle Aspekte der Kinderbetreuung<br />

Finanzierung<br />

Weitere Ideen<br />

o Ausdehnung der Arbeitszeiten ist zweischneidig:<br />

Atypische Arbeitszeiten können Familienleben stören<br />

aber<br />

auch entlasten, wenn derjenige Partner, der zu den atypischen Zeiten nicht arbeitet,<br />

die Kinderbetreuung übernehmen kann<br />

o Abwechselnde Zeiten im Schichtbetrieb sind wichtig für die Gleichbehandlung aller<br />

Arbeitnehmenden,<br />

aber<br />

für die Kinderbetreuung sind zumeist gleichbleibende Schichten eine Bedingung<br />

o Arbeitsmodelle, insbesondere die <strong>Teilzeitarbeit</strong>, hängen auch vom Lohn ab, dieser<br />

wiederum von der Aus- und Weiterbildung -> je besser die Qualifikation, desto eher<br />

sind Teilzeitmodelle realisierbar<br />

o >+-*?7.',,*#beide Teilzeit1*(-)*'%-)*+&*'(:'0*@'6(--':*A75:-Niveau möglich<br />

o Feste Anstellung mit Monatslohn anstreben<br />

(Sicherheit -> fixes, planbares Einkommen)<br />

o Evt. Nachteile bei Sozialversicherung und Altersvorsorge bei Teilzeit<br />

(im Auge behalten, Vorkehrungen treffen/anregen, z.B. Pensionskassen-Reglemente<br />

und Gesetzgebung anpassen)<br />

o 100% auf weniger als 5 Tage komprimieren<br />

(Vorsicht: Regelungen des Arbeitsgesetzes beachten)<br />

5


o Arbeitnehmende mit Erziehungspflichten können automatisch einen Tag von zu<br />

Hause aus arbeiten<br />

o Möglichkeit, das Pensum kurzfristig und temporär zu reduzieren<br />

(abhängig von Betriebsgrösse, Dauer der Pensumsreduktion)<br />

Heimarbeit - Telearbeit<br />

♥ Begünstigt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie / Beruf und Freiwilligenarbeit<br />

♥ Keine Standortgebundenheit<br />

♥ Dezentrale Arbeitsplätze<br />

♥ Arbeitsweg entfällt<br />

♥ Für Telearbeit geeignet:<br />

o Schreibarbeiten<br />

o Repetitive Arbeiten<br />

o Datenerfassung<br />

(Vorsicht: nicht leicht zusammen mit Kinderbetreuung auszuüben, Genauigkeit erfordert<br />

Konzentration)<br />

o Konzeptarbeit (eher abends, wenn Kinder schlafen)<br />

o Gestaltungsarbeit<br />

♥ Telearbeit als Ad hoc-Lösung, wenn die Kinder krank sind<br />

Vorkehrungen<br />

Gute Information<br />

o Informationsfluss zwischen Heim-*8:.*# Arbeit so abwechslungsreich wie möglich gestalten, Austausch mit Team planen, Art der<br />

Tätigkeit, wenn möglich, regelmässig ändern<br />

o Telearbeit mit Arbeit im Büro kombinieren (zwei Tage im Büro, einen Tag zu Hause)<br />

(fördert Information und Integration)<br />

6


Organisation / Planung<br />

o Heimarbeit und Kinderbetreuung sind zusammen oft nicht machbar (!)<br />

-> auch planen, wenn man zu Hause arbeitet<br />

(FB%*


♥ Alle Teammitglieder auf Polyvalenz ausrichten, Stichwort: Fachgeneralistentum (Stellvertretung<br />

auf mehrere Personen verteilen)<br />

Jeden*H+@*#'(:*&(--45':*(:-*/+45@'&(')*'(:'-*+:.'%:*H'+00()@,('.-*5(:'(:98-'5':12 reicht erfahrungsgemäss<br />

aus, alle Teammitglieder zu Fachgeneralisten zu machen (die sich bei der<br />

Stellvertretung gegenseitig unterstützen / beraten können)<br />

Es muss aber die entsprechende Disziplin vorhanden sein, sich regelmässig zu orientieren und<br />

gegenseitig auf dem Laufenden zu halten<br />

Fachgeneralistentum fördert die Weiterbildung #on the job1<br />

-> Stellvertretung gewährleistet und Weiterbildung on the job für Teilzeitmitarbeitende mit wenig<br />

zeitlicher Kapazität für externe Weiterbildungen (#96'(*/,('@':*+8=*'(:':*345,+@1)<br />

♥ Selbstverantwortung der Arbeitnehmenden<br />

o z.B. gutes und diszipliniertes Pendenzenmanagement<br />

(Prioritäten richtig setzen)<br />

o Effizienz<br />

(Leerlauf vermeiden -> von Anfang an nachfragen, dies zwingt auch die Vorgesetzten,<br />

die Aufträge von Anfang an klar zu formulieren<br />

Unterstützung des Arbeitgebenden bei der (ausserordentlichen) Kinderbetreuung<br />

♥ Beitrag ans Ad hoc-Babysitting als Entlastung in intensiven Phasen<br />

(z.B. für die Dienstleistung des roten Kreuzes, Kinder stundenweise zu Hause zu betreuen)<br />

♥ Möglichkeit bieten, Kinder im absoluten Notfall ins Büro mitnehmen zu können<br />

Weiterbildung fördern<br />

♥ Teilzeitmitarbeitende haben oft enge Pflichtenhefte<br />

-L*'%6'()'%:2*80*$%&'()-0+%C)=I5(@C'()*98*'%5+,)':*FM7&%7)+)(7:2*!"<br />

♥ Passende, kleine, interne Weiterbildungen durchführen<br />

F$%&'()-9'()0+:+@'0':)2*3)%'--E'%0'(.8:@2*!"<br />

Best Practices ! Beispiele<br />

Mitarbeiterin, 35 Jahre, Sachbearbeiterin<br />

o Betrieb: 80 Personen, 55 Vollzeitstellen<br />

o Situation der Arbeitnehmenden<br />

� Teilzeit 50%<br />

� Pendelt von Zürich nach Basel<br />

� 2 kleine Kinder (3 und 7 Jahre)<br />

o Weiterbildung<br />

� Einjährige Weiterbildung<br />

� Umfang: 1 Tag/Monat, alle 2 Monate ein Block von 2 Tagen<br />

o Optimierung der Situation<br />

� Weiterbildung:<br />

♥ Zeit und Geld: 50%-Beteiligung des Arbeitgebers<br />

8


♥ Arbeitssituationen wurden in WB eingebaut<br />

(Abschlussarbeit, konkrete/aktuelle Aufgaben/Schwierigkeiten)<br />

� Kinderbetreuung:<br />

♥ Gutes Netz (Nachbarn, Krippe, Freunde (ebenfalls mit kleinen Kindern),<br />

Eltern, Schwiegereltern,*!"<br />

Arbeitskollegin (arbeitet ebenfalls Teilzeit) hat Kinder schon im Büro<br />

abgeholt und sie während des Tages gehütet<br />

� Beschäftigungsgrad des Partners: 70%<br />

♥ Partner #B&'%:(00)1 die Hälfte der Krankheitstage der Kinder (der Arbeitsausfall<br />

wird auf beide Arbeitgeber der Eltern verteilt)<br />

� Telearbeit<br />

Ein Teil der Arbeit N nicht fix N wird als Telearbeit verrichtet (Absprache zwischen<br />

Arbeitnehmenden und Vorgesetztem -> rollende Planung, per Telefon<br />

oder persönlich)<br />

� Zugsfahrt als Arbeitszeit angerechnet (Effizienz sehr hoch, keine Ablenkung)<br />

� Infrastruktur für Telearbeit vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt<br />

� Sonderaufgaben<br />

♥ im Voraus geplant<br />

(Zeit vorhanden, wenn Partner die Kinder betreuen kann)<br />

� Bereitschaft der Arbeitnehmenden, auch ausserhalb der ordentlichen<br />

Arbeitszeiten (Abend / Wochenende) zu arbeiten<br />

o Reaktion bei andern Team-Mitgliedern<br />

Nach gewisser Gewöhnungs- und Beobachtungsphase positiv<br />

♥ Mitarbeiter, 41 Jahre, Stabsstelle<br />

o Betrieb: ca. 200 Personen, ca. 150 Vollzeitstellen<br />

o Situation des Arbeitnehmenden<br />

� Teilzeitpensum 90% (ca. 60% am Arbeitsort, 30% von zu Hause)<br />

� Teilzeitlehrauftrag<br />

� Fünfjähriges Kind<br />

teilt sich Betreuungsaufgaben mit Partnerin zur Hälfte (zwei Haushalte in<br />

gleicher Stadt)<br />

o Weiterbildung<br />

� In einjähriger Weiterbildung<br />

Module werden in Blöcken von einer Woche angeboten<br />

� Mit Weiterbildungsinstitut konnte vereinbart werden, dass die Reihenfolge<br />

der Module frei bestimmt werden kann und die Dauer der Weiterbildung aufgrund<br />

der beruflichen und familiären Situation auf zwei Jahre ausgedehnt<br />

wird<br />

� Gewisse Aufgaben der beruflichen Tätigkeit werden direkt in die Weiterbildung<br />

integriert und bearbeitet<br />

o Optimierung der Situation<br />

� Partnerin arbeitet ebenfalls Teilzeit (50%)<br />

9


Erfahrungen<br />

♥ Partnerin #übernimmt1 die Hälfte der Krankheitstage des Kindes<br />

� Telearbeit<br />

Ein Teil der Arbeit N nicht fix N wird als Telearbeit verrichtet (Absprache zwischen<br />

Arbeitnehmenden und Vorgesetztem -> rollende Planung, per Telefon<br />

oder persönlich)<br />

� Im absoluten Notfall: Kind im Büro<br />

(bisher 1 x in 2 Jahren vorgekommen)<br />

� Arbeitnehmender stellt während der Werktage ständige Erreichbarkeit sicher<br />

Achtung:<br />

Diese Arbeitsweise sagt nicht jedem/jeder zu!<br />

Ein Arbeitnehmer, eine Arbeitnehmende muss realistisch und fair<br />

entscheiden, ob er/sie dieses Modell will und auf Dauer prästieren kann<br />

o Reaktion bei andern Team-Mitgliedern<br />

Von Zeit zu Zeit ergibt sich Erklärungsbedarf, v.a. infolge wiederkehrender Abwesenheiten<br />

(z.B. wegen Ad hoc-Telearbeit)<br />

♥ Manchmal scheint die Situation ziemlich schwierig � es gibt aber immer eine Lösung, auch<br />

wenn sie manchmal nur gangbar, nicht optimal, ist<br />

♥ Phantasie und Offenheit von Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden sind für das Gelingen<br />

vorausgesetzt<br />

♥ Von beiden Seiten (Arbeitgebender und Arbeitnehmende) müssen Konzessionen gemacht werden<br />

♥ Arbeitszeit-Modelle, resp. die Möglichkeit solcher, motivieren die Arbeitnehmenden<br />

-> die Leistungen sind spürbar besser<br />

Führung<br />

♥ Enger Kontakt zwischen Arbeitnehmenden und Vorgesetzten nötig<br />

(Telefon, E-Mail, Vor-/Besprechun@':2*!"<br />

♥ Kooperativer (nicht kontrollierender) Führungsstil<br />

(grösste Widerstände kommen dabei vom mittleren Kader)<br />

♥ Arbeitsaufwand der Führungskräfte vergrössert sich<br />

♥ Verantwortung der vVrgesetzten, klare Aufträge zu formulieren<br />

♥ Delegation muss in der Regel verstärkt werden<br />

♥ Vertrauen und Fairness der Vorgesetzten dem Arbeitnehmenden gegenüber und umgekehrt<br />

♥ Realität einschätzen:<br />

Nicht alle in einem Team können Arbeitszeit-Modelle leben, sonst funktioniert das Team nicht<br />

mehr. Gewisse Tätigkeiten müssen am Arbeitsplatz ausgeführt werden<br />

10


ABER:<br />

Es wollen gar nicht alle Arbeitnehmenden flexible Modelle<br />

Es ist noch sehr viel Gestaltungs-Spielraum vorhanden, der vor allem mittels Ausprobieren<br />

sichtbar wird<br />

Konklusion<br />

♥ Teilzeit- und Arbeitszeitmodelle sollten nicht nur in Krisenzeiten angewendet werden<br />

-> sie ermöglichen neue Lebensentwürfe, insbesondere die Vereinbarkeit von Beruf und Familie<br />

Dennoch sind Teilzeit- und Arbeitszeitmodelle ausgezeichnete Instrumente, um Stellen zu<br />

reduzieren, ohne dass Entlassungen ausgesprochen werden müssen<br />

♥ Flexible Teilzeit- und Arbeitszeitmodelle erfordern insbesondere<br />

Phantasie<br />

Bereitschaft zu Veränderung<br />

Koordinationsbereitschaft<br />

Kommunikation<br />

Objektive Auseinandersetzung mit Arbeitsabläufen<br />

Sich damit auseinanderzusetzen (gestaltet die Zusammenarbeit nicht immer einfacher,<br />

aber bestimmt interessanter)<br />

♥ Gewöhnungs-*8:.*J7%&(,.'=='C)*#+%&'()':1*98*O8:-)':*:'8'%*Teilzeit- und Arbeitszeit-Modelle<br />

♥ Die Arbeitnehmenden, vor allem die jüngeren, sind nicht nur zu neuen Arbeitszeitmodellen<br />

bereit, sondern erheben sogar Anspruch darauf; und dies nicht nur in wirtschaftlich angespannten<br />

Zeiten<br />

11

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