Quedlinburger Beregnungstag 2005 - Sachsen-Anhalt

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Quedlinburger Beregnungstag 2005 - Sachsen-Anhalt

Der Quedlinburger Beregnungstag 2005 fand wiederum großen Anklang

Der diesjährige Beregnungstag des Zentrums für Gartenbau und Technik Quedlinburg-

Ditfurt (ZGT) der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau des Landes Sachsen-

Anhalt, der wiederum gemeinsam mit dem Fachverband „Beregnungsring Sachsen-

Anhalt“ am 03.11.2005 stattfand, war ein voller Erfolg. Der Einladung waren zahlreiche

Landwirte, Gärtner und Wissenschaftler sowie Vertreter der Landesanstalten für

Landwirtschaft aus anderen Bundesländern und Hersteller bzw. Vertriebsfirmen von

Bewässerungstechnik gefolgt. Begrüßt wurden die Teilnehmer durch Herrn Dr. Eckhard

Roth, amtierender Leiter des ZGT, und Herrn Graf, Vorsitzender des Fachverbandes.

Frau Dr. Andrea Lüttger vom Institut für Klimafolgenforschung Potsdam informierte

über die Ergebnisse aus dem Pilotprojekt Beregnung in Brandenburg, welches sie auf

dem Beregnungstag 2004 vorgestellt hatte. Das Projekt, das von 1999 bis 2004 lief,

wurde gefördert im Rahmen der Demonstrationsversuche für innovative und nachhaltige

Bewirtschaftungsverfahren (EU-Richtlinie). Einbezogen wurden leistungsfähige

Betriebe mit langjähriger Erfahrung in der Kartoffelproduktion und der Beregnung aus

dem Landkreis Teltow-Fläming mit einer Jahresmitteltemperatur von 8,6°C, einer

Jahresniederschlagsmenge von 500 mm und einem Wasserdefizit von ca. 120 mm bei

Bodenstandorten D1-D4 und 14-56 Bodenpunkten.

Die Beregnungsfruchtfolge am Beispiel der Oehnaland Agrar GmbH war Kartoffel-

Körnermais-Winterweizen-Zuckerrüben-Sommergerste (40-55 BP) und bei leichten

Standorten (18-25 BP) Kartoffel-Körnermais-Körnermais-Erbsen. Eingesetzt wurden

aufgrund der großflächigen Struktur stationäre und mobile Großflächenregner,

leistungsstarke Beregnungsmaschinen mit Trommel und Minipivots als Linearanlagen.

Die Beregnungssteuerung erfolgte über die Bodenfeuchtemessung mit SENTEC-

Sensoren, bei denen zusätzlich über Funk die Übertragung der Daten auf den

Bürocomputer erfolgte. Die Berechnung der Bilanz von Wassereintrag und

Wasserverlusten erfolgte durch das Beregnungsmodul ADCON. In Auswertung der

Versuche stellte sich heraus, dass durch die Beregnung neben einer Qualitätsverbesserung

der Kartoffeln eine höhere Ertragssicherheit gewährleistet wurde. Die

Erträge lagen im Mittel der Jahre 1999-2004 bei 444 dt/ha gegenüber 314 dt/ha

unberegnet (Siehe Tabelle 1). Eine zusätzliche Mikronährstoffdüngung rentiert sich nur,

wenn diese in Kombination mit der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln erfolgt. Die

Referentin stellte anschließend weitere Ergebnisse aus Versuchen des Pilotprojektes


Brandenburg und der Humboldt-Universität zu Berlin vom Standort Berge vor und zog

folgendes Fazit:

- Eine Zusatzberegnung in der Landwirtschaft ist derzeit bei der Produktion von

Hackfrüchten und Körnermais wirtschaftlich.

- Eine große Auswahl an Beregnungsverfahren und –anlagen erlaubt eine individuelle

Anpassung an die jeweiligen Betriebsbedürfnisse.

- Steigende Wasser- und Energiepreise müssen zu einem höheren Einsatz der

Beregnungssteuerung und damit zu einem effizienteren Einsatz der Ressource

Wasser führen.

Wirtschaftlichkeit der Beregnung

Beitrag der Beregnung einzelner Kulturen zum

Betriebsergebnis

Versuchsergebnisse aus dem Pilotprojekt Beregnung des Landes Brandenburg (1999-2004) bei 25 BP 1) ,

bei 35 BP 2) und vom Standort Berge der Humboldt-Universität zu Berlin (1952-2000) 3) bei 40 BP*

Ertrag (dt/ha)

- unberegnet

- beregnet

Speisekartoffeln

2)

380

526

Körnermais

1)

Winterweizen

3)

Zuckerrüben

3)

Braugerste

1)

Beregnungstag Sachsen-Anhalt

3.11.2005

Tabelle 1: Versuchsergebnisse aus dem Pilotprojekt Beregnung (Brandenburg)

Weitere Informationen sind unter „Leitlinie für die Beregnung landwirtschaftlicher

Kulturen“ im Internet unter www.mluv.brandenburg.de/info/beregnung zu erhalten.

Herr Dr. Heinz Sourell (FAL Braunschweig) stellte in seinem Vortrag zum Thema

„Feldberegnung rentabel einsetzen – Beregnungsmaschinen im Vergleich“, ausgehend

von den Faktoren des Beregnungserfolges und der klimatischen Wasserbilanz, die

Auswirkungen der Beregnung auf die Erträge (30-38 % Mehrertrag) bei verschiedenen

61

82

58

68

517

630

Ertragsdifferenz (dt/ha) 146 21 10 113 12

Erlöse (€/ha)

- unberegnet

- beregnet

2.280,-

3.156,-

671,-

902,-

522,-

680,-

2.327,-

2835,-

43

55

387,-

605,-

Erlösdifferenz (€/ha) 876,- 231,- 158,- 508,- 218,-

Zusatzwasser (mm)

* 2,50 €/mm

Gesamtkosten

Beregnungskostenfrei

e Leistung (€/ha)

100

250,-

80

200,-

62

155,-

116

290,-

50

125,-

626,- 31,- 3,- 218,- 93,-

Speisekartoffeln mit 6,- €/dt,

Qualitätsweizen (A) mit 10,- €/dt, Brotweizen (B) mit 9,- €/dt,

Braugerste mit 11,- €/dt und Futtergerste mit 9,- €/dt,

Körnermais mit 11,- €/dt und Zuckerrüben mit 4,5 €/dt, Mischkalkulation A/B Rüben mit 17% Zucker


landwirtschaftlichen Kulturen im Mittel der Jahre 1995-2003 heraus. Ergänzt wurden

diese Ausführungen durch Angaben zu Kapitalbedarf und Kostenstruktur im Vergleich

von mobilen Beregnungsmaschinen mit Elektro- und Dieselantrieb, wobei der

Dieselantrieb durchschnittlich um 82 €/ha teurer ist (Siehe auch Tabelle 2).

Tabelle 2:

Ausgewählte Kenndaten der wichtigsten

Bewässerungsverfahren (5 Gaben à 30 mm pro Jahr)

Wassereffizienz 0,2 . . . 0,4

0,9 0,6 . . . 0,7 0,7 . . . 0,8 0,6

Energiebedarf

kWh/(ha • a)

0 . . .

160

810

609

1 000

Druck bar

am Verteilorgan

0 . . .

bis 1

3 . . . 4

1 . . . 4

4 . . . 5

Flächenleistung

ha/10 d

stationär, abhängig von der Anlagengrößen

16 . . . 35

stationär, abhängig

von der Anlagengröße

14 . . . 55

Arbeitszeit

h/(ha • Gabe)

3,0 . . . 8,0

5,0

(0,2)

2,0

(0,3)

0,1 0,4

Kapitalbedarf

€/ha

1 000

2 750

250

650 . . . 1 150

500 . . . 1 000

Verfahrenskosten

1)

€/ha

125

700

425

316

335

1) Überbetriebliche Wasserbereitstellung, 40 ha Beregnungsfläche

Herr Prof. Dr. Peter-J. Paschold (Forschungsanstalt Geisenheim Fachgebiet

Gemüsebau) referierte zum Thema

„Bestimmen des Zeitpunktes und optimaler Gabenhöhe der Zusatzwassergaben

Einleitung

Überflutung

Oberflächenbewässerung

Beckenbewässerung

Furchenbewässerung

Tropfbewässerung

Mikrobewässerung

Sprühbewässerung

Kleinregner

Rohr

Reihenregner

Bewässerungsverfahren

stationäre

Beregnungsmaschinen

Dürre 2003 - Wie geht es mit der Beregnung weiter? Fachbereich Boden, Düngung, Beregnung

- Geisenheimer Bewässerungssteuerung -“

mobile

Beregnungsmaschinen

Der ressourcenschonende Umgang mit Wasser ist wesentlicher Bestandteil der nachhaltigen

Landbewirtschaftung, auch als gute fachliche Praxis bezeichnet. Das gilt

insbesondere für den Anbau von Gemüse, wo bei vielen Arten innerhalb kurzer Zeit ein

erheblicher Massezuwachs gewährleistet werden muss. Das erfordert ein bedarfsgerechtes

Nährstoffangebot, welches jedoch nur bei gleichzeitiger Berücksichtigung der

Bodenfeuchte ausreichend genau kalkuliert werden kann.

Rohrschlauch

Schlauch Kreis Linear rollende

selbstfahrende

Maschine

Rohrtrommelmaschine

mit

Düsenwagen

Sourell


Bei der Bewässerung, allein auf der Basis von Erfahrungen, müssen eine Vielzahl

von Faktoren berücksichtigt werden, so dass im Alltagsstress Fehler unvermeidbar

sind. Dies wird dem Anbauer jedoch nicht direkt bewusst, da die Auswirkungen erst

sehr viel später an der Pflanze sichtbar werden und der direkte Vergleich zu korrekt

bewässerten Beständen fehlt. Die im Boden ablaufenden Prozesse bleiben dem

Auge verborgen und zeigen sich nur teilweise in den Ergebnissen von Bodenanalysen

und später im Wachstum. Nur in Versuchen wird deutlich, welche

erheblichen Wirkungen auf das Pflanzenwachstum durch eine nach objektiven

Kriterien gesteuerte Bewässerung erzielt werden können.

Steuern der Bewässerung heißt, auf der Basis objektiver Kriterien zu entscheiden,

wann, wie oft und in welcher Menge Zusatzwasser einzusetzen ist.

Die jeweils neuesten Erfahrungen aus langjährigen Versuchen in der Forschungsanstalt

Geisenheim werden zusammengefasst als Geisenheimer Bewässerungssteuerung zur

Bewässerungssteuerung in Fachzeitschriften und teilweise unter www.fa-gm.de

(Fachgebiet Gemüsebau) publiziert.

Bewässerungssteuerung

Zahlreiche Methoden sind in der Literatur dargestellt, um den aktuellen Wasserbedarf

der Pflanzen zu bestimmen und daraus abgeleitet die Bewässerung zu steuern. Am

günstigsten wäre es, den Wasserbedarf direkt an den Pflanzen zu messen. Generell

gibt es vier Wege der Bewässerungssteuerung bzw. -regelung:

- in Abhängigkeit von klimatischen Wasserbilanzen

- auf der Basis von der Bodenfeuchtemessung

- Messungen an der Pflanze

- Nutzen von komplexen Modellen des Systems Pflanze-Umwelt.

Gegenwärtig müssen sich die Anbauer zwischen den ersten zwei Methoden

entscheiden. Zum dritten und vierten Komplex liegen noch keine praxisreifen Lösungen

vor. Auch bei den ersten zwei Wegen ist die Entscheidung nicht leicht, da es jeweils

erhebliche Vor- und Nachteile gibt (Tabelle 3).

Im Einzelfall hängt es auch von der Mentalität des Gärtners und der speziellen

Anwendung ab, was er vorzieht. Entscheidend ist es, die Bodenfeuchte in dem Bereich

zu halten, der die Entwicklung der Pflanzen in hoher Qualität sichert und dabei die

Umwelt schont. Es bildet sich ein Sägeblatt der Bodenfeuchteverläufe (Abb. 2).

Die Kombination von Berechnungen auf der Basis einer klimatischen Wasserbilanz mit

gelegentlichen Aktualisierungen durch Bodenfeuchtemessungen wird gegenwärtig als


vorteilhafteste Methode zum Steuern der Beregnung eingeschätzt. Das alleinige

Bestimmen der Bodenfeuchte wird für die Steuerung bzw. Regelung der Tropfbewässerung

empfohlen. Den Anbauer interessiert der tägliche Wasserverbrauch und

die Summe des Verbrauches mehrerer Tage bis der Bodenwasservorrat so gering

geworden ist, dass das Pflanzenwachstum reduziert wird. Dann muss die Gabenhöhe

so groß sein, dass die gesamte Hauptwurzelzone wieder durchfeuchtet wird. Diese

Angaben liefert die Geisenheimer Bewässerungssteuerung mit relativ geringem

Aufwand.

Bestimmen der Bewässerungsmenge je Gabe

In Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium und den Bodenbedingungen sind

Gabenhöhen zwischen 10 und 40 mm zweckmäßig. Die Bodeneigenschaften

entscheiden, welche Wassersättigung durch eine bestimmte Wassergabe erreicht

wird. Auf Lehmboden können für eine vorgegebene Durchwurzelungstiefe 30 mm

optimal sein, auf Sandboden führen 30 mm zur Auswaschung. Durch Bestimmen der

physikalischen Eigenschaften des Bodens kann die optimale Gabenhöhe festgelegt

und auch auf ähnliche Schläge übertragen werden (Beispiel Tabelle 4).

Erforderlich sind also auch Kenntnisse zur mittleren Durchwurzelungstiefe je

Entwicklungsstadium. Als maximale Tiefe sollten die Werte des Nmin-Systems oder

eigene Beobachtungen herangezogen werden. Das stellt sicher, dass die in die

Nährstoffbilanzen einbezogenen Bodengehalte an Nährstoffen auch durch die Wurzeln

erreicht werden.

Gabenhöhe an die pflanzliche Entwicklung anpassen

Mit fortschreitender Pflanzenentwicklung vergrößert sich die Durchwurzelungstiefe,

wenn die Gabenhöhe dem angepasst wird. Werden die jeweiligen Entwicklungsstadien

erreicht, sollten deshalb auch die Gaben erhöht werden. Zu Beginn reichen oft 10 mm-

Gaben aus. Je nach Bodenart und Gemüseart können diese schrittweise bis auf

40 mm erhöht werden. Das fördert das Einwurzeln in größere Bodentiefen.

Gleichbleibende zu niedrige Gaben begrenzen die durchwurzelte Schicht hingegen zu

flach. Die Nährstoffbilanzen sind dann falsch, da die Pflanze tiefere Bodenschichten

nicht nutzen kann. Wurzelgemüse wird zudem beinig. Durch die sinnvolle Festlegung

der Gabenhöhe kann die Nährstoffausnutzung verbessert und das Risiko einer


Auswaschung von Nährstoffen aus der durchwurzelten Zone durch die Bewässerung

reduziert werden.

Errechnen der Wasserbilanz

Benötigt werden die Verdunstung und die Niederschläge des jeweiligen Schlages. Die

tägliche Verdunstung nach PENMAN ermittelt der Deutsche Wetterdienst (DWD).

Je nach Entwicklungstadium der Pflanzenart wird der Geisenheimer Steuerungswert

– kc genannt – gewählt (Beispiel Abbildung 3).

Nach Auswahl des aktuellen kc wird mit dem Verdunstungswert nach PENMAN

multipliziert. Dies ergibt den täglichen Wasserverbrauch der Gemüsekultur. Der tägliche

Wasserverbrauch wird aufsummiert bis die gewünschte Bewässerungsmenge erreicht

ist. Niederschläge werden dabei von der Verdunstungssumme abgezogen. Nach

erfolgter Beregnung wird die Verdunstungssumme auf Null zurückgesetzt und der

Rechenvorgang beginnt erneut. Es ist zu bewässern, wenn die Summe der täglichen

Wasserbilanzen die vorgegebene Bewässerungsmenge, z. B. 30 mm, erreicht hat.

Das Beispiel in Tabelle 5 verdeutlicht das einfache Verfahren. Zur Kontrolle der

Berechnungen können unter Praxisbedingungen Bodenfeuchtesensoren eingesetzt

werden.

Methoden der Berechnung

Die Berechnung kann mit einer einfachen Excel-Tabelle erfolgen. Verschiedene Firmen

entwickelten Programme zur Bewässerungssteuerung auf der Basis der Geisenheimer

Steuerung. Diese enthalten teilweise nur Teile der Methode oder nicht die aktuellen

Koeffizienten. Beispielsweise im Programm IRMA (Irrigation manager) von ‚Helmsoftware’

(www.helm-software.de) werden die Werte in Abstimmung mit der

Forschungsanstalt Geisenheim regelmäßig dem neuesten Stand der Forschung

angepasst.

Durch den DWD ist es nunmehr möglich, die Geisenheimer Steuerung zu nutzen, ohne

sich um die Verfügbarkeit der Verdunstungswerte nach PENMAN zu kümmern. Auch

auf die alternative eigene Messung der zur Berechnung der Verdunstung erforderlichen

Daten Temperatur, Luftfeuchte, Strahlung sowie des Windes kann verzichtet werden.

Angaben von einer in der Nähe liegenden Wetterstation (Basisstation) können genutzt

werden, ohne dass praxisrelevante Unterschiede in der Verdunstung auftreten.

Lediglich der Niederschlag variiert räumlich sehr stark, weshalb er vom Anbauer direkt


zu messen ist. Diese Anforderungen wurde von Janssen gemeinsam mit der

Forschungsanstalt Geisenheim bei der Konzipierung der Internetseite

www.agrowetter.de, Teil „Beregnung", berücksichtigt, wo zur Zeit bundesweit über 300

Basistationen als Referenzstandorte zur Auswahl für den Anbauer angeboten werden.

Bei der Anmeldung wählt er einmalig eine Station in seiner Nähe aus.

Nach der Anmeldung ist der persönliche Zugang mit Kundenname und Passwort

möglich. Der Nutzer kann seit diesem Jahr gegen eine Gebühr von 66 € für insgesamt

8 Schläge den Wasserbedarf für unterschiedliche Pflanzenarten oder unterschiedliche

Anbausätze einer Kultur bilanzieren lassen (Janssen, Paschold 2004).

Eine Wetterprognose wird dabei bereits berücksichtigt.

Tabelle 3: Vergleich der Bewässerungssteuerung auf der Basis von

Bodenfeuchtesensoren und nach Geisenheimer Steuerung

Methode Vorteile: Nachteile

Messen der

Bodenfeuchte

Geisenheimer

Methode

• aktuelle Bodenfeuchte

immer direkt erkennbar

• keine

Niederschlagsmessung auf

dem Schlag erforderlich

• schnelle Kontrolle der

erfolgten Bewässerung

• Tropfbewässerung

automatisierbar

• bei Einsatz mehrerer

Sensoren Störungen der

Wasserverteilung erkennbar

• keine Sensoren auf dem

Feld zu installieren

• keine Kosten für Sensoren

und deren Einbau sowie

Wartung

• Verdunstungswerte des

Gebietes gelten für alle

Pflanzenarten und

Anbausätze

• Bewässerung in

niederschlagsfreien

Perioden vorher gut

kalkulierbar

• Bewässerung gut

dokumentierbar als

Nachweis

• repräsentativer Standort

schwer zu finden

• für jeden Schlag und

Anbausatz gesonderte

Messungen notwendig

• Kosten der Sensoren

• Ein- und Ausbau erforderlich

• Aufwand für das Erfassen der

Messwerte

• Kontrolle der Funktionsfähigkeit

der Sensoren

• Störungen und Behinderungen

bei Feldarbeiten möglich

• Startwert der Bodenfeuchte

muss vor Beginn der

Beregnung bestimmt werden

• Niederschlagsmessung in

Schlagnähe erforderlich

• keine Kontrolle der erfolgten

Bewässerung

• Wassernachlieferung an

grundwassernahen Standorten

muss geschätzt werden, um die

Bewässerung entsprechend zu

reduzieren.


Tabelle 4: Beispiel der Kalkulation der Gabenhöhen zur Beregnung auf Sand- und

Lehmigem Sandboden mit 90 cm Wurzeltiefe

Bodenschicht Sandboden (nFK) Lehmiger Sand (nFK)

cm Vol.% mm Vol.% mm

0 - 30 9,1 27 16,4 49

30 - 60 7,6 23 15,1 45

60 - 90 7,5 22 12,9 39

Gesamt 8,1 72 14,8 133

Nutzbare

Wassermenge 60 –

100 %(= 40 % nFK)

29 54

Aus ökologischen Gründen sollte die untere Bodenschicht nur auf 80 % der nutzbaren

Feldkapazität aufgefüllt werden. Damit errechnen sich Gabenhöhen von:

Bodenschicht Sandboden mm Lehmiger Sand mm

Gabenhöhe für

90 cm Bodentiefe

25 46

Tabelle 5: Beispiel der Geisenheimer Bewässerungssteuerung bei Vorgabe einer

Bewässerungsmenge von 30 mm/Termin

• A.) Errechnen der täglichen Bilanz

Datum PENMAN-Wert Faktor

(kc)

minus

Niederschlag

25. 7. 5,2 0,8 0,0 4,2

26. 7. 5,9 0,8 4,0 0,7

• B.) Errechnen des Bewässerungszeitpunktes

Datum tägl. Wasserbilanz (mm) Gesamtbilanz Beregnung

25. 7. 4,2 4,2 -

26. 7. 0,7 4,9 -

27. 7. 6,5 11,4 -

28. 7. 6,9 18,3 -

29. 7. 7,0 25,3 -

30. 7. 5,1 30,4 30 mm

31. 7. 6,5 6,9 -

Tägliche

Wasserbilanz =

Wasserverbrauch


Abb.1: Verlauf der Bodenfeuchte bei gesteuerter Bewässerung

kc 0,5 kc 0,8

ab Pflanzung ab Durchmesser > 15 cm

kc 1,2

ab Durchmesser > 25 cm

Abbildung 2: Entwicklungsstadien und Geisenheimer Steuerungswerte am Beispiel

Kopfsalat

Herr Dipl.-Ing. Bernd Hoppe (AGRO-SAT Consulting GmbH Baasdorf) stellte

ökonomische und ökologische Ziele an den Anfang seiner Ausführungen zur

„Optimierung der Beregnung mittels Bodenfeuchtesensoren“ am Beispiel der neuen

SENTEK – Technologie. Ein Bodenfeuchtesensoren – System besteht aus der


Loggereinheit mit Solarpaneel, max. 8 Sonden, bis max. 16 Einzelsensoren pro Sonde

und Verbindungskabel. Die Sensortiefen liegen im Pflanzenbau zwischen 0,5 u. 2,0 m.

Die Kosten für ein komplettes System liegen bei etwa 3.000 € netto.

Es sind pro Sonde mehrere Sensoren erforderlich (z.B. in 10, 20, 30, 50 und 80 cm

Tiefe), um das ganze Profil der Pflanze zu erfassen (Beispiele Abb. 4-6).

Anhand von guten graphischen Darstellungen wurden erläutert:

- Bodenwasserdynamik,

- Täglicher Wasserverbrauch,

- Entwicklung des Wurzelwachstums,

- Bestimmung von Stressbeginn, Auffüllpunkt und Sättigungspunkt,

- Bestimmung der optimalen Beregnungsgabe und

- Eindringungsvermögen sowie Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens.

Abb. 3: Meßdiagramm eines Sentek – Fühlers in der Praxis


Lineal

Datum + Uhrzeit

Differenz

26 mm

Abb. 4: Wassereintrag in den Bodenhorizont

Der Referent gab dann einen Überblick über Aufbau, Funktion und Einsatzvorteile der

neuen SENTEK - Systeme EnviroSCAN, EnviroSMART, Diviner 2000, EasyAG und

TriSCAN aus Australien und nannte Automatisierungsmöglichkeiten.

Beispiele von Ertragsminderungen bei verschiedenen Fruchtarten durch einen

steigenden ECe-Wert (messbare elektrische Leitfähigkeit von gesättigter Bodenlösung)

rundeten den Vortrag ab. Weitere Informationen sind unter www.agro-sat.de zu finden.

Das System EasyAG, welches im ZGT Quedlinburg/Ditfurt im Jahr 2005 auf einer

Versuchsfläche Pastinake, die mit einem Düsenwagen beregnet wurde, eingebaut war,

wurde den Teilnehmern vor Ort von Herrn Dipl.-Ing. Graf vorgestellt.

Herr Dirk Borsdorff (Exner-Handels GmbH) stellte in seinem Beitrag

„Tropfbewässerung im Freiland – Technik und Wirtschaftlichkeit“ neueste

Entwicklungen auf dem Gebiet der Tropfbewässerung am Beispiel von NETAFIM aus

Israel vor und erläuterte deren Einsatzmöglichkeiten sowie praktische Erfahrungen.


Wasserverfügbarkeit, Klimawandel und Wetterextreme haben nachteilige Auswirkungen

auf die Vitalität der Pflanzen sowie auf Ertrag und Qualität landwirtschaftlicher und

gärtnerischer Erzeugnisse. Handel und Verarbeitungsindustrie fordern gleichmäßige,

einheitliche Früchte mit hoher Qualität und eine zeitgenaue Lieferung definierter Erntemengen

bei geringen Preisen. Damit wird der Erzeuger pflanzlicher Produkte zu einem

effektiven Anbau mit extrem wettbewerbsorientierter Planung und Betriebsführung

gezwungen.

Der Referent stellte die Vorteile des Einsatzes der NANO-Bewässerung - Tropfer und

verglich anhand einer Grafik deren Einsatz mit der Flut- und Micro-Bewässerung.

Super-niedrige Fliessrate

Neue Tropfrohre (im cm 3

– Bereich anstelle von

Litern

Abb. 5: NANO – Tropfer

Nano-Bew Nano Bewässerung sserung - Tropfer

Super-intensive

Bewässerung

Wassergaben 6 mal täglich je

9 Minuten

Nicht-ausgewaschene Agro-Zone

Formgebung der Wurzelzone, System der

“Versorgungsarterie”

Nicht auslaufende Systeme und

Tropfer

Ermöglicht Erstellung eines

Intensiv-Bewässerungsplans

Betrieb mit super-niedrigem

Druck

Von 4 bar herab auf 0,3 – 0,2 bar

oder Schwerkraft


Bodenfeuchte

Flutbewässerung

Micro-Bewässerung

Nano-Bewässerung

Effizienter Bewässerungsplan

Bew sserungsplan

Be

w.

Be

w.

1 2 3 4 5 6 7

Abb. 6: Vergleich verschiedener Tropfbewässerungsverfahren

F.K.

Tage

Stand der Technik bei Tropfschläuchen sind laut Aussage von Herrn Borsdorff

druckkompensierende Tropfrohre UNIRAM (nichtauslaufend, 10 Jahre Garantie, höchst

wirkungsvoll für Impulsbewässerung) und Dripnet PC (dünn- und dickwandig, an jede

Kultur anpassbar, 3-5 Jahre Garantie, modernste Turbonet - Tropfertechnologie).

Notwendig ist der Einsatz von automatisch rückspülenden Filtern (Sandfilter bei Oberflächenwasser

und Scheibenfilter bei mineralischen Verunreinigungen).

Hinzu kommt die Aquanet – Ventiltechnik in verschiedenen Varianten, die eine hohe

Entfernung zur Steuereinheit ermöglicht und eine geringe Stromaufnahme hat.

Weitere Bestandteile einer automatischen Tropfbewässerungsanlage sind eine Pumpe,

Armaturen, Dosiertechnik (Dosatron D8R), Bypass und Feuchtefühler. NETAFIM bietet

eine neue Steuerungstechnik an. Eine Verbindung zum Büro-PC ist angebracht.

Bei der Frage nach Freilandkulturarten, die momentan mit der Tropfbewässerung

effektiv zu bewässern sind, wurden vor allem Obst, Spargel, Einlegegurken, Kohl und

Kartoffeln genannt. Bei Obst ist durch diese Bewässerung und Fertigation je nach

Bodenart eine Ertragssteigerung von10 – 40 % bei Ertragssicherung in trockenen

Jahren möglich. Die jährlichen Materialkosten für eine Anlage liegen, im vom


Referenten genannten Beispiel (10 ha Apfelanlage, Tropfschlauch UNIRAM 20,

Reihenabstand 3 m, 10 Jahre) bei 281 €/ha (Oberflächenwasser) und bei 258 €/ha

(Brunnenwasser).

Bei Spargel wird der Tropfschlauch Dripnet PC dickwandig bei einem Arbeitsdruck von

0,4 – 2,5 bar bei einer Wasserabgabe von 1,0 bzw. 1,6 l/h empfohlen. Die Verlegung

der Schläuche mit einem Tropferabstand zwischen 30 und 50 cm je nach Boden und

Wasserauslassmenge sollte unterirdisch bei der Pflanzung ca. 10 cm neben der

Spargelwurzel erfolgen. Hierbei ist eine Verbindung von Bewässerung und Düngung

(Fertigation) empfehlenswert, da die Steuerung der Zufuhr gegenüber der Überkopfberegnung

kalkulierbar ist und dem Bedarf der Pflanzen genau angepaßt werden kann.

Bei Einlegegurken und Kohl sollten preiswerte dünnwandige Tropfschläuche genutzt

werden. Die Uniformität ist ausreichend und eine Druckkompensation nicht erforderlich.

Auch bei Kartoffeln ist eine Ertrags- und Qualitätssteigerung sowie die Ertragssicherung

in trockenen Jahren durch Tropfbewässerung gewährleistet. Sie ist dann trotz des

hohen investiven Aufwandes betriebswirtschaftlich vertretbar. Ein dünnwandiger Tropfschlauch

wird bei der Pflanzung mit verlegt. Die jährlichen Materialkosten einer Anlage

liegen beispielsweise bei 10 Jahren Nutzung für 10 ha (Tropfschlauch „Dripnet PC“

dünnwandig) bei 604 €/ha (Oberflächenwasser) und 556 €/ha (Brunnenwasser).

Zusammenfassend wurde die hohe bis sehr hohe Amortisationsrate bei den oben

genannten Kulturen herausgestellt.

In einer Ausstellung wurden von der Firma Friesecke aus Burgdorf verschiedene

Geräte und Materialien aus der Bewässerungstechnik und von der Firma

Schwalenberg vor allem NETAFIM-Produkte vorgestellt. Andere Technikfirmen, wie

z.B. die Fa. Hüdig aus Celle, die Exner-Handels GmbH, AGRO-SAT Baasdorf und die

LGRain GmbH aus Wrestedt waren mit Informationsmaterial vertreten. Einige

Hersteller konnten ihre Maschinen diesmal nicht ausstellen, da die agritechnica in

Hannover aufgebaut wurde.

Die gesamte Veranstaltung konnte als sehr positiv eingeschätzt werden.

Hans - Jürgen Thieme

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