13.10.2011 Lisa ist vier Monate alt und unheilbar krank zur Welt ...

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13.10.2011 Lisa ist vier Monate alt und unheilbar krank zur Welt ...

Palliativmedizin - Das Sterben erleichtern

Neues Team ist auf Kinder-Versorgung spezialisiert

13.10.2011

Quelle: Neuburger Rundschau (Barbara Würmseher)

Lisa ist vier Monate alt und unheilbar krank zur Welt gekommen. Sie leidet unter der genetisch

bedingten Epidermolysis bullosa hereditaria, bei der sich die Haut in großen Fetzen ablöst und

Blasen bildet. Kinder mit dieser Diagnose sterben meist im ersten Lebensjahr. Nachdem Lisa

stationär in der Kinderklinik St. Elisabeth behandelt worden ist, darf sie zu ihrer Familie heim und

wird dort ambulant palliativmedizinisch weiter versorgt.

Speziell ausgebildete Ärzte, Kinderkrankenschwestern und Sozialpädagogen kommen zu ihr,

lindern ihre Schmerzen und pflegen sie. Schließlich stirbt das kleine Mädchen zuhause im Kreis

seiner Familie. Ein Seelsorger hilft Eltern und Geschwistern bei der Trauerarbeit. Lisas Fall steht

symptomatisch für Schicksale, wie sie jährlich über 600 Kindern in ganz Bayern passieren. Etwa 20

Mädchen und Buben davon stammen aus der Region 10.

Jetzt gibt es unter dem Dach von Elisa, dem Verein zur Familiennachsorge, ein neues Team von

speziell ausgebildeten Fachkräften, das in solchen Fällen den Betroffenen und ihren Angehörigen

mit der gebotenen Kompetenz zur Seite stehen will. Zusammen mit der Kinderklinik St. Elisabeth,

dem Zentralklinikum Augsburg, dem Bunten Kreis Augsburg, dem Kinderhospiz Bad Grönenbach

und der Kinderklinik Memmingen deckt dieses spezialisierte Palliativ-Care-Team die Versorgung

für das Gebiet Schwaben- Mittelbayern ab.

Für die Region 10 sind zwei Mediziner, vier Kinderkrankenschwestern, zwei Sozialpädagoginnen

und ein Seelsorger in solchen Krisensituationen da. „Ein Kind zu verlieren, ist das psychologisch

schlimmste Erlebnis im Leben“, sagt Oberarzt Dr. Florian Wild, der die häusliche Versorgung in

dieser traumatischen Situation im Sinne der pädiatrischen Palliativversorgung als die beste ansieht.

„Daheim zu sterben ist ein Wert an sich und bringt den Familien ein besseres Auskommen.

Trotzdem sind wir keine Todesengel. Wir behandeln und begleiten kranke Kinder oft über viele

Jahre bis hinein ins Erwachsenenalter.“

Die Palliativversorgung von Kindern erfordert mehr ärztliche Präsenz, als die von Erwachsenen und

zusätzliche Spezialisierung. Das Bayerische Sozialministerium hat im April 2008 den Auftrag

gegeben, flächendeckend diese Versorgung einzurichten. Auch bundesweit wird das Programm

umgesetzt. „Es gibt 250 Kinderkrankenhäuser in Deutschland“, so Oberarzt Wild, „und ich bin stolz

darauf, dass wir bei den ersten zehn mit dabei sind.“

Für Renate Fabritius-Glassner liegen die Vorzüge des neuen Palliativ- Teams ebenfalls klar auf der

Hand: „Die Kontinuität der Betreuung schafft bei Eltern und Kindern Vertrauen in

Krisensituationen. Und wir bringen die Kompetenz nach Hause, anstatt dass das Kind zur

Kompetenz kommen muss.“

Das Team der spezialisierten ambulanten pädiatrischen

Palliativversorgung in Neuburg (von links): Renate Fabritius-


Glassner (Geschäftsführerin Elisa), Petra Hille

(Kinderkrankenschwester), Hans Schöffer (Klinikseelsorger),

Birgit Schiedermeier (Pflegedienstleiterin), Dr. Florian Wild,

Simone Lang (Sozialpädagogin) und Dr. Malte Bräutigam. Zwei

weitere Mitarbeiter fehlen auf dem Foto. Foto: B. Würmseher

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