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Dr. Gisela Felten - ID55

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ID55 ANDERS ALT WERDEN EHRLICHE HAUT Held und Hoffnungsträger: Theo Steegmann (56) – immer gemeinsam, immer mit Freunden, immer für Duisburg Von Ulrich Schilling-Strack Fotos: Marco Stepniak Wer mit Theo Steegmann durch Duisburg geht, muss Zeit mitbringen. Kaum ein Schritt ohne einen freundlichen Gruß, kaum ein Halt an der Fußgängerampel ohne ein herzliches Gespräch. Der Mann ist nun mal bekannt in seiner Heimatstadt, aber keinesfalls wie ein bun ter Hund: Respekt ist es, was seine Mitbürger ihm entgegenbringen, Vertrauen, Zuneigung. Theo Steegmann (56) freut sich darüber, er genießt das, falsche Bescheidenheit ist ihm offenbar wie alles Verbogene fremd. Es ist ihm nicht unangenehm, wenn seine Duisburger ihm auf die Schulter klopfen, auch wenn er sich manchmal fragt, wie Keine Schönheit, aber ein Zuhause: Theo Steegmann kämpft für sein Duisburg – eine lebendige Stadt der Bürger und Kulturen. das eigentlich kommt, dass wildfremde Menschen ihm nach zwei Minuten ihre intimsten Sorgen anvertrauen. Die Angst um den Arbeitsplatz. Die Trauer um einen lieben Angehörigen. Die Probleme mit dem behinderten Sohn. Aber sie ist eben über viele Jahre gewachsen, diese Verehrung, immer wieder neu angeschoben worden vom entschlossenen Auftritt auf der richtigen Seite – und letztlich hat sich Theo Steegmann die Liebe seiner Duisburger deshalb auch redlich verdient. Mit Rheinhausen fing alles an Volksheld ist kein Lehrberuf. Man wird das an der Front des Lebens, beispielsweise auf einer Brücke in Duisburg-Rheinhausen. Mehr als 6.000 Stahlkocher kämpften dort im Dezember 1987 gegen die Schließung ihres Kruppwerks, machten die Straßenverbindung zwischen Rheinhausen und Hochfeld dicht. Unterstützt von Hunderttausenden aus dem ganzen Ruhrgebiet, blockierten sie den ganzen Winter über die Brücke, trugen ihren Protest außerdem weiter auf die A40 und in die Villa Hügel in Essen, wo die Krupp-Verwaltung residierte. 160 Tage lang, und 160 Nächte. Immer vorne dabei: Theo Steegmann. Fünfmal in der Tagesschau 160 Tage und 160 Nächte sind eine lange Zeit auf einer Brücke über dem Rhein, und da braucht es schon einen wie Steegmann, der in den kleinen Stunden des Zweifels den anderen Mut macht und bei den großen Auftritten das ganze Land mitreißt. „Fünfmal waren wir mit unserem Kampf damals der Aufmacher in der Tagesschau“, erzählt er heute stolz, und viele erinnern sich auch heute noch jenseits der Duisburger Stadtgrenzen an den Mann mit den tiefen Falten im Gesicht und der markanten Bassstimme, die einen Gegner mächtig durchschütteln kann. Ehrgeiz und Temperament Nicht jeder Kampf endet mit einem strahlenden Sieg. 1993 wurde das Werk in Rheinhausen dann doch geschlossen, aber als komplette Niederlage will Steegmann das nicht werten: „Keiner wurde arbeitslos!“ Auch er nicht. In einer Qualifizierungsgesellschaft kümmerte sich Steegmann um die Kollegen und schloss sich bei diesem Auftrag selbst nicht aus. Nach der Arbeit wurde eben studiert, neues Wissen angeeignet, und auch deshalb steht heute „Theodor W. Steegmann - Teamleiter Zentrale Weiterbildung bei Thyssen- Krupp Nirosta“ auf seiner Visitenkarte. Ein ansehnlicher Aufstieg für einen gelernten Stahlkocher, den Ehrgeiz und Temperament, nicht Geltungssucht und Egoismus unter Dampf halten. Nah auf die Pelle rücken Es ist aber dabei auch nicht von Nachteil, wenn man eine große Klappe hat. In der Ecke sitzen und zuschauen, das ist nun mal nicht das Ding von Theo Steegmann. Mit 14 war er Klassensprecher, der Zeit als Messdiener folgte der damals übliche Abstecher zu einer kommunistischen Sektierergruppe, danach Eintritt in die IG Metall, Anschluss an die SPD, aber alles immer in kritischer Distanz. „Die SPD hat mich auch schon mal rausgeworfen, weil ich irgendwann mal zur Wahl der Grünen aufgerufen habe“, erzählt er, begleitet von seinem dröhnenden Lachen, das zeigt, dass ihn so was nicht gerade aus der Bahn geworfen hat. Heute hat er wieder ein Parteibuch, aber als typischen Soldaten kann man ihn eigentlich nicht bezeichnen. Im jüngsten Kampf – und einer wie Steegmann geht so etwas prinzipiell nicht aus dem Weg – ist er doch der etablierten Politik ziemlich nahe auf die Pelle gerückt, und das hat Spuren hinterlassen. 6 Und dann kam die Loveparade Als Steegmann schon ein wenig ans Private dachte, sich immer öfter auch um das schöne, alte Haus in Rheinhausen kümmerte, in dem er mit seiner Frau („Die Annegret habe ich übrigens damals auf der Brücke in Rheinhausen kennengelernt, aber dafür muss ich dem Cromme, dem damaligen Krupp-Chef, doch nicht dankbar sein, oder?“) und den beiden erwachsenen Kindern lebt, geschah die Tragödie bei der Loveparade. 21 Menschen wurden im Sommer 2010 am Rande des Festivals zu Tode gedrückt, wohl kein anderes Unglück in Deutschland hat in den letzten Jahren so tiefe Wunden geschlagen. Steegmann hatte damals seinen Sohn zum Duisburger Festgelände gefahren. Als er wieder zu Hause war, sah er im Fernsehen die ersten Bilder vom Unglücksort. Versuchte sofort, den Sohn auf dem Handy zu erreichen, dutzende Male, hunderte Male, ohne Erfolg, weil die Funknetze zusammengebrochen waren. Er dachte: So nicht! Doch es war nicht die persönliche Sorge um den Sohn, der spät am Abend unversehrt zurückkehrte, die Steegmann einmal mehr an die Spitze einer riesigen Protestbewegung schob, nicht die Rache an den vermeintlich Verantwortlichen, nicht die Suche nach einem Sündenbock. „Das war mir zu billig, sofort auf den Oberbürgermeister einzuprügeln.“ Doch dann duckte sich Adolf Sauerland einfach weg aus der Verantwortung, schwieg zu den Vorwürfen, wollte die Sache wohl aussitzen, gab später sogar ein teures Gutachten in Auftrag, das den Gegnern den Wind aus den Segeln nehmen sollte, und Steegmann dachte: So nicht! Ein bunter Vogel: Unter dem Denkmal „Life Saver“ von Niki de Saint Phalle sammelten Theo Steegmann und seine Mitstreiter erfolgreich Unterschriften für die Abwahl von OB Adolf Sauerland.

7 ANDERS ALT WERDEN ID55 Ein Gesicht mit Geschichte(n): Seine Neugier auf Menschen und seinen Mut zur Veränderung hat Theo Steegmann auch im Alter von 56 Jahren nicht verloren. Neuanfang nur ohne Sauerland Als Mitbegründer der Initiative „Neuanfang für Duisburg“ trat Steegmann einen Monat nach dem Unglück erstmals wieder an die Öffentlichkeit. „Ich schämte mich für meine Stadt, die zuletzt immer nur durch Negativ-Schlagzeilen Aufsehen erregte“, sagt er. Mafia-Morde, Bandidos- Krieg, und jetzt noch das Drama an der Rampe des alten Güterbahnhofs: „Es musste was passieren, und ein neuer Start war nur ohne Sauerland möglich!“ Mehr als ein Jahr sammelte die Initiative Unterschriften für eine Abwahl. Immer dabei: Theo Steegmann. In jeder freien Minute kämpfte er für die Sache, und jeden Samstag stand er in der Fußgängerzone, und zwar an einem besonderen Platz. Über dem Brunnen in der Königstraße wacht ein großer bunter Vogel. Der Vogel würde gerne fliegen, doch eine Figur aus Abfällen krallt sich an ihm fest und verhindert die Erfüllung seines Traums. „Life Saver“, Lebensretter, heißt das Kunstwerk von Niki de Saint-Phalle und Jean Tinguely, und das fanden Theo Steegmann und seine Mitstreiter so passend, dass sie den bunten Vogel zum Symbol einer Bewegung machten, die mit einem Triumph endete. Historisches Verfahren ohne beispiel Am 12. Februar 2012 wurde Adolf Sauerland von den Duisburgern abgewählt. 90.000 Menschen hätten an die Urne gehen müssen, eine hohe Hürde in einem historischen Verfahren ohne Beispiel, wie alle Beobachter zweifelnd anmerkten. Mehr als 130.000 schlugen sich am Ende auf die Seite der Sauerland-Gegner, ein strahlender Sieg auch für Theo Steegmann. Noch in der Nacht, als die anderen feierten, richtete Steegmann den Blick nach vorn. Und vergaß dabei den Verlierer nicht. „Ich hoffe, dass Adolf Sauerland da Nie aufhören: Für die Rettung des Duisburger „Traumzeiter“-Festivals komponierte Steegmann-Sohn Jan eine kämpferische Hymne, die der Vater gerne präsentiert. menschlich durchkommt, dass er Freunde hat, die ihm aus dem Loch heraus helfen.“ Nicht jeder hat das Mitgefühl auf Anhieb verstanden, wo doch der Überschwang des Triumphs die Szene bestimmte, aber auch dieser Blick aufs Große und Ganze, der den unterlegenen Gegner durchaus einschließt, gehört zu Theo Steegmann. Ich will nicht persönlich profitieren Aber keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran. „Du musst das machen, Theo, du musst jetzt neuer Oberbürgermeister werden und der Stadt wieder ihr Herz zurückgeben,“ drängten ihn die Weggenossen immer wieder. Doch Steegmann hatte gleich zum Auftakt der Kampagne sein Wort gegeben: „Ich will nichts werden, ich will mich nicht profilieren, ich will nicht von der Arbeit der vielen Freunde in der Initiative persönlich profitieren.“ Auch die Mitgliedschaft in der SPD hatte er in dieser Zeit ruhen lassen, damit ihm keine parteipolitischen Interessen vorgeworfen werden konnten. „Ich brauche das alles nicht mehr, ist ja eigentlich schon genug passiert in meinem Leben“, sagte er auch in den ersten Interviews nach dem Triumph im Februar. Neuanfang trotz Ruhestand Doch die Ereignisse rund um die Tragödie der Loveparade haben Steegmann am Ende mehr verändert, als er sich das zunächst ein gestehen wollte. Noch vor einem Jahr, da hatten sich die ersten Gedanken an die Zeit nach dem Abschied aus dem Berufsleben immer öfter angeschlichen. Das Haus in Rheinhausen ist jetzt 110 Jahre alt. Da geht auch schon mal was kaputt, gerade noch der Heizkessel! Und der Garten, ist ja immer was. Mehr Zeit mit Ehefrau Annegret verbringen, die als Künstlerin zum Glück immer schon

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