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„Und eine Kunst ward wieder modern, der das abstrakte

Gesetz höher steht als das subjektive...“

Der Kunsthistoriker Wilhelm Worringer sah 1911

in den gerade aktuellen Tendenzen zur Abstraktion

die Überwindung eines zur Unerträglichkeit gesteigerten

Individualismus und Subjektivismus seit der

Renaissance. Die Kunst der Expressionisten – dem

Wesen nach der Gotik verwandt, so Worringer – bot

die Möglichkeit zur Rückkehr zu einer allgemein verbindlichen,

modernen Kunstauffassung.

„Moderne“ also nichts anderes als ein „Zurück in die

Zukunft“? Was ist mit jener Moderne, die sich von

aller Tradition losgesagt hat und sich ausschließlich

über ihren Gegenwartsbezug definiert? Die Antworten

darauf sind so vielfältig, wie es die unterschiedlichen

„Stile“ innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts

sind. Bereits Paul Valéry unterschied in den 1930er

Jahren zwischen dem, was gerade „modern“ ist und

der „Moderne“. Wo beginnt „die Moderne“ und wann

endet sie? Und was folgt auf sie? Fragen, deren Beantwortung,

je nach Blickwinkel, höchst unterschiedlich

ausfallen kann.

Auch unsere Ausstellung will keine Erklärungsmodelle

abliefern für vermeintliche Fortschritte und Irrwege.

Ganz im Sinne unserer Depot-Werkschauen bietet sie

stattdessen einen Überblick über die selten gezeigten

Bestände des 20. Jahrhunderts im Mittelrhein- Museum

Koblenz. Gleichzeitig erlaubt unser „Panorama“ einen

interessanten Einblick in die Sammlungsgeschichte

des Hauses: So ist es sicher kein Zufall, dass die stürmischen

Jahre des Expressionismus nur mit wenigen

Exponaten – „Dada“ gar nur mit einem – vertreten

sind, „Ecole de Paris“ und die „Konkreten“ dagegen

einen kompletten Ausstellungsraum beanspruchen

können!

„In jedem Bildwerke soll und muß die Form der Idee

dienen...“

Am Beginn unserer Ausstellung stehen „Nazarener“ und

„Düsseldorfer Akademie“. Horte des Konservativen?

Gerade die Kunst der Nazarener hat in den letzten Jahren

eine deutliche Umwertung erfahren. Nicht mehr die

„mittelalterliche“ Form, das „Süßliche“ steht im Mittelpunkt

des Interesses, sondern die Radikalität mit der die

Künstler die Idee, den Gedanken der sichtbaren Erscheinung

überordnen. Ihr Rückgriff auf „primitive“ Kunstäußerungen,

ihre Konzeptualisierung des Bildinhaltes verweist

bereits in die Moderne. Ihre Kritik an einer „Stilkunst“

nimmt die Formdebatte des frühen 20. Jahrhunderts

bereits vorweg.

Wenige Jahre später steht auch die Düsseldorfer Akademie

in der Kritik: Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts

ein Sammelbecken fortschrittlicher Kräfte, wirkt sie den

„Jungen“ nunmehr als Hort des Erstarrten, ihre Kunstauffassung

als hohles Pathos. Die Fresken etwa von Peter

Janssen für die Aula der Akademie sind letzte Vertreter

einer in Düsseldorf wiederbelebten Monumental malerei.

An deren Stelle ist längst die Begeisterung für die Freilichtmalerei

à la Barbizon und den Impressionismus getreten.

Der Farbe als höchstem Ausdrucksmittel wird von

nun an die Zukunft gehören!

Dass auch innerhalb der Akademien um das Neue

gerungen wird, zeigt in unserer Depot-Werkschau

nicht nur Janssens „Heimführung der Braut“, die seine

Beschäftigung mit malerischen Ausdrucksformen der

Impressionisten deutlich macht, auch Franz Kiederichs

„Heiliger Martin“ und Franz Hochmanns „Fuhrmann“ experimentieren

mit Mitteln der Symbolisten und Realisten.

„Nur ein Auge, aber was für ein Auge...“

Als Reaktion auf akademische Abhängigkeiten entstanden

überall in den großen Kunstzentren sezessionistische

Verbände. Zwei frühe Arbeiten des Berliners

William Straube zeigen mit ihrer fast monochrom verhaltenen

Farbigkeit deutlich jenen Einfluss der Berliner

Secession um Walter Leistikow. Dagegen waren der

Koblenzer Hanns Sprung und der Norddeutsche Emil

Nolde zunächst fasziniert von den Neo-Impressionisten

und Vincent van Gogh.

Der Idealismus des 19. Jahrhunderts – längst nicht

nur ein nordisches, gar deutsches Phänomen – hatte

die uralte Frage nach der „Wirklichkeit der sichtbaren

Welt“ erneut in den Mittelpunkt künstlerischer Auseinandersetzungen

gerückt, die im Streit von „Realisten“

und „Idealisten“ gipfelten. Eine überraschende Antwort

gab der Impressionismus: Er verlegte das Problem

vom Gegenstand in das sehende Auge des Betrachters

und des Künstlers. Das Auge wird zum Instrument

und vollzieht erst die Mischung möglichst reiner

Grundfarben. Es nimmt Farben und Linien wahr,

doch es urteilt nicht, weder moralisch noch nach anderen

Wertkategorien. Nun werden auch scheinbar

belanglose Motive „kunstwürdig“. Entscheidend ist die

subjektive Wahrnehmung des Künstlers wie des Betrachters.

Besonders in Friedrich Ströhers „Rückenakt“,

aber auch in Sprungs „Bildnis des Malers Martin“ begegnet

den Besuchern des Mittelrhein-Museums eine

gar nicht so provinzielle Auseinandersetzung mit jenen

in Frankreich erprobten, neuen malerischen Mitteln,

während Noldes „Rheinlandschaft“ bereits dessen

expressive Kraft voraus ahnen lässt.

„Das siegesbewußte himmelstürmende Pathos des jungen

Individualismus ist kläglich zusammengeschrumpft...“

Die Kritik an der Kunst der Impressionisten ließ nicht lange

auf sich warten und kam von unterschiedlichsten Seiten.

Während die Kunstkritik ihnen ästhetischen Formalismus

vorwarf, bemängelten die Akademien die Oberflächlichkeit

ihrer Motive. Dass ihre Werke trotzdem beim Publikum

Begeisterung hervorriefen, führte in den Jahren vor

dem 1. Weltkrieg in Deutschland zusätzlich zu Warnungen

vor einer „Überfremdung“ durch französische Vorbilder.

Vor allem aber ein zeittypischer Kulturpessimismus sah

im Impressionismus das Ende einer auf Individualismus

und Subjektivität ausgerichteten Entwicklung der Neuzeit.

Zunehmende Erkenntnis bereichere die Menschen

nicht, sondern stifte zunehmend Verwirrung, so die Überlegung

etwa Wilhelm Worringers. Ein daraus resultierendes

Armutsgefühl suche bewusst die Kunst des Primitiven

und Naiven. Bereits zuvor hatten sich in Frankreich

Paul Cézanne und Henri Matisse von den Impressionisten

entfernt. Vor allem Matisse verlangte Ausgeglichenheit

durch Vereinfachung der Formen statt ihrer Auflösung

im Licht. 1901 lernte der mittlerweile in Koblenz tätige

Straube Matisse kennen. Wie sehr ihn diese Begegnung

beeindruckt hat, zeigt anschaulich sein „Frauenakt“ sowie

ein früher Akt seines Schülers Herm Dienz, der später

mit Straube zusammen dem Kreis der „Rheinischen

Expressionisten“ angehörte.

Zahlreiche Maler – auch Matisse besuchte 1906 Algerien –

fanden eine Bestätigung in der Kunst Nordafrikas und

des Nahen Ostens. Vor allem aber die Reduktion auf geometrische

Formen in der islamischen Architektur und

das harte Licht des Südens, das kein Zerfließen der Form

zulässt, wurden zur Inspirationsquelle nicht nur für die

rheinischen Expressionisten, die wie August Macke und

Paul Klee den Orient aufsuchten.

„So steht der Erbe vor dem Haus des sterbenden

Besitzers...“

Seinen endgültigen Durchbruch erlebte der Expressionismus

nach dem 1. Weltkrieg: Er wurde zur herrschenden

Stilrichtung, die sogar einstige Gegner begeisterte. Das

Trauma des Krieges hatte endgültig den Glauben an

das Individuum und dessen unendlichen Fortschritt ins

Wanken gebracht. In Koblenz gründeten Künstler 1922

die Vereinigung „Das Boot“. Deren expressive Ausrichtung

belegen neben Dienz‘ „Porträt des Komponisten

Mackeben“ und Hans Dornbachs Landschaften vor allem

zwei Blätter des fast vergessenen Phil Dott.

Doch kaum zeigte sich der Erfolg, warnten kritische

Stimmen vor einer Verwandlung in leicht verdauliche

Unterhaltungskost. Konservative Stimmen warfen dem

Expressionismus genau das vor, was er überwinden

wollte: Ein Abgleiten in ungezügelten Individualismus!

Neben der weiterhin aktuellen Abstraktion, entstand

überall in Europa eine neue Welle des Realismus. Geprägt

von den Erfahrungen des Krieges und dessen sozialem

Elend und mit den zuvor erprobten Mitteln der

Expressionisten, Kubisten, Fauves und anderen suchten

Künstler Antworten, aber auch eine neue Ordnung mit

realistischen Ausdrucksformen.

Noch die Diskussion zu Beginn des Nationalsozialismus

um die „deutsche“ Kunst zeigt die unterschiedlichen

Auffassungen: Ob seiner Distanz zum „französischen“

Impressionismus und seiner „gefühlten“ Ordnung befürworteten

selbst hochrangige National sozialisten den

Expressionismus, bevor ein romantisierender Pseudo-

Realismus zur Staatsdoktrin erhoben wurde. Landschaftsmalerei

rückte an die erste Stelle. In ihr – so die offizielle

Meinung – ließe sich die deutsche Seele am besten

ausdrücken. Aber sie war auch das Genre, das den

Malern erlaubte, künstlerisch tätig zu sein, ohne allzu

deutlich Stellung beziehen zu müssen.

„Weder impressionistisch aufgelöst noch expressionistisch

abstrakt, weder sinnenhaft äußerlich noch rein

konstruktiv innerlich...“

Die zahlreichen „Gesinnungskunstwerke“ und die Dominanz

der nicht-gegenständlichen Kunst nach 1945 lassen

häufig die Vielfalt der „Realismen“ zwischen den Weltkriegen

in Vergessenheit geraten. Schon 1923 hatte der

Direktor der Mannheimer Kunsthalle, Gustav Hartlaub,

mit dem oben zitierten Aufruf den Beginn der sogenannten

„Neuen Sachlichkeit“ initiiert, deren Vertreter eine unsentimentale,

aufs Alltägliche gerichtete Darstellung bevorzugten,

wie die Werke Alfred Kiehls im Mittelrhein-

Museum belegen.

Damit „versachlichten“ sie jenen sozialen Realismus, der

nach 1918 „ganz nah beim Volke“ sein wollte und die

Lebensumstände der Zeitgenossen in das Augenmerk

der Kunst gerückt hatte.

Vor allem unter jenen Künstlern, die nach 1933 verfolgt

wurden oder Deutschland verlassen mussten, befanden

sich einige, die sich weiter sozialen Anliegen widmeten.

So besitzt das Mittelrhein-Museum zum Beispiel umfangreiche

Werke des Koblenzer Künstlers Carl Meffert, der

sich nach seiner Emigration Clément Moreau nannte.

Noch in Deutschland ein entschiedener Vertreter eines

radikalen Verismus, wandelt sich sein Schaffen im südamerikanischen

Exil zu einem sozialen Realismus, als

dessen Hauptvertreter der mexikanische Maler Diego

Rivera gilt.

Dass trotz nationalsozialistischer Malverbote expressionistische

und kubistische, ja selbst die malerischen Mittel

der Fauves weiter entwickelt wurden, wird deutlich an den

erst nach dem 2. Weltkrieg entstandenen Arbeiten Johann

Georg Müllers, Alexander Mohrs und Pitt Kreuzbergs.

Europabrücke

Moselring

Hbf

Mosel

Löhrstr.

Balduinbrücke

Mittelrhein-Museum

Florinsmarkt

Friedrich-Ebert-Ring

Peter-Altmeier-

Deutsches Eck

Ufer

Ludwig

Museum

Konrad-Adenauer-Ufer

Rhein

Pfaffendorfer

Brücke

Festung

Ehrenbreitstein

Landesmuseum

Mutter-

Beethoven-

Haus

Mittelrhein - Museum Koblenz

Florinsmarkt 15 - 17, 56068 Koblenz

Telefon: 0261-129 2520

Verwaltung: 0261-129 2502

Fax: 0261-129 2500

info@mittelrhein-museum.de

www.mittelrhein-museum.de

Öffnungszeiten

Dienstag bis Samstag von 10.30 bis 17.00 Uhr

Sonn- und Feiertage von 11.00 bis 18.00 Uhr

Karfreitag geschlossen

Eintritt

2,50 €, ermäßigt 1,50 €

Schüler und Mitglieder des Vereins der Freunde des

Mittelrhein - Museums und des Ludwig Museums zu

Koblenz e.V. haben freien Eintritt.

Eröffnungsveranstaltungen

Alle Ausstellungseröffnungen sind öffentlich. Die zur

Eröffnung gelöste Eintrittskarte berechtigt zu einem

weiteren Besuch des Museums. Zu den Eröffnungsveranstaltungen

besteht die Möglichkeit, auf dem

Florinsmarkt zu parken.

Führungen und museumspädagogische Angebote

für Schulen und Gruppen nach Vereinbarung.

Auskünfte und Anmeldungen: Dr. Claudia Heitmann,

Tel. 0261–129 2511

Begleitprogramm und sonstige Veranstaltungen

Dipl. Päd. Nora Löhr, Tel. 0261–129 2511

Presseinformationen

Dr. Dieter Marcos, Tel. 0261-129 2509

Mit freundlicher

Unterstützung von:


„So wird neben die Naturwelt eine neue Kunstwelt

gestellt – eine ebenso reale Welt, eine konkrete...“

Den Bruch nach 1945, das eigentlich gar nicht mehr

so Neue, die Faszination an einer nicht-gegenständlichen

Kunst, werden im Bestand des Mittelrhein-

Museums greifbar.

Zwar hatte schon Anfang des 20. Jahrhunderts

Wassily Kandinsky den Weg in die Abstraktion beschritten,

doch blieb im Rheinland ein häufig expressiver

Realismus die vorherrschende Richtung. Das

änderte sich mit den kulturpolitischen Bemühungen

der französischen Besatzungsmacht. Ausstellungen

in Mainz machten die Bevölkerung nicht nur mit aktuellen

französischen Tendenzen bekannt, sondern

zeigten auch deutsche Künstler, die im Verborgenen

oder im Exil den Anschluss an die internationale Moderne

gesucht und gefunden hatten.

Zu den bedeutenden in der Koblenzer Sammlung

vertretenen Künstlern jener Zeit gehört, neben Max

Ackermann und Otto Ritschl, der in Bonn geborene Leo

Breuer. Zu Beginn seiner Laufbahn vom Impressionismus

geprägt, führte sein Weg über die Expression zur

nicht-gegenständlichen Kunst. Nach dem Krieg lernte

er in Paris Künstler wie Hans Hartung und Auguste

Herbin kennen und stellte in dem kurz zuvor unter Mitwirkung

von Sonia Delaunay gegründeten „Salon des

Réalités Nouvelles“ aus, der die Nachfolge der 1936

erloschenen Gruppe „abstraction-création“ angetreten

hatte. Unter Herbins Einfluss, der für „reine Farben“

auch „reine Formen“ verlangte, wandte sich Breuer

zunehmend der Konkreten Kunst zu. Der Begriff, der

letztlich auf Kandinsky zurückgeht, bezeichnete seit

1930 eine Kunst, die nicht auf eine Abstraktion nach

Natureindrücken zurückgeht, sondern in der die bildnerischen

Elemente nur sich selbst bedeuten.

„ Kunst verlangt die Schaffung neuer Strukturen...“

Mit über zwanzig Gemälden und zahlreichen Grafiken

von Heijo Hangen beheimatet das Mittelrhein- Museum

eine bedeutende Sammlung eines der wichtigsten

„Konkreten“ Deutschlands. Hangen, in Kreuznach geboren,

beschäftigte sich schon früh mit konstruktiven

Gestaltungs mitteln, bevor er Ende der 1950er Jahre zu

einer regel haft kontrollierten Konkretion gelangte und

schließlich 1969 sein konstantes Modul entwickelte.

Einen ebenso selbständigen Weg abseits der nach dem

2. Weltkrieg dominierenden künstlerischen Richtungen

Tachismus, Informel und Abstrakter Expressionismus wählten

die Künstler, die sich ab Ende der 1950er Jahre der

Monochromie zuwandten und seit 1964 mit dem Begriff

der „nachmalerischen Abstraktion“ charakterisiert

wurden. In der Koblenzer Sammlung wird vor allem in

Aen Sauerborns Werken deren zunehmender Verzicht

auf die Farbe als Gestaltungsmittel deutlich, während

der Mainzer Gustl Stark ab 1960 seine mit Metallkämmen

aufgetragenen Schraffuren mit monochromen Farbflächen

einfasst. Ebenso in der Tradition der konkreten

Malerei wie der Farbpsychologie eines Josef Albers oder

Yves Klein steht der in München lebende Maler Thomas

P. Kausel.

Max Rupps „Bild in Rot und Schwarz“ von 1960 zeigt exemplarisch

die Fähigkeit zur künstlerischen Synthese der

unterschiedlichen Einflüsse auf das rheinland- pfälzische

Kunstschaffen nach dem 2. Weltkrieg: Rupp, anfänglich

von Künstlern wie Singier, Manessier und der Ecole de

Paris beeinflusst – und ebenfalls in der Koblenzer Sammlung

vertreten –, nähert sich später einer systematischen

Bildgeometrie zwischen Konkreter Kunst und Hard-Edge-

Malerei, die eine zunehmende Reduktion der Farbpalette

nicht ausschließt.

„Durch den Inhalt kann sich heute keine Malerei

mehr legitimieren...“

Welchen nachhaltigen Erfolg die französische Kulturpolitik

nach 1945 hatte, lässt sich nicht allein an den

Lebensgeschichten zahlreicher im Mittelrhein-Museum

vertretener Künstler wie Max Rupp und Otto Ritschl

ablesen. Auch die Sammlungspolitik des 1965 am

heutigen Standort wieder eröffneten Hauses spiegelt

die enge Bindung an den westlichen Nachbarn, auch

wenn aufgrund schmaler Budgets die Ankäufe meist

aus dem Bereich der Druckgrafik erfolgten.

Mit Werken von Max Ackermann, Willi Baumeister,

Otto Ritschl und Ernst Wilhelm Nay beherbergt das

Museum einige der Künstler, die bereits 1947 auf der

ersten Ausstellung neuer deutscher Kunst in Rheinland-

Pfalz vertreten waren und die deutlich von der Ecole

de Paris geprägt waren.

Dass daneben auch neueste Tendenzen des Informel

von den Künstlern verarbeitet wurden, zeigen in

der Depot-Werkschau Werke von Fritz Winter und

K.O. Götz von 1954.

Vor allem die 1970er und 80er Jahre führten verstärkt

zum Erwerb amerikanisch beeinflusster Werke der Op-

Art und des Abstrakten Expressionismus.

Vor allem seit Ende der 1980er Jahre zeigt sich in den

Werken der Koblenzer Sammlung die Tendenz zu neuer

Bildhaftigkeit sowie die Rückkehr des Politischen in

die deutsche Kunst. Beispielhaft hierfür mag der Zyklus

des 2007 verstorbenen Malers Jiri Keuthen, „Arbeit

& Brot“ stehen, aus dem das Mittellrhein-Museum ein

Gemälde und mehrere Grafiken besitzt.

„Kunst kennt keine Höflichkeit, Kunst kennt nur brutales

Wollen...“

Ergänzt wird die Depot-Werkschau im Koblenzer

Mittelrhein- Museum durch eine umfassende Präsentation

seiner grafischen Bestände aus dem 20. Jahrhundert,

darunter zahlreiche erstmals der Öffentlichkeit präsentierte

Blätter. Beeindruckend spiegelt die grafische

Sammlung des Museums die jeweils aktuellen Tendenzen

des deutschen Kunstschaffens wieder, angefangen bei

einem deutlich von Oskar Schlemmer inspirierten Blatt

Josef Breuers, expressive Holzschnitt-Arbeiten von Herm

Dienz bis zu den japanisch anmutenden Arbeiten Rolf

Sackenheims.

Auch im Bereich der Druckgrafik weist die Sammlung einige

Kostbarkeiten auf: So etwa Arbeiten Willi Baumeisters,

Hans Hartungs und Günter Fruhtrunks sowie mit Sonia

Delaunay, Maurice Esteve, Fernand Léger und Alfred

Manessier, bedeutende Arbeiten der französischen Schule.

Die italienische Szene repräsentieren druckgrafische

Arbeiten von Alberto Magnelli, Antonio Calderara und

Giuseppe Capogrossi.

„Auffassungsvermögen, recht gutes Können, gepaart

mit großem Fleiße...“

Ergänzend zu der Depot-Werkschau zeigt das Mittelrhein-

Museum ab Ende April als „Ausstellung in der Ausstellung“

das Werk des Idsteiner Malers Ernst Töpfer (1878 -

1955). Töpfers Nachlass kam 1993 nach Koblenz und

umfasst Werke aus allen Schaffensphasen des Künstlers.

Der Maler, der zunächst an der Karlsruher, später an der

Berliner Akademie studierte, nahm sowohl Einflüsse des

Symbolismus und Impressionismus auf und gilt als gewissenhafter

Chronist seiner hessischen Heimat.

Kabinettausstellungen im Historischen Gewölbe

ArchiTextur

Monika Kropshofer: Fotografie-Malerei-Installation

Samstag, 17. April bis Sonntag, 30. Mai

Eröffnung: Freitag, 16. April 19.00 Uhr

In ihrer eigens für das Mittelrhein-Museum konzipierten

Präsentation verbindet Monika Kropshofer

Architektur mit ungewöhnlichen „Texturen“, also Oberflächen

und räumlichen Anordnungen. Die Besucher

werden eingeladen, über die Arbeit hinweg durch

den Raum zu spazieren, Raum zu erfahren und dort

gleichzeitig Spuren zu hinterlassen.

Bis keine Worte mehr sind

Iris Stephan und Ines Braun

Unter der Schirmherrschaft von Fürstin Gabriela zu

Sayn-Wittgenstein-Sayn

Samstag, 19. Juni bis Sonntag, 25. Juli

Eröffnung: Freitag, 18. Juni, 19.00 Uhr

Ines Braun und Iris Stephan arbeiten Raum-Zeit bezogen,

was bedeutet, dass sie sich mit der Geschichte

eines Ortes auseinander setzen. Im Mittelrhein-

Museum fügen sich die Dinge so, dass die Zeit durch

die gleichzeitige Depot-Werkschau eingegrenzt wird

und der Ort das Museum – und seine Aufgabe als

Bewahrer von Kulturgütern – ist. Die Fäden laufen im

Zweiten Weltkrieg zusammen, auf den die Künstler in

ihren Arbeiten Bezug nehmen.

Bilder einer anderen Moderne - Changing Identities

Samstag, 7. August bis Sonntag, 5. September

Eröffnung: Freitag, 6. August, 19.00 Uhr

Bekannt ist, dass zahlreiche Maler der Klassischen Moderne

ihre Inspirationen aus Orient-Reisen bezogen haben.

Weniger bekannt ist dagegen, dass zahlreiche Architekten,

wie Clemens Holzmeister, Bruno Taut, Martin

Elsaesser oder Paul Bonatz über lange Jahre in der Türkei

tätig waren und dort das Bild der jungen Republik entscheidend

mit geprägt haben. Auf der anderen Seite stehen

Namen wie Vedat Tek, Kemalettin Bey und Sedad

Hakkı Eldem, die ihrerseits deutsche Architekten dazu anregten,

sich mit der traditionellen Architektur Anatoliens

auseinander zu setzen. Die Ausstellung folgt diesen Spuren

und beleuchtet ein wichtiges Kapitel deutsch-türkischen

Kulturaustauschs.

Das Mittelrhein-Museum bietet zur Depot-Werkschau

„unsere moderne“ zahlreiche Angebote für jung und alt:

Öffentliche Führung jeden Sonntag um 15.00 Uhr

Vorträge, Konzerte und Veranstaltungen:

Sonntag, 28. März „Koblenz blüht“

Kunstmarkt auf dem Florinsmarkt

11.00 bis 18.00 Uhr (Museum: normaler Eintritt)

Samstag/Sonntag, 24./25. April „Hören trifft Kunst“

Ausstellung von Objekten zeitgenössischer Künstler,

die die Welt der Töne und Klänge thematisieren.

Zum 10. Geburtstag des „Koblenzer HörDialog“

ganztägig, Eintritt frei (Ausstellung „unsere moderne“

normaler Museumseintritt)

Mittwoch, 19. Mai „Johann Georg Müller“

Präsentation des neuen Werkverzeichnisses und der verkäuflichen

Druckgrafiken mit Werner Scholzen

Beginn: 19.00 Uhr, freier Eintritt

Sonntag, 27. Juni „umwerfend modern“

Konzert mit dem Pianisten Peter Dicke (Königswinter)

Beginn 18.00 Uhr, Eintritt 8,00 €

Mittwoch, 25. August „Eine kritische Revision“

Vortrag von Prof. Hans Hollaender (Berlin)

Beginn: 19.00 Uhr, Eintritt 5,00 €

Für Kinder und Jugendliche:

Donnerstag, 22. April „Blaues Pferd und Gelbe Kuh“

Malworkshop für Kinder mit Ausstellungsbesuch

15.00 bis 16.30 Uhr, Materialkosten 5,00 €

Weitere Termine für Schulklassen nach Absprache!

Sonntag, 29. Mai „Koblenz spielt“

Mal- und Werkelspaß auf dem Florinsmarkt

10.00 bis 18.00 Uhr (Museum: normaler Eintritt)

Über das Programm zum Internationalen Museumstag,

zur Langen Nacht der Museen und weitere Veranstaltungen

im MRM informiert Sie aktuell unsere Website:

www.mittelrhein-museum.de

unsere moderne

ein jahrhundert ringen

um modernität

Eine Depot-Werkschau

27. März – 5. September 2010

Mittelrhein-Museum Koblenz

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