Ernährung - IPP - Universität Bremen

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Ernährung - IPP - Universität Bremen

IM FOKUS

Ernährung

INHALT

Entwicklungen im Zentrum | Seite 2

Schwerpunktthema Ernährung | Seite 2 – 11

Promotionen | Seite 12

Personalia | Seite 2, 13

Neues aus dem Studiengang | Seite 13

Publikationen | Seite 5, 10, 14

Tagungsberichte | Seite 15

Veranstaltungen | Seite 8, 16

ERNÄHRUNG UND PUBLIC HEALTH

Heute ist wissenschaftlich belegt, dass in Europa

die Ernährung zu etwa 20 bis 40% an der Entstehung

der wesentlichen Gesundheitsprobleme

beteiligt ist. Der Stellenwert der Ernährung im Hinblick

auf Gesundheit und Krankheit wird dennoch

häufig unterschätzt, obwohl epidemiologische Studien

das Präventionspotenzial der Ernährung eindrucksvoll

zeigen.

Ernährung ist mehr als der Verzehr von

Lebensmitteln. Essen und Trinken haben neben der

reinen Nahrungsaufnahme viele andere Funktionen

– so stellt Essen oft einen wichtigen Rahmen

für Kommunikation dar, wie z.B. bei Familienfesten

oder Geschäftsessen. Essen kann auch als Statussymbol

dienen – dies zeigt sich nicht nur dann,

wenn besonders teure Lebensmittel konsumiert

werden, sondern bereits im Kindes- und Jugendalter

werden Speisen und Getränke hinsichtlich geltender

Modetrends ausgewählt. Und schließlich

kann Essen auch als Ersatz dienen, wie die vermehrt

auftretenden Essstörungen belegen. Ernährung

ist somit ein untrennbarer Teil der gesamten

Lebensweise.

3. Jahrgang · Herbst 2003 · Ausgabe 04

zph-info

Künftige Ernährungs-Konzepte, insbesondere für

den Präventionsbereich, müssen daher im Kontext

von Ernährungsepidemiologie, Gesundheitsförderung

und Public Health stehen und einen multidisziplinären

Ansatz haben! Dabei wird nicht nur auf

das individuell bedingte Ernährungs- und Gesundheitsverhalten

abgezielt. Vielmehr müssen die alltäglichen

Lebenszusammenhänge, Alter und Geschlecht

sowie das sozioökonomische und kulturelle

Umfeld mit berücksichtigt werden. Gerade die

Public-Health-Perspektive ermöglicht es, diese Forderungen

umzusetzen. Daraus hat sich in Deutschland

jüngst die Verbindung zwischen Gesundheitswissenschaft

und ernährungswissenschaftlicher

sowie ernährungsepidemiologischer Forschung

ergeben, der Bereich Public Health Nutrition.

Unter Public Health Nutrition wird im Allgemeinen

die Förderung, Erhaltung und Wiederherstellung

der physischen, psychischen und sozialen

Gesundheit über die Ernährung sowie die grundlegende

Verhütung von ernährungsmitbedingten

Erkrankungen in der Bevölkerung verstanden.

Public Health Nutrition beinhaltet folglich einen

Zentrum für Public Health

Universität Bremen · Fachbereich 11

Human- und Gesundheitswissenschaften

großen Teil anwendungs- und gesellschaftsorientierter

Ansätze und setzt auf Interdisziplinarität,

um die gesteckten Ziele erreichen zu können. Das

Bremer Zentrum für Public Health bietet aufgrund

der multidisziplinären Zusammensetzung ideale

Voraussetzungen dafür.

Zukünftig wird es besonders darum gehen, die

im Rahmen von ernährungsepidemiologischen

Studien ermittelten und auf Evidenz beruhenden

Empfehlungen zielgruppenspezifisch und handlungsorientiert

in die Lebensweise der Bevölkerung

zu integrieren.

Nutzen wir diesen neuen Ansatz – das Dach

des Bremer Zentrums für Public Health bietet dazu

die Chance! Die nachfolgend dargestellte Auswahl

an Beiträgen zeigt bereits beispielhaft, wie vielfältig

das Handlungsfeld Ernährung unter Public

Health Aspekten betrachtet werden kann und welche

Forschungsperspektiven es bietet.

Dr. oec. troph. Cornelia Heitmann MPH, Bremer Institut

für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS),

Linzer Str. 8-10, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 5959-636,

Mail: heitmann@bips.uni-bremen.de


zph-info Ausgabe 04/03

ENTWICKLUNGEN IM ZENTRUM

Public Health und Ernährung

im Zentrum für Public Health (ZPH)

DIE ARBEITSGRUPPE ERNÄHRUNG UND PUBLIC HEALTH STELLT SICH VOR:

Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen

im Gesundheitswesen – u.a. die geplante Einführung

des Präventionsgesetzes – sowie angesichts

der methodischen Fortschritte in der Ernährungsepidemiologie

soll durch die Bildung einer Arbeitsgruppe

Ernährung und Public Health (Public Health

Nutrition) die regionale Kompetenzbündelung ausgebaut

werden.

In Bremen werden bereits seit vielen Jahren Maßnahmen

mit dem Schwerpunkt Ernährung durchgeführt

(z.B. Deutsche Herz-Kreislauf Präventionsstudie,

Verbesserung der Ernährungssituation in

Kindertagesstätten, Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung

in Seniorenheimen). Diese

öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten und deren

Anerkennung haben entscheidend mit dazu beigetragen,

wichtige regionale Kooperationsstrukturen

aufzubauen. Dabei hat sich gezeigt, dass das

Handlungsfeld Ernährung unter Public-Health

Gesichtspunkten gut geeignet ist, einen Transfer

zwischen Wissenschaft und Praxis herzustellen. Die

Arbeitsgruppe ist angesiedelt im Bremer Institut

für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS).

Seit langem wird in unserem Gesundheitssystem

die Qualität der medizinischen Versorgung diskutiert,

so soll z.B. mit Disease Management Programmen

vor allem das Behandlungsergebnis bei

chronischen Erkrankungen wie Diabetes, koronare

Herzerkrankungen und Krebs verbessert werden.

Die Effizienz zu optimieren und Über-, Unter- und

Fehlversorgung zu minimieren sind wesentliche

Ziele. Gleichzeitig sollen aber auch mit Hilfe von

Prävention und Gesundheitsförderung alle Möglichkeiten

genutzt werden, Krankheiten gar nicht

erst entstehen zu lassen oder zumindest die Häufigkeiten

von neuen Erkrankungen zu verringern.

Ein Präventionsgesetz soll dieses Ziel erstmals in

der Bundesrepublik Deutschland festschreiben, das

Forum Prävention oder eine entsprechende Stiftung

sollen die Umsetzung dieser Ziele aktiv unterstützen

und wissenschaftlich evaluieren. Damit

Derzeit setzt sie sich zusammen aus Prof. Dr. Petra

Kolip, zwei Ernährungsmedizinischen Beraterinnen/DGE,

Helga Strube und Heidegret Bosche

sowie einer Diplom Ökotrophologin FH Wiebke von

Atens-Kahlenberg unter der Leitung von Dr. oec.

troph. Cornelia Heitmann MPH. Neben der Durchführung

ernährungsepidemiologischer Studien und

weiterer Projekte zum Thema Ernährung bietet die

AG den Mitgliedern des Bremer Zentrums für

Public Health außerdem die Möglichkeit, sich bei

PERSONALIA

NEUES DIREKTORIUM AM

ZENTRUM FÜR PUBLIC HEALTH

Professorin Annelie Keil, Professor Gerd Glaeske

und Professorin Petra Kolip sind im Juni 2003

von der Mitgliederversammlung zum neuen

Direktorium des Zentrums für Public Health

gewählt worden.

Herzlichen Glückwunsch!

SCHWERPUNKTTHEMA PUBLIC HEALTH UND ERNÄHRUNG

Genuss für Gaumen und Gesundheit!

Die richtige Ernährung entlastet unser System

könnte erreicht werden, dass insbesondere die

chronischen Krankheiten bei älteren Menschen

zurückgehen und damit auch die Kosten für die

Behandlung im höheren Alter gesenkt werden können.

Das muss aber früh begonnen werden, die

Wirkungen von Prävention und Gesundheitsförderung

brauchen ihre Zeit. Wenn sie aber wirken,

könnten – so die Schätzungen – 20-30% der

Krankheitskosten eingespart werden.

Es lohnt sich also, Prävention und Gesundheitsförderung

zu nutzen. Beispiel Ernährung: Es gibt in

der Zwischenzeit gute Belege dafür, dass eine optimierte

Ernährung die »Krankheits- und Behandlungslast«

senken kann. So stirbt z.B. jede zweite

Frau an einer koronaren Herzerkrankung (KHK),

jährlich bekommen etwa 121.000 Frauen einen

Infarkt. Dabei könnten durch die konsequente Ver-

Projekten im Hinblick auf ernährungswissenschaftliche

Fragestellungen unterstützen zu lassen.

Die Arbeitsgruppe geht davon aus, dass das Handlungsfeld

von Public Health Nutrition eine optimale

Schnittstelle für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit

im Bremer Zentrum für Public Health

bietet, insbesondere unter Einbeziehung ernährungsepidemiologischer

Erkenntnis und im Rahmen

einer anwendungsorientierten Gesundheitsforschung.

Dr. oec. troph. Cornelia Heitmann MPH, Bremer Institut

für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS),

Linzer Str. 8-10, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 5959-636,

Mail: heitmann@bips.uni-bremen.de

änderung des Lebensstils drei von vier Infarkten

bei Frauen verhindert werden, so jedenfalls die

Auswirkungen aus der sog. CORA-Studie (Coronary

Risk Factors and Arteriosclerosis in Women).

Dies ist die erste Fall-Kontroll-Studie in Europa mit

einer ausreichenden Anzahl an Teilnehmerinnen,

die neben den Lebens- und Ernährungsgewohnheiten

auch klinische und genetische Parameter einbezieht.

Im Rahmen dieser Studie wurden 200

Patientinnen mit neu aufgetretener Herzkrankheit

(Herzinfarkt, Angina pectoris) mit 255 gleichaltrigen

gesunden Frauen verglichen. Das Ergebnis:

Frauen, die viel Obst und Gemüse essen, haben ein

deutlich geringeres Risiko, an einer KHK zu erkranken

als Frauen, die tierische Fette bevorzugen. 200 g

Obst und Gemüse täglich – z.B. zwei Äpfel und

Gemüse zu einer Mahlzeit – verringern das Risiko

um 60%. 100g Fleisch- und Wurstwaren täglich


erhöhen das Risiko dagegen um 150%. Damit

kommt der Ernährung ein stärkerer Einfluss zu als

allen anderen bekannten Risikofaktoren. Alle Frauen

mit KHK hatten auch andere Risikofaktoren

wie Hypertonie, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen.

Eine protektive Wirkung hat die Ernährung auch

bei Krebserkrankungen, die nach den Herzkreislauferkrankungen

mit 210.000 Todesfällen pro Jahr

an zweiter Stelle bei den Todesursachen stehen. In

der Zwischenzeit liegen mehr als 4.500 Studien

weltweit vor, die einen Zusammenhang zwischen

verschiedenen Tumoren und bestimmten Ernährungsgewohnheiten

zeigen (DIFE, 1999). Je nach

Tumorart, so die Schätzungen, könnten bis zu 75%

der bösartigen Neubildungen durch eine sinnvolle

Ernährung vermieden werden, in Deutschland

allein bei den Dickdarm-, Magen- und Mammakarzinomen

bis zu 62.000 Neuerkrankungen. Auch

hier ist die wichtigste Empfehlung Obst und Gemüse.

Tumorprotektiv sollen die antioxidativen Vitamine

in Pflanzen und die sekundären Pflanzenstoffe

wirken. Insgesamt werden 400 bis 800 g Obst

und Gemüse pro Tag empfohlen, Realität sind derzeit

bei uns etwa 320 bis 400 g pro Tag, in Spanien

ist die empfohlene Menge mit 590 bis 620 g

bereits erreicht. Dabei sollten ökologisch angebaute

Produkte bevorzugt werden, da sie deutlich

weniger Nitrate als konventionell angebaute Produkte

enthalten. Dagegen sollen ein hoher Konsum

an Fleisch (v.a. Rind, Schwein, Lamm, Wild)

sowie an gepökelten und geräucherten Wurstwaren

das Risiko für kolorektale Karzinome, möglicherweise

auch für Mamma- und Prostatakarzinome

erhöhen (WCRF, 1997). Große Mengen an

Ballaststoffen wiederum sollen vor Pankreas-,

Dickdarm- und Brustkrebs schützen. Die Klinik für

Tumorbiologie in Freiburg hat Mitte diesen Jahres

damit begonnen, in der Rehabilitation von Patientinnen

mit Brustkrebs intensive interaktive Trainingsprogramme

für Ernährung durchzuführen –

auf die Evaluation dieser Maßnahme darf man

gespannt sein.

Und ein letztes: Vergessen wir das Wassertrinken

nicht. Harald Schmidt macht es jeden Abend in seiner

Late-Night-Show vor: Wasser ist der ideale

Durstlöscher und zudem auch noch gesund: Es

spült die schädlichen Stoffe aus der Niere, es verdünnt

unser »Trockenfutter« wie Cornflakes,

Knäckebrot oder Kekse, es verhindert ein Übermaß

an Kalorienaufnahme durch Softdrinks, deren

Zucker zudem hungrig macht. Da helfen auch

keine Light-Produkte, denn die enthaltenen Süßstoffe

regen unser Hungergefühl an – aus diesem

Grunde werden solche Stoffe in der Schweinemast

verfüttert. 3 Liter am Tag sollten gesunde Menschen

trinken, allein bei Menschen mit Herzmuskelschwäche

ist es weniger (1-1,5 Liter pro Tag in

kleinen Mengen). Alkohol und Kaffee führen übrigens

zum Wasserverlust – in guten Kaffeehäusern

längst bekannt: Da gibt es immer ein Glas Wasser

zum Espresso oder zum Großen Braunen.

Seite 2 | 3

Public Health und Nutrition sind eng miteinander

verbunden – richtige Ernährung ist eine wesentliche

Voraussetzung für unsere Gesundheit. Wissenschaftliche

Projekte müssen gefördert, die Ergebnisse

in die Öffentlichkeit gebracht werden. Unabhängig

von der sozialen Schicht sollen sich alle

gesund ernähren können – wirksame Informationskampagnen

sind dazu unerlässlich und müssen

schon im Kindergarten beginnen. Wer irgendwann

sein Heil in Pillen sucht, um Prävention und

Gesundheitsförderung mit Vitaminen, sekundären

Pflanzenstoffen oder Rotwein in gepresster Form

zu betreiben, ist ein armer Schlucker: Wirklich

genießen wie ein gutes und gesundes Essen lassen

sich solche Kunstprodukte nämlich nicht!

Prof. Dr. Gerd Glaeske, Zentrum für Sozialpolitik (ZeS),

Universität Bremen, Parkallee 39, 28209 Bremen,

Tel: 0421 / 218-4401, Mail: gglaeske@zes.uni-bremen.de

Essen als Körper-

gestaltung

Das in Deutschland noch relativ junge Gebiet der

Public Health Nutrition befasst sich mit der Nahrungsaufnahme

und der Einstellung zur Ernährung

in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen. In diesem

Beitrag soll der Blick nicht auf die Nahrungsinhalte

gelegt werden, sondern auf das Essverhalten.

In kaum einem Verhaltensbereich sind die

Geschlechtsunterschiede so deutlich ausgeprägt

wie hier: Frauen machen häufiger Diäten als Männer

und auch die geschlechtstypischen Nahrungspräferenzen

– viel Obst, Gemüse, Rohkost und

Milchprodukte bei den Frauen, mehr Fleisch und

Wurstwaren bei den Männern – stehen häufig im

Zusammenhang mit dem Wunsch von Frauen, über

das Essverhalten das eigene Gewicht zu kontrollieren.

Hinter diesem Ess- und Diätverhalten steht

eine bei den Frauen stärker ausgeprägte Unzufriedenheit

mit dem Köper, die wiederum das gängige

Schönheitsideal widerspiegelt. Nach einer Umfrage

im Auftrag der Körberstiftung im Jahr 2000 ist

das weibliche Schönheitsideal noch immer ein

Schlankheitsideal, während das männliche Schönheitsideal

als »muskulös, gut durchtrainiert«

beschrieben wird.

Wie Studien zur Gesundheit im Jugendalter belegen,

setzen sich diese Geschlechtsunterschiede mit

der Pubertät durch: Deutlich mehr Mädchen als

Jungen sind mit ihrem Körper unzufrieden und

mehr Mädchen als Jungen empfinden sich als zu

dick – selbst dann, wenn sie normal- oder unter-


zph-info Ausgabe 04/03

gewichtig sind. So verwundert es nicht, dass in den

Jugendbefragungen mehr Mädchen als Jungen

angeben, schon einmal Diät gemacht zu haben

oder aktuell das Gewicht über restriktiveres Essverhalten

reduzieren zu wollen.

Diese Unterschiede werden zwar häufig beschrieben,

aber nur selten erklärt, geschweige denn in

einen theoretischen Rahmen eingebettet. Bislang

liegen nur einige theoretische Versatzstücke vor,

die sich wie folgt skizzieren lassen:

ORIENTIERUNG AM SCHÖN-

HEITSIDEAL

Schönheitsideale unterliegen einem historischen

und kulturellen Wandel. Frauen scheinen sich (derzeit

noch) stärker am Schönheits-, genauer:

Schlankheitsideal zu orientieren als Männer, und

die formulierten Ideale sind für Frauen wesentlich

strenger als für Männer (wie auch ein grober Verstoß

gegen das Schlankheitsideal, sprich: starkes

Übergewicht, bei Frauen stärker sanktioniert und

mit Verwahrlosung konnotiert ist als bei Männern).

Schlankheitsideale werden in Modezeitschriften

und Werbung präsentiert, und kaum eine kann sich

dieser Bilderflut entziehen. Dies erklärt jedoch

noch nicht, weshalb die präsentierten Ideale handlungsleitend

wirken. Entwicklungspsychologische

Studien geben hier einige Hinweise. Diese haben

gezeigt, dass das Selbstwertgefühl von Mädchen

mit dem Eintritt in die Pubertät sinkt, während es

bei Jungen relativ konstant bleibt. Das Selbstwertgefühl

der Mädchen ist – so zeigen zahlreiche

psychologische Studien – stärker an das Körperäußere

und an Schönheit gebunden, weil sie verglichen

mit den Jungen über weniger gesellschaftliche

Ressourcen verfügen; ein schöner Körper ist

ihr »Kapital«. Das Selbstwertgefühl sinkt deshalb

in der Pubertät ab, weil sich das Körperäußere verändert

und Mädchen sich aufgrund der sich ausbildenden

Rundungen stärker vom Ideal entfernen,

während die körperlichen Veränderungen für die

Jungen ein Gewinn sind, weil sie sie täglich näher

an das männliche, kräftige Ideal heranbringen.

KÖRPERMANIPULATION ALS

DOING GENDER

Es wäre zu einfach, wollte man das »kollektive

Diätverhalten« der deutschen Frauen (Westenhöfer

et al. 1987) ausschließlich darauf zurückführen,

dass die Zeitungen und Werbeplakate mit

superschlanken Models gepflastert sind. Dem Diätverhalten

wohnt vielmehr auch eine identitätsstiftende

Komponente inne, die sich mit dem Ansatz

des »doing gender« erklären lässt. Dieser Ansatz

wurde von Cancace West und Don H. Zimmerman

entwickelt und beruht auf der Unterscheidung zwischen

biologischem und sozialem Geschlecht.

West und Zimmerman gehen davon aus, dass das

Geschlecht nicht nur eine biologische Kategorie

ist, die sich z.B. anhand der Keimdrüsen, der Hormone

oder der genetischen Ausstattung festmachen

lässt. Vielmehr ist das Geschlecht auch eine

soziale Kategorie, die in sozialen Interaktionen

ausgehandelt und hergestellt wird. Unsere Welt ist

vom zweigeschlechtlichen System geprägt, wir

wissen, dass es zwei und nur zwei Geschlechter

gibt und dass mit dem Geschlecht unterschiedliche

Positionen im sozialen Gefüge verbunden sind. Die

Information, ob unser Gegenüber ein Mann ist

oder eine Frau, ist eine wesentliche, und es ist

wahrscheinlich die erste Klassifizierung, die wir bei

neuen Kontakten vornehmen. Wir sind gehalten, es

unseren neuen InteraktionspartnerInnen möglichst

leicht zu machen, wie auch wir erwarten, dass wir

auf den ersten Blick das Geschlecht des/der anderen

erkennen können.Wir benutzen dazu Kleidung,

Frisur, Bewegung, Gestik, Mimik, um die Konstruktion

von Weiblichkeit und Männlichkeit zu unterstützen.

Indem wir das Geschlecht darstellen, stützen

wir unsere Geschlechtsidentität. Welche Verhaltensweisen

und Attribute sich für die Konstruktion

von Weiblichkeit und Männlichkeit eignen,

unterliegt einem historischen und kulturellen Wandel.

War bis Ende der 60er Jahre klar, dass Frauen

lange und Männer kurze Haare haben, gilt diese

Zuschreibung heute nicht mehr. Auch das Zigarettenrauchen

in der Öffentlichkeit eignet sich heute

nicht mehr zur Darstellung von Männlichkeit. Für

Diätverhalten lässt sich aber nach wie vor eine eindeutige

geschlechtsspezifische Konnotation ausmachen.

So wie exzessiver Alkoholkonsum männlich

besetzt ist, ist das Diäthalten weiblich besetzt.

Dem restriktiven Essverhalten kommt so auch ein

identitätsstiftendes Moment zu.

Für die Gesundheitsförderung bedeutet dies, dass

bei der Entwicklung von Maßnahmen stärker darauf

geachtet werden muss, welche Motive hinter

gesundheitsförderlichen und gesundheitsriskanten

Verhaltensweisen liegen. Das Geschlecht ist eine

der ersten Variablen, die dabei zur Differenzierung

herangezogen werden sollten, um passgenaue

Interventionen – auch, aber nicht nur im Bereich

der Ernährung – zu entwerfen.

Prof. Dr. Petra Kolip, Bremer Institut für Präventionsforschung,

Sozialmedizin und Epidemiologie (BIPSE),

Universität Bremen, Linzer Str. 8-10, 28359 Bremen,

Tel: 0421 / 5959-640, Mail: kolip@bips.uni-bremen.de

Leben braucht Lebensmittel – für Körper, Geist und Seele

Zur Anthropologie von Public Health Nutrition

Leben ist eine Idee, die wir täglich konkret umsetzen

müssen, um daraus unser eigenes Leben zu

machen. Jeder neue Atemzug, der nächste Herzschlag,

der vor uns liegende Schritt, der erste wie

der letzte Bissen sind Ausdruck dieser Aufgabe,

Leben zu »produzieren« und uns zu ernähren. Wir

bekommen Leben nur als eine Möglichkeit, leben

müssen wir es selbst, indem wir uns unter den

jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen

Bedingungen für das uns Mögliche entscheiden.

Soziale Lage, Alter und Geschlecht, Kultur und Religion,

Sitten und Gebräuche, Regeln und Gesetze

bestimmen die Art und Weise unseres Lebens wie

unsere Ernährungsweisen.

Der Mensch kommt vor allem leiblich als absolut

bedürftiges Mängelwesen zur Welt, und Essen

und Trinken halten im wahrsten Sinne des Wortes

Leib und Seele zusammen. Mit diesen Tätigkeiten

stopfen wir die Löcher in der Existenz des Menschen.

Leben muss vom ersten bis zum letzten

Atemzug gelernt werden und das fängt mit dem

Atmen, Essen und Trinken an.

Der Hunger nach Leben ist umfassend und hat

viele Gesichter. Als Antwort auf die Bedürftigkeit

des Menschen ist die Ernährung in allen Dimensionen

menschlicher Existenz die Voraussetzung

dafür, dass Leben entsteht und sich entfalten kann.

Wir brauchen physische Nahrung und gleichzeitig

Lebensmittel, die Seele und Geist ernähren. Wir

brauchen Beziehungen und Bezugssysteme, die

uns tragen und nähren, sonst können wir uns nicht

entwickeln. Wir brauchen spirituelle Nahrung,

damit unsere Hoffnung auf Zukunft und universale

Verbundenheit genährt wird und wir einen Sinn in

unserem Leben entdecken können.

Der Esser und die Esserin wollen sich mit kör-


perlicher, geistiger und seelischer Nahrung am

Leben erhalten und in Form bringen. Essen

geschieht immer mit allen Sinnen, ist mit dem ganzen

Menschen verbunden und leibhaftige Erfahrung

von Liebe und Zuwendung, aber auch von

Ablehnung und Schutzlosigkeit, wenn der Zugang

zum Essen versperrt ist.

Die Leibhaftigkeit und Abhängigkeit menschlicher

Existenz wird nirgendwo so offensichtlich

wie im »Zwang« zur Ernährung. Die regelmäßige

Aufnahme von Nahrung und der damit verbundene

umfassende Stoffwechsel mit der Welt ist die

zentrale Voraussetzung für die Entstehung und

Entwicklung von Leben und gleichzeitig Grenze

unserer Freiheit. Essen ist biografisch an den einzelnen

Menschen gebunden und radikal subjektiv,

gleichzeitig aber gesellschaftlich in die soziale

Reproduktion von Leben eingebunden und Symbol

unserer Abhängigkeit. In diesem doppelten Sinn,

als Sorge des Subjekts um Leben und Gesundheit

und als Sorge der Gesellschaft für Gesundheit

ermöglichende Lebensbedingungen ist Ernährung

eine der wichtigsten und grundlegendsten Aufgaben

von Public Health.

Die Sicherung der Ernährung ist die existentielle

Frage schlechthin, und die Antworten, die Menschen

bei der Bewältigung und Lösung dieses Problems

gefunden haben, haben sich in den menschlichen

Kulturen und gesellschaftlichen Organisationsformen,

in Krieg und Frieden niedergeschlagen.

Mythen, Riten, Sitten, Bräuche, Religionen,

gesellschaftliche Strukturen und Wissenschaft sind

vom Thema der Ernährung, des Essens und ihren

grundlegenden Bedeutungsebenen durchzogen.

Die wesentliche Bedeutungsebene betrifft die

materielle Existenz des Menschen, seine Physiologie.

Energie- und Kalorienzufuhr gehören zu den

essenziellen Lebensvorgängen, deren Nichtbeachtung

Krankheit und Tod des Individuums bedeuten

können. Wer sich den Hunger in der Welt, die Epidemiologie

der Ernährungskrankheiten oder die

ideologische Welt der Diäten anschaut, bekommt

einen Eindruck davon, wie wenig gesichert der

Datenschatz ist, der für alle Menschen in ihren

jeweiligen historischen Lebens- und Arbeitsbedingungen

in gleicher Weise gelten könnte.

Nicht Mund und Magen essen und verdauen,

der ganze Mensch tut es. Mit der Nahrungsaufnahme

sind seelische, geistige und soziale Lernprozesse

verbunden. Angefangen beim Stillen

erlernen wir bereits in der Kindheit mit dem Essen

das für uns später relevante Modell für Befriedigung,

Lust, Fülle, Liebe und Sexualität. Wir lernen

aber auch die Angst vor dem Mangel kennen. Nahrung

und Körpernähe, Lust und Abhängigkeit sind

zu Beginn unseres Lebens aufs engste Weise miteinander

verknüpft und prägen auf nachdrückliche

Weise unsere Lust auf oder unser Misstrauen

gegenüber dem Leben.

Die Nahrungsaufnahme macht uns die soziale

Dimension des Essens deutlich und zeigt, dass

Leben immer ein Leben in Ko-Existenz ist. Wir

nisten uns in der Gebärmutter ein und müssen

auch später manchmal gefüttert werden, um zu

überleben. Nahrungsaufnahme ist von Anfang an

an das Feld menschlicher Kooperation und sozialer

Kommunikation gebunden. Beim Essen lernen wir,

uns etwas zu nehmen und auch zu teilen, wir treffen

auf unsere Gier und die Möglichkeit zur

Bescheidenheit. Leben lebt vom Teilen. Formen des

übermäßigen Essens, des kompensatorischen

Essens, der Raffgier, des Hungers in der Welt sind

Beispiele für die Folgen, dieses Lebensprinzip nicht

begriffen zu haben. Essen vermittelt zwischen privater

und öffentlicher Existenz.

Der geistige und kulturelle Bedeutungsgehalt

des Essens und des Essverhaltens hängen von der

jeweiligen Kultur ab, in der sie entwickelt werden

und wirken umgekehrt auf Kultur und Zivilisation

zurück. Der zeremonielle und symbolische Gehalt

des Essens ist unserer Kultur in den Schlemmermeilen

der Einkaufszentren und Fast-Food-Ketten

verloren gegangen und tritt dennoch beim Hochzeitsmahl,

Osterfrühstück, Beerdigungsschmaus

oder in rituellen Fastenzeiten immer wieder zutage.

Schnelles Essen, beliebiges Essen lassen vermissen,

was Stil, Schönheit, Ästhetik und Geschmack

an Werten beinhalten, die für menschliche

Ernährung von Bedeutung sind. Im Essen lernen

wir Menschen zu werden, die für sich und

andere sorgen können.

PUBLIKATION

ESSEN MIT LEIB UND SEELE

Ingeborg Jahn, Ulla Voigt (Hrsg.)

Seite 4 | 5

Die Störung des Essens ist eine tiefe Lebensstörung

und hat viel mit dem Zuviel oder Zuwenig, mit der

Abhängigkeit und dem Recht auf Selbstbestimmung

zu tun. Leben besteht in der schwierigen

Aufgabe, herauszufinden, was gut für einen Menschen

ist, wie viel er oder sie von was brauchen,

um zu überleben, wie mit Fülle und Mangel, mit

Distanz und Nähe umzugehen ist.

Ein umfassendes Konzept von Public Health

Nutrition müsste dieses subjektive und das öffentliche

wie gesellschaftliche Wissen zusammenführen,

um der menschlichen Ernährung die Bedeutung

zu geben, die sie verdient.

Annelie Keil, Institut für Biografie-und Lebensforschung

(IBL), FB 11 Human- und Gesundheitswissenschaften,

Universität Bremen, Grazer Str. 2, 28359 Bremen,

Tel: 0421 / 218-3163, Mail: keil@uni-bremen.de

Theorie und Praxis einer ganzheitlichen

Ernährung – mit ausgewählten Rezepten.

Einen Beitrag für gute und gesunde Ernährung

mit lustvollen Geschmackserlebnissen und kulinarischem

Genuss zu leisten, war Ziel des Gesundheitsforums

2001 »Essen mit Leib und Seele«.

In diesem Buch werden wissenschaftliche Ideen

ebenso vorgestellt wie praktische Konzepte einer

bewussten Ernährung. Zur kulinarischen Anregung

haben Autorinnen und Autoren ihre Lieblingsrezepte

beigesteuert.

Edititon Temmen, Bremen, 2002, 139 Seiten,

ISBN 3-86108-681-6


zph-info Ausgabe 04/03

Der Beitrag der Ernährung zur Entstehung

der sozialen Ungleichheit der Gesundheit

Die Bedeutung der Ernährung für die Entstehung

der sozialen Ungleichheit der Gesundheit in

Deutschland hat sich mittlerweile stark gewandelt.

Die Ernährungssituation sozial und ökonomisch

benachteiligter Bevölkerungsgruppen im Wohlfahrtsstaat

Deutschland ist nicht geprägt von

Unterernährung, sondern von Fehl- und Überernährung.

Obwohl für Deutschland bisher keine

speziell zu dieser Fragestellung konzipierte Studie

durchgeführt wurde, liegen mittlerweile drei große

bevölkerungsbezogene Untersuchungen vor, die

auf repräsentativer Basis empirische Daten zur

sozialen Ungleichheit der Ernährungssituation

liefern:

Die Nationale Verzehrstudie (NVS) mit dem

Subsample zur Verbundstudie Ernährungserhebung

(VERA) konnte zeigen, dass hinsichtlich der

Nährstoffversorgung deutliche Problemlagen für

spezielle Bevölkerungsgruppen zu konstatieren

sind. Personen, die nur einen Hauptschulabschluss

besitzen, sowie ArbeiterInnen aus Haushalten mit

einem sehr geringen Pro-Kopf-Einkommen weisen

Im Auftrag der zwei großen Bremer Kindertagesstättenträger,

dem städtischen Amt für Soziale

Dienste und der Bremischen Evangelischen Kirche

führt das BIPS seit etlichen Jahren ein intensives

Ernährungsprogramm in Bremen durch. Gestartet

wurde 1990 mit dem Projekt »Gesünder essen –

kinderleicht« in den kommunalen Einrichtungen.

1999 kam das Projekt »Mehr gesunde Ernährung

für Kinder« mit der Beratung der kirchlichen Einrichtungen

dazu. Insgesamt werden inzwischen in

116 Einrichtungen knapp 12.000 Kinder erreicht.

Kindergärten bzw. Kindertagesstätten stellen ideale

Orte der Gesundheitsförderung dar, denn über

die Kindergärten wird nahezu die gesamte Bevölkerung

der jeweiligen Altersstufe einschließlich

sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen

erreicht.

Die Kinder erhalten eine warme Mittagsmahlzeit,

Getränke und weitere Zwischenmahlzeiten. Diese

Betreuung erstreckt sich in der Regel über mehrere

Jahre und hat somit große Bedeutung für die

aktuelle Ernährung und Gesundheit der Kinder

eine deutlich reduzierte Zufuhr an Calcium, Vitamin

C und Folsäure auf und bedürfen daher gezielter

Maßnahmen der Ernährungsaufklärung und

-beratung.

In der WHO-MONICA-Studie zeigten sich stark

ausgeprägte bildungsspezifische Differenzen hinsichtlich

der Lebensmittelauswahl und der Nährstoffversorgung.

In den nationalen Gesundheitssurveys wurden

hinsichtlich der Verzehrshäufigkeit von Lebensmitteln

wiederholt erhebliche Unterschiede basierend

auf dem Bildungsgrad, dem Berufsstatus und der

Einkommenssituation festgestellt.

Untersuchungen bei Schülerinnnen und Schülern

im Alter von 11 bis 15 Jahren verdeutlichen,

dass deren Ernährungsverhalten in starkem Maße

im Zusammenhang steht mit der finanziellen Lage

ihrer Eltern. Wie auch bei den Erwachsenen ist bei

ökonomisch benachteiligten Jugendlichen ein

hoher Problemdruck hinsichtlich eines ungesunden

Ernährungsverhaltens anzutreffen.

Als Folge dieser erheblichen sozialen Differen-

»Gesünder essen – kinderleicht«

Gesundheitsförderung in Bremer

Kindertagesheimen

einerseits sowie für die langjährige Gesundheitsförderung

andererseits. Qualitätskriterien der Kindergartenernährung

sollten dabei nicht nur die

zen des Ernährungsverhaltens ist für Deutschland,

wie auch für andere Industrienationen, eine stark

ausgeprägte soziale Polarisierung hinsichtlich der

Prävalenz des Übergewichts zu beobachten. Im

Vergleich zu anderen bedeutsamen gesundheitsbezogenen

Risikofaktoren (Rauchen, Bluthochdruck,

Bewegungsmangel) findet sich in der Regel

für das Übergewicht der am stärksten ausgeprägte

soziale Gradient.

Bezogen auf die von Einkommensarmut

betroffene Bevölkerungsgruppe in Deutschland,

lässt sich über alle regionalen und kulturellen

Unterschiede hinweg konstatieren, dass Armutssituationen

den Ernährungsstatus negativ beeinflussen,

wenn die Betroffenen gezwungen sind,

ihre Ernährungsweisen der finanziellen Notlage

anzupassen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen,

dass auch in Armutssituationen nicht allein Geldmangel

die Qualität der Ernährung beeinflusst,

sondern vielmehr verschiedene familiäre und

gesellschaftliche Faktoren einen Einfluss auf die

Ernährungsweise und die Ernährungsqualität

ausüben.

PD Dr. Uwe Helmert, Zentrum für Sozialpolitik (ZeS),

Universität Bremen, Parkallee 39, 28209 Bremen

Tel: 0421 / 218-4378, Mail: uhelmert@zes.uni-bremen.de

Nährstoffzufuhr und die Lebensmittelauswahl,

sondern auch eine Ernährungserziehung zu einer

gesunden und genussvollen Ernährung sein. Essgewohnheiten,

die in der frühen Kindheit erworben

werden, sind häufig noch im Erwachsenenalter

verhaltensbestimmend.

Ein Schwerpunkt der Aktivitäten des Bremer Kindergartenprojektes

betrifft den Bereich der Ernäh-


ungsversorgung. Die Beratung und Fortbildung

des hauswirtschaftlichen Personals ist daher ein

ganz wesentlicher Aspekt, stellen doch deren

Kenntnisse und Einstellungen wichtige Einflussfaktoren

auf die Qualität des Essens dar. Zu den Schulungsmaßnahmen

gehört die Fortbildung zur

»Fachkraft für gesunde Kinderernährung«.

Einen weiteren Schwerpunkt des Kindergartenprojektes

bildet der Bereich der Ernährungserziehung.

Zielgruppe der Maßnahmen sind hier nicht die Kinder,

sondern die pädagogischen MitarbeiterInnen

der Kindertageseinrichtungen, da die gemeinsamen

Mahlzeiten im Kindertagesheim besonders

günstige Voraussetzungen bieten, das Essverhalten

von Kindern positiv zu beeinflussen.

Ausblick: Kindertagesstätten sind ein idealer Ort

für gesundheitsförderliche Strukturen und Maßnahmen.

Hier können Kinder bereits von klein auf

gesundheitsförderliche Verhaltensweisen kennen

lernen: richtig und genussvoll zu essen, sich zu

bewegen, mit Stress umzugehen. Ergänzend dazu

sind Anstrengungen in den verschiedenen, für Kinder

relevanten Settings Familie, Freizeit und Schule

erforderlich. Besondere Aufmerksamkeit muss

dabei Familien zukommen, die in Armut bzw. in

sozial benachteiligten Wohngebieten leben, da sie

nachgewiesenermaßen ein besonders ungünstiges

Ernährungsverhalten aufweisen (siehe dazu auch

den Beitrag von U. Helmert, S.6). Die Bremer Intervention

im Setting Kindertagesheim ist ein Schritt

in die richtige Richtung, der auch weiterhin gefördert

und ausgebaut werden sollte.

Wiebke v. Atens-Kahlenberg, Heidegret Bosche, Bremer

Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin

(BIPS), Linzer Straße 8-10, 28359 Bremen

Tel: 0421 / 5959-634, Mail: atens@bips.uni-bremen.de,

bosche@bips.uni-bremen.de

Mangelernährung

in der Geriatrie

HINTERGRUND – GESUNDHEITS-

POLITISCHE RELEVANZ DES

THEMAS

Im Gesundheits- und Sozialwesen wird aufgrund

der demografischen Prognosen vermehrte Aufmerksamkeit

auf das Handlungsfeld Geriatrie und

die Bevölkerungsgruppe der Alten und Hochbetagten

gelenkt. Heute neugeborene Mädchen haben

eine Lebenserwartung von etwa 81 Jahren, ca. 6%

der Bevölkerung sind bereits 80 Jahre und älter.

Eine ausgewogene, bedarfsdeckende Ernährung

und regelmäßige Bewegung verhelfen zwar nicht

zu ewigem Leben, beide Faktoren tragen jedoch

entscheidend mit dazu bei, dass immer mehr Menschen

das hohe Alter in guter geistiger und körperlicher

Verfassung erleben.

Während in den mittleren Altersgruppen durch

Übergewicht bedingte Erkrankungen überwiegen,

gewinnt im höheren Alter die Problematik der

Mangelernährung an Bedeutung. In der Heidelberger

Bethanien-Ernährungsstudie wurde bei 300

PatientInnen im Alter von 75 Jahren eine Querschnittsuntersuchung

des Ernährungs- und

Gesundheitszustandes durchgeführt. Die Ergebnisse

waren ernüchternd und zeigten, dass 57%

der Frauen und sogar 60% der Männer untergewichtig

waren.

Es gibt keine einheitliche Definition von Mangelernährung

(Malnutrition). Volkert definiert

Mangelernährung wie folgt: »Unter Mangelernährung

wird ein relatives oder absolutes Defizit des

Organismus an Energie und/oder einem oder mehreren

essenziellen Nährstoffen verstanden. Dabei

kann eine Differenzierung in allgemeine Unterernährung

und spezifische Mangelernährung vorgenommen

werden.«

Die Folgen der Mangelernährung sind schwerwiegend:

Sie reichen u.a. von einem erhöhtem

Sturz- und Frakturrisiko, erhöhter Infektanfälligkeit,

Beeinträchtigung der Wundheilung, erhöhtem

Dekubitusrisiko, bis zu einem erhöhtem Komplikationsrisiko

bei Operationen. Im schlimmsten Fall

kann Mangelernährung bei chronisch kranken

alten Menschen zum Tod führen.

ERNÄHRUNGSMEDIZINISCHE

BERATUNG

Kooperationsprojekt der Bremer Stiftungs-Service

GmbH (Bremer Heimstiftung) mit dem Bremer

Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin

(BIPS)

Die Bremer Heimstiftung ist mit 18 Zentren (Wohnund

Pflegeeinrichtungen für ca. 2500 Menschen)

der größte Träger von Seniorenheimen in Bremen.

Die Verantwortung für das Verpflegungsmanagement

liegt in der Hand der Bremer Stiftungs-Service

GmbH, einer 100%igen Tochter der Bremer Heimstiftung.

Das Durchschnittsalter der Bewohnerinnen

und Bewohner in der Bremer Heimstiftung

liegt bei 87 Jahren.

Hohes Alter und Multimorbidität erhöhen das

Risiko für das Auftreten von Mangelernährung und

die dadurch bedingten Folgeerscheinungen wie

z.B. verzögerte Wundheilung (Dekubitus). Das

gehäufte Vorkommen dieser Komplikation in

einem Haus der Bremer Heimstiftung war der

Anlass, die Kooperation mit dem BIPS zu suchen,

um sich ernährungsmedizinische Beratungsleistungen

und professionelle Unterstützung zu holen.

Um bei den SeniorInnen schlechte Ernährungszustände

zu verhindern, wird die Notwendigkeit

gezielter Fortbildungsmaßnahmen gesehen. Auf

die Leistungen der Heimküchen wird es künftig

mehr denn je ankommen (Pflege-Qualitätssicherungsgesetz).

Die Berufsgruppe der Pflegekräfte

wird tagtäglich mit den Ernährungssituationen

und -problemen älterer Menschen mit einem

erhöhten Pflegebedarf konfrontiert. Die Verantwortlichen

in Küche und Pflege sind gemeinsam

gefordert, ein anderes Bewusstsein und Aufgabenverständnis

für die Ernährung hochbetagter Menschen

zu entwickeln. Um diese Aufgaben wahrnehmen

zu können, müssen die Fachkräfte beider

Professionen auf fundiertes Wissen zugreifen können.

Seit 2001 werden vom BIPS in Kooperation

mit der Bremer Stiftungs-Service GmbH (BSS) und

der Stabsstelle Qualitätssicherung der Bremer

Heimstiftung ernährungsmedizinische Schulungen

zum Thema »Mangelernährung« für die verantwortlichen

Fachkräfte durchgeführt. Mit den interdisziplinär

ausgerichteten Schulungen sollten nicht

nur die Küchenleitungen, sondern auch die Pflegedienst-

und Bereichsleitungen für das Handlungsfeld

Mangelernährung sensibilisiert werden, um

frühzeitig Entwicklungen einer Mangel- und

Fehlernährung zu erkennen.

ERSTE ERFAHRUNGEN UND

ERGEBNISSE

Seite 6 | 7

Wie die Erfahrungen in der Kooperation mit der

Bremer Heimstiftung gezeigt haben, gibt es zum

Handlungsfeld Mangelernährung Beratungs- und

Fortbildungsbedarf bei den Verantwortlichen in der

Verpflegung und bei den Pflegekräften. Die Angebote

wurden sehr positiv angenommen und haben

deutlich gemacht, dass es unter anderem zwischen


zph-info Ausgabe 04/03

der Schnittstelle Küche und Pflege Kommunikationsdefizite

gibt. So werden z.B. die Faktoren, die

das Entstehen einer Mangelernährung begünstigen

(u.a. Appetitlosigkeit, Kau- und Schluckstörungen,

krankheitsbedingte Behinderung der Nahrungsaufnahme),

oftmals zu spät wahrgenommen

und an die Küche weitergegeben. Darüber hinaus

erschweren aber auch die unspezifische Symptomatik

der Betroffenen, häufig fehlende Diagnosestandards,

z.T. mangelnde Aufmerksamkeit von

Seiten der betreuenden HausärztInnen sowie eine

unzureichende Dokumentation eine rechtzeitige

Behandlung der Ernährungsdefizite.

VERANSTALTUNG

TRANSFERWORKSHOP

PFLEGEAUSBILDUNG VON MORGEN –

ZUKUNFTSLÖSUNGEN HEUTE

Der Transferworkshop »Pflegeausbildung von

morgen – Zukunftslösungen heute« am

13. November 2003 im Konsul-Hackfeld-Haus

in Bremen beendet das Modellprojekt »Integrierte

Pflegeausbildung in Bremen« nach 3,5 Jahren

Projektlaufzeit und lädt dazu interessierte KollegInnen

herzlich ein. Zielsetzung des Workshops

ist zum einen, die aktuellen Berufsgesetze in der

Pflege mit ihren Konsequenzen für Bildungspolitik

und Berufspädagogik aufzuzeigen, zum anderen

werden Modellprojekte vorgestellt, die mit unterschiedlichen

Ansätzen auf die neuen Anforderungen

an die berufliche Pflegeausbildung reagieren.

Universität Bremen, Institut für angewandte Pflegeforschung

(iap), Ltg. Prof. Dr. Stefan Görres; Modellprojekt

»Integrierte Pflegeausbildung in Bremen«, Stefanie

Bohns Soz. M.A., Martina Stöver Dipl. Berufspäd. PfleWi,

Grazer Str. 2B, 28359 Bremen, Tel: 0421-218-9672,

Fax: 0421-218-9668, Mail: bohns@uni-bremen.de,

Mail: stöver@uni-bremen.de

Deshalb hat die Stabsstelle Qualitätssicherung der

Bremer Heimstiftung einen ausführlichen »Standard

Mangelernährung«, entwickelt, der zur Zeit in

der Pflege in der Erprobungsphase ist und zum

Ende des Jahres verbindlich werden soll. Um den

Effekt und die Resonanz auf die Fortbildungen zu

erfahren, wurde 2002 ein Fragebogen zur Evaluation

der Maßnahmen für die Küchenleitung entwickelt

und eingesetzt. Die Ergebnisse zeigten,

dass die bislang durchgeführten Angebote erste

Impulse zur verstärkten Sensibilität gegenüber

dem Thema Mangelernährung im Alter geben

konnten. Sie sollen fortgesetzt werden, um die kri-

tische Reflexion und die berufliche Auseinandersetzung

(z.B. die Frage nach der Zuständigkeit) mit

dem Thema zu fördern. Im Hinblick auf die zunehmende

Bedeutung des Themas wird die Fachberatung

fortgesetzt.

PERSPEKTIVEN – »WOHNKÜCHEN-

MODELL« BREMER HEIMSTIFTUNG

Das Prinzip, auch pflegebedürftigen und dementen

SeniorInnen die weitest gehende Aufrechterhaltung

von Alltagskompetenzen zu ermöglichen, hat

die Bremer Heimstiftung bereits in mehreren

Stiftungshäusern mit »Wohnküchen-Modellen«

erfolgreich umgesetzt. Nach Vorbildern aus Holland

und Frankreich sind so z.B. im Stiftungsdorf

Rablinghausen Wohnküchen installiert worden, die

zum Mittelpunkt der Wohnungen geworden sind:

SeniorInnen kochen gemeinsam, klönen dabei und

genießen die Mahlzeiten in geselliger Runde.

Helga Strube, Ernährungsmedizinische Beraterin DGE,

Bremer Institut für Präventionsforschung und

Sozialmedizin (BIPS), Universität Bremen,

Linzer Str. 8-10, 28350 Bremen, Tel: 0421 / 5959-637,

Mail: strube@bips.uni-bremen.de

Krankenhausernährung zwischen Rationalisierung

und Gesundheitsförderung

Studien haben nachgewiesen, dass 20 - 40% der

Arbeitsunfähigkeitstage mittelbar durch ernährungsbedingte

Erkrankungen provoziert werden.

Was liegt näher, als zu erwarten, dass die Krankenhäuser

ihren PatientInnen und ihren MitarbeiterInnen

eine gesundheitsfördernde Ernährung anbieten?

Die Erfahrung lehrt allerdings, dass gerade

dies nur in Ausnahmefällen geschieht. Dies ist

umso erstaunlicher, als die Krankenhäuser zunehmend

im Wettbewerb stehen und man davon ausgehen

sollte, dass eine gesundheitsfördernde

Ernährung ein Wettbewerbsfaktor ist. Im Folgenden

soll auf diese Diskrepanz eingegangen

werden.

WETTBEWERB DER KRANKEN-

HÄUSER

Die neuen diagnose- und aufwandsbezogenen

Erlösregelungen (»Diagnosis Related Groups –

DRG«) werden den Wettbewerb der Krankenhäuser

um die effizientesten Diagnosen und Behandlungen

in Zukunft weiter verstärken.

Seit etwa 20 Jahren beklagen die Krankenkassen

ein Überangebot an Krankenhausbetten, das

sie finanzieren müssen. Die Krankenhausplanung

obliegt der Politik, die sich nun auf die DRG-Regelung

eingelassen hat, in der Hoffnung, über die

Erlöse eine Selbstregulierung des Angebots anzustoßen.

Damit ist ein Krankenhaussterben und ein

Einpendeln auf einem verknappten Bettenangebot

einkalkuliert. Es werden nur die Krankenhäuser

»überleben«, die im ökonomischen Verdrängungswettbewerb

den längsten Atem haben.

Die DRG´s legen nahe, die Behandlungsaufträge

auf das Wichtige, Richtige und Notwendige zu

beschränken, die Verweildauer zu reduzieren und

die Weiterbehandlung auf ambulante Leistungserbringer

zu verlagern. Der akutmedizinische Aspekt

der Krankenhausbehandlung gerät so immer mehr

in den Vordergrund, gesundheitsfördernde und

präventive Angebote werden deutlich reduziert.

In PatientInnenbefragungen, die in den Krankenhäusern

im Rahmen des Qualitätsmanagements

durchgeführt werden, werden Klagen über

das schlechte Krankenhausessen häufig genannt.

In der Skala der Qualitätsmerkmale, die für die

Gesamtzufriedenheit entscheidend sind, ordnen

die PatientInnen das Krankenhausessen jedoch als


wenig bedeutsam ein. Außerdem wird die Qualität

des Essens sehr unterschiedlich beurteilt und oft

wenig am Kriterium »gesunde Ernährung« gemessen.

Im Krankenhaus konzentrieren sich zudem die

schwer, chronisch und multimorbiden Kranken

sowie die Älteren. Diese PatientInnen sind i.d.R.

auch jene, die durch Aufklärung bzw. Angebote zur

Lebensstilveränderung und Ernährungsumstellung

schwerer zu erreichen sind.

Bei einem Personalkostenanteil von ca. 65% ist

eine Kostenreduktion immer auch mit Personalreduktion

bzw. mit einer Beschäftigung von minder

Qualifizierten oder »Outsourcing« verbunden. In

diesem Zusammenhang besteht die Neigung der

Krankenhausdirektionen, alle jene Bereiche auszugliedern,

die nicht zum »Kerngeschäft« gehören,

so auch die Küche und das Ernährungsmanagement

für PatientInnen und MitarbeiterInnen).

DIE ROLLE DER KÜCHE

Die bisher vorgebrachten Argumente erklären,

warum die Krankenhäuser wenig Wert auf eine

gesundheitsbewusste und -fördernde Ernährung

der PatientInnen gelegt haben. Dennoch wird die

Krankenhausküche einen Bedeutungszuwachs

erfahren (müssen). Denn sie ist auch Dienstleister

für das Krankenhauspersonal! Wenn die Ernährung

eine große Bedeutung für die krankheitsbedingten

Ausfalltage von Beschäftigten hat, gilt dies auch

für das Krankenhauspersonal. In diesem

Zusammenhang ist die Kantinenverpflegung in

den Focus von »Gesundheitsförderung« und

»Public Health« geraten: Sie beeinflusst tiefgreifend

und über lange Zeitperioden die Ernährung

großer Teile der Bevölkerung und kann damit entweder

die Ausbildung chronischer, ernährungsbedingter

Erkrankungen unterstützen oder Wege zu

einer gesundheitsbewussten Ernährung bahnen.

Die MitarbeiterInnen eines Krankenhauses sind

»ExpertInnen« und als solche nur schwer zu ersetzen.

Organisation und Abläufe dieser Betriebe sind

Hypertonie – der Stellenwert

der nicht-medikamentösen Therapie

Hypertonie (Bluthochdruck) kommt in der Bundesrepublik

Deutschland bei fast jedem zweiten

Erwachsenen vor. In den meisten Fällen handelt es

sich um eine essentielle Hypertonie. Man geht

heute davon aus, dass diese Form des Bluthochdruckes

durch das Zusammenwirken von Erbanlagen,

Alter, Geschlecht und verschiedenen Ernährungs-

und Lebensgewohnheiten entsteht. Eine

erbliche Veranlagung führt dabei aber nicht

zwangsläufig zu einer Manifestation der Hypertonie.

Die Entwicklung und der Manifestationszeitpunkt

werden durch die Lebensweise beeinflusst.

Dabei spielen Übergewicht, hoher Kochsalzkonsum

bei gesteigerter Salzsensitivität, hoher Alkoholkonsum,

Bewegungsmangel und Stress eine besondere

Rolle.

Es besteht heute Konsens, dass jede Hypertonie

behandlungsbedürftig ist. Ziel der antihypertensiven

Therapie ist die Vermeidung von Folgeerkrankungen,

insbesondere von Schlaganfall und Herz-

Kreislauf-Erkrankungen. Die Entscheidung für eine

ausschließlich nicht-medikamentöse Therapie oder

eine Kombination aus nicht-medikamentöser und

medikamentöser Therapie sollte nach Blutdruckmessung

und Ermittlung des individuellen kardiovaskulären

Risikos erfolgen.

Jede antihypertensive Therapie sollte mit nichtmedikamentösen

Maßnahmen eingeleitet werden.

Seite 8 | 9

auf eingespielte und verlässliche Teams angewiesen.

Die Gesundheit der MitarbeiterInnen ist ein

Erfolgsgarant für Krankenhäuser im Wettbewerb.

Zielorientierte, kluge Programme zur Gesundheitsförderung

und Verhaltensprävention können zum

Erfolg beitragen. Die Ernährung spielt dabei eine

führende Rolle. Daher gilt es, gemeinsam mit

BetriebsärztInnen, KüchenleiterInnen, DiätassistentInnen,

ErnährungsberaterInnen und Public-

Health-WissenschaftlerInnen gesundheitsfördernde

Programme zu entwerfen, die sowohl den Leitbildern

der Gesundheitseinrichtung entsprechen

als auch den MitarbeiterInnen den notwendigen

Spielraum für einen gesundheitsfördernden

Lebensstil schaffen.

Dr. med. Hans-Georg Güse, Güse mediConsult GmbH,

Elsasser Str.16, 28211 Bremen, Lehrbeauftragter im FB 11

Human- und Gesundheitswissenschaften der

Universität Bremen

In der Regel ist das für PatientInnen mit einer

Änderung des Lebensstils verbunden. Im Mittelpunkt

stehen dabei die Gewichtsreduktion bei

Übergewicht, die Kochsalzreduktion, die Einschränkung

des Alkoholkonsums, regelmäßige körperliche

Aktivität, die Vermeidung und Bewältigung

von schädlichem Stress und die Überprüfung

der laufenden Arzneitherapie auf das Vorhandensein

blutdrucksteigernder Medikamente, wie

nichtsteroidale Antirheumatika, Steroide und orale

Kontrazeptiva.

Von allen nicht-medikamentösen Maßnahmen hinsichtlich

der Blutdrucksenkung bei übergewichtigen

Hypertonikern ist die Gewichtsabnahme die

effektivste. Jedes Kilogramm Gewichtsabnahme

senkt den Blutdruck um 2 mmHg. Eine Gewichtsabnahme

um 5-10% erlaubt eine verbesserte Blutdruckeinstellung

mit Einsparungen von blutdrucksenkenden

Medikamenten und eine Senkung des

kardiovaskulären Risikos um 25-40%.

Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit, in deren

Folge Krankheiten entstehen, die nach wie vor

hohe Kosten verursachen und zu den meisten

Todesfällen in Deutschland führen. Bluthochdruck

kann heute effektiv vorgebeugt und behandelt

werden. Prävention und nichtmedikamentöse Therapie

sollten dabei im Mittelpunkt stehen. Sie sind

kostengünstig und auch unter ethischen Aspekten


zph-info Ausgabe 04/03

zu bevorzugen. Allerdings erfordern sie eine hohe

Kooperationsbereitschaft der Betroffenen und personellen

Aufwand vor allem zur Information, Schulung,

Betreuung und Motivation.

Das Angebot und die Inanspruchnahme präventiver

und therapeutischer Möglichkeiten in Deutschland

ist insgesamt zu gering. Darüber hinaus

bestehen zwischen Prävention und Therapie und

zwischen nicht-medikamentöser und medikamentöser

Therapie in unserem Gesundheitssystem derzeit

Ungleichgewichte zu Gunsten der Therapie

und dabei speziell zu Gunsten der Arzneitherapie.

Vorteile der ergänzenden oder alleinigen nicht-

Wechseljahre – welche Evidenz zeigt sich

für die Phyto-Östrogene?

Aufgrund der jüngsten Erkenntnisse zu den möglichen

Risiken, die mit einer Hormontherapie (HT)

verbunden sind, suchen viele Frauen nach vermeintlichen

Alternativen hierzu. Phyto-Östrogene

werden heute häufig als Lösung angepriesen. In

jüngster Zeit mehren sich auch Hinweise, dass

Phyto-Östrogene eine protektive Wirkung in Bezug

auf Wechseljahrsbeschwerden, Brustkrebs, Endometriumkarzinome,

Darmkrebs, Osteoporose und

kardiovaskuläre Erkrankungen ausüben sollen. Im

Rahmen dieses Beitrags soll kurz der derzeitige

Stand der Erkenntnisse für ausgewählte Erkrankungen

dargestellt werden.

VORKOMMEN UND WIRKUNG DER

PHYTO-ÖSTROGENE

Zur Stoffklasse der Phyto-Östrogene gehören vor

allem die Polyphenole, wie Isoflavonoide, Coumestane

und die Lignane. Darüber hinaus werden

auch Myko-Östrogene unter dem Oberbegriff

Phyto-Östrogene zusammengefasst. Getreide ist

häufig kontaminiert mit Myko-Östrogenen wie

Resorzylsäurelactone: Östrogenwirkende Substanzen,

die nicht von der Pflanze selbst produziert

werden, sondern von dem auf dem Getreide

befindlichen Pilz der Gattung Fusarium. Resveratrol

zählt ebenfalls zu den Phyto-Östrogenen und

kommt vermehrt in Trauben, und somit auch in

Traubensaft und Wein vor.

Phyto-Östrogene sind natürliche Pflanzenbestandteile,

die eine ähnliche chemische Struktur aufweisen

wie Östradiol. Sie kommen in verschiedenen

Lebensmittelgruppen vor, unter anderem in Getreide,

Hülsenfrüchten (insbesondere in Soja) und Gräsern.

Die Aufnahme der Phyto-Östrogene kann

medikamentösen Therapie liegen unter anderem in

der Einsparung von blutdrucksenkenden Medikamenten

und der Reduktion arzneimittelbedingter

Nebenwirkungen. Durch die gegenseitige ungünstige

Beeinflussung von Stoffwechselprozessen bei

Übergewicht, Diabetes mellitus, Hypertonie und

Hyperlipidämie wird das ernährungsmedizinische

Potenzial deutlich und sollte stärker genutzt

werden.

Dr. Katrin Janhsen, Helga Strube, Bremer Institut für Präventionsforschung

und Sozialmedizin (BIPS), Linzer Str. 8-10,

28359 Bremen, Tel: 0421/ 5959-631, Mail: janhsen@

bips.uni-bremen.de, strube@bips.uni-bremen.de

zum einen über Lebensmittel erfolgen und zum

anderen über hoch dosierte, isolierte Präparate, die

derzeit vermehrt angeboten werden.

KORONARE HERZERKRANKUNGEN

Die Ergebnisse der bislang durchgeführten Studien

zeigen, dass der Verzehr an Phyto-Östrogenen sich

positiv im Hinblick auf koronare Herzerkrankungen

auswirkt. In Tierversuchen wurde festgestellt, dass

Sojaprotein bzw. die darin enthaltenen Isoflavonoide

Arteriosklerose verhindern können. Klinische

Studien, in deren Durchführung hohe Konzentrationen

an Phyto-Östrogenen verabreicht wurden,

zeigen, dass Soja die Konzentration von LDL verringert

und von HDL erhöht. Außerdem kommt es

zu einer Verbesserung hinsichtlich des Blutdruckes

und die Oxidation von LDL wird unterbunden. Eine

Reduktion der Lipidfraktionen geht gleichzeitig mit

einer Verminderung der Häufigkeit kardiovaskulärer

Erkrankungen einher. Im Oktober 1999 hat die

US Food and Drug Administration deshalb die Einführung

neuer Gesundheitslabel auf Lebensmitteln

erlaubt. Diese weisen darauf hin, dass in dem Produkt

Sojaprotein enthalten ist und es somit zu

einer Verringerung des Risikos für koronare Herzerkrankungen

kommen kann.

BRUSTKREBS

Ein protektiver Effekt in Bezug auf die Brustkrebserkrankung

ist derzeit noch nicht eindeutig belegt,

er wird aber von verschiedenen AutorInnen für

möglich gehalten. Bei asiatischen Immigrantinnen

konnte gezeigt werden, dass bei einer Anpassung

an die westliche Ernährungsweise das Brustkrebsrisiko

bei der ersten Generation um das dreifache

ansteigt und bei der zweiten Generation um das

PUBLIKATION

WECHSELJAHRE –

WAS FRAUEN WISSEN SOLLTEN

Petra Kolip, Gerd Glaeske, Jens Bucksch, Helga Strube

Viele Frauen erleben die Wechseljahre als eine

Zeit des Übergangs und des Wandels. Mit den

körperlichen Veränderungen stellen sich zahlreiche

Fragen: Was hilft bei Wechseljahrsbeschwerden?

Wie gut wirken naturheilkundliche Mittel?

Welche Argumente sprechen für, welche gegen

die Hormontherapie? Der Ratgeber geht auf die

Möglichkeiten zur Linderung von Wechseljahrsbeschwerden,

aber auch auf die Prävention altersbedingter

Krankheiten ein. Neben den körperlichen

Aspekten werden die psychischen und

sozialen Veränderungen von Frauen betrachtet.

Auch wenn die Wechseljahre für manche Frauen

beschwerlich sind: Sie sind keine Krankheit.

Ratgeber der Verbraucher- Zentrale Nordrhein-Westfalen,

Düsseldorf 2003, ISBN 3-933705-24-X

fünffache höher liegt. Aus vielen dieser Studien

wurde gefolgert, dass der Verzehr einer sojareichen

Kost das Brustkrebsrisiko mindern kann. Nach dem

derzeitigen Kenntnisstand wird ein Schutzeffekt

der Phyto-Östrogene auf die Brustkrebsentstehung

zwar für möglich gehalten. Die Datenlage ist

jedoch uneinheitlich und auch die genauen Wirkmechanismen

sind nicht hinreichend bekannt.

VASOMOTORISCHE SYMPTOME

Für die Behandlung von vasomotorischen Sympto-

men können derzeit keine einheitlichen Ergebnisse

festgestellt werden, so dass eine abschließende

Beurteilung weitere epidemiologische Studien voraussetzt.

In den meisten der bislang durchgeführ


ten randomisiert, kontrollierten Studien hat sich

gezeigt, dass Sojaprodukte oder Isoflavone keinen

Effekt auf die wechseljahrsbedingten Hitzewallungen

haben und einige Untersuchungen deuten darauf

hin, dass, wenn dieser Effekt vorliegt, nur ein

schwacher Einfluss auf die vasomotorischen Symptome

besteht. Viele Studien zeigen zudem, dass

bezogen auf Hitzewallungen diese durch Sojaprodukte

um 45%, durch Placebos um 30% und durch

eine Hormontherapie um 70% reduziert werden.

Es wird vermutet, dass mitunter allein die Teilnahme

an einer Studie bzw. die Anwendung von Placebopräparaten

zu einer Besserung klimakterischer

Symptome führen kann. Ein weit verbreitetes

Problem bei den Studien ist zudem, dass sich diese

hinsichtlich der eingesetzten Phyto-Östrogene

unterscheiden und dass die Interventionsphase

häufig zu kurz ist, um entsprechende Effekte messen

zu können.

OSTEOPOROSE

Im Hinblick auf die Osteoporose scheinen nach den

bislang zur Verfügung stehenden Ergebnissen

keine präventiven Effekte für die über die Lebensmittel

zugeführten Phyto-Östrogene vorzuliegen.

Die Beobachtung, dass die Inzidenz der postmenopausalen

Osteoporose in asiatischen Ländern

geringer ist, wurde ebenfalls mit den unterschiedlichen

Ernährungsgewohnheiten in Zusammenhang

gebracht. In welcher Weise natürlich vorkommende

Phyto-Östrogene den Knochenstoffwechsel

jedoch modulieren sollen, ist derzeit nicht bekannt.

SCHLUSSBETRACHTUNGEN

Bei der abschließenden Beurteilung, ob Phyto-

Östrogene als Alternative zur bestehenden Hormontherapie

genutzt werden können, muss

berücksichtigt werden, dass viele Studien darauf

hinweisen, dass lediglich die Zufuhr über die Nahrungsmittel

sinnvoll ist. Besonders für Isoflavone

zeigen sich verringerte Effekte, wenn diese isoliert

zugeführt werden. Das bedeutet, dass für entsprechende

Präventionsmaßnahmen eine Ernährungsumstellung

angestrebt werden sollte, während die

reine Substitution dieser Substanz keine geeignete

Empfehlung darstellt. Eine Substitution in hoch

dosierter Form scheint vielmehr kontra-indiziert zu

sein, da negative Gesundheitseffekte nicht ausgeschlossen

werden können. Darüber hinaus wird

davon ausgegangen, dass ein möglicher positiver

Effekt im Hinblick auf die chronischen Erkrankungen

nur erzielt werden kann, wenn der Verzehr von

Phyto-Östrogenen bereits in jungen Jahren erfolgt.

Derzeit kann bezogen auf die westlichen Länder

ein hoher Verzehr an Phyto-Östrogenen aber als

Surrogatparameter für eine besonders gesunde

Lebensweise gesehen werden. Frauen, die in den

westlichen Industrienationen höhere Mengen an

Phyto-Östrogenen verzehren, weisen häufig eine

gesündere Lebensweise auf.

Dr. oec. troph. Cornelia Heitmann, Bremer Institut für

Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS),

Linzer Str. 8-10, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 5959-636,

Mail: heitmann@bips.uni-bremen.de

INSTITUTIONEN UND

FACHGESELLSCHAFTEN

Seite 10 | 11

Die Deutsche Gesellschaft für

Ernährung e.V. (DGE) ist die wissenschaftliche

Fachgesellschaft im Bereich Ernährung

in Deutschland. Sie stellt die Ernährungssituation

in Deutschland unter verschiedenen

Aspekten dar und liefert eine Fülle von

wichtigen Daten – so gibt sie im Auftrag des

Bundesministeriums für Gesundheit und

Soziales sowie des Bundesministeriums für

Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft

alle vier Jahre den Ernährungsbericht

heraus. Die DGE verfolgt ihre Ziele frei von

wirtschaftlichen und politischen

Interessen.

In diesem Jahr feiert die DGE ihr 50-jähriges

Jubiläum mit einem wissenschaftlichem Kongress

zum Thema »Ernährungswissen heute –

ein multidisziplinärer Ansatz« am 9./10. Oktober

2003 in Bonn.

WEITERE LINKS

Weitere Infos zum Kongress

und zur DGE unter

www.dge.de.

www.dife.de

Deutsches Institut für Ernährungsforschung

www.bzga.de

Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung

www.fke.de

Forschungsinstitut für Kinderernährung

www.aid.de

Auswertungs-und Informationsdienst des BMVELs

www.ugb.de

Verband der Unabhängigen Gesundheitsberater

www.vdd.de

Verband der Diätassistenten – Dt. Bundesverband e.V.

www.was-wir-essen.de

Bundesministerium für Verbraucherschutz

www.vzbv.de

Bundesverband der Verbraucherzentralen

www.rki.de

Robert-Koch-Institut

www.bfa-ernaehrung.de

Bundesforschungsanstalt für Ernährung


zph-info Ausgabe 04/03

PROMOTIONEN

Zu Hause krieg ich das nicht hin!?

Entwicklung eines ambulanten Nachsorgeangebotes

bei Essstörungen in Bremen

Bei Essstörungen handelt es sich um psychische

Erkrankungen, von der in erster Linie Frauen

betroffen sind. Die Schwere der Erkrankung erfordert

in vielen Fällen einen stationären Aufenthalt

in einer Rehabilitationsklinik. Diese Gruppe psychischer

Störungen ist durch langwierige und wechselnde

Krankheitsverläufe, eine relativ ungünstige

Langzeitprognose sowie eine hohe Sterblichkeitsrate

gekennzeichnet. Kernmerkmale sind Störungen

des Essverhaltens (wie gewichtsreduzierende

ESS-STÖRUNGEN

KONTAKTADRESSEN IN BREMEN

Arbeitskreis Ess-Störungen

Kontakt: Margrit Hasselmann, Suchtprävention

Bremen, Landesinstitut für Schule, Langemarckstr. 113,

29199 Bremen, Tel: 0421 / 361-16050,

Mail: mhasselmann@lis.bremen.de

Schlaraffenland – Internetberatungsstelle für

essgestörte Mädchen und junge Frauen

Kontakt: Katharina Mietz, Mail: k.mietz@schlaraffenland-bremen.de,

www.schlaraffenland-bremen.de

Beratungszentrum Ess-Störungen Bremen

Kontakt: Beratungszentrum Ess-Störungen,

Pappelstr. 31/33, 28199 Bremen, Tel: 0421 / 597 87 16,

Mail: beratungszentrum@isapp.de

Beratungstelefon - Zeiten: Mo 14-15 Uhr,

Mi 14.30-15.30 Uhr und Fr 12-13 Uhr

Beratungsführer

Ess-Störungen Bremen,

Der Beratungsführer,

bietet einen umfassenden

Überblick über Kontaktadressen

zum Thema Essstörungen

in Bremen; zu

beziehen über Frau Hasselmann,

Suchtprävention

Bremen; Adresse s. oben.

Maßnahmen, Essattacken, Angst vor Gewichtszunahme)

und Selbstwahrnehmungsstörungen. Zu

den Essstörungen zählen vor allem die Anorexia

nervosa (Magersucht) und die Bulimia nervosa

(Ess-Brechsucht). Epidemiologische Erhebungen

belegen für die Hauptrisikogruppe der jüngeren

Frauen (15-25 Jahre) eine Prävalenz klinischer

Diagnosen von ca. 1% bei Anorexie und ca. 3% bei

Bulimie.

BEHANDLUNG, VERSORGUNGS-

SITUATION UND BEDARF AN

NACHSORGE

Obwohl in den Industriestaaten Essstörungen in

den letzten Jahrzehnten vor allem in der weiblichen

Bevölkerung erheblich zugenommen haben,

besteht eine gravierende Unterversorgung von

Personen dieser Indikationsgruppe. Die Behandlungsquote

in der Versorgungspraxis liegt nach

aktuellen epidemiologischen Daten sogar bei nur

einem Drittel der Betroffenen. Da die Erfolge stationärer

Behandlungsmaßnahmen zudem eine

relativ geringe Langzeitstabilität besitzen, wird

u.a. vom Sachverständigenrat für die Konzertierte

Aktion im Gesundheitswesen der Aufbau von poststationären

Versorgungsstrukturen und Nachsorgeangeboten

gefordert. Als zentrale Ziele psychosomatischer

Nachsorge werden in der Literatur

Wiedereinstieg in den Alltag, Stabilisierung und

Ausweitung des stationären Therapieerfolges,

Umgang mit und Vorbeugen von Rückfällen und

Unterstützung durch die Gruppe genannt.

STEPS BEI ESS-STÖRUNGEN

Nach einer stationären Therapie/Rehabilitation von

Essstörungen ist es für die Betroffenen häufig

schwierig, die erzielten Erfolge langfristig aufrecht

zu erhalten und optimal in den Alltag zu integrieren.

Aufbauend auf der Analyse der Versorgungssituation

wurde für diese Personengruppe ein spezielles

Nachsorgeangebot: »STEPS bei Ess-Störungen

– der zweite Schritt« entwickelt. Hierbei handelt

es sich um ein Projekt, das an die Bremer Institution

STEPS gGmbH angebunden ist und von der

AKTION MENSCH gefördert wird. Das Angebot

umfasst ein praxis- und alltagsbezogenes Gruppentraining

sowie ergänzende therapeutische

Wahlangebote (Reitprojekt, Kunst- und Kreativwerkstatt,

Kochangebote u.a.).

FRAGESTELLUNGEN

Im Rahmen des Promotionsvorhabens werden die

Konzeptentwicklung, der Aufbau und die Durchführung

des Projektes wissenschaftlich begleitet.

Mittels der Methoden der formativen Evaluation

wird die Implementierung des Angebotes prozessbegleitend

evaluiert und optimiert, wobei die

NutzerInnen mit Hilfe von Interviews, Fragebögen

und Gruppendiskussionen zu mehreren Zeitpunkten

befragt werden und die AnwenderInnen ihre

Praxiserfahrungen systematisch dokumentieren

und auswerten.

Erste Ergebnisse der Befragung sind:

Von den TeilnehmerInnen dieser Nachsorgegruppe

werden als zentrale Ziele Unterstützung

durch die Gruppe, Auffangen von Krisen und

Schutz vor Rückfällen genannt.

Unter Fortführung der Therapie-/Rehabilitationsziele

und Transfer in den Alltag konnten die

TeilnehmerInnen ein für die Altersstufe normales

Gewicht aufrechterhalten, ihr Essverhalten stabilisieren

und ungezügelte Attacken reduzieren; das in

der Klinik Gelernte im individuellen sozialen Kontext

(Arbeitsplatz, Familie und Freunde) umsetzen;

Therapieziele in Bezug auf Körperakzeptanz und

Selbstwertproblematik verfestigen; neue Problemlösemöglichkeiten

erproben und soziale Kontakte

festigen.

Für die meisten TeilnehmerInnen war die Unterstützung

bei der Suche nach einem ambulanten

Psychotherapieplatz, bei der beruflichen Integration

bzw. Umorientierung oder bei der Vermittlung

weitergehender Betreuungsangebote (Selbsthilfe)

hilfreich.

AUSBLICK

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse werden

zentrale Fragen der Verstetigung des neuen Versorgungsangebotes

diskutiert. Daraus lassen sich

Schlussfolgerungen im Hinblick auf eine bedarfsund

bedürfnisorientierte und geschlechterangemessene

Nachsorge bei Essstörungen sowie eine

Optimierung der Schnittstellen in der Versorgung

ableiten.

Monika Schwarze, Studiengang Öffentliche Gesundheit/Gesundheitswissenschaften,

Universität Bremen,

Grazer Str. 2a, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-4603,

Mail: schwarze@uni-bremen.de

Projektadresse: STEPS bei Ess-Störungen,

STEPS Therapie Beratung gGmbH

Hauptstr. 1, 28790 Schwanewede, Tel: 0421 / 62 63 780,

Mobil: 0173 / 93 41 907, Mail: sbe@steps-bremen.de,

www.steps-bremen.de/sbe.htm


PERSONALIA

MAIKE WEERTS, POLITIKWISSEN-

SCHAFTLERIN, MPH –

NEUE WISSENSCHAFTLICHE

KOORDINATORIN IM ZPH

Maike Weerts übernahm zum 15. Juni 2003 die

Geschäftsführung und wissenschaftliche Koordination

des Bremer Zentrums für Public Health.

Nach einer Ausbildung zur Logopädin studierte sie

Politikwissenschaft an der Universität Marburg mit

den Schwerpunkten Sozial- und Arbeitsmarktpolitik

sowie Frauen- und Geschlechterforschung. Den

anschließenden Aufbaustudiengang Gesundheitswissenschaften

an der Universität Bremen schloss

sie mit der Arbeit »Frauengesundheit im Brennpunkt.

Bestandsaufnahme und Evaluation der

zehnjährigen Arbeit des Frauengesundheitstreffs

Tenever (FGT)« – ein Kooperationsprojekt zwischen

dem Gesundheitsamt Bremen, dem Zentrum für

Public Health und dem FGT – ab. Bereits während

des Studiums begann sie als Dozentin und Presseund

Öffentlichkeitsreferentin in einem privaten

Fortbildungsinstitut in Bremen zu arbeiten, in dem

sie ab 2002 die Geschäftsführung übernahm.

Schwerpunkte ihrer Tätigkeit im Zentrum für

Public Health sind neben der Öffentlichkeitsarbeit

und Koordination von neuen gesundheitswissenschaftlichen

Ausbildungskonzepten im Fachbereich

Human- und Gesundheitswissenschaften an der

Universität Bremen insbesondere die Vernetzung

des Zentrums sowohl innerhalb als auch außerhalb

der Universität und der Aufbau regionaler, nationaler

und internationaler Forschungs- und Kooperationsstrukturen.

Maike Weerts, Zentrum für Public Health,

Universität Bremen, Fachbereich 11 Human- und Gesundheitswissenschaften,

Grazer Str. 2a, 28359 Bremen,

Tel: 0421 / 218-3059, Mail: mweerts@uni-bremen.de

PROF. DR. GERD GLAESKE ALS

MITGLIED IN DEN SACH-

VERSTÄNDIGENRAT BERUFEN

Das Mitglied des Direktoriums des Zentrums für

Public Health an der Universität in Bremen, Prof.

Dr. Gerd Glaeske, wurde im Juli 2003 von der

Bundesministerin für Gesundheit und Soziale

Sicherung, Ulla Schmidt, in den Sachverständigenrat

für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen

berufen. Die Mitgliedschaft in diesem

Gremium der »Sieben Weisen«, das sich mit der

Analyse der derzeitigen medizinischen Versorgung

ebenso beschäftigt wie mit der strukturellen

Weiterentwicklung, dauert jeweils vier Jahre. Dieser

Sachverständigenrat (SVR) wurde 1992 eingerichtet

und im § 142 des 5. Sozialgesetzbuches

(SGB V) auch rechtlich verankert. Er muss alle zwei

Jahre ein Gutachten publizieren, das bestimmte

Schwerpunkte unseres Gesundheitssystems bearbeitet;

eines der letzten Gutachten hat sich z.B. mit

der Über-, Unter- und Fehlversorgung in unserem

System beschäftigt. Diese Gutachten werden vom

Bundesministerium für Gesundheit und Soziale

Sicherung veröffentlicht. Zusammen mit Herrn

Glaeske sind Frau Prof. Gisela Fischer, Hannover,

Frau Prof. Adelheid Kuhlmey, Berlin, Herr Prof. Karl

Lauterbach, Köln, Herr Prof. Rolf Rosenbrock, Berlin,

Herr Prof. Peter C. Scriba, München, und Herr

Prof. Eberhard Wille, Mannheim, als Mitglieder in

den Rat berufen worden.

Prof. Dr. Gerd Glaeske, Zentrum für Sozialpolitik (ZeS),

Universität Bremen, Parkallee 39, 28209 Bremen,

Tel: 0421 / 218-4401, Mail: gglaeske@zes.uni-bremen.de

Seite 12 | 13

PROF. DR. EBERHARD GREISER

ALS MITGLIED DER STRAHLEN-

SCHUTZKOMMISSION BERUFEN

Mit Datum vom 10.01.2003 hat der Bundesminister

für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit,

Herr Jürgen Trittin, den Direktor des Bremer Instituts

für Präventionsforschung und Sozialmedizin

(BIPS) an der Universität Bremen, Professor Dr.

med. Eberhard Greiser bis Ende des Jahres 2004

als Mitglied der Strahlenschutzkommission berufen.

Die Strahlenschutzkommission berät das Bundesministerium

für Umwelt, Naturschutz und Reaktor-

sicherheit in allen Fragen des Schutzes vor den

Gefahren ionisierender und nichtionisierender

Strahlen. Die Mitgliedschaft in diesem Gremium ist

ein persönliches Ehrenamt. Die Mitglieder sind

unabhängig und nicht an Weisungen gebunden.

Prof. Dr. Eberhard Greiser, Bremer Institut für Präventionsforschung,

Sozialmedizin und Epidemiologie (BIPSE),

Universität Bremen, Linzer Str. 8-10, 28359 Bremen,

Tel: 0421 / 5959-60, Mail: greiser@bips.uni-bremen.de

NEUES AUS DEM STUDIENGANG

3. AbsolventInnen-Tag

Am 23. Oktober 2003 findet von 13:15 bis 16:30

Uhr im Zentrum für Sozialpolitik, Parkallee 39 der

3. AbsolventInnen-Tag des Studiengangs »Öffentliche

Gesundheit/Gesundheitswissenschaften« der

Universität Bremen statt. Im Rahmen dieses Tages

sollen wieder – wie bereits im vergangenen Jahr –

die besten Magisterarbeiten mit dem Hanse-Preis

der GEK prämiert werden.

Prof. Dr. Petra Kolip, Universität Bremen,

Postfach 330 440, 28334 Bremen, Tel: 0421 / 218-9726,

Mail: kolip@bips.uni-bremen.de


zph-info Ausgabe 04/03

PUBLIKATIONEN

DER BROCKHAUS

ERNÄHRUNG

Der »Ernährungs-Brockhaus« wurde in Zusammenarbeit

mit zahlreichen ExpertInnen, u.a. den

beiden Mitgliedern des Zentrums für Public Health

Helga Strube, Ernährungsmedizinische Beraterin

DGE und Dr. oec. troph. Cornelia Heitmann MPH,

unter der wissenschaftlichen Leitung der Deutschen

Gesellschaft für Ernährung (DGE) erarbeitet.

Neben 3.500 Stichwörtern von »A« wie Aale bis

»Z« wie Zytostatika werden in 23 ausführlichen

Artikeln bestimmte Ernährungsschwerpunkte vertieft

– so finden sich z.B. aktuelle Informationen

zur »Gentechnik« oder zu »Essstörungen«. Ergänzt

durch zahlreiche Abbildungen und Tabellen,

Lesetipps und Internet-Links, ist dieses Nachschlagewerk

gleichermaßen für VerbraucherInnen und

Fachleute geeignet.

Bibliographisches Institut Mannheim, 2001,

ISBN 3-7653-0581-2

DER GEK-ARZNEIMITTEL-

REPORT 2003

Gerd Glaeske, Katrin Janshen

Die Forderung, mehr Geld in das System »zu pumpen«,

wird zwar immer wieder gestellt, sie ist aber

sowohl im Gesundheitssystem allgemein wie in

der Arzneimittelversorgung ein unnötiger und falscher

Weg. Die Strategie muss vielmehr lauten, die

Qualität und Effizienz in der Arzneimittelversorgung

zu verbessern und mit den gleichen eingesetzten

finanziellen Mitteln eine bessere Therapie

zu erzielen. Die GEK setzt sich dafür ein, dass ihre

Versicherten teilhaben am therapeutischen Fortschritt,

sie kritisiert aber gleichermaßen den Einsatz

von unnötig teuren Arzneimitteln dort, wo

auch mit neuen Arzneimitteln kein besserer Therapieerfolg

erzielt werden kann als mit bewährten

und in der Zwischenzeit kostengünstig angebotenen

Präparaten – so kann auch »Headroom for

Innovation« geschaffen werden.

Für diesen Report wurden rund 21 Mio. Verordnungen

ausgewertet, die Ausgaben für die GEK

im Jahre 2001 von rund 274 Mio. Euro, im Jahre

2002 von rund 290 Mio. Euro bedeuteten. Im

Mittelpunkt der Auswertung standen Arzneimittel

zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

und Schmerzen sowie die Anwendung von Hormonpräparaten

für Frauen nach der Menopause.

Insgesamt ging in den beiden untersuchten Jahren

zwar die Verordnungsmenge um 3,1% zurück, die

Ausgaben stiegen aber um 6% an – ein Hinweis

darauf, dass mehr und mehr teure Arzneimittel verordnet

werden, die keineswegs immer ein gutes

Preis-Leistungs-Verhältnis aufweisen. Etwa 0,4

Beitragssatzpunkte wären bei einer rationalen Arzneimitteltherapie

einzusparen – für die GEK Grund

genug, das Qualitäts- und Kostenmanagement zu

stärken und damit einen Beitrag zu einer effizienten

Versorgung ihrer Versicherten zu leisten.

Der GEK-Arzneimittel-Report 2003, Asgard-Verlag, 2003,

276 Seiten, ISBN 3-537-44025-1

SOZIALE UNGLEICHHEIT UND

KRANKHEITSRISIKEN

Uwe Helmert

Für den Sozial- und Wohlfahrtsstaat Deutschland

stellt die Verringerung der sozialen Ungleichheit

von Krankheitsrisiken eine große Herausforderung

dar. Unter Verwendung der wichtigsten und

zumeist repräsentativen Datenquellen wird mittels

sozialepidemiologischer Methoden eine Bestandsaufnahme

hinsichtlich der Fragestellung vorgenommen,

in welchem Maße zentrale Indikatoren

des Gesundheitszustandes in Deutschland durch

soziale Faktoren beeinflusst werden. Dabei wird

sehr deutlich, dass viele vermeintlich als überwunden

angesehene soziale Bestimmungsfaktoren wie

Einkommensarmut, Bildungsdefizite, niedrige berufliche

Qualifikationen, unterwertige Beschäftigungsverhältnisse

und prekäre Familienkonstellationen

nach wie vor einen sehr bedeutsamen direkten

Einfluss auf den Zustand und die Entwicklung der

Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger ausüben.

Damit soll bei den Akteuren im Gesundheitssektor

der Blick dafür geschärft werden, dass bei

den Debatten und Reformbemühungen für die

zukünftige Sicherung des »Gutes Gesundheit« in

Deutschland nicht nur ökonomische, medizinische,

naturwissenschaftliche und technologische Aspekte

Berücksichtigung finden, sondern die oftmals

stark unterschätzte soziale Dimension der Gesundheit

und der Medizin gestärkt wird.

MaroVerlag, Augsburg, 2003, 224 Seiten,

ISBN 3-87512-183-X


TAGUNGSBERICHTE

KONGRESS WECHSELJAHRE

MULTIDISZIPLINÄR

Vom 21. – 23. Februar 2003 fand der Kongress

»wechseljahre multidisziplinär: was wollen Frauen

- was brauchen Frauen?« in der Universität Bremen

statt. Rund zweihundert TeilnehmerInnen –

MedizinerInnen, PsychologInnen, BeraterIinnen,

StudentInnen, VertreterInnen berufspolitischer Verbände

und Fachgesellschaften, Krankenkassen

sowie Laien haben sich zusammengefunden, die

Wechseljahre von Frauen multidisziplinär und multiprofessionell

zu diskutieren.

Im Mittelpunkt des Kongresses, der vom Bremer

Forum Frauengesundheit, dem Bremer Institut

für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS)

und dem Zentrum für Public Health an der Universität

Bremen veranstaltet wurde, stand die These,

dass die Wechseljahre zunächst eine ganz normale

Lebensphase von Frauen sind, die nicht von vornherein

in medizinische Hände gehört bzw. überhaupt

behandlungsbedürftig ist. Diese These

wurde in Plenarvorträgen, Diskussionsforen und

Praxisworkshops von verschiedenen Seiten aus

beleuchtet.

Der Kongress schloss mit der Verabschiedung

der »Bremer Erklärung wechseljahre multidisziplinär«

und einer Podiumsdiskussion, an der die Vizepräsidentin

der Bundesärztekammer, Frau Dr. Ursula

Auerswald, die Vertreterin des Bundesverbandes

der Frauengesundheitszentren, Frau Angelika Zollmann,

der Leiter des Stabsbereichs Medizin des

AOK-Bundesverbandes, Prof. Dr. Norbert Schmacke

und Frau Ulrike Hauffe, die Bremer Landesbeauftragen

für Frauen teilnahmen, ab.

Frau Winnie Abraham, Universität Bremen, die

die Podiumsdiskussion moderierte, fand folgende

Schlussworte: »Alle Frauen werden die Räume

namens Wechseljahre betreten und sie ganz unterschiedlich

ausgestalten. Viele Frauen wollen und

brauchen dabei keine Einmischung und es gibt

Frauen, die professionelle Beratung und Unterstützung

wünschen. Allen Beteiligten sollte dabei nicht

aus dem Blick geraten, dass diese Räume den Frauen

gehören, und alle anderen lediglich Gäste sind.

In diesem Sinne wollen wir uns gegenseitig ermutigen,

die nächsten Schritte als Gäste in den Räumen

der Frauen in der Lebensmitte einfühlsam und

respektvoll zu gestalten.«

Die »Bremer Erklärung wechseljahre multidisziplinär«

und der Plenarvortrag von Prof. Kolip

können unter www.wechseljahre.uni-bremen.de

heruntergeladen werden. Die Dokumentation des

Kongresses erscheint im Herbst 2003 in der GEK-

Edition im Asgard-Verlag.

Dr. Ingeborg Jahn, Bremer Institut für Prävention,

Sozialmedizin und Epidemiologie, Universität Bremen,

Linzer Str. 8-10, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 5959-652,

Mail: jahn@bips.uni-bremen.de

3. BREMER ERNÄHRUNGS-

MEDIZINISCHES FORUM:

OSTEOPOROSE – AKTUELLES AUS

WISSENSCHAFT UND PRAXIS

Auf dem 3. Bremer Ernährungsmedizinischen

Forum (veranstaltet von der Akademie für Ärztliche

Fortbildung der Ärztekammer Bremen, dem Bremer

Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin

(BIPS) sowie dem Zentrum für Public

Health der Universität Bremen) diskutierten am

14. Juni 2003 mehr als 90 TeilnehmerInnen aus

Medizin, Ernährungswissenschaft und Sporttherapie

mit namhaften ExpertInnen den aktuellen Forschungsstand

zum Thema Osteoporose.

In ihren Grußworten betonten Gerd Wenzel

(Ärztekammer Bremen) und Prof. Dr. Eberhard

Greiser (BIPS), dass die große Resonanz auf diese

Veranstaltung deutlich mache, dass sich die

interdisziplinäre Fortbildungsreihe »Bremer Ernährungsmedizinisches

Forum« nach den Themen

»Diabetes mellitus Typ 2« im Jahr 2001 und

IMPRESSUM

Herausgeber: Vorstand des Zentrums für Public Health

Redaktion: Gerd Glaeske, Cornelia Heitmann, Helga Strube, Maike Weerts

Kontakt: Maike Weerts, Zentrum für Public Health, Universität Bremen, Fachbereich 11,

Human- und Gesundheitswissenschaften, Grazer Straße 2a, 28359 Bremen

Tel: 0421 / 218-3059, Fax: 0421 / 218-2084, Mail: mweerts@uni-bremen.de

Gestaltung: Patel Grafik Design, Bremen, Druck: Girzig+Gottschalk, Bremen

Bildnachweis: S. 1, 3, 5: Photodisc, S. 6: Walter Gerbracht, S. 8: Monika Böttjer,

S. 9: Krankenhaus-Museum, ZKH Bremen-Ost, S. 11: Mark Patel

Redaktionsschluss: 15.08.2003

Seite 14 | 15

»Adipositas bei Kindern« im Jahr 2002 mittlerweile

erfolgreich etabliert hat und eine bestehende

Weiterbildungslücke für Ärztinnen und Ärzte,

Ernährungsfachkräfte, GesundheitswissenschaftlerInnen

und interessierte Fachkräfte geschlossen

hat.

Die Beiträge zeigten neben dem Einfluss der

Ernährung und Bewegung bei Osteoporose ebenfalls

die sozialmedizinischen und gesundheitsökonomischen

Folgen von Osteoporose auf. Nach

einer bewegungsaktiven Pause für die TeilnehmerInnen

hinterfragte Frau Prof. Martina Dören, Freie

Universität Berlin in ihrem Schluss-Referat »Sinn

und Nutzen einer Hormonersatztherapie bei

Osteoporose« kritisch den Einfluss von Östrogenen

auf die Knochenfestigkeit. Dören kommt zu dem

Ergebnis, dass aufgrund der Datenlage und des

Risikoprofils (Brustkrebs, Herzkreislauferkrankungen)

eine Hormonersatztherapie nicht für die

Osteoporose-Prävention empfohlen werden kann.

In der Diskussion und in den Beiträgen wurde

deutlich, dass im Vergleich zu anderen Erkrankungen

die Osteoporose zu wenig gesundheitspolitische

Aufmerksamkeit erfährt. Die demografische

Entwicklung zeigt aber, dass die Bedeutung der

Osteoporose in den nächsten Jahren dramatisch

zunehmen wird und somit das hohe Präventionspotenzial

der Ernährung und Bewegung stärker in

den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken sollte.

Ein besonderer Dank gilt Friederike Backhaus von

der Ärztekammer Bremen für die tatkräftige Unterstützung!

Gabriela Fehse, MPH, Geschäftsführende Ärztin der Akademie

für Ärztl. Fortbildung der Ärztekammer Bremen

Helga Strube, Ernährungsmedizinische Beraterin DGE,

Bremer Institut für Präventionsforschung (BIPS),

Linzer Str. 8-10, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 5959-637,

Mail: strube@bips.uni-bremen.de


zph-info Ausgabe 04/03

VERANSTALTUNGEN

VERANSTALTUNGSREIHE »ICH WILL DICH

SEHEN« VOM NETZWERK ZUKUNFTS-

GESTALTUNG & SEELISCHE GESUNDHEIT

Unter dem Motto »Ich will dich sehen« startet

das Netzwerk Zukunftsgestaltung und Seelische

Gesundheit Bremen e.V. (NetZS) eine Veranstaltungsreihe,

um sichtbar und »sehens-wert«

zu machen, was nicht sichtbar und nicht »sehenswert«

ist. Menschengruppen dieser Stadt: ihre

Räume, Treffpunkte, Aktivitäten und Geschichten.

Dazu lädt das NetZS Bremen e.V. am 27. November

2003 zu einer öffentlichen Großveranstaltung

ins Bremer Rathaus ein, bei der neben Vorträgen

und Projektvorstellungen auch ein interessantes

Kulturprogramm angeboten wird.

Netzwerk Zukunftsgestaltung und Seelische Gesundheit

Bremen e.V., Fahim Sobat, Universität Bremen,

Grazer Str. 2a, 28359 Bremen, Tel: 0421 / 218-3059,

Mail: info@netzwerk-bremen.de,

www.netzwerk-bremen.de

GESUNDHEITSFORUM 2003

LEBEN MIT BEHINDERUNG –

BEHINDERTES LEBEN?

11. November 2003: Lustvoll leben:

Sexualität und geistige Behinderung

Referent: Prof. Dr. Joachim Walter, Vorstandsvorsitzender

und Fachlicher Leiter Diakonie Kork.

25. November 2003: Starke Eltern. Leben mit

behinderten Kindern in einer schwierigen Umwelt.

ReferentIn: Dr. Monika Seifert, Universität Köln

und Prof. Dr. Jantzen, Universität Bremen.

Eine Veranstaltungsreihe in Kooperation von:

Bremer Volkshochschule, Bremer Institut für

Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS),

Netzwerk Zukunftsgestaltung und seelische

Gesundheit Bremen, Pro Familia Bremen, Stadtbibliothek

Bremen.

Beginn jeweils 20:00 Uhr, Ort: Stadtbibliothek Bremen,

Friedrich-Ebert-Straße 101/105, 28199 Bremen

FESTSYMPOSIUM – EPIDEMIOLOGIE

HEUTE – BEVÖLKERUNGSBEZOGENE

FORSCHUNG FÜR EVIDENZBASIERTE

PRÄVENTION

Am 20. November 2003 findet das wissenschaftliche

Festsymposium anlässlich des

65. Geburtstags von Professor Dr. med. Eberhard

Greiser an der Universität Bremen statt. An die

Veranstaltung schließt sich am 21. und 22.

November 2003 ein Workshop der verschiedenen

Arbeitsgruppen der Deutschen Arbeitsgemeinschaft

für Epidemiologie (dae), der Deutschen

Gesellschaft für Medizinische Informatik,

Biometrie und Epidemiologie (GMDS), und

der Deutschen Region der Internationalen Biometrischen

Gesellschaft (DR-IBG) an.

Genauere Informationen und das Anmeldeformular zur

Teilnahme an den genannten Veranstaltungen finden Sie

unter: www.bips.uni-bremen.de

GESUNDHEITSPOLITISCHES

KOLLOQUIUM

Mit dem Thema »Diagnosis related groups –

›Revolution‹ im Krankenhaus!? Ausgangslage,

Erfahrungen und Perspektiven« beschäftigt sich

das Gesundheitspolitische Kolloquium im Wintersemester

2003/2004. Beginn der gemeinsam

vom Zentrum für Sozialpolitik (ZeS), dem FB 11

»Human- und Gesundheitswissenschaften« sowie

dem Zentrum für Public Health organisierten

Veranstaltungsreihe ist der 15. Oktober 2003

um 20 Uhr im Zentrum für Sozialpolitik. Die

genauen Termine und Themen sowie alle weiteren

Informationen erhältlich bei:

Dr. Bernard Braun, Zentrum für Sozialpolitik (ZeS),

Parkallee 39, 28209 Bremen,

Mail: bbraun@zes.uni-bremen.de;

www.zes.uni-bremen.de

3. BREMER FORUM GESUNDHEITLICHER

VERBRAUCHERSCHUTZ »ERNÄHRUNG,

ARMUT UND GESUNDHEIT«

Das Forum hat das Ziel »Ernährungsarmut«

öffentlich zu machen und mögliche Kooperationen

zwischen Gesundheitswissenschaft und

Gemeinwesen zu diskutieren. Das Einführungsreferat

hält Prof. Annelie Keil, Universität Bremen,

Zentrum für Public Health zum Thema »Ernährungsarmut

hat viele Gesichter – wenn das Leben

hungert und nicht nur der Magen knurrt«.

Die Kooperationsveranstaltung vom BIPS,

Zentrum für Public Health, Senator für Arbeit,

Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales und

der Verbraucherzentrale des Landes Bremen e.V.

findet am 3. November 2003 von 14 – 18 Uhr

in der Bürgerschaft Bremen, Hauptgebäude,

Am Markt 20 statt.

Kontakt: Manfred Severin, Senator für Arbeit, Frauen,

Gesundheit, Jugend und Soziales, Tel: 0421 / 361-9547,

Mail: mseverin@gesundheit.bremen.de

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