Ernährung - IPP - Universität Bremen

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Ernährung - IPP - Universität Bremen

zph-info Ausgabe 04/03

Der Beitrag der Ernährung zur Entstehung

der sozialen Ungleichheit der Gesundheit

Die Bedeutung der Ernährung für die Entstehung

der sozialen Ungleichheit der Gesundheit in

Deutschland hat sich mittlerweile stark gewandelt.

Die Ernährungssituation sozial und ökonomisch

benachteiligter Bevölkerungsgruppen im Wohlfahrtsstaat

Deutschland ist nicht geprägt von

Unterernährung, sondern von Fehl- und Überernährung.

Obwohl für Deutschland bisher keine

speziell zu dieser Fragestellung konzipierte Studie

durchgeführt wurde, liegen mittlerweile drei große

bevölkerungsbezogene Untersuchungen vor, die

auf repräsentativer Basis empirische Daten zur

sozialen Ungleichheit der Ernährungssituation

liefern:

Die Nationale Verzehrstudie (NVS) mit dem

Subsample zur Verbundstudie Ernährungserhebung

(VERA) konnte zeigen, dass hinsichtlich der

Nährstoffversorgung deutliche Problemlagen für

spezielle Bevölkerungsgruppen zu konstatieren

sind. Personen, die nur einen Hauptschulabschluss

besitzen, sowie ArbeiterInnen aus Haushalten mit

einem sehr geringen Pro-Kopf-Einkommen weisen

Im Auftrag der zwei großen Bremer Kindertagesstättenträger,

dem städtischen Amt für Soziale

Dienste und der Bremischen Evangelischen Kirche

führt das BIPS seit etlichen Jahren ein intensives

Ernährungsprogramm in Bremen durch. Gestartet

wurde 1990 mit dem Projekt »Gesünder essen –

kinderleicht« in den kommunalen Einrichtungen.

1999 kam das Projekt »Mehr gesunde Ernährung

für Kinder« mit der Beratung der kirchlichen Einrichtungen

dazu. Insgesamt werden inzwischen in

116 Einrichtungen knapp 12.000 Kinder erreicht.

Kindergärten bzw. Kindertagesstätten stellen ideale

Orte der Gesundheitsförderung dar, denn über

die Kindergärten wird nahezu die gesamte Bevölkerung

der jeweiligen Altersstufe einschließlich

sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen

erreicht.

Die Kinder erhalten eine warme Mittagsmahlzeit,

Getränke und weitere Zwischenmahlzeiten. Diese

Betreuung erstreckt sich in der Regel über mehrere

Jahre und hat somit große Bedeutung für die

aktuelle Ernährung und Gesundheit der Kinder

eine deutlich reduzierte Zufuhr an Calcium, Vitamin

C und Folsäure auf und bedürfen daher gezielter

Maßnahmen der Ernährungsaufklärung und

-beratung.

In der WHO-MONICA-Studie zeigten sich stark

ausgeprägte bildungsspezifische Differenzen hinsichtlich

der Lebensmittelauswahl und der Nährstoffversorgung.

In den nationalen Gesundheitssurveys wurden

hinsichtlich der Verzehrshäufigkeit von Lebensmitteln

wiederholt erhebliche Unterschiede basierend

auf dem Bildungsgrad, dem Berufsstatus und der

Einkommenssituation festgestellt.

Untersuchungen bei Schülerinnnen und Schülern

im Alter von 11 bis 15 Jahren verdeutlichen,

dass deren Ernährungsverhalten in starkem Maße

im Zusammenhang steht mit der finanziellen Lage

ihrer Eltern. Wie auch bei den Erwachsenen ist bei

ökonomisch benachteiligten Jugendlichen ein

hoher Problemdruck hinsichtlich eines ungesunden

Ernährungsverhaltens anzutreffen.

Als Folge dieser erheblichen sozialen Differen-

»Gesünder essen – kinderleicht«

Gesundheitsförderung in Bremer

Kindertagesheimen

einerseits sowie für die langjährige Gesundheitsförderung

andererseits. Qualitätskriterien der Kindergartenernährung

sollten dabei nicht nur die

zen des Ernährungsverhaltens ist für Deutschland,

wie auch für andere Industrienationen, eine stark

ausgeprägte soziale Polarisierung hinsichtlich der

Prävalenz des Übergewichts zu beobachten. Im

Vergleich zu anderen bedeutsamen gesundheitsbezogenen

Risikofaktoren (Rauchen, Bluthochdruck,

Bewegungsmangel) findet sich in der Regel

für das Übergewicht der am stärksten ausgeprägte

soziale Gradient.

Bezogen auf die von Einkommensarmut

betroffene Bevölkerungsgruppe in Deutschland,

lässt sich über alle regionalen und kulturellen

Unterschiede hinweg konstatieren, dass Armutssituationen

den Ernährungsstatus negativ beeinflussen,

wenn die Betroffenen gezwungen sind,

ihre Ernährungsweisen der finanziellen Notlage

anzupassen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen,

dass auch in Armutssituationen nicht allein Geldmangel

die Qualität der Ernährung beeinflusst,

sondern vielmehr verschiedene familiäre und

gesellschaftliche Faktoren einen Einfluss auf die

Ernährungsweise und die Ernährungsqualität

ausüben.

PD Dr. Uwe Helmert, Zentrum für Sozialpolitik (ZeS),

Universität Bremen, Parkallee 39, 28209 Bremen

Tel: 0421 / 218-4378, Mail: uhelmert@zes.uni-bremen.de

Nährstoffzufuhr und die Lebensmittelauswahl,

sondern auch eine Ernährungserziehung zu einer

gesunden und genussvollen Ernährung sein. Essgewohnheiten,

die in der frühen Kindheit erworben

werden, sind häufig noch im Erwachsenenalter

verhaltensbestimmend.

Ein Schwerpunkt der Aktivitäten des Bremer Kindergartenprojektes

betrifft den Bereich der Ernäh-

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