Empfehlungen für traumasensible Begleitung durch Hebammen

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Empfehlungen für traumasensible Begleitung durch Hebammen

Vorwort der Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV)

Die Erarbeitung der vorliegenden Empfehlungen zur traumasensiblen

Begleitung durch Hebammen hat von der ersten Initiative bis zur Veröffentlichung

einen fast zwölfjährigen Prozess in Anspruch genommen.

Die Bundesdelegiertentagung (BDT), als bestimmendes Organ

des Deutschen Hebammenverbandes (DHV), musste, vom ersten

Antrag mit Förderzusage für das Projekt, sechs Jahre auf das Ergebnis

warten. Die Auseinandersetzung mit Gewalt und Trauma ist schmerzlich,

kann an eigene leidvolle Erfahrungen rühren und macht den

Einfluss generationsübergreifender Systeme und Muster bewusst, die

Gewalt und daraus entstehende Traumatisierungen begünstigen.

Während der Zeit der Entstehung hat sich viel verändert. Die Gesetzgebung

zum Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt hat sich

verbessert. Stalking wurde unter Strafe gestellt, Täter können in vereinfachten

Verfahren der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden,

wenn sie Gewalt ausüben. Außerdem kann ein Mindestabstand zur

Wohnung einer ehemaligen Partnerin auferlegt werden. Es sind Konzepte

entstanden zum Umgang mit von Gewalt betroffenen Frauen im

Kontakt mit Institutionen des Gesundheitssystems.

Die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit „früher Hilfen“ rückt mehr und

mehr ins Bewusstsein und wird nun in Form der Familienhebammen

auch finanziell regelhaft unterstützt. In die Curricula der

Familienhebammenweiterbildung wurde die Thematik Trauma und

Gewalt aufgenommen.

Bindungsforschung und Wissen über die Zusammenhänge zwischen

kindlicher Entwicklung und psychischer Belastung der Mutter haben

enorme Fortschritte gemacht.

Auf der anderen Seite scheinen diese Erkenntnisse nur quälend

langsame Fortschritte in der Veränderung bestehender Strukturen zu

bewirken. Prävention von Traumatisierungen und Umsetzung echter

Patientenrechte, die Autonomie und Selbstbestimmung im medizinischen

System real fördern, werden ewig diskutiert, scheitern jedoch

an einer Vielzahl möglicher Gründe (beispielsweise fehlendem Verständnis

für Zusammenhänge, Mut/Bereitschaft zur Veränderung).

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