Wachstum ohne Ende? - BUNDjugend

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Wachstum ohne Ende? - BUNDjugend

Impressum

Text: Anja Humburg

Redaktion: Jutta Wieding, Jochen Dallmer,

Miriam Boschmann, Gert Sanders

Gestaltung & Illustration: Annika Huskamp, annika@macaia.com

Herausgeberin: Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz e.V.

V.i.S.d.P.: Gert Sanders, Am Köllnischen Park 1a, 10179 Berlin

Druck: www.lokay.de, mit Farben aus nachwachsenden Rohstoffen

auf 100% Recyclingpapier, ausgezeichnet mit dem

Blauen Umweltengel.

Anmerkungen

In diesem Heft hängen wir den gegenderten Zusatz „_innen”

an, um kein Geschlecht auszuschließen.

Wir verwenden den Ausdruck „Globaler Süden”, weil er neutraler

ist als „Entwicklungs- und Schwellenländer” oder „Dritte Welt”.

Mit dem Ausdruck „Länder des Globalen Südens” wird diesen

Ländern keine bestimmte Entwicklungsrichtung und besonders

nicht die des „Globalen Nordens” aufgezwungen.

Coop (sprich: Ko -op) steht für Kooperation – also sich absprechen

und in einer Gruppe etwas organisieren – zum Beispiel Lebensmittel.

Inhalt

Wachstum! Welches Wachstum?

Die Vermessung des Wohlstandes

Lange keine Spur von Wirtschaftswachstum

Das globale Rennen

Es ist nicht alles BIP, was wächst

Mythen ums Wachstum: Hält es, was es verspricht?

Zwei Gründe für eine Alternative

zum grenzenlosen Wachstum

Der Traum von der Effi zienz-Revolution

Was, wenn nicht Wachstum?

„Buen Vivir“ und Bruttonationalglück

Jenseits des Wachstums

Auf Los geht’s los

Klartext

War sonst noch was? Ja!

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5

6

8

10

12

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29

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Wachstum! Welches Wachstum?

Wachstum ist nicht gleich Wachstum. In der Natur

ist Wachstum begrenzt: Menschen wachsen, Bäume

sprießen in die Höhe, aber irgendwann sind sie „ausgewachsen“.

Bei der Wirtschaft soll das anders sein, sie

soll immer weiter und weiter wachsen: die Produktion,

der Umsatz, die Zahl der Beschäftigten eines Unternehmens,

die Auswahl an Produkten und unser Verbrauch.

Das Wirtschaftswachstum ist zum Ziel unserer Entwicklung

und dem Anliegen der Politik geworden.

Aber ist mit einem Wachstum der Wirtschaft ein

besseres Leben verbunden? Ist unendliches Wachstum

in einer endlichen Welt überhaupt möglich?

Die Vermessung des Wohlstandes

In den meisten Ländern dieser Erde wird das Wirtschaftswachstum

mit dem Bruttoinlandsprodukt, kurz

BIP, gemessen. Das BIP zeigt den Wert aller Waren und

Dienstleistungen an, die in einem Land und in einem

Jahr hergestellt und verkauft werden.

Das BIP ist also ein Maß für die Aktivität der Wirtschaft.

Wird mehr produziert, steigt das BIP. Wenn Rohstoff

e und Arbeitskraft zu Produkten werden, entsteht

ein neuer Wert. Das nennt man Wertschöpfung. Der

Gewinn, der durch den neuen Wert entsteht, wird gleich

wieder investiert, um weiteres Wachstum zu generieren.

Dafür müssen in der Regel Kredite mit hohen Zinsen

aufgenommen werden und es kommt zum sogenannten

Wachstumszwang. Da mehr zurückgezahlt werden muss,

als geliehen wurde, lohnt sich die Kreditaufnahme nur,

wenn die Unternehmer_innen durch das geliehene Geld

mehr erwirtschaften können.

Es gibt aber auch noch einen Wachstumsdrang im

Wirtschaftssystem: Aktienbesitzer_innen großer Unter-

4 5


nehmen spekulieren an den Börsen, um den Wert ihrer

Aktien zu steigern. Sie erwarten von den Unternehmen,

noch mehr zu wachsen.

Damit setzt eine unendliche Wachstumsspirale ein.

Ursprünglich war das BIP nur dazu gedacht, das Wachstum

der Wirtschaft zu messen, nicht aber den Wohlstand oder

das Wohlbefinden der Gesellschaft. Erst mit der Zeit

ging man davon aus, dass Wirtschaftswachstum für ein

besseres Leben sorge.

Was wird immer mehr in deinem Leben?

Was immer weniger?

Lange keine Spur

von Wirtschaftswachstum

Lange Zeit wuchs die Wirtschaft nur sehr wenig.

Das lässt sich allerdings nicht genau beziff ern, weil das

BIP als Messinstrument erst in den 1930ern eingeführt

wurde. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert

begann die Wirtschaft schneller zu wachsen, weil

Maschinen viele Arbeiten übernahmen und mit der

Förderung von Kohle und Erdöl Energie in großem Maße

verfügbar wurde.

Während des Wirtschaftswunders nach dem zweiten

Weltkrieg lag das Wirtschaftswachstum in Deutschland

bei ungefähr zehn Prozent im Jahr. 1950 betrug

das deutsche Wirtschaftsvolumen umgerechnet 250

Milliarden Euro. Natürlich hatte dieses sogenannte

Wirtschaftswunder viel damit zu tun, dass nach dem

Krieg Häuser, Straßen und Fabriken wiederaufgebaut

werden mussten. In den nächsten 40 Jahren wuchs das

BIP dann immer langsamer. Heute wächst unsere Wirtschaft

um etwa ein Prozent im Jahr. 2010 waren das 2,5

Billionen Euro. Das heißt, das BIP ist 2,25 Billionen Euro

höher als 1950.

Von den Wachstumsraten der Nachkriegszeit sind

wir heute weit entfernt. Trotzdem sind die fetten Jahre

nicht vorbei.

6 7


Wenn unsere Wirtschaft heute um nur ein Prozent

wächst, dann ist das in Euro immer noch mehr, als

zehn Prozent im Jahr 1950 ausmachten.

Das globale Rennen

Deutsches Wirtschaftsvolumen 2010

1% Wirtschaftswachstum = € 2,5 Billiarden

Deutsches Wirtschaftsvolumen 1950

10% Wirtschaftswachstum = € 25 Milliarden

In vielen Industrieländern ist der Wohlstand dem

starken Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte

zu verdanken. In Schwellenländern wie China, Indien

und Brasilien zieht die Wirtschaft seit einigen Jahren

auch kräftig an. In vielen Ländern des Globalen Südens

wächst die Wirtschaft zwar auch, aber von Wohlstand

für breite Massen kann immer noch keine Rede sein.

Welt-Bruttoinlandsprodukt

in Mrd. US-Dollar, 2007

15.242 Mrd.US$

Nordamerika

1.156 Mrd. US$

Mittelamerika und Karibik

Mexiko 889

2.378 Mrd. US$

Südamerika

Brasilien 1.347

Argentinien 266

Venezuela 233

BIP global – die Unterschiede sind groß.

17.589 Mrd. US$

1.782 Mrd. US$

Europa

Südosteuropa und GUS

Deutschland 3.302 Russland 1.285

Großbritannien 2.738

Ukraine 141

Frankreich 2.567 Kasachstan 94

8 9

USA

Kanada

1.420

13.816

1.407 Mrd. US$

Naher Osten

Saudi-Arabien

Iran

Ver.Arabische Emirate

384

314

211

12.392 Mrd. US$

Asien

Japan 4.395

China 3.287

1.253 Mrd. US$

Afrika

Indien 1.137

Südafrika 278

Nigeria

Ägypten

151

133

1.074 Mrd. US$

Ozeanien

Australien 922

Neuseeland 129

Quelle: United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD)

(2008): Handbook of Statistics


Es ist nicht alles BIP, was wächst

Nehmen wir das BIP doch mal genauer unter die

Lupe: Wenn ich mir ein Mountainbike kaufe, trägt das

zum BIP bei. Ebenso, wenn Hassans Vater eine Solaranlage

auf’s Dach bauen lässt. Das BIP misst auch Dienstleistungen:

zum Beispiel wenn Ilka einen Kurs in der Tanzschule

macht oder Emilie mit ihrer Familie in den Urlaub fährt.

Aber auch ein Autounfall trägt zum BIP bei, weil die

Fahrzeuge in einer Werkstatt repariert werden müssen.

Sogar eine Umweltkatastrophe kann das BIP steigern,

da viele Firmen mit dem Beheben der Schäden beauftragt

werden. All das kostet Geld, und wo Geld fließt, wächst

das Bruttoinlandsprodukt.

Das heißt aber auch, dass alles, was wir „kostenlos“

machen, nicht im BIP vorkommt. Zum Beispiel, wenn

Aida ihrer Nachbarin beim Umzug hilft oder Thomas

bei Oma Lilo die Wohnung putzt. Es ist dem BIP auch

egal, wenn Britta ihre Bohrmaschine an eine Freundin

verleiht oder Yussuf seine alten Bücher in die Schulbücherei

stellt. Auch das ehrenamtliche Engagement

in einem Sportverein oder die Mitarbeit in einer

Umweltgruppe wird nicht in das BIP eingerechnet.

Viele Bereiche der Arbeit fließen also nicht in die

Messung der Wirtschaftskraft ein. Diese Bereiche

werden informelle und reproduktive Arbeit genannt,

weil die Menschen, die dieser Arbeit nachgehen,

keinen offiziellen Arbeitsvertrag und kein Geld für

ihre Tätigkeiten bekommen. Schätzungen sagen, dass

das BIP um 40 bis 50 Prozent höher wäre, wenn man

diese Tätigkeiten mit einrechnen würde. Allerdings ist

es sehr schwer, ihren Wert zu beziffern.

Trotzdem sind diese Tätigkeiten sinnvoll und wichtig

und es macht einfach Spaß, einander zu helfen oder

jemandem einen Freundschaftsdienst zu erweisen.

Und was würde es nützen, den Wert solcher informellen

und reproduktiven Tätigkeiten in Euro auszurechnen?

Vielleicht brauchen wir eine ganz andere Einheit, um

diese Tätigkeiten wertzuschätzen. Das BIP kann das

jedenfalls nicht.

10 11


Was dürfte gerne noch viel weiter

wachsen - auch wenn die Wirtschaft

nicht mehr wächst?

Was könnte ruhig schrumpfen?

Mythen ums Wachstum:

Hält es, was es verspricht?

Ganz gleich ob Außen-, Wirtschafts-, Bildungs- oder

sogar Umweltpolitik: Politiker_innen aller Ressorts sagen,

wir bräuchten Wachstum. Trotz aller Unterschiede

zwischen den Parteien – beim Wachstumsthema sind

sie sich, bis auf wenige Ausnahmen, einig: Mehr Wachstum

ist besser für alles. Aber gucken wir doch mal genau

hin. Welche magischen Zwecke soll das Wachstum erfüllen?

Erreichen wir durch das Allheilmittel Wachstum,

was wir wollen?

Schaff t Wachstum Arbeitsplätze?

So einfach ist das heute nicht mehr. Die Wirtschaftsexpert_innen

vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung

zeichnen ein tristes Zukunftsbild: „Für mehr

Jobs benötigen wir ein jährliches Wirtschaftswachstum

von mindestens zwei Prozent,“ sagen sie.

Wachstumsvoraussagen für Deutschland liegen

aber weit darunter. Die Realität zeigt: Obwohl unsere

Wirtschaft ständig wächst, ist das Problem der Arbeitslosigkeit

geblieben. Unter anderem, weil wir in immer

weniger Zeit immer mehr herstellen können. Arbeitslosigkeit

muss mit anderen Mitteln als Wachstum bekämpft

werden. Zum Beispiel durch die bessere Verteilung von

12 13


Arbeit. Manche Menschen schaffen ihre Arbeit kaum

und machen Überstunden, andere würden gern arbeiten,

finden aber keinen Job.

Teilzeit-Arbeitsplätze haben den Vorteil, dass die

Menschen mehr Zeit für andere Aktivitäten haben.

Bei einer schrumpfenden Bevölkerungszahl in Deutschland

braucht es statt immer mehr Arbeitsplätzen in

rationalisierten, energie- und materialintensiven

Produktionsprozessen angemessen bezahlte, sichere

und menschliche Jobs.

Bekämpft Wachstum Armut?

Wenn der Kuchen wächst, bekommen alle mehr

davon ab. Diese Annahme beruht auf der so genannten

Trickle-down-Theorie (engl. trickle = sickern). Sie geht

davon aus, dass Wirtschaftswachstum und materieller

Wohlstand der Reichen nach und nach in die „unteren“

Schichten der Gesellschaft durchsickern. Personen mit

großem Vermögen und genügend Gewinn investieren

mehr, wodurch die „ärmeren“ Bevölkerungsschichten

Aufträge und Löhne bekommen. Bestritten wird die

Trickle-down-These vor allem von Globalisierungskritiker_innen.

Die Investitionen würden immer dorthin

gehen, wo der Nutzen für die sozial Schwächeren am

geringsten sei. Dies sei vor allem durch die globalisierte

Marktwirtschaft zu einem Problem geworden.

Sie bespötteln den Trickle-down-Effekt im Rahmen

des sogenannten Pferdeäpfel-Theorems: „Wenn man

einem Pferd genug Hafer gibt, wird hinten auch etwas

herauskommen, um die Spatzen zu füttern“. Zwar hat

Wirtschaftswachstum in sogenannten Schwellenländern

wie Indien und China Millionen aus der Armut befreit,

jedoch zugleich die Schere zwischen Arm und Reich

dramatisch weit geöffnet. Denn das BIP als Maßstab

verschleiert Ungleichheiten bei der Verteilung der Einkommen,

des materiellen Konsums und des Vermögens.

Mehr als 50 Prozent des globalen Vermögens liegen

in den Händen von zwei Prozent der Menschheit, die

ärmsten 50 Prozent der Menschen besitzen gerade mal

ein Prozent des globalen Vermögens!

14 15


Ohne Wachstum kein Umweltschutz?

Es heißt oft, ohne Wachstum könnten wir uns

keinen Umweltschutz leisten, denn umweltschonende

Technologien, die Umstellung auf erneuerbare Energien,

Aufk lärungskampagnen und Forschung kosten Geld.

Studien belegen jedoch, dass in den meisten Fällen

Wachstum – und neoliberales Wirtschaftsdenken –

eher eine Ursache und nicht die Lösung der Umweltprobleme

ist. Mehr zu produzieren heißt immer auch,

dass mehr natürliche Ressourcen verwendet werden

müssen. Häufi g wird die Umweltverschmutzung nur

verlagert, zum Beispiel dorthin, wo es weniger kostet,

Müll zu verbrennen.

Stabilität durch Wachstum?

Ein stabiles Wirtschaftssystem ist wichtig, damit

zum Beispiel Löhne und Renten gezahlt werden können.

Die Finanzkrisen zeigen jedoch, auf welch wackeligem

Fundament ein Wirtschaftssystem steht, das auf einem

enormen Zwang zu wachsen basiert.

Ist der Wachstumszwang sogar der Grund für die

instabile Lage unserer Wirtschaft? Gibt es ein Gleichgewicht,

in das wir unsere Wirtschaft bringen können,

anstatt immer weiter nach Wachstum zu streben oder

plötzlich und unkontrolliert zu schrumpfen?

16 17


Wachstum macht sich auch in

unseren Köpfen breit.

Wachstum ist nicht bloß abstrakt und weit weg, ein

Thema auf den Tagesordnungen der Politik, Unternehmen

und Medien. Wachstum ist auch in unsere Köpfe eingezogen.

Wenn die Zinsen auf dem Sparbuch wachsen, haben

wir nichts dagegen.

Das Spiel „Monopoly“ spiegelt unkritisch die Mentalität

mächtiger Firmenbosse wider. In Sportvereinen begegnet

man nicht selten harten Wettkämpfen. Eine neue Kamera,

eine neue Winterjacke und der nächste Urlaub nach

Teneriffa oder doch lieber nach Thailand? „Größer, weiter,

schneller, mehr“ ist nicht nur das Leitmotiv von Entscheidungsträger_innen.

Auch im Privaten hält dieses

Denken Einzug.

Wachstum hält nicht was es verspricht. Trotzdem

sind heute viele gesellschaftliche Bereiche auf Wachstum

angewiesen. Mit kleinen Schönheitskorrekturen ist es

nicht getan, wenn bereits das ganze Fundament wackelt.

Zwei Gründe für eine Alternative

zum grenzenlosen Wachstum

Für Wachstum und Wohlstand – so wie wir ihn heute

verstehen – zahlen die Umwelt und der Globale Süden

einen hohen Preis. Es wird Zeit für einen Plan B. Das

steht spätestens seit dem Beginn der Finanzkrise, die

das Wirtschaftswachstum in den großen Industrieländern

ins Stocken gebracht hat, fest. Welche Alternativen

gibt es zu dem ressourcenfressenden und ungleich

verteilten Wohlstand des Nordens? Was bräuchte es,

um Fortschritt, Wohlstand und das gute Leben neu

zu erfinden?

Earth Overshoot Day

Der Earth Overshoot Day ist symbolisch der Tag, ab

dem wir mehr Ressourcen verbrauchen, als die Erde für

das entsprechende Jahr erzeugt: 2011 war dieser Zeitpunkt

bereits am 27. September erreicht. In den übrigen drei

18 19


Monaten des Jahres haben wir dann sozusagen auf

Kosten des Klimas, der Artenvielfalt und der anderen

natürlichen Ressourcen gelebt.

Von Land zu Land bestehen sehr große Unterschiede,

und auch die Menschen innerhalb eines Landes nutzen

unterschiedlich viel von den natürlichen Ressourcen.

Zahl der benötigten Erden

1,5

1,0

0,5

0,0

Biokapazität der Erde

Ökologischer Fussabdruck

Wir haben nur eine.

Jahr

1961 1964 1967 1970 1973 1976 1979 1982 1985 1988 1991 1994 1997 2000 2003

Quelle: BUND, Brot für die Welt & EED(2008): Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt

Die Medien berichten von „Peak-Oil” oder sogar

„Peak-Everything”. Damit sind die Zeitpunkte gemeint,

ab denen kein weiteres Öl oder andere Rohstoff e gefördert

werden können, weil alle verfügbaren Quellen angezapft

sind. Es ist jedoch sehr schwer zu sagen, wo genau diese

Punkte liegen und wann sie erreicht werden. Obwohl

viele natürliche Ressourcen wie Wasser, Luft und Wind,

Boden oder Holz recyclebar sind oder nachwachsen, ist

ihre Fähigkeit zu fi ltern, zu speichern oder Stoff e umzuwandeln

begrenzt.

Andere Ressourcen sind nicht erneuerbar, wie fossile

Brennstoff e, Metalle und seltene Erden. Viele dieser übernutzten

Ressourcen sind Allmendegüter, also Güter, die

allen gehören und von allen genutzt werden können. Sie

heißen auch „Commons“. Fakt ist, dass es ökologische

Grenzen für das Handeln der Menschen gibt.

20 21


Gut leben statt viel haben

Viele Studien zeigen, dass es noch eine andere Grenze

gibt. Wer mehr als 25.000 Euro netto im Jahr verdient,

kann sich zwar mehr kaufen, wird jedoch nicht automatisch

zufriedener. 25.000 Euro entsprechen im Durchschnitt

etwas mehr als dem Jahreseinkommen einer Person in

Deutschland. Man muss also längst kein Millionär sein,

um glücklich zu sein. Warum arbeiten trotzdem viele

Menschen so hart, um mehr zu verdienen?

Damit sie sich leisten können, was in den Schaufenstern

und Online-Shops angepriesen wird. Dinge, die – provokant

gesagt – meinen Freund_innen, Nachbar_innen, Kolleg_

innen/Mitschüler_innen gefallen und imponieren sollen.

Der Wunsch, immer mehr zu konsumieren, hat noch

einen anderen Preis: Zeit wird zu einem knappen Gut.

Die Zeit, die wir haben, um die gekauften Güter wirklich

zu gebrauchen, wird immer weniger. Immer mehr Menschen

hierzulande fühlen sich unter Druck gesetzt, mehr leisten

und mithalten zu müssen, schon in der Schule und Ausbildung.

Bei manchen endet das im Burnout, einer Depression

oder einer anderen Krankheit.

Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen,

mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu

beeindrucken, die wir nicht mögen.

22 23


160

150

140

130

120

110

100

90

80

Index

1973 =100

Mehr macht nicht glücklich.

Bruttoinlandsprodukt /Kopf

Lebenszufriedenheit

Lebenszufriedenheit

1973 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2004

Quelle: BUND, Brot für die Welt & EED(2008):

Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt

Jahr

In einer Gesellschaft, in der das Ansehen von Statussymbolen

wie allwissenden Handys, schnellen Autos

und schicken Klamotten abhängt, ist es nicht gerade

einfach, sich stattdessen an Alternativen zum materiellen

Konsum zu orientieren. Glück und Suffi zienz sind hier

die Schlüsselwörter. Suffi zienz kommt vom lateinischen

s u ffi c e r und e bedeutet „genügen“ oder „ausreichen“. Man

kann es mit „genug haben” übersetzen: Was brauche

ich wirklich?

Suffi zienz klingt für viele nach Verzicht. Dabei könnte

man auch fragen, was tatsächlich mehr Wohlstand und

Freude bringt: mehr zu arbeiten und mehr Sachen zu

kaufen oder Sport zu treiben, mehr Zeit mit Freund_innen

zu verbringen, sich Hobbys zu widmen, Musik zu machen,

im eigenen Garten Erdbeeren zu ernten oder einfach nur

da zu sitzen und die Sonne zu genießen? Mit einem Recht

auf Suffi zienz im Grundgesetz kämen wir der Neuerfi ndung

von Wohlstand schon näher.

24

24

25


Welche Bedürfnisse stecken eigentlich

dahinter, wenn du dir etwas Neues kaufst?

Welche sind es, wenn du Zeit mit deinen

Freund_innen verbringst, ein Buch liest oder

dich für einen sozialen Zweck engagierst?

Was entdeckst du, wenn du in deiner

Biografi e kramst?

Woher kommen deine Denkstrukturen und

Wertvorstellungen, deine Ideale und Wünsche?

Und was nun? Das wichtigste Messinstrument

unserer Wirtschaft, das BIP, taugt off ensichtlich nicht,

um das Wohlbefi nden der Menschen zu messen. Nur

auf die Wirtschaftskraft zu gucken, reicht einfach nicht.

Es ist an der Zeit, etwas zu verändern, denn das Immermehr-und-immer-schneller

hält unser Planet nicht aus.

Und drei oder vier Erden haben wir leider nicht.

Der Traum von der Effi zienz-Revolution

Wie wär’s, wenn wir dieselben Güter einfach mit

viel weniger Aufwand und Ressourcen herstellen?

Hinter der Revolution der Effi zienz steht die Idee, dass

das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch

entkoppelt werden kann. Wenn wir Güter und Dienstleistungen

produzieren, nutzen wir dabei auch natürliche

Ressourcen, z.B. fossile Brennstoff e, um Strom für einen

Laptop zu generieren. Durch technische Innovationen

und effi ziente Abläufe können viele dieser Ressourcen

eingespart werden. Expert_innen fordern, den Ressourcen-

und Energieeinsatz um den Faktor 4 zu reduzieren, also

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viermal weniger zu verbrauchen. Manche sagen, dass

das nicht reicht und fordern sogar den Faktor 10. Das

Prinzip „Cradle-to-cradle“ – also von der Wiege zur

Wiege – verlangt sogar, dass alle Ressourcen, die in die

Herstellung eines Produktes eingeflossen sind, wiederbenutzt

werden müssen.

Doch ist es möglich, Produkte mit immer weniger

Ressourcen herzustellen? Um z.B. ein Handy herzustellen,

braucht man einfach eine bestimmte Menge an Metallen

und seltenen Erden, die in einem energieaufwändigen

Prozess verarbeitet werden. Und bei jedem Arbeitsschritt

geht immer auch ein bisschen davon verloren – das ist ein

physikalisches Gesetz. Ganz ohne natürliche Ressourcen

werden wir auch in Zukunft nicht produzieren können.

Und da gibt es noch ein Problem: Oft wird vergessen,

dass solche effizienten Technologien zwar relativ gesehen

Energie und Ressourcen sparen, aber nichts daran ändern,

dass insgesamt immer mehr produziert und konsumiert

wird. Das wird auch als Rebound-Effekt bezeichnet.

Energiesparlampen, zum Beispiel, sind toll. Sie bringen

aber nichts, wenn man das Licht dann länger anlässt.

Die Effizienz zu steigern ist ein wichtiger Ansatz.

Doch er ändert nichts am Wachstumszwang. Vielleicht

liegt die Lösung ganz woanders?

Was, wenn nicht Wachstum?

„Buen Vivir“ und Bruttoinlandsglück

Einige Regierungen, z.B. die französische, haben

Kommissionen eingesetzt, um Alternativen zum Brutto-

inlandsprodukt zu erarbeiten. Hier in Deutschland gibt

es die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand,

Lebensqualität“.

Andere Länder sind da schon viel weiter. In Ecuador

und Bolivien steht „Buen Vivir“, also das „gute Leben“,

seit ein paar Jahren in der Verfassung. In beiden Ländern

hat die Bevölkerung weniger materiellen Wohlstand als

die Menschen in den Industrienationen. Trotzdem ist es

den ecuadorianischen und bolivianischen Regierungen

wichtig, im Einklang mit der Natur zu leben und das ganzheitliche

Wohlergehen der Menschen in den Mittelpunkt

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ihrer Gesellschaft zu stellen.

Reisen wir von Südamerika weiter Richtung Asien:

Schon seit 1979 rechnet man in dem buddhistischen

Land Bhutan nicht mit dem Bruttoinlandsprodukt,

sondern mit dem Bruttonationalglück. Das Prinzip ist

dasselbe wie beim „Buen Vivir”: Das Wohlbefi nden der

Menschen und der Schutz der Umwelt stehen vor der

absoluten Steigerung der Wirtschaftskraft.

Dennoch leben in Ecuador und Bolivien wie auch in

Bhutan längst nicht alle Menschen nach dem Prinzip

des „guten Lebens”. Mitbestimmungsrechte der Bevölkerung

in Bhutan sind noch wenig etabliert. Die Schere

zwischen Arm und Reich ist in Bolivien und Ecuador

so weit wie in den meisten anderen südamerikanischen

Ländern. Doch sie beginnt, sich langsam zu schließen.

Neben solchen Projekten gibt es auch schon Messinstrumente,

die versuchen, die Zufriedenheit der Menschen

einzubeziehen. Sie verstehen Wohlstand nicht

mehr nur als Wirtschaftswachstum, sondern messen

ihn mit anderen Maßstäben.

Happy Planet Index

Um das „gute Leben“ zu messen, hat die britische

New Economics Foundation zusammen mit Friends of

the Earth in Großbritannien im Juli 2006 den „Happy-

Planet-Index“ veröff entlicht. Der Happy-Planet-Index

misst das Wohlbefi nden eines Landes z.B. anhand der

Lebenszufriedenheit, der Lebenserwartung und dem

ökologischen Fußabdruck.

1. Costa Rica

17. Bhutan

43. Niederlande

51. Deutschland

30 31

114. USA

143. Zimbabwe

16,6

30,7

48,1

50,6

58,5

76,1

Quelle: New Economics Foundation(2009): The (un)happy planet index 2.0


Demnach ist Costa Rica das „reichste” Land der

Erde. Zum Vergleich: Costa Ricas BIP landet auf

Platz 88. Deutschland liegt beim Happy-Planet-Index

auf Platz 51, während es beim BIP auf Platz 5 liegt.

Doch allein mit einem besseren Messinstrument

wird die Wirtschaft noch nicht zukunftsfähig.

Was macht dich glücklich?

Was brauchst du für ein gutes Leben?

Was hindert dich an deinem Glück?

Welche Produkte brauchst du, um dich

selbst zu verwirklichen?

Jenseits des Wachstums

Ist der Mythos des unbegrenzten Wirtschaftswachstums

entzaubert, stellt sich die Frage, was bei uns an dessen

Stelle treten kann. Das Rezept schlechthin gibt es nicht.

Auf den großen Wurf internationaler Verhandlungen brauchen

wir nicht warten. Viele kleine Puzzleteile tragen stattdessen

dazu bei, Wandel anzustoßen. Im Konkreten. Im

Hier und Jetzt. Die Vielfalt der Ideen und Utopien für

eine Postwachstums-Ökonomie wächst. „Post“ bedeutet

32 33


„nach“. Wie kann Wirtschaften jenseits des Wachstumszwangs

gelingen?

Von Traditionellen bis Linken, junge Leute, Aktivist_innen,

Wissenschaftler_innen, Journalist_innen und

Unter-nehmer_innen werkeln heute an einer Postwachstums-Ökonomie.

Ihnen allen geht es darum, mit dem

Wirtschaften den menschlichen Bedarf zu decken und

dabei die ökologischen Grenzen einzuhalten. Manche

wollen, dass die Wirtschaft und alle anderen Bereiche

der Gesellschaft unabhängig vom Wirtschaftswachstum

werden. Andere gehen noch weiter und fordern, dass die

Wirtschaft als Ganze kontrolliert schrumpft.

In der Diskussion um eine Postwachstums-Ökonomie

tauchen immer wieder ähnliche Ideen auf: Es geht darum,

weniger Lohnarbeit zu leisten, um mehr Zeit zu haben, sich

selbst zu versorgen und mehr Dinge selber zu machen

statt zu kaufen. Dazu kommen Forderungen nach einer

Regionalisierung und „De-Globalisierung“. Das bedeutet,

sich auf regionale Stoff - und Wirtschaftskreisläufe

zu konzentrieren. Wenn importiert werden muss, sollte

ganz besonders darauf geachtet werden, unter welchen

Bedingungen das Gut hergestellt wurde. Dass wir biologisch

und fair hergestellte Produkte kaufen, ist in einer

Postwachstumsökonomie also selbstverständlich. Sie

sind möglichst ressourcenleicht hergestellt und brauchen

wenig Energie. Auch die Besitzverhältnisse ändern

sich in einer Postwachstums-Ökonomie: Statt Eigentümer

anzuhäufen, nutzt man die Dinge und gibt sie

weiter, wenn man sie nicht mehr braucht. Das heißt auch,

mehr Dinge selber zu machen. Insgesamt geht es um

einen radikalen Kulturwandel statt um technische oder

politische Superstrategien. Gemeinsam Wirtschaften ist

das Ziel einer Postwachstums-Ökonomie. „Commoning”

nennt man das auch.

34 35


In einer Postwachstumsökonomie spricht also gar

nichts gegen die Lust, Neues zu entdecken. Sie möchte

frei machen von Konsumzwängen. Sie zeigt neue Wege

auf zu Freiheit, Unabhängigkeit und einem guten Leben.

Postwachstum setzt der herrschenden Alternativlosigkeit

des Wachstumsdenkens etwas entgegen.

Postwachstums-Bewegungen gibt es in vielen Ländern.

In Spanien heißt sie „decrecimiento“, in Italien „decrescita“

und in England „degrowth“. In Frankreich ist sie unter

dem Namen „decroissance“ bekannt. Dort gibt es sogar

eine Decroissance-Zeitung und eine -Partei.

Wie möchtest du 2050 gelebt haben?

Und wie sieht dein Plan B aus?

Was brauchst du für ein Leben in einer

Gesellschaft jenseits des Wachstums?

Welche Menschen inspirieren dich?

Welche Geschichten berühren dich so,

dass du sie gern weitererzählst?

Auf Los geht’s los

Wir können sofort loslegen mit einer Postwachstums-

Ökonomie. An vielen Orten wird sie schon gelebt. Einige

Menschen machen vor, wie’s gehen kann. Sie sind die

Pioniere einer Postwachstumsgesellschaft. Wir präsentieren

euch ein paar Tipps und Tricks auf dem Weg zu

einer Postwachstums-Ökonomie. Die meisten sind ganz

36 37


leicht umzusetzen, man braucht weder Geld noch viel

Zeit. Manche erfordern ein bisschen Mut und andere

ein paar gute Freund_innen, um sie umzusetzen. Und

sie alle haben eines gemeinsam: Sie machen Spaß.

Probiert’s aus!

Gemeinsam Selbermachen

Anbieten, was man selbst gut kann, voneinander

lernen, die Fähigkeiten anderer nutzen, sich gegenseitig

inspirieren.

Link: gemeinsamselbermachen.wikispot.org

Travelling school of life: tsolifede.blogsport.de

Tipp: Vielleicht hast du auch ein technisches Gerät, das du

verleihen könntest?

Kleidertauschparty - Kaufst du noch oder

tauschst tauschst du schon?

Ein Kleidertausch funktioniert wie ein Flohmarkt,

bloß ohne Geld und in sehr entspannter Atmosphäre.

Ihr Ihr könnt könnt die Klamotten direkt direkt tauschen, Tauschmarken

verteilen oder einfach alles zusammenlegen. zusammenlegen. Ihr Ihr könnt könnt in

mehreren Runden vorgehen oder oder euren Besucher_innen

die freie Wahl lassen. Ihr könnt vorher vorher Sammelboxen an

gut gut zugänglichen, aber vor Wind und Wetter geschützten

Orten Orten aufstellen.

Tipp für die nächste Mottoparty: Tragt selbst, was ihr loswerden wollt

und kleidet euch neu neu ein mit dem, dem, was die anderen tragen. tragen.

38 39


Umsonstladen - Besitz statt Eigentum

Viele Gegenstände stehen Zuhause rum und werden nicht

benutzt, obwohl sie eigentlich noch gut aussehen und funktionieren.

Zu schade zum Wegschmeißen. Bring solche

Sachen in einen Umsonstladen in deiner Nähe. Denn andere

Menschen suchen genau nach diesen Dingen oder

können sie sich nicht leisten. Vielleicht fi ndest du dort

auch das ein oder andere Nützliche, nach dem du schon

länger suchst?

Links: umsonstladen.de, freecycle.org, leihnetzwerk.de,

alles-und-umsonst.de, whopools.net

whopools.net

Give-away-Box/

Free Box/Geschenktkiste

Wer keinen Umsonstladen in der Nähe hat, kann einfach

eine Give-away-Box organisieren: Ein Regal zum Beispiel

beim Bäcker, in das jeder seine ausgelesenen Bücher stellen

kann, damit andere auch was davon haben. Oder eine

Kiste am Straßenrand oder in der Schule mit brauchbaren

Inhalten für neue Nutzer.

40

41


Food-Coops

– der direkte Draht zum Erzeuger

Gemeinschaftlich organisieren die Mitglieder Bestellungen

bei lokalen Biobauernhöfen, Bäckereien und

Produzent_innen. So entsteht ein kleiner Laden und die

Konsument_innen bestimmen selbst, was in die Regale

kommt. Mittlerweile gibt es Food-Coops, bei denen ihr

mitmachen könnt, in vielen Städten.

Brotaufstrich-Coop

Wenn’s keine Coop bei euch in der Nähe gibt, gründet

doch einfach selbst eine Brotaufstrich-Coop. Bereitet

eure eigenen leckeren Brotaufstriche zu und tauscht sie

untereinander. Ihr erhaltet im Gegenzug regelmäßig

leckere Überraschungen. Das Gleiche geht auch mit

Marmelade, Pesto, Chutneys, Kuchen, ...

Tipp: Frag doch mal in der Schul-Caféteria nach einem festen

Tausch-Nachmittag.

Urban Gardening

- städtisches Gärtnern selbst gemacht

Ob auf der Fensterbank, auf dem Balkon oder im Hinterhof:

Auch in der Stadt gibt es Platz, um selbst Kräuter, Obst und

Gemüse anzubauen. Gemeinschaftlich und im großen

Stil macht das zum Beispiel der Prinzessinnengarten in

Berlin. Klimagärten gibt es aber auch anderswo.

Link: urbanacker.net, gruenewelle.org

Tipp: Eine Parzelle in Kleingärtnervereinen ist schnell ergattert, kostet

nicht viel und bietet die ideale Grundlage für einen Gemeinschaftsgarten

mit Nachbarn und Freunden.

Tipp: Fast Jede_r kennt einen Obstbaum auf einem öff entlichen Platz.

Zusammengetragen ergibt sich eine Karte mit mit leckeren Orten:

mundraub.org

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Hobbys ohne Geld

Kino, Shoppen und Motorradfahren sind ja nicht das Einzige,

was man in seiner Freizeit so tun kann. Hier ein

paar Freizeitaktivitäten – garantiert ressourcenleicht:

zusammen Laufen gehen, einen Nähworkshop machen,

gemeinsam tischlern, mit Freunden zusammen kochen,

jemandem Gitarre spielen oder trommeln beibringen,

Lagerfeuer machen, Tandemfahrradtour machen, im

Theater mitspielen, einen Leserbrief schreiben, eine

Podiumsdiskussion an der Schule organisieren, einen

Vorleseabend machen oder einen Umsonsttag machen,

Singen lernen, einen Tanzkurs machen, Straßentheater

spielen...

Was willst du gern mal

machen / können / lernen?

Und wer gerne mit anderen aktiv wird, dem empfehlen

wir das Buch “Halbinseln gegen den Strom” von Friederike

Habermann. Die Autorin ist durch die ganze

Republik gereist und hat tolle Beispiele und Aktionen

für ein anderes Leben und Wirtschaften gesammelt.

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Klartext

Im Klartext heißt das:

Das Bruttoinlandsprodukt sagt nichts darüber, ob

unsere Wirtschaft den Menschen nützt.

Die begrenzten Ressourcen unseres Planeten erfordern,

dass auch unser Wirtschaften diese Grenzen einhält.

Mehr materieller Konsum macht keineswegs

glücklicher. Auch dafür gibt es Grenzen.

In vielen Ländern setzen sich Menschen für eine

Wirtschaft jenseits des Wachstums ein.

Soziale Bewegungen in Spanien, Frankreich und Italien

fordern „Decroissance” und Forscher_innen in England,

Kanada, den USA und Deutschland arbeiten an Konzepten

und Plänen für eine Postwachstumsökonomie.

Postwachstum, das heißt: Nicht mehr blind nach

Wachstum zu streben, sondern das Wirtschaften auf

den menschlichen Bedarf auszurichten.

Es gibt schon jetzt eine bunte Vielfalt an Ideen und

Vorschlägen von vielen verschiedenen Menschen.

Alle sind eingeladen und aufgefordert, eine Postwachstumsgesellschaft

mitzugestalten.

Es kann sich viel ändern, packen wir’s an!

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War sonst noch was? Ja!

Wer tiefer einsteigen möchte, dem/der seien folgende Bücher,

Blogs, Broschüren und Websites empfohlen.

• Angelika Zahrnt & Irmi Seidl (2010): Postwachstumsgesellschaft

• Annette Jensen(2011): Wir steigern das Bruttosozialglück

• BUND, Brot für die Welt & EED(2008):

Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt

• Evangelischer Entwicklungsdienst(2011):

Darf’s ein bißchen mehr sein?

• Friederike Habermann(2009): Halbinseln gegen den Strom

• Heinrich-Böll-Stiftung(2011):

Buen Vivir – Recht auf gutes Leben

• Matthias Schmelzer & Alexis Passadakis(2011):

Postwachstum

• Petra Pinzler(2011): Immer mehr ist nicht genug

• Tim Jackson(2009): Wohlstand ohne Wachstum

• Werner Rätz u.a.(2011): Ausgewachsen! Ökologische

Gerechtigkeit. Soziale Rechte. Gutes Leben.

• Bhutan’s Bruttonationalglück: grossnationalhappiness.com

• Center for the Advancement of the Steady State Economy:

steadystate.org

• Decroissance-Bewegung in Frankreich: decroissance.org

• Denkwerk Zukunft – Stiftung für kulturelle Erneuerung:

denkwerkzukunft.de

• Futur Zwei – die Stiftung für Zukunftsfähigkeit: futurzwei.org

• FairBindung – Bildungsmaterialien zum Thema

Wirtschaftswachstum: endlich-wachstum.de

• Happy-Planet-Index: happyplanetindex.org

• Netzwerk Wachstumswende: wachstumswende.de

• Postwachstumsgesellschaft: blog.postwachstum.de

• Postwachstumsökonomie – Ringvorlesung der Universität

Oldenburg: www.postwachstumsoekonomie.org

• Solidarische Postwachstumsökonomie: postwachstum.net

• Weltbewusst – Konsumkritische Stadtführungen:

weltbewusst.org

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BUND und BUNDjugend

Der Bund für Umwelt und Naturschutz ist mit über

480.000 Unterstützer_innen der größte Umweltverband

in Deutschland. In der BUNDjugend sind Mitglieder

und Aktive unter 27 Jahren organisiert. Mit öffentlichkeitswirksamen

Kampagnen, Protestaktionen und

Projekten setzen wir uns für den Schutz von Natur

und Umwelt ein, etwa für gentechnikfreies Essen, eine

giftfreie Umwelt, für den Erhalt von Natur, für gerechte

Globalisierung und für eine echte Energiewende.

BUNDjugend

Am Köllnischen Park 1a

10179 Berlin

030-2758650

info@bundjugend.de

www.bundjugend.de

Fairbindung e.V.

Der Berliner Verein Fairbindung e.V. gibt mit Unterstützung

der BUNDjugend einen Methodenordner mit

Bildungsmaterialien zu den Themen Wirtschaftswachstum,

Grenzen, Alternativen heraus, Erscheinungstermin:

Herbst 2012.

www.endlich-wachstum.de

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