DIE JAGD NACH DEM ZYLINDER Lustspiel in drei Akten von ...

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DIE JAGD NACH DEM ZYLINDER Lustspiel in drei Akten von ...

DIE JAGD NACH DEM ZYLINDER

Lustspiel in drei Akten

von

PETER HINRICHSEN

© EVA BIELER VERLAG WIEN

DIE JAGD NACH DEM ZYLINDER

Lustspiel in drei Akten

von

PETER HINRICHSEN

Regie- und Soufflierbuch

EVA BIELER VERLAG

Klederinger Str. 62/17

1100 Wien

Österreich

Telefon +43/1/258 99 55

Fax +43/1/258 99 55

Mobil +43/699 19 24 91 47

Email: bieler.verlag@aon.at

Homepage: www.bieler.at

Inhaltsangabe

Der Bauer Stiefelhofer und sein Freund, der Friseur Seiferl, haben beide ein Auge auf die hübsche,

verwitwete Großbäuerin Veronika Brandstätter geworfen, ohne dass diese etwas davon

ahnt. Als sie einen seltsamen Traum hat, lässt sie sich diesen von der Hausiererin

ApoIania deuten, und zwar würde ihr - so Apolonia - um 17 Uhr bei der Kapelle ein Mann

im Gehrock und mit Zylinder begegnen, den sie heiraten würde. Als Stiefelhofer und


Seiferl davon erfahren, beginnen sie nach Gehrock und Zylinder zu jagen. Seifert ergattert

einen von seinem Firmpaten und Stiefelhofer zwingt kurzerhand den Lehrer Holzwurm, der

in Gehrock und Zylinder kommt, um um die Hand von Stiefelhofers Tochter zu bitten, sich

auszuziehen. Doch es nützt alles nichts. Mit einer Portion Rhizinusöl, die sich die beiden

Rivalen gegenseitig in den Kaffee schütten, werden alle Hoffnungen zunichte. Veronika

Brandstätter ist froh, dass ihr bei der Kapelle doch kein Mann begegnet ist, denn eine

Heirat sollte besser überlegt sein. Die beiden Konkurrenten können wieder die alten

Freunde werden, und Stiefelhofer sieht ein, dass Apolonia doch viel besser zu ihm passt.

So steht dem Happyend nichts mehr im Wege.

Personen 3D/3H

Wastl Stiefelhofer, Bauer, verwitwet

Rosl Stiefelhofer, seine Tochter

Veronika Brandstätter, Großbäuerin, verwitwet

Apolonia, Hausiererin

Gustl Seiferl, Friseur

Egon Holzwurm, Lehrer, wenn möglich langer Schauspieler, spricht abgeschliffenen Dialekt, ist nicht

blöde aber sehr schüchtern

Bühnenbild 1 innen

Zeit: Gegenwart

Dekoration:

Alle drei Akte spielen bei Stiefelhofer.

Der dritte Akt spielt einen Tag später.

1. Akt

1. Szene

Wastl, Rosl

(bei Öffnen des Vorhanges ist die Bühne leer, man hört von hinten Stiefelhofer rufen)

Wastl: Rosl, Rosl! (tritt auf) Ja Herrgott, wo ist denn des Madl wieder? Jeden Tag ist's dasselbe:

kein Kaffee, kein Brot oder Semmel! - (geht zu einem Bild, das an der Wand hängt, im

Selbstgespräch ganz lieb) Mei Alte, wenn du halt noch da warst, immer, wenn ich

aufg'standen bin, war der Kaffe am Tisch, mein Brot schon mit Butter g'strichen... (bös)

ganz dünn, weilst so a geizigs Luder warst... (nett) dann hast mir mei Arbeit ang'schafft...

(bös) du Mistviech du grausliches... (nett) und ganz plötzlich hast mich verlassen, weil dich

der Herrgott zu sich g'rufen hat (dreht Bild um) Lieber Herrgott ich danke dir!

Rosl: Guten Morgen, Vater! Mit wem redst denn du?

Wastl: Mit deiner lieben Mutter, die uns so schnell allein hat lassen.

Rosl: (sieht Bild) Aber des Bild hängt ja verkehrt!?

Wastl: Weil sie net mehr mit anschauen kann, wie du deinen Vater behandelst - kein Kaffee, nix

ist da!

Rosl: Sei net bös Vater, aber ich hab verschlafen - es ist recht spät worden beim Sternbräu.

Wastl: War's da so schön?

Rosl: Und wie - und tanzt hab'n ma und lustig is g'wesen.

Wastl: Wer war denn noch alles dort?

Rosl: Der Friseur Seiferl!

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Wastl: Der hat's grad notwendig! Da werd ich wieder sauber ausschaun, wenn mich der rasiert.

Rosl: Und stell dir vor, Vater, die Veronika Brandstätter war auch dort. Des erste Mal, seit ihr

Mann g'storben ist. Und kein Tanz hat's auslassen! Die geht bestimmt wieder auf Freiers

Füßen. Die braucht wieder an Mann!

Wastl: So, so, die Veronika! Na ja, zum verwundern ist des net. Der große Hof und so a junge

Frau - so um die dreißig wird's sein - die tät mir auch noch g'fallen.

Rosl: Was sagst, Vater?

Wastl: Nix hab ich g'sagt - an Kaffee möcht ich!

Rosl: Gleich, Vater, kriegst dein Kaffee. (ab)

Wastl: Die Veronika Brandstätter... ja des wär a Weiberl, da tät ich auch noch amal jung werden.

Jetzt stinkt es mir doch, dass ich gestern net zum Sternbräu rüber bin. Da wär ich schon

hin zur Veronika und hätt mit ihr an Walzer auf die Bretter g'legt. (nimmt im Geist Veronika

in den Arm und tanzt graziös über die Bühne)

Rosl: (mit zwei Tassen Kaffee) Ja was tust denn da, Vater?

Wastl: (erschrickt) Nix... mein Rheuma plagt mich heut wieder sakrisch!

Rosl: Komm setz dich her zum Kaffee!

Wastl: (kleine Pause) Mit wem hat sie tanzt?

Rosl: Wer sie?

Wastl: Die Veronika!

Rosl: Amal mit dem und amal mit dem... halt: mit dem Pfaffinger hat's zweimal tanzt.

Wastl: Sooo! Mit'n Pfaffinger!

Rosl: Ja, des ist aber auch noch a fescher Mann und Witwer ist er auch.

Wastl: Aber haben tut er doch nix!

Rosl: Des macht doch nix. Dafür hat sie um so mehr!

Wastl: Des schon, aber der Pfaffinger ist doch kein Mann für die Veronika!

Rosl: Ich weiß gar net, warum du dich so aufregst?

Wastl: Weil's wahr ist. Weil der Pfaffinger net der Mann ist, der zur Veronika passt.

Rosl: (glaubt ihren Vater zu verstehen) Wer passt denn dann zur Veronika?

Wastl: Jedenfalls net der Pfaffinger! Du tust ja grad a so als wenn in unserm Dorf kein anderer

mehr da wär, als wie der Pfaffinger.

Rosl: Gar so groß ist die Auswahl net. Die einen sind zu jung und die andern sind zu alt und was

mitten drin ist, die kannst schon bald an einer Hand aufzählen.

Wastl: Was heißt denn hier zu alt! Ich zum Beispiel bin noch lang net zu alt!

Rosl: (lacht herzlich)

Wastl: Was lachst denn da so blöd?

Rosl: Weil ich mir grad vorstell: Du und die Veronika!

Wastl: Was ist denn daran so lächerlich? Ich bin immer noch ein Mann in den besten Jahren!

Rosl: Geh Vaterl, bei dir herbstlt's doch schon!

Wastl: Und wenn schon! Auch der Herbst hat noch seine warmen Tage.

Rosl: Wenn ich du wär, ging ich halt amal nüber zu der Veronika und tät sie fragen.

Wastl: Na, des kann ich net machen. Da wird sich schon amal a Gelegenheit ergeb'n. (kleine

Pause) Mit wem hast den du eigentlich tanzt?

Rosl: Mit mein' Lehrer!

Wastl: Was heißt denn da: mit mein' Lehrer?

Rosl: Ja weißt denn du net, dass ich mit dem Egon verlobt bin?

Wastl: Waaas! Du bist verlobt? Des ist das erste, was ich hör!

Rosl: Dann haben wir dich vergessen!

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Wastl: Ach so, dann hätt's mich vergessen. Des ist ja reizend, ausgerechnet dein Vater habt's

vergessen! Mich haben's vergessen! Mich, der dich mit Schmerzen geboren hat - mein

eigenes Fleisch und Gmüs... a Blut! Deinem sauberen Herrn Verlobten werd ich was

erzählen. - Darf ich wenigstens wissen, wie mein zukünftiger Schwiegersohn heißt?

Rosl: Aber freilich, Vaterl. Es ist unser Schullehrer, Egon Holzwurm!

Wastl: Holz...

Rosl: ...wurm!

Wastl: Holzwurm! Ein bildschöner Name!

Rosl: Freilich ist des a bisserl a komischer Name, aber dafür ist mein Egon sooo lieb!

Wastl: Holzwurm - und den willst du heiraten?

Rosl: Ja!

Wastl: Und Kinder wollt's auch?

Rosl: Freilich - mindestens vier Stück.

Wastl: Des überleb ich net!

Rosl: Ja warum denn, Vaterl? Ist denn des so schlimm, dass mir Kinder auch wollen?

Wastl: Des net - aber stell dir doch amal vor, wennst du mit deine Kinder durch's Dorf gehst,

werden alle sagen: Ah, da kommt die Frau Lehrer Holzwurm mit ihre Holzwürmer. Da

drauf muss ich an trinken - ich bin beim Wirt drüben. (ab durch die Küche)

2. Szene

Rosl, Egon

Rosl: Des war für’n Vater doch a bißel zu viel.

Egon: (unmöglich gekleidet, zu kurze Hose, kurze Jackenärmel, klopft an die Tür)

Rosl: Herein!

Egon: Darf ich eintreten?

Rosl: (fällt Egon um den Hals) Mein lieber Egon!

Egon: Aber nicht doch, Rosl, wenn uns jemand sieht!

Rosl: Des macht doch nix. Alle derfen's wissen, dass ich dich mag.

Egon: Aber dein Vater weiß es doch noch nicht.

Rosl: Freilich! Dem hab ich's beim Frühstück g'sagt.

Egon: Um Gotteswillen - wie hat er's aufgenommen?

Rosl: Des weiß ich noch net - jetzt ist er amal zum Wirt nüber.

Egon: Des ist gut - und wenn er einiges getrunken hat, werde ich um deine Hand anhalten. Ein

Betrunkener sagt zu allem ja.

Rosl: Des ist bei meinem Vater nicht so sicher. - Jetzt gehst auf alle Fälle noch amal heim,

ziehst a schönes G'wand an und legst dir a kleine Red' zu Recht, dass du weißt, was du

mein' Vater sagst, wenn du um meine Hand anhaltest.

Egon: Mir werden die schönsten Worte einfallen: Ich werd' ihm sagen, dass ich dir die Sterne

vom Himmel herunterhole, dass ich dich auf Händen tragen werde und noch vieles mehr.

Rosl: Die ersten zwei Sachen die reichen schon. So, jetzt geh!

Egon: In Gottes Namen, dann geh ich halt. Leb wohl einstweilen mein liebes Roserl und denk

immer an mich! (ab)

Rosl: Manchmal spinnt er schon a bisserl. (ab)

3. Szene

Wastl, Seiferl

Seiferl: (kommt mit Tasche, wo Rasierzeug und Friseurartikel drin sind) So Stiefelhofer, setz dich

nur gleich her, dann tan ma gleich sauber rasieren.

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Wastl: Des kannst dir denken, was i so g'hört hab, hast du gestern beim Sternwirt ganz schön ins

Glasl neig'schaut, da hast du dann eine ruhige Hand wie nach deinem letzten Rausch - da

hab ich ausg'schaut als wenn mir einer mit'm Rasenmäher durch's G'sicht g'fahren ist!

Seiferl: Na, na, übertreib nur net gleich wieder. Also wenn du dich net rasieren lassen willst, dann

kannst du mir a Glaserl Schnaps einschenken. Ich hab so allerhand Neuigkeiten auf

Lager.

Wastl: Von mir aus, setz dich! (holt Schnapsflasche und zwei Gläser) Also schieß los, was gibt’s

Neues?

Seiferl: Nur langsam, erst amal in Ruhe trinken, (trinkt) jetzt ein zweites vollschenken und dann

geht's los. (trinkt) Also, mein lieber Stiefelhofer, jetzt wird's ernst. (schenkt ein)

Wastl: Wennst so weiter saufst, wird's nicht ernst, sondern lustig!

Seiferl: Also die Brandstätterin war gestern auf'm Tanzboden beim Sternbräu.

Wastl: Des ist nix Neues, des weiß ich schon.

Seiferl: Moment - es geht ja noch weiter - also sie hat mit jedem tanzt.

Wastl: Und mit'm Pfaffinger zweimal!

Seiferl: Ja, wennst schon alles weißt!!!

Wastl: Wenn des alles ist, was du mir an Neuigkeiten sagen willst...

Seiferl: Mehr weißt also net?

Wastl: Warum, kommt noch mehr?

Seiferl: Ja freilich, die Hauptsach! - Der Pfaffinger hat's heimbracht!

Wastl: Heimbracht!!! - Bis vor die Tür, oder ganz nein?

Seiferl: Bis vor die Tür.

Wastl: Gott sei Dank!

Seiferl: Was heißt da Gott sei Dank? - Den Kragen hätt ich dem Pfaffinger umdraht, wenn er mit

nei gangen wär!

Wastl: Weshalb hättst du dem den Kragen umdraht?

Seiferl: Ja ganz einfach - weil ich selber auf die Brandstätterin scharf bin.

Wastl: Waaas du???

Seiferl: Jawohl, ich! - Ich bin ein Mann in den besten Jahren, hab ein G'schäft, des manchmal gut

geht - hab ein paar Markl auf der Bank - g'habt - und jetzt kommt ... das

ausschlaggebenste: Ledig - jawohl ledig - also noch vollkommen unverbraucht - und wie

man im Volksmund sagt, ein schöner Mann.

Wastl: Bist jetzt fertig?

Seiferl: Jawohl, sonst kann ich von mir nichts vorteilhaftes mehr berichten.

Wastl: Dass du ein Friseurg'schäft hast, des stimmt. Dass du noch ledig bist, stimmt auch. - Aber

warum du noch ledig bist, weißt du nicht, aber ich kann dir's sagen: Weil du ein G'sicht

hast, wo ein normaler Mensch d'rauf sitzt - und nach dem Volksmund bist du kein schöner

Mensch, sondern ein schöner Trottel!

Seiferl: Stiefelhofer, soll das eine Beleidigung sein?

Wastl: Na, des ist die Wahrheit!

Seiferl: Dann is was anders.

Wastl: Die Brandstätterin ist doch niemals eine Frau für dich. Was verstehst denn du schon von

der Landwirtschaft und überhaupt braucht diese Frau einen reifen Mann so wie... so wie...

ich, zum Beispiel.

Seiferl: (der gerade trinkt, spuckt alles wieder aus) Waaas!? Du? - Sei amal ganz ehrlich zu mir:

Wie viel Schnaps hast denn du heut schon trunken?

Wastl: Außer dene zwei, noch kein Tropfen.

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Seiferl: Des gibt's doch net, dass ein vollkommen nüchterner Mensch in aller Früh schon so an

Schmarrn daher reden kann. Möchst mir vielleicht amal sagen, was die Brandstätterin an

dir finden soll?

Wastl: Jawohl, des kann ich dir sagen: Erstens versteh ich was von der Landwirtschaft...

Seiferl: Weilst a Rindviech bist...

Wastl: Weil ich selber an schönen Hof hab. Zweitens bin ich nicht mehr verheiratet, weil sich

meine Frau verbessert hat.

Seiferl: Wieso verbessert?

Wastl: Weil's g'storben ist... und drittens, weil ich ein Mann in den allerbesten Jahren bin und

genau weiß, wie man eine Frau behandeln muss.

Seiferl: Hast du des in deiner Ehe auch g'wußt?

Wastl: Nein. Des hab ich net wissen können, weil meine Frau stärker war als ich.

Seiferl: Aber bei der Brandstätterin weißt es!?

Wastl: Jawohl!

Seiferl: Über so viel Dummheit kann ich nur lachen. Was glaubst denn du, was deine Tochter

dazu sagt?

Wastl: Gar nix. Die hat sich bereits verlobt. Die heirat' den Holzkäfer, unsern Lehrer.

Seiferl: Der heißt Holzwurm!

Wastl: Des ist doch wurscht, ob Wurm oder Käfer. Also meine Tochter wird bestimmt ins

Lehrerhaus ziehen und ich bin dann allein und allein ist's im Himmel net schön.

Seiferl: Des wird sich dei Alte auch sagen und wird dich bald holen. - Aber jetzt amal a ganz

andere Frage: Was sagt denn eigentlich die Veronika Brandstätter zu der ganzen

Angelegenheit?

Wastl: Die weiß ja noch nix von ihrem Glück!

Seiferl: Dann bist du ja genau so weit wie ich. Von mir weiß nämlich auch noch nix. Dann hab ich

ja noch Chancen.

Wastl: Du hast überhaupt keine Chancen, weil du es nicht wagen wirst, mir ins Geheg' zu

kommen.

Seiferl: Aber den Versuch kann ich doch machen.

Wastl: Schon der Versuch allein ist strafbar! Mach mich ja net narrisch. Mir reicht schon der

Pfaffinger als Konkurrenz. Jetzt käm der Friseur a noch daher!

Seiferl: Jetzt beruhig dich nur wieder! Ich glaub', des Gscheiterste wird sein, mir lassen die

Brandstätterin allein entscheiden, wen's will.

Wastl: Wenn nur einer da ist, fallt ihr die Entscheidung net so schwer.

Seiferl: Was ich dich noch fragen wollt: Fahrst du morgen in die Stadt?

Wastl: Na - ich kann ja net - ich hab mein Knecht freigeben, weil er morgen a Firmung hat. In aller

Früh ist er schon in d’ Stadt g'fahren mit meinem Gehrock und Zylinder. Er will halt schön

sein, wenn er sei'm Firmling a goldene Uhr kauft.

Seiferl: Der muss gut ausschauen - a Knecht mit an Gehrock und an Zylinder! Aber ich muss jetzt

wieder gehn - ich komm dann morgen vorbei zum rasieren. Also, Pfüat dich, Stiefelhofer

und ich wünsch dir halt viel Erfolg bei der Brandstätterin!

Wastl: Ich dank dir schön, Seiferl, und du brauchst es net zu bereuen, wenn du außer Konkurrenz

bleibst.

Seiferl: Ich werd mein möglichstes tun. Aber ich kann nix dafür, wenn sie nur nach mir Verlangen

hat. (ab, Tasche bleibt liegen)

Wastl: Des ging mir grad noch ab, dass der Baderwaschl auch noch mitnascht.

4. Szene

Wastl, Rosl

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Rosl: War mein Lehrer schon da?

Wastl: Na, ich hab noch kein Wurm g'sehn.

Rosl: Gelt, Vaterl, du bist schon recht lieb zu ihm!

Wastl: Ja freilich. Ich will doch mein einziges Kind glücklich sehen. Was will er denn eigentlich

von mir?

Rosl: Um mei Hand will er doch bei dir anhalten. - Er ist halt a bisserl schüchtern. - Sei net recht

grob zu ihm. Ich muss schnell noch zur Brandstätterin nüber und ihr des Kleid abstecken.

Ich hab's ihr versprochen.

Wastl: Du gehst zur Brandstätter Veronika?!!!

Rosl: Freilich, ich hab's ihr doch fest versprochen, dass ich ihr hilf.

Wastl: Moment Rosl. Ich muss dir noch schell was sagen. - Setz dich noch an Moment her!

Rosl: Mach's aber kurz, ich hab nimmer lang Zeit!

Wastl: Ja, also mein liebes Roserl...

Rosl: Auweh! Wenn du schon mein liebes Roserl sagst, dann wird's gefährlich.

Wastl: Jetzt halt amal dein freches Mundwerk und hör deinem Vater zu: Also die Sache ist die...

Herrgott wie sag ich's nur meinem Kinde. - Also Roserl, schau mich einmal ganz genau

an! Bin ich nicht noch ein Mann, der was gleich schaut? Für den es noch lang nicht zu

spät ist, - ich mein, der es noch nicht nötig hat, allein auf dieser buckligen Welt zu bleiben?

Also kurz und gut: Ich trage mich mit dem Gedanken, noch amal zu heiraten.

Rosl: (sitzt mit offenem Mund da)

Wastl: Mach's Maul zu, sonst zieht's'.

Rosl: Was willst du?

Wastl: Ich will noch amal heiraten.

Rosl: Hast du heut schon was trunken, Vater

Wastl: Na... warum?

Rosl: Und weißt du auch schon wen?

Wastl: Freilich!

Rosl: Und diejenige, die du heiraten willst, weiß es die auch schon?

Wastl: Eben nicht! Da sollst nämlich du mir a bisserl helfen.

Rosl: Ich??? Und wer ist die Glückliche?

Wastl: Die Brandstätter Veronika!

Rosl: Mich trifft der Schlag.

Wastl: Ja, aber von mir, wennst jetzt net gleich dei Goschen haltst.

Rosl: Geh Vater, sei doch g'scheit. - Du und die Brandstätter Veronika?!

Wastl: Was ist denn da so schlimm dran? Ich bin a Witwer, sie ist a Witwe, ich hab an Hof, sie hat

an Hof, sie schaut gut aus, ich...

Rosl: Reicht schon, was du da aufzählt hast. - Und du meinst, des reicht zum heiraten?

Wastl: Gern hab ich sie auch!

Rosl: Ja du! Und sie?

Wastl: Des kommt dann von selber, wenn mir erst amal beinand sind.

Rosl: Vater, des sind Ansichten, die ma vor 30 oder 40 Jahr g'habt hat.

Wastl: Blödsinn! Heut noch heiraten Bauernhöf' zamm, da werden die Kinder auch net g'fragt. -

Wichtig ist, dass die Höf' zammkommen, dass kein Grund und Boden verloren geht.

Rosl: Ich will mit dir darüber net streiten, Vater, aber sag mir jetzt noch, wie ich dir mit der

Brandstätterin helfen kann?

Wastl: Ganz einfach, Rosl. - Du gehst doch jetzt nüber zur Brandstätterin - und bei der

Gelegenheit könntest du doch a bisserl auf'n Busch klopfen, was sie so über mich denkt.

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Kannst ihr auch sagen, dass mir des allein sein überdrüssig ist, dass ich wieder ans

heiraten denk, usw.

Rosl: Soll ich ihr in deinem Namen an Heiratsantrag machen?

Wastl: Naa, des mach ich dann schon selber. Wennst hörst, was sie so über mich denkt und

sagt.

Rosl: Des könnt ich dir jetzt schon sagen. Aber gut, ich wills amal versuchen.

Wastl: Brav, Roserl! Sag nur schöne Sachen über dein Vater, dann kann schon nix schief gehen.

Rosl: Gut Vater, dann geh ich jetzt und vergiß net, wenn mein Lehrer kommt, sei nett zu ihm.

(ab durch die Küche)

Wastl: Ein braves Kind, mei Roserl! Nur, dass jetzt dann Holzwurm heißt, des wurmt mich! (ab

durch die Küche)

5. Szene

Holzwurm, dann Seiferl, später Wastl

Egon: (kommt in Frack und Zylinder, Blumenstrauß und Zettel in seiner Hand, wo seine Rede

aufgeschrieben ist) Einen recht schönen Tag, lieber Herr Stiefelhofer... (sieht keinen) Ach,

da ist ja gar niemand da - dann werde ich nochmals meine Rede aufsagen. (liest vom

Zettel) Lieber, sehr geehrter Herr Stiefelhofer! Als ich vor 30 Jahren das Licht der Welt

erblickt habe, konnte ich noch nicht wissen, dass mich eine so große Liebe zu ihrer

Tochter erfasst. Darum stehe ich heute vor ihnen, um sie zu fragen, wollen sie die große

Güte besitzen und mir ihre Tochter Rosi Stiefelhofer zur Frau geben.

Seiferl: (tritt auf)

Egon: (liest weiter, ohne Seiferl zu bemerken) Ich bin durch viel Fleiß und Anerkennung zum

Lehrer dieses Ortes avanciert, bin also imstande Ihre liebreiche Tochter zu ernähren. Auch

der liebe Gott wird dazu beitragen...

Seiferl: Von dem werden's nix kriegen!

Egon: ... dass unsere Ehe harmonisch verlaufen möge.

Seiferl: Amen!

Egon: Wie meinen?

Seiferl: Amen hab ich g'sagt - Was lesen's denn da?

Egon: Meine von mir selbst verfasste Rede, in der ich um die Hand von Fräulein Rosi bitte.

Seiferl: Ach so, sie wollen des Roserl heiraten. - Ich hab g'meint, sie gehen auf a Beerdigung mit

dem G'wand da.

Egon: Ich werde sie auf Händen tragen. Ich hole ihr die Sterne vom Himmel!

Seiferl: Bei der Läng' ist des kein Kunststück! - Aber ich geb ihnen an guten Rat, lassens des heut

bleiben. Der Stiefelhofer ist heut ganz schlechter Laune.

Egon: Meinen sie?

Seiferl: Bestimmt. Der schmeißt ihnen naus. Heut haben's an ganz ungünstigen Tag erwischt.

Egon: Ja wenn sie glauben, - dann werd ich für heute wieder gehen und einen besseren

Zeitpunkt abwarten. Ich danke ihnen, Her Seiferl, dass sie mir mit Rat und Tat

beigestanden sind.

Seiferl: Gern geschehen, Herr Holzkopf!

Egon: Wurm - Holzwurm!

Seiferl: Ach so, richtig, Holzwurm.

Egon: Auf Wiedersehen Herr Seiferl. (ab Mitte)

Seiferl: Der kann gar net anders heißen.

Wastl: Ja, was willst denn du schon wieder da?

Seiferl: Ich hab mei Rasiertaschen vergessen.

Wastl: Dann nimms und schleich dich wieder!

7


Seiferl: Hast du an Grant heut - der Lehrer hat a Glück g'habt.

Wastl: Was hat denn mein Grant mit'm Lehrer zu tun?

Seiferl: Weil der grad da war und wollt um die Hand von deiner Tochter anhalten.

Wastl: Der geht ma heut grad noch ab...

Seiferl: Des hab ich ihm a g'sagt und hab ihn wieder heim g'schickt.

Wastl: Ich möcht nur wissen, wo mei Rosl so lang bleibt. (für sich) ... ob sie schon mit ihr g'redt

hat?

Seiferl: Mit wem?

Wastl: Des geht dich einen Schmarrn an! Schleich dich endlich!

Seiferl: Hast kan Schnaps?

Wastl: Nein, es ist keiner da!

Seiferl: Keiner da? Dann bin ich auch nimmer da. Pfüat dich! (ab Mitte)

Wastl: Des ist ein aufdringlicher Kerl. (geht zum Fenster) Wo nur des Roserl so lang bleibt? Mich

zerreißt's bald vor lauter Neugierde. - Vielleicht kommt sie gleich persönlich zu mir... (es

klopft) Um Gotteswillen, da ist sie schon. Des ist bestimmt die Brandstätter Veronika. (es

klopft) Ja was sag ich denn, wenn's jetzt hereinkommt? Zuerst einen tiefen Diener. (es

klopft) Herein! (macht einen tiefen Diener)

Egon: (tritt auf, sieht Stiefelhofer - in dem Glauben er hätte was verloren, bückt er sich auch,

beide stehen in gebückter Haltung) Haben sie etwas verloren?

Wastl: (erschrickt und sucht schnell auf dem Boden herum) Ja, a Markl ist mir runterg'fallen.

Egon: Bitte suchen sie nicht mehr, hier haben sie ein neues.

Wastl: Danke! (steckt Geldstück ein) Was wollen's denn?

Egon: Ich hätte gern ihr Fräulein Töchter gesprochen.

Wastl: Die ist net da!

Egon: Schade. Dann hätte ich gerne noch gefragt, wie ihre werte Stimmung heute ist?

Wastl: Schlecht - warum?

Egon: Dann komme ich lieber ein anderes mal wieder. Auf Wiedersehen! (ab)

Wastl: Wer war denn jetzt des? Also, wenn der net spinnt!?

6. Szene

Wastl, Rosl

Rosl: (tritt auf) So Vater, bin schon wieder da!

Wastl: Na endlich! Na was is?

Rosl: Was soll denn sein?

Wastl: Herrgott, frag doch not so blöd! Ich möcht wissen, was die Brandstätterin g'sagt hat.

Rosl: Was soll's denn g'sagt haben?

Wastl: Hast sie net gefragt?

Rosl: Was gefragt?

Wastl: Jessas, ich werd noch wahnsinnig! Ich möcht wissen, was die Brandstätterin g'sagt hat,

wie du von mir g'redt hast?

Rosl: Mir haben net von dir g'redt.

Wastl: (sprachlos) Waaas, ihr habt's von mir net g'redt. Du hast sie net g’fragt, wie sie so von mir

denkt?

Rosl: Na Vater, des ist net gangen, weil die Brandstätterin an Besuch g'habt hat.

Wastl: An Besuch? War der Paffinger bei ihr?

Rosl: Na, die Apolonia, die Hausiererin, war bei ihr.

Wastl:

8

Ja was will denn die alte Hutschachtel bei der Veronika?


Rosl: Die Brandstätterin hat's rufen lassen, weil sie einen Traum g'habt hat und den soll ihr die

Apolonia ausdeuten.

Wastl: Was, einen Traum. Was denn für einen Traum?

Rosl: Ja, so genau weiß ich des a net. Die Brandstätterin hat den Traum g'habt.

Wastl: Vielleicht hat sie von mir träumt?

Rosl: Na, von einem Misthaufen, der brennt hat, von einer Kapelle, vom Kartoffelschälen und

noch einiges mehr.

Wastl: So einen Schmarrn!

Rosl: Sag des net. Die Apolonia hat ihr den Traum ausdeut, und da war auch von einer Hochzeit

die Red'.

Wastl: Weißt nix genaueres?

Rosl: Na, die Veronika hat mich a paarmal nausg'schickt.

Wastl: So was blödes. - Wie kann man denn des rauskriegen?

Rosl: Ganz einfach. Du ladst die Apolonia zum Kaffee bei uns ein und dann fragst sie.

Wastl: Mei, bist du a g'scheites Madl. - Kunststück - ich bin ja dein Vater! - Du laufst also schnell

nochmal nüber zu der Brandstätterin und sagst der Apolonia, sie soll zum Kaffee zu uns

rüberkommen.

Rosl: Sie kommt bestimmt, weil...

Wastl: Was, weil?

Rosl: Weil mich die Apolonia g'fragt hat, wie lang du jetzt schon Witwer bist, - und dass du noch

so rüstig bist, - und sie wär auch noch net so alt, und altersmäßig tät sie gut zu dir passen

und noch so einiges.

Wastl: (hat ihr sprachlos zugehört, er schluckt ein paar Mal) Waaas, die Apolonia?

Rosl: Gelt, da schaust, Vater?

Wastl: War die Brandstätterin auch da, wie die Apolonia des zu dir g'sagt hat?

Rosl: Na, die war derweil in der Küche. (ab)

Wastl: Gott sei Dank - Ja die ging ma grad noch ab. - Ich komm mir vor wie ein Fischer. Ich

möcht a junge Forellen fangen, und was bleibt hängen? Ein alter Karpf'n!

Vorhang

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