F orsc hungseinblic k e 20 09/2010 - Fachhochschule ...

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F orsc hungseinblic k e 20 09/2010 - Fachhochschule ...

Forschungseinblicke

2009/2010


3 Editorial

5 Nachhaltige Entwicklung von Institutionen,

Organisationen und Unternehmen

29 Ressourcennutzung und -entwicklung

49 Transformation von Kulturen

und Lebenswelten

69 Projektstatistik

72 Kontaktliste


Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

An der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW hat die anwendungsorientierte

Forschung und Entwicklung (aF&E) hohe Priorität. Die Kompetenzen der Forschenden

sowie die gute Infrastruktur der FHNW schaffen ideale Voraussetzungen

für die Bearbeitung der stetig komplexer werdenden Fragestellungen aus Wissenschaft,

Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft.

Mit diesem Bericht geben wir Ihnen gerne einen − hoffentlich spannenden − Einblick

in die Forschungstätigkeit der FHNW. Die zwanzig ausgewählten Projekte

stehen für die Vielfalt der Themen, die Zusammenarbeit über Disziplinen hinweg

und die Kooperationen der Forschenden auf nationaler und internationaler Ebene.

Anwendungsorientiert bedeutet enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der

Gesellschaft, verbunden mit einem schnellen Transfer der Forschungsresultate in

die Praxis. Hier sind vor allem Unternehmen, Gemeinden und andere öffentliche

Institutionen die Forschungspartnerinnen der FHNW.

Die Analyse der Kennzahlen zeigt die starke regionale und nationale Verankerung

der Forschung der FHNW. So werden zum Beispiel 22 Prozent der über 690 laufenden

Forschungsprojekte der FHNW im Rahmen von KTI-Projekten durchgeführt,

wobei der Partner einen Eigenanteil von 50 Prozent erbringt. Dies ist nur ein

Indiz für die Qualität der anwendungs- und lösungsorientierten Forschungsarbeit

der FHNW-Mitarbeitenden.

International konnte die Forschung 2009 vor allen durch Kooperationsprojekte im

Rahmen des siebten Rahmenprogramms der Europäischen Union auf 18 Projektbeteiligungen

ausgebaut werden.

Die Veröffentlichung von Projektergebnissen ist integraler Bestandteil der Forschung

an der FHNW. Neben Publikationen in Fachzeitschriften werden die Forschungsergebnisse

den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und einem

interessierten Publikum immer wieder mit Beiträgen der FHNW an Konferenzen

und Workshops zugänglich gemacht. Das 2010 eingeführte Projekt- und Publikationstool

der FHNW bietet Ihnen die Möglichkeit, im Internet Projekte und Publikationen

der FHNW einfach zu finden.

2010 genehmigte der Fachhochschulrat erstmals strategische Initiativen der FHNW.

Mit diesen wird die interdisziplinäre, hochschulübergreifende Zusammenarbeit

im Rahmen definierter Entwicklungsfelder gezielt gefördert. Die Mitarbeitenden

der FHNW wurden mit der ersten Ausschreibung aufgefordert, Projekte zur «Positionierung

der FHNW in den Strategischen Feldern mit Fokus auf den Leistungsbereich

Forschung» und «Projekte zur Stärkung der FHNW als Gesamtorganisation»

einzureichen. Das grosse Potenzial der Mehrspartenhochschule FHNW

zeigte sich unter anderem in den fundiert ausgearbeiteten Projektvorschlägen. Sicherlich

werden wir im nächsten Forschungsbericht über einige dieser Projekte

berichten können.

Richard Bührer Wolfgang Kickmaier

Direktionspräsident Delegierter für Forschung

3


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen,

Organisationen und Unternehmen

Wandel nachhaltig zu gestalten, ist sowohl eine betriebswirtschaftliche wie eine

kulturelle Herausforderung für Institutionen, Organisationen und Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund kann vom Wandel der Familie bis zum Wandel von Produktionstechniken

vieles zum Forschungsthema werden: Fabriken, Baustellen,

Krankenhäuser, Orchester oder Non-Profit-Organisationen.

Mit Beispielen aus dem Bereich der Informationstechnologien, dem Bildungswesen,

der Interaktion von Mensch und Maschine und Projekten aus dem Bereich der

(betrieblichen) sozialen Arbeit wird dieses breite Strategische Feld durch Forschungsarbeiten

konkretisiert.

Die ausgewählten Forschungsprojekte dokumentieren die zum Teil sehr spezifischen

Fragestellungen und Lösungsansätze, mit denen sich die Arbeiten in diesem

Strategischen Feld auseinandersetzten. Sie zeigen gleichzeitig auch beispielhaft

auf, wie die Forschenden der FHNW mit anderen Institutionen und

Organisationen auf nationaler und internationaler Ebene erfolgreich zusammenarbeiten.

plugIT – ein modellbasierter Ansatz für das Alignment von Business und IT 6

Ressourcen und Belastungen von Schweizer Lehrpersonen 10

Optimierung von Urteils- und Entscheidungsprozessen in Kernanlagen 14

Steigerung der Zuverlässigkeit und Effizienz bei Sicherheitskontrollen am Flughafen Amsterdam Airport Schiphol 16

Betriebliche soziale Arbeit – Stand und Herausforderungen 18

Corporate Volunteering in der Schweiz – die Perspektive von Non-Profit-Organisationen 20

User-Interface-Entwicklung bei gleichzeitiger Berücksichtigung technischer und gestalterischer Fragen 22

Gender und Diversity in öffentlichen Verwaltungen und Hochschulen 24

Literaturverzeichnis 26

5


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen

plugIT – ein modellbasierter Ansatz für das Alignment

von Business und IT

Informationstechnologien und -dienstleistungen effizient an die

Bedürfnisse der einzelnen Unternehmen anzupassen, ist eine grosse

Herausforderung. Im Rahmen des Projekts plugIT wird ein modellbasierter

Ansatz entwickelt, der diese Anpassung dank dem Einsatz

semantischer Technologien erleichtern soll.

Von Knut Hinkelmann, Holger Wache, Hochschule für Wirtschaft FHNW

Die Informationstechnologie (IT) ist für die Funktionsfähigkeit

von Unternehmen von zentraler Bedeutung. Es gibt kaum einen

Funktionsbereich im Unternehmen, der nicht durch IT unterstützt

oder durch IT gar erst möglich wird. Dabei hat sich die

Rolle der IT und deren Betrieb in den letzten Jahren geändert:

Der Betrieb der IT wird immer mehr zu einem eigenen Wirtschaftszweig.

Die Gründe dafür sind vielfältig: Gesetzliche Regelungen

oder Wettbewerbsfaktoren verlangen von Unternehmen

den effizienten und effektiven Einsatz von kostengünstigen

IT-Anwendungen für standardisierte, nachvollziehbare Abläufe.

Das führt auf der einen Seite zu «Standard»-Lösungen wie

Enterprise Resource Planning (ERP), Customer Relationship

Management (CRM) oder Archivierung, um nur einige Beispiele

zu nennen. Auf der anderen Seite beeinflussen technologische

Trends wie service-orientierte Architekturen, Software as a Service

(SaaS), Virtualisierung oder Cloud Computing die Art und

Weise, wie IT-Dienstleistungen erbracht werden.

IT-Dienstleister können Infrastruktur und Dienstleistungen,

die von vielen Unternehmen benötigt werden, zentral anbieten.

Allerdings müssen diese für die jeweiligen Unternehmen individuell

konfiguriert und teilweise auch um Speziallösungen ergänzt

werden. Dieser Angleich der IT an die Bedürfnisse der

Unternehmen (englisch: Business and IT Alignment) ist die zentrale

Herausforderung für den effektiven und effizienten Betrieb

der Informatik durch IT-Dienstleister.

Die Vision des Projekts plugIT ist es, dieses «Business und IT

Alignment» zu vereinfachen. Diese Vision wird symbolisiert

durch eine «Steckdose» (IT-Socket), über die sich Unternehmen

an die IT des Dienstleisters anschliessen können. Selbstverständlich

ist diese Steckdose nur ein Symbol, ist doch der Bezug

von IT-Services deutlich komplexer als der Bezug von Elektrizität.

Modellbasierte Ansätze und IT-Governance sind jedoch geeignete

Kandidaten, um den sich ändernden Unternehmenskontext

und die IT fortlaufend aneinander anzugleichen. In plugIT

wird das Potenzial semantischer Technologien genutzt, um

den IT-Socket zu realisieren und so die Herausforderung zu

meistern.

Die Vision des IT-Sockets

Der Kern des IT-Sockets ist die Vision, dass Business und IT

ständig aneinander angeglichen werden. Genauer: Mit dem

IT-Socket werden die jeweils relevanten Aspekte der Geschäftsperspektive

und der IT-Perspektive aneinander angeglichen.

Relevant aus Unternehmenssicht sind in erster Linie

die Anforderungen, die aus den Geschäftsprozessen abgeleitet

werden. Relevant aus technischer Sicht sind die bereitgestellten

IT-Produkte, die als Paket von IT-Dienstleistungen

angesehen werden können und im Fall eines externen Dienstleisters

kommerziell vertrieben werden.

Der IT-Socket umfasst drei Aspekte, die modelliert werden

müssen:

– Kompetenz: Welches Fachwissen ist aufseiten des Unternehmens

und bei den IT-Dienstleisterinnen vorhanden?

– Technik: Welche Software, Hardware und IT-Infrastruktur

wird benötigt?

– Organisation: Welche Prozesse werden vom IT-Dienstleister

durchgeführt? Für welchen Teil der IT-Infrastruktur

übernimmt er die Verantwortung?

Diese Aspekte werden als horizontale Klassifizierung bezeichnet,

denn sie sind sowohl in der Geschäfts- als auch in

der IT-Sicht enthalten. Darüber hinaus war es notwendig,

eine vertikale Klassifikation einzuführen, die zwischen Geschäftsperspektive

(Business Perspective) und IT-Perspektive

unterscheidet. Diese Perspektiven bestehen jeweils aus

den drei oben genannten Aspekten und definieren zusammen

die sechs Elemente des IT-Sockets:

Geschäftsperspektive:

1. Kompetenz der Fachpersonen, um die Anforderungen an

die IT-Produkte korrekt zu spezifizieren;

2. Technische Anforderungen an die IT-Produkte;

3. Organisatorische Anforderungen an die IT-Produkte.

IT-Perspektive:

4. Kompetenz, die notwendig ist, um eine IT-Dienstleistung

anzubieten;

5. Technische Bereitstellung eines IT-Service;

6. Organisatorische Bereitstellung eines IT-Service.

Abbildung 1 zeigt das Konzept des IT-Sockets, bestehend aus

den oben genannten sechs Elementen, die wiederum in drei

Säulen angeordnet sind, die den oben genannten Aspekten

entsprechen (jeweils aus Business- und IT-Perspektive):

a) IT-Dienstleistungen, die Kompetenzen bereitstellen

(z. B. Helpdesks, Schulung oder Beratung);

b) IT-Dienstleistungen, die technische Lösungen anbieten

(Anwendungen, Middleware oder Geräte) sowie

c) IT-Dienstleistungen in Form von organisatorischen

Prozessen (Wartung, Benutzerverwaltung oder Monitoring

der Infrastruktur).

IT-Services sind auf verschiedenen Abstraktionsebenen angesiedelt.

So ist eine technische IT-Dienstleistung wie die

Bereitstellung eines Servers auf einer niedrigeren Abstraktionsebene

zu finden als der Betrieb einer ERP-Anwendung.

Grundsätzlich zeigen die verschiedenen Abstraktionsebenen

den «Abstand» der IT-Dienstleistung vom Geschäftsprozess,

in dem die Dienstleistung zum Einsatz kommt. Eine konkrete

6


Business

Requirement

IT for

Sockets

Modelling

Requirement

Competence

IT-

Competence

Business Strategy

Business Requirements

Requirements

Specification

IT-Service

Catalogue

IT for Sockets

ICT

Requirement

Specification

Process

IT-

Processes

Abbildung 1: Konzept des IT-Sockets bestehend aus sechs Elementen in drei

Säulen.

Definition dieser Abstraktionsschichten ist derzeit nicht

möglich. In der wissenschaftlichen Literatur finden sich verschiedene

Definitionen von Abstraktionsebenen; zudem gibt

es auch kundenspezifische Anpassungen.

In der Metapher der Steckdose entsprechen die betriebswirtschaftlichen

Anforderungen dem Stecker, dessen Aussehen in

Abhängigkeit von der gewünschten Abstraktionsebene variiert.

Die Herausforderung für den IT-Socket ist es daher, eine

Reihe von Adaptern – in Form von semantischen Technologien

– anzubieten, die idealerweise mit jedem beliebigen Stecker

umgehen können.

Der Abgleich zwischen den Anforderungen der Unternehmen

und den tatsächlichen IT-Produkten erfolgt durch die Formalisierung

des Auftrags, sodass erstens die geeignete Abstraktionsebene

identifiziert werden kann, zweitens die Parameter

der IT-Services explizit beschrieben werden können, damit

die am besten geeigneten IT-Services für die gegebene Anwendung

gefunden werden, und drittens die rechtlichen Aspekte,

die Verantwortlichkeiten, die zusätzlichen Dienstleistungen

wie Schulung, Wartung oder Helpdesk sowie die

finanziellen Bedingungen identifiziert werden können.

Derzeit werden unterschiedliche Ansätze für das Business

and IT Alignment vorgeschlagen, die alle ihre Vor- und Nachteile

haben. Sie reichen von formalen Methoden über semistrukturierte

und unstrukturierte Verfahren bis hin zu intuitivem

Vorgehen. Die Vision des IT-Sockets ist daher nicht auf

einen Standard ausgerichtet, sondern liefert einen ganzheitlichen

Rahmen, der auf unterschiedliche Art und Weise gestaltet,

realisiert und genutzt werden kann. Der Rahmen soll

gewährleisten, dass bei gegebenen betrieblichen Anforderungen

die unterschiedlichen IT-Sockets vergleichbare Ergebnisse

liefern, auch wenn diese mit verschiedenen Mechanismen

umgesetzt werden.

Um den IT-Socket zu realisieren, wurde ein modellbasierter

Ansatz gewählt, der es erlaubt, in Form von grafischen

Modellen das Fachwissen sowohl der Anwender aus dem Unternehmen

als auch der IT-Experten und IT-Expertinnen zu

externalisieren. Diese grafischen Modelle sind für den Anwender

leicht zu verstehen und verhindern, dass der Anwender

spezielle formale Sprachen lernen muss. Der IT-Socket

geht von der Annahme aus, dass von beiden Seiten (Business

und IT) her modelliert wird und dass dazu geeignete Modellierungswerkzeuge

benötigt werden.

Diese Modelle sind eine angemessene Basis für die Darstellung

des Wissens, das für das Alignment erforderlich ist. Der

hier verwendete modellbasierte Ansatz bietet eine Möglichkeit,

die Spezifikation der Geschäftsanforderungen mit den

Funktionalitäten und Voraussetzungen der IT zu verbinden.

Um das Alignment zu unterstützen, müssen die Modelle jedoch

verarbeitbar – also formal – sein. Die grafischen Modelle,

die vom Unternehmen zur Spezifikation der Anforderungen

und vom IT-Dienstleister erstellt werden, sind

allerdings selten formaler Natur; sie müssen daher schrittweise

formalisiert werden.

Realisierung des IT-Sockets

Die Modelle des IT-Sockets werden als formale Repräsentation

der realen Welt verstanden. Sie reduzieren die Komplexität

und ermöglichen die Anwendung formaler Methoden.

Dabei schreibt der IT-Socket keine spezifische Modellierungsmethode

vor. Vielmehr sollen die Business- und IT-

Fachleute diejenigen Modellierungssprachen verwenden

können, mit denen sie vertraut sind, um die sechs Elemente

des IT-Sockets zu beschreiben. Die Herausforderung besteht

darin, dass verschiedene Bearbeiter und Bearbeiterinnen unterschiedliche

Modellierungssprachen verwenden werden.

Die Wahl der Modellierungssprachen hängt – neben den Vorlieben

der Experten und Expertinnen – auch davon ab, was

modelliert werden soll. Im Folgenden werden lediglich einige

der unterstützten Modellierungssprachen exemplarisch beschrieben.

Man kann sie nach zwei Dimensionen klassifizieren:

Aspekte und Perspektiven (Abbildung 2).

7


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen

Perspectives

Strategy

Business

Systems

Technology

Data/

Knowledge

Entities

Entities

Relations

Ontology

Logical

Data

Model

Physical

Data

Model

Aspects

Process People/

Organisation

Process

Map

Process

Model

Workflow

Model

Plattform

Specific

WF-Model

Business

Units

Organigram Applications

User

Model

Application Products Motivation

Application

Architecture

System

Design

Business

Model

Product

Model

Business

Goals

Model

Business

Rule

Model

Production

Rule

Model

Production

Rule

Design

Abbildung 2: Klassifikation von unterstützenden Modellrechnungen nach den

zwei Dimensionen Perspektiven und Aspekte.

Die Perspektiven repräsentieren die Rollen bzw. Sichtweisen.

Im Wesentlichen wird hier wieder zwischen der Geschäftsperspektive

(Business Perspective) und der IT-Perspektive

unterschieden. Weitere Untergliederungen sind möglich, z. B.

die Unterscheidung von Strategie und operativer Ebene in

der Geschäftsperspektive und die Unterscheidung von Systemen

und Technologien in der IT-Perspektive.

Die Aspekte beschreiben, was in den Modellen zu repräsentieren

ist, also z. B. Geschäftsprozesse, Organisationsstrukturen,

Daten, Wissen oder Geschäftsregeln. Ähnlich wie bei

den Perspektiven gibt es keine allgemeine Menge von Aspekten,

auf die man sich geeinigt hat. Vielmehr findet man in

der Literatur zu Unternehmensarchitekturen unterschiedliche

Aspekte. Für den IT-Socket haben wir uns auf folgende

Aspekte geeinigt:

– Data/Knowledge: Dieser Aspekt beschreibt, welche Daten

und Informationen im Unternehmen verwendet werden.

– Process: Prozesse koordinieren die Aufgaben eines Unternehmens

und erklären auf verschiedenen Abstraktionsebenen,

wie und in welcher Reihenfolge und von wem

Aufgaben zu erfüllen sind.

– Organisation: Menschen handeln in einer organisatorischen

Umgebung, die in diesem Aspekt beschrieben wird.

– Applications: Die Modelle für diesen Aspekt beschreiben

IT-Systeme, Anwendungen und ihre Verbindungen in einer

vernetzten Umgebung.

– Products: Dieser Aspekt beschreibt die Eigenschaften von

Produkten und Dienstleistungen eines Unternehmens, die

durch die Geschäftsprozesse hergestellt und erbracht

werden.

– Motivation: Alles, was ein Unternehmen tut, sollte einem

Zweck dienen. Die Zwecke werden in diesem Aspekt beschrieben.

Dazu gehören insbesondere die Unternehmensstrategie,

die Unternehmensziele, Grundsätze, Taktiken etc.

Wie erwähnt, stehen den Anwendern und Anwenderinnen

eine Reihe von unterschiedlichen Modellierungssprachen für

die verschiedenen Perspektiven und Aspekte zur Verfügung.

Semantische Technologien werden hauptsächlich verwendet,

weil sie zwischen verschiedenen Modellierungssprachen vermitteln.

Die semantischen Technologien fungieren als eine

Art Leim, der die verschiedenen Elemente des IT-Sockets miteinander

verbindet, auch wenn sie in unterschiedlichen Modellierungssprachen

beschrieben sind. Bei den semantischen

Technologien ist die Verbindung zwischen der Geschäfts-

Perspektive und der IT-Perspektive besonderes anspruchsvoll.

Indem Wissen über den Unternehmens- und IT-Kontext

explizit beschrieben wird, können semantische Technologien

dazu beitragen, die IT-Services an die Anforderungen des Unternehmens

anzupassen.

Die Herausforderung für die Forschung

Die Herausforderung für die Forschung besteht darin, die

(grafischen) Modelle und die Semantik miteinander zu verbinden.

Grafische Modelle machen das System transparent

und ermöglichen es, zwischen verschiedenen Modellierungssprachen

zu vermitteln. Die erarbeiteten Lösungen verändern

die Art und Weise, wie Modelle in Unternehmen eingesetzt

werden: Domain-Experten können sich in der grafischen

Modellierungssprache ausdrücken, die sie kennen; es braucht

keine Vorgabe von Modellierungsstandards mehr. Gleichzeitig

können Fachleute aus verschiedenen Bereichen miteinander

kommunizieren; dabei übernimmt das System die

Übersetzung zwischen den Sprachen und Modellen. Und

schliesslich können Modelle in ausdrucksstarke, durch Maschinen

interpretierbare Formalismen umgewandelt werden.

Anwendungen und Ausblick

Im Projekt plugIT wird die Anwendbarkeit der gefundenen

Lösungen in drei Anwendungsszenarien bei unterschiedlichen

Unternehmen überprüft und eingesetzt:

– Certification: Überprüfung, ob IT-Infrastrukturen die

Reglemente und Gesetze wie SOX, EuroSOX, ITIL, COBIT

oder Basel II einhalten (Compliance Management);

– Virtuelle Organisation: Unterstützung virtueller Organisationen

durch semantische Beschreibung von betrieblichen

und wirtschaftlichen Anforderungen sowie Service Level

Agreements;

– IT-Governance: Einsatz intelligenter Agenten, um die für

den Kunden und die Kundinnen passende IT-Infrastruktur

von Rechenzentren zu identifizieren.

Im Rahmen des Projekts wird von der Firma BOC eine öffentliche,

webbasierte Modellierungsplattform zur Verfügung

gestellt, über welche die Modelle der drei Anwendungsfälle

erstellt und zwischen den Partnerinnen ausgetauscht werden.

Vonseiten der FHNW ist der Kompetenzschwerpunkt

«Information and Knowledge Management» am Institut für

Wirtschaftsinformatik (IWI) in das Projekt involviert. Die beteiligten

Forschenden entwickeln das Open-Source-Modellierungswerkzeug

ATHENE, mit dem beliebige grafische Modellierungssprachen

definiert und Modelle automatisch in

Ontologien umgewandelt werden können.

8


Innovation Technology Group SA (ITG SA) ist ein Service Provider

im IT-Sektor mit langjähriger Erfahrung und Know-how

in der Implementierung von grossen betriebswirtschaftlichen

Informationssystemen. Kerngeschäft ist sowohl die Implementierung

und Integration von management-unterstützenden

Softwaresystemen als auch die individuelle, anwendungsbezogene

Entwicklung von IT-Systemen und -Diensten.

Kritisch für unser Unternehmen sind dabei die Erfassung

der Anforderungen und die korrekte Umsetzung der Anforderungen

durch unsere Software. Grafische Modelle sind bei

uns ein geeignetes Mittel zur Beschreibung sowohl der Anforderungen

als auch der Software. Aber bislang sind diese

Modelle isoliert, und Zusammenhänge sind nicht erkennbar.

Gründe hierfür sind zum einen die unterschiedlichen Modellierungssprachen,

die verfügbar sind, und zum anderen

die unterschiedlichen Terminologien der IT- und Business-

Fachleute. Ein Werkzeug, welches uns hilft, diese Zusammenhänge

trotz unterschiedlicher Modellierungssprachen

und Terminologien aufzuzeigen, führt zu einer deutlich

zuverlässigeren Umsetzung der Anforderungen und stellt einen

wesentlichen Wettbewerbsvorteil dar. Wir warten daher

schon fast ungeduldig auf die ersten Ergebnisse des Projekts

plugIT.

Janusz Szwabiński, ITG, Polen

Projektteam

Knut Hinkelmann | Simon Nikles | Holger Wache |

Daniela Wolff, Hochschule für Wirtschaft FHNW, Institut

für Wirtschaftsinformatik

Projektkooperationen

BOC Asset Management GmbH, Österreich | ElsagDatamat

spa, Italien | Universität Wien, Department of Knowledge

and Business Engineering, Österreich | Stiftung für

Forschung und Technologie – Hellas, Institut für Informatik,

Griechenland | Consorzio Interuniversitario, Italien | Innovation

Technology Group SA, Polen | Universität Stuttgart,

High Performance Computer Center, Deutschland

Schlüsselwörter

Business-IT Alignment | Modellierung | Knowledge Management

| Unternehmensarchitektur | Semantik | Ontologien |

virtuelle Organisation | IT-Governance | Zertifizierung

Projektförderung

EU-FP7 (FP7-Fördernummer 3ICT-231430)

Projektvolumen

€ 3 658 000.–

Projektlaufzeit

März 2009 – September 2011

Webseite

www.plug-it-project.eu

9


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen 10

Ressourcen und Belastungen von Schweizer Lehrpersonen

Derzeit finden im Bildungssystem weitreichende Veränderungen

statt, die für Lehrerinnen und Lehrer teilweise mit einem erheblichen

Zusatzaufwand verbunden sind. Im Rahmen des Projekts

werden erstmals Daten zur Arbeitssituation, zur Motivation und

zum Befinden der Lehrpersonen erhoben, die für die gesamte

Schweiz repräsentativ sind.

Von Doris Kunz Heim, Pädagogische Hochschule FHNW, und Andreas Krause, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW

Abbildung 1: Gute Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern ist eine wichtige Ressource für Lehrpersonen. ( Foto: Felix Gloor)

Mit dem gesellschaftlichen und technologischen Wandel verändern

sich auch die gesellschaftlichen Erwartungen an die Schule

und die Lehrerschaft. Aktuelle Erwartungen sind etwa die

verbesserte Förderung einer zunehmend heterogenen Schülerschaft

und der kompetente Umgang mit den sich verändernden

Generationen von Kindern und Jugendlichen. Die Anforderungen,

die der Lehrberuf heute an die Lehrpersonen stellt, sind

hoch: Sie müssen ein hohes Fachwissen aufweisen und Kinder

und Jugendliche so unterrichten, dass diese möglichst individuell

gefördert werden. Auch Kinder mit Entwicklungs- oder

Verhaltensproblemen sollen in die Regelklassen integriert werden.

Lehrkräfte sollen ihre Schützlinge fürsorglich behandeln

und gleichzeitig dezidiert führen, ohne dabei Frustrationen zu

erzeugen. Inwiefern diese Erwartungen erfüllt werden können,

hängt in hohem Masse von den Unterrichtenden selbst, aber

auch von den Schulleitungen und dem Schulteam ab. Zunehmend

wird von den Lehrpersonen erwartet, sich aktiv bei der

Schulentwicklung und Qualitätssicherung zu engagieren und in

Teams zusammenzuarbeiten. Weitreichende Veränderungen betreffen

also nicht nur dasVerhalten von Schülerinnen und Schülern

oder den Einsatz von Medien im Unterricht, sondern auch

die Arbeitsorganisation an der geführten Schule.

20 bis 30 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer sind von stressassoziierten

Gesundheitsstörungen betroffen (Bauer, 2009).

Dieser Befund weist darauf hin, dass viele Lehrpersonen im

Rahmen der Arbeit an ihre Grenzen stossen. Damit die Institution

Schule weiterhin ihren gesellschaftlichen Auftrag erfüllen

und sich entwickeln kann, muss sie dafür sorgen, dass

die Gesundheit der Unterrichtenden keinen Schaden nimmt.

Nur gesunde Lehrpersonen sind auch leistungsfähig und

wirksam. Während an Schweizer Schulen in den letzten Jahren

viel für die Gesundheitsbildung von Kindern und Jugendlichen

unternommen wurde, blieb die Gesundheit von

Lehrerinnen und Lehrern bisher wenig beachtet. Anders als in

vielen Unternehmen der Privatwirtschaft wird in der Institution

Schule die Gesundheit der Lehrkräfte noch zu selten systematisch

gefördert.

Arbeitssituation und Befinden von Schweizer

Lehrpersonen

Die wissenschaftliche Diskussion zu Belastungen im Lehrberuf

wurde in der Deutschschweiz von Kramis-Aebischer

(1995) lanciert. Rund 60 Prozent der befragten Lehrerinnen

und Lehrer der Orientierungsstufe der Kantone Freiburg und


Luzern schätzten ihre Berufsbelastungen als überdurchschnittlich

hoch ein, und rund 45 Prozent gaben Gefühle der

fortwährenden Anspannung und Nervosität an. 25 Prozent

der Befragten wiesen starke bis mittlere, ein weiteres Viertel

leichte Burnout-Anzeichen auf.

Wissensbox I: Burnout

Burnout kann bei einem chronischen Stresszustand entstehen.

Es handelt sich dabei um ein Syndrom; meist ist

also eine charakteristische Gruppe gemeinsam auftretender

Krankheitszeichen zu beobachten, wobei diese nicht

bei allen Betroffenen vollständig ausgeprägt sein müssen.

Burnout setzt sich aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation

und verminderter Leistungsfähigkeit zusammen.

Emotional Erschöpfte fühlen sich bei der Zusammenarbeit

mit anderen Menschen überfordert, Depersonalisation bedeutet

eine ablehnende, zynische Wahrnehmung von Klientinnen

und Klienten sowie Schülerinnen und Schülern,

und die reduzierte Leistungsfähigkeit führt zu einer verringerten

Wahrnehmung von Kompetenz und Erfolg. Andere

Forschungsgruppen betonen als Merkmal von Burnout die

beeinträchtigte Zuwendungsbereitschaft (aversive Tendenz

gegenüber Schülerinnen und Schülern) und das reaktive Abschirmen

(Gleichgültigkeit und Rückzug als Strategie, sich

vor emotionalen Beanspruchungen zu schützen).

In den letzten zehn Jahren wurden für einzelne Kantone (z. B.

Aargau, Basel und Thurgau) aussagekräftige Studien zu Belastungen

und Ressourcen der Unterrichtenden durchgeführt.

Auffallend ist, dass die Lehrpersonen bei allen Erhebungen

das Verhalten «schwieriger» Schülerinnen und Schüler als

wichtigsten Belastungsfaktor angaben. Die zweitstärkste Belastungsquelle

wird überwiegend in den Neuerungen und

Veränderungen im Schulsystem bzw. in den laufenden Reformen

gesehen. Der Anteil der Lehrerinnen und Lehrer mit

kritischen Werten für emotionale Erschöpfung lag zwischen

23 und 32 Prozent, für beeinträchtigte Zuwendungsbereitschaft

zwischen 14 und 26 Prozent und für reaktives Abschirmen

zwischen 19 und 38 Prozent.

Dass mit den Belastungen nicht unbedingt die Kündigungstendenz

von Lehrpersonen steigt, fand Bieri (2006) in

seiner Übersicht von Studien, die in den neunziger Jahren in

den Kantonen Aargau, Luzern und Solothurn durchgeführt

wurden. Sowohl die kündigenden als auch die verbleibenden

Lehrpersonen fühlten sich gleichermassen beansprucht, und

trotzdem gaben mehr als 80 Prozent an, mit ihrem Beruf zufrieden

oder sehr zufrieden zu sein. Hier zeigte sich, dass der

in den ersten Studien zur Arbeitssituation von Lehrerinnen

und Lehrern dominierende Blickwinkel erweitert werden

musste: Nicht nur Fehlbelastungen, sondern auch positiv

wirkende Ressourcen wie soziale Unterstützung sowie positive

Beanspruchungsfolgen wie Engagement und Sinnerleben

wurden zunehmend berücksichtigt.

Ziele der Studie

Erstmalig wird nun eine nationale, repräsentative Befragung

von Lehrpersonen mit einem wissenschaftlich fundierten

Fragebogen durchgeführt. Befragt wird eine Zufallsstichprobe

aus der Grundgesamtheit von Lehrkräften, die Klassen

des 5. bis 9. Schuljahres unterrichten. Konkret verfolgt die

Studie folgende Ziele:

1. Die Verbreitung positiv wirkender Ressourcen und negativ

wirkender Fehlbelastungen wird aus Sicht der befragten

11

Schweizer Lehrpersonen beschrieben. Die Arbeitssituation

an Schweizer Schulen wird charakterisiert. Unterschiede

zwischen den Sprachregionen kommen zum Vorschein.

2. Aussagen zur Verbreitung von Beanspruchungsfolgen bei

Lehrerinnen und Lehrern wie Zufriedenheit, Motivation und

Engagement einerseits und psychosomatischen Beeinträchtigungen

der Gesundheit wie Burnout andererseits werden

erklärt.

3. Es wird geprüft, welches Modell den Zusammenhang von

Belastungen, Ressourcen und Beanspruchungsfolgen bei Unterrichtenden

besonders gut erklären kann. Während in vorhandenen

Studien entweder ein einziges Modell herangezogen

oder sogar komplett auf die theoretisch begründete

Auswahl der Belastungen und Ressourcen verzichtet wurde,

ist in dieser Studie die Prüfung der derzeit einflussreichsten

theoretischen Belastungsmodelle möglich. Dazu gehören das

auf Karasek basierende Job-Demands-Resources-Modell

(Hakanen, Bakker & Schaufeli, 2006) und das Effort-Reward-

Imbalance-Modell (Siegrist, 1996). So werden Impulse gesetzt,

welches Modell zukünftig in der Belastungsforschung

bei Lehrpersonen – auch international – federführend sein

sollte.

4. Eine Stärke der Studie ist die Datenerhebung alle vier Jahre,

sodass künftig umfassende Trendanalysen möglich werden

und ein Monitoring-System zur Arbeits- und Gesundheitssituation

von Schweizer Lehrkräften aufgebaut werden

kann.

Beispiel für ein zu überprüfendes Belastungs-/Ressourcenmodell

Einige Modelle versuchen zu erklären, warum positive und

negative Beanspruchungsfolgen in der Arbeit auftreten. Häufig

wird dem (Un-)Gleichgewicht zwischen Ressourcen und

Belastungen Bedeutung beigemessen. Mit dem Job-Demands-Resources-Modell

sollen nicht nur Beanspruchungsfolgen

wie Burnout und Erschöpfungsdepressionen, sondern

auch das Engagement für den Lehrberuf und für die Schule

erklärt werden.

Berufliche

Belastung

Berufliche

Reccourcen

+ +

Burnout

– –


+

Engagement

Beruf

+

Abbildung 2: Job-Demands-Resources-Modell.

Gesundh.

Probleme

Engagement

Schule

Abbildung 2 veranschaulicht das Modell. Im oberen Teil ist

der Energieprozess: Lehrerinnen und Lehrer reagieren auf

zunehmende Belastungen mit verstärkter Aktivierung des

sympathischen Nervensystems, was sich in erhöhtem Blutdruck

und in der Ausschüttung von Stresshormonen äussern

kann, sowie mit erhöhter subjektiver Anstrengung. Dauert

der Zustand erhöhter Belastung lange an, reicht die zur Verfügung

stehende Energie nicht aus. Negative Beanspruchungsfolgen

wie Burnout treten auf.


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen 12

Den Ausgangspunkt für den Motivationsprozess (Abbildung

2 unten) bilden Ressourcen, die ein motivierendes Potenzial

haben und zu einem hohen Engagement und einer hohen Leistungsbereitschaft

führen. Sie haben eine intrinsisch motivierende

Wirkung, wenn sie das Weiterlernen und die Entwicklung

der Person fördern, und eine extrinsisch motivierende

Wirkung, wenn sie eine funktionale Rolle bei der Zielerreichung

der Person spielen.

Methodisches Vorgehen

Die Studie ist als Querschnitterhebung in einer repräsentativen

Stichprobe von Lehrpersonen (Deutschschweiz, Romandie,

Tessin) des 5. bis 9. Schuljahres konzipiert. Die Datenerhebung

erfolgte im ersten Quartal 2010 im Rahmen der

Partnerschaft mit der Sucht Info Schweiz (SIS) (ehemals

Schweizerische Fachstelle für Alkohol und andere Drogenprobleme).

Die SIS führt alle vier Jahre eine Studie zum Gesundheitsverhalten

von Schweizer Schülerinnen und Schülern

zwischen elf und fünfzehn Jahren durch (Health

Behaviour in School-Aged Children, HBSC). Seit 2002 erhalten

auch die Unterrichtenden der befragten Klassen einen

Fragebogen zur Gesundheitsförderung an der entsprechenden

Schule und zu ihrer Belastung. Um die wissenschaftliche

Qualität speziell des Lehrpersonenfragebogens

zu erhöhen, entstand die Kooperation mit Expertinnen und

Experten an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Durch

diese Zusammenarbeit und die Einbindung in eine laufende

Panel-Untersuchung können grosse Synergien genutzt werden:

Verschiedene organisatorische Aufgaben (etwa die Ziehung

der Stichprobe) werden bereits von der SIS umgesetzt.

Ebenso wird ein Monitoring-System mit einem wissenschaftlich

fundierten Fragebogen aufgebaut.

Verwendung der Ergebnisse

Die Ergebnisse werden sowohl Impulse für den wissenschaftlichen

Diskurs (Welches Modell ist in der Lage, Beanspruchungsfolgen

bei Lehrpersonen besonders gut zu erklären?)

als auch für politisch-gesellschaftliche Diskussionen

liefern (Welche Belastungen und Ressourcen sind nach Ansicht

der Lehrerinnen und Lehrer stark bzw. schwach ausgeprägt?

Wo besteht Handlungsbedarf?).

Ein bildungspolitischer Nutzen der Studienergebnisse ergibt

sich aus der regelmässigen Erhebung alle vier Jahre. Eingangs

wurde skizziert, dass sich der Arbeitsauftrag an die

Lehrpersonen und die Rahmenbedingungen im Arbeitsalltag

stark verändern. Gerade in Phasen grosser Veränderung ist

das Schulsystem für eine nachhaltige Entwicklung auf Lehrkräfte

angewiesen, welche in einer gesunden Balance von optimistischem

Engagement und sorgfältiger Pflege der eigenen

Ressourcen die Aufgaben und die anstehende Entwicklung

meistern. Die Ergebnisse der Trendanalysen liefern

die notwendigen Daten über die Entwicklung der Ressourcen-

und Belastungssituation. Daraus gewinnen Bildungsverwaltungen,

Schulleitungen, Lehrpersonen und andere Interessierte

Steuerungswissen darüber, wie dieses Gleichgewicht

erreicht oder aufrechterhalten werden kann.

Wissensbox II: Belastung und Beanspruchung

Belastung wird in der Arbeitswissenschaft als Gesamtheit

aller Einflüsse definiert, die von aussen auf den Menschen

zukommen und auf ihn einwirken. Belastung ist im Gegensatz

zum Alltagsverständnis neutral zu verstehen. Mit dem

Begriff Fehlbelastungen werden jene Arbeitsbedingungen

charakterisiert, die potenziell negative Auswirkungen auf

die arbeitenden Menschen entfalten. Belastungen führen in

Abhängigkeit von den individuellen Voraussetzungen und Bewältigungsstrategien

zu Beanspruchungen. Unterschieden

werden kurzfristig reversible Beanspruchungsreaktionen

(z. B. erhöhte Herzfrequenz) und mittel- bis langfristige Beanspruchungsfolgen

(z. B. Erschöpfungsdepression).

Eine starke Ausprägung der folgenden Belastungen wirkt

sich im Sinne einer Fehlbelastung negativ auf die Gesundheit

von Lehrkräften aus:

– Disziplinschwierigkeiten, hohe Anzahl an Unterrichtsstörungen,

verbale und körperliche Gewalt, verhaltensauffällige

Schülerinnen und Schüler sowie Zwang, eigene

Gefühle wie Ärger zu unterdrücken;

– quantitative Überforderung, starker Zeitdruck, Übernahme

mehrerer Zusatzämter neben der Unterrichtsverpflichtung;

– hoher Lärmpegel und schlechte akustische Bedingungen

in der Schule;

– Konflikte im Kollegium (bis hin zu Mobbing), Konflikte zwischen

Schulleitung und Teilen des Kollegiums oder Konflikte

mit Eltern;

– fehlende Klarheit bei Aufgaben, widersprüchliche Ziele und

Erwartungen, die zu Rollenkonflikten führen;

– Überforderung durch Reformtempo und Anzahl angestrebter

Veränderungen;

– fehlende Arbeitsplätze, fehlende Lehr- und Lernmittel, mangelnde

Hygiene am Arbeitsort.


Wissensbox III: Ressourcen

Ressourcen sind materielle oder immaterielle Güter, die

dazu beitragen, dass die Gesundheit erhalten oder wiederhergestellt

werden kann. Sie wirken auf unterschiedliche

Weise und haben erstens eine direkte Wirkung, indem sie

unabhängig von Belastungen eine positive Wirkung auf das

Wohlbefinden und die Gesundheit haben. Sie haben zweitens

eine indirekte Wirkung, indem sie einen Belastungsabbau ermöglichen,

z. B. im Rahmen von Gesprächen. Drittens haben

sie eine Pufferwirkung, indem sie zur erfolgreichen Bewältigung

auftretender Belastungen beitragen. Ressourcen sind

eine zentrale Komponente des Salutogenese-Konzepts von

Antonovsky (1979), der die (klassische) Frage nach krankmachenden

Einflussfaktoren auf die menschliche Gesundheit

durch die Frage nach gesund erhaltenden Faktoren ergänzte.

Zu unterscheiden sind interne Ressourcen (welche

die Person selbst auszeichnen, etwa Selbstwirksamkeit) und

externe Ressourcen (als Merkmal der Arbeitssituation).

Eine starke Ausprägung der folgenden externen Ressourcen

wirkt sich positiv auf die Gesundheit von Lehrpersonen aus:

– gute Teamarbeit, gegenseitige soziale Unterstützung und

Wertschätzung;

– hohe Führungsqualität der Schulleitung;

– funktionierende Zusammenarbeit mit Eltern sowie Schülerinnen

und Schülern, hoher sozioökonomischer Status im

Einzugsgebiet der Schule;

– gemeinsame pädagogische Vorstellungen im Kollegium;

– Eingehen auf individuelle Bedürfnisse und Kompetenzen

der einzelnen Lehrkräfte an der Schule, z. B. bei altersbezogenen

Veränderungen;

– Innovationsklima an der Schule, Lern- und Fehlerkultur

(d. h., Fehler können angesprochen werden und lösen Lernprozesse

aus); professionelle Rückmeldungen zur eigenen

Arbeit, funktionierender Erfahrungsaustausch und damit

einhergehende Erfolgserlebnisse;

– Beteiligung an zentralen Entscheidungen an der Schule

(Partizipation), guter Informationsfluss, angemessene individuelle

Handlungsspielräume;

– gerechte Arbeitsverteilung innerhalb der Schule;

– Rückzugs- und Erholungsmöglichkeiten an der Schule.

Projektteam

Leitung: Doris Kunz Heim, Pädagogische Hochschule FHNW |

Andreas Krause, Hochschule für Angewandte Psychologie

FHNW

Mitarbeit: Claudia Arnold, Pädagogische Hochschule FHNW |

Cosima Dorsemagen | Patrick Schwander, Hochschule für Angewandte

Psychologie FHNW

Projektkooperationen

Kompetenzzentrum RessourcenPlus R+ | Netzwerkprogramm

Bildung und Gesundheit (b+g) des Bundesamts für Gesundheit

(BAG) | Sucht Info Schweiz

Schlüsselwörter

Lehrpersonen | berufliche Belastung | Burnout | job demands

| job resources | work engagement

Projektförderung

Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

Projektvolumen

CHF 210 000.–

Projektlaufzeit

März 2010 – Februar 2012

Kommentar der Fachkonferenz Schulberatung

Die Fachkonferenz Schulberatung unterstützt das Projekt

«Ressourcen und Belastungen von Schweizer Lehrpersonen»

als Praxispartner. Die Fachkonferenz ist ein Zusammenschluss

von allen schweizerischen Beratungsstellen für

die Volksschulen, die Gymnasien und die Berufsschulen. Die

Beratungsstellen werden von den Kantonen, teilweise in gemeinsamer

Trägerschaft mit den kantonalen Lehrerinnenund

Lehrerverbänden, geführt. Die Fachkonferenz führt

zweimal jährlich eine Fachtagung durch und ist für die interne

und externe Kommunikation verantwortlich.

Das Konzept der Studie «Ressourcen und Belastungen von

Schweizer Lehrpersonen» wurde an der Fachtagung vom

4. Mai 2009 vorgestellt. Aufgrund der Diskussion wünschte

sich die Fachkonferenz einen Schwerpunkt bei den Fragen

zum wahrgenommenen Führungsverhalten durch die befragten

Lehrkräfte. Die Ergebnisse der Studie werden wiederum

im Rahmen einer Fachtagung vorgestellt und hinsichtlich

möglicher Impulse für die Beratung diskutiert.

Markus Lüchinger

Leiter Schulberatung, Dienststelle Volksschulbildung

des Kantons Luzern

13


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen

Optimierung von Urteils- und Entscheidungsprozessen

in Kernanlagen

Eines der wichtigsten Ziele der schweizerischen Kernanlagen ist der Erhalt beziehungsweise die kontinuierliche

Erhöhung der Sicherheit der Anlagen. Um dies zu erreichen, wird ständig an einer Verbesserung und Optimierung

von Entscheidungsprozessen gearbeitet.

Von Katrin Fischer, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW

Abbildung 1: Die Anlage des Kernkraftwerks Leibstadt.

In hoch technisierten Arbeitssystemen,

wie z. B. Kernanlagen, werden täglich

anspruchsvolle Entscheidungen getroffen,

sowohl auf operativer Ebene wie

auch im Management. Die betrieblichen

Entscheidungsträgerinnen und

-träger – jeweils auf ihrem Gebiet Fachexpertinnen

und -experten – müssen

hierbei auf einer vielfältigen Informationsgrundlage

Einschätzungen treffen

und Massnahmen auswählen, die unter

Umständen erst Jahre später sicherheitsrelevante

Folgen haben können.

Solch komplexe Entscheidungsprozesse

stellen hohe Anforderungen an

die Informationsverarbeitung der Verantwortlichen

Personen.

Ein neues Forschungsprojekt am Institut

Mensch in komplexen Systemen

(MikS) der Hochschule für Angewandte

Psychologie FHNW soll nun mithelfen,

die Verantwortlichen in den Schweizerischen

Kernkraftwerken bei diesen

komplexen Aufgaben zu unterstützen.

Ziel des Projektes ist es, Self-Assessment-Methoden

zu entwickeln, mit deren

Hilfe Entscheidungsprozesse in

Kernkraftwerken so untersucht und

gestaltet werden können, dass die In-

14

formationsverarbeitung der Entscheidungsträgerinnen

und -träger erleichtert

und optimiert wird. Damit wird es

den Unternehmen zukünftig noch besser

möglich, selbstständig Stärken und

Schwächen in der Gestaltung ihrer Entscheidungsprozesse

zu identifizieren

und diese so zu modifizieren, dass optimale

Bedingungen geschaffen werden.

Das Projekt zielt insbesondere darauf

ab, die Sammlung und den Austausch

von Informationen sowie deren Gewichtung

und Aggregation im Rahmen

von Beurteilungs- und Entscheidungs-


Abbildung 2: Blick in den Kommandoraum des Kernkraftwerks Leibstadt.

prozessen zu unterstützen. Dies kann

unter anderem über die Ausgestaltung

der einzelnen Prozessschritte, über die

Rollenverteilung in Entscheidungsgremien

sowie über die Nutzung geeigneter

Hilfsmittel (z. B. zur Visualisierung

von Informationen) erreicht

werden.

Zur Implementierung der entwickelten

Methodik wird im MikS im Rahmen

dieses Projektes ein Weiterbildungskonzept

erarbeitet, mit dem die Mitarbeitenden

der Kernkraftwerke bzgl. der

verschiedenen Einflussgrössen in Entscheidungsprozessen

geschult werden

können. Das Weiterbildungskonzept

soll verschiedene Komponenten enthalten,

die didaktisch aufeinander aufbauen:

Ausgehend von Phasen der Vermittlung

nötiger theoretischer Kenntnisse

werden Möglichkeiten zum Sammeln

praktischer Erfahrungen gegeben. Das

Weiterbildungskonzept wird neben bereichsübergreifenden

Lerneinheiten

spezifische Module für operative bzw.

sicherheitsrelevante Entscheidungen

innerhalb des Managements enthalten.

Folgende Inhalte soll das Weiterbildungskonzept

einschliessen:

– Vermittlung von Grundlagen und

Hintergrundwissen zu Urteils- und

Entscheidungsprozessen in komple-

xen Arbeitsfeldern;

– Sensibilisierung für Stärken und

Schwächen in den Entscheidungsprozessen

(In welchen Situationen

und unter welchen Bedingungen

können sie auftreten? Woran kann

man diese erkennen? Wie kann man

die Stärken fördern und die Schwächen

durch technische, personelle

oder organisationale Hilfsmittel

kompensieren?);

– Transfer in die tägliche Entscheidungspraxis.

In Kombination mit der entwickelten

Self-Assessment-Methodik zielt das

Weiterbildungskonzept schliesslich darauf

ab, die Qualität von Entscheidungsprozessen

in den Unternehmen

weiterhin zu verbessern und langfristig

zu sichern.

Das Projekt wird von Katrin Fischer geleitet.

Es hat eine Laufzeit von zwei

Jahren und wird von Swissnuclear –

der Fachgruppe Kernenergie der Swisselectric

– finanziert.

15

Projektteam

Katrin Fischer, Hochschule für Angewandte

Psychologie FHNW, Institut Mensch in komplexen

Systemen

Projektkooperation

Swissnuclear, Fachgruppe Kernenergie der

Swisselectric

Schlüsselwörter

Nachhaltige Unternehmens-, Organisationsund

Produktentwicklung | Kompetenzentwicklung

und Expertise

Projektförderung

Swissnuclear, Fachgruppe Kernenergie der

Swisselectric

Projektvolumen

CHF 258 300.–

Projektlaufzeit

Januar 2010 – Dezember 2011


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen

Steigerung der Zuverlässigkeit und Effizienz bei Sicherheitskontrollen

am Flughafen Amsterdam Airport Schiphol

Von Adrian Schwaninger, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW

Die Bedeutung von Sicherheitskontrollen

an Flughäfen hat seit den Ereignissen

vom 11. September 2001 stark zugenommen.

Ein Fokus liegt dabei auf

Gepäckkontrollen. Dabei wird Gepäck

mit Röntgengeräten überprüft, um sicherzustellen,

dass keine verbotenen

Gegenstände ins Flugzeug gelangen. In

Röntgenbildern sehen aber viele Gegenstände

anders aus als im Alltag.

Dies ist in Abbildung 1 illustriert. Das

Gepäck links enthält ein Elektroschockgerät,

das Gepäck rechts einen Selbstverteidigungsspray.

Um beide verbotenen

Gegenstände zuverlässig und

effizient erkennen zu können, ist Training

nötig, da die Farbkodierung im

Röntgenbild eine ganz andere visuelle

Bildinformation enthält.

Im Forschungsprojekt am Flughafen

Amsterdam Airport Schiphol wird untersucht,

wie die Zuverlässigkeit und

Effizienz bei Sicherheitskontrollen verbessert

werden kann. Bei dem vier Jahre

dauernden Projekt nehmen insgesamt

3800 Luftsicherheitsbeauftragte

von fünf verschiedenen Sicherheitsfirmen

teil. Dabei werden innovative computergestützte

Trainings- und Testmethoden

eingesetzt.

Computergestütztes Training

Wie gut ein Objekt erkannt werden

kann, hängt von drei bildbasierten Faktoren

ab, welche in Abbildung 2 illustriert

sind: Schwierigkeit der Ansicht,

Verdeckung durch andere Objekte (Superposition)

und Gepäckkomplexität.

In Zusammenarbeit mit Expertinnen

und Experten aus der Schweiz und

Deutschland haben Prof. Dr. Adrian

Schwaninger und seine Mitarbeitenden

das computergestützte Trainingssystem

X-Ray Tutor entwickelt (Schwaninger,

2004). Es wird an allen Flughäfen

in der Schweiz und zahlreichen

Flughäfen in Europa und Kanada eingesetzt

und enthält eine grosse Bilddatenbank

mit mehreren hundert Ob-

Abbildung 1: Darstellung verbotener Gegenstände als Foto und im Röntgenbild: a Elektroschockgerät,

b Selbstverteidigungsspray «Guardian Angel».

Abbildung 2: Faktoren, welche die Erkennung verbotener Gegenstände beeinflussen.

jekten in verschiedenen Ansichten.

X-Ray Tutor verwendet einen komplexen,

individuell adaptiven Trainingsalgorithmus.

Dabei werden zuerst

Objekte in einfacher Ansicht in Gepäckstücke

eingeblendet. Basierend auf

dem individuellen Lernfortschritt wird

das Training automatisch an jede Person

angepasst. Dabei werden unter Verwendung

von automatischen Bildanalysealgorithmen

die Schwierigkeit der

Ansicht, Superposition und Gepäckkomplexität

systematisch gesteigert

(für Details siehe Schwaninger, 2004;

Bolfing, Halbherr & Schwaninger, 2008).

In einer ersten Studie mit 97 Luftsicherheitsbeauftragten

wurde die Effektivität

von X-Ray Tutor überprüft. Dabei

wurde vor Beginn des Trainings und

nach vier und acht Monaten mit einem

computergestützten Test die Erkennungsleistung

von Luftsicherheitsbeauftragten

gemessen. Jede und jeder

16

Luftsicherheitsbeauftragte trainierte

ein- bis zweimal 20 Minuten pro Woche.

Es zeigte sich, dass vor dem Training

Schusswaffen und Messer relativ gut

erkannt wurden, aber die Erkennung

von Bomben und anderen verbotenen

Gegenständen (z. B. die Objekte aus Abbildung

1) erheblich optimiert werden

kann. Für alle Arten verbotener Gegenstände

wurden hochsignifikante Steigerungen

der Erkennungsleistung nachgewiesen

(Abbildung 3). Bemerkenswert

ist, dass nach mehreren Monaten Training

Bomben etwa gleich gut erkannt

wurden wie Schusswaffen. Ein Vergleich

von Abbildung 3a und 3b verdeutlicht

den Effekt der Rotation. Objekte,

welche in ungewöhnlichen Ansichten

im Gepäck erscheinen, werden

erheblich schlechter erkannt. Durch

Training wird dieser Effekt stark gemildert

bzw. weitgehend kompensiert.


a

Erkennungsleistung (d‘)

b

Erkennungsleistung (d‘)

Einfache Ansicht

1. Test

Schwierige Ansicht

1. Test

Schusswaffen Bomben Messer Andere

2. Test 3. Test

Schusswaffen Bomben Messer Andere

2. Test 3. Test

Abbildung 3: Ergebnisse einer ersten Studie zur Effektivität von individuell adaptivem computergestütztem

Training mit X-Ray Tutor: a Verbotene Gegenstände werden in einfacher Ansicht gezeigt,

b verbotene Gegenstände werden in schwieriger Ansicht gezeigt.

Computergestützte Tests

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes

wird ein computergestützter Test mit

allen Luftsicherheitsbeauftragten am

Amsterdam Airport Schiphol in regelmässigen

Abständen (mind. einmal pro

Jahr) durchgeführt. Zum Einsatz

kommt der X-Ray Competency Assessment

Test, welcher bereits bei der oben

erwähnten Vorstudie verwendet worden

ist. Der Test enthält 256 Röntgenbilder

mit verschiedenen verbotenen

Gegenständen, kategorisiert in Schusswaffen,

Bomben, Messer sowie andere

verbotene Gegenstände. Der Test weist

eine vorzügliche Reliabilität auf (Cronbach

Alpha > 0.9, Split Half Reliabilität

> 0.8). Für weitere Informationen zu diesem

Test siehe Koller und Schwaninger

(2006). Bei der Datenanalyse werden in

diesem Projekt folgende Ziele verfolgt:

1. Regelmässige Messung der Bildinterpretationskompetenz

aller Luftsicherheitsbeauftragten;

2. Vergleich der fünf Sicherheitsfirmen

im Bezug auf die Erkennung

von Schusswaffen, Bomben,

Messern und anderen verbotenen

Gegenständen in Röntgenbildern;

3. Berechnung der Effekte von Ro-

tation und Ermittlung, ob dieser

negative Effekt durch Training

kompensiert werden kann (analog

zur Vorstudie);

4. Forschung zur Erklärung von

allfälligen Unterschieden zwischen

den Sicherheitsfirmen;

5. Statistische Analyse, um zu ermitteln,

wie viel Training in der

Grundausbildung und regelmässigen

Weiterbildung nötig ist, um

einen angemessenen Sicherheitsstandard

zu erreichen und zu

erhalten;

6. Erarbeiten von Vorschlägen zur

Verbesserung der Erkennungsleistung

durch optimiertes Training

und andere Interventionen.

Fazit

Bei diesem Projekt sollen wichtige wissenschaftlich

fundierte Erkenntnisse

erzielt werden, um die Sicherheit und

Effizienz bei Sicherheitskontrollen zu

steigern. Erste Ergebnisse legen nahe,

dass regelmässiges computergestütztes

Training dabei sehr wichtig ist.

Projektteam

Prof. Dr. Adrian Schwaninger |

Dr. Stefan Michel | dipl. psych. Marcia Mendes,

Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW,

Institut Mensch in komplexen Systemen

Schlüsselwörter

Luftsicherheit | Mensch-Technik-Interaktion |

Röntgenbildanalyse | computergestützte Testund

Trainingssysteme

Projektförderung

Amsterdam Airport Schiphol

Projektvolumen

CHF 1 137 712.–

Projektlaufzeit

Januar 2009 – Januar 2013

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Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen

Betriebliche soziale Arbeit – Stand und Herausforderungen

Betriebliche soziale Arbeit zählt zu den freiwilligen Leistungen von Unternehmen. In jüngster Zeit werden Zweifel

laut, ob es dafür ausreichend gute Gründe gibt, insbesondere wenn sich das Angebot auf die Einzelfallberatung

beschränkt. Ein Projekt der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW untersucht, welche Aufgaben betriebliche Sozialberatungen

tatsächlich ausüben und was es für deren künftige Positionierung braucht.

Von Edgar Baumgartner und Daniela Berger, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Die Anfänge der betrieblichen sozialen

Arbeit reichen in der Schweiz bis ins Jahr

1922 zurück. Es gibt somit eine lange Tradition,

dass die soziale Arbeit in Unternehmen

soziale Probleme sowie individuelle

Problemlagen von Mitarbeitenden

bearbeitet. Doch bis heute ist es in der

Schweiz keineswegs selbstverständlich,

dass Unternehmen auf die Dienste der

sozialen Arbeit zurückgreifen.

Die mangelnde Etablierung dürfte damit

zusammenhängen, dass betriebliche

Sozialberatungen zu den freiwilligen

Leistungen von Unternehmen zählen.

Bei schlechter Wirtschaftslage fallen diese

schnell einmal Sparanstrengungen

zum Opfer. Ebenso dürfte jedoch mitspielen,

dass es der betrieblichen sozialen

Arbeit bislang kaum gelungen ist,

in Unternehmen eine anerkannte Stellung

zu erlangen. Dies ist zumindest der

Tenor im Fachdiskurs über die betriebliche

soziale Arbeit. Gefordert wird daher

eine Neuausrichtung des Angebots,

das über die individualisierte Bearbeitung

von sozialen «Problemfällen» hinausgeht.

Doch trifft es überhaupt zu, dass betriebliche

Sozialberatungen nur in der

Einzelfallhilfe tätig sind und um ihre

Existenz kämpfen müssen? Bislang gibt

es in der Schweiz keine gesicherten Erkenntnisse

zu dieser Frage. Eine Studie

der Hochschule für Soziale Arbeit liefert

nun erstmals Antworten.

Befragung von Unternehmen

Das Projekt mit dem Titel «Entwicklung

und Erprobung einer evidenzbasierten

Konzeption betrieblicher sozialer Arbeit»

wurde von 2007 bis 2009 durchgeführt.

Das Projekt stützt sich auf

verschiedene methodische Zugänge und

umfasst auch eine Fallanalyse der betrieblichen

Sozialberatung bei Swisscom.

Im Folgenden steht jedoch eine

Bestandesaufnahme zu betrieblichen Sozialberatungen

in der Deutschschweiz

im Vordergrund, die als Befragung aller

Unternehmen mit mehr als 250 Mitar-

beitenden realisiert wurde. Bei Vorhandensein

einer Sozialberatung haben deren

Leitende einen Fragebogen zum

Profil der jeweiligen Einrichtung ausgefüllt,

woraus – bei einem Rücklauf von

über 50 Prozent – Angaben zu insgesamt

130 betrieblichen Sozialberatungen resultierten.

Die Angebotsprofile betrieblicher

Sozialberatungen

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die

Einzelfallberatung immer noch das dominierende

Angebot bildet. Die Sozialberatungen

wenden hierfür nach eigenen

Angaben durchschnittlich zwei

Drittel der Arbeitszeit auf. Allerdings erschöpft

sich das Angebotsprofil nicht in

diesem klassischen Aufgabenfeld. Die

Hälfte der Sozialberatungen ist zumindest

auch in der Fachberatung aktiv und

unterstützt Vorgesetzte und Führungskräfte

in fachlichen Fragen. Bei einem

weiterenViertel kommt die Beratung der

Geschäftsleitung bei sozialen Themen

als Aufgabe hinzu. Somit entspricht nur

knapp ein Viertel der einbezogenen Sozialberatungen

dem Bild einer nur für

Einzelfälle zuständigen Beratungsstelle.

Die Problemlagen sind erwartungsgemäss

sehr vielfältig (Tabelle 1). Es gibt

eine Reihe von Problemfeldern, derer

sich praktisch alle betrieblichen Sozialberatungen

annehmen. Dazu zählen finanzielle

Angelegenheiten, Probleme am

Arbeitsplatz und familiäre Beziehungen.

Gründe für eine Sozialberatung

Die Befragungsdaten deuten auf eine solide

Legitimationsgrundlage hin. Denn

fast drei Viertel der Leitenden von Sozialberatungen

bejahen, dass ein klares

Bekenntnis der Unternehmensleitung

vorliegt, eine Sozialberatung zu führen

(Abbildung 1). 83 Prozent bekräftigen

zudem, dass die Existenz der eigenen

Sozialberatung aktuell nicht infrage gestellt

ist. Unter den möglichen Beweggründen,

im Unternehmen eine betriebliche

Sozialberatung zu führen, steht die

18

soziale Verantwortung an erster Stelle:

71 Prozent der befragten Leitenden von

betrieblichen Sozialberatungen stimmen

zu, dass diese eine wichtige Rolle

spielt. 37 Prozent sind der Meinung,

dass der ökonomische Nutzen für das

Unternehmen das zentrale Motiv ist, um

eine Sozialberatung zu führen. Die Soziale

Arbeit in Unternehmen gründet folglich

zugleich auf ethisch-moralischen

Vorstellungen wie auch auf ökonomischen

Überlegungen.

Fazit

Auch wenn betriebliche Sozialberatungen

nicht unmittelbar in ihrer Existenz

bedroht sind und auch weit mehr

tun, als auf persönliche Probleme einzelner

Mitarbeitender einzugehen, so kann

doch nicht von einer gelungenen Etablierung

gesprochen werden. Vielmehr

nehmen sie in Unternehmen eine untergeordnete,

als randständig zu charakterisierende

Position ein. Bezeichnend

hierfür ist die hohe Zustimmung (75

Prozent) der Leitenden von Sozialberatungen

zur Aussage, dass der Nutzen

der Sozialberatung für viele im Unternehmen

erst über konkrete Erfahrungen

erkennbar wird. Da soziale Arbeit hier

in «fremden», ökonomisch geprägten

Kontexten agiert, sind Sinn und Aufgabe

einer betrieblichen Sozialberatung unter

Mitarbeitenden oder auch Führungskräften

offenbar nicht einfach einsichtig.Aus

diesem Grund ist für die Zukunft

dieses Feldes auch kein wesentlicher

Gewinn zu erwarten, wenn zu den klassischen

Aufgaben einfach weitere hinzukommen.

Vielmehr ist es bedeutsam,

Aufgabe und Rolle der betrieblichen sozialen

Arbeit zu klären und Aufgabenprofil

sowie Kommunikation daran zu

orientieren. Gemeinsam mit Swisscom

wurde diese Herausforderung in Angriff

genommen und eine Funktionsbeschreibung

erarbeitet, die für das Feld der betrieblichen

sozialen Arbeit insgesamt

eine wichtige Orientierung bieten kann.


Thema

Finanzielle Angelegenheiten

Probleme am Arbeitsplatz (Mobbing, Konflikte)

Familiäre Beziehungen

(Trennung, Scheidung, Erziehung)

Psychische Schwierigkeiten von Mitarbeitenden

Sucht

Stressbewältigung

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Ältere Mitarbeitende/Vorbereitung auf den

Ruhestand

Wiedereingliederung nach

Rehabilitationsmassnahmen

Vereinbarkeit von Familie und Beruf/

Work-Life-Balance

Abwesenheiten, Fehlzeiten

Tabelle 1: Anzahl und Anteil bearbeiteter Themen.

73 17 10

83 8 9

71 23 6

37 33 30

Anzahl Nennungen

122

116

112

110

100

93

92

79

0% 20% 40% 60% 80% 100%

77

74

71

Anteil Nennungen

(von N = 128)

95%

91%

88%

86%

78%

73%

72%

62%

60%

58%

55%

Es gibt ein klares Bekenntnis der Unternehmungsleitung,

eine Sozialberatung zu führen.

Die Existenz der Sozialberatung ist im Unternehmen

nicht infrage gestellt.

Die Sozialberatung ist vor allem in der sozialen

Verantwortung des Unternehmens begründet.

stimme eher oder sehr zu teils, teils stimme eher nicht oder gar nicht zu

Abbildung 1: Aussagen zur Legitimationsbasis.

Der ökonomische Nutzen für das Unternehmen ist die

zentrale Legitimationsbasis für die Sozialberatung.

Projektteam

Edgar Baumgartner | Peter Sommerfeld |

Daniela Berger | Roland Baur | Eveline Odermatt,

Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Projektkooperationen

Swisscom | Bundesfachverband Betriebliche

Sozialarbeit e.V. (Deutschland)

Schlüsselwörter

Betriebliche soziale Arbeit |

Sozialverantwortung | nachhaltige Entwicklung

Projektförderung

Schweizerischer Nationalfonds, DORE

Projektvolumen

CHF 200 000.–

Projektlaufzeit

Juni 2007 – November 2009

19


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen 20

Corporate Volunteering in der Schweiz – die Perspektive

von Non-Profit-Organisationen

Investmentbanker reinigen ein Bachbett, eine Versicherungsagentin geht mit Blinden spazieren – Kooperationen

zwischen Wirtschaftsunternehmen und Non-Profit-Organisationen im Bereich Freiwilligenarbeit finden immer mehr

Anklang. Wie das sogenannte Corporate Volunteering wahrgenommen und umgesetzt wird, ist Gegenstand dieses

Forschungsprojektes.

Von Olga Samuel, Hochschule für Wirtschaft FHNW

Unternehmen werden zunehmend mit

Ansprüchen an ihre gesellschaftliche

Verantwortung konfrontiert. Unter

dem Begriff Corporate Social Responsibility

(CSR) versuchen sich diese

dementsprechend zu positionieren.

Eine mögliche Form von CSR nennt

sich Corporate Volunteering (CV). Dabei

ermöglicht das Unternehmen seinen

Mitarbeitenden, sich während der

Arbeitszeit für eine «gute» Sache einzusetzen.

Diejenigen Mitarbeitenden, die

sich freiwillig engagieren, werden als

Corporate Volunteers bezeichnet. Damit

die Unternehmen ihren Mitarbeitenden

einen institutionellen Rahmen

für den Einsatz geben können, suchen

sie sich oft eine Non-Profit-Organisation

(NPO) als Partner.

CV-Kooperationen werden im englischen

Sprachraum sowie in den Niederlanden

seit den 1980er-Jahren eingegangen

und können in gewissen Regionen

bereits als Tradition betrachtet

werden. In der Schweiz hingegen gab

es zwar immer wieder Unternehmen,

die spontan einer NPO aushalfen, aber

bis vor wenigen Jahren fanden keine

institutionalisierten Einsätze statt.

Die Perspektive der NPO

Im Projekt CorVo (Corporate Volunteering)

wird die oben beschriebene Zusammenarbeit

zwischen Unternehmen

und NPO untersucht. Im Zentrum des

Projektes stehen hauptsächlich folgende

Fragen: In welcher Form wird

kooperiert? Welche Motivation liegt

der Teilnahme an CV zugrunde? Gehen

die NPO strategisch vor? Profitieren sie

durch eine Zusammenarbeit mit Unternehmen?

Um diese und weitere Fragen

zu beantworten, wurde eine qualitative

Studie mit acht NPO durchgeführt und

darauf aufbauend eine Umfrage entwickelt,

an der sich insgesamt knapp 470

NPO beteiligt haben.

Abbildung 1: Abbildung 1: Bergeinsatz bei der Caritas. (Bild: zVg)

CV steckt noch in den Kinderschuhen

Die qualitative Erhebung hat gezeigt,

dass CV-Kooperationen in der Schweiz

noch am Anfang stehen. Während

kleinere, oft regional tätige NPO meistens

direkt von Unternehmen angefragt

werden, versuchen die grösseren

und tendenziell national tätigen NPO

aktiv, ein eigenes Angebot zu entwickeln.

Die Umfrage hat dieses Bild bestätigt:

CV wird von 12.6 Prozent der

befragten NPO durchgeführt und mit

deutlicher Mehrheit von Wirtschaftsunternehmen

angeregt, während die

NPO eine eher passive Haltung einnehmen.

Zwei Drittel der Befragten gehen

jedoch davon aus, dass die Bedeutung

des CV in den nächsten drei Jahren

steigen wird.

Kommunikation findet nicht auf

derselben Augenhöhe statt

Damit eine NPO von Unternehmen Unterstützungsleistungen

erhält, braucht

es laut Umfrage Ideen, wie die Unterstützung

eingesetzt werden kann, persönliche

Kontakte zu den Unternehmen

und einen erkennbaren Nutzen für die

Unternehmen. Der Erfolg hängt stark

von einer guten Kommunikation ab. Die

Praxis zeigt jedoch, dass diese nicht immer

optimal funktioniert. Mehrere NPO

haben zudem die Erfahrung gemacht,

dass die Unternehmen eine schnelle

Antwort erwarten, sich aber umgekehrt

bei Anfragen der NPO sehr viel Zeit

lassen.


Kontinuierliche Einsätze vs.

Events – unterschiedliche Bedürfnisse

Für die NPO spielt Kontinuität eine

sehr wichtige Rolle. Die Unternehmen

wünschen jedoch mehrheitlich kurze

Tageseinsätze und wollen von Zeit zu

Zeit andere Organisationen begünstigen.

Die Ansprüche der Unternehmen,

etwas nachhaltig «Gutes» zu bewirken,

stehen teilweise in einem Missverhältnis

zu ihrem Verhalten, das eher kurzfristig

orientiert ist. Die NPO erwarten

ein echtes und altruistisches Motiv der

Wirtschaftsunternehmen und möchten

keine Alibiübungen durchführen. Erschwerend

ist, dass die Besonderheiten

der NPO die Planung der Einsätze erschwerten.

Eine NPO aus dem Naturschutzbereich

kann beispielsweise im

Herbst eine Anfrage für den nächsten

Sommer nicht beantworten, weil der

Bedarf erst im Frühjahr erkennbar ist.

Nachhaltige Kooperationen durch

konzeptionelles Vorgehen

Obwohl die NPO die Art des Einsatzes

meist stark beeinflussen können, werden

die Einsätze den Anforderungen der

NPO oft nicht gerecht. Grund dafür mag

sein, dass drei Viertel der befragten

NPO kein schriftliches Konzept haben,

wie sie bei Anfragen für CV vorgehen;

die Hälfte der NPO erstellt bei jeder Anfrage

ein komplett neues Konzept.

Für viele NPO ist CV zudem eine kostspielige

Angelegenheit. Die Zeit für die

Planung, Durchführung und Nachbearbeitung

und die zusätzlichen Angebote

belasten die Budgets der NPO. Doch in

CV werden auch Chancen gesehen: Die

Corporate Volunteers können für die

Anliegen der NPO sensibilisiert werden,

und CV ermöglicht Projekte, die ohne

diese Einsätze nicht durchzuführen

wären. Das Potenzial von CV wird von

den meisten NPO-Leitenden erkannt,

und es besteht die Absicht, dieses auch

auszuschöpfen. Eine NPO-Vertreterin

beschreibt CV gar als «Cash Cow» und

ist überzeugt, dass die Unternehmen

eher spenden, wenn sie eine Gegenleistung,

z. B. in Form von CV, erhalten.

Empfehlungen

Im Rahmen des Projekts wurden drei

Handlungsempfehlungen für NPO, die

gerne CV durchführen möchten, erarbeitet:

– Eine interne Evaluation der Ziele

und Bedürfnisse ist empfehlenswert.

Dabei soll auch bewusst auf mögliche

Herausforderungen eingegangen

werden.

– Die Resultate der internen Evaluation

sollen operativ in eine CV-Strategie

umgesetzt werden. Diese soll

sowohl monetäre als auch nichtmonetäre

Ziele berücksichtigen.

– Eine Evaluation der CV-Einsätze

ermöglicht eine Optimierung der

Projekte sowie der CV-Strategie und

kann als Grundlage für eine Rückmeldung

an die Kooperationspartnerinnen

dienen.

Für konkrete und erfolgreiche Einsätze

können zusammenfassend folgende

vier Punkte genannt werden: Die Aufgaben

müssen einfach zu bewältigen sein;

die Corporate Volunteers brauchen klare

Instruktionen; die Corporate Volunteers

müssen sich mit den Tätigkeiten

identifizieren können; die Resultate sollen

am Ende des Einsatzes sichtbar sein.

Projektteam

Karin Freiermuth | Olga Samuel | Axel Schilling,

Hochschule für Wirtschaft FHNW, Institut für

Nonprofit- und Public Management |

Gian-Claudio Gentile | Christian Lorenz |

Theo Wehner, ETH Zürich

Projektbeirat

Schweizerische Gesellschaft für Organisation

und Management (SGO) | Netzwerk für sozialverantwortliche

Wirtschaft (NSW) | Migros

Kulturprozent | Caritas Schweiz

Projektkooperationen

ABB Schweiz | Biotopverbund Grosses Moos |

Blindenwohnheim Mühlehalde | Caritas Schweiz,

Bergeinsatz | Caterpillar | Citibank | GE Money

Bank | IBM Schweiz | Kirchlicher Sozialdienst der

Stadt Zürich, Freiwilligenagentur | Migros

Genossenschaftsbund, Migros Kulturprozent |

Naturschutzzentrum Neeracherried | Netzwerk

Sozialverantwortliches Wirtschaften (NSW) |

Philias | Schweizerisches Rotes Kreuz, Kt. Zürich |

Schweizerisches Rotes Kreuz, Katastrophenhilfe

CH | Schweizerische Gesellschaft für Organisation

(SGO) | Swisscom | Terre des hommes | UBS |

Young Enterprise Switzerland

Schlüsselwörter

Corporate Volunteering | Freiwilligkeit | NPO |

Kooperationen | Corporate Social Responsibility

Projektförderung

Kommission für Technologie und Innovation (KTI)

Projektvolumen

CHF 870 000.–

Projektlaufzeit

Dezember 2007 – September 2010

21

Warum ist Caritas Schweiz am Thema Corporate

Volunteering interessiert? Caritas ist im sozialen

Feld engagiert. Wir haben zahlreiche Projekte,

die nur dank dem Engagement von Freiwilligen

realisiert werden können. Bis heute sind es vor

allem Schweizer Frauen aus der Mittelschicht,

die solche Aufgaben übernehmen. Doch seit geraumer

Zeit stellen wir fest, dass es zunehmend

schwierig wird, genügend Personen für freiwillige

Arbeiten im sozialen Bereich zu finden. Die

steigende Erwerbsquote der Frauen ist einer der

Gründe dafür. Darum suchen wir neue Freiwillige,

vor allem Männer, die bereit sind, sich in unseren

Projekten zu engagieren. Doch wie können Männer,

die zumeist vollzeitlich erwerbstätig sind, für

solche Einsätze gewonnen werden? Ein erster

Schritt könnte im Rahmen von Corporate Volunteering

gemacht werden. So können auch Männer

Erfahrungen im sozialen Bereich machen.

Vielleicht lässt sich dann der eine oder andere

motivieren, weiter dranzubleiben.

Dr. Carlo Knöpfel, Caritas


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen 22

User-Interface-Entwicklung bei gleichzeitiger Berücksichtigung

technischer und gestalterischer Fragestellungen

Ein interdisziplinäres Team entwickelt am Institut für 4D-Technologien (I4Ds) generische Software-Lösungen rund

um die Thematik multidimensionale Daten und komplexe Prozesse. Der Bereich «Virtual Environments» (VE) beschäftigt

sich hierin mit Fragen zur interaktiven Informationsvisualisierung sowie der Entwicklung von User Interfaces.

Von Mario Doulis, Hochschule für Technik FHNW

Ein interdisziplinäres Team bestehend

aus mehr als zwanzig Forscherinnen

und Forschern befasst sich am I4Ds mit

generischen Software-Lösungen rund

um die Thematik multidimensionale Daten

und komplexe Prozesse. VE, eines

von vier Forschungsfeldern des Instituts,

beschäftigt sich hierbei mit Fragen

zur interaktiven Informationsvisualisierung

sowie der Entwicklung von User

Interfaces. Die gleichzeitige Bearbeitung

technischer und gestalterischer Fragestellungen

über den gesamten Entwicklungsprozess

hinweg garantiert eine

hohe Durchdringungstiefe bezüglich aller

notwendigen Aspekte anwendungsorientierter

Forschung in diesem Bereich.

Designorientierte User-Interface-

Entwicklung

Die User-Interface-Entwicklung lässt

sich nicht auf die technisch-funktionale

oder formal-ästhetische Gestaltung von

Benutzungsschnittstellen reduzieren.

Vielmehr werden durch das User Interface

Beziehungsstrukturen zwischen

Mensch und technischem System festgelegt,

die grundlegenden Einfluss auf deren

Einsatz und Handhabung haben –

was bei der Entwicklung berücksichtigt

werden muss. Im Forschungsbereich VE

werden nach diesem Prinzip User Interfaces

für die am Institut entwickelten

Software-Komponenten und -applikationen

gestaltet und implementiert. Die

Entwicklungsleistung reicht von der

Planung von Applikationen und der Gestaltung

von grafischen Benutzeroberflächen

bis hin zu interaktiven, virtuellen

Welten. Wichtig ist die Integration

innovativer Designmethoden und Ansätzen

aus der Designforschung in den Arbeitsprozess.

So entstehen Lösungen,

die auch bezüglich Nutzbarkeit und gestalterischer

Attraktivität überzeugen.

Abbildung 1: Multi-Display Environment mit VR-Installation am I4Ds.

Virtual Reality

Eine der Kernkompetenzen liegt in der

Integration von Virtual-Reality-Technologie

in unterschiedliche Arbeitsumgebungen

und -prozesse. Bei Virtual

Reality (VR) handelt es sich um eine

Technologie, die eine räumliche und intuitive

Interaktion mit Computersystemen

ermöglicht. Die Darstellung virtueller

Objekte im natürlichen Massstab

und die Möglichkeit, diese wie reale Gegenstände

greifen und manipulieren zu

können, spielen eine tragende Rolle. In

VR-Arbeitsumgebungen kommen 3D-

Trackingsysteme zum Einsatz. Sie können

die Position der betrachtenden

Person sowie deren Bewegungen aufzeichnen

und als grossflächige stereoskopische

Projektionen in Echtzeit aufbereiten.

Hieraus ergeben sich neue

Formen der Interaktion, die den Umgang

mit grossen Datenräumen und

komplexen Strukturen und Prozessen

erheblich erleichtern.

Virtual Reality Studio

Nach wie vor werden VR-Installationen

in unterschiedlichen Konfigurationen

erprobt, sei dies in Bezug auf Hardware-Settings

oder bezüglich der Software-Systeme

und -applikationen. Um

diesem Sachverhalt gerecht zu werden,

richtet sich die Forschungstätigkeit

nach der bestmöglichen Modularisierung

der einzelnen Komponenten. Es

wird grosser Wert darauf gelegt, dass

sich Konzepte über einfache und stabile

Schnittstellen zu komplexen Systemen

unterschiedlicher Ausprägung zusammenfügen

lassen.

Bei der Planung des VR-Studios am

I4Ds war es das Ziel, eine flexible, kostengünstige

und doch qualitativ hochwertige

Testplattform für eine möglichst

grosse Zahl von Anwendungsfällen

bereitzustellen. Durch die Wahl

geeigneter Komponenten kann die komplette

VR-Infrastruktur innerhalb kurzer

Zeit auf- und abgebaut werden, was


Abbildung 2: Interaktive 3D-Visualisierung demografischer Informationen. (Daten von Mappuls AG)

einen Einsatz an unterschiedlichen

Orten ermöglicht. Alle technischen

Komponenten sind platzsparend und

transportgesichert in einem mobilen

19"-Rack untergebracht.

Für den festen Standort an unserem Institut

wurde die VR-Anlage um eine TiltingWall,

ein Experimentalsetting mit

kippbarer Projektionsfläche, 5.1 Surround-Soundsystem

sowie drei zusätzliche

2D-Monitoren erweitert (Abbildung

1). Neu steht mit «Mobi» auch ein

mobiles VR-Möbel, basierend auf einem

stereofähigen 67"-DLP-Display, für öffentli-che

Präsentationen ausser Haus

zur Verfügung.

Projektbeispiele

Datenlandschaft Schweiz

Im VR-Studio des I4Ds können Geländedaten

der Schweiz dreidimensional

und interaktiv visualisiert werden. Unterschiedliche

Informationen zu demografischen

Erhebungen, Ökologie und

Umwelt, Kultur und Politik oder zu

Wirtschaft und Infrastruktur können

als interaktive Datenlandschaften präsentiert

werden (Abbildung 2). Ziel ist

es, aus abstrakten Daten ein Erlebnisfeld

zu generieren, unterschiedliche Zusammenhänge

räumlich aufzuzeigen

und diese einer breiten Öffentlichkeit

zugänglich zu machen.

Simulationsbasierte Animationen

in VR

Um komplexe physikalische Simulationen

auch in VR einsetzen zu können,

werden Methoden entwickelt, welche

die interaktive Visualisierung der Simulationsergebnisse

in hoher Darstellungsqualität

und in Echtzeit ermöglichen.

Ziel ist es, Darstellungstechniken

aus dem Game- und Animationsbereich

für den Einsatz in VR zu optimieren.

Aktuell wurden zwei erste Prototypen

realisiert. Ein erstes Tool erlaubt eine

realitätsnahe Darstellung von Flüssigkeiten

wie z. B. Wasser. Sowohl Reflexionen

an der Oberfläche als auch die

Lichtbrechung im Wasser werden realistisch

angezeigt. Über ein weiteres

Tool kann Feuer und die Ausbreitung

von Rauch dargestellt werden. Es basiert

auf einer volumetrischen Partikelsimulation.

Beide Visualisierungen

sind voll dynamisch und interaktiv; sie

reagieren somit in Echtzeit auf Veränderungen

in der dargestellten Szene.

Projektteam

Mario Doulis | Doris Agotai | Marco Rietmann |

Hans Peter Wyss, Hochschule für Technik

FHNW, Institut für 4D-Technologien

Projektart

Internes Kompetenzausbauprojekt des i4Ds

Schlüsselwörter

User Interface Design | Virtual Reality |

interaktive 3D-Informationsvisualisierung

Projektförderung

FHNW intern

Projektlaufzeit

ab 2009

23


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen 24

Gender und Diversity in öffentlichen Verwaltungen

und Hochschulen

Wie soll eine Organisation Kategorien wie Geschlecht und Herkunft in Zukunft berücksichtigen? Welche Folgen hat

es, den vertrauten Ansatz der Gleichstellung der Geschlechter um den Diversity-Ansatz zu erweitern? Welche rechtlichen

Bedingungen spielen dabei für die öffentliche Verwaltung eine Rolle?

Von Ursula Meyerhofer, Stab FHNW

Abbildung 1: Ebenen der Vielfalt. (aus: Gardenswartz und Rowe, 2003)

Das sogenannte Diversity-Management

ist im englischsprachigen Raum weit

verbreitet und wird zunehmend auch als

Akkreditierungskriterium für Institutionen

im Bildungsbereich herbeigezogen.

Diversity-Management umfasst den

bewussten Umgang mit Mitarbeitenden

hinsichtlich bestimmter Kriterien

wie Geschlecht, Alter, Herkunft, Sexualität,

Behinderungen und zielt auf die

Vermeidung von Ungleichbehandlung

bzw. die Förderung von Minderheiten

ab. Diversity-Management wird in der

Privatwirtschaft schon lange praktiziert

und erscheint als zeitgemässe Nachfolge

der Gleichstellungspolitiken, welche die

Chancengleichheit von Frauen und Männern

anstreben.

Ein Forschungsprojekt unter der Leitung

der Fachhochschule Nordwestschweiz

FHNW untersucht nun, wie sich der

Diversity-Ansatz in öffentlichen Institutionen

umsetzen lässt. Die FHNW bearbeitet

das Projekt zusammen mit ver-

schiedenen anderen Fachhochschulen

sowie der Eidgenössischen Materialprüfungs-

und Forschungsanstalt (Empa).

Dem Projekt sind ferner 17 Partnerorganisationen

beigetreten.

Das Postulat einer gesellschaftlichen

Diversity ist zur Zeit populär, ohne dass

eine inhaltliche Klärung in Bezug auf

Zielsetzung, Ursachenzusammenhang,

Wechselwirkungen, Ziele und beabsichtigte

Wirkungen vollzogen worden wäre.

Grossunternehmen befassen sich heute

mit dem Thema, weil sie Mitarbeitende

sowie Kundinnen und Kunden weltweit

zufriedenstellen wollen und rechtliche

Antidiskriminierungsgebote beachten

müssen. Doch auch die Akteurinnen und

Akteure im öffentlichen Bereich haben

Grund, sich über die gesellschaftliche

Diversität Gedanken zu machen. So verfügt

beispielsweise ein erheblicher Teil

der Bevölkerung über einen Migrationshintergrund.

Wie ist dieser Teil an den

Hochschulen vertreten? Was bedeutet es,

wenn eine Hochschule eine Strategie zur

Internationalisierung verfolgt? Und was,

wenn sie eine Vielzahl verschiedener

Fachdisziplinen anbietet?

Das Projekt «Gender und Diversity als

Herausforderung» will die Bezüge zwischen

der Gleichstellungspolitik für

Frauen und Männer, wie sie die Hochschulen

und die kantonalen Gleichstellungsbeauftragten

kennen, und den

Anforderungen, die sich aus der Berücksichtigungderbreitengesellschaftlichen

Vielfalt ergeben, klären. Erste Einschätzungen

zeigen, dass jede Institution selber

bestimmen muss, welche Aspekte

sie aus dem Diversity-Kreis (Abbildung

1) neben der Geschlechterfrage adressieren

und bedienen will. Dabei zeigt sich,

dass Diversität per se eben vielfältig ist.

Bei der Umsetzung können die Organisationen

strategische Schwerpunkte

setzen. Dies macht die Implementierung

über den objektiven rechtlichen Handlungsbedarf

hinaus attraktiv.

Internationale Best Practice als Ziel

Verschiedene Publikationen versuchen

bereits, mit gezielten Vorschlägen die

Berücksichtigung gesellschaftlicher

Vielfalt zu fördern. So informierte beispielsweise

eine Broschüre der Fachhochschule

Wien über Diversity-Aspekte

in der Lehre (Czollek & Perko,

2008). Die Rheinisch-Westfälische Technische

Hochschule Aachen (RWTH) hat

im Rahmen der Exzellenzinitiative unter

anderem mit der Einrichtung einer

Stabsstelle für Gender & Diversity erhebliche

Fördermittel einwerben können

(www.igad.rwth-aachen.de/). Auslöser

für die Hochschulen, im Bereich

Diversity und Gender aktiv zu werden,

ist die seit einigen Jahren im Zuge internationalen

Wettbewerbes gewachsene

Erkenntnis, dass auch Universitäten

Personalentwicklung und Nachwuchsförderung

aktiv steuern müssen, wenn

sie im internationalen Umfeld konkurrenzfähig

bleiben wollen. Die bisherige


Ansicht, dass nur die «Besten» studieren

und zu Erfolg gelangen, ist überholt.

Hochschulen profitieren zunehmend

von einer guten Gender- und Diversity-

Politik. Dennoch ist unklar, welches die

Leitplanken und Kernelemente sind,

welche eine erfolgreiche Implementierung

des Diversity-Managements in

der öffentlichen Verwaltung und in den

Hochschulen ermöglichen.

Das Projekt läuft in vier Phasen ab:

In einer ersten Phase werden Anforderungen

an Diversity an einer Hochschule

auf der Basis eines interdisziplinären

Ansatzes formuliert und

definiert. Die rechtlichen Bedingungen

in der Schweiz, in der EU und in der

EFTA sowie in ausgewählten weiteren

Ländern werden erhoben. Basierend

darauf werden schliesslich Leitfaden-

Interviewfragen formuliert. In der

zweiten Phase werden Untersuchungen

an verschiedenen europäischen Hochschulen

mittels On-Site-Visits in drei

bis vier Ländern durchgeführt sowie

ein Bericht als Grundlage für die Experten-

und Expertinnenrunden im

dritten Projektteil erstellt. Schliesslich

sollen kritische Erfolgsfaktoren und

Umsetzungsempfehlungen bezüglich

einer Gleichstellungs- bzw. Diversity-

Politik im öffentlich-rechtlichen Raum

formuliert werden. Den Abschluss des

Projektes bildet eine Tagung, an der Anwendungsmöglichkeiten

in der Schweiz

einem breiten (Fach-)Publikum vorgestellt

werden.

Von der Gleichstellung zur Diversity?

Ein heisses Eisen ist die Frage, ob der mittlerweile in der Verfassung verankerte

Grundsatz der einzufordernden «tatsächlichen» Gleichstellung der Geschlechter

weiterentwickelt und ergänzt wird durch eine gezielte Politik der Förderung und

Nichtdiskriminierung anderer «Minderheiten». Dabei wird häufig vorausgesetzt,

dass sich der Geschlechterunterschied mit anderen Kategorien gesellschaftlicher

Ungleichheiten überschneidet. In der öffentlichen Verwaltung wurden mittlerweile

Abteilungen für die Gleichstellung mit solchen zur Integration von Ausländerinnen

und Ausländern oder Behinderten zusammengeführt. Erfahrungen und gültige Vorbilder,

die hinreichend Orientierung bieten, gibt es noch keine. Was ist unter Diversity

zu verstehen? Was tut eine Hochschule, eine öffentliche Verwaltung, wenn sie

einen Diversity-Gender-Manager oder eine Diversity-Gender-Managerin beschäftigt?

Ein vom Bundesamt für Bildung und Technologie (BBT) gefördertes Projekt im Verbund

mit anderen Hochschulen und Einheiten der öffentlichen Verwaltung und anderen

interessierten Organisationen geht dieser Frage nach. Die Partner und Partnerinnen

aus der Praxis sind: die Fachstelle für Gleichstellung Basel-Landschaft; die

Fachstelle Gleichstellung Basel-Stadt; die Abteilung Gleichstellung Kanton Bern; die

Abteilung Gleichstellung Kanton Zürich; die Fachstelle für Chancengleichheit, Universität

Luzern; die Dienststelle für Gleichstellung, Universität Freiburg; die Gleichstellungsbeauftragte

der Pädagogischen Hochschule Bern; das Eidgenössische

Hochschulinstitut für Berufsbildung; EQuality – Agentur für Gender Mainstreaming;

Gudrun Sander, Organisationsberatung; Pink Cross; Fachstelle UND; Head Diversity

Novartis; Head Diversity Management Swiss Re.

Projektteam

Hochschule Luzern | Fachhochschule

Westschweiz (HES-SO) | Eidgenössische

Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

(Empa) | Zürcher Hochschule für Angewandte

Wissenschaften (ZHAW) | Pädagogische

Hochschule Zentralschweiz, Luzern

Schlüsselwörter

Diversity | Vielfalt | Geschlechter | Gender |

Organisation

Projektförderung

Bundesamt für Bildung und Technologie (BBT)

Projektvolumen

CHF 247 240.–

Projektlaufzeit

März 2010 – Oktober 2011

25


Nachhaltige Entwicklung von Institutionen, Organisationen und Unternehmen 26

Literaturverzeichnis

S. 6

plugIT – ein modellbasierter Ansatz

für das Alignment von Business und IT

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(2009). Business and IT alignment: the IT-Socket. In: Elektrotechnik

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– Nido, M., Trachsler, E., Ackermann, K., Brüggen, S., Ulich, E.

(2008). Arbeitsbedingungen, Belastungen und Ressourcen

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2008. Ergebnisse der Untersuchung im Auftrag des Departements

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Zürich: iafob.

– Siegrist, J. (1996). Adverse health effects of high effort – low

reward conditions. In: Journal of Occupational Health Psychology

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S. 16

Steigerung der Zuverlässigkeit und Effizienz

bei Sicherheitskontrollen am Flughafen Amsterdam

Airport Schiphol

– Bolfing, A., Halbherr, T., Schwaninger, A. (2008). How image

based factors and human factors contribute to threat detection

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HCI and Usability for Education and Work, Lecture Notes

in Computer Science, 5298, S. 419–438.

– Koller, S., Schwaninger, A. (2006). Assessing X-ray image interpretation

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in Air Transportation, ICRAT 2006, Belgrade, Serbia and

Montenegro, June 24-28, 2006, S. 399–402.

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S. 18

Betriebliche soziale Arbeit –

Stand und Herausforderungen

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und Erprobung einer evidenzbasierten Konzeption

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Olten: Hochschule für Soziale Arbeit der FHNW (unveröffentlichter

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als innovativer Baustein unternehmerischer Gesundheitsförderung.

Berlin: LIT.

– Krings-Sarhan, V. (2006). Betriebliche Soziale Arbeit in lernenden

Organisationen. Ein Modell zur erfolgreichen Personal-,Team-

und Organisationsentwicklung. Saarbrücken:

VDM.

– Lau-Villinger, D. (1996). Die Betriebliche Sozialberatung ist

überholt! Die Machtlosigkeit der Sozialarbeiter und die

Ratlosigkeit der Führungskräfte. In: Blätter der Wohlfahrtspflege

– Deutsche Zeitschrift für Sozialarbeit, 143 (5),

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S. 26

Gender und Diversity in öffentlichen

Verwaltungen und Hochschulen

– Czollek, L. C., Perko, G. (2008). Eine Formel bleibt eine Formel.

In: Alker, U.,Weilemann, U. (Hg.) Gender Mainstreaming und

Diversity Management, Band 1, Wien: FH Campus.

– Döge, P. (2008). Von der Antidiskriminierung zum Diversity-

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– Maihofer, A. (2009). Geschlechterforschung als innovative

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Haupt Verlag.

– Sünne, A., Koreuber, M., Lüdke, D. (2009) (Hg.). Gender and

Diversity: Albtraum oder Traumpaar. Interdisziplinärer Dialog

aktueller Tendenzen der «Modernisierung» von Geschlechter-

und Gleichstellungspolitik. Wiesbaden: Verlag

für die Sozialwissenschaften.

27


Ressourcennutzung und -entwicklung

Ressourcen bedeuten in diesem Forschungsfeld neben Bodenschätzen und natürlicher

Umwelt auch Humanressourcen, kulturelle und soziale Systeme, technische

Verfahren oder Medien. Diese Ressourcen bestimmen weitgehend die individuellen

Möglichkeiten, beeinflussen die Art ihrer Nutzung und damit den Erfolg ganzer

Kulturen. Gegenstand der Forschung können hier etwa Schule, Energieeffizienz,

medizinische Diagnostik oder Logistik sein.

Die vorgestellten Beispiele zeigen, wie die Forschenden der FHNW mithelfen, Produktionsprozesse

zu optimieren, Massnahmen und Methoden zur Steigerung der

Energieeffizienz zu entwickeln oder mit ihrer Arbeit zur Wieder- bzw. Weiterverwendung

von Abfallstoffen beizutragen.

Für Forschungsprojekte in den Strategischen Feldern ist der disziplinübergreifende

Ansatz charakteristisch, der sich unter anderem in der Zusammenarbeit von

Sozialwissenschaften, der Angewandten Psychologie und den technischen Wissenschaften

zeigt.

Die Forschung an der FHNW befasst sich aber nicht nur mit ökologischen und

ökonomischen Themen; sie beschäftigt sich auch mit dem Erhalt und der Erschliessung

von Sozial- und Bildungskapital als wichtige Ressourcen unserer Gesellschaft.

airAGro – Fernerkundungslösung für die Landwirtschaft und die Landschaftsökologie 30

Quartiere der Zukunft 34

Elmer hydro – Mehrzweckanlage zur Energieerzeugung und Beschneiung mit Wasser aus Seerückhalt 38

Effizienzsteigerung von landwirtschaftlichen Trocknungsanlagen 40

Phosphor zurückgewinnen – Kreisläufe schliessen 42

FASE B: Wie Schule und Familie Jugendliche auf den Beruf vorbereiten 44

Literaturverzeichnis 46

29


Ressourcennutzung und -entwicklung 30

airAGro – Fernerkundungslösung für die Landwirtschaft

und die Landschaftsökologie

Die moderne Landwirtschaft bewegt sich im Spannungsfeld

zwischen ökonomischer und ökologischer Produktion einerseits

und Landschaftsnutzung und -pflege andererseits. Mit diesem

Projekt soll ein flexibles und objektives Entscheidungshilfsmittel

für den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Kulturlandschaft

entwickelt und erprobt werden.

Von Stephan Nebiker und Andreas Barmettler, Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW

Abbildung 1: Farbauszüge aus einer der ersten Aufnahmen des airAGro-Multispektralsensors

(von links: RGB-Bild, anschliessend Kanäle blau, grün, rot, nahes Infrarot).

Aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der

Landwirtschaft und der Landschaftsökologie

Die Landwirtschaft in der Schweiz bewegt sich in einem

Spannungsfeld zwischen internationaler Konkurrenzfähigkeit

einerseits und der Forderung nach ökologischer und

ressourcenschonender Produktion andererseits. Ausserdem

ist die Landwirtschaft zunehmend mit der Landschaftsökologie

und den damit verbundenen Massnahmen zur Landschaftspflege

und zur Förderung der Biodiversität verzahnt.

Dies gilt insbesondere in Gebieten mit kleinräumigen Strukturen

und anspruchsvollen topografischen Gegebenheiten.

Diese vielschichtigen Anforderungen an die moderne Landwirtschaft

dürften sich in Zukunft noch weiter erhöhen

durch bereits existierende oder zu erwartende Bedrohungen

wie gefährliche Pflanzenkrankheiten (z. B. Feuerbrand), einge-

schleppte Pflanzenarten (invasive Neophyten) oder etwa Trockenstress

von Pflanzen infolge der Klimaveränderung.

Die zukünftige Landwirtschaft in der Schweiz und im europäischen

Umland steht somit vor einer ganzen Reihe von

Herausforderungen: 1) Zur Sicherung einer nachhaltigen

Lebensmittelproduktion ist eine effiziente und objektive Beurteilung

von Gesundheitszustand, Nährstoffversorgung etc.

erforderlich, um den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln

auf das erforderliche Minimum reduzieren zu können.

Deren Einsatz basierte in der Vergangenheit auf aufwendigen

Stichprobenmessungen oder sogar ausschliesslich

auf Erfahrungswerten der Landwirte. 2) Für die Planung,

Kartierung, Vergütung und Kontrolle der wirtschaftlich zunehmend

wichtigen ökologischen Ausgleichsmassnahmen

und -zahlungen sind neue effiziente Hilfsmittel erforderlich,


da die bisherigen Begleitmassnahmen sehr arbeits- und kostenintensiv

und damit oft auch lückenhaft sind. 3) Für das

Monitoring der Biodiversität, die Früherkennung und die

Kartierung von Pflanzenkrankheiten, die Detektion und Kartierung

von invasiven Neophyten, aber auch in der agronomischen

Feldforschung sind flexible und effiziente flächendeckende

Messverfahren erforderlich.

Der Beitrag der Fernerkundung

Die Satellitenfernerkundung wird schon seit mehreren Jahrzehnten

erfolgreich und produktiv zur berührungslosen Bestimmung

und Beurteilung von Vegetation in der Agronomie,

in der Forstwirtschaft oder etwa in den Umweltwissenschaften

eingesetzt (Tucker, 1979, und Pinter et al., 2003). Die

Mehrheit der Verfahren zur Bestimmung von Vegetationseigenschaften

basiert auf der optischen Fernerkundung und

misst das reflektierte Sonnenlicht von Pflanzen im sichtbaren

Bereich (Wellenlängen 400–700 Nanometer (nm)) und im nahen

Infrarotbereich (700–1000 nm). Dabei wird ausgenützt,

dass die verschiedenen Pflanzenarten einerseits sowie gesunde

oder kranke Pflanzen andererseits das Sonnenlicht in

den verschiedenen Spektralbereichen unterschiedlich stark

reflektieren oder absorbieren. Auf dieser Basis erhalten beispielsweise

Hilfsorganisationen, aber auch Rohstoffhändler

mithilfe von staatlichen und vermehrt auch kommerziellen

Fernerkundungssatelliten routinemässig Ernteprognosen

für ganze Regionen und Kontinente (MacDonald & Hall, 1980).

Die Methodik der Fernerkundung ist jedoch nicht nur ein enorm

leistungsfähiges Instrument zur Untersuchung von regionalen

oder globalen Phänomenen, insbesondere der globalen

Klimaerwärmung, sie weist auch ein enormes Potenzial

für kleinräumige Fragestellungen auf. Diese lassen sich jedoch

aus verschiedenen Gründen nicht mithilfe von Satelliten

lösen. Dazu gehören beispielsweise eine Beschränkung

der Pixelgrösse von multispektralen Satellitenaufnahmen

auf aktuell 2–5 Meter, eine Wartezeit von min. drei bis vier

Tagen bis zur Aufnahme eines identischen Ausschnitts der

Erdoberfläche, eine mangelnde Reaktionszeit im Falle eines

spontanen Ereignisses wie z. B. eines akuten Krankheitsbefalls,

aber auch eine ungünstige Kostenstruktur beim Einsatz

grossflächiger Satellitenszenen für kleinräumige Problemstellungen.

Für solche lokalen, kleinräumigen Aufgabenstellungen

gewinnen Kleinflugzeuge und neuerdings auch unbemannte

Luftfahrzeuge (UAV) in Kombination mit neuen

digitalen Bildsensoren zunehmend an Bedeutung. Diese Systeme

erkunden mit ihrer hohen Auflösung und Flexibilität

ein grosses, bisher weitgehend unerschlossenes Anwendungspotenzial

in der Landwirtschaft und darüber hinaus.

Sie stehen daher im Zentrum des airAGro-Projekts.

Bisherige Fernerkundungsaktivitäten am Institut Vermessung

und Geoinformation

Die Fernerkundung ist seit mehr als zehn Jahren fester Bestandteil

des Curriculums am Institut Vermessung und Geoinformation

(IVGI) – im Bachelor in Geomatik und neu auch

im Master of Science in Engineering MSE mit Vertiefung in

Geoinformationstechnologie. Parallel dazu fand über die

letzten fünf Jahre ein sukzessiver Auf- und Ausbau der entsprechenden

Forschungsaktivitäten mit einem Fokus auf der

hochaufgelösten multispektralen Fernerkundung mit leichten

Sensoren und Plattformen statt, insbesondere mit Miniund

Mikrodrohnen und mit Leichtflugzeugen (Annen et al.,

2007). Einen wichtigen Beitrag dazu lieferten mehrere Bache-

31

lor-Arbeiten, die im Falle der Arbeit von Eric Matti (2008) sogar

mit dem internationalen Karl Kraus-Nachwuchsförderpreis

ausgezeichnet worden war.

Den Grundstein zu Untersuchungen zur sehr hoch aufgelösten

Fernerkundung mit leichtgewichtigen Trägerplattformen

legten die Evaluation und Beschaffung einer Mikrodrohne

durch das IVGI im Jahr 2006 (Abbildung 2). Dieses

Miniatur-UAV mit einem maximalen Startgewicht von 900

Gramm dient seither als Forschungs- und Entwicklungsplattform

in der Geoinformatik, Photogrammetrie und Fernerkundung.

Abbildung 2: Quadkopter-Mikrodrohne «microdrones md4-200» des IVGI

mit dem MultiSpectralMicroSensor (MSMS).

Das FHNW-Projekt MSMS als Initialzündung

Nach ersten erfolgreichen Machbarkeitsuntersuchungen zur

Bestimmung des Gesundheitszustands von Spezialkulturen

wie Reben mit Hilfe eines grossen Modellhelikopters und einer

improvisierten Kamera-Konstellation konnte das Forschungsprojekt

MSMS (MultiSpectralMicro-Sensor) mit finanzieller

Unterstützung des FHNW-Forschungsfonds lanciert

werden (Nebiker et al., 2008). In diesem interdisziplinären

Projekt zwischen dem IVGI und dem Institut Power and Signal

Processing (IPSP) der Hochschule für Technik FHNW

wurde ein Prototyp eines leichtgewichtigen Multispektralsensors

entwickelt, der als Nutzlast auf Mikro- und Minidrohnen

mitgeführt werden kann. Eine grosse Herausforderung

bestand darin, einen Sensor von max. 350 Gramm zu

konstruieren, ca. 1/10 des Gewichts des kleinsten zu diesem

Zeitpunkt kommerziell verfügbaren Multispektralsensors.

Abbildung 2 zeigt den MSMS-Sensor als Nutzlast an der Mikrodrohne

md4-200 des IVGI. Eine der ersten Aufnahmen des

MSMS-Sensors und der md4-200-Mikrodrohne ist in Abbildung

3 dargestellt.

Abbildung 3: Eine der ersten Aufnahmen mit dem MSMS-Multispektralsensor.

Falschfarbenbild einer Rebenparzelle, zusammengesetzt aus den Kanälen

Rot und nahes Infrarot (NIR) mit der charakteristischen Rotfärbung

von Vegetation.


Ressourcennutzung und -entwicklung

Abbildung 4 zeigt einen Vergleich zwischen einer traditionellen

Bestimmung des Pflanzenzustands durch Expertinnen

und Experten am Boden (Bonitierung) und einer Bestimmung

mithilfe des MSMS-Sensors. Matti (2008) zeigte auf, dass mit

einem derartigen leichtgewichtigen und kostengünstigen

Fernerkundungssystem eine ebenbürtige Genauigkeit zur arbeits-

und kostenintensiven Bonitierung bei enorm gesteigerter

Flächenleistung erzielt werden kann.

NDVI Values

0.8

0.76

0.72

0.68

0.64

0.6

Phase II – Remote Sensing vs. Ground Truth (17 th Aug. 2007)

r = 0.83

1a 1b 2a 2b 3a 3b 4a 4b 5a 5b 6a 6b

Plot Nr.

7a 7b 8a 8b 9a 9b 10a 10b

Remotly Sensed Results (NDVI)

Ground Truth (Damaged Leaves {%})

-20%

0%

20%

40%

60%

80%

100%

120%

Abbildung 4: Gegenüberstellung einer konventionellen Vegetationsbeurteilung

am Beispiel von Reben: bodengestützte Bonitierung (rote Linie) versus

Bestimmung aus den multispektralen Bilddaten des MSMS-Sensors (blaue

Linie). Dargestellt wird die geschädigte Blattfläche in Prozent pro Testplot.

Das airAGro-Projekt

Mit den erfolgreichen Voruntersuchungen waren Anfang

2009 die Voraussetzungen für eine Umsetzung der Resultate

im Rahmen eines Forschungsprojekts mit Wirtschaftspartnern

gegeben. So konnte mit finanzieller Unterstützung des

Forschungsfonds des Kantons Aargau das Projekt airAGro

lanciert werden. Im Zentrum des airAGro-Projekts stehen die

Entwicklung und Erprobung einer multispektralen Fernerkundungslösung

für Kleinflugzeuge, welche der Hauptindustriepartner

KOPA zukünftig kommerziell anbieten will. Am

Projekt sind weitere Partner aus der Region und dem Ausland

beteiligt (Barmettler & Nebiker, 2010).

Anwendungsfälle

In einer ersten Projektphase wurden zusammen mit den beteiligten

Expertinnen und Experten aus den Bereichen Landwirtschaft

und Landschaftsökologie eine Reihe potenzieller

Anwendungsfälle identifiziert und als Basis für die Sensorevaluation

und die Missions- und Auswerteplanung definiert.

Ausgewählte Beispiele solcher Anwendungsfälle sind:

– Bestimmung von Nährstoffversorgung und Bestandesdichten

von Wiesen und Kulturen;

– Unkrauterkennung im Futterbau (z. B. Blacken);

– Detektion und Kartierung von invasiven Neophyten;

– Monitoring Ökowiesen/Biodiversität;

– Erkennung verschiedener Pflanzenkrankheiten (z. B. Mehltau,

Krautfäule, Feuerbrand).

Für die wichtigsten Anwendungsfälle wurden Untersuchungsgebiete

ausgewählt, die in der Vegetationsperiode

2010 mit dem Prototypsystem beflogen werden.

Sensorevaluation und -integration

Aufgrund der Anforderungen der verschiedenen Anwendungsfälle

wurde folgende multispektrale Sensorkonfiguration

evaluiert und in das Messflugzeug integriert:

– Mittelformat-Digitalkamera für Bilddaten im sichtbaren

Bereich;

Damaged Leaves

– Zwei modifizierte Digitalkameras mit Filtern für Aufnahmen

in ausgewählten Spektralbereichen, insbesondere im

Nahen Infrarot (NIR);

– GPS-Inertialmesssystem zur präzisen Bestimmung der

Aufnahmepositionen und Bildausrichtungen für eine direkte

Georeferenzierung der erfassten Bilddaten.

Das airAGro-System liefert Bildaufnahmen in fünf verschiedenen

Spektralkanälen (Abbildung 1) mit einer sehr hohen

geometrischen Auflösung von bis zu 5 cm pro Pixel – im Vergleich

zu 2–5 Metern pro Pixel bei modernen Fernerkundungssatelliten.

Sämtliche Sensorkomponenten sind mit

dem Bildflugnavigationssystem des Messflugzeugs (Abbildung

5) verbunden, was eine synchrone Bildauslösung und

eine exakte Einhaltung des Bildflugplans ermöglicht.

Abbildung 5: airAGro-Messflugzeug Piper PA-18 Super Cub.

Systemkalibrierung und Bildaufnahmen

Weil das airAGro-System aus mehreren unterschiedlichen

Sensorköpfen besteht und für präzise radiometrische und

geometrische Messungen eingesetzt werden soll, sind die Systemkalibrierung

und die Auswertung der Bilddaten sehr anspruchsvoll.

Für die geometrische Kalibrierung, d. h. für die

pixelgenaue rechnerische Überlagerung der drei Sensoren,

wurde in unmittelbarer Nähe des Flugplatzes Fricktal-

Schupfart ein Testfeld (Abbildung 6) mit hoch genauen Passpunkten

signalisiert und vermessen. Für die radiometrische

Kalibrierung des airAGro-System kommt unter anderem ein

neu beschafftes Feldspektrometer zum Einsatz, welches eine

exakte Bestimmung der lokalen Reflexionseigenschaften in

den verschiedenen Spektralbereichen ermöglicht. Diese Referenzmessungen

fliessen in die radiometrische Kalibrierung

und in die anschliessende Vegetationszustandsbestimmung

ein. Parallel zu den Messflugkampagnen 2010 werden am

IVGI Softwaremodule zur möglichst automatisierten Prozessierung

und Analyse der airAGro-Bilddaten entwickelt und

in interdisziplinärer Zusammenarbeit anhand der verschiedenen

Anwendungsfälle getestet.

32


Abbildung 6: Testfeld im Raum Stein-Schupfart (AG) zur geometrischen Kalibrierung des airAGro-Sensorsystems.

Kommentar von Christoph Koch, KOPA, Laufenburg

(Hauptindustriepartner)

KOPA verfügt seit ca. zwei Jahren über ein Low-Cost-System

zur Erstellung von Luftbildaufnahmen. Mithilfe des Forschungsprojektes

airAGro soll das bestehende System um

die Multispektralbereiche entscheidend ausgebaut werden.

Dank dem Einbezug der Validationspartner des LZL (Landwirtschaftliches

Zentrum Liebegg) sowie der Abt. Landwirtschaft

des Kantons Aargau sind wir überzeugt, dass das

System mit Projektabschluss Marktreife erlangt und somit

zu einem für die Agronomie und die Landschaftsökologie

neuartigen, wertvollen Dienstleistungsangebot wird. Bereits

in der Entwicklungs- und Erprobungsphase konnten neue

Aufträge akquiriert und durchgeführt werden. Die Zusammenarbeit

zwischen Forschung und Wirtschaft hat sich in

diesem Projekt bewährt.

Kommentar von Dr. Werner Berner, Forschungsfonds

Kanton Aargau

Um die Forschungs- und Innovationskraft der Aargauer Wirtschaft

zu fördern, hat der Kanton Aargau einen Forschungsfonds

eingerichtet, ähnlich der Kommission für Technologie

und Innovation (KTI) auf Bundesebene.

Mit den Förderbeiträgen werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte

von Aargauer Firmen in Zusammenarbeit mit

Schweizer Hochschulen (ETH, PSI, Universitäten und Fachhochschulen)

unterstützt. Der Fonds wird jährlich mit ca.

CHF 500 000.– geäufnet, und zweimal jährlich werden Projektanträge

beurteilt. Das sehr innovative Projekt airAGro

wird mit einem Beitrag von CHF 73 000.– gefördert. (www.

forschungsfonds-aargau.ch)

33

Projektteam

Stephan Nebiker | Andreas Barmettler | Alexis Martinez

Izeta, Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW,

Institut Vermessung und Geoinformation

Wirtschaftspartner

KOCH + PARTNER, Ingenieure Geometer Planer (KOPA),

Laufenburg (AG) | Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg

(LZL), Gränichen | Abteilung Landwirtschaft (AL),

Departement Finanzen und Ressourcen, Kanton AG, Aarau |

GGS – Geotechnik, Geoinformatik, Service, Speyer (D)

Schlüsselwörter

Fernerkundung | Photogrammetrie | Flugzeug | Landwirtschaft

| Pflanzenkrankheiten | Biodiversität |

www.fhnw.ch/habg/ivgi/forschung/airagro

Projektförderung

Das Projekt airAGro wird gefördert durch den Forschungsfonds

des Kantons Aargau.

Projektvolumen

Total CHF 73 000.–

Projektlaufzeit

März 2009 – Dezember 2010 (Vorarbeiten seit 2007)


Ressourcennutzung und -entwicklung 34

Quartiere der Zukunft

Die Idee des nachhaltigen Siedlungsbaus umfasst mehr als Umweltund

Klimaschutzziele. Am Beispiel «nachhaltiger Siedlungen»

in Europa werden Innovationen sozialer Nachhaltigkeit erforscht.

Ziel ist ein Kriterienkatalog, der bereits bei der Planung den

Einbezug aller Dimensionen der Nachhaltigkeit sicherstellen soll.

Von Daniel Blumer, Matthias Drilling und Stephanie Weiss, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Abbildung 1: Die soziale Dimension nachhaltigen Wohnens im Kontext von Wohnungsbau, Siedlungsplanung und Städtebau/Raumplanung:

die räumliche und sachliche Sicht.

Siedlungsbau und Nachhaltigkeit

Ausgelöst durch den ökologischen Aufbruch in den 1980er-

Jahren und gefördert durch die Nachhaltigkeitsdiskussion

im Anschluss an die Konferenz von Rio 1992 wurden in den

1990er-Jahren die Stadt, ihre Quartiere und Siedlungen insbesondere

unter dem Aspekt der Ökologie neu gedacht. Während

seither in Europa eine Reihe von Modellstadtteilen entstanden,

die als Ausdruck eines «ökologischen Städtebaus»,

eines «Öko-Urbanismus» oder einer «urbanen Ökologie» galten,

konzentrierten sich die strategischen Überlegungen in

der Schweiz, wo es kein Bundesamt für Städtebau gibt, auf

den Aspekt des Wohnens. So wurden, im Anschluss an die

Habitat-Konferenz in Istanbul, im Rahmen der ersten vom

Bundesamt für Wohnungswesen organisierten Grenchner

Wohntage mögliche Bausteine einer nachhaltigen Wohnungspolitik

festgelegt:

1. Wohnungen und Quartiere sollen durch private und

öffentliche Investitionen in den Gebäudeunterhalt und

in die Quartierinfrastruktur erhalten und erneuert

werden.

2. Es sollen Wohnformen geschaffen werden, die eine

Diversifizierung der Wohnungsnachfrage ermöglichen.

3. Als Antwort auf mögliche Diskontinuitäten in der

heutigen Arbeitsgesellschaft soll die Wohnungsversorgung

für benachteiligte Gruppen sichergestellt

werden.

4. Mitwirkung und Wohnsicherheit bilden die Grundlage

für soziale Stabilität und lokale Verwurzelung.

5. Ökologische Bauweise und Nachhaltigkeitsstandards

sollen zu einem sparsameren Umgang mit Energie und

Ressourcen führen.


Vernachlässigung der sozialen Dimension

Auch wenn die soziale Dimension der Nachhaltigkeit immer

wieder thematisiert wird, konzentriert sich der Siedlungsund

Wohnungsbau bis heute vorwiegend auf Fragen des Ressourcen-

und Energieverbrauchs – auch bei Projekten für die

«2000-Watt-Gesellschaft», einem der derzeit weitreichendsten

Konzepte nachhaltigen Siedlungsbaus. Das in der Schweiz

entwickelte Konzept der «2000-Watt-Gesellschaft» verlangt,

dass der Energieverbrauch pro Kopf auf das Niveau der frühen

1960er-Jahre gesenkt wird, was als langfristig nachhaltig

bewertet wird. Mit der Postulierung von 2000-Watt-Siedlungen

wird zum Ausdruck gebracht, dass es möglich sein

muss, gegebene Bedürfnisse (z. B. Wohnkomfort) bei minimiertem

Energiebedarf zu befriedigen. Erreicht werden sollen

die Nachhaltigkeitsziele vor allem durch technische Innovationen

(z. B. Minergie-Standard).

Eine Analyse des nachhaltigen Siedlungsbaus zeigt, dass bei

der Planung in der Regel auf die Energie- und Kosteneffizienz,

also auf die Dimensionen Wirtschaft und Umwelt, fokussiert

wird. Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit wird

hingegen insbesondere aufgrund des heutigen Selbstverständnisses

von Ingenieuren, Architektinnen und Planungsexpertinnen

vernachlässigt. Dies bestätigt auch der Bericht

«Kantonale Richtplanung und Nachhaltige Entwicklung» (Infras

et al., 2001): «Die VertreterInnen der Raumplanung identifizieren

sich nach wie vor stark mit der Umwelt und wollen

die negativen räumlichen Auswirkungen der (meist stark vertretenen)

wirtschaftlichen Dimension eindämmen. Die soziale

Dimension gerät dabei in der Richtplanung tendenziell in

Vergessenheit.» Diese Vernachlässigung widerspricht der Erkenntnis,

dass die mit dem Leitbild des nachhaltigen Wohnens

formulierten Ziele nur durch technologische, bauliche

und soziale Innovationen erreicht werden können. Denn es

gibt einen Zusammenhang zwischen der Ausgestaltung des

gesellschaftlichen Rahmens auf der Ebene Siedlung und dem

Umwelt- und Energieverhalten der Menschen. Beispielsweise

wird immer wieder auf die Wichtigkeit halböffentlicher Räume

oder Bewohnerinnenkonstellationen verwiesen, bei denen

aus einer «Kommunikation au trottoir» verbindlichere

Formen des Zusammenlebens entstehen können, welche wiederum

ein gemeinsames Engagement (z. B. für die Umwelt

oder für die gegenseitige Unterstützung im Quartier) begünstigen.

Ökobilanzierungen halten fest, dass nicht nur der

Einsatz von Umwelttechnologien zum Energiesparen beiträgt,

sondern zu nahezu gleich grossen Anteilen auch das

individuelle Verhalten. Das heisst: Ein Bauvorhaben im Sinne

des nachhaltigen Wohnens muss versuchen, zwischen Struktur

(technologische Ausstattung, bauliche Hülle) und Handlung

(Verhalten der Individuen) zu vermitteln.

Parallele Diskurse, unverbundene Praxen

Heute besteht hinsichtlich Fragen der Nachhaltigkeit ein Nebeneinander

von Diskursen und Praxen. So sind etwa Auseinandersetzungen,

die sich auf die technisch-ökonomische

Diskussion des Siedlungsbaus beziehen, und Diskussionen,

welche die soziale Dimension erörtern, inhaltlich kaum aufeinander

bezogen. Die weitgehende Unverbundenheit wirkt

sich auch auf die Praxis des nachhaltigen Siedlungsbaus aus:

Bei der ökologischen und ökonomischen Dimension orientiert

sie sich an klaren Richtwerten; bei der sozialen Dimension

hingegen stützt sie sich auf sehr unterschiedliche, wenig

standardisierte und oft ungenügend präzisierte Vorstellungen

ab. Das drückt sich etwa darin aus, dass die

35

meisten Bauvorhaben, die unter den Labeln «nachhaltiges

Wohnen» oder «2000-Watt-Gesellschaft» erstellt werden, die

soziale Dimension von Nachhaltigkeit sozusagen «on the job»

entwickeln oder sie auf den Aspekt der Beteiligung der Nutzenden

reduzieren. Das führt dazu, dass jedes Projekt nicht

nur seinen eigenen Weg sucht, sondern auch die Bewertungsgrundlagen

sozialer Nachhaltigkeit jedes Mal selbst neu erfindet.

Es zeigt sich zudem, dass sich zwar sowohl die Planerinnen

und Planer als auch die Akteurinnen und Akteure, die nach

Fertigstellung eines Siedlungsprojekts intervenieren (z. B. im

Bereich Quartiermanagement), intensiv mit der Bewältigung

von Ansprüchen bzw. Auswirkungen des Sozialen beschäftigen,

dass sie sich aber kaum je zusammenfinden, um

gemeinsam über die soziale Dimension der Nachhaltigkeit

nachzudenken und daraus eine kohärente Umsetzungspraxis

zu entwickeln.

Klammer zwischen Planung und Sozialem bilden

An dieser Schnittstelle setzt das Institut Sozialplanung und

Stadtentwicklung (ISS) der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

an. Es versteht sich als Übersetzerin des Sozialen in die Planungswissenschaften

und vice versa. In diese Lücke paralleler

Praxen stösst auch das laufende Projekt «Die soziale Dimension

nachhaltiger Quartiere und Wohnsiedlungen». Dessen Ziel ist es,

Kriterien und Indikatoren zu benennen, die im Bereich Gesellschaft

zu ähnlich klaren und nachvollziehbaren Empfehlungen

führen wie in den Bereichen Ökologie und Wirtschaft.

Das Projekt basiert methodisch auf einem qualitativen Vorgehen.

In einem ersten, vorbereitenden Schritt wurden bisher

nebeneinanderstehende Bewertungssysteme vergleichbar

gemacht. Die Lücken bilden die Grundlage für die Hauptuntersuchung

anhand von Fallstudien. Untersucht werden eine

Vielzahl von selbst deklarierten «nachhaltigen» Siedlungsprojekten

in Deutschland (z. B. Rieselfeld), Österreich (z. B.

Solar City) und der Schweiz (z. B. Werdwies). Herausgearbeitet

werden die spezifischen Innovationen bezüglich der sozialen

Dimension der jeweiligen Projekte. Dabei versteht sich

der Terminus soziale Dimension als offenes Konzept, d. h. es

werden sowohl Vorstellungen des Forschungsteams berücksichtigt

(z. B. Kommunikation innerhalb eines Bauprojektes,

Beteiligung der Nutzenden an den Planungen, Bereitstellung

sozialer Infrastruktur) als auch die Vorstellungen der unterschiedlichen

am Siedlungsprojekt beteiligten Akteurinnen

und Akteure (z. B. Architekturbüros, Verwaltungsverantwortliche,

Immobilienbesitzerinnen und -besitzer). Die aus den

Interviews herausgearbeiteten Innovationen bilden die

Grundlage für die Entwicklung eines Kriterienkatalogs sozialer

Nachhaltigkeit, der anschliessend im Rahmen von Workshops

validiert wird. Ziel ist es somit, Instrumente zu liefern,

die bereits im Vorfeld (z. B. im Planungs- und Wettbewerbsverfahren)

oder im Rahmen der Umsetzung (z. B. Jurierung,

Begleitung der planenden und ausführenden Akteurinnen

und Akteure) sicherstellen, dass die soziale Dimension

gleichberechtigt neben den Dimensionen Wirtschaft und Umwelt

in die Siedlungsentwicklung eingebracht werden kann.

Vorstudie Bewertungssysteme

Um der Priorisierung einzelner Nachhaltigkeitsdimensionen

im Bereich Wohnungsbau entgegenzuwirken, wurden in den

vergangenen Jahren verschiedene Bewertungssysteme mit

konkreten Indikatoren ausgearbeitet, z. B. vom Bundesministerium

für Bauwesen und Raumordnung (D), in der Empfeh-


Ressourcennutzung und -entwicklung

Abbildung 2a: Situationsplan.

Abbildung 2b: Parzellierungsplan. (Plan: Projektgemeinschaft Rieselfeld)

Abbildung 2c: Realisierung: Innovation Parzellierung und Parzellendurchmischung.

Unterschiedliche Bauträger auf engem Raum garantieren

die Durchmischung von sozialen Milieus und fördern heterogene Quartierstrukturen.

(Foto: avstudios GmbH, Stuttgart)

36

lung 112/1 des Schweizerischen Architektenvereins oder

durch die Bewertungsmatrix der Universität Karlsruhe. Diese

Systeme versuchen, den Entscheidungstragenden in der

Praxis nachvollziehbar aufzuzeigen, welche Ziele im Rahmen

einer lokal angepassten Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie

zu berücksichtigen sind. Trotz ihres Anspruchs, Tendenzen

ungleicher Behandlung von Nachhaltigkeitskriterien

entgegenzutreten, beantworten die im Rahmen des Projekts

analysierten Bewertungssysteme den Anspruch, ökologische,

ökonomische und soziale Nachhaltigkeitsindikatoren zu formulieren,

auf unterschiedliche Weise, etwa in Form von

Sammlungen und Checklisten oder als Punktesysteme. Der

Vergleich zeigt, dass auch bei diesen Bewertungssystemen

bei der ökonomischen und der ökologischen Dimension am

ehesten noch fassbare, vergleichbare und messbare Indikatoren

bestehen, während die Kriterien der sozialen Dimension

am wenigsten detailliert ausgearbeitet und eher zufällig

gewählt wirken. Insbesondere zeigt der Vergleich, dass die

Dimension Zeit vernachlässigt wird. Es fehlen Angaben,

wann welche Kriterien sozialer Nachhaltigkeit im Rahmen

eines Siedlungsentwicklungsprozesses zum Tragen kommen

müssen, damit diese ihre Wirkung – wenn überhaupt noch –

entfalten können.

Fallbeispiel Rieselfeld (D)

In den Fallstudien wurden die Innovationen mit einem breiten

Ansatz erfasst. Neben Dokumentenanalysen, Beobachtungen

und Begehungen wurden insbesondere auch eine

Vielzahl von Interviews mit Verantwortlichen aus Politik,

Planungsbehörden und Architektur, mit Investorinnen und

Investoren, involvierten sozialen Organisationen und Netzwerken,

Verantwortlichen vor Ort oder zugezogenen Expertinnen

und Experten durchgeführt. Diese Daten münden in

eine Siedlungsbiografie und in die Darstellung jener Innovationen,

die sich im Vorfeld und während der Umsetzung hinsichtlich

der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit als

massgeblich für das Gelingen der Projekte erwiesen haben.

Das Projekt hat im Frühling 2010 die Hälfte seiner Laufzeit

erreicht. Ein Zwischenbericht (Drilling & Blumer, 2009)

wurde verfasst und die Ergebnisse hinsichtlich des Paradigmas

«Design für Alle» dargelegt (Weiss et al., 2010). Der Stand

der Forschungsarbeit erlaubt derzeit noch keine abschliessenden

Aussagen zu den Indikatoren sozialer Nachhaltigkeit

in der Quartiersentwicklung. An dieser Stelle werden deshalb

mögliche Innovationen, die derzeit noch unverbunden

nebeneinanderstehen und hinsichtlich ihrer Kriterien nicht

abschliessend ausgearbeitet wurden am Beispiel der Stadtteilentwicklung

Rieselfeld exemplarisch dargelegt.

Das Rieselfeld ist ein seit Mitte der 1990er-Jahre komplett in

Niedrigenergiebauweise erstellter neuer Stadtteil von Freiburg

i. Br. mit heute rund 9000 Bewohnerinnen und Bewohnern.

Er zählt zur ersten Generation nachhaltiger Stadtteile

im deutschsprachigen Raum. Die Studie hat für das Rieselfeld

acht Innovationen hinsichtlich der sozialen Dimension

von Nachhaltigkeit ausgemacht: 1. die Lage des Stadtteils im

städtischen Gefüge, 2. die Parzelle und ihr Beitrag zur Integration

und Nutzungsmischung, 3. der Wohnblock als Mittel

zur Förderung von Identität und kohäsiven Nachbarschaften,

4. die Baugruppe als soziale Milieus und Konsumstile überbrückende

Institution, 5. der Stadtteil der kurzen Wege, 6. die

Soziokultur als Stütze einer tragfähigen Alltagskultur, 7. die

Proklamierung eines Modellstadtteils mit Sogwirkung für

nachhaltige Architektur und 8. das Projektmanagement.


Was diese Innovationen konkret bedeuten, lässt sich am Beispiel

der Innovation 2 (Parzellierung und Parzellendurchmischung)

aufzeigen: Kleinparzellen ermöglichen eine Berücksichtigung

unterschiedlicher Bauträger. Bei der Festlegung

der Parzellengrösse sollen die Interessen von verschiedenen

Investorinnen und Investoren gleichermassen berücksichtigt

werden. Dies fördert eine Mischung von Nutzungen und Eigentumsverhältnissen.

So entstehen heterogene Nachbarschaften

mit unterschiedlichen sozialen Milieus. «Schlechte

Lagen» werden vermieden. Wenn Bauträger mehrere Wohnungen

gleicher Nutzungsbestimmung bauen, sollte berücksichtigt

werden, dass deren Wohnungen nicht en bloc liegen,

sondern über einen Perimeter verteilt sind. Als Kriterium für

die erfolgreiche Umsetzung der Innovation 2 gilt: Die unterschiedlichen

Parzellengrössen werden vorgehend bestimmt

(z. B. 16 x 35 m und ca. 24 x 35 m im Falle des Rieselfelds).

Kriterienkatalog soziale Nachhaltigkeit

Soziale Nachhaltigkeit ist neben der Umwelt und der Ökonomie

der dritte, gleichberechtigte Pfeiler der nachhaltigen

Siedlungsentwicklung. Aufgrund der Fallbeispiele in

Deutschland, Österreich und der Schweiz kann die soziale

Dimension besser gefasst, verglichen und operationalisiert

werden. Es sollen nicht «nur» Empfehlungen erarbeitet werden,

sondern es sollen denjenigen Planerinnen und Planern,

welche in den Bereichen Umwelt und Ökonomie führend sind,

den Bereich Gesellschaft aber nur ungenügend zu fassen vermögen,

konkrete Hilfestellungen geboten werden. Dies ist

auch deshalb von Bedeutung, weil heute Gemeinden

beginnen, neue Siedlungen auf der Basis des Leitbildes der

«2000-Watt-Gesellschaft» zu errichten. Wenn diese Umsetzung

nicht durch einen für Planende und Bauherrschaften

nachvollziehbaren Kriterienkatalog der sozialen Dimension

gerahmt und durch zeitliche Meilensteine im Planungs- und

Umsetzungsprozess gestützt wird, ist die Wahrscheinlichkeit

gross, dass Leitbilder wie das der «2000-Watt-Gesellschaft»

vom gesellschaftlichen zum rein energetischen Leitbild

schrumpfen – während gleichzeitig sozial nicht nachhaltige

Strukturen unumstösslich in Stein gegossen werden.

Projektteam

Matthias Drilling | Stephanie Weiss | Daniel Blumer, Hochschule

für Soziale Arbeit FHNW, Institut Sozialplanung und

Stadtentwicklung

Projektkooperationen

Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt |

Ortsplanung Gemeinde Riehen BS | Projektgruppe Rieselfeld

der Stadt Freiburg | Stadtteilarbeit K.I.O.S.K. e. V. Freiburg

i.Br.

Schlüsselwörter

Nachhaltige Siedlungsentwicklung |

2000-Watt-Gesellschaft | Indikatoren sozialer Nachhaltigkeit

| www.sozialestadtentwicklung.ch

Projektförderung

Bundesamt für Wohnungswesen (BWO)

Weitere Beiträge kommen von Fachstellen und Gemeinden

mit 2000-Watt-orientierten Bauvorhaben.

Projektvolumen

CHF 100 000.–

Projektlaufzeit

März 2009 – Dezember 2010

37


Ressourcennutzung und -entwicklung 38

Elmer hydro – Mehrzweckanlage zur Energieerzeugung und

Beschneiung mit Wasser aus Seerückhalt

Das Projekt «Elmer hydro» sieht vor, das natürlich zufliessende und speicherbare Wasser des oberhalb von Elm

gelegenen Chüebodensees zur elektrischen Energieerzeugung und technischen Beschneiung mit der gleichen Infrastruktur

unter ökologischen und ökonomischen Aspekten nachhaltig zu nutzen.

Von Peter Gonsowski, Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik FHNW

Einzugsgebiet ca . 0.5 km 2

Neue Schneeanlage

Reservoir Pleus

900 m 3

Der Wintertourismus ist für die Berggemeinde

Elm von existenzieller Bedeutung.

Zur Sicherstellung des Skibetriebes

in schneearmen Wintern müssen

die Pisten beschneit werden. Im Berggebiet

um Elm gibt es neben einer Vielzahl

von Wasserkraftwerken bereits ein

Beschneiungssystem für Skipisten. Die

Beschneiung der obersten Region Steinböden-Pleus

auf 1800 bis 2100 Meter

über Meer sowie weiterer Pisten auf

der Bischofalp wäre derzeit nur mit

Quellwasser möglich. Dazu müsste

man Wasser rund 600 Meter nach oben

pumpen, obwohl sich in unmittelbarer

Nähe zur Bergstation der Chüebodensee

befindet. Das im See gespeicherte

Wasser wird heute nicht genutzt.

Projektidee

Das Projekt «Elmer hydro» sieht vor,

das dem Chüebodensee natürlich zufliessende

Wasser zu fassen und für die

künstliche Beschneiung und die Stromproduktion

zu nutzen. Das Wasser

müsste für diese Mehrzwecknutzung

ca. 60 Meter vom See aus nach oben in

ein unterirdisches Ausgleichsbecken

gepumpt werden. Danach steht es im

Winter für die Beschneiung und in der

Neues Absperrbauwerk mit Pumpe

Neues Reservoir Steinböden

300 m 3

Neue Zentrale Pleus

130 kW

Zentrale Empächli

310 kW

Zentrale Güetli

205 kW

Zentrale Elm-Dorf

140 kW

Abbildung 1: Übersicht über das hydraulische System der bestehenden Wasserkraftanlagen (rote Linie) und

der geplanten Wasserkraft- und Schneeanlagen (grüne Linie und orange Kreise).

restlichen Zeit zur elektrischen Energieerzeugung

bereit.Wesentlich für das

Projekt ist, dass das Wasser nach dem

Turbinieren in der etwa 250 Meter tiefer

liegenden neuen Zentrale Pleus direkt

an das bestehende Wasserkraftnetz

weitergeleitet wird und somit in den

bereits bestehenden drei Kraftwerksstufen

Empächli, Güetli und Elm-Dorf

für die weitere Stromproduktion genutzt

werden kann (Abbildung 1).

Naturwissenschaftliche Grundlagen

Die hydrologischen Daten zeigen, dass

über das Einzugsgebiet von 0.5 km²

jährlich im Mittel rund 800 000 m³ Niederschlagswasser

in den Chüebodensee

gelangen (Abbildung 2). Das natürlich

aus dem See ausfliessende Wasser

mündet östlich in eine Doline, wo es

unter einer Kalkschicht versickert. Ca.

170 Meter weiter östlich tritt das Wasser

wieder an die Oberfläche und fliesst

in einem kleinen runsenartigen Wildbach

(kein Fischgewässer) talwärts in

die Sernf. Das in dieser Doline versickernde

Wasser soll nun zur Energieproduktion

und Beschneiung der Piste

Steinböden-Pleus genutzt werden.

Die Geologie ist nur im Bereich des

Chüebodensees genauer bekannt. Der

Chüebodensee wird von indirekten unterirdischen

Zuflüssen aus dem zerklüfteten

Fels und den Hangschutthalden

gespeist. Der See liegt in einer

Mulde aus Schiefer, welcher den See

nach unten abdichtet.

Technische Infrastruktur

Um das Wasser aus dem Chüebodensee

zu nutzen, sind diverse Bauwerke notwendig

(Abbildung 1):

Wasserfassung und Absperrbauwerk:

Das heutige Seevolumen von rund

67 000 m³ hat keinen ausreichenden Bewirtschaftungsraum

(Abbildung 3).

Dieser wird jedoch benötigt, um im

Winter die Beschneiung sicherzustellen

und die Energieerzeugung zu steuern.

Hierfür genügt ein ca. 30 Meter langer

und maximal 2 Meter hoher Damm, der

sich harmonisch in das Landschaftsbild

einfügen lässt.

Reservoir Steinböden: Durch eine unterirdisch

verlegte Druckleitung soll

das Wasser in ein 60 Meter höher gelegenes

Reservoir gepumpt werden. Das

Reservoir dient nicht als Speicher, sondern

stellt lediglich den Ausgleich zwischen

Pump- und Turbinenbetrieb sicher.

Es wird komplett in den Berg

eingebunden.

Beschneiung: Die unterirdische Druckleitung

zur Zentrale Pleus führt entlang

der Skipiste, um einen optimalen Anschluss

für die Beschneiungsanlagen

zu gewährleisten. Zusammen mit dem

Bau des Kleinwasserkraftwerks Pleus

ist die gemeinsame Nutzung möglich,

sodass der Energieaufwand und die

Kosten für die Beschneiung minimiert

werden können.

Zentrale Pleus: Für die Stromproduktion

ist eine Zentrale in der Nähe des

heute schon bestehenden Reservoirs

Pleus geplant. Die Fallhöhe zwischen

dem geplanten Reservoir Steinböden

und der neuen Zentrale Pleus beträgt

etwa 250 Meter. In der neuen, unterir-


m 3

1 200 000

1 000 000

800 000

600 000

400 000

200 000

0

Okt Nov Dez Jan Feb März April Mai Juni Juli Aug Sept

Summenkurve; niederschlagreiches Jahr

Summenkurve; niederschlagarmes Jahr

Abbildung 2: Zuflussganglinie Chüebodensee.

Kote m ü.M.

2051

2050

2049

2048

2047

2046

2045

2044

2043

2042

2041

2040

2039

2038

2037

2036

2035

2034

Stauvolumen in Tausend m

10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120 130 140

3

Maximalwasserstand 2049 m ü.M.

Stauziel 2047.5 m ü.M.

aktueller Wasserstand 2046 m ü.M.

Minimalwasserstand 2044 m ü.M.

Speicherinhaltslinie

Abbildung 3: Summenkurve der Zuflüsse.

disch angelegten Zentrale Pleus wird

eine Peltonturbine mit einer Leistung

von ca. 130 kW installiert. Das dort turbinierte

Wasser fliesst anschliessend in

das bestehende Reservoir Pleus und

wird von dort in die Betriebe der bestehenden

Kraftwerksstufen weitergeleitet.

Bestehende Kraftwerksstufen: Die

Kraftwerksstufen Empächli, Güetli und

Elm-Dorf sind in den Sommermonaten

regelmässig zu 100 Prozent ausgelastet,

nicht aber in den Wintermonaten und

in der Übergangszeit. Durch den Bau

des Kleinwasserkraftwerks Pleus kann

der Auslastungsgrad dieser drei Stufen

optimiert und durch die Nutzung des

Chüebodensees die Stromproduktion

gesteuert werden. Dadurch wird die

Möglichkeit geschaffen, Spitzenenergie

zu produzieren. Das bestehende System

hat heute keine Speichermöglichkeit,

das Wasser muss zum Zeitpunkt des

Anfallens verarbeitet werden.

Speicher-Bewirtschaftungsraum

50 000 m 3

Ausblick

Mit relativ wenig baulichem Aufwand

kann das Wasser des Chüebodensees

zur Beschneiung und zur Stromproduktion

genutzt werden und so rund 300

Haushalte versorgen. Mit der neuen

Mehrzweckanlage wird die Beschneiungszeit

der Skipisten von zwanzig auf

zehn Tage halbiert, die notwendige

Pumpenergie um 90 Prozent reduziert

und gleichzeitig die Stromproduktion

durch Optimierung in den bereits bestehenden

Anlagen um mehr als 50 Prozent

gesteigert. Die baulichen Infrastrukturen

für die Beschneiung und die

Stromproduktion werden dabei kombiniert.

Das Projekt wurde durch das

Netzwerk Wasser im Berggebiet mit

dem Swiss Mountain Water Award 2009

ausgezeichnet.

Projektteam

Peter Gonsowski | Franscesco Valli, Hochschule

für Architektur, Bau und Geomatik FHNW,

Institut Bauingenieurwesen | Dion Brunner

B. Eng. | Samuel Hefti, Netzchef, Olivier

Schwyzer Projektkooperationen Elektrizitäts-

werk Elm | Jakob Rhyner, Techn. Leiter,

Sportbahnen Elm AG

Schlüsselwörter

Wasserkraft- und Schneeanlagen kombinieren |

Wasserkraftnutzung | Beschneiung

Projektförderung

Netzwerk Wasser im Berggebiet (NWB), c/o

WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung

SLF, Flüelastrasse 11, 7260 Davos

Dorf

Projektvolumen

CHF 40 000.–

Projektlaufzeit:

September 2009 – Dezember 2010

39


Ressourcennutzung und -entwicklung 40

Effizienzsteigerung von landwirtschaftlichen

Trocknungsanlagen

Durch das vorgängige Pressen können Gras und Mais in landwirtschaftlichen Trocknungsanlagen effizienter

und umweltschonender getrocknet werden. Damit lassen sich der Energieverbrauch und die CO 2-Emissionen bei

schlechten Wetterbedingungen um bis zu 35 Prozent reduzieren.

Von Lisseth Sandoval-Soto, Maurice Jutz und Antje Langbein, Hochschule für Life Sciences FHNW

Die 65 Schweizer Trocknungsbetriebe

sichern insbesondere während schlechter

Wetterbedingungen die Futterproduktion

und Futterversorgung mit qualitativ

hochwertigen Produkten. Die

Produktion von Gras- und Maispellets

kostet aufgrund des hohen Energieverbrauchs

und der ständigen Preiserhöhung

des Heizöls jedoch immer mehr.

Deshalb gewann die Energieeffizienz in

Trocknungsbetrieben in den letzten

Jahren zunehmend an Bedeutung

(Krummenacher, 2005; Sandoval et al.,

2010). Um den Energieverbrauch zu

senken, wurde 2006 in der Trocknungsanlage

Zell (LU) eine umgebaute zusätzliche

Presse installiert. Diese entwässert

das Grüngut (Gras und Mais)

zuerst mechanisch. Danach wird dem

Material, wie allgemein üblich, in einer

grossen Trommel das Restwasser thermisch

entzogen. Die Reduktion des

Wassergehalts durch die Vorpressung

reduziert den Heizölverbrauch und die

damit verbundenen CO 2-Emissionen.

Das Institut für Ecopreneurship (IEC)

hat gemeinsam mit der Trocknungsanlage

Zell und Studer Maschinenbau in

Zell untersucht, inwieweit das Vorpressen

die Produktionskosten und die Futterqualität

beeinflusst.

Energieverbrauch und CO 2-

Emissionen

Die Untersuchungen ergaben, dass

unabhängig von den Wetterbedingungen

in einem ersten Schritt Gras

und Mais mechanisch vorgetrocknet

werden kann. Das gepresste Material

wird danach thermisch getrocknet. Die

Entwässerung des Grünguts reduziert

die Wassermenge, die im Prozess thermisch

verdampft werden muss. Um die

Wirksamkeit der Pressverfahren zu verifizieren,

wurde der Verbrauch von

Heizöl extraleicht bei der Gras- und

Mais-Trocknung bestimmt.

Die Abbildung 1 veranschaulicht den

spezifischen Heizölverbrauch in Liter

pro Tonne produziertem Futtermittel in

Gegenüberstellung der Trockenfutterproduktion

aus Gras und Mais. Durch

die Vorpressung konnte der spezifische

Verbrauch von Heizöl bei der Produktion

von Gras- und Maispellets im Mittel

um 29 Prozent (Gras) bzw. um ca.

20 Prozent (Mais) reduziert werden. In

den häufigeren nassen Schnitt-Perioden

werden allerdings vergleichsweise

sehr hohe Mengen an Prozesswasser,

ca. 200 Liter pro Tonne Trockenfutter,

aus frischem Grüngut gepresst. Dann

liegen die Energie-Einsparungen sogar

bei ca. 35 Prozent.

Bei der Verbrennung von extraleichtem

Heizöl entstehen 3.14 kg CO 2/kg Brennstoff.

Die damit verbundene Reduktion

der CO 2-Emissionen beträgt im Trocknungsbetrieb

der Anlage Zell rund 200

Tonnen CO 2 pro Jahr. Allein seit Inbetriebnahme

der Vorpressung im Jahr

2006 wurden in der Trocknungsanlage

Zell gesamthaft 800 Tonnen CO 2 weniger

emittiert. Die im praktischen Betrieb

gewonnenen Ergebnisse belegen,

dass die Produktion von Trockenfuttermitteln

mit Vorpressung unbedingt

überregional anzuwenden ist.

Futtermittelqualität

Die Ergebnisse haben zudem gezeigt,

dass die Installation des Vorpressungsverfahrens

die Qualität der Futtermittel

nicht negativ beeinflusst (Sandoval

et al., 2010). Durch die Installation der

Vorpressung wird die Trocknungstemperatur

im Vergleich zu herkömmlichen

Verfahren reduziert. Durch die Temperaturreduktion

vermindert sich das Risiko

der Bildung von Schadstoffen

durch Hitzeeinwirkung, wie z. B. Acrylamid

(Pabst et al., 2006). Die Senkung

der Trocknungstemperatur und die Verminderung

der Durchlaufzeit des

pflanzlichen Materials im Trocknungsprozess

schonen und erhalten die

Nährstoffe im Endprodukt.

Nutzung der Prozessabfälle

Die chemische Zusammensetzung des

Prozesswassers wurde untersucht, um

die mögliche Nutzung auszuloten. Die

Ergebnisse belegen, dass sich das bei

der Pressung anfallende Prozesswasser

für die Düngung des Bodens eignet. Die

Ausbringung auf landwirtschaftliche

Nutzflächen kann vor dem Hintergrund

der extremen Schwankungen des anfallenden

Prozesswassers eine ökologisch

sehr effiziente Alternative zur Anreicherung

des Bodens mit Nährstoffen

wie Stickstoff, Phosphor, Kalium und

Magnesium sein. Im Vergleich zur Düngung

mit Gülle ist das Risiko der Anreicherung

des Bodens mit Schadstoffen

wie Veterinärpharmaka deutlich reduziert

(Grossenbacher, 2002).

Ein grosser Vorteil der Verwendung des

Grassaftes als Recyclingdünger gegenüber

dem gängigen Einsatz von Gülle

liegt zudem im ausgewogenen Nitratgehalt.

Einer Überdüngung mit Nitrat

und der damit verbundenen Gefahr zur

Auswaschung in Grund- oder Oberflächengewässer

wird vorgebeugt. Bei

Düngung der abgeernteten Grasflächen

mit dem Presssaft wird der Nährstoffkreislauf

geschlossen (positiv beeinflusste

Nährstoffbilanz).

Die zweite Phase des Projekts untersucht

das biotechnologische Nutzungspotenzial

der anfallenden Prozessabfälle

von Gras und Mais, sogenannte

grüne Bioraffinerie-Konzepte. Hier

wird das Potenzial des Prozesswassers

als Ressource für die Gewinnung von

Biogas, Bioethanol und organischen

Säuren untersucht (Hommes, 2010).

Diese nachhaltige Rohstoffverwertung

ist ein notwendiger Bestandteil der

Prozessoptimierung der Trocknungstechnologie.

Zusammenfassung

Der Landwirt oder die Landwirtin kann

durch die Integration einer Vorpresse

in den Trocknungsprozess bei gleich-


Heizölverbrauch EL [L/t]

250

200

150

100

50

0

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009

Graspellets Maispellets

Abbildung 1: Spezifischer Heizölverbrauch pro Tonne produziertem Futtermittel.

bleibender Futterqualität mit folgenden

Vorteilen rechnen: stärkere

Wetterunabhängigkeit, höherer Durchsatz

und höhere Produktivität durch

die Verkürzung der Durchlaufzeit um

ca. 15 Minuten, Reduktion des Heizölverbrauchs

und der CO 2-Emissionen,

Reduktion der Trocknungstemperatur

in der Trommel um ca. 15 °C sowie Reduktion

der gesamtenTrocknungskosten.

Die Schweiz ging auf internationaler

Ebene Verpflichtungen ein, um die

CO 2-Emmissionen zu reduzieren. Die

schweizweite Integration der Vorpressung

in Trocknungsanlagen würde einen

kleinen, aber wichtigen Beitrag zur

Erfüllung dieser Verpflichtungen leisten.

Projektteam

Lisseth Sandoval-Soto | Maurice Jutz |

Antje Langbein, Hochschule für Sciences

FHNW, Institut für Ecopreneurship | Stephan

Krummenacher (Enerprice Partners AG) |

Walter Glauser, Forschungsanstalt Agroscope

Liebefeld-Posieux (ALP) | Markus Studer, Studer

Maschinenbau AG | Meinrad Ruckstuhl, Trocknungsanlage

Zell

Projektkooperationen

Enerprice Partners AG | Forschungsanstalt

Agroscope Liebefeld-Posieux (ALP) | Studer

Maschinenbau AG | Trocknungsanlage Zell

Schlüsselwörter

Energieeffizienz | CO

²

-Reduktion |

Vorpressungsverfahren

Projektförderung

Bundesamt für Energie (BFE)

Projektvolumen

CHF 150 000.–

Projektlaufzeit

September 2007 – November 2009

41


Ressourcennutzung und -entwicklung 42

Phosphor zurückgewinnen – Kreisläufe schliessen

Die endlichen Phosphorreserven werden heute abgebaut, um als Mineraldünger den Ertrag landwirtschaftlicher

Böden zu erhalten. Im Projekt werden Verfahren zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm, der

wichtigsten ungenutzten Phosphorquelle, aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht bewertet. Die Resultate bilden

die Grundlage für eine nachhaltige Klärschlammentsorgung im Kanton Zürich.

Von Anders Nättorp und Claude Lüscher, Hochschule für Life Sciences FHNW

Phosphor spielt bei zahlreichen biologischen

Vorgängen eine wichtige Rolle,

z. B. beim Aufbau der Erbsubstanz und

beim Energie-Stoffwechsel der Zellen.

Für Pflanzen ist Phosphor – neben Stickstoff

– das wichtigste Nährelement. Da

Phosphor mit der Ernte abgeführt wird,

muss dem landwirtschaftlich genutzten

Boden laufend Phosphor zugeführt

werden. Dies wird traditionell durch

Nutzung von menschlichen Exkrementen,

Hofdünger und Kompost gewährleistet.

In den landwirtschaftlich industrialisierten

Ländern wird dem

Boden zudem Phosphor durch Mineraldünger

zugeführt.

Rohphosphat wird zu 90 Prozent für

Mineraldüngerherstellung verbraucht.

Marokko hat grosse Vorkommen und

liefert heute fast die Hälfte des Phosphatdüngers

auf dem Exportmarkt. Im

Jahr 2008 kam es zur Verknappung von

strategisch wichtigem Phosphor und

zu Preisschüben von zirka 200 Prozent.

Die Phosphatvorkommen der heutigen

Qualität reichen bei gleichbleibender

Nutzung noch 50 bis 100 Jahre. Weitere

Vorräte sind zwar noch vorhanden, können

aber nur mit grösserem Aufwand

und folglich nur zu höheren Preisen abgebaut

werden und enthalten zudem

beträchtliche Mengen an gesundheitsschädigenden

Schwermetallen.

Bewertung von industriell reifen

Verfahren

Mehrere europäische Länder, darunter

auch die Schweiz, sind bestrebt,

Phosphor aus Klärschlamm und

Schlachtabfällen zu nutzen Abwasserreinigungsanlagenutzen.

Der Kanton

Zürich will künftig Phosphor aus Klärschlamm

zurückgewinnen, bei gleichzeitiger

Nutzung der im Klärschlamm

enthaltenen Energie. Für Abklärungen

einer ab 2015 geplanten Gesamtlösung

der Klärschlammverwertung wurde

das Institut für Ecopreneurship (IEC)

beauftragt, die erprobtenVerfahren nach

0

1

2

3

4

5

6

ARA

ARA

ARA

ARA

Faulung

Faulung

Faulung

ARA Faulung

Faulung

Entwässerung

Trocknung

P-RGW

Schlämmwasser

Entwässerung

Entwässerung

Entwässerung

Entwässerung

einheitlichen Kriterien zu bewerten.

Insgesamt wurden fünfzehn industriell

reife Verfahren identifiziert: elf mit

Phosphorrückgewinnung und vier mit

Umwandlung des organischen Anteils

im Klärschlamm in Energie (Mineralisierung).

Ausgewählt wurden die vorteilhaftesten

Verfahren für Rückgewinnung

aus dem Wasser, dem Klärschlamm

oder dem mineralischen

Rückstand. Damit konnten Prozessketten

gebildet werden, die von der Abwasserreinigungsanlage

(ARA) bis zur

Entsorgung des Schlamms reichen (Abbildung

1). Bei jeder Prozesskette wird

das Abwasser bis zum Erreichen der

geforderten Ableitungsqualität gereinigt.

Dabei entstehen Phosphordünger

bzw. ein Industrierohstoff und ein deponierbarer

mineralischer Rückstand.

Prozesskette 0 ist die Referenzprozesskette,

bei der kein Phosphor zurückgewonnen

wird. Bei Prozesskette 1

wird der Phosphor aus dem Wasser der

Schlammentwässerung kristallisiert

Mono-Verbrennung

Trocknung KVA

P-RGW

Schlemmwasser

Trocknung

Trocknung

Trocknung

Mono-Verbrennung

Nass-

Oxidation

Deponie

Deponie

KVA

P-RGW

Rückstand

reinigen

P-RGW

Rückstand

auslösen

P-RGW

Rückstand

reinigen

P-RGW

Rückstand

auslösen

Deponie

Deponie

Deponie

Abbildung 1: Die bewerteten Prozessketten: Mineralisierungsverfahren in Orange, Phosphorrückgewinnungsverfahren

(P-RGW) in Weiss.

und der Schlamm in einer Kehrichtverbrennungsanlage

(KVA) entsorgt. Bei

Prozesskette 2 wird der entwässerte

Klärschlamm aufgeschlossen, die Feststoffe

werden getrennt und das Phosphat

aus der flüssigen Phase kristallisiert;

die Schlammentsorgung erfolgt

in einer KVA.

Nur gewisse Mineralisierungsverfahren

lassen eine Rückgewinnung aus

dem Rückstand zu. Ungeeignet sind

die Verbrennung in Zementwerken,

weil der Phosphor im Zement eingebunden

wird, sowie die Verbrennung

mit Kehricht in der KVA, weil die

Misch-Asche einen zu tiefen Phosphorgehalt

für die Rückgewinnung enthält.

Geeignet sind eine separate Verbrennung

(Monoverbrennung) oder eine

Oxidation in wässriger Phase (Nassoxidation).

In den Prozessketten 3 bis 6

wird eines dieser beiden Verfahren eingesetzt,

mit nachträglichem Herauslösen

des Phosphors aus dem mineralischen

Rückstand oder der Gewinnung

0

1

3

5

2

4

6


Energiebedarf im Vergleich zur Referenzprozesskette 0

(kWh/kg Phosphor)

7 87% 3

67% 2

0

-4 -2

0

2 4 6 8 10

25% 1

100

eines phosphorhaltigen Düngerrohstoffs

durch Reinigung des mineralischen

Rückstands von Schwermetallen.

Monoverbrennung mit positiver

Bilanz

Die Prozessketten wurden nach den

Kriterien Energiebilanz, Kosten und gewonnene

Menge an Phosphor bewertet

(Abbildung 2). Bei der Rückgewinnung

aus dem Abwasser (Prozesskette 1) sind

sowohl die Kosten als auch der Energiebedarf

tiefer als im Referenzszenario.

Dafür kann aber nur zirka ein Viertel

des in der Abwasserreinigungsanlage

(ARA) anfallenden Phosphors zugänglich

gemacht werden. Bei der

Rückgewinnung aus Klärschlamm oder

dem Herauslösen aus dem mineralischen

Rückstand (Prozessketten 2, 4

und 6) können bis zu 80 Prozent des anfallenden

Phosphors zurückgewonnen

werden; allerdings erweisen sich die

Verfahren aufgrund des hohen Chemikalienverbrauchs

als teuer. Bei der Reinigung

des mineralischen Rückstands

(Prozessketten 3 und 5) wird ein hoher

Rückgewinnungsanteil mit vertretbaren

Kosten vereint. Die Monoverbrennung

(Prozesskette 3) ist besser

erprobt als die Nassoxidation und hat

auch eine bessere Energiebilanz, weshalb

die Reinigung der Monoverbrennungsasche

aus heutiger Sicht die vorteilhafteste

Lösung darstellt. So kann

Phosphor bereits heute zum gleichen

Preis wie durch den Abbau von Phosphorerzen

gewonnen werden. Eine wei-

50

-50

-100

-150

-200

Kosten im Vergleich zur Referenzprozesskette 0 (CHF/kg Phosphor)

1 Kristallisation aus Schlämmwasser

2 Aus Klärschlamm

3 Monoverbrennungsasche reinigen

4 Lösen aus Monoverbrennungsasche

%

Rückgewonnener Phosphor-Anteil (% vom Zulauf)

Abbildung 2: Bewertungsmatrix der Prozessketten.

87%

5

83%

6

83%

4

5 Rückstand aus Nassoxidation reinigen

6 Lösen aus Rückstand aus Nassoxidation

7 Aufbau und Aufbereitung von Phosphor

zu Triplesuperphosphat (TSP)

tere Prozessoptimierung ist jedoch

nötig, um einen Dünger mit guter Bioverfügbarkeit

herzustellen.

Nachhaltigerer Umgang

Die Schweiz importiert jährlich 16 000

Tonnen Phosphor, hauptsächlich in

Form von Dünger und Futtermitteln.

Dies entspricht zirka 15 Prozent des

Gesamtverbrauchs der Landwirtschaft.

Der durch Import entstandene Überschuss

an Phosphor landet im Wesentlichen

an drei Orten: im Zement, als

Kehricht-Asche auf Deponien und im

Boden durch Düngung. Die Schweiz

könnte mit dem knapp werdenden

Phosphor nachhaltiger umgehen. Die

Rückgewinnung aus Monoverbrennungsasche

sowie eine Reduktion des

Düngereinsatzes wären Massnahmen.

Im Kanton Zürich wird die Planung einer

Monoverbrennungsanlage vorangetrieben.

Das Bundesamt für Umwelt

(BAFU) wird im Rahmen der Totalrevision

der Technischen Verordnung über

Abfälle (TVA) prüfen, ob die Rückgewinnung

von Phosphor vorgeschrieben

werden soll.

Projektteam

Anders Nättorp | Claude Lüscher | Thomas

Wintgens, Hochschule für Life Sciences FHNW,

Institut für Ecopreneurship | Fredy Dinkel,

Fa. Carbotech, Basel

Schlüsselwörter

Phosphor | Nachhaltiges Ressourcen-

management | Rückgewinnung | Verbrennung |

Technologiebewertung

Projektvolumen

CHF 50 000.–

Projektlaufzeit

April 2009 – September 2009

Kommentar AWEL

Für das Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft

(AWEL) des Kantons Zürich hat eine zukunftsge-

richtete Klärschlammentsorgung mit einer mög-

lichen Phosphornutzung einen hohen Stellen-

wert. Das IEC hat die aus heutiger Sicht infrage

kommenden Phosphor-Rückgewinnungsver-

fahren detailliert analysiert. Die Untersuchung

lieferte einen wertvollen Beitrag zur laufenden

Evaluation einer gesamtheitlichen Lösung mit

optimaler Nutzung von Energie und Phosphor

unter Berücksichtigung des Standes der Technik.

Leo Morf, AWEL

43


Ressourcennutzung und -entwicklung 44

FASE B: Wie Schule und Familie Jugendliche auf den Beruf

vorbereiten

Im Forschungsprojekt FASE B werden die Sozialisationsbedingungen in Schule und Familie untersucht. Die

Ergebnisse belegen u. a. einen hohen Einfluss der Eltern auf die Leistungen und die Bildungsverläufe. Sie liefern

Grundlagen, wie Eltern und Lehrpersonen frühzeitig die Kinder wirksam fördern können.

Von Markus P. Neuenschwander, Pädagogische Hochschule FHNW

Der Übergang von der Schule in den Beruf

ist eine grosse Herausforderung für

Jugendliche. Der erfolgreiche Wechsel in

das Erwerbsleben ist denn auch ein

wichtiges Kriterium effektiver Ausbildung.

Wichtige Kompetenzen zur erfolgreichen

Ausübung eines Berufs werden

in der Schule wie auch in der Familie erworben,

teilweise ebenfalls in Vereinen

und ähnlichen sozialen Kontexten.

Das Forschungsprojekt Familie-Schule-

Beruf (FASE B) untersucht den Übergang

von der Schule in das Erwerbsleben. Im

Projekt wird gefragt, was Schule und Familie

beitragen können, damit dieser

Übergang gelingt. Erstmals wird damit

in der Schweiz die schulische und familiäre

Sozialisation von der Primarschule

bis ins Erwerbsleben längsschnittlich

analysiert.

Methode

Für die erste Befragung im Jahr 2002

wurden im Kanton Bern rund 1150 Jugendliche

des 6. und 8. Schuljahrs, ihre

Eltern und Lehrpersonen befragt. Zudem

wurden Leistungstests in Deutsch

und Mathematik durchgeführt. Ein

grosser Teil dieser Jugendlichen und

ihre Eltern wurde 2006 ein zweites Mal

und im Winter 2007 im Rahmen einer

Internetbefragung ein drittes Mal befragt.

Im Winter 2008 fand eine vierte

Befragung statt. Die jüngere Kohorte der

Jugendlichen befindet sich nun in der

Mitte der Berufsausbildung, die ältere

Kohorte hat den Übergang in das Erwerbsleben

mehrheitlich vollzogen.

Eltern und Bildungsverläufe von

Kindern

Die Ergebnisse belegen in Übereinstimmung

mit internationalen Befunden,

dass der sozio-ökonomische Status der

Familie die Schulleistungen und die Bildungsverläufe

in hohem Mass beeinflusst.

Die Erwartungen der Eltern, ein

autoritativer Erziehungsstil (d. h. eine

Kombination von Kontrolle und den Kin-

Einkommen

.29

E-Ausbildung

.20

.24

.39

.11 ns

E-Erwartung

.21

Math-Test

Abbildung 1: Vorhersage von Bildungsverläufen (Pfadmodell).

dern Wärme und Respekt schenken),

eine autonomieorientierte Hausaufgabenhilfe

der Eltern, die Art, wie Eltern

schulischen Erfolg und Misserfolg erklären

sowie ein stimulierendes familiäres

Umfeld tragen wesentlich zu guten

Schulleistungen bei.

Die Ergebnisse zeigen auch die hohe Bedeutung

der familiären Sozialisation bei

der Berufswahl und beim Übergang in

die Sekundarstufe II. Abbildung 1 illustriert

diesen Befund am Beispiel des

Übergangs in die Sekundarstufe II (gymnasialer

Bildungsweg vs. Berufsbildung).

Das Familieneinkommen und der

höhere Ausbildungsstatus der Eltern erklären

einerseits die Ergebnisse der

Leistungstests in Mathematik im 6.

Schuljahr, aber auch die Bildungserwartungen

der Eltern an ihr Kind. Die Elternerwartungen

hängen stärker mit

dem Ausbildungsabschluss der Eltern

zusammen als mit den Leistungen der

Schülerinnen und Schüler in Mathematik.

Aufgrund der Elternerwartung lässt

sich der Bildungsverlauf nach Abschluss

der obligatorischen Schule präziser

vorhersagen als aufgrund der

Leistungen in Mathematik. Vergleichsuntersuchungen

belegen, dass die Befunde

in den USA analog abgeleitet werden

können (relative Universalität).

Das Interesse der Eltern ist auch am

Ende der Berufslehre wichtig. So ist ein

geringes Elterninteresse ein Risikofak-

.48

.31

Gym vs. VET

43%

tor für Arbeitslosigkeit nach Lehrabschluss.

Überdies kann erstmals gezeigt

werden, dass schichtbedingte

unterschiedliche Leistungen und Erwartungen

der Schülerinnen und Schüler

erklären, warum junge Erwachsene

nach der Lehre mit einer tertiären Ausbildung

beginnen.

Zwei Herausforderungen

beim Übergang in die Berufsbildung

Schulübergänge und Bildungsverläufe

stellen zahlreiche Herausforderungen

an die Jugendlichen, aber auch an die

Akteurinnen und Akteure im Bildungswesen.

Bildungsziele: Die Ziele der Volksschulbildung

und die Anforderungen der Berufsbildung

korrespondieren nur teilweise.

Die Volksschule qualifiziert die

Schülerinnen und Schüler nur bedingt

für nachschulische Anforderungen

(Neuenschwander, 2003; 2005). Überfachliche

Qualifikationen und soziale

Tugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit

oder der Erwerb von Lernstrategien erhalten

nicht die Bedeutung, die ihnen in

Lehrbetrieben zugeschrieben werden.

Zeitpunkt der Berufswahl: Im internationalen

Vergleich erfolgt die Berufswahl

in der Schweiz früh.Wer zu Beginn des 9.

Schuljahrs noch keine klare berufliche

Vorstellung hat, ist auf dem Lehrstellenmarkt

im Nachteil. Wichtig ist deshalb

eine Verschiebung der Lehrstellenverga-


e auf einen möglichst späten Zeitpunkt.

Für Jugendliche mit verzögerter Berufswahl

sind zudem Brückenangebote notwendig.

Schlussfolgerungen

Der erfolgreiche Übergang in die Berufsbildung

hängt zwar in erster Linie von

den Jugendlichen selbst, ihren Einstellungen,

Interessen und Leistungen ab,

doch die Signalwirkung von Schultyp

und Noten sowie die familiäre Unterstützung

bestimmen den Verlauf und

den Erfolg der Berufswahl ebenfalls mit.

Während die Schule vor allem Qualifikationen

verteilt, die das Niveau der Anschlusslösung

beeinflussen, spielen die

Eltern im Hintergrund eine vielfältige

Rolle, indem sie ihre Kinder im Berufswahlprozess

emotional unterstützen,

ihnen sachlich helfen und Vorbilder

sind.

Um den Übergang in die Berufsbildung

zu meistern, ist eine Kombination von

verschiedenen Faktoren erforderlich:

berufliche Fähigkeitseinschätzungen

und Interessen, hohe soziale Anpassungsfähigkeit

sowie ein förderndes familiäres

Umfeld. Auch persönliche Attribute

sind zentral: der Name, die Nationalität,

das Geschlecht, die Kleidung

und das Bewerbungsschreiben sind

Faktoren, die im Lehrstellenmarkt eine

Rolle spielen. Wie Kinder und Jugendliche

gefördert werden können, damit sie

eine aktive Rolle in Wirtschaft, Gesellschaft

und Politik einnehmen, lässt sich

heute präziser beschreiben.

Projektteam

Markus P. Neuenschwander | Benno

Rottermann | Michelle Gerber-Schenk |

Nicole Frank | Rebekka Hartmann,

Pädagogische Hochschule FHNW, Institut

Forschung und Entwicklung

Projektkooperationen

Jacquelynne Eccles, University of Michigan

in Ann Arbor, USA | Katariina Salmelö-Aro, University

of Jyvaskyla, Finnland | Bärbel

Kracke, Universität Erfurt, Deutschland |

Brigitte Detry, Neue Universität in Lissabon,

Portugal | Walter Herzog, Universität Bern

Schlüsselwörter

Familie | Schule | Bildungsverläufe |

Transitionen | Jugendalter | duale Berufsbildung

Projektförderung

Nationalfonds | Bildungsdirektion Zürich |

Eigenmittel der Trägerinstitutionen

(Pädagogische Hochschule Bern, Universität

Zürich, Pädagogische Hochschule FHNW)

Projektvolumen

Drittmittelvolumen: CHF ca. 1.2 Mio.

Projektlaufzeit

März 2001 – 2010 (Fortsetzung geplant)

45

Begriffsdefinitionen

Transition meint den Übergang von einem Lebenskontext

in einen anderen, sei es in Form des

Pendelns zwischen Kontexten (zwischen Schule,

Familie, Freizeitgruppe etc.), sei es in Form des

Eintritts in einen neuen Lebensbereich (Schuleintritt)

oder des Wechsels von einem Kontext in

einen anderen Kontext (Übergang Volksschule-

Berufsbildung).


Ressourcennutzung und -entwicklung 46

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In: Neuenschwander, M. P. Grunder, H.-U. (Hg.).

Schulübergang und Selektion. Chur: Rüegger.


Transformation von Kulturen

und Lebenswelten

Eine Folge des gesellschaftlichen Wandels ist die vermehrt mediatisiert wahrgenommene

Wirklichkeit. Diese Vermittlungsweise der realen Lebenswelt durchdringt

und bestimmt zunehmend alle Lebensbereiche. Transformation und Mediatisierung

prägen Kulturen und Lebenswelten. Forschungsfelder eröffnen sich

somit in alltäglichen, schulischen, unternehmerischen, künstlerischen und arbeitsweltlichen

Lebenswelten sowie in verschiedenen sozialen Milieus.

Exemplarisch für zahlreiche weitere Forschungsprojekte werden fünf Projekte aus

den Bereichen Gesundheit, Kunst, Kultur, Technik und aus der Sozialen Arbeit vorgestellt.

Die Arbeiten reichen von der Analyse des Besucherverhaltens im Museum über

die Beurteilung der Einsatzmöglichkeiten neuer Technologien bei der Betreuung

von Querschnittgelähmten bis zur gemeinsamen Erforschung des Badischen Bahnhofs

Basel durch Künstlerinnen und Geschichtswissenschaftler.

eMotion – das Kunsterlebnis sichtbar machen 50

Videokonsultation für Querschnittgelähmte – kooperative Gestaltung einer neuen Technologie 54

Prävention sexueller Ausbeutung im Freizeitbereich – Evaluation zu Angeboten der Fachstelle mira 56

Eine bahnbrechende Audio-Technologie für die Unterhaltungselektronik 58

Dreizehn 13 – ein polydisziplinäres Projekt zu Geschichte und Gegenwart des Badischen Bahnhofs Basel 60

Die Konstruktion der Welt: Der Geschlechterblick in der Forschung 64

Literaturverzeichnis 66

49


Transformation von Kulturen und Lebenswelten

eMotion – das Kunsterlebnis sichtbar machen

Wie wirken Kunstwerke auf Museumsbesucherinnen und -besucher?

Wie nehmen sie das Gezeigte wahr? Das Projekt «eMotion»

dokumentiert mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen,

wie sich Versuchspersonen in einer Ausstellung bewegen. Die Ergebnisse

werden wissenschaftlich und künstlerisch ausgewertet.

Von Martin Tröndle, Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW

Abbildung 1: PC-basierte Eingangsbefragung, Museumsbesucher mit Datenhandschuh.

Das Projekt «eMotion» untersucht die «Erfahrung Museumsbesuch»

experimentell. Im Zentrum steht die psychogeografische

Wirkung des Museums und seiner Objekte auf das Erleben der

Museumsbesucherinnen und -besucher. Um diese Interaktion

besser zu verstehen, werden im Rahmen des Projekts «eMotion»

neuartige Erhebungs- und Darstellungsmethoden angewandt

und miteinander kombiniert. Dazu wurden eigens für dieses

Projekt bild- und tongebende Verfahren entwickelt, welche den

Katalog bisher üblicher sozialwissenschaftlicher Erhebungsmethoden

und Darstellungsformen erweitern. Wissenschaftliche

und künstlerische Forschungs- und Darstellungsmethoden

ergänzen sich gegenseitig. Zur Anwendung kommen die

Tracking-Technologie, die Messung der Herzrate und des Hautleitwerts,

das Experiment, empirische Erhebungsmethoden sowie

die Sonifikation und die Installation.

50

Museumsbesucherinnen und -besucher, die an dem Projekt teilnehmen

wollen, erhalten mit ihrer Eintrittskarte ein Armband,

das verschiedene Messgeräte enthält. Mit dem Armband wird

u. a. aufgezeichnet, welchen Weg der Besucher bzw. die Besucherin

geht, wie lange er bzw. sie vor einem Objekt stehen bleibt,

wie schnell er bzw. sie geht sowie wann und wie stark er bzw.

sie physiologisch angesprochen wird. Abbildung 2 zeigt eine

solche Erlebniskarte einer älteren, wenig kunstaffinen Besucherin.

Rechts unten wird der Besucherin das Datenarmband angelegt,

danach geht sie in die Ausstellung. Je schneller die Person

geht, desto blasser wird die Linie. Rot dargestellt sind die Signifikanzen

der Hautleitfähigkeit, gelb die Signifikanzen der Herzrate.

Die Daten werden durch individualisierte Befragungen

ergänzt, damit das Datenmaterial interpretiert werden kann.

Zudem werden verschiedene Interventionen im Museum als

künstlerisch-wissenschaftliche Experimente durchgeführt.


Abbildung 2: Erlebniskarte einer älteren, wenig kunstaffinen Besucherin. Rechts unten wird der Besucherin das Datenarmband angelegt, danach geht sie in

die Ausstellung. Je schneller die Person geht, desto blasser wird die Linie. Rot dargestellt sind die Signifikanzen der Hautleitfähigkeit, gelb die Signifikanzen

der Herzrate.

Das Projekt soll mehrschichtige Antworten auf die Frage liefern,

wie das Museum als psychogeografisches Kraftfeld

funktioniert. So lassen sich Erkenntnisse ableiten, die für die

Kunstsoziologie und -psychologie, die Kunsttheorie und die

Museumsarbeit relevant sind. Die Resultate dieser transdisziplinären

Studie führen zu einer ganzheitlichen Darstellung,

wie Kunst und Rezipientinnen und Rezipienten wechselwirken.

Dabei werden sowohl die Relationen zwischen Exponat

und Rezipientin wie auch die Bezüge zwischen Rezipient und

sozialen Kontexten (Erfahrungen, Erwartungen und andere

Kontextvariablen) berücksichtigt.

eMotion ermöglicht Kuratorinnen und Kuratoren sowie

Kunsttheoretikerinnen und Kunsttheoretikern ein vertieftes

Verständnis für die Wirkungsweise von Kontext und Werk im

Kraftfeld Museum. Das Projekt liefert Erkenntnisse für eine

nachhaltige Kunstvermittlung und das Museumsmanagement.

Die Besucherinnen und Besucher, die an der Untersuchung

teilgenommen und so das Datenmaterial selbst erzeugt haben,

können in der eMotion-Installation ihren Museumsrundgang

nochmals erfahren. Dieses Feedback macht das

eigene Rezeptionsverhalten sicht- und hörbar und erlaubt

daher Selbstreflexion. Die erhobenen Daten werden künstlerisch

weiterverarbeitet und spiegeln in Bild und Klang die

eigene Museumserfahrung wider. In der Installation werden

die unsichtbaren und flüchtigen Momente der individuellen

Kunstwerdung sichtbar und somit das Museum als psychogeografisches

Terrain erkundbar.

Bedeutung für die Museumsbesucherinnen und

-besucher

Im Augenblick des Schauens im Museum erfahren sich die

Besucherinnen und Besucher als Subjekt, sie werden vom

einzelnen Werk überrascht, angezogen und wieder freigelassen

oder gelangweilt. Boris Groys beschreibt den dabei

eröffneten Zugang zur eigenen Subjektivität als «das eigentliche

Kunstprodukt», das sich im «Akt des reinen Schauens –

nicht in der Zeit, sondern im Augenblick» im musealen Raum

ereignet (Groys, 1998). eMotion macht diese performativen

Augenblicke der «Kunstwerdung» sichtbar: eMotion zeigt

den Rezeptionsprozess als einen schöpferischen Vorgang,

visualisiert werden die Anziehungs- und Abstossungsmo-

51

mente, also das Erleben im Kraftfeld Museum selbst.

In der Installation werden Aspekte des Unbewussten während

der Kunstbetrachtung in einer virtuellen Welt sichtbar

gemacht. Dadurch wird das Bewusstsein des Beobachters,

der Beobachterin verändert. Die motorischen, mentalen und

emotionalen Aktivitäten beeinflussen dabei die Gestalt der

Arbeiten des Medienkünstler Steven Greenwood und der Sonifikation

von Chandrasekhar Ramakrishnan. Beide verarbeiten

die erhobenen Daten in künstlerische Repräsentationen,

die dann von den beteiligten Wissenschaftlerinnen und

Wissenschaftlern wieder zur Interpretation herangezogen

werden.

Wenn man Kunstrezeption als einen Prozess versteht, mit der

Möglichkeit zur Selbsterkenntnis, entsteht durch das Feedback

ein konkreter Mehrwert für die Besucherinnen und Besucher.

Durch die Rückmeldung wird die Reflexion unterstützt,

und sie erhalten die Möglichkeit, die Aufmerksamkeit

gegenüber ihrem eigenen Erleben und der Wirkung von Kunst

zu schärfen. Trotz der wissenschaftlich-künstlerischen Abstraktion

wird in der Installation die Darstellung jedem einzelnen

Individuum gerecht.

Bedeutung für die Wissenschaft

Zusätzlich zu den Ergebnissen der künstlerischen Forschung,

die in der Installation sicht- und hörbar gemacht werden,

werden die Daten auch wissenschaftlich ausgewertet. Auf

dieser Ebene geht es um kunsttheoretische Erkenntnisse, um

die Frage, wie Kunst rezipiert wird und wie ein Museum

wirkt. Das gesammelte Datenmaterial – der gegangene Weg,

die Verweildauern, das Gefühlsverhalten und die Antworten

der Umfrage – wird dazu ausgewertet. Diese Auswertung

gibt der empirisch-sozialwissenschaftlichen Besucherforschung

die Chance, mehrere Fragen bzw. Hypothesen zu

überprüfen, die vor allem in den letzten zwanzig Jahren aufgestellt

wurden. Insbesondere bietet der interdisziplinäre

Ansatz die Möglichkeit, «behavioristische» und «konstruktivistische»

Modelle der Besucherforschung miteinander zu

vergleichen und zu verbinden.

Die aktive Rolle der Kunstrezipientin und des Kunstrezipienten

wird heute durch die «konstruktivistische» Wende in

der Analyse des Museumserlebnisses und der Museumser-


Transformation von Kulturen und Lebenswelten

Abbildung 3: Im Gegensatz zu Abbildung 2 zeigt diese Abbildung das Profil einer jungen, sehr kunstaffinen Besucherin.

fahrung betont (vgl. Hein/Miles-Debatte). Allerdings wird bei

dieser Diskussion die unmittelbare Wirkung der Kunst auf

die Rezipientin und den Rezipienten fast völlig vernachlässigt.

eMotion ermöglicht nun, psychologisch-experimentale

Ideen mit soziologisch-strukturellen Vorstellungen zu versöhnen.

Die Resultate dieser Studie können zu einer ganzheitlichen

Darstellung führen, wie Kunst und Rezipientinnen

und Rezipienten wechselwirken. Dabei werden sowohl die

Beziehungen zwischen Exponat und Rezipientin als auch

zwischen Rezipient und sozialen Kontexten (Erfahrungen,

Erwartungen und andere Kontextvariablen) berücksichtigt.

Die Rezeptions- und Besucherforschung überwindet damit

künstliche disziplinäre Grenzen.

Bedeutung für die Praxis

Die Erkenntnisse, die durch das Medienkunstprojekt generiert

werden, sind auf der museumspraktischen Ebene für

Kuratorinnen und Museumspädagogen, Kunstwissenschaftlerinnen

und Kulturmanager gleichermassen relevant. Aus

der Testreihe in Museen, den verschiedenen Messanordnungen

und den empirischen Erhebungen entsteht umfangreiches

Datenmaterial. Aufgrund der Auswertung können

eine Reihe von Fragen beantwortet werden: Wie beeinflusst

der Erfahrungshintergrund (Häufigkeit der Museumsbesuche)

das Rezeptions- und Entscheidungsverhalten der Museumsbesucherinnen

und -besucher? Wie korrelieren die

Antworten der Umfrage am Terminal mit den Daten des

Rundgangs? Gibt es eine altersspezifische Kunstrezeption?

Gibt es eine geschlechtsspezifische Kunstrezeption? Welchen

Einfluss haben kuratorische Konzepte auf den Rezeptionsprozess?

Welchen Einfluss hat die Art der Hängung? Welchen

Einfluss hat die Informationsvermittlung? Wie korreliert der

Erfahrungshintergrund mit dem Rezeptionsprozess? Wie

wirkt sich die Erwartungshaltung aus? Gibt es einen «idealen»

Weg durch die Räume, unabhängig von der konzeptionellen

Hängung der Werke? Welche Muster bezüglich Verweildauer,

Gehgeschwindigkeit, Raumverhalten lassen sich

bei den verschiedenen Bewegungs- und Rezeptionsprofilen

erkennen?

52

Künstlerische Ergebnisse

Die künstlerische Umsetzung der Forschungsresultate durch

Steven Greenwood und Chandrasekhar Ramakrishnan dienen

dazu, die Wirkung der jeweiligen Disposition in Tonsequenzen

und Monitorbildern hör- und sichtbar zu machen

und somit eine verdichtete Analyse der flüchtigen Momente

der Kunstrezeption zu liefern. Durch die künstlerische Forschungsmethode

entstehen neue Bilder der Wirkung des Museums

und seiner Kraftfelder. Zusätzlich zu den Auswertungen

des Datenmaterials und der Befragungen ermöglicht

das Forschungsprojekt erstmals eine ästhetische Umsetzung

der Wirkung des Museums und seiner Exponate.

Am Ende des Rundganges durch die Ausstellung «11 : 1 (+3) =

Elf Sammlungen für ein Museum» kommen die Museumsbesucherinnen

und -besucher in eine von Steven Greenwood

und Chandrasekhar Ramakrishnan eigens für eMotion gestaltete

Installation. Sicht- und hörbar ist hier die künstlerische

Umsetzung des Rezeptionsverhaltens der Museumsbesucherinnen

und -besucher. Auf zwei Beamer-Projektionen

werden die akkumulierten Daten der Besucherinnen und Besucher

gezeigt, in einer Klanginstallation die sich im Moment

ereignenden Besucherreaktionen in Echt-Zeit. An einem

Bildschirm können die Besucherinnen und Besucher ihren

eigenen Rundgang nachvollziehen, nachdem sie ihre Besuchernummer

eingegeben haben. Mit der Aufzeichnung des

Raumverhaltens der Besucherin und des Besuchers werden

der individuelle Weg durch die Ausstellungsräume, die jeweilige

Gehgeschwindigkeit, die einzelnen Verweildauern vor

den Kunstwerken etc. festgehalten. Die durch das «dérive»

der Besucherin und des Besuchers entstandene Karte, die das

individuelle Wegenetz, das Gefühlsverhalten und die Momente

der Kunstwerdung zeigt, wird mit der jeweiligen Besuchernummer

ausgedruckt. Die Besucherinnen und Besucher

erhalten so ihre eigene «Erlebniskarte», die grafische Repräsentation

ihrer Kunstrezeption.


Projektteam

Martin Tröndle, | Steven Greenwood, Hochschule für

Gestaltung und Kunst FHNW, Institut für Design- und

Kunstforschung | Wolfgang Tschacher, Universitätsklinik

für Psychiatrie, Bern, Abteilung für Psychotherapie |

Volker Kirchberg, Leuphana Universität Lüneburg, Lehrstuhl

für Kulturvermittlung und Kulturorganisation |

Stéphanie Wintzerith, Besucherforschung | Karen van den

Berg, Zeppelin University Friedrichshafen, Lehrstuhl für

Kulturmanagement und inszenatorische Praxis | Sibylle

Omlin, Schule für Gestaltung Wallis, ECAV | Chandrasekhar

Ramakrishnan, ETH Zürich (Sonifikation) | Roland Wäspe,

Kunstmuseum St. Gallen | Meike Porrmann | Nicolai Karl |

Terence Phebey, University of Cambridge, Ubisense AG –

Laboratory of Communication Engineering

Weitere Informationen unter

www.mapping-museum-experience.com

Schlüsselwörter

Kunstforschung | Museum | Kunst | Tracking | Transdisziplinarität

| Besucherforschung

Projektförderung

Schweizerischer Nationalfonds | Ubisense AG | Kunstmuseum

St. Gallen

Projektvolumen

CHF 884 543.–

Projektlaufzeit

2006 – 2011, geförderte Phase 2008 – 2010

53


Transformation von Kulturen und Lebenswelten

Videokonsultation für Querschnittgelähmte – kooperative

Gestaltung einer neuen Technologie

Das Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) ist für die Behandlung und Betreuung Querschnittgelähmter verant-

wortlich und versorgt Patienten aus der ganzen Schweiz und dem Ausland. Videokonsultationen stellen für das SPZ

eine vielversprechende Möglichkeit dar, die Versorgung zu verbessern und die Patientinnen und Patienten im häuslichen

Umfeld individuell zu betreuen.

Von Fred van den Anker und Julia Klammer, Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW

Abbildung 1: Tätigkeitsbereiche bei der Behandlung und Betreuung von Querschnittgelähmten.

Im Schweizer Gesundheitswesen erfordern

verschiedene Entwicklungen innovative

Lösungen. Dazu gehört auch,

dass sich die Vorstellung, was Lebensqualität

für Querschnittgelähmte bedeutet,

in den letzten Jahren verändert

hat. Nicht mehr die Behandlung der

Lähmung und die damit verbundenen

Einschränkungen stehen im Vordergrund,

sondern die Integration in den

Alltag und die Förderung der Selbstständigkeit.

Auch auf internationaler

Ebene formuliert die World Health Organization

(WHO) eine kontinuierliche

und integrierte spital-externe Versorgung

als Ziel. Im Vergleich zur Einweisung

in eine Spezialklinik lassen sich

durch die Förderung und Erhaltung der

Selbstständigkeit der Betroffenen grosse

Kosteneinsparungen erzielen.

Vielversprechendes Instrument

Um die oben genannte Entwicklung zu

fördern, werden zunehmend Informations-

und Kommunikationstechnologien

(IuK-Technologien) eingesetzt, die

unter dem Begriff Telemedizin subsumiert

werden. Bei der Behandlung

und Betreuung von Querschnittgelähmten

bieten sich Videokonsultationen (z.

B. Video-Sprechstunde beim Arzt oder

bei der Ärztin von zu Hause aus) als Erfolg

versprechendes Modell an, um die

Qualität und Effizienz der Versorgung

und die Beratung der Patientinnen und

Patienten zu steigern sowie deren

Selbstständigkeit zu fördern. Im Rahmen

des Projekts soll in Zusammenarbeit

mit dem SPZ Nottwil und dem gemeinnützigen

Verein ParaHelp ein

Konzept für den Einsatz von Videokonsultationen

zur Behandlung und Betreuung

von Querschnittgelähmten entwickelt

und erprobt werden.

54

Betrachtet man den Einsatz von IuK-

Technologien im medizinischen Dienstleistungsbereich,

zeigt sich vor allem

bei der telemedizinischen Videokonsultation

ein Widerspruch: Einerseits

durchdringen neue IuK-Technologien

wie z. B. Videokonferenzen via Skype

zunehmend unseren Alltag, es werden

auch bereits stabile, qualitativ hochwertige

Videokonferenzsysteme angeboten,

und dem Einsatz von Videokommunikation

bei der Interaktion mit

Kundinnen und Kunden bzw. Patientinnen

und Patienten wird ein grosses

Potenzial zugesprochen. Andererseits

bleiben die tatsächliche Nutzung und

der praktisch eingelöste Mehrwert

häufig hinter den Erwartungen zurück.

Dies liegt häufig daran, dass die Nutzerakzeptanz

mangelhaft ist und kritische

Erfolgsfaktoren im Nutzungskontext

(personelle, organisationale

und sozio-kulturelle Rahmenbedingungen)

zu wenig berücksichtigt werden.

Ziel des Projekts ist es, mit potenziellen

Nutzerinnen und Nutzern (Ärzte

und Ärztinnen, Pflegepersonal, Therapeutinnen

und Therapeuten sowie Paraplegikerinnen

und Tetraplegiker)

Szenarien für den Einsatz von Videokonsultationen

auszuarbeiten, diese im

Hinblick auf ihre Akzeptanz und die für

eine erfolgreiche Einführung erforderlichen

Rahmenbedingungen zu evaluieren

und in einer Pilotstudie zu erproben.

Unterschiedliche Einsatzgebiete

In einer ersten Phase wurden auf der

Basis von Interviews und Feldbeobachtungen

mögliche Anwendungen spezifiziert.

Beispiele von Bereichen, bei denen

Videokonsultationen zum Einsatz

kommen könnten, sind:

– Dekubitusdiagnose und -behandlung:

Querschnittgelähmte sind für

den Rest ihres Lebens mit der

Möglichkeit eines Druckgeschwürs

(Dekubitus, eine lokale Schädigung

der Haut und des darunterliegenden


Gewebes) konfrontiert. Viele Querschnittgelähmte

sind im Laufe ihrer

Krankheit von einem Dekubitus

betroffen. Kommt es zu einem Dekubitus,

ist eine schnelle Diagnose und

rasches Handeln essenziell. Ein

Videokonsultationssystem könnte

hier eine niederschwellige, frühzeitige

Diagnostik mit entsprechender

Therapie ermöglichen und als

Triageinstrument fungieren, indem

aufgrund der Videobilder die

Dringlichkeit der Einleitung weiterer

Schritte festgestellt werden kann.

– Tele-Instruktion zur Behebung

technischer Fehler an Beatmungsgeräten:

Das SPZ ist eine der wenigen

Spezialkliniken in der Schweiz, die

Menschen rehabilitierten, die aufgrund

ihrer Querschnittlähmung auf eine

Dauerbeatmung angewiesen sind.

Bei einer technischen Störung des

Beatmungsgerätes ist eine schnelle

Reaktion lebenswichtig. Instruktionen

via Videokonsultationssystem

zur Behebung technischer Fehler

sowie zur Einstellung der komplexen

Geräte könnten die Sicherheit der

Betroffenen enorm steigern.

– Unterstützung der «Abilities of Daily

Living»: Nach der Entlassung befinden

sich Querschnittgelähmte in

einer vollkommen neuen Lebenssituation.

Videokonsultationen bieten die

Möglichkeit, Querschnittgelähmte

bei alltäglichen Tätigkeiten wie dem

Transfer vom Rollstuhl ins Bett oder

in die Dusche, beim Umgang mit

Hilfsmitteln oder beim Anziehen von

Kleidern gezielt zu beraten.

– Ergo-, Logo- und Physiotherapie: In

diesen Bereichen könnten Videokonsultationen

als Ergänzung zu den

therapeutischen Vor-Ort-Angeboten

des SPZ einen Mehrwert bei Fragen

von Patientinnen und Patienten an

die Therapeutinnen und Therapeuten

bieten.

Momentan sind mögliche Nutzerinnen

und Nutzer daran, Alltagssituationen

zu dokumentieren, die sich für Videokonsultationen

eignen könnten. Daraus

können erste Nutzer- und Nutzerinnenbedürfnisse

sowie Nutzungsanforderungen

abgeleitet werden. Die dokumentierten

Situationen dienen als

Basis für die gemeinsame Entwicklung

von Szenarien; diese wiederum bilden

die Grundlage für die spätere Pilotstudie.

Auf diese Weise soll ein kollaborativer

Prozess entstehen, bei dem die

Anforderungen an ein solches System

in Abhängigkeit vom sozio-kulturellen,

organisatorischen und technischen

Umfeld spezifiziert werden können und

der von denjenigen Personen, die das

System künftig nutzen sollen, mitgestaltet

und gesteuert werden kann.

Projektteam

Fred van den Anker | Julia Klammer,

Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW,

Institut für Kooperationsforschung

und -entwicklung

Projektkooperationen

Schweizer Paraplegiker-Zentrum |

Verein ParaHelp

Schlüsselwörter

Videokonsultation | Participatory Design |

Technologieakzeptanz

Projektförderung

Kommission für Technologie und Innovation

(KTI)

Projektvolumen

CHF 392 480.–

Projektlaufzeit

September 2009 – Juni 2011

55


Transformation von Kulturen und Lebenswelten

Prävention sexueller Ausbeutung im Freizeitbereich –

Evaluation zu Angeboten der Fachstelle mira

Sexuelle Ausbeutung hat für Kinder traumatisierende Folgen. Zweck des Vereins mira ist die Prävention sexueller

Übergriffe in Freizeitvereinen und Institutionen mit Freizeitangeboten. Die vorliegende Evaluation untersuchte die

Wirksamkeit der Präventionsmassnahmen in Vereinen, die Qualität der durchgeführten Beratungen in Verdachtsfällen

und das Beratungskonzept.

Von Felix Wettstein, Susanne Anliker und Holger Schmid, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW

Abbildung 1: Sporthalle und Logo mira. (Foto: Susanne Stauss)

Sexuelle Ausbeutung von Kindern beinhaltet

jede Handlung einer erwachsenen

Person mit oder an einem Kind

(oder an einer oder einem Jugendlichen),

die der sexuellen Erregung oder

Befriedigung der erwachsenen Person

dient. Die Folgen sind für Kinder in den

meisten Fällen traumatisierend (Bange

& Deegener, 1996). Freizeitorganisationen

können den Schutz der ihnen anvertrauten

Kinder und Jugendlichen

verbessern, wenn sie gezielte Massnahmen

ergreifen. Hier setzt die Fachstelle

mira an: Ihr Ziel ist es, Freizeitorgani-

sationen zu Präventionsmassnahmen

zu bewegen. Anlässlich seines zehnjährigen

Bestehens hat der Verein mira das

Institut Soziale Arbeit und Gesundheit

(ISAGE) mit einer Evaluation beauftragt,

um einen Teil der Angebote seiner

Fachstellen in Zürich und Lausanne zu

bewerten.

Gegenstand und Zielsetzung

der Evaluation

mira bietet Aufgaben der Prävention

und Beratung an. Erfahrungen im Bereich

Beratung haben gezeigt, dass die

56

meisten Übergriffe in Freizeitorganisationen

aufgrund von Rollenunklarheiten

geschehen. mira postuliert daher,

dass sexuelle Übergriffe in einem

Klima der Offenheit und Transparenz

gegenüber dem Thema Sexualität seltener

vorkommen und dass Mitarbeitende,

welche Möglichkeiten für sexuelle

Übergriffe suchen, abgeschreckt

werden. Die Auseinandersetzung mit

dem Thema soll dazu führen, richtig zu

reagieren, wenn es trotzdem zu Übergriffen

kommt. mira hat eine Selbstverpflichtung

für Vereine formuliert (s. Kasten:

Selbstverpflichtung für Vereine),

deren Unterzeichnung Bedingung für

eine Mitgliedschaft ist. Zentrales Element

ist die Ernennung einer Kontaktperson,

die von mira auf ihre Tätigkeit

vorbereitet wird.

Vorgehensweise und Methoden

Die Wirksamkeit der Prävention in

den Freizeitgruppierungen (Evaluationsschritt

1) wurde mit einer strukturierten

telefonischen Befragung untersucht.

66 Kontaktpersonen wurden in

einer geschichteten Stichprobe für diese

Befragung ausgewählt. Für den Evaluationsschritt

2 wurden 14 Vereinsverantwortliche

telefonisch befragt, die in

den letzten zwei Jahren bei Verdachtsfällen

eine Beratung in Anspruch genommen

hatten. Für den Evaluationsschritt

3 wurden zwei Hearings mit

Expertinnen und Experten durchgeführt.

Vertreten waren die Fachgebiete

Kinderschutz, Forensik, Psychiatrie,

Strafverfolgung und Freizeitpädagogik.

Ergebnisse der Evaluation

Die telefonische Befragung ergab, dass

das Wissen aus der Selbstverpflichtung

auf den verschiedenen Vereinsebenen

nicht gleich gut verankert ist. Die Kontaktpersonen

äusserten eine gewisse

Hilflosigkeit, was die Umsetzung der

Präventionsarbeit für die jüngeren Altersgruppen

bzw. auf der Ebene des


ganzen Vereins betrifft. Konkrete Inhalte

der Selbstverpflichtung konnte

nur eine Minderheit umschreiben. Weiter

zeigte die Befragung, warum Vereine

bei mira Mitglied sind.Wichtigstes

Motiv ist die Unterstützung bei der

Prävention und in einem allfälligen

Verdachtsfall. mira geniesst eine hohe

Glaubwürdigkeit.

Die Befragung von 14 Personen, die

eine Beratung in Anspruch genommen

hatten, ergab, dass die Vereinsverantwortlichen

dankbar für die Beratung

waren und dass sich in den meisten

Fällen die getroffene Lösung bewährt

hatte. Das Ansehen der Vereine hatte

nach Aussage der Beratenen in keinem

Fall Schaden erlitten.

Bei den Hearings stand die Frage im

Zentrum, ob mira Interventionen nach

vermuteten Übergriffen anbieten soll.

Es wurde mit Nachdruck festgehalten,

dass mira auf täterbezogene Interventionen

verzichten und keine Verdachtsabklärungen

durchführen soll.

Hingegen sei mira in der Lage, Vereinsverantwortliche

zu beraten und zu befähigen,

Probleme anzugehen.

Schlussfolgerungen und

Empfehlungen

Der Beitritt zu mira führt bei den Vereinen

zu einer Sensibilisierung für das

Thema und zu neuen Verhaltensweisen.

Um die Verankerung zu verbessern,

wurde der Fachstelle empfohlen, alle

Ebenen der Vereine (Mitglieder, Eltern,

Leiterinnen und Leiter, Trägerschaft)

beim Erarbeiten einer Grundhaltung

zum Thema sexuelle Ausbeutung einzubeziehen

(Eberle & Leiser, 2004).

Der Bericht schliesst mit Empfehlungen.

Sie betreffen insbesondere die

Selbstverpflichtung, die Begleitung der

Kontaktpersonen, die Chancen der öffentlichen

Kommunikation sowie eine

modifizierte Arbeitsweise bei der Beratung

(Rulofs, 2007).

Im Freizeitbereich ist ein bedeutender

Teil der Bevölkerung ehrenamtlich aktiv.

Die Arbeitsweise von mira ermöglicht

es, breite Bevölkerungsschichten

anzusprechen, und die Hoffnung ist berechtigt,

dass eine Kultur des gegenseitigen

Respekts und der Offenheit sich

mittelfristig auch ausserhalb der Vereine

auswirken wird.

Selbstverpflichtung für Vereine

– Wir stehen dazu: Grenzverletzungen

und sexuelle Übergriffe

können auch bei uns vorkommen.

Wir dulden beides nicht.

– Wir sprechen mit den Vereinsverantwortlichen

unserer Angebote

über erlaubte Körperkontakte,

heikle Situationen und Ausbeutung.

– Wir bezeichnen mindestens eine

Kontaktperson für die Prävention

sexueller Ausbeutung. Sie leitet die

unter Punkt 2 erwähnten Gespräche.

Sie ist Anlaufstelle für

Eltern und Jugendliche.

– Wenn uns konkrete Hinweise oder

ein Verdacht auf sexuelle Ausbeutung

bekannt werden, nehmen wir

in jedem Fall externe Hilfe zur

Klärung der Lage in Anspruch.

– Beschuldigte werden erst nach

einer Abklärungsphase über unser

Verfahren informiert.

– Wer uns auf sexuelle Übergriffe

oder auch nur auf ungute Gefühle

in diesem Bereich aufmerksam

macht, wird vor negativen Konsequenzen

geschützt.

– Bei Unsicherheit, ob eine Gefährdung

besteht, richten wir Vorsichtsmassnahmen

ein.

– Bei neuen MitarbeiterInnen und

FunktionärInnen, die mit Kindern

oder Jugendlichen in Kontakt

kommen, informieren wir uns bei

früheren Stellen über ihr Verhalten

mit Kindern und Jugendlichen.

Projektteam

Felix Wettstein | Susanne Anliker | Holger

Schmid, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW,

Institut Soziale Arbeit und Gesundheit

Schlüsselwörter

Sexuelle Ausbeutung | Prävention | Kinder |

Sport | Freizeitbereich

Projektförderung

Evaluation im Auftrag der Fachstelle mira,

Zürich

Projektvolumen

CHF 36 000.–

Projektlaufzeit

November 2008 – Dezember 2009

Kommentar der Fachstelle mira

Aus Sicht der Fachstelle mira war der gesamte

Verlauf der Evaluation – Vorbereitung, Durchführung

und Nachbereitung – ein wichtiger Prozess.

Er gab Anlass zu einer vertieften Auseinandersetzung

und zur fachlichen Reflexion auf unterschiedlichsten

Ebenen. Die Evaluatorin und

der Evaluator haben die Arbeit sehr praxisnah

verfasst. Viele wertvolle Tipps, konkrete Vorschläge

und Ideen wurden umgesetzt, weitere

werden folgen.

Zur Beratung bei Verdachtsfällen: Dank dem

Einbezug von Expertinnen und Experten zur

Beurteilung des Beratungskonzeptes wurden

wertvolle Erkenntnisse gewonnen und aktiv die

kollegiale Vernetzung gefördert. Als eine unmittelbare

Konsequenz wurde das Beratungsangebot

von mira differenzierter formuliert und

klarer abgegrenzt.

Zu den Präventionsmassnahmen: Die Erfahrungen

der Fachstelle mira zeigen, dass die Prävention

sexueller Ausbeutung in Vereinen mit

Qualitätskriterien versehen werden kann, wenn

von politischer Seite genügend Unterstützung

vorhanden ist. Die Erkenntnisse der Evaluation

unterstützen diese Bestrebungen. Insbesondere

der Hinweis, dass die Prävention sexueller

Ausbeutung strukturell in den Vereinen verankert

werden muss, um die Dauerhaftigkeit zu

gewährleisten, ist für Vorstandsmitglieder von

Vereinen ein wichtiges Argument.

Es erfüllt die Mitarbeitenden der Fachstelle mit

Befriedigung, zu wissen, dass das Angebot von

den Nutzerinnen und Nutzern geschätzt wird

und dass die Zufriedenheit mit unseren Dienstleistungen

hoch ist. Das motiviert uns, die gute

Arbeit noch zu verbessern.

Christiane Weinand

Co-Leiterin Fachstelle mira

57


Transformation von Kulturen und Lebenswelten 58

Eine bahnbrechende Audio-Technologie für

die Unterhaltungselektronik

Die 3D-Sound-Technologie von sonic emotion ist die einzige Audio-Technologie für die Unterhaltungselektronik,

die fähig ist, unabhängig von der Hörerposition einen Stereoton in echten 3D-Sound umzuwandeln. Zusammen mit

dem Institut für Mikroelektronik (IME) entwickelte sonic emotion einen Chip, der diese 3D-Sound-Verarbeitung

durchführt.

Von Karl Schenk, Hochschule für Technik FHNW

Die Firma sonic emotion hat Algorithmen

zum holografischen Hören entwickelt.

Damit kann das bekannte «5.1

Home Cinema»-System, das mit einem

Basslautsprecher und fünf im Wohnzimmer

verteilten und verkabelten

Kleinlautsprechern arbeitet, durch eine

einzige Lautsprechereinheit, z. B. unter

dem TV-Gerät, ersetzt werden. Mit

einem kleinen Gerät wird ein verblüffender

3D-Sound-Effekt erzeugt und

das gleiche Raumerlebnis vermittelt.

Projektziel

Die Firma war bisher erfolgreich im

professionellen Markt tätig. Ihr Ziel ist

es, künftig auch für Heimkundinnen

und -kunden Geräte wie Docking Stations

für iPod, iPhone und ähnliche Geräte

sowie Wavebars für TV-Geräte anzubieten.

Um in den hart umkämpften

Consumer-Markt eindringen zu können,

musste sonic emotion den 3D-Sound-

Prozessor in ein ASIC (kundenspezifische

integrierte Schaltung) integrieren.

Nur damit können die hohen

Anforderungen an tiefe Herstellungskosten

und hohen Schutz gegenüber Piraterie

erfüllt werden.

Am IME werden Algorithmen zur Signalverarbeitung

entwickelt und in

ASICs realisiert. Für Mikroelektronik

prädestiniert sind Algorithmen mit

sehr hohen Datenraten wie Bildverarbeitung,

aber auch komplexe Audio-Signalverarbeitungen.

Im vorliegenden

Fall wird das Audiosignal im Zeit- und

Frequenzbereich analysiert, für die verschiedenen

Bereiche unterschiedlich

verarbeitet und schliesslich an sechs

bis acht Lautsprecher geschickt. Mittels

der sogenannten Wellenfeldsynthese

werden Schallwellen erzeugt, die –

anders als beim «5.1 Home Cinema-

System» – unabhängig von der Position

der Hörerin oder des Hörers den Eindruck

erzeugen, dass der Schall von bestimmten

Stellen des Raums kommt.

Projektablauf

Die Firma sonic emotion lieferte den

ursprünglichen Algorithmus. Dieser

musste dann für die Implementation

modifiziert werden, indem die Verarbeitungskette

an die in einem ASIC verfügbaren

Elemente angepasst wurde. Dazu

erhielt das IME Unterstützung durch

das Institut für Automation (IA). Der Algorithmus

wurde in die Hardware-Beschreibungssprache

VHDL umgesetzt,

ähnlich einer Software-Programmiersprache.

Mit Hilfe von Simulationen

mit Questa von Mentor Graphics wurde

laufend verifiziert, dass die VHDL-Beschreibung

funktioniert. Dank einem

«goldenen Modell» des Algorithmus im

Matlab konnte jederzeit die Implementation

überprüft werden.

Als ASICs bezeichnet man integrierte

Schaltungen, die für eine bestimmte

Anwendung entwickelt werden. Damit

unterscheiden sich ASICs von Standard-Bausteinen

wie Operationsverstärkern

oder auch von Mikroprozessoren.

Innerhalb der ASIC gibt es zwei

wichtige Gruppen: Die programmierbaren

Bausteine, sogenannte FPGAs

(Field programmable Gate Array), welche

in grossen Stückzahlen hergestellt

werden und dann mit der anwendungsspezifischen

Logikfunktion programmiert

werden, und Full-Custom ASICs,

also vollständig kundenspezifisch hergestellte

integrierte Schaltungen.

FPGAs sind für kleinere Stückzahlen

optimal, bei grossen Stückzahlen können

die Einmalkosten für die Herstellung

der Produktionsmasken für die

Full-Custom ASICs wirtschaftlich auf

die deutlich billigeren Stückpreise umgelegt

werden. Im vorliegenden Projekt

wurden während der ganzen Entwicklung

sowie für die Nullserie FPGAs eingesetzt,

während für die eigentliche

Massenproduktion Full-Custom ASICs

zum Zuge kommen. Damit kam als zusätzliche

Anforderung an das Projekt

hinzu, dass die Schaltungsbeschreibung

sowohl auf FPGA als auch auf

Full-Custom ASIC implementierbar

sein muss und dabei jeweils das gleiche

Verhalten zeigen soll.

Projektnutzen

Am Projekt arbeiteten in jeder Phase Ingenieure

der Firma sonic emotion wie

auch wissenschaftliche Mitarbeitende

des IME mit.

Nach Abschluss des Projekts soll die

Firma in der Lage sein, Weiterentwicklungen

selbst durchzuführen, aber das

IME steht ihr mit seiner Unterstützung

und seinem Know-how bei Bedarf weiterhin

zur Seite. Zudem konnte mit der

Ausbildung der Mitarbeitenden von sonic

emotion in Mikroelektronik-Design

ein weiteres Projektziel erfüllt werden.

Der 3D-Sound-Prozessor funktioniert

sowohl als FPGA wie auch als Full-Custom

ASIC einwandfrei. Während die

eigentliche Entwicklung bis zum FPGA

das Budget überschritt, konnte die Umsetzung

in den Full-Custom ASIC

schnell und ohne weitere Friktionen erfolgen,

obwohl Schaltungsteile wie die

Fast Fourier Transform (FFT) neu entwickelt

werden mussten. Bereits wurden

einige Zehntausend Chips an Hersteller

von Audiogeräten wie Scott,

Coby und weitere geliefert.

Die Firma sonic emotion wie auch das

IME beurteilen das Projekt trotz des

höheren Aufwands als erfolgreich: Die

anspruchsvolle Aufgabe der Umwandlung

eines idealen Algorithmus in die

FPGA-Technologie, die beim angestrebten

tiefen Kostenziel doch recht

grosse Einschränkungen auferlegte,

konnte mit grösserem Aufwand erfolgreich

durchgeführt werden. Bei sonic

emotion wurde der Wissenstand in Mikroelektronik

und Chipdesign deutlich

erhöht, und das IME verfügt über ein

neues Referenzprojekt von hoher Ausstrahlung.


Abbildung 1: Die Wavebar der Firma Coby kommt als Erste auf den amerikanischen Markt.

Abbildung 2: Mit der 3D-Audio-Technologie der Firma sonic emotion hat man im ganzen Raum

ein perfektes Hörerlebnis.

Projektteam

Dino Zardet | Michael Pichler | Laszlo Arato |

Hanspeter Schmid | Stefan Brantschen, Hoch-

schule für Technik FHNW, Institut für

Mikroelektronik | Bruno Stuber, Hochschule

für Technik FHNW, Institut für Automation |

Matthias Rosenthal | Renato Pellegrini |

Etienne Corteel | Joscha Kunz, sonic emotion

Projektkooperationen

sonic emotion

Schlüsselwörter

3D-Sound | Wellenfeldsynthese | VHDL-Design |

Mikroelektronik | digitale Signalverarbeitung |

Home-Entertainment | Consumer Electronics

Projektförderung

KTI-Projekt 10045.2 PFNM-NM

Projektvolumen

Gesamt-Projektvolumen: CHF 701 800.–

KTI-Bundesbeitrag: CHF 151 500.–

Projektlaufzeit

März 2009 – März 2010

59


Transformation von Kulturen und Lebenswelten

Dreizehn 13 – ein polydisziplinäres Projekt zu Geschichte

und Gegenwart des Badischen Bahnhofs Basel

Ein Schwerpunkt der Abteilung Forschung und Entwicklung der Hochschule für Musik liegt im Bereich «Forschung

durch Musik». Im Experiment «Dreizehn 13» wird der Badische Bahnhof von Künstlerinnen und Künstlern und Geschichtswissenschaftlerinnen

und -wissenschaftlern gleichzeitig erforscht.

Von Michael Kunkel, Musikhochschulen FHNW

Abbildung 1: Die Schalterhalle des Badischen Bahnhofs, frühmorgens am 4. März 2006, vor der Wiedereröffnung

nach abgeschlossener Renovation. (Foto: Peter Fierz)

Im Projekt «Dreizehn 13» sind verschiedene

Arten der Recherche synchronisiert:

Vergangenheit und Gegenwart

des Badischen Bahnhofs sind Gegenstand

künstlerischer wie wissenschaftlicher

Arbeit. Zwei Komponisten reflektieren

die Geschichte und die aktuelle

Situation des Grenzorts in künstlerischen

Arbeiten, die als Eröffnungsproduktion

der Saison 2009/2010 im

Oktober 2009 in der Gare du Nord – und

damit «vor Ort» – in Form eines «visuellen

Oratoriums» präsentiert wurden:

Es handelt sich um die Kompositionen

«῾´Ορος μετέωρος. dramatisches Fragment

mit Aischylos und Euripides» für

Stimmen und Instrumente von Jakob

Ullmann (Hochschule für Musik) und

«Dreizehn 13» für Sprecher, Stimmen,

Instrumente und Elektronik von Daniel

Weissberg (Hochschule der Künste

Bern). Gleichzeitig wird die Geschichte

des Badischen Bahnhofs von Historikern

und Historikerinnen aufgearbeitet

sowie aus der Perspektive des Rückbau-Projekts

des Bahnhofsgebäudes

durch das Unternehmen Fierz Architekten

dargestellt. Alle genannten Teildiskurse

sind verschieden motiviert.

Das Forschungsteam der Hochschule

für Musik und des Historischen Seminars

Basel bringt unterschiedlichste

Modi von Erkenntnisarbeit in produktive

Beziehung und ermöglicht eine epistemologische

Perspektive.

Vor Ort

Welche Möglichkeiten gibt es, einen alten

Bahnhof zum Thema von Neuer Musik

zu machen? Diese Frage ist Ausgangspunkt

für den künstlerischen Teil

des Projekts «Dreizehn 13» über den

seltsamen Deutsch-Schweizer Bahnhof

in Basels Norden (der Titel rührt her

vom Datum der offiziellen Bahnhofseröffnung

am 13. September 1913): Eine

Staatsgrenze führt mitten durch den eigentümlich

überdimensionierten, kryp-

60

tisch untertunnelten Bau des Badischen

Bahnhofs, der als Repräsentationsobjekt

des Grossherzogtums

Baden im Kanton Basel-Stadt konzipiert,

zu Kriegszeiten von Nazi-Verfolgten

als Fluchtpunkt gesucht wurde,

heute moderne Infrastruktur und denkmalgeschützte

Monumentalität zu vereinen

sucht. Grenzkontrollen von Menschen

vorwiegend dunkler Hautfarbe,

die nicht selten in Handschellen abgeführt

werden, erinnern daran, dass der

Schengenraum hier sehr plötzlich zu

Ende sein kann. Nicht nur für Reisende

zwischen der Bundesrepublik Deutschland

und der Eidgenossenschaft ist

diese Grenzsituation zur Alltagserfahrung

geworden, sondern auch für

Liebhaberinnen und Liebhaber der

zeitgenössischen Musik. In der Nordwestschweizer

«Kunststadt» haben seit

2002 Neue Musik-Aktivitäten im peripheren

Grenzort der Gare du Nord in

alten, weitgehend im Originalzustand

erhaltenen Räumlichkeiten des ehemaligen

Erstklass-Buffets ein neues Zentrum

gefunden. Jakob Ullmann und Daniel

Weissberg erhielten den Auftrag,

den Badischen Bahnhof sowohl aus geschichtlicher

Warte als auch unter dem

Akut des Heutigen mittels Musik zu

thematisieren, mithin kompositorisch

zu konstruieren. Auf diese Weise kam

es dazu, dass der Ort nicht nur, wie

sonst meistens, bespielt, sondern auch

zum Sujet des Spiels wurde.

Ohrenarbeit

Im Projekt «Dreizehn 13» offenbart sich

«künstlerische Forschung» auf mehrfache

Weise: Einerseits wird Wirklichkeit

mittels Kunst analysiert, neu konstruiert

und in einem ästhetischen

Resultat zur sinnlichen Vorstellung gebracht

– die Musiker und Musikerinnen

figurieren hier als handelnde, mit

künstlerischen Mitteln «forschende»

Subjekte; gleichzeitig sind eben diese

Musiker und Musikerinnen auch Ob-


jekte einer Forschung, die sich zum Ziel

gesetzt hat, das im künstlerischen Akt

enthaltene implizite Wissen, die «tacit

knowledge», zu artikulieren und die Erkenntnisarbeit

zu dokumentieren und

zu diskutieren. Erst dann kann die

Mehrgleisigkeit des Projektes, in dem

wissenschaftlich-historische, architektonische

und künstlerisch-musikalische

Arbeit in ein produktives Wechselverhältnis

gebracht werden soll,

sinnvoll entstehen. Durch «Dreizehn

13» werden dem zum Glück auch in der

Schweiz gut geölten Uraufführungsbetrieb

nicht nur weitere Werke hinzugefügt.

Ausnahmsweise soll auch der Luxus

von Wahrnehmung und Reflexion

ermöglicht werden, der über das (zumeist

unwiderruflich) letzte Aufführungsdatum

und seine allenfalls

schwache Feuilleton-Resonanz hinaus

reicht. Dass Künstlerinnen und Künstler

nicht nur als selbstbewusst handelnde

Subjekte bestätigt oder kritisiert

werden, sondern in diesem

Experiment auch ein bisschen den Status

eines Versuchskaninchen haben, ist

vielleicht eine Zumutung. Aber beide

Aspekte bedingen einander: Die Objekt-

Perspektive bringt zum Vorschein, wie

künstlerisch handelnde Subjekte Erkenntnis

und Wissen produzieren. In

Anlehnung an den Historiker Karl

Schlögel gilt es dabei zunächst, den

Sinnen, hier natürlich am stärksten den

Ohren, zu trauen und den Hörwinkel

genau auf das sinnliche Phänomen einzustellen,

bevor dessen Präsenz in begrifflicher

Repräsentation vorschnell

aufgelöst wird.

Musik über Grenzen: Zwei Fallstudien

Wie haben sich die Komponisten in diesem

Experiment verhalten? Entstanden

sind zwei künstlerische Konzepte, die

auch den Charakter von Fallstudien besitzen

und als solche den zu untersuchenden

Ort auf äusserst unterschiedliche

Art vorstellen. Gleichwohl

figuriert bei beiden Werken als Ausgangspunkt

der kompositorischen Recherche

jenes für die Situation des

Badischen Bahnhofs besonders charakteristische

Phänomen: die Grenze.

Ullmann verschiebt in «῾´Ορος μετέωρος»

(altgriech. «unsichere» oder «in die

Höhe gehobene Grenze») die Grenzen

einer herkömmlichen musikalischen

Aufführungssituation: Er verbannt fast

alle aufführenden Musikerinnen und

Musiker aus dem Konzertsaal der Gare

du Nord und verteilt sie im Gebäude. So

dringen die komponierten Klänge nahe-

zu ausschliesslich von aussen an das

Publikum und vermischen sich mit den

konkreten Klängen des Bahnhofs, der

Bahnhofumgebung und des Publikums

selbst. Ullmann reflektiert zudem die

Tatsache, dass man sich normalerweise

an einen Bahnhof begibt, um nicht an

diesem Ort zu sein (sondern schnell

fortzureisen), indem er diese widersinnige

Situation umkehrt: Das Publikum

begibt sich in einen ansonsten leeren

Konzertsaal, wo es vergeblich auf das

Erscheinen der Musikerinnen und Musiker

wartet. Diese Musik wurzelt in

der antiken Tragödie, so zum Beispiel

in Euripides´ Drama «Die Hilfeflehenden»,

das von der Abweisung Hilfesuchender

handelt, die vor fremden

Mauern und geschlossenen Grenzen

stehen. Eine solche Grundsituation

wird mit einem Klangraumbewegungskonzept

an einem Ort vergegenwärtigt,

wo sich Ähnliches zugetragen hat und

weiterhin zuträgt. Ullmann bezieht den

Badischen Bahnhof als realen Ort in

seine Arbeit ein und kann deswegen auf

die kompositorische Behandlung von

dokumentarischen Materialien über

den Bahnhof verzichten.

Der Grundimpuls für Weissbergs «Dreizehn

13» liegt in der kompositorischen

Deutung und klanglichen Übersetzung

dessen, was eine bestimmte Grenze zu

verschiedenen historischen Zeiten sein

kann. Er thematisiert zunächst den

Wandel des Status der mitten durch

den Badischen Bahnhof führenden

Grenze (zuerst Grenze zwischen Kanton

und Grossherzogtum, dann zwischen

Nationalstaaten, Kriegsgrenze, Fluchtgrenze,

jetzt virtuell-rassistische Grenze

im Schengenraum), indem er einen

Text über diese Problematik des

Schriftstellers Alberigo Tuccillo musikalisiert.

In diesem Text manifestieren

sich historische Erfahrungen mit der

fraglichen Grenze auf streng unwissenschaftliche

Art: Tuccillo hält sich nicht

an nachprüfbare geschichtliche Faktizität,

sondern an die Wirklichkeit von

Zeitzeugenaussagen, an die Realität

von Erinnerungen («Wirklich ist, was

wirkt»), wodurch nicht nur das Überlieferte,

sondern auch die transformatorische

Kraft der Überlieferung zum

Gegenstand der künstlerischen Darstellung

wird. Entsprechend ist es das

Verschwimmen von Grenzen, das die

musikalische Konzeption massgeblich

prägt, Phänomene der Grenzüberschreitung

werden unmittelbar ins

Klangmedium übersetzt: Übergänge

zwischen Ton und Geräusch, zwischen

61

gesungenem und gesprochenem Wort,

zwischen Textverständlichkeit und

Textunverständlichkeit, allgemein ein

permanentes Morphing zwischen verschiedenen

Klanggestaltungsbereichen

bestimmen die Musik. Dies immer in

konkretem Bezug auf die nahezu

100-jährige, in Einzelaussagen «unsicher»

überlieferte Bahnhofsgeschichte

und -gegenwart. Ferner werden bestimmte

räumliche Resonanzverhältnisse

und Raumproportionen des realen

Bahnhofs auf die Musik übertragen

und verändern sich während des

Stücks. Das Vorgehen einer permanenten

Metamorphose bestimmt auch

die Arbeit an der bildkünstlerischen

Schicht des Werks der Videokünstlerin

Nives Widauer.

Artistic Research

Das Wissen, das aus der künstlerischen

Projektarbeit resultiert, ist vielfältiger

Natur. Zuallererst offenbart es sich in

den spezifischen Wirklichkeitsherstellungen

bezüglich Geschichte und Gegenwart

des Badischen Bahnhofs. Dann

wurden Erkenntnisse produziert, die

die Dimension des Aufführungspraktischen

betreffen: bei Ullmann vor

allem die Kommunikation der in unterschiedlichen

Räumen agierenden, weit

voneinander entfernt postierten Musikerinnen

und Musiker und der Einsatz

von historischen, zum Teil antiken Instrumenten

(Oboe da caccia, Aulos) in

Verbindung mit einem sehr ungewöhnlichen

Tonsystem und einer extrem

strapaziösen Aufführungssituation, bei

Weissberg hauptsächlich die Koordination

von elektronischen und vokalen

bzw. instrumentalen Klängen; ausserdem

mussten bestimmte Verfahren der

Übertragung von räumlichen Resonanzverhältnissen

in Musik entwickelt

werden. In beiden Fällen wurden Lösungen

gefunden und empirisches Wissen

generiert, das dank dem Forschungsprojekt

der zeitgenössischen

und zukünftigen Aufführungspraxis

zur Verfügung steht (vgl. auch das Projekt

der Hochschule für Musik «Der

Schall», 2007–2009). Überdies wurden

andere Fragestellungen und Kontexte

erschlossen, die zum Teil sehr weit

über den ortsspezifischen Ausgangspunkt

hinausführen, etwa: Wie stellt

sich die Basler Situation im Vergleich

mit anderen historischen «Grenzbahnhöfen»

dar (z. B. «Berlin-Friedrichstrasse»)?

Wie lassen sich an einen bestimmten

Aufführungsort gebundene

Live-Situationen medial sinnvoll ver-


Transformation von Kulturen und Lebenswelten

mitteln bzw. reproduzieren? Auf welche

Weise ist der Gebrauch bestimmter

Tonorte historisch konditioniert? Wie

konstituiert sich Wirklichkeit in subjektiver

Erinnerung? In welchem Verhältnis

stehen historische Kategorien

wie Einzelschicksal und kollektives Gedächtnis?

Dies entspricht dem Verständnis

einer Wissenschaft, die ihren

Gegenstand paradigmatisch auffasst,

um von ihm ausgehend allgemeinere

Perspektiven zu gewinnen.

Mit diesem experimentell-empirischen

Ansatz ist es möglich, die Phänomene

Bahnhof und Grenze auf sehr verschiedene

Weisen zu reflektieren, die der

rein begrifflichen Erkenntnis verschlossen

bleiben müssen: In beiden

Fällen resultieren aus der künstlerischen

Analyse bestimmte Wahrnehmungssituationen,

die etwas transportieren,

das sich beispielsweise in einer

verbal-diskursiven Untersuchung von

Grenzziehungen in Geschichte und Gegenwart

nicht mitteilen lässt. Auf die

Frage nach dem Gegenstand des Erkenntnisinteresses

antwortet Daniel

Weissberg: «Der Gegenstand des Erkenntnisinteresses

ist das, was sich der

Benennung des Gegenstands entzieht.»

Deshalb müssen im Projekt «Dreizehn

13» Alternativen zur wissenschaftlichen

«Benennung» gefunden werden.

Ziel der Projektarbeit ist daher zunächst,

den künstlerischen Rechercheprozess

transparent zu machen und

dessen Arbeitstechniken sowie dessen

Ergebnisse in Ton und Bild zu dokumentieren

und zu kommentieren, um

sie dadurch mit traditionell in und mit

Begrifflichkeit operierenden wissenschaftlichen

Erkenntnistechniken in

Beziehung zu setzen.

Nicht ganz zu Unrecht ist das Konzept

«Forschung durch Kunst» – zumal bei

den etablierten akademischen, oft philologisch

ausgerichteten Kunstwissenschaften

– umstritten, und es gehört

zum Selbstverständnis einer noch jun-

Abbildung 2: Der Aulode Conrad Steinmann spielt in Jakob Ullmanns «Ὅροϛ μ ετέωροϛ» im «Hades» des

Badischen Bahnhofs, zwischen Abort der Bar du Nord und Zigarettenautomat. (Foto: Ute Schendel)

gen praxisorientierten Disziplin wie

der Forschung an Kunsthochschulen,

dass sie über keinen festen Forschungsbegriff

verfügt, sondern produktiv um

ihn ringen muss. Vorläufig hat die

Hochschule für Musik pragmatische

Orientierung gewonnen, die keinerlei

Allgemeingültigkeit beansprucht: «Forschungsähnliche»

Vorgehensweisen in

der Kunst legitimieren nicht ohne Wei-

62

teres die Gleichsetzung von Forschung

und Kunst; von «Forschung durch

Kunst» kann gesprochen werden, wenn

a) Künstlerinnen und Künstler sich das

Ziel eines Erkenntnisgewinns setzen

und b) implizites künstlerisches Wissen

in Forschungsarbeit expliziert wird,

um im künstlerischen Kontext praktisch

applizierbar oder in der Wissenschaft

diskutierbar gemacht zu werden.


Abbildung 3: Uraufführung von Daniel Weissbergs «Dreizehn 13» mit Silvester Hösslin, den Basler Madrigalisten,

dem Mondrian Ensemble Basel unter Leitung von Francesc Prat und mit einer Videoprojektion

von Nives Widauer. (Foto: Ute Schendel)

Diese Bedingungen sind im Projekt

«Dreizehn 13» wie in anderen Projekten

des Basler Forschungsschwerpunkts

«Forschung durch Musik» erfüllt. Ein so

umrissener Forschungsbegriff muss in

weiterer empirisch-praktischer Arbeit

ständig überprüft, umgeformt und verfeinert

werden.

«Spatial Turn» und «rollende Planung»

In Interaktion zur «Artistic Research»

treten in «Dreizehn 13» die Verfahrensweisen

der Geschichtswissenschaft

und der Architektur: Die Forschenden

des Historischen Seminars der Universität

Basel fokussieren aus je unterschiedlichen

Perspektiven in der Analyse

des Bahnhofs die Kategorie «Raum»:

Raum als Kategorie, aber auch als methodisches

Instrument, das im Englischen

«Spatial Turn» genannt wird, ist

in den letzten Jahren wieder ein wichtiger

Aspekt historiografischer Betrachtungen

geworden – vor allem auch

als eine mögliche komplementäre Perspektive,

ergänzend zu einer rein chronologischen

Darstellung und Wahrnehmung

von Geschichte. Damit kann die

Geschichte des Badischen Bahnhofs in

einen sehr konkreten, bau- und institutionsgeschichtlichen

Zusammenhang,

aber auch in einen narrativen Kontext

gestellt werden, nämlich der Erzählung

über den Bahnhof. Hierbei wird im Falle

des Badischen Bahnhofs die Benutzung

des Raumes als Motor deutlich,

als Konstruktion eines Ortes, aber auch

als physisches und metaphysisches

Schaffen einer Grenze. Den verschiedenen

im Projekt sich entfaltenden his-

torischen Ansätzen ist gemeinsam,

dass sie Raum auch als Kategorie eines

lebensweltlichen Blicks, ausgehend von

den Menschen in dem beschriebenen

Raum, verstehen, was auch im Kontext

des Themenfelds «Oral History» erarbeitet

wird (hier liegt ein interessanter

Berührungspunkt zur «unwissenschaftlichen»

Textarbeit Tuccillos).

Der Badische Bahnhof wurde in den

mittlerweile beinahe hundert Jahren

seiner bewegten Nutzungsgeschichte

auch baulich mehrfach umgeformt.

Dieser Vorgang ist nicht abgeschlossen,

sondern wird unter anderen Vorzeichen

weitergeführt. Ziel des Architekten Peter

Fierz ist es, die Erkenntnisse der

Baugeschichte und die erhaltenswerte

Bausubstanz in den Planungsprozess

(«rollende Planung») einzubringen, um

künftige Nutzungskonzepte betrieblich

und architektonisch abzustimmen und

zu optimieren.

Die umfassende Darstellung der hier

angedeuteten Perspektiven erfolgt in

einer multimedialen Publikation, die

2011 im Pfau-Verlag, Saarbrücken, erscheint,

nach abgeschlossener Renovation.

Projektteam

Benjamin Federer | Michael Kunkel, Hochschule

für Musik | Peter Fierz | Anna Liesch |

Desirée Meiser | Erik Petry | Francesc Prat |

Julia Richers | Katrin Rieder | Ute Schendel |

Alberigo Tuccillo | Jakob Ullmann | Regina

Wecker | Daniel Weissberg | Nives Widauer

Projektkooperationen

Basler Madrigalisten | Fierz Architekten, Basel |

Gare du Nord/Bahnhof für Neue Musik, Basel |

Mondrian Ensemble Basel | Pfau-Verlag, Saar-

brücken | Staatsarchiv Basel | Universität Basel,

Seminar für Jüdische Studien/Historisches

Seminar

Schlüsselwörter

Artistic Research | Tacit Knowledge | Spatial

Turn | Multidisziplinarität | Zeitgenössische

Musik/Aufführungspraxis der zeitgenössischen

Musik | Kunst- und Wissensvermittlung |

Epistemologie | Zeitgeschichte | Lokalgeschichte

| Baugeschichte

Projektförderung

Musikhochschulen FHNW | Universität Basel |

Fachausschuss BL/BS | Pro Helvetia | Migros

Kulturprozent | Stanley Thomas Johnson

Stiftung | Ernst Göhner Stiftung | Artephilia

Stiftung

Projektvolumen

CHF 269 300.–

Projektlaufzeit

20092011

63


Transformation von Kulturen und Lebenswelten 64

Die Konstruktion der Welt: Der Geschlechterblick

in der Forschung

Die Geschlechterforschung hat die Wissenschaft in den letzten Jahren grundlegend verändert. Dabei zeigt sich eine

differenzierte Betrachtung, welche anerkennt, dass Geschlechterunterschiede verschiedene Wirklichkeiten erzeugen,

kann eine Bereicherung darstellen und neue Erkenntnisse ermöglichen.

Von Ursula Meyerhofer, Stab FHNW

Die Geschlechterforschung ist eine Bereicherung

für die Forschung. Sie hat

die Transformation von Forschung, wie

sie für eine moderne Wissenschaft in

Zukunft konstitutiv ist, bereits vorweggenommen.

So hat die Geschlechterforschung

von Anfang an versucht, den auf

eine männliche Weltsicht fixierten Blick

in der Wissenschaft zu hinterfragen;

sie stellt den Fokus auf konstruierte

und relative Wahrheiten ein und scheut

nicht vor Trans- und Interdisziplinarität

zurück. Geschlechterforschung ist

demnach ganz auf die Zukunft ausgerichtet

– eine Zukunft, in der sich die

Wissenschaftspraxis Relevanzfragen

stellen muss.

Die seit wenigen Jahrzehnten im

deutschsprachigen Raum praktizierten

Ansätze von Geschlechterforschung begannen

mit dem Blick auf Frauen als

Akteurinnen oder Betroffene. Schliesslich

wandelte sich der methodische Zugriff

zur Geschlechtergeschichte. Diese

reflektiert gesellschaftliche Konstruktionen

unter Einbezug der Geschlechterverhältnisse

kritisch und legt gegenseitige

Abhängigkeiten offen.

Leistungen der Geschlechter-

forschung

Es wird also nicht mehr davon ausgegangen,

dass das, was für ein Geschlecht

gilt, auch für das andere bestimmend

ist, sondern dass Unterschiede

verschiedene Wirklichkeiten

erzeugen. Eine Erkenntnis aus der Geschlechterforschung

ist zum Beispiel,

dass Zuschreibungen und Wahrnehmungen

ändern, dass z. B. Berufe, die

heute als Frauenberufe gelten, früher

Männerberufe waren (z. B. Krankenpfleger).

Dadurch wird auch zur Kenntnis

gebracht, dass eine «Vergeschlechtlichung»

eines Berufs diesen herabmindern

kann, wie es mit dem Schlagwort

der Feminisierung für ganze Berufszweige

geschieht (Lehrberufe, Arzt-/

Tierarztausbildungen).

Aus diesem Grund spricht man von

Konstruktion von Wahrnehmungen, die

als gegeben erscheinen, es aber nicht

sind. So wird die Konstitution von etwas

augenscheinlich Objektivem neu

verstanden als etwas, das geschlechtsspezifisch

begründet ist: z. B. der Beruf

Ingenieur, der im ausgehenden 19. Jahrhundert

entstand und als klassische

Männerdomäne gilt.

Der Blick auf die Konstruktion vergeschlechtlichter

Welten ermöglicht auch

neue Erkenntnisse im Bereich der Frühund

Urgeschichte. So widersprechen

Forschende dem Theorem, dass Männer

als Jäger und Frauen als Sammlerinnen

zu gelten haben.Vermeintlich bekannte

Tatbestände erweisen sich als Ideen,

die den Köpfen der (männlichen) Forscher

des 19. Jahrhunderts entsprungen

sind. So sind Frauen mitnichten ausschliesslich

als Sammlerinnen tätig gewesen,

und mitnichten – dies ein Beispiel

aus der Zoologie – sind es männliche

Gorillas, die sich einen weiblichen

Harem leisten, sondern die

Gorilla-weibchen sind promiskuitiv.

Bedeutsamer für unser Alltagsverständnis

sind Erkenntnisse, die geschlechtsspezifisch

konnotierte Fähigkeiten

betreffen: So ist es bei Weitem

nicht so, dass von «natürlichen Begabungen»

ausgegangen werden kann,

sondern von Fähigkeiten, die direkt von

Zuschreibungen abhängig sind. Mittels

Experimenten lässt sich nachweisen,

dass nach gezielter Entmutigung Probanden

und Probandinnen entsprechend

schlechtere Resultate aufweisen.

Mathematische Begabungen und Interessen

hängen von der eigenen geglaubten

Selbstwirksamkeit und von

Zuschreibungen von aussen ab. Die Zuschreibung

von Geschlechtereigenschaften

erfolgt traditionell nach aufwertenden

und abwertenden Eigenschaften

(im Sinne von männlich und

weiblich oder auch inländisch und

fremdländisch). So ist festgestellt wor-

den, dass naturwissenschaftliche Begabung

eben kein Geschlecht hat. In

diesem Sinn hat die moderne Geschlechterforschung

mit Mythen der

letzten 200 Jahre aufgeräumt.

Erhellend ist die Geschlechterperspektive

auch, wenn sie die Leistungsbemessung

und Rekrutierungsprozesse in

der Arbeitswelt adressiert: So führen

unterschiedliche Selbstbeurteilungsstrategien

dazu, dass Leistung verschieden

wahrgenommen und belohnt

wird, und zwar ungeachtet der real erbrachten

oder potenziell zu erbringenden

Leistung.

Schlüsse für die Praxis

Daraus ergibt sich z. B., dass ein technischer

Beruf in der Ausbildung anders

aufgestellt werden muss, wenn ihn

mehr Frauen ergreifen sollen. Wird der

Aspekt der Dienstleistung und Verbindung

von Mensch und Technik hervorgehoben,

bewerben sich mehr Frauen.

Es gibt also geschlechtsspezifische Neigungen

und Zugehensweisen – diese

sagen aber nichts über die «objektive»

Fähigkeit aus. Darüber hinaus müssen

weibliche Vorbilder geschaffen werden,

damit für die Betroffenen eine solche

Berufswahl mit ihrem sozialen Selbstbild

vereinbar ist. Demgegenüber werden

in jüngster Zeit vermeintlich weibliche

Berufe verstärkt für Männer

attraktiv gemacht. Die Vielfältigkeit

und Herausforderung, mit Kindern zu

arbeiten, soll auch für Männer als Beruf

infrage kommen dürfen.

Geschlechterspezifische Forschungsfragen

sind deshalb für jeden Bereich

relevant, wo etwas entwickelt oder untersucht

wird. Es geht immer darum,

auszuschliessen, dass ein Blickwinkel

verloren geht. Dies gilt z. B. bei der Entwicklung

von Gütern und Dienstleistungen.

Die geschlechtsspezifische

Nutzung wird immer eine Rolle spielen.

Der Mehrwert sind bessere und optimierte

Produkte und die Berücksichti-


gung, dass auch beim Erwerb von Produkten

beide Geschlechter spezifisch –

und teilweise «untypisch» – vorgehen.

Zahlreiche Forschungsergebnisse deuten

darauf hin, dass erst eine hinreichende

Mischung von verschiedenen

Gruppen zu einer optimalen Qualität

des Produktes führt und Innovation gefördert

wird.

Die Innovationskraft der Geschlechtsforschung

nährt sich daraus, dass damit

die homosoziale Haltung überwunden

werden kann – also nicht einfach

das zu wählen, was man schon kennt,

sondern über den eigenen Schatten zu

springen und einmal das Ungewohnte

und Unbequeme zu wagen. Die FHNW

verfügt über zahlreiche Forschende

und Dozierende, die über Kompetenzen

in Gender Studies und über eine hohe

Sensibilität für Gender-Fragen und Diversity

verfügen.

Projektinformationen

Das Bundesprogramm Chancengleichheit

fördert Gender Studies an den Fachhoch-

schulen. Im Zuge der aktuellen Programm-

periode 2008–2011 werden Forschungen zur

Geschlechterthematik bzw. die Integration

der Geschlechterperspektive vom Bundesamt

für Bildung und Technologie (BBT) unterstützt.

An der FHNW wird speziell die Vernetzung

unter den Forschenden unter diesem Aspekt

gefördert.

www.bbt.admin.ch/themen/hochschulen/

00218/00230/index.html?lang=de

65


Transformation von Kulturen und Lebenswelten 66

Literaturverzeichnis

S. 50

eMotion – das Kunsterlebnis sichtbar machen

– Groys, B. (1998). Das Versprechen der Fotografie. In: Sabau,

L. (Hg.). Katalog zur Ausstellung «Das Versprechen der Fotografie»:

die Sammlung der DG Bank. München: Prestel.

S. 56

Prävention sexueller Ausbeutung im Freizeitbereich –

Evaluation zu Angeboten der Fachstelle mira

– Bange, D., Deegener, G. (1996). Sexueller Missbrauch an Kindern.

Ausmass, Hintergründe, Folgen. Weinheim: Belz.

– Eberle, S., Leiser, A. (2004). Handeln, bevor es brennt. In:

Elmer, C., Maurer, K., Dietler, S. (Hg.). Stark sein allein genügt

nicht. Prävention sexueller Ausbeutung von Mädchen

und Jungen. Basel: Lenos.

– Rulofs, B. (2007). Schweigen schützt die Falschen. Sexualisierte

Gewalt im Sport – Situationsanalyse und Handlungsmöglichkeiten.

Duisburg: Innenministerium des Landes

Nordrhein-Westfalen.

S. 60

Dreizehn 13 – ein polydisziplinäres Projekt

zu Geschichte und Gegenwart des Badischen

Bahnhofs Basel

– Borgdorff, H. (2006). The Debate on Research in the Arts,

Bergen National Academy of the Arts. In: Sensuous Knowledge.

Focus on Artistic Research and Development, Nr. 02.

– Haumann, H., Petry, E., Richers, J. (Hg.) (2008). Orte der Erinnerung.

Menschen und Schauplätze in der Region Basel

1933–1945. Basel: Christoph Merian Verlag.

– Kunkel, M., Papiro, M. (Hg.) (2009). Der Schall. Mauricio Kagels

Instrumentarium. Saarbrücken: Pfau.

– Schlögel, K. (2003). Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte

und Geopolitik, Frankfurt am Main: Fischer.

– Ullmann, J. (2006). logos agraphos. Die Entdeckung des

Tones in der Musik. Berlin: Kontext.

S. 62

Die Konstruktion der Welt: Der Geschlechterblick

in der Forschung

– Liebig, B., Dupuis, M., Ballmer-Cao,T. H., Maihofer, A., (Hg.).

Gender Studies in Ausbildun und Arbeitswelt. Das Beispiel

Schweiz. Zürich: Seismo.

– Stöcker, M. (Hg.) (2007). Das F-Wort. Feminismus ist sexy.

Königstein/Taunus: Ulrike Helmer.

– Bührer, S., Schraudner M. (Hg.) (2006). Gender-Aspekte in

der Forschung. Wie können Gender-Aspekte in Forschungsvorhaben

erkannt und bewertet werden? Fraunhofer IRB

Verlag Stuttgart.

– Fried, A., Wetzel, R., Baitsch, C. (2000). Wenn zwei das Gleiche

tun ... Diskriminierungsfreie Personalbeurteilung. Zürich:

vdf.

– Baitsch, C., Steiner E. (2004). Zwei tun das Gleiche. Kommunikation

zwischen Frauen und Männern im Berufsalltag.

– Osterloh, M., Wübker, S. (1999). Wettbewerbsfähiger durch

Prozess- und Wissensmanagement: mit Chancengleichheit

auf Erfolgskurs. Wiesbaden: Gabler.


Projektstatistik

69


Projektstatik

Erfreulich für den Leistungsbereich Forschung ist, dass trotz

der schwierigen Wirtschaftslage im Jahr 2009 die Forschungsleistung

der FHNW weiter ausgebaut werden konnte.

So erreichte der Forschungsumsatz erstmals CHF 60 Mio.,

wobei der Anteil der Akquirierten Drittmittel bei rund CHF

27 Mio. lag.

Die Analyse der Kennzahlen zeigt wie schon in den Vorjahren

die starke regionale und nationale Verankerung der Forschung

der FHNW. So werden zum Beispiel 22 Prozent der

über 690 laufenden Forschungsprojekte der FHNW in Rahmen

von KTI-Projekten durchgeführt, wobei der Partner einen

Eigenanteil von 50 Prozent erbringt. Dies entspricht

rund einem Drittel des Forschungsvolumens der FHNW.

Ein weiteres Standbein bildet die Forschungszusammenarbeit

mit Dritten, d. h. Partnerinnen und Partnern aus der

Wirtschaft und Gesellschaft. Hierzu zählen auch die zahlreichen

Forschungsarbeiten, die in Kooperation mit Gemein-

FHNW

Forschungsumsatz 1)

Anteil am FHNW-

Gesamtumsatz

Akquirierte

Drittmittel 2)

Anteil Drittmittel am

Forschungsumsatz

700

600

500

400

300

200

100

0

Anzahl Projekte FHNW

2006

CHF 52.0 Mio.

17%

CHF 18.5 Mio.

36.6%

1) Vollkosten

2) Drittmittel (Erträge) ohne Trägerbeiträge/Globalbudgetanteile

2007

2006 2007 2008 2009

alle Projekte neu eröffnete

> 50 T CHF > 50 T CHF neu eröffnete

Unterteilung in Projektvolumen gemäss BBT-Kriterien.

CHF 53.4 Mio.

17%

CHF 22.4 Mio.

41.9%

den und anderen öffentlichen Institutionen durchgeführt

werden.

Für die internationale Vernetzung der FHNW bietet das laufende

siebte Rahmenprogramm der Europäischen Union hervorragende

Möglichkeiten. Auch hier bestätigen die Kennzahlen

das hohe Niveau der Forschung an der FHNW und die

internationale Konkurrenzfähigkeit.

Finanziert wird die Forschungstätigkeit der FHNW durch:

– die Trägerbeiträge der Kantone Aargau, Basel-Landschaft,

Basel-Stadt und Solothurn;

– eine Basisfinanzierung des Bundesamtes für Berufsbildung

und Technologie (Sockelbeitrag);

– Beiträge von privaten und öffentlichen Forschungsförderungsinstitutionen

und Stiftungen;

– Beiträge der Praxispartnerinnen und -partner.

An dieser Stelle gilt der Dank allen, die durch die finanzielle

Unterstützung die Forschungsprojekte ermöglichen.

2008

CHF 55.1 Mio.

16%

CHF 25.5 Mio.

46.2%

2009

CHF 60.5 Mio.

15%

CHF 27.0 Mio.

45.0%

70

APS Hochschule für Angewandte Psychologie

HABG Hochschule für Architektur,

Bau und Geomatik

HGK Hochschule für Gestaltung und Kunst

HLS Hochschule für Life Sciences

MHS Musikhochschulen

PH Pädagogische Hochschule

HSA Hochschule für Soziale Arbeit

HT Hochschule für Technik

HSW Hochschule für Wirtschaft


T CHF

Verteilung der Projektanzahl an der FHNW nach Förderinstitutionen 2009

8 000.0

7 000.0

6 000.0

5 000.0

4 000.0

3 000.0

2 000.0

1 000.0

0

Internat. Zusammenarbeit; 2%

Sammlerprojekte Forschung; 6%

Forschung Ämter; 12%

Forschung Dritte; 42%

Verteilung der Erträge der FHNW nach Förderinstitutionen 2009

Internat. Zusammenarbeit; 4%

Sammlerprojekte Forschung; 1%

Forschung übrige Ämter; 12%

Forschung Dritte; 42%

Erträge pro Hochschule

APS HABG HGK HLS MHS PH HSA HT HSW

2006 2007 2008 2009

Anzahl

250

200

150

100

50

0

Projekte pro Hochschule

EU FP; 3%

div. Programme EURaum; 1%

SNF; 2%

KTI; 22%

SNF DoRe; 5%

Nat. Kompetenznetze; 2%

Forschung FHNW; 3%

EU FP; 5%

div. Programme EU-Raum; 2%

SNF; 1%

KTI; 30%

SNF DoRe; 9%

Nat. Kompetenznetze; 1%

APS HABG HGK HLS MHS PH HSA HT HSW

2006 2007 2008 2009

71


Kontaktliste 72

Institut Kompetenzen Forschungsfelder Ansprechpartner

Hochschule für Angewandte Psychologie (APS)

Prof. Dr. Christoph Clases

T +41 62 388 25 99

christoph.clases@fhnw.ch

– Analyse und Gestaltung von Kooperationsprozessen

in und zwischen

Organisationen

– Wissensmanagement

– Neue Medien in Bildung und Arbeit

– Vertrauen und Konflikte in

Organisationen

– Organisationsdiagnostik und

-entwicklung

– Teamdiagnose und Teamentwicklung

– Analyse und Gestaltung komplexer,

grenzüberschreitender Kooperationsprozesse

in den Bereichen Wissensmanagement,

interdisziplinäre und

professionelle Kooperation

– Kooperation in Unternehmensnetzwerken

und virtuellen Unternehmen

– Einsatz Neuer Medien in der

Kooperation

– Interkulturelle Kooperation

– Soziotechnische Netzwerkanalyse

und Networking

Institut für Kooperationsforschung

und -entwicklung (ifk)

Prof. Dr. Adrian Schwaninger

T +41 62 286 03 28

adrian.schwaninger@fhnw.ch

– Analyse und Gestaltung soziotechnischer

Systeme und von Mensch-

Maschinen-Systemen

– Sicherheit und Human Factors

– Entscheidung und Risiko

– Arbeit und Gesundheit

– Analyse und Gestaltung des

komplexen Zusammenwirkens von

Mensch, Technik und Organisation

mit folgenden Zielen:

– Sicherheit und Zuverlässigkeit der

Systeme

– Gesundheit und Handlungsfähigkeit

der Menschen

Institut Mensch in komplexen

Systemen (MikS)

Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik (HABG)

Prof. Matthias Ackermann

T +41 61 467 42 72

matthias.ackermann@fhnw.ch

Das künftige Wohnhaus, nachhaltige

Siedlungsentwicklung

Wohnungsbau

Institut Architektur (IARCH)

Prof. Dorothee Huber

T +41 61 467 42 72

dorothee.huber@fhnw.ch

Jüngere Architekturgeschichte,

Siedlungsbau der Moderne

Architekturgeschichte, Städtebau

Yvonne Kocherhans

T +41 61 467 42 72

yvonne.kocherhans@fhnw.ch

Vernakuläre Architektur, rurale

Siedlungen und Kulturlandschaften

Kulturgeschichte


Prof. Marco Della Chiesa

T +41 61 467 42 72

marco.dellachiesa@fhnw.ch

Mensch, Gesellschaft, Raum

Wohnsoziologie und Wohnpsychologie

Soziologie

Prof. Dr. Harald Schuler,

Dr. Françoise Beltzung,

Thomas Wenk

T +41 61 467 42 42

harald.schuler@fhnw.ch

francoise.beltzung@fhnw.ch

thomas.wenk@fhnw.ch

– Betonbauteile ohne Stahlbewehrung

– Polymerbetone, Beton mit Schaumglas

Baustofftechnologie und Bauteileprüfung

Institut Bauingenieurwesen (IBAU)

Prof. Francesco Valli

T +41 61 467 42 42

francesco.valli@fhnw.ch

– Lastabtragung im Erdreich

– Einsatz von Kunststoffen

– Numerische Modellierung mit der

Finite­Elemente­Methode

– Durchlässe in profiliertem Kunststoff

– Nachhaltigkeit von Bauprojekten

Prof. Dr. Peter Gonsowski

Dr. Cinzia Miracapillo­Jauslin

T +41 61 467 42 42

peter.gonsowski@fhnw.ch

cinzia.miracapillo@fhnw.ch

– Ausbreitung von Schadstoffen in

wassergesättigtem Boden

– Untersuchung der Wirkung von

unvollkommenen Dichtungswänden

auf den Transportprozess

Grundwassermodellierung in städtischen

und industriellen Gebieten

Prof. Dr. Reinhard Gottwald

T +41 61 467 43 39

reinhard.gottwald@fhnw.ch

– Hochpräzisions­Messtechnologien

– Statische und dynamische Lasermesstechnologien

– Berührungslose und taktile 3D­Messverfahren

3D­Messtechnik

Institut Vermessung und

Geoinformation (IVGI)

Prof. Beat Sievers

T +41 61 467 45 09

beat.sievers@fhnw.ch

– GNSS­Positionierung, kombiniert

mit Geodiensten

– Geo­Monitoring

– Homogenisierung von Fixpunktfeldern

GNSS (Global Navigation Satellite

Systems)

Prof. Hans­Jörg Stark

T +41 61 467 46 05

hansjoerg.stark@fhnw.ch

– OpenSource GIS

– Geo­Marketing

– Web Mapping

– Individuelle GIS­Fragestellungen

Geografische Informationssysteme

Prof. Dr. Stephan Nebiker

T +41 61 467 43 36

stephan.nebiker@fhnw.ch

– Webbasierte 3D­Geodienste

– Geo Content Management

– Virtual und Augmented Reality

– Geo Sensor Web

Interaktive 3D­Geoinformationstechnologien

73


Kontaktliste 74

Institut Kompetenzen Forschungsfelder Ansprechpartner

Prof. Armin Binz

T +41 61 467 44 94

armin.binz@fhnw.ch

– Minergie und Minergie­P

– Vakuum­Isolationen

– Konstruktion der Gebäudehülle

Institut Energie am Bau (IEBAU) Energieeffizientes Bauen

Prof. Armin Binz

T +41 61 467 44 94

armin.binz@fhnw.ch

Nachhaltige Stadt­, Siedlungs­ und

Quartierentwicklung, Umsetzung des

Konzepts der 2000­Watt­Gesellschaft

Nachhaltige Siedlungsentwicklung

Prof. Dr. Thomas Afjei

T +41 61 467 43 49

thomas.afjei@fhnw.ch

Heizen und Kühlen mit Wärmepumpen,

Klein­Wärmepumpensysteme für

Niedrigenergiehäuser

Betriebliche Energieoptimierung

Prof. Dr. Thomas Afjei

T +41 61 467 43 49

thomas.afjei@fhnw.ch

Optimierte Druckluftversorgungssys ­

systeme, Energieoptimierung in Gewerbeund

Dienslleistungsbetrieben

Umweltwärmenutzung und Wärmepumpensysteme

Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK)

Prof. Martin Wiedmer

T +41 61 695 63 47

martin.wiedmer@fhnw.ch

– Entwurfsforschung

– Bildforschung

– Künstlerische Forschung

und Kunstvermittlung

Designforschung

Kunstforschung

Institut Design- und Kunstforschung

(IDK)

Hochschule für Life Sciences (HLS)

Prof. Dr. Gerhard Grundler

T +41 61 467 42 47

gerhard.grundler@fhnw.ch

– Biochemie, Bioanalytik und

Diagnostik

– (Bio­)Nanotechnologie und

instrumentelle Analytik

– Organische Synthese und Chemical

Engineering

– Biochemie, Bioanalytik und Diagnostik

– Molekulare Diagnostik und

Präklinische Medikamententwicklung

– (Bio­)Nanotechnologie

– Instrumentalanalytik

– Molekulare Erkennung und Organound

Biokatalyse

– Organische­ und Metallorganische

Synthese

– Synthese/Nachhaltige Entwicklung

– Chemical Engineering

Institut Chemie und Bioanalytik (ICB)


Prof. Dr. Philippe Corvini

T +41 61 467 43 44

philippe.corvini@fhnw.ch

– Ressourcenmanagement und

Cleaner Production

– Ökotoxikologie

– Umwelt(bio)technologie und

Umwelttechnik

– Umwelttechnik/Clean Technologies

– Ressourcenmanagement

– Ökotoxikologie

– Cleaner Production in Betrieben (CP)

– Umweltbiotechnologie/-Mikrobiologie

– Green Chemistry

Institut Ecopreneurship (IEC)

Prof. Dr. Erik Schkommodau

T +41 61 467 42 46

erik.schkommodau@fhnw.ch

– Implantate und Chirurgische Systeme

– Biomedizinische Informationssysteme

– Medizinische Bild- und

Signalverarbeitung

– Medizinische Bildverarbeitung

– Biosignalverarbeitung

– Visuelle Analytik

– Telemedizin

– Computerunterstützte Chirurgie

– Datenanalyse und Modellierung

– Medical Rapid Prototyping

– Materialografie

– Tiefenhirnstimulation

– Medical Embedded Systems

Institut Medizinal- und Analysetechnologie

(IMA)

Prof. Dr. Georgios Imanidis

T +41 61 467 46 80

georgios.imanidis@fhnw.ch

– Arzneimittelformulierung

– Drug Delivery

– Verfahren und Produktionsprozesse

– Intestinale und (trans-)dermale

Wirkstoffabsorption und Drug Delivery

– Rationale Formulierungsentwicklung

und Arzneiformenherstellung

– Drug Targeting und Pharmakokinetik

– Verfahrensentwicklung, Produktionsplanung

und Projektmanagement

Institut Pharma Technology (IPT)

Musikhochschulen

Dr. Michael Kunkel

T +41 61 264 57 35

michael.kunkel@fhnw.ch

– Grundlagenforschung

– Laboratorium: Interpretation Neuer

Musik

– Instrumentarium der Neuen Musik

– Kommunikation Mensch und Maschine

– Improvisation

Neue Musik/Zeitgenössische Musik

Hochschulen für Musik Basel

Abteilung Forschung und

Entwicklung

– Praxisorientierte Skizzenforschung

– Konnex:

Musikdenken/Musikmachen

– Vergegenwärtigung von

Zeitgeschichte mittels Musik

Forschung durch Musik

75


Kontaktliste 76

Institut Kompetenzen Forschungsfelder Ansprechpartner

– Lehr-Lern-Forschung, Fachdidaktik

und Fachmethodik

– Videodokumentation für Lehre,

Forschung und Weiterbildung

– Gehörforschung

– Rhythmus und Heilung

Pädagogische Forschung

Abteilung Forschung und

Entwicklung

Prof. Dr. Regula Rapp

T +41 61 264 57 40

regula.rapp@fhnw.ch

– Angewandte historische Musikwissenschaft

– Erforschung der historischen Musikpraxis

vom Mittelalter bis zur

Romantik

– Forschungen zum Zusammenhang von

Satzlehre, Notation und Interpretation

– Barockoper als musikalisches und

soziokulturelles Phänomen

– Improvisation, Komposition und

Werkbegriff in der Alten Musik

– Erforschung und Rekonstruktion

historischer Instrumente, ihrer

Spielweise und ihres Repertoires

– Analyse, stilistische Einordnung

und Datierung von Kompositionen

in gedruckten und handschriftlichen

Quellen

– Wissenschaftlich-praktische Editionen

von Musikwerken vom Mittelalter

bis zum 19. Jahrhundert

– Bibliografie der Schriften zur historischen

Musikpraxis

– Herausgabe des «Basler Jahrbuchs

für historische Musikpraxis»

– Bereitstellung und Aufbereitung von

Quellen für die musikalische Praxis

– Durchführung von Symposien und

Studientagen zu praxisbezogenen und

kulturgeschichtlichen Themen

– Umfangreiche Mikrofilm- und

Tonträgersammlung

Schola Cantorum Basiliensis

Hochschule für Alte Musik

Pädagogische Hochschule

Prof. Dr. Andrea Bertschi-Kaufmann

T +41 62 832 02 70

F +41 62 836 04 69

andrea.bertschi@fhnw.ch

– Berufsfeldorientierte pädagogische

Forschung inkl. Fragen der Bildungsorganisation

und Schulentwicklung

– Fachdidaktische Forschung und

Unterrichtsforschung

Institut Forschung und Entwicklung

(IFE)


Prof. Dr. Thomas Lindauer

Prof. Dr. Hansjakob Schneider

T +41 62 832 02 72

F +41 62 836 04 69

thomas.lindauer@fhnw.ch

hansjakob.schneider@fhnw.ch

Sprach- und Schriftentwicklung sowie

Umgang mit Sprachen und Schrift von

Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen,

Entwicklung von Lehrmitteln sowie

Schul- und Unterrichtsentwicklung im

Sprachbereich, Aufbau des schweizerischen

Netzwerks zur Prävention und

Bekämpfung des Illettrismus

Zentrum Lesen – Lesen, Medien, Sprache

Prof. Dr. Carsten Quesel

T +41 62 832 10 44

F +41 62 832 02 69

carsten.quesel@fhnw.ch

Forschung und Entwicklung im Bereich

Bildungssystem und Schulentwicklung;

bildungspolitische Entscheidungsprozesse;

Professionalisierung; Wirksamkeit

von Evaluation und QM; Indikatoren

und Bildungsstandards

Zentrum Bildungsorganisation und

Schulqualität

Prof. Dr. Norbert Landwehr

T +41 62 836 04 61

F +41 62 836 02 69

norbert.landwehr@fhnw.ch

Qualitätsevaluation und Qualitätsmanagement

von Schulen, externe

Schulevaluation, schulische Leistungsmessung

(Lernstandserhebung)

Prof. Dr. Peter Labudde

T +41 61 467 49 61

F +41 61 467 49 69

peter.labudde@fhnw.ch

Unterrichtsforschung zu Naturwissenschafts-

und Technikunterricht auf

allen Schulstufen, Bildungsstandards

und Kompetenzentwicklung im Naturwissenschaftsunterricht,

Genderfragen,

Lehrmittelentwicklung

Zentrum Naturwissenschafts- und

Technikdidaktik

Prof. Dr. Hans-Ulrich Grunder

T +41 32 627 92 75

F +41 32 627 92 12

hansulrich.grunder@fhnw.ch

Schulische und ausserschulische Ler n-

umgebungen, Übergänge - Bildungskontexte

und Bildungsverläufe,

Erziehungsauftrag der Schule, Verhältnis

Schule - Familie, Norm- und Disziplinprobleme,

Selektion

Zentrum Schule als öffentlicher

Erziehungsraum

Prof. Dr. Béatrice Ziegler

T +41 62 832 02 68

F +41 62 836 94 45

beatrice.ziegler@fhnw.ch

Unterrichtsforschung und Lehrmittelentwicklung

in den Bereichen Didaktik

der Geschichte und der politischen Bildung;

historisches Bewusstsein, Menschenrechte

und Kinderrechte Demokratie,

Unterrichtsvideoanalysen

Zentrum Politische Bildung und

Geschichtsdidaktik

77


Kontaktliste 78

Institut Kompetenzen Forschungsfelder Ansprechpartner

Hochschule für Soziale Arbeit (HSA)

Prof. Agnès Fritze

T +41 62 311 96 56

agnes.fritze@fhnw.ch

– Prozesse zur Erstellung und Erbringung

sozialer bzw. sozialarbeite -

rischer Dienstleistungen im Spannungsfeld

von Staat, Wirtschaft und

3. Sektor (von der Definition des

Sozialen Problems über die Bedarfsanalyse

zum handlungsauslösenden

Entscheid, der Lösungskonstruktion

und -umsetzung zur Wirkungsevaluation)

– Beratungs- und Coachingprozesse

Beratung, Coaching, Sozialmanagement

Institut Beratung, Coaching und

Sozialmanagement (ICSO)

ab 1. August 2010:

Prof. Dr. Claudia Daigler

T +41 62 311 96 80

claudia.daigler@fhnw.ch

– Menschen im Kontext von Behinderung

– Menschen im Kontext von schweren

Krankheiten wie z. B. HIV

– Menschen im Kontext von Migration

– Menschen im Kontext von Erwerbs -

losigkeit

Integration und Partizipation

Institut Integration und

Partizipation (IIP)

Prof. Dr. Stefan Schnurr

T +41 61 337 27 83

stefan.schnurr@fhnw.ch

– Strukturen, Programme und Praxen

der Kinder- und Jugendhilfe

– Lebenslagen und Lebensweisen von

Kindern und Jugendlichen

Kinder- und Jugendhilfe

Institut Kinder- und Jugendhilfe (IKJ)

Prof. Dr. Edgar Baumgartner

T +41 62 311 96 42

edgar.baumgartner@fhnw.ch

– Evidence Based Intervention Development

(Wirkungsforschung und partizipative

Verfahren forschungsbasierter

Praxisentwicklung)

– Strukturen, Programme und Praxen

professioneller Sozialer Arbeit

Professionsforschung und kooperative

Wissensbildung

Institut Professionsforschung und

kooperative Wissensbildung (IPW)

Prof. Dr. Holger Schmid

T +41 62 311 95 97

holger.schmid@fhnw.ch

– Psychosoziale Gesundheit

– Ethische Entscheidungsfindung

– Strukturen, Programme und Praxen

Sozialer Arbeit im Gesundheitswesen

– Klinische Sozialarbeit

Soziale Arbeit und Gesundheit

Institut Soziale Arbeit und

Gesundheit (ISAGE)


Prof. Dr. Matthias Drilling

T +41 61 337 27 12

matthias.drilling@fhnw.ch

– Sozialer und organisationaler Wandel

– Stadtentwicklung

– Sozialplanung

Sozialplanung und Stadtentwicklung

Change Management

Institut Sozialplanung und Stadtentwicklung

(ISS)

Hochschule für Technik (HT)

Prof. Rainer Schnaidt

T +41 56 462 42 70

rainer.schnaidt@fhnw.ch

Bereich Transfer

Dipl. Ing. Markus Krack

T +41 56 462 41 57

markus.krack@fhnw.ch

Expertenvermittlung, Kurzberatung

in Technologiefragen, Studierendenprojekte,

Partnersuche

– Kontaktstelle FITT

– Forschung

– Innovation und Technologietransfer

Prof. Niklaus Degunda

T +41 56 462 48 40

niklaus.degunda@fhnw.ch

Entwicklung von Komponenten

der Mess-, Prüf- und Automatisierungstechnik

Automation

Institut für Automation (IA)

Prof. Dr. Heinz Burtscher

T +41 56 462 42 40

heinz.burtscher@fhnw.ch

Entwicklung von Verfahren zur Messung

und Charakterisierung von Partikelemissionen,

Elektrische Antriebe, Elektrische

Energieerzeugung, -übertragung

und Verbrauch, Leistungselektronik

– Aerosol- und Sensortechnik

– Elektrische Energietechnik

Institut für Aerosol- und

Sensortechnik (IAST)

Prof. Werner Lüthy

T +41 56 462 41 55

werner.luethy@fhnw.ch

Supply Chain Management, Logistik-

Systeme, Management von Kooperationsnetzwerken

und Geschäftsprozessgestaltung

Business Engineering

Institut für Business Engineering

(IBE)

Prof. Clemens Dransfeld

T +41 56 462 45 90

clemens.dransfeld@fhnw.ch

Entwicklung von Verfahren und

Materialtechnologien für Kunststoffund

Compositestrukturen

Kunststofftechnik

Institut für Kunststofftechnik (IKT)

Prof. Karl Schenk

T +41 56 462 46 30

karl.schenk@fhnw.ch

– High Speed Design

– Entwicklung von elektronischen

Schaltkreisen und Embedded Systems

Mikroelektronik

Institut für Mikroelektronik (IME)

Prof. Dr. Jürg Luthiger

T +41 56 462 47 37

juerg.luthiger@fhnw.ch

Informations- und Kommunikationssystem

für verteilte und mobile

Anwendungen

Mobile und verteilte Systeme

Institut für Mobile und

Verteilte Systeme (IMVS)

79


Kontaktliste 80

Institut Kompetenzen Forschungsfelder Ansprechpartner

Prof. Dr. Jens Gobrecht

T +41 56 310 25 29

jens.gobrecht@fhnw.ch

Verfahren zur Erzeugung von Mikround

Nanostrukturen, Einmischen von

Nanopartikeln

Nanotechnische Kunststoffanwendungen

Institut für Nanotechnische

Kunststoffanwendungen (INKA)

Prof. Dr. Jürg Küffer

T +41 56 462 41 30

juerg.kueffer@fhnw.ch

– Produktentwicklung

– Rapid Prototyping

– Fertigungstechnologien

Produkt- und Produktionsengineering

Institut für Produkt- und

Produktionsengineering (IPPE)

Prof. Dr. Kurt Heiniger

T +41 56 462 45 07

kurt.heiniger@fhnw.ch

Thermische Systeme, Wasserstrahl- und

Verbrennungstechnologien

Thermo- und Fluid-Engineering

Institut für Thermo- und Fluid-

Engineering (ITFE)

Prof. Dr. André Csillaghy

T +41 56 462 40 62

andre.csillaghy@fhnw.ch

4D-Anwendungen: Verknüpfung von

3D-Daten mit Prozess-, Organisationsund

Finanzinformationen

4D-Technologien

Institut für 4D-Technologies und

Data Spaces (I4DS)

Hochschule für Wirtschaft (HSW)

Prof. Dr. Ruedi Käch

T +41 62 286 01 29

ruedi.kaech@fhnw.ch

Institute for Competitiveness and

Communication (ICC)

Prof. Dr. Peter Abplanalp

T +41 62 286 01 12

peter.abplanalp@fhnw.ch

– Strategieentwicklung in KMU

– Strategie im globalen Kontext

– Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen,

Regionen und Ländern (regionale

Disparitäten und Clusterentwicklung)

– Wissenschafts- und Technologieforschung

(Scientometrie, Webometrics,

E-Science, Forschungsteams,

Technologietransfer)

Strategie und Wettbewerbsfähigkeit

Franz Barjak

T +41 62 287 78 25

franz.barjak@fhnw.ch


Prof. Dr. Sabine Einwiller

T +41 62 286 01 21

sabine.einwiller@fhnw.ch

– Corporate Communication

(insbesondere auch integrierte

Kommunikation in KMU)

– Wirtschaftsberichterstattung in den

TV­ und Radionachrichten

– Reputation Management

– Interpersonal und Professional

Communication

Integriertes Kommunikationsmanagement

Prof. Thomas Helbling

T +41 62 286 01 59

thomas.helbling@fhnw.ch

– Perceived Value Pricing

Operative Marketing Excellence

Prof. Dr. Beat Hulliger

T +41 62 286 01 58

beat.hulliger@fhnw.ch

– Empirische Wirtschafts­ und Sozialforschung,

insbesondere Methoden

von statistischen Erhebungen

Empirische Wirtschafts­ und Sozialforschung

Prof. Dr. Rüdi Niederer

T +41 62 286 01 56

ruedi.niederer@fhnw.ch

Prof. Dr. Josef Marbacher

T +41 56 462 42 80

josef.marbacher@fhnw.chh

– Kapitalmarkttheorie

– Anlagepolitische Fragestellungen

– Bank­ und versicherungspolitische

Themen

– Fragen der finanziellen Führung

von Unternehmen bei aperiodischen

Entscheiden

– Controlling­ und Auditing Themen

– Beyond Budgeting

– Investment Finance

– Banking, Insurance und Riskmanagement

– Corporate Finance

– Financial Management

Institut für Finanzmanagement (IFF)

Prof. Dr. Axel Schilling

T +41 61 279 17 37

axel.schilling@fhnw.ch

– Controlling für NPO und

öffentliche Verwaltung

– Rechnungslegung für die

öffentliche Verwaltung

– Freiwilligenarbeit

– Modelle zwischen Wettbewerb und

Kooperation

– Lokale Alterspolitik

– Risikomanagement

– Imageanalyse

– Rechnungswesen/Controlling

in NPO und öffentlicher Verwaltung

– NPO­Management

– Management staatlicher Organisation

Institut für Non-Profit- und Public

Management (NPPM)

81


Kontaktliste 82

Institut Kompetenzen Forschungsfelder Ansprechpartner

Prof. Dr. Guy Ochsenbein

T +41 62 286 00 87

guy.ochsenbein@fhnw.ch

– Leistungslohn und Lohnvergleiche

– Altersgerechtes Personalmanagement

– Stellenmarktbeobachtung

– Personalmanagement

Institut für Personalmanagement

und Organisation (PMO)

– Managementsysteme zur Mitarbeitendenführung

– Alterskritische Personalführung

– Mitarbeitendenführung

– Diversity; semantisches Feld

– Praxisforum KMU

– Familienfreundliche Organisationen

– Gender und Diversity

– Tools zur Prozessbegleitung (Real

Time Monitoring, Interaktionsmatrix,

Systemaufstellungen)

– Kultureller Wandel

– Changemanagement

Prof. Dr. Arie Hans Verkuil

T +41 56 462 42 90

arie.verkuil@fhnw.ch

– Stakeholdermanagement

– Governance

– Nachhaltigkeitsberichterstattung

– Nachhaltige Entwicklung

– Betriebliches Gesundheitsmanagement

– Unternehmertum

– Governance

– Gesundheitsmanagement

– Nachhaltiges Management

Institut für Unternehmensführung

(IfU)

Prof. Dr. Rolf Dornberger

T +41 61 279 17 74

rolf.dornberger@fhnw.ch

– E-Business

– E-Government

– E-Learning

– Information und Knowledge

Management

– Systems Engineering und

IT-Management

– E-Business und E-Government

– Informations- und Wissensmanagement

– Systems Engineering und

IT-Management

Institut für Wirtschaftsinformatik

(IWI)


Impressum

Herausgeberin

Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

Schulthess-Allee 1

5200 Brugg

Redaktion

Wolfgang Kickmaier

Maja Bütikofer

Gestaltung

Büro für Kommunikationsdesign FHNW

Fotografie

Dejan Jovanovic, Cover, Kapiteltrenner & Seite 72

Bilder im Innenteil diverse Fotografinnen und Fotografen

Druck

Steudler Press AG, Basel

Auflage

6000 Exemplare

Abdruck mit Erlaubnis der Redaktion gestattet.

September 2010

84


Die Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW

setzt sich aus folgenden Hochschulen zusammen:

– Hochschule für Angewandte Psychologie

– Hochschule für Architektur, Bau und Geomatik

– Hochschule für Gestaltung und Kunst

– Hochschule für Life Sciences

– Musikhochschulen

– Pädagogische Hochschule

– Hochschule für Soziale Arbeit

– Hochschule für Technik

– Hochschule für Wirtschaft

Fachhochschule Nordwestschweiz

Schulthess-Allee 1

CH-5200 Brugg

T +41 56 462 49 11

www.fhnw.ch

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