Tour durch Mallorcas Grand Canyon - Astrid Prinzessin zu Stolberg

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Tour durch Mallorcas Grand Canyon - Astrid Prinzessin zu Stolberg

WANDERN ■ ■

Ja, wo laufen sie

denn? Angesichts

dieser riesigen

Felsformationen

kommen sich die

Wanderer doch

ziemlich winzig vor!

Tour durch

Mallorcas

Grand Canyon

TOUR DURCH MALLORCAS SPEKTAKULÄRSTE SCHLUCHT:

DEN TORRENT DE PAREIS. Was Sie brauchen: sehr gute Wanderschuhe,

viel Wasser und beim ersten Mal einen erfahrenen Führer! Unsere Redaktionsleiterin

Kirsten Lehmkuhl jedenfalls war mit Tour-Guide Astrid Prinzessin zu

Stolberg-Wernigerode auf Tour und hatte am Ende einen Muskelkater

wie nie zuvor in ihrem Leben.

Die Fotos hat mit großen Einsatz Rüdiger Eichhorn gemacht.

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Sie gehört zu den spektakulärsten

Wandertouren auf Mallorca,

diese Tour durch den Torrent

de Pareis. Jetzt im Mai ist sozusagen

wieder Saison-Auftakt für diese

außergewöhnliche Exkursion im Westen

Mallorcas. Denn nun ist die Gefahr

gebannt, von Wassermassen, die

mit unvorstellbarer Kraft durch diesen

Sturzbach schießen können, überrascht

und mitgerissen zu werden.

Zahlreiche, schlecht informierte Wanderer

sind dort bereits verletzt worden,

teilweise sogar schwer. Sie mussten

per Helikopter gerettet werden.

Selbst Todesfälle hat es in der Vergangenheit

immer wieder gegeben. Deshalb

unser Rat vorweg: Nehmen Sie

sich für diese so atemberaubend

schöne Route zumindest beim ersten

Mal einen erfahrenen Führer mit, der

Sie sicher durch Mallorcas Grand Canyon

bringt!

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Der frühe Vogel fängt den Wurm! Morgens um sieben ist die Welt

noch in Ordnung – und genau der richtige Zeitpunkt, um mit dem

Abstieg in den Torrent de Pareis zu beginnen!

Genau so haben auch wir es gemacht!

Wir waren mit Astrid Prinzessin

zu Stolberg-Wernigerode unterwegs.

Schließlich gehört die Exkursion

durch den Torrent de Pareis zu den

Touren, die sie seit Jahren im Programm

hat! Na, dann: Los geht’s am

Restaurant Escorca an der Landstraße

MA-10 zwischen Sóller und Pollença!

Stiefel geschnürt und den Rucksack

geschultert. Der vor allem eines enthalten

muss: Wasser, Wasser und

noch mal Wasser! „Mindestens drei

Liter“, hatte uns Astrid am Tag zuvor

noch eingeschärft. „Die braucht ihr

mindestens.“ Wer sich aufmacht in

diese beeindruckende Schlucht, die

Regenwasser in Jahrmillionen in den

Muschelkalk gehöhlt hat, der kann

nicht mal eben unterwegs wieder

Riesige Gesteinsbrocken lassen uns ganz ehrfürchtig werden.

Wenn man in 630 Meter Höhe startet und die Exkursion

in der Cala de Sa Calobra beendet, geht es immer schön bergab

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Jeder Schritt wird mit Bedacht gesetzt. Denn einmal drin,

kommt man so schnell nicht wieder heraus aus dem Torrent

de Pareis. Seitenausstiege jedenfalls sucht man vergebens

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Einmal nicht im Gänsemarsch: Das Sonnenplateau ist geradezu ideal

für eine Verschnaufpause und den Austausch der ersten Eindrücke

„aussteigen“ und etwas zu trinken

holen. Dort gilt vielmehr: Einmal drin,

ist drin! Zumindest bis der Kies in Sa

Calobra unter den Wanderschuhen

knirscht, und vor einem das dunkelblaue

Mittelmeer auftaucht! Und natürlich

findet man unterwegs zum

Glück keinerlei touristische Infra-

Struktur, wie etwa Erfrischungsstände.

Das ist ja gerade das Besondere an

dieser Tour, die uns das andere Mallorca

erleben lässt.

Astrid treibt uns an: Auf! Die Tour

hat es in sich, heißt es. Und wenn eines

garantiert ist, dann ist es der Muskelkater

hinterher. Und ich nehme

gleich eins vorweg: Ich konnte danach

drei geschlagene Tage lang

kaum gehen, stakste mit steifen Beinen

durch die Gegend, weil jede Faser

schmerzte. Schließlich ging es immer

schön begab, über 600 Höhen-

„Ich bereue nichts.

Nicht eine Minute,

nicht einen

einzigen Schritt“

meter haben wir auf der nur knapp

dreieinhalb Kilometer langen Strecke

zurückgelegt. Klingt wenig. Aber zwischendurch

war’s, ich schwöre es,

ganz schön anstrengend.

Doch ich bereue nichts. Nicht eine

Minute der Tour, nicht einen einzigen

Schritt. Nun ist das kein Grand Canyon

à la Arizona, bestenfalls eine Miniatur-Ausgabe.

Aber für eine so kleine

Insel wie Mallorca schon ganz ordentlich.

Ehrfürchtig schauen wir

steile Felswände hinauf, die bis zu

200 Meter in die Höhe ragen. Ganz

klein fühlt man sich auf einmal. Wie

ein Wander-Püppchen im Märklin-Eisenbahnland.

Noch ist es schattig, auf

den Pflanzen klebt der Morgentau.

Die Luft riecht frisch, wir schreiten

forsch voran, zunächst zum Torrent

de Lluc. Erstes Licht bricht in die

Schlucht, Strahlen wie Streifen, ein famoses

Sonne-Schatten-Spiel beginnt.

Wir hören nicht auf zu staunen! Das

soll Mallorca sein?

Immer wieder überraschen verschiedene

Stein-Formationen. Mal

liegen riesige runde Felsblöcke im

Weg, wie Murmeln eines Riesen. Sie

blockieren regelrecht den Weg.

Rechts vorbei, links vorbei oder ab

durch die Mitte? Das ist hier die Frage.

Wir entscheiden uns mal für die eine,

dann für die andere Variante,

Astrid kennt den Weg. Um dann vor

einem Abgrund zu stehen. Steil geht

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Kleine Erfrischung gefällig? Oft bilden sich Pfützen in dem ausgehöhlten Gestein.

Da geht schon mal das Temperament durch, wie hier bei unserer Mitwanderin Silke Wach (re.).

Astrid Prinzessin zu Stolberg-Wernigerode (li.) und Kirsten Lehmkuhl schauen fröhlich zu

es bergab. Aber Sie wissen ja: Runter

kommt man immer! Zur Not eben

auch ohne viel Anmut, einfach auf

dem Hosenboden, geht alles.

Kaum unten angelangt, baut sich

das nächste Hindernis auf. Spindeldürr

ist der Durchlass, der da vor uns

liegt. Aber wir sind ja alle halbwegs

schlank und können uns ziemlich

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dünne machen – Rucksack vom Rücken

und durchgequetscht!

Welch’ ein Unterschied! Auf einmal

eröffnet sich vor uns auf fast ebener

Strecke ein Kiesweg. Wasser tropft von

den Felsen an unserer Seite. Farne

sprießen aus den Wänden hervor. Auf

einem Stein haben sich die Wurzeln eines

Feigenbaumes in den harten Unter-

grund gekrallt. Er wächst waagerecht!

Das ist ja ein Kerl! Wie er diesen Balanceakt

meistert, bleibt sein Geheimnis.

Schon stehen wir wieder an einem Engpass.

Zum Glück sind Seile am Stein befestigt,

an denen man sich bergab hangelt!

Wir helfen einander, reichen uns

die Hände, strahlen uns an, wenn wir

etwas bewältigt haben, bei unserer

wildromantischen Exkursion.

Immer wieder tun sich kleine Wasserbassins

auf, natürliche Swimmingpools

im ausgewaschenen Fels. „Vielleicht

bekommt ihr nachher auch

noch nasse Füße“, sagt Astrid. Denn

die Erfahrung lehrt, dass man nicht

immer ganz trockenen Fußes durch

den Canyon kommt. Na, warten wir

mal ab! „Vielleicht müsst ihr auch ein

kleines Stückchen schwimmen“, setzt

die Wanderführerin nach … Doch so

weit ist es noch nicht!

Torrent de Pareis wird oft mit Paradiesschlucht

übersetzt. Das allerdings

lassen wir nur im übertragenen Sinne

gelten. Schließlich ist sie traumhaft

schön. Doch Pareis bedeutet Paar –

etwas schnöder gewiss. Das hat aber

seinen Grund, denn es ist auf die bei-

Der Einstieg zu dieser wildromantischen Exkursion befindet

sich an der MA-10 in der Gemeinde Escorca. Dann geht es

hinab zum Torrent de Lluc, der sich am s’Entreforc mit dem

Torrent Gorg Blau vereinigt. Ab da machen die beiden dann

gemeinsame Sache als Torrent de Pareis – bis zur Bucht

von Sa Calobra

den Torrentes, de Lluc und des Gorg

Blau, zurückzuführen, die am s’Entrefoc

zusammentreffen – um anschließend

als Torrent de Pareis gemeinsame

Sache zu machen. Dieser ist seit

dem Jahr 2003 als Naturdenkmal eingestuft,

als Monument natural! Und

wenn es eine Landschaft auf Mallorca

gibt, die diese Bezeichnung verdient,

dann sicher diese!

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Riesige Felsbrocken, kleine Kiesel: Der Weg ist steinig,

aber mit höchst unterschiedlichen Steinen „gepflastert“

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Wir stapfen weiter durch das Bachbett. Da öffnet sich der Torrent, gibt

den Blick frei auf die Cala de Sa Calobra. Ein kleines Schild warnt davor,

einfach in den Torrent hinein zu gehen: „Gefahrenzone“ steht dort! Immer

wieder gibt es Leute, die in Badelatschen von Sa Calobra sozusagen

in umgekehrter Richtung in den Canyon gehen. Und das ist nun wahrlich

das denkbar ungeeignetste Schuhwerk für diese anspruchsvolle Exkursion!

Am Ende kommen wir trockenen Fußes durch den Canyon! Glück gehabt!

Als Faustregel gilt: Etwa zehn bis 15 Tage nach einem starken Regen

lässt sich der Torrent ohne Neoprenanzug und große Schwimmaktionen

bewältigen. So wie heute! Aber im Grunde wäre eine kleine Abkühlung

zwischendurch sogar richtig erfrischend gewesen!

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Das sollten Sie wissen!

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Bleiben da die Füße noch trocken? Nach

Regenfällen kann es durchaus sein, dass

zwischendurch kleine Seen zu durchqueren

sind. Das Schöne: Die Bergwelt spiegelt

sich beeindruckend auf der glatten

Wasserfläche!

Diese Tour ist zum Beispiel über die Website von Astrid Prinzessin zu Stolberg-Wernigerode zu buchen (www.

prinzessin-stolberg.com). Wichtig sind knöchelhohe Wanderschuhe mit gutem und vor allem rutschfestem Profil,

mindestens drei Liter Wasser und ausreichend Proviant zum Essen. Den Wasserbedarf nicht unterschätzen, besonders

an warmen Tagen! Denn einmal im Canyon, immer im Canyon – jedenfalls bis zum Ende der Tour. Es gibt also

keinen Seitenausstieg zwischendurch! Keine Angst: Mit normaler Kondition bewältigt man das Ganze in etwa viereinhalb

Stunden. Wir waren etwas länger unterwegs. Aber wir hatten auch unseren wunderbaren Fotografen Rüdiger

Eichhorn dabei, auf den wir naturgemäß immer mal ein wenig warten mussten. Schließlich war er stets unterwegs

auf der Suche nach der besten Perspektive, kletterte dort hinauf und da hinunter, war mal vor und mal

hinter uns! Sein Engagement hat sich gelohnt, wie wir finden! Aber das müssen natürlich Sie beurteilen! Wir wünschen

viel Spaß bei einem dieser außergewöhnlichen Ausflüge. Er wird Ihnen lange in Erinnerung bleiben, das ist

gewiss! Aber vergessen Sie nie: Sie sollten vor dieser Tour keine Angst haben. Aber Respekt – das ist es, was durchaus

angebracht ist! Gerade wenn Sie nicht jeden Tag eine solche Exkursion unternehmen.

Manchmal wird ein Seil benutzt, um gefahrlos zwischen den Felsen

hinabzuklettern. Einer sichert oben, der andere steht unten parat!

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Am Ende der Tour hätten wir doch noch fast nasse Füße

bekommen – aber nur fast! Denn auf dem letzten Stück

des Weges zur Cala de Sa Calobra hatte sich Wasser gesammelt

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