Buch Grünewald

webbewerb2010.de

Buch Grünewald

6

Kölner Mädchen und Jungen entdecken jüdische Spuren… Kommt mit!

Ernst Simons

Wer war Ernst Simons?

Ein „Kölscher Jude“. So nannte er sich selbst. Er lebte vom 07.08.1919 bis

zum 29.01.2006. Seine Kindheit verbrachte er in Köln-Deutz, wo sein Vater

Dr. Julius Simons der letzte Rabbiner vor dem 2. Weltkrieg war. Vor den

Nazis musste er kurz vor seinem Abitur nach Holland fliehen. Dort lernte

er seine Frau Ans kennen. Am Tag nach der Hochzeit wurde das junge

Paar in das KZ Bergen-Belsen deportiert; aber beide überlebten. Von

Herrn Simons‘ großer Familie waren 123 Personen umgekommen. Ernst

Simons wurde in Köln Lehrer, Schulleiter und Regierungsschuldirektor. Das

Ehepaar bekam 3 Töchter, die heute in Israel leben. Am 19. August 2005

erlebte Ernst Simons noch ein besonderes Highlight: die persönliche Begegnung

mit Papst Benedikt XVI in der Synagoge.

„Warum konnte man nicht aus dem KZ fliehen, und wie haben Sie

das dort überhaupt ausgehalten?“

Diese Fragen wurden Herrn Simons oft gestellt. Er berichtete dann von

den Wachhunden, die viel mehr Nahrung bekamen als die Häftlinge, vom

Stacheldraht um das KZ, vom Elektrozaun, von den Wachtürmen und von

der Todesstrafe für Flüchtlinge. Dass er und seine Frau überlebten, grenzt

Quelle: Wilhelm, Greven Verlag Köln

Kölner Mädchen und Jungen entdecken jüdische Spuren… Kommt mit!

auch für Herrn Simons an ein Wunder. Aber sie waren damals sehr jung,

voll Glauben und Hoffnung auf ein Leben nach dem KZ, und er hatte den

Rat eines jüdischen Arztes befolgt und nach der Arbeit versucht zu ruhen

oder zu schlafen, um den geschundenen Körper zu regenerieren. Er wurde

aber trotzdem sehr krank.

Warum wurde eine Realschule nach ihm benannt?

Nach den Schrecken der Nazi-Zeit wollte er sich aktiv für Kinder einsetzen,

wollte Jungen und Mädchen mit und ohne Behinderung die gleichen

Zukunftschancen geben. In seine Realschule nahm er daher auch körperbehinderte

Kinder auf. Am 20. Juni 1991, 24 Jahre nach dem Umzug von

der Geilenkircher Straße in einen größeren Neubau am Alten Militärring,

wurde seine Schule nach ihm benannt. Er war der erste, dem zu seinen

Lebzeiten eine solche Ehre zuteil wurde.

Was würde er uns heute als sein „Vermächtnis“ sagen wollen?

Sein Motto für das Miteinander, das auch auf unserer Schul-Homepage

www.ernst-simons-realschule.de nachzulesen ist, lautete: „Es gibt keine

Bildung ohne gegenseitiges Kennenlernen, ohne Achtung der unterschiedlichen

Fähigkeiten und ohne Bereitschaft zu Kooperation und Toleranz.“

Und am Ende seines Zeitzeugen-Besuchs 1998 in seiner Schule formulierte

er selber sein „Vermächtnis“ für die Lehre aus der deutschen Nazi-

Vergangenheit:

“ …damit ihr erkennen könnt, was gewesen ist – aus authentischem Mund – und

dafür sorgen sollt, auch in Zukunft, …dass dies nie wieder geschieht – ganz gleich,

gegen wen es sich immer richten mag…; denn jeder Mensch ist ein Ebenbild

Gottes!

7

Ähnliche Magazine