Das Kunstleben ist wieder erwacht - Galerie Karin Sutter

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Das Kunstleben ist wieder erwacht - Galerie Karin Sutter

Das Kunstleben ist wieder erwacht

03. September 2012

In Basel haben die Galerien ihre neue Ausstellungssaison eröffnet und die BZ hat

sich einige davon einmal angeschaut.

„Annabell“, ein Bild von Tanja Selzer aus der Ausstellung in der Galerie Karin Sutter

Foto: Roswitha Frey

Auf der Einladungskarte sieht man ihn in seinem Atelier vor drei wandgroßen Bildern, mit

nacktem Oberkörper, luftiger weißer Hose und Hund. Heiß war es, als Paolo Serra diese

Bilder malte, sehr, sehr heiß. Als der italienische Maler jetzt zum Season-Opening in die

Riehener Galerie Henze & Ketterer & Triebold kam, war es dagegen herbstlich nasskühl.

Mit Serras "Variationen über ein Thema" startet die etablierte Riehener Galerie in den

Ausstellungsherbst. Die Sinnlichkeit der Oberflächen und der Farbe ist das große,

wiederkehrende Thema des Malers, der gern in die Tradition eines Josef Albers oder Mark

Rothko gestellt wird. Serra beherrscht in seinen abstrakt verdichteten Leinwänden virtuos

das Spiel des Farbauftrags in verschiedenen Techniken: facettenreich im Pinselauftrag, mit

sichtbar gemachter Leinwandstruktur, mit dynamischen Strichen, teils mit

Mehrfachübermalung. Über einen Malgrund legt Serra viele durchscheinende Schichten

übereinander, erreicht so Tiefe in seinen Werken. Satt und dunkel leuchtet das Rot in den

Lackbildern, was eine Tiefenwirkung erzeugt. Jahreszeiten kommen einem in den Sinn, wenn

man Serras frisches Grün in "Primavera" sieht, oder die aktuellen Leinwände in bewegten

blauen und gelben Farbstrukturen. Ergänzt wird diese faszinierende abstrakte Farbmalerei

durch skulpturale Kuben in warmen Rostfarben und kühl glänzendem Edelstahl – ein Spiel

mit strengen quadratischen Formen und dem Reiz der Materialität. (Bis 17. November).


Von Riehen aus geht der Kunstbummel in Basel weiter, wo am Freitag 17 Galerien mit 17

Vernissagen ihr "Season-Opening" feierten: Nach der Sommerpause ist das Kunstleben am

Rheinknie wieder erwacht. Die Galerie Stampa bringt fotografische Werke von Daniela

Keiser und konzeptuelle Arbeiten von Valentina Stieger wie eine Installation aus

Gardinenstoff, eine Chromstahlfigur und eine Serie auf Kissenbezügen. Reale

Illusionsfotografie könnte man Keisers Fotoarbeiten und Collagen nennen, die etwas

Verfremdendes haben: ein Hinterfragen der Wirklichkeit. Die Künstlerin fotografiert

efeubewachsene Mauern und Lampen, sie zeigt Landschaften mit weitem Himmel, magisch

und bedrohlich zugleich, Berge, Felsen, Fischer. Aus der Serie "Die Stadt" sieht man Häuser,

die für Filmsets gebaut wurden: täuschende Kulissenstädte. Eine ganz eigene Bildästhetik

und Bildbotschaft hat Keisers Serie "Botanik" mit Stillleben auf Zeitungsseiten. Hier die

Eleganz der Pflanzenstiele in Gläsern, dort die Schlagzeile "Tschernobyl" – das schafft

Kontrastwelten. (Bis 27. Oktober)

In einen spielerisch-originellen Naturgarten taucht man in der Ausstellung mit Malerei,

Fotografie und Objekten der Baslerin Nicoletta Stalder in der Galerie Graf & Schelble.

Witzig, hintersinnig und fantasiereich in den Materialien greift die Künstlerin das Themenfeld

Natur auf: Bäume treiben Blüten aus Zeitungspapier, ein Streichholzbaum hat rote Triebe,

die aussehen wie Zündholzköpfchen, einige der bizarren baumartigen Objekte muten an wie

Christos verpackte Bäume; fruchtartige Birnenobjekte steigen wie Heißluftballons an die

Decke. In einer Serie malt Stalder Schlafmohn auf die Fernsehseiten der Zeitung – kleiner

Seitenhieb auf das TV-Programm, das manchmal zum Einschlafen ist... Sehenswert sind

auch Stalders neoimpressionistische Blumenwiesen in pointillistischer Manier oder der

wandfüllende Tannenwald aus Baumstempeln. Anschauen sollte man sich auch das Video, in

dem die Künstlerin in einem Bett aus Laub, Gestrüpp und Geäst sitzt, sich die Zähne putzt,

sich schminkt, frisiert und wieder im Laubbett versinkt... (Bis 13. Oktober).

Auch abseits des Zentrums lohnen sich Galerieentdeckungen. Etwa in der Rebgasse unweit

des Claraplatzes, wo die Galerie Karin Sutter unter dem Titel "Mind Candy" kraftvolle,

expressive Malerei der jungen Berliner Künstlerin Tanja Selzer zeigt. Ihre Bilder in Öl auf

Leinwand sind figurativ mit abstrahierenden Zügen, verschwenderisch im vehementen

Pinselduktus, mit sichtbaren herablaufenden Farbspuren. Selzers Motive sind

blickfängerische Verführungen aus der medialen Welt: Leicht bekleidete junge Model-

Schönheiten mit langen blonden Haaren räkeln sich, lasziv, sexy und doch geheimnisvoll. Die

Bilder eines Pferdes im Galopp oder eines Tigers beim Sprung strahlen pulsierende Dynamik

im Malstil aus, das Pferd, das sich im Wasser spiegelt, oder der junge Mann, der einen

Leoparden auf dem Arm hält, rufen assoziative Geschichten hervor. Eine spannende junge

Malerei. (Bis 13. Oktober).

Um die Ecke trifft man in der Galerie Mäder auf vieldeutige Objekte, Installationen und

amorphe Gebilde von Christian Schoch, der aus Polyurethan, Leder, Metall, Stoff, Gips und

Farbe überraschende Formen gestaltet (bis 15. September).

Autor: Roswitha Frey

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