Ausgabe 2/2007 - Messe Essen

messe.essen.de

Ausgabe 2/2007 - Messe Essen

Ausgabe 2.2007 www.messe­essen.de

ESSEN

DAS MAGAZIN DER MESSE ESSEN

AFFAIRS

MeSSe 2012

Erste Ideen für Umbau

rÜttenScheider StraSSe

Die längste Meile der Stadt

hier Wird

GeBaut

Eine Branche im Aufbruch


Erreichen Sie Ihre Ziele.

Mit täglich bis zu 700 Flügen verbinden wir die

Welt mit Nordrhein-Westfalen – dem bedeutendsten

Wirtschaftsraum und führenden Messestandort

Deutschlands.

Direktverbindungen aus über 70 europäischen

Städten und 10 außereuropäischen Metropolregionen,

zum Beispiel Atlanta, Chicago, Detroit,

New York, Dubai und Bangkok, ermöglichen es

Ihnen, ohne Umwege zu uns zu kommen. Kurze

Wege und maßgeschneiderte Serviceangebote am

Airport sind ein weiterer Beitrag, den wir zu Ihrem

Messeerfolg leisten.

Mit uns erreichen Sie Ihre Ziele.

www.duesseldorf-international.de


Dr. Joachim Henneke in der Galeria der Messe

Essen. Im Hintergrund: das Glaskunstfenster

„Energie“ von Jörg Immendorff.

Dr. Joachim Henneke

Vorsitzender der Geschäftsführung der

Messe Essen GmbH

liebe leserinnen

und leser,

virtuell gibt es das neue Essen

schon, in Computersimulationen,

in Modellen und auf Webseiten.

In ein paar Jahren erleben

wir dann ganz real, wie die

imposanten Bauvorhaben das Gesicht unserer Stadt verändert

haben. Über eine Milliarde Euro werden in den kommenden

Jahren in Essen investiert: Am Limbecker Platz entsteht eines der

größten deutschen Einkaufscenter; ThyssenKrupp kehrt mit

einem ganzen Quartier in seine alte Heimat zurück; E.ON Ruhrgas,

ein weiterer Global Player, schlägt mit seiner Konzernzentrale

gegenüber der Messe ein neues Kapitel der Konzerngeschichte

auf; und auch das neue Museum Folkwang darf sich

weit über das Kulturhauptstadtjahr 2010 hinaus weltweiter

Aufmerksamkeit sicher sein.

in der Zwischenzeit trägt essen den titel „größte Baustelle

europas“ mit Stolz. Schließlich sind diese Projekte ein

deutlicher Beweis für die Attraktivität der Metropole Ruhr und

dafür, wie große Bauvorhaben die Entwicklung einer Stadt fördern

können. Auch wir haben große Pläne. „Messe 2012“ heißt

unsere Vision für den umfangreichen Umbau des Messegeländes.

Wir sind sehr froh, dass der Aufsichtsrat unseren Modernisierungsplänen

aufgeschlossen gegenübersteht.

das thema Bauen indes ist weit über die Grenzen

essens in aller Munde: Nicht zuletzt die Energie­ und Klimadebatten

sorgen dafür, dass sich die gesamte Baubranche im

Aufbruch befindet. Unser Branchenreport beschreibt die politischen,

ökonomischen und technischen Herausforderungen –

und zeigt, wie innovative Unternehmen von den Umwälzungen

profitieren. Ihre jüngsten Innovationen werden sie Anfang

kommenden Jahres in Essen präsentieren: auf der DEUBAU im

Januar und der SHK im März.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen

Ihr

editorial | 3


4 | inhalt

30

8

34

16

20


3 Editorial

von Dr. Joachim Henneke

5 Impressum

6 Nachrichten

aus der Messe und der Stadt

titel

8 Schlau am Bau

Eine Branche im Aufbruch

10 „Eine Frage der Wertigkeiten“

Engelbert Kortmann, Vorstandsvorsitzender

des Fördervereins der Stiftung

Baukultur, über gute Qualität am Bau

und Zukunftsvisionen

13 Die größte Baustelle Europas

Die wichtigsten Bauprojekte Essens

im Überblick

16 Fachleute im Dialog

Die DEUBAU und die SHK 2008

MeSSe

18 Messe 2012

Ideen für die Zukunft

20 40 Jahre für vier Räder

Im Porträt: Vier Menschen, die eine

besondere Beziehung zur Essen Motor

Show haben

iMpreSSuM

Herausgeber: Messe Essen GmbH, Postfach 10 01 65,

45001 Essen, www.messe­essen.de

Redaktionell verantwortlich:

Stefan Hannen, Leiter Unternehmenskommunikation,

Messe Essen

Projektmanagement: Andreas John, Messe Essen

CvD: Jens Poggenpohl (VVA)

Art­Direktion: Tamara Bobanac (VVA)

Layout: Sonja Loy (VVA)

Redaktionsteam: Corinna Danielzik, Gabriele von Graes,

Michael Herdemerten, Jennifer Lischewski (Messe Essen),

Sara Dörnemann, Melanie Heider, Peter Erik Hillenbach,

Dirk Maertens, Anja Martin (VVA)

Bildredaktion: Luis Emilio Pantaleon, Jens Peters,

Frank Schuberth (VVA)

Bildnachweis: Rainer Schimm, Messe Essen GmbH;

K+S Studios, Essen (sofern nicht anderweitig vermerkt)

Titelbild: Anja Steinmann

Realisation/Gesamtherstellung: VVA Kommunikation GmbH,

Theodor­Althoff­Straße 39, 45133 Essen, www.vva.de

Auflage: 17.000 Exemplare

Erscheinungstermin: 26. Oktober 2007

24 Die Spieler sind los

Die SPIEL feiert ihren 25. Geburtstag

25 Aktuell

Mode-Heim-Handwerk, Gesundheits-Messe

Body & Health, Art & Antique

26 Hoch hinaus im Reich der Mitte

Die REIFEN CHINA ist das dritte Projekt der

Messe Essen im asiatischen Markt

28 Stars der Selbstbedienung

Die Erfolgsgeschichte der KIOSK

EUROPE EXPO

30 Die Rückkehr der Prinzessin

„Holiday on Ice“ gastiert mit neuer Show

wieder in der Grugahalle

32 Kalender

Termine im Überblick

eSSen

34 Loveparade 2007

Impressionen der größten Party des Jahres

36 Die längste Meile der Stadt

Die „Rü“ ist Essens kulinarische Hauptstraße

38 Ein unglaublicher Arbeiter

Ein Nachruf auf Prof. Dr. Jörg Immendorff

39 Gewinnspiel

Karten für „Mamma Mia!“ und das

„GOP Varieté-Theater“ zu gewinnen

inhalt | 5


6 | nachrichten

bike & business

Fahrzeug-Profis unter sich

Speziell an den Motorradhandel, das Motorradhandwerk

und –gewerbe wendet sich die „bike & business“ (12. bis

14. Oktober). Auf dieser Fachmesse für das Fahrzeugbusiness

steht der direkte persönliche Kontakt der Werkstattinhaber zu

Lieferanten und Herstellern aus der Motorradbranche im Mittelpunkt.

Renommierte Aussteller präsentieren ihre Produkte,

stündliche Fachvorträge zu aktuellen Themen ergänzen das

Messeprogramm.

www.bike­business­messe.de

Sun invest

Sonnige Premiere

Ferienhaus an der Ostsee gefällig? Büroimmobilie in Dubai

gesucht? Altersresidenz in Ägypten erwünscht? Bei der

Premiere der Sun Invest vom 19. bis 21. Oktober informierten

sich die Besucher über die Welt der internationalen Zweitwohnsitze.

12.000 Immobilien aus 20 Ländern in einer Preisspanne von

30.000 bis zu 5 Millionen Euro standen im Angebot der über

70 Aussteller. Experten gaben potenziellen Käufern Tipps für

den Hauskauf im Ausland: von der Verhandlung über den

Vertrag bis hin zu internationalen Steuerregelungen.

www.sun­invest.com

Schweissen & Schneiden russia

Russlands neuer Branchentreff

Zufriedene Aussteller, interessierte Besucher, überzeugte Experten: Die Premiere

der „Schweissen & Schneiden Russia“ in Moskau vom 28. bis 31. Mai 2007 war ein voller

Erfolg: Sie hat die Erwartungen der 123 Aussteller aus 14 Ländern mehr als erfüllt. „Die

Grundlage für eine stabile Wachstumsentwicklung ist gelegt“, resümierten nicht nur die

Messe Essen und ihr Partner, der Deutsche Verband für Schweißen und verwandte Verfahren

(DVS). Auch die Aussteller und Branchenexperten sind sich einig: „Das wird der

neue Branchentreff für den riesigen Wachstumsmarkt Russland.“ Beeindruckt zeigten

sich die Anbieter vor allem von der hohen Zahl qualifizierter Besucher.

Ausgebucht waren nicht nur die zwei reservierten Messehallen. Auch bei der zweitägigen

Fachkonferenz zur Zukunft der Schweißtechnik blieb kein Platz frei. 350 Teilnehmern

bescherten der vom DVS und der NACS (Russische Gesellschaft für zerstörungsfreie

Prüfung und Schweißen) veranstalteten Konferenz ein volles Haus. Ebenso

machte das große Interesse am Innovationsforum, von der Gesellschaft für Schweißtechnik

International (GSI) organisiert, sowie an der Musterwerkstatt deutlich: Der

Informa tionsbedarf der russischen Fachleute ist enorm.

Nach der „Beijing Essen Welding“ und der „Schweissen & Schneiden India“ hat damit

die dritte Tochterveranstaltung der Essener Weltmesse „Schweissen & Schneiden“ Fuß

gefasst. Die zweite „Schweissen & Schneiden Russia“ findet vom 26. bis 29. Mai 2008

wieder in Moskau statt.

www.schweissen­schneiden­russia.com

essener lichtwochen

Der Norden strahlt

Zum 58. Mal heißt es in der Essener City: Es werde Licht! Unter dem

Motto „Europa in Essen“ stellen die „Lichtwochen“ in diesem Jahr Norwegen

vor. Vom 28. Oktober 2007 bis 5. Januar 2008 präsentieren acht

Lichtbilder von 9 mal 6 Metern Größe sowie das 30 mal 12 Meter große

Eingangsbild leuchtende Impressionen aus Europas Norden. „Auf wunderbar

leichte Weise hält die europäische Idee mit den Lichtwochen Einzug

in die Stadt“, freut sich Essens Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger.

Veranstalter der „Lichtwochen“ ist die Essen Marketing GmbH, das Kulturprogramm

wird gefördert durch die Königlich Norwegische Botschaft in

Berlin und die E.ON Ruhrgas AG.

www.lichtwochen.essen.de

Foto: Peter Wieler, Essen Marketing GmbH


Kunstausstellung

„Der Copperfield der Malerei“

Die Bilder Joachim Czichons bestehen aus Rätseln,

Chiffren, Andeutungen. Folgerichtig würdigte die Kunsthistorikerin

Alexandra Iwan in ihrer Eröffnungsrede zur

neuen Kunstausstellung der Messe Essen Joachim Czichon

als „David Copperfield der Malerei“. In den Bildern des

1952 in Pokoj (Polen) geborenen Künstlers oszillieren die

innere, gefühlte, und die äußere Wirklichkeit in „offenen

Figurationen“, wie Czichon selbst seine Bilder nennt.

Noch bis zum 9. März 2008 können Besucher im Messehaus

Ost den Zauber des vielfach ausgezeichneten Malers

erleben.

41. landesmedienball

Rauschende Nacht

Er ist unbestritten eines der gesellschaftlichen Highlights

in Nordrhein-Westfalen: der Landesmedienball. Am 2. November

2007 findet der Ball zum 41. Mal statt, zum neunten

Mal in der Grugahalle. Die Gäste erwartet wieder eine rauschende

Ballnacht in einer traumhaften Kulisse, mit Genüssen

für den Gaumen und Musik bis in die Morgenstunden.

Swing-Legende Paul Kuhn sorgt, begleitet von der Willi-

Ketzer-Band, für die Musik. Getanzt – auch das gehört zur

guten Tradition des Landesmedienballs – wird für die gute

Sache: Die Überschüsse werden an die Deutsche Krebshilfe

gespendet, deren Botschafterin, die TV-Moderatorin Annika

de Buhr, durch den Abend führen wird.

www.landesmedienball­nrw.de

Foto: Frank Schuberth,VVA

initiativkreis ruhrgebiet

Botschafter der Region

nachrichten | 7

Als Botschafter des Ruhrgebiets betreut der „Initiativkreis Ruhrgebiet“

seit 1998 Projekte mit Symbolkraft, die Alleinstellungsmerkmale für die

Region schaffen und ein Ruhrgebiet fördern, das stark, kompetent und

selbstbewusst nach Europa blicken kann. Durch ihr Engagement haben die

Mitglieder dem Strukturwandel im Ruhrgebiet wichtige Impulse verliehen

und tragen dazu bei, das Image der Region entscheidend zu verbessern.

Seit dem 1. Juli 2007 gehört

die Messe Essen zu den 64

internationalen Unternehmen,

die den Initiativkreis

tatkräftig unterstützen.

Komcom-premiere in essen

IT für den öffentlichen Sektor

Der neue KOMCOM-Standort Essen hat einen erfreulichen Zuspruch

erfahren. Über 2.800 Gäste besuchten am 18. und 19. September das Essener

Messegelände, um sich über die neuesten IT-Entwicklungen für den

öffentlichen Sektor zu informieren – darunter auch die Essener

Bürgermeisterin Annette Jäger (Foto, Zweite von links) und Reinhard Paß,

Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat der Stadt Essen (links). Die Aussteller

freuten sich über zahlreiche qualifizierte Kontakte, und auch die Besucher

zeigten sich beeindruckt: 78 Prozent der befragten Besucher bewerteten

das Ausstellerangebot mit sehr gut bis gut.

www.komcom.de


Foto: Keystone

8 | titel bauen


Das Chrysler Building

wurde 1930 in New York erbaut.

Seine Höhe von 319

Metern machte es kurzzeitig

zum höchsten Gebäude

der Welt. Bei der „Sand

World 2003“ in Travemünde

entstand die Sandskulptur

des Wolkenkratzers – nicht

ganz so hoch, aber auf ihre

Weise ebenso imposant.

Schlau am Bau

titel | 9

Wetterkapriolen, große Debatten und ein Wort namens „Energieeinsparverordnung“:

Der Klimaschutz krempelt die Baubranche um – und nicht nur in Deutschland.

Unser Branchenreport zeigt aber auch: Erfindungsreichtum lohnt sich, innovative

Unternehmen werden belohnt.

Überschwemmungen, Waldbrände und Orkane

mitten im gemäßigten Europa? Das Klima schlägt

Kapriolen, die besser für seinen Schutz werben, als

jede Kampagne es könnte. Wenn in Europa Ende Februar

die Narzissen blühen und das Thermometer im

April auf 30 Grad steigt, sind dies klarere Zeichen als

weit weg schmelzende Polkappen und ein noch kaum

merklich steigender Meeresspiegel. Der Klimaschutz

ist in aller Munde – und das hat Konsequenzen.

Das dickste Paket aller Zeiten

Kaum eine Regierung, die ihn sich nicht auf die Fahnen

schreibt. Beispiel Deutschland: Nach der Sommerpause

schnürte hier die große Koalition das dickste

deutsche Klimaschutzpaket aller Zeiten und nutzte die

EU-Ratspräsidentschaft, um das Thema international

voranzubringen. Kaum jemand verhaspelt sich noch

beim Zungenbrecher „Energieeinsparverordnung“,

kurz: EnEV. Jede neue Fassung legt die Messlatte ein

Stück höher. Schließlich wollen die ehrgeizigen Selbst-

verpflichtungen zur CO2-Reduzierung erreicht werden:

20 Prozent bis 2012, 40 Prozent bis 2020.

Dabei rücken Gebäude in den Fokus der Bemühungen,

denn ein Fünftel der Kohlendioxidemis sionen

in Deutschland geht auf ihr Konto. Am gesamten Energieverbrauch

hat deren Beheizung einen Anteil von

mehr als einem Drittel. Unter allen Verbrauchssektoren

verspricht man sich hier den größten Einzelbeitrag. So

krempelt der Klimaschutz eine ganze Branche um:

Er fordert Energie sparende Techniken, bessere Dämmung,

dichtere Fenster und die Nutzung von Sonnen-

und Geowärme. 30 Prozent mehr Effizienz verlangt die

aktuelle EnEV. Der deutsche Umweltminister Gabriel

kündigt für die nächste Stufe noch einmal so viel an.

2,6 Milliarden Euro will die Bundesregierung allein im

nächsten Jahr in den Klimaschutz investieren. „Neben

dem demografischen Wandel ist die Energiedebatte

der Megatrend beim Bauen“, weiß auch Engelbert

Kortmann, Vorsitzender des Fördervereins der neu

gegrün deten Stiftung Baukultur (siehe Interview). �


Foto: Jens Peters,VVA

10 | titel bauen

eSSen aFFairS: Mit dem Gründungskonvent

am 21. September 2007 hat

die Stiftung Baukultur ihre Arbeit aufgenommen.

Wozu braucht Deutschland

diese Stiftung?

engelbert Kortmann: In den letzten

Jahrzehnten hat es im Bauen viele Fehlentwicklungen

gegeben. Die Zersiedlung der

Landschaft an den Rändern der großen

Ballungsgebiete und die Einförmigkeit von

Ein­ und Zweifamilienhäusern sind sicher

kein Zeichen für eine gute Baukultur. Auch

die Immobilien im Besitz der öffentlichen

Hand haben durch die fehlende Instandhaltung

gelitten. Notwendige Sanierungsmaßnahmen

sind wegen der Schwierigkeiten in

den öffentlichen Haushalten unterblieben,

der Haushaltsansatz wurde gleichsam zum

Steinbruch für die Kämmerer. Zudem ist

die gesamte Branche – Planer, Auftraggeber,

Handwerker – immer wieder durch

Skandale, Manipulationen und Korruption

ins Gerede gekommen. Dies alles hat zu

einem enormen Imageverlust geführt, sodass

die Bevölkerung das Bauen nicht mehr

mit einem Zugewinn an Lebensqualität in

Verbindung bringt, sondern nur noch als

manchmal notwendiges Übel. Eine Stiftung

kann gerade durch ihre Unabhängigkeit auf

Fehlentwicklungen hinweisen und auf positive

Gegenbeispiele aufmerksam machen.

Deutschland verfügt nach wie vor über

das größte Bauvolumen Europas. Gibt

es noch weitere Besonderheiten?

Wir haben eine starke Gewerketrennung,

die auf dem Zunftwesen basiert. Das hat

zwar zu einer hohen Spezialisierung geführt,

ist aber bei kleinen Bauvorhaben

schwierig zu handhaben. Wenn Sie ein Bad

von acht Quadratmetern Größe erneuern

wollen, arbeiten Sie mit acht Handwerkern

zusammen. Bei größeren Projekten brauchen

Sie 15, manchmal 40 Fachhandwerker.

Der Organisationsaufwand für die Koordinierung

wiegt mittlerweile die Vorteile der

Spezialisierung auf. Ich sehe aber einen

Trend, zumindest im kleinteiligen Bauen, in

der Sanierung und in der Modernisierung,

der uns wieder zu einem ganzheitlichen

Ansatz führt. Zudem fehlt es an einer einheitlichen

Stimme für den Bau. Allein in

unserem Förderverein sind 40 Kammern,

Verbände und sonstige Vereinigungen

vertreten. Immerhin ist es uns hier zum

ersten Mal überhaupt gelungen, diese

Gruppen an einen Tisch zu bringen.

Beraten, fördern, werben: Ist das der

programmatische Dreiklang der Stiftung

Baukultur?

Ich möchte der Arbeit des zukünftigen

Vorstands nicht vorgreifen. Im Stiftungs­

„Eine Frage der Wertigkeiten“

engelbert Kortmann (61), Vorstandsvorsitzender

des Fördervereins der neu gegründeten Stiftung

Baukultur, über gute Qualität am Bau, deutsche

Besonderheiten und seine Zukunftsvisionen.

gesetz hat der Gesetzgeber ihm eine

Reihe von Aufgaben gestellt: Das reicht

von der Bewusstseinsbildung für die Bedeutung

der Baukultur in der Bevölkerung

bis zur Schaffung einer Plattform für den

Export von Bau­ und Planungsleistungen

ins Ausland.

Ist Nachhaltigkeit zukünftig das Kriterium

für gute Qualität?

Nicht allein, und grundsätzlich sind nicht

alle Qualitätskriterien sicher zu erfassen.

Aus meiner Sicht ist die Nachhaltigkeit für

das Bauen allerdings ein zentraler Qualitätsmaßstab.

Ein Bauwerk mit einer vorgesehenen

Lebensdauer von 20 Jahren kann

ich nicht als positives Beispiel für Baukultur

ansehen. Gute Qualität wird sich halten,

schlechte wird man abreißen. Neben

der Nachhaltigkeit gibt es weitere wichtige

Kriterien, wie die Gestaltung und die

technische Ausführung und Ausstattung.

Welche gesellschaftlichen Faktoren

werden Ihrer Meinung nach die qualitative

Debatte bestimmen?

Wir sehen im Moment zwei Megatrends:

die Energiedebatte und den demografischen

Wandel. Die Energiedebatte betrifft

die technischen Aspekte, den Umgang mit

Ressourcen, die Verwendung von Materialien.

Der demografische Wandel wird zu

Leerständen und vermehrtem Abriss führen.

Schlechte Bauwerke werden zunehmend

leer stehen und Leerstände wirken

sich zusätzlich negativ auf die Nachbarschaft

aus. Immobilienbesitzer werden daher

zunehmend darauf achten, selbst qualitätsvoll

zu bauen, und kritisch beobachten,

was in ihrer Nachbarschaft geschieht. Die

Lage ist nach wie vor das wertbestimmende

Element einer Immobilie, und sie

wird bestimmt durch das städtebauliche

Umfeld. Beide Trends, das Energiebewusstsein

und der demografische Wandel, werden

somit, da bin ich mir sicher, die Qualität

des Bauens fördern.

Wie groß ist unsere Chance, in Zukunft

noch besser zu wohnen?

Wir haben in Deutschland eine gelebte

Baukultur. Das sehen wir in historischen

Städten – denken Sie an Heidelberg oder

Rothenburg ob der Tauber. Aber nicht nur

dort: Dass so viele Touristen sich von der

neuen Architektur Berlins begeistern lassen,

ist ein gutes Zeichen. Aber mir ist klar:

Das Bauen und Wohnen befindet sich in

Konkurrenz zu anderen Wirtschaftgütern,

für die der Verbraucher sein Geld ausgibt:

zum Auto, zum Reisen, zur Mode. Wofür

er sich entscheidet, ist letztlich eine Frage

seiner individuellen Wertigkeiten.

„Löchrig wie ein Schweizer Käse“

Investitionen in eine bessere Zukunft soll neben

staatlicher Förderung und Zuschüssen unter anderem

der Energieausweis für Gebäude schmackhaft machen,

der nach einigem Geplänkel nun tatsächlich ab Juli

nächsten Jahres stufenweise für Immobilien im Bestand

Pflicht wird. Neubauten werden bereits seit fünf

Jahren mit dem Papier ausgestattet, das genau aufschlüsselt,

wie freundlich das Zuhause zur Umwelt und

für den Geldbeutel des Bewohners ist. Vorzuweisen ist

der Pass beim Verkauf oder bei der Vermietung der

Immobilie. Funktionieren soll das nach dem „Prinzip

Kühlschrank“: Dümpeln Geräte beim Verbrauch im

roten Bereich, senkt es ihren Marktwert. Der Energieausweis

könnte für Eigentümer ein Grund mehr sein,

mit einer Modernisierung schlechte Noten zu umgehen

– zumal in der Anlage gleich sinnvolle Maßnahmen

aufgelistet werden.

Das Potenzial für energetische Modernisierungen

ist groß, immerhin wurden drei Viertel aller Gebäude

vor 1985 gebaut und sind damit unbedingt sanierungsbedürftig

– vorausgesetzt die Eigentümer haben nicht

schon nachgearbeitet. Ohne die Kohlendioxid- und

Energieeinsparpotenziale im Gebäudebestand zu nutzen,

seien die Klimaziele der EU und der Bundesrepublik

überhaupt nicht zu erreichen, so der Bundesumweltminister,

der in diesem Jahr folgerichtig die

Schirmherrschaft der Deutschen Wärmekonferenz

übernommen hat. „Verglichen mit dem heutigen Stand

der Technik“, sagt Sigmar Gabriel, „sind die meisten

Gebäude, energetisch gesehen, löchrig wie ein Schweizer

Käse.“

Durch das staatliche CO2-Gebäudesanierungsprogramm

konnten 2006 in Deutschland bereits 265.000

Objekte modernisiert werden. 1,5 Milliarden Euro hat

man für die Verbilligung von Krediten und Tilgungs-


zuschüsse ausgegeben. 9,4 Milliarden Euro wurden

Umbauherren über die Kreditanstalt für Wiederaufbau

zugesagt, Investitionen in Höhe von elf Milliarden Euro

ausgelöst. Keine schlechte Bilanz. „Nach der bisherigen

Erfahrung werden mit jeder investierten Milliarde

Euro 25.000 Arbeitsplätze gesichert oder neu geschaffen“,

sagt Stefan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen

Energie-Agentur (dena). „Gleichzeitig gehen

Experten von einem Investitionsbedarf in Höhe von

30 bis 40 Milliarden Euro aus.“

Widersprüchliche Umfragen

Rosige Prognosen. Doch wird sich der Markt wieder

beleben? Nach dem Boomjahr 2006, das sich noch im

ersten Quartal 2007 bemerkbar machte, ist die Bau- �

titel | 11

2.000 Tonnen Sand, 24

Künstler aus zwölf Nationen

und zwölf Tage Arbeit: So

entstand im Mai 2007 „Die

Magie Ägyptens“ am Strand

von Le Toquet in Frankreich.

Foto: Eyedea


Foto: actionpress

12 | titel bauen

Der Leuchtturm von

Alexandria war eines der

sieben Weltwunder der

Antike. Mehrere Erdbeben

zerstörten ihn Ende des 14.

Jahrhunderts. Der Künstler

Andreas Georg-Dechart ließ

ihn 2003 am Strand von

Travemünde auferstehen.

wirt schaft nun ein wenig in die Knie gegangen: Der

Auftragseingang im Wohnungsbau lag im ersten

Halbjahr um 4,1 Prozent unter dem des Vorjahres.

Mehrwertsteuererhöhung und Abschaffung der Eigenheimzulage

fordern ohne Frage ihre Opfer. So ist die

Zahl der Baugenehmigungen für Ein- und Zweifamilienhäuser

in der ersten Hälfte des Jahres um mehr

als 50 Prozent zurückgegangen. Die Hoffnung der

Branche richtet sich daher auf den Bereich „Modernisierung“,

der bereits einen Anteil von knapp 60 Prozent

am Bauvolumen erreicht hat.

Der größte Unsicherheitsfaktor in der Rechnung ist

der Mensch: Wird es gelingen, die Modernisierungslust

von Bauherren und Hausbesitzern zu wecken?

Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums

für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

können bislang nur 15 Prozent der Befragten die Spareffekte

der Gebäudesanierung einschätzen und 64

Prozent unterschätzen die positive Wirkung auf den

eigenen Geldbeutel: Denn tatsächlich lässt sich fast

die Hälfte der Heizkosten durch eine energetische

Sanierung sparen. Positiv stimmt dagegen, dass nach

einer TNT-Forschung für den Spiegel 73 Prozent der

Befragten bereit wären, die Kosten für eine Modernisierung

zu übernehmen.

Wenn Hausbesitzer die vom Umweltminister ausgemachten

Löcher stopfen, profitiert zuallererst der

Dämmstoffmarkt, der im vergangenen Jahr bereits um

zehn Prozent zulegte, sogar Lieferengpässe vermeldete.

Tatsächlich sollen mehr als die Hälfte der vom

Staat eingesetzten Fördermittel in Dämmmaterialien

geflossen sein. Aktienanalysten sehen führende Hersteller

im Bereich als Gewinner der Förderprogramme

für energetische Sanierung und sprechen von zweistellige

Wachstumsraten. So nannte Saint-Gobain Isover

für das Geschäftsjahr 2006 einen Umsatzzuwachs von


14 Prozent und prognostizierte ein weiteres Marktwachstum

von sechs Prozent.

Wärmepumpen im Königshaus

Ohne Frage ist auch die Heizungsbranche ein angehender

Profiteur, allerdings klagt man hier noch über

einen Sanierungsstau. Der Bundesindustrieverband

Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik e.V.

(BDH) schätzt, dass momentan erst zehn Prozent aller

Heizkessel auf dem Stand der Technik sind. Doch die

Verbraucher zögern. „Der Bürger wird immer stärker

verunsichert. Einerseits werden ständig steigende Öl-

und Gaspreise prognostiziert. Andererseits debattiert

die Politik darüber, dass Energiesparen und Klimaschutz

teuer seien“, so Klaus Jesse, der Präsident des

BDH. Immerhin verlief das vergangene Jahr für die

deutsche Wärmebranche besser als erwartet. Der deutsche

Heizungsmarkt wuchs nach einem Tiefpunkt

2005 um vier Prozent. Die Branche erlebt einen durchgreifenden

Strukturwandel, soll Energie effizienter

einsetzen und fossile Energien nach und nach ersetzen.

Die Brennwerttechnik etwa hat sich schon

flächendeckend durchgesetzt, erreicht Wirkungsgrade

um hundert Prozent. Dabei sind sich zukunftsorientierte

Anbieter einig, dass Solarenergie integraler

Bestandteil jedes Systems sein sollte. So wird Sonne

immer selbstverständlicher mit Öl- oder Gas-Brennwertkesseln,

Pelletöfen und Wärmepumpen kombiniert,

und die Solarthermie verzeichnet Wachstumsraten

von 58 Prozent.

Die kleine Schwester der Solarthermie ist die

Geo wärme, die zurzeit eine kleine Erfolgsgeschichte

schreibt. Allein in Nordrhein-Westfalen wurden 2006

fast 9.000 Wärmepumpen installiert, was ihre Anzahl

fast verdoppelte. Landesweit spricht man von Wachstumsraten

von 140 Prozent. �

Fotos: ECE

Die größte Baustelle Europas

titel | 13

Nicht nur mit dem Titel „Kulturhauptstadt 2010“ setzt Essen neue

Maßstäbe im Ruhrgebiet. Inzwischen gilt die Ruhrmetropole im

Wandel als „größte Baustelle Europas“. Nicht zuletzt die aufwändigen

Bauprojekte, in die allein bis zum Jahr 2010 nach Schätzungen eine

Milliarde Euro investiert werden, sind Motoren des Wandels.

Das wohl ehrgeizigste Projekt findet sich auf dem Limbecker Platz.

Hier baut Arcandor (vormals: KarstadtQuelle) eine in Deutschland

einzigartige Shoppingmall. 70.000 Quadratmeter verteilen sich auf

dreieinhalb Ebenen, die dem Besucher neben fast unüberschaubaren

Einkaufsmöglichkeiten auch Restaurants bieten. Schon die Fassade,

entworfen vom Architekturbüro Henn in Bonn, spricht für den Unikat-

Charakter: Der Bau erinnert durch seine Linien an ein schwingendes

Kleid. Das Projektmanagement des Einkaufscenters liegt bei der ECE

GmbH. & Co. KG und Union Investment. 300 Millionen Euro soll der

Bau kosten – eine lohnende Investition, findet Essens Oberbürgermeister

Wolfgang Reiniger: „Ich nenne das Vorhaben mit Fug und Recht ein

Jahrhundertbauwerk. Für die gesamte Innenstadt wird der Bau eine

Initialzündung sein.“ Die im Mai 2006 begonnenen Arbeiten werden

im Herbst 2009 abgeschlossen.

Im Herbst 2007 hat der Neubau des Folkwang-Museums begonnen.

Auf 17.500 Quadratmetern Fläche werden im Kulturhauptstadtjahr

2010 international renommierte

Kunstausstellungen in einem

mehr als angemessenen Rahmen

präsentiert – der Krupp-Stiftung

um ihren Vorsitzenden Prof. Dr.

h.c. mult. Berthold Beitz sei

Dank. Sie spendiert der Stadt den

55 Millionen Euro teuren Bau,

den der britische Stararchitekt David Chipperfield gestalten wird.

Auch der bereits begonnene Bau des ThyssenKrupp Quartiers wird

Essen neuen Glanz verleihen. „Wir beteiligen uns auf diese Weise aktiv

am Image- und Strukturwandel des Ruhrgebiets“, so der Vorstandsvorsitzende

der ThyssenKrupp AG, Dr. Ekkehard Schulz. Der Entwurf des

Architekturbüros Chaix & Morel et Associés, Paris, und der JSWD Architekten

und Partner, Köln, wird für geschätzte 200 Millionen Euro bis

zum Jahr 2010 umgesetzt. Das Gebäude umfasst dann nicht nur Büros,

sondern auch ein Hotel und die ThyssenKrupp Academy, das welt weite

Fortbildungscenter für Führungskräfte des Konzerns.

Eine einzigartige Architektur bietet schließlich die neue Konzernzentrale

der E.ON Ruhgas AG. Nach dem Entwurf der JSK-Architekten

aus Düsseldorf werden auf der Fläche des ehemaligen Gruga-Stadions,

direkt gegenüber der Messe, für 100 Millionen Euro ein transparenter,

fünfgeschossiger Gebäuderiegel, ein 15-geschossiges Doppelhochhaus

sowie eine Tiefgarage entstehen. Der Neubau bietet Platz für rund

2.000 Arbeitsplätze. Der Bau soll Ende 2007 beginnen, damit die neue

Zentrale wie geplant Ende 2009 bezugsfertig ist.

Diese vier Projekte – so viel steht jetzt schon fest – werden Essens

Gesicht zu Beginn des 21. Jahrhunderts verändern. Und die Stadt als

Wirtschafts- wie Kulturstandort stärken.


14 | titel bauen

Wärmepumpen entwickeln sich so sehr zum Liebling

der Kunden, dass die Neuinstallationen in diesem Jahr

wohl sogar die in Schweden übertreffen werden, dem

Wärmepumpen-Musterland. Dort liegt der Markt anteil

bei neu gebauten Einfamilienhäusern um 90 Prozent,

und heizt sogar das Königshaus auf diese Weise.

Für wie lukrativ Strategen den Sektor Energie sparender

Heizungstechnik erachten, zeigt auch die aktuelle

Ankaufpolitik der Branchengrößen: Danfoss etwa

hat es sich zum Ziel gesetzt, Europas führender Hersteller

von Wärmepumpen zu werden, und kaufte bis

Mitte des Jahres bereits fünf Produzenten aus dem Bereich

auf. Viessmann legt den aktuellen Übernahmefokus

auf Holzkesselhersteller. Auch die kontrollierte

Wohnraumlüftung birgt Potenzial fürs Einsparen von

Heizenergie. Sie entlässt die Wärme nicht mehr ins

Freie, sondern führt sie über Wärmetauscher der

Frischluft zu. Ein Konzept, ohne das kein Passivhaus

auskommt.

Erfindungsreichtum wird belohnt

Wenn sich Investitionen in die Zukunft lohnen, freuen

sich innovative Unternehmen. Derzeit ist Erfindungsreichtum

gefragt. Allein Siemens steckt die

Hälfte seines 5,7-Milliarden-Euro-Forschungsetats in

Klimaschutzprojekte. Ein Blick in die Branche zeigt,

was schlaue Köpfe ersonnen haben: Jeder Sonnenstrahl,

der ungenutzt auf Fassaden und Fenster fällt,

verschenkt Energie. Gebäudeintegration heißt das

Schlüsselwort. Konkret geht es meist um semitransparente

Fotovoltaikzellen, die in Glas eingelegt werden,

Fassaden beplanken sowie Verschattungssysteme

ersetzen. So hat sich Schüco gerade mit dem E.ON-

Konzern zusammengetan, um an zwei Standorten in

Deutschland Dünnschichttechnologie für einen breiteren

Markt zu entwickeln und zu produzieren.

Das Taj Mahal am

Berliner Hauptbahnhof?

Der indische Künstler

Sudarsan Pattnaile erbaute

seine Hommage an eines

der schönsten Zeugnisse

i slamischer Kunst im Jahr

2007 in der deutschen

Hauptstadt.

Inzwischen gibt es selbst flexible Solarmodule: In

Frankfurt an der Oder fertigt die junge Firma Odersun

Fotovoltaik auf Kupferstreifen. Und statt Solarkollektoren

als Kästen aufzusetzen, lässt sich Solarthermie

mit Systemen wie denen von Rheinzink jetzt unsichtbar

in Metalldächer integrieren.

Der Kampf um niedrigere „U-Werte“ (das heißt: um

bessere Dämmung) hat dazu geführt, dass immer mehr

Mauersteine gefüllt angeboten werden – keine Luftkammer

bleibt ungenutzt. Eine Besonderheit ist dabei

der Porenbetonstein, wie ihn etwa H+H anbietet: Dank

Miniwachskügelchen erreicht er bei gleicher Dicke die

doppelte Energiespeicherkapazität. Und wer mithilfe

von Finacon oder Luccon Wände aus spektakulärem

Lichtbeton baut, kann ohne Fenster Helligkeit ins Haus

holen.

Sagenhafte Wärmeleitwerte

Ein weiteres Novum im Dämmbereich macht Furore:

Vakuumisolationspaneele (VIP), wie sie Porextherm

und Variotec anbieten, erreichen sagenhafte Wärmeleitwerte.

Die VIPs schlagen selbst die besten Dämmmaterialien

um ein Vielfaches – und sind bei gleicher

Dämmleistung fünf- bis zehnmal dünner. Sie funktionieren

im Prinzip wie eine Thermoskanne.

Statt zu lamentieren, reagiert die Branche also mit

Erfindungslust und Tüftlerfleiß. Endlich, scheinen

sich die Ingenieure zu sagen, dürfen wir das Rad wieder

neu erfinden. Die Unternehmen investieren großzügig

in die Forschung. So könnte der Kampf gegen den

Klimawandel nicht nur zum Motor der Baubranche

werden, sondern eine Initialzündung geben für innovative

und intelligentere Technik, von der wir noch

profitieren, wenn es schon längst selbstverständlich

sein wird, dass sich Gebäude energetisch ausweisen

können. �


titel | 15

Foto: imago


16 | MeSSe deubau/SHK

Fachleute im Dialog

Deutlich mehr Aussteller, deutlich größere Flächen, etliche neue Unternehmen:

Die DEUBAU und die SHK setzen zu Paukenschlägen für ihre Branchen an.

750 Unternehmen

stellten ihre Innovationen

auf der DEUBAU 2006 aus.

Und die se Zahl wird bei der

Neuauflage der größten

Baufachmesse Deutschlands

vom 8. bis 12. Januar 2008

nochmals übertroffen.

„Wir verspüren kräftigen Rückenwind“, sagt Dr.

Joachim Henneke, Vorsitzender der Geschäftsführung

der Messe Essen. Das Gefühl gilt der DEUBAU 2008.

Gut drei Monate vor der Internationalen Baufach messe

zeichnet sich ab, dass die DEUBAU, die vom 8. bis 12.

Januar 2008 wieder in der Messe Essen stattfindet, in

allen Bereichen zulegen wird. Alles spricht dafür, dass

die Zahl der Aussteller das Ergebnis von 2006 übertreffen

wird. Damals präsentierten 750 Unternehmen ihre

Innovationen. Unter den bisherigen Anmeldungen für

die DEUBAU 2008 finden sich etliche Neuaussteller.

Auffällig zudem: Viele Aussteller wollen ihre Standflächen

massiv vergrößern. „Paukenschlag statt Streichquartett

scheint das Motto zu sein“, hat Joachim Henneke

beobachtet.

„Der Schalter ist umgelegt“, beschreibt Dr. Rüdiger

Vogel, Geschäftsführer der Saint-Gobin Weber GmbH

und Vorsitzender des DEUBAU-Messebeirates, die

Lage. Erstmals seit dem Jahr 2000 zeigten die wichtigsten

Indikatoren für das Jahr 2007 ein Plus. Und


diese Stimmung müsse mit in das „DEUBAU-Jahr“

2008 genommen werden.

Die DEUBAU-Macher profitieren indes nicht nur. Sie

tragen mit der richtigen Schwerpunktsetzung ihren

Teil zur konjunkturellen Belebung bei. Zukunftsträchtige

Themen stehen auch diesmal im Mittelpunkt, ganz

oben das Thema „Energie“ (siehe auch unser Titelthema).

Ebenfalls im Fokus: der Bereich „Ausbau“ mit

den Themen Modernisierung, Renovierung und Sanierung

im Bestand. Nahezu jeder DEUBAU-Auststeller

hat die Wichtigkeit dieses Marktes erkannt.

Damit nicht genug: Auch das Rahmenprogramm ist

noch einmal aufgewertet worden. Foren, Kongresse,

Seminare, Aktionen und Events ergänzen die Präsentationen

der Aussteller so vielfältig wie noch nie.

Speziell auf Zielgruppen zugeschnittene Sonderveranstaltungen

sprechen nicht nur Fachbesucher, sondern

auch die Entscheider aus Ländern, Kommunen und der

Bauwirtschaft an. So beginnt die DEUBAU 2008 mit

einem „Tag der Wohnungswirtschaft“. Hier bringen

Vorträge und Diskussionsforen den Dialog zwischen

Industrie und Wohnungswirtschaft in Schwung.

Ein Ort für Architekten

Über ein Fünftel der DEUBAU-Fachbesucher sind Architekten,

Planer und Ingenieure. Und deren Informationsbedarf

wird gestillt. So setzt der Internationale

Architektur-Kongress, mit 1.350 Teilnehmern schon

2006 der größte im deutschsprachigen Raum, wieder

Maßstäbe für Wohn- und Raumvisionen.

Eine Institution ist seit 42 Jahren der DEUBAU-Preis

für junge Architektinnen und Architekten. Auch diesmal

hat die Jury wieder herausragende architektonische

Antworten auf aktuelle Herausforderungen

prämiert. Sieger des DEUBAU-Preises 2008 ist die Berliner

Architektengemeinschaft ROBERTNEUN für ihr

Projekt „Frischeparadies de Pastre“ in Essen. Der Neu-

und Umbau des Delikatess-Großhandels betriebs liefere,

so die Juroren, einen wichtigen Beitrag zu einem

stark vernachlässigten Aufgabenfeld: der stadtbildwirksamen

Gestaltung von Zweckbauten für die Lagerung

und Distribution von Waren.

Hightech auf der SHK

Zwei Monate später treffen sich gut 550 Aussteller

und über 50.000 Fachbesucher auf der SHK Essen. Die

Fachmesse für Sanitär, Heizung und Klima widmet sich

als wichtigster Branchentreff vom 5. bis 8. März 2008

zum Beispiel den Trends im Bad: Eine Dusche, ein

Waschtisch, ein WC – so schlicht lieben es die Bundesbürger

immer weniger. In der Nasszelle ist vielmehr

Hightech gefragt. Eine Studie der Vereinigung Deutsche

Sanitärwirtschaft (VDS) ergab, dass die Bereit-

schaft wächst, in eine private Wellnessoase zu investieren.

Zudem hat mehr als die Hälfte der Bundesbürger

ihr Bad seit dem Bau oder Bezug ihres Eigenheims

noch nicht renoviert. Und schließlich sind fast acht

Millionen dieser 18 Millionen „unberührter“ Räume

über 15 Jahre alt.

Vollwertiger Messe-Samstag

Die verbesserte Auftragslage bei Handwerkern und

Planern bringt eine ungewollte Begleiterscheinung mit

sich: Für Marktbeobachtung und Fortbildung bleibt

wenig Zeit. Der Messebeirat der SHK Essen hat darauf

pragmatisch reagiert. Gemeinsam mit den Ausstellern

wurde sichergestellt, dass auch am Messe-Samstag

qualifiziertes Personal für Fragen und Wünsche der

Besucher zur Verfügung steht. Schließlich ist Flexibilität

nicht nur eine Sache des Handwerkers.

Modernisierungsbedarf an der Ruhr

Klar, dass das Thema Energieeffizienz auch bei der

SHK eine wichtige Rolle spielt. Preissteigerungen bei

Öl und Gas haben zusammen mit der Diskussion um

den Klimawandel die Frage nach sparsamen, umweltschonenden

Technologien ganz oben auf die Agenda

der Hausbesitzer gesetzt.

Dies gilt übrigens ganz besonders für die Ruhr-Region:

Nirgendwo sonst in Deutschland ist der Modernisierungsbedarf

in Bauten und Bädern so hoch wie rund

um Essen. Weitere Impulse sind von den Bauvorhaben

in Stadt und Region zu erwarten – auch in Richtung auf

das Kulturhauptstadtjahr 2010. �

www.deubau­essen.de

www.shkessen.de

MeSSe | 17

Trends im Bad bilden

einen Schwerpunkt der SHK

Essen. Die Aussichten der

Branche sind gut. Denn

Studien belegen, dass die

Investitionslust steigt – und

der Modernisierungsbedarf

weiter wächst.


18 | MeSSe 2012

Messe 2012:

Ideen für die Zukunft

Der künftige Osteingang

der Messe Essen? So sieht

er nach den Vorstellungen

des Büros Klapheck aus.

Die neue Grugahalle

aus der Luftperspektive:

eine Vision des italienischen

Architekten Mario Bellini.

Erste Ideen für einen umfangreichen Umbau des Messegeländes

wurden dem Aufsichtsrat der Messe Essen präsentiert.

Symbolischer könnte das Datum kaum sein: Wenn

die Messe Essen im Jahr 2013 ihren 100-jährigen

Geburtstag feiert, soll sich das Gelände an der Gruga

auf dem neuesten Stand präsentieren. „Messe 2012“

heißt die Vision, die in knapp fünf Jahren Realität werden

könnte. In einer Sondersitzung im Herbst dieses

Jahres wird sich das Aufsichtsgremium gemeinsam mit

Experten mit einer ersten Bewertung der vorliegenden

vier Gesamtentwürfe befassen. Parallel wurde mit

einer Machbarkeitsstudie begonnen, die die Details

der Finanzierung klären soll. „Wir sind sehr froh, dass

der Aufsichtsrat unserem geplanten Modernisierungsvorhaben

äußerst aufgeschlossen gegenübersteht“, sagt

Dr. Joachim Henneke, Vorsitzender der Geschäftsfüh-


ung der Messe Essen. „Dies wäre der perfekte Auftakt für

das nächste Messejahrhundert.“

Die Pläne sehen eine deutliche Qualitätsverbesserung

im Bereich der Nordhallen, der Grugahalle

und des Ostflügels vor. Die doppelstöckigen „Nordhallen“

– die Hallen 8 und 8.1, 9 und 9.1. sowie die

Halle 7.1. – weichen hochmodernen ebenerdigen Gebäuden.

In ihrer baulichen Konstruktion entsprechen

die 1977 errichteten Hallen nicht mehr dem Niveau

des übrigen Messegeländes. „Es geht uns um eine Verbesserung,

nicht um eine Erweiterung“, stellt Joachim

Henneke klar: „Qualität vor Quantität“.

Geplant ist zudem ein neues großes Foyer für die

Grugahalle. Optische und funktionale Verbesserungen

des Eingangsbereichs werden die „Mutter der Mehrzweckhallen“

für Kunden noch attraktiver machen –

und auch preiswerter, da die Zeltlandschaften vor dem

Foyer, wie sie heute etwa bei großen Hauptversammlungen

noch nötig sind, bald der Vergangenheit angehören

könnten.

Die dritte Baumaßnahme betrifft das Messehaus Ost,

immer noch einer der höchstfrequentierten Eingänge.

„Dieser derzeit eher unscheinbare Bereich wird dank

einer funktionalen Neuordnung Aussteller und Gäste

künftig viel großzügiger empfangen“, erklärt Joachim

Henneke. Zusammen mit dem wetterfesten Zugang

zur U-Bahn-Haltestelle auch städtebaulich ein klares

Signal, von dem darüber hinaus der Grugapark profitieren

wird.

Qualitativer Quantensprung

Nach der entsprechenden Beschlussfassung durch

den Aufsichtsrat der Messe Essen und den Rat der

Stadt Essen könnte die Realisierung in Schritten erfolgen,

bis 2012 wären alle Umbaumaßnahmen abgeschlossen.

Ersten Schätzungen zufolge belaufen sich

Klare Signale: Im Gespräch

mit ESSEN AFFAIRS

erläutert Dr. Joachim

Henneke, Vorsitzender der

Geschäftsführung der Messe

Essen, die umfangreichen

Umbaupläne.

die Investitionen nur auf einen Bruchteil dessen, was

vergleichbare Messestandorte derzeit investieren

müssen. Über die Finanzierung ist noch nicht entschieden,

aber schon jetzt steht fest: Nach dem Neubau der

Messehalle 3 und dem spektakulären Westflügel im

Jahr 2000 gelänge der Messe damit ein weiterer qualitativer

Quantensprung. www.messe­essen.de

MeSSe | 19

Erweiterte Grugahalle

und Messehaus Ost:

ein Entwurf des Büros

Koschany +Zimmer (oben).

Blick auf das Foyer

Messe Ost: So sieht die

Idee von Ulrich Krautwald

Architekten aus (unten).


20 | MeSSe menScHen

40 Jahre für vier Räder

Deutschlands größte jährliche Automobilmesse feiert ihren 40. Geburtstag. Wir haben

vier Menschen besucht, die eine besondere Beziehung zur Essen Motor Show haben.

Und die eine Leidenschaft eint.

Der Macher

Ein kleines Schild an der Haustür, mehr braucht es

nicht. „Wolfgang Schöller Managements“ steht da in

Schwarz auf Gold, darunter „Essen Motor Show“. Mehr

passt nicht auf das Schild, aber was heißt schon Manager?

Wolfgang Schöller ist der „Mr. Motor Show“, er

hat sie erfunden und vier Jahrzehnte geprägt wie kein

Zweiter. Die Jubiläumsshow ist seine letzte als Hauptverantwortlicher

– Zeit für eine kleine Zeitreise zurück

in die späten sechziger Jahre.

„Ich war selbst Motorsportler, aber in bescheidenem

Rahmen“, sagt Schöller, heute 64 Jahre alt. Rennen

hatte er auch schon organisiert, als ihm 1968 die Idee

für eine internationale Sport- und Rennwagenausstellung

kam. Und wo, wenn nicht in Essen, sollte die stattfinden?

Noch heute lebt Schöller in seinem Geburtshaus,

keine 500 Meter von der Messe entfernt. Der

damalige Messechef Walter Bruckmann fand es einen

Versuch wert. „Mach mal!“ Schöller machte – und auf

Anhieb kamen 60.000 Besucher. Schöllers exzellente

Kontakte sollten sich in der Folge immer wieder als

kraftvoller Wachstumsmotor erweisen. Der erste Weltstar

war Jochen Rindt, der sich schon 1969 engagierte,

ehe die Ausstellung 1970 in „Jochen-Rindt-Show“ umfirmiert

wurde. Auf 120.000 schnellte die Besucherzahl

hoch. Rindt selbst erlebte es nicht mehr. Sein töd-

licher Unfall beim Grand Prix in Monza hatte ihn zum

bis heute einzigen posthumen Formel-1-Weltmeister

gemacht. Schöller ließ sich nicht unterkriegen. 1973

initiierte er eine zusätzliche Motorradausstellung, holte

Weltmeister Giacomo Agostini nach Essen – und

nicht nur ihn. „Die Stars waren damals wesentlich zugänglicher“,

erinnert sich Schöller an Begegnungen

mit Größen wie Lauda, Hunt und Fittipaldi. 1981 dann

der nächste Meilenstein: Die in Kooperation mit der

SIHA geschaffene Oldtimer-Bereich und das neue

Showcenter lockten 180.000 Gäste. Das Grundgerüst

stand, das Wachstum setzte sich fort, manchmal mit

erheblichen Sprüngen. So sorgten die „James-Bond-

Cars“ 1988 für turbulente Zustände auf Essens Straßen.

Und als die Essen Motor Show 2000 als erste deutsche

Automesse Fernsehspots schaltete und die Messe

„in wochenlangen 24-Stunden-Schichten“ die neue

Halle 3 punktgenau realisierte, wurde erstmals die

Schallmauer von 400.000 Besuchern durchbrochen.

„Jetzt geht die Verantwortung an ein Kompetenzteam

über“, erläutert Klaus Reich, Direktor Messen

und Ausstellungen der Messe Essen, der gemeinsam

mit Schöller 25 Jahre an der Entwicklung der Essen

Motor Show gearbeitet hat. „Es wird keinen neuen Mr.

Motor Show geben“, stellt Lars Crone, Teamleiter bei

der Messe Essen, klar. Und Wolfgang Schöller? Er

bleibt der Messe als Berater erhalten. �


MeSSe | 21

Die Bilder an der Wand

verraten es: Für Wolfgang

Schöller war das Management

der Essen Motor Show

immer auch eine Sache des

Herzens. Jetzt gibt der 64-

Jährige die Verantwortung

teilweise ab.

Foto: Jens Peters,VVA


22 | MeSSe menScHen

Ein Enthusiast ist Erich

Bitter auch mit 74 Jahren

noch. Bald feiert seine neueste

automobile Schöpfung

Premiere – auf der Essen

Motor Show.

Foto: Jens Peters,VVA

Der Tuner

Wer in Bodo Buschmanns Büro Platz nimmt, macht

Bekanntschaft mit einem Erfolgsgeheimnis. Mit

feinstem Leder sind die Sessel überzogen – genau dem

Leder, das in Gefährten der Marke Brabus verwendet

wird. „Das ist ein bisschen unfair“, gibt Bodo Buschmann

zu, „wenn Sie einmal ein solches Auto gefahren

haben, vergessen Sie das nie wieder.“ Wohl wahr.

Brabus – dieser Name steht seit 30 Jahren für hochwertiges

Mercedes-Tuning. So bekannt ist die Marke,

dass Buschmann regelmäßig als Herr Brabus angesprochen

wird.

Die Gründungsgeschichte von Brabus ist Legende:

Als Buschmann nach seinem Studium in die Unternehmensgruppe

der Eltern, Inhaber eines Mercedes-Auto-

Der Konstrukteur

Die Anekdoten seines Lebens hätten unter keiner

Motorhaube Platz – nicht einmal unter der eines

Bittera. Zwei Stunden dauert das Gespräch nun, und

Erich Bitter hat gerade erst angefangen. Bitter ist nicht

nur ein Konstrukteur außergewöhnlicher Automobile

– er ist eine einzigartige Persönlichkeit. Die wichtigste

Foto: Jens Peters,VVA

Lektion seines Lebens erhielt Erich Bitter jedoch nicht

erst als Firmenchef, nicht als Importeur für Rennkleidung

und auch nicht als Autorennfahrer. Sondern als

junger Radprofi: „Es kommt nicht darauf an, fünf Meter

vor oder hinter der Ziellinie Erster zu sein – sondern

auf der Ziellinie!“

Bitter ist ein Kämpfer, aber kein Fanatiker, eher ein

Spieler mit Liebe zum Risiko. Das war schon damals so,

als er feuerfeste Rennanzüge bewarb, indem er sich in

eine brennende Wanne stellte, und das blieb so, als er

seinen Freund Robert „Bob“ Lutz, damals Opel-Verkaufsvorstand,

von der Idee eines exklusiven Autos mit

robuster Technik überzeugte. Aber wie sollte die neue

Automarke heißen? Ferry Porsche gibt Bitter den lakonischen

Rat: „Schreib deinen Namen drauf ... Porsche

klingt auch nicht besser!“ Und so fuhr 1973 der Bitter

CD vor – ein Kultauto vor allem dank der prominenten

Kunden: Paul Breitner, Udo Lattek, Heino, Rosi Mittermaier.

Noch heute hört man Bitters Stolz darauf. Es

folgten der Bitter SC und – viele gute Ideen.

Bemerkenswert offen erzählt dieser westfälische

Gentleman von Rückschlägen, von Projekten, die fünf

Meter vor der Ziellinie scheiterten. Während seiner

Jahre als Prototypenbauer bei VW hat er seinen Traum

bewahrt. Und jetzt präsentiert Erich Bitter auf der Essen

Motor Show seine neueste serienreife Kreation.

„Vero“ wird der Wagen heißen, der Name ist gut gewählt:

Es ist ein wahrer Bitter. Und so schließt sich ein

Kreis: Erich Bitter war schon 1968 Aussteller. �


Unter seinen Händen

schlummern 730 PS:

Prof. Dr. h.c. Bodo Buschmann

präsentiert den

„Brabus Rocket“, die schnellste

Straßenlimousine der

Welt. Knapp 366 km/h

erreichte das Nobelgefährt

im Oktober 2006.

hauses in Bottrop, einstieg, verstand sich die Wahl seines

Autos von selbst – eigentlich. „Aber die Wagen

waren mir zu langweilig“, erinnert sich Buschmann.

Also interpretierte er seinen 220 Strich-Achter sportlicher.

„Das war äußerst ungewöhnlich“ und äußerst

erfolgreich. Heute hat Brabus 350 Mitarbeiter in

Deutschland und etliche tausend weltweit. Glück und

ein gutes Händchen seien nötig gewesen, sagt Buschmann,

„aber vor allem haben wir immer versucht, mit

der bestmöglichen Qualität zu arbeiten“. Brabus-Experten

verändern einen Mercedes nicht bis zur Unkenntlichkeit.

Sie machen ihn nur schöner, exklusiver

– und schneller. Auf exakt 365,7 km/h verbesserte der

„Brabus Rocket“ im Oktober 2006 seinen eigenen Weltrekord

für straßenzugelassene Limousinen.

Atemberaubende Geschwindigkeiten sind aber nur

Nebeneffekte. „Tuning heißt ja nicht nur tiefer, brei-

Der Rennfahrer

Knapp fünf Jahre noch, dann hat es Hans-Joachim

Stuck geschafft. Dann hat er den familieninternen

Rekord mindestens eingestellt. Sein Vater Hans, der

„Bergkönig“, war 61, als er sein letztes Rennen bestritt.

Hans-Joachim, den sie in der Szene „Striezel“ nennen,

ist jetzt 56 und frei von Gedanken an die Rennfahrerrente.

Anfang Juni nahm er gemeinsam mit seinem

älteren Sohn Johannes am 24-Stunden-Rennen am

Nürburgring teil – knapp sechs Wochen, nachdem er

sich bei einem Unfall an gleicher Stelle eine Brustbeinprellung

und einen Lendenwirbelriss zugezogen hatte.

Aber das wirft einen Naturburschen nicht um.

Stucks Karriere geht in die 40. Saison. 1969, als 18-

Jähriger, gewann er sein erstes Rennen. Es folgten 160

Siege in fast allen Kategorien. Stuck fuhr in der Formel

1 und Formel 2, außerdem war er im Tourenwagen, GT

oder Sportwagen Werksfahrer von Ford, BMW, Audi,

Opel und Porsche. Seit 2000 fährt Stuck wieder für

BMW. Weil ihm das offensichtlich nicht reicht, dient er

verschiedenen Fernsehsendern als Experte. In all diesen

Funktionen war er „bestimmt an die 30mal“ zu

Gast auf der Essen Motor Show. In den ersten Jahren

hatte ihn noch sein Vater mitgenommen. Hans-Joachim

Stuck schätzt die Messe gerade auch als „wichtige

Nachrichtenbörse und Treffpunkt, auf dem Kontakte

geknüpft und gepflegt werden“. Darüber hinaus könne

Foto: motorsport-total

ter, schneller“, sagt Buschmann. Aber wieso lassen

Menschen ihre Autos überhaupt tunen? Hier wird Bodo

Buschmann, der Professor ehrenhalber, grundsätzlich:

„Jeder Mensch möchte sich unterscheiden.“ Ein

russischer Journalist hat Buschmann den Markenwert

von Brabus einmal so erklärt: „Wenn Sie ein russischer

Geschäftsmann sind, brauchen Sie drei Dinge: eine

schöne Frau an Ihrer Seite, eine goldene Uhr am Handgelenk

und einen Brabus vor der Haustür.“

„Unsere Hausmesse“ ist für Buschmann seit über 25

Jahren die Essen Motor Show. Auch der Verband

Deutscher Automobiltuner (VDAT), dessen Vorsitzender

Buschmann ist, hat hier, im VDAT-Salon, seine

Heimat gefunden. Und Bodo Buschmann, der weltweit

agierende Professor des Tunings, bleibt dieser Heimat

treu. „Als Ruhrgebietsjunge bin ich richtig stolz auf

diese Messe.“ �

man sich, „vor allem was Tuning und Zubehör betrifft,

nirgendwo anders informieren“.

Früh anfangen und sehr spät aufhören – dieses Familienmotto

beherzigt Stuck mit bayerischer Urwüchsigkeit.

Natürlich reizt es ihn, „es den Jungen als Senior

noch einmal zu zeigen“. Zum anderen sei es „ein tolles

Gefühl“, mit dem Sohn Rennen zu bestreiten. „Ich kann

meine Erfahrungen weitergeben – wie es mein Vater zu

Beginn meiner Karriere auch getan hat.“ Einen Traum

würde sich Hans-Joachim Stuck gerne noch erfüllen:

zusammen mit Johannes und seinem jüngsten Sohn

Ferdinand, der im Moment Kart fährt, das 24-Stunden-

Rennen auf dem Nürburgring zu bestreiten. Das könnte

2011 sein. Dann wäre Stuck 60 Jahre alt. Fast ein bisschen

früh zum Aufhören ... �

MeSSe | 23

Und ewig lockt die Rennstrecke:

Die Karriere Hans-

Joachim Stucks geht in ihre

40. Saison. Seit 2000 ist

er wieder als Werksfahrer

bei BMW unter Vertrag.

Gedanken an ein Ende seiner

Laufbahn verschwendet

er nicht.


Foto: Frank Schuberth,VVA

24 | MeSSe Spiel

Die Spieler sind los

Von der Volkshochschule auf die Weltbühne: Die SPIEL

feiert ihr 25-jähriges Jubiläum. Und eine ungewöhnliche

Erfolgsgeschichte.

Temperamentvolles

Duo: Rosemarie Geu

(rechts) und Dominique

Metzler haben die SPIEL als

weltgrößte Publikumsmesse

ihrer Art etabliert.

Es begann ganz harmlos. Eine Bonner Zeitschrift für

Spiele kam 1983 auf die Idee, ein Lesertreffen zu organisieren.

Als Austragungsort wurde die Essener Volkshochschule

ausgewählt. 700 Leser meldeten sich an.

So weit, so gut. Dann jedoch machte ein Journalist und

Hobby-Spieler die Veranstaltung im Morgenmagazin

des Radiosenders WDR 2 bekannt. Und am Ende der

drei „Deutschen Spielertage“ zählten die Veranstalter

5.000 Besucher. Was für ein Erfolg.

„Wir waren vollkommen überfordert“, erinnert sich

Rosemarie Geu, Geschäftsführerin des Friedhelm Merz

Verlags, der die Spieltage in diesem Jahr zum 25. Mal

ausrichtet. Die heißen inzwischen SPIEL, der Untertitel

„Internationale Spieltage“ deutet die Dimension

schon an. Die Zahlen sprechen eine noch klarere

Sprache: Zum Jubiläum werden über 150.000 Besucher

und weit über 700 Aussteller in den Essener

Messehallen erwartet. Die SPIEL ist die weltgrößte

Publikumsmesse ihrer Branche. Sie wäre es nicht geworden,

wenn das Team um Rosemarie Geu und

Dominique Metzler, der zweiten Geschäftsführerin,

die vier Tage nicht hochprofessionell und engagiert

vorbereiten würde. Erhalten blieb dabei jedoch der

einzigartige Charme dieser etwas anderen Messe.

Dann das Spiele-Festival ist seit Anfang an auch ein

„Spiele-Testival“: Die Besucher unterziehen die Neuheiten

einem lustvollen Praxistest. So erhalten die Aussteller

ein ungemein wertvolles, direktes Feedback –

und die Spieler die Chance, ihre Lieblingsneuheit

gleich mit nachhause zu nehmen.

„Man muss spinnen können“

In den Anfangsjahren der SPIEL, die seit 1985 in den

Messehallen stattfindet, bedeuteten die vielen außergewöhnlichen

Ideen und das ungezwungene Publikum

einen kleinen Kulturschock. Längst jedoch wissen alle

Partner um das Erfolgsgeheimnis, das Dominique

Metzler so auf den Punkt bringt: „Man muss spinnen

können.“

Die Branche honoriert den Einfallsreichtum mit vollständiger

Anwesenheit und höchstem Lob. Die SPIEL

ist für sie „ein einmaliges Ereignis, um das uns die

ganze Welt beneidet“, wie Ernst Pohle, Vorsitzender

der Fachgruppe Spiel, dem Zusammenschluss der

führenden deutschen und österreichischen Spielehersteller,

konstatiert. „Jeder, der etwas mit Spielen zu

hat, ist hier“, sagt Rosemarie Geu. Auch dies eine

schlichte Feststellung. Und ganz nebenbei haben sich

die Macherinnen sogar um das Stadtmarketing verdient

gemacht: „In den USA nennt man unsere Veranstaltung

nur ‚Essen‘ “, erzählt Dominque Metzler.

Das Profil bleibt gewahrt

Eine solche Marke will sorgsam gepflegt sein. Und

deshalb bleibt die SPIEL ihrem Konzept auch in Zukunft

treu. Ergänzungen wie die „Comic-Action“, die

seit 1999 über den internationalen Comic-Markt informiert,

haben sich als wertvolle Erweiterung herausgestellt,

und ständig schauen die Chef-Spielerinnen

über den Bretterrand. „Aber“, verspricht Dominique

Metzler, „wir werden unser Profil wahren.“

www.merz­verlag.com/spiel


Harmonisch und aktiv

„Gesundheitsmesse – Body & health“

1. bis 4.11.2007

Gesünder, aktiver, harmonischer: Bereits zum 13. Mal findet

die „Gesundheitsmesse – Body & Health“ statt. Rund 180

Aussteller aus dem In- und Ausland präsentieren an vier Tagen

parallel zur „Mode Heim Handwerk“ Produkte und Dienstleistungen

für ein gesünderes und aktiveres Leben. Geplant sind ein

Herz-Kreislauf-Forum, ein Allergie- und Lungen-Forum, ein

Forum Darmgesundheit und viele weitere Vorträge und Mitmach-

Aktionen www.gesundheit­messe.com

Informativ und anziehend

„Mode heim handwerk“

27.10. bis 4.11.2007

MeSSe aKtuell | 25

Sie ist und bleibt die größte Verbrauchermesse Nordrhein-

West falens: die „Mode Heim Handwerk“. Informativ und spannend,

klassisch und modern – so präsentiert sie sich auch in diesem

Jahr. Über 700 Aussteller locken mit Angeboten und fundierter

Beratung in den Bereichen „Christmastown“, „Wohnen & Leben“,

„Mode & Beauty“, „Kulinarisches & Praktisches“ sowie „Bauen,

Renovieren & Garten“ und „Hobby & Freizeit“.

Dabei haben die Veranstalter an die ganze Familie gedacht: So

lockt als eines der Highlights „Die Welt der Dinosaurier“. Angesichts

der über 30 bis zu 26 Meter langen Dino-Modelle und einer

Präsentation von rund 300 faszinierenden lebenden Reptilien entsteht

hier echtes Urzeit-Feeling. Ein weiterer Zuschauermagnet

dürften die Modenschauen sein, in denen neben Braut- und

Abendmode tragbare Alltagsmode und ausge fallener Schmuck

gezeigt werden.

Schön und selten

„art & antique essen“

15. bis 18.11.2007

www.mode­heim­handwerk.de

Willkommen in der Schatztruhe! Antike Möbel, Uhren und

Teppiche oder Gemälde und Grafiken, nicht zu vergessen Silber,

Porzellan und Schmuck: Eine ganze Welt der schönen Dinge

offenbart sich dem Besucher bei der 30. „Art & Antique Essen“ in

der Messehalle 12. Die Aussteller bieten ihre Kunstschätze aus

Mittelalter und Neuzeit am Donnerstag und Freitag von 15 bis 20

Uhr und am Samstag und Sonntag von 11 bis 19 Uhr an.

www.artundantique.de


Foto: corbis

26 | MeSSe cHina

Die Ableger der SCHWEISSEN & SCHNEIDEN und der IPM

sind in China längst etabliert. Nun lanciert die Messe Essen

ihr d rittes Projekt im weltweiten Wachstumsmarkt

Nummer eins: die REIFEN China.

„An China führt kein Weg vorbei“, titelte die Neue

Zürcher Zeitung im September 2007 anlässlich der

jüngsten Wachstumsprognose der Asiatischen Entwicklungsbank

(ADB). Die rechnet für das Jahr 2007

mit einem Wirtschaftswachstum von 11,2 Prozent, und

auch 2008 wird der konjunkturelle Sonnenschein den

Vorhersagen nach durch keine Wolke getrübt.

„China ist der Boom-Markt schlechthin“, weiß auch

Egon Galinnis, Geschäftsführer der Messe Essen, die

nun ihr drittes Großprojekt im Riesenreich lanciert:

Während die Beijing Essen Welding im Juni 2007 ihr

20-jähriges Jubiläum feierte und die IPM China im

Dezember ihre dritte Auflage erlebt, steht einen Monat

vorher eine Premiere auf dem Messeprogramm: Vom

14. bis zum 16. November findet in Shanghai erstmals

die REIFEN China statt.

Hoch hinaus im

Reich der Mitte

Die Nummer eins im Rücken

„Wir haben die Marktlücke gesehen“, freut sich

Egon Galinnis über die Resonanz auf die asiatische

Variante der Essener Weltmesse REIFEN. Wenig Zeit

hatten sich die Essener Messemacher gegeben. Im

März begann die heiße Vorbereitungsphase, bislang

haben sich schon über 80 Aussteller aus 15 Nationen

angemeldet. Ein viel versprechender Auftakt kündigt

sich an, und das trotz starker Konkurrenz durch zwei

ähnliche Messen. „Aber langfristig werden wir uns

durchsetzen“, glaubt Klaus Reich, Direktor Messen und

Ausstellungen der Messe Essen. „Denn mit der REIFEN

Essen haben wir die absolute Nummer eins weltweit im

Rücken.“

Und einen gewaltigen Markt vor sich: Denn China ist

Produktionsweltmeister bei den schwarzen Pneus.

Über 300 Reifenhersteller gibt es in der Volksrepublik,

sie produzieren über 300 Millionen Reifen pro Jahr.

Die Branche ist Teil eines enorm expandierenden Sektors:

Über 7,2 Millionen Automobile wurden nach Angaben

des Branchenverbands in der Volksrepublik verkauft.

Der unterstützt die REIFEN China genau wie

alle anderen wichtigen Organisationen und Verbände.

Darüber hinaus gelang es den Messeverantwortlichen,

die China United Rubber Group Corporation (CURC)


Ein Lieblingsmotiv von

Touristen – und Beweis

ökonomischer Kraft:

Die Skyline Shanghais. Links

im Bild der knapp 468

Meter hohe Fernsehturm.

als Partner zu gewinnen. Die CURC bietet parallel die

thematisch verwandte „Rubber Tech China“ an, eine

Fachmesse für die Gummi-Industrie. Mit der REIFEN

China verfolgt man gemeinsam große Ziele: „Wir haben

uns vorgenommen“, sagt Klaus Reich, „die gesamte

Bandbreite bis hin zum Recycling darzustellen.“

Vergleichsweise leicht fiel die strategische Entscheidung

für den richtigen Veranstaltungsort. In Shanghai

schlägt nicht nur das Herz der chinesischen Automobilindustrie,

hier ist mit dem New International

Expo Centre (SNIEC) ein Messegelände entstanden, das

höchsten internationalen Standards genügt. Hier fand im

Juni zum 20. Mal die Beijing Essen Welding statt: Über

600 Aussteller präsentierten sich auf 46.000 Quadratmetern

– „ein Meilenstein“, urteilten alle Beteiligten. Damit

untermauerte die Beijing Essen Welding ihren Ruf als

Nummer zwei weltweit – hinter der Mutterveranstaltung

SCHWEISSEN & SCHNEIDEN in Essen.

Nah an der „grünen Branche“

Zielgenauer Export einer Leitmesse – dieses Prinzip

liegt auch der IPM China zugrunde. Die geht vom

1. bis 3. Dezember zum dritten Mal über die Bühne,

wieder in Foshan in der Provinz Guangdong. Die ist

führend in Chinas „grüner Branche“, auch hier hat sich

die Messe also ganz nah am Markt platziert. Der Ruf als

eine der wichtigsten Gartenbaumessen Chinas ist hart

erarbeitet. „Die Qualität unserer Veranstaltung ist stark

gestiegen – genau das erwarten unsere Aussteller“,

sagt Sabina Dillen, Bereichsleiterin Messen und

Ausstellungen. Von der Analyse der Handelsströme

über die Besucherregistrierung bis hin zu einem eigens

für die IPM China konzipierten Business-Knigge –

offensichtlich haben die Organi satoren an alles gedacht.

Schon 2006 waren jedenfalls 89 Prozent der

Aussteller mit dem Ergebnis der Messe zufrieden.

„Darüber hinaus tragen unsere Kontakte und Erfahrungen

im chinesischen Markt dazu bei, die Essener

Leitmessen zu stärken“, betont Egon Galinnis.

www.reifen­china.com

www.beijing­essen­welding.de

www.ipm­china.com

Foto: Frank Schuberth, VVA Foto: Frank Schuberth, VVA

Foto: Jens Peters, VVA

MeSSe | 27

„Wir erhoffen uns auch

in Zukunft positive

Rückkoppelungseffekte

für die Essener Leitmessen“,

betont Egon Galinnis,

Geschäftsführer der Messe

Essen.

„Die Aussteller erwarten

von uns die beste Qualität

in puncto Organisation“,

weiß Sabina Dillen,

Bereichsleiterin Messen und

Ausstellungen der Messe Essen.

„Langfristig werden

wir uns mit der REIFEN

in China durchsetzen“,

sagt Klaus Reich, Direktor

Messen und Ausstellungen

der Messe Essen.


28 | MeSSe KioSK

Stars der Selbstbedienung

Grund zum Feiern: Jens

Schindler, Geschäftsführer

der hf media & events,

Karin Wunderlich, Geschäftsführerin

von POPAI Deutschland

e. V. und Dr. Joachim

Henneke, Vorsitzender der

Geschäftsführung der Messe

Essen, stießen im Mai 2007

auf den Erfolg der ersten

KIOSK EUROPE EXPO an

(von links).

Aus dem Stand avancierte die KIOSK EUROPE EXPO zur weltgrößten Fachmesse für Selbst-

bedienungstechnologien. Der Erfolg war alles andere als ein Selbstläufer – obwohl der

Markt sehr aussichtsreich ist.

Die stille Revolution fand am 27. Juni 1967 statt.

An diesem Tag wurde in einer Filiale der Barclay-Bank

im Norden Londons der erste Geldautomat der Welt

aufgestellt. Der Unternehmer John Shepherd Barron

war auf die geniale Idee gekommen – und hatte gottlob

eine kluge Frau. Die nämlich beschwor ihren Mann,

statt der geplanten sechsstelligen Geheimzahl nur eine

vierstellige PIN zu verwenden. Dieses Detail dürfte

nicht unwesentlich zum Siegeszug der Selbstbedienung

beigetragen haben. Heute sind die weltweit über 1,6

Millionen Geldautomaten für keinen Kunden mehr zu

ersetzen. So kürten die Deutschen den Geldautomaten

2002 zur „nützlichsten technischen Neuerung der letzten

Jahrzehnte“, und eine Umfrage der Dresdner Bank

im September 2007 ergab, dass über 80 Prozent der

Deutschen ihr Geld ohne fremde Hilfe abheben.

Der stumme Star der Kundenkommunikation hat

inzwischen viele Nachfolger gefunden. „Ich zum Beispiel

habe dank des Selbst-Check-in-Terminals so manches

Flugzeug gerade noch erwischt“, sagt Jens

Schindler, Geschäftsführer der hf media & events.

Nicht zuletzt Schindlers Beobachtungen an Flughäfen

ist die Idee zu einer Fachmesse für Selbstbedienungstechnologien

zu verdanken: der KIOSK EUROPE EXPO,

die im Mai 2007 in Essen Premiere feierte.

Zuvor hatten Schindler und sein Team mit der Fachzeitschrift

KIOSK EUROPE einen zweijährigen Anlauf

genommen, um genügend Interessenten für eine Messe

zu gewinnen. Das Risiko blieb hoch, schließlich war

in den zehn Jahren zuvor so manche Fachmesse gescheitert.

hf media & events hatte eher Schwierigkeiten

mit dem Erfolg. 75 Aussteller wollte man für die Erstveranstaltung

begeistern, doppelt so viele wie jemals

zuvor in Europa. Nach Essen kamen aber 120 Aussteller.

Die KIOSK EUROPE EXPO wurde aus dem Stand

zur weltweit größten Messe ihrer Art.

Großes Kompliment ans Messeteam

„Es war ein Hase-und-Igel-Rennen, unsere Kapazitäten

so stark zu erweitern“, erinnert sich Jens

Schindler. Sein Dank geht an die Partner. „Klasse zu

sehen war, dass das Team der Messe Essen uns die Betreuung

der Kunden bei der Messeorganisation abnahm“,

freut er sich. „Bei der Auswertung der Kundenstatements

war die sehr gute Organisation einer

der am häufigsten genannten Punkte – das beste Kompliment,

das sich die Messe hat erhoffen dürfen.“

Das allerbeste Kompliment ist die Vorbuchungssituation

für die zweite Auflage im Mai 2008: Fast alle

Aussteller wollen wiederkommen, zudem haben 30

Prozent Neuaussteller angekündigt, nach Essen zu

kommen. Sie werden auch von der DIGITAL SIGNAGE

EXPO angelockt, die parallel zur KIOSK EUROPE EXPO

stattfinden wird. Sie ist auf digitale Kundeninformationssysteme

fokussiert: von Anzeige-Displays in Flughäfen

über dynamische Werbeflächen in Kaufhäusern

bis hin zu Business-TV-Anwendungen. Bei der DIGITAL

SIGNAGE scheint sich im Übrigen die Geschichte der

KIOSK zu wiederholen. Ursprünglich war nämlich nur

eine „Messe in der Messe“ geplant. „Schnell wurde uns

aber klar, dass das Thema so groß ist, dass es mit einem

Teilkonzept nicht ausreichend gewürdigt wäre.“ So

entstand sehr kurzfristig die Idee der Parallelveranstaltung

– und die Partner reagierten so, wie Jens Schindler

es erhofft hatte. „Schön, dass das Team der Messe

Essen nicht nur engagiert ist, sondern sich auch für

Neues begeistern kann.“

www.kioskeurope­expo.com


Messe [εr'fclk]

Ausgesprochen erfolgreich. 100JahreEngagementfürunsere

Branche – die Messe Essen gratuliert dem Ausstellungs-

undMesse-AusschussderDeutschenWirtschaft!Mehrunter

www.auma-messen.de

ERFOLG

DURCH

MESSEN

Mitglied seit 1956

c


Fotos: Holiday on Ice

30 | cce/GruGahalle

Eine stolze Tradition: Seit 1960 gastiert „Holiday on Ice“

schon in der Grugahalle. Das besondere Highlight in

diesem Jahr ist das Comeback von Tanja Szewczenko.

Die Rückkehr

der Prinzessin

Kein Element versprüht mehr Eleganz als das Eis.

Majestätisch wie ein Bergkristall fängt es selbst die

zaghaftesten Lichtstrahlen ein und verwandelt sie in

ein prächtiges Glitzern. Bei „Holiday on Ice“ verschmilzt

das Eis mit aufwändig gefertigten Kostümen

und phänomenaler Musik zu einer Sinfonie aus Leidenschaft

und Magie.

„Für mich wird ein Traum wahr“

Vor fast 60 Jahren startete die Eisshow mit einer

kleinen Hotelshow in den USA. Heute ist „Holiday on

Ice“ die erfolgreichste Live-Entertainment-Produktion

der Welt. Vom 12. bis 16. Dezember gastiert die Show

mit ihrem brandneuen Programm „Elements“ in der

Grugahalle. Das besondere Highlight ist die Rückkehr

einer Eisprinzessin: Tanja Szewczenko. Bei der Premiere

am 12. Dezember wird die dreifache deutsche

Meisterin im Eiskunstlaufen nach fast acht Jahren Pause

noch einmal ihr Können zeigen. „Ich kann es kaum

erwarten, endlich wieder in großen Hallen auf dem Eis


Sie war Deutschlands

größter Eiskunstlaufstar.

Dann stoppten Verletzungen

Tanja Szewczenkos sportliche

Karriere. Heute ist die

30-Jährige Schauspielerin –

und gibt bei „Holiday on

Ice“ jetzt ihr umjubeltes

Comeback.

zu stehen“, schwärmt sie. „Für mich wird ein Traum

wahr.“ Als 16-Jährige gewann Szewczenko bei der

Weltmeisterschaft die Bronzemedaille. Inzwischen hat

sie das Fach gewechselt, ist jetzt Schauspielerin – und

wird nun erstmals seit ihrem verletzungsbedingten

Rücktritt im Jahr 2000 wieder vor Publikum laufen.

Michael Duwe, Geschäftsführer von „Holiday on Ice“,

freut sich über den prominenten Zuwachs. „Wir sind

sehr stolz, eine der erfolgreichsten Eiskunstläuferinnen

Deutschlands bei ‚Holiday on Ice‘ begrüßen zu dürfen.“

Seit 1960 gastiert die spektakuläre Eisshow für die

ganze Familie bereits in der Grugahalle. „Das ist eine

stolze Tradition, die wir auch in Zukunft fortsetzen

wollen“, sagt Rolf Drewel, Geschäftsführer der Messe

Essen GmbH.

Imposanter Tanz der Kulturen

„Elements“ bietet neuen und alten Fans einen imposanten

Tanz der Kulturen. Inspiriert von den vier

Elementen – Feuer, Wasser, Erde und Luft – schlägt

„Holiday on Ice“ diesmal einen Bogen von der sanften

Morgendämmerung Asiens über eine Sonnenwendfeier

und ein indianisches Fest bis hin zu keltischen

Tänzen. Die Faszination des Märchens auf dem Eis

wird spürbar, wenn bis zu 50 Tänzer in traumhaft bunten

Kostümen über die Eisfläche wirbeln. Wo eben

noch Wasser als ruhiger Fluss durch einen Zen-Garten

fließt, bündelt sich im nächsten Moment alle Kraft des

Lichts in einer Sonnenwende. Passend zu den Szenen

reicht der moderne Musik-Mix von Indie-Rock und

Hip-Hop bis zu Gospel und dem voluminösen Klang

eines Symphonieorchesters. Die eindrucksvolle Kombination

von Elementen aus Theater, Tanz, Oper, Pop,

Magie, Musical und Akrobatik machen „Holiday on

Ice“ zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Eintrittskarten sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen,

bei der Tickethotline der Grugahalle

(0201/7244-290) und im Internet unter www.grugahalle.de

erhältlich. Kinder bis einschließlich 14 Jahre

erhalten eine Ermäßigung von 50 Prozent; darüber

hinaus gibt es Ermäßigungen für Senioren, Schwerbeschädigte,

Arbeitslose und Gruppen ab zehn Personen

in Höhe von zehn Prozent.

www.grugahalle.de

Foto: Stockdisc

Patienten im Zentrum

cce/GruGahalle | 31

Es ist die erste deutsche Patientenmesse: Gemeinsam veranstalten

die Neuro-Consil GmbH und die Messe Essen GmbH am 16. und 17.

Februar 2008 die PATIENTA. Sie richtet sich vor allem an Patienten

und deren Angehörige. Ihnen stehen Fachleute aus unterschiedlichen

medizinischen Bereichen als Gesprächspartner zur Verfügung. Die

Messe informiert über Krankheitsbilder und Krankheitsverläufe. Neue

Behandlungswege und weiterführende Diagnoseverfahren werden

vorgestellt – damit Patienten und Angehörige aufgeklärter an behandelnde

Ärzte herantreten können. Beim parallel stattfindenden Patientenkongress

referieren 60 namhafte Experten aus 18 Fachbereichen –

von der Allgemeinchirurgie über Diabetes bis hin zur Zahnheilkunde.

Merkel über Steinkohle

www.patienta.de

Der Steinkohlentag ist die repräsentative Veranstaltung des deutschen

Steinkohlenbergbaus. In diesem Jahr steht das Treffen unter

dem Motto „Steinkohle – Optionen für die Zukunft“. Dazu werden am

6. November 2007 in der Essener Philharmonie wieder mehr als 1.000

Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erwartet. Bundeskanzlerin

Dr. Angela Merkel wird als Ehrengast und Hauptrednerin der

politischen Veranstaltung am Vormittag zu den Teilnehmern sprechen.

Am Nachmittag werden die regionalen Folgen des weiteren Anpassungsprozesses

des Steinkohlenbergbaus im Rahmen einer Podiumsdiskussion

behandelt.

www.gvst.de

Partner für Kommunen

Zum vierten Mal findet der Kongress für Kommunale Praxis (KOPRA)

im Congress Center Essen statt. Am 6. und 7. November 2007 treffen

sich Vertreter aus Kommunen, Städten und Ländern mit Spezialisten

aus der Wirtschaft, um über aktuelle Trends auf dem wachsenden

Sektor der Public Private Partnerships (PPP) zu diskutieren. Der KO-

PRA-Kongress hat sich gerade im Hinblick auf die Entwicklung des PPP

in den vergangenen Jahren als wertvolles Forum und Kontaktbörse

etabliert. Neben Vorträgen von Branchenspezialisten bietet der Kongress

in zahlreichen Workshops die Chance, vertiefendes Know-how

über Abläufe, Verfahren und Organisationsformen von Public Private

Partnerships zu sammeln.

www.kopra­kongress.de


32 | Kalender

2007

27.10.–04.11. MODE HEIM HANDWERK

Die große Verbraucherausstellung für

die ganze Familie

01.11.–04.11. GESUNDHEITS­MESSE

BODy & HEALTH

Die Messe fürs Leben

15.11.–18.11. ART & ANTIQUE

Internationale Verkaufsausstellung

01.12.–09.12. ESSEN MOTOR SHOW

Weltmesse für Automobile, Tuning,

Motorsport & Classics

2008

08.01.–12.01. DEUBAU

Internationale Fachmesse für Bau und Ausbau

24.01.–27.01. IPM

Internationale Fachmesse Pflanzen, Technik,

Floristik, Verkaufsförderung*

06.02.–10.02. REISE/CAMPING

Internationale Messe Reise & Touristik,

Camping & Caravaning

08.02.–10.02. GOLF

Internationale Messe für Golfsport,

Ausrüstung & Touristik

2007

27.10. SIMPLy SONU

Sonu Nigam auf Deutschlandtour

27.10. FEST DER FESTE

12­Stunden Gala der Gänsehälse Essen e.V.

30.10. VOLKER PISPERS

„Bis neulich ...“

02.11. 9. LANDESMEDIENBALL

„Einfach gut ...“

03.11. 58. BÜRGER­ & POLIZEIFEST

Traditionsveranstaltung der Gewerkschaft der

Polizei

05.11. 10 JAHRE IT­BERUFE

IHK Essen

06.11. DEUTSCHER STEINKOHLENTAG 2007

Gesamtverband Deutscher Steinkohlenbergbau

06.–07.11. KOPRA

Kongress für Kommunale Praxis

09.– 10.11. SCHUH­ & SPORTBÖRSE

im Foyer der Grugahalle

12.11. BÖRSENFORUM

National­Bank AG

13.11. GENTLEMAN & THE FAR EAST BAND

„Another Intensity Tour“ 2007

08.02.–10.02. FAHRRAD

Verkaufsmesse für Zweiräder und Zubehör

16.02.–17.02. PATIENTA

Internationale Patientenmesse mit

Patientenkongress

19.02.–21.02. E­WORLD – ENERGy & WATER

Internationale Fachmesse und Kongress

20.02. –24.02. HAUS UND GARTEN

Die Frühlingsmesse für die ganze Familie

05.03.– 08.03. SANITÄR HEIZUNG KLIMA

Fachmesse für Sanitär, Heizung, Klima und

erneuerbare Energien

27.03.–30.03. TECHNO­CLASSICA ESSEN

Weltmesse für Oldtimer, Classic­ und Prestige­

Automobile, Motorräder und Ersatzteile

10.04.–13.04. FIBO

Internationale Leitmesse für Fitness & Wellness

18.04.–20.04. BAByWELT

Die Messe rund ums Baby

19.04.–20.04. HEILPRAKTIKERTAGE

Fachausstellung und Kongress

22.04.–26.04. METPACK

Internationale Fachmesse für Metallverpackungen

06.05.–08.05. KIOSK EUROPE EXPO

Internationale Fachmesse für Self­Service

Terminals*

16.11. ADAM + EVA PREISVERLEIHUNG

9. Deutscher Eventtag

21.11. US5

„In Control Tour 2007

24.11. 17. OLDIE NIGHT

mit The Lords, Rubettes feat. Bill Hurd, Harpo u. a.

28.11. FESTABEND NOWEDA E.G.

29.–30.11. DT. JUGENDAMTSLEITERTREFFEN

07.12. WISE GUyS

Live 2007

12.–16.12. HOLIDAy ON ICE

„Elements“

31.12. GROSSE SILVESTER­Ü­30­PARTy

2008

12.–13.01. HOCHZEITSMESSE

Tipps und Trends 2008

19.01. PAUL PANZER

„Heimatabend Deluxe“­Solo 2008

21.01.100 JAHRE BKK

06.05.–08.05. DIGITAL SIGNAGE EXPO

Internationale Fachmesse für Digital Signage*

08.05–10.05. BRIEFMARKEN

Internationale Briefmarken­Messe

16.05.–18.05. RUN, RIDE & SKATE

Die Messe für Ausdauersport

20.05.–23.05 REIFEN

Weltmarkt der Reifenbranche

MESSEN IM AUSLAND:

14.11.07–16.11.07 REIFEN CHINA

1st Asian Essen Tire Show (Shanghai)

01.12.07–03.12.07 IPM CHINA

International plants expo (Foshan/Shunde)

14.02.08–16.02.08

SCHWEISSEN & SCHNEIDEN INDIA

International trade fair joining, cutting, surfacing

(Neu­Delhi)

04.03.08–06.03.08 IPM DUBAI

International plants expo Middle East

24.04.08–27.04.08

BAHRAIN MOTOR SHOW 2008

powered by Essen Motor Show (Manama)

Terminstand Oktober 2007.

Änderungen vorbehalten.

* Nur für Fachbesucher

22.01. JAHRESTAGUNG

H. Deichmann­Schuhe GmbH & Co. KG

28.01. DAS PHANTOM DER OPER

mit Deborah Sasson

15.02. ANDREA BERG

Live

16.02. ATZE SCHRÖDER

„Mutterschutz“ – ausverkauft!

23.02. 2. BILDUNGSPOLITISCHES FORUM NRW

01.03. DIE RÜCKKEHR DER SHAOLIN

Mystische Welten

08.03. ROGER CICERO & BIG BAND

„beziehungsweise“

15.03. „HOT IN THE POTT“

mit Michael Wendler, Olaf Hennig u. a.

02.–03.04.

2. GESUNDHEITSKONGRESS DES WESTENS

Leitkongress der Gesundheitswirtschaft

Terminstand Oktober 2007.

Änderungen vorbehalten.


AU FWÄRTS

TRE N D

Als Kompetenz Center bezeichnen Aussteller und Besucher die

internationalen Messen in Essen. Hier werden Maßstäbe gesetzt

und Innovationen vorgestellt. Einige von ihnen sind Leitmessen. Dazu

zählen z. B. SECURITY, IPM, SCHWEISSEN & SCHNEIDEN, ALUMI-

NIUM und REIFEN. Als Nr. 1 sind sie Kommunikationsplattformen für

erfolgreiche Geschäfte. Seien Sie dabei.

www.messe-essen.de

Niehaus III


Fotos: Daniel Roth

34 | eSSen loveparade

Eine Stadt in Partylaune: 1,2 Millionen Besucher aus der ganzen

Welt feierten die Premiere der „Loveparade“ in Essen. Der Umzug

von Berlin in die Metropole Ruhr hat sich gelohnt!


eSSen | 35


36 | eSSen GaStronomie

Eine Meile namens „Rü“

Hamburg hat die „Mö“, Düsseldorf die „Kö“ – und Essen? Die Ruhrmetropole hat die „Rü“. So nennen

die Bewohner die Rüttenscheider Straße, die kulinarische Hauptstraße der ganzen Region. Unser Autor

Peter Erik Hillenbach hat es sich schmecken lassen.

Messebesucher müsste man sein. Den ganzen Tag

lang interessante Stände besuchen, Kontakte pflegen,

Geschäftsabschlüsse feiern – und anschließend auch

noch den Gaumen verwöhnen lassen. Denn gleich

nach Messeschluss oder bereits zum Business Lunch

geht’s auf die „Rü“! So nennen die Essener ihre „Kö“,

ihre „Mö“, ihren „Ku’damm“, ihre knapp 300 Hausnummern

lange Ausgehmeile Rüttenscheider Straße.

Hier setzt man auf kulinarische Akzente.

Mit mühelos 50 Adressen locken die „Rü“ und die von

ihr abzweigenden Straßen. Und das in fußläufiger Entfernung

zur Messe und fast rund um die Uhr. Gutes

Frühstück aus aller Welt bietet eine Reihe kleiner Lokale,

etwa „Zucca“ und „Allegro“ in der Nähe der U-Bahn-

Station Rüttenscheider Stern. Die Terrasse des „Mondrian“

ist besonders an Markttagen ein begehrter Platz

zum Sehen und Gesehen-Werden; kein Wunder, hat

das jungbürgerlich geprägte Rüttenscheid optisch doch

eine Menge zu bieten. Und was die Leute alles einkaufen!

Hübsche Boutiqueklamotten, Wäsche und

Schmuck sicher auch – doch hat man das Gefühl, aus

Gastronomische

Kleinode wie etwa das

„Miamamia“ (links) findet

man auf der Rüttenscheider

Straße zuhauf.

Ganz auf „Bio“ setzt der

kroatische Koch Ante Kunac

im „Restoran Ponistra“. Der

Mann mit dem Piratentuch

verwöhnt mit „vollwertigem

Fastfood“, das Ehefrau

Milak charmant serviert

(rechts oben).

Maritimes Flair verströmt

seit Juni 2007 „Die Insel“.

Ralf Klümper und Christiane

Elger bieten skandinavisch

aufgeräumte Atmosphäre

(rechts unten).

jedem Einkaufskorb ragten eine Stange Lauch, eine

italienische Fenchelsalami und eine Flasche besten

Rotweins heraus.

Gut gefrühstückt wird auch im Wohnzimmer Rüttenscheids,

dem „Lorenz“, das sich als multifunktionales

Ganztagslokal mit schönem Garten präsentiert. Wer es

schon morgens spanisch mag, sollte ins „Oliv“, 200 Meter

weiter, gehen. Hier interpretiert man die Tapas-

Kultur global, präsentiert in appetitlich dekorierten

Vitrinen auch Häppchen aus Portugal, Brasilien und

Indien. Das Konzept ist so erfolgreich, dass im vergangenen

Jahr gegenüber die „Oliv Panetteria“ eröffnet

wurde. Die wirbt mit dem Slogan „Brot und Glaube“,

aber keine Sorge: Hier soll man zu nichts bekehrt werden.

Nein, hier gibt es ganz einfach Brot. Gutes, hausgemachtes

Brot mit frischen Beilagen.

Einige Schritte weiter behauptet sich ein ähnliches

Konzept: „Pasta e Gamberoni“. In dem winzigen Lokal

beschränkt sich Signore Fiscelli auf ein Dutzend Nudelgerichte

und feinste Gambas. Aber bleiben wir doch bei

den Italienern, die Rüttenscheid prägen wie kaum ei-

Alle Fotos: Michael Lübke


nen anderen Essener Stadtteil. Sie sind mittags beliebt

bei Geschäftsleuten, und sie sind es abends bei Liebespaaren,

wenn Kerzenschein auf Seidenstrumpf und

edlem Rotwein schimmert. Abgesehen von den beliebten

Businesslokalen „Leonardo“ und „La Cena“ direkt

am Landgericht an der Zweigertstraße, drängen

sich die Trattorias und Ristorantes vor allem auf der

„Rü“ zwischen den U-Bahn-Stationen Martinstraße

und Florastraße. Hier lockt Meister Diego Palermo in

seine „Trattoria Trüffel“, dort erfreuen Franco Cadamuro

und sein Küchenchef Tiziano Girardi in der „Oase

Due“ ihre Stammklientel mit uritalienischen Klassikern.

Etwas weiter tummeln sich mit dem Stehtisch-

Place-to-be „Palladio“, dem tomatenroten „Il Pomodoro“

und der Familien-Osteria „Buon Caffe“ drei

marktfrisch kochende, überaus preiswerte Trattorien

fast nebeneinander! Und ganz am Ende der „Rü“ etabliert

sich das „Lucente“ als Platzhirsch für die schicke

Szene.

Sie haben noch nicht genug? Sie suchen das Besondere,

das Kleinod? Dann sind Sie in der „Rôtisserie du

Sommelier“ von Thomas Friedrich richtig. In dem zum

Verlieben schönen Bistro offeriert der Chef französische

Bistrogerichte, schwingt sich aber auch zu sternverdächtigen

Menüs auf. Schräg gegenüber will auch

der junge Patrick Jabs hoch hinaus. In seinem großzügigen,

urbanen Multifunktionskonzept „Bliss“ liebäugelt

er mit der Molekularküche – eine gute Adresse für

tolle Fischgerichte. Wem das zu modern ist: Gleich nebenan

im „Curry“ gibt’s die Nationalspeise Currywurst

in der Edelvariante, und noch zwei Schritte weiter lädt

der Ire Patrick Hunt zu Whiskey und Guinness in sein

Schnelle Gerichte aus

dem Wok: Das „Chilli

House“ (links) ist nach dem

Vorbild asiatischer Garküchen

gestaltet.

Jung und hip: Lässig gibt

man sich im „Banditen wie

wir“ (rechts).

eSSen | 37

beliebtes „Fritzpatrick’s“. Und wenn der Bierdurst

nicht zu stillen ist, wartet ums Eck die „Rüttenscheider

Hausbrauerei“ mit feinem Selbstgebrautem.

Vier ungewöhnliche Mittagsrestaurants darf ich Ihnen

noch empfehlen: Das „Chilli House“ an der unteren

„Rü“ hat man nach dem Vorbild asiatischer Garküchen

gestaltet; hier schlürft man geniale Nudelsuppen

oder bestellt schnelle Wokgerichte. Schräg gegenüber

hat der kroatische Koch Ante Kunac sein „Restoran Ponistra“

eröffnet und verwöhnt mit „vollwertigem Fastfood“.

In der lässig-authentischen „Casa Madrid“ trifft

sich Rüttenscheid zu mediterranen Tagesgerichten.

Und der „raum.eins“ adelt regionale Rezepturen mit

mediterranen und asiatischen Einflüssen – auch montags,

wenn viele Italiener geschlossen haben.

Junge, kreative Konzepte gedeihen auf und neben der

„Rü“ am besten. Kissenlandschaften, bequeme Bänke,

Pop-Optik der siebziger Jahre, ein Platz für Turntables,

liebevoll zubereitete Speisen – so oder ähnlich funktionieren

die gastronomischen Kleinode der Stadt. Sie

heißen „Die Insel“, „Miamamia“, „Zweibar“, „Stoffwechsel“

oder „Banditen wie wir“. Und spätabends? Ist

die urige „Ampütte“ seit einem Jahrhundert eine Institution.

Jeder Taxifahrer kann Ihnen Anekdoten über

die Künstler und Lokalprominenten erzählen, die hier

als signiertes Foto an den Wänden präsent sind. Warme

Gerichte gibt es bis vier Uhr morgens; und dann fängt

der nächste Messetag ja schon wieder an. �

Peter Erik Hillenbach ist Chefredakteur des jährlich

erscheinenden Gastronomieführers „Essen geht aus“.


Foto: Erika Koch

38 | eSSen nacHruf

Ein unglaublicher Arbeiter

Am 28. Mai 2007 verstarb Jörg Immendorff, unbestritten einer der wichtigsten

deutschen Künstler der Gegenwart. Die Messe Essen verdankt ihm das

Glaskunstfenster „Energie“. Günter Steinmann erinnert an einen Freund.

Jörg Immendorff hatte ein besonderes Verhältnis

zum Ruhrgebiet, insbesondere zu Essen. Hier hatte

er viele Freunde, er mochte die Menschen dieser Region.

Die Messe Essen hatte das Vergnügen, mit diesem

außergewöhnlichen Künstler zusammenzuarbeiten.

Für die Galeria der Messe gestaltete Jörg Immendorff

das größte zusammenhängende Glaskunstfenster

Europas. Es trägt den Titel „Energie“. Ein Thema, ein

Begriff, den er besonders mit der Stadt Essen in Verbindung

brachte. Das Fenster dürfte heute zu den

bedeutendsten Kunstwerken der zeitgenössischen

Kunst zählen, die die Stadt Essen beherbergt.

Am 28. Mai 2007 starb Jörg Immendorff im Alter von

61 Jahren in seinem Haus in Düsseldorf an der unheilbaren

Krankheit ALS. Durch die Berichterstattung in

den Medien war sein Zustand lange bekannt – und

dennoch war die Nachricht seines plötzlichen Todes

für viele, auch für mich, ein Schock. Jörg Immendorff

zählt zu den bedeutendesten deutschen Künstlern der

Gegenwart. In der „Weltrangliste“ der zeitgenössischen

Künstler stand er vorne an. Seine Werke sind fast in

allen bedeutenden Museen und Sammlungen der Welt

vertreten. Internationale Bekanntheit erreichte er un-

Sein Glaskunstfenster

„Energie“ beschwört

die Welt der Farben und den

Mythos des Feuers:

Jörg Immendorff, der große

Künstler, starb im Alter von

61 Jahren.

ter anderem mit seinem Bilderzyklus „Café Deutschland“.

Mit Immendorff starb ein Repräsentant der Protestgeneration

und ein Mensch, der im persönlichen

Umgang nicht immer leicht war: Er konnte sehr liebenswürdig

sein – aber nicht selten auch sehr grantig.

Darunter hatte sein Umfeld, hatten nicht zuletzt seine

Mitarbeiter zu leiden. Wie Prof. Walter Grasskamp

schrieb: „Immendorff durchlebte mehr Widersprüche,

als in einem Leben eigentlich unterzubringen wären.

Zum Bühnenbild lieferte er das Drama gleich mit.“

Jörg Immendorff war aber auch ein unglaublicher

Arbeiter, sein Pensum war fast grenzenlos. Was er an

Werken hinterlässt, wird noch viele Bücher füllen. Viel

zu früh haben wir eine außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit

verloren. Bei uns wird er in seiner Kunst

weiterleben. �

Günter Steinmann beschäftigt sich in der Malerei mit dem

Kon struktivismus und der Pop-Art. Weitere Tätigkeitsfelder sind

Skulpturen und Objektbilder. Er ist auch als Kunstförderer aktiv.


Geballtes Bühnenspektakel

MAMMA MIA! und das GOP Varieté Theater verzaubern Essen. Und Sie können dabei sein!

Raus aus dem grauen Schmuddelwetter – rein ins

Vergnügen. Bereits mehr als 30 Millionen Menschen

weltweit haben sich schon vom Charme der unwiderstehlichen

Geschichte „Mamma Mia“ verzaubern lassen.

Begleiten Sie die Charaktere bei immergrüner

Guter-Laune-Musik von ABBA auf eine griechische

Insel. Hier leben Donna und ihre 20-jährige Tochter

Sophie. Als diese Sky, ihre große Liebe, heiraten

möchte, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als von

ihrem Vater an den Altar geführt zu werden. Weil gleich

drei Kandidaten infrage kommen, lädt sie kurzerhand

alle „alten Freunde“ zur Hochzeit ein – und das heitere

Rätselraten beginnt. Die humorvolle und farbenfrohe

Story über Liebe, Lebensfreude und Freundschaft im

Colosseum Theater Essen, erzählt anhand von 22

ABBA-Hits – darunter „Dancing Queen“, „The Winner

Takes It All“ und natürlich „Mamma Mia“.

www.mammamia.de

Mitmachen und gewinnen!

Welches Jubiläum feiert die essen

Motor Show im dezember 2007?

a) das 25-jährige

b) das 40-jährige

c) das 60-jährige

Fotos: PR

Ebenso faszinierend ist die Show des GOP Varieté-

Theaters Essen. Seit über zehn Jahren bietet das

Theater eine zweimonatlich wechselnde und aufwändig

inszenierte Live-Produktion und gehört damit zu

den erfolgreichsten Varietés Deutschlands. Hier trifft

Weltklasseartistik auf exzellente Comedydarbietungen

– in einem Programm voller Tempo, Witz und Charme.

Unser Vorschlag: Vergessen Sie bei beeindruckender

Akrobatik auf Rollschuhen, Leitern und in der Luft,

urkomischer Comedy-Jonglage und exzentrischer

Partnerakrobatik den hektischen Alltag! Das hochkarätige

interna tionale Ensemble entführt Sie in eine

Welt voller Kuriositäten, Tagträumereien und wundersamer

Wesen und lässt mit Kabarett und Musik ein

beeindruckendes, buntes und besinnliches Varieté-

Vergnügen aufleben – zum Staunen, Lachen und

Träumen.

unter den richtigen einsendungen

verlosen wir 3 x 2 Karten für je eine

Vorstellung von Mamma Mia oder dem

Gop Varieté.

einsendeschluss ist der 23.11.2007.

Wir wünschen Ihnen viel Glück

und viel Vergnügen in Essen!

www.gop­variete.de

GeWinnSpiel | 39

Senden Sie die richtige Lösung mit dem

Stichwort eSSen aFFairS einfach an:

Messe essen Gmbh

postfach 100165, 45001 essen

Oder per Fax an:

0049/(0)201/7244505

oder per Mail an:

jennifer.lischewski@messe-essen.de

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die größten Hits von

ABBA und eine unwiderstehlich

charmante Geschichte:

Das ist das Geheimnis von

„Mamma Mia“ (links). Im

GOP Varieté-Theater ist bis

zum 6. Januar unter anderem

das „Duo Poko Poko“

zu sehen: Paarartistik auf

höchstem Niveau.


ESSEN MARKETING GmbH • Gestaltung: M. Coenen / EMG

58. ESSENER LICHTWOCHEN

EUROPA IN ESSEN - GASTLAND NORWEGEN

28. Oktober 2007 bis 5. Januar 2008

Norwegische Präsentationswoche ab 27. Oktober in der Essener City

Das Kulturprogramm wird gefördert von:

w w w . l i c h t w o c h e n . e s s e n . d e

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