Activities 2010 - European Academy of Sciences and Arts

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Activities 2010 - European Academy of Sciences and Arts

EUROPEAN ACADEMY OF SCIENCES & ART

1998 bis 2006 hat die Zahl der Operationen um 14795 bzw. 20% angenommen. So wurden

„Im Jahre 2006 … in 79 der 80 herzchirurgischen Zentren insgesamt 64502

Koronaroperationen durchgeführt, davon 59208 bzw. 91,8% mit HLM und 5294 bzw. 8,2%

ohne HLM …“ (Zitat aus Herzbericht 2006, Ernst Bruckenberger).

Da insgesamt in Deutschland von einer Überkapazität herzchirurgischer Zentren auszugehen

ist, verteilen sich die Operationszahlen auf wenige große und zahlreiche, teilweise sehr

kleine Zentren mit weniger als 500 Koronaroperationen pro Jahr. „In den zehn Herzzentren

mit den meisten Koronaroperationen wurden rund 25% aller derartigen Operationen

durchgeführt.“ (Zitat aus Herzbericht 2006, Ernst Bruckenberger).

Aus den oben angeführten Gründen ist die Frage berechtigt und viel diskutiert, welcher

Patient besser einer Bypassoperation (ACB) und welcher besser einer percutanen

Koronarintervention (PCI) zugeführt wird. Diese Frage ist nicht nur für Patienten von vitalem

Interesse, sondern wird auch zwischen Kardiologen und Herzchirurgen intensiv und

sehr kontrovers diskutiert. Die nationale Versorgungsleitlinie chronische KHK nimmt auch

zur geeigneten Therapie Stellung und beruht auf einem breitem Konsens durch die

Einigung von Experten der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdDÄ),

der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DGAM), der

Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), der Deutschen Gesellschaft für

Kardiologie (DGK), der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herzund

Kreislauferkrankungen (DGPR), der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und

Gefäßchirurgie (DGTHG), wobei der Vorstand der Bundesärztekammer diese Leitlinie als

Leitlinie der Bundesärztekammer beschlossen hat.

Offenbar kommt es jedoch in der Praxis immer wieder zu einem Auseinanderklaffen von

Leitlinie und Realität, Patienten werden nicht ausreichend über die Alternative informiert.

Meist sind es die Kardiologen, die den Herzpatienten diagnostizieren, beurteilen und einer

Therapie zuführen. So erfahren Patienten oft nicht, dass in ihrem Falle eine

Bypassoperation die bessere Alternative gewesen wäre. Aber auch der umgekehrte Fall

kommt vor, der Patient wird einer Bypassoperation zugeführt, obwohl eine PCI für ihn besser

gewesen wäre. Diese Problematik reduziert sich heute jedoch im Wesentlichen auf die

Therapie von ungeschützten linkskoronaren Hauptstammstenosen, koronare

Mehrgefäßerkrankungen mit signifikanten proximalen Stenosen, proximale Stenosen des

Ramus interventrikularis anterior (RIVA), ältere Patienten mit Begleiterkrankungen, diffuse

und langstreckige Stenose, sowie Rezidivstenosen.

Gerade für diese komplexen und schwierigen Entscheidungen erscheint ein strukturierter

Erfahrungs- und Meinungsaustausch zwischen Kardiologen und Herzchirurgen in Form

von regelmäßigen kardiochirurgischen Konferenzen, auch in Form von Telekonferenzen mit

einer doppelten Beurteilung des Falles durch Kardiologen und Herzchirurgen sinnvoll und

notwendig, um die Patienten einer optimalen Therapie entsprechend dem aktuellen

Studien- und Wissensstand zuzuführen. Gemeinsame weitere wissenschaftliche Studien

zur Klärung offener Fragen sind unverzichtbar. Eine verstärkte Kooperation zwischen

Herzchirurgen und Kardiologen führt nicht nur zu einem gestärkten Vertrauen der

Patienten, sondern auch zu einem effektiven und optimalen therapeutischen Vorgehen.

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