Activities 2010 - European Academy of Sciences and Arts

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ACTIVITIES 2009

Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung bei der Ablation von schnellen (tachykarden)

Herzrhythmusstörungen: Wurden die ersten Ablationen beispielsweise bei akzessorischen

Leitungsbahnen noch aufwendig mit entsprechender Komplikationsrate herzchirurgisch

durchgeführt, hat sich die Elektrophysiologie durch Kardiologen im Herzkatheterlabor

sowohl bezüglich Diagnostik als auch interventioneller Therapie vollständig etabliert.

Interventionell angegangen werden heute akzessorische Leitungsbahnen, supraventrikuläre

und ventrikuläre Tachykardien, in den letzten Jahren vermehrt auch das klinisch sehr

häufige Vorhofflimmern. Erfolgs- und Rezidivrate sind ganz unterschiedlich, abhängig von

der zugrunde liegenden kardialen Erkrankung bzw. der Art der Rhythmusstörung. Die interventionelle

Methode mittels Katheterablation stellt unbestritten seit langem den klinischen

Standard dar, operative Eingriffe allein mit dieser Indikation werden praktisch nicht mehr

durchgeführt. Allerdings können natürlich im Rahmen einer Herzklappenoperation (Mitralklappenchirurgie)

relativ einfach und übersichtlich zusätzliche Ablationen unter Sicht im

Bereich der eröffneten Vorhöfe durchgeführt werden. Diese sogenannte MAZE-Prozedur

wird zunehmend, insgesamt allerdings in geringer Fallzahl eingesetzt, die bisherigen

Ergebnisse sind inhomogen, Langzeitergebnisse stehen weitgehend aus.

Dokumentiert werden diese Aussagen durch die Zahlen für Deutschland aus dem

Herzbericht von Ernst Bruckenberger 2006. Danach wurde eine isolierte Arrhythmiechirurgie

nur an 153 Patienten, eine Arrhythmiechirurgie kombiniert mit anderen Herzoperationen an

1856 Patienten durchgeführt. Über die Gesamtzahl von interventionellen Katheterablationen

liegen keine zentralen Daten vor, sie liegen unbestreitbar um ein Vielfaches höher.

4) Therapie von kongenitalen Herzfehlern (Vitien) im Erwachsenenalter

Angeborene Herzfehler werden heute in Industrienationen durch Kinderärzte (Pädiater und

Kinderkardiologen) in der Regel bereits kurz nach der Geburt diagnostiziert und nach

Möglichkeit frühzeitig einer Korrekturoperation zugeführt. Standard ist hier ein operatives

Vorgehen durch einen erfahrenen Kinderherzchirurgen. Ausnahmen stellen lediglich einfache

Vitien dar wie beispielsweise die Pulmonalklappenstenose, die interventionell mittels

Ballonsprengung, sowie der offene Ductus arteriosus Botalli, der medikamentös oder

mittels Verschlusssytem interventionell therapiert werden kann.

Im Erwachsenenalter werden deshalb in der Regel nur noch hämodynamisch gering- oder

mäßiggradig wirksame Shuntvitien auf Vorhof oder Ventrikelebene wie Vorhofseptumdefekte,

fehleinmündende Lungenvenen oder Ventrikelseptumdefekte gefunden. Fehleinmündende

Lungenvenen oder andere Gefäßanomalien mit hämodynamisch wirksamen

Shuntvolumen müssen einer chirurgischen Revision zugeführt werden, Vorhof- und angeborene

Ventrikelseptumdefekte werden heute überwiegend mit Verschlusssystemen interventionell

mittels Kathetertechnik verschlossen. Dies gilt jedoch nicht für erworbene

Ventrikelseptumdefekte nach Myokardinfarkt, die chirurgisch therapiert werden müssen.

Zahlenmäßig spielen deshalb angeborene Herzfehler im Erwachsenenalter, die einer

Operation geführt werden, kaum mehr eine Rolle. So wurden 2006 in Deutschland

insgesamt 619 Operationen angeborener Herzfehler an Jugendlichen und Erwachsenen

über 17 Jahren durchgeführt.

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