06/14 LAND UNTER

dasbibermitscharf

P.b.b., Verlagspostamt 1070, Vetragsnummer 09Z038106 M

www.dasbiber.at

Magazin für neue ÖsterreicherInnen

mit scharf

JUNI

2014

kost soviel

du willst

+ BRAZIL 2014

GEHEIMTIPP BOSNIEN

+ SEBASTIAN KURZ

INTERVIEW IN ZAHLEN

+GAVRILO PRINCIP

HELD ODER HUND?

BALKAN

LAND UNTER

DAS LEBEN NACH DER FLUT


OMV

Die vielfältige Welt der OMV

Wir leben und brauchen Vielfalt. Das macht uns stark und kommt bei uns aus drei Zentren:

Österreich, Rumänien und der Türkei. Unsere rund 29.000 Mitarbeiter stammen aus 60

Nationen. So entwickeln wir den besten Mix in unseren Teams für die Tätigkeit in knapp

30 Ländern.


MIT SCHARF

3‘ 3

3min mit

BOSNIEN-FAN

SAMIR IMAMOVIĆ

Nur rund 4000 bosnische

Anhänger werden ihre Mannschaft

in Brasilien anfeuern.

Das ist ein Minusrekord.

Wir haben trotzdem einen in

Wien gefunden: den Elektrotechniker

Samir Imamović.

Von Amar Rajković und

Susanne Einzenberger (Foto)

biber: Was nimmst du mit zur WM?

SAMIR IMAMOVIĆ: Das Wichtigste sind

die Fan-Utensilien: Trikot, Schal, Mütze.

Dann sind noch Sonnenschutz und Gelsenspray

unbedingt notwendig. Man darf nicht

vergessen, dass die einzelnen Stadien Tausende

Kilometer voneinander entfernt und in unterschiedlichen

Klima- und Zeitzonen liegen.

Auf welches Match freust du dich am meisten?

Was für eine Frage! Das erste Gruppenspiel

von Bosnien im legendären Maracana-Stadion

gegen die Fußballmacht Argentinien ist

der absolute Höhepunkt - vor allem durch die

zusätzliche Unterstützung der brasilianischen

Fans, die bekanntlich nicht gut auf Argentinien

zu sprechen sind.

Wie lange bleibst du in Brasilien?

Ich bleibe zwei Wochen und komme frühestens

am 26. Juni zurück.

Frühestens?

Da ich als treuer Fan an meine Mannschaft

glaube, gehe ich davon aus, dass wir die Vorrunde

überstehen. Deswegen haben wir beim

Buchen der Flugkarten eine Zusatzversicherung

bezahlt. (lacht) Um im Falle eines Weiterkommens

unserer Mannschaft, den Traum

in Brasilien weiter zu leben.

Du sprichst von „wir“. Wer begleitet dich auf

dem Fußballabenteuer?

Es ist eine länderübergreifende Freundschaft.

Vier Jungs aus Österreich, drei aus Norwegen,

zwei aus England und ein Schweizer treffen

sich zum gemeinsamen Abflug in Barcelona.

Von dort aus geht es e nach Sao Paolo. Am 17.

Juni sind wir in Rio, am 18. Juni in Cuibaba

und am 22.6 in Salvador.

Wie hoch ist dein Reise-Budget?

Alle Flüge, Übernachtungen und Tickets ha-

ben zusammen 2200€ gekostet. Die einzelnen

Karten rund 90 Dollar, da hatten wir Glück

bei der Verlosung im Dezember.

Was sagt die Gattin dazu?

Sie kennt mich und weiß, dass ich diese einzigartige

Chance, meine Mannschaft bei der

WM in Brasilien anzufeuern, anpacken muss!

Außerdem kennt sie das aus der Vergangenheit,

ich hab in den letzten zehn Jahren kein

wichtiges Ländermatch verpasst.

Wer ist er

Name: Samir Imamović

Alter:45

Beruf: Elektrotechniker

Lieblingsspieler: Miralem Pjanić

Besonderes: Glaubt nicht an Vuvuzelas,

Combinhos und sonstigen

akustischen Kram. Richtige Fans

benutzen ihre Stimmen.


4

INHALT

JUNI 2014

3_3 Minuten: Bosnischer Fan vor

der Abreise nach Brasilien

8_Faces of the month:

Acht Designer aus acht Ländern.

10_Ivanas Welt

über die nasse Hölle in Bosnien.

POLITIKA

12_Jahrhundertflut am Balkan:

„Betrink‘ dich, während du unser

Schicksal niederschreibst.“

18_Interview in Zahlen:

Außenminister Sebastian Kurz hat 30

Freunde und keinen einzigen Song auf

seinem Smartphone.

20_Held oder Hund? Wir haben den

Großneffen des Attentäters Gavrilo Princip

in Ost-Sarajevo gesucht.

24_Meinungsmache über West-Balkan,

Jihadisten und Doppel-Pässe.

100 Jahre nach dem

Attentat auf den

Thronfolger Franz

Ferdinand bleibt die

Frage: Ist der Täter

Gavrilo Princip ein

Hund oder ein Held?

Ein Lokalaugenschein

aus Sarajevo.

20

Chaos, Elend,

Hunger: Unsere

Kollegen Alexandra

Stanic und

Marko Mestrovic

sind noch immer

sprachlos.

Das hat sie nicht

gehindert mit den

Betroffenen der

Katastrophe zu

sprechen.

12

RAMBAZAMBA

28_ABC des Fußballs: Mit diesen

Fakten stehst du bei der Fußballrunde

nicht im Abseits

34_Ramadan und Sport: Redakteur

Schadi möchte während des Fastens nicht

auf das Fitness-Center verzichten.

40_Interview Oxonitsch: Über

Jugendzentren, Gratis-Nachhilfe und

warum sich dieses Jahr die Bäderkarte

rechnet.

Habt ihr gewusst, dass

ihr mindestens 540,60

Euro investieren müsst,

um das Panini-Sticker

Album voll zu kriegen?

Nein? Dann werdet ihr

unser Kicker-Lexikon

lieben!

28


5

Sie sind Gründer,

Verkäufer,

Buchhalter, Multitalente.

Immer

mehr Menschen

suchen ihr berufliches

Glück

in der Selbständigkeit.

Über

die Licht- und

Schattenseiten der

Solo-Performer.

44

KARRIERE

43_Karriere-News: Unternehmer-

Probleme, die erste Generalin und

Karrierekiller.

44_Sneakers, Apps, Kebabs: Vier

Kleinunternehmer über Ideen, schlaflose

Nächte und Bankenkredite.

50_Interview: Diversity-Pionier Manuel

Bräuhofer sieht Vielfalt nur von der

positiven Seite.

TECHNIK

56_Beats, Äpfel und Cash: Adam

Bezeczky über Dr. Dre, iPhone 6 und den

Kassenschlager Samsung Galaxy S5.

LIFE & STYLE

68_Leben nach der Magersucht:

Vier Frauen erzählen über Kontrolle,

Kalorien und Kleiderwahl.

76_Fejkbook: Pop-Sternchen

Conchita Wurst

Wir haben Fans in

Indien! Als ob das

nicht genug wäre,

haben uns Prayag

und Porus eine fertige

Modestrecke

von den Dächern

Bombays geschickt.

60

78_Die Leiden des jungen Todor:

Zauberfußballer Miro wäscht keine

Autos mehr

Marko Mestrović, Rowan Staszkiewicz / PA / picturedesk.com,

Porus Vimadalal, picturedesk.com


6 EDITORIAL

Liebste Leser und Innen!

In dieser Ausgabe dreht sich alles um Bosnien-Herzegowina. Mit dem

Herzen sind wir ganz bei den Flutopfern, gleichzeitig haben wir Herzklopfen,

weil Bosnien zum allerersten Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft

dabei ist. Und 100 Jahre nach dem Attentat auf Thronfolger Franz Ferdinand

in Sarajevo begeben wir uns auf Spurensuche nach dem Attentäter Gavrilo

Princips und fragen uns: Held oder Hund? Dabei besuchen wir auch Gavrilo

Princip höchstpersönlich, der uns allerdings von seinem Grundstück jagt.

Also sein Großneffe mit gleichem Namen, nicht sein Geist.

Um sich ihr eigenes Bild von der Jahrhundertflutkatastrophe zu machen,

fuhren BIBER-Redakteurin Alexandra Stanić und Fotochef Marko Mestrović

in den Norden Bosniens. Zwischen Doboj und Šamac waren sie in Gummistiefeln,

mit Booten und Atemmasken unterwegs und waren entsetzt über

die dramatisch-schaurigen Bilder, die sich ihnen boten. Dabei ist auch das

Coverfoto des Friedhofs unter Wasser entstanden.

Einen Grund zur Freude hat Bosnien trotzdem: Die Nationalmannschaft ist

in Brasilien bei der WM dabei. Und mit ihr ihre Fans. Einen davon haben

wir in Wien kurz vor seiner Abreise interviewt.

Wer bei der WM siegen wird, ob Bosnien, Brasilien oder Belgien (die Tipps

unserer BIBER-Sportexperten), können wir

bei Redaktionsschluss noch nicht sagen.

Dafür, wer den Diverscity-Preis der WKW

gewonnen hat: BIBER! (siehe Foto) Darüber

freuen wir uns ganz besonders, sind stolz und

bedanken uns.

Danke wollen wir auch intern sagen. Die

BIBER-Mitarbeiter des Monats haben Großes

geleistet und ohne sie hätten wir so manche

Seite nicht fertiggekriegt: Dudu, Artur und

Adnan, ihr seid der Hit!

So sehen Sieger aus: biber räumt ab.

Bussis, die Redaktion

Florian Wieser

IMPRESSUM

MEDIENINHABER:

Biber Verlagsgesellschaft mbH, Quartier 21,

Museumsplatz 1, E-1.4, 1070 Wien

HERAUSGEBER & CHEFREDAKTEUR:

Simon Kravagna

STV. CHEFREDAKTEUR:

Amar Rajković

STV. CHEFREDAKTEURIN:

Delna Antia

ONLINE:

Amar Rajković

AKADEMIELEITUNG:

Marina Delcheva

KOLUMNIST/INNEN:

Ivana Martinović, Todor Ovtcharov

FOTOCHEF:

Marko Mestrović

REDAKTION & FOTOGRAFIE:

Sarah Al-Hashimi, Melisa Aljović, Muhamed

Beganović, Adam Bezeczky, Milena Borovska, Ayper

Cetin, Amélie Chapalain, Amra Ducić, Ali Cem

Deniz, Nana Egger, Susanne Einzenberger, Menerva

Hammad, Tina Herzl, Markus Hollo, Mahir Jamal,

Lyudmila Gyurova, Sophie Kirchner, Maria Matthies,

Marko Mestrović, Ivana Martinović, Marie-Noel

Ntwa,Anastasia Osipova, Todor Ovtcharov, Jelena

Pantic, Michele Pauty, Marian Smetana, Vanessa

Spanbauer, Daniel Spreitzer, Alexandra Stanić,

Teoman Tiftik, Aleksandra Tulej, Artur Zolkiewicz

ART DIRECTOR: Dieter Auracher

LAYOUT: Dieter Auracher, Viktoria Platzer

LEKTORAT: Christina Gaal

ANZEIGEN: Teoman Tiftik, Adam Bezeczky

BUSINESS DEVELOPMENT: Andreas Wiesmüller

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Wilfried Wiesinger, Simon Kravagna

KONTAKT: biber Verlagsgesellschaft mbH

Quartier 21, Museumsplatz 1, E-1.4, 1070

Wien

Tel: +43/1/ 9577528

redaktion@dasbiber.at

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8

FACES OF THE MONTH

FACES OF THE MONTH

GUT GELAUFEN

8 Jungdesigner aus Europa, 20 Models

aus Wien, 600 Gäste in Favoriten – die

BIBER „Get dressed for Europe“ Fashion

Show und After-Party war das Highlight

im EU-Wahlkampf. Und noch viel mehr.

Von Delna Antia und Verena Mandragora (Fotos)

Nein, das sind weder Fotos von Mailands Laufstegen,

noch der New York Fashion Week. Es ist

das Ergebnis der BIBER-Fashion Show mitten

in Favoriten. Hier haben wir im Mai den

Laufsteg für Europa aufgebaut. Wir haben acht

junge Modedesigner aus ganz Europa eingeladen,

von Belgrad, Paris bis Helsinki, um anlässlich

der EU-Wahlen zu zeigen, wie schön und

kreativ der Kontinent eigentlich ist. Die Jung-

Designer haben in der coolen Location der

ehemaligen Ankerbrotfabrik ihre Kollektionen

und ihre Idee zu Europa gezeigt. Extra für den

Abend gab es eine „Europa-Kollektion“.

Lässigkeit auf den Punkt: Das slowakische

Label „Buffet Clothing“.

Der gesamte Abend war ein Spektakel: Models,

die durch Nebelschwaden an einem vorbei

stolzierten, Mode, vom finnischen Cocktailkleid

bis zum lässigen Punkte-Pulli für Männer,

rund 600 Zuschauer, die mit allerlei Cocktails

und EU-Wraps verköstigt wurden und

zum Schluss eine ausgelassene After-Party mit

DJ Ottomatic.

Mehr Fotos und das Video vom rauschenden

Fest auf unserer Website: www.dasbiber.at

Stolze Extravaganz aus Belgrad: Das Label „La Li

Ca“ der Serbin Aleksandra Lalic.


FACES OF MIT THE SCHARF MONTH 9

Subtile Eleganz: Bei der Rumänin „Patricia

Vincent“ aus Wien dreht sich alles ums Kleid.

Die Polin aus Paris: Designerin „Paulina

Plizga“ liebt Patchwork in ihren Sachen.

Einfach cool: Das Designer-Duo von „Ferrari &

Zöchling“ mag es fließend und resolut.

Inspiriert vom japanischen Koi-Fisch: Das

Wiener Duo „Kokemoos“ setzt auf Recycling.

Einfach weiß: Das „Europa-Design“ des

slowenischen Labels „Fsemogocnjy.Jhezus“.

Starke Pracht und Tracht: Das Label „Poola

Kataryna“ aus Helsinki.


10 MIT SCHARF

IVANAS

WELT

Foto: Igor Minić

In Ivanas WELT

berichtet biber-

Redakteurin

Ivana Martinović

über ihr daily life.

DIE HÖLLE IST KALT UND NASS

Die Stimme meines Vaters stockt am Telefon. Er lebt in der bosnischen Stadt

Orasje, versucht über das Wasser zu sprechen. Nicht über die Menge, sondern was

es angespült hat. Elend und Leid für Tier und Mensch. Trächtige Kühe, die aus den

Wassermassen gezogen wurden und keine Kraft mehr haben ihre Kälber auszutragen.

Angekettete Hunde, die nicht rechtzeitig befreit werden konnten und noch unter

Wasser vor sich hin faulen. Tiere, die entweder tot oder regungslos am Boden liegen,

weil sie ihre Beine nicht mehr tragen. Evakuierte Menschen aus den Nachbardörfern,

die in der Sporthalle unserer Schule auf die Zukunft warten, die keine rosige ist. Wir

haben Glück, meint er. Bis ins Haus hat es die Flut nicht geschafft. Nur der Garten

bis zur Haustür ist voller Wasser, der Gestank unerträglich. Ein beißender Geruch

vom abgestandenen schmutzigen Wasser, vermischt mit Fäkalien aus den überfluteten

Klärgruben der Nachbarschaft, weil unsere Dörfer keine Kanalisation haben.

Insekten, Ratten, Schlangen kriechen aus den Löchern, wollen ins Trockene, suchen

Nahrung und sind eine Plage, die keiner gebrauchen kann. Es herrscht Stillstand in

jeder Lebenslage. Die Arbeitswelt, die Märkte, nichts funktioniert. Das strömende

Wasser ist zum Hauptaugenmerk jedes Menschen in den überfluteten Gebieten

geworden. Sandsäcke zu füllen, Wasser abzupumpen und hungrige Menschen satt zu

bekommen, Kranke zu versorgen, obwohl wenig da ist, weil eben nichts funktioniert.

Das ist die erste Überlebensphase nach dieser verdammten Flut. Was danach kommt

ist unvorstellbar. So muss sich die Hölle auf Erden anfühlen, nur ist sie jetzt kalt,

nass und stinkt.

DIASPORA AUF DEN BEINEN, DAS LAND IM CHAOS

Jedem Serben, Kroaten, Bosnier wird es ähnlich wie mir gehen. Wir sehen machtlos

aus der Ferne die Bilder der Zerstörung. Es brennt unter den Füßen. Jeder Blick auf

den trockenen Boden in Wien und die Donau, die im Rahmen fließt, lässt mich an

die Menschen unten denken. Was wir tun können, ist aus der Ferne helfen. Nach

der Arbeit zu der einen oder anderen Hilfsaktion stürmen und mit anpacken. Hilfe

von A nach B bringen. A funktioniert scheinbar tadellos, aber B endet im Chaos.

Was sich über die sozialen Netzwerke abspielt, beschert einem ein Wechselbad der

Gefühle. Trauer, Rührung, Freude, Wut. Hunderte Hilfskonvois rollen, finanzielle Hilfe

für den Wiederaufbau wird gespendet. Rührung und Freude über die Solidarität der

Menschen, denen der Feind aus dem Krieg keiner mehr zu sein scheint, sondern ein

Mensch, der hilft und dem geholfen werden muss. Trauer und Wut über ein Land,

dessen politische Ebene zum Schmeißen ist und ein Vorankommen des Miteinanders

boykottiert. Meldungen auf Facebook, Hilfslieferungen werden missbraucht, zurückgehalten,

für den Weiterverkauf gebunkert, gestohlen, erinnern an die Kriegsprofiteure,

die nach der Not das große Geld wittern. Neid kommt zum Leid hinzu, wer und

wie viel Hilfe mehr nötig hat und wer das Paar geschickter Gummistiefel bekommt.

Was mich noch mehr fertig macht, ist das Danach. Versorgung mit dem Nötigsten wie

Nahrungsmittel und Kleidung ist das eine, Wiederaufbau durch finanzielle Entschädigung

das andere. Wird es wie nach dem Krieg sein, wo der mit den besseren Beziehungen

zu Behörden und den politischen Sesselwärmern schneller ein neues Heim

bekommt? Ich fürchte mich vor dieser erneuten Spaltung zwischen den Menschen,

weil das Land die letzten 20 Jahre nach dem Krieg im Trockenen auch nicht anders

funktioniert hat. Da hieß es auch Freund oder Feind. Da wundere ich mich auch

nicht, wenn der eine oder andere die Hilfe wie das Eichhörnchen die Nüsse zu bunkern

versucht. Für das Danach eben, weil der Staat für einen nichts tut, zumindest

nicht für alle. Aber wann, wenn nicht jetzt?

martinovic@dasbiber.at


11

Foto von Marko Mestrović

IST DAS CHAOS ZU BÄNDIGEN?

POLITIKA


12 POLITIKA

ALLES

VERLOREN


POLITIKA

13

ICH WUSSTE, DASS DER

AUFENTHALT IM KRISENGE-

BIET IN BOSNIEN-HERZEGO-

WINA HART WIRD. ALL DIE

VERLORENEN EXISTENZEN,

DIE ZERSTÖRTEN STÄDTE –

AUCH TAGE DANACH BEKAM

ICH DIE EINDRÜCKE NICHT

AUS MEINEM KOPF.

ALEXANDRA STANIC UND MARKO MESTROVIĆ (FOTOS)

F

auler Gestank liegt in der Luft. Ich bin umgeben von

meterhohen Müllbergen und maskierten Menschen,

die durch Schlamm stapfen. Mein erster Eindruck von

Doboj, einer der bosnischen Städte, die den Fluten zum

Opfer gefallen ist, dreht mir den Magen um. Obwohl ich

das Schlimmste erwartet habe, wird mir schlagartig

schlecht.

Wie jeder hier trage ich Gummistiefel und eine

Atemschutzmaske. Das Wasser geht zurück. Verdreckte

Möbelstücke türmen sich am Straßenrand. In der 50

Kilometer entfernten Stadt Šamac ist die Lage noch prekärer.

Mehr als zehn Tage stand Šamac unter Wasser.

Gleichzeitig stiegen die Temperaturen auf 30 Grad.

Die pralle Mittagssonne erschwert den freiwilligen

Helfern und dem Militär den Wiederaufbau. Aber auch

ich stoße an meine Grenzen: Die Armut der Menschen,

der Gestank, all die zerstörten Gegenden - es ist nicht

einfach, mit so vielen schlimmen Eindrücken umzugehen.

Eine ältere Frau bleibt neben mir stehen, beobachtet

mich kurz. Sie ist etwa 50 Jahre alt, trägt einfache

Sandalen und starrt in das 30 Zentimeter tiefe, braune

Wasser, in dem sie steht. „Ich habe den gesamten Krieg

miterlebt, mein Kind“, sagt sie plötzlich aus dem Nichts,

„Aber diese Fluten sind noch viel schlimmer“. Bei vielen

Gesprächen kämpfe ich mit den Tränen.


14 POLITIKA

DOBOJ

Kaffeehäuser, Supermärkte, Friseurläden - alles wurde überflutet.

Zurück bleiben verlorene Existenzen und Müll. Etwa eine

Million der insgesamt 3,8 Millionen Bewohner Bosnien-Herzegowinas

ist von den Überschwemmungen betroffen, rund 40.000

wurden evakuiert. Wohnungen stehen leer, die ehemaligen

Besitzer leben bei Nachbarn oder Verwandten. Tausende Tierkadaver

mussten entsorgt werden, es herrscht Seuchenrisiko.

Eine weitere Gefahr erwartet Bosnien-Herzegowina: Experten

befürchten angeschwemmte Landminen – ein Erbe des Balkankrieges.

Wien

Sarajevo

Belgrad

Die Jahrhundertflut in Bosnien, Kroatien und Serbien hat

mindestens 47 Menschenleben gefordert. Der wirtschaftliche

Schaden beträgt nach ersten Schätzungen

bis zu 3 Mrd. Euro.


POLITIKA

15

Gruppen von Studenten aus umliegenden,

nicht betroffenen Städten,

reisen in die Krisengebiete, um bei

dem Wiederaufbau zu helfen. Einer

davon ist Danijel Ratkovic. Er ist aus

Banja Luka angereist. Die Stimmung

bei den Studenten am Nachmittag ist

ausgelassen, sie haben einen Sitzkreis

inmitten von Schlamm und Müll

gebildet. „Das Wohnhaus links haben

wir schon sauber gemacht“, erzählt

Danijel. „In dem anderen können wir

nicht viel machen, weil ein Mann seine

Wohnung im Erdgeschoss verriegelt

hat und sein Zeug behalten will“, fährt

er kopfschüttelnd fort. „Als könnte

man auch nur irgendetwas von dem

Müll wieder verwenden.“

Die Hauptstraße zwischen Doboj und

Maglaj ist nicht befahrbar, Erdrutsche

haben sie völlig auseinander gerissen.

Der Asphalt hat bis zu drei Meter tiefe

Risse. Ein Anrainer beschreibt die

Situation. „Die Familien oben am Berg

haben alles verloren“, so der 52-jährige

Ramus Suljic. „Der Erdrutsch hat

ihre Häuser einfach den Hang nach

unten mitgerissen.“


16

POLITIKA

ŠAMAC

„Mein Zuhause ist zerstört.“ Mara

Petkovic deutet mit einer wütenden

Handbewegung in Richtung ihres

Hauses. Sie wischt eine Träne aus

ihrem Gesicht. „Ohne Boot komme ich

nicht einmal bis zu meiner Haustür.“

Ihr Ehemann ist während des Krieges

gestorben. Ihre Tochter lebt in Banja

Luka, letztes Jahr hat sie ihren Job

verloren. „Ich bin alleine, arbeitslos

und dank den Fluten jetzt auch

obdachlos“, so die 50-Jährige. „Ich

muss auf die Güte meiner Nachbarn

hoffen, die mich bei sich schlafen

lassen.“ Ihre Stimme überschlägt sich.

„Ich hätte in diesem verdammten Haus

bleiben sollen, damit mich der Fluss

mitreißt und meinem Leben ein Ende

bereitet.“

Ich treffe ein junges Ehepaar auf

ihrem Balkon im ersten Stock eines

Wohnhauses. Sie haben ihr gesamtes

Hab und Gut verloren. Über den

Balkon klettere ich in ihre Wohnung,

die Haustür ist verbarrikadiert. Die

Wände sind mit Schlamm bedeckt.

Der Kühlschrank wurde aus der Küche

gespült, die Fensterscheiben sind

eingeschlagen. Trotzdem hat Mladen

Miljic seinen Humor behalten. „Ich

würde dir ja Kaffee anbieten, aber die

Kaffeemaschine ist kaputt“, scherzt

er. Seine Frau zieht mit: „Schatz, sie

hat sich nicht die Schuhe ausgezogen,

als sie in unsere Wohnung gekommen

ist.“ Beide lachen. Zum Schluss gibt

mir Mladen eine Flasche Rotwein auf

den Weg mit. „Sie ist das einzige, das

heil geblieben ist“, erklärt der 30-Jährige.

„Betrink’ dich, während du unser

Schicksal niederschreibst.“


POLITIKA

17

Marko Mestrović, Samariterbund

DIJASPORA HILFT

„Alles hat mit einer Facebook-Veranstaltung begonnen“,

erzählt Darko Marković, Initiator der Hilfsorganisation

für die Flutopfer in Bosnien-Herzegowina. Der gebürtige

Bosnier wendet sich an den Samariterbund, mit

dessen Hilfe eine Woche nach der Gründung der „Hilfsaktion

für Flutopfer in Bosnien-Herzegowina“ zehn

Sattelschlepper in das Krisengebiet fahren. Nach der

27-stündigen Fahrt merkt man Darko und den Helfern

des Samariterbundes die Erschöpfung an. Gleichzeitig

sind sie erleichtert. „Das war eine Aktion von Menschen

für Menschen“, so Corinna Dietrich, freiwillige Helferin

vom Samariterbund. Sie hat den Hilfskonvoi nach

Bosnien begleitet. „Jetzt kümmern wir uns um die erste

Hilfe, danach überlegen wir, wie es mittel- und langfristig

weitergehen soll.“ Beim zweiten Anlauf waren es

zwölf Sattelschlepper. Mehrere hundert Tonnen an Sachspenden

wurden allein durch die vom Samariterbund

unterstützte Initiative gesammelt. In Bosnien nahmen

humanitäre Organisationen, unter anderem pomozi.ba,

die Güter entgegen und verteilten sie an die betroffenen

Menschen. Aber auch andere Bürger- und Volksinitiativen

und private Helfer beteiligten sich an der Aktion.

„Wir hielten es für wichtig, dass wir vor Ort jemanden

haben, dem wir vertrauen können“, so Darko Marković.

Auch der 23-jährige Stefan Došić startet eine Spendenaktion

via Facebook. „Ich bin aus der betroffenen Stadt

Obrenovac“, beschreibt der gebürtige Serbe seine Intention.

„Ich konnte nicht tatenlos zusehen.“ Zusammen

mit seinem besten Freund Stefan Vasić organisiert er in

einem favoritner Jugendzentrum ein Spendenlager, danach

übersiedelten sie in den 16. Bezirk. „Über 100 Tonnen

haben wir nach Serbien geschickt“, so Stefan ganz

stolz. „Wir arbeiten mit dem roten Kreuz in Užice zusammen,

die verteilen die Hilfsgüter an die betroffenen

Gegenden.“ Oft fahren Spender aus Wien selbst in das

Krisengebiet, um den Menschen die Hilfsgüter zu geben.

„Ich vertraue den Fahrern und dem roten Kreuz“,

erklärt Stefan. „Aber andere sind skeptisch und wollen

die Spenden eigenhändig abliefern.“ Trotz der Skepsis

mancher funktioniert die Initiative reibungslos. „Ohne

die Hilfe der vielen Menschen wäre eine Hilfsaktion in

diesem Ausmaß gar nicht möglich gewesen“, freut sich

der 23-Jährige.

Auf der biber-Facebook-Gruppe (www.facebook.com/

mitscharf) und unserer Homepage (www.dasbiber.at)

findest du eine Aufzählung aller Hilfs-Annahmestellen.

Die Liste wird täglich aktualisiert.

So sehen Helden aus: Samariterbund mit Initiator Darko Markovic (ganz rechts)

ÖSTERREICH HILFT

Caritas, Rotes Kreuz, Samariterbund, –

Österreich hilft seinen Nachbarn. 100

Feuerwehrleute, Mitarbeiter der Wasserrettung

und das österreichische Bundesheer

samt Hubschrauber sind in den

Krisengebieten in Bosnien-Herzegowina

und Serbien im Einsatz. Da ein hohes

Seuchenrisiko herrscht, wurden 80 ABC-

Soldaten eingesetzt, die sich vor allem

mit der Aufbereitung des Trinkwassers

beschäftigen. Außenminister Sebastian

Kurz: „Dieser Auslandseinsatz ist ein weiterer

Baustein für die Hilfe für die Flutopfer

vor Ort.“ Der Wiener Bürgermeister

Michael Häupl und die Stadt Wien stellen

400.000 Euro für die Flutopfer in Bosnien

und Serbien bereit. 200.000 Euro werden

als Soforthilfe verwendet, weitere 200.000

Euro für den Wiederaufbau. Die finanzielle

Hilfeleistung wird gezielt über Hilfsorganisationen

den Opfern in den Hochwassergebieten

zugutekommen. Zudem

hat die Bundesregierung insgesamt eine

Million Euro aus dem Auslandskatastrophenfond

für Hilfsmaßnahmen österreichischer

NGOs in Bosnien-Herzegowina

und Serbien bereitgestellt.

Wiens Bürgermeister Dr. Michael

Häupl und die Stadt Wien stellen

400.000 Euro für die Flutopfer

bereit.


18

POLITIKA

HERR KURZ,

WIE VIELE

SONGS HABEN

SIE AM HANDY?

Zu wie viel

Prozent sind Sie

Außenminister?

Zu wie viel

Prozent sind Sie

Privatperson?

Wie viele

Stunden

schlafen Sie

durchschnittlich

pro Nacht?

INTERVIEW IN ZAHLEN:

IN DER POLITIK WIRD BEREITS

GENUG GEREDET. BIBER FRAGT

IN WORTEN, AUSSENMINISTER

SEBASTIAN KURZ (ÖVP)

ANTWORTET MIT EINER ZAHL.

Von Simon Kravagna und Marko Mestrović (Fotos)

95

5

5

Außenminister Sebastian Kurz kommt mit fünf Stunden Schlaf aus.

Sieben Prozent NEOS und GRÜNE stecken im ÖVP-Politiker.

Wie viele

Euro hat die

Regierung für

die Flutopfer

am Balkan

bereitgestellt

Wie viel Prozent

FPÖ stecken in

Ihnen?

Wie viel Prozent

SPÖ stecken in

Ihnen?

Wie viel Prozent

NEOS stecken in

Ihnen?

Wie viel Prozent

GRÜNE stecken

in Ihnen?

1.000.000

0

1

7

7


POLITIKA

19

Wie oft in

der Woche

telefonieren

Sie mit Ihren

Eltern?

Wie viele Tage

haben Sie in

diesem Jahr

Urlaub gemacht?

Wie viele

Jahre wird die

SPÖ noch den

Bundeskanzler

stellen?

Wie oft

wurden Sie

bereits gefragt,

den ÖVP-

Parteivorsitz zu

übernehmen?

Wie oft im Jahr

gehen Sie in die

Kirche?

3

1

4

0

20

Drei Mal in der Woche telefoniert Sebastian Kurz mit seinen Eltern.

Am Handy hat Kurz stolze 2.891 Telefonnummern aber

null Songs gespeichert.

Wie viele Euro

verdient ein

Außenminister

netto?

Wie viele Euro

bekommt davon

die ÖVP?*

Wie viele Songs

haben Sie auf

Ihrem Handy

gespeichert?

Wie viele

Nummern

haben Sie auf

Ihrem Handy

gespeichert?

Wie viele echte

Freunde haben

Sie?

8.000

1.000

0

2891

30

* Politiker zahlen oft eine Art

freiwillige Parteisteuer


20 POLITIKA

DAS IST GAVRILO PRINCIP.

1914 ERSCHOSS ER DEN

THRON FOLGER VON

ÖSTERREICH-UNGARN.

DAS ATTENTAT WAR

DER AUSLÖSER DES

1. WELTKRIEGES.


POLITIKA

21

HELD ODER HUND?

FÜR DIE SERBEN EIN HELD, FÜR BOSNIER BIS HEUTE TERRORIST. GAVRILO PRINCIP GEISTERT AUCH

100 JAHRE NACH DEM ATTENTAT VON SARAJEVO DURCH BOSNIEN UND SPALTET DAS LAND. REDAK-

TEUR KRSTO LAZAREVIĆ GEHT AUF SPURENSUCHE UND FINDET DEN GROSSNEFFEN DES ATTENTÄTERS

IN EINEM MOTEL AM STADTRAND VON SARAJEVO. KRSTO LAZAREVIĆ AUS SARAJEVO (TEXT UND FOTOS)

Juni 1914, Sarajevo: Der 17-Jährige Vaso

28. Čabrinović wirft eine Bombe auf den Wagen

des Thronfolgers Franz Ferdinand. Die Bombe prallt

an dessen Arm ab und explodiert hinter dem Wagen.

Der erfolglose Attentäter schluckt eine Zyankali-Kapsel

und springt in den Fluss Miljacka. Das Gift wirkt nicht

und der Fluss ist an dieser Stelle nicht besonders tief.

Čabrinović wird von der aufgebrachten Menge fast gelyncht

und daraufhin verhaftet.

Der Mitverschwörer Gavrilo Princip beobachtet diese

Szenen und entscheidet sich in der Menge unterzutauchen

und sich in ein Kaffee zu setzen. Dort denkt er

über Selbstmord nach, um der Verhaftung zu entgehen.

Durch einen Zufall überquert der Wagen des Thronfolgers

die Lateinerbrücke und hält direkt vor dem Kaffee,

in dem Princip sitzt. Der 19- Jährige zögert nicht, nimmt

seine Pistole, steht auf und drückt zwei Mal ab. Die Ermordung

Franz Ferdinands und seiner Frau wurde für

Österreich-Ungarn zu einem Vorwand für den Angriff

auf Serbien, womit eine Kettenreaktion ausgelöst wurde,

welche die gesamte Welt in den Krieg führte. Das Attentat

war Auslöser, nicht Grund für den ersten Weltkrieg.

„UNSERE GEISTER SCHLEICHEN DURCH WIEN“

Gavrilo Princip selbst wird in der Haftanstalt und späterem

Konzentrationslager Theresienstadt in einen Kerker

geworfen. Dort wird er in einer kleinen, dunklen und

feuchten Zelle gehalten, darf keinen Besuch empfangen,

muss in einen Eimer scheißen, der selten geleert wird,

und erliegt am 28.April 1918 einer Knochentuberkulose,

nachdem bereits sein rechter Arm amputiert wurde.

Weil er nach damaligem österreichischem Gesetz minderjährig

war, entging er der Todesstrafe. Mit dem Stil

eines Löffels hat er an die Wand seiner Zelle geschrieben:


22 POLITIKA

„Unsere Geister schleichen

durch Wien und raunen

durch die Paläste und lassen

die Herren erzittern.“

„Wenn du mich fragst,

sollten die Franz Ferdinand

und Gavrilo Princip ein

Denkmal errichten. Dieses

Attentat hat Sarajevo in

der Welt doch erst bekannt

gemacht“. Der 22-jährige

Politikwissenschaft-Student

Hamid Salihagić sitzt in

einem Imbiss unweit der

Lateinerbrücke in der osmanisch

geprägten Altstadt

Sarajevos und isst eine Portion

Ćevapčići: „Meine Eltern

haben in der Schule noch

beigebracht bekommen, Gavrilo

Princip sei ein Held.

Heute halten ihn die meisten

Muslime für einen Terroristen. Das ist so ein Ding hier:

Wenn die Serben behaupten, er sei ein Held, müssen wir

das Gegenteil behaupten.“

Sarajevo ist multikulturell. Moscheen, Synagogen, katholische

und orthodoxe Kirchen prägen das Stadtbild. Im

Zentrum der Stadt steht eine Statue, ein Mann umringt

von Friedenstauben, mit dem Titel: „Der multikulturelle

Mensch erschafft die Welt“. Interreligiöse Ehen sind eine

Selbstverständlichkeit. Viele Altbauten stammen noch

aus der Zeit der österreich-ungarischen Besatzung. Hamid

Salihagić sieht dieses Erbe zwiegespalten: „Es wurden

Schulen und Universitäten gegründet, die auch von Frauen

besucht werden durften, eine Industrie wurde aufgebaut

und neue Städte wurden errichtet. Aber das haben die natürlich

nicht aus Liebe getan. Mit bosnischen Ressourcen,

Arbeitskraft und Wäldern wurden große Teile Budapests

und Wiens errichtet.“

Die Frage, die sich unweigerlich aufdringt:

War Gavrilo Princip nun ein Held oder ein

Terrorist? Hamid antwortet: „Er war ein Terrorist,

aber nicht in dem Sinne, wie wir das Wort

heute verstehen. Er war 19 Jahre alt und naiv.

Die Schwarze Hand, die Organisation, die das

Attentat organisierte, wollte ein großserbisches

Reich aufbauen. Das sind die ideologischen

Vorläufer von Slobodan Milosević. Ich glaube

nicht, dass Gavrilo Princip ein serbischer Nationalist

war, aber er wurde von den serbischen

Nationalisten missbraucht.“

VOR DER FLUT SIND ALLE GLEICH

21. Mai 2014 in Sarajevo: Nachdem innerhalb

von zwei Tagen der Niederschlag von vier Monaten

auf Bosnien-Herzegowina niedergeprügelt

ist, liegt ein großer Teil des Landes unter

Wasser. An diesem Tag kommt zum ersten Mal

"Unser Geist wird in Wien spazieren, in den Schlössern herumirren und die Elite

erschrecken." – Princip-Graffiti, gesehen in Belgrad.

Nach dem Attentat von Sarajevo

erklärte die damalige Großmacht

Österreich-Ungarn am

28. Juli 1914 Serbien den Krieg

und zündete damit den Funken

für den Ersten Weltkrieg. Insgesamt

40 Staaten haben sich

am bis dahin größten Krieg der

Welt beteiligt. Unter anderem

kämpften damals Österreich-

Ungarn, Deutschland, das Osmanische

Reich und Bulgarien

auf der einen Seite gegen Frankreich,

Großbritannien, Russland,

Serbien und Italien auf der anderen

Seite. Der Krieg forderte

zehn Millionen Menschenleben

und bedeutete das Aus für die

Großmacht Österreich- Ungarn.

die Sonne wieder hervor, das

schlimmste scheint überwunden.

In den überfluteten

Regionen wird Hilfe organisiert.

Dieser Tage scheint es

keine Rolle zu spielen, wer

Bosniake, Kroate oder Serbe

ist. Das ganze Land ist

auf den Beinen, man hilft

sich gegenseitig. Die Frage,

ob Gavrilo Princip ein Held

oder ein Terrorist ist, teilt

das Land allerdings weiterhin.

Auf dem Friedhof Koševo

in Sarajevo trocknen die

Gräber. Am Eingang des

Friedhofs befindet sich ein

großer Grabstein für Gavrilo

Princip und die anderen

Mitglieder der „Mlada Bosna“

(Anm.: Junges Bosnien),

einer revolutionären Vereinigung von Schülern und Studenten

zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen die Besatzer

aus Österreich-Ungarn. Dahinter eine serbisch-orthodoxe

Kapelle, die den Attentätern gewidmet ist. Am Fuße des

Grabs liegt eine welkende Rose, im Grab spiegeln sich zwei

Blockbauten aus der Zeit Jugoslawiens. Hier wurde den Attentätern

ein Denkmal gesetzt. Hier liegt der tote Gavrilo

Princip begraben.

GAVRILO PRINCIP MAG KEINE JOURNALISTEN

Der lebendige Gavrilo Princip ist 61 Jahre alt, Großneffe

des berühmten Attentäters, wohnt in Ostsarajevo und ist

Direktor eines Motels und einer Tankstelle unweit des

Flughafens. Am Ortseingang ist ein Schild, auf dem Sarajevo

durchgestrichen ist, dahinter eines, auf dem steht: „Willkommen

in der Republika Srpska“. Hier wehen serbische

Fahnen. Ostsarajevo ist nicht der östliche Teil

Sarajevos, sondern eine Ansammlung von kleinen

Dörfern östlich von Sarajevo. Gavrilo Princip,

der von allen nur liebevoll „Bato“ genannt

wird, hat aber keinen Bock mehr auf Journalisten:

„Ich habe schon so viele Interviews gegeben,

ich habe da einfach keine Zeit dafür.

Außerdem gefällt es mir nicht, wie die mich

darstellen“, lässt er mich wissen und verweigert

jedes weitere Gespräch.

Unweit des Motels sitzen Schüler aus Ostsarajevo

und spielen mit ihren Smartphones. Was

denken sie über Gavrilo Princip? „Warum fragst

du das? Journalist, mhmmm. Wir hoffen, dass

dein Artikel keine Propaganda wird, in der du

Gavrilo Princip als Terroristen darstellst.“ Ein

anderer ergänzt: „Jeder normale Mensch muss

doch einsehen, dass Gavrilo Princip ein Held

ist.“ Da drängt sich natürlich die Frage auf, warum

das nicht alle so sehen. Der erste erklärt:


POLITIKA

23

„Die Moslems lernen in der Schule, dass er ein Terrorist war

und glauben das. Sie kennen die Geschichte nicht, sie selber

haben doch gar keine eigene Geschichte.“

Das Schulsystem in Bosnien-Herzegowina ist nicht darauf

ausgerichtet die Grundlage für ein konstruktives Zusammenleben

zu errichten. Die meisten Schulen bieten sogenannte

monoethnische Lehrpläne an. Das heißt: Bosniaken, Kroaten

und Serben haben ihre eigenen Geschichtsbücher und diese

sind, gelinde formuliert, nicht immer kritisch und differenziert.

Zudem gibt es geteilte Schulen, dort lernen die Kinder

zwar unter einem Dach, aber nicht in denselben Klassen, damit

die kleine Maria und der kleine Murat nicht nebeneinander

sitzen müssen.

Zurück in Sarajevo auf der Lateinerbrücke. Dort wo der

Erzherzog vor 100 Jahren dem Attentat zu Opfer fiel, steht

heute das „Museum für die Geschichte Sarajevos in den Jahren

1878 bis 1914“, die Zeit der Österreich-Ungarischen Besatzung.

Mirsad Avdic hat während des Krieges in Berlin gelebt

und dort auf dem Bau gearbeitet. Heute ist er Historiker

und Museumskurator: „Diese Polemiken darüber, ob Gavrilo

Princip ein Held oder ein Terrorist war, bringen niemanden

weiter. Wir versuchen den Menschen Informationen in die

Hand zu geben, damit sie selbst entscheiden können, wie sie

vergangene Ereignisse bewerten. Wir hatten hier genug Streit,

es würde allen helfen, das etwas lockerer zu sehen. Diese nationalen

Mythen, das bringt niemandem etwas.“

Gavrilo Princip, der Großneffe des berühmten Attentäters, betreibt

in einem Vorort von Sarajevo ein Motel und eine Tankstelle.

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24 MIT SCHARF

MEINUNGSMACHE

GIPFEL IN WIEN

WEST-WAS?

„Der Begriff Westbalkan ist für

mich etwas Neues, ich höre erstmals

davon. Früher hat man das

noch Ex-Jugoslawien genannt“,

sagte Serbiens Außenminister Ivica

Dačić im Rahmen der Westbalkankonferenz

in Wien. Seit geraumer

Zeit geistert der Begriff „Westbalkan“

über das diplomatische

EU-Parkett. Die Region wurde

von Außenminister Kurz sogar zur

außenpolitischen Schwerpunktregion

erklärt. Aber was ist eigentlich

der „Westbalkan“ und warum ist

er den wenigsten West-Balkanesen

ein Begriff? Zur Erklärung: Der

Westbalkan ist Ex-Jugoslawien

minus Slowenien, aber plus

Albanien. Also Kroatien, Bosnien-

Herzegovina, Serbien, Montenegro,

Albanien, Mazedonien und der

Kosovo. Die EU hat einen Sammelbegriff

für jene südosteuropäischen

Staaten erfunden, die nach dem

EU-Beitritt von Bulgarien und

Rumänien das nächste EU-Erweiterungsziel

sind. Ex-Jugoslawien

geht ja nicht, weil Albanien nie

Teil davon war und man Slowenien

schon lange nicht mehr damit

verbindet. Außerdem erinnert

es wohl zu sehr an Krieg und

Zersplitterung. Ex-Jugos müssen

beim Begriff Westbalkan trotzdem

schmunzeln. Unser bosnisch-stämmiger

stv. Chefredakteur ist jetzt

beispielsweise nicht nur Austro-

Bosnier und Ex-Jugoslawe, sondern

auch noch West-Balkanese. Wenn

es einen Westbalkan gibt, bin ich

dann als gebürtige Bulgarin vom

Ost-Balkan? Und wo liegen dann

der Süd- und der Nordbalkan?

Wenn du eine Antwort weißt, Ost-

Balkanesin Marina freut sich über

deine Mail.

delcheva@dasbiber.at

Die innere Sicherheit geht über alles. Sie gilt

es zu schützen. Gegen Sprengköpfe und krude

Ideen. „Aktuell sehen wir für Österreich keine

Bedrohungslage“, sagte der Sprecher des Innenministeriums

in einem Beitrag der ORF-Sendung

„Thema“ über jene zwei bosnisch-stämmigen

Wienerinnen, die sich dem syrischen Bürgerkrieg

angeschlossen haben sollen. Dutzende

Menschen haben es ihnen gleichgetan. Zehn

sind in Syrien angeblich gestorben. Zehn wieder

zurückgekommen. Aber keine Sorge. Sie stellen

keine Bedrohungslage für Österreich dar.

WIR SIND SICHER

Diese Menschen interessieren uns lediglich in

einer Kategorie: als potenzielles Sicherheitsrisiko.

Wir verstehen nicht, warum sie ihr Leben

in einem Krieg riskieren, der nicht der ihre ist.

Warum sie Vorstellungen nachhängen, die wir

verachten, und Prinzipien abgeschworen haben,

die uns heilig sind. Beim Großteil der syrischen

Au-pair-Kämpfer soll es sich ohnehin um Asylwerber,

Kinder mit Migrationshintergrund und

ein paar Konvertiten handeln. Also: Es ist kein

hausgemachtes Problem. Kein österreichisches

Problem. Und hier liegt der Irrtum. Es ist hausgemacht.

Es sind unsere Kinder. Sie sind hier

aufgewachsen. Sie sind hier zur Schule gegangen.

Sie haben ihre Samstage auf der Mariahilfer

Straße verbracht, ihre Winter am Christkindlmarkt

und ihre Sommer im Gänsehäufl.

Kein einziges Mal gab es in den vergangenen

SYRIEN-KÄMPFER

WARUM DIE ÖSTERREICHISCHE

GESELLSCHAFT VERSAGT HAT

Solmaz Khorsands Kommentar ist in der Wiener Zeitung erschienen.

redaktion@dasbiber.at

FUSSBALL

IN DREI TAGEN ZUM FENERBAHCE-FAN

Rechtzeitig zur WM ein Bekenntnis: Fußball interessiert mich nicht besonders. Es

ist daher besser, darüber keine großen Worte zu verlieren. Hier eine Ausnahme:

Wäre ich Türke, wäre ich Fenerbahce-Fan. Schuld daran ist Ali. Der Austro-Türke

hat mich und eine ganze Gruppe aus Wien zur Meisterschaftsfeier des Traditionsklubs

mitgeschleppt. Dort haben wir das ganze Programm durchgemacht: Klubmuseum,

Fanshops, Treffen mit der Klubführung und die bombastische Feier im ausverkauften Stadion im Istanbuler

Stadteil Kadiköy – auch Republik Fenerbahce genannt. Jetzt bin ich fußballerisch und ideologisch

auf Linie: Immerhin war bereits Kemal Atatürk ein Fenerbahce-Fan. Welcher Klub kann das sonst bitte

behaupten? Zudem wurde meine Begeisterung für Fenerbahce auch durch ein bisschen Raki begünstigt,

den ich vor dem Stadion-Besuch bei Köfte und Co zu mir nahm. Bei den Fans von Galatasary und Besiktas

Istanbul möchte ich mich abschließend hochoffiziell entschuldigen. Hätte Ali mich zu Euch geführt,

ich wäre jetzt einer von Euch.

Simon Kravagna ist Herausgeber und Chefredakteur von biber.

kravagna@dasbiber.at.

Wochen ein derartiges Bekenntnis. Kein Politiker

hat gesagt: „Das sind unsere Kinder. Wir als

Gesellschaft haben eine Verantwortung. Da

ist etwas schiefgelaufen. Warum?“ Was läuft

schief in einer Gesellschaft, in der für einige

die Vorstellung vom Tod in einem Bürgerkrieg

allemal attraktiver erscheint, als jene vom Leben

in einem demokratischen, freien und friedlichen

Land? Diese Frage gilt es zuerst zu stellen. Was

bieten wir als Gesellschaft? Nicht jene, wie man

jenen die Staatsbürgerschaft oder den Asylstatus

entziehen kann, die schon einmal Gotteskrieger

im Ausland gespielt haben und wieder zurück in

Österreich sind. Das ist das Ende des Maßnahmenkatalogs

- wenn überhaupt. Muss erst das

Horrorszenario heraufbeschworen werden, dass

aus einigen Einzelfällen bald einige Hundert

werden könnten, wenn nicht mehr passiert?

Nein, das wäre gefährliche Angstmache. Und

die Konsequenzen sind absehbar: Irgendwann

steht jeder, der nur Inshallah murmelt, unter

Generalverdacht ein Jihadist zu sein - und ist

auch gleich seinen Pass los.

Die zwei Mädchen und die dutzenden Burschen

waren Teil einer Gesellschaft, die ihnen offenbar

nicht genug bieten konnte. Es gilt ein Angebot

zu schaffen, eines, das am Ende hält, das immun

ist gegen extremistische Alternativen - und

das nicht durch ein paar Klicks auf dubiosen

Websites ins Wanken gerät. Und dieses Angebot

beginnt mit dem Eingeständnis: Das sind unsere

Leute. Und um die haben wir uns zu kümmern.

Marko Mestrović


MIT SCHARF

25

STAATSBÜRGERSCHAFT

ZWISCHEN DEN STÜHLEN

Viele Türken in Österreich haben neben der österreichischen auch die türkische

Staatsbürgerschaft. Der Vorwurf, die betroffenen Doppelbürger würden damit den

österreichischen Staat schaden macht mich traurig.

Doppelstaatsbürgerschaften sind bis auf wenige

Ausnahmen in Österreich verboten. Wie es

trotzdem geht, dass zehntausende eingebürgerte

Neo-Österreicher zusätzlich auch die türkische

Staatsbürgerschaft besitzen? Die Tageszeitung

„Die Presse“ deckt auf und berichtet, dass viele

Austro-Türken illegalerweise auch einen türkischen

Pass besitzen. Ist mit dieser Praxis nun

untermauert, was bei jeder Integrationsdebatte

immer aufkommt: Bekennen wir uns Türken

nicht zu Österreich?

Wenn man die Identitätsfrage allein an der

Staatsbürgerschaft festmacht, dann ist die Sache

bei mir klar. Ich habe den türkischen Pass,

bin daher also türkisch durch und durch. Da hat

mein österreichisches Ich leider Pech gehabt.

Dann gibt es die ältere Generation. Auf Papier

österreichisch – im Herzen türkisch. Gerade

diese ist sehr stolz auf ihre österreichische

Staatsbürgerschaft, möchte aber nicht auf ihre

hart erarbeitete Existenz in der Türkei verzichten.

Für sie ist die österreichische Staatsbürgerschaft

eine Geste der Akzeptanz! Die jüngere

Generation beschäftigt sich weniger mit diesen

Fragen. Für sie ist ihr österreichischer Pass eine

Selbstverständlichkeit und steht in keinerlei

Konflikt mit ihrer emotionalen Verbundenheit

zur Türkei. Sie arbeiten hier, urlauben aber in

Bodrum. Sie sprechen Deutsch, fernsehen auf

Türkisch. Deutsch sprechen, Türkisch fühlen –

das wird gelebt! Dieses Zwischen-den-Stühlen-

Sitzen – ist ein dauerhafter Gefühlszustand.

Die Forderung, diese „gespaltene“ Existenz

auch auf legaler Ebene zu ermöglichen, ist in

Zeiten globaler Mobilität mehr als gerechtfertigt.

Dass das Wohlfühlen in einer Gesellschaft

in keinerlei Konflikt mit der Verbundenheit zu

einem anderen Teil dieser Welt steht, will man

nicht glauben. Es ist schwer zu verstehen, dass

man weder seine persönliche Vergangenheit,

noch den prägenden Einfluss der Familie nicht

löschen kann. Gastarbeiter und ihre Nachfahren

existieren nun mal zwischen den Grenzen

und nicht innerhalb. Ich kenne tatsächlich

keinen einzigen Auslandstürken, der sich nur

aufgrund seiner Staatsbürgerschaft türkischer

oder österreichischer fühlt. Entweder man war

schon immer „ÖsterreicherIn“ oder man ist es

„noch“ immer nicht! Oder aber man ist halt

ein/e Zwischen-den-Stühlen-SitzerIn, so wie

ich eine bin. Wir scheitern gewiss nicht am

„Doppelpass“, sondern an der Doppelmoral,

mit der in Österreich solche Debatten geführt

werden!

Dudu Gencel ist biber-Akademikerin und sitzt gerne zwischen den Stühlen – und das sehr bequem.

gencel@dasbiber.at


ES IST SCHWER

ZU VERSTEHEN,

DASS MAN WEDER

SEINE PERSÖNLICHE

VERGANGENHEIT,

NOCH DEN

PRÄGENDEN EINFLUSS

DER FAMILIE

NICHT EINFACH SO

LÖSCHEN KANN.


Istanbul Symphony

Eine musikalische Reise vom Orient in den Okzident

Burcu Karadağ Ney · Tanzu Karpinar Kudüm, Bendir, Darbuka

Hakan Güngör Kanun · Fazıl Say Klavier

Tonkünstler-Orchester Niederösterreich

John Axelrod Dirigent

Fazıl Say Istanbul Symphony op. 28

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27

Foto von Ira Tomić

„ICH TAUSCHE MODRIC

GEGEN DZEKO, OKEE?“

RAMBAZAMBA


28 RAMBAZAMBA

5

GRÜNDE WARUM

BOSNIEN WELT-

MEISTER WIRD

DIMITAR DILKOFF / AFP / picturedesk.com, bereitgestellt

1.

KARMA

2.

ESPRIT

3.

ZAUBERFORMEL

4.

EINE SEELE

Wir glauben an die Macht

der guten Geister. Und

wenn jemand den Erfolg

verdient hat, dann ist das

die leidgeplagte Bevölkerung

in Bosnien. Schon die

Quali zur WM fühlte sich

wie ein Titel an. Wer ist

nochmal Lionel Messi?

Er lässt jeden Latino-Fußball-

Kommentator alt aussehen.

Der Kult-Kommentator

Marjan Mijajlovic schlittert

bei jedem Bosnien-Match an

einem Herzkasperl vorbei.

So viel Leidenschaft muss

belohnt werden.

Brasilianer dürfen nur Blümchensex

haben, Mexikaner ganz darauf verzichten

und Engländer holen sich Rat beim

Astrophysiker Stephen Hawking. Alles

Schmafu! Die Balkankicker dürfen ihre

Frauen lieben und müssen keine physikalischen

Formeln studieren.

Die Nationalität zählt nicht, nur

die Liebe zum Fußball. Deswegen

sind Kicker wie Zvjezdan

Misimović, Sergej Barbarez oder

Kult-Trainer Ivica Osim unglaublich

beliebt. Die Erfolge der „Drachen“

beweisen eindrucksvoll:

Gegen Fußball hat die Politik

kein Leiberl.


BIBER_Inserat_2014_Layout 1 16.04.14 23:03 Seite 1

RAMBAZAMBA

29

Ab dem 12. Juni rollt die 20. Fußballweltmeisterschaft

in Brasilien über

den Rasen. An der Stelle von journalistisch

ausgewogener Berichterstattung

sind wir dieses Mal aber höchst

subjektiv: Unsere Mannschaft ist Bosnien!

Die Balkanzauberer sind heiß

darauf, ihren Gruppengegnern Iran,

Argentinien und Nigeria den Kolo zu

tanzen.

Und falls sich unsere kroatischen,

persischen oder österreichischen

Fußballfans jetzt ärgern: Natürlich

halten wir sowohl Kroatien, als auch

dem Iran die Daumen. Aber hey, die

Teams sind sowieso bei jeder WM dabei,

während die bosnischen Drachen

beim Auftaktspiel gegen Argentinien

ihr erstes Mal bestreiten. Was Österreich

betrifft: Wenn die Fifa endlich

das Klonen von Spielern legalisiert

und elf Alabas das Rot/Weiß/Rote-

Trikot tragen, können wir lauthals

„immer wieder, immer wieder, immer

wieder, Österreich“ schreien. Bis dieser

unwahrscheinliche Fall eintritt,

singen wir „Ajmo Bosno, Bosno, ajmo

Hercegovino.“

Von Adnan Muminovic

KINO UNTER STERNEN

Open Air am Karlsplatz 27. Juni–19. Juli 2014

5.

STYLE

Anders als in den 70ern gelten

Fußballspieler heute als

Modeikonen. Dafür brauchen

sie entsprechend schicke

Trikots. Mit Adidas hat der

Verband einen wichtigen

Ausstatter an Land gezogen,

(Sorry Legea) denn: Kleider

machen Tore.

WEB-TIPP:

Bist du Honduras, Iran

oder Kroatien-Anhänger?

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30

RAMBAZAMBA

DAS WM ABC

Namen, Zahlen, Fakten – die Weltmeisterschaft ist auch die Zeit der Stammtische und Public Viewings.

Und um bei denen mit Fachwissen zu glänzen, hat biber das ultimative Fun-Facts-Alphabet zum wichtigsten

Fußballturnier der Welt zusammengestellt. Von Alexander Kords

A wie „Andi Herzog“:

Unser Mann bei der WM.

War 2011 noch Trainer der

österreichischen U-21-Nationalmannschaft,

jetzt wärmt

er den Platz von Jürgen

Klinsmann auf der Bank der

US-Boys.

B wie „Brasilien“: Gastgeber

und Rekordtitelträger.

Kann sich sogar den Luxus

erlauben, auf Stars wie Kaká

und Ronaldinho zu verzichten

und gilt trotzdem als

Topfavorit.

C wie „Combinho“: Die

instrumentale Allzweckwaffe

für die WM. Ist Trommel,

Rassel, Ratsche und Pfeife

gleichzeitig und klanglich

sehr viel angenehmer als die

Vuvuzela vor 4 Jahren.

D wie „Debütant“: Keine

WM ist komplett ohne mindestens

ein Team, das zum

ersten Mal an der Endrunde

teilnimmt. Diesmal feiern

die Kicker aus Bosnien und

Herzegowina ihr WM-Debüt

– und gelten gleich als à

Geheimtipp.

Wir helfen nach: Rechts

seht ihr NICHT das

Maskottchen der WM.

Das ist der emalige Kicker

Ronaldo, der seinen

Ruhestand offensichtlich

in Vollen Zügen genießt.

Links von Ronaldo

steht „Fuleco“, das brasilianische

Gürteltier und

Maskottchen.

Ein Wiener und

ein Schwabe für die

„United States“. Nein,

das ist kein Witz,

sondern der Trainerstab

der US-Boys.

Coach Jürgen Klinsmann

und Assistent

Andreas Herzog.

Die Bosnische

Nationalmannschaft

ist der

einzige Debütant

bei der WM.

Selbst Teams wie

Honduras oder

der Iran haben

mehr Erfahrung

bei großen Turnieren.

Warum die

Jungs um Trainer

Susic trotzdem die

Trophäe holen,

könnt ihr ab S. 30

nachlesen.

E wie „Elfmeterschießen“:

Die fieseste, aber auch

spannendste Art, ein Spiel

zu entscheiden – vor allem

im Finale. Zweimal wurde

bislang der Weltmeister am

Elfmeterpunkt gekürt: 1994

gewann Brasilien gegen Italien

und 2006 (ausgleichende

Gerechtigkeit) Italien gegen

Frankreich.

F wie „Fuleco“: Name des

offiziellen Maskottchens,

einem brasilianischen Dreibindengürteltier.

Setzt sich

aus „futebol“ und „ecologia“

zusammen. Meldungen, dass

„Fuleco“ ein brasilianisches

Schimpfwort für den verlängerten

Rücken sei, wurden

schnell widerlegt.

G wie „Geheimtipp“:

Mannschaften, die nicht

zum Kreis der Topfavoriten

zählen – also praktisch alle

außer Spanien, Brasilien und

Deutschland. Wobei: Dass

Honduras den Titel holen

kann, ist wirklich ganz besonders

geheim.

Strasser Nina / Verlagsgruppe News / picturedesk.com, Freshfocus / EXPA / picturedesk.com, Simon Stacpoole / Rex Features / picturedesk.com, Sebastian Kahnert / dpa / picturedesk.com,

Johann Groder / EXPA / picturedesk.com, FRANCK FIFE / AFP / picturedesk.com, Rowan Staszkiewicz / PA / picturedesk.com, JOSE SENA GOULAO / EPA / picturedesk.com


RAMBAZAMBA

31

H wie „Heimvorteil“:

Der verhalf bei den bisherigen

19 Weltmeisterschaften

6 Teams zum Titel. Gutes

oder schlechtes Zeichen für

Brasilien? Schließlich wurden

umgekehrt 14 Gastgeber

(2002 warens mit Japan und

Südkorea gleich 2) nicht

Weltmeister.

I wie „Infrastruktur“: Das

größte Problem im Vorfeld

der WM. Sieben der 12 WM-

Stadien mussten erst neu

gebaut werden, alle anderen

wurden renoviert. Das

Stadiondach in São Paulo und

der Flughafen von Fortaleza

werden sogar erst nach dem

Turnier fertig.

J wie „Jogi Löw“: Trainer

unseres nordwestlichen

Nachbarn. Hat bei der WM

einen der schwersten Jobs

überhaupt, schließlich hat er

keine Abwehr und könnte

eine ganze Mannschaft aus

Mittelfeld-Genies aufstellen.

Und: Er soll nach 24 Jahren

Durststrecke endlich wieder

den Titel nach Deutschland

holen.

K wie „Keine einzige“:

Anzahl der europäischen

Mannschaften, die jemals in

Amerika Weltmeister wurden

– bei 7 WM-Turnieren in

Nord- und Südamerika hieß

der Sieger immer Brasilien,

Argentinien oder Uruguay.

L wie „Lied“, neudeutsch

auch „Song“: Den offiziellen

zur WM liefern Pitbull,

Jennifer Lopez und die Brasilianerin

Claudia Leitte mit

„We Are One“ – nur echt mit

Samba-Rhythmen und originellem

Refrain. „Olé, olé!“

Viele Stadien mussten Fifa-tauglich umfunktioniert werden. Die Kritik: Die typischbrasilianische

Fußballleidenschaft komme nicht zur Geltung.

Der Glanz

der Panini-

Sticker ist

etwas verblasst.

Immerhin

braucht man

mindestens

542,6 Euro,

um das Album

vollzukriegen.

Das schaut doch nach einer Performance zu einer Fußballhymne aus, oder nicht?

Booty-Latina J-Lo mit Antreiber Pitbull.

M wie „Maracanã“:

Bekanntestes Fußballstadion

der Welt, Spielort für das

heurige WM-Finale. Heißt

eigentlich Estádio Jornalista

Mário Filho. Bei einem Spiel

1954 waren 183.513 Menschen

drin – das sind genauso viele

Menschen wie Einwohner in

Wien-Favoriten

N wie „Neunzehnhundertfünfzig“:

Jahreszahl

des größten Traumas der

brasilianischen Fußballgeschichte.

Ausgerechnet im

à Maracanã-Stadion in Rio

verlor der Gastgeber das entscheidende

WM-Spiel gegen

Uruguay mit 1:2.

O wie „ORF“: Übertragender

österreichischer

Fernsehsender. Zeigt alle

64 WM-Spiele – wegen der

Zeitverschiebung fangen

viele Partien erst 22 Uhr oder

gar um Mitternacht an. Zum

Glück startet nur ein Spiel

um 3 Uhr in der Früh: Japan

gegen Elfenbeinküste.

P wie „Panini“: Comicbuchverlag,

der seit 1970 zu

jeder WM Sticker mit allen

Spielern herausbringt. Um

ohne Tauschen an alle 640

Pickerl zu kommen, müsste

man übrigens rein rechnerisch

4.505 davon kaufen. Das

sind ganze 901 Tüten und kostet

genau 540,60 Euro – plus 2

Euro fürs Sammelalbum.


32

RAMBAZAMBA

Q wie „Qualifikation“: 202

Teams trugen Tausende von

Partien aus, um sich für 31

Startplätze bei der Endrunde

zu qualifizieren (Brasilien

war als Gastgeber gesetzt).

Nicht ganz so gut haben sich

die Amerikanischen Jungferninseln

angestellt – die

sind nach 6 Niederlagen und

2:40 Toren ausgeschieden.

R wie „Rekordhalter“:

Zu dem könnte sich der

Deutsche Miroslav Klose machen.

Zwei Tore, und er wäre

Rekordtorschütze, 3 Siege für

die deutsche Mannschaft,

und er wäre der Spieler mit

den meisten WM-Siegen aller

Zeiten.

S wie „Spiel um Platz 3“:

Die unnützeste Partie bei

jedem WM-Turnier. Zu Spielbeginn

trotten 22 Halbfinal-

Verlierer unmotiviert über

den Platz, nach dem Schlusspfiff

kann sich zumindest ein

Team über Medaillen freuen.

T wie „Torlinientechnik“:

Wird bei dieser WM zum

ersten Mal eingesetzt. Sieben

Hochgeschwindigkeitskameras

bewachen ein Tor und

lassen die Uhr des à Unparteiischen

piepsen, wenn der

Ball drin ist.

U wie „Unparteiischer“:

25 Schiedsrichter sind nominiert,

dazu 66 Assistenten aus

insgesamt 43 Ländern. Die à

Torlinientechnik erleichtert

ihre Aufgabe, so erkennen

sie auch leichter, wenn im

Halbfinale zwischen Brasilien

und Deutschland Dante

einen Kopfball von Hummels

klärt und er doch hinter der

Linie ist.

Gareth Bale

ereilt das gleiche

Schicksal wie Ryan

Giggs. Da Wales

nie die Quali zur

WM schafft, muss

der Flügelflitzer das

Geschehen aus dem

Pub aus verfolgen.

Miro ist ein

Phänomen. Er ist

gefühlte 47, spielt

den Mittelstürmer

aus den 70er

Jahren und macht

trotzdem Tore

am Fließband.

Zugegeben: Die

Konkurrenz im

deutschen Sturm

ist überschaubar.

Besser gesagt: es

gibt keine.

Wenn dieser Mann nicht jede Sekunde an Fußball denkt, dann sperren wir morgen den

Lande zu. Pele ist Pele! Den Grundstein legte er mit 17 Jahren bei der WM 1958. Da

schoss er in vier Spielen sechst Tore.

V wie „Vorrunde“:

Überstehen die besten 2

Mannschaften jeder Gruppe.

Entscheidend für die Platzierung

sind erst die Punkte,

dann Tordifferenz, erzielte

Tore und direkter Vergleich.

Und wenn das alles nicht

hilft, lost die FIFA aus, wer

weiterkommt.

W wie „Wales“: Nur

eine der unzähligen Mannschaften,

die die à Qualifikation

nicht geschafft haben

– auch nicht mit einem

gewissen Gareth Bale in ihren

Reihen. Der ist laut Transfermarkt.de

mit 80 Millionen

Euro Marktwert der teuerste

Spieler, der nicht an der WM

teilnimmt.

X wie „x-ter Versuch,

den Titel zu holen“: Mexiko

nimmt zum 15. Mal an

einer WM-Endrunde teil,

kam bislang aber nie über

das Viertelfinale hinaus. Die

Niederlande versuchens zum

10. Mal, waren aber wenigsten

schon 3 Mal im Finale.

Y wie „Youngster“: Seit

2006 kriegt der beste junge

Spieler des Turniers einen

Award. Bislang waren das

Lukas Podolski und Thomas

Müller. Schade, dass es den

Preis 1958 noch nicht gab, da

hat ein gewisser 17-Jähriger

namens Pelé 6 Tore in 4 Spielen

geschossen.

Z wie „zu Ende“: Zustand

der WM nach dem Finale

am 13. Juli, wenn ein Spanier,

Brasilianer oder Deutscher

den Pokal in die Höhe reckt.

Ach, was quatschen wir da?

Bosnien macht‘s!


RAMBAZAMBA

33

HEIM WM FÜR

INTEGRATION

Alle Welt schaut nach Brasilien. Doch auch

in Wien treten Fußballer verschiedenster

Nationen gegeneinander an. Bei der „Casinos

Austria Integrationsfußball WM“ steht aber

besonders das Miteinander im Vordergrund.

Casinos Austria Integrationsfußball WM

Sportcenter Donaucity,

Arbeiterstrandbadstraße 127, 1220 Wien

Sonntag, 8. Juni 2014, 9 Uhr

1800 Amateur-Fußballer und 150 Teams

messen sich jährlich bei der Kleinfeldturnierserie

„Casinos Austria Integrationsfußball

WM“. Ziel ist die Förderung

des Integrationsgedankens in Österreich.

Dafür bekam das Projekt 2010 den

Anerkennungspreis des „Integrationspreises

Sport“. Gespielt wird seit 2006 in

den Städten Wien, Baden, Linz, Salzburg

und Innsbruck. Der Turniertag in Wien

ist am Sonntag, dem 8. Juni, im Sportcenter

Donaucity.

Legendenspiel Austria gegen Rapid

Neben dem eigentlichen Turnier steht das

Legendenspiel Rapid gegen Austria als Highlight

am Programm. Größen des österreichischen

Fußballs wie Toni Polster, Andreas Ogris

oder Ernst Baumgartner werden ab 15 Uhr

wieder in ihre Fußballschuhe schlüpfen und

Derbystimmung verbreiten. Um den Turniersieg

werden aber Mannschaften wie Brasilien,

Ghana, Mongolei und sogar eine Spielgemeinschaft

Indien-Pakistan spielen.

AKADEMIE MIT SCHARF:

WIR BRINGEN DIE NEUEN

ÖSTERREICHER IN DIE MEDIEN

WILLST DU JOURNALIST/JOURNALISTIN WERDEN?

WILLST DU MITBESTIMMEN, WIE MEDIEN BERICHTEN?

WILLST DU VERBESSERN, WIE IN ÖSTERREICH ÜBER MIGRANTEN

GESCHRIEBEN WIRD?

Dann bewirb dich für ein Stipendium an der „mit scharf“-

Akademie. Auch für den Lehrgang 2013/14 vergibt biber

wieder 20 Stipendien an talentierte Jungjournalisten mit

Migrationsbackground.

Alle Stipendiaten erhalten bei biber eine zweimonatige

journalistische Grundausbildung. Danach vermittelt biber ein

Praktikum bei einem österreichischen Leitmedium oder einer

renommierten Presse- oder Kommunikationsabteilung. Das

Ziel der „mit scharf“-Akademie ist es, die journalistische Elite

des neuen Österreichs zu rekrutieren und auszubilden. Das

Stipendium ist mit 600 Euro monatlich dotiert.

Bist du interessiert und zwischen 18 und 28 Jahre alt? Schick

uns deinen Lebenslauf und sag uns, warum du das Stipendium

bekommen sollst und welche Storys du gerne schreiben

würdest. Die österreichische Staatsbürgerschaft ist keine

Voraussetzung. Für uns zählen deine Motivation und deine

Ideen, nicht deine Nationalität.

Bewerbung an: redaktion@dasbiber.at

Erfolgreiche Absolventen: Ali Cem Deniz, Ayper Cetin, Muhamed Beganović

Das Projekt der „mit scharf“-Akademie wird finanziell gefördert von

Außenministerium, Novomatic, OMV, der Industriellenvereinigung sowie der

Bawag/PSK. Wir danken unseren Sponsoren.


34 MIT SCHARF

FITIM

RAMADAN

UNSER REDAKTEUR SCHADI MOUHANDES

MÖCHTE FASTEN UND TROTZDEM

KÖRPERLICH FIT BLEIBEN. WÄHREND

SICH VIELE GLÄUBIGE ABENDS DIE

BÄUCHE VOLLSCHLAGEN, ZÄHLT SCHADI

KALORIEN, NÄHRWERTE UND VITAMINE.

EIN SELBSTVERSUCH. Illustrationen: Georg Wagenhuber

R

amadan steht mit 28. Juni vor der

Tür. Von der Morgendämmerung bis

zum Sonnenuntergang soll im heiligen

muslimischen Fastenmonat weder gegessen,

getrunken noch anders „gesündigt“

werden. Die ersten Mamas kaufen aber

bereits allerlei Leckereien ein. Ihre Speisen,

ob es Dolma, Lahmacun oder Baklava

sind, werden voller Fett und Zucker

sein. Dabei wird im Fastenmonat Ramadan

mit der eigenen Enthaltung eigentlich

den hungernden Menschen gedacht. Aber

im Endeffekt essen wir Muslime viel mehr

als normal und nehmen meist dadurch

extrem zu. Was nicht Sinn der Sache sein

sollte.

Diesen Sommer soll das bei mir nicht

so laufen. Ich will vorab testen, ob ich

auch trainiert und ohne zusätzliche Fettpolster

durch die Fastenzeit kommen

kann. Für meinen Selbsttest gebe ich mir

vier Tage – und gehe sofort einkaufen.

Beim Shop für Fitnessprodukte kaufe

ich 1kg Whey, 1kg Casein und einen Workoutbooster.

Keine Sorge, das sind keine

Anabolika. Whey und Casein sind Proteine,

die der Körper braucht um Muskeln

aufzubauen. Ein Workoutbooster „kickt“

wie der Kaffee am Morgen, nur nimmt

man den meist vor dem Training. Vollgepackt

mit diesen Muskelmachern gehe ich

zum Supermarkt um die Ecke und lade

meinen Einkaufswagen mit echter Nahrung

voll: tonnenweise Putenaufschnitt,

eben soviel Lachs-, Puten- und Rindersteaks,

Vollkornnudeln und Reis, kohlenhydratarmes

Gemüse (grünes Gemüse,

Tomaten und Paprika), sowie Vollkornbrot,

Äpfel, Magertopfen, grünen Tee,

Zitronen und Magermilch. Beim heimgehen

wünsche ich mir einen LKW, statt

bloß meinen Rucksack.

TAG 1

6 ESSLÖFFEL „KOKAIN“,

DAZU LACHS MIT MAGERTOPFEN

Punkt 2 Uhr morgens klingelt mein Wecker,

um mir zu signalisieren, dass ich

noch 30 Minuten zum Frühstücken habe.

Dann nämlich geht langsam die Sonne auf

und verbietet mir das Essen und Trinken

bis zum Abend.

Ich mache mir einen grünen Tee und lasse

den Teebeutel in der Tasse. Trinke ihn

aber noch nicht! Ich bestreiche drei Vollkornscheiben

mit Magertopfen, lege großzügig

Lachs oben drauf und stopfe alles

genüsslich in mich hinein. Anschließend

esse ich einen Apfel, der als Zuckerspender

für den Tag dienen soll. Nun hole ich

mein Casein Pulver heraus. Zugegebenermaßen,

es sieht wie Kokain aus und ich

fühle mich wie Pablo Escobar in seinen

besten Tagen. Ich mixe 50g Pulver (ca. 6

gehäufte Esslöffel) mit 500ml Milch und

trinke diesen äußerst leckeren Shake. Danach

schaue ich auf den kalten, bitteren,

ranzig gewordenen grünen Tee. Jetzt

kommt die Auflösung: Du nimmst den

Tee und wäschst dir damit deine Achseln.


MIT SCHARF

35

Nein, Spaß Freunde, ihr trinkt ihn natürlich.

Schmeckt eklig, ist aber extrem gut, denn

durch die bitteren Stoffe im grünen Tee wird

der Hunger über Stunden gehemmt sein.

Nach meinem Powerfrühstück lege ich mich

nochmal für sechs Stunden hin.

DEM FRESSWAHN EIN

ENDE SETZEN!

Der Tag verläuft sehr

angenehm, obwohl ich

normalerweise mindestens

das Doppelte esse.

Ab 18 Uhr zwitschert

allerdings mein Bauch wie

ein Vogel. Es ist zwar kein

Gefühl, als ob ich umkippen

würde, aber Hunger ist nun

mal Hunger. Aber ich versuche

mit dem Kopf, statt mit

meinem Bauch die höheren Ziele

meiner Vor-Ramadan-Mission zu erfassen:

Wenn nach dem Ramadan auf einmal alle

Muslime wie Top Athleten aussehen, ist es

das Knurren im Bauch wert.

Diesem Fress-Wahn soll endlich ein

Ende gesetzt werden. Man soll bitteschön

nicht nur psychisch, sondern auch physisch

im Ramadan an sich arbeiten. Der Prophet

(sas*) empfiehlt besonders im Ramadan seinen

Magen wie folgt zu füllen: 1/3 Nahrung,

1/3 Flüssigkeit und 1/3 Luft. Das symbolisiert,

dass sogar der Prophet zur Mäßigung

ruft. Sonst wäre das Fasten komplett un-

*sas, arabisch für: „Sallallahu alaihi wa sallam“, übersetzt:

„Mögen Allahs Segen und Frieden auf ihm sein“

Genau das richtige für Afterwork-Treffs, zum

entspannen in der Lounge oder an der Bar in

einem modernen und dennoch gemütlichen

Ambiente. Wenn du dich nach einer Auszeit

vom Alltag sehnst, seid ihr bei 2Lounge auf der

Praterstraße 54 genau richtig.

Die Karte ist reichhaltig an diversen Cocktails.

Shishas gibt es in verschiedensten Geschmacksrichtungen.

Entspannt euch in inspirierender

Atmosphäre mit einer großen Bar.

Wo: Praterstraße 54 A-1020 Wien


36 MIT SCHARF

KOHLENHYDRATE:

Es gibt „gute“ Kohlenhydrate (Vollkornnudeln, Reis, Vollkornbrot

usw.) und „schlechte“ Kohlenhydrate (Schokolade,

Burger, Weißbrot usw.) Generell sollte man nicht so viel

Kohlenhydrate essen, denn die machen uns fett!

PROTEIN:

Muskeln brauchen gute Kohlenhydrate und Proteine zum Aufbau.

WHEY PROTEIN:

Versorgt eure Muskeln mit Proteinen, die schnell wirken.

CASEIN PROTEIN:

Versorgt eure Muskeln langsamer, über einen längeren Zeitraum

mit Proteinen.

WORKOUTBOOSTER:

Damit ihr Power vor dem Training bekommt.

gesund und sogar schädlich. Ich lese ein

wenig im Internet über die Ramadane der

letzten Jahre und erfahre, dass besonders

in den ersten drei Tage in vielen Krankenhäusern

muslimischer Länder vermehrt

Mägen abgesaugt und geplatzte Organe

wieder zusammengeflickt werden mussten,

weil viele beim Fastenbrechen jegliche

Kontrolle über sich selbst verlieren.

Da kann man nur den Kopf schütteln!

DAS NEUE FITNESSSTUDIO: MCMOSCHEE

Das nächste Fastenbrechen rückt immer

näher. Normalerweise würde man jetzt

anfangen zu kochen. Ich aber eröffne wieder

mein Drogenlabor und bereite zwei

Shakes zu, bestehend aus 500ml Wasser

mit 30g Whey (4 Esslöffel) und einen

Mix aus Wasser und meinem Workoutbooster.

Danach packe ich meine Sportsachen

inklusive zweier Datteln und ab

gehts ins Fitnessstudio. Um Punkt 21

Uhr breche ich mein Fasten mit Datteln,

dem Whey Shake und Workoutbooster.

Ich warte noch 10 Minuten, bis der eingeflößte

Zucker mir Kraft gibt – dann

beginne ich mein Workout. Ich trainiere

Bizeps, Brust und Trizeps und bemerke

zunächst keine Schwäche. Doch nach ca.

einer Stunde ist meine Puste weg. Umziehen,

ab nach Hause, 500 ml Wasser mit

30g Whey nochmal getrunken und nun

beginne ich endlich mein Essen zuzubereiten.

Ich koche mir 250g Reis, 300g Pute

und 300g Brokkoli. Dazu nochmal 500ml

Wasser mit Zitrone, für die Vitamine. Das

Wasser ist sehr wichtig, da man über den

Tag leicht dehydriert, also dem Körper

Wasser entzogen wird. Anschließend eile

ich noch in die Moschee, um Teravih (das

Gebet im Ramadan) zu beten, was alleine

nochmal ein Fitnessprogramm für sich

ist, da man sich bis zu 20 mal erheben

und senken muss. Um 23 Uhr nochmal

ins Schwitzen kommen, puh!

Als Nachtsnack verpasse ich mir

500ml Magermilch mit 30g Casein, damit

ich auch über Nacht mit ordentlichen

Eiweißen versorgt werde. Muskeln

brauchen nämlich auch nachts Energie

zum Wachsen. Falls ihr wollt, könnt ihr

anstatt Milch mit Casein auch 300g Magertopfen

löffeln. Schmeckt ein wenig

trocken, aber mit ein ganz klein wenig

Honig viel erträglicher. Um punkt 0 Uhr

falle ich erschöpft, aber zufrieden ins

Bett. In 2 Stunden stehe ich wieder auf.

ÜBER NACHT ZUM TERMINATOR

Die nächsten drei Tage verlaufen wenig

anders, außer dass ich Fleisch, Gemüse

und Gewürze immer variiert habe, da

ich nicht tagelang haargenau das gleiche

essen möchte. Am vierten Tag habe ich

ca. 3 Kilo verloren und stelle mir schon

vor wie ich am Ende des Ramadan aussehen

könnte. Brad Pitt? David Beckham?

Kivanc Tatlitug? Ich hoffe alle 3 zusammen!

Ich kann abschließend sagen, dass

ich mit der Reihenfolge „Sport und dann

Essen“ kein Problem hatte. Mein Blutzucker

war permanent im grünen Bereich

und ich bin weder verdurstet, noch umgekippt

vor Schwäche, wie es leider die

Vorurteile über „Ramadan und Sport“

sagen. Das einzig schwierige ist das Essen,

da ich mich doch gern mal mit Baklava,

Künefe und Co. zu den Ramadan TV-

Serien verwöhnen würde. Ich weiß, dass

ich in diesem Monat nicht zum Herkules

mutieren kann, aber zum abnehmen und

gleichzeitigem Muskelaufbau ist er sehr

gut geeignet.

In diesem Sinne wünsche ich allen Muslimen

auf dieser Welt einen gesegneten

Ramadan voller Liebe, kohlenhydratfreies

Essen und Schweiß.

Euer,

Schadi


MIT SCHARF

37

Denk was

möglich ist.

denk.uniqa.at

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BEZAHLTE ANZEIGE

HUMUS

SCHLÄGT

LIPTAUER


SPAR-Geschäftsführer Alois Huber und NENI-

Gründerin Haya Molcho sprechen über die

bunte Küche Wiens, warum Humus besser

ankommt als Liptauer und wie die Zusammenarbeit

zwischen Spar und Neni abläuft.

Von Alexandra Stanic und Marko Metrović (Fotos)

SEIT ZWEI JAHREN ARBEITEN SPAR UND

DIE WIENER SZENEKÖCHIN HAYA MOL-

CHO ZUSAMMEN. Insgesamt gibt es 13 Produkte

wie Falafeln, Humus und Kichererbsensalat.

Aber auch eigens von Haya kreierte

Eissorten wie „Erdnuss-Karamell“ oder „Limonana“

sind im Sortiment zu finden.

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Spar und

Neni entstanden?

Alois Huber: Ich war auf der Suche nach etwas

Neuem abseits des Mainstreams und wollte unseren

Kunden innovative Produkte bieten. So

bin ich auf NENI gestoßen.

Haya Molcho: Ja, Alois ist bei einer Veranstaltung

auf mich zugekommen und so ist unsere

Kooperation entstanden - ohne Druck, fast wie

von selbst.

Und läuft die Kooperation gut?

Haya Molcho: Ausgezeichnet! SPAR hat uns

von Anfang an Zeit gegeben, damit wir uns

einarbeiten. Wir hatten keine Erfahrung mit

Produktionen in diesem Ausmaß, da ist die

Verantwortung ja noch viel größer als in der

Gastronomie. Ich kann mich noch genau erinnern,

wie ich vor genau zwei Jahren in der

Küche am Naschmarkt gestanden bin und Produkte

für die erste SPAR-Filiale mit Freunden

und Familie verpackt habe. Ich muss schon sagen,

dass ich stolz bin, dass wir uns so schnell

weiterentwickelt haben.

Alois Huber: Die Zusammenarbeit läuft toll,

weil Haya authentische und innovative Produkte

liefert. Deswegen gibt es die NENI-Produkte

mittlerweile flächendeckend an 1.400

Standorten.

Was ist das Erfolgsrezept Ihrer Zusammenarbeit?

Alois Huber: Auch wenn wir ein urösterreichisches

Unternehmen sind, haben wir ein weltoffenes

und menschenfreundliches Verständnis.

Mit den Neni-Produkten bringen wir Lifestyle

in unsere Supermärkte. Wir passen unsere

Produktpalette der kulturellen Vielfalt, die es

in Wien gibt, an.

Haya Molcho: Das Geheimnis ist, dass wir uns

Schritt für Schritt hochgearbeitet

haben. Und wir

helfen uns gegenseitig:

Wenn ich Eigenwerbung

mache, versuche ich immer,

Spar mit einzubringen. Das

bringt meinen Kunden

auch etwas, weil sie so wissen,

wo sie NENI-Produkte

finden können.

Die österreichische Küche

unterscheidet sich stark von

der orientalischen. Wie

sind die Reaktionen auf die

Neni-Produkte bei Spar?

Haya Molcho: Es ist ganz klar, dass ich bei meinen

Rezepten auf den Geschmack der Österreicher

eingehe. Ich entnehme den Gerichten

beispielsweise die Schärfe. Ich respektiere die

österreichische Esskultur, gleichzeitig bringe ich

meine Kultur hinzu. Deswegen funktioniert das

Ganze so gut. Diese Adaption macht es aus.

Alois Huber: Wenn ich vor fünf Jahren einen

Österreicher gefragt hätte, was Humus ist, hätte

er mit Erde geantwortet. Heute verkauft sich

der Humus von NENI trotz der Wiener Heurigenkultur

besser als Liptauer-Aufstrich. Sehr

stark im Kommen ist auch die Rote Rüben-

Humus Variation.

Richten sich die NENI-Produkte bei SPAR an

junge Menschen?

Alois Huber: NENI gehört zum neuen Lebensgefühl

von jungen Menschen, die interkulturell

unterwegs sind und SPAR deckt das mit Lebensmitteln

ab. Die Produkte reflektieren dieses

Lebensgefühl und das ist gut so!

Haya Molcho: Ja, stimmt. Wenn du NENI

kaufst, bist du einfach ‚cool’ (lacht).

Ein Stichwort noch: Regionalität.

Alois Huber: Regionalität ist in Wien mehr als

das Gemüse aus der Stadt. Wien hat eine traditionsgeprägte

Genusskultur - dafür steht der

Naschmarkt, aber auch Produzenten wie z.B.

Heindl, Staud’s, Piccini und viele mehr. Daneben

ist diese Genusskultur auch von einer jungen,

internationalen und trendigen Strömung

beeinflusst - dafür ist „NENI am Tisch“ eines

der besten Beispiele.

Haya Molcho: Ich kann dazu nur sagen, dass

ich jeden einzelnen meiner Lieferanten kenne

und niemals bei einem Fremden bestellen würde.

Mir ist es irrsinnig wichtig, dass ich weiß,

woher die Zutaten kommen, die ich für meine

Gerichte verwende.

„SPAR ENJOY BY NENI“

Seit Neuestem gibt es auch die Linie „SPAR enjoy by

NENI“. Damit verbinden SPAR und NENI die Eigenmarke

von SPAR und „NENI am Tisch“. Die Menschen haben

heutzutage viel, aber eines haben sie nicht: Zeit. Genau

darauf geht die Linie ein. Das Prinzip ist einfach. Das

Essen soll gesund, lecker und schnell sein. Hayya Molcho

hat die Rezepte selbst kreiert und hat lange daran

gewerkelt, um die perfekte Kombination zu schaffen.

Die Zeiten des Junkfoods sind vorbei. Mit den verschiedenen

Salatvariationen geben SPAR und NENI den

Kunden die Möglichkeit, auf ihre Ernährung zu achten,

auch wenn sie im Stress sind.


40

WIEN

„JEDES KIND SOLL

EINE FREMDSPRACHE

BEHERRSCHEN.“

CHRISTAN OXONITSCH,

STADTRAT FÜR BILDUNG,

JUGEND UND SPORT, ÜBER

DIE GRATIS-NACHHILFE, VER-

TEUERTE BÄDERKARTEN UND

DAS SPANNUNGSVERHÄLT-

NIS JUGENDZENTRUM UND

RELIGIÖSE VEREINE.

Von Amar Rajkovic und

Susanne Einzenberger (Foto)

biber: An vielen Orten in der Stadt haben

sich junge Menschen zusammengetan, um

Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe zu

leisten. Stefan Dosic, den ich in einem Jugendzentrum

in Favoriten kennengelernt

habe, war einer der freiwilligen Helfer

und Organisatoren. Komisch, dabei heißt

es doch immer, Leute aus Jugendzentren

seien Problemkinder und bringen nichts

auf die Reihe. Warum hat die Jugendarbeit

in Österreich so einen schlechten Ruf?

Christan Oxonitsch: Die Wiener

Jugendarbeit funktioniert ausgezeichnet.

Das zeigt die Reaktion von vielen Delegationen

aus dem Ausland, die nach Wien

kommen. Die Jugendarbeit ist hier sehr

vielfältig, was die Aktivitäten von „Back

on Stage“, „WienXtra“ oder „Back Bone“

zeigen. Dass die Jugendarbeit als Reparaturmaßnahme

bei Problem-Jugendlichen

gesehen wird, ist nichts Neues. Das war

schon in meiner Jugendzeit so. Da dachte

man, im Jugendzentrum gebe es einen

Eingang, Partyraum hinten und das wars.

Wie viel Geld nimmt die Stadt Wien für

Jugendarbeit in die Hand?

Wir sind bei rund 38 Millionen, die die

Stadt Wien und die Bezirke in den Bereich

der Jugendarbeit investieren. Die

Bezirke mit der Parkbetreuung, die Stadt

Wien mit WienXtra. Insgesamt arbeiten

rund 1000 Menschen im Jugendbereich.

Weil wir vorhin von Favoriten gesprochen

haben. Es ist kein Zufall, dass die zwei

nach Syrien geflüchteten Mädchen aus

dem zehnten Bezirk kommen. Dort le-


en sehr viele Menschen auf einem

Fleck. Ein Grund, warum sehr viele

Jugendliche auch in Moscheen gehen.

Was machen die Jugendzentren,

um neben dieser Konkurrenz

zu bestehen?

Wir treten mit den Einrichtungen

in den Dialog. Auf der anderen Seite

machen wir den Jugendlichen klar,

wo Gefahren liegen. Die Jugendarbeit

hat keinen sozial-romantischen

Zugang, sondern grenzt sich von

jenen ab, die radikale Tendenz zeigen.

Vieles beruht auf Vorurteilen, man darf

aber nicht davor die Augen verschließen,

dass es in einzelnen Einrichtungen Probleme

gibt.

Ich habe die Hauptschule besucht. In meiner

Klasse war nur eine Österreicherin,

Deutsch habe ich erst später in der HAK

erlernt. Hauptschulen werden in der

Stadt noch immer als Abstellgleis genutzt.

Wie lässt sich dieser Missstand aufheben?

Es ist ein überholtes Schulmodell. Die

frühe Trennung von Kindern im Alter

von zehn Jahren führt zu einer Selektion,

die auch die Perspektive und Berufswahl


DIE HAUPT-

SCHULE IST EIN

ÜBERHOLTES

SCHULMODELL.


Inserat BIBER 207x135mm abf Sujet Polizeiaufnahme V20140428 druck.pdf 1 28.04.2014 11:14:54

beeinflusst. Einzige Lösung ist die

Gesamtschule. Alles andere sind

kosmetische Maßnahmen. Solange

es die Gesamtschule nicht gibt, ist

für mich der einzige vernünftige

Ansatz SchülerInnen aus den kooperativen

Mittelschulen (KMS) zu

fördern.

Ab Herbst gibt es die Gratis-Nachhilfe.

Für wen ist sie gedacht?

Sie ist für jene gedacht, die Gefahr

laufen nicht zu einem ordentlichen Schulabschluss

zu kommen. Wir konzentrieren

uns auf den Bereich der Kernkompetenzen

wie Lesen, Schreiben, Rechnen

und einer Fremdsprache – mit der Zielsetzung,

dass jedes Kind eine Fremdsprache

beherrschen soll.

Es wird also nicht so sein, dass ein Lehrer

zusätzlich kommt und eine Person unterrichtet?

Nein, es sind Förderklassen mit Gruppen

zwischen acht und zwölf Kindern. Und

die bekommen in den Bereichen Förderungen,

in denen die Schule Probleme

ortet.

WIEN

Wer entscheidet darüber, der Klassenvorstand?

Nein, der Fachlehrer. Es ist ein Angebot,

damit man nicht gezwungen ist teure Privat-Nachhilfe

zu nehmen.

Also Theresianum für alle?

Theresianum nicht. Aber ich könnte mich

mit dem Begriff „AHS für alle“ anfreunden

- in einer ganztägigen Form.

Wie erklären Sie Freibad-Liebhabern die

preisliche Erhöhung?

Die einzelnen Karten sind teurer, aber die

Monatskarten dafür günstiger. Wir haben

da nach dem Prinzip der Wiener-Linien

gearbeitet. Das verkürzt die Wartezeiten,

wenn es Gedränge an der Kassa gibt. Die

Jahreskarte ist sogar um 100 Euro billiger

als vorher, und ist ein Bonus für unsere

treuen StammkundInnen. Außerdem

muss man dazu sagen, dass die Stadt für

den Betrieb der Bäder jährlich über 40

Millionen Euro beisteuert. Von Gewinnen

sind wir hier also weit entfernt.

41

Entgeltliche Schaltung

MEHR ALS EIN BERUF.

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Weitere Auskünfte erhalten Sie unter:

Tel. 01/313 10-76 225 oder bei aufnahme-wien@polizei.gv.at


42 KARRIERE

Damit kann man

Geld verdienen?

Almedina Selmanović

ist Hochzeitsplanerin für

türkische und bosnische

Hochzeiten. Ihre Firma

„A.S Eventdesing“ richtet

muslimische Hochzeiten in

Österreich und im Ausland

mit allen Einzelheiten und

Traditionen aus, die heimischen

Wedding-Plannern

nicht bekannt sind. Buchen

kann man Almedina auch für

Baby-Parties, Geburtstage

oder Beschneidungsfeiern.

KARRIERE

&Kohle

Hochlesen statt

hochschlafen. Von

Marina Delcheva

Meinung:

Beruflicher Erfolg ist die

beste Verhütung

Ich wage eine provokante These: Frauen sind am Arbeitsmarkt

nicht benachteiligt. Mütter sind es. Und neuerdings

Väter. Ein Freund, der in einem IT-Unternehmen

arbeitet, würde wahnsinnig gern in Väterkarenz

gehen und seine Frau bei der Kindsobsorge entlasten.

„Wenn ich das tue, bin ich aber weg vom Fenster.“ Und

eine andere Bekannte erzählt mir, dass ihr Chef gesagt

habe: „Wenn das mit der Anwaltskarriere was werden

soll, brauchen Sie sich kein Beispiel an Kollegin Maier

zu nehmen.“ Die Kollegin heißt eigentlich anders, aber

sie ist im siebten Monat schwanger. Abgesehen von

den negativen Folgen niedriger Geburtenraten für das

Pensionssystem und die Gesellschaft: Auch wenn sich

in Österreich das Leitprinzip Kinder sind Karrierekiller

durchgesetzt hat, sieht das in anderen Kulturkreisen

nicht ganz so aus. Am Balkan ist es beispielsweise

selbstverständlich als Mutter arbeiten zu gehen und das

Kind bei Omas, Nachbarn, in Krippen und bei Babysittern

unterzubringen. Wenn das also mit der sozialen

Durchmischung, mehr Frauen in Schlüsselpositionen

und mehr Väter in Karenz was werden soll, dann muss

sich die Politik wirklich überlegen, ob Ganztagsschulen,

verpflichtende Väterkarenz und mehr Kleinkinderbetreuungsplätze

nicht doch ein großer Teil der Lösung

des Problems sind. Und die Privatwirtschaft muss sich

damit abfinden, dass sich Menschen nun mal vermehren,

auch kluge. delcheva@dasbiber.at

Ganz schön erfolgreich

Andrea Leitgeb ist die erste

Generälin Österreichs.

Sie wurde Anfang April

zur Kommandantin der

Sanitätsschule ernannt und

wurde gleichzeitig zum

Brigadier befördert. Damit

ist sie die erste Frau im

Generalsrang im Österreichischen

Bundesheer.

ZAHL DES MONATS

28 %

der migrantischen Arbeitnehmer

gaben laut ÖIF an, unter ihrer

Qualifizierung beschäftigt zu sein.

3 Fragen an Gabriela

Tatzberger von der

Wirtschaftsagentur

Wien

Wie viel Startkapital

brauche ich in der Regel,

wenn ich mich selbstständig

machen möchte?

Die Höhe des Startkapitals

hängt von dem

Projekt und auch von

der Rechtsform ab. Nicht

zu unterschätzen sind Einrichtungskosten für

Geschäftslokale. Für die Gründung einer GmbH

ist ein Stammkapital in Höhe von Euro 10.000,-

gesetzlich vorgeschrieben.

Was sind die drei größten Hürden für Unternehmer

in Österreich?

Das nötige Eigenkapital, ein Businessplan, der

auch Banken überzeugt, und die anstehenden

Nachzahlungen an die SVA nach 2 bis 3 Jahren.

Drei Tipps an junge Menschen, die sich selbstständig

machen wollen?

• Marktrecherche: was existiert bereits am Markt

und wie kann ich mich einzigartig platzieren

• Businessplan erstellen: hilft die Geschäftsidee

grundsätzlich zu formen und eine Vorstellung

über Investitionen und mögliche Umsätze zu

erhalten

• Überblick verschaffen: für Gründerinnen und

Gründer gibt es in Wien verschiedene Zuschüsse,

Haftungsübernahmen und Kredite. Wichtig

ist, zeitgerecht darum anzusuchen.

Fotos: ROLAND SCHLAGER / APA / picturedesk.com, www.christian-husar.com Marko Mestrović


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statt nur von ihm

zu träumen.

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44

KARRIERE

Mach es selbst

Sie programmieren Apps, verkaufen Sneakers oder Kebap und vergleichen Versicherungsangebote

im Netz. biber hat vier Unternehmer getroffen, die den Sprung

in die Selbstständigkeit gewagt haben und sprach mit ihnen über schlaflose Gründer-Nächte,

ahnungslose Behörden und die Eine-Million-Euro-Frage.

VON FREDERIKA FERKOVA UND MARIO FERSTL

Der Kebap-Mann

Untertags tönt leise das Radio, am Abend dröhnen motivierende

Beats durch die Boxen. Der Dönerspieß dreht sich

und die Nudeln brutzeln vor sich hin. Hasan Kadagals „The

Best“, gleich neben der U6-Station Josefstädter Straße, ist

vielleicht wirklich der beste Kebap slash Würstel slash Nudelstand

in der Gegend. Die Lebensmittel werden jeden Tag

frisch gekauft und geschnitten und so sehen sie auch aus.

Alle fünf Mitarbeiter sind gleichzeitig Familienmitglieder.

Hasans berühmtes Spezial-Falafel-Sandwich gibt es sieben

Tage die Woche, Tag und Nacht. „Das haben schon viele kopiert,

aber mir ist das egal - meines ist das Beste“, sagt Hasan

zu konkurrierenden Copy-Cats. Es hat ein paar Monate

gedauert bis ihm die Gemeinde einen Stand mit guter Lage

angeboten hat. Die Ablöse hat er mit dem Verkauf seines

Grundstücks in der Türkei bezahlt.

Seit fünf Jahren lächelt er täglich zufrieden seine Gäste an,

ärgern muss er sich nur wegen der Polizei, wenn es Lärmklagen

gibt. Hasan übernimmt den Tagdienst von sechs Uhr

morgens bis sechs Uhr Abends an sechs Tagen die Woche.

Die Nachtschicht übernehmen sein Sohn oder sein Schwiegersohn.

Von den Einnahmen können er und seine Familie

mittlerweile gut leben. Tipp für Ladies: Vorbeikommen,

wenn Hasans Sohn hinterm Tresen steht.

Seit wann machst du das?

Den Stand besitze ich seit 5 Jahren, seit 18 Jahren bin ich aber in

der Selbstständigkeit, immer im Gastronomiegewerbe. Vorher

hatte ich ein Kaffeehaus, ein Restaurant und einen Strudelimbiss.

Verdienst du mehr oder weniger als früher?

Ich verdiene jetzt mehr als damals als Angestellter. Allerdings

habe ich herbe Verluste einstecken müssen, bin oft vor den

Trümmern meiner Existenz gestanden.

Hast du einen Tipp für Menschen, die sich selbstständig machen

wollen?

Ohne Erfahrung und Wissen braucht man gar nicht anzufangen.

Ganz wichtig ist es sich Gedanken zu machen, Erfahrung in der

Branche zu sammeln und sich das nötige Wissen anzueignen.

Außerdem sollte man gerne Risiken eingehen und nie die Lust

oder Motivation verlieren.

Was würdest du machen, wenn du plötzlich eine Million Euro

hättest?

Nachbarstand kaufen, läuft gut hier.

Amélie Chapalain, Marko Mestrović


KARRIERE

45

Sneakers und Cocktails

Fast alle Jungs wollen mit 18 eine Bar eröffnen.

Amir Mirzaie und Alireza Jokar haben mit „Sneak

in“ nicht nur ein eigenes Lokal, sondern auch einen

Sneakers- und Streetwear-Laden. Hier gibt es

alles, was es eigentlich in Wien nicht gibt – Bier aus

Tirol, Fair-Trade-Kaffee aus Berlin und Y3-Hoodies

aus den USA. Besucher können hier Pullis anprobieren,

ein selbstgemachtes Bio-Müsli essen oder

nach der Arbeit einen Cocktail trinken. „Wir sind

Sneakers-Fanatiker und wir wollten schon lange ein

Lokal aufmachen“, sagt Alireza. Die Eröffnung hat

dann doch zweieinhalb Jahre gedauert. Weil „Sneak

in“ weder nur Bar, noch nur Geschäft ist, war es für

die Gründer besonders schwierig Förderungen und

einen Kredit zu bekommen. Letzten Endes konnten

sie auch ein paar Investoren für ihre Idee gewinnen.

„Das war auch nicht sehr leicht, weil in Österreich

ein entsprechendes Investorennetzwerk fehlt.“ Im

Concept-Store in der Siebensterngasse gibt es

kaum etwas, das die Geschäftspartner nicht selbst

gemacht haben – gemeinsam mit Freunden den

Boden verlegt, Lampen montiert, Müsli-Schüsseln

ausgesucht und fein säuberlich alle Kleidungsstücke

und Schuhe aufgehängt. „Es ist schon ein

tolles Gefühl, was Eigenes zu haben.“

Wie viel Startkapital hast du gebraucht?

Die Fremdfinanzierung hat 180.000-200.000 Euro betragen.

Macht Ihr einen Gewinn?

Jetzt noch nicht, frühestens in ein bis drei Jahren, wenn

die Schulden abbezahlt sind, wird man von Gewinn

sprechen können.

Wie viele Stunden am Tag arbeitet ihr?

In der Woche vor der Eröffnung hatten wir vielleicht

insgesamt zehn Stunden Schlaf. Jetzt verbringen wir

etwa 19 Stunden am Tag im Lokal.

Habt ihr Tipps für Menschen, die sich selbstständig machen

wollen?

Unbedingt machen! Es ist besser es zu probieren und zu

scheitern, als zu bereuen es nie gemacht zu haben. Viel

Vorarbeit und Vorwissen ist notwendig und außerdem

sollte man nicht zu naiv an die Sache herangehen.

Was würdet ihr machen, wenn ihr plötzlich eine Million

Euro hättet?

Schulden abbezahlen und eine Woche auf Urlaub gehen.

Aber nur eine Woche, weil das eigene Geschäft wie

ein Kind ist. Man will es auch gar nicht länger alleine

lassen.


46

KARRIERE

Auf Nummer sicher

Förderstellen für

Unternehmensgründer:

Die WKO bietet kostenlose

Beratungsgespräche und verschiedene

Fördermodelle für

Unternehmensgründer an.

www.gruenderservice.at

Departure hat vier verschiedene

Förderprogramme für

Kreativ-Selbstständige - von

der Gründungsphase bis zu

bereits bestehenden Unternehmen.

www.departure.at

Mingo bietet verschiedene

kostenlose Coachings an,

die bei der Gründung eines

Unternehmens helfen sollen,

sowie spezielle Beratungen

für Unternehmer mit Migrationshintergrund.

www.mingo.at

Das Unterstützungsgründungsprogramm

des AMS

bietet arbeitslosen Menschen

die Möglichkeit, sich selbstständig

zu machen, indem

es bei der Erstellung eines

Businessplans hilft und bei

der Vorbereitungs- und Realisierungsphase

begleitet.

www.ams.at/wien/

Start-Ups und Jungunternehmer

können bei der Wirtschaftsagentur

Wien neben

kostenlosen Coachings und

Workshops auch kostengünstige

Büroräume und Geldförderangebote

in Anspruch

nehmen.

www.wirtschaftsagentur.at/

gruendungen/

Diana und Ivo Radulvoski haben 2007 die Vergleichsplattform

„Versichern24“ gegründet. Dort

können Benutzer fast alle Versicherungsangebote

in Österreich miteinander vergleichen und die für

sie günstigsten Tarife berechnen. Ivo war früher

Versicherungsmakler und Diana hat neben ihrem

Wirtschaftsstudium in einer Bank gearbeitet. „Wir

hatten die Idee, eine Plattform zu machen, auf der

Kunden selbst die Angebote vergleichen können“,

erzählt Ivo. Mittlerweile besuchen 30.000 bis

40.000 User monatlich das Onlineportal.

Heute betreiben beide in ihrem Büro in Wien

Landstraße neben „Versichern24“ auch das Vergleichsportal

„StromGas24“, auf dem User unterschiedliche

Stromanbieter und –tarife vergleichen

können. Zusätzlich haben sie die Online-Marketing

Agentur „Segments“ aufgebaut, die Webanalysen

und Onlinestrategien für Firmen anbietet und

mittlerweile international tätig ist. Einfach war der

Weg in die Selbstständigkeit nicht gerade. Erst

nach drei Jahren hat das Geschäfts- und Ehepaar

Gewinne gemacht. Zu Beginn haben sie noch neben

der Arbeit, am Abend und am Wochenende,

am Portal gearbeitet und um Förderungen beim

AMS und der WKO angesucht. „Wir haben absolut

alles selbst gemacht und aufgepasst, dass wir uns

nicht verschulden“, sagt Diana.

Wie viele Stunden arbeitet ihr pro Woche?

Wir versuchen wirklich hart zu normalen

Arbeitszeiten zu kommen. Wir haben circa

eine 70-Stunden-Woche. Es ist schwer, Arbeit

und Freizeit voneinander zu trennen.

Welche Tipps habt Ihr für junge Unternehmer?

Viele vernachlässigen den finanziellen Aspekt.

Es reicht nicht, ein guter Techniker

oder guter Fotograf zu sein. Nach Förderungen

recherchieren. Ohne Förderungen

rechnet sich Selbstständigkeit in Österreich

oft nicht.

Welche waren die größten Hürden?

Wir führen drei Unternehmen gleichzeitig

und das ist ein riesen administrativer Aufwand.

Und: Beim Steuerberater und beim

Anwalt sollte man nicht sparen.

Was würdet ihr mit einer Million Euro machen?

Wir würden vieles gleich machen. Unmittelbar

vielleicht eine Weltreise machen und

den Rest reininvestieren – die Agentur ausbauen,

technische Verbesserungen an der

Plattform machen. Also ein paar langfristig

geplante Schritte sofort umsetzen.

Susanne Einzenberger, Christoph Liebentritt


Apple-Apps vom

Wiener Plattenbau

Liesing, Donaustadt und die große Apple-

Welt. Vom 20. Stock des Wohnparks Alt-Erlaa

programmieren Frans Bouwmeester, Steffen

Jakob und Grafik-Designerin Laleh Pourkhataee

Monsef Apps. Ihr neues Geographie-

Orientierungsspiel „Georientate“ ist sogar

bald im App-Store von Apple erhältlich. Mittels

Kompass müssen User dabei die richtige

Lage von Städten bestimmen. Mit ihrer Firma

„Ludi Vita“ wollen sie bald durch den Verkauf

von Apps und Werbeerlösen ihren Unterhalt

verdienen.

Zwei Jahre ihrer Zeit haben sie schon in die

Programmierung unterschiedlicher Apps investiert.

Weil sie von zu Hause aus arbeiten,

haben sie geringe Kosten und mussten auch

keinen Kredit aufnehmen. Finanziert wird das

Projekt noch mit Ersparnissen aus früheren

Jobs, kleineren IT-Aufträgen und Unterstützung

von der Familie. Trotz Arbeitstagen bis

zu elf Stunden ist die Rückkehr zu einem geregelten

Arbeitsleben für die drei unvorstellbar.

Arbeiten wollen sie nur mehr an Dingen,

die ihnen Spaß machen.

KARRIERE

Wie viel Startkapital habt ihr gebraucht?

Unser Hauptkapital ist Zeit. Wir haben

ein, zwei Jahre unserer Zeit investiert

und diese ist kostenlos. Wir

müssen uns anderwärtig unseren

Lebensunterhalt finanzieren.

Was mögt ihr an eurem Job am meisten?

Man kann kreativ sein, und kann es

dann wirklich in die Tat umsetzen.

Der Schaffensprozess ist sehr bewegend.

Zum Schluss hast du etwas, das

funktioniert und anderen Leuten im

besten Fall auch noch Spaß macht.

Was sind die größten Hürden für

euch als Unternehmer?

Wenn du lange Zeit keine Einnahmen

hast, natürlich der finanzielle

Aspekt. Irgendwann erreicht man

auch die Grenze, wo man nicht mehr

alles selbst tun kann.

Was würdet ihr machen, wenn ihr

plötzlich eine Million Euro hättet?

Eine Sache, die wir machen würden,

wäre anderen zu helfen auch ihren

Traum und Wunsch zu ermöglichen.

Wir können uns aber nicht vorstellen

einfach aufzuhören, wenn wir mehr

Geld haben sollten.

47

FÖRDERUNGEN -

WER KENNT SICH

WIRKLICH AUS?

BERATUNG

ZUM THEMA

FÖRDERUNGEN

01/514 50-1055

wko.at/wien/foerderung

beratung_förderungen_207x135.indd 1 02.06.2014 09:12:27


48 KARRIERE

MAIER,

MÄNNLICH,

MANAGER

Nach dem Songcontest-

Sieg von Conchita Wurst

schwimmt Österreich

auf einer Toleranzwelle.

Aber wie vielfältig ist

Österreichs Wirtschaft?

Seit dem Songcontest-Sieg von Conchita

Wurst präsentiert sich Österreich

als weltoffenes, vielfältiges und tolerantes

Land. Es ist fraglich, ob diese heile Welt

bei gewöhnlichen Homosexuellen und im

Umgang mit beispielsweise dunkelhäutigen

Menschen auf der Straße angekommen ist.

Aber ein Gutes hat die plötzliche Wurst-

Mania: Österreich ist stolz, und zwar nicht

mehr nur auf Hermann Maier und Falco,

sondern neuerdings auch auf den Bayern-

Kicker David Alaba und der Frau mit Bart

Conchita Wurst. Wer für Österreich Gutes

tut, den hat man gern. Wer diese Menschen

öffentlich angreift, wird dafür bestraft. So

geschehen bei Andreas Mölzer, der Alaba

einen „unechten Wiener“ nannte. Und Herr

Poier, der Conchita als „Fall für die Psychiatrie“

bezeichnete, steht auch nicht gerade

gut da. Frau Wurst hat schon Recht, dass „es

wurst ist, wo man herkommt und wie man

aussieht“. Diese Botschaft muss aber noch

im Alltag ankommen und straßentauglich

werden. Sonst bleibt vom Diversity-Feuer,

das gerade brennt, nur ein Häufchen Asche

– ohne Phönix.

GRAUE GESCHÄFTSWELT

So bunt und vielfältig Österreich auch sein

mag, die gut verdienende Arbeitswelt und

Chefetage sind es noch nicht. Laut dem

„Frauen.Management.Report.2014“ der

Arbeiterkammer haben nur 5,6 Prozent

der heimischen Top 200 Unternehmen eine

Geschäftsführerin und nur 13,9 Prozent

der Vorstände sind weiblich. Auch Menschen

mit Migrationshintergrund erreichen

vergleichsweise selten die Chefetage.

Laut Arbeiterkammer sind ein Drittel der

Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund

unter ihrer Qualifikation beschäftigt. Zum

Vergleich: Unter Österreichern ist es nur ein

Zehntel. Und Homosexualität ist in der harten

Wirtschaftswelt noch immer ein Tabu.

Christian Ohde / ChromOrange / picturedesk.com, www.subin.cz, Marko Mestrović, ÖBB


KARRIERE

49

Der ÖBB-Wagen bei der Regenbogenparade im Vorjahr in Wien.

Meine Ausbildung

Meine Chance

Anerkennung bringts!

Viele Menschen kommen mit wertvollen Ausbildungen

und Abschlüssen nach Österreich,

können diese aber hier nicht nutzen.

Die Anerkennung von Qualifikationen schafft

Karrierechancen und damit eine erfolgreiche

Zukunft. Das bringt allen was!

Alle Infos: www.berufsanerkennung.at

NEU

Die Serviceplattform des ÖIF

für die Anerkennung im Ausland erworbener

Ausbildungen und Qualifikationen

Ioana Catalina Barbu, Juristin

„Die Anerkennung meines Studiums war

nicht ganz einfach, aber jetzt steht meiner

Karriere in Österreich nichts mehr im Weg.“

Samer Mousa, Medizintechniker

„Ich will in Österreich in meinem Job

durchstarten, deswegen habe ich mich

gleich um die Anerkennung gekümmert.“

• Mit max. 6 Klicks zur richtigen Anlaufstelle

• Infos über mehr als 1800 Berufe

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50 KARRIERE

Laut einer Studie der EU-Grundrechtsagentur

outet sich in Österreich nur jeder

fünfte Homosexuelle vor den eigenen

Kollegen.

Eine Ebene weiter unten, also bei kleinen

und mittleren Unternehmen, steht es

etwas besser um die soziale, geschlechtliche

und ethnische Durchmischung. Laut

Wirtschaftskammer sind 43 Prozent der

Unternehmer in Österreich Frauen und

etwa 40 Prozent der Wiener Unternehmer

haben einen Migrationshintergrund.

Hierbei handelt es sich allerdings um kleine

Betriebe wie beispielsweise ein Frisörsalon

oder Gastronomie-Lokale.

DIVERSITY-BEMÜHUNGEN

Dabei haben große Unternehmen in den

vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen

gesetzt, um mehr Vielfalt ins

Haus zu bringen. So gaben im Jahr 2012

87 Prozent von insgesamt 20 börsennotierten

österreichischen Unternehmen im

Rahmen der Studie „Quo vadis Diversity

in Austria?“ an, Maßnahmen zur Förderung

von personeller Vielfalt zu setzen.

Ein Großteil davon in den Bereichen

Geschlecht und ethnische Vielfalt. Zahlreiche

Konzerne wie etwa die Erste Group

haben und Bank Austria haben eigene

Diversity-Beauftragte. Dieses Jahr bekamen

Henkel und die ÖBB den DiversCity-Preis

der Wirtschaftskammer für ihre

Bemühungen im Bereich der personellen

Vielfalt. Im September findet mit „fair.

versity“ eine eigene Karrieremesse mit

dem Schwerpunkt Diversity in Wien statt.

Den meisten Unternehmen sind die Vorteile

von Diversity durchaus bewusst. Je

vielfältiger Teams sind, desto kreativer

und effektiver arbeiten sie. Außerdem hat

sich die Konsumentenstruktur in Österreich

stark verändert und Firmen müssen

überlegen, wie sie zu neuen Kunden kommen.

Immer mehr Menschen haben einen

Migrationshintergrund und Banken sprechen

diese Menschen beispielsweise in

ihrer Muttersprache an. Sie suchen gezielt

nach Angestellten, die neben Deutsch

auch Türkisch und BKS sprechen. Wieso

kommt diese Vielfalt der Geschlechter,

Hautfarben, Religionen und sexuellen

Orientierungen dann nur langsam in der

Chefetage Österreichs an?

„Das Thema ist sehr komplex und solche

Veränderungen passieren nicht von

heute auf morgen“, sagt Manfred Wondrak

von der Diversity-Beratungsagentur

„factor-D“. Neben konkreten Maßnahmen

brauche es eine ganz neue Führungskultur

und ein Umdenken, um tatsächlich

mehr Vielfalt in die Wirtschaftswelt zu

bringen. „Wir leben in einer männlich

dominierten Welt, von Männern in einem

gewissen Alter. Da spielt auch sicher ein

unbewusster Versuch des Machterhalts

mit. Um das aufzubrechen, brauchen wir

auf vielen verschiedenen Ebenen verschiedene

Maßnahmen“, meint Wondrak.

Gleichzeitig sehe er kleine Verbesserungen

im Umgang mit Vielfalt.

Vera Budway-Strobach ist Diversity-Managerin

der Erste Group.

„FRAUEN SIND GERADE

PRIORITÄT, TEILWEISE

AUCH DESWEGEN,

WEIL WIR JETZT

VERPFLICHTET SIND,

DAS ZU BERICHTEN“

VIELFÄLTIGE BEMÜHUNGEN IN

UNTERNEHMEN

Die ÖBB fahren heuer das dritte Mal mit

eigenem Wagen bei der Regenbogenparade

in Wien mit. „Wenn man für den

Markt arbeitet, dann muss man sich den

Markt anschauen. Und der ist eben vielfältig“,

sagt die Diversity-Beauftragte der

ÖBB Traude Kogoj. Mit dieser Aktion

wolle man ein positives Signal an homosexuelle

Mitarbeiter senden. Auch im

Bereich der Frauenförderung und der

Förderung von Menschen mit Migrationshintergrund

bietet der Konzern eigene

Weiterbildungsmaßnahmen, Förderung

von Mehrsprachigkeit und Elternteilzeit.

Diese Maßnahmen sollen mehr Vielfalt in

die Belegschaft und in die Chefetage des

Konzerns bringen. Derzeit sind nur neun

Prozent der Angestellten Frauen und 2,5

Prozent haben einen ausländischen Pass,

wobei hier Österreicher mit Migrationshintergrund

nicht eingerechnet sind. Unter

den Führungskräften finden sich auch

neun Prozent Frauen, wobei mittlerweile

ein Viertel der Konzern-Vorstände weiblich

sind.

Vera Budway-Strobach ist seit Juli

2013 Diversity Managerin der Erste Bank

Group. Sie soll interne Maßnahmen und

Ziele für mehr Vielfalt im Konzern vorantreiben.

Eines davon ist beispielsweise

ein höherer Anteil an Frauen im Top-

Management. Bis 2017 soll der Frauenanteil

in Führungspositionen bei der Ersten

Bank Österreich von derzeit 29 auf

40 Prozent steigen. „Frauen sind gerade

Priorität, teilweise deswegen, weil wir

jetzt verpflichtet sind, das zu berichten“,

sagt Budway-Strobach. Hinter dieser Verpflichtung

steckt ein Gesetzt, das seit 1.

Jänner dieses Jahres Banken verpflichtet,

sich freiwillig eine höhere Frauenquote

zu setzen und zu berichten, wie und bis

wann sie diese erfüllen werden (siehe

Info). Das Versicherungsunternehmen

UNIQA setzt Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund

ein, um besser auf neue

Kunden mit anderen Muttersprachen als

Deutsch eingehen zu können.

Das amerikanische IT-Unternehmen

IBM hat schon 1953 Gleichbehandlung

und Förderung von Frauen, ethnischen

Minderheiten und Menschen mit Behinderung

in seiner Unternehmenspolitik

festgeschrieben. „Wenn man zehn Männer

Mitte 40 mit ähnlichem Hintergrund

in einen Raum steckt, kommt wenig Kreatives

heraus“, sagt Christine Laggner von

IBM Österreich. Der Konzern veranstaltet

beispielsweise das „LGBT-Businessforum“

für Schwule, Lesben, Trans- und Bisexuelle

im Rathaus und bietet firmenintern

entsprechende Workshops für Führungskräfte

an. Derzeit arbeiten im Konzern

Menschen mit 35 verschiedenen Nationa-


KARRIERE

51

litäten und 30 Prozent der Belegschaft sind

Frauen. Intern sei eine 50 Prozent-Quote

wünschenswert, diese scheitere aber auch

daran, dass sich verhältnismäßig weniger

Frauen für ein technisches Studium entscheiden.

Außerdem ist Tatjana Oppitz

als Generaldirektorin von IBM Österreich

eine der wenigen Frauen, die hier an der

Spitze eines Großkonzerns stehen. Auch

andere Industrie-Konzerne wie die OMV

versuchen im Rahmen des Programms

„Technik-Queens“ das Technik-Interesse

junger Mädchen zu wecken.

Vielfalt scheint sich langsam, Generation

für Generation, hoch zu arbeiten.

Während vor 25 Jahren noch kaum ein

Türke oder eine Jugoslawin in den Hörsälen

der heimischen Unis anzutreffen waren,

werden nun Gastarbeiterkinder auch

Ärzte und Bankangestellte. Die Frauenerwerbsquote

in Österreich liegt heute bei

knapp 70 Prozent und ist im Vergleich

zu 2005 um acht Prozent gestiegen. Und

vor fünf Jahren hätte noch niemand gedacht,

dass Österreich mit einer Frau mit

Bart erstmals seit Udo Jürgens den Songcontest

gewinnen würde. Diese Pluralität

muss jetzt nur noch auf der Chefetage

ankommen.

UNFREIWILLIGE

FREIWILLIGE

FRAUENQUOTE

FÜR BANKEN

Bezahlte Anzeige

Mit Anfang des Jahres ist in

Österreich ein Gesetzt in Kraft

getreten, das Kreditinstitute

mit einer Bilanzsumme von

über einer Milliarde Euro,

also Banken, verpflichtet,

„eine Zielquote für das

unterrepräsentierte Geschlecht

in der Geschäftsleitung und dem

Aufsichtsrat festzulegen sowie

eine Strategie zu entwickeln,

um dieses Ziel zu erreichen.“

Grundlage für das Gesetz ist

eine EU-Richtlinie aus dem Jahr

2013. Das unterrepräsentierte

Geschlecht sind in diesem Fall

Frauen. Im Klartext bedeutet

das: Heimische Banken müssen

selbst eine Frauenquote

festlegen, die höher als der

derzeitige Frauenanteil ist, und

dem Gesetzgeber mitteilen, mit

welchen konkreten Maßnahmen

und bis wann sie diese erfüllen

wollen. Wie hoch diese sein soll,

also ob doppelt so viele Frauen

an die Spitze des Unternehmens

kommen sollen oder nur eine

mehr, können Banken selbst

festlegen.

Emily.

Hat nicht damit

gerechnet, arbeitslos

zu werden. Rechnet

sich trotzdem gute

Chancen aus.

Im AMS eJob-Room, Österreichs

größter Online Job- und Personalbörse.

Die vielen Seiten des Lebens erfordern viele Antworten:

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AMS. Vielseitig wie das Leben.


52

KARRIERE

„DIVERSITY-

MANAGEMENT

IST NICHT GESTERN

VON DEN WOLKEN

GEFALLEN.“

Manuel Bräuhofer und Manfred Wondrak beraten

Firmen und Organisationen im Bereich

Diversity und sind Organisatoren der Karriere-

Messe „fair.versity“. biber erzählen sie, warum

Vielfalt Geld bringt und wieso Meetings nach 16

Uhr verboten gehören.

Von Marina Delcheva und Amélie Chapalain (Foto)

biber: Nach Conchita Wursts Sieg beim ESC feiert sich

Österreich als tolerantes, vielfältiges Land. Ist diese Diversität

unten auf der Straße angekommen?

MANFRED: Ich sehe partielle Verbesserungen, dennoch

glaube ich, dass das nicht von heute auf morgen

geht. Viele Menschen sind noch immer irritiert, wenn sie

zwei Männer in der Straßenbahn sehen, die sich küssen.

MANUEL: Ich erlebe aber auch, dass wir in den letzten

Jahren einen großen Schritt nach vorne gemacht haben.

Wir haben Marco Schreuder, einen offen lebenden,

schwulen Bundesrat. Wir haben mit meinem Mann den

ersten schwulen Bezirksvorsteher (Anm.: Markus Rumelhart

ist SPÖ-Bezirksrat in Mariahilf) in Wien. Wir

haben die Conchita Wurst. Das wäre vor einigen Jahren

noch undenkbar gewesen.

Mit euren Unternehmen brainworker und factor-D beratet

ihr andere Firmen im Bereich Diversity. Was bedeutet

eigentlich Diversity?

MANFRED: Wir verwenden den Begriff Diversity immer

dann, wenn Vielfalt positiv konnotiert ist. Und bei

Diversity-Management geht es darum: Wenn ich Vielfalt

in einem Team, in der Gesellschaft habe, wie kann ich

das am besten steuern und sie strategisch nutzen, damit

alle Beteiligten einen Mehrwert davon haben?

Welche Personengruppen schließt denn Diversity ein?

BEIDE: Alle, alle sollen eingeschlossen werden.

MANUEL BRÄUHOFER ist Inhaber der Agentur

brainworker – community marketing.

MANFRED WONDRAK ist Geschäftsführer der

factor-D Diversity Consulting.

Gemeinsam organisieren beide die Diversity-

Karrieremesse fair.versity Austria. Am 23.

September stellen internationale Unternehmen

im Rathaus ihre Diversity-Maßnahmen vor und

können neue Mitarbeiter rekrutieren.

www.fairversity.at


KARRIERE

53

Aber was ist dann die Norm? Männlich, Ende Vierzig…

MANUEL: … Weiß, heterosexuell, groß, mittleres oder höheres Management.

MANFRED: Es gibt sechs Kerndimensionen: Alter, Geschlecht, sexuelle

Orientierung, Behinderung, Religion und ethnische Zugehörigkeit.

Sie sind so eng mit deiner Person verbunden, dass du sie nur ganz

schwer oder überhaupt nicht verändern kannst. Ich kann meine Religion

ändern, aber das hat mich dennoch sehr stark geprägt. Geschlecht

geht auch schon. Aber ich kann meine Hautfarbe, mein Alter oder eine

Behinderung, die ich habe, nicht verändern.

Diversity ist in der Wirtschaft neuerdings zum Modewort geworden.

Warum setzen Unternehmen Maßnahmen in diese Richtung?

MANUEL: Diversity-Management ist ja nicht gestern von den Wolken

gefallen. Das gibt es seit den 60er-Jahren. Es wurzelt in den USA. Unternehmen

ging es darum, neue Arbeitskräfte aus so genannten Minderheiten

zu rekrutieren, d.h. die Personalstruktur zu erweitern, um gut

wirtschaften zu können. Und es geht natürlich auch ums liebe Geld.

MANFRED: Mittlerweile hat sich Diversity Management weiterentwickelt.

Der Umgang mit Vielfalt wird nun auch als organisationaler

Lernprozess verstanden. Der Betrieb soll dadurch wettbewerbsfähiger

werden.

Die ÖBB fahren mit eigenem Wagen bei der Regenbogenparade mit,

Banken müssen Frauenquoten einführen, Versicherungen werben gezielt

Mitarbeiter mit zwei Muttersprachen an, T-Mobile hat einen Betriebskindergarten...

Wie bewertet ihr denn solche Maßnahmen?

MANUEL: Ich denke, jede Maßnahme, unabhängig dessen wie groß

oder klein sie ist, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Du hast Kindergarten

angesprochen und das ist ein sehr wichtiger Schritt, um Frauen

zu stärken und Chancengleichheit zu ermöglichen. Die Regenbogenparade

– das könnte mehrere Gründe haben, warum Unternehmen da

mitmachen. Einerseits aus Imagegründen, anderseits für die bestehenden

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die vielleicht homosexuell sind.

Fruchten aus eurer Sicht diese Maßnahmen schon? Die Chefetage ist

immer noch recht Frauen-rar, Menschen mit Migrationshintergrund

sind auch noch nicht dort angekommen.

MANUEL: Ja, ganz klar. Natürlich haben wir noch nicht sehr viele

Frauen in Führungspositionen. Aber es geht schon in die richtige Richtung.

Gesellschaftlicher Wandel passiert nicht von heute auf morgen.

Wir brauchen starke Vorbilder, die den Weg aufzeigen, dass das möglich

ist. Im Handel sieht man das sehr schön. MigrantInnen klettern von der

klassischen Verkäuferin hin zur Filialleiterin, hin zur Regionalleiterin

usw.

Ein Beispiel: Wenn es Ziel wäre, in den nächsten drei Jahren 20 Prozent

mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, welche drei Maßnahmen

würdet ihr vorschlagen?

MANFRED: Wenn ich Karriere machen möchte, ins Top-Management

möchte, dann muss ich zu 100 Prozent für das Unternehmen da

sein. Das schließt aus, dass ich irgendwelche Unterbrechungen, wie z.B.

Karenz habe. Es müsste, wie es die Skandinavier machen, die Verfügbarkeitskultur

verändert werden. Man muss nicht um 18 Uhr Meetings

ansetzen. In Skandinavien ist es verpönt nach 16 Uhr Meetings zu machen,

um sicher zu stellen, dass die Work-Life-Balance funktioniert.

Zusätzlich wären freiwillige Quoten sinnvoll.

MANUEL: Ich sehe es auch als wesentlichen Punkt, die Männer da in

die Pflicht zu nehmen. Väterkarenz. Wenn der Chef in Vaterkarenz geht,

ist das ein riesen Zeichen.

BEZAHLTE ANZEIGE

Fotos: Susanne Einzenberger

Fotos: ALDO, Sanderson

БЪЛГАРСКИ, ICH LIEBE DICH!

SPRACHENLERNEN AN DER VHS hat

viele Motive: In den Bulgarisch-Kursen der

Volkshochschulen in Wien liegt z.B. oftmals

Liebe in der Luft. Wissbegierige Österreicher

und Österreicherinnen besuchen die wöchentlichen

Abendkurse, um die Muttersprache ihrer

Liebsten zu lernen. So wie beispielsweise Katharina:

„Ich habe einen bulgarischen Freund.

Mit dem ist auch das Interesse an der Sprache

gekommen.“ Der Kursleiter Nikolay Janev bestätigt,

dass viele seiner Kursteilnehmer wegen

ihrer Partner beginnen Bulgarisch zu lernen.

Und oft übersteht die Liebe zur Sprache auch

ein Beziehungsaus.

Neben der Liebe sind die Gründe Bulgarisch zu

lernen so vielfältig, wie die Kursteilnehmer. Lukas

G. erzählt etwa, dass er Tschechisch studiert

habe „und ich wollte jetzt eine andere slawische

Sprache lernen.“ Andere Besucher reisen arbeitsbedingt

oft nach Sofia und wollen deshalb

ihr Bulgarisch verbessern. Und wiederum andere

haben sich einfach in das Land verliebt

und fahren immer wieder gern ans Schwarze

Meer oder ins wunderschöne Rila-Gebirge.

NIKOLAY JANEV

ERKLÄRT DEN

KURSTEILNEH-

MERN, WIE SIE

IM GESCHÄFT

EINE WERTKARTE

AUF BULGARISCH

BESTELLEN.

INFOS ZU DEN

BULGARISCH-

KURSEN DER

VHS WIEN:

Dauer: 4 Monate mit

insgesamt 15 Einheiten.

Kosten: 142 Euro für

den gesamten Kurs.

Mehr Infos finden Sie

unter www.vhs.at


54 KARRIERE

KARRIERE NEWS

WIRTSCHAFTSKAMMER WIEN

VERLOST GESCHÄFTSLOKAL

Im Rahmen des „Rock the shop“-Wettbewerbes

können Jungunternehmer und

Gründer ein Geschäftslokal in der Stumpergasse

34/2, 1060 Wien gewinnen. Für

die Teilnahme werden kreative Konzepte

für die Räumlichkeiten gesucht. Das von

einer Jury bewertete Gewinnerpaket im

Gesamtwert von 15.000€ umfasst unter

anderem einen sechsmonatigen Mietvertrag.

Die Bewerbungsfrist endet am 31.

Juli. Infos und Teilnahmebedingungen

unter: www.freielokale.at.

TIPPS

Weiterbildung

WEITERBILDEN IM

SOMMER

Von Juni bis August bieten die Wiener

Volkshochschulen wieder ihre „summercard“

an. Um 69 Euro können Wienerinnen

und Wiener beliebig viele der

über 400 VHS-Kurse besuchen – von

Bewegung, Kunst bis hin zu Sprachkursen

ist fast alles dabei. Für Kinder

bis 14 Jahren gibt es ein spezielles

Kinderprogramm.

„FRAUEN COLLEGE“

FÜR MEHR CHANCEN

Das „Frauen College“ bietet seit 2010 Frauen

ohne einträgliche Schulbildung ein Bildungsangebot,

bei dem sie jederzeit einsteigen können.

Die 150 Unterrichtseinheiten in den Fächern

Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften,

EDV und Kultur sollen vor allem Migrantinnen

zu besseren Perspektiven am Arbeitsmarkt

verhelfen. Insgesamt haben bereits 797

Teilnehmerinnen das Programm erfolgreich

absolviert. Anmeldungen für die Kurse für das

Jahr 2014/2015 sind ab September 2014 bei

Interface Wien möglich.

Infotelefon: 01 5245015-11

WEBSITE FÜR ANERKEN-

NUNG AUSLÄNDISCHER

BILDUNGS ABSCHLÜSSE

Fast ein Drittel der Arbeitnehmer mit

Migrationshintergrund arbeiten unter

ihren Qualifikationen. Die Internetplattform

www.berufsanerkennung.

at des Österreichischen Integrationsfonds

bietet Unterstützung beim

Behördenweg zur Anerkennung ausländischer

Diplome, Lehrabschlüsse

und Berufsqualifikationen. Die Wegweiser

zur Nostrifikation für 1800 Jobs

sind auf der Website in vier Sprachen –

Deutsch, Englisch, Türkisch und

BKS – abrufbar.

Das Dialogforum für WissenschafterInnen,

ArbeitnehmerInnenvertretungen

und Interessierte.

MEHR VON ALLEM - ARBEIT, LEBEN, GELD

Die Arbeitswelt zwischen optimistischen Erwartungen und prekären Realitäten.

Donnerstag, 4. September 2014, 12.30 bis 17.30 Uhr

Seminarparkhotel Hirschwang, Trautenberg-Straße 1,

2651 Reichenau an der Rax, Niederösterreich

Freitag, 5. September 2014, 9 bis 14 Uhr

Sägewerk Hirschwang, Hirschwang 67,

2651 Reichenau an der Rax, Niederösterreich

Mehr Infos und Online-Anmeldung auf www.dialog-forum.at

Eröffnungsvortrag

Mag. Dr. Roland Atzmüller, Johannes Kepler Universität Linz

Am Podium

BM Gabriele Heinisch-Hosek, Bundesministerin für Bildung und Frauen

Veronika Kronberger, Vertreterin der Plattform „Generation Praktikum“

Dr. Sabine Oberhauser, Nationalratsabgeordnete und Bundesfrauenvorsitzende

des Österreichischen Gewerkschaftsbundes

KommR Veit Schmid-Schmidsfelden, GF der Rupert Fertinger GmbH

Inserat_207x66 quer.indd 1 02.06.2014 14:47:32


KARRIERE

55

5 Jahre

„VEREIN WIRTSCHAFT FÜR INTEGRATION“

Fotos: smail GOKMEN/PID, Florian Wieser, VWFI/Magdalena Possert

Georg Kraft-Kinz, Bettina Glatz-Kremsner und Ali Rahimi

(v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz anlässlich fünf Jahre VWfI.

Vor fünf Jahren war die Integrationswelt noch eine andere.

Ein Integrationsministerium war damals in weiter Ferne,

Firmen und Konzerne fühlten sich dem Thema nicht

gerade verbunden und medial wurde Integration ohnehin

nur als Problem wahrgenommen. Deshalb gründeten

Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien-Manager Georg Kraft-

Kinz und sein Partner und Freund Ali Rahimi den „Verein

Wirtschaft für Integration“ (VWfI). Heute, fünf Jahre später,

kann der Verein auf eine stolze Bilanz zurück blicken.

Unter anderem wurde der mehrsprachige Redewettbewerb

„SAG’S MULTI“ ins Leben gerufen. Schüler mit unterschiedlichen

Muttersprachen aus ganz Österreich bekommen

dabei eine Plattform und können Reden in Deutsch

und ihrer Muttersprache präsentieren. Zudem veranstaltete

der Verein den „Preis der Wiener Vielfalt“ und das

PatInnenprogramm „KONNEX“ für junge Menschen mit

Migrationshintergrund.

Im kommenden Schuljahr starten zwei neue Bildungsprogramme

für junge Menschen aus sozial schwachen Familien.

Mit dem „Zukunftschancenfond“ sollen Schüler aus

benachteiligten Familien der Musik- und Informatikmittelschule

Wendtstattgasse eine ganztägige Betreuung bekommen.

Ein Mobilitätsstipendium soll zudem WU-Studenten,

die sich einen Auslandsaufenthalt nicht leisten können,

unterstützen. „Der Verein Wirtschaft für Integration hat in

den vergangenen fünf Jahren dafür gesorgt, dass Integration

eine breite Bühne in der Öffentlichkeit bekommt. Dafür

sagen wir heute danke und wünschen für die Zukunft viel

Erfolg“, sagt Bettina Glatz-Kremsner, Vorstandsmitglied

des Vereins Wirtschaft für Integration und Vorstandsdirektorin

von Casinos Austria. Und natürlich gratuliert auch

biber dem Verein und seinem Team unter Geschäftsführerin

Meri Disoski. Alles Gute und auf weitere fünf Jahre!

BKS-REFERAT IM SWV GEGRÜNDET

Das neu gegründete BKS-Referat im Sozialdemokratischen

Wirtschaftsverband (SWV) soll

BKS-Unternehmer in Österreich sichtbar machen

und ihnen Vernetzungsmöglichkeiten bieten. Der

Gründer, Darko Markovic, möchte den Unternehmern

aus Ex-Jugoslawien damit eine Plattform

bieten. Der in Tuzla geborene Selbständige freut

sich, dass das ex-jugoslawische Unternehmertum in

Wien gestärkt wird. Entsprechend selbstbewusst der

Name des Referats: „MI“ (dt.: Wir).

HÖCHSTE

ERFOLGSZAHL

ÖSTERREICHS

• Matura

• Berufsreifeprüfung

• Sprachkurse, Latinum

• EDV-Kurse

(Europäischer Computer-Führerschein)

• Fernunterricht (Beginn jederzeit)

Beginn: Frühjahr & Herbst

Dr. Roland, Neubaugasse 43, 1070 Wien


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DER CAMPUS RUFT

Kindergarten, Schule, Hort – alles an

einem Ort. Das neuartige Konzept des

Wiener Campusmodells vereint die

ganztägige Betreuung eines Kindes

unter einem Dach.

ARBEIT UND FAMILIE UNTER einen Hut

zu stecken ist nicht immer einfach. Der

Kleinste muss in den Kindergarten und die

Ältere in die Schule, wer ganztags arbeitet ist

zudem auf Hortbetreuung angewiesen. Diese

steigenden gesellschaftlichen Herausforderungen,

als auch moderne pädagogische Prinzipien

mit Fokus auf individuelle Förderung

der Kinder, waren der Anlass neue Ansätze im

Bildungsbau zu finden. Das Wiener Campusmodell,

wurde schließlich zum Schlüsselkonzept,

das Kindergarten-, Schul- und Freizeitpädagogik

an einem Standort vereint.

Fotos: MVOTAVA/PID


OPTIMALE NUTZUNG ALLER RESSOURCEN

Das ganztägige Bildungsmodell hilft nicht

nur den Eltern, Zeit und Nerven zu sparen,

sondern ermöglicht vor allem ihren Kindern

sich individuell zu entwickeln. Verschränkte

Unterrichts- und Freizeitmethoden wechseln

sich über den Tag verteilt ab und bieten dem

Kind einen effektiven Rhythmus aus intensiven

Lernphasen und Freizeitangeboten zum Erholen.

Die Vernetzung der unterschiedlichen

Bildungsinstitutionen miteinander ermöglicht

Synergien, die eine ganzheitliche Bildungskontinuität

gewährleisten. Kein starres

Lernprogramm und kein stundenlanger Unterricht,

der nicht nur das Kind, sondern auch

das Lehrpersonal belastet.

Die Kooperation zielt nicht nur auf die optimale

Nutzung aller Ressourcen ab, sondern

bietet den Kindern untereinander genug

Raum zu Reflexion, Spiel und Spaß. So können

sie nicht nur miteinander lernen, sondern

auch voneinander. Wenn die Kinder ihren Tag

an einem einzigen Ort verbringen, dann sollte

dieser gemütlich sein und dem Zuhause nahekommen.

Wohnliche Erholungsbereiche und

individuelle Rückzugsnischen unterstützen

die Methode der modernen Pädagogik des

Wiener Bildungscampus. Diese werden vor

allem durch den schnellen Wechsel der Lernund

Erholungsphasen und den dazu gehörenden

Räumlichkeiten gewährleistet.

ALLES DA IN MONTE LAA

Im September 2009 eröffnete Wiens erster Bildungscampus

in Wien Favoriten. Unter dem

Namen „Monte Laa“ nahm der innovative Bildungsbau

seinen Betrieb auf. Die Stadt Wien

investierte rund 35 Millionen in das Vorzeigeprojekt,

welches nicht nur erfolgreich erweitert

wurde, sondern sich auch längst für alle,

die es nutzen, ausgezahlt hat.

Mit der unmittelbaren Nähe des Campus

„Monte Laa“ zu neuen Wohnhausanlagen,

sowie auch dem Laaer Wald, ist dieses 90.000

Quadratmeter große, zusammenhängende

Entwicklungsgebiet ein Wohntraum für alle

Familien. Allein auf dem Campus können sich

die Kinder auf 8.500 Quadratmetern austoben

und von Tag zu Tag weiter entfalten.

17 Ganztagsvolksschulklassen und ein 11-gruppiger

Kindergarten bieten den Kindern über

den Tag verteilt musische, kreative und sportliche

Abwechslung zum Lernprogramm. Verbunden

sind alle durch einen Arkadengang

und haben Turnsaal, Bibliothek und Küche zur

gemeinsamen Nutzung zur Verfügung.

ALLE UNTER EINEM DACH

Anknüpfend an das Erfolgskonzept des Campus

„Monte Laa“ eröffnete am Nordbahnhofgelände

der zweite Bildungsbau mit dem klingenden

Namen „Gertrude Fröhlich-Sandner“.

Freundlich und mit viel Tageslicht liegt der

ALLES AN EINEM ORT: AM

WIENER BILDUNGSCAMPUS

WIRD GELERNT, GESPIELT

UND SPASS GEHABT.


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neue 14.000 Quadratmeter große Campus inmitten

des neuen Stadtteils direkt am Rudolf-

Bednar-Park. In 17 Volksschulklassen und 11

Kindergartengruppen ist auf dem Gelände

Platz für insgesamt 670 Kinder unter einem

Dach. „Die weitläufigen Spiel-, Sport- und

Freiflächen sind großzügig auf die Bedürfnisse

von Kindern und Unterrichtenden abgestimmt.

Die Innenräume sind sehr hell und

farbenfroh gestaltet. Auch architektonisch ist

der Bildungscampus Gertrude Fröhlich-Sandner

durch seine fließenden Übergänge sehr gut

gelungen“, betont auch Schuldirektorin Ingrid

Fischer. Der Campus für Kindergarten und

Volksschulkinder ist auch architektonisch ein

Vorzeigeprojekt. Die Kinder können sich im

gesamten Gebäude und im Außenbereich frei

bewegen und benutzen diverse Einrichtungen

gemeinsam. „Der Übergang vom Kindergarten

zur Schule wird durch den gemeinsamen

Standort erleichtert. Freizeit wird nicht mehr

nach Alter getrennt. Das enge Zusammenwirken

von Kindergarten, Schule und Freizeit ist

für die heranwachsenden Kinder sehr positiv“,

sagt auch Kindergartenleiterin Ingrid Gerstl.

WO GIBT ES DEN WIENER

BILDUNGSCAMPUS?

Campus Monte Laa

Rudolf-Friemel-Gasse 3

1100 Wien

Bildungscampus Gertrude Fröhlich-Sandner

Ernst-Melchior-Gasse 9

1020 Wien

Bildungscampus Donaufeld Nord

Donaufelderstrasse 73-79

1210 Wien

Bildungscampus Sonnwendviertel

Fertigstellung Herbst 2014

Bildungscampus aspern Seestadt

Fertigstellung

Herbst 2015

Bildungscampus Attemsgasse

Betrieb ab 2017 geplant


MANUELA IM

SCHÜTZENPANZER:

WIENS DRITTER BILDUNGSCAMPUS

DEN ABC FÜHRERgeschützt

zu verbringen. „Der Boden auf dem

Im September 2012 ging in Floridsdorf

SCHEIN MACHT

der

SIE

wir den Campus Donaufeld Nord errichteten,

NEBENBEI!

dritte Campus in Betrieb. 13 Ganztagsvolksschulklassen

und 9 Kindergartengruppen

sind in dem modernen und innovativen Bau

untergebracht. Mit dem neuen Bildungscampus

wird der zusätzliche Bedarf an Kinderbetreuungs-

und Volksschulplätzen abgedeckt,

der sich durch die Besiedlung der neuen

Wohngebiete am Donaufeld in Floridsdorf

ergibt. Investiert wurden insgesamt 24,8 Millionen

Euro.

Der Campus, gebaut vom Unternehmen Gesiba,

ist auf die praktische Nutzung durch die

Kinder ausgelegt, gleichzeitig ist das Gebäude

sehr modern und innovativ gestaltet. Mit einem

geschützten Pausenhof und einem Speisesaal,

der sich zu Campushof und Freiflächen öffnet,

sind Kindergarten, Schule und Betreuungseinrichtungen

übereinander zu einem einfach

strukturierten, flexibel gestaltbaren Baukörper

zusammengefasst. Daran und darunter geschoben

wurde ein U-förmiger Bau, der sämtliche

weitere Funktionsräume beherbergt. Dadurch

entstand ein gemeinsamer Eingangshof,

der zugleich als Pausenbereich genutzt werden

kann. Der großzügige Garten und Campushof

bietet den Kindern außerdem genug Platz, um

ihre Freizeit an der frischen Luft sicher und

war einst der Grund der Straßenbahn und Lokomotivfirma

Lohner, einer Kreativschmiede

sondergleichen. Mit dieser Geschichte ist der

Boden aufbereitet für ein Zukunftsmodell der

Bildung in Wien: für den Campus.“ sagt auch

Gesiba-Direktor Ewald Kirschner.

MINI-CAMPUS FÜR MINI-PLATZ

Über die großen Campus-Standorte hinaus

sollen in Zukunft auch eigenständige „Mini-

Campus“ gebaut und angeboten werden, die

in den Erdgeschoßzonen von Wohnhäusern

untergebracht werden. Dabei sollen zwei Bildungsbereiche

- also acht Schulklassen und

vier Kindergartengruppen - als eigener „Mini-Campus“-Standort

geführt werden. Erste

„Mini-Campus“-Standorte sind in den Bezirken

Floridsdorf und Liesing in Planung und

könnten 2018 in Betrieb gehen. Derzeit laufen

die Planungen für die Raumprogramme.

Wer sein Kind optimal fördern möchte und

ein abwechslungsreiches Bildungs- und Freizeitangebot

wünscht, besucht am besten einen

der schon bestehenden Wiener Bildungscampus

und informiert sich direkt über freie

Plätze, für das kommende Schul- und Kindergartenjahr.

DIE VORAUSSETZUNGEN:

Vollendetes 18. Lebensjahr (mit

17. Jahren nur mit Genehmigung

der Eltern) Altersgrenze bei

erstmaliger Einteilung: 30. Lebensjahr,

bei Verlängerung: 36.

Lebensjahr

Österreichische Staatsbürgerschaft

Körperliche und geistige Eignung

DIE EIGNUNGSPRÜFUNG:

Medizinische Untersuchung

Überprüfung der körperlichen

Leistungsfähigkeit

Psychologischer Eignungstest

Überprüfung der Deutschkenntnisse

und Rechentest

DIE DAUER:

3 Jahre

Wenn man über die 3 Jahre hi-

AUF DEM CAMPUS DONAUFELD

NORD SIND KINDERGARTEN,

SCHULE UND BETREUUNGSEIN-

RICHTUNGEN ZUSAMMENGEFASST

UND BIETET GENUG PLATZ ZUM

LERNEN, SPIELEN UND ERHOLEN.

naus verlängert, steigen auch die

Berufsförderung und die Prämien

Verlängerung insgesamt auf

6 Jahre möglich

Wenn der Grundwehrdienst bereits

absolviert ist, wird er in die

3 Jahre miteingerechnet

(Grundwehrdienst ist aber keine

Voraussetzung für die KPe)

Sechsmonatiger Auslandseinsatz

inkludiert (wenn Bedarf)

DIE BEZAHLUNG:

1.548 – 14x / Jahr

Atraktives (Zusatz)- Einkommen

während der Auslandseinsatzbereitschaft

400€ Prämie

220€ vom Gehalt werden gespart

und am ende der 3 Jahre ausbezahlt

Bezahlte Überstunden


60 TECHNIK

High-Tech von LG

Mit dem neuen Spitzenmodell

G3 setzt sich Hersteller

LG von der Konkurrenz

ab. Das Display hat eine

gigantische Aufl ösung von

2560 x 1440 Pixeln und

die 13 Mpix Kamera knipst

dank Laser Auto Focus fl ott

Bilder. Mit 3 GB RAM und

32 GB Speicher ist auch

genug Platz für viele Fotos.

UVP ab 599 Euro.

TECHNIK

&Mobil

Alt+F4 und der

Tag gehört dir.

Von Adam Bezeczky

Urvater der Tablets

In den 80er Jahren entwickelte das

Designteam um Hartmut Esslinger

zahlreiche zukunftsweisende

Designs für Computer. Ein Buch

zeigt nun viele Entwürfe für Apple.

So zum Beispiel auch ein frühes

Modell des tragbaren iPads.

Meinung:

Zu früh gefreut,

Dr. Dre?

Die Nachricht schlug wie eine

Bombe ein: Apple kauft Beats Electronics,

das Unternehmen von

Rap-Legende Dr. Dre. Strategisch

hat Apple damit eine weitere starke

Marke im Premiumsegment und

den Musikstreaming-Dienst „Beats

Music“ gewonnen.

Gründer Dr. Dre war verständlicherweise

ganz aus dem Häuschen.

Betrunken hat er den Deal indirekt

in einem Video bestätigt, noch bevor

Apple sich dazu äußern konnte. Das

sorgte für Verärgerung bei Apple-

CEO Tim Cook und hat die Übernahme

fast platzen lassen – denn

Apple ist für ihre Geheimnistuerei

berühmt. Analysten und Investoren

bemängeln den hohen Kaufpreis,

der beträgt immerhin

3 Milliarden Dollar. Durch

den Kauf kommt auch

Musikproduzent Jimmy

Iovine zu Apple, ein Vertrauter

des verstorbenen

Steve Jobs.

bezeczky@dasbiber.at

Frische Äpfel

Das iPhone 6 wird heiß erwartet. Zahlreiche

Lecks deuten sogar auf zwei Geräte hin, ein

kleineres Modell mit 4.7 Zoll und auf ein

großes mit 5.44 Zoll. Das Display des großen

„iPhablets“ soll dabei aus extrem widerstandsfähigem

Sapphirglas bestehen, das den

ohnehin stolzen Preis weiter in die Höhe treiben

könnte. Der Launch startet für das kleine

iPhone angeblich im September.

ZAHL DES MONATS

10 Mio.

in 25 Tagen:

So viele Galaxy S5 konnte

Samsung im Mai verkaufen

3 Fragen an Omri

Bergman, Industrieberater

bei Google Österreich.

Er weiß über Trends und

Lösungen im IKT-Sektor

Bescheid.

Welches Handy verwenden

Sie?

Ein Nexus 4 - ich habe

erst vor ca. einem Jahr auf

Android gewechselt und

bin sehr happy.

Wow!!!

Wow!!!

Wow!!

Welche App haben Sie zuletzt auf Ihr Handy

geladen und warum?

Chromecast, um Zuhause Musik und Videos

über den Fernseher abzuspielen. Zuletzt haben

wir für eine Party über YouTube einen Musik

Channel abgespielt.

Welches Gadget haben Sie gekauft aber nie

verwendet?

Ich habe mir vor zwei Monaten eine vertikale

Maus gekauft, weil sie ergonomischer sein

sollte. Ich habe sie zwar ausgepackt, aber das

war dann doch sehr gewöhnungsbedürftig,

deshalb liegt sie noch im Kasten.

Fotos: bereitgestellt, Apple, LG, Google Maps


TECHNIK

61

Steuerelemente

für

Google Maps

URLAUB MIT

GOOGLE

Google Maps 3D: fast wie SimCity

Reiseplanung und Google Maps gehören einfach zusammen. Weniger bekannt sind aber Schmankerln

wie zum Beispiel die 3D-Ansicht großer Städte. Mit einem Klick auf das Menü auf der

rechten Seite kann die Ansicht geneigt werden. Die Karte wird dabei in Echtzeit herausgerechnet

– das Ergebnis ist eine drehbare Ansicht der gesuchten Location. Mit Pegman, dem kleinen gelben

Maxerl aus dem Menü, wird die Street View Ansicht aktiviert – dabei zieht man ihn an eine

beliebige Straßenecke und kann sofort die Gegend entdecken. In bestimmten Städten funktioniert

sogar schon die Zeitreise-Funktion: dabei sieht man den gleichen Bildausschnitt beginnend im

Jahr 2007 bis heute in der Entwicklung und kann z.B. die Errichtung des neuen World Trade Centers

in New York anschauen. Fazit: Städtetrip ohne Google Maps planen ist möglich, aber sinnlos.

www.wgkk.at

Enorm in Form: WGKK baut Abnehmprogramm

für Kinder und Jugendliche aus

Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) bietet ab

September 2014 das kostenlose Abnehmprogramm

„Enorm in Form“ flächendeckend in Wien an.

Teilnehmen können Mädchen und Burschen von

10 bis 14 Jahren, die bei der WGKK versichert sind.

Weitere Informationen zu „Enorm in Form“ gibt es auf der

WGKK-Website (www.wgkk.at) bzw. telefonisch unter

+43 1 601 22-3838 (Montag bis Donnerstag von 13.00 Uhr

bis 14.30 Uhr).


62 LIFESTYLE

Must

Have!!!!

Sommer-Style

BADEANZUG & BIRKENSTOCK

Super sexy trifft super gemütlich: Für den Strand

braucht‘s heuer einen Badeanzug mit kreativen

Löchern, den Monokini, für die restliche Zeit

sind Birkenstock angesagt. Die klobigen Treter

mit Fußbett sind der Renner! Herrlich.

Couturekini um 129 € von Elke Freytag / Silberne

Birkenstock bei Zalando um 45 €

LIFE &

AntiaStyle

Shoppen senkt den

Blutdruck.

Von Delna

Tipp

KUNST AM KÖRPER

Nicht nur Yves Saint Laurent

wusste, dass Kunst auf den Körper

gehört. Das österreichische Label

„Looming Art“ druckt zeitgenössische

Fotografie auf XXL-Seidentücher.

Tuchfühlung ist bei der Vienna

Fashion Night am 12. Juni möglich.

www.loomingarts.com

MEINUNG

Ich nehm mir dann ’nen Jüngeren

Ich bin 30 und siehe da, in der Vielfalt der männlichen

Gattung taucht auf einmal eine neue Spezies auf: der

Jüngere. Ein hübsches Exemplar. Frisch, süß, frech

und so, ähm, jung! Mit dieser Entdeckung habe ich

nun eine Lebenssorge weniger. Falls mein Freund je

auf die klischeehafte, aber doch klassische Idee kommen

sollte, mich für eine knackige Zwanzigjährige zu

verlassen, habe ich einen Plan: Ich tue es ihm gleich.

So wie einst Demi Moore, derzeit Heidi Klum, meine

Freundin in Hamburg und nicht zuletzt meine Oma

aus Bombay. Was Männer wollen, taugt Frauen eben

auch. In nahezu jedem Freundeskreis ab Anfang 30

gibt es „eine“ mit einem gut 10 Jahre jüngeren Mann.

Warum auch nicht? Wir Damen wissen erstens auch

die Vorzüge von 20-jährigen Körpern zu schätzen und

sind dabei emanzipiert und selbstbewusst genug, sie

uns einfach zu schnappen. Herrlich. Raus aus der ewigen

Beute- und Opferrolle, hinein in die selbstfinanzierten

Louboutins, auf zur Jagd nach Frischfleisch.

Sexualforscher sind sich einig: Die Beziehung aus Frau

und „Jung“ funktioniert gerade im Bett besonders gut.

Man(n) fragt sich vielleicht, was der Jüngling dort

findet, was andere verschmähen. Die Erklärung ist

die gleiche, wie bei der Blondine von Flavio Briatore:

Macht. Auch jüngere Männer mögen die attraktive

Chefin, die unabhängig und voll Selbstvertrauen auf

eigenen Beinen steht, ohne von ihm den „Ernährer“ zu

erwarten. Na also, gleiches Recht für alle.

antia@dasbiber.at

4 FRAGEN AN

Kadir Durmus, 24,

türkisches Männermodel

in Wien.

Was gefällt dir an deinem

Beruf?

Was für andere Männer

ihre Autos sind, ist für

mich Mode, Aussehen,

Stil. Daher macht mir das Modeln so Spaß.

Wie hältst du dich schön?

Ganz klar: Regelmäßiger Sport und gesunde

Ernährung. Wenn ich die Nacht durchgefeiert

habe, gehe ich am nächsten Morgen brav trainieren.

Für meine Agentur habe ich den Bart

wachsen lassen. Aber ich trage Bart sowieso

gerne - auch ohne Trend-Faktor.

Machst du etwas anders neben dem Modeln?

Nein. Ich will demnächst sogar mein Glück in

der Mode-Metropole Istanbul versuchen.

Eine gewisse Ähnlichkeit mit Kıvanç Tatlıtuğ

(Anm. d. Red: Frauenheld des türkischen Fernsehens)

kann man dir ja nicht absprechen.

Ich glaube, dass mein heller Typ dort sehr

gefragt ist. Aber das Modelgeschäft ist nicht so

einfach, wie es immer von außen aussieht –

erst recht nicht in Istanbul!

Ayurveda Tipp

MANDELÖL

STATT MAKE-UP

Make-Up ist hinterhältig – wie

alles, was den schönen Schein

wahrt. Im Endeffekt gibt es eine

negative Rückkopplung. Wer

sich auf Dauer einkleistert,

kann nie mehr ohne, denn die

Haut ist auf Entzug und sieht

auch so aus. Erstes Gebot gegen

„altaussehende“ Haut lautet

also: Stopp dein Make-up!

Auch wenn die ersten Tage kein

schöner Anblick sind. Zweitens:

Viel Pflege mit Rosenwasser

und Mandelöl. Wirkt!!!

Fotos: Birkenstock, TK FOTO, Weleda, Helmut Lackner, Dimitri Burtsev Leben nach der Magersucht - Marko Mestrović


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Foto: nild/photocase.de

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64

Gold Ear Cuff - AeTee Designs.

Metallic Bomber Jacket - Adidas.

Crop top - Gaga by Tanya Sharma

Striped high waisted pants - Huemn

by Pranav Mishra & Shyma Shetty.

Metallic hightop sneakers - ASOS.

Bombay

am Start

Auf den Dächern der indischen Metropole

macht sich Model Rasika für die Sommersaison

warm. Sportlich, sexy, glamourös.

Exklusiv für biber shooten Fotograf Porus

Menon und Stylist Prayag Vimadalal diese

Fashionstrecke unter Bombays blauem

Himmel. Die Youngstars der indischen

Fashion-Szene haben wir über eine „Parsi-

Connection“ auf Facebook kennengelernt.

Denn Lifestyle-Redakteurin Delna Antia ist

selbst Parsin, ihr Vater kommt aus Bombay

und glaubt an Zarathustra. Ein paar Hundert

FB-Chats später stand das Konzept,

Rasika war gestylt und das Dach besetzt.

Seitdem glüht der Draht zwischen biber

und Bombay.

Fotos: Porus Vimadalal/ Styling: Prayag Menon /

Redaktion: Delna Antia


66

Metallic sports visor -

Gaga by Tanya Sharma

Dress - Shift by Nimish Shah

Socks - Forever 21

Metallic shoes - ASOS.


ed circle shirt: Huemn by Pranav

Mishra & Shyma Shetty

67


68

Blue crochet dress - Stella McCartney

Bikini top - Model's own.

Photographer: Porus Vimadalal Stylist: Prayag Menon

Make-up/Hair: Alana Holmes (Anima Creative Management)

Model: Rasika Navare (Anima Creative Management)

Photographer‘s Assistant & Videographer: Gina Narang


Pink Trench Dress - Gaga by Tanya

Sharma

Bikini top - Model's own

Gold high waisted shorts - Forever 21

Socks - Forever 21

Black hightop sneakers - Balenciaga

69

Credits for picture on the right:

Blue asymmetric crochet dress - Stella

McCartney

Bikini top - Model's own.


70

LIFESTYLE

2 Bombay-Hipster

heben ab

Prayag Menon und Porus Vimadalal sind

gelernte Piloten. In Indiens Fashion-Himmel

steigen sie aber ganz ohne Flugzeug

auf. Das Paar macht Fotos für Vogue, Elle

und jetzt auch biber.

Von Delna Antia, Foto: Porus Vimadalal

…und

wie Wien

bist du?

Zuagraast?

Nur ein anderes Wort für Newcomer.

www.meinbezirk.at/wien

MODEL RASIKA ZEIGT auf den

Fotos viel Haut. Uns erreichten

erneut Nachrichten aus Indien,

die klar machten, wie gefährlich es für

Frauen dort sein kann. Kleiden sich Frauen

trotzdem stylisch und sexy?

Für Frauen ist es in der Öffentlichkeit

nicht so gefährlich, wie man meinen

könnte. Sie sind sicher vorsichtiger geworden,

aber das heißt nicht, dass sie sich

konservativ kleiden oder ihnen die neusten

Fashiontrends verwehrt sind. Die

indischen Frauen mögen es glamourössexy.

Sie lieben es in Clubs oder zu Parties,

ja sogar zum Dinner, in stylischen

und sexy Outfits aufzukreuzen.


LIFESTYLE

71

Viele unserer biber-Leserinnen sind religiös

und traditionell. Das spiegelt sich zum Teil

in ihrer Kleidung wieder, heißt aber nicht,

dass sie nicht modisch interessiert sind. Wie

ist es in Bombay?

Wahrscheinlich sehr ähnlich. Manche

Frauen sind strikt „westlich“, andere sehr

traditionell und manche mixen das Beste

aus beiden Welten. Sie tragen zum Beispiel

ein klassisch „westliches“ Kleid, dazu

aber indischen, traditionellen Schmuck.

zenz gemacht hatten, gab es einen Jobeinbruch

in der Flugbranche. Anstatt rumzusitzen,

wollte ich lieber das tun, was ich

liebe: Fashion-Styling!

Ihr beide seid seit acht Jahren ein Paar.

War das für eure Eltern ein Thema?

Prayag: Meine Familie hat einen konservativen

Background. Neben der Tatsache,

dass es sehr schwierig für sie ist zu akzeptieren,

dass ich schwul bin, tun sie sich

schwer unsere Beziehung anzuerkennen.

Dafür sind Porus Eltern sehr offen. Seine

Eltern akzeptieren unsere Beziehung

und betonen, dass das Glück ihres Sohnes

über allem steht. Das ist schön.

In Österreich dürfen sich homosexuelle

Paare „verpartnern“, Adoption ist ihnen

allerdings verwehrt. Wie ist es in Indien?

Porus: Vor ein paar Jahren wurde „gay

sex“ legalisiert. Doch erst kürzlich wurde

dieses Gesetz vom obersten Gericht für

ungültig erklärt. Homosexualität ist also

wieder illegal, was zu einer großen Debatte

in den Medien und der Gesellschaft

führte. Vielleicht werden sich die Dinge

Ihr beide seid ausgebildete Piloten. Wie

seid ihr im Fashion-Business gelandet?

Porus: Ich hatte bereits eine Ausbildung

in Fashiondesign absolviert, als mein Vater

– selbst Pilot – uns von den guten Karriereaussichten

in der Luftfahrt erzählte.

Prayag und ich waren damals Anfang 20

und wollten raus aus Indien – das Leben

erleben. Also gingen wir nach Texas und

machten dort unsere Pilotenlizenz. Aber

so sehr mir das Fliegen gefiel, ich hatte

immer das Gefühl, dass meine Kreativität

auf der Strecke bleibt. Also wurde ich

Fashion-Fotograf.

Prayag: Nachdem wir unsere Pilotenliin

Zukunft ändern, immerhin sind die

jüngeren Menschen in Indien toleranter

geworden.

Prayag: Eine Ehe unter Schwulen steht in

Indien völlig außer Frage. Wir als Paar

wünschen uns aber zu heiraten und auch

Kinder zu haben. Daher wollen wir Indien

bald verlassen und uns in einem

Land niederlassen, wo wir gleichberechtigt

behandelt werden und lieber unseren

gesellschaftlichen Beitrag leisten.

Ein leichteres Thema: Ihr seht aus wie

„Hipster“! Seid ihr es?

Wir sind keine bewussten „Hipster“! Aber

anscheinend endet alles „hip“, was wir anziehen.

Wir haben eben Spaß an Fashion.

Könnt ihr eigentlich ein paar Wörter auf

Deutsch?

Prayag: Von Delna habe ich die Wörter

„Hammer“, „Schmutzen“ (Anm. von Redakteurin

Delna: „Schnupfen“) und „Bussi“

gelernt.

Porus: Ich eigentlich kaum. Aber seit Prayag

zu Delna immer „Bussi“ sagt, benütze

ich es auch.

FM4_WMQuartier_14_biber.indd 1 19.05.14 14:28


72 GESUNDHEIT

GESTÖRTES

ESSEN

Sie haben sich fast zu Tode gehungert oder jede

Mahlzeit wieder erbrochen. Heute gelten sie als

gesund. Aber gibt es überhaupt gesunde Ex-Essgestörte?

Vier Frauen erzählen ihre Geschichte.

Von Fedora Chudoba und Marko Mestrović (Fotos)

„IN SCHWIERIGEN LEBENSPHASEN

greife ich auch heute noch auf meine

Krankheit zurück, um mit meinen Problemen

klarzukommen. Dann gehe ich

in den Supermarkt und kaufe für meine

Fressattacke ein. Meistens Süßigkeiten

und am liebsten solche, die leicht zu erbrechen

sind“, erzählt Anna (Anm.: Name

von der Redaktion geändert). Warum sie

das macht? „Um mein Gewicht zu kontrollieren,

Druck und Sorgen zu betäuben.

Es gibt viele Gründe.“ Solange sie ihr

Gewicht hält, gilt sie als klinisch gesund.

Ihre Gedanken drehen sich trotzdem nur

um das Eine, immer und immer wieder:

Essen.

Wie Anna erkranken jährlich tausende

Menschen an einer Essstörung: Magersucht,

Bulimie oder Binge Eating, das

ist eine Esssucht, sind inzwischen weit

verbreitete und bekannte Krankheiten.

Besonders betroffen sind dabei Frauen.

Über 90 Prozent aller Erkrankten sind

Mädchen und junge Frauen. Die Gründe

für eine Erkrankung sind vielfältig, unklar

und individuell, die Auswirkungen dafür

umso klarer und verheerender.

Angefangen vom Ausbleiben der Regelblutung

und Rissen in der Speiseröhre,

bis hin zu Osteoporose, Herzrhythmusstörungen,

chronischen Magen-Darm-

Problemen oder gar zum Tod. Dr. Ossege,

Leiter der Psychosomatischen Station am

Wiener AKH, erklärt, wieso das so ist:

„Essstörungen sind wie ganz ganz schwere

Suchterkrankungen. Deswegen gibt es

weder die perfekte Heilmethode, noch

ist es leicht zu sagen, dass jemand geheilt

ist. Vielmehr versuchen wir unseren Patienten

beizubringen mit ihrer Krankheit

umzugehen und Alternativprogramme zu

ihrem Suchtverhalten zu entwickeln.“

Aber wie sehen diese Alternativprogramme

aus? Gibt es überhaupt geheilte

Essgestörte?

„Schon“, meint Dr. Ossege. „Denn

auch wenn ein gewisses Risiko bestehen

bleibt, ist es doch möglich dem Patienten

eine gute Lebensqualität wiederzugeben.“

Ob das die „geheilten“ Betroffenen genauso

sehen, erzählen sie in ihren anonymen

Portraits.


GESUNDHEIT

73

Hannas Körper ist von den Folgen

der Magersucht gezeichnet.

„WER WILL SCHON MIT EINER FRAU INS BETT,

AN DER MAN NUR KNOCHEN SPÜRT?“

Hanna, 23, 162cm, 38kg

Ich war ab meiner frühen Kindheit magersüchtig.

Auch heute bin ich noch sehr dünn, weil mein

Körper einfach nicht zunehmen kann. Dabei fühle

ich mich gesund und esse ständig! Solange ich mir

denke, es zerreißt mich noch nicht, da geht noch

was rein, esse ich. Mindestens sechs Mal am Tag

und mindestens 3.500 Kilokalorien, selbst wenn

ich nicht hungrig bin. Sonst laufe ich Gefahr abzunehmen

und das will ich nicht! Ich möchte sogar

unbedingt zunehmen und weibliche Rundungen

annehmen. Besonders, weil ich mir inzwischen einen

Freund wünsche und das einfach nicht klappt.

Wer will schon mit einer Frau ins Bett, an der man

nur Knochen spürt? Ich mag meinen Körper eigentlich,

aber ich weiß, was für eine Einstellung die

Leute haben und wie sie auf mich reagieren. Wenn

ich dann auch noch erzähle, dass ich mal Anorexie

hatte, kann ich richtig sehen, wie sich die Leute

denken: „Na, so wie die aussieht, ist sie sicher noch

nicht gesund.“ Deswegen überlege ich mir auch

immer sehr genau, was ich anziehe. Ich würde total

gerne enganliegende, schicke Kleider tragen oder

dunkle enge Hosen. Leider sehen meine Beine darin

aus wie Solettis und dann lasse ich es doch sein,

aus Angst vor der Reaktion der anderen. Gewisse

Kurven sind einfach was Schönes und ich möchte

eben auch gerne weiblich aussehen. Eine weitere

Nachwirkung meiner Krankheit ist, dass ich meine

Tage noch nie hatte. Deswegen nehme ich jetzt seit

einigen Wochen Hormone und habe nun endlich

zum ersten Mal meine Regel bekommen. Ich habe

gejubelt und das Bauchziehen ist fast aufregend. Ich

fühle mich erwachsener, fraulicher, sicherer mit

mir selbst und glaube in Zukunft auch Männern

selbstbewusster gegenüber treten zu können!


74 GESUNDHEIT

„RAD IM KOPF DREHT SICH IMMER NOCH“

Sophie, 25, 162cm, 54kg

Leider kann ich nicht behaupten, dass ich gesund bin.

Und dabei bin ich es schon so leid! Zwar kann ich meine

Fress- und Brechanfälle inzwischen gut kontrollieren,

aber das Rad im Kopf dreht sich bei mir immer noch.

Diese dauernden Gedanken ums Essen, mein Gewicht

und meinen Körper. Oft frage ich mich, woran andere

Menschen den ganzen Tag denken, wenn sie nicht ans

Essen denken. Da ich kein natürliches Hunger- und

Sättigungsgefühl habe, esse ich aus Vernunft. Ich würde

so gerne wieder spüren, wie es ist, hungrig und satt zu

sein. Ich schätze Essen eigentlich sehr, besonders durch

meine Reisen in Länder, in denen viele Menschen Hunger

leiden. Ich reise so oft wie möglich, weil mir diese

Erfahrungen helfen, aus meiner essgestörten Welt auszubrechen.

Trotzdem weiß ich, dass das Reisen immer

eine Flucht ist und ich mir langfristig eine andere Lösung

überlegen muss. Normales Alltagsleben ist ziemlich

schwer für mich. Da gibt es so viele Orte und Situationen,

in denen ich an meine Krankheit denken muss.

Besonders der Westbahnhof ist schrecklich, weil einfach

überall Essen ist. Das ist das Schwierige an einer Essstörung.

Man kann nicht, wie ein Drogenabhängiger, aufhören

die Droge zu nehmen. Man muss essen. Also muss

man irgendwie lernen mit seinem Suchtmittel umzugehen.

Ich wohne deshalb bewusst nicht alleine. Das würde

ich mir nie zutrauen. Ich brauche die Sicherheit, dass da

noch jemand ist. Das hilft mir alte Verhaltensmuster zu

brechen und das will ich unbedingt! Denn ehrlich gesagt,

essgestört zu sein ist unglaublich viel Arbeit. Und die will

ich mir nicht mehr antun. Dafür liebe ich mein Leben

zu sehr. Deshalb übe ich mich jetzt in positiver Faulheit!

Informations- und Anlaufstellen für

Betroffene und Angehörige

Essstörungs-Hotline 0800 - 20 11 20

kostenlos - anonym - bundesweit

Montag bis Donnerstag von 12-17 Uhr

(ausgenommen Feiertage)

e-Mail-Beratung: hilfe@essstoerungshotline.at

intakt Therapiezentrum für

Menschen mit Essstörungen

telefonisch unter 01/22 88 770-0

Mo - Fr von 9:00 – 17:00

oder online: www.intakt.at


GESUNDHEIT

75

„WER BIN ICH, WENN ICH NICHT KRANK BIN?“

Lisa, 25, 168cm, 57kg

„ICH BIN SEIT 17 TAGEN BRECHFREI.“

Anna, 24, 163cm, 46kg

Solange ich in der Arbeit bin, geht es mir

gut. Da esse ich wie meine Kolleginnen,

also „normal“. Zu Hause esse ich wenig.

Einerseits um mein Gewicht zu halten, andererseits

um nicht zu brechen. Ich habe

auch kein Essen zu Hause. Für jede Mahlzeit

gehe ich extra einkaufen. Manchmal nehme

ich mir vor: So, heute Abend kaufst du etwas

für morgen fürs Frühstück. Besonders

Samstagabend versuche ich es, um Sonntag

in der Früh nicht zur Tankstelle rennen zu

müssen. Aber wenn ich dann im Supermarkt

stehe, traue ich mich doch nicht, aus

Angst es schon am Abend aufzuessen. Am

schlimmsten sind freie Tage. Freizeit gibt

mir die Möglichkeit über meine Ängste und

Probleme nachzudenken und das führt bei

mir zu Fress- und Brechanfällen. Deswegen

versuche ich immer etwas zu unternehmen.

Heute bin ich seit 17 Tagen brechfrei. Das bedarf

immenser Disziplin, weil ich bei Stress

oder Druck schnell in meine alten Muster

zurück falle. Wenn ich dann doch wieder

kotze, bin ich danach immer total verzweifelt

und frage mich, ob ich denn nie gesund

werde. Und um genau diese Verzweiflung

nicht mehr spüren zu müssen, reiße ich mich

auch immer wieder zusammen. Zwei Ziele

will ich erreichen: erstens Fressanfälle vermeiden,

zweitens an normalen Tagen etwas

mehr essen. Denn ich weiß, dass ich sehr

zart bin, aber früher, als ich 6 Kilo mehr hatte,

bin ich mir einfach zu fett vorgekommen.

In meinem jetzigen Körper fühle ich mich

wohl, obwohl ich weiß, dass ich nicht gesund

bin. Manchmal macht mich das richtig wütend!

Dann frage ich mich, wieso kann ich

mich nicht in einem gesunden Körper wohlfühlen?

Wie machen das die anderen?

Ich habe mich oft gefragt: Wer bin ich, wenn ich nicht krank bin? Wer soll sich

dann noch für mich interessieren? Das hat mich lange in der Krankheit gehalten.

Nicht zu essen war eben meine Art „Nein“ zu sagen, stark zu sein. Wenn

mich jetzt etwas verunsichert oder überfordert, ist immer noch mein erster Impuls

wieder in den Hunger und die Abstinenz zu flüchten. Aber dann frage ich

mich: Willst du leben und unter Menschen sein oder dich wieder isolieren?

Inzwischen kann ich mich für das Leben entscheiden.

Zum Beispiel gehe ich Essen mit anderen nicht mehr aus dem Weg. Früher

war das unmöglich. Heute kämpfe ich auch dagegen an, wenn mir mein Kopf

sagt: Du bist zu dick! Der Teil der Krankheit, der mir noch am ehesten zu schaffen

macht, sind die unsichtbaren Kämpfe im Kopf. Das dauernde Überdenken,

Zweifeln, die Angst, allein gelassen und übersehen zu werden. Viele Menschen

verstehen nicht, dass eine Essstörung keine körperliche Krankheit ist, sondern

eine psychische. Auch meine Familie hat nicht verstanden, dass meine Therapie

nicht eine „Reparatur“ war. Ich bin nicht einfach geheilt zurückgekommen. Das

hat mir lange zu schaffen gemacht, bis ich verstanden habe, dass ich nur mich

selbst ändern kann. Heute distanziere ich mich einfach von ihnen, wenn ich

merke, dass mir etwas nicht gut tut. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass ich

gesund bin. Ich habe einfach gelernt mit meiner Krankheit umzugehen. Und

obwohl ich noch sehr darauf achte, nichts zu fettiges oder paniertes zu essen,

ohne meine Schokolade könnte ich heute nicht mehr leben!


76 MIT SCHARF

fakebook Suche

Startseite Profil Konto

Conchita „Dragqueen“ Wurst

Pinnwand

Info Fotos Videos Gefällt mir

Conchita „Dragqueen“ Wurst gefällt der Artikel:

„Bart macht Hart“ auf www.dasbiber.at

03. Juni 2014 um 23:05 Uhr

Werbeanzeige erstellen

Informationen

Mein Motto: Das Leben ist

wie ein Stein. Nur anders

Wohnort: Wien

Beziehungsstatus:

Glücklich kompliziert

Freunde

514.000 Alle anzeigen

Ross

Antony

Direktor

Wrabetz

Fotos

Christl

Stürmer

Alfons

Haider

Stefan

Raab

Bülent

Ersoy

2 von 13 Alben Alle anzeigen

Mein Bart

und ich

vor 3 Tagen

aktualisiert

Best Moment

vor 25 Tagen

aktualisiert

Michael Spindelegger Conchita „Dragqueen“ Wurst

Lieber Tom Neuwirth! Vielen Dank für deine Bemühungen

und dein Engagement mit deiner fantasievollen Fiktionsfigur

„Conchita Wurst“. Deine Show und Performance mit der

fantasievollen Illusionsfigur, die täuschend echt ankam hat

Österreich zum Sieg verholfen. Wir sagen: Danke Künstler Tom

für diese künstlerische Leistung und ich wünsche noch einen

weiteren erfolgreichen Lebensabschnitt.

02. Juni 2014 m 08:55 Uhr

Anwaltskanzleiverbund und Dachverbandsverein zu Erhaltung der

Maiglöckchen gefällt das .

Alf Poier: Auch ich sage. Respekt. Du warst unglaublich. Mein

1. Posting mit Zumpferlromantik war nicht ich!

Das war jemand anderes.

02. Juni 2014 um 09:15 Uhr

1 gefällt das

Hc Strache: @Alf Das waren vermutlich diese LinksLeftLinks-

Linken Gutmenschenlichen Hacker. Die Hacken auch immer

unsere Computer.

2. Juni 2014 um 09:16 Uhr

2 gefällt das

Gustav Knödel Conchita „Dragqueen“ Wurst

Das ist ein Bart! Ich bin der Weltmeister der

Bartmeisterschaften! Geh Ham Pupperl!

13. Mai 2014 m 14:20 Uhr

253 gefällt das .

Conchita „Dragqueen“ Wurst Also dein

Bart ist mir nimma Wurst! Hut Ab!

13. Mai 2014 m 14:22 Uhr

352 gefällt das

Bülent Ersoy Conchita „Dragqueen“ Wurst

Schatzi, bei aller Liebe und Respekt für deinen

Sieg: Europa feiert dich und tut so, als ob sie

die tolerantesten Menschen überhaupt wären.

Ich bin in der Türkei seit Jahren ein fixer

Bestandteil der Künstlerszene. Google auch

mal nach Zeki Müren und Azis!

03. Mai 2014 um 23:05 Uhr

Huysuz Virgin und 287 anderen gefällt das

Alf Poier

Finde deine

Lieblingswurst!

Biber: Das beste

Gratismagazin Österreichs

Mehr Klingen –

Bessere Rasur

Hier das „Fakebook“-

Profil des Monats –

voll fake versteht sich.

Schreibt Teoman Tiftik,

wessen Pinnwand

ihr in der nächsten

Ausgabe lesen wollt:

tiftik@dasbiber.at

Conchita! Ich sag nochmal sry!

Jetzt wo du erste bist mach

ich es natürlich allen anderen

nach und bin auch stolz und

gebe das sogar öffentlich zu.

Danke. Vielen Dank.

Peace. Love und Toleranz

everywhere!

Jo! Gleich nachdem fest stand,

dass du gewinnst, habe ich

auch ein Foto von dir gepostet

und wie cool ich dich doch

finde.

Fotos: www.picturedesk.com, GREGOROWIUS,STEFAN / Action Press / picturedesk.com, Milenko Badzic / First Look / picturedesk.com, Franz Neumayr / picturedesk.com, Thomas Ramstorfer / First Look / picturedesk.com, Henning Kaiser /

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78 MIT SCHARF

Von Todor Ovtcharov

MIRO,

Im Nachbarsblock des Sofioter Endviertels

„Obelia“, wo ich aufgewachsen bin,

lebte ein Brasilianer. Na ja, ein nicht ganz

echter Brasilianer – eigentlich war Miro

ein Rom. Da er aber ein unglaublich begabter

Fußballspieler war nannten ihn

alle „der Brasilianer“ oder kurz „Braso“.

Braso stand in unseren Augen Garrincha

und Romario in nichts nach. Er dribbelte

magisch mit dem Ball um seine Gegenspieler

herum. Als wir uns zum Fußballspielen

in zwei Mannschaften aufteilten,

wollte jeder mit Braso spielen. Auf dem

Fußballfeld war Braso der Held. Außerhalb

bemerkte ihn niemand. Braso ging

längst nicht mehr zur Schule. Er arbeitete

in einer Autowäscherei. Im Winter trug

er Gummistiefel und im Sommer lief er

meistens barfuß. Während er auf seine

nächsten Kunden in der Autowäscherei

wartete, jonglierte er mit dem Ball. Braso

träumte einmal für die bulgarische Nationalmannschaft

zu spielen. Eigentlich

erfüllte er alle Voraussetzungen - er war

Deutschland und erreichten das Halbfinale.

Alle können sich heute immer

noch an die ZDF-Reportage vor dem

Spiel erinnern, die die Bulgaren und die

Deutschen vergleichen sollte. Die Deutschen

bereiteten sich auf das Spiel vor und

übten verschiedene taktische Situationen.

Die Bulgaren lagen vor dem Hotel beim

Swimmingpool mit einem Glas Whiskey

in der Hand und Zigarren im Mund. Die

Bulgaren gewannen mit zwei zu eins.

Diese Reportage war das Ende von

Braso. Mit dem wenigen Geld, das er besaß,

fing er an sich Zigarren zu kaufen.

Außerdem fing er stark zu trinken an.

Mit vierzehn war er Braso, der Star des

Viertels. Mit sechszehn war er ein gewöhnlicher

Säufer. Er konnte immer noch

unglaublich gut mit dem Ball jonglieren.

MIRO IST NICHT MEHR

Ich wurde älter. Ich verließ „Obelia“. Die

bulgarischen Fußballhelden wurden zu

Geschäftsmännern. Vor einem Jahr ging

DER BRASILIANER

unglaublich gut, er ging nicht zur Schule

und hatte überhaupt keine Hemmungen.

Er hatte sogar gelernt seine Gegenspieler

zu bespucken. Damit versuchte er Stoichkov

zu imitieren. Stoichkov war der Star

der bulgarischen Nationalmannschaft.

WHISKEY + ZIGARRE =

BULGARISCHER FUSSBALLER

Kurz davor hatte die bulgarische Nationalmannshaft

den vierten Platz bei einer

WM erreicht. Die Fußballer waren die

populärsten Menschen im Land. Ihr Erfolg

hatte den Bürgern des armen und

ausgeraubten Landes ein enormes Selbstbewusstsein

gegeben. In den Fußballern

sah jeder sein Vorbild. Sie waren ganz

gewöhnliche Jungs, die die Weltspitze

erreicht hatten. Damals besiegten die

Bulgaren den amtierenden Weltmeister

ich bei der Autowäscherei vorbei. Ich

fragte nach Miro. „Der Brasilianer?“,

antworteten sie, „Er ist schon längst in

Brasilien!“ Ich konnte es kaum glauben.

„Echt?“ Der Mann von der Autowäscherei

deutete mit seinem Kopf auf den Friedhof,

der auf der andren Seite der Straße ist.

Das war „Brasilien“… Ich erinnerte mich

an diese Geschichte, als ich zusammen

mit meiner lieben M. auf einer sonnigen

Wiese in einem Wiener Park lag. „Wann

fliegen wir nach Brasilien?“, fragte sie.

„Nein“, sagte ich, „hier geht es uns auch

ganz gut.“

Dieses Jahr qualifizierte sich Bulgarien

nicht für die WM. Österreich auch

nicht. Deshalb werde ich Bosnien anfeuern.

Und an Miro den Brasilianer denken.

Falls Bosnien das Halbfinale erreicht, kaufe

ich mir sogar eine Zigarre.


MIT SCHARF

79

„Wie lange erhält

mein studierendes Kind

Familienbeihilfe?”

„Bis wann habe

ich mit meiner

Arbeitnehmerveranlagung

Zeit?”

„Wie viel darf ich

steuerfrei dazuverdienen,

wenn ich Einkünfte aus

nichtselbstständiger

Arbeit beziehe?”

„Wie viel darf ich

als Student dazuverdienen,

damit ich die Familienbeihilfe

nicht verliere?”

„Welche

Sachbezüge sind

für Arbeitnehmer

steuerfrei?”

„Wann habe

ich Anspruch auf

den Alleinverdienerabsetzbetrag?”

„Kann ich

die Kosten

für Kinderbetreuung

steuerlich geltend

machen?”

„Werbungskosten -

was ist das

überhaupt?”

„Wann steht mir

der Alleinerzieherabsetzbetrag

zu?”

Frage? Antwort: www.bmf.gv.at/steuertipps


80

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