Umwelttrends in Deutschland

benjaminbeutler
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Umwelttrends in Deutschland


Inhalt6 Vorwort8 01 | Klimaschutz und Energie10 ▸ Emissionen von Treibhausgasen12 ▸ Treibhausgas-Emissionen nach Verursachern16 ▸ Treibhausgas-Emissionen nach Quellkategorien18 ▸ Treibhausgas-Emissionen nach Gasen20 ▸ Treibhausgas-Emissionen pro Kopf22 ▸ Entwicklung der Kohlendioxid-Konzentrationen24 ▸ Trends der Lufttemperatur26 ▸ Energieverbrauch und Energiewende28 ▸ Energieverbrauch nach Anwendungsbereichen30 ▸ Energieeinsparung32 ▸ Energieeffizienz34 ▸ Erneuerbare Energien36 ▸ Durch den Einsatz erneuerbarer Energienvermiedene Treibhausgas-Emissionen38 ▸ Kraft-Wärme-Kopplung40 02 | Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft42 ▸ Rohstoffproduktivität44 ▸ Rohstoffverwendung in Deutschland pro Kopf46 ▸ Abfallaufkommen48 ▸ Verwertungsquoten der Hauptabfallströme50 ▸ Ablagerungsquoten der Hauptabfallströme52 ▸ Anteil verwerteter Siedlungsabfälle54 ▸ Wassernutzungs-Index56 ▸ Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche3


58 03 | Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen60 ▸ Emission von Luftschadstoffen62 ▸ Emission von Feinstaub64 ▸ Entwicklung der Luftqualität68 ▸ Grenz-/Zielwertüberschreitungen in Ballungsräumen70 ▸ Überschreitung der Belastungsgrenzen für Eutrophierung72 ▸ Überschreitung der Belastungsgrenzen für Versauerung74 ▸ Ökologischer Zustand der Fließgewässer76 ▸ Einträge von Nährstoffen in Oberflächengewässer78 ▸ Nitrat im Grundwasser80 ▸ Zustand der Küstengewässer von Nord- und Ostsee82 04 | Land- und Forstwirtschaft84 ▸ Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft86 ▸ Grünlandumbruch88 ▸ Ökologischer Landbau90 ▸ Nachhaltige Forstwirtschaft92 05 | Umwelt und Wirtschaft94 ▸ Umweltwirtschaft und grüne Zukunftsmärkte96 ▸ Beschäftigung im Umweltschutz insgesamt98 ▸ Beschäftigte durch erneuerbare Energien100 ▸ Gesellschaftliche Kosten von Umweltbelastungen102 ▸ Umweltbezogene Steuern4 Daten zur Umwelt 2015


104 06 | Umwelt und Verkehr106 ▸ Gütertransportintensität108 ▸ Personentransportintensität110 ▸ Energieverbrauch des Verkehrs112 ▸ Spezifische Emissionen Pkw114 ▸ Spezifische Emissionen Lkw116 ▸ Umweltfreundlicher Gütertransport118 ▸ Umweltfreundlicher Personentransport120 07 | Umwelt, Gesundheit, Lebensqualität122 ▸ Lärmbelastung124 ▸ Gesundheitsrisiken durch Feinstaub126 ▸ Gesundheitliche Belastung durch den Klimawandel128 ▸ Badegewässer130 08 | Private Haushalte und Konsum132 ▸ Umweltbewusstsein134 ▸ Energieverbrauch der privaten Haushalte136 ▸ Energieverbrauch der privaten Haushalte für Raumwärme138 Anhang138 ▸ Literaturverzeichnis141 ▸ Abkürzungsverzeichnis142 ▸ Bildquellen5


Vorwortdas Jahr 2014 war im Durchschnitt daswärmste Jahr seit Beginn der regelmäßigenTemperaturaufzeichnungen – weltweitund auch in Deutschland. In derAtmosphäre steigt die Konzentration derTreibhausgase weiter an. Sie nähert sichdamit dem kritischen Punkt, ab dem dasZiel der Weltgemeinschaft, die Erderwärmungauf zwei Grad Celsius zu begrenzen,mit großer Wahrscheinlichkeit nichtmehr erreicht werden kann. Als einer derinternationalen Vorreiter des Klimaschutzesist Deutschland in besonderer Weisegefordert, gemeinsam mit anderen Staatenanspruchsvolle Ziele zu setzen und innovativeLösungen zu finden. Dabei kommtes auf uns alle an – von den Staaten dieserWelt bis hin zur einzelnen Bürgerin undzum einzelnen Bürger.Liebe Leserinnen, liebe Leser,Umweltpolitik braucht einen langen Atem,nicht nur beim Klimaschutz. Auch in derLuftreinhaltung oder beim Gewässerschutzzeigt sich: In vielen Bereichen sinken zwardie schädlichen Einträge in die Umwelt.Dies ist aber kein Grund zur Entwarnung.So sind beispielsweise nur zehn Prozentder Flüsse und Bäche und nur rund einProzent der untersuchten Abschnitte anNord- und Ostseeküste in einem gutenökologischen Zustand. Grund ist vor allemdie immer noch zu hohe Nährstoffbelastung.6 Daten zur Umwelt 2015


Erfolgreiche Umweltpolitik braucht verlässlicheInformationen über Zustandund Entwicklung der Umwelt. Aktuelle,umfassende und wissenschaftlich fundierteUmweltdaten bieten dafür dieGrundlage. Sie dienen der Information vonBürgerinnen und Bürgern ebenso wie dervon politischen Entscheidungsträgern. Siezeigen die Trends in der Umweltbelastung,verbuchen Erfolge im Umweltschutz undin der Umweltpolitik. Außerdem machensie transparent, inwieweit die gestecktenumweltpolitischen Ziele erreicht werden.Die in dieser Broschüre zusammengestelltenDaten, Fakten und Indikatoren bieteneinen Überblick über aktuelle Entwicklungenund Trends im Umweltbereich.Im Dezember 2015 kommt die Weltgemeinschaftin Paris zusammen, um über dienächsten Schritte beim globalen Klimaschutzzu beraten. Wir müssen ein Signalfür die Zukunft setzen und ein umfassendes,ehrgeiziges und verbindliches Abkommenbeschließen, zu dem alle Staatenbeitragen und das 2020 in Kraft tritt.Deutschland kann bis 2050 treibhausgasneutralwerden – das zeigt eine Studiedes Umweltbundesamts. Dazu muss derEnergieverbrauch in Deutschland soweitwie möglich gesenkt und der verbleibendeEnergiebedarf (Strom, Wärme, Kraftstoffe)aus erneuerbaren Quellen gedecktwerden. Technisch ist das machbar. Obes umgesetzt wird, hängt vor allem vonklaren, verbindlichen Vorgaben der Politikab. Ein Erfolg der Klimaverhandlungen inParis würde dazu beitragen.Maria KrautzbergerPräsidentindes Umweltbundesamtes7


8 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


01KLIMASCHUTZUNDENERGIE9


Emissionen von TreibhausgasenTreibhausgas-Emissionen in Deutschland seit 1990*sowie Ziele für 2008 bis 2012 (Kyoto Protokoll), 2020 und 2050 (Bundesregierung)Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente1.4001.2501.2001.000800KYOTO-ZIEL974953912ZIEL 20207506004002000* ohne Kohlendioxid aus LULUCF** Zeitnahprognose für 201419901991199219931994199519961997199819992000200120022003Treibhausgas-Emissionen weiter senken20042005200620072008200920102011201220132014**Quelle: Umweltbundesamt 2015, Nationale Treibhausgas-Inventare 1990 bis 2013und Zeitnahprognose für 2014 (Stand: 03/2015)2020ZIELE2050max. 250min. 62,52050Deutschland hat seinen Treibhausgas-Ausstoß zwischen 1990 und 2013 von 1.250 MillionenTonnen (Mio. t) auf 953 Mio. t, also um 23,8 Prozent (%) gesenkt. Für das Jahr 2014 zeigt dieZeitnahprognose des Umweltbundesamtes ein Sinken der Emissionen um weitere 41 Mio. t aufden niedrigsten Wert seit 2010. Das entspricht einer Minderung um 27 % gegenüber 1990. EinGroßteil des Rückgangs im Jahr 2014 ist auf den milden Winter zurückzuführen.Bis zur Mitte des Jahrhunderts müssen Industriestaaten wie Deutschland die Treibhausgas-Emissionen um mindestens 80 bis 95 % gegenüber 1990 senken, um die Temperaturerhöhunginfolge des Klimawandels auf 2 Grad Celsius (°C) gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.Die Bundesregierung hat sich darüber hinaus verpflichtet, in einem Zwischenschritt diedeutschen Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 40 % gegenüber 1990 zu mindern.Mit den bisher eingeleiteten Schritten können bei gleichbleibender wirtschaftlicher Entwicklungetwa 33 bis 34 % Minderung erreicht werden. Maßnahmen zur Füllung der verbleibenden Lückehat die Bundesregierung im Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 beschlossen.10 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Der Weltklimarat (IntergovernmentalPanel on Climate Change, IPCC) hat inseinem jüngsten Bericht bekräftigt, dassder Klimawandel bereits eingesetzt hat[IPCC 2014]. Verursacht wird er durch denAusstoß klimawirksamer Gase, die sich inder Atmosphäre anreichern. Sie werdenvor allem bei der Erzeugung und Nutzungvon Energie freigesetzt. Beispiele sinddie Stromerzeugung in Kraftwerken, dasHeizen von Gebäuden oder der Kraftstoffverbrauchbeim Autofahren. Danebensind Emissionen vor allem aus derLandwirtschaft und aus der industriellenLösemittel anwendung von Bedeutung.Die Klimarahmenkonvention der VereintenNationen verpflichtet die Staatengemeinschaft,den Klimawandel auf einAusmaß zu begrenzen, das den Ökosystemenerlaubt, sich auf natürliche Weise andie Klimaänderungen anzupassen, das dieNahrungsmittelerzeugung nicht bedrohtund die Fortführung einer nachhaltigenwirtschaftlichen Entwicklung erlaubt. AlsGrenze für die Einhaltung dieser Kriterienwird eine Erwärmung des Weltklimas umhöchstens 2 °C über dem vorindustriellenNiveau angesehen.Für die Erreichung dieses Zieles ist dieschrittweise Absenkung der Treibhausgas-Emissionen zentral. Langfristig müssenProduktion, Transport und Konsum soorganisiert werden, dass Treibhausgasekaum noch freigesetzt werden.Die Minderung der Treibhausgase inDeutschland beruhte in der ersten Hälfte der1990er Jahre wesentlich auf der Umstrukturierungder Wirtschaft in den NeuenLändern. Seitdem wurde eine Reihe von Klimaschutzinstrumenteneingeführt, die zumweiteren Rückgang der Treibhausgas-Emissionenbeigetragen haben, wie zum Beispieldie Förderung des Ausbaus erneuerbarerEnergien, die Einführung des EuropäischenEmissionshandels oder die ÖkologischeSteuerreform. In den letzten Jahren stiegendie Emissionen jedoch wieder leicht an.Deshalb sind konsequente weitere Schrittezur Senkung des Treibhausgas-Ausstoßesnotwendig. Das „Aktionsprogramm Klimaschutz2020“ soll das Erreichen des Minderungsziels2020 sicherstellen. Notwendigsind darüber hinaus eine grundlegendeReform des Europäischen Emissionshandelssowie ein weltweites Klimaschutzabkommenmit konkreten Minderungszielen.Klimaschutz- und Energieziele nach Energiekonzept der BundesregierungKLIMAgegenüber 1990Minderung ummindestensERNEUERBAREENERGIEN EFFIZIENZ VERKEHRAnteilStrommind.Anteilgesamtmind.Strom2020 - 40 % 35 % 18 % - 20 % - 10 %2030 - 55 % 50 % 30 %2040 - 70 % 65 % 45 %2050 - 80 bis - 95 % 80 % 60 % - 50 % - 25 %Anstiegum 2,1 %p. a.▸ Verdoppelungder Rate von1 % auf 2 %;▸ Heizwärme- 20 % bis 2020▸ Primärenergie- 80 % bis 2050gegenüber 2008PrimärenergieEnergieproduktivitätGebäudesanierungElektro-Fahrzeuge▸ bis 2020:1 Million▸ bis 2030:6 MillionenQuelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Zweiter Monitoring-Bericht „Energie der Zukunft“, April 201411


Treibhausgas-Emissionennach VerursachernTreibhausgas-Emissionen in Deutschland seit 1990*in der Abgrenzung der Sektoren des Aktionsprogrammes Klimaschutz 2020**Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente1.4001.2001.00080060040020001.250468 131 163 78 283 88199038EnergiewirtschaftIndustrie1995199619971998199920002001200220032004KYOTO-ZIEL974Haushalte Verkehr Gewerbe, Handel, DienstleistungenLandwirtschaft Übrige Emissionen* ohne Kohlendioxid aus LULUCF** Die Aufteilung der Emissionen weicht von der UN-Berichterstattung ab, die Gesamt-Emissionen sind identisch*** Zeitnahprognose für 201495391213355 88 164 35 187 702005200620072008200920102011201220132014***ZIEL 2020750Quelle: Umweltbundesamt 2015, Nationale Treibhausgas-Inventare 1990bis 2013 und Zeitnahprognose für 2014 (Stand: 03/2015)2020Die Treibhausgas-Emissionen aus derEnergiewirtschaft sanken zwischen 1990und 1995 vor allem durch den verringertenEinsatz von Braunkohle. Zudem wurdennach der Wiedervereinigung zahlreicheveraltete Anlagen stillgelegt. Der Rückgangseit 2007 ist auf bessere Wirkungsgradebei der Energieerzeugung sowieauf den verstärkten Einsatz erneuerbarerEnergien zurückzuführen. Bis heute istdie Verbrennung von Kohle die Hauptemissionsquelle.2012 betrug ihr Anteil 78 %.Mit der konsequenten Umsetzung derEnergiewende muss dieser Anteil deutlichgesenkt werden.12 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


In den ersten Jahren nach der Wiedervereinigungwar der Rückgang der Treibhausgas-Emissionenaus der Industriebesonders stark. Ursachen dafür warender Umbau der deutschen Industrielandschaftsowie der Rückgang der Industrieproduktionin den neuen Bundesländern.In den letzten Jahren hat sich die Höheder Gesamtemissionen der Industrie kaumverändert. Allerdings spiegelt sich auchhier der Konjunktureinbruch im Jahr 2009deutlich wider. Gas und Strom haben einenAnteil von zwei Dritteln am Endenergieverbrauchder Industrie.Etwa 95 % der Treibhausgase, die im BereichVerkehr entstanden, wurden durchden Straßenverkehr verursacht. Das Grosder Emissionen rührt dabei naturgemäßaus der Verbrennung von Mineralölprodukten.Hinzu kommen Emissionen ausder motorischen Nutzung von Erdgasund Biokraftstoffen (emissionsneutralbezüglich Kohlendioxid). Zwischen 1990und 2000 stiegen die verkehrsbedingtenKohlendioxid-Äquivalente durch zunehmendeFahrleistungen und den Trend zu2012HAUPTEMISSIONSQUELLEDER ENERGIEWIRTSCHAFT78%durch dieVerbrennungvon Kohleleistungsfähigeren, schwereren Fahrzeugenum über 11 %. Dagegen kam es durchdie Einführung sparsamerer Motoren undeffizienterer Fahrzeugkonstruktionen inden Folgejahren zu einem Rückgang derEmissionen, der durch den vermehrtenEinsatz von Diesel-Pkw verstärkt wurde.Eine weitere Rolle spielte die ökologischeSteuerreform, die Ende der 90-er Jahreeingeführt wurde: Die Kraftfahrzeugsteuerrichtete sich fortan nach Abgaswertenstatt nach Hubraum. Dadurch werdenEnergiewende voranbringenDie Treibhausgas-Emissionen sind seit 1990 deutlich gesunken. Dies gilt auch für die Energiewirtschaft,die bis zum Jahr 2014 ihre Emissionen gegenüber 1990 um 24 % reduzieren konnte.Dennoch blieb sie mit einem Anteil am gesamten Treibhausgas-Ausstoß von etwa 39 % dergrößte Emittent von Treibhausgasen in Deutschland. Daneben sind vor allem die Emissionen ausder Industrie und dem Verkehr bedeutsam. Die Industrie verringerte ihre Emissionen zwischen1990 und 2014 um ein Drittel, blieb aber mit 21 % der Freisetzungen die zweitgrößte Quelle vonTreibhausgasen. Die Emissionen aus dem Verkehr stiegen dagegen geringfügig um knapp 0,6 %.Die durch private Haushalte verursachten Emissionen unterliegen, vor allem witterungsbedingt,erheblichen Schwankungen. Über den gesamten Zeitraum von 1990 bis 2014 gesehen, sankensie um 33 %. In den anderen Sektoren wurden ebenfalls erhebliche Minderungen erzielt: DieEmissionen aus der Landwirtschaft haben seit 1990 um etwa 21 % abgenommen, die Freisetzungenaus Gewerbe, Handel und Dienstleistungen sogar um 55 %.13


schadstoffärmere Fahrzeuge gefördert.Als Folge nahmen die verkehrsbedingtenKohlendioxid-Äquivalente zwischen 2000und 2014 um etwa 13 % ab.Mehr als 70 % der Endenergie, die privateHaushalte verbrauchen, dienen demHeizen. In kalten Wintern entstehendeshalb höhere Emissionen als bei milderWitterung. Daneben beeinflussen auchökonomische und soziale Faktoren dieEmissionen privater Haushalte. So spieltdie steigende Zahl von Privathaushalteneine wichtige Rolle, ebenso die wachsendeWohnfläche pro Person.Die Landwirtschaft emittiert vor allemMethan (CH 4 ) und Lachgas (N 2 O) ausder Tierhaltung und der Düngung. Von1990 bis 1992 sanken die Emissionen derTierhaltung durch einen Rückgang derTierbestände. Um die Emissionen derLandwirtschaft weiter zu verringern, sollder Mineraldünger-Einsatz, vor allem imBereich der Stickstoff (N)-Düngung, gesenktwerden. Ein weiterer wichtiger Bausteinist die Stärkung des ökologischenLandbaus. Im Rahmen der reformiertenGAP-Ziele nach 2013 ist die nachhaltigeBewirtschaftung der natürlichen Ressourcenund der Klimaschutz ein wesentlicherBestandteil der landwirtschaftlichenKlimapolitik.Seit 1990 haben sich die Treibhausgasemissionenvon Gewerbe, Handelund Dienstleistungen etwa halbiert.Ursachen dafür sind vor allem: Verbesserungder Wärmedämmung, Modernisierungvon Anlagen und Maschinen sowieMaßnahmen zur Automatisierung undProzessoptimierung. Ähnlich wie beiden Privathaushalten ist auch hier derRaumwärmebedarf der Schlüsselfaktor,der am stärksten die Treibhausgasmengenbeeinflusst.Maßnahmen, die die Freisetzung vonMethan in Deponien einschränken,trugen maßgeblich zur Senkung desAusstoßes von Treibhausgasen aus derAbfallwirtschaft bei. Gleiches gilt für dasAblagerungsverbot für unvorbehandelteSiedlungsabfälle. Dieses trat 2005 in Kraft.Die Verwertung von Altpapier, Altglas,Verpackungen und Bioabfällen senkt denEnergieeinsatz und trägt dazu bei, dieTreibhausgase zu mindern.14 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Treibhausgas-Emissionennach QuellkategorienQuellkategorien der Treibhausgas-Emissionen (berechnet in Kohlendioxid-Äquivalenten)in der Abgrenzung des internationalen Berichtsformats (Common Reporting Format)19902014*0,1 %0,2 %7,7 %6,2 %2,9 %83,0 %6,8 %7,1 %1,2 %84,7 %GESAMT1.249,5 MillionenTonnenGESAMT911,8 MillionenTonnenEnergiebedingte EmissionenAbfallwirtschaft*Zeitnahprognose, vorläufige DatenIndustrieprozesseLandwirtschaftLandnutzung, Landnutzungsänderung und ForstwirtschaftQuelle: Umweltbundesamt 2015, Nationale Treibhausgas-Inventare 1990 bis 2013 (Stand: 27.01.2015)und Zeitnahprognose für 2014 (Stand: 03/2015)Die bedeutendste Quelle von Treibhausgas-Emissionenist der Brennstoffsektor(fossil). Insgesamt nahmen die energiebedingtenEmissionen aller Treibhausgasezwischen 1990 und 2014 um rund 26 %ab. Die darin enthaltenen Emissionen desVerkehrs liegen 2014 etwa auf dem Niveauvon 1990, während die Emissionen ausstationären Feuerungsanlagen deutlichzurückgegangen sind. Bei den verbrennungsbedingtenEmissionen resultiertdiese Entwicklung aus Umstellungenim Mix der eingesetzten Brennstoffe,der Erhöhung der Energieeffizienz undtechnischer Wirkungsgrade sowie aus derzunehmenden Nutzung emissionsfreierEnergiequellen. Dagegen wirken sich beiden Verteilungsemissionen die verstärkteGrubengasnutzung, die Sanierung derGasverteilungsnetze sowie die Einführungvon Gaspendelungsanlagen bei der Kraftstoffverteilungaus.16 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Die Industrieprozesse sind mit einemAnteil an den Gesamtemissionen vonnahezu 7 % zusammen mit der Landwirtschaftdie bedeutendste der anderenQuellkategorien. Die Emissionen sankengegenüber 1990 um 35,4 %. Sie sind starkan das Produktionsniveau gekoppelt. Spezielldie Kohlendioxid-Emissionen bildenhauptsächlich den Konjunkturverlauf dermineralischen, chemischen und metallherstellendenIndustrien ab. Ein nicht andie Produktion gekoppelter Trend konntebei den Lachgas-Emissionen erreichtwerden, weil bei der Salpetersäure- undAdipinsäure-Produktion emissionsminderndeMaßnahmen der Herstellerwirksam wurden. Insgesamt sanken dieLachgas-Emissionen seit 1990 um etwa95 %.Die Landwirtschaft liegt in der gleichenGrößenordnung mit einem über die letztenJahre relativ gleich bleibenden Anteil vonum die 7 %. Die Emissionen sanken gegenüber1990 um 17 %. Dies geht im Wesentlichenauf eine Abnahme der Tierbestände,aber auch auf Reduktion der Emissionenaus landwirtschaftlichen Böden und Düngeranwendungzurück.Die deutlichste relative Minderung derTreibhausgas-Emissionen (-69,7 %) tratin der Abfallwirtschaft auf, so dass derAnteil an den Gesamtemissionen 2014 nurnoch 1,2 % betrug. Hier hat die Einführungeines verstärkten Recyclings von wiederverwertbarenStoffen (unter anderem GelberSack, Verpackungsverordnung) sowiedie seit Juni 2005 verbotene Deponierungvon biologisch abbaubaren Abfällen eineMinderung von über 70 % im Bereich derDeponieemissionen erbracht.Die Emissionen von Treibhausgasen durchLandnutzungsänderung und Forstwirtschaftblieben (ohne Betrachtungder Kohlendioxid-Senken) zwischen 1990und 2014 relativ konstant zwischen 1,7und 1,8 Mio. t, Kohlendioxid-Äquivalent,das waren 0,2 % der Gesamtemissionenim Jahr 2014. Die Emissionen sind im Wesentlichenauf die Holznutzung durch dieForstwirtschaft zurückzuführen.Vorrangig: Energiebedingte Emissionen senkenFür die international vergleichbare Berichterstattung der Treibhausgas-Emissionen unter derKlimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC) werden die Emissionen nach ihrer Entstehungaus fünf sogenannten Quellkategorien zusammengefasst. Dabei wird der Verkehr denenergiebedingten Emissionen zugerechnet. Diese machen mehr als vier Fünftel der gesamtenTreibhausgase aus. Dadurch wird deutlich, dass einem nachhaltigen Umgang mit Energie einebesondere Bedeutung für den Klimaschutz zukommt. Der Anteil der energiebedingten Emissionensteigt aufgrund des Rückgangs der Emissionen aus Industrieprozessen und vor allem ausder Abfallwirtschaft. Hier sind zwar durch technische Maßnahmen weitere Emissionssenkungenmöglich, jedoch verbleiben nach einer Studie des Umweltbundeamtes vor allem bei denIndustrie prozessen und in der Landwirtschaft bis zum Jahre 2050 unvermeidbare Sockelemissionen[UBA 2013a]. Deshalb ist es notwendig, die Emissionen aus dem Energiesektor (Strom,Wärme und Verkehr) auf null zu senken: durch den Umstieg auf erneuerbare Energien und dieAusschöpfung bestehender Effizienzpotentiale.17


Treibhausgas-Emissionennach GasenAnteile der Treibhausgase an den Emissionen (berechnet in Kohlendioxid-Äquivalenten)19902014*9,6 %5,3 %1,0 %84,1 %6,5 %4,2 %1,6 %87,7 %GESAMT1.249,5 MillionenTonnenGESAMT911,8 MillionenTonnenKohlendioxid Methan Lachgas „F-Gase“ (H-FKW, FKW, SF 6, NF 3)*Zeitnahprognose, vorläufige DatenQuelle: Umweltbundesamt 2015, Nationale Treibhausgas-Inventare 1990 bis 2013 (Stand: 27.01.2015)und Zeitnahprognose für 2014 (Stand: 03/2015)Kohlendioxid-Emissionen dominierenKohlendioxid ist mit einem Anteil an den gesamten Treibhausgas-Emissionen von 87,7 % dasbei weitem bedeutendste Klimagas. Zwischen 1990 und 2014 sank der Kohlendioxid-Ausstoßin Deutschland um 24 % von 1.051 Mio. t auf 800 Mio. t. Der gestiegene Anteil an den Gesamt-Emissionen beruht auf noch stärkeren Emissionsrückgängen bei Methan und Lachgas. Methanist 25-mal so klimawirksam wie Kohlendioxid. Berechnet in Kohlendioxid-Äquivalenten betrugendie Emissionen 2014 rund 59 Mio. t. Das war weniger als die Hälfte der Emissionen des Jahres1990 (rund 120 Mio. t). Grund waren hauptsächlich Emissionsminderungen in der Abfallwirtschaft.Das Treibhaus-Potenzial von Lachgas ist 298-mal so hoch wie das von Kohlendioxid.2014 wurden 38 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalente ausgestoßen, das waren rund 28 Mio. t wenigerals 1990. Der Rückgang beruhte vor allem auf Emissionsminderungen in der Chemieindustrie.Voll- und teilfluorierte Kohlenwasserstoffe (FKW, H-FKW) und Schwefelhexafluorid (SF 6 ) werdenin geringen Mengen freigesetzt, sind aber enorm treibhauswirksam. Berechnet in Kohlendioxid-Äquivalenten wurden im Jahr 2014 insgesamt 14,8 Mio. t emittiert (1990: 13,1 Mio. t). Aufgrundder Minderung des Methan- und Lachgas-Ausstoßes steigt der Anteil der „F-Gase“ an denGesamt-Emissionen.18 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Kohlendioxid entsteht fast ausschließlichbei Verbrennungsvorgängen in Anlagenund Motoren. Bezogen auf die Einheit dereingesetzten Energie sind die Emissionenaus festen Brennstoffen, die überwiegendaus Kohlenstoff bestehen, am höchsten.Für gasförmige Brennstoffe sind sie wegenihres beträchtlichen Gehalts an Wasserstoffam niedrigsten. Eine Zwischenstellungnehmen die flüssigen Brennstoffe ein.Seit 1990 gehen die Kohlendioxid-Emissionennahezu kontinuierlich zurück. Zwischen1990 und 1995 war dies vor allemauf den verminderten Braunkohleeinsatzin den Neuen Ländern zurückzuführen.Ab Mitte der 90er-Jahre wirkte sich vorallem die aktive Klimaschutzpolitik derBundesregierung emissionsmindernd aus.Daneben bestimmen witterungs- und konjunkturbedingteEinflüsse den Verlauf derEmissionen. 2014 lagen sie bei 800 Mio. t.Die Emissionen aus der Stromerzeugungblieben stabil. Witterungsbedingt kambeim Heizen von Häusern und Wohnungenmehr Gas zum Einsatz als in denVorjahren. Der Ausbau der erneuerbarenEnergien dämpfte den Emissionsanstieg.Die Methan-Emissionen wurden zwischen1990 und 2014 etwa halbiert. Einewesentliche Quelle von Methan ist dieTierhaltung, daneben entstehen Emissionen,wenn Brennstoffe gewonnen,gefördert und verteilt werden (Steinkohlenbergbau,Gasverteilung). Eine weiterewichtige Quelle ist die Methanbildung aufAbfalldeponien.Von 1990 bis 2014 sanken die Emissionenim Bereich der Abfallablagerung besondersstark. Vor allem durch die sinkendeKohleförderung in Deutschland nahmendie Emissionen aus der Gewinnung undVerteilung von Brennstoffen stark ab.Weil die Tierbestände in den neuen Ländernverkleinert wurden, vermindertensich auch die Emissionen der Landwirtschaft.Da in den anderen großen Verursacherbereichenaber stärker eingespartwurde, stellt dieser Bereich aktuell mitrund 54 % die größte Emissionsquelle fürMethan dar.Hauptemittenten von Distickstoffoxid(N 2 O) waren im Jahr 1990 zu 51 % dieLandwirtschaft und zu 33 % die Chemieindustrie.Bis 2014 sanken die Emissionenaus diesem Bereich jedoch um über 95 %.Der Anteil der Emissionen aus der Landwirtschaftstieg somit auf über 77 %.Zwischen 1990 und 2014 verdoppeltensich die Emissionen von teilfluoriertenKohlenwasserstoffen (H-FKW) fast, vorallem aufgrund des verstärkten Einsatzesals Kühlflüssigkeit in Kälteanlagen undder zunehmenden Entsorgung dieserAnlagen. Emissionsreduzierungen durchden verminderten Einsatz in Polyurethan(PU)-Montageschäumen wurden dabeiüberkompensiert.Die Emissionen der vollfluorierten Kohlenwasserstoffe(FKW) gingen seit 1990um rund 91 % zurück. Dies ist hauptsächlichden Anstrengungen der Hersteller vonPrimäraluminium und der Halbleiterherstellerzu verdanken.2014 waren die Schwefelhexafluorid-Emissionen rund 12 % niedriger als diedes Jahres 1990. Die Emissionen waren bis1995 angestiegen und sinken seitdem. Inden kommenden Jahren ist jedoch wiedermit steigenden Emissionen zu rechnen.19


Treibhausgas-Emissionen pro KopfEmissionsentwicklung pro KopfTonnen Kohlendioxid-Äquivalente181615,7141213,712,7 12,812,5 12,5 12,412,1 12,211,9 12,011,211,6 11,6 11,710864201990 1995 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Hrsg.)Klimaschutz in Zahlen, S. 22Die auf die Einwohnerzahl bezogenenTreibhausgas-Emissionen in Deutschlandsinken zwar, sind aber immer noch zuhoch. Das zeigt der Vergleich mit den Pro-Kopf-Emissionen anderer Mitgliedstaatender Europäischen Union. Deutschlandliegt hier etwas über dem Durchschnittvon rund 9 t Kohlendioxid-Äquivalentepro Person im Jahr 2011. Spitzenreiterwar Luxemburg mit 23,6 t Kohlendioxid-Äquivalenten pro Kopf, die niedrigstenPro-Kopf-Emissionen in der Union wiesLettland auf (5,5 t Kohlendioxid-Äquivalente).Auch bezogen auf das für die Erreichungdes 2-Grad-Celsius-Ziels der Weltgemeinschaftnoch zur Verfügung stehendeEmissionsbudget liegen die Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland zu hoch. Umdieses Ziel zu verwirklichen, müssendie Industriestaaten ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 um bis zu95 % senken. Das entspricht in Deutschlandeiner jährlichen Rest-Emission von 1 tKohlendioxid-Äquivalent pro Kopf ab demJahr 2050.20 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Notwendige Voraussetzung dafür istdie weitestgehende Ausschöpfung allerbestehenden Effizienzpotenziale in denWirtschaftssektoren, um vor allem dieenergiebedingten Emissionen auf nahezuNull zu senken. Dies erfordert die vollständigeUmstellung der Energieerzeugung auferneuerbare Quellen. Wie dies technischgelingen kann, hat das Umweltbundesamt(UBA) in seiner Studie „TreibhausgasneutralesDeutschland im Jahr 2050“ [UBA2013a] gezeigt. Allerdings besteht in wichtigenBereichen wie der Wasserstofftechnologienoch erheblicher Forschungs- undEntwicklungsbedarf.Technische Lösungen allein reichen jedochnicht aus, um zum Ziel zu gelangen.Ein Beispiel ist der Verkehrssektor. Hiermüssen technische Verbesserungen anden Fahrzeugen durch Maßnahmen zurVerkehrsvermeidung und -verlagerungauf umweltverträgliche Verkehrsträgerergänzt werden, damit nicht ein erhöhtesVerkehrsaufkommen die sinkenden Emissionendes einzelnen Fahrzeugs kompensiert.Ein anderes Beispiel bietet die Landwirtschaft.Würden die Tierbestände bei gleichbleibendem Fleischkonsum der Bevölkerungverringert, sänke zwar der Treibhausgas-Ausstoßder deutschen Landwirtschaft,ausländische Anbieter würden jedoch dieAngebotslücke füllen und ihre heimischenTierbestände aufstocken – global gesehenein Nullsummenspiel.Dieses Beispiel zeigt auch, dass in einerglobalisierten und wirtschaftlich verflochtenenWelt kein Land allein handeln kann.So wird die Einhaltung des „Eine-Tonnepro-Kopf“-Zielesin Deutschland nur gelingen,wenn die EU anspruchsvolle Ziele fürdie Minderung der Treibhausgas-Emissionenin der ganzen Union umsetzt und dieWeltgemeinschaft sich auf verbindlicheZusagen zur Treibhausgas-Reduktioneinigt.Pro-Kopf-Emissionen sinken, sind aber immer noch zu hochDie Treibhausgas-Emissionen pro Kopf sanken in Deutschland zwischen 1990 und 2012 um etwa26 % und liegen nun bei 11,7 t. Dass sie zwischen 2010 und 2012 weitgehend stabil blieben, lagvor allem an der Bevölkerungszahl, auf der die Berechnung basiert: Als Ergebnis des Zensuswurde Anfang 2011 die Bevölkerungszahl nach unten korrigiert. Dadurch wurde 2011 nur nochmit 80,3 Mio. Einwohnern gerechnet (2010: 81,8 Mio. Einwohner).Wenn die deutschen Treibhausgas-Emissionen insgesamt auch nur einen geringen Teil derweltweiten Emissionen ausmachen (2010: etwa 2 %), so sind sie, bezogen auf die Bevölkerung,doch viel zu hoch. So lag Deutschland im Jahr 2011 über dem EU-Durchschnitt von rund 9 tKohlendioxid-Äquivalenten pro Kopf. Wenn die Industrieländer eine Erwärmung der Erdatmosphäreum mehr als 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau verhindern wollen, müssensie ihre Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 auf etwa 1 t Kohlendioxid-Äquivalent proKopf absenken. Technisch ist dies möglich. Dazu muss der Endenergieverbrauch in Deutschlanddurch Ausschöpfung bestehender Effizienzpotenziale soweit wie möglich gesenkt und der verbleibendeEnergiebedarf (Strom, Wärme, Kraftstoffe) aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden.Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Wasserstofftechnologie. Es bedarf allerdings noch intensiverForschung und erheblichen technischen Entwicklungsaufwandes, um dieses Ziel zu erreichen.21


Entwicklung derKohlendioxid-KonzentrationenKohlendioxid-Konzentration (Monatsmittel)Kohlendioxid in parts per million* bezogen auf das Volumen (ppmV)4104003903803703603503403303203101955195719591961196319651967196919711973197519771979198119831985Schauinsland Mauna Loa, Hawaii Zugspitze Welttrend WMO* 1 ppm = 10 -6 = 1 Teil pro Million = 0,0001 %Anstieg der Kohlendioxid-Konzentrationen durchEmissionsminderung begrenzen198719891991199319951997199920012003200520072009201120132015Quelle: Umweltbundesamt (Schauinsland, Zugspitze), World Data Centre forGreenhouse Gases (Mauna Loa, Hawaii), World Meteorological OrganizationDie wichtigste Ursache für die globale Erwärmung sind vom Menschen produzierte Treibhausgase.Bedingt durch seine hohe atmosphärische Konzentration ist Kohlendioxid nach Wasserdampfdas wichtigste Klimagas. Die globale Konzentration von Kohlendioxid ist seit Beginn derIndustrialisierung ab 1750 um 40 % gestiegen. Demgegenüber war die Kohlendioxid-Konzentrationin den vorangegangenen 10.000 Jahren annähernd konstant. Sie steigt jetzt etwa 100-malschneller als jemals zuvor in der Vergangenheit.Um die angestrebte Zwei-Grad-Obergrenze einzuhalten, müsste die gesamte Treibhausgas-Konzentrationin der Atmosphäre bis zum Jahrhundertende bei rund 450 parts per million (Teile proMillionen Teile, ppm) Kohlendioxid-Äquivalenten stabilisiert werden.22 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Durch das Verbrennen fossiler Energieträger(wie zum Beispiel Kohle und Erdöl)und durch großflächige Entwaldung wirdKohlendioxid in der Atmosphäre angereichert.Land- und Viehwirtschaft verursachenGase wie Methan und Distickstoffoxid(Lachgas). Kohlendioxid, Methan undLachgas gehören zu den treibhauswirksamenGasen. Eine Ansammlung dieser Gasein der Atmosphäre führt in der Tendenz zueiner Erwärmung der unteren Luftschichten.Seit Beginn der Industrialisierungverursachen menschliche Aktivitäten eineständige Zunahme der atmosphärischenKonzentration von Treibhausgasen. DieseAnreicherung wurde durch die Wissenschaftunzweifelhaft nachgewiesen.SEIT 175040%ANSTIEGKOHLENDIOXIDKONZENTRATIONLange Messreihen ergeben ein zuverlässigesMaß für den globalen Anstieg der Kohlendioxid-Konzentrationin der Atmosphäre.Dank ihrer Genauigkeit ermöglichen siees, den Effekt der Verbrennung fossilerBrennstoffe von natürlichen Konzentrations-Schwankungenzu unterscheiden.Auf dieser Grundlage kann die langfristigeVeränderung des Kohlendioxid-Vorratsin der Atmosphäre mit Klimamodellenanalysiert werden. Während in den1950er-Jahren der jährliche Anstieg imMittel noch bei 0,55 ppm Kohlendioxid proKubikmeter (m³) Luft lag, stieg er im vergangenenJahrzehnt auf etwa 1,9 ppm proJahr. Gegenüber den 1950er-Jahren wurdedamit der globale Kohlendioxid-Anstiegmehr als verdreifacht.Die globale Kohlendioxid-Konzentrationliegt gegenwärtig knapp unter 400 ppmKohlendioxid. Hinzu kommen Konzentrationenweiterer Treibhausgase, die zumweltweiten Klimawandel beitragen.Um die angestrebte Zwei-Grad-Obergrenzeder atmosphärischen Temperaturerhöhungmit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens66 % einzuhalten, müsste die gesamteTreibhausgas-Konzentration (Kohlendioxid,Methan, Lachgas und F-Gase) in derAtmosphäre bis zum Jahrhundertende beirund 450 ppm Kohlendioxid-Äquivalentenstabilisiert werden. Dabei ist eine kurzfristigeÜberschreitung dieses Konzentrationsniveausmöglich. Um die angestrebteStabilisierung zu erreichen, müssendie globalen Treibhausgas-Emissionengesenkt werden. In den meisten Szenariendes Welt-Klimarates (IPCC) entspricht dieseiner Menge von weltweiten Treibhausgas-Emissionen zwischen 30 und 50 MilliardenTonnen (Mrd. t) Kohlendioxid-Äquivalentenim Jahr 2030. Im weiteren Verlaufbis 2050 müssten die Emissionen weltweitzwischen 40 % und 70 % unter das Niveauvon 2010 gesenkt werden und bis Endedes Jahrhunderts auf nahezu null sinken.Dazu sind verbindliche Zielsetzungenim Rahmen einer globalen Klimaschutzvereinbarungerforderlich. Die nächstenVerhandlungen dazu werden im Dezember2015 auf der Klimakonferenz in Parisstattfinden.23


Trends der LufttemperaturJährliche mittlere Tagesmitteltemperatur in Deutschland 1881 bis 2014Grad Celsius11,010,510,09,59,08,58,07,57,06,56,01880 1890 1900 1910 1920 1930 1940 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010Einzelwerte Mittelwert 1981–2010 Linearer TrendQuelle: Deutscher Wetterdienst (DWD), Mitteilung vom 20. April 2015Der Klimawandel manifestiert sich bereits inlangsam steigenden Durchschnittstemperaturen.Hinzu kommt eine veränderte Klimavariabilität,also stärkere Klimaschwankungenund häufigere Extremwetter-Ereignissewie Stürme, Dürren oder Hitzesommer. DieKlimafolgen sind also vielfältig und habenEinfluss auf unser tägliches Leben, aberauch auf die Natur.Der langfristige Temperaturanstieg imFrühling und im Sommer unterscheidetsich mit 1,3 °C bzw. 1,2 °C seit 1881 kaumvom Trend der Jahresmitteltemperaturen.Speziell die Jahre seit Ende der 1980er Jahrewaren besonders warm. Die vier bisherwärmsten Frühjahre finden sich mit denJahren 2014, 2011, 2007 und 2000 im 21.Jahrhundert, während der Sommer 2014als 25-wärmster seit 1881 nicht besondersheraussticht.Der Herbst zeigt ebenfalls einen markanten,statistisch signifikanten Temperaturanstiegvon 1,2 °C seit 1881. Allerdingsberuht die Erwärmung zu großen Teilenauf einem raschen Sprung in den 1920erJahren. Seither sind die Herbsttempera-24 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


turen weitestgehend konstant geblieben.Nur der Herbst 2006 sticht als bei weitemwärmster Herbst seit Ende des 19. Jahrhundertshervor.Im Winter findet sich mit 1,0 °C ein etwasgeringerer und statistisch derzeit auchnicht signifikanter Trend. Die Zeitreiheist durch eine Häufung besonders kalterWinter und das Fehlen sehr milder Winterin der Mitte des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet.Die Jahre seit dem Endeder 1980er Jahre waren allerdings auchzu dieser Jahreszeit zumeist sehr mild.Sieben davon (in absteigender Reihenfolge2006/2007, 1989/1990, 1988/1989,2007/2008, 1997/1998, 1994/1995,1987/1988) gehören zu den zehn wärmstenWintern der letzten 132 Jahre.Die Jahre werden nicht nur wärmer, in derFolge verschiebt sich der jahreszeitlicheEntwicklungsgang von Pflanzen und Tieren(Phänologie). So blühen beispielsweiseSchneeglöckchen, die den Eintritt desVorfrühlings anzeigen, und Apfelbäume,die den Vollfrühling anzeigen, früher (fast5 Tage/Jahrzehnt). Waldbäume treibenin vielen Ländern Europas eher aus (ca.5 Tage/Jahrzehnt). Dies belegt, dass sichdurch ein verändertes Temperaturniveaudie Eintrittszeit und die Dauer der einzelnenJahreszeiten verändert hat.Die Auswirkungen der Verschiebungenphänologischer Phasen auf die Beständevon Tieren und Pflanzen sind komplexund bisher erst in Ansätzen geklärt. So reagierenetwa bestimmte Vogelarten mit erhöhtemBruterfolg infolge kürzerer Winter.Bei Pflanzenarten und ihren Bestäubernoder Fraßfeinden und in Räuber-Beute-Systemen kann sich die Veränderungin der zeitlichen Abstimmung hingegennegativ auf die Bestandsentwicklung vonArten auswirken.Deutschland wird wärmerDas Jahr 2014 war global das wärmste Jahr seit 1881, dem Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen.Mit einer Mitteltemperatur von 10,3 °C war es auch das bisher wärmste in Deutschlandbeobachtete Jahr. Erstmals erreichte die Jahresmitteltemperatur einen zweistelligen Wert.Weltweit gehörten die ersten vierzehn Jahre des 21. Jahrhunderts durchweg zu den fünfzehnwärmsten Jahren seit 1881. Auch in Deutschland waren diese vierzehn Jahre im Mittel wärmer alsjedes Jahrzehnt seit dem Beginn flächendeckender Aufzeichnungen im Jahr 1881.Dieser Trend lässt sich auch für die Jahreszeiten Frühling und Sommer nachweisen. Für denWinter ist der Zusammenhang schwächer und nicht statistisch signifikant. Das hat Auswirkungenauf die Natur. Die Klimaveränderung ist in Deutschland inzwischen so deutlich, dass ersteAuswirkungen auf die Pflanzenwelt zu erkennen sind.25


Energieverbrauch und EnergiewendeEntwicklung des Primärenergieverbrauchs 1) in Deutschland nach Energieträgern mit ZielenPetajoule16.00014.90514.00014.38013.07712.00011.50410.0008.0007.1906.0004.0002.00001990 1995 2000 2005 2010 2014* 2020 2) 2050 2)Steinkohlen Braunkohlen Mineralöle Gase Kernenergie Erneuerbare Energien Sonstige Energieträger 3)1) Berechnungen auf der Basis des Wirkungsgradansatzes2) Ziele des Energiekonzeptes des Bundesregierung: Senkung des Primärenergieverbrauchs bis 2020um 20 % und bis 2050 um 50 % (Basisjahr 2008)3) Sonstige Energieträger: Grubengas, Nichterneuerbare Abfälle und Abwärme sowie der Stromaustauschsaldo* 2014: vorläufige AngabenQuelle für 1990 bis 2012: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Auswertungstabellen zur Energiebilanz für dieBundesrepublik Deutschland 1990 bis 2013, Stand 09/2014; Quelle für 2013 bis 2014: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen,Primärenergieverbrauch in der Bundesrepublik Deutschland 2013/2014, Stand 03/2015Energieverbrauch absolut senken:ein wichtiger Baustein der EnergiewendeDie Senkung des Primärenergieverbrauchs ist neben dem Ausbau der erneuerbaren Energienund der Steigerung der Energieeffizienz ein wichtiger Baustein der Energiewende. Ziele sind imEnergiekonzept der Bundesregierung festgelegt.Der Primärenergieverbrauch ist im Jahre 2014 im Vergleich zu 1990 um 12 % gesunken. Im Jahr2014 wurde gegenüber dem Jahr 2013 deutlich weniger Energie verbraucht. Dies war vor allemauf den warmen Winter zurückzuführen. Die erneuerbaren Energien haben unter allen Energieträgernden stärksten Zuwachs. Ihr Anteil ist seit 1990 um das Siebenfache gestiegen.Das im Jahr 2010 beschlossene Energiekonzept der Bundesregierung [Bundesregierung 2010]sieht vor, dass der Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 um 20 % und bis 2050 um 50 %jeweils gegenüber dem Verbrauch im Jahr 2008 gesenkt wird. Der bisherige Trend reicht nichtaus, um diese Ziele zu erreichen.26 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Im letzten Jahrhundert ist der Energieverbrauchweltweit extrem angestiegen undwächst weiterhin rasant. Die internationaleEnergieagentur geht davon aus, dassder globale Primärenergiebedarf von 2008bis 2035 um weitere 47 % steigen wird.Insbesondere Industrieländer haben einenbesonders hohen Pro-Kopf-Verbrauch.Mit der Nutzung von Energie sind eineReihe schädlicher Auswirkungen fürdie Umwelt verbunden. Werden fossileEnergieträger gefördert, kommt es häufigzu starken Eingriffen in Ökosysteme.Bei der Verbrennung fossiler Energienentstehen klimaschädliche Emissionenund gesundheitsschädliche Schadstoffe.Die heutige übermäßige Nutzung derEnergieressourcen schränkt die Handlungsmöglichkeitenkünftiger Generationenein.Um die negativen Auswirkungen der Energienutzungzu verringern, sind vor allemzwei Strategien nötig: Einerseits muss dergesamte Energieverbrauch gesenkt werden,hierfür kommen vor allem Energieeffizienzmaßnahmenund Energieeinsparungenin Frage. Andererseits muss dasEnergiesystem auf umweltfreundlichereEnergieformen wie erneuerbare Energienumgestellt werden.Seit 1990 veränderte sich der Energieträgermix in Deutschland stark. Der Braunkohleeinsatzhat sich halbiert, der Gasverbrauch stieg beträchtlich an und erneuerbareEnergieträger sind massiv gewachsen:▸▸▸▸▸▸▸▸Von der in Deutschland im Jahr 2014 verbrauchten Primärenergie entfiel gut einDrittel auf Mineralölprodukte und ein Fünftel auf Erdgas.Steinkohle, Braunkohle und Kernenergie lieferten jeweils rund ein Zehntel desPrimärenergieverbrauchs.Der Anteil der erneuerbaren Energieträger am Primärenergieverbrauch erhöhtesich seit 1990 deutlich: Er stieg von 1,3 % im Jahr 1990 auf 11,1 % im Jahr 2014.Ein relativ konstant bleibender Anteil von rund 7 % im Jahr 2013 der fossilenEnergieträger wurde für den nichtenergetischen Verbrauch verwendet, wichtigsterVerbraucher war die petrochemische Industrie.Das im Jahre 2010 beschlossene Energiekonzeptbeschreibt die energiepolitischeAusrichtung Deutschlands bis zum Jahr2050. Es läutete die „Energiewende“ ein,die als „ein richtiger und notwendigerSchritt auf dem Weg in eine Industriegesellschaft,die dem Gedanken derNachhaltigkeit folgt“, betrachtet werdenkann [Koalitionsvertrag 2013]. Demnachsoll der Primärenergieverbrauch bis zumJahr 2020 um 20 % und bis 2050 um 50 %jeweils gegenüber dem Verbrauch imJahr 2008 gesenkt werden. Um die Zieleder Bundesregierung zu erreichen, sindfür beide Strategieansätze ambitionierteMaßnahmen nötig.27


Energieverbrauch nachAnwendungsbereichenEnergieverbrauch in allen Anwendungsbereichen senkenDer Endenergieverbrauch lässt sich nach verschiedenen Anwendungsbereichen und Energieträgerndarstellen. Verkehr, Industrie und private Haushalte sind für jeweils knapp 30 % desEnergieverbrauchs verantwortlich, der Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen für 15 %.Der Endenergieverbrauch ging in der Industrie sowie im Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungenseit 1990 merklich zurück. Im Jahr 1990 hatte der Industriesektor noch den deutlichgrößten Anteil am Energieverbrauch. In den privaten Haushalten und für den Verkehr wurde imgleichen Zeitraum immer mehr Energie verbraucht. Insgesamt ist der Energieverbrauch im Jahr2013 gegenüber 1990 leicht um 2 % gesunken, es gibt jedoch deutliche Schwankungen zwischeneinzelnen Jahren.Der Energieverbrauch lässt sich entlangder Energieumwandlungskette betrachten.Die Primärenergie wird unter Energieverlustenin Endenergie (zum Beispiel Stromund Fernwärme) überführt, welche unterweiteren Umwandlungsverlusten am Endein der Bereitstellung von Nutzenergie fürdie jeweiligen Endgeräte mündet.Sektorspezifisch wurden ab dem Jahr 1990in der Industrie sowie im Sektor Gewerbe,Handel und Dienstleistungen (GHD)merkliche Rückgänge beim Endenergieverbraucherreicht. Bei den privaten Haushaltenund im Verkehr stieg der absoluteVerbrauch bezogen auf den Gesamtverbrauchjedoch an.Anwendungsspezifisch betrachtet kam esim gleichen Zeitraum im Bereich Wärme,der etwa die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchsausmacht, zu einerMinderung von 12 %. Der Verbrauch imBereich Kraftstoffe, dessen Anteil rund30 % beträgt, steigerte sich seit 1990 um5 %. Im Bereich Strom werden 20 % der gesamtenEndenergie verbraucht, hier stiegder Verbrauch über alle Sektoren hinwegum insgesamt 13 %.▸▸Wer sein Rechenzentrum optimiert,kann 40 bis 50 Prozent Energie sparen.28 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Endenergieverbrauch 2013* nach Sektoren und EnergieträgernEndenergieverbrauch28 %72628 %733VerkehrIndustrieHaushalteGewerbe, Handel und Dienstleistungen15 %392in TWh28 %723Stein- und BraunkohlenMineralölprodukteGaseStrom (inkl. Erneuerbare Energien)FernwärmeErneuerbare WärmeSonstigeVERKEHRINDUSTRIE2 12315924 2211136in TWh228in TWh254681GEWERBE, HANDEL UND DIENSTLEISTUNGENHAUSHALTE13 26 19150809157137in TWh138in TWh125289* vorläufige AngabenQuelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen: Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990 bis 2013, Stand 09/201429


EnergieeinsparungSzenarien zum Endenergieverbrauch in Deutschland 2008* und 2030Terawattstunden2.5002.5502.3172.0007517161.9971.5001.000500699633396333703 6356226012764970Verkehr2008IndustrieHaushalteGewerbe„Trend“2030„Potenzial“*Die historischen Energiebilanzdaten für 2008 sind inzwischen veraltet und wurden geringfügig korrigiert.Quelle: Matthes et al., Politikszenarien für den Klimaschutz VI, Dessau-Roßlau 2012Wie viel Energie können wir einsparen?Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die zeigen, dass der Einsatz von Energie ohne Komfortverlustsparsamer und energieeffizienter geschehen kann. Dabei sind die Ergebnisse naturgemäßimmer abhängig von den gewählten Annahmen (auf denen die Berechnungen aufbauen) undbeschreiben jeweils nur eine mögliche Entwicklung. Die Studie Politikszenarien VI [UBA 2013b]ergab, dass der Endenergieverbrauch in Deutschland unter den gegenwärtigen Randbedingungenum 9 % auf 2.317 TWh im Jahr 2030 sinken könnte (Trend- bzw. „Aktuelle-Politik“-Szenario).Unternimmt man zusätzliche Anstrengungen, könnte der Endenergieverbrauch sogar um 22 %auf 1.997 TWh sinken (Potenzial- bzw. „Energiewende“-Szenario).30 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Maßnahmen zur Energieeinsparungmüssen sich an alle Anwendungsbereicherichten.▸▸▸▸Bei den Haushalten spiegelt sich dasHeizverhalten wider. Über die Jahre istdie durchschnittliche Wohnfläche proKopf gestiegen, die Raumwärme machtnun rund drei Viertel des Energieverbrauchsin Haushalten aus. Erdgasund Heizöl weisen hier den höchstenVerbrauch auf, auch erneuerbare Wärmeund Fernwärme werden verstärkt indiesem Sektor eingesetzt. Anreize zumEinsatz effizienter Heizsysteme, zur Gebäudedämmungund zur Erschließungvon Stromeinsparpotenzialen sinddaher wichtige Ansatzpunkte.Der Sektor Gewerbe, Handel, Dienstleistungenist ebenfalls vom Heizverhaltendominiert. Raumwärme machtdie Hälfte des Endenergieverbrauchsaus. Gleichzeitig wird viel Stromverbraucht, was auf den verstärktenEinsatz von mechanischer Energie etwazum Betrieb elektrischer Geräte undMotoren sowie Beleuchtung zurückzuführenist.▸▸▸▸Zwei Drittel des Endenergieverbrauchsder Industrie wird für Prozesswärmebenötigt. Mechanische Energie sorgtfür ein Viertel des Verbrauchs, Raumwärmehat nur einen kleinen Anteil.Im Verkehrssektor werden zu über90 % Kraftstoffe aus Mineralöl eingesetzt.Biokraftstoffe und Strom spielenbislang nur eine geringfügige Rolle.Fast die gesamte im Verkehr genutzteEnergie wird in mechanische Energieumgesetzt.Das Energiekonzept der Bundesregierungsieht für den Verkehrsbereich die Senkungdes Endenergieverbrauchs um 10 % biszum Jahr 2020 und um 40 % bis zum Jahr2050 vor.Im Gebäudebestand sind die Ziele desEnergiekonzepts eine Senkung desPrimärenergiebedarfs in der Größenordnungvon -80 % bis 2050 (klimaneutralerGebäudebestand) und eine Senkung desWärmebedarfs um 20 % bis zum Jahr 2020,sowie eine Verdoppelung der Sanierungsrateauf 2 % pro Jahr.31


EnergieeffizienzEnergieproduktivitätIndex 1990 = 100200180ZIEL200160156,114012010080604019901991* vorläufige AngabenQuelle: Bruttoinlandsprodukt – Statistisches Bundesamt, Fachserie 18 Reihe 1.5, Stand 02/2015; Primär- und Endenergieverbrauch– AG Energiebilanzen: Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990-2013, Stand 09/2014; AG Energiebilanzen,Primärenergieverbrauch in der Bundesrepublik Deutschland (2013/2014), Stand 10.03.2015; Zielwert Primärenergieverbrauch2020 und 2050 – eigene Berechnung auf Basis des Energiekonzept der Bundesregierung, Stand 28.09.201087,819921993199419951996199719981999200020012002200320042005200620072008200920102011201220132014*Primärenergieverbrauch einschließlich Ziel des Energiekonzepts für 2020Primärenergieproduktivität einschließlich Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie für 2020BIP preisbereinigt, verkettetDie Erhöhung der Energieproduktivität(Energieeffizienz) ist ein wesentlichesElement für Ressourcenschonung und imKampf gegen die Klimaerwärmung. Ohnezusätzliche Maßnahmen zur Steigerungder Energieeffizienz wird der weltweiteEnergieverbrauch weiter zunehmen, mitdrastischen Folgen für die Umwelt. DieSteigerung der Effizienz ist auch ökonomischsinnvoll. Denn höhere Effizienzbedeutet, das gleiche Inlandsprodukt mitweniger Ressourcen herzustellen. Das137,0ZIEL77,2201520162017201820192020ZIEL48,22050verringert die Umweltbelastung und spartzugleich Geld. Die Wirtschaft profitiertvon einer verbesserten Energieeffizienzlangfristig. Energieeffiziente ProdukteMade in Germany verkaufen sich weltweitgut. Bei steigenden Energiepreisen in derZukunft lohnt es sich heute umso mehr,in sparsame Techniken zu investieren.Auch private Haushalte können Geldsparen, wenn sie zum Beispiel beim Kauflanglebiger Konsumgüter auf eine hoheEnergieeffizienz achten.32 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Energie effizient nutzenDie Energieproduktivität gibt das Verhältnis von Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Primärenergieverbrauchwieder. Sie kann als Maßstab für die Effizienz im Umgang mit Energieressourcendienen. Die Energieproduktivität hat sich in Deutschland von 1990 bis 2014 um 56 % erhöht.Dieser Anstieg signalisiert zwar eine effizientere Energienutzung, geht aber nur mit einemgeringen Rückgang des Primärenergieverbrauchs einher (minus 12 % seit 1990). Die Produktivitätssteigerungist daher überwiegend auf das Wirtschaftswachstum um 35 % in diesem Zeitraumzurückzuführen. Dieser langfristigen Entwicklung gegenüber steht ein drastischer Rückgang desPrimärenergieverbrauchs um 5 % im sehr warmen Jahr 2014, der die Produktivität im Vergleichzum Vorjahr um 21 % sprunghaft ansteigen ließ. Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung[Bundesregierung 2002] ist es, die Energieproduktivität bis 2020 im Vergleich zu 1990zu verdoppeln. Betrachtet man jedoch die Trendentwicklung der letzten fünf Jahre, wird diesesVerdopplungsziel schwer zu erreichen sein.Verbesserungen in der Infrastruktur beiKraftwerken (Neu- und Umbau sowieErhöhung der Wirkungsgrade) haben zurErhöhung der Energieeffizienz beigetragen.In allen Wirtschaftsbereichen undin privaten Haushalten konnten Einsparpotenzialeerschlossen und die Effizienzerhöht werden. Beispielsweise führten erhöhteAnforderungen an die energetischeQualität bei Neubauten zu Energieeinsparungenund verringerten Kohlendioxid-Emissionen im Gebäudebereich.Deutschland kann das Ziel bei der Energieproduktivitätjedoch nur mit weiterenMaßnahmen bei Energieaufkommen und-verwendung erreichen. Beispiele sind derAusbau dezentraler Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung, denn diese senken imVergleich zu konventionellen Kraftwerkendie Energieverluste bei der Umwandlung.Auch die energetische Sanierung derGebäude – unterstützt durch Instrumentewie Energieausweis und Heizspiegel –bietet weiteres Einsparpotenzial.33


Erneuerbare EnergienAnteil erneuerbarer Energien am gesamten Primärenergieverbrauch und am gesamtenEndenergieverbrauchProzent141212,212,41087,77,99,38,08,68,99,79,910,310,811,410,310,411,164203,74,01,32,02,92,93,24,43,85,04,55,75,36,76,31990 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014***Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Primärenergieverbrauch*Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch (Strom, Wärme, Kraftstoffe)*** Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB), berechnet nach Wirkungsgradmethode; Stand: 02/2015, vorläufige Angaben** berechnet ohne Berücksichtigung spezieller Rechenvorgaben der EU-Richtlinie 2009/28/EG*** Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch: Daten für 2014 liegen noch nicht vorQuelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Hrsg.): Zeitreihen zurEntwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland, Stand 02/2015Erneuerbare Energien sind Wind- undSonnenenergie, Biomasse, Geothermie undWasserkraft. Sie können einen erheblichenBeitrag zum Klimaschutz leisten. Außerdemtragen sie zur Versorgungssicherheitund zur Vermeidung von Rohstoffkonfliktenbei. Nach Deutschland importiertwerden vor allem fossile Energieträger wieMineralöl, Gas, Steinkohle sowie Uran.Der Ausbau erneuerbarer Energien hilftEnergieimporte einzusparen und erhöhtdie Wertschöpfung im Inland.Sowohl die EU als auch die deutsche Bundesregierunghaben sich Ziele zum Ausbauder erneuerbaren Energien gesetzt:Europaweit soll der Anteil erneuerbarerEnergien bis 2030 bei mindestens 27 %des Primärenergieverbrauchs liegen. Diefür Deutschland verbindlich festgelegtenZiele beinhalten, den Anteil erneuerbarerEnergien am Endenergieverbrauch bis2020 auf 18 % und bis 2050 auf 60 % zusteigern.34 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Den Anteil erneuerbarer Energien am Energieverbrauch weiter erhöhenIm Jahr 2014 wurden 11,1 % des Primärenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt– ein Anstieg von 0,7 % gegenüber dem Vorjahr. Beim gesamten Endenergieverbrauch stieg derAnteil regenerativer Energien gegenüber dem Jahr 2012 um 0,2 % und lag im Jahr 2013 bei 12,4 %(Angaben für 2014 liegen noch nicht vor). Die Bundesregierung will den Anteil erneuerbarerEnergien am Endenergieverbrauch bis 2020 auf 18 % und bis 2050 auf 60 % steigern.2013 hatten ein kalter Winter und der damit verbundene hohe Heizenergiebedarf, der nicht durchdie Nutzung erneuerbarer Energieträger aufgefangen werden konnte, für nahezu stagnierendeAnteile der erneuerbaren Energien am Primär- und Endenergieverbrauch gesorgt. 2014 stieg derAnteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch wieder um 0,7 Prozentpunkte.Der Anteil erneuerbarer Energien an den Endenergiesektoren spiegelt gegenläufige Entwicklungenim Jahr 2014 wider: Einerseits stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauchweiterhin stark an (von 3,4 % im Jahr 1990 und 25,4 % im Jahr 2013 auf 27,8 % im Jahr 2014).Gleichzeitig stagnierte der Anteil regenerativer Energien im Wärmesektor 2014 bei 9,9 % derWärmebereitstellung. Im Verkehrssektor sank der Anteil der Erneuerbaren sogar um 0,1 % aufnunmehr 5,4 % des gesamten Kraftstoffverbrauchs.Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch für Strom, Wärme undKraftstoffeProzent3027,82523,725,420,42015109,5 9,89,99,953,46,24,05,7 6,15,55,402,1 0,50,11990 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014**Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (bezogen auf gesamten Stromverbrauch)Wärmebereitstellung aus erneuerbaren Energien (bezogen auf gesamte Wärmebereitstellung)Kraftstoffverbrauch aus erneuerbaren Energien* (bezogen auf gesamten Kraftstoffverbrauch)* bis 2002 Bezugsgröße Kraftstoffverbrauch im Straßenverkehr, ab 2003 gesamter Verbrauch an Motorkraftstoff, ohne Flugbenzin** vorläufige AngabenQuelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Hrsg.): Zeitreihen zur Entwicklung dererneuerbaren Energien in Deutschland unter Verwendung der Daten der AGEE-Stat, Stand 02/201535


Durch den Einsatz erneuerbarerEnergien vermiedeneTreibhausgas-EmissionenDurch den Einsatz erneuerbarer Energien vermiedene Treibhausgas-EmissionenTausend Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente160.000147.869140.000120.000100.00080.00060.00040.00020.000031.2601990199119921993199419951996199719981999200020012002200320042005200620072008200920102011201220132014**durch EE Bruttostromerzeugung durch EE Endenergieverbrauch Wärme durch EE Endenergieverbrauch Verkehr** ohne Berücksichtigung des Stromverbrauchs im Verkehrssektor;unter Verwendung der typischen THG-Werte für Biokraftstoffe nach RL 2009/28/EG** vorläufige AngabenQuelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Hrsg.): Zeitreihen zurEntwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland, Stand 02/2015Steigt der Anteil erneuerbarer Energien inden Bereichen Stromerzeugung, Wärmeerzeugungund Verkehr, sinkt zugleichder Anteil fossiler Energien. Der gleicheBedarf an Endenergie etwa für Strom, zumHeizen und zum Autofahren kann dahermit weniger klimaschädlichen Emissionenzur Verfügung gestellt werden. Auf der anderenSeite ist die Nutzung erneuerbarerEnergien auch mit Emissionen verbunden,die gegenzurechnen sind. Beispielsweisewerden auch bei der Verbrennung vonHolz Luftschadstoffe freigesetzt.In regelmäßigen Abständen berechnetund veröffentlicht das UBA im Auftrag derArbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik(AGEE-Stat) [UBA 2014a] die „Emissionsbilanzerneuerbarer Energieträger“.Darin werden erneuerbare Energieträger36 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Ausbau erneuerbarer Energien zur Erreichung der KlimaschutzzieleDer Ausbau erneuerbarer Energien trägt wesentlich zur Erreichung der Klimaschutzziele inDeutschland bei. Insgesamt werden in allen Verbrauchsbereichen (Strom, Wärme und Verkehr)fossile Energieträger zunehmend durch erneuerbare Energien ersetzt. Die dadurch eingespartenTreibhausgas-Emissionen sind ein zentraler Baustein auf dem Weg zu einem treibhausgasneutralenDeutschland. Im Jahr 2013 wurden insgesamt rund 146 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalentedurch den Einsatz erneuerbarer Energien vermieden, das waren rund fünfmal so viel wie 1990.Basierend auf ersten vorläufigen Schätzungen zur Nutzung der erneuerbaren Energien kann fürdas Jahr 2014 eine Treibhaus gasvermeidung von rund 148 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalentenangenommen werden [BMWi 2015], damit setzt sich der Trend immer größerer Emissionsvermeidungdurch den Einsatz von erneuerbaren Energien fort. Rund 74 % davon waren der Strombereitstellungaus Erneuerbaren zuzurechnen. Der Wärmebereich trug rund 23 % zur Emissionsminderungbei, der Verkehr weitere 3 %.Auch die Erhöhung der Energieeffizienz verringert Treibhausgasemissionen. Hierzu liegen jedochbisher noch keine vergleichbar validen Abschätzungen vor.im Hinblick auf ihre Treibhaus- und Luftschadstoffbilanzenuntersucht. VorläufigeErgebnisse zeigen, dass durch den Ausbauerneuerbarer Energien im Jahr 2014 insgesamtTreibhausgas-Emissionen von rund148 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalentenvermieden wurden. Nach Berechnungendes UBA bedeutet dies, dass die Treibhausgasemissionenim Jahr 2014 ohne dieNutzung der erneuerbaren Energien inder Größenordnung von rund 16 % höhergewesen wären.Auf den Stromsektor entfielen Einsparungenin Höhe von rund 109 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalenten.Davon sind rund80 Mio. t auf die Strommenge mit EEG-Vergütungsanspruch zurückzuführen.Durch die Nutzung erneuerbarer Energienim Wärmesektor wurden Treibhausgasein Höhe von rund 34 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalenten vermieden, durch Biokraftstofferund 5 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalente.Dagegen ergibt sich bei weiteren untersuchtenLuftschadstoffen ein gemischtesBild: Während bei der Stromerzeugungaus Sonne, Wind und Wasser Luftschadstoffein erheblichem Maße vermiedenwerden, führt beispielsweise das Verbrennenvon Holz oder anderer Biomasse zuhöheren Staubemissionen. BegleitendeMaßnahmen, wie die sukzessive Verschärfungder Anforderungen an Kachel- undKaminöfen, sind deshalb der richtige undnotwendige Weg, um die Vorteile der erneuerbarenEnergien optimal zu nutzen.2014EINSPARUNG DURCHERNEUERBARE ENERGIEN148Mio. t Kohlendioxid-Äquivalente37


Kraft-Wärme-KopplungAnteil der KWK-Nettostromerzeugung an der GesamtnettostromerzeugungProzent3025,02013,813,9 14,014,7 14,715,516,9 17,3 17,7 18,0 18,11002003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013* ZIEL2020* vorläufige AngabenQuelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen: Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990 bis 2013,Stand 09/2014; BMWi (2014) Monitoring-Bericht zur Energiewende, S. 46In Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen wirddie mit der Stromerzeugung entstehendeWärme ebenfalls genutzt. Sie haben dahereinen sehr viel höheren Wirkungsgradals die Stromerzeugung in ungekoppeltenSystemen. Bis zu 90 % des Energiegehaltsdes Brennstoffs lässt sich so inNutzenergie umwandeln. Im Vergleich zueiner Anlage auf dem neusten Stand derTechnik, die Strom und Wärme separaterzeugt, sind etwa 25 % Einsparungenan Primärenergie möglich. Daher ist dieStrom- und Wärmeerzeugung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen mit sehr vielweniger Umweltbelastungen verbunden.Für die Kraft-Wärme-Kopplung gibt esverschiedenste Anwendungsfelder. Zu unterscheidensind etwa KWK-Anlagen, dieFern- beziehungsweise Nahwärmenetzespeisen oder die den betrieblichen Prozesswärmebedarfdecken. Eine besondereKWK-Eignung liegt vor, wenn über dasJahr gleichmäßiger und hoher Wärmebedarfbesteht.Der stärkeren Ausschöpfung der wirtschaftlichenKWK-Potenziale kommt imZuge einer klima-und ressourcenschonendenEnergiepolitik eine hohe Relevanzzu. Basierend auf dem KWK-Gesetz von2012 wird für den Anteil der Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung ein Zielvon 25 % bis 2020 vorgegeben.38 KLIMASCHUTZ UND ENERGIE Daten zur Umwelt 2015


Umweltschutz durch AbwärmenutzungDie Stromerzeugung aus Anlagen der Kraft-Wärmekopplung (KWK) ist im Zeitraum 2003 bis 2013insgesamt von knapp 78 Terawattstunden (TWh) auf 108 TWh, also um fast 30 TWh gestiegen.Der Anteil der KWK-Nettostromerzeugung an der Gesamtnettostromerzeugung hat damit in denletzten Jahren langsam, aber stetig zugenommen. Lag er im Jahr 2003 bei 13,8 %, so belief ersich 2013 auf etwa 18,1 %. Dieser Zuwachs wird insbesondere durch Ausbau der Biomassenutzungund den Zubau der Erdgas-KWK getragen. Rückgänge sind dagegen bei den kohle- undmineralölgefeuerten Anlagen zu verzeichnen. Im Jahr 2020 sollen 25 % der gesamten Nettostromerzeugungdurch KWK realisiert werden.Die beiden wesentlichen Instrumente zurFörderung der Stromerzeugung in KWK-Anlagen sind das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzfür fossil gefeuerte KWK-Anlagensowie das Erneuerbare-Energien-Gesetz(EEG) für mit erneuerbaren Energieträgern(insbesondere Biomasse) gespeiste KWK-Anlagen.Das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz fördertden Neubau und die Modernisierunghocheffizienter KWK-Anlagen, indem fürden erzeugten Strom ein Zuschlag gezahltwird. Der Neu- und Ausbau von WärmeundKältenetzen sowie von Wärme- undKältespeichern werden mit einer Investitionszulagegefördert. Insgesamt soll derAusbau der Kraft-Wärme-Kopplung miteiner jährlichen Fördersumme in Höhevon maximal 750 Mio. Euro unterstütztwerden. Davon sind bis zu 150 Mio. Eurofür den Wärme- und Kältenetzausbausowie Wärme- und Kältespeicherneubauvorgesehen.Darüber hinaus wird die KWK auf Basisregenerativer Energieträger durch das EEGunterstützt. Im EEG 2004 und im EEG 2009wurden KWK-Boni gezahlt (2 Cent proKilowattstunde (ct/kWh) beziehungsweise3 ct/kWh für KWK-Strom), dies ist seit demEEG 2012 nicht mehr der Fall. Bei der Biogaserzeugungbestehen jedoch Mindestanforderungenmit Relevanz für die KWK:Jede Biogasanlage muss entweder 60 %Wärmenutzung oder 60 % Gülle-Einsatznachweisen beziehungsweise alternativden Strom direkt vermarkten (Marktprämienmodell).39


40 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


02RESSOURCENSCHONUNGUNDKREISLAUFWIRTSCHAFT41


RohstoffproduktivitätRohstoffproduktivitätIndex 1994 = 100220200ZIEL2001801601401201008060402094,8*147,8127,286,101994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013* 2020Rohstoffproduktivität (abiotisch)Bruttoinlandsprodukt (preisbereinigt)Rohstoffentnahme und Importe (abiotisch)Rohstoffentnahme und Importe (einschließlich indirekte Importe, abiotisch)* vorläufige DatenQuelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2015, Umweltökonomische Gesamtrechnungen,Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, Indikatoren zu Umwelt und Ökonomie, S. 7Die Rohstoffproduktivität ist eine wichtigeOrientierungsgröße. Auch wenn sie genaubetrachtet nur nicht-erneuerbare Rohstoffeund Primärmaterialien berücksichtigt,erlaubt sie eine Trendaussage zur Effizienzder Rohstoffnutzung in unserer Wirtschaftüber einen langen Zeitraum. Die Rohstoffproduktivitätsteht damit für den ProduktionsfaktorRohstoffe in Analogie zurArbeits- und Kapitalproduktivität.In den Jahren von 1994 bis 2012 gab esVeränderungen im Verhältnis von inländischerRohstoffentnahme und der Einfuhrabiotischer Güter: Während die Entnahmevon abiotischen Rohstoffen im Inland zwischen1994 und 2012 um 311 Mio. t (- 28 %)zurückgegangen ist, stieg die Einfuhr vonRohstoffen sowie von Halb- und Fertigwarenum 94 Mio. t. (+ 24 %). Der Anteilimportierter Güter am gesamten nichterneuerbarenRohstoffeinsatz erhöhte sichdamit von 26 % im Jahr 1994 auf 38 % imJahr 2012.Die Rohstoffproduktivität berücksichtigtzwar die direkten, nicht aber die soge-42 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


nannten „indirekten Materialströme“ derImporte. Das bedeutet, dass jene Rohstoffenicht erfasst werden, die im Ausland überdas Eigengewicht der Importe hinaus zurErzeugung der importierten Güter genutztwurden („Rohstoffrucksäcke“). Werdenrohstoffintensive Prozesse ins Auslandverlagert und stattdessen höher verarbeiteteWaren importiert, kann die Rohstoffproduktivitäteinen Produktivitätsfortschrittaufzeigen.Um die Rohstoffentnahme insgesamt abzubildenwurde eine zusätzliche Kenngrößeentwickelt, in der alle für die Importeaufgewendeten Rohstoffe in sogenannten„Rohstoffäquivalenten“ errechnet werden.Im Mittel ergibt sich pro t importierterGüter ein Rohstoffäquivalent von 2,5 t, dasheißt, um eine Tonne dieser importiertenGüter herzustellen, werden im Durchschnitt2,5 t Rohstoffe im Ausland benötigt.Der Rohstoffeinsatz inklusive dieserindirekten Importe erhöhte sich zwischenden Jahren 2000 und 2011 um 2,4 % (vgl.gestrichelte Linie in der Abbildung).die EU Ende 2011 mit dem Fahrplan für einressourcenschonendes Europa auf europäischerEbene [KOM 2011]. Die deutsche Ressourceneffizienzpolitiksteht nicht mehram Anfang. Es gibt bereits Instrumenteund Maßnahmen, die derzeit entwickeltoder umgesetzt werden. Wichtige Bereichesind die öffentliche Beschaffung, die Stärkungder Ressourceneffizienz in kleinenund mittleren Unternehmen oder auch dieVerankerung des Themas Ressourcenschonungin Schulen, Berufs- und Hochschulensowie in der Weiterbildung.Um den effizienten Umgang mit Ressourcenin der Wirtschaft zu fördern, hat DeutschlandAnfang 2012 mit dem DeutschenRessourceneffizienzprogramm (ProgRess)[BMU 2012] auf nationaler Ebene einewichtige Initiative gestartet – wie auchRohstoffe effizient nutzenDie Rohstoffproduktivität gibt das Verhältnis von BIP zu inländischer Rohstoffentnahme undImporten an. Sie kann als Maßstab für die Effizienz im Umgang mit Rohstoffen dienen. DieRohstoffproduktivität erhöhte sich in Deutschland von 1994 bis 2013 um 47,8 %. Dabei sank dieRohstoffnutzung in diesem Zeitraum um 13,9 %, während das BIP um 27,2 % stieg. Der Trend zurSteigerung der Rohstoffproduktivität hat sich zuletzt abgeschwächt. Bei einer Fortsetzung derEntwicklung der letzten fünf Jahre würde das Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie, die Rohstoffproduktivität2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln, verfehlt. Der Indikator hätte im Zieljahr 2020 nurrund 60 % des Zielwerts erreicht.43


Rohstoffverwendungin Deutschland pro KopfLetzte inländische Rohstoffverwendung (RMC)* pro Kopf **Tonnen201 8,2152,81 6,13,21 4,8 1 5,13,23,11 5,73,3108,86,86,56,5 7,151 ,7 0,90,3 0,5 0,34,9 5,2 4,8 5,0 5,002000 2008 2009 2010 2011***Fossile Energieträger Erze Sonstige mineralische Rohstoffe Biomasse* RMC = Raw Material Consumption** Jahresdurchschnittswert auf Basis der Bevölkerungsfortschreibung früherer Zählungen.*** vorläufige AngabenQuelle: Statistisches Bundesamt 2014 (Hrsg.), Rohstoffe für Deutschland, Bedarfsanalyse für Konsum,Investition und Export auf Makro- und Mesoebene, Tabellenband zum ProjektberichtRohstoffe schonen – Verbrauch absolut reduzierenDie inländische Primärrohstoffverwendung gibt Auskunft über den Bedarf einer Volkswirtschaftan direkt aus der Natur entnommenen Rohstoffen zur Deckung des inländischen Konsums undder Investitionen. In Deutschland sank sie von knapp 1,5 Milliarden Tonnen (Mrd. t) im Jahr 2000auf etwa 1,3 Mrd. t im Jahr 2011 und damit um 18 %. Damit verwendete die Bevölkerung Deutschlandsim Jahr 2011 rein rechnerisch rund 16 t Primärrohstoffe pro Kopf. Im Jahr 2000 waren esnoch gut 18 t pro Kopf.44 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Die deutsche Wirtschaft ist über denAußenhandel sehr stark international verflochten.Dabei importiert und exportiertDeutschland in großem Umfang höherverarbeitete Halb- und Fertigwaren. Indiesen findet sich oft nur ein Bruchteilder zu ihrer Herstellung eingesetztenRohstoffe direkt wieder. Um dennoch dasAusmaß der Primärrohstoffnutzung unddaran geknüpfte Umweltauswirkungen zuerfassen, lassen sich alle Güter in so genannte„Rohstoffäquivalente“ umrechnen.Diese berücksichtigen alle Rohstoffe –außer Wasser – die im In- und Ausland zurErzeugung der Güter genutzt wurden. DieAnteile der genutzten Rohstoffe, die überdas Eigengewicht der Importe hinausgehen,werden in der Fachsprache als indirekteImporte („Rucksäcke“) bezeichnet.Im Durchschnitt ergibt sich, dass für jedeTonne nach Deutschland importierter Güter2,5 t Rohstoffe im Ausland aufgewendetwurden. Güter, welche Deutschlandexportiert, weisen sogar ein Rohstoffäquivalentvon 3,9 t auf, da exportierteGüter zumeist eine höhere Fertigungstiefeaufweisen als Importe.Auskunft über den Primärrohstoffbedarffür Investitionen, Konsum und ExportDeutschlands gibt der Inputindikator Primärrohstoffeinsatz(englisch Raw MaterialInput, RMI). Dieser lag im Jahr 2010 beirund 2,7 Mrd. t.Importe haben einen erheblichen Anteilam Primärrohstoffeinsatz Deutschlands.Allerdings findet sich davon auch ein großerTeil in den exportierten Gütern wieder.Um nun den tatsächlichen Primärrohstoffbedarfin Deutschland, bedingt durchinländischen Konsum und Investitionen,aufzuzeigen, kann der Konsumindikator„inländische Primärrohstoffverwendung“(englisch Raw Material Consumption,RMC) verwendet werden. Dieser berücksichtigtsowohl die Importe als auch dieExporte in Rohstoffäquivalenten. Dabeiwird der Primärrohstoffbedarf der Exportevom Primärrohstoffeinsatz subtrahiert. ImSinne der Verursachergerechtigkeit undder globalen Verantwortung wird somitder Primärrohstoffaufwand den Ländernzugeordnet, welche diese Rohstoffe oderdaraus produzierte höherverarbeiteteGüter letztlich nutzen. Um eine internationaleVergleichbarkeit zu ermöglichen, istes sinnvoll, den Indikator mit der Einwohnerzahlzu normieren (RMC/Kopf).Der RMC sank von knapp 1,5 Mrd. t im Jahr2000 auf circa 1,3 Mrd. t in 2011 und damitum fast ein Fünftel (18 %). Die Primärrohstoffverwendungpro Kopf sank somit vonannähernd 18 t auf rund 16 t in nur elfJahren. Nach einer deutlichen Reduktionzwischen 2000 und 2009 ist die inländischePrimärrohstoffverwendung zuletztwieder leicht gestiegen. Sowohl der Rückgangals auch der nun zu verzeichnendeleichte Anstieg sind zu einem hohen Maßeauf die Entwicklung der geleisteten Investitionenzurückzuführen. Die Investitionenin Bauten und Ausrüstungen und sonstigeKapitalgüter sind seit 2000 um bis zu 30 %rückläufig gewesen. Die Primärrohstoffverwendungfür inländischen Konsum warweniger stark, um ca. 10 %, rückläufig.45


AbfallaufkommenAbfallaufkommen (einschließlich gefährlicher Abfälle)Millionen Tonnen450400350406,7395,2381,3366,4339,4331,9386,9 382,8372,9 (351,1) 1) (344,6)(340,9) 1) 1)32,035,8 38,2386,7 380,6373,0 (342,8)359,41) (333,6)(332,7) 1) 1)(322,3) 1) 43,940,347,037,1300250200260,7251,3240,8 223,4187,5 184,9 197,7201,8 200,5195,0193,3199,5199,315010047,7 45,3 42,2 46,7 53,0 48,154,8 58,5 56,451,353,3 58,454,250048,2 49,2 45,5 46,7 50,5 52,3 42,0 42,9 39,3 27,5 36,9 34,7 30,350,1 49,4 52,8 49,6 48,4 46,6 46,4 47,9 48,4 48,5 49,2 50,2 49,82000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen 3)Bau- und Abbruchabfälle (einschließlich Straßenaufbruch)Übrige Abfälle (insbes. aus Produktion und Gewerbe)Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen;alle Abfallarten des Abfallkapitels 01 EAV 2)Siedlungsabfälle1) Nettoabfallaufkommen, ohne Abfälle aus Abfallbehandlungsanlagen;2006 erstmals als Bestandteil des Abfallaufkommens erhoben.2) Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen3) Ohne Abfälle aus Abwasserbehandlungsanlagen (EAV 1908), Abfälle aus der Zubereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch oderindustriellem Brauchwasser (EAV 1909), Abfälle aus der Sanierung von Böden und Grundwasser (EAV 1913) und Sekundärabfälle, die alsRohstoffe/Produkte aus dem Entorgungsprozess herausgehen.Quelle: Statistisches Bundesamt, Abfallbilanz, Wiesbaden, verschiedene JahrgängeIm Jahr 2012 betrug das gesamte Abfallaufkommenin Deutschland 380,6 Mio. tAbfall. Seit 2006 bezieht die Abfallstatistikauch Abfälle, die erst bei derAbfallbehandlung entstehen, so genannteSekundärabfälle, in die Summe ein. Ziehtman diese ab, bleiben 333,6 Mio. t übrig.Im Vergleich zum Abfallaufkommen desJahres 2000 waren das 18 % weniger. DieserRückgang war hauptsächlich auf dieAbnahme von Bau- und Abbruchabfällenzurückzuführen, die 2012 allein etwadie Hälfte (52,4 %) des gesamten Abfallaufkommensausmachten.Abfälle aus der Produktion bildeten miteinem Anteil von 14,2 % im Jahr 2012 diezweitgrößte Gruppe beim Abfallaufkommen.An dritter Stelle folgten mit 13,1 % dieSiedlungsabfälle. Diese setzen sichaus dem über die öffentliche Müllabfuhr46 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


eingesammelten Hausmüll und hausmüllähnlichenGewerbeabfällen sowiegetrennt angelieferten oder gesammeltenSiedlungsabfällen (zum Beispiel Glas, Papier)zusammen. Die Menge der anfallendenSiedlungsabfälle blieb zwischen 2000und 2012 etwa gleich und pendelte um die50 Mio. t jährlich. Hausmüll und hausmüllähnlicheGewerbeabfälle machtenim Jahr 2000 noch rund 18 Mio. t aus. IhreMenge reduzierte sich bis 2012 auf rund14 Mio. t. Dies beruhte zum Teil auf einerUmstellung der Statistik. Dagegen stiegdie Menge der zur Verwertung getrenntgesammelten Glas-, Papier- und sonstigenAbfälle einschließlich der Elektroaltgerätevon 13,5 auf 18,5 Mio. t. Auch hier gab esim Jahr 2002 einen sprunghaften Mengenanstiegaufgrund statistischer Effekte.Die Abfälle aus dem Bergbau sanken von48,2 auf 30,3 Mio. t. Diese Abfälle entstammenüberwiegend dem Steinkohlebergbau.Sie werden fast vollständig auf Haldengelagert, lediglich 1 % kann verwertetwerden.Alle genannten Abfallarten enthaltenneben nicht gefährlichen auch gefährlicheAbfälle. Diese werden seit dem Jahr1999 in der Abfallbilanz des StatistischenBundesamtes [StBA o. J.] lediglich nachrichtlichals Summe ausgewiesen. Rund6 % des Abfallaufkommens gehörten imJahr 2012 zu den gefährlichen Abfällen.Sie fielen vor allem in der Industrie und imBaugewerbe an.Im betrachteten Zeitraum stieg dieWirtschaftsleistung in Deutschland mitAusnahme der Krisenjahre 2008 und 2009an. Gleichzeitig sank das Abfallaufkommen.Das zeigt, dass der Einstieg in dieEntkopplung von Wirtschaftswachstumund Abfallerzeugung in Deutschland gelungenist. Das Verhältnis beider Größen,die Abfallintensität, sank zwischen 2000und 2012 um 28,3 %.Neben der Entkopplung der Abfallmengenvon der Wirtschaftsleistung wird eszukünftig verstärkt darauf ankommen,möglichst umfassend die im Abfall enthaltenenRohstoffe und Energie der Wirtschaftwieder zur Verfügung zu stellen. Abfallvermeidungund ressourceneffizienteRückgewinnung der Wertstoffe macheneine moderne Kreislaufwirtschaft aus.Abfall vermeiden, Reststoffe verwertenEine nachhaltige Politik der Schonung natürlicher Ressourcen misst der Schaffung geschlossenerStoffkreisläufe eine hohe Bedeutung zu − von der Gewinnung der Rohstoffe aus der Umweltüber die Produktion, die Nutzung und den Konsum bis hin zur Sammlung, Wiederverwendungund möglichst hochwertigen Verwertung.Die moderne Kreislaufwirtschaft ist integraler Bestandteil eines nachhaltigen Stoffstrommanagements.Priorität hat ein möglichst hoher Grad der Nutzung aus der Natur bereits entnommenerMaterialien, um Ressourcen einzusparen und die Entstehung von Abfällen zu vermeiden.Angestrebt wird die Entkopplung des Abfallaufkommens vom Wirtschaftswachstum.Obwohl das Abfallaufkommen in den letzten Jahren leicht abnahm, wird immer noch zu vielAbfall erzeugt. Insbesondere mit Blick auf die Siedlungsabfälle sind weitere Bemühungen zurnachhaltigen Produktgestaltung sowie zum bewussten Konsum und damit zur Abfallvermeidungnotwendig.47


Verwertungsquotender HauptabfallströmeVerwertungsquoten der wichtigsten AbfallartenProzent10090807087,789,883,073,466,160504051,149,4302020,010066,5 66,3 66,1 66,0 65,0 66,0 74,0 74,0 75,0 79,0 76,9 77,6 78,92000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012Abfälle insgesamtSiedlungsabfälleÜbrige Abfälle (insbesondere aus Produktion und Gewerbe)Bau- und AbbruchabfälleGefährliche Abfälle2000: Hamburg mit Daten von 19992002: Einführung des Europäischen Abfallverzeichnisses mit Verschiebungen zwischen nicht besondersüberwachungsbedürftigen und besonders überwachungsbedürftigen Abfällen sowie innerhalb der Siedlungsabfälle.2006: Umstellung der Berechnung der Abfallbilanz vom Nettoprinzip zum Bruttoprinzip.Gefährliche Abfälle: Ab 2004 einschließlich Behandlung zur Verwertung.Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Abfallbilanz, verschiedene Jahrgänge; Umweltbundesamt, eigene BerechnungenEine nachhaltige Entwicklung erfordertdie Entkopplung des Ressourcenverbrauchsvom Wirtschaftswachstum. DieseStrategie kann auf Dauer nur erfolgreichsein, wenn die durch sie erreichtenEffizienzgewinne nicht durch wachsendeProduktion und mehr Konsum aufgezehrtwerden. Ein Schlüssel hierzu liegt nebender Abfallvermeidung in der verstärktenVerwertung von Abfällen. Zur Verwertungzählen alle Maßnahmen zur Nutzung derim Abfall enthaltenen Wertstoffe beziehungsweiseEnergiepotenziale. Ziel ist es,die Abfallwirtschaft zu einer Quelle für dieBeschaffung von Rohstoffen und für dieProduktion von Gütern fortzuentwickeln.48 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Bei den Bau- und Abbruchabfällen istdies bereits in einem hohen Maße gelungen.Sie machen etwa 52 % des (Brutto-)Abfallaufkommens in Deutschland aus.Die Verwertung dieser Abfälle bewegt sichseit Jahren auf sehr hohem Niveau. 2012wurden sie zu 89 % stofflich und zu 1 %energetisch verwertet.Der Begriff „Gefährliche Abfälle“beschreibt verschiedene Abfallarten mitfestgelegten Gefährlichkeitsmerkmalen.Sie stellen eine Gefahr für die Gesundheitund/oder die Umwelt dar. Für gefährliche55 % der Produktionsabfälle („ÜbrigeAbfälle“) wurden recycelt. Dazu kamen18 %, die der energetischen Verwertungzugeführt wurden.Siedlungsabfälle, die verwertbar sind,sollen möglichst stofflich oder energetischverwertet werden (zum Beispiel Kompostierungvon Bioabfällen, Recycling vonGlas oder Papier). Die nicht verwertbarenRestabfälle werden mechanisch-biologischbehandelt oder verbrannt. Erst dieaus dieser Behandlung übrig bleibendensowie bereits inert vorliegende Abfällewerden auf Deponien abgelagert. Seit dem1. Juni 2005 dürfen keine unvorbehandeltenSiedlungsabfälle mehr deponiertwerden. Insgesamt wurden im Jahr 2012rund 65 % der Siedlungsabfälle stofflichverwertet und weitere 18 % verbrannt.Abfälle existieren spezielle Entsorgungswegeund -verfahren. Diese gewährleisteneine sichere und umweltverträglicheZerstörung der enthaltenen Schadstoffe.Im Jahr 2012 wurden insgesamt 54 %der als gefährlich eingestuften Abfällealler Abfallströme recycelt, 12 % wurdenverbrannt.Abfallverwertung schont Ressourcen und entlastet die Umwelt79 % der in Deutschland erzeugten Abfälle wurden im Jahr 2012 verwertet. 70 % wurden derstofflichen Verwertung (Recycling) zugeführt. Die restlichen 9 % gingen in die energetische Verwertung.Dabei werden Abfälle mit hohem Heizwert als Ersatz für herkömmliche Energieträgerzur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt. Sie helfen damit, fossile Energieträger einzusparenund tragen zur Ressourcenschonung bei. Zugleich bietet die Müllverbrennung die Möglichkeit,Abfälle so umzuwandeln, dass die in ihnen enthaltenen Stoffe nicht untereinander und mit derUmwelt reagieren (Inertisierung). Die zurückbleibenden reaktionsträgen Schlacken können invielen Fällen weiterverwertet werden, zum Beispiel im Straßenbau. Wo dies nicht geht, müssensie umweltschonend abgelagert werden.Der Verbrennung vorzuziehen ist allerdings die Wiedereinschleusung ehemaliger Abfälle in denWirtschaftskreislauf durch ihre stoffliche Verwertung.49


Ablagerungsquotender HauptabfallströmeAblagerungsquoten der HauptabfallströmeProzent605048,74031,4302027,118,810012,218,69,619,1 18,4 18,7 17,9 18,2 15,1 9,6 10,5 10,1 8,5 9,0 9,5 9,70,22000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012Abfälle insgesamt (ohne Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen) **SiedlungsabfälleÜbrige Abfälle (insbesondere aus Produktion und Gewerbe)Bau- und Abbruchabfälle *Gefährliche Abfälle2000: Hamburg mit Daten von 19992002: Einführung des Europäischen Abfallverzeichnisses mit Verschiebungen zwischen nicht besondersüberwachungsbedürftigen und besonders überwachungsbedürftigen Abfällen sowie innerhalb der Siedlungsabfälle* Ab 2004 ohne eingesetzte Mengen an Bodenaushub, Bauschutt und Straßenaufbruch bei Bau- und Rekultivierungsmaßnahmen deröffentlichen Hand.** Abfälle aus Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen werden zu 98,8 % abgelagert.Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Abfallbilanz, verschiedene Jahrgänge;Umweltbundesamt, eigene BerechnungenDer nicht verwertbare Anteil des Abfallaufkommensmuss unter Vermeidung vonUmweltschäden und Gesundheitsbeeinträchtigungenfür die Bürgerinnen undBürger beseitigt werden. Vor der endgültigenAblagerung müssen organische Abfällegrundsätzlich mechanisch-biologischoder thermisch behandelt werden, umchemische Reaktionen zu verhindern unddie Freisetzung von Sickerwässern undGasen aus Deponien zu verringern.50 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Die Deponierung von Abfällen ging imZeitraum von 2000 bis 2012 von 28,7 auf16,8 % des Abfallaufkommens zurück.In dieser Angabe ist die Ablagerung von„Abfällen aus Gewinnung und Behandlungvon Bodenschätzen“ enthalten (bis2008: „Bergematerial aus dem Bergbau“).Diese Abfallgruppe wird fast vollständigdeponiert und macht den größten Teilder gesamten deponierten Mengen aus.Bezieht man diese Abfälle nicht in dieBerechnung der Ablagerungsquote ein,so wurden 2000 nur 19,1 % und 2012 nur9,7 % des Abfallaufkommens deponiert.Seit Juni 2005 müssen Siedlungsabfällevor der Ablagerung vorbehandelt werden,wenn sie die gesetzlich vorgeschriebenenAnforderungen für die Deponierung nichteinhalten. Das führte zu einem drastischenRückgang der abgelagerten Siedlungsabfälle.So sank zwischen 2000 und2012 die Ablagerungsquote der Siedlungsabfällevon 27,1 % auf einen Rest von nur0,2 % nicht vorbehandlungsbedürftigerSiedlungsabfälle. Bis zum Jahr 2020 solldie Ablagerung von verwertbaren Siedlungsabfällenweitestgehend eingestelltwerden. Abfälle sollen stattdessen entwedervermieden oder verwertet werden. ImKreislaufwirtschaftsgesetz ist dazu dasZiel einer 65-prozentigen Verwertung vonSiedlungsabfällen ab Januar 2020 festgeschrieben.Die thermische oder mechanisch-biologischeVorbehandlung der Siedlungsabfälleund der Rückgang der deponiertenMengen führten zu einem erheblichenRückgang der Methan-Emissionen ausDeponien. Durch das Erfassen des Deponiegasesund die anschließende energetischeNutzung wird ebenfalls ein Beitragzum Klimaschutz geleistet. 2005 wurden23 Mio. t Kohlendioxid-Äquivalente ausder Abfallwirtschaft emittiert, 2012 warenes nur noch 15 Mio. t.Im Zeitraum zwischen den Jahren 2000und 2012 fanden mehrere Umstellungen inder Erhebung und Zurechnung der erfasstenMengen zu den jeweiligen Abfallartenstatt. Dies hatte zum Beispiel im Jahr 2002Verschiebungen in der Zurechnung vonAbfallarten innerhalb der Siedlungsabfällesowie der nicht gefährlichen und dergefährlichen Abfälle zur Folge.Unvermeidbare Restabfälle umweltschonend beseitigenDie Abfallpolitik der Bundesregierung zielt auf eine weitestgehende Vermeidung und Verwertungvon Abfällen. Die Ablagerung auf Deponien dient der umweltschonenden Beseitigung unvermeidbarerRestabfälle. In Deutschland geht die Deponierung von Abfällen stark zurück. Besondersdeutlich wird dies bei den Siedlungsabfällen, deren Deponierung aufgrund rechtlicherVorgaben bis auf einen kleinen Rest eingestellt wurde. Aber auch die Ablagerung von Abfällenaus Produktion und Gewerbe sank in den letzten Jahren drastisch, mit einem Tief im Krisenjahr2009. Seitdem steigt sie wieder, erreicht aber längst nicht das Niveau vom Anfang des Jahrhunderts.Abfälle aus der Gewinnung und Behandlung von Bodenschätzen, vor allem aus dem Steinkohlebergbau,werden zu rund 99 % deponiert. Sie sind in der Abbildung nicht dargestellt.51


Anteil verwerteter SiedlungsabfälleAnteil der behandelten und stofflich verwerteten Siedlungsabfälle am gesamtenSiedlungsabfallaufkommenProzent7065,2 ZIEL 65605050,14030201002000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020Quelle: Statistisches Bundesamt, Abfallbilanzen, verschiedene JahrgängeSiedlungsabfälle verwertenBereits seit dem Jahr 2005 werden in Deutschland regelmäßig mehr als 60 % der statistischerfassten Siedlungsabfälle recycelt. Im Jahr 2012 lag die Quote der stofflichen Siedlungsabfall-Verwertung erstmalig bei 65 %. Die bisherige Entwicklung zeigt, dass damit das Ziel des Kreislaufwirtschaftsgesetzes,eine Verwertung der Siedlungsabfälle von mindestens 65 % ab 2020auch dauerhaft zu erreichen, in greifbare Nähe gerückt ist.Es gibt noch Potenzial für eine verbesserte Erfassung und Verwertung ausgewählter Abfallarten.Vor allem aber muss die Entstehung solcher Abfälle vermieden werden, zum Beispiel durch eineverbesserte Gestaltung von Produkten, etwa hinsichtlich ihrer Lebensdauer oder Reparaturfreundlichkeit.52 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Die Siedlungsabfälle umfassen Haushaltsabfälleund ähnliche gewerbliche undindustrielle Abfälle sowie Abfälle ausöffentlichen Einrichtungen wie Schulenoder Krankenhäusern, die gemeinsamüber die öffentliche Müllabfuhr odergetrennt (Glas, Papier, Verpackungen)eingesammelt werden.RECYCELTESIEDLUNGSABFÄLLE65%2012Die Entsorgungspfade der Siedlungsabfällehaben sich seit 2000 entscheidendverändert. Wertstoffe werden verstärktgetrennt erfasst und überwiegend stofflichverwertet. Vor allem Altpapier, Altglas, Verpackungenund Bioabfall gehen jetzt in dieVerwertung. Das schont Rohstoffe, vermindertden Einsatz von Primärenergie undspart somit auch Kohlendioxid-Emissionen.Das Ablagerungsverbot für nicht vorbehandelteSiedlungsabfälle trug darüber hinauszum Rückgang der Methan-Emissionen ausder Abfallwirtschaft bei.Die von der Müllabfuhr gemeinsameingesammelten Mengen an Hausmüllund hausmüllähnlichen Gewerbeabfällenwerden überwiegend verbrannt. Doch auchhier steigt der Anteil der stofflichen Verwertung:Waren es im Jahr 2009 noch 10,0 %,so wurden im Jahr 2012 schon 15,5 % dieserAbfälle recycelt.53


Wassernutzungs-IndexWassernutzungs-Index*Prozent3024,6252022,721,520,2Kritischer Wassernutzungs-Index: 20 %**18,917,017,41510501991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010* Der Wassernutzungs-Index wird gebildet aus dem Verhältnis der gesamten Wasser-Entnahme des betrachteten Jahres (seit 2007 inkl. derlandwirtschaftlichen Beregnung) zum langjährigen Wasser-Dargebot in Deutschland (188 Mrd. m³).** Ein Wassernutzungs-Index von 20 % gilt als Schwelle zum Wasserstress.Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 19, R. 2.1 und 2.2, Wiesbaden, verschiedene Jahrgängeund Statistisches Jahrbuch 2012, Wiesbaden 2012Wasserstress vermeidenUm die Auswirkungen von Wasserentnahmen auf die Gewässer beurteilen zu können, wird dieWassernachfrage der potenziell nutzbaren Menge an Grund- und Oberflächenwasser (dem„Wasserdargebot“) gegenübergestellt. Das Ergebnis wird als Wassernutzungs-Index bezeichnet.Übersteigen die Entnahmen 20 % des verfügbaren Wasserdargebotes, ist dies ein Zeichen vonWasserstress. Der Wassernutzungs-Index von Deutschland liegt seit dem Jahr 2004 unter dieserkritischen Marke.54 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Die Wasserentnahmen der öffentlichenWasserversorgung, der Industrie, derWärmekraftwerke und der Landwirtschaftgehören zu den wichtigsten Wassernutzungenin Deutschland. Nach Erhebungendes Statistischen Bundesamtes habendiese vier Nutzergruppen im Jahr 2010zusammen 32,8 Mrd. m³ Wasser aus denGrund- und Oberflächengewässern entnommen.Private Haushalte und andereKleinverbraucher nutzten 15,6 % diesesWassers. 84,4 % wurden für den nichtöffentlichenBereich entnommen. Davonbrauchten Wärmekraftwerke vor allem fürKühlzwecke mehr als 75 %. Das restlicheViertel der nichtöffentlichen Wassergewinnungbenötigten der Bergbau und dasVerarbeitende Gewerbe für ihre Produktionsprozesse.Die Wasserentnahmen der Industrie undder öffentlichen Wasserversorgung sindseit dem Jahr 1991 rückläufig. Die Entnahmender Wärmekraftwerke sanken ebenfallsim Vergleich zu 1991, stiegen aber imJahr 2010 wieder leicht an.Den Wasserentnahmen steht in Deutschlandein potenzielles Dargebot von 188Mrd. m³ Wasser gegenüber. Damit istDeutschland ein wasserreiches Land.Berechnet wird das Wasserdargebot alslangjähriges statistisches Mittel für einedreißigjährige Zeitperiode. Grundlagesind die erneuerbaren Wasserressourcen,die mit der jährlichen Wasserbilanz ermitteltwerden. Die Wasserbilanz ergibt sichaus zwei Größen: zum Einen aus den Zuflüssenaus den Nachbarländern abzüglichder Abflüsse in die Nachbarländer sowiein die Nord- und Ostsee und zum Anderenaus der Differenz von Niederschlägen undder Verdunstung über den Boden und diePflanzendecke.Auch wenn im Jahr 2010 die Gesamtwasserentnahmedurch die Zunahme im BereichEnergiegewinnung gegenüber den Vorjahrenleicht gestiegen ist, werden weiterhinkeine kritischen Marken erreicht. Das Gesamtvolumender Entnahmen entsprichtetwa 17,4 % des potenziellen Wasserdargebots.Mehr als 80 % des inländischenWasserdargebots bleiben also gegenwärtigungenutzt. Auch ist zu berücksichtigen,dass die für Kraftwerkskühlung entnommenenWassermengen in der Regel mitgeringen Verdunstungsverlusten wiederan die Gewässer zurückgegeben werden.Ohne den Anteil an Kühlwasser wurden2010 nur knapp 10 % des potenziellen Wasserdargebotsgenutzt.Ab einem Nutzungsgrad des Wasserdargebotsvon 20 % wird in internationalenVergleichen von Wasserstress gesprochen.Dieser kann zu Umweltproblemen wieeiner zu geringen Wasserführung vonFließgewässern durch Übernutzung,Versalzung von Süßwasservorkommen inKüstennähe oder zum Verlust an Feuchtgebietenund biologischer Vielfalt führen.Deutschland ist als Ganzes nicht von Wasserstressbetroffen. Es ist gelungen, denWasserverbrauch insgesamt von der wachsendenWirtschaftsleistung zu entkoppelnund Wasser effizienter zu nutzen. Regionaleund saisonale Knappheiten könnenzur Sicherstellung von Nutzungen und zurEntlastung wasserabhängiger Ökosystemedurch Wasserzufuhr über Rohrfernleitungenausgeglichen werden.55


Anstieg der Siedlungs- undVerkehrsflächeAnstieg der Siedlungs- und VerkehrsflächeHektar pro Tag*1401291201201311311131201151008074736077697140ZIEL302001993 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2020–1996Gebäude- und Freifläche, Betriebsfläche VerkehrsflächeTrend (gleitender Vierjahresdurchschnitt)(ohne Abbauland)Erholungsfläche, Friedhof Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie* Die Flächenerhebung beruht auf der Auswertung der Liegenschaftskataster der Länder. Aufgrund von Umstellungsarbeiten in den amtlichenKatastern (Umschlüsselung der Nutzungsarten im Zuge der Digitalisierung) ist die Darstellung der Flächenzunahme ab den Jahr 2004verzerrt.Quelle: Statistisches Bundesamt 2014, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2009Die unbebaute Fläche ist eine wertvolleRessource, um deren Nutzung Land- undForstwirtschaft, Bauwesen, Verkehr, Naturschutz,Energiebereitstellung und Rohstoffwirtschaftkonkurrieren [StBA 2014]. Durchdiese Konkurrenz sind unbebaute Flächeneinem hohen Nutzungs- und Erschließungsdruckausgesetzt. In den vergangenen Jahrzehntenkam es hierdurch zu beträchtlichenLandnutzungsänderungen und zur Ausweitungder Siedlungs- und Verkehrsfläche.Dies ist mit zahlreichen Umweltwirkungenverbunden. Zu den wichtigsten Umweltfolgen,die mit dem Anstieg der SiedlungsundVerkehrsfläche einhergehen, zählender Verlust der natürlichen Bodenfunktion,der Verlust fruchtbaren Ackerlandesund der Verlust naturschutzrelevanterFlächen (z. B. wertvolle Grünlandflächenstandorte).Bedeutsam sind auch kleinklimatischeVeränderungen, die durchzunehmende Bodenversiegelung in56 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Stadtgebieten auftreten können. Hinzukommen weitere Folgen, wie beispielsweiseein erhöhter Materialverbrauch für dieInstandhaltung von neuen Wohnungenund Verkehrswegen oder ein gesteigerterEnergieverbrauch zum Betreiben von neuenGebäuden und Infrastrukturen. Neuerschlossene Siedlungs- und Verkehrsflächenim Umfeld von Städten erzeugenüberdies zusätzlichen Verkehr, der wiederumLärm verursacht und zu Schadstoffbelastungenführt.Angesichts der geschilderten Problemestrebt die Bundesregierung an, die Ausweitungder Siedlungs- und Verkehrsflächeneinzudämmen. Ziel ist, das Wachstum biszum Jahr 2020 auf 30 ha pro Tag zu verringern.Der Rat für Nachhaltige Entwicklung(RNE) wie auch der Sachverständigenratfür Umweltfragen und der NaturschutzbundDeutschland e.V. (NABU) fordern darüberhinaus, die Inanspruchnahme neuerFlächen bis 2050 auf null zu reduzieren.Bisherige Maßnahmenvorschläge konzentrierensich darauf, den Ausbau vonSiedlungsflächen und die damit verbundeneVerkehrserschließung zu minimieren,vorhandene Siedlungsflächen umweltverträglichzu nutzen und den Bedarf anneuen Fernstraßen zu minimieren. Einesinnvolle Innenentwicklung mit effizienterNutzung von Brachflächen ist das wesentlicheraumplanerische Instrument fürdie Reduzierung der Flächeninanspruchnahmein den Kommunen. Vorausschauendsollten zielführende planerische,rechtliche und ökonomische Instrumentekonsequent weiterentwickelt werden.Derzeit wird ein neues innovativesInstrument zum Flächensparen in einemModellversuch des Umweltbundesamteserprobt: Der Handel mit Flächenzertifikatensoll in Anlehnung an den Handelmit Kohlendioxid-Emissionszertifikatenfinanzielle Anreize für Kommunen setzen,die intensiv Innenentwicklung betreibenund Flächen sparen wollen.Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche eindämmenDie Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland wächst: zwischen den Jahren 2000 und 2013nahm sie um 10,3 % von 43.939 Quadratkilometern (km²) auf 48.482 km² zu. Im Jahr 2013 wurdetäglich eine Fläche von 71 Hektar (ha) für Siedlungs- und Verkehrszwecke neu in Anspruchgenommen und damit anderen Nutzungen entzogen. Dieser Zuwachs erfolgte hauptsächlichzulasten der Landwirtschaftsfläche.Die Bundesregierung hat sich im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsstrategie [Bundesregierung 2002]zum Ziel gesetzt, die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr bis 2020 auf30 ha pro Tag zu senken. Dabei konnte sie beachtliche Erfolge erzielen. Während der durchschnittlichetägliche Flächenverbrauch im gleitenden Vierjahresmittel der Jahre 1997 bis 2000noch bei 129 ha lag, sank er in den Jahren 2010 bis 2013 auf 73 ha. Auch in den Werten für dieEinzeljahre bis 2012 ist ein rückläufiger Trend erkennbar. Die verhaltene Baukonjunktur und eingeringes Verkehrsflächenwachstum sorgten 2012 erstmals für eine tägliche Flächeninanspruchnahmevon unter 70 ha. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung werden aktuell allerdings wiedermehr Flächen in neues Bauland umgewandelt. Im Einzeljahr 2013 stieg die Flächeninanspruchnahmefür Siedlungs- und Verkehrszwecke erneut auf über 70 ha pro Tag.Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, kann das Reduktionsziel nicht erreicht werden.57


58 RESSOURCENSCHONUNG UND KREISLAUFWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


03SCHUTZ DERNATÜRLICHENLEBENSGRUNDLAGEN59


Emission von LuftschadstoffenLuftschadstoffindex der EmissionenIndex 1990 = 100120100806040ZIEL 201030 %2001990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013Mittelwert Schwefeldioxid Stickoxide Ammoniak NMVOCSchadstoffbelastung der Luft: Schwefeldioxid, Stickstoffoxide, Ammoniak undflüchtige organische Verbindungen ohne Methan, gemittelter Index der MesszahlenQuelle: Umweltbundesamt, Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischerEmissionen seit 1990, Emissionsentwicklung 1990 bis 2013 (Stand: 03/2015)Emissions-Minderungsziele erreichenBei der Minderung des Ausstoßes „klassischer“ Luftschadstoffe wurden seit 1990 sichtbareErfolge erzielt. Im Mittel sanken die Emissionen um rund 58 %.Besonders deutlich wird der Rückgang bei den Schwefeldioxid (SO 2 )-Emissionen. Aber auch derAusstoß von leichtflüchtigen organischen Verbindungen ohne Methan (NMVOC) und von Stickstoffoxiden(NO x ) ging erheblich zurück. Problematisch bleiben die weiterhin zu hohen Ammoniak(NH 3 )-Emissionen, die vor allem aus der Landwirtschaft stammen. Die stärksten Minderungserfolgewurden bereits in der ersten Hälfte der 1990er Jahre als Folge der Umstrukturierung derWirtschaft in den Neuen Ländern erzielt.Die Bundesregierung hatte sich in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie [Bundesregierung 2002] vorgenommen,bis zum Jahr 2010 den gemittelten Ausstoß der vier Luftschadstoffe Schwefeldioxid,Stickstoffoxide, Ammoniak und NMVOC um 70 % gegenüber dem Basisjahr 1990 zu senken.Dieses Ziel wurde verfehlt. Bis 2013 sanken die Emissionen zwar weiter, lagen aber mit 42,5 %immer noch über der Zielmarke.60 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


Die Emissionen der hier dargestellten Luftschadstoffebeeinträchtigen die Luftqualitätund damit die menschliche Gesundheit,tragen zur Entstehung von Feinstaubund Ozon bei und können durch Versauerungund Überdüngung (Eutrophierung)Ökosysteme schädigen.Schwefeldioxid entsteht hauptsächlichbei der Verbrennung schwefelhaltigerBrenn- und Kraftstoffe. Seit 1990 sinddie Emissionen um 92,2 % gesunken.Zurückzuführen ist dies vor allem auf dieStilllegung von Feuerungs- und Industrieanlagenin den Neuen Bundesländern undden Einsatz anspruchsvoller Abgasreinigungstechnologien.EntscheidendenEinfluss hatte auch der Einsatz von BrennundKraftstoffen mit geringerem Schwefelgehalt.Die EU-Richtlinie über nationaleEmissionshöchstmengen (NEC-Richtlinie)legt für Deutschland eine Höchstmengevon 520 Tsd. t Schwefeldioxid im Jahr2010 fest. Bereits 2004 wurde dieses Zieleingehalten und seitdem immer deutlichunterschritten.Stickstoffoxide entstehen vorwiegend beiVerbrennungsprozessen in Anlagen undMotoren, in geringerem Maße auch beiIndustrieprozessen und in der Landwirtschaft.Von 1990 bis 2013 ist ein Rückgangder Emissionen um 56,1 % zu verzeichnen.Am deutlichsten ist die Abnahme imVerkehr. Trotz dieser Minderung ist derVerkehrsbereich mit einem Emissionsanteilvon 40,7 % weiterhin mit Abstand dergrößte Verursacher von Stickstoffoxid-Emissionen. Die NEC-Richtlinie erlaubtDeutschland einen Höchstausstoß von1.051 Tsd. t im Jahr 2010. Dieser Wert wurdeauch 2013 noch überschritten; weitereEmissionsminderungsmaßnahmen sindalso dringend erforderlich.Von 1990 bis 2013 sanken die Ammoniak-Emissionen um 122 Tsd. t oder 15,3 %. Ursachehierfür ist überwiegend der Abbau derTierbestände in den neuen Bundesländernunmittelbar nach der Wiedervereinigung.In allen übrigen Bereichen stagnierten dieEmissionen. Die Ammoniak-Emissionenliegen seit Jahren etwa 100 Tsd. t über derjährlichen Emissionshöchstmenge der NEC-Richtlinie (550 Tsd. t).92SEIT 1990%WENIGERSCHWEFELDIOXIDEMISSIONENEmissionen flüchtiger organischer Verbindungenohne Methan entstehen vor allembei der Verwendung von Lösemittelnund lösemittelhaltigen Produkten. Früherwar auch der Verkehr eine bedeutendeEmissionsquelle, er verursacht heute abernur noch 8,6 % der NMVOC-Emissionen inDeutschland. Weitere relevante Emissionsquellensind Haushalte und Kleinverbraucher,flüchtige Brennstoffemissionen undIndustrieprozesse. Zwischen 1990 und2013 konnten die Emissionen um 66,5 %gemindert werden. Im Jahr 2010 überschrittendie NMVOC-Emissionen (ohneLandwirtschaft) die erlaubte Emissionshöchstmengeder NEC-Richtlinie von995 Tsd. t knapp. In den Folgejahren lagendie Emissionen jedoch deutlich unterhalbder Emissionshöchstmenge (2013:929,1 Tsd. t).61


Emission von FeinstaubEmission von Feinstaub (PM10 und PM2,5)1995 = 1001201008072,86070,059,1ZIEL 202051,8402001995 2000 2005 2010 2015 2020*PM10PM2,5* Ziel Göteborg-Protokoll: -26 % PM2.5 gegenüber 2005 bis 2020Quelle: Umweltbundesamt, Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischerEmissionen seit 1990, Emissionsentwicklung 1990 bis 2013 (Stand: 03/2015)Feinstaub-Emissionen senkenDie Feinstaub (PM10 und PM2,5)-Emissionen sind zwischen 1995 und 2013 deutlich gesunken.Sie lagen zuletzt um über ein Viertel (PM10) und über 40 % (PM2,5) niedriger als 1995. Im Krisenjahr2009 sanken die Emissionen etwas, stiegen im Jahr 2010 aber wieder an.Um das Ziel des novellierten Göteborg-Protokolls der Genfer Luftreinhalte-Konvention (Minderungder Feinstaub-Emissionen um 26 % im Zeitraum 2005 bis 2020) zu erreichen, müssenweitere Maßnahmen zur Luftreinhaltung ergriffen werden.Schärfere Emissionsgrenzwerte für Kraftwerke und Industrieanlagen sowie für Heizungen undÖfen werden in den kommenden Jahren zu Minderungen der Feinstaub-Emissionen führen.Zudem stoßen moderne Fahrzeuge, die die Abgasnorm Euro 6/VI erfüllen, weniger Feinstaubaus. Maßnahmen in der Landwirtschaft, etwa Abluft-Reinigungsanlagen in großen Ställen unddie schnellere Einarbeitung von Gülle und anderen Wirtschaftsdüngern auf den Feldern tragenebenfalls zu einer Feinstaubminderung bei.62 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


Staub lässt sich je nach Größe in verschiedeneFraktionen einteilen. Einen großenAnteil machen Partikel mit einem Durchmesservon weniger als 10 Mikrometern(µm) (PM10) aus. Feinstaub mit einemDurchmesser kleiner als 2,5 µm (PM2,5) istvor allem aufgrund seiner geringen Größeein Gesundheitsrisiko. Die feinen Partikelkönnen tiefer in die Atemwege eindringen,dort länger verbleiben und Atemwegs- undHerz-Kreislauf-Erkrankungen hervorrufen.Unter dem Begriff Feinstaub werden derprimär emittierte und sekundär gebildeteFeinstaub zusammengefasst. PrimärerFeinstaub wird unmittelbar an der Quellefreigesetzt, zum Beispiel bei Verbrennungsprozessen.Entstehen die Partikeldurch gasförmige Vorläufersubstanzenwie Schwefel- und Stickoxide und Ammoniak,so werden sie als sekundärerFeinstaub bezeichnet.SEIT411995%WENIGERPM2,5-EMISSIONENSeit 1995 sind die Feinstaub-Emissionenin Deutschland erheblich zurückgegangen.Die PM10-Emissionen sanken von313 Tsd. t im Jahr 1995 auf 228 Tsd. t imJahr 2013 (- 27 %). Etwas mehr als ein Drittelder PM10-Emissionen (39 %) stammtaus Produktionsprozessen, vorwiegendaus Schüttgutumschlägen und der Herstellungvon mineralischen Produkten.Schüttgüter können zum Beispiel Sand,Kohle oder Getreide sein. Haushalte undKleinverbraucher (hier vor allem Öfenund Kamine) und der Straßenverkehr(einschließlich des Reifenabriebs undweiteren mobilen Quellen) verursachenjeweils etwa 15 % der PM10-Emissionen.Mit 22 % etwas mehr stammt aus der Landwirtschaft.Die PM2,5-Emissionen sanken von191 Tsd. t im Jahr 1995 auf 113 Tsd. t imJahr 2013 (- 41 %). Etwa zwei Drittel derEmissionen resultieren aus Verbrennungsvorgängen,die größten Anteile haben dieHaushalte und Kleinverbraucher sowieder Straßenverkehr. Weitere relevanteMengen an Feinstaub PM2,5 stammen ausProduktionsprozessen (hier vor allem ausSchüttgutumschlägen), der Anwendunglösemittelhaltiger Produkte und der Landwirtschaft.Um negative Effekte auf die menschlicheGesundheit zu verringern, müssen dieFeinstaub-Emissionen gesenkt werden.Die Parteien der Genfer Luftreinhaltekonvention(dazu gehören die EU undihre Mitgliedstaaten, osteuropäische undasiatische Staaten sowie die USA undKanada) haben deshalb das Göteborg-Protokoll(auch Multikomponentenprotokoll)beschlossen, das mit der Novellierung imMai 2012 auch Reduktionspflichten fürFeinstaubemissionen (PM2,5) enthält.Deutschland muss seine PM2,5-Emissionenbis 2020 gegenüber 2005 um 26 % senken.Die Emissionen dürfen im Jahr 2020somit nur noch rund 92 Tsd. t oder 51,8 %der Emissionen von 1995 betragen.63


Entwicklung der LuftqualitätTrend der PM10-JahresmittelwerteMittlere PM10-Konzentration (µg/m³)504540353025201510501995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013ländlicher Hintergrund städtischer Hintergrund verkehrsnahQuelle: Umweltbundesamt 2013Kaum Abnahme der Belastung in den letzten 10 JahrenDie Schadstoffbelastung der Luft nahm in den 1990-er Jahren deutlich ab. Seit dem Jahr 2000 istin Deutschland trotz kontinuierlich verminderter Emissionen keine eindeutige Verringerung derBelastung durch die gesundheitsrelevanten Schadstoffe Feinstaub, Stickstoffdioxid (NO 2 ) undOzon (O 3 ) mehr erkennbar.Die Luftqualität zeigt derzeit mehr oder weniger starke zwischenjährliche Schwankungen, die vorallem durch die Witterung bedingt sind. Die mittlere Immissionsbelastung in Deutschland weistsowohl bei Feinstaub (PM10) als auch bei Stickstoffdioxid eine ausgeprägte Abnahme von denBallungsräumen hin zu ländlichen Regionen auf. Die höchsten Belastungen treten in der Nähe ihresEntstehungsortes, in Ballungsräumen und an stark verkehrsbelasteten Orten auf. Anders beiOzon: Die höchsten Belastungen entstehen durch chemische Reaktionen der Vorläuferstoffe desOzons, den Stickstoffoxiden und flüchtigen Kohlenwasserstoffen, bis auf Ausnahmen außerhalbder Ballungsräume in einiger Entfernung von den Quellen.64 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


Trend der Stickstoffdioxid-JahresmittelwerteMittlere Stickstoffdioxid-Konzentration (µg/m³)60504030201001995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013ländlicher Hintergrund städtischer/vorstädtischer Hintergrund verkehrsnahQuelle: Umweltbundesamt 2013Trend der OzonjahresmittelwerteMittlere Ozon-Konzentration (µg/m³)807060504030201001995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013ländlicher Hintergrund städtischer Hintergrund verkehrsnahQuelle: Umweltbundesamt 201365


▸▸Luft-Messstellemit verschiedenenMessgerätenWährend die PM10-Jahresmittelwerte zuBeginn der 1990er Jahre großräumig um50 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³)betrugen, werden heute zwischen 20 und30 µg/m³ gemessen. Die im ländlichenRaum gelegenen Stationen des UBA-Messnetzes,welche die Luftbelastung fernabvon Emissionsquellen aufzeigen sollen,verzeichnen deutlich geringere Werte.Einhergehend mit einer starken Abnahmeder Schwefeldioxid-Emissionen und demRückgang der primären PM10-Emissionenim Zeitraum von 1995 bis 2000 sanken imgleichen Zeitraum auch die PM10-Konzentrationen.Seitdem ist keine eindeutige Abnahmedes Konzentrationsverlaufs mehrzu beobachten. Die zeitliche Entwicklungder PM10-Konzentrationen wird von witterungsbedingtenSchwankungen zwischenden einzelnen Jahren überlagert. Lokalund ausschließlich an vom Verkehr beeinflusstenStationen in Ballungsräumen tretengelegentlich Überschreitungen des fürdas Kalenderjahr festgelegten Grenzwertsvon 40 µg/m³ auf.Die Stickstoffdioxid-Jahresmittelwertehaben bis zum Ende der 1990er Jahreabgenommen, seitdem stagnieren sie. Anweit mehr als der Hälfte der verkehrsnahenStationen überschreiten die gemessenenStickstoffdioxid-Konzentrationenden seit 2010 einzuhaltenden Grenzwert.Ballungsräume und Städte sind aufgrundder dort im Vergleich zum Umland hohenEmissionen von einer stärkeren Belastungbetroffen. Je nach Lage der Messstationwerden Jahresmittelwerte zwischen30 und 60 µg/m³, vereinzelt sogar um100 µg/m³ gemessen. In der EU-Richtlinie66 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


2008/50/EG – in deutsches Recht mit der39. Bundes-Immissionsschutzverordnungumgesetzt – ist für den Schutz dermenschlichen Gesundheit ein Jahresgrenzwertvon 40 µg/m³ im Jahresmittelfestgelegt, der seit 2010 einzuhalten ist.2013 lagen die Stickstoffdioxid-Jahresmittelwertean 65 % der verkehrsnahenMessstationen über dieser Schwelle.Derzeit wird in Deutschland an etwa 500Stationen Stickstoffdioxid gemessen. Inländlichen Gebieten überschreiten dieKonzentrationen nur selten einen Wertvon 30 µg/m³. In fern von Emissionsquellengelegenen Gebieten liegen die Konzentrationenteilweise sogar unter 10 µg/m³.Die Jahresmittelwerte der Ozon-Konzentrationvon 1990 bis 2013 zeigen eineschwache Zunahme. Einerseits nahmendie Ozonspitzenwerte durch die Minderungsmaßnahmenfür die StickstoffoxidundNMVOC-Emissionen in Deutschlanddeutlich ab, andererseits führte dies wegender Verringerung des Titrationseffekts(Ozonabbau durch Stickstoffmonoxid (NO))zu einem Anstieg der mittelhohen Ozonkonzentrationen,was bei den Jahresmittelwertensichtbar wird. Zudem wirdvon einer zunehmenden Bedeutung desinterkontinentalen (hemisphärischen)Transports für die Ozonbelastung inDeutschland und Europa aufgrund derindustriellen Emissionen in Asien undNordamerika ausgegangen. Im Gegensatzzu Feinstaub und Stickstoffdioxid werdenbei Ozon die höchsten Jahresmittelwertenicht im städtischen Bereich, sondern imländlichen Hintergrund gemessen.67


Grenz-/Zielwertüberschreitungenin BallungsräumenVon Überschreitungen der Bezugswerte betroffene Stationen in BallungsräumenAnteil in Prozent10090807060504030201001990 1995 2000 2005 2010Ozon - Anteil der Stationen in Ballungsräumen, die über 3 Jahre gemittelt den Wert von 120 μgm 3 an mehr als 25 Tagen überschreitenStickstoffdioxid – Anteil der Stationen in Ballungsräumen, die den Wert von 40 μgm 3 im Jahresmittel überschreitenFeinstaub PM2.5 – Anteil der AEI-Stationen in Ballungsräumen, die über 3 Jahre gemittelt den Wert von 14 μgm 3 überschreitenQuelle: Umweltbundesamt, eigene Zusammenstellung68 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


Als Kenngröße zur Beurteilung derlangfristigen Entwicklung der Luftqualitätwird der Anteil der Stationen in Ballungsräumenmit Überschreitungen der Luftbelastungswerte(Bezugswerte) betrachtet.Wegen ihrer gesundheitlichen Gefahrenwerden hierbei die Luftschadstoffe Feinstaub(PM2,5), Stickstoffdioxid sowie Ozonberücksichtigt.Die Abbildung „Von Überschreitungen derBezugswerte betroffene Stationen in Ballungsräumen“zeigt, dass ein großer Teilder Stationen die in der Legende genanntenBezugswerte überschreitet. Bei Ozonsind dies in den 1990er-Jahren bis zurHälfte der Stationen, ab Ende der 1990er-Jahre liegt der Anteil unter ca. 20 %. EineAusnahme bildete hier der „Hitzesommer“2003, der durch die 3-Jahres-Mittelungdie Jahre 2003 bis 2005 beeinflusst. BeiStickstoffdioxid liegt der Anteil der Stationenmit Überschreitung von 40 µg/m³ imJahresmittel zwischen 23 und 62 %. Eindeutlicher Trend ist nicht ersichtlich. BeiFeinstaub (PM2,5) ist nur der Zeitraumzwischen 2010 und 2013 abgebildet, dader Schadstoff PM2,5 erst seit dem Jahr2008 flächendeckend gemessen wird undaufgrund der 3-Jahres-Mittelung erst ab2010 betrachtet werden kann. Der Anteilder Stationen, die den Bezugswert von14 µg/m³ überschreiten, liegt zwischen 58und 90 %.Erhöhte Luftschadstoff-Konzentrationen betreffen viele MenschenBallungsräume sind im Vergleich zu anderen Gebieten in Deutschland durch vielfältige menschlicheAktivitäten (Industrie, Gewerbe, Verkehr) geprägt und am stärksten durch Luftverunreinigungenbelastet. Rund 35 % der Menschen in Deutschland leben in Ballungsräumen und sinddaher den erhöhten Gesundheitsrisiken durch Luftschadstoffe ausgesetzt.Für Feinstaub (PM2,5) gilt europaweit dersogenannte „Indikator für die durchschnittlicheExposition“ (Average ExposureIndicator, AEI). Dieser bezieht sich aufStationen des städtischen Hintergrundsund dient der Berechnung des nationalenZiels für die Reduzierung der Belastung.Entsprechend der Ausgangsberechnungdarf der nationale Durchschnittswert inDeutschland bis zum Jahr 2020 den Wertvon 14 µg/m³ nicht überschreiten. AlsBezugswert für Feinstaub (PM2,5) wirddeshalb 14 µg/m³ als Jahresmittelwert,gemittelt über 3 Jahre, an den dafür ausgewähltenstädtischen Hintergrundstationenin Ballungsräumen genutzt.Als Bezugswert für Stickstoffdioxidwird der europaweit geltende Grenzwertgenutzt. Danach dürfen 40 µg/m³ als Jahresmittelwertnicht überschritten werden.Als Bezugswert für Ozon wird der europaweitgeltende Zielwert genutzt. Danachsollen 120 µg/m³ als 8-Stunden-Mittelnicht öfter als 25-mal pro Kalenderjahr,gemittelt über drei Jahre, überschrittenwerden.69


Überschreitung der Belastungsgrenzenfür EutrophierungFlächenanteil mit Überschreitung der Belastungsgrenzen für EutrophierungProzent100ZIEL808273Keine Überschreitungbis 2020666054402001980 1990 2000 2010Quelle: Europäische Umweltagentur (EEA), Technical Report No.11, 2014Überschreitung der kritischen Belastungsgrenzen für EutrophierungTrotz rückläufiger Stickstoffeinträge wurden im Jahr 2010 die Belastungsgrenzen (Critical Loads)auf 54 % der Fläche empfindlicher Ökosysteme überschritten. Besonders drastisch sind dieÜberschreitungen in Teilen Nordwestdeutschlands, wo auf empfindlichen Böden intensiv Tierhaltungbetrieben wird und der Stickstoffeintrag aufgrund der dort ansässigen Landwirtschaftsehr hoch ist. Auch in den nächsten Jahren ist wegen der geringen Abnahme der Ammoniak-Emissionen(vor allem aus der Tierhaltung) mit einer weiteren Eutrophierung naturnaher Ökosystemezu rechnen.Langfristiges Ziel der EU und der Genfer Luftreinhaltekonvention ist die vollständige und dauerhafteUnterschreitung der Belastungsgrenzen für Eutrophierung. Auch die nationale Strategiezur Biologischen Vielfalt nennt als Ziel die Einhaltung der Critical Loads ab 2020. Ohne weitereMaßnahmen wird dieses Ziel allerdings nicht erreicht werden können.70 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


Die derzeit hohen Stickstoffeinträge in natürlicheund naturnahe Land-Ökosystemesind eine Folge der Emission von chemischund biologisch wirksamen (reaktiven)Stickstoffverbindungen, die in der Landwirtschaftund bei Verbrennungsprozessenentstehen. Die Luftverunreinigungenwerden über Niederschlag, Nebel, Raureifund Ablagerungen von Gasen und Partikelnaus der Luft in Land-Ökosystemeeingetragen.Ein übermäßiger Eintrag von Stickstoffverbindungenin Land-Ökosysteme kann zuBeeinträchtigungen der Umwelt führen.Zu den Folgen hoher Stickstoffeinträge inLand-Ökosysteme zählen Nährstoffungleichgewichteund eine Veränderungder Artenzusammensetzung zugunstenstickstoffliebender Arten. Die aus denStickstoffeinträgen resultierende Überdüngungist eine der Hauptursachen für denRückgang der biologischen Vielfalt. Fastdie Hälfte der Farn- und Blütenpflanzen,die in Deutschland in der Roten Liste aufgeführtsind, sind durch Nährstoffeinträgegefährdet. Außerdem wird die Anfälligkeitvieler Pflanzen gegenüber Frost, Dürreund Schädlingen erhöht [SRU 2015].Zur Bewertung der Stickstoffeinträgewerden ökologische Belastungsgrenzenermittelt. Liegt der Stoffeintrag überdiesen sogenannten „Critical Loads“,lassen sich schädliche Veränderungen vonStruktur und Funktion des Ökosystemslangfristig nicht ausschließen. CriticalLoads sind somit ein Maß für die Empfindlichkeitdes Ökosystems und erlauben eineräumlich differenzierte Gegenüberstellungder Belastbarkeit eines Ökosystems mitaktuellen Luftschadstoffeinträgen.Um die luftgetragenen Stickstoffeinträgezukünftig weiter zu reduzieren, wurden imfortgeschriebenen Multikomponenten-Protokollder Genfer Luftreinhaltekonventionfür alle Mitgliedstaaten Minderungszielefür die Emission von Stickstoffverbindungenvereinbart, die bis 2020 erreichtwerden müssen. Für Deutschland bestehtdie Zielvorgabe, bis 2020 im Vergleich zu2005 die Ammoniak-Emissionen um 5 %und die Stickstoffoxid-Emissionen um39 % zu senken. Zusätzlich plant die EUdie Fortschreibung der EU-Richtlinie zuEmissionshöchstmengen (NEC-Richtlinie).71


Überschreitung der Belastungsgrenzenfür VersauerungFlächenanteile mit Überschreitung der Belastungsgrenzen für VersauerungProzent1009593ZIEL80Keine Überschreitungbis 2020604740201801980 1990 2000 2010Quelle: Europäische Umweltagentur (EEA), Technical Report No.11, 2014Überschreitung der kritischen Belastungsgrenzen für VersauerungIn den letzten Jahren haben Einträge von versauernden Schwefel- und Stickstoffverbindungenaus der Luft in Land-Ökosysteme stark abgenommen. Im Jahr 2010 wurden die kritischen Belastungsgrenzen(Critical Loads) auf 18 % der Flächen empfindlicher Ökosysteme überschritten.Grund hierfür sind kaum noch hohe Einträge von Schwefelverbindungen, wie in den achtzigerJahren, sondern vielmehr der hohe Ammoniumstickstoffeintrag aus der Landwirtschaft (vor allemaus der Tierhaltung).Der umfassende Schutz der Ökosysteme vor Versauerung ist ein wichtiges Ziel der deutschenund europäischen Umweltpolitik. Auch die nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt nenntdas Ziel, die Critical Loads ab 2020 einzuhalten. Ohne eine konsequente Ausrichtung der Emissionsminderungsmaßnahmenauf Ammoniakemittenten wird dieses Ziel jedoch nicht erreichtwerden können.72 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


▸▸Messfläche für atmosphärischeSchadstoff einträge im BuchenbestandNationalpark Bayerischer WaldEmissionen aus Landwirtschaft, Energieproduktionund Industrie sind in Deutschlanddie Hauptursache für hohe Einträgevon versauernden Stickstoff- und Schwefelverbindungenin Land-Ökosysteme.Die Luftverunreinigungen werden überNiederschlag, Nebel, Raureif und Ablagerungenvon Gasen und Partikeln aus derAtmosphäre in die Ökosysteme eingetragen.Versauernde Stickstoff- und Schwefelverbindungenverursachen eine Absenkungdes pH-Werts in Ökosystemen. Durchfortschreitende Versauerung ändert sichdas Nährstoffangebot für die Vegetation.Lang anhaltender Säurestress führt zurMinderung der Vitalität von Pflanzen undzu eingeschränkter Abwehrkraft gegenübernatürlichen Stressfaktoren. SichtbareWaldschäden wie zum Beispiel Kronenverlichtungkönnen eine Folge von Versauerungsein.Um die versauernden Stoffeinträge bewertenzu können, werden ökologischeBelastungsgrenzen (Critical Loads) fürluftgetragene Stickstoff- und Schwefeleinträgeermittelt. Bei Überschreitung dieserBelastungsgrenzen können empfindlicheÖkosysteme wie Wälder, Heiden undMoore (aber auch Oberflächengewässerund Grundwasser) geschädigt werden. DieHöhe der tolerierbaren Deposition richtetsich dabei nach den Eigenschaften desbetrachteten Ökosystems.Um die versauernden Luftschadstoffeinträgeweiter zu reduzieren, wurden imfortgeschriebenen Multikomponenten-Protokollder Genfer Luftreinhaltekonventionfür alle Mitgliedstaaten Minderungen derEmission von Schwefel- und Stickstoffverbindungen(SO 2 , NH x , NO x ) vereinbart. FürDeutschland besteht die Zielvorgabe, bis2020 im Vergleich zu 2005 die Ammoniak-Emissionen um 5 %, die Stickstoffoxid-Emissionen um 39 % und die Schwefeldioxid-Emissionenum 21 % zu senken.Zudem plant die EU die Fortschreibungder EU-Richtlinie zu Emissionshöchstmengen(NEC-Richtlinie).73


Ökologischer Zustandder FließgewässerAnteil der natürlichen Fließgewässerwasserkörper, die das Ziel des guten oder sehrguten ökologischen Zustandes erreicht haben*Prozent-Anteil Wasserkörper10080604020018,0 %32,1 %0,1 % ** 39,6 %10,2 %ÖKOLOGISCHEZUSTANDSKLASSEsehr gutgutmäßigunbefriedigendschlecht* Prozentanteil der Wasserkörper mit ökologischem Zustand „sehr gut oder gut“ an der Gesamtzahl aller bewerteten Fließgewässer-Wasserkörper)im Vergleich zum Anteil der Fließgewässerkörper, die das Ziel noch nicht erreicht haben (ökologischer Zustand schlechter als gut)** Prozentanteil der als „sehr gut“ gewerteten Fließgewässer-WasserkörperQuelle: Umweltbundesamt, Berichtsportal WasserBLIcK/Bundesanstalt für Gewässerkunde 2015,Entwürfe der 2. BewirtschaftungspläneDeutsche Fließgewässer sind in keinem „guten“ ökologischen ZustandDie EU verfolgt mit der EG-Wasserrahmenrichtlinie 2000/60/EG (WRRL) aus dem Jahr 2000 einganzheitliches Schutz- und Nutzungskonzept für europäische Gewässer. Fließgewässer sollenmöglichst im Jahr 2015, spätestens aber im Jahr 2027 einen „guten“ oder „sehr guten“ ökologischenZustand erreichen.In den Entwürfen der Bewirtschaftungspläne 2015 werden nur etwa 10 % der natürlichen BachundFlussabschnitte in Deutschland in einen „guten“ oder „sehr guten“ ökologischen Zustandeingestuft. Die häufigsten Ursachen für das Verfehlen des „guten“ ökologischen Zustands warenveränderte Gewässerstrukturen zum Beispiel durch Begradigung und Bebauung, eine fehlendeGewässerdurchgängigkeit und eine zu hohe Nährstoffbelastung der Fließgewässer.Mehr als die Hälfte der Fließgewässer sind „erheblich verändert“ oder „künstlich“. Ihre Strukturwurde nutzungsbedingt so verändert, dass ihr ursprünglicher Zustand als Bewertungsmaßstabnicht mehr herangezogen werden kann oder sie wurden vom Menschen überhaupt erst angelegt(zum Beispiel Kanäle). Für sie gilt das „gute“ oder „sehr gute“ ökologische Potenzial als Ziel.Etwa 3 % erreichten dieses Ziel.Damit ist absehbar, dass ein großer Teil der Flüsse und Bäche in Deutschland den „guten“ ökologischenZustand/das „gute“ ökologische Potenzial in den nächsten Jahren nicht erreichen wird.74 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


Die Einstufung des ökologischen Zustandsder Oberflächengewässer erfolgt anhandvon biologischen, chemischen, physikalisch-chemischenund hydromorphologischenQualitätskomponenten auf Ebeneder Wasserkörper. Zur Einstufung werdendie im Wasser lebenden Organismen mitdem Bestand verglichen, der natürlicherweisedort vorhanden sein sollte. Die Gewässerbiologenziehen dazu vier Gruppenvon Lebewesen heran: Mikroalgen (Phytoplankton),Großalgen und Blütenpflanzen(Makrophyten), am Gewässerboden lebendewirbellose Tiere (Makrozoobenthos)und Fische. Für diese Gruppen werdendie Artenzusammensetzung und -häufigkeitenbestimmt und mit dem natürlichenZustand des Gewässertyps verglichen.Die Einstufung ist in der Verordnung zumSchutz der Oberflächengewässer (OGewV)festgelegt [BMUB 2014a].Je nach Grad der Abweichung vom natürlichenZustand des Gewässertyps vergebendie zuständigen Länderbehörden fünfZustandsklassen für Fließgewässerwasserkörper:„sehr gut“, „gut“, „mäßig“, „unbefriedigend“und „schlecht“. Bei der Einstufungfindet das „Worst-Case-Prinzip“Anwendung: die biologische Qualitätskomponentemit der schlechtesten Bewertungbestimmt die Klassenzugehörigkeit.Wird die nationale Umweltqualitätsnorm(UQN) eines flussgebietsrelevanten Schadstoffesüberschritten, kann der ökologischeZustand zudem bestenfalls als„mäßig“ bewertet werden.Die EU-Mitgliedsstaaten dokumentierenden ökologischen Zustand der Gewässerregelmäßig in Flussgebietsbewirtschaftungsplänen,welche sich am sechsjährigenBewirtschaftungszyklus der WRRLorientieren. Der erste Bewirtschaftungszyklusbegann 2009 und endet 2015. Innerhalbdieses Zeitraums wird jedes Jahrein Teil der Gewässer bewertet. Danachfolgen zwei weitere Zyklen.Vor dem ersten Bewirtschaftungszykluswurde die ökologische Qualität allerGewässer bewertet und ein erster Bewirtschaftungsplanund ein erstes Maßnahmenprogrammzur Verbesserung desZustandes erstellt. Die Frist hierfür endeteam 22. Dezember 2009. Deutschland hatseine Pläne und Programme fristgerechtan die EU-Kommission weitergeleitet. Siesind in der Broschüre „Die Wasserrahmenrichtlinie– Auf dem Weg zu guten Gewässern“zusammengefasst [UBA 2010].Um den ökologischen Zustand den Fließgewässerin Deutschland zu verbessern,enthalten die Maßnahmeprogramme eineReihe von Umweltschutz- und Renaturierungsmaßnahmen.Dazu zählen dieMinderung der Nährstoffeinträge ausder Landwirtschaft, der Rückbau vonstrukturellen Eingriffen und die Wiederherstellungnaturnaher Flussläufe undFlussauen.75


Einträge von Nährstoffenin OberflächengewässerStickstoff- und Phosphoreinträge aus Punkt- und diffusen Quellen in die FließgewässerDurchschnitt der Jahres-Werte von aufeinanderfolgenden 5-Jahres-Perioden1983 bis 1987 = 10010090100,0100,08085,97060504068,068,764,654,956,1ZIEL 2020(OSPAR/HELCOM)50,050,0302039,534,628,730,71001983–1987 1988–1992 1993–1997 1998–2002 2003–2005 2006–2011* ZIEL 2020Gesamteinträge StickstoffGesamteinträge Phosphor*** Neue Datengrundlage im Zeitraum 2006 bis 2011** Ziel für Gesamteinträge Phosphor bereits erreichtQuelle: Umweltbundesamt 2014Nährstoffe (Stickstoff und Phosphor) könnenaus Siedlungen, Landwirtschaft, Atmosphäreund Industrie in Bäche, Flüsse und Seengelangen und dort schädliche Umweltwirkungenentfalten. Zum Beispiel können siezu Algenblüten führen und den Sauerstoffhaushaltder Gewässer belasten.Der Eintrag von Nährstoffen in die Oberflächengewässerwird mit Hilfe des BilanzierungsmodellsMoRE und MONERISrechnerisch ermittelt. Die Ergebnissezeigen einen deutlichen Rückgang der Einträgein den letzten Jahrzehnten. Dieser isthauptsächlich auf die Einführung phosphatfreierWaschmittel, Produktionsstilllegungenin den neuen Ländern, den Bauund die Modernisierung kommunaler undindustrieller Kläranlagen sowie den höherenAnschlussgrad der Bevölkerung an dieAbwasserreinigung zurückzuführen.Hauptverursacher der Nährstoffeinträgein die Oberflächengewässer ist heute dieLandwirtschaft. Im Zuge von Landbewirtschaftungund Viehhaltung gelangenNährstoffe durch Abschwemmung undErosion von Bodenpartikeln aus land-76 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


wirtschaftlich genutzten Flächen in dieGewässer. Entsprechend treten dort hoheNährstoffeinträge auf, wo auf leicht durchlässigenoder erosionsgefährdeten Bödengroße Tierbestände konzentriert sind undintensiv Ackerbau betrieben wird. Diesist vor allem in Gebieten mit Sand- undMoorböden im Nordwesten Deutschlandsder Fall. Die Nährstoffeinträge aus derLandwirtschaft konnten in den letztenJahrzehnten kaum reduziert werden.Daneben sind sogenannte Punktquellen(zum Beispiel kommunale Kläranlagen,Kraftwerke, industrielle Direkteinleiter)von Bedeutung. Diese stellen für Phosphor,nicht aber für Stickstoff den dominantenEintragspfad dar.Maßgeblich für den Schutz der Oberflächengewässersind die Maßnahmen,die sich aus der Umsetzung der WRRLergeben. Hauptziel der WRRL ist, dieWasserpolitik stärker auf eine umweltverträglicheWassernutzung auszurichten.Für die Umsetzung der wasserrechtlichenMaßnahmen und den Gewässerschutzsind die Bundesländer zuständig.Zukünftige Anstrengungen zur Minderungder Nährstoffeinträge und Gewässerreinhaltungmüssen vor allem auf dieVerringerung der Belastung durch diffuseQuellen zielen. Besonders die Landwirtschaftist hier gefordert. Das Umweltbundesamtempfiehlt daher Maßnahmen,die dazu beitragen, dass Landwirte dieGrundsätze der guten fachlichen Praxis inder Landwirtschaft und im Bodenschutzeinhalten. Um die Stickstoffemissionenaus der Landwirtschaft zu senken, setztsich das Umweltbundesamt außerdem füreine Verschärfung der Düngeverordnungein. Weitere potentielle Maßnahmen zurVerbesserung der Gewässerqualität umfassendie Formulierung neuer Anforderungenan die Gewässerreinhaltung, denAusbau von Kläranlagen mit verbesserterReinigungstechnik, die regelmäßigeÜberwachung der Wasserqualität und eineenge Zusammenarbeit der Staaten in Flusseinzugsgebieteneinschließlich internationalbindender Abkommen [BMUB 2014a].Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft weiter verringernModellierungen haben ergeben, dass im Zeitraum 2006 bis 2011 im Mittel rund 580 Tsd. t Stickstoffpro Jahr in die Oberflächengewässer eingetragen wurden. Das sind rund 44 % weniger alsnoch im Mittel der Jahre 1983 bis 1987. Die Phosphoreinträge lagen im Zeitraum 2006 bis 2011bei durchschnittlich 25 Tsd. t pro Jahr. Dies entspricht einem Rückgang von 69 %, verglichen mitdem Mittel der Jahre 1983 bis 1987. Dabei ist zu berücksichtigen, dass für den Zeitraum 2006 bis2011 das Bilanzmodell und die Erhebung der Eingangsdaten geringfügig verändert wurden.Die EU hat sich mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) das Ziel gesetzt, die Nährstoffeinträgein die Gewässer deutlich zu senken. Für einige Nährstoffe gibt es zudem Zielvorgaben der internationalenÜbereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR) undder Ostsee (HELCOM). Die Umweltstrategien der internationalen Übereinkommen sehen vor, dieStickstoff- und Phosphoreinträge in die Oberflächengewässer bis zum Jahr 2020 im Vergleich zu1985 zu halbieren. Bei Phosphor wurde dieses Ziel bereits im Zeitraum 1993 bis 1997 erreicht,bei Stickstoff sind noch weitere Maßnahmen erforderlich.77


Nitrat im GrundwasserVerteilung der Nitratgehalte im EUA-Grundwassermessnetz 2010Anteil in Prozent353028,9ANZAHL DER MESSSTELLENN = 7232522,0201518,117,0108,655,401–10 >10–25 >25–50 >50–90 >90Konzentrationsklassen in Milligramm pro Liter NitratQuelle: Umweltbundesamt 2013 nach Angaben der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA)Grundwasser ist ein Teil des Wasserkreislaufsund ein wesentliches Element desNaturhaushaltes. Es stammt überwiegendaus Regenwasser, das durch den Bodenund den Untergrund bis in die Grundwasserleitersickert. Im Deutschland istGrundwasser die wichtigste Ressourcezur Trinkwassergewinnung. Etwa 74 %des Trinkwassers werden aus nationalenGrundwasservorkommen entnommen[BMUB 2014b].Erhöhte Nitratgehalte im Grundwasser stellenein Risiko für Mensch und Umwelt dar.Hohe Nitratkonzentrationen beeinträchtigendie Ökologie der Gewässer und dieTrinkwasserqualität und können sich aufdie menschliche Gesundheit auswirken.Hauptursache für die teilweise hohen Nitratkonzentrationenim deutschen Grundwassersind diffuse Nährstoffeinträgeaus der Landwirtschaft. Dabei tragen vorallem Einträge von stickstoffhaltigen Düngemittelnzur Nitratbelastung des Grundwassersbei. Im Zuge der landwirtschaftlichenNutzung werden Düngemittel häufignicht standort- und nutzungsgerecht aufBöden ausgebracht und können überVersickerung ins Grundwasser gelangen.Ein Maßstab für die Höhe der Belastungensind Stickstoffüberschüsse. Im Jahr 2012betrug der jährliche Stickstoffüberschussin der Gesamtbilanz für Deutschland 98Kilogramm pro Hektar (kg/ha).78 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


Zum vorsorglichen Grundwasserschutzbetreiben die Bundesländer und andereInstitutionen eine Vielzahl von Messstellen,an denen die Grundwasserbeschaffenheitüberwacht wird. Für die regelmäßigeBerichterstattung Deutschlandsüber den Zustand des Grundwassers andie Europäische Umweltagentur (EUA)wurden von den Bundesländern repräsentativeMessstellen ausgewählt undzum EUA-Grundwassermessnetz zusammengefasst.Die Länder übermitteln dieDaten aus diesem Messnetz jährlich andas Umweltbundesamt, das wiederum andie EUA berichtet.Um das Grundwasser vor einer hohen Nitratbelastungzu schützen, wurden von derEuropäischen Union (EU) Richtlinien zumSchutz des Grundwassers verabschiedet,die von den Mitgliedstaaten in nationalesRecht umzusetzen sind:▸▸Bereits im Jahr 1991 hat die EU dieNitratrichtlinie erlassen, die eineVerunreinigung des Grund- undOberflächenwassers durch Nitrat ausder Landwirtschaft verhindern soll.Mit dieser Richtlinie schreibt die EU▸▸▸▸die Einhaltung der „guten fachlichenPraxis“ in der Landwirtschaft sowieweitere Reduktionsmaßnahmen inAktionsprogrammen vor. Dazu gehörtauch, dass Landwirte die Düngeverordnungkonsequent anwenden sollen.Mit der EU-Trinkwasserrichtlinie legtedie EU 1998 einen verbindlichen Nitratgrenzwertvon 50 mg/l im Trinkwasserfest.Die EU-Grundwasserrichtlinie (GWRL)aus dem Jahr 2006 (novelliert 2014)ergänzt die EU-Wasserrahmenrichtlinie(WRRL) aus dem Jahr 2000. Sie siehtebenfalls einen Schwellenwert von 50mg/l für Nitrat vor, bei dessen Überschreitungkein „guter“ chemischerGrundwasserzustand mehr vorliegt, sodass Gegenmaßnahmen zu ergreifensind.Zur Erreichung der WRRL-Ziele werden inDeutschland im 6-jährigen Rhythmus Bewirtschaftungspläneaufgelegt, die auchMaßnahmenprogramme zur Verringerungder Nitratbelastung und zur Grundwasserreinhaltungbeinhalten.Nitratgehalt des GrundwassersNitrate können die Qualität des Grundwassers beeinträchtigen. Um Gefährdungen des Grundwassersfrühzeitig zu erkennen, überwachen die Bundesländer mit landeseigenen Messnetzenden Grundwasserzustand in Deutschland. Bei diesen Messungen wird auch der Nitratgehalt desGrundwassers regelmäßig überprüft.Dem Umweltbundesamt liegen für das Jahr 2010 die Nitratkonzentrationen von 723 Grundwassermessstellendes repräsentativen EUA-Grundwassermessnetzes vor. Die Messungen zeigen,dass an 50,9 % der Messstellen keine oder nur sehr geringe Nitratbelastungen von unter 10Milligramm pro Liter (mg/l) auftraten. An 35,1 % der Messstellen lagen die Nitratkonzentrationenzwischen 10 und 50 mg/l. Das Grundwasser an diesen Messstellen war deutlich bis stark durchNitrat belastet. Die verbleibenden 14,0 % der Messstellen wiesen hohe Nitratkonzentrationenvon über 50 mg/l auf. Dieses Grundwasser kann nicht ohne weitere Aufbereitung oder Verschneidungmit unbelastetem Wasser zur Trinkwassergewinnung genutzt werden, da es den Nitratgrenzwertder Trinkwasserverordnung 2001 (TrinkwV 2001) von 50 mg/l überschreitet.79


Zustand der Küstengewässervon Nord- und OstseeÖkologischer Zustand der bewerteten Wasserkörper der Übergangs- und KüstengewässerProzent100903,615,9ZIEL 2027*8032,170605050,0100sehr gut403064,3gutmäßig2031,8unbefriedigend10schlecht02,32008 2008 2027NORDSEEOSTSEENORD- UND OSTSEE* Ziel der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL): alle Wasserkörper in mindestens gutem Zustand bis 2015; Verlängerung bis 2027Quelle: Voß et al. (2010), Ökologische Zustandsbewertung der deutschen Übergangs- und Küstengewässer 2009Zustand der Küstenwasserkörper von Nord- und OstseeIm Jahr 2009 wurde der ökologische Zustand der Übergangs- und Küstengewässer von Nord- undOstsee bewertet. Es zeigte sich, dass nahezu alle Küstenwasserkörper der Nord- und Ostsee in„mäßigem“ bis „schlechtem“ Zustand sind. Nur einer der insgesamt 72 untersuchten Wasserkörperin Nord- und Ostsee erreichte den „guten“ ökologischen Zustand. Das schlechte Ergebnisresultiert in beiden Meeren aus übermäßigen Nährstoffeinträgen, die über Flüsse in die Meeregelangen und zur Eutrophierung der Küstenbereiche beitragen.Unterschiede zwischen der Nord- und Ostsee bestehen vor allem im Grad der Schädigung. Während15,9 % der Wasserkörper im Küstenbereich der Ostsee in „schlechtem“ Zustand“ waren, trafdies auf nur 3,6 % der Wasserkörper im Küstenbereich der Nordsee zu [Voß et al. 2010].Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie ist es, alle Küsten- und Übergangsgewässer bis spätestens2027 in einen „guten“ ökologischen Zustand zu überführen. Ohne deutliche Reduzierung derNährstoffeinträge aus den Flusseinzugsgebieten wird dieses Ziel nicht zu erreichen sein.80 SCHUTZ DER NATÜRLICHEN LEBENSGRUNDLAGEN Daten zur Umwelt 2015


Die Küstengewässer der Nord- und Ostseesind durch menschliche Einflüsse gefährdet.Übermäßige Einträge von Nähr- undSchadstoffen durch Flüsse bewirken eineEutrophierung und Verunreinigung küstennaherÖkosysteme. In der Folge wird dasökologische Gleichgewicht der Meeresumweltgestört und es kommt zu einerVeränderung der Artenzusammensetzungin den Küstengewässern.Mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)hat die EU im Jahr 2000 die Grundlagefür ein Gewässerschutzkonzept, das eineganzheitliche Betrachtung des Grundwassers,der Flüsse, der Seen und derKüstengewässer vorsieht, geschaffen. Einwichtiges Ziel der WRRL ist, bis zum Jahr2015 (bzw. bei Fristverlängerung bis zumJahr 2027) die Küstengewässer der NordundOstsee in einen „guten“ ökologischenZustand zu überführen. Der ökologischeZustand der Küstenwasserkörper wird inder Hauptsache am Vorhandensein naturraumtypischerLebensgemeinschaftengemessen. Die Bewertung erfolgt anhandder biologischen QualitätskomponentenPhytoplankton (Mikroalgen), Makrophyten(Großalgen und Blütenpflanzen),Makrozoobenthos (wirbellose Bodentiere)und Fische. Gewässerstrukturelle undphysikalisch-chemische Merkmale kommenunterstützend hinzu. Die biologischeQualitätskomponente mit dem schlechtestenBewertungsergebnis bestimmt dieEinordnung in die Zustandsklasse. FürWasserkörper, die in Folge physikalischerVeränderungen durch den Menschen inihrem Wesen erheblich verändert warenund daher keinen „guten“ ökologischenZustand aufweisen können, erfolgte dieBewertung des ökologischen Potenzials.Die Erfüllung der Anforderungen derWRRL erfolgt in verschiedenen Schritten.Nach Umsetzung der Richtlinie innationales Recht 2003 haben die Länderbehördenvon Schleswig-Holstein,Niedersachsen, Bremen, Hamburg undMecklenburg-Vorpommern die deutschenÜbergangs- und Küstengewässer 2004einer ersten Bestandsaufnahme unterworfen.Sie beruhte auf einer vorläufigenEinschätzung des ökologischen Zustands,da viele Bewertungsverfahren sich nochin der Entwicklung befanden. Im Jahr2009 wurden Bewirtschaftungspläne undMaßnahmenprogramme aufgestellt, umden Gewässerzustand zu verbessern. Fürdie Aufstellung der Bewirtschaftungsplänewurde auch der ökologische Zustandder Übergangs- und Küstengewässer derNordsee und der Ostsee bewertet.Im Jahr 2014 wurde eine Folgebewertunggemäß WRRL für die Küsten- und Übergangsgewässerdurchgeführt. Die vorläufigenErgebnisse deuten darauf hin, dasssich der ökologische Zustand gegenüber2009 nicht grundlegend verbessert hat.Voraussichtlich wird 2014 kein Wasserkörperden „guten“ Zustand erreicht haben.Die Ursachen liegen darin begründet,dass die bislang ergriffenen Maßnahmenzur Reduktion der Nährstoffeinträge nichtausreichend sind und die Übergangs- undKüstengewässer nur mit Zeitverzögerungauf eine Reduktion der Nährstoffeinträgereagieren.81


82 LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


04LAND- UNDFORSTWIRTSCHAFT83


Stickstoffüberschussder LandwirtschaftStickstoffüberschuss der Landwirtschaft (Gesamtbilanz)Kilogramm pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche160140148130120100101988060ZIEL2010:80402001990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012UrsprungswerteTrend (gleitendes 3-Jahresmittel, bezogen auf das mittlere Jahr)Quelle: Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde, Julius Kühn Institut (JKI) Braunschweig undInstitut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement (ILR), Universität Gießen, 2014Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft verringernVon 1991 bis 2011 ist der Stickstoffüberschuss in der Landwirtschaft im gleitenden 3-Jahresmittelvon 130 Kilogramm pro Hektar und Jahr (kg/ha*a) auf 101 kg/ha*a gesunken. Das entsprichteinem Rückgang um rund 22 %. Die Abnahme der Stickstoffüberschüsse zu Beginn der 1990erJahre ist zu großen Teilen auf die Reduktion der Tierbestände in den neuen Bundesländern zurückzuführen.Seit 1993 lag der durchschnittliche jährliche Rückgang des Saldos bei etwa 1 %. Erberuhte auf einem leichten Rückgang beim mineralischen Düngemitteleinsatz und auf Effizienzgewinnenbei der Stickstoffnutzung infolge von Ertragssteigerungen in der Pflanzenproduktionund höherer Futterverwertung bei Nutztieren.Die Bundesregierung hatte das Ziel, den Stickstoffüberschuss in der Landwirtschaft in der Gesamtbilanzbis zum Jahr 2010 von 130 auf 80 kg/ha*a zu reduzieren [Bundesregierung 2002]. Bis 2015sollte eine weitere Verringerung angestrebt werden [BMU 2007]. Das Ziel wurde nicht eingehalten.Im Jahr 2011 wurde der Zielwert um 21 kg/ha*a (gleitendes 3-Jahresmittel) oder rund 26 %überschritten. Ein neues Ziel wurde von der Bundesregierung noch nicht festgelegt. Das Umweltbundesamtempfiehlt, den Stickstoffüberschuss in der Gesamtbilanz auf 50 kg/ha*a bis 2040 zuverringern [UBA 2014b]. Außerdem spricht sich das Umweltbundesamt für eine Verschärfung derVorgaben der Düngeverordnung und eine bessere Umsetzung derselben aus.84 LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Stickstoff ist ein unentbehrlicher Nährstofffür alle Lebewesen. In der Landwirtschaftwird Stickstoff als Dünger eingesetzt, umNährstoffverluste auszugleichen, Ernteerträgezu steigern und die Bodenfruchtbarkeitzu verbessern. Im Übermaß indie Umwelt eingetragener Stickstoff kannjedoch gravierende Auswirkungen auf denNaturhaushalt haben. Wird überschüssigerStickstoff nicht durch Pflanzen aufgenommen,kann er in angrenzende Gewässeroder die Luft gelangen. Zu den bedeutsamstenFolgen hoher Stickstoffeinträge zählendie Eutrophierung von Ökosystemen, dieBelastung des Grundwassers mit Nitrat unddie Versauerung von Ökosystemen.Eine Maßzahl für die potenziellen Stickstoffeinträgeaus der Landwirtschaft inGrundwasser, Oberflächengewässer undLuft ist der Stickstoffüberschuss, der ausder Stickstoffgesamtbilanz ermittelt wird.Die Stickstoffbilanz der Landwirtschaftergibt sich aus der Gegenüberstellung vonStickstoffzufuhr und -abfuhr. Zufuhrensind Düngemittel, außerlandwirtschaftlicheEmissionen, biologische Stickstofffixierung,Saat- und Pflanzgut sowie Futtermittel.Die Stickstoffabfuhr errechnet sich ausden in den landwirtschaftlichen Produktenenthaltenen Stickstoffmengen. Der Saldowird nach der Hoftorbilanz berechnet.Dabei wird angenommen, dass die Stickstoffmenge,die nach der Stickstoffbilanzierungübrig ist, auf der landwirtschaftlichenNutzfläche und in der Umwelt zurückbleibt.2010 stammten demnach 50 % der Stickstoffzufuhrin den deutschen Agrarsektoraus Mineraldünger, 22 % aus inländischemTierfutter und 12 % aus Futtermittelimporten.Hinzu kamen 7 % durch die biologischeStickstofffixierung von Leguminosen;5 % wurden über die Luft aus nicht-landwirtschaftlichenQuellen eingetragen und1 % stammte aus Saat- und Pflanzgut. DieStickstoffabfuhr fand größtenteils überpflanzliche und tierische Produkte statt.Die Ergebnisse zeigen, dass trotz des tendenziellenRückgangs in den vergangenenJahren auch heute noch zu hohe Stickstoffüberschüsseentstehen. Die Gründe liegenhauptsächlich in nicht standortgerechterDüngung und übermäßiger Konzentrationvon Tierbeständen. Dabei haben diffuseNährstoffeinträge in Flüsse und das Grundwasserdort ihr Maximum, wo zu hoheTierbestände auf austragungsgefährdetenStandorten gehalten werden. Dies ist imgesamten Nordwesten Deutschlands undim Alpenvorland der Fall.Um eine Reduktion der Stickstoffüberschüssezu erreichen, wurde 1996 dieDüngeverordnung erlassen. Diese schreibtvor, dass Landwirte nur dem Nährstoffbedarfder Pflanzen entsprechend düngen dürfen.Seit 2007 darf der Stickstoffüberschussdes Einzelbetriebs (Betriebsüberschuss nachder Flächenbilanz) einen gesetzlich festgelegtenHöchstwert nicht überschreiten. DieserHöchstwert wurde (über drei Jahre gemittelt)schrittweise von 90 kg/ha*a auf 60kg/ha*a gesenkt. Werte der Flächenbilanzsind um etwa 30 kg/ha*a kleiner als Werteder Gesamt- oder Hoftorbilanz, weil siedie Stickstoffmengen nicht enthalten, dieaus den Ställen sowie bei der Gülle- undMistlagerung in die Luft entweichen.Analysen belegen, dass hohe Stickstoffüberschüssevor allem in Betrieben mithohem Viehbesatz anfallen. Hier gibt esnoch Minderungspotenziale: Die Effizienzder Stickstoffnutzung lässt sich zum Beispieldurch Optimierung des betrieblichenNährstoffmanagements, standortabgestimmteBewirtschaftung, geeignete Nutzpflanzensortenund kleinere Tierbeständeverbessern [UBA 2011].85


GrünlandumbruchGesamtfläche von Dauergrünland und prozentualer Anteil an der landwirtschaftlichgenutzten Fläche (LF) in DeutschlandFläche Dauergrünland in Hektar7.000.0006.000.0005.000.000Anteil Dauergrünland an LF in Prozent1009080704.000.00060503.000.0002.000.000312840301.000.000201001991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 20130Dauergrünland in HektarAnteil des Dauergrünlands an der landwirtschaftlich genutzten Fläche (LF) in ProzentQuelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) 2014, Statistik und BerichteErhalt des DauergrünlandsAls Grünland bezeichnet man Pflanzengemeinschaften aus Gräsern und krautartigen Pflanzen,die auf natürliche Weise oder durch menschliche Nutzung entstanden sind. Zur Grünlandflächegehören wichtige Naturschutzflächen wie Feuchtgrünland, Magerrasen und Streuobstwiesen,aber auch Wiesen und Weiden, die zur Nahrungs- und Futtermittelherstellung und zur Biomassegewinnunggenutzt werden. Insbesondere extensiv bewirtschaftete Grünlandstandorte weiseneine große Artenvielfalt auf [BfN 2014].In Deutschland ist das Grünland in den letzten Jahren stark unter Druck geraten. Während 1991noch über 5,3 Mio. ha landwirtschaftlich genutzter Fläche als Dauergrünland bewirtschaftetwurde, lag die Dauergrünlandfläche im Jahr 2013 nur noch bei 4,6 Mio. ha. Damit reduzierte sichdie Gesamtfläche des Dauergrünlands in diesem Zeitraum um etwa 0,7 Mio. ha.Ziel der deutschen und europäischen Agrarpolitik ist es, Grünlandflächen zukünftig zu erhaltenund weiteren Grünlandumbruch zu verhindern.86 LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Grünland erfüllt vielfältige Funktionen inder Agrarlandschaft und ist von großemWert für den Naturschutz. Grünlandstandortebeherbergen über die Hälfte allerin Deutschland vorkommenden Arten.Extensiv bewirtschaftetes Grünland istein wichtiger Standort für Pflanzengesellschaften,die nährstoffarme Böden bevorzugenund in der Agrarlandschaft seltensind. Gleiches gilt für an solche Standorteangepasste, gefährdete Tierarten. Darüberhinaus sind Grünlandflächen bedeutsamfür den Boden- und Gewässerschutz undleisten als Kohlenstoffsenken einen Beitragzum Klimaschutz.Der Grünlandrückgang ist Folge einerintensiveren Landwirtschaft und damitverbundener Landnutzungsänderungen.Auslöser war und ist die hohe Nachfragenach bestimmten Agrarprodukten wie zumBeispiel Mais als Tierfutter, verstärkt durchdie Biomasse-Förderung zur energetischenVerwertung. Weiden und Wiesen werdenhierdurch regional vermehrt für den Anbauvon Energiepflanzen in Anspruch genommen.Eine Auswertung der Daten mehrererBundesländer von 2009 zeigt, dass Maismit über 50 % die dominante Flächennutzungnach einer Grünlandumwandlung inAckerland ist. Die Intensivierung der Milchviehwirtschaftund niedrige Milchpreisefördern außerdem den Grünlandumbruch,da Landwirte ihre Kühe bei ganzjährigerStallhaltung zunehmend mit Kraftfutter(zum Beispiel Mais, Rapsschrot und Soja)füttern, anstatt diese traditionell auf derWeide zu halten. Ferner dient Grünlandauch als „Flächenreserve“ bei Landnutzungsänderungen.In Deutschland werdentäglich etwa 70 ha Fläche für SiedlungsundVerkehrszwecke neu in Anspruchgenommen. Der dadurch bedingte Verlustan Ackerfläche wird tendenziell durchGrünlandumbruch kompensiert.Aus Natur- und Klimaschutzsicht bedenklichist, dass der Grünlandumbruch auchauf ökologisch wertvollen Standorten derHalbtrockenrasen und Feuchtgrünländer(Nieder- und Anmoorstandorte) erfolgt.Wird auf diesen Flächen anschließendintensiver Ackerbau betrieben, kann dasgravierende Folgen für die Umwelt haben(Artenverlust, Nitratauswaschung, Treibhausgas-Emissionen,Erosionsgefahr).Zum Schutz des Dauergrünlands wurde2005 mit der Auflagebindung für Direktzahlungen(Cross Compliance) in der EUein Dauergrünlanderhaltungsgebot fürLandwirte, die Einkommensstützungdurch Direktzahlungen in Anspruch nehmen,formuliert. Des Weiteren wurden mitder Reform der Gemeinsamen Agrarpolitikder EU (GAP) Umweltschutzanforderungenfür die Förderperiode 2014 bis 2020 neugeregelt. Künftig werden 30 % der Direktzahlungenan die Einhaltung des sogenannten„Greenings“ (Fruchtartendiversifizierung,Grünlanderhalt, Bereitstellungökologischer Vorrangflächen) gekoppelt.Der Grünlanderhalt muss künftig nichtmehr auf Länderebene, sondern einzelbetrieblichgewährleistet sein. Auf Ebene derBundesländer darf die Grünlandfläche imVerhältnis zur Ackerfläche im Vergleichzum Jahr 2012 um nicht mehr als 5 %abnehmen. Für sensibles Dauergrünlandin Flora-Fauna-Habitat-Gebieten, giltzukünftig zudem ein Umwandlungs- undPflugverbot.Ob diese Auflagen ausreichen, um dasGrünland in Umfang und Qualität ausreichendzu schützen, wird die für 2017/2018angekündigte Halbzeitbewertung der neuenGAP zeigen. Die Möglichkeit, hier falls erforderlichkorrigierend einzugreifen, solltedann unbedingt genutzt werden.87


Ökologischer LandbauAnteil des Ökologischen Landbaus an der landwirtschaftlich genutzten FlächeFlächenanteil in Prozent2520ZIEL20 %151052,12,3 2,4 2,63,23,74,1 4,3 4,5 4,7 4,9 5,15,4 5,6 5,9 6,1 6,2 6,401996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaftund Forsten, Münster-Hiltrup, verschiedene Jahrgänge; http://www.bmel.de (eingesehen am 12.09.2014)Der Ökologische Landbau ist eine besondersressourcenschonende, umwelt- undtiergerechte Form der Landwirtschaft.Betriebe, die nach den Grundsätzen desÖkologischen Landbaus wirtschaften, verzichtenauf mineralische Düngemittel undchemisch-synthetische Pflanzenschutzmittelund erbringen eine Reihe positiverUmweltleistungen. Die Anzahl der Tiereist in Abhängigkeit von der Betriebsflächebegrenzt. Grundsatz der Bewirtschaftungsartsind möglichst geschlossene Nährstoffkreisläufe,eine vielfältige Fruchtfolgesowie tiergerechte Haltungsverfahren.Der Ökologische Landbau ist somit ein wesentlichesElement einer am Leitbild derNachhaltigkeit ausgerichteten Agrarpolitik.Ihm kommt eine Vorreiterrolle für einenachhaltige Landbewirtschaftung zu.Im Jahr 2013 bewirtschafteten in Deutschland23.271 Betriebe, das sind 8,2 % allerAgrarbetriebe, zusammen eine landwirtschaftlichgenutzte Fläche von 1.060.669 hanach den Regeln des Ökologischen Landbaus.Die Zahl der Betriebe stieg damitim Vergleich zum Vorjahr um etwa 1,0 %,während die ökologisch bewirtschafteteFläche in Deutschland um etwa 2,5 % zunahm(BMEL 2014).88 LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Die meisten ökologisch/biologisch wirtschaftendenlandwirtschaftlichen Betriebein Deutschland sind in Verbändenorganisiert. Die Richtlinien der deutschenAnbauverbände erfüllen die Kriteriender EG-Öko-Verordnung und gehen ineinigen Punkten über die EG-Vorschriftenhinaus. Die meisten dieser Anbauverbändegehören dem Bund ÖkologischeLebensmittelwirtschaft e. V. (BÖLW) alsSpitzenverband der gesamten deutschenBiobranche an.Bioprodukte erfreuen sich in Deutschlandwachsender Beliebtheit. Deutschland istgrößter Absatzmarkt und größter Bio-Produzent in Europa. Im Jahr 2014 wurdeein Umsatz von geschätzten 7,91 Mrd. Euroerzielt [BÖLW 2015]. Das entspricht einemZuwachs von rund 5 % gegenüber demVorjahr (2013: 7,55 Mrd. Euro). Bezogen aufden gesamten Lebensmittelmarkt lag derBio-Anteil bei etwa 4 % (2013). Trotz desleichten Zuwachses der ökologisch bewirtschaftetenFlächen von 2,7 % zwischen2013 und 2014, übersteigt die Nachfragenach Bioprodukten das Angebot nochimmer deutlich. Ein Teil dieser Importekönnte auch hierzulande produziertwerden. Die Bereitschaft von Landwirtenzur Umstellung auf ökologischen Landbausetzt jedoch eine finanzielle Planungssicherheitund Verlässlichkeit voraus. DasZiel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategieder Bundesregierung, einen Anteil von20 % Ökolandbauflächen in Deutschlandzu erreichen, hängt ganz wesentlich vonder Sicherstellung ausreichender Mittelfür den Ökolandbau ab. Es liegt somit inder Hand der europäischen und deutschenAgrarminister, sich für eine angemesseneAusstattung der zweiten Säule derAgrarpolitik und entsprechende Mittel imBundes- und Länderhaushalt einzusetzen,um die Belange des Umweltschutzes in derLandwirtschaft stärker zu unterstützenund den ökologischen Landbau ausreichendzu fördern.Steigender Anteil der Ökolandbaufläche in DeutschlandNach Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wurden imJahr 2013 in Deutschland rund 6,4 % der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche nach denPrinzipien des Ökologischen Landbaus bewirtschaftet [BMEL 2014]. Zwischen 1996 und 2013erhöhte sich der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche damit um 4,3 %.Ziel der Bundesregierung ist es, den Ökologischen Landbau in Deutschland weiter zu stärken.Hierzu soll der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche an der gesamten landwirtschaftlichgenutzten Fläche in Deutschland auf 20 % erhöht werden.Es ist absehbar, dass das Ziel der Bundesregierung in den nächsten Jahren voraussichtlich nichterreicht werden kann. Weitere Anstrengungen sind demnach nötig, um den Anteil der ökologischbewirtschafteten Fläche zukünftig zu vergrößern.89


Nachhaltige ForstwirtschaftAnteil nach PEFC bzw. FSC zertifizierter WaldflächeProzent1009080Zielwert von 80 %2010706056,061,062,8 63,665,0 65,8 66,1 66,3 66,7 66,8 66,8 66,7 66,45048,3403027,3201008,71,83,1 3,9 4,0 4,5 4,6 5,2 4,3 3,8 4,1 3,7 4,9 4,9 5,22000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014Anteil nach PEFC zertifizierter Waldfläche Anteil nach FSC zertifizierter Waldfläche Zielwert der BiodiversitätsstrategieQuelle: PEFC Deutschland (2014), FSC Deutschland (2014), Bundesamt für Naturschutz (2014)Anteil der zertifizierten Waldfläche in Deutschland stagniertZentral für den Schutz der Wälder und den Erhalt ihrer Leistungsfähigkeit ist ein nachhaltigerund effizienter Umgang mit dem Rohstoff Holz. Anspruchsvolle Zertifizierungssysteme fürnachhaltige Waldwirtschaft und die Verwendung zertifizierten Holzes sind hierfür wichtigeInstrumente. Im Jahr 2014 betrug der Anteil der nach PEFC zertifizierten Waldfläche 66,4 %,während der Anteil der nach FSC zertifizierten Waldfläche bei 8,7 % lag. Der Anteil der zertifiziertenWaldfläche an der gesamten Waldfläche hat in den Jahren 2000 bis 2003 stark zugenommen.Seit dem Jahr 2004 wird hingegen nur noch ein geringer jährlicher Zuwachs der zertifiziertenWaldfläche verzeichnet.Die Bundesregierung hat in der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ das Ziel festgelegt,dass 80 % der Waldfläche in Deutschland bis 2010 nach hochwertigen ökologischenStandards zertifiziert sein sollen. Das Ziel wurde im Jahr 2010 nur knapp verfehlt.90 LAND- UND FORSTWIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Die Zertifizierung ist eine freiwillige Selbstverpflichtungder Forstbetriebe, über diegesetzlichen Mindestanforderungen hinausweitere Mindestnormen im ökologischen,ökonomischen und sozialen Bereicheinzuhalten. Mit der Zertifizierung nacheinem anspruchsvollen Zertifizierungsystemdokumentieren die Waldbesitzer ihreBereitschaft, bei der Bewirtschaftung ihrerFlächen Erfordernisse der Nachhaltigkeitsowie des Natur- und Artenschutzes überden gesetzlich vorgegebenen Standardhinaus zu berücksichtigen.IN DEUTSCHLAND KONNTENSICH FOLGENDE FORSTLICHEZERTIFIZIERUNGSSYSTEMEETABLIEREN:▸▸▸▸▸▸Programme for the Endorsementof Forest Certification Schemes(PEFC)Forest Stewardship Council (FSC)Naturland-ZertifikatDas PEFC wurde 1999 initiiert und basiertinhaltlich auf den Beschlüssen der Nachfolgekonferenzender Umweltkonferenzvon Rio de Janeiro 1992. Die Einführungdes Zertifizierungssystems geht auf eineInitiative von skandinavischen, französischen,österreichischen und deutschenWaldbesitzen zurück. Vorrangiges Ziel vonPEFC ist die Dokumentation und Verbesserungder nachhaltigen Waldbewirtschaftungim Hinblick auf ökonomische, ökologischeund soziale Standards. Mit einerFläche von etwa 7,36 Mio. ha ist das PEFCdas System mit der größten zertifiziertenFläche in Deutschland [PEFC 2014].Das FSC wurde 1993 eingeführt und ist eininternational bedeutsames Waldzertifizierungssystem.Den FSC Deutschland alsnationale Initiative gibt es jedoch erst seit1997. Der FSC wurde mit dem Ziel gegründet,eine ökologisch angepasste, sozialförderliche und wirtschaftlich rentable Bewirtschaftungder Wälder zu fördern. DasFSC-Zertifizierungssystem wird von denmeisten Umwelt- und Naturschutzorganisationenunterstützt. Ende 2014 wurden inDeutschland etwa 965.000 ha Wald nachden Standards des FSC bewirtschaftet[FSC 2014].Das Naturland-Zertifikat wurde 1995 vonNaturland, Greenpeace, dem Bund fürUmwelt und Naturschutz Deutschland(BUND), dem World Wide Fund For Nature(WWF) und Robin Wood entwickelt.Ziel von Naturland ist eine ökologischeund sozial verantwortliche Nutzung derWälder. Derzeit sind etwa 54.000 ha nachden Naturland-Kriterien zur ökologischenWaldnutzung in Deutschland zertifiziert[Naturland 2014].Der Anteil der nach PEFC und FSC zertifiziertenWaldfläche wird als Indikatorder Nationalen Strategie zur biologischenVielfalt verwendet. Es ist dabei zu beachten,dass Waldflächen sowohl nach PEFCals auch nach FSC zertifiziert sein könnenund das Ausmaß der Überschneidungnicht exakt ermittelbar ist. Ferner sind dienach Naturland zertifizierten Waldflächenin den Zahlen des FSC enthalten.91


92 UMWELT UND WIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


05UMWELTUNDWIRTSCHAFT93


Umweltwirtschaft undgrüne ZukunftsmärkteProduktion von potenziellen Umweltschutzgütern in Deutschland nach UmweltbereichenPRODUKTIONIN MILLIARDEN EUROVERÄNDERUNGIN PROZENTUMWELTBEREICH 2009 2010 2011 2009/10 2010/11 2009/11Abfall 7,8 8,9 10,2 13,2 15,7 31,0Abwasser 14,0 14,6 16,2 4,5 10,6 15,5Lärm 3,6 4,3 5,3 17,3 25,7 47,4Luft 5,2 6,2 7,5 19,9 21,2 45,3Mess-, Steuerungs- undRegelungstechnik (MSR)5,2 6,0 6,7 15,8 11,6 29,3Klimaschutz 30,2 34,3 37,5 13,7 9,2 24,1darunterGüter zur rationellenEnergieverwendungGüter zur rationellenEnergieumwandlungGüter zur Nutzungerneuerbarer Energiequellen14,7 16,3 17,9 10,9 9,4 21,32,3 2,7 2,7 17,6 -0,3 17,213,1 15,2 16,8 16,2 10,6 28,5Umwelt und Klimaschutz insgesamt* 67,7 76,2 84,8 12,6 11,2 25,2nachrichtlich: Industrieproduktion 1.065 1.231 1.366 15,6 10,9 28,2* einschl. wegen Geheimhaltung nichtzurechenbarer GütergruppenQuelle: Statistisches Bundesamt, Berechnungen des NIW nachder neuen Liste potenzieller Umweltschutzgüter 2013, siehe auchGehrke, Schasse, Ostertag (2013), S. 23Umweltschutz stärkt den Wirtschaftsstandort:Produktion von UmweltschutzgüternDie Umweltwirtschaft ist eine Querschnitts-Branche, die alle Unternehmen erfasst, die Umweltschutzgüterund -dienstleistungen anbieten.Im Jahr 2011 wurden in Deutschland potenzielle Umwelt- und Klimaschutzgüter im Wert von fast85 Mrd. Euro hergestellt. Das entspricht 6,2 % des Werts der gesamten Industrieproduktion. Zwischen2009 und 2011 erhöhte sich der Produktionswert um 25 %. Insgesamt hat die Produktionpotenzieller Umwelt- und Klimaschutzgüter im Aufschwung nach dem Krisenjahr 2009 mit 13 %zunächst nicht ganz so stark zugenommen wie die der Industrieproduktion insgesamt (+ 16 %).Dies dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass die gesamte Industrieproduktion 2009 stärkereinbrach als die Produktion potenzieller Umwelt- und Klimaschutzgüter [Gehrke 2014].94 UMWELT UND WIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Zu den statistisch erfassten „potenziellenUmwelt- und Klimaschutzgütern“ gehörenGüter wie Luft- und Abwasserfilter oderRotorblätter für Windkraftanlagen, dieausschließlich für Umweltschutzzweckeeingesetzt werden. Weiterhin werden auchGüter einbezogen, die sowohl im Umweltschutzals auch zu anderen Zweckenein gesetzt werden können, wie beispielsweisePumpen, Leitungen oder Mess-,Steuer- und Regelgeräte. Das Konzept derpotenziellen Umwelt- und Klimaschutzgüterhaben Wirtschaftsforschungsinstitutein Zusammenarbeit mit dem StatistischenBundesamt entwickelt.GRÜNE ZUKUNFTSMÄRKTE SIND:▸▸▸▸▸▸▸▸▸▸▸▸Umweltfreundliche Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie,Energieeffizienz,Rohstoff- und Materialeffizienz,Nachhaltige Mobilität,Nachhaltige Wasserwirtschaft,Abfall- und Kreislaufwirtschaft.Die Produktion von Umwelt- und Klimaschutzgüternleistet nicht nur einen Beitragzur Verbesserung der Umweltsituation,sondern spielt auch als Wirtschaftsfaktoreine wichtige Rolle. Umweltschutzentwickelt sich zunehmend auch zu einemKernthema in den „klassischen“ Wirtschaftszweigenwie der Automobilindustrieoder dem Maschinenbau. Der Einsatzvon Umwelt- und Effizienztechnologiengewinnt an Bedeutung und entscheidetwesentlich über die Wettbewerbsfähigkeitder Unternehmen.Untersuchungen zeigen, dass deutscheUnternehmen eine starke Position auf denglobalen grünen Zukunftsmärkten haben.Für diese sogenannten „grüne Zukunftsmärkte“wird ein durchschnittlichesjährliches Wachstum des globalen Marktvolumensbis 2025 von 6,5 % vorausgesagt[BMUB 2014c].In allen sechs Sparten wies Deutschlandim Jahr 2013 Anteile am Weltmarkt vonmehr als 10 % auf. Besonders hohe Anteilehatte Deutschland in den Bereichen „UmweltfreundlicheErzeugung, Speicherungund Verteilung von „Energie“, „AbfallundKreislaufwirtschaft“ und „NachhaltigeMobilität“ mit jeweils 17 %. GrüneZukunftsmärkte haben eine Schlüsselrollefür die Erhaltung der Lebensgrundlagender Menschheit und die Erfüllung ihrerGrundbedürfnisse. Zudem sind sie wirtschaftlichbesonders bedeutsam.95


Beschäftigung imUmweltschutz insgesamtEntwicklung der UmweltschutzbeschäftigungTausend Personen2.500Prozent202.0001.5001.0005001.452 1.473106 157383 368963 9473,7 3,81.7672313991.1374,51.9351.953322 360408 4251.205 1.1684,84,815105UmweltorientierteDienstleistungenErneuerbare EnergienNachfrage nachUmweltschutzgüternnetto*Anteil der Umweltschutzbeschäftigtenan Beschäftigunginsgesamt02002 2004 2006 2008 20100Der Schätzwert der umweltorientierten Dienstleistungen für das Jahr 2010 ist aufgrund methodischer Änderungenmit den Schätzwerten für die Vorjahre nur eingeschränkt vergleichbar.* netto: bereinigt um Doppelzählungen. Enthalten ist die Beschäftigung durch energetische GebäudesanierungQuelle: Edler, D., Blazejczak, J. (2014): Beschäftigungswirkungen des Umweltschutzes in Deutschlandim Jahr 2010. In: Umweltbundesamt, Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit(Hrsg.): Reihe Umwelt, Innovation, Beschäftigung 02/14.Umweltschutz ist für eine Vielzahl von Berufenvon Bedeutung. Die Palette der Umweltberufereicht vom Straßenreiniger biszur Fachärztin für Umweltmedizin, vonder Umwelttechnikerin bis zum Schornsteinfeger,vom Energieberater bis zurMitarbeiterin in der Umweltverwaltung.Wie viele Beschäftigte im Umweltschutztätig sind, kann wegen der Vielzahl derBerufsfelder und Tätigkeiten nicht einfachaus einer Statistik abgelesen werden. Umden Stellenwert des Umweltschutzes fürden Arbeitsmarkt aufzuzeigen, gibt dasUmweltbundesamt daher regelmäßig Forschungsprojektein Auftrag, die auf Grundlageeiner international anerkanntenMethode die Zahl der im Umweltschutz beschäftigtenPersonen schätzen. Hauptkategorienfür die Umweltschutzbeschäftigungsind umweltorientierte Dienstleistungen,die Produktion von Umweltschutzgütern,Investitionen und der Betrieb von Anlagender erneuerbaren Energien. Da sich der Bereicherneuerbare Energien in den letztenJahren dynamisch entwickelt hat, wurdenhierfür differenziertere Studien durchgeführt,deren Ergebnisse im nächstenBeitrag dargestellt werden.96 UMWELT UND WIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Bei den für 2010 vorliegenden Daten wirddeutlich, welche (Brutto-) Beschäftigungseffekteim Umweltschutz jeweils nachweisbarsind. In einer beschäftigungspolitischenBilanz, d.h. bei einer Nettobetrachtung,müssten von diesen Arbeitsplätzen diemöglichen Arbeitsplatzverluste aufgrundvon Verdrängungseffekten und Kosten-,Preis- und Wettbewerbswirkungen abgezogenwerden. Empirisch lassen sich dieseNettobeschäftigungswirkungen jedochnicht bestimmen. Das geht nur mit Modellrechnungenoder Szenarienanalysen,die den Einfluss einer Maßnahme auf dieBeschäftigung ermitteln.nur brutto, sondern auch netto zu mehrBeschäftigung. Hinzu kommt, dass Umweltschutzmaßnahmenzum Teil Importedurch inländische Wertschöpfung ersetzen– etwa bei Energiesparinvestitionen,die den Verbrauch fossiler Energieträgerwie Öl oder Gas verringern.Bei allen Szenarienanalysen ist jedoch zubeachten: Ziel des Umweltschutzes ist esnicht primär, möglichst viele Arbeitsplätzezu schaffen, sondern Umweltqualitätszieleeffizient – das heißt zu den geringstenvolkswirtschaftlichen Kosten – zu erreichen.Dass Umweltschutz in vielen Fällenauch per Saldo Arbeit schafft, liegt unteranderem daran, dass arbeitsintensiveSektoren überdurchschnittlich profitieren.Daher führt eine Umschichtung der Gelderin den Umweltschutz in vielen Fällen nichtUmweltschutz schafft ArbeitsplätzeDer Umweltschutz ist ein wichtiger Faktor für den Arbeitsmarkt in Deutschland. Im Jahr 2010 verdanktenrund 2 Mio. Menschen ihren Arbeitsplatz dem Umweltschutz. Das entspricht etwa 4,8 %aller Erwerbstätigen in Deutschland. Etwa 60 % dieser Arbeitsplätze entfallen auf umweltorientierteDienstleistungen, wie etwa Energieeinsparberatungen [Edler 2014]. In den vergangenenJahren ist die Beschäftigung im Umweltschutz stetig angestiegen und hat sich nun auf hohemNiveau stabilisiert.Bei der ausgewiesenen Zahl der Beschäftigten handelt es sich um die Arbeitsplätze, die zur Herstellungder Umweltschutzgüter und -dienstleistungen insgesamt notwendig sind (so genannteBruttobeschäftigungseffekte). Umweltschutzgüter werden in einer Vielzahl traditioneller Wirtschaftszweigehergestellt, etwa im Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau, in der elektronischenIndustrie und im Baugewerbe. Daher sind auch die Beschäftigungswirkungen des Umweltschutzesnicht auf einzelne Wirtschaftssektoren begrenzt, sondern wirken sich branchenübergreifendaus.97


Beschäftigte durcherneuerbare EnergienBeschäftigungswirkungen erneuerbarer EnergienTausend Personen137.800Windenergie63.90085.700121.800126.400Biomasse56.800119.500127.50068.500Solarenergie25.10049.200113.90013.100Wasserkraft12.9008.1009.50017.300Geothermie16.40010.3001.800öffentlichgeförderteForschung/Verwaltung8.3007.3004.5003.4000 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 140.000 160.0002013: rd. 371.400 Arbeitsplätze2012: rd. 399.800 Arbeitsplätze2007: rd. 277.300 Arbeitsplätze2004: rd. 160.500 Arbeitsplätze** SchätzungQuelle: O'Sullivan u.a. (2014): Bruttobeschäftigung durch erneuerbare Energien in Deutschland im Jahr 2013 –eine erste Abschätzung, Forschungsvorhaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, Berlin.98 UMWELT UND WIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Für den Arbeitsmarkt „Erneuerbare Energien“werden vor allem technische Qualifikationen− also Ingenieure, Techniker undHandwerker − nachgefragt. Für Serviceund Montage besteht ein sehr großerFachkräftebedarf. Der Ausbildungsmarktreagierte auf die gestiegene Nachfragenach Fachkräften. Die Zahl der Studiengängemit Bezug zum Thema erneuerbareEnergien hat sich von 144 im Jahr 2007 auf300 im Jahr 2010 mehr als verdoppelt.Bei den hier dargestellten Beschäftigungszahlenhandelt es sich um sogenannteBruttobeschäftigungseffekte. Die Zahlenverdeutlichen, wie viele Menschen insgesamtim Bereich erneuerbare Energienbeschäftigt sind. Mit dem Ausbau erneuerbarerEnergien ist jedoch auch eineVerdrängung anderer Energieerzeugungssystemeund damit eine Verringerungan Arbeitsplätzen an anderer Stelle derWirtschaft verbunden. Modellrechnungenund Szenarienanalysen zeigen, dass sichdie Erhöhung der Strom- und Wärmeerzeugungaus erneuerbaren Energienper Saldo positiv auf den Arbeitsmarktausgewirkt hat. Es ergibt sich eine höhereBeschäftigung als in Szenarien mit einerEnergieversorgung, die weitgehend aufden Einsatz erneuerbarer Energien verzichten.Die Modellrechnungen kamen zudem Ergebnis, dass neben dem Ausbau dererneuerbaren Energien auch die Steigerungder Energieeffizienz positiv auf dieBeschäftigungslage wirkt [GWS 2013].Langfristige positive Beschäftigungswirkungendurch den Ausbau erneuerbarer EnergienInsgesamt 371.400 Menschen arbeiten 2013 im Bereich erneuerbare Energien. Sie sind mit derErstellung und dem Betrieb von Anlagen oder auch mit Forschung und Verwaltung beschäftigt.Den größten Anteil macht die Windenergie aus, gefolgt von Biomasse und Solarenergie. Langfristigbetrachtet hat sich die Anzahl der Beschäftigten gegenüber 2004 mehr als verdoppelt.Von 2012 auf 2013 ist die Anzahl der Arbeitsplätze jedoch um 7 % gesunken. Diese negativeEntwicklung gegenüber dem Vorjahr ist fast ausschließlich auf Einschnitte bei der Solarenergiezurückzuführen, dort sank die Beschäftigung innerhalb eines Jahres um fast 45.000 Personen.Verantwortlich dafür war vor allem der starke Rückgang bei der Neuinstallation von Solaranlagenin Deutschland. Eine gegenteilige Entwicklung ist in der Windbranche zu beobachten. Dortentstanden innerhalb eines Jahres rund 16.000 zusätzliche Arbeitsplätze. Die anderen Bereicheder erneuerbaren Energien (Biomasse, Wasserkraft, Geothermie) weisen im Vergleich zu 2012nur sehr geringe Veränderungen auf [o´Sullivan 2014].99


Gesellschaftliche Kostenvon UmweltbelastungenUmweltkosten von Energie und VerkehrUmweltkosten (Treibhausgase und Luftschadstoffe) für Strom- und Wärmeerzeugung sowie Straßenverkehr in Milliarden Euro *140120122,4115,2120,610034,734,535,080604087,780,785,62002008 2009 2010EnergieVerkehr* Basierend auf Kaufkraft 2010Quelle: Umweltbundesamt, eigene Berechnungen auf Basis von Daten der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen,Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik , TREMOD - Transport Emission Model, Erneuerbare Energie in Zahlen,Methodenkonvention zur Schätzung von Umweltkosten 2.0Umweltkosten liegen im dreistelligen MilliardenbereichUmweltkosten sind ökonomisch höchst relevant. Das zeigt etwa der Ökonom Nicholas Sternin seinem Review on the Economics of Climate Change im Jahr 2006. Er bezifferte in dem sogenannten „Stern Report“ die allein durch den Klimawandel entstehenden Kosten auf jährlichbis zu 20 % des globalen Bruttoinlandprodukts. Auch auf Deutschland bezogene Schätzungenzeigen die ökonomische Bedeutung der Umweltkosten. So erreichen die energiebedingten Umweltkostender Strom- und Wärmeerzeugung sowie des Verkehrs in Deutschland eine Größenordnungvon 120 Mrd. Euro jährlich.Die Umweltkosten der Energieerzeugung mit fossilen Energieträgern wie Stein- und Braunkohlesind wesentlich höher als die Umweltkosten, die bei der Nutzung erneuerbarer Energien wieWindkraft und Solarenergie entstehen. Durch Energieeinsparungen und die verstärkte Nutzungerneuerbarer Energien können daher nicht nur Emissionen sondern auch gesellschaftliche Folgekosteneingespart werden.100 UMWELT UND WIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Einträge von Schadstoffen in die Umweltbelasten nicht nur die Ökosysteme und dieAtmosphäre. Sie verursachen auch Schädenan der menschlichen Gesundheit oderan Sachgütern. Oftmals sind damit auchwirtschaftliche Kosten verbunden, etwaAufwendungen für die Beseitigung vonUnwetterschäden oder Kosten zur Behandlungumweltbedingter Erkrankungen.Die Schätzung dieser Kosten ist methodischaufwändig. Das UBA hat mit Fachleutenmehrerer Forschungsinstitute dieMethodenkonvention 2.0 zur Schätzungvon Umweltkosten erarbeitet [UBA 2013c].Sie berücksichtigt den aktuellen Standder Forschung und hilft, die Kosten für dieNutzung der Umwelt nach einheitlichenund transparenten Kriterien zu ermitteln.Schäden an der menschlichen Gesundheitund Umwelt entstehen vor allem beimEinsatz fossiler Brennstoffe. Die dabeifreiwerdenden Luftschadstoffe − wie Feinstäubeund Stickstoffoxide − verursacheneine Zunahme von Erkrankungen (Asthma,Husten oder Bronchitis), Schäden anGebäuden (Fassadenverschmutzung) unddie ausgestoßenen Treibhausgase tragenzum Klimawandel bei.Klimafolgeschäden und Gesundheitsschädendurch Luftschadstoffe sind bei fossilenBrennstoffen – wie Kohle, Öl und Gas – füretwa 90 % der quantifizierbaren Schädenverantwortlich. Weitere Kategorien sindMaterialschäden an Gebäuden, Ernteausfälleund Wasserverschmutzung.Schätzungen von Umweltkosten sind vielseitignutzbar. Sie zeigen, wie kostspieligunterlassener Umweltschutz ist und untermauerndie ökonomische Notwendigkeit anspruchsvollerUmweltziele. Mit ihrer Hilfelassen sich auch die Kosten und Nutzenvon umwelt- und klimapolitischen Maßnahmenbesser bewerten. Zum Beispielliegt der Nutzen von Energiesparmaßnahmennicht nur in den eingesparten Energiekosten,sondern auch in vermiedenenUmwelt- und Gesundheitsschäden.So gibt es unter anderem Best-Practice-Kostensätze für Umweltkosten durchTreibhausgasemissionen, Luftschadstoffeund Lärm oder auch pro erzeugter KilowattstundeStrom und pro gefahrenemKilometer. Auf Grundlage der Kostensätzelassen sich die Umweltkosten schätzen,die bei der Strom- und Wärmeerzeugungsowie im Verkehrsbereich entstehen.101


Umweltbezogene SteuernUmweltbezogene Steuern in DeutschlandUmweltsteuern in Millionen Euro70.000Anteil in Prozent3060.00050.000252040.00030.00020.0009,710,312,211,310,1 9,710,4 10,3 10,09,5 9,2 8,9151010.000501995 2000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014*0Mineralöl/EnergiesteuerStromsteuerKraftfahrzeugsteuerKernbrennstoffsteuerLuftverkehrssteuerAnteil an gesamten kassenmäßigenSteuereinnahmen öffentlicher Haushalte* vorläufige AngabenQuelle: Statistisches Bundesamt 2015, Umweltökonomische Gesamtrechnungen, UmweltschutzmaßnahmenUmweltbezogene Steuern machen nur knapp 9 Prozentder Steuereinnahmen ausIm Jahr 2014 beliefen sich die Einnahmen aus umweltbezogenen Steuern auf 57,3 Mrd. Euro. Dengrößten Anteil daran hatte die Energiesteuer (die frühere Mineralölsteuer) mit 39,8 Mrd. Euro,gefolgt von der Kraftfahrzeugsteuer (8,5 Mrd. Euro) und der Stromsteuer (6,6 Mrd. Euro).Von 2000 bis 2014 haben sich die umweltbezogenen Steuern um 18,9 % erhöht, die Steuerninsgesamt stiegen jedoch um 37,7%. Der Anteil umweltbezogener Steuern an dem gesamtenSteueraufkommens beträgt daher nur noch 8,9 %. Dies ist der niedrigste Wert seit 1995.Im Vergleich mit anderen Ländern in Europa (Durchschnitt EU-28) haben die umweltbezogenenSteuern in Deutschland einen geringeren Anteil an den gesamten Steuern und Sozialabgaben.Auch bezogen auf das BIP liegt der Anteil im EU-Vergleich unter dem Durchschnitt.102 UMWELT UND WIRTSCHAFT Daten zur Umwelt 2015


Mit der Einführung der ökologischenSteuerreform im Jahr 1999 sind dieEinnahmen umweltbezogener Steuernund Gebühren in Deutschland deutlichangestiegen. Bis zum Jahr 2003 gab es einemehrstufige Anhebung der Mineralöl- undStromsteuersätze. Bis zum Jahr 2010 wardas Aufkommen der umweltbezogenenSteuern jedoch leicht rückläufig. Dies liegtnicht zuletzt daran, dass die ökologischeSteuerreform in ihrer Lenkungswirkungfür den Klimaschutz erfolgreich war undzu einem effizienteren Umgang mit Energieund Strom geführt hat. Die Steuersätzesind jedoch nicht entsprechend angehobenworden. Im Jahr 2011 sorgten die neueingeführte Kernbrennstoffsteuer unddie Luftverkehrssteuer für eine Zunahme.Bezogen auf den Anteil an den gesamtenSteuereinnahmen liegen die umweltbezogenenSteuern nun nur noch bei 8,9 %.Das ist niedriger als vor Einführung derökologischen Steuerreform.Der Einsatz umweltbezogener Steuernträgt wirksam dazu bei, die ökologischenHerausforderungen zu bewältigen, diesich zum Beispiel aus dem Energie- undRessourcenverbrauch ergeben: Unternehmenund Haushalte werden über einen höherenPreis dazu angehalten, die Umweltkostender betreffenden Produkte in ihreProduktions- und Kaufentscheidungeneinzubeziehen. Darüber hinaus werdendie Unternehmen motiviert, neue umweltfreundlichereTechnologien zu entwickelnund haben dadurch die Möglichkeit, ihreinternationale Wettbewerbsfähigkeit zuverbessern.Das Konzept einer Statistik über umweltbezogeneSteuern wurde auf internationalerEbene von der OECD unddem Statistischen Amt der EuropäischenGemeinschaften (Eurostat) erarbeitet. ImVergleich mit andern Ländern in Europa(Durchschnitt EU-28) haben die umweltbezogenenSteuern in Deutschlandeinen geringeren Anteil an den gesamtenSteuern und Sozialabgaben. Auch bezogenauf das BIP liegt der Anteil unter demDurchschnitt [Eurostat 2014].103


104 UMWELT UND VERKEHR Daten zur Umwelt 2015


06UMWELTUNDVERKEHR105


GütertransportintensitätGütertransportintensitätIndex (1999 = 100)140130127,4120117,1110108,8100ZIEL9590801999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012* 2020Gütertransportintensität Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt Güterverkehrsaufwand* vorläufige DatenQuelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2015, Umweltökonomische Gesamtrechnungen,Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, Indikatoren zu Umwelt und Ökonomie, S. 20Der zunehmende Güterverkehr kannMensch und Umwelt erheblich belasten.Das geschieht vor allem durch den Verbrauchfossiler Energieträger, die darausresultierenden Emissionen von Treibhausgasen,Luftschadstoffen und Lärm sowiedurch die Zerschneidung von Flächen undLandschaften.Insgesamt stieg der inländische Güterverkehrsaufwand(die Fahrleistung in Kilometernmultipliziert mit den befördertenTonnen, gemessen in Tonnenkilometern,tkm) von 1999 bis 2012 um 27,4 %.Um den weiteren Anstieg von Güterverkehrsaufwandsowie negativen Umweltwirkungenzu vermeiden, müssen Maßnahmen zurVerkehrsvermeidung und zur Verkehrsverlagerungdes Gütertransports auf Schiene undSchiff ergriffen werden. Zur Transportvermeidungwerden Maßnahmen wie effizientereLogistik im Rahmen des betrieblichenUmweltmanagements oder überbetrieblichim Rahmen von Frachtbörsen undModellen der City-Logistik sowie ökonomischeInstrumente untersucht. Durch bessereRaumplanung und höhere Transportkostenwerden langfristig verkehrsvermeidende106 UMWELT UND VERKEHR Daten zur Umwelt 2015


Wirtschaftsleistung vom Gütertransport entkoppelnDer Güterverkehr soll möglichst effizient abgewickelt werden. Um das zu messen, wird der Güterverkehrsaufwandins Verhältnis zur gesamten Wirtschaftsleistung − dem BIP − gesetzt. DasErgebnis ist die Gütertransportintensität. Die Bundesregierung strebt in ihrer Nachhaltigkeitsstrategieeine Reduzierung der Gütertransportintensität um 5 % gegenüber dem Stand von 1999an. Dies soll bis zum Jahr 2020 erreicht werden. Ziel ist die Entkopplung der Wirtschaftsleistungvom Güterverkehr.Zunächst entwickelte sich die Gütertransportintensität entgegen der angestrebten Richtung.2007 erreichte sie ihren Höhepunkt, ging dann zurück, um mit wiederauflebender Konjunkturzunächst anzusteigen und seit 2011 erneut zu sinken. Um das Ziel der Bundesregierung zu erreichen,sind verstärkte Anstrengungen zur Einsparung von Güterverkehr notwendig. Daneben istaus Umweltsicht wichtig, mehr Güterverkehr mit umweltfreundlicheren Verkehrsträgern wie derBahn oder dem Schiff abzuwickeln.Standortentscheidungen von Unternehmenunterstützt. Die Verlagerung vonTransporten von der Straße auf die Schieneoder den Wasserweg kann durch die Einführungfairer Kostenstrukturen (zum Beispieldurch die Lkw-Maut), Maßnahmenzum kombinierten Ladungsverkehr undzu vernetzten Güterverteilzentren sowiedurch die Entwicklung eines gesamteuropäischenintegrierten Verkehrssystemsgefördert werden.Die Kenngröße Gütertransportintensitätspiegelt die Situation des Güterverkehrs inDeutschland wider. Die Verflechtung derdeutschen Wirtschaft in den Weltmarktmit den damit zusammenhängenden Verkehrsströmenim Ausland kann sie nichtausreichend erfassen. Dabei sind dieseerheblich: Nach Angaben des StatistischenBundesamtes [StBA 2014] machte derGüterverkehrsaufwand der deutschen ImundExportgüter im Ausland im Jahr 2010rund 3.031 Mrd. tkm aus. Im Inland beliefsich die Transportleistung im gleichenJahr auf 628 Mrd. tkm.107


PersonentransportintensitätPersonentransportintensitätIndex (1999 = 100)130120117,1110107,410091,79080ZIEL80701999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012* 2020Personentransportintensität Bruttoinlandsprodukt, preisbereinigt Personenverkehrsaufwand* zum Teil vorläufige DatenQuelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.) 2015, Umweltökonomische Gesamtrechnungen,Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, Indikatoren zu Umwelt und Ökonomie, S. 21Effizient und umweltschonend mobil seinAusreichende und bezahlbare Mobilität ist für Bürgerinnen und Bürger nicht zuletzt Ausdruckpersönlicher Freiheit. Die zentrale Aufgabe einer nachhaltigen, umweltorientierten Verkehrspolitikliegt deshalb darin, Mobilität zu erhalten und möglichst umweltverträglich zu gestalten.Die Entkopplung des Personenverkehrs von der Wirtschaftsleistung gibt einen Hinweis auf dieeffiziente und damit vergleichsweise umweltschonende Abwicklung des Personentransports.Gemessen wird das durch die Personentransportintensität (die Fahrleistung in Kilometern multipliziertmit den beförderten Personen, im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt). Eine abnehmendeIntensität zeigt eine Entwicklung in die gewünschte Richtung an.Die Bundesregierung hat sich in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie [Bundesregierung 2002] zumZiel gesetzt, die Personentransportintensität bis 2020 auf 80 % des Wertes von 1999 zu senken.Zwischen 1999 und 2008 bewegte sich die Personentransportintensität in die angestrebte Richtung.Nach einem Anstieg im Jahr 2009, der auf den Rückgang des BIP zurückzuführen ist, sanksie wieder auf das Niveau von 2008. Um das Ziel fristgerecht zu erreichen, sind noch erheblicheAnstrengungen nötig.108 UMWELT UND VERKEHR Daten zur Umwelt 2015


Zentrale Säulen einer nachhaltigen Mobilitätsind die Vermeidung von unnötigenWegen und Transporten, die Verlagerungvon Verkehr auf umweltfreundliche Verkehrsmittelsowie die Verbesserung dereingesetzten Technologien. Im Personenverkehrliegt der Schwerpunkt auf einerStärkung des öffentlichen Personennahund-fernverkehrs sowie des nicht-motorisiertenRad- und Fußverkehrs.Der Verkehrsaufwand im Personenverkehrstieg in den Jahren 1999 bis 2012 um rund7 %. Der motorisierte Individualverkehrnahm um etwa 5 % zu und behielt damitseine dominierende Stellung: Sein Anteilam gesamten Personenverkehrsaufwandging von 1999 (82,0 %) bis 2012 (80,5 %)kaum zurück. Auch der Anteil des öffentlichenStraßenverkehrs und der Eisenbahnenblieb zwischen 1999 und 2012 nahezukonstant (1999: 14,2 %, 2012: 14,5 %).Der Personenverkehrsaufwand dieservergleichsweise weniger umweltbelastendenVerkehrsarten nahm in dieser Zeitum 10 % zu, wobei diese Zunahme vorallem auf die Entwicklung im Eisenbahnverkehrzurückzuführen ist (+ 20 %). Diezweithöchsten Zuwachsraten sind mit16 % beim inländischen Luftverkehr zuverzeichnen. Sein Anteil am gesamten Personenverkehrsaufwandliegt bei rund 1 %.Wird der nicht-motorisierte Personenverkehr(Fußgänger, Rad) in den Verkehrsaufwandmit einbezogen, liegen die Zahlenkaum anders: Der motorisierte Individualverkehrdominierte 2011 mit einem Anteilvon etwa 76 % und lag damit eindeutig vordem Umweltverbund (Fußgänger-, Rad-,Schienen- und öffentlicher Straßenpersonenverkehr)mit zusammen rund 20 %.Die Stärkung des Umweltverbundes im Personenverkehrkann durch eine verkehrsvermeidendeSiedlungs- und Verkehrsplanungunterstützt werden. Eine „Stadt der kurzenWege“ besitzt kompakte Gebäudestrukturenund eine wohnungsnahe Ausstattungmit Versorgungs-, Dienstleistungs- sowieErholungsangeboten. Das ermöglichtkurze tägliche Wegstrecken, welche sichzu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigenlassen.109


Energieverbrauch des VerkehrsEndenergieverbrauch des VerkehrsPetajoule3.0002.6122.5002.3272.000ZIEL 2020:-10 % GEGENÜBER20051.5001.00050001990 1995 2000 2005 2010 * 2015 2020Schienenverkehr Straßenverkehr Luftverkehr Küsten- und Binnenschifffahrt* vorläufige Angaben 2013 für Verkehr insgesamtQuelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Energiebilanz, verschiedene JahrgängeVerkehr benötigt Energie. Etwa 98 % desEndenergieverbrauchs entfallen auf Kraftstoffeund 2 % auf Strom. Der Verbrauchan Kraftstoffen verteilte sich im Jahr 2012zu 29,5 % auf Benzin, 49,7 % auf Diesel,14,8 % auf Flugkraftstoffe und 1,4 % aufFlüssig- und Erdgas. Im Schienenverkehrwird zu 98 % elektrischer Strom als Energieträgereingesetzt.Im Schienenverkehr wurde zwischen 2005und 2012 etwas mehr als ein Viertel derEnergie eingespart (- 26 %), in der Binnenschifffahrtwaren es rund 10 %. Schieneund Schiff machten 2012 mit einem Anteilvon 2,3 % (Schiene) und 0,5 % (Schiff) jedochnur einen kleinen Teil des gesamtenEndenergieverbrauchs des Verkehrs aus.Der Luftverkehr wies im Betrachtungszeitraumeinen um rund 8 % wachsendenEnergieverbrauch auf. 2012 betrug seinAnteil am Gesamtverbrauch 14,5 %.Der Straßenverkehr benötigt mit einemAnteil von 83 % (2012) mit Abstand diemeiste Energie im Verkehrssektor. Zwischen2005 und 2012 sank der Verbrauchum knapp 2 %.Neben den reinen Verbrauchsangabenist für die Umwelt von Bedeutung, wieumweltfreundlich der Energiebedarf desVerkehrs befriedigt wird. Eine wichtigeOption ist der Einsatz erneuerbarer Energieträger.110 UMWELT UND VERKEHR Daten zur Umwelt 2015


Seit 1995 werden im Straßenverkehr zunehmendbiogene Kraftstoffe eingesetzt. Essind derzeit vor allem Biodiesel, Pflanzenölund Bioethanol. Im Jahr 2013 betrug ihr Anteilam gesamten Kraftstoffverbrauch 5,3 %.Bis 2020 soll in den Mitgliedsstaaten der EUder Anteil der erneuerbaren Energien imgesamten Verkehrssektor auf 10 % steigen.Diese Vorgabe zielt vor allem auf Biokraftstoffe,schließt aber die Möglichkeit ein,unter anderem synthetische Kraftstoffe miter neuerbaren Energien wie etwa Windenergieherzustellen und auf den Markt zu bringen.Biokraftstoffe können die Entstehungvon Treibhausgas-Emissionen gegenüberdem Einsatz von fossilen Kraftstoffenvermindern. In Deutschland sind Unternehmen,die Otto- und Dieselkraftstoffein Verkehr bringen, dazu verpflichtet, biszum Jahr 2020 die jährlichen Treib hausgas-Emissionen der Kraftstoffe durch die Verwendungvon Biokraftstoffen zu mindern.Zudem spart dies fossile Energie träger einund trägt damit zur Senkung deutscherEnergieimporte bei.Fahrzeuge mit Elektroantrieb bieten eineweitere Möglichkeit, erneuerbare Energienim Straßenverkehr effizient zu nutzen.So kann die Batterie dieser Fahrzeugemit Strom aus Sonnenenergie, Wind- oderWasserkraft aufgeladen werden. Der Anteilder erneuerbaren Energien im deutschenStrom-Mix betrug im Jahr 2013 rund 25,4 %.Während die Reichweite bei reinen Elektrofahrzeugennoch begrenzt ist, bieten sogenanntePlug-In-Hybrid-Fahrzeuge (PHEV)bereits heute die gleiche Alltagstauglichkeitwie konventionelle Fahrzeuge. PHEVverfügen neben dem Elektroantrieb – dessenBatterie üblicherweise eine Reichweitezwischen 20 und 80 Kilometer aufweist– auch über einen Verbrennungsmotor. Sokönnen die alltäglichen Fahrten zur Arbeitoder zum Einkaufen effizient mit demElektroantrieb zurückgelegt werden. Beilängeren Fahrten – etwa in den Urlaub –springt dann der Verbrennungsmotor an.Energieverbrauch senken, Erneuerbare Energieträger stärkenDer Endenergieverbrauch des Verkehrs belief sich im Jahr 2012 auf 2.559 Petajoule (PJ). Das warrund 1 % weniger als im Jahr 2005 mit 2.586 PJ. Nach vorläufigen Angaben stieg der Energieverbrauchim Jahr 2013 wieder auf 2.612 PJ.Gegenüber dem Höchststand des Jahres 1999 mit 2.781 PJ ist der verkehrsbedingte Energieverbrauchbis 2012 um 8 % gesunken. Gleichzeitig stieg der Verkehrsaufwand im Personenverkehrum rund 7 % und im Güterverkehr um rund 27 %. Dies belegt eine steigende Energieeffizienzim Verkehr. Aus Umweltsicht reicht dies aber nicht aus. Vielmehr muss der Energieverbrauch desVerkehrssektors auch absolut sinken.Die Bundesregierung hat sich in ihrem Energiekonzept von 2010 [Bundesregierung 2010] dasZiel gesetzt, den Endenergieverbrauch im Verkehr bis 2020 um 10 % und bis 2050 um 40 % gegenüber2005 zu senken. In den sieben Jahren bis 2012 wurde eine Minderung von 1,1 % erreicht.Um das Ziel im Jahr 2020 einzuhalten, müsste der Endenergieverbrauch des Verkehrs ab 2012jährlich um 29 PJ oder 1,1 % sinken.Zudem soll der Energiebedarf des Verkehrs vorwiegend aus erneuerbaren Quellen gedecktwerden. Das schont die natürlichen Ressourcen und kann die Treibhausgas- und Luftschadstoff-Emissionen des Verkehrs mindern.111


Spezifische Emissionen PkwSpezifische Emissionen Pkw (direkte Emissionen Pkw/Verkehrsaufwand Pkw)Index (1995 = 100 %)1009088,1807060504030201039,831,614,11,901995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013Kohlendioxid Feinstaub Stickstoffoxide NMVOC SchwefeldioxidQuelle: Umweltbundesamt, Daten- und Rechenmodell TREMOD – Transport Emission Model, Version 5.53 (11/2014)Den Pkw-Verkehr klima- und umweltverträglicher machenWird die Gesamtstrecke, die von Pkw in einem Jahr zurückgelegt wird, mit der Zahl der befördertenPersonen multipliziert, ergibt das den Verkehrsaufwand gemessen in Personenkilometern(Pkm). Die spezifischen Emissionen des Pkw-Verkehrs messen das Verhältnis von Luftschadstoffausstoßder Pkw-Flotte zu den gefahrenen Pkm. Je niedriger das Ergebnis, desto günstigerfür die Umwelt.In den Jahren seit 1995 haben technische Verbesserungen an den Fahrzeugen und verbesserteKraftstoffqualitäten zu beeindruckenden Rückgängen bei den spezifischen Emissionen „klassischer“Luftschadstoffe geführt. Bei den spezifischen Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxidbesteht dagegen Nachholbedarf. Will die Bundesregierung ihr Klimaschutzziel für 2020erreichen, muss der Verkehrssektor hier noch einen substanziellen Beitrag leisten.112 UMWELT UND VERKEHR Daten zur Umwelt 2015


Im Schnitt belastet ein Pkw heute Umweltund Klima weniger als etwa im Jahr 1995.Das hat vor allem drei Gründe: Erstenshat der Gesetzgeber stufenweise dieAbgasvorschriften für neu zugelassenePkw verschärft, woraufhin Autoherstellerihre Motoren technisch verbessert haben.Zweitens hat er verlangt, dass Bestands-Pkw mit Katalysatoren oder Partikelfilternteilweise nachgerüstet werden, um auchbei diesen Fahrzeugen die Emissionen zuverringern. Und zum dritten verpflichteteer Raffinerien, die Kraftstoffqualität zuverbessern. Die Folge ist, dass die spezifischenEmissionen an Schadstoffen undam Treibhausgas Kohlendioxid pro Pkmgegenüber 1995 gesunken sind.So verringerten sich die spezifischen Emissionenan Schwefeldioxid bis zum Jahr 2013gegenüber dem Ausgangsniveau um rund98 % und die von flüchtigen organischenVerbindungen ohne Methan um etwa 86 %.Die Abgasmengen an Stickstoffoxiden sankenim betrachteten Zeitraum um 60 %,die der Feinstaubemissionen um 68 %. DieKohlendioxid-Emissionen nahmen allerdingsnur um 12 % ab. Die Stickstoffoxid-Emissionsminderungen sind überwiegendauf deutliche Verbesserungen bei Benzin-Pkw durch die Einführung des geregeltenKatalysators zurückzuführen. Bei Diesel-Pkw konnten die Stickstoffoxid-Emissionentrotz technischer Fortentwicklung inder Realität hingegen nur unzureichendreduziert werden.Das Mehr an Verkehr hebt zudem die erreichten Verbesserungen im Klima- undUm weltschutz zum Teil auch wieder auf.So hat der Pkw-Verkehr zwischen 1995 und2013 um 11 % zugenommen. Im Einzelnen:▸▸▸▸▸▸Die gesamten Kohlendioxid-Emissionendes Pkw-Verkehrs sind zwischen 1995und 2013 nur um 2 % gesunken, die spezifischenEmissionen jedoch um 12 %.Die gesamten Stickstoffoxid-Emissionenaus Pkw sind von 1995 bis 2013 um 56 %gesunken, die spezifischen Stickstoffoxid-Emissionenhingegen um 60 %.Bei den Partikel-Emissionen aus Pkwsteht eine Minderung um 65 % bei denGesamtemissionen einer Minderungvon 68 % bei den spezifischen Emissionengegenüber.Ursache hierfür ist, dass die von Pkw mitDieselmotor erbrachte Fahrleistung seit1995 um rund 160 % zugenommen hat.Aufgrund dieser Entwicklung sind in dennächsten Jahren auch weitere deutlicheEmissionsminderungen notwendig – beiPartikeln, aber insbesondere auch beiStickstoffoxiden.Die Umwelt- und Klimaentlastung imPersonenverkehr kann letztlich nichtallein durch technische Verbesserungenam Fahrzeug erreicht werden. Diese Herausforderungkann nur in Kombinationmit Maßnahmen wie einer Erhöhung derVerkehrseffizienz oder einer verbessertenVerkehrsmittelwahl gelöst werden.113


Spezifische Emissionen LkwSpezifische Emissionen Lkw (direkte Emissionen Lkw/Verkehrsaufwand Lkw)Index (1995 = 100 %)1201008069,9604023,0209,711,600,41995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013Kohlendioxid Feinstaub Stickstoffoxide NMVOC SchwefeldioxidQuelle: Umweltbundesamt, Daten- und Rechenmodell TREMOD – Transport Emission Model, Version 5.53 (11/2014)Im Lkw-Verkehr sind die spezifischenEmissionen pro Verkehrsaufwand seit1995 durch bessere Motoren und einebessere Kraftstoffqualität gesunken.Gemessen wird der Verkehrsaufwand inTonnenkilometern (tkm). Dazu werdendie gefahrenen Kilometer mit der Mengeder beförderten Güter multipliziert.Die Schwefeldioxid-Emissionen verringertensich um mehr als 99 % im Vergleichzum Ausgangsniveau, die der Kohlendioxid-Emissionennur um 30 %. In Bezugauf die Gesamtemissionen des Straßengüterverkehrszeigt sich, dass die technischbedingten Senkungen je tkm aufgrunddes gestiegenen Verkehrsaufwandszum Teil wieder ausgeglichen wurden.Bei den Kohlendioxid-Emissionen wurdedie Einsparung sogar überkompensiert.Die absoluten Kohlendioxid-Emissionendes Straßengüterverkehrs erhöhten sichzwischen 1995 und 2013 trotz technischerVerbesserungen von 34,2 auf 38,7 Mio. t,also um 13 %.114 UMWELT UND VERKEHR Daten zur Umwelt 2015


Kohlendioxid-Emissionen des Lkw-Verkehrs mindernDie spezifischen Emissionen des Lkw-Verkehrs in Deutschland sind zwischen 1995 und 2013 erheblichgesunken. Beim Schwefeldioxid wurden sie fast auf Null zurückgeführt. Am geringstenfiel der Emissionsrückgang beim Treibhausgas Kohlendioxid aus. Der zunehmende Lkw-Verkehrauf deutschen Straßen wirkte den Emissionseinsparungen aufgrund technischer Verbesserungenan den Fahrzeugen entgegen. Hier muss nachgebessert werden.115


Umweltfreundlicher GütertransportAnteile des Schienenverkehrs und der Binnenschifffahrtan der GüterbeförderungsleistungProzent3025ZIEL25201516,513,518,3ZIEL14109,8501999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011* 2012* 2013* 2014 2015SchienenverkehrBinnenschifffahrtOhne Nahverkehr deutscher Lastkraftfahrzeuge (bis 50 km).* zum Teil vorläufige Daten.Quelle: Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Nachhaltige Entwicklung in Deutschland, 2014 undBundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Verkehr in Zahlen 2014/2015Eine der zentralen Säulen einer nachhaltigenMobilität ist die Verlagerungdes Verkehrs auf umweltfreundlichereVerkehrsträger. Im Bereich des Güterverkehrssind dies die Eisenbahn und dasBinnenschiff. Dabei ist zu bedenken,dass auch die Unterhaltung und Ausweitungder Schienenwege und der Ausbauunserer Flüsse zu Wasserstraßen erheblicheAuswirkungen auf die Umwelt haben.Die Umweltverträglichkeit von Bahn undLastkahn kann also nur in Relation zuanderen Verkehrsträgern sinnvoll beurteiltwerden.Beispielsweise emittieren die Verkehrsträgerunterschiedlich viel Treibhausgase,Stickstoffoxide und Feinstaub. Bahn undSchiff bieten sich als verhältnismäßigemissionsarme Alternativen an.116 UMWELT UND VERKEHR Daten zur Umwelt 2015


Güter umweltverträglich befördernNach dem Willen der Bundesregierung sollen ab dem Jahr 2015 mindestens 25 % der Güterbeförderungsleistungmit der Eisenbahn und weitere 14 % mit dem Binnenschiff erbracht werden.Diese Ziele sind in der Nachhaltigkeitsstrategie verankert.Zwischen 1999 und 2013 entwickelte sich der Gütertransport auf der Schiene im Großen undGanzen in die gewünschte Richtung (+ 1,8 %), mit einem Einbruch im Krisenjahr 2009. Die danacheinsetzende Erholung reicht jedoch nicht aus, um das Ziel fristgerecht zu erreichen.Der Trend bei der Binnenschifffahrt läuft dem Ziel der Bundesregierung entgegen: Zwischen 1999und 2013 sank ihr Marktanteil am Güterverkehr um 3,7 %.Emissionen der Verkehrsträger in Gramm pro Tonnenkilometer (g/tkm)TREIBHAUSGASE ALSKOHLENDIOXID-ÄQUIVALENTESTICKSTOFFOXIDE(NO X )FEINSTAUBLkw* 97,5 0,49 0,0079Eisenbahn 23,4 0,07 0,0012Binnenschiff 33,4 0,55 0,0171Flugzeug 1539,6 ** 3,46 0,0412Treibhausgase beinhalten hier:Kohlendioxid, Methan und Distickstoffoxid (CO 2 , CH 4 und N 2 O)* Lkw ab 3,5 t (einschließlich Sattel- und Lastzüge)** unter Berücksichtigung aller klimawirksamen Effekte des FlugverkehrsQuelle: Umweltbundesamt, TREMOD – TransportEmission Model Version 5.25 (2011)Die Güterbeförderungsleistung der Eisen -bahn stieg zwischen 1999 und 2013 von76,8 auf 112,6 Mrd. tkm (+ 31,8 %).Gleichzeitig sank der Güterverkehrsaufwandder Binnenschifffahrt von 62,7 auf60,1 Mrd. tkm (- 4,2 %).Die Bundesregierung unterstützt diedeutsche Wirtschaft bei der Schaffungeiner „grünen“, umweltgerechten undressourceneffizienten Logistik. Die Verlagerungdes Güterverkehrs von der Straßeauf die Schiene oder den Wasserweg solldurch die Einführung fairer Kostenstrukturen(zum Beispiel durch die Lkw-Maut),einen kombinierten Ladungsverkehr undvernetzte Güterverteilzentren unterstütztwerden. Darüber hinaus muss die Zusammenarbeitder Bahngesellschaften inEuropa besser abgestimmt und attraktiverwerden.117


UmweltfreundlicherPersonentransportAnteil umweltfreundlicher Verkehrsmittel an der gesamten PersonentransportleistungProzent252019,4 19,6 19,6 19,3 19,4 19,5157,1 7,1 6,9 6,7 6,5 6,3106,2 6,6 6,8 6,9 7,1 7,453,4 3,3 3,3 2,9 2,9 2,902,7 2,6 2,6 2,8 2,9 2,92003 2005 2007 2009 2011 2012Fahrradverkehr Fußverkehr Eisenbahnverkehr Öffentlicher StraßenpersonenverkehrQuelle: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.), Verkehr in Zahlen 2014/2015, S. 224/225.Die deutschen Bürgerinnen und Bürgersind mobil. Der Personenverkehrsaufwand,das ist die mit der Zahl der befördertenPersonen multiplizierte Fahrleistung,wuchs zwischen 2003 und 2012 umrund 5 % von 1.142,0 auf 1.205,7 Mrd. Pkm.Der absolut dominierende Verkehrsträgerist der motorisierte Individualverkehr.Wurden 2003 noch 875,6 Mrd. Pkm mitdem Pkw oder Motorrad erbracht, warenes 2012 schon 914,6 Mrd. Pkm. Der Anteildes motorisierten Individualverkehrs amgesamten Personentransport stieg von74,0 auf 75,9 %.Der am dynamischsten wachsende Personenverkehrsträgerist das Flugzeug:2003 erbrachte der Flugverkehr nocheine Personenbeförderungsleistung von43,7 Mrd. Pkm, 2012 waren es 56,3 Mrd.Pkm. Das entsprach einem Anteil am Personenverkehrsaufwandvon 4,7 %.Der Umweltverbund (Fußgänger-, Rad-,Schienen- und öffentlicher Straßenpersonenverkehr)lag 2012 bei 234,9 Mrd. Pkmund einem Anteil am Personenverkehrsaufwandvon 19,5 %. 2003 waren es noch222,7 Mrd. Pkm oder 19,4 %.118 UMWELT UND VERKEHR Daten zur Umwelt 2015


Umweltverbund im Personenverkehr fördernBei wachsender Personentransportleistung verharrte der Anteil des Umweltverbundes (Fußgänger-,Rad-, Schienen- und öffentlicher Straßenpersonenverkehr) seit 2003 konstant bei etwasüber 19 %. Dabei stieg der Anteil der mit dem Zug erbrachten Transportleistung deutlich, der Anteildes Fahrradverkehrs leicht. Die Transportleistung des öffentlichen Straßenpersonenverkehrsund der zu Fuß zurückgelegten Wege schrumpfte dagegen.Mit dem Nationalen Radverkehrsplan 2020 unterstützt der Bund die Stärkung des Radverkehrsals umweltfreundliche Mobilitätsalternative.Das am stärksten wachsende Segmentinnerhalb des Umweltverbundes ist dieBenutzung der Bahn. Mit dem Zug wurden2003 noch 71,3 Mrd. Pkm zurückgelegt,2012 waren es 89,0 Mrd. Pkm, ein Wachstumum 20,0 %. Um 13,9 % wuchs derFahrradverkehr (2003: 30,4 Mrd. Pkm,2012: 35,3 Mrd. Pkm).Dagegen wurden im Jahr 2012 mit34,6 Mrd. Pkm 10,9 % weniger Wegstreckenzu Fuß zurückgelegt als 2003 mit38,8 Mrd. Pkm. Und auch der öffentlicheStraßenpersonenverkehr schrumpfte. ImJahr 2003 betrug die Transportleistunghier 82,2 Mrd. Pkm. 2012 waren es noch76,0 Mrd. Pkm, das waren 7,5 % weniger.Der nicht motorisierte Verkehr ist leiseund belastet die Umwelt aufgrund seiner„Null-Emission“ nicht mit Schadstoffenund Treibhausgasen. Fuß- und Radverkehrsind solche ausgesprochen umwelt- undstadtverträglichen Fortbewegungsformen,die zudem auch noch förderlich für dieGesundheit sind. Eine Verlagerung desmotorisierten Individualverkehrs auf dieseumweltfreundlichen Straßenverkehrsträgerist daher sinnvoll. Vor allem dieFörderung des Fahrradverkehrs ist festerBestandteil einer integrierten SiedlungsundVerkehrspolitik.119


120 UMWELT, GESUNDHEIT, LEBENSQUALITÄT Daten zur Umwelt 2015


07UMWELT,GESUNDHEIT,LEBENSQUALITÄT121


LärmbelastungBelastung der Bevölkerung durch Verkehrslärm nach Umgebungslärmrichtliniein der Umgebung von Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahnstrecken, Großflughäfen und inBallungsräumenLärmbelastete Bevölkerung, Anzahl der Personen3.000.0002.500.0002.474.4002.852.1002.000.0001.911.1001.500.0001.000.000500.0000950.90028.300 27.000Straßenverkehrslärm Schienenverkehrslärm FluglärmTag-Abend-Nacht-Lärmindex (L DEN)>65 dB(A)Nacht-Lärmindex(L Night)>55 dB(A)Stand: 30.06.2015Quelle: Umweltbundesamt 2015, Zusammenstellung der Mitteilungen der Bundesländerund des Eisenbahn-Bundesamtes entsprechend § 47c BImSchGHohe Lärmbelastung in DeutschlandIm dicht besiedelten und verkehrsreichen Deutschland sind weite Teile der Bevölkerung vonLärm betroffen. Neueste Ergebnisse der Lärmkartierung belegen, dass Mitte 2015 über 4,7 Mio.Menschen in Ballungsräumen, entlang von Hauptverkehrswegen und in der Umgebung von Großflughäfennächtlichen Lärmpegeln von mehr als 55 Dezibel dB(A) ausgesetzt waren. Darüberhinaus waren mehr als 3,4 Mio. Menschen in diesen Gebieten ganztägig von Schallpegeln über65 dB(A) betroffen.Bei diesen Schallpegeln besteht ein stark erhöhtes Risiko für die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung.Ein kurzfristiges Umweltqualitätsziel ist daher, hohe Lärmbelastungen zu vermeiden.Hierzu sind die bestehenden Instrumente des Lärmschutzes noch effizienter und zielgerichtetereinzusetzen.Verkehrslärm beeinträchtigt das Lebenvieler Menschen in Deutschland. Die vonStraßen-, Schienen- oder Flugverkehrverursachten Geräusche können die Gesundheitund das Wohlbefinden auf vielfältigeWeise negativ beeinflussen. Lärmbeeinträchtigt die Lebensqualität, aberauch den Schlaf. Dies äußert sich in einer122 UMWELT, GESUNDHEIT, LEBENSQUALITÄT Daten zur Umwelt 2015


veränderten Schlafstruktur, vermehrtenAufwachreaktionen sowie einer stärkerenProduktion von Stresshormonen und erhöhtenRisikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation(WHO) empfiehlt aus Gründen desGesundheitsschutzes, dass die nächtlicheLärmbelastung einen Mittelungspegel von40 dB(A) nicht überschreiten sollte. Steigtdie Lärmbelastung nachts auf mehr als55 dB(A) oder beträgt der Mittelungspegeltagsüber mehr als 65 dB(A), erhöht sichdas Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungendeutlich.Die Bundesregierung setzt sich daherdafür ein, die Lärmbelastung zu reduzierenund den Lärmschutz zu verbessern.Grundsätzlich soll die Lärmbekämpfungvor allem an der Geräuschquelle ansetzen.Entsprechend wurden Geräuschgrenzwertefür Straßen-, Schienen- und Luftfahrzeugefestgelegt und fortgeschrieben.Große Bedeutung hat zudem die lärmarmeAb wicklung des Verkehrs. Wo Emissionsgrenzwertezur Bewältigung desLärmproblems nicht ausreichen, sollenweitere Maßnahmen zur Vermeidung oderVerminderung von Geräuschimmissionenergriffen werden [BMUB 2014d].Wichtige Instrumente des Lärmschutzes inDeutschland sind die Lärmkartierung unddie Lärmaktionsplanung. Die Lärmkartierungist seit Juni 2005 im Bundes-Immissionsschutzgesetz verankert undbildet die Grundlage für die Informationder Bevölkerung und die Erstellung vonAktions plänen. In der EU geschieht diesnach einheitlichen Standards basierendauf der Umgebungslärmrichtlinie. Ziel istes, den Umgebungslärm zu vermindernund in bisher ruhigen Gebieten einerZunahme des Lärms vorzubeugen. Dazusoll die Belastung in Lärmkarten erfasstund dann durch konkrete Maßnahmengemindert werden.Lärmkarten mussten bis zum 30. Juni 2012und Lärmaktions pläne bis zum 18. Juli2013 erstellt werden für:▸▸▸▸▸▸▸▸Ballungsräume mit mehr als100.000 Einwohnern,Hauptverkehrsstraßen mit einemVerkehrsaufkommen von mehr als3 Mio. Kraftfahrzeugen pro Jahr,Haupteisenbahnstrecken mit einemVerkehrsaufkommen von über30.000 Zügen pro Jahr,Großflughäfen mit einem Verkehrsaufkommenvon mehr als 50.000 Bewegungenpro Jahr.In Deutschland wurde die Lärmkartierungfür 71 Ballungsräume mit rund 24,5 Mio.Ein wohnern, 44.000 km Hauptverkehrsstraßen,13.700 km Haupteisenbahnstreckenund elf Großflughäfen durchgeführt.Die Belastungen wurden jeweilsüber den gesamten Tag und gesondert fürdie Nacht bestimmt. Zur Vergleichbarkeitder Ergebnisse wurden EU-weit einheitlicheKenngrößen verwendet, und zwar derTag-Abend-Nacht-Lärmindex (L DEN ) undder Nachtlärmindex (L Night ).Auf Grundlage der Lärmkartierung undLärmaktionsplanung haben viele Städteund Gemeinden Maßnahmen zur Verringerungder Lärmbelastung ergriffen. Hierzuzählen beispielsweise lärmminderndeFahrbahnbeläge oder Geschwindigkeitsreduzierungenauf stark befahrenenStraßen.123


Gesundheitsrisiken durch FeinstaubAnteil der von Überschreitung des WHO-Richtwerts für Feinstaub* betroffenenBevölkerung in DeutschlandProzent706061504440303135 3520151002007 2008 2009 2010 2011 2012* WHO-Richtwert: 20 µg/m³ PM10 (Jahresmittel).Der EU-Grenzwert 40 µg/m³ PM10 im Jahresmittel wird nicht erreicht.Quelle: Umweltbundesamt 2014, eigene ZusammenstellungFeinstaub bezeichnet ein komplexes Gemischaus festen und flüssigen Partikelnmit einem aerodynamischen Durchmesservon weniger als 10 µm (PM10). Feinstaubwird vor allem durch menschliche Aktivitätenerzeugt: Er entsteht zum Beispieldurch Emissionen aus Kraftfahrzeugen, inKraft- und Fernheizwerken, beim Heizenvon Gebäuden, bei der Metall- und Stahlerzeugung,in der Landwirtschaft undbeim Umschlag von Schüttgütern. In Ballungsräumenist in Deutschland häufig derStraßenverkehr die dominierende Quelle.Die Größe, die Form bzw. Oberflächenstrukturund Anzahl der Staubteilchenund ihre chemische Zusammensetzungbestimmen im Wesentlichen die Eigenschaftendes Feinstaubs. Für die gesundheitlicheWirkung der Staubteilchen sinddie Größe, die Form und die auf der Oberflächeanhaftenden Schadstoffe relevant.Je nach Größe variiert die Eindringtiefeder Teilchen in die Atemwege. Entsprechendkann Feinstaub verschiedene gesundheitlicheWirkungen entfalten [WHO2013; Henschel, Chan 2013]. Sie reichenvon Schleimhautreizungen, Entzündungender Atemwege, Verengung von Blutgefäßen,erhöhter Thromboseneigung bishin zu Veränderungen der Regulierungsfunktiondes vegetativen Nervensystems(Herzfrequenzvariabilität). Sehr feineStaubpartikel mit einem Durchmesser unter2,5 µm stellen ein besonderes Gesundheitsrisikodar, da sie tief in die Bronchienvordringen und dort gesundheitsschädlicheWirkungen entfalten können.124 UMWELT, GESUNDHEIT, LEBENSQUALITÄT Daten zur Umwelt 2015


Die ultrafeinen Staubpartikel könnensogar in die Blutbahn gelangen und aufOrgansysteme wirken.Um die Bevölkerung vor Luftschadstoffenwie Feinstaub schützen zu können, wurdein der EU ein einheitliches Vorgehenzur Verbesserung der Luftqualität undInformation der Öffentlichkeit über dieLuftqualität und die Maßnahmen zur Luftreinhaltungvereinbart. Grundlage bildetdie Luftqualitätsrichtlinie 2008/50/EG desEuropäischen Parlaments und des Ratesvom 21. Mai 2008 über Luftqualität undsaubere Luft für Europa. In Deutschlanderfolgte die Umsetzung der Richtliniemit der 39. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz [BMUB 2014e].Im Blickpunkt steht dabei der Schutz derBevölkerung vor schädlichen Umwelteinwirkungen.In diesen Regelungen sind fürPM10 sowohl ein Tagesmittelgrenzwertvon 50 µg/m³ PM10, der nicht öfter als35 mal im Jahr überschritten werden darf,als auch ein Jahresmittelgrenzwert von40 µg/m³ PM 10 festgelegt. Unabhängigdavon hat die WHO in ihren LuftgüterichtlinienEmpfehlungen für maximaleFeinstaub-Konzentrationen formuliert. Eswerden ein Tagesmittelwert von 50 µg/m³PM10 ohne zulässige Überschreitungstageund ein Jahresmittelwert von 20 µg/m³PM10 als Richtwerte für den Schutz derGesundheit empfohlen [WHO 2006]. Dasbedeutet, diese Richtwerte sind strengerals die EU-Grenzwerte.Werden die Luftqualitätsgrenzwerte derEU überschritten, so sind die EU-Mitgliedstaatendazu verpflichtet, Luftreinhalte-und Aktionspläne aufzustellen. InDeutschland arbeiten Landes- und kommunaleBehörden bei der Aufstellung derPläne zusammen. Die meist großräumigangelegten Maßnahmen der LuftreinhalteundAktionspläne zielen auf eine umfassendeLösung des Feinstaubproblems undauf eine dauerhafte und flächendeckendeEinhaltung der Feinstaubgrenzwerte.Um die Luftbelastung durch Feinstaubauch kleinräumig zu senken, wurden invielen Städten bereits Umweltzonen mitEinschränkungen für den Straßenverkehreingerichtet. Weitere Maßnahmen z. B.in Ballungsräumen und in der Landwirtschaftsind notwendig, um in Deutschlandzukünftig die Richtwerte der WHO zumSchutz der Gesundheit dauerhaft flächendeckendeinhalten zu können. Dies mussgemeinsames Ziel aller umweltpolitischenMaßnahmen auf den beteiligten Ebenen(EU, Bund, Länder und Kommunen) sein.Geringere Bevölkerungsanteile mit hoher Feinstaubelastungin den letzten JahrenDer Anteil der Bevölkerung in Deutschland, der einer jährlichen mittleren Feinstaubbelastung(PM10) oberhalb des WHO-Richtwerts zum Schutz der Gesundheit von 20 µg/m³ ausgesetzt ist,ging im Zeitraum 2007 bis 2012 deutlich zurück. Im Jahr 2012 betrug der Bevölkerungsanteil miteiner entsprechenden Feinstaubbelastung etwa 15 % und lag damit weit unterhalb der 61 % ausdem Jahr 2007. Allerdings kann für den Betrachtungszeitraum kein eindeutiger Trend abgeleitetwerden, da die mittlere Feinstaubbelastung stark von den jährlichen Witterungsbedingungenabhängt und die vorliegende Zeitreihe für Trendaussagen noch zu kurz ist. Entsprechend derjährlich variierenden Witterungsbedingungen ändert sich auch der Anteil der Bevölkerung, dergegenüber einer Feinstaubbelastung oberhalb des WHO-Richtwerts exponiert ist.125


Gesundheitliche Belastungdurch den KlimawandelAnzahl Hitzetage (T max >30 °C) und Überschreitungen des Zielwertes für Ozon* inStuttgartAnzahl70605040302010Stuttgart-Bad Cannstatt:AnzahlÜberschreitungenOzon-Zielwert **Stuttgart-Schnarrenberg:Anzahl Hitzetage01999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012* 1999 bis 2009: 120 µg/m³ (8-Std.-MW) an maximal 25 Tagen im Jahr;ab 2010: 3-Jahresmittelwert (für 2010 berechnet aus 2008 bis 2010)** Zahl der Tage mit Überschreitung des Ozon-Zielwertes (120 µg/m³) zum Schutz der menschlichen GesundheitQuelle: Deutscher Wetterdienst; Landesanstalt für Umwelt Baden-WürttembergDer Klimawandel beeinflusst in vielfältigerWeise die Umweltbedingungen inDeutschland. Nach Angaben des DeutschenWetterdienstes werden Hitzetage inZukunft weiter zunehmen. Damit steigenauch die gesundheitlichen Gefahren, diemit den Hitzeperioden verbunden sind.Hohe Temperaturen während Hitzeperiodenkönnen ein Risiko für die Gesundheitdarstellen. Bei großer Hitze versucht derKörper durch verstärktes Schwitzen dieKörpertemperatur konstant zu halten.Bei sehr hohen Temperaturen kann daskörpereigene Kühlsystem jedoch überlastetsein. Flüssigkeitsmangel, ungeeigneteKleidung und Wärmestauung könnendie Hitzebelastung ebenfalls verstärken.Als Folge der Hitzebelastung könnenRegulationsstörungen und Kreislaufproblemeauftreten. Typische Symptome sindKopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit.Ältere Menschen und Personenmit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind vondiesen Symptomen besonders betroffen.Eine weitere Gefahr für die Gesundheitgeht von bodennahem Ozon aus. Eineheiße Witterung und eine intensive Sonneneinstrahlungbegünstigen die Bildung126 UMWELT, GESUNDHEIT, LEBENSQUALITÄT Daten zur Umwelt 2015


von bodennahem Ozon. Ozon wird dabeidurch komplexe photochemische Prozesseaus verschiedenen Vorläuferschadstoffenwie Stickstoffoxiden und flüchtigenorganischen Verbindungen gebildet.Hohe Ozonkonzentrationen können eineBelastung für die Gesundheit darstellenund verschiedene Symptome hervorrufen.Ozon reizt die Schleimhäute der Augenund Atemwege, schränkt die Lungenfunktionein und beeinträchtigt die körperlicheLeistungsfähigkeit. Bei körperlicher Anstrengung,also bei erhöhtem Atemvolumen,können sich diese Wirkungen weiterverstärken.Die Empfindlichkeit der Bevölkerunggegenüber Ozon ist sehr unterschiedlich.Eine Risikogruppe lässt sich daher nichtgenau eingrenzen. Man geht davon aus,dass etwa 10 bis 15 % der Bevölkerung besondersempfindlich auf Ozon reagieren.Um die Gesundheit der Bevölkerung zuschützen, sind höhere Ozonkonzentrationenin Bodennähe zu vermeiden. Hierzumüssen die Zielwerte und langfristigenZiele für Ozon zum Schutz der menschlichenGesundheit erreicht und auf Dauereingehalten werden. Die EU hat im Jahr2002 in der Richtlinie über den Ozongehaltin der Luft einen Ozonzielwert zumSchutz der menschlichen Gesundheitfestgelegt und ihn im Jahr 2008 mit derRichtlinie über Luftqualität und saubereLuft bestätigt: Seit Januar 2010 darf ein m³Luft im Achtstundenmittel nicht mehrals 120 µg Ozon enthalten. Dieser Wertdarf in einem Jahr 25-mal überschrittenwerden.Um die gesundheitlichen Belastungendurch Ozon weiter zu verringern, müssendie Emissionen jener Schadstoffe sinken,welche die Ozonbildung befördern. Dazuzählen vor allem Stickstoffoxide undflüchtige Kohlenwasserstoffe. Möglichkeiten,die Emissionen dieser Luftschadstoffezu senken, bestehen im Verkehrssektor,innerhalb des Einsatzes von Biomasse zurEnergiegewinnung, durch Energieeinsparmaßnahmensowie bei der Lösemittelverwendungin Industrie, Gewerbe undHaushalten.Gesundheitliche Risiken durch Hitzetage und OzonDer Klimawandel kann in den nächsten Jahrzehnten zu mehr heißen Tagen in den Sommermonatenführen. Darauf deuten viele Klimamodelle hin.Hohe Temperaturen belasten das Herz-Kreislauf-System und können sich nachteilig auf dieGesundheit auswirken. Um die Anzahl der sehr heißen Tage im Jahr bestimmen zu können, hatder Deutsche Wetterdienst als Kenngröße den sogenannten „Hitzetag“ definiert. Jeder Tag, andem die Tageshöchsttemperatur oberhalb von 30 °C liegt, zählt demnach als „Hitzetag“. Beispielsweisewurden an einer Messstation in Stuttgart-Schnarrenberg im Jahr 2012 16 Hitzetagefestgestellt.Außerdem begünstigt eine hohe Lufttemperatur gemeinsam mit einer intensiven Sonneneinstrahlungdie Bildung von Ozon in Bodennähe. Dies führt bei anhaltender sommerlicher Schönwetterlagezu einer erhöhten gesundheitlichen Belastung durch hohe Ozonkonzentrationen.Ozonmesswerte aus ganz Deutschland belegen, dass der Ozon-Zielwert zum Schutz der menschlichenGesundheit von 120 µg/m³ an heißen Sommertagen regelmäßig überschritten wird. ImJahr 2012 wurde der Ozon-Zielwert an einer Messstation in Stuttgart-Bad Cannstatt zum Beispiel19-mal überschritten.127


BadegewässerAnteil der deutschen Badegewässer, die die Vorgaben der Badegewässerrichtlinieeinhalten bzw. mit „ausgezeichneter“ BadegewässerqualitätProzent1009080706097,897,592,278,8ZIEL 2015:100 %ausgezeichneter,guterund ausreichenderZustand(EG-Bade-gewässer-Richtlinie)5040302010019921993199419951996199719981999BINNENGEWÄSSERGrenzwert eingehalten(bis 2010)Ausgezeichneter, guteroder ausreichender Zustand(ab 2011)200020012002200320042005KÜSTENGEWÄSSERGrenzwert eingehalten(bis 2010)Ausgezeichneter, guteroder ausreichender Zustand(ab 2011)2006BINNENGEWÄSSERLeitwert eingehalten(bis 2010)Ausgezeichneter Zustand(ab 2011)20072008200920102011*2012*2013*2014*2015*KÜSTENGEWÄSSERLeitwert eingehalten(bis 2010)Ausgezeichneter Zustand(ab 2011)* Umstellung der Bewertung: Ab 2011 gibt es eine neue Qualitätseinstufung derBadegewässer entsprechend der neuen EG-Badegewässerrichtlinie (2006/7/EG)Quelle: Europäische Kommission, Qualität der Badegewässer. Badesaison 2014, Brüssel 2015Baden kann mit Risiken für die Gesundheitverbunden sein. Badegewässer ander Küste oder an Seen und Flüssen sindnicht nur zum Baden da. Sie sind wiealle Gewässer vielfältigen Einflüssenund Nutzungen und damit auch Verschmutzungsrisikenausgesetzt. Wegendes Vorkommens bestimmter Krankheitserregersind beim Baden in freienGewässern Erkrankungen, die mit Fieber,Durchfall und Erbrechen einhergehen,nicht auszuschließen. Eine solche Gefahrentsteht hauptsächlich nach Starkregendurch Mischwasserüberläufe aus Kläranlagenoder durch Abschwemmungen auslandwirtschaftlich genutzten Flächen.128 UMWELT, GESUNDHEIT, LEBENSQUALITÄT Daten zur Umwelt 2015


Ein weiteres Gesundheitsrisiko geht vonCyanobakterien (Blaualgen) in Gewässernaus. Diese Bakterien bilden Giftstoffe,die Übelkeit, Bindehautentzündung undHautausschlag auslösen und die Leberschädigen können.Die EU hat mit der EG-Richtlinie über dieQualität der Badegewässer (2006/7/EG)einzuhaltende Werte für ausgezeichnete,gute und ausreichende hygienische Qualitätfür natürliche Badegewässer festgelegt.Damit wurde die alte EG-Badegewässer-Richtlinie (76/160/EWG) aus dem Jahr 1975durch eine neue, an aktuelle wissenschaftlicheErkenntnisse angepasste Regelungersetzt. Die Bundesländer haben die neueEG-Badegewässer-Richtlinie inzwischen innationales Recht umgesetzt und entsprechendeLandesverordnungen verabschiedet.Im Jahr 2014 wurden 2.290 Badegewässerin Deutschland nach der neuen Badegewässerrichtlinieüberwacht. 367 davonlagen an der Nord- und Ostseeküste, 31 anFlüssen und 1.896 an Seen. Die hygienischenDaten dieser Badegewässer wurdenan die EU gemeldet, die daraus für jedesBadegewässer mit den Daten der vorhergehendendrei Jahre eine Qualitätseinstufungvornahm.Für die Ausweisung und Überwachung derBadegewässer sind die Landesbehördenzuständig. Sie erstellen für jedes Badegewässerregelmäßig ein Badegewässerprofil.Es nennt alle Verschmutzungsquellen,die die Qualität des Wassers beeinflussenkönnten und zeigt Probleme mit Cyanobakterienan. Außerdem informieren dieLandesbehörden auf den Internetseitender Bundesländer die Öffentlichkeit überdie Badegewässerqualität.In den letzten Jahren konnte in Deutschlanddie Qualität der deutschen Badegewässerdurch verbesserte Kläranlagen undgeringere Stoffeinträge aus der Landwirtschaftund der Industrie stetig verbessertwerden. Zukünftig soll insbesonderedurch die Umsetzung von Maßnahmenprogrammenim Zuge der Wasserrahmenrichtlinieeine zusätzliche Verbesserungder Badegewässerqualität erreicht werden.Guter Zustand der BadegewässerDie Ergebnisse der letzten Qualitätsbewertung zeigen, dass die Badegewässer in Deutschland ineinem guten Zustand sind. Im Jahr 2014 erfüllten fast 98 % aller Badegewässer die Qualitätsanforderungender EU. 92,2 % der Binnengewässer und 78,8 % der Küstengewässer erreichtensogar eine ausgezeichnete Badegewässerqualität.Mangelhaft war in der Saison 2014 die hygienische Qualität von nur 14 Badegewässern (0,6 %aller Badegewässer). In der Saison 2014 waren 55 Badegewässer zeitweise oder ganz geschlossen.Die Gründe waren nur zum Teil eine schlechte Badegewässerqualität oder Probleme mit Cyanobakterien(Blaualgen). Häufig führten auch eine zu geringe Nutzung durch Badende, Sanierungsarbeitenoder Starkregen zur Schließung.Rückblickend nahm die Zahl der Richt- und Grenzwertüberschreitungen zwischen 1992 und 2001bezogen auf die damals gültige EG-Badegewässerrichtlinie von 1975 stetig ab. Seit 2001 ist dieQualität der Badegewässer auf hohem Niveau konstant. In den letzten vier Jahren erfüllten imDurchschnitt 96 % der Badegewässer an Seen und Flüssen die mikrobiologischen Anforderungender Richtlinie, 91 % erreichten sogar eine ausgezeichnete Wasserqualität. Bei Küstenbadegewässernwaren es 97 % beziehungsweise 78 %.129


130 PRIVATE HAUSHALTE UND KONSUM Daten zur Umwelt 2015


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UmweltbewusstseinTrends in der Beurteilung von UmweltqualitätANTEIL DER BEFRAGTEN IN %,DIE EINE „SEHR GUTE“ ODER „RECHTGUTE“ EINSCHÄTZUNG ABGABEN 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014*Umweltqualität in dereigenen Gemeinde79 82 86 84 85 87 84 86Umweltqualität in Deutschland 75 82 82 66 64 66 69 73Umweltqualität weltweit 16 20 16 9 18 18 21 7* Onlinebefragung, Stichprobe ab 14 Jahre Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit/Umweltbundesamt (Hrsg.): Umweltbewusstsein in Deutschland 2014,Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage.Umweltforschungsplan FKZ 3711 17 11, Berlin/Dessau-Roßlau 2015132 PRIVATE HAUSHALTE UND KONSUM Daten zur Umwelt 2015


Das Bundesumweltministerium und dasUmweltbundesamt lassen seit dem Jahr1996 alle zwei Jahre Bürgerinnen undBürger in einer repräsentativen Umfragenach der Umweltqualität sowie zu aktuellenThemen der Umweltpolitik befragen.Diese Studien zum „Umweltbewusstseinin Deutschland“ zeigen, dass die Bevölkerungdie Qualität der Umwelt sehrunterschiedlich einschätzt, je nachdem,ob nach der globalen, nationalen oderlokalen Umwelt gefragt wird.Die meisten Bürgerinnen und Bürger sindmit der Qualität der Umwelt in der eigenenGemeinde zufrieden. Im längerfristigenZeitvergleich seit dem Jahr 2000 hat dieZufriedenheit mit der Umweltqualität ameigenen Wohnort um 7 % zugelegt. Deutlichpessimistischer schätzten die Befragten dieglobale Umweltqualität ein. Die Angabenschwankten: Zwar nahm der Anteil der Befragten,die die weltweite Umweltqualitätals „recht gut“ oder „sehr gut“ beurteilten,zwischen 2006 und 2012 deutlich zu.Im Jahr 2014 gaben dagegen nur 7 % derBefragten an, die weltweite Umweltqualitätsei zufriedenstellend.Nach den wichtigsten Problemen inDeutschland gefragt, nannte im Jahre2014 bei zwei erfassten Nennungen knappjede und jeder Fünfte (19 % der Befragten)spontan einen Aspekt des Umwelt- undKlimaschutzes. Während im Jahr 2012 – einJahr nach dem Reaktorunfall von Fukushimaund zum Rio+20-Gipfel – 35 % derBefragten Umwelt- und Klimaschutz thematisierten,ist der Anteil in 2014 wiederauf ein mit den Jahren von 2000 bis 2010vergleichbares Niveau zurückgegangen.Eine deutliche Zunahme zeigte sich dagegenbei der Bedeutung von Umwelt- undKlimaschutz für die Bewältigung andererpolitischer Aufgaben: Im Jahr 2014 warenfast zwei Drittel der Befragten (63 %) derMeinung, dass ein hinreichender UmweltundKlimaschutz eine grundlegendeBedingung dafür ist, dass Zukunftsaufgabenwie zum Beispiel die Globalisierunggemeistert werden können. Bereits 2012wurde deutlich, dass in Bezug auf dieAufgabe, die Globalisierung zu meistern,aber auch die Wettbewerbsfähigkeit derdeutschen Wirtschaft zu verbessern, demUmweltschutz zunehmende Bedeutungzugeschrieben wurde. Dieser Trend hatsich im Jahr 2014 weiter fortgesetzt undverstärkt.Zufriedenheit mit der Umweltqualität vor Ort hoch,aber weltweit betrachtet geringNach der neuesten Umfrage aus dem Jahr 2014 ist die überwiegende Mehrheit der Bevölkerungmit der Umweltqualität in der eigenen Gemeinde und in Deutschland zufrieden. Die weltweiteUmweltqualität beurteilt nur etwa jede und jeder Fünfzehnte mit „sehr gut“ oder „recht gut“. ImVergleich zu den vorherigen Jahren ist die Einschätzung der heimischen Umweltqualität rechtstabil, die der weltweiten Umweltqualität dagegen deutlich schlechter.133


Energieverbrauchder privaten HaushalteEntwicklung des Endenergieverbrauchs der privaten Haushalte 1)Petajoule3.5003.0002.6032.500 2.3442.0001.5001.00050001990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013*Steinkohle 2) Braunkohle 3) Mineralöle 4)Gase 5) Strom 6) Fernwärme 7)1) 1990 bis 1994: Haushalte in „Haushalte und Kleinverbraucher“enthalten. Seit 1995 wird der Haushaltsverbrauch gesondertausgewiesen.2) Steinkohle, Steinkohlebriketts, Steinkohlekoks.3) Braunkohlebriketts, Hartbraunkohlen (< 0,2%).4) Heizöl leicht, Ottokraftstoffe (< 1 %).Biomasse und erneuerbare Abfälle 8)Sonstige Erneuerbare Energieträger 9)5) Erdgas, Flüssiggas (ca. 5 %).6) einschließlich mit erneuerbaren Energien erzeugtem Strom.7) einschließlich mit erneuerbaren Energien erzeugter Fern wärme.8) hauptsächlich Brennholz.9) Geothermie, Solarthermie, Wärmepumpen.* vorläufige AngabenQuelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Auswertungstabellen zur Energiebilanzfür die Bundesrepublik Deutschland 1990 bis 2013, Stand: September 2014Im Zeitraum von 1990 bis 2013 stieg derEnergieverbrauch in den Haushalten –ohne Kraftstoffverbrauch, da dieser demSektor Verkehr zugeordnet ist – um 9,2 %.Witterungsbedingt stieg der Energieverbrauchaber nicht stetig: In den Jahren1996, 2001 und 2010 herrschten sehr kalteWinter, die zu einem erhöhten Brennstoffverbrauchfür Raumwärme führten. So lagder Energieverbrauch im sehr kalten Jahr2010 etwa 13 % über dem Wert des eherwarmen Jahres 1990.Vor allem der Trend zu mehr Haushalten,größeren Haushaltsflächen und wenigerMitgliedern pro Haushalt begünstigte denhöheren Verbrauch. Dieser Trend wurdezeitweise durch den immer besserenenergetischen Standard bei Neubautenund durch die Sanierung von Altbauten134 PRIVATE HAUSHALTE UND KONSUM Daten zur Umwelt 2015


Endenergieverbrauch der Haushalte steigt wiederIn Deutschland verbrauchten private Haushalte im Jahr 2013 rund 2.603 PJ Energie (Wärme undStrom), das sind 723 Mrd. kWh. Der Energieverbrauch für Verkehr ist darin nicht enthalten. DieHaushalte hatten damit einen Anteil am gesamten Endenergieverbrauch in Höhe von 28,1 %.Der Anteil des Verkehrs lag bei 28,2 %, der der Industrie bei 28,5 % und der des Dienstleistungssektorsbei 15,2 %.Der Energieträgermix verschob sich zwischen den Jahren 1990 bis 2013 zugunsten von Brennstoffenmit geringeren Kohlendioxid-Emissionen. So sank beispielsweise der Verbrauch vonSteinkohle, Braunkohle und Mineralöl wogegen der Anteil erneuerbarer Energien anstieg. Dasverringerte auch die direkt durch die privaten Haushalte verursachten Treibhausgasemissionen.Im Vergleich zu 1990 nahm der Endenergieverbrauch der Haushalte insgesamt um rund 9 % zu.Der Stromverbrauch stieg im Zeitraum von 1990 bis 2013 sogar um etwa 18 %. Die Temperatur – zumBeispiel kalte Winter – hat einen hohen Einfluss auf den Endenergieverbauch für Raumwärme,der mehr als zwei Drittel des Energieverbrauchs privater Haushalte ausmacht.ausgeglichen. So wird Energie im Haushaltzwar hauptsächlich für Raumwärmebenötigt, doch der Heizbedarf hängt nebender Größe der Wohnung auch vom energetischenSanierungszustand des Hauses absowie davon, ob es sich um ein Ein- oderein Mehrfamilienhaus handelt.Der Stromverbrauch hat von 1990 bis 2013um 18,1 % zugenommen. So ist beispielsweiseder Stromverbrauch für Informationund Kommunikation stark angestiegenund liegt inzwischen etwa doppelt sohoch wie der für Beleuchtung.Diesen Trend gilt es umzukehren. Handlungsmöglichkeitenbietet die Stromsparinitiativedes Bundesumweltministeriumsan. Zudem muss Strom effizienter genutztwerden. Die Ökodesign-Richtlinie der EUsoll dazu beitragen, den Trend zu höheremStromverbrauch umzukehren und die Energieeffizienzvon energiebetriebenen undenergieverbrauchsrelevanten Produktenwie beispielsweise Fernsehgeräten, Computernoder Kühl- und Gefriergeräten zusteigern. Darüber hinaus muss der Anteilder erneuerbaren Energien an der Stromversorgunggesteigert werden.135


Energieverbrauch der privatenHaushalte für RaumwärmeEndenergieverbrauch in privaten Haushalten nach Energieträgernund Anwendungsbereichen 2012*RAUMWÄRME WARMWASSER PROZESSWÄRME KLIMAKÄLTE PROZESSKÄLTEPJ TWh PJ TWh PJ TWh PJ TWh PJ TWhMineralöl 422,0 117,2 80,4 22,3 0 0 0 0 0 0Gase 726,6 201,8 176,9 49,1 3,6 1 0 0 0 0Strom 31,6 8,8 68,6 19,1 141,1 39,2 0 0 105,1 29,2Fernwärme 154,3 42,9 18,5 5,1 0 0 0 0 0 0Kohle 51,0 14,2 1 0 0 0 0 0 0 0ErneuerbareEnergien 279,0 77,5 24,7 6,9 0 0 0 0 0 0Gesamt 1.664,5 462,4 370,4 102,9 144,7 40,2 0 0 105,1 29,2MECHANISCHEENERGIEINFORMATION/KOMMUNIKATION BELEUCHTUNG GESAMTPJ TWh PJ TWh PJ TWh PJ TWhMineralöl 0 0 0 0 0 0 502,4 139,6Gase 0 0 0 0 0 0 907,1 252,0Strom 12,3 3,4 88,8 24,7 45,9 12,8 493,4 137,1Fernwärme 0 0 0 0 0 0 172,8 48,0Kohle 0 0 0 0 0 0 52,3 14,5ErneuerbareEnergien 0 0 0 0 0 0 303,7 84,4Gesamt 12,3 3,4 88,8 24,7 45,9 12,8 2.431,7 675,5* vorläufige AngabenAnmerkung: Der Umrechnungsfaktor von Wattstunde(Wh) zu Joule (J) beträgt 3.600, d.h. 1 TWh = 3,6 PJ bzw.1 PJ = 1/3,6 TWhQuelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, Anwendungsbilanzenfür die Endenergiesektoren in Deutschland in den Jahren 2011und 2012 mit Zeitreihen von 2008 bis 2012, Stand: 11/2013Die privaten Haushalte benötigten im Jahr2012 zirka 69 % der Energie für das Heizen.15 % kamen für die Warmwasserbereitunghinzu, 6 % für das Kochen, 4 % für KühlundKälteanwendungen, 4 % für Information-und Kommunikationstechnologien,2 % für die Beleuchtung sowie weniger als1 % für sonstige Elektrogeräte.Es gibt weitere Möglichkeiten, den Energiebedarffür das Heizen zu senken. DasMietrecht lässt es in begrenztem Umfang136 PRIVATE HAUSHALTE UND KONSUM Daten zur Umwelt 2015


Mehr als zwei Drittel der Energie benötigenprivate Haushalte zum HeizenDie privaten Haushalte benötigten im Jahr 2012 mehr als zwei Drittel ihres Endenergieverbrauchs,um Räume zu heizen. Sie nutzten dafür hauptsächlich Erdgas und Mineralöl. An dritterStelle folgte die Gruppe der erneuerbaren Energien, an vierter die Fernwärme, Platz fünf nahmdie Kohle ein und die letzte Stelle verblieb dem elektrischen Strom. Der Einsatz von fossilenEnergieträgern zur Gewinnung von Strom, der dann zum Heizen verwendet wird, ist ökologischund volkswirtschaftlich bedenklich. Bei der Umgestaltung des Energiesystems und bei steigendemAnteil von Strom aus regenerativen Quellen ist eine stärkere Verknüpfung des Strom- undWärmebereiches notwendig, etwa durch die Nutzung von Wärmepumpen zur Raumwärmeversorgung.Bei momentan auftretenden Abregelungen regenerativer Erzeugungsanlagen auf Grundvon Netzengpässen ist auch die Nutzung von regenerativen Überschüssen zum Heizen sinnvoll.Wichtig ist vor allem die energetische Sanierung von Gebäuden, um den Heizenergiebedarfdauerhaft zu verringern.Der Raumwärmebedarf könnte bei einer energetischen Sanierungaller Wohngebäude um fast 60 % sinken (technisches Potenzial).Die Bundesregierung unterstützt dies unter anderem mit folgendenProgrammen:▸▸▸▸▸▸Im Rahmen des CO2-Gebäudesanierungsprogramms des Bundes gibt dasProgramm „Energieeffizient Sanieren“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW)hierfür Zuschüsse und zinsgünstige Kredite.Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) fördert die Umstellung von Heizsystemenauf erneuerbare Energien wie Solarthermie, Biomassekessel und/oder Wärmepumpen mit seinem Marktanreizprogramm (MAP). Die zuständigeAntrags- und Bewilligungsbehörde ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle(BAFA).Das BMWi gewährt auch Zuschüsse zu Energiesparberatungen für Hausbesitzerinnenund Hausbesitzer.zu, dass der Vermieter bei Maßnahmenzur Energieeinsparung von Mietminderungsansprüchenbefreit ist und Maßnahmenzur Steigerung der Effizienz aufdie Miete umlegen kann. Darüber hinauswäre die flächendeckende Verbreitung„kommunaler Heizspiegel“ sinnvoll, wieauch die möglichst schnelle Verbreitungdes Energiebedarfsausweises für bestehendeGebäude.137


AnhangLiteraturverzeichnisBfN 2014: Bundesamt für Naturschutz, Grünland-Report. Alles im grünen Bereich? –Positionspapier. Bonn-Bad Godesberg; 34 S. http://www.bfn.de/BMEL 2014: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Hrsg.), StatistischesJahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Münster-Hiltrup, verschiedeneJahrgängeBMU 2007: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit,Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, Berlin 2007BMU 2012: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, DeutschesRessourceneffizienzprogramm (ProgRess). Programm zur nachhaltigen Nutzungund zum Schutz der natürlichen Ressourcen, Beschluss des Bundeskabinetts von29.02.2012, Berlin 2012BMUB 2014a: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit,Flüsse und Seen. http://www.bmub.bund.de/themen/wasser-abfall-boden/binnengewaesser/fluesse-und-seen/(Stand: 01.03.2013)BMUB 2014b: Grundwasser. http://www.bmub.bund.de/themen/wasser-abfall-boden/binnengewaesser/grundwasser/ (Stand: 01.03.2013)BMUB 2014c, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit:GreenTech made in Germany 4.0. Umwelttechnologie-Atlas für Deutschland, Berlin 2014(http://www.bmub.bund.de, www.greentech-made-in-germany.de)BMUB 2014d: http://www.bmub.bund.de/themen/luft-laerm-verkehr/laermschutz/kurzinfo/BMUB 2014e: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit,Feinstaub. http://www.bmub.bund.de/themen/gesundheit-chemikalien/gesundheitund-umwelt/luftreinhaltung/feinstaub/(Stand: 30.09.2013)BMUB/UBA 2015: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit/Umweltbundesamt, Umweltbewusstsein in Deutschland 2014. Ergebnisse einerrepräsentativen Bevölkerungsumfrage, BerlinBMWi 2015: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Erneuerbare Energien imJahr 2014. Erste Daten zur Entwicklung der erneuerbaren Energien in Deutschland aufGrundlage der Angaben der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik, Berlin 2015BÖLW 2015: Zahlen, Daten, Fakten. Die Bio-Branche 2015.http://www.boelw.de/uploads/media/BOELW_ZDF_2015_web.pdf138 Daten zur Umwelt 2015


Bundesregierung 2002: Die Bundesregierung, Perspektiven für Deutschland. UnsereStrategie für eine nachhaltige Entwicklung. Berlin, 2002Bundesregierung 2010: Die Bundesregierung, Energiekonzept für eine umweltschonende,zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung. Beschluss des Bundeskabinettsvom 28.09.2010Edler, D., J. Blazejczak 2014: Beschäftigungswirkungen des Umweltschutzes in Deutschlandim Jahr 2010. In: UBA, BMUB (Hrsg.): Reihe Umwelt, Innovation, Beschäftigung,02/2014. Dessau-Roßlau, Berlin.Eurostat 2014: Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften, Umweltsteuern.Haupttabellen und Datenbank,http://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Environmental_tax_statistics/de (01.03.2015FSC 2014: Forest Stewardship Council Deutschland. http://www.fsc-deutschland.de/(Stand: November 2014)Gehrke, B., U. Schasse, K. Ostertag 2014: Wirtschaftsfaktor Umweltschutz. Produktion-Außenhandel-Forschung-Patente:Die Leistungen der Umweltschutzwirtschaft inDeutschland. In: UBA, BMUB (Hrsg.): Reihe Umwelt, Innovation, Beschäftigung, 01/2014.Dessau-Roßlau, Berlin.GWS 2014: Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) mbH, Erneuerbarbeschäftigt in den Bundesländern: Bericht zur aktualisierten Abschätzung der Bruttobeschäftigung2013 in den Bundesländern, Osnabrück 2014Henschel, Chan 2013: Susann Henschel, Gabrielle Chan, Health risks of air pollution inEurope – HRAPIE project: New emerging risks to health from air pollution – results fromthe survey of experts. WHO Regional Office for Europe, Copenhagen: 65 p.IPCC 2014: Intergovernmental Panel on Climate Change, Fifth Assessment Report (AR5)“Climate Change 2014. Synthesis Report”, November 2014Koalitionsvertrag 2013: Deutschlands Zukunft gestalten. Koalitionsvertrag zwischenCDU, CSU und SPD. 18. Legislaturperiode, Berlin 2013KOM 2011: Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den europäischenWirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen, Fahrplanfür ein ressourcenschonendes Europa, KOM (2011)571 endg., Brüssel 2011Naturland 2014: Naturland – Verband für ökologischen Landbau e. V.http://www.naturland.de/fileadmin/MDB/documents/Ueber_Naturland/2014_OEko_ist_mehr_als_Bio_01.pdfPEFC 2014: PEFC-Internetseite. https://pefc.de (Stand: November 2014)SRU 2015: Sachverständigenrat für Umweltfragen, Stickstoff: Lösungsstrategien füreine drängendes Umweltproblem. http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/02_Sondergutachten/2012_2016/2015_01_SG_Stickstoff_KF.pdf?__blob=publicationFile139


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Abkürzungsverzeichnis% Prozent°C Grad CelsiusBIPctdb(A)EEGEGEUFSChaHELCOMkgkg/ha*akm²ktkWhKWKBruttoinlandsproduktCentDezibelErneuerbare-Energien-GesetzEuropäische GemeinschaftEuropäische UnionForest Stewardship CouncilHektarHelsinki-Kommission zum Schutz der Meeresumwelt im OstseeraumKilogrammKilogramm pro Hektar und JahrQuadratkilometerKilotonneKilowattstundeKraft-Wärmekopplungm³ Kubikmetermg/lMio.Mrd.Milligramm pro LiterMillionMilliardeµg Mikrogrammµm MikrometerNEC-RichtlinieNMVOCOSPAREU-Richtlinie zu EmissionshöchstmengenFlüchtige organische Verbindungen ohne MethanOslo-Paris-Kommission zum Schutz der Meeresumweltdes Nordost-Atlantiksp. a. per annum (pro Jahr)PEFCPHEVPJPkmppmProgramme for the Endorsement of Forest Certification SchemesPlug-In-Hybrid-FahrzeugePetajoulePersonenkilometerparts per million, Teile pro Million141


RLRMCRMItt/aTHGtkmTWhTsd.UQNWRRLRichtlinieRaw Material ConsumptionRaw Material InputTonneTonne pro JahrTreibhausgasTonnenkilometerTerawattstundenTausendUmweltqualitätsnormEU-WasserrahmenrichtlinieBildquellenCover: Andreas Spachtholz/thinkstockphotos.deS. 8/9: Gutzemberg/thinkstockphotos.deS. 15: © Michael Rosskothen/Fotolia.comS. 25: © Umweltbundesamt/Susanne KamborS. 28: © Leoshoot/ThinkstockS. 31: © Oleksandr Delyk/Fotolia.comS. 33: © michellegibson/istockphoto.comS. 39: © kgdad/Fotolia.comS. 40/41: © Hadrien BRUNNER/thinkstockphotos.deS. 43: © nikitos77/Fotolia.comS. 49: © Kadmy/fotolia.comS. 53: © BananaStock/thinkstock.comS. 58/59: © FamVeld/thinkstockphotos.deS. 66: © motivation1965/Fotalia.comS. 67: © yellowj/Fotolia.comS. 68: © Grzegorz Polak/Fotolia.comS. 71: © PanthermediaS. 73: © UmweltbundesamtS. 75: © Naumann/UmweltbundesamtS. 82/83: © Tobias Helbig/thinkstockphotos.deS. 92/93: © Stefano Lunardi/thinkstockphotos.deS. 97: © Robert Churchill-Thinkstock.comS. 99: © BSW-SolarS. 101: © Harald07-Fotolia.comS. 103: © PhotoSG/Fotolia.comS. 104/105: © i-Stockr/thinkstockphotos.deS. 107: © Manfred Steinbach/FotoliaS. 109: © eloleo/Fotolia.comS. 115: © RRF/FotoliaS. 119: © luciap/FOTOLIA.comS. 120–121: © Ant Strack/Fuse/thinkstockphotos.deS. 130–131: © panic_attack/thinkstockphotos.deS. 132: © Photo-K/Fotolia.comS. 134: © goldbany/Fotolia.com142 Daten zur Umwelt 2015


ImpressumHerausgeber:UmweltbundesamtFachgebiet I 1.5Postfach 14 0606844 Dessau-RoßlauTel.: +49 340-21 03-0info@umweltbundesamt.deInternet: www.umweltbundesamt.deGestaltung:publicgarden GmbHDruck:BGZ Druckzentrum GmbHgedruckt auf Recyclingpapier aus100 % Altpapier/umweltbundesamt.de/umweltbundesamtAutoren:Frederike Balzer, Dr. Björn Bünger, UteDauert, Detlef Drosihn, Dr. Frauke Eckermann,Angelika Gellrich, Markus Geupel,Patrick Gniffke, Jens Günther, MatthiasHintzsche, Dr. Dagmar Kallweit, KarinKartschall, Lea Köder, Dr. Wera Leujak,Anett Ludwig, Dr. Volker Mohaupt, LennartMohr, Dr. Hans-Guido Mücke, Felix Müller,Dr. Alexander Neuberger, Jeannette Pabst,Gertrude Penn-Bressel, Marian Pohl, NadjaRichter, Simone Richter, Dr. Ludwig Ries,Jürgen Schnepel, Gudrun Schütze, Dr. SylviaSchwermer, Dr. Regine Szewzyk, AntjeUllrich, Dr. Rüdiger WolterRedaktion:UmweltbundesamtFachgebiet I 1.5„Nationale und internationale Umweltberichterstattung“:Dr. Sylvia Schwermer,Marian Pohl, Dr. Alexander Neuberger,unter Mitwirkung von Dr. Katherina GraflBroschüren bestellen:Umweltbundesamtc/o GVPPostfach 30 03 61 / 53183 BonnService-Telefon: 0340 2104-6688Service-Fax: 0340 2104-6688E-Mail: uba@broschuerenversand.deInternet: www.umweltbundesamt.dePublikationen als pdf:http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/daten-zur-umwelt-2015Dieses Publikation ist kostenfrei zu beziehenbeim Umweltbundesamt. Der Weiterverkaufist untersagt. Bei Zuwiderhandlungwird eine Schutzgebühr von 15 Euro/Stückerhoben.Stand: Juni 2015


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