Raf Simons Raf Simons Interview Andrea Rosen mit Raf Simons ...

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Raf Simons Raf Simons Interview Andrea Rosen mit Raf Simons ...

Raf SimonsInterview Andrea Rosen mit Raf SimonsAndrea Rosen: Das Format des Statement-Projektes war bereits festgelegt: ein Buchund möglicherweise ein Video. Doch was brachte Sie auf den Gedanken einerInstallation als Ihren Beitrag?Raf Simons: Ich glaube, es war die gesamte Situation, in der ich mich in jenem Momentbefand. Meine Zweifel darüber, ob ich eine weitere Sammlung machen sollte. DerWunsch, Neuland zu betreten. Welches ich ganz entschieden nicht Kunst nennen kann.Dinge, wie zum Beispiel, eine Ausgabe des I.D.-Magazins herauszugeben. Mich selbstanderem aussetzen, das Buch mit David Sims machen. Ich war daher derÜberzeugung, dass dies eine völlig andere Annäherung war als die Form, mit der ichsonst meinen Sammlungen begegne. Als ich anfing, über die Badekultur-Sachenachzudenken, wusste ich, dass ich etwas machen wollte, dass man auf der visuellenEbene eben nicht erwartet, wenn man an Badezimmer, an Badezimmeraccessoiresoder aber an Unternehmen denkt, die diese ganzen Gegenstände herstellen. Wenn ichan Badezimmer denke, kommt mir das Klischee von netten Fotografien netterMenschen in Badezimmern in den Sinn. Wunderschöne Körper und all dieses Zeugs,was man in der Werbung sieht. Ich wollte mich aber ganz weit davon entfernen. Etwasfinden, dass mit der Welt in Verbindung steht, die ich repräsentiere. Und das sind ebennicht Kleidung oder Jungen in Duschen und solche Dinge.AR: Offensichtlich setzt sich die Installation mit dem ganzen Konzept der Besessenheiteines jeden mit seinem Körper auseinander, seine Beziehung zum eigenen Spiegelbild...RS: Damit beschäftigen sich ja auch meine Sammlungen. Dabei geht es um einenselbst, um seinen Körper und um diese Konfrontation seines Ichs und seinerUmgebung durch die Art, wie er sich kleidet und wie er aussieht. Sieht man mal vomWaschen des Körpers ab, steht das Badezimmer doch für das Entkleiden und dieKonfrontation mit dem eigenen Körper. Das Ganze hat mit Isoliertsein zu tun. Wennman diesen Raum betritt, betrachtet man sich augenblicklich aus einem anderenBlickwinkel. Man nimmt sich komplett anders wahr als man es in anderer Umgebungmit anderen Menschen, zum Beispiel auf der Straße oder im Büro tut. Und dieseErkenntnis bringt einen ins Grübeln über verschiedene Dinge. Ich in meiner Rolle alsDesigner beschäftige mich mit der problematischen Frage: Wie schafft man es, gutauszusehen, um sich besser zu fühlen. Einmal natürlich für sich selbst, zugleich aberauch für das eigene Umfeld. Mir ist dabei im Laufe der Zeit aufgefallen, dass Menschenein hohes Maß an Stolz besitzen. Ich selbst bin sehr stolz und die Menschen, die michumgeben, sind ebenfalls sehr stolz. Und das brachte mich schließlich zu jener Art vonPerson, die man vielleicht nicht unbedingt mit Badezimmern assoziiert. Nicht dietypischen Personen, die man üblicherweise mit Badezimmern in Zusammenhangbringt. Wie eben diese Menschen, die sich selbst tätowieren. Ich wollte mir vorstellen,wie es in ihren Badezimmern aussehen könnte. Diese Leute gehen auch tagtäglich insBadezimmer und erleben da die Konfrontation mit ihren Körpern. Der Grund für dieseArt von Tätowierung ist mit Sicherheit ihre Überzeugung, dass sie mit der Tätowierungbesser aussehen. Und sie wollen sich damit für den Rest ihres Lebens schmücken.AR: Nun geht es aber nicht bei allen Tätowierungen um das Schönsein ...


RS: Das habe ich mit zahlreichen Leuten diskutiert ...AR: Es geht dabei ebenso um persönliches Eigentum. Und mehr um das Erstellen einerBeziehung zu sich selbst als darum, andere Menschen anzuziehen. Das hat zu tun mitdem Körper als Eigentum und mit dem Recht auf den eigenen Körper. Denkt man anWerbung, geht es um jemanden, der in das Badezimmer hineinschaut. Und daspassiert nicht. Selbst wenn man mit jemandem zusammenlebt, schaut dieser andereeinen zu jeder Zeit und auf jede erdenkliche Art und Weise an. Und doch fühlt es sichanders an, wenn man sich selbst betrachtend vor dem Badezimmerspiegel steht, undder eigene Partner schaut einem in diesem Moment zu. Auf eine bestimmte Art fühltman sich dann überfallen. Üblicherweise jedoch geht die Werbung für Badezimmerüber dieses Gefühl hinweg. Und dabei ist gerade diese Vorstellung, sich mit demeigenen Körper abzufinden, ein so ausgesprochen tiefer persönlicher Vorgang.RS: Ganz genau. Das ist ebenso Teil des Grundes, warum ich mich letztendlichdagegen entschieden habe, ein Foto oder ein Bild von jemandem in einemBadezimmer zu machen. Genausowenig wollte ich ein klares Bild eines Badezimmersoder einer eindeutigen Umgebung machen. Mein Anliegen war es vielmehr, eineKomposition von Elementen zu erzeugen, die in Zusammenhang mit diesem Gebietund der Person stehen, um zu sehen, wie die Elemente zusammen wirken. Daherhaben die Spiegel bereits Tätowierungen. Ich habe im Internet diese Motorhead-Tätowierungs-Symbole gefunden. Und der Typ, mit dem ich die ganze Zeitzusammenarbeite und der mich ausgesprochen inspiriert, hat diese Sisters-of-Mercy-Tätowierung und -begeisterung. Deshalb habe ich gerade diese Tätowierungs-Motiveauf die Spiegel übertragen. Der Spiegel ist ein sehr zentrales Element im Badezimmer,denn durch ihn findet die eigent-liche Konfrontation mit dem eigenen Körper statt. Siehtman sich also in diesen Spiegeln selbst an, findet man plötzlich Tätowierungen aufseinem Körper, obwohl man in Wirklichkeit ja gar nicht tätowiert ist. Und die Installationist so konstruiert worden, dass einem, wenn man in den Spiegel sieht, zugleich dieSpiegelbilder aller übrigen Elemente des Raumes ins Auge fallen. Das Foto bezieht sichsehr stark auf die Isolation, genauso aber auch auf Privatsphäre. Auf eine bestimmte Artwar alles sehr bloßgestellt, da der Typ nackt war und man seine Tätowierungen sehenkonnte. Doch der Motorradhelm auf seinem Kopf gab ihm Privatsphäre. Ich legte Wertdarauf, dass niemand erkennen konnte, wer er war. Diese Form von Privatsphäre warein sehr wichtiger Bestandteil des Projekts.AR: Steht das Foto auch in einer Beziehung zu Ihnen selbst?RS: Ja, denn mir ist es vor allem wichtig, dass die Menschen in der Presse meinePrivatsphäre zum Ausdruck bringen. Das einzige Mal, als ich jemandem erlaubt habe,ein Bild von mir für die Presse zu machen, trug ich selbst einen Motorradhelm.AR: Und was hat es mit dem Handtuch auf sich?RS: Das Handtuch ist auf seine Art die einzige Anspielung auf Kleidung. Die Menschen,an die ich gedacht habe, tragen diese Jeans-Jacken über ihren Lederteilen. Deshalbhielt ich es für eine nette Idee, eine Art Anspielung, das, was ich tue, miteinzubeziehen,nämlich Kleidung herstellen. Die Musik ist ein Punkt, der mir schon ganz zu Beginn inden Sinn kam. Ich liebe einfach das Gefühl, in der Dusche zu sein und die Musik richtiglaut aufgedreht zu haben – und trotzdem klingt sie gedämpft. Das ist eineangsteinflößende Situation. Denn in der Dusche zu stehen mit sehr lauter Musik anmacht dich sehr angreifbar. Du bist völlig isoliert. Du würdest es gar nicht sofortmitkriegen, wenn jemand hereinkäme, wie in diesen Horrorfilmen. Ich habe keineAhnung, warum mich derartige Filme so sehr inspirieren.


AR: Es scheint ja auf der Hand zu liegen, dass Sie die Entscheidung, eine Installationzu machen, vor allem deshalb fällten, weil Sie damit eher eine ganzheitliche Stimmungentwerfen konnten und etwas, das viel offener für Interpretationsmöglichkeiten seinwürde. Und interessant im Rahmen der Diskussion Kunst versus etwas anderes ist es,dass die Menschen, sobald man ein Werk, also Gegenstände in den weißen Kubuspositioniert, meinen, es sei an ihnen, eine Bedeutung für sich selbst herauszuarbeiten,anstatt dass ihnen eine Bedeutung aufgezwungen wird. Es ist daher interessant, dasses vor allem darum ging, wie die Menschen ihr eigenes Gefühl für die Installationentwickeln. Zudem sagen Sie immer wieder, dass es nicht darum geht, Kunst zumachen. Doch sobald sie Objekte in einen derartigen Raum stellen und eine Installationkreieren, beschäftigt man sich doch mit allem und jedem, der so etwas zuvor bereitsgetan hat.RS: Zu allererst wollte ich, dass dies ein nicht-existierender Raum sein würde. Ichkonnte es mir nicht in einer Kunst-Gallerie vorstellen. Das ist nicht leicht für mich, dennich sah alle diese separaten Objekte nunmehr zusammen wirken, aber in einem sehrimaginären Raum. Und wenn ich jemals an eine Manifestierung meiner Vorstellunggedacht habe, dann bestimmt nicht an eine Kunst-Gallerie, wo alle diese Dinge an einerWand hängen. Aber es ist auch nicht einfach etwas, was man kreieren kann. Es istvielmehr so, dass man, wenn man all diese Gegenstände im Raum hängen sieht, aneinen bestimmten Raum denkt, an ein bestimmtes Umfeld, das vielleicht gar nichtexistiert. Würde ich jetzt die Badezimmer einiger mit Motorheads tätowierten Leutesehen, würden die natürlich nicht so aussehen. Und sie würden letztlich auch nicht soaussehen, wie ich sie mir vorstelle, aber das ist wahrscheinlich gerade der Punkt, derdas Ganze interessant für mich gemacht hat.AR: Verstehe, deshalb ist das interessanter. Und zwingender, weil es um dieNotwendigkeit geht, über den Kontext nachzudenken ohne zu beschreibend unddidaktisch vorzugehen.RS: Zusätzlich zur Tatsache, dass die Gegenstände hart und schwarz sind, wollte ichden Eindruck absoluter Sauberkeit erzeugen, da es sich ja um Badezimmer handelt.AR: Und wie stehen Sie dazu, dass versucht wird Ihre Installation in Form vonFotografien in einem Buch festzuhalten?RS: Wenn ich mir die Fotos ansehe, erfüllt mich das mit Freude, weil ich sie verstehe,weil ich das Projekt kenne. Doch als ich die Eröffnung in Paris hatte, wurde mirbewusst, dass sich den meisten Besuchern das Ganze erst richtig erschloss, als siedas Ganze im Raum sahen und nicht nur auf den Fotos. Schließlich handelte es sichdabei ja um Elemente, die es außerhalb des Fotos zu erfahren galt, wie den Lärm zumBeispiel. Also muss ich nunmehr doch zugeben, dass es wohl die beste Entscheidungwar, das Ganze im Raum hier zu installieren.AR: Ja, aber Sie haben ja Erfahrung damit. Bei den Präsentationen für IhreSammlungen haben sie ja im Vorfeld ein komplettes Konzept erarbeitet undunglaubliche Kraftakte absolviert, bevor Sie dann endlich die Präsentation begutachtenkonnten. Sie haben dabei die Gabe, etwas innerhalb der realen Welt zu offenbaren, daseigentlich nur in Ihrer Imagination besteht.RS: Und doch muss man immer den möglichen Zwischenweg einschlagen. Als ichdiese andere Sammlung gemacht habe, ging es vor allem um Horrorfilme und diese Artvon Zwischenzone oder die nichtexistierende Traumwelt wie in den Freddy-Krueger-Filmen. Mir gefällt es außerordentlich, derartige nichtexistierende Zonen zu erschaffenoder wie auch immer man sie nennen möchte. Das fällt mir jedoch häufig ziemlichschwer innerhalb des Kontextes, in dem ich mich dieser Tage bewege, wo ich Mode


mache, Shows organisiere etc. Oft kommt es auch vor, dass gerade das Video einerShow so ist, wie das Ganze eigentlich aussehen sollte. Darum bleibt ein Video einemviel länger im Gedächtnis. Das Video spiegelt meine Gefühle oft viel präziser wider alses mit der Show selbst gelingt. Doch die Leute, die sich das dann anschauen, denkenmeist nicht so. Ich meine, ihnen mag die Show gefallen, aber sie sehen sie dennochnicht so, wie ich sie für mich sehe.AR: Das Bewundernswerte an den Präsentationen ist doch ihr flüchtiger und nur für denMoment existierender Charakter; dass sie eine Erfahrung darstellen, die man entwedereinfach in Erinnerung halten muss oder schlichtweg vergisst und aus dem Gedächtnisstreicht. Und was mir interessant erscheint, ist, dass wenn man über die Präsentationennachdenkt, hat man nicht nur den flüchtigen Moment vor Augen, sondern gerade Sie,Raf, machen sich Gedanken, wie die Präsentationen wirken, wenn sie dauerhaft aufanderen Medien festgehalten sind. Das ist bestimmt ein aufregendes Dilemma für einenKünstler, der Spagat zwischen dem flüchtigen Augenblick und dem Wunsch, dasGanze dauerhaft aufzuzeichnen oder für ewig zu manifestieren. Ich halte dieseSehnsucht nach einer bestimmten Form von Dauerhaftigkeit zum einen für eine Stärke,zum Teil aber auch für eine Schwäche. Der Mitschnitt ist ein völlig anderes Endprodukt.Und das ist wieder eines dieser Dinge, was mich an Ihnen fasziniert, nämlich wiezweckorientiert Sie arbeiten: zwischen Natur auf der einen und dem Gefühl derKleidung auf der anderen Seite, dann auf der einen Seite die Bedeutung, Kleidung zutragen und auf der anderen Seite die Präsentation, und schließlich die Bedeutungdieser Art der flüchtigen Erfahrung im Gegensatz zur Natur eines aufgezeichnetenMitschnitts – das birgt wieder ein völlig anderes Gefühl in sich. Ich bin der Ansicht, dassman innerhalb der natürlichen Beschränkungen, denen ein Gegenstand zwangsläufigunterliegt, dessen größtmögliche Bedeutungstiefe herausarbeiten sollte, und auchgerade die Bedeutung seiner Be- bzw. Einschränkungen.RS: Ich glaube, es hat viel mit der Inspiration zu tun, die vom visuellen Material ausgeht.Auf visueller Ebene haben mich diese unterschiedlichen Arten von Zonen stets sehrinspiriert – wie in „Twin Peaks“ oder in Kubrick- Filmen oder in Kitsch-Horrorfilmen.Zonen, die man nicht erfassen kann, bei denen man nicht genau weiß, was oder wo siesind. Da geht es um Fantasie, um etwas, das nicht existiert, um etwas Imaginäres undum etwas, von dem man glaubt, dass es wohl perfekt sein muss. Und wenn nichtperfekt, dann zumindest sehr neu und interessant.AR: Bei Filmen gibt’s immer zahlreiche Sachen, die man einfach weglassen könnte.Das ist eine meiner Hauptkritikpunkte am Film heutzutage. Den Machern ist nichtbewusst, wieviel weggelassen werden könnte, wieviel nicht gesagt werden kann,wievieles nur mit der psychologischen Gefühlsebene wahrgenommen werden kann.Typisch für das Medium Film ist auch unser unbändiger Wunsch nach unbedingterGlaubwürdigkeit. Es geht um einen Ort, der völlig fiktional ist. Ganz anders also, als inein Zimmer zu gehen. Und doch muss ich Sie fragen, ob die flüchtige Erfahrung, dieman mit Ihrer Installation für das Projekt hier macht – das ganze findet ja nur eine Nachtlang statt – wirklich ausreicht? Oder sind Sie der Ansicht, man muss die Installationdoch aufzeichnen?RS: Ich glaube nicht, dass man es aufzeichnen muss. Ich finde auch nicht, dass esfotografiert werden muss.AR: Eine Präsentation nur eine Nacht lang wäre also Ihrer Meinung nach ausreichend?RS: Ja, mir reicht das vollkommen. Mir selbst hätte eine Sekunde ausgereicht. So gehtes mir sehr oft mit Dingen. Ich baue sie mit ein paar anderen Menschen auf, und wenn


wir dann das Endergebnis betrachten, sind wir glücklich darüber...wir sind damitglücklich in genau dem einen Moment ...AR: Die andere Frage, die sich stellt, ist, was geschieht Ihrer Ansicht nach mit diesenindividuellen Objekten. Existieren sie nur für die Installation und sind jetzt quasiverschwunden, oder sehen Sie sie als permanente Gegenstände, die für die Zeitfortbestehen sollen, die jemand besitzt?RS: Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, aber ich finde, sie sollten auf jedenFall zusammenbleiben. Das ist mir sehr wichtig.AR: Sehen Sie das als eine zusammenhängende Einheit?RS: Ja.AR: Vorhin haben Sie gesagt, all das sei nicht Kunst, sondern nur eine Installation. Ichweiß aber, dass Sie über das Schaffen von Kunst nachgedacht haben. Und ich glaubenunmehr, dass es Ihnen weniger darauf ankommt, ein Künstler oder ein Herausgeberzu werden, sondern vielmehr darum, das meiste aus jeder sich bietenden Gelegenheitzu machen. Doch sobald Sie ein dauerhaftes Objekt geschaffen haben, daszusammenhängend bleibt und das sich im Besitz eines anderen befindet, ist das dannnicht Kunst?RS: Ich weiß genau, was Sie meinen, und es geht auch gar nicht darum, dass ich keineKunst machen möchte. Ich bin eher der Überzeugung, dass wenn ich es täte, ich estrotz alledem mit noch anderen Dingen kombinieren wollte. Wenn du für einenModedesigner gehalten wirst, glaubst du, die Leute trauen dir gar nicht zu, dass duauch noch etwas anderes machen kannst, weil du ja ein Modedesigner bist. Ich mag esnicht, so einen Stempel aufgedrückt zu bekommen. Doch der Grund, warum ich diesesProjekt für mich nicht als Kunst oder als ein Kunstwerk erachte, ist dieser: Für michwäre es nur dann Kunst, wenn der Ausgangspunkt bzw. die Initiation für die Sache vonmir und nicht von einem externen Projekt ausgegangen wäre.AR: Und was ist dann mit den Gegenständen? Sind das nur Überreste einer Installationfür ein Projekt?RS: Ja.AR: Wenn man für ein Zeitschriftenformat arbeitet – selbst wenn es nur ein einmaligesProjekt wäre – dann wäre es immer noch eine Zeitschrift. Und es geht dann immer nochum das Format, und man muss dann immer noch alles daran setzen, eine Zeitschrift zumachen, die es mit allen anderen Zeitschriften dieser Welt aufnehmen kann. Undgenauso verhält es sich mit einer Installation. Die Tatsache, dass es eine Auftragsarbeitwar, macht dabei zwar einen Unterschied, aber eben nur einen kleinen. Und wie Sie jaeben selbst gesagt haben, hat man Ihnen keine spezifischen Beschränkungenauferlegt.RS: Nein, das ist richtig. Sie haben uns völlige Freiheit gelassen, doch die eigentlichenEinschränkungen macht ja der Kopf, glaube ich. Irgendwie glaubt man, tun zu müssen,was man wirklich mit dem Projekt machen möchte, doch dann stellt sich die Frage: Istdas auch wirklich das, was man als Künstler umsetzen möchte? Wie sehen Sie dasGanze denn?AR: Ich weiß nicht so genau. Ich denke mit Duchamp gesprochen, ist Kunst Kunst, weilein Künstler behauptet, es sei Kunst. Das ist die Prämisse modernistischer Kunst; es istKunst, weil ein Künstler behauptet, es sei Kunst. Wenn Sie also sagen, es ist keineKunst, dann vertraue ich Ihnen, dass es nicht Kunst ist. Obwohl sich mir eine weitereFrage stellt. Ihnen standen viele Möglichkeiten offen, zum Beispiel das I.D.-Magazinherauszugeben oder aber dieses Projekt hier anzugehen. Und das wegen dem, was sieals Modedesigner erreicht haben. Daher ist es für Sie ja nicht so, als müssten Sie jedes


Mal von vorne anfangen. Ihr Wissen, Ihr Sachverstand und Ihre Erfahrung gehen nichtverloren, indem Sie sich einem neuen Betätigungsfeld zuwenden; Sie bringen all dasmit sich. Aber es ist doch interessant darüber nachzudenken, dass Sie die Freiheithaben wirklich zu tun, was Ihnen gefällt. Aber Freiheit bedeutet ja zugleich auchVerantwortung, und darin liegt das Problem.

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