KDA Impuls Einfache Arbeit

anneliesbruhne
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IMPULSE DES KDAEINFACHE ARBEIT ?DER ARBEITSMARKTDER GERINGQUALIFIZIERTEN


INHALT3 VORWORT4 EINLEITUNG:Sechs Millionen An- undUngelernte – mehr als eine„Problemgruppe“6 ANALYSE:Der Markt der Einfachen Arbeit12 BEISPIELE:Einfache Arbeit in der Lebensmittelindustrie,Logistik brancheund Gebäudereinigung16 PERSPEKTIVE:Ein Leib, viele Glieder –niemand ist verzichtbar18 HANDLUNGSOPTIONEN:Forderungen an Wirtschaft,Politik und Kirche21 LITERATUR UND FILME23 IMPRESSUM


VORWORTEINFACHE ARBEIT ?LIEBE LESERINNEN UND LESER,„Einfache Arbeit gibt es in Deutschland doch fast nicht mehr“,solche oder ähnliche Sätze sind immer wieder zu hören, wenn esum Arbeit geht, für die keine formale Qualifikation benötigt wird.Für uns ein Grund – gerade angesichts der zunehmenden Debatteum einen Fachkräftemangel – einmal genau hinzuschauen: Wasgilt als einfache Tätigkeit? Wer verrichtet Einfache Arbeit und inwelchen Branchen gibt es sie? Mit welchen Pro blemen müssensich Mitarbeitende und Unternehmen auseinandersetzen, die mitEinfacharbeitsplätzen zusammenhängen?Der KDA-Bundesausschuss „Erwerbslosigkeit, Sozial- und Ar beitsmarktpolitik“hat sich umgeschaut, insbesondere in der Auto-, undLebensmittelindustrie, hat mit Qualifizierungs- und Beschäftigungsträgern gesprochen, sich über Nachqualifizierung undmodulare Ausbildungen informiert. Immer ist er dabei auch derLeitfrage nachgegangen, wie es dem Menschen geht, der eineEinfache Arbeit verrichtet. Denn als Kirchlicher Dienst in derArbeitswelt interessiert uns vor allem der Mensch in seinerArbeitssituation. Geht es ihm gut? Kann er von seiner Arbeit lebenund an der Gesellschaft teilhaben? Erfährt er die Wertschätzung,die Teil der unaufgebbaren Würde jedes Einzelnen ist?Unser Einblick, an dem wir Sie mit dieser Broschüre teilhabenlassen möchten, schließt deshalb mit Wünschen und Forderungenfür eine der Würde des Menschen angemessenen Arbeitswelt.Dies ist umso notwendiger, weil auch die Arbeitswelt der Zukunftnicht ohne Einfache Arbeit auskommen wird.LANDESSOZIALPFARRER MICHAEL KLATTBundesvorsitzender desKirchlichen Dienstes in der Arbeitsweltim Evangelischen VerbandKirche-Wirtschaft-ArbeitsweltIMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT? 3


EINLEITUNGSECHS MILLIONENAN- UND UNGELERNTE:MEHR ALS EINE„PROBLEMGRUPPE“Besichtigung eines VW-Werkes in Hannover: Der Standortist spezialisiert auf den Innenausbau des „California“. AufFließbändern bewegen sich Basismodelle dieses Reisemobilsin geringem Tempo durch die Werkhallen. Im Innenraumder Fahrzeuge verrichten junge Arbeiter in grünen T-Shirts routiniertihre Handgriffe, montieren Sitze, Schränke und winzigeKüchenzeilen. Die Arbeit wirkt technisch wenig kompliziert. „Benötigendie Mitarbeitenden am Fließband bestimmte Quali fikationen?“,fragen wir, die Besucher vom Kirchlichen Dienst in derArbeitswelt, den Werksleiter. „Eigentlich nicht“, lautet seine Antwort,„bei uns arbeiten auch gelernte Köche und Friseure amFließband. Wichtig ist uns nur, dass sie eine Ausbildung haben.“Wo aber finden Menschen Arbeit, auf die das nicht zutrifft? Wennein Berufsabschluss selbst für relativ einfache Tätigkeiten zurunverzichtbaren Eintrittskarte in die Arbeitswelt wird, welcheAussichten haben dann die derzeit fast sechs Millionen Erwerbs-4 IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


„… bei uns arbeiten auch gelernte Köcheund Friseure am Fließband. Wichtig ist uns nur,dass sie eine Ausbildung haben.“personen, die – aus welchem Grund auch immer – keine formaleQualifikation vorweisen können?Diese Frage ist ein Ausgangspunkt der vorliegenden Stellungnahme.Sie widmet sich einem Segment des Arbeitsmarktes, dasin der öffentlichen Diskussion wenig Aufmerksamkeit genießt undwenn, dann vorwiegend in negativer Form. Menschen, die keinenAbschluss erreicht haben, gelten per se als schwer vermittelbarePro blemgruppe. In unserer Wissensgesellschaft wird es, sodie fast einhellige Meinung der Experten, bald kaum nochVerwendung für an- und ungelernte Kräfte geben. WährendWirt schaft und Politik für „MINT-Berufe“ (Mathematik, Informatik,Naturwissenschaften und Technik) werben und Fachkräfte internationalmit Blue Cards und anderen Initiativen anlocken, erfahrenMenschen in einfachen Tätigkeiten wenig Anerkennung. Sie erhaltenlediglich die dringen de Empfehlung, ihren Status durchQualifizierung zu überwinden.Der KDA will sich nicht der pauschalen Abwertung von MillionenGeringqualifizierten als „Problemgruppe“ des Arbeitsmarktesanschließen. Wohl aber werfen wir einen kritischen Blick auf dieBedingungen ihrer Teilnahme am Erwerbsleben: Wie hat sich dieEinfache Arbeit in Deutschland tatsächlich entwickelt? Unterwelchen Anforderungen und Bedingungen leisten Menschen dieseArbeit? Nicht zuletzt fragen wir danach, was Erwerbstätige indiesem Segment neben Bildung noch benötigen, um gesellschaftlicheTeilhabe und Anerkennung zu genießen.IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?5


ANALYSEDER MARKTDER EINFACHEN ARBEITWas ist Einfache Arbeit? Der Begriff bezeichnet Tätigkeiten,die eine geringe Komplexität aufweisen undkeine besonderen fachlichen Anforderungen an dieBeschäftigten stellen. Einfache Arbeit kann nach kurzer Einarbeitungoder Unterweisung durchgeführt werden. Die Tätigkeitensind häufig durch schematische, sich wiederholende und getakteteArbeitsabläufe geprägt. Von den Beschäftigten erfordern siezwar sehr wohl allgemeine Fähigkeiten wie Genauigkeit, Ausdauer,Körperkraft und auch Sozialkompetenzen, jedoch keine formalenQualifikationen.DER DEUTSCHE ARBEITSMARKTMEHR ALS 43 MILLIONEN ARBEITSPLÄTZE*EINFACH-ARBEITSPLÄTZECA. 7 MIO.**ERWERBSPERSONENOHNE BERUFS-AUSBILDUNGCA. 6 MIO.***ABBILDUNG 1Daten: * Fuchs u. a. (2014)** Abel, Hirsch-Kreinsen & Ittermann (2014)*** Maier u. a. (2014)6 IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


ANALYSEDer deutsche Arbeitsmarkt bietet knapp sieben Millionen„Einfacharbeitsplätze“. Dies hat das Dortmunder Forscherteamum Hartmut Hirsch-Kreinsen errechnet (Abel, Hirsch-Kreinsen &Itter mann 2014, S. 33). Davon fallen fünf Millionen auf den Dienstleistungssektor,knapp 1,6 Millionen auf dieIndustrie und etwa 400.000 auf sonstige Bereichewie Landwirtschaft oder Baugewerbe.Rein quantitativ gäbe es demnach genügendBe schäftigungsmöglichkeiten für die knappsechs Millionen Men schen ohne Berufs -abschluss, die erwerbstätig oder erwerbssuchendsind (Maier u. a. 2014: S. 5). Doch derso genannte „Jedermanns-Arbeitsmarkt“ istauch offen für Qualifizierte, die, wenn sie keine„EINFACHARBEIT ist eineTätigkeit, die im Gegensatzzur qualifizierten Facharbeitkeine einschlägige Berufsausbildungverlangt und nachkurzen QualifizierungsoderEinarbeitungsprozessenausgeführt werden kann.“Aus: Abel, Hirsch-Kreinsen & Ittermann2014, S. 15adäquaten Stellen finden, auf einfache Jobs ausweichen und dabeiUnqualifizierte verdrängen. Auch für einfache Tätigkeiten werdenoft ausgeprägte „soft skills“ verlangt: Pünktlichkeit, Teamfähigkeit,Ordnungssinn, physische Belast barkeit, Ausdauer, Konzen trationsfähigkeit, Durchhaltevermögen und Sozialkompetenz. AlsNachweis solcher Kompetenzen gilt manchen Arbeitgebern eineBerufsausbildung – auch wenn diese inhaltlich kaum etwas mitder Aufgabe zu tun hat.Einfacharbeitsplätze sind weiterhin das wichtigste Arbeits marktsegmentfür An- und Ungelernte. Doch in diesem Seg ment stellensie selbst nur eine Minderheit der Beschäftigten, wie das Institutfür Arbeitsmarkt und Berufsforschung belegt (Fuchs u. a. 2014,S. 3). In „Helferberufen“ arbeiten demnach nur halb so viele Menschenohne Berufsabschluss wie mit einem solchen. Andererseitssteigen manche geringqualifizierten Ar beitnehmenden trotz fehlenderBerufsausbildung bis zur Fachkraft auf oder ver lassen alsSelbstständige den Bereich der einfachen Tätig keiten. Nicht allenin der Statistik als formal unqualifiziert erfassten Erwerbspersonenfehlt tatsächlich eine Ausbildung. Vielen Mi grantinnenund Mi granten beispielsweise fehlt nur die Anerkennungihrer ausländischen Abschlüsse.Abbildung 1 stellt die Schnittmengen zwischen der EinfachenArbeit und den Erwerbspersonen ohne Berufsabschluss schematischdar.IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?7


ANALYSEWIRD EINFACHE ARBEITVÖLLIG VERDRÄNGT?In einigen Branchen steht Einfache Arbeit stark unter Druck.Einfache Tätigkeiten werden in qualifizierte Tätigkeiten integriert,ins Billiglohn-Ausland verlagert, wo es geht durch Maschinenautomatisiert oder sogar ersatzlos gestrichen. Aber das Arbeitsmarktsegmentist auch von gegenläufigen Trends geprägt. Es gibtimmer noch Branchen, in denen Einfache Arbeit üblich und sehrverbreitet ist: In der Gastronomie arbeitet fast die Hälfte derBeschäftigten auf einfachen Arbeitsplätzen. Auch in Teilen derIndustrie, so in der Nahrungsmittel- oder Kunststoffindustrie, hatEinfacharbeit trotz Automatisierung weiterhin stark überdurchschnittlicheAnteile (siehe Abbildung 2). Einige Branchen mit hohenAnteilen Einfacher Arbeit verzeichnen wachsende Beschäftigungszahlen,etwa die Gastronomie, die Callcenter, der Versandhandeloder das Sicherheitsgewerbe. Anderswo entstehen neue einfacheDienstleistungen, z. B. die der Automaten-Assistenten an Bahnhöfenund Flughäfen, der Rikscha-Fahrerinnen oder der Alltagsbegleiterinnenin Seniorenheimen.Einfache Arbeit als Auslaufmodell zu betrachten ist voreilig.Mit sieben Millionen Stellen ist sie weit davon entfernt, eine Randerscheinungdes Arbeitsmarktes zu sein. Einfache Arbeit wirdANTEIL DER EINFACHARBEITSPLÄTZEIN AUSGEWÄHLTEN BRANCHEN / DEUTSCHLAND 2010GastronomieSicherheitsdiensteArbeitnehmerüberlassungKunststoffindustrieNahrungsmittelindustrieMetallerzeugungMaschinenbauArchitektur- und IngenieurbürosRechts- und Steuerberatung8,8 %7,6 %7,3 %32,4 %29,4 %46,8 %43,4 %42,8 %40,0 %ABBILDUNG 2Daten: IAB-Betriebspanel; nach Ittermann & Abel (2013)8 IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


ANALYSEERWERBSTÄTIGE OHNE BERUFSABSCHLUSSNACH TÄTIGKEITSFELDERNDEUTSCHLAND INSGESAMT 1992–2012 (IN 1000)*VerwaltungProduktionDienstleistungenkeine Zuordnung6.0005.0001.0044.0003.0001.4819251.5609611.9202.0002.4171.0001.6591.656024014348199220022012ABBILDUNG 3Daten: Mikrozensus, eigene Berechnungen; Berufsklassifikation nach Blossfeld*Ohne Erwerbstätige, die sich zum Zeitpunkt der Befragung in einer Ausbildung(Schule, Studium, Lehre) befanden.wohl auch in Zukunft einen signifikanten Teil unseres Arbeitsmarktesausmachen.Ein Anzeichen dafür, dass auch die Menschen, die Einfache Arbeitleisten, weiterhin gebraucht werden, ist die Erwerbsbeteiligungder An- und Ungelernten in den letzten Jahren. Sank die Zahl derErwerbstätigen in dieser Gruppe nach Mikrozensus-Daten in den90er Jahren noch von 5,1 Millionen (1992) auf 4,3 Millionen(2002), stieg sie bis 2012 wieder auf 4,6 Millionen an (sieheAbbildung 3). Die An- und Ungelernten haben also einen Anteil amgegenwärtigen „Jobwunder“. Die Entwicklung ist insbesondereauf den Bereich der Dienstleistungen zurückzuführen, wo360.000 zusätzliche Stellen für An- und Ungelernte entstandensind. Im Bereich der Produktion, in dem die Beschäfti gungsmöglichkeitennoch in den 90er Jahren massiv reduziert wordenwaren, blieb die Beschäftigung stabil.IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?9


ANALYSEUNTER WELCHEN BEDINGUNGEN FINDETEINFACHE ARBEIT STATT?Einfache Arbeit ist keineswegs immer „einfach“. Es gibt die klassischen,körperlich anspruchsvollen Jobs, z. B. als Träger oder Packerin.Bei diesen, aber auch bei weniger körperlich anstrengendenTätigkeiten steigen die kognitiven und kommunikativen Anforderungen.Viele sich stark wiederholende Tätigkeiten sind mitho hem Zeitdruck und einer hohen Konzentrationsleistungver bun den, so etwa beim Zusammenstellen von Paketen im Versandhan del. Auch kommunikative Kompetenzen in der Ab stimmungmit anderen Mitarbeitenden sind notwendig. Zugleich steigtdie Ver ant wortung, etwa wenn mechanische Tätigkeiten in derErnäh rungsindustrie nebenbei das Führen von Hygiene protokollenerfordern. Zum anderen sind die Rahmenbedingungen EinfacherArbeit oft belastend. Einfacharbeit ist nicht notwendigerweise prekär,doch sie ist viel häufiger als qualifizierte Arbeit nicht tarifgebunden,be fris tet, als Leiharbeit oder über Werkverträge organisiert(Ittermann, Abel & Hirsch-Kreinsen 2013).Die Gruppe der An- und Ungelernten hat mit Abstand das höchsteArbeitslosigkeitsrisiko aller Qualifikationsgruppen und die ge ringsteBeschäftigungssicherheit. Insbesondere bei den jungen AnundUngelernten ist die Beschäftigungsdauer rasant gesun ken:Bei den unter 30-jährigen ohne Abschluss beträgt sie heute wenigerals ein Jahr (Rhein & Stüber 2014). An- und Unge lernte verdienenweniger. Über die gesamte Erwerbs biografie hinweg addiertsich dies auf ein Minus von durchschnittlich einer Vier tel millionEuro gegenüber Erwerbstätigen mit einem Be rufs ab schluss(Schmillen & Stüber 2014). An- und Ungelernte kom men auch seltenin den Genuss betrieblicher Erfolgsprämien. In der Metall- undElektroindustrie werden beispielsweise ein Fünftel der qualifiziertenKräfte und die Hälfte der Führungskräfte, aber nur 13 % derAn- und Ungelernten an Erfolgszulagen beteiligt (Slomka 2013).Nicht zuletzt bekommen sie weniger als andere Zugang zu dem,was ihnen möglicherweise besonders fehlt: Weiterbildung. Im Jahr2012 nahmen laut dem Adult Education Survey 52 % der Fachkräfteund 70 % der Führungskräfte an betrieblichen Weiterbildungenteil, aber nur 26 % der an- und ungelernten Beschäftigten(Bundesministerium für Bildung und Forschung 2013).10IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


MACHT EINFACHARBEIT KRANK?ANALYSEGesundheit ist ein sehr individuellesGut. Was den einen krankmacht, scheint die anderenicht zu belasten. Gerade deshalb istein hohes Schutz niveau nötig: GuteArbeitsbedin gungen und gesundheitsförderlicheArbeits platzgestal tunghelfen, die Ge sundheit der Beschäftigten um fas send zu erhalten.Gesundheitliche Beschwerden könnendurch schwere körperliche Arbeit,psychische Belastungen oder sozialeDefizite verursacht werden. Nun istEinfache Arbeit nicht notwendig kör -perlich schwere Arbeit. Heben, Tragenund Verladen werden inzwischenvielerorts durch technische Mittelersetzt oder erleichtert. Doch auchdie verbleibende körperliche Beanspruchungkann zu Krankheit oderBerufsun fähigkeit führen, wenn sieeinseitig, wiederholend und dauerhaftist. Dies wirkt sich umso stärkeraus, je höher das Lebensalter ist.Daneben hat die psychische Arbeitsbelastungzugenommen. In vielenBran chen wird zur Effizienzsteigerungauf hohe Taktung der einzelnenAr beitsschritte gesetzt, die von denMit arbeitenden als beständiger Zeitdruckwahrgenommen wird. Ver bundenmit der Monotonie immer wiederkehrender Handgriffe besteht mitzunehmen der Intensität und Arbeitsdauerdas Risiko von Unauf merk samkeitund Unfällen. Beson ders imIMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?Schichtbetrieb ist diese Gefahr nichtzu unter schätzen.Sofern einfache Tätigkeiten keinenoder wenig Umgang mit anderenMen schen beinhalten oder erlauben,können auch die fehlenden Sozialkontaktedie seelische Verfassungder Beschäf tig ten beinträchtigen.Wenn zudem die Beziehung zu denVorgesetzten schwie rig ist und dieeigene Arbeit nicht mehr als Teileines sinnvollen Arbeitsergebnissesverstanden wird, können Gefühleder Sinn leere, der Isoliertheit undUnzulänglichkeit zu psychischenGesundheits störungen führen, dienicht minder schwerwiegend sind.Einfache Arbeit ist vielgestaltig – unddie Beschäftigten können sie durchausals erfüllend und sinnvoll erleben.Einfache Arbeit muss nicht die Ge -sund heit kosten. Doch dafür müs sendie Arbeitsbedingungen aktiv gesund -heitsförderlich gestaltet werden, wasüber die allgemeinen Rege lungenzum Arbeitsschutz hinausgeht. DieBe schäf tigten brauchen erreichbareZiele, kom petente Anlei tung, ausreichendeErho lungspausen, Anerkennungihrer Ar beitsleistung als Teil desgesamten Arbeitsergeb nis ses, aberauch wechselnde Arbeits inhalte, umder Mono to nie entgegenzuwirken,und Mög lich keiten, Sozialkontakte zupflegen. Und: Einfache Arbeit darfnicht prekär sein.11


BEISPIELEEINFACHE ARBEITIN DER LEBENSMITTELINDUSTRIEObwohl in der Ernährungsindustriedie Automatisierungzunimmt, gehört sie zu denIndustriezweigen mit einem ausgeprägthohen Anteil an einfachenmanuellen Tätigkeiten. Laut einergemeinsamen Studie der EuropäischenGewerkschaft EFFAT und desIndus trieverbandes Food DrinkEuropevon 2013 verfügen etwa 30 % der4,2 Millionen Be schäf tigten dereuropäischen Lebens mittel industrieüber eine geringe berufliche Quali fizierung. Rund drei Fünftel arbeitenin kleinen und mittelgroßen Betrieben.43 % aller Arbeitskräfte sindFrauen. Der Anteil an Befristetensteigt, eben so der Anteil an Wanderarbeite rinnen und Wander arbei tern,sie sind EU-weit etwa 400.000 Personen.Es gibt in der Lebens mittelindustrie„im Vergleich zur Wirt schaftinsgesamt einen un ver hält nismäßiggroßen Anteil von Be schäftigten, dieEtwa 30 % der 4,2 MillionenBe schäf tigten dereuropäischen Lebensmittelindustrie verfügenüber eine geringe beruflicheQualifizierung.12IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


BEISPIELEExper ten und auch die Kommissionals ‚Arbeitnehmer in prekärenArbeits verhältnissen‘ bezeichnen.“Die Ergebnisse der europäischenStudie lassen sich auf die Situationin Deutschland gut übertragen: Auchhier überwiegen noch die klein- undmittelständischen Betriebe, die aberzunehmend durch Konzentrationsprozesse,Preisverschiebungen undwachsende Konkurrenz unter Druckgeraten. Auch hier arbeiten vergleichsweiseviele Menschen mitgeringen Qualifikationen. Das Gehaltist niedriger als in anderen Indus tri en,die Anzahl der atypischen Arbeits -verhältnisse ist hoch, ebenso derFrauenanteil, am höchsten in derSüßwarenindustrie mit 51 %. Mehrals 32 % der Beschäftigten derSüßwarenindustrie verfügen überkeine Berufsausbildung. Die zuständigeGewerkschaft NGG weist inihrem Branchenreport 2013 zudemdarauf hin, dass viele Seiteneinsteigermit einer branchenfernenAusbildung dort arbeiten. Die NGGsieht dringenden Qualifizierungsbedarf.Denn die Anforderungen sindauch für die einfachen Tätigkeitenin der Ernährungsindustrie in denvergangenen Jahren gestiegen.Produktionshelferinnen und -helferbenötigen zwar formal keinenBerufsabschluss, aber dennoch zahlreicheKenntnisse bereits vor Aufnahmeder Tätigkeit.EINFACHE ARBEITIN DER LOGISTIKBRANCHEMarie S. ist seit sieben Jahrenin einem großen Logistikzentrumtätig. Sie arbeitet inder Kommissionierung. Dort werdendie kurz vorher online bestelltenWaren aus dem Lager entnommenund für den Versand bereitgestellt.Marie S. hat also die Aufgabe, durchdas Lager zu gehen, die bestelltenStücke einzusammeln, mit Kundenetikettenzu versehen und sie auf einFörderband zu legen. Dafür hat sieeine sekundengenau berechneteZeitspanne. Viele der ArbeitsschritteIMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?sind automatisiert, und dennoch arbeitenTausende im Logistikzentrum.Je nach Bestell volumen im ZweioderDrei-Schicht-Betrieb, nehmensie unzählige Artikel für verschiedeneOnlineshops und Handelshäuserentgegen, lagern sie ein, verschickensie an die Kun dinnen und Kundenund bearbeiten Retouren undReklama tionen.Die Leistung der Mitarbeitenden anden Kommissionier-, Sortier- undPackstraßen wird kontinuierlich gemessen.Erreichen oder übertreffen13


BEISPIELEsie die Zielvorgaben, erhalten sieZuschläge zu ihrem Basislohn, der(haus-)tariflich fixiert ist und überdem Mindestlohn liegt. Wer jedoch,wie Marie S. und der Großteil ihrerKolleginnen und Kollegen, in Teilzeitangestellt ist, ist auf die Zuschlägeangewiesen: Bei durchschnittlich25 Stunden pro Woche kommt sienur mit allen Zulagen auf ein auskömmlichesGehalt. Samstag ist einregulärer Arbeitstag, dafür erhält sierollierend einen anderen Wochentagfrei. Da das Arbeitsvolumen im Versandzentrum von den eingehendenBestellungen abhängig ist, variierenihre Arbeitszeiten stark. Manchmalerfährt sie erst kurzfristig definitiv,ob und wann sie eingesetzt wird.Für ihre Tätigkeit im Versandzentrumist Marie S. vor Ort eingearbeitetworden. Nach einigen Wochen gingenihr die Arbeitsschritte so von derHand, dass sie die Zielvorgabenerreichte. Ein formaler Ausbildungsabschlusswar nicht nötig. Als Einstiegsvoraussetzunggab das Unternehmen„einen Blick für Zah len“an. Alle weiteren Qualifika tionen hatsie on-the-job erworben. Wobei sie,wie bei Neueinstellungen üblich,zunächst einen befristeten Arbeitsvertragerhielt.Da das Arbeitsvolumen imVersand zentrum von deneingehenden Bestellungenabhängig ist, variierendie Arbeitszeiten stark.14IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


BEISPIELESeit 2007 gilt imGebäudereinigerhandwerkeinMindestlohn.EINFACHE ARBEITIN DER GEBÄUDEREINIGUNGDer Beruf des Gebäudereinigersist als Handwerksberuf seit1934 staatlich anerkannt.Der Wegfall der Meisterpflicht im Gebäudereiniger handwerk im Jahr 2004war ein großer Einschnitt. Seit derNovellie rung der Handwerks ord nungist keine Ausbildung mehr erforderlich,um sich als Gebäude reinigerselbstständig zu machen. Die Folgewar eine Zu nah me der Anzahl derBetriebe von 7.000 auf fast 36.000im Jahr 2010. Es gibt darunter einigewenige sehr große Unter nehmen wiePiepen brock oder Duss mann, die alsMulti dienstleister am Markt aktivsind. Piepenbrock hat ca. 27.000Mitar bei tende an 800 Standorten,IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?Dussmann ca. 60.000 in 20 Ländern.Diese Unter nehmen bieten nahezualle Dienste zum „Gebäude management“(gewerbliche Gebäudereinigung,Teppichreinigung, Produktionsmittelreinigung,Freiflächenreinigung,Glasreinigung, Krankenhausreinigung,Verkehrsmittelreinigung, Schädlingsbekämpfung)aus einer Hand.Bereits seit 2007 gilt im Gebäudereinigerhandwerk ein Mindestlohn.Seit dem 1. Januar 2015 beträgter 9,55 Euro in West- bzw. 8,50 Euroin Ostdeutschland. Bei der Glasreinigunggilt ein Mindestlohn von12,65 Euro West bzw. 10,63 EuroOst.15


PERSPEKTIVEEIN LEIB, VIELE GLIEDER:NIEMAND IST VERZICHTBARMotivationstrainer erzählen gern die folgende Geschichtevon der Begegnung zwischen John F. Kennedy undeinem Hilfsarbeiter. Sie ereignet sich in Florida im Jahr1962. US-Präsident Kennedy, der die erste bemannte Mond landungals nationales Ziel ausgegeben hat, besucht Cape Canaveral.Mit einem Tross von Wissenschaftlern und NASA-Beamten geht erdurch das dortige Space Center. Da fällt ihm ein Arbeiter auf, dergerade mit großem Enthusiasmus eine Halle ausfegt. „Was machenSie hier?“, erkundigt sich Kennedy freundlich. Der Mann legtseinen Besen weg und antwortet stolz: „Mr. President, ich bringeeinen Mann auf den Mond!“Die Anekdote soll die Begeisterung zeigen, die eine visionäreUnter nehmung bei den Mitarbeitenden entfachen kann. Sie verdeutlichtaber zugleich, dass selbst die einfachste Tätigkeit einenBeitrag zu einem großen Projekt leistet. Auf die Reinigungskraftkann man letztendlich ebenso wenig verzichten wie auf dieFüh rungskraft oder den Ingenieur. Erst die Summe ganz unterschiedlicherLeistungen macht das Gelingen des Ganzen möglich.Die Bibel gibt uns ein Bild vom Zusammenwirken verschiedenerFähigkeiten, das wir auf die heutige Arbeitswelt übertragen können.Paulus’ Gleichnis vom Leib und seinen vielen Gliedern ausdem 1. Korintherbrief vermittelt eine Ahnung davon, wie eine Ge -meinschaft verschiedenartiger Menschen und eine gut funktionierendeArbeitswelt aussehen können (siehe Kasten). Jeder Teil desmensch lichen Leibes hat besondere Fähigkeiten und Eigen schaften,auf die es ankommt, die nicht ersetzbar sind. Kein Teil kannsagen, ich bin das Wichtigste, ich brauche die anderen nicht. Ja,die schwächsten Glieder sind laut Paulus sogar die nötigsten.Da alle Glieder zum Funktionieren des Organismus beitragen, gebührtallen die gleiche Anerkennung. Genauso verdienen Erwerbstätigemit ihren verschiedenen Eigenschaften und Fähig keiten diegleiche Wertschätzung im Arbeitsleben.16 IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


1. BRIEF AN DIE KORINTHER, KAPITEL 1212Denn wie der Leib einer istund doch viele Glieder hat,alle Glieder des Leibes aber,obwohl sie viele sind,doch ein Leib sind: so auchChristus.13Denn wir sind durch einenGeist alle zu einem Leibgetauft, wir seien Judenoder Griechen, Sklaven oderFreie, und sind alle miteinem Geist getränkt.14Denn auch der Leib ist nichtein Glied, sondern viele.15Wenn aber der Fuß spräche:Ich bin keine Hand, darumbin ich nicht Glied des Leibes,sollte er deshalb nichtGlied des Leibes sein?16Und wenn das Ohr spräche:Ich bin kein Auge, darum binich nicht Glied des Leibes,sollte es deshalb nicht Glieddes Leibes sein?17Wenn der ganze Leib Augewäre, wo bliebe das Gehör?Wenn er ganz Gehör wäre,wo bliebe der Geruch?18Nun aber hat Gott die Gliedereingesetzt, ein jedesvon ihnen im Leib, so wie ergewollt hat. (…)21Das Auge kann nicht sagenzu der Hand: Ich brauchedich nicht; oder auch dasHaupt zu den Füßen: Ichbrauche euch nicht.22Vielmehr sind die Gliederdes Leibes, die uns dieschwächs ten zu sein scheinen,die nötigsten; (…)26Und wenn ein Glied leidet,so leiden alle Glieder mit,und wenn ein Glied geehrtwird, so freuen sich alleGlieder mit.“Diese Wertschätzung muss sich zuerst darin äußern, dass alleüberhaupt die Chance haben, sich im Erwerbsleben einzubringen.Jeder Mensch hat das Recht auf Teilnahme am Arbeitsleben entsprechendseinen Möglichkeiten. Hierzu gehört, dass Arbeitsstellen,die Menschen ohne formale Qualifikation ausfüllen können,diesen auch offen stehen. Hierzu gehört selbstverständlichauch, dass An- und Ungelernte Zugang zu Bildung erhalten, umihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.Wertschätzung muss sich außerdem darin zeigen, dass auch Menschenmit geringer oder fehlender Ausbildung als Erwerbs tätige inden Genuss guter Arbeitsbedingungen und anständiger Bezahlungkommen. Da erst die Summe aller Arbeitsschritte ein Produkt imGanzen entstehen lässt, muss auch Mitarbeitenden mit vermeintlichgeringerem Beitrag zur Wertschöpfung ein auskömmlicherLohn gezahlt werden. Die einfachen, oft gering entlohnten Tätigkeitenermöglichen auch den Erfolg der besser bezahltenFach kräfte. Einfache Arbeit muss daher zumindest so vergütetwerden, dass Erwerbstätige und ihre Familien davon leben können.In der Weise, wie eine Gesellschaft mit denen am Rande umgeht,zeigt sich, ob sie das paulinische Verständnis des Ganzen, des alleGlieder integrierenden Leibs verinnerlicht hat und lebt.IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?17


HANDLUNGSOPTIONENFORDERUNGEN ANWIRTSCHAFT, POLITIKUND KIRCHEEinfache Arbeit ist kein Auslaufmodell. Auch in der Zukunftwerden wir Einfache Arbeit benötigen und Menschen, diediese leisten. Es ist deshalb eine gesamtgesellschaftlicheAufgabe, diesen Teil des Arbeitsmarktes mit einem positivenGestaltungswillen zu betrachten, statt ihn von vornherein abzuwerten.Wirtschaft und Politik, das Bildungssystem, die Kirche undandere Teile der Gesellschaft stehen dabei vor verschiedenenAnforderungen:AUSBILDUNGSADÄQUATEBESCHÄFTIGUNG !Es gibt rechnerisch genügend einfache Arbeitsplätze für An- undUngelernte. Ihre Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt rührennicht zuletzt daher, dass viele dieser Stellen von Qualifizierten besetztsind, die der Wirtschaft wiederum an anderer Stelle alsFachkräfte fehlen. Zwar ist formale Qualifizierung nicht gleichbedeutendmit der Eignung für eine konkrete Stelle und nichtjeder vorhandene Berufsabschluss wird am Arbeitsmarkt auchnach gefragt. Dennoch muss es Ziel der Unternehmen sein, Arbeitnehmende nicht unter ihrem Qualifikationsniveau einzusetzen.BILDUNGSTEILHABEAUCH BILDUNGSFERNER !An- und Ungelernte haben Kompetenzen und Fähigkeiten, diewertvoll sind und Anerkennung verdienen. Natürlich muss aber,wo möglich, auch ihre formale Qualifikation gefördert werden.Wenn erwachsene Menschen keinen Berufsabschluss haben, liegtdies oft an biografischen Brüchen, an Migration, an Sprachproblemenoder an Krankheiten. Gerade diese Erwerbs tätigen benötigenneue Chancen auf Aus- oder Weiterbildung. Es gibt auchMenschen, die nicht in der Lage sind, eine umfassende Ausbildung18 IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


„IST DER TAGELÖHNERUNGLÜCKLICH, SO IST DIENATION UNGLÜCKLICH.“Aus der Encyclopédie von Denis Diderot,französischer Philosoph der Aufklärungmit all ihren formalen Anforderungen zu absolvieren. Für dieseGruppe sollten Bildungsträger und die staatliche Arbeitsförderungkleinteiligere, modulare, passgenaue und persönlichkeitsstützendeQualifizie rungen anbieten. Eine stärker zielgruppenspezifischeBerufsorien tierung schon in den Schulen, die Ausdehnung desgesetzlichen Anspruchs auf Bildungsurlaubs und eine stärkeretarifliche und politische Förderung der Weiterbildung auch ältererAn- und Un gelernter sind weitere wichtige Handlungsfelder.FAIRE ARBEITSBEDINGUNGENFÜR ALLE !Erwerbstätige ohne Schlüsselqualifikationen haben geringereChancen, ihre Interessen am Arbeitsmarkt durchzusetzen. EinfacheTätigkeiten sind nicht immer, aber überdurchschnittlich oftprekär. Sie werden häufig ausgelagert, sind seltener tarifgebunden,werden an Leiharbeitsfirmen oder per Werkvertrag vergeben.Die Politik hat durch die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnsbereits eine wichtige Rahmenbedingung für die faire Teilhabe auchGeringqualifizierter am Erwerbsleben gesetzt. Die Gewerkschaftenhaben durch Tarifabschlüsse in der Leiharbeit wichtige Ver bes serungenerreicht. Doch die Auseinandersetzungen um „Gute Arbeit“gehen weiter. Denn der gesetzliche Mindestlohn wird teilweiseumgangen und greift u. a. bei ehemaligen Lang zeitarbeitslosenIMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?19


HANDLUNGSOPTIONENoder bei Scheinselbstständigen nicht. Leih arbeit nehmende er lebentrotz „Equal Pay“-Regelungen noch zahlreiche Benach teili gungengegenüber Beschäftigten aus der Stamm be legschaft.ABKEHR VON DERDEFIZITORIENTIERUNG !Das Fehlen eines Abschlusses wird in unserer Gesellschaft oftals so gravierender Mangel wahrgenommen, dass der Blick fürdie Fähig keiten und Potenziale eines Menschen verstellt ist.Eine Erfahrung des täglichen Lebens und unseres christlichenGlaubens ist es dagegen, dass Menschen viel mehr sind als ihreZertifikate, dass sie sich entwickeln und immer wieder neu anfangenkönnen. Dies zu verkünden und Vorurteile abzubauen, ist eineAufgabe gerade auch der Kirche. Sie darf nicht müde werden, denWert jedes Einzelnen zu bekräftigen. Es entspricht ihrem Auftrag,deutlich die Stimme zu erheben und Mahnerin zu sein, wennMenschen durch Ausbeutung und Überforderung oder durchAus grenzung und Unterforderung missachtet werden. In ihrenEin richtungen und mit ihren Angeboten kann und muss die Kirchediese Grundhaltung vorleben.20 IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


LITERATUR UND FILMELITERATURAbel, Jörg; Hirsch-Kreinsen, Hartmut;Ittermann, Peter (2014): Einfacharbeit inder Industrie: Strukturen, Verbreitung undPerspektiven. Berlin, edition sigma.Bahl, Friederike (2014): Lebensmodellein der Dienstleistungsgesellschaft.Hamburg, Hamburger Edition.Bellmann, Lutz; Stegmaier, Jens (2011):Einfacharbeit in der Krise? In: Arbeit.Zeitschrift für Arbeitsforschung,Arbeitsgestaltung und Arbeitspolitik,Jg. 20, H. 3, S. 188-205.Bogai, Dieter; Buch, Tanja; Seibert, Holger(2014): Arbeitsmarktchancen vonGeringqualifizierten: Kaum eine Regionbietet genügend einfache Jobs.IAB-Kurzbericht 11/2014.Bundesministerium für Bildung undForschung (Hrsg.) (2013):Weiterbildungsverhalten in Deutschland.AES 2012 Trendbericht. Berlin, BMBF.Fuchs, Johann u.a. (2014): Arbeitsmarkt2014/2015: Robust, aber risikobehaftet.IAB-Kurzbericht 18/2014.Geißler, Heike (2014): Saisonarbeit.Volte, Band 2. Leipzig, Spector Books.Heisig, Jan Paul und Giesecke, Johannes:Zunehmende Arbeitsmarktrisiken fürGeringqualifizierte – Herausforderungenund Handlungsoptionen. In: WSI-Mitteilungen Ausgabe 01/2011.Ittermann, Peter; Abel, Jörg (2013):Stellenwert und Entwicklungsperspektivenvon Geringqualifizierten. Vortrag am8.11.2013 in Hannover. Download unterwww.einfacharbeit.de.Ittermann, Peter; Abel, Jörg; Hirsch-Kreinsen, Hartmut (2013): Mitbestimmungbei Einfacharbeit – eine Grauzonebetrieblicher Interessenregulierung in derIndustrie. In: Arbeits- und Industrie soziologischeStudien, Jg. 5, H. 2, S. 24-40.IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?21


Die Gastronomie gehört zu denBranchen mit besonders hohemAnteil ungelernter Kräfte.Ihre Arbeitsbedingungen undBezahlung stehen immer wiederin der Kritik.Kunze, Anne (2013): Fünf Tonnen am Tag.In: Die Zeit 50/2013.Kowitz, Dorit; Kunze, Anne; Rudzio, Kolja(2013): Die Abgehängten. In: Die Zeit40/2013.Maier, Tobias u.a. (2014): Engpässe immitt leren Qualifikationsbereich trotzerhöh ter Zuwanderung. Aktuelle Ergebnisseder BIBB-IAB-Qualifikations- undBerufsfeld projek tio nen bis zum Jahr 2030unter Be rück sichtigung von Lohn entwicklungenund beruflicher Flexibilität.BiBB-Report 23/14.Rhein, Thomas; Stüber, Heiko (2014):Beschäftigungsdauer im Zeitvergleich:Bei Jüngeren ist die Stabilität derBeschäfti gung gesunken. IAB-Kurzbericht03/2014.Schmillen, Achim; Stüber, Heiko (2014):Lebensverdienste nach Qualifikation:Bildung lohnt sich ein Leben lang.IAB-Kurzbericht 1/2014.Slomka, Christine (2013): ErfolgsabhängigeEntgelte in der Metall- und Elektroindustrie.IAQ-Report 03/2013.Weber, Brigitte; Weber, Enzo (2013):Qualifikation und Arbeitsmarkt: Bildung istder beste Schutz vor Arbeitslosigkeit.IAB-Kurzbericht 4/2013.FILMEEinfache Arbeit in DeutschlandVier Kurzfilme von Renate Teucher imAuftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung:http://www.einfacharbeit.de/film.htmlAusgeliefert! Leiharbeiter bei AmazonReportage von Diana Löbl undPeter Onneken im Auftragdes Hessischen Rundfunks:http://youtu.be/xdrkY_NpgrY22 IMPULSE DES KDA: EINFACHE ARBEIT?


IMPRESSUMErstellt vom KDA-BundesausschussErwerbslosigkeit, Sozial- undArbeitsmarktpolitik (ESA):Philip Büttner, kda BayernRomeo Edel, KDA WürttembergKarin Gerlich, KDA RheinlandMaggy Hanser, KDA BadenDorothea Kroll-Günzel, kda BayernHolger Lemme, KDA MitteldeutschlandHorst Pilgram-Knobel, Referat Wirtschaft,Arbeit und Soziales, Kurhessen-WaldeckHeike Riemann, KDA NordkircheVerantwortlich:Michael KlattBundesvorsitzender des KDA im KWAVorsitzender des KWAFriedrich-Karrenberg-HausArnswaldtstraße 630159 Hannoverklatt@kirchliche-dienste.deKoordination:Nora Langerock-SieckenÖffentlichkeitsarbeit und FundraisingEvangelischer Verband Kirche WirtschaftArbeitsweltBernd Röll, KDA NordkircheAxel Rolfsmeier, Institut für Kirche undGesellschaft, WestfalenMarion Schick, Zentrum GesellschaftlicheVerantwortung, Hessen und NassauBrigitte Siebe, Evangelisch-LutherischerKirchenkreis CelleHelga Spitzner,Evangelische Landeskirche AnhaltsKarin Uhlmann, KDA WürttembergRealisation:Gestaltung: Holger Giebelerwww.magascreen.comLektorat: Marthe ThamerDruckerei: Schroeder-Druck & Verlag GbRwww.schroeder-druck.deAuflage: 3.500April 2015Bildnachweis:S. 1: Yuriy Shevtsov - Fotolia.comS. 2, 12, 19: industrieblick - Fotolia.comS. 3: KDAS. 4/5: AnastasiiaUsoltceva - Fotolia.comS. 14: Monkey Business - Fotolia.comS. 15: photo 5000 - Fotolia.comS. 20: Werner BachmeierS. 21: WavebreakMediaMicro - Fotolia.comS. 22: MNStudio - Fotolia.com


EINFACHE ARBEIT ?In Zeiten des Fachkräftemangels genießt der Arbeitsmarktfür Geringqualifizierte wenig Aufmerksamkeit.Arbeitsplätze, für die kein Berufsabschluss nötig ist,werden ohnehin ins Ausland verlagert, automatisiert oderersatzlos gestrichen – so die gängige Meinung.Doch es gibt immer noch sieben Millionen so genannte„Einfacharbeitsplätze“ in Deutschland. Auch in Zukunftwird die Gesellschaft nicht auf Einfache Arbeit verzichtenkönnen, sei es in der Industrie, im Gastgewerbe, inSicherheitsdiensten, Call-Center oder bei Versand diensten.Die politische Herausforderung besteht darin, siemenschengerecht zu gestalten.EVANGELISCHER VERBANDKIRCHE WIRTSCHAFT ARBEITSWELTArbeitsgemeinschaftKirchlicher Dienst in der ArbeitsweltFriedrich-Karrenberg-HausArnswaldtstraße 630159 HannoverTelefon: 0511 473877-0info@kwa-ekd.dewww.kwa-ekd.de

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