Von Leuna in die weite (Modell-)Welt

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1Von Leuna in die weite (Modell-)WeltDie Überschrift lädt zu Spekulationen ein. Geht es hier um die Produkte aus dem Chemiestandort inder Mitte Deutschlands, der in wenigen Jahren 100 Jahre alt wird oder was ist damit gemeint? DieAntwort ist einfach und simpel zugleich: Es geht um die Fahrt auf dem Schienenweg von einemkleinen Ort, auf dessen Flur eines der größten Chemiewerke Deutschlands entstand. Doch was hat esnun mit der Überschrift auf sich? Ein direkter Eisenbahnanschluss bot den Einwohnern des kleinenOrtes Rössen (so die Bezeichnung der Stadt Leuna bis in die vierziger Jahre des vorigenJahrhunderts) ab 1919 die Möglichkeit, auf dem Schienenweg die Welt zu erkunden. Zugleich geht esum eine Modelleisenbahnanlage im Maßstab 1:120, also in der Nenngröße TT, die sich eben diesemThema verschrieben hat.Beginnen wir mit unserer Beschreibung Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Zudieser Zeit wurde im Arbeitskreis TT-Modellbahn e. V. (AKTT), dem Dachverband für alleModellbahnbegeisterten in der Nenngröße TT, das Thema „Module“ diskutiert. Das Ziel war, einergroßen Zahl von TT-Bahnern die Möglichkeit zu geben, aus unterschiedlich gestalteten Anlagenteilen,also Modulen, eine größere und immer wieder anders zusammengebaute Modellbahnanlageaufzubauen. Die wichtigsten Vorgaben waren die Größe der Module, die Anordnung der Gleise anden Übergängen und die Elektrik. Damit entstand gleichzeitig auch für die TT-Bahner eine Modulnorm,die später immer weiter vervollkommnet wurde. Eine Idee, die auch TT-Bahnern in Bad Dürrenbergund Umgebung gefiel. Diese hatten sich in der Zwischenzeit zu einer Regionalgruppe zusammengefunden. Ausgangspunkt dafür war ein kleiner Laden in Bad Dürrenberg, der sich auf den Verkaufvon Modelleisenbahnerzeugnissen in der Nenngröße TT spezialisiert hatte.(3)(23)(22)(4)(2)(21)(19)(19)(5)(20)(18)(1)(6)(17)(7) (8)(16)(15)(14)(13)(12)(11)(10)(9)Messestand des AKTT zur „modell-hobby-spiel“ 2012.


2Für die Publikumsmesse des AKTT im Jahr 1996, die in Bad Dürrenberg durchgeführt wurde, entstandeine Modelleisenbahnanlage auf der Basis von Modulen. Aus Platzgründen wurde sich für denBahnhof Leuna-Stadt entschieden. Damit wurde eine Idee umgesetzt, die seit Mitte der sechzigerJahre einen der Autoren dieser Zeilen mal mehr und mal weniger beschäftigte. Aber: Was langewährt, wird gut… Allerdings: Der Bahnhof Leuna-Stadt wird gegenwärtig überarbeitet, da die Modulein der ursprünglich 1996 gebauten Form in der Zwischenzeit verschlissen sind.Seit Jahren nutzt der Arbeitskreis TT-Modellbahn e.V. auf der Messe „modell-hobby-spiel“ in Leipzigeine Fläche von 18,0 x 21,0 m. Diese Fläche bietet die Möglichkeit, jedes Jahr ein interessantesModularrangement aufzubauen. Zu sehen ist in der Regel eine zweigleisige elektrifizierteHauptstrecke sowie verschiedene Nebenstrecken. Dazu werden auch Heim- und Clubanlagenverschiedener TT-Bahner sowie von Modellbahnclubs einbezogen. Das Arrangement bietet zu demdie Möglichkeit, einen interessanten Zugbetrieb durchzuführen. Unternehmen Sie nun eine Rundreiseüber das Modularrangement. Die einzelnen Stationen sind auf dem Plan auf Seite 1 nachvollziehbar.Die Fahrt beginnt am Bahnbetriebswerk mit Wendeschleife (1), wo bereits der Zug zur Abfahrt bereitsteht. Unser Zug hat Ausfahrt auf den zweigleisigen Streckenabschnitt (2). Dieser hat eineGesamtlänge von ca. 30 m (2) und ist zum größten Teil elektrifiziert. Nach dem Passieren des derzweigleisigen Strecke, die nach Vorbildern der weiten Landschaft Brandenburgs entstand, wird dasGleisdreieck (3) erreicht, in dem sich Züge kreuzungsfrei begegnen können. Die Fahrt geht auf derHauptbahn weiter zum Bahnhof Schkopau (4) Weiter geht die Reise zur Blockstelle Merseburg Süd(5). Über den folgenden Abzweig (6) werden die Züge entweder auf der Hauptbahn zur Wendeschleife(7) geführt bzw. die Züge verlassen den Bereich der Hauptbahn und schwenken auf die Nebenbahnein. In der an den Abzweig anschließenden offenen Kehrschleife können Züge abgestellt undausgetauscht werden. Nach einer „betriebsbedingten“ Pause geht es zurück zum Bahnhof Schkopau.Hier wird unsere Lok an das andere Ende des Zuges umgesetzt. Im Anschluss verlässt unser Zug denBahnhof linksseitig und fährt auf eingleisiger Strecke weiter.Unsere Reise geht zunächst weiter zu zwei Industriebahnhöfen, die nie vom Personenverkehr bedientwurden. Das Motiv zeigt einen Teil des ehemaligen Tagebaus Merseburg-Ost. Nach dem Passierender Autobahnbrücke bei Günthersdorf (8) wird zunächst der Bahnhof Lössen mit dem Stellwerk 91 (9)erreicht. Im Bahnhof Lössen wurden bis zu Beginn der neunziger Jahre die leeren Kohlenzüge ausdem Geiseltal zur Beladung an die Werkbahn übergeben bzw. die vollen Kohlenzüge von derAnschlussbahn übernommen und mit werkseigenen Diesellokomotiven der Baureihe V 200 bzw.Dampflokomotiven der Baureihe 44 zu den Brikettfabriken des Geiseltals sowie in die BahnhöfeBraunsbedra oder Frankleben befördert. Von diesen Bahnhöfen erfolgte die die Übernahme der Zügedurch die Deutsche Reichsbahn, welche die Züge zu den Endverbrauchern abgefahren hat. Nach derAusfahrt aus dem Bahnhof Lössen passiert er nochmals einen kurzen zweigleisigenStreckenabschnitt, bevor unser Zug den Industriebahnhof Stellwerk 92 (10) erreicht. Auch dieserBahnhof hat nie Personenverkehr erlebt. Der Stellwerksbereich 92 diente ausschließlich demGüterverkehr und dem Verteilen der Züge in die einzelnen Baufelder des ehemaligen TagebausMerseburg-Ost. Der Bahnhof bietet im Maßstab 1:120 die Möglichkeiten zum Abstellen von Zügenoder auch nur, um die Lokomotiven umzusetzen, damit die Züge wieder auf große Fahrt gehenkönnen.Unser Zug verlässt nun den Industriebahnhof Stellwerk 92 und setzt seine Fahrt auf dem eingleisigenAbschnitt fort. Hier wurden verschiedene Module von TT-Bahnern eingesetzt und er erreicht dieBlockstelle Fahrland (11). Diese dient als Blockstelle in beide Richtungen zwischen demIndustriebahnhof Stw. 92 und den folgenden Bahnhöfen Wallendorf und Zöschen.Die Fahrt unseres Zuges führt weiter auf dem eingleisigen Streckenabschnitt und wir passierenzunächst die Saalebrücke (12) bei Leuna. Danach fährt unser Zug zum Abzweig Lw (13). Im Originalführte die Stammstrecke von Merseburg nach Leipzig Leutzsch. Über den Abzweig wurde die Kohleaus dem ehemaligen Tagebau Merseburg-Ost abgefahren.Nachdem unser Zug den Abzweig passiert hat, durchfährt er Wiesen und Felder (14) und erreichtdann den Bahnhof Zöschen (15) Dieser liegt an der heute stillgelegten Strecke Merseburg – Leipzig.


3Hier besteht die Möglichkeit, dass Züge kreuzen können. Der am Bahnhof ansässige KohlenhändlerEngelmann bekam bis 1998 die Briketts mit der Bahn angeliefert. Für den Geschäftsbereich DB Cargorechnete sich das nicht mehr und die Lieferung mit der Bahn wurde eingestellt. Im Maßstab 1:120 istdies allerdings noch immer der Fall. Danach geht die Fahrt unseres Zuges weiter zu einerKehrschleife (16). Die Schleife dient zusätzlich dem Abstellen und Drehen von Zügen. Anschließendführt uns die Fahrt wieder zurück zum Industriebahnhof Stellwerk 92. Dort wird unsere Zuglok an dasandere Ende des Zuges umgesetzt. Unsere Fahrt geht nun weiter zum Bahnhof Wallendorf.Hinter dem Abzweig erreicht unser Zug den Bahnhof Wallendorf (17) mit seiner funktionstüchtigenHalbschranke an der Ausfahrt. Schienenkontakte bewirken (wie beim Vorbild) das Öffnen undSchließen der Schranke. Vorbei an den Stallungen einer LPG (18) erreicht unser Zug eine weitereKreuzungsstelle, einschließlich der Kehrschleife Bauernhof. Die Kreuzungsstelle hat wiederum dieFunktion einer Blockstelle. Die Kehrschleife dient zusätzlich dem Abstellen und Drehen von Zügen(19). Unser Zug passiert den Haltepunkt Birkenwald (20) mit seinem funktionstüchtigen Sägewerk.Dem Sägewerk müssen natürlich Leerwagen zugestellt und die beladenen Wagen abgeholt werden.Diese Fahrten erfolgen als Rangierfahrt von und zum Industriebahnhof Stellwerk 92. Diese Leistungenwerden durch Lokomotiven der Baureihen 106 oder 110 übernommen. Danach fährt der Zug in denBereich des Unteren Bahnhofs Pößneck ein.Die Heimanlage Unterer Bahnhof Pößneck (21) wurde nach Originalunterlagen im Maßstab 1:120umgesetzt. In der Zwischenzeit kann der Nachbau des Unteren Bahnhofs Pößneck als historischbezeichnet werden. Die Gleisanlagen wurden teilweise zurückgebaut und modernisiert. Unsere Lokwird nun erneut umgesetzt. Nach einem kurzen Aufenthalt im Bahnhof verlassen wir ihn wieder. UnserZug fährt nun wieder über die eingleisige Strecke zurück bis zum Bahnhof Schkopau. Ab hier geht dieFahrt unseres Zuges wieder auf der zweigleisigen Hauptbahn weiter. Er unterquert nochmals dasGleisdreieck und erreicht das Einfahrsignal des Bahnhofs Kellerbach. Zwischen dem BahnhofSchkopau und dem Bahnhof Kellerbach wurden Modulteile von verschiedenen TT-Bahnern verbaut.Kurz darauf fährt unser Zug in den überarbeiteten Bahnhof Kellerbach (22) mit dem dazu gehörendenBahnbetriebswerken ein. Hier können die Züge in einer verdeckten Wendeschleife gedreht sowie Loksim Bahnhofsbereich ausgetauscht werden. Nachdem unser Zug in der Wendeschleife gedreht wurde,verlässt er den Bahnhof Kellerbach. Er fährt über den neu gebauten eingleisigen Streckenabschnittauf die Club-Anlage des MEC-Halle ein.Auf der Club-Anlage des MEC Halle hat man sich der ehemaligen Strecke der Halle-Hettstedter-Eisenbahn gewidmet. Im Mittelpunkt der Anlage steht der Bahnhof Gerbstedt (23). Dieser wird imBetriebszustand der 60´er bis 70´er Jahre des vorigen Jahrhunderts dargestellt. Mit der Club-Anlagewurde ein kleiner Teil nach konkreten Vorbildern aus der Region in den Maßstab 1:120 umgesetzt.Nachdem unser Zug einige Runden auf der Club-Anlage des MEC-Halle gedreht hat, verlässt der Zugdie Anlage wieder. Er fährt zurück in den Bahnhof Kellerbach. Hier endet unsere Rundreise über denAnlagenkomplex der Regionalgruppe Bad Dürrenberg.Und was gibt es neues? Ein Teil der vorgesehenen Anlagen wurde überarbeitet bzw. durch neueModule ergänzt. Das betrifft die Anlagen „Bahnhof Gerbstedt“ und „Pößneck Unterer Bahnhof“. DerBahnhof Kellerbach wurde komplett neu gebaut. Das führte u. a. dazu, dass er jetzt über je eine einundzweigleisige Schnittstelle verfügt und somit universell einsetzbar ist.Aber auch an den Modulen hat sich einiges geändert. Verschiedene Module wurden einer„Frischzellenkur“ unterzogen oder neugebaut. Dazu sollen die folgenden Beispiele genannt werden:▪Familie Krause (nicht zu verwechseln mit den Erbauern des Bahnhofes Kellerbach) hat eingroßes Stück Gartenland geerbt. Für Vater Krause liegt das äußerst günstig an einerEisenbahnstrecke. Damit konnte sich die Familie den Traum vom Eigenheim erfüllen. Richtfestwar schon, die Dachdecker beginnen mit dem Decken des Daches und die Maurer mit denInnenausbauten. Allerdings, bevor der Garten nutzbar ist, gibt es noch eine ganze Menge zutun…


4▪▪▪Bauer Lemke ist mit seinen fleißigen Helfern bei der Heuernte. Da der Weg bis zum Bauernhofauf Grund des „Privatgleisüberganges“ nicht weit ist, sind hier die Pferde vor den Heuwagen imEinsatz. Fleißige Helfer machen aber auch hier bald ein schnelles Ende. Am Abend wird es einzünftiges Grillfest auf der großen Wiese hinter dem Stallgebäude geben. Der Grill sowie Tischeund Stühle stehen schon…Die Gärtnerei Rose hat die Rekonstruktion des Betriebes abgeschlossen. Auf einem Grundstückgegenüber der Gärtnerei entstanden ein Wohngebäude, dass auf der Rückseite einen Eingangzum Binderaum hat sowie einem angebauten Geräteschuppen. Weitere Treibhäuser undFrühbeete wurden gebaut. Überall grünt und blüht es. Nach der Rekonstruktion der Gärtnereihaben sich nicht nur die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbessert, sondern den Kundensteht ein größeres Blumen- und Gemüseangebot zur Verfügung…In der Nähe des Dorfgasthauses hat ein Storchenpaar auf einem ausgedienten Mast sein neuesDomizil gefunden. Im Nest bewacht die Störchin den Nachwuchs und über dem Nest zieht VaterStorch seine Kreise. Das Geklapper der Störche ist weit zu hören…Der AKTT bietet also in diesem Jahr wiederum bewährtes und neues. Oft sind es die kleinen Detailsam Rande, die auf den Modulen beim Neubau oder der Rekonstruktion entstehen, und die zugestalten großen Spaß macht. Eigentlich braucht man nur mit offenen Augen durch die Welt gehenoder die vielen Ideen der Zubehörhersteller umsetzen. Anregungen gibt es genug. Sie müssen nurumgesetzt werden – zur eigenen Freude und im Interesse der Besucher.

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