I Hintergrund und Zielsetzung der Studie

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Trendstudie „Moderne Väter“ - Väter gGmbH

I. Hintergrund und Zielsetzung der StudieVolker BaischGeschäftsführer Väter gGmbHNoch vor gar nicht allzu langer Zeit drehten sich viele um, wennein Mann zur besten Bürozeit mit einem Kinderwagen durch dieStadt lief. Teilweise bewundernd („Toll, das hätte es zu meiner Zeitnicht gegeben!“), teilweise aber auch kopfschüttelnd („Hat dernichts zu tun? Ist der etwa arbeitslos?“). Heute, fast sechs Jahrenach der Einführung des Elterngeldes, begegnen einem die neuen,modernen Väter, die Elternzeit nehmen, Brei kochen und Windelnwechseln, immer häufiger: in den Medien, in der Werbung undnatürlich auch auf der Straße.Laut einer kürzlich erschienenen repräsentativen Umfrage imAuftrag des FOCUS, in der mehr als 3.000 Männer befragt wurden,geben nur noch fünf Prozent Karriere und gerade mal zehn Prozentein hohes Gehalt als wichtigstes Ziel im Berufsleben an.2Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


36 Prozent der Männer möchten gern weniger arbeiten und 49 Prozentsind für die Durchsetzung der Frauenquote. Es zeigt sich immerdeutlicher, dass sich die Rolle des Mannes und Vaters in unsererGesellschaft verändert.Für die Väter gGmbH, die sich speziell mit den wandelnden LebensundArbeitsbedingungen von Vätern beschäftigt, war es deshalb ander Zeit, die modernen Väter genauer zu betrachten. Mit unsererTrendstudie wollen wir einen konstruktiven Beitrag zum Diskurs überdie Vaterrolle in der Gesellschaft liefern, in dem das Vatersein oftmalslediglich auf das Thema Elternzeit reduziert bleibt. Hierbei geht esuns jedoch weniger um exakte Vorhersagen, sondern darum, denerkennbaren Wertewandel sowie dessen Ursachen und Auswirkungenzu verstehen, um daraus Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungenfür den Umgang mit diesem Wandel abzuleiten.Somit standen für uns bei der Erstellung der Trendstudie zwei Zieleim Vordergrund: Zum einen galt es herauszufinden, was Väterheute denken und fühlen, was sie von der Generation ihrer Väterunterscheidet und welche neuen Problemen und Herausforderungenauf sie zukommen. Zum anderen wollten wir – basierend aufder Analyse von Trends und gesellschaftlichen Veränderungen –Handlungsfelder identifizieren, die aufzeigen, wie Gesellschaft,Politik und Unternehmen väterfreundlicher und somit auchfamilien- und kinderfreundlicher werden können.Unsere Betrachtung der identifizierten Trends und Handlungsfeldersoll jedoch nicht als abschließend, sondern primär als Anregungverstanden werden, über eine veränderte und sich weiter wandelndeVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“3


Vaterrolle sowie über sich hieraus ergebende Chancen und Herausforderungennachzudenken. Da dies nicht die alleinige Aufgabeder Väter gGmbH sein kann und soll, sind hier alle gesellschaftlicheGruppen eingeladen, die Ergebnisse unserer Trendstudieweiterzudenken und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen, dieVätern helfen können, ihrer veränderten Rolle gerecht zu werden.Danken wollen wir an dieser Stelle den über 1.000 Vätern in ganzDeutschland, die uns ihre Zeit geschenkt und sich an unserer Umfragebeteiligt haben.Außerdem bedanken wir uns ganz herzlich bei Torsten Bittlingmaier(Corporate Talent Management, Deutsche Telekom AG),Prof. Dr. Gerald Hüther (Neurobiologe, Hirnforscher und Buchautor),Sabine Kittner-Schürmann (Gleichstellungsbeauftragte,HSH Nordbank AG), Ursula Nuber (stellvertretende Chefredakteurin„Psychologie heute“, Julius Beltz GmbH & Co. KG),Carsten Schneider (MdB und haushaltspolitischer Sprecher derSPD-Bundestagsfraktion) sowie Vera Schröder (ChefredakteurinRedaktion „Nido“), die uns als Experten für diese Studie Rede undAntwort standen.4Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Schließlich danken wir auch unseren Partnern, der Behörde für Arbeit,Soziales, Familie und Integration Hamburg, der hessenstiftung –familie hat zukunft, der Ernst & Young WirtschaftsprüfungsgesellschaftGmbH und der Telefónica Germany GmbH & Co. OHG.Ohne ihre Unterstützung wäre diese Studie nicht möglich gewesen.Hamburg, den 30. November 2012Volker BaischGeschäftsführer Väter gGmbHVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“5


InhaltsverzeichnisI. VorwortII. VorgehensweiseIII. Die Ergebnisse der Studie im Überblick28101. Wertewandel:Vatersein liegt im TrendZwischenfazit12192. Vielfalt VaterschaftDie Vaterrolle wird facettenreicherZwischenfazitBest Practice: Partnermonate in Norwegen2025263. Fehlende Vorbilder:Bei der Neudefinition ihrer Rolle starten viele Väter bei nullZwischenfazitBest Practice: Väterprojekte mit Vorbildcharakter –„Väternetzwerk“ Commerzbank AG & Axel Springer AG2833344. „Stolzer Allroundpapa“ statt „Softi“:Männlichkeit wird neu interpretiertZwischenfazitBest Practice: „Innovative Personalentwicklung für Väter und Führungskräfte“ –Airbus Deutschland GmbH und Hamburger Senat3641426Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


5. Rolle rückwärts:Väter sind zum Teil „moderner“ als MütterZwischenfazitBest Practice: Partnerschaftliche Karriereplanung mit Kindern –Hamburg Wasser4449506. Geld ist nicht alles:Der moderne Vater plant die Karriere rund ums KindZwischenfazitBest Practice: Weniger Kontrolle, mehr Vertrauen und Erfahrungsräumefür Väter – Datev eG5259607. Umdenken bei Unternehmen:Väterfreundlichkeit wird zum wichtigen WettbewerbsfaktorZwischenfazitBest Practice: Väterfreundlichkeit als Wettbewerbsfaktor undImagegewinn anerkennen – Robert Bosch GmbH627172IV. Zusammenfassung und AusblickV. QuellenverzeichnisVI. Impressum747884Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“7


II. VorgehensweiseTrends sind beobachtbar, im soziologischen Kontext aber oftnur schwer messbar. Aus diesem Grund haben wir gemeinsammit der diffferent labs GmbH (http://diffferentlabs.com) –einem Thinktank, der sich mit Trend- und Innovationsfragenbeschäftigt, ein mehrstufiges Untersuchungsdesign entwickelt,das aus fünf Modulen besteht und den Wertewandel bei Väternaus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet.In einem ersten Schritt wurden verschiedene Studien undArtikel zum Thema Väter sowie sachverwandten Teilgebieten undübergeordneten Trends zusammengetragen, ausgewertetund analysiert.Hieraus wurden erste Trendhypothesen gebildet, die anschließendmit sechs Experten*, die aus unterschiedlichen Bereichenstammen und damit aus differierenden Perspektiven auf das Thema„Moderne Väter“ blicken, in jeweils ca. 45- bis 60-minütigenInterviews diskutiert.*) Experten:• Torsten Bittlingmaier, Corporate Talent Management, Deutsche Telekom AG• Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe, Hirnforscher und Buchautor(u. a. „Männer – Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“, 2009)• Sabine Kittner-Schürmann, Gleichstellungsbeauftragte HSH Nordbank AG• Ursula Nuber, stellvertretende Chefredakteurin „Psychologie heute“,Julius Beltz GmbH & Co. KG• Carsten Schneider, MdB und haushaltspolitischer Sprecher derSPD-Bundestagsfraktion• Vera Schröder, Chefredakteurin Redaktion „Nido“8Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Parallel dazu erfolgten zehn qualitative, leitfadengestützteTiefeninterviews sowie drei Minifokusgruppen mit jeweils drei bisfünf berufstätigen Familienvätern im Alter von 25 bis 45 Jahren,die mindestens ein Kind haben, das nicht älter als fünf Jahre ist(Feldzeit: 15. Juli bis 15. August 2012; Durchführung: diffferent labsGmbH, http://diffferentlabs.com).In einem letzten Schritt wurde eine deutschlandweite repräsentativeOnlineumfrage unter Vätern im Alter von 25 bis 45 Jahren (n = 1.000)zu ihrem Selbstverständnis als Vater, zu ihren Einstellungen inBezug auf Elternzeit, Familie und Beruf sowie damit in Verbindungstehenden Problemen und Herausforderungen durchgeführt(Feldzeit: 31. August bis 11. September 2012; Durchführung: ResearchNow, http://www.researchnow.com).Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“9


III. Die Ergebnisse der Studie im Überblick1. Wertewandel:Vatersein liegt im TrendImmer mehr Männer nehmen nicht nur an Geburtsvorbereitungskursenteil, sind im Kreißsaal anwesend oder nehmen Elternzeit,sondern kümmern sich auch nach der Geburt wesentlich aktiver undintensiver als frühere Vätergenerationen um ihre Kinder.2. Vielfalt Vaterschaft:Die Vaterrolle wird facettenreicherDie neue Vätergeneration begnügt sich nicht mehr allein mit derRolle des Ernährers, auch wenn diese weiterhin wichtig bleibt. Damitwächst nicht nur der Einfluss des Vaters auf die kindliche Erziehung.Auch die Anforderungen, denen die modernen Väter gegenüberstehen, werden komplexer.3. Fehlende Vorbilder:Bei der Neudefinition ihrer Rolle starten viele Väter bei nullBei der Neugestaltung ihrer Vaterrolle sind die modernen Väter mehroder weniger auf sich allein gestellt, da sie häufig weder in dereigenen Familie noch im beruflichen Umfeld auf entsprechendesErfahrungswissen zurückgreifen können. Eine größere Sichtbarkeitvon Vätern in Unternehmen sowie Vorgesetzte, die mit gutemBeispiel voran gehen, können den Vätern helfen, sich in ihrer neuenRolle zurechtzufinden und Beruf und Familie besser zu vereinbaren.4. „Stolzer Allroundpapa“ statt „Softi“:Männlichkeit wird neu interpretiertDie Mehrheit der befragten Väter sieht sich durch das „moderneVatersein“ in ihrer Identität eher gestärkt und bestätigt alseingeschränkt. Auch das verstärkte familiale Engagement bzw. dieÜbernahme traditionell weiblicher Aufgaben wird nicht automatischmit „unmännlich“ assoziiert.10Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


5. Rolle rückwärts:Väter sind zum Teil „moderner“ als MütterAuch für viele Frauen ist das zunehmende familiale Engagement vonVätern neu. Oft scheuen sie sich noch Verantwortung abzugebenund trauen dem Mann im Umgang mit Kindern weniger zu. Dies führtzu Konflikten. Die Frau sollte daher lernen, dem Mann mehr Freiheitenbei der Gestaltung der Erziehung einzuräumen. Allerdings ist auchder Vater angehalten diese Freiheiten einzufordern und sich aktiveinzubringen, damit ein partnerschaftliches Erziehungskonzept gelingt.6. Geld ist nicht alles:Der moderne Vater plant die Karriere rund ums KindStatt das Leben um den Beruf und die Karriere herumzubauen,stellen Väter immer häufiger ihr Privatleben und ihre Kinder insZentrum ihrer Lebensplanung. Unternehmen sind hierbei gefordert,sich von der Anwesenheitskultur zu verabschieden und Väterneinen größeren Freiraum zur flexiblen Gestaltung ihrer Arbeitszeitzu ermöglichen.7. Umdenken bei Unternehmen:Väterfreundlichkeit wird zum wichtigen WettbewerbsfaktorImmer mehr Betriebe führen familien- und väterfreundliche Maßnahmenein und ziehen eine positive Bilanz. Wichtig sind jedochnicht nur konkrete Programme, sondern vor allem der aktive Wandelzu einer väterfreundlichen Unternehmenskultur. Nicht zuletztaufgrund des demografischen Wandels, sind die Unternehmengut beraten, die modernen Väter als Mitarbeiter zu binden und einelangfristige und vertrauensvolle Beziehung zu ihnen aufzubauen.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“11


1. Wertewandel:Vatersein liegt im TrendVäter, die einen Kinderwagen schieben oder Windeln wechseln,waren noch bis vor Kurzem im öffentlichem Leben eherunsichtbar oder wirkten exotisch. In den letzten Jahren siehtman sie jedoch immer häufiger.„Ich spiele Fußball in einer Männergruppe.80 Prozent dieser Väter sind in den letzten4 Jahren Vater geworden. Fast alle von denenhaben Elternzeit genommen. Zwischen2 und 6 Monaten, manche gleichzeitig mitder Frau, manche nach ihr.“(Vaterzitat)Dabei zeigt sich ein eindeutiger Trend: Immer mehr Männernehmen nicht nur an Geburtsvorbereitungskursen teil, sindim Kreißsaal anwesend oder nehmen Elternzeit, sondernkümmern sich auch nach der Geburt wesentlich aktiver undintensiver als frühere Vätergenerationen um ihre Kinder.„Die Tatsache, dass es ein Heft wie Nido gibt,ist auch ein Zeichen dafür, dass es eineneue Generation moderner Väter gibt.Früher richteten sich solche Zeitschriftenfast immer nur an Mütter. Das ist heute anders.“(Vera Schroeder, Chefredakteurin Redaktion „Nido“)12Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


© Purestock/ThinkstockVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“13


Hier hat also offensichtlich – wenigstens in Teilen der Gesellschaft –ein Wertewandel und Umdenken stattgefunden. Familie und Kinderscheinen in Zeiten von anhaltenden Wirtschafts- und Finanzkrisensowie zunehmender Verunsicherung bei Männern an Wert zugewinnen. So wünschen sich – konträr zur erneut gesunkenenGeburtenrate 1 und einer sich ausweitenden Singlegesellschaft 2 –laut einer Studie der Zeitschrift „Eltern“ aus dem Jahr 2011 insgesamt70 Prozent der kinderlosen Männer zwischen 25 und 45 Jahren„auf jeden Fall“ oder „vielleicht“ Kinder 3 .„Die modernen Zeiten sind vongroßer Verunsicherung gekennzeichnet.Dadurch erlangt die Familie wieder einegrößere Bedeutung als Rückzugsort.“(Ursula Nuber, stellvertretende Chefredakteurin „Psychologie heute“)Kinder werden vor diesem Hintergrund von Vätern seltener als Pflichtverstanden und weniger als belastend empfunden. Statt nebenherzu laufen, rücken sie stärker in den Mittelpunkt und werden fürviele zum Sinnstifter und zentralen Bestandteil ihres Lebens. TrotzProblemen wie Schlafmangel, Stress oder temporärer Überforderungempfinden immer mehr Männer das Vatersein als Bereicherung ihresLebens und wichtigen Gegenpol zur immer hektischer und stressiger1Vgl. Statistisches Bundesamt (2012a): Leichter Rückgang der Geburtenziffer auf 1,36 Kinderje Frau, unter: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/09/PD12_329_12612.html (08.10.2012); Handelsblatt GmbH (2012): Frauen bringen statistisch1,36 Kinder zur Welt, unter: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/geburtenratefrauen-bringen-statistisch-1-36-kinder-zur-welt/7157566.html(09.10.2012).2Laut Statistischem Bundesamt lebte 2011 in Deutschland jeder Fünfte allein, in zwei Jahrzehntenkönnte es schon fast jeder Vierte sein; Quelle: Statistisches Bundesamt (2012b): In Deutschlandlebte 2011 jede fünfte Person allein, unter: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2012/Alleinlebende/pm_allein_PDF.pdf?__blob=publicationFile (08.20.2012);stern.de GmbH (2012): Auf dem Weg in die Single-Gesellschaft, unter: http://www.stern.de/news2/aktuell/auf-dem-weg-in-die-single-gesellschaft-1855902.html (09.10.2012).3Vgl. ELTERN (2011): Väter 2011 – Willkommen in der Wirklichkeit, unter: http://www.eltern.de/familie-und-urlaub/eine-fuer-alle/vaeter-2011.html (08.10.2012).14Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


werdenden Berufswelt. So stellt auch das Happiness Institut fest,dass 61 Prozent der Väter zwischen 20 und 45 Jahren großeLebensfreude empfinden, während es unter den gleichaltrigenMännern ohne Kinder nur 46 Prozent sind. 4„Väter haben heute mehr Lust,sich um die Kinder zu kümmern,eine Auszeit für die Kinder zu nehmenund die Zeit mit ihnen zu genießen.“(Vaterzitat)Dementsprechend definieren sich immer weniger Väter allein überihren Beruf und ihr Gehalt, sondern immer häufiger auch über ihreFamilie und Kinder. So geben zwar 74,9 Prozent der von unsbefragten Väter an, dass ihnen „Geld verdienen“ sehr wichtig sei.Gleichzeitig sagen jedoch auch 88,2 Prozent der Befragten, dass siegroßen Wert darauf legen, von Anfang an die Entwicklung ihrerKinder aktiv zu begleiten. 91,5 Prozent der Befragten gebendarüber hinaus an, dass ihnen „Zeit mit der Familie, auch in derWoche“ sehr wichtig sei.Dies wird durch eine Vielzahl anderer Studien bestätigt: So gabenbeispielsweise in einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung97 Prozent der Väter an, mehr Zeit mit ihrem Nachwuchs verbringenzu wollen.4Vgl. Coca Cola Services N.V. (2012): Vater sein ist gar nicht schwer – deutsche Papas genießen dietrubelige Zeit mit ihren Kindern, unter: http://happiness-institut.de/2012/07/vater-sein-ist-garnicht-schwer-%E2%80%93-deutsche-papas-geniesen-die-trubelige-zeit-mit-ihren-kindern/(08.10.2012).Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“15


Der Trend geht vom WochenendzumAlltagsvaterInwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu? (Gesamt n = 1.000)„Ich lege Wert darauf, von Anfang andie Entwicklung meines Kindes/meiner Kinderaktiv zu begleiten.“Stimme zu88,2 %Stimme nicht zu3,6 %Teils/teils8,2 %Wie wichtig sind Ihnen folgende Dinge? (Gesamt n = 1.000)„Zeit für meine Familie auch in der Woche“Sehr wichtig91,5 %Gar nicht wichtig0,6 %Weniger wichtig7,9 %Quelle: Väter gGmbH (2012) Trendstudie „Moderne Väter“16Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Geld bleibt für den modernen Vater wichtig –aber vor allem für die Absicherung der FamilieWie wichtig sind Ihnen folgende Dinge? (Gesamt n = 1.000)„Geld verdienen“Sehr wichtig74,9 %Gar nicht wichtig0,6 %Weniger wichtig24,5 %Wie wichtig sind Ihnen folgende Dinge? (Gesamt n = 1.000)„Absicherung meiner Familie“Sehr wichtig92,8 %Gar nicht wichtig0,6 %Weniger wichtig6,6 %Quelle: Väter gGmbH (2012) Trendstudie „Moderne Väter“Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“17


Ein „schneller Aufstieg“ oder „irgendwann einmal reich sein“(23,8 Prozent) spielen dagegen nach unserer Befragung für vieleVäter nur eine untergeordnete Rolle. Im Vordergrund steht die„Absicherung der Familie“ (92,8 Prozent).Denn angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situationmachen sich viele der von uns befragten Väter Sorgen um dieZukunft ihrer Kinder.„Wenn ich die Nachrichten höre,über Inflation und Arbeitslosigkeit,das macht mir schon Angst.Man muss seine Familie ernähren könnenund deshalb wirtschafte ich vorsichtiger.“(Vaterzitat)Dies spiegelt sich auch in einer repräsentativen Umfrage desApothekenmagazins „Baby und Familie“ zum Thema„Zukunftsängste der Eltern“ wider. Demnach fürchten sich gutein Drittel der befragten Mütter und Väter mit minderjährigenKindern (neben körperlicher oder sexueller Gewalt sowieVerletzungen durch Verkehrsunfälle) vor allem vor der drohendenUmweltzerstörung (36,3 Prozent), einer späteren Arbeitslosigkeit derKinder (36,2 Prozent) sowie wirtschaftlichen Notlagen (35,1 Prozent).Drei von zehn Befragten (28,4 Prozent) haben zudem Angst davor,die Kinder könnten psychische Probleme bekommen, weil siez. B. dem Leistungsdruck der Gesellschaft nicht standhaltenkönnten 5 . Solche und ähnliche Ängste sind sicherlich ein Grunddafür, weshalb es vielen Vätern schwerfällt, beruflich kürzer zutreten oder mehr als zwei Monate Elternzeit zu nehmen.5Vgl. Wort & Bild Verlag/GfK Marktforschung Nürnberg (2012): Zukunftsängste der Eltern.Umfrage: Väter und Mütter fürchten Kriminalität, Unfälle, Krankheiten und übermäßigenLeistungsdruck, unter: http://wortundbildverlag.de/Presse-Service/Zukunftsaengste-der-Eltern-182017.html (09.10.2012).18Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


ZwischenfazitImmer mehr Väter sind mit Leib und Seele Vater. Trotzdem möchtensie auch nach wie vor ihrer Rolle, die Familie abzusichern, gerechtwerden. Hier sind insbesondere die Politik und die Arbeitgebergefordert, über zeitgemäße und flexiblere Arbeitszeitmodellenachzudenken. Unternehmen sollten versuchen, ihren Mitarbeiternbeides zu ermöglichen: ein solides Gehalt und ein väterfreundlichesUmfeld. Zudem sollten sie sich vergegenwärtigen, dass sie es immerhäufiger mit einer neuen Generation von Vätern zu tun haben,die sich durch veränderte Prioritäten und Bedürfnisse auszeichnet.Um gute Mitarbeiter zu halten, reichen einzelne Maßnahmen alleinnicht aus, sondern es muss sich auch in den Unternehmenskulturenetwas ändern. Die Familienpolitik sollte zudem berücksichtigen,dass die Diskussion um „mehr Frauen in Führung“, um die Diskussion„mehr Männer in Familien“ ergänzt werden muss. Und zwar sichtbarund öffentlich.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“19


2. Vielfalt Vaterschaft:Die Vaterrolle wird facettenreicherNeben der relativ neuen Möglichkeit für Männer, auf Basis desElterngeldgesetzes von 2007 einkommensabhängige Elternzeitzu nehmen, wirkt sich der gesellschaftliche Wertewandel massivauf die Vaterrolle aus. Auch wenn die Aspekte „Geld verdienen“und „Absicherung der Familie“ für den Großteil der von unsbefragten Väter nach wie vor sehr wichtig sind, wird die Vaterrollevon vielen Vätern heute nicht nur neu und anders, sondern vorallem wesentlich breiter, vielfältiger und facettenreicher gesehen.Gleichzeitig gibt es immer weniger Männer, die sich lediglich mitihrer Rolle als reiner Ernährer zufrieden geben.20Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


© Ursula Deja/Fotolia.comVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“21


Väter sehen sich immer weniger als reine ErnährerWie wichtig werden Ihrer Meinung nach folgende Rollen,die Väter einnehmen können? (Gesamt n = 1.000)Wird wichtiger: Der Vater als …VertrauenspersonSpielkamerad66,1 % 61,9 %Erzieher61,2 %Hausmann52,5 %Familienmanager53,9 %Quelle: Väter gGmbH (2012) Trendstudie „Moderne Väter“22Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Aus Sicht der Väter scheint vor allem ihre Rolle als Vertrauenspersonan Bedeutung zu gewinnen, was auf eine intensivere undemotionalere Beziehung zwischen den Vätern und ihren Kindernschließen lässt (im Jahr 2006 gaben laut einer Umfrage desDIW Berlin lediglich rund 1 Prozent der Deutschen den Vater alsVertrauensperson an 6 ).„Es hat einen Wandel gegeben.Der Vater hat heute viel größeren Anteilan der Erziehung. Mutter und Vaterteilen sich die Erziehung.“(Vaterzitat)Aber auch das häusliche Engagement der Väter sowie deren Rolleals „Familienmanager“ werden als wichtiger werdend erachtet.Dabei picken sich die modernen Väter keinesfalls die Rosinen herausund überlassen etwa den Frauen den Rest. Die deutliche Mehrheitder von uns befragten Väter (86,7 Prozent) übernimmt auchAufgaben wie Windeln wechseln, Kinder füttern oder ins Bett bringen.6Vgl. TNS Infratest/Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V. (2006): SoziooekonomischesPanel 2006, Berlin.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“23


„Während früher der Mann das Geldnach Hause gebracht hat und die Frauzu Hause war, wechseln sich heutebeide Eltern mit Sachen wie Abendbrotmachen ab. Der Frau das alles zu überlassen,wäre zu hart, das wissen wir.“(Vaterzitat)Diese Entwicklung wird auch wohlwollend von der Bevölkerungwahrgenommen. So haben zwei Drittel (67 Prozent) den Eindruck,dass Väter sich heute deutlich stärker beteiligen als noch vorfünf oder zehn Jahren. Nur 2 Prozent sehen einen Rückgang derväterlichen Bemühungen 7 .„Frauen übernehmen Männerpositionenund Männer übernehmen Frauenaufgaben.“(Vaterzitat)Andere Rollen von Vätern verlieren dadurch jedoch nicht anBedeutung. So glauben zum Beispiel nur 14 Prozent derBefragten, dass die Rolle des Ernährers künftig weniger wichtigwird. Dies hat sicherlich auch damit zu tun, dass Frauen,trotz vermehrter Berufstätigkeit und Gleichstellung, noch immerdeutlich weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen 8 .7Vgl. Institut für Demoskopie Allensbach (2011): Monitor Familienleben – Einstellungen undLebensverhältnisse von Familien, unter: www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_studies/Monitor_Familienleben_2011.pdf (08.10.2012).8Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2008):Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern, Berlin.24Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


ZwischenfazitDie neue Vätergeneration begnügt sich nicht mehr allein mit derRolle des Ernährers, auch wenn diese weiterhin wichtig bleibt.Stattdessen definiert sie ihre Vaterrolle wesentlich breiter undvielfältiger. Damit wächst nicht nur der Einfluss des Vaters auf diekindliche Erziehung. Auch die Anforderungen, denen die modernenVäter gegenüber stehen, werden komplexer. Unternehmen solltensich daher bemühen, ihre Kultur väterfreundlicher zu gestalten undVerständnis dafür zu zeigen, dass Vatersein heute mehr bedeutet,als „Brot verdienen“.Auch die Politik sollte Väter nicht primär in der Rolle des Ernährerssehen, sondern sie gleichermaßen bei anderen Aufgaben, diemit Kindererziehung und -betreuung in Verbindung stehen,unterstützen. Deshalb sollte sie sich bemühen, das Elternzeitgesetzweiter auszubauen und es variabler zu gestalten. Gleichzeitig sollteauch denjenigen Elternzeit ermöglicht werden, die es sich nichtleisten können, eine befristete Auszeit vom Beruf zu nehmen, dasie nur ein geringes Einkommen haben.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“25


Best Practice:Partnermonatein NorwegenSeit der Einführung des neuen Elterngeldgesetzeshat sich die Zahl der Väter, die inElternzeit gehen, mehr als verfünffacht – vonca. 5 Prozent auf ca. 25 Prozent 9 . Das Gesetzhat somit eine wichtige Voraussetzung für„mehr Männer in der Familie“ geschaffen.Doch noch immer schleicht sich mit Eintrittin die Elternschaft das traditionelle Rollenmusterein, obwohl viele Paare heute einegleichberechtigte Rollenverteilung anstreben.Dies zeigt sich schon an der Länge derElternzeit: Frauen nehmen durchschnittlich11,6 Monate, Männer 3,2 Monate 10 . Imaktuellen Koalitionsvertrag von 2009 wurdeformuliert, dass das Elterngeldgesetz weiterausgebaut werden sollte – das ist bis heutenicht geschehen. 11„Ich hatte damals das Gefühl, nichtmehr als 4 Monate Elternzeit nehmenzu können, ohne dass es Auswirkungenauf meine Karriere haben würde.Daher habe ich mich auch gar nichtum mehr bemüht.“(Vaterzitat)9Vgl. Statistisches Bundesamt (2012c): Elterngeld:Erwerbstätigkeit von Frauen führt zu höherer Väterbeteiligung,unter: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2012/06/PD12_221_22922.html (23.10.2012).10Vgl. Statistisches Bundesamt (2012d): Elterngeld – Wer? Wielange? Und wie viel?, unter: https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressekonferenzen/2012/Elterngeld/begleitmaterial_PDF.pdf?__blob=publicationFile (23.10.2012).11 Vgl. CDU Deutschlands (2009): Wachstum, Bildung.Zusammenhalt. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und FDP,unter: http://www.cdu.de/doc/pdfc/091026-koalitionsvertragcducsu-fdp.pdf(23.10.2012).26Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Handlungsempfehlungen:Da immer mehr Väter sich mehr Zeit mit ihrenKindern wünschen, sollte die Erweiterungder Partnermonate ein wichtiger Punkt aufder Agenda der zukünftigen Familienpolitiksein. Norwegen z. B. hat in den letztenJahren kontinuierlich die sogenannten„Partnermonate“ erhöht und konnte sodie Beteiligung der Väter an der Elternzeitdeutlich steigern (dort nehmen inzwischen90% aller Väter Elternzeit). 12“Wir brauchen zusätzliche Anreizefür eine partnerschaftliche Aufteilungvon Elternzeit und Elterngeld. Einerster Schritt wäre es, dass Eltern,die beide gleichzeitig denElterngeldbezug mit Teilzeitarbeitkombinieren, 14 statt bisher 7 MonateElterngeld beziehen können. Und dieUnternehmen sollten ihre Mitarbeiterermutigen, die Vätermonatetatsächlich zu nehmen. Das ist imeigenen Interesse der Wirtschaft.Denn nur familienfreundlicheBetriebe werden in Zukunft auch dieFachkräfte an sich binden können,die sie dringend benötigen.“Frau mit einer reduzierten Vollzeit von 3 bis4 Tagen beim Einstieg schon im ersten Jahrunterstützen kann oder umgekehrt.Damit ist es möglich, dass beide sich umdas Kind kümmern können und dennoch Zeitfür ihre berufliche Verwirklichung haben.Hierbei ist ein wichtiger Faktor, dass beideauch nach der Teilzeit jederzeit in Vollzeitzurückkehren können.Das Ehegattensplitting, das schonjahrelang ein partnerschaftliches Modellvon Elternzeit behindert und klassischeFamilienkonstellationen finanziell fördert,bedarf einer Reformierung: SteuerlicheVorteile sollten sich nach der Anzahl derKinder richten, anstatt die Eheschließungals solche zu begünstigen.Insgesamt sollten Politik und WirtschaftVäter und Mütter besser über ihre Rechtein Bezug auf das Elternzeitgesetz informierenund ihnen die verschiedenen Möglichkeitenfür eine partnerschaftliche Nutzungdeutlich machen.(Carsten Schneider, MdB und haushaltspolitischerSprecher der SPD-Bundestagsfraktion)Außerdem sollte Eltern in Zukunft ermöglichtwerden, sich innerhalb der 14 Monate dieElternzeit in partnerschaftlicher Teilzeitaufzuteilen. Das heißt z. B., dass die Mutternach dem Mutterschutz langsam wieder mit1 bis 2 Tagen einsteigen, und der Vater die12Vgl. Königlich Norwegische Botschaft (2012): Elterngeld undVaterschaftsurlaub, unter: http://www.norwegen.no/About_Norway/policy/Sozialsystem/benefits/ (23.10.2012).Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“27


3. Fehlende Vorbilder:Bei der Neudefinition ihrer Rollestarten viele Väter bei nullNeben dem allgemeinen gesellschaftlichen Wertewandel ist es auchdie weitgehende Abwesenheit des Vaters in der eigenen Kindheit,die viele Väter dazu bewegt, neu über ihre Vaterrolle nachzudenkenund ihren Kindern mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Insofernsind viele Väter bei der Neudefinition ihrer Rolle mehr oder wenigerauf sich selbst gestellt und können kaum auf entsprechendesErfahrungswissen zurückgreifen.„Mein Vater war unter der Woche oft weg.Am Wochenende kam er dann wieder und dann warFamilie angesagt. Das fand ich nicht so schön.“(Vaterzitat)28Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


© iStockphoto/ThinkstockVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“29


So ist es auch nicht verwunderlich, dass in einer Forsa-Studie67 Prozent der Väter angeben, kein persönliches Vorbild für dieeigene Vaterrolle zu haben 13 . Zudem ist ein Großteil der heutigenVäter in einer weitgehend feminisierten Erziehungs- und Alltagsweltaufgewachsen. Dadurch hatten viele bisher kaum Möglichkeiten,positive Rollenbilder jenseits des männlichen Normalernährerszu entwickeln.Doch auch im beruflichen Kontext gibt es für Väter bisher nur wenigepositive Vorbilder, die eine aktive Vaterrolle vorleben und an denensie sich orientieren können. Vorbilder sind jedoch wichtig, um dieEntwicklung eines Menschen zu fördern und zu fordern. Das siehtein Großteil der Deutschen ähnlich: So sind laut einer Umfrage desBeratungsunternehmens Accenture 88 Prozent der Deutschen davonüberzeugt, dass Vorbilder in unserer komplexen Welt zur „privatenund beruflichen Orientierung“ dringend gebraucht werden 14 .„Was wir als Diagnose festhalten sollten,ist, dass die alten Rollen der Männer weg sindund neue haben sie noch nicht.“(Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobiologe, Hirnforscher und Buchautor (u. a. „Männer –Das schwache Geschlecht und sein Gehirn“, 2009))Für die modernen Väter bedeutet das vorhandene Vakuum jedochnicht nur Unsicherheit, sondern auch die Chance, sich und ihrLeben frei und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, und zwaranders und besser, als sie es selbst von ihren Eltern erlebt haben.13Vgl. ELTERN (2011).14Vgl. ManagerSeminare (2011): Vorbilder im Business – Lernen von Leitfiguren, Heft 156/März2011, S. 38–44.30Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Dementsprechend will sich eine Mehrheit der Väter bei derAusgestaltung und Neudefinition ihrer Rolle bewusst von derGeneration der eigenen Väter abgrenzen. So stimmen90,4 Prozent der Befragten der Aussage „Ich unterscheidemich in dem, wie ich meine Vaterrolle definiere, von früherenVätergenerationen“ zu (voll und ganz: 68,5 Prozent; teilweise:22,9 Prozent).Hilf- und lehrreich für die Neudefinition der Vaterrolle ist für vieleVäter u. a. die Elternzeit. In dieser Zeit entwickeln viele Männernicht nur eine intensivere Beziehung zu ihren Kindern, sondernerleben auch ganz bewusst den oft anstrengenden und wenigglamourösen Familienalltag. Dadurch bekommen sie ein besseresVerständnis für ihre Partnerin und deren Alltagsanforderungen,was unterm Strich den Beziehungen zugute kommt und sie festigt.So wirkt die Elternzeit des Mannes u. a. dem Kommunikationsverlustentgegen, der nach der Geburt des ersten Kindes bei vielen Paareneintritt 15 und der nicht selten Grund für eine spätere Scheidung ist.„Ich fand die Elternzeit wichtig, um unsals Familie zu etablieren und eine intensiveBindung zu meinem Sohn aufzubauen.Außerdem wollte ich mich in die Rolle als Vaterreinfinden und meine Frau unterstützen.“(Vaterzitat)15Vgl. LBS Initiative junge Familie (2002): LBS-Familien-Studie – Übergang zur Elternschaft,unter: www.lbs.de/west/lbs/pics/upload/tfmedia1/HBJAAIia40k.pdf (08.10.2012).Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“31


Darüber hinaus nennen viele Väter den Austausch mitanderen Männern, die sich bemühen, Beruf und Familie untereinen Hut zu bekommen, oder die im Job kürzer treten, umsich um ihre Kinder zu kümmern, als wichtige Hilfestellung beider Definition und Gestaltung ihrer neuen Vaterrolle. Einegrößere Sichtbarkeit von Vätern in Unternehmen sowieentsprechende Vorbilder und Vorgesetzte können den Väternhelfen, ihre Rolle zu finden und Beruf und Familie besser zuvereinbaren. Gleichzeitig werden Väter durch sichtbare Vorbilderim Unternehmen ermutigt, ihre Bedürfnisse nach Aus- undTeilzeiten beim Arbeitgeber anzumelden.„Die Entwicklung vom Individuum zum Vaterist schwierig. Es ist wichtig, miteinander zu redenund sich mit anderen Vätern auszutauschen.“(Vaterzitat)32Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


ZwischenfazitModerne Väter brauchen Unterstützung und Vorbilder bei derNeudefinition ihrer Vaterrolle. Vielen hilft hierbei, neben demAustausch mit anderen Vätern, vor allem die Elternzeit. JungeVäter sollten darüber hinaus die Möglichkeit haben, von Vorbildernim Unternehmen zu lernen, wie sie ihrer neuen Rolle sowohlprivat als auch beruflich besser gerecht werden können.Dazu sollte u. a. die „Sichtbarkeit“ von aktiven Vätern und dieKommunikation über Vereinbarkeitsprobleme von Männern inUnternehmen erhöht werden. Und es sollte versucht werden,die familiäre Alltagswelt männlicher zu gestalten (z. B.durch männliche Erzieher in Kitas etc.), um Männern mehrSelbstverständnis für ihre Vaterrolle zu vermitteln.Zudem sollten sich Väter ermutigt fühlen, offen und ehrlich mitanderen über ihre Gefühle zu sprechen. Mit der Verbreitungsozialer Netzwerke haben sie dazu mehr Möglichkeiten denn je.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“33


Best Practice:Väterprojekte mitVorbildcharakter –„Väternetzwerk“Commerzbank AG &Axel Springer AGSeit 2011 gibt es das von der Commerzbank AGund Axel Springer AG initiierte Projekt „Väternetzwerk“in Hamburg und Frankfurt.„Es fördert den Austausch vonwerdenden Vätern, Vätern in Elternzeitund Vätern von älteren Kindern undes lenkt den Blick auf ein wichtigesThema: Motivation und Zufriedenheitder Mitarbeiter lassen sich steigern,wenn wir als Unternehmen einfamilienfreundliches Umfeld schaffen.“(Dr. Alexander Schmid-Lossberg,Leiter GeschäftsführungsbereichPersonal, Axel Springer AG)Unternehmen aus der jeweiligen Regionladen männliche Mitarbeiter zu verschiedenenWorkshops, Vorträgen und Erfahrungsaustauschzu Themen wie Elternzeit oder dieBedeutung von Vätern für ihre Kinder ein.Ziel des innovativen Projektes ist es, denWandel der Vaterrolle zu begleiten und vorallem: aktive Vaterschaft sichtbar zu machen.34Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Dabei sollen möglichst viele Unternehmenin das Netzwerk integriert werden, umVäter über einen unternehmensübergreifendenAnsatz in der partnerschaftlichenAufgabenverteilung bei Beruf und Familiezu unterstützen.„Wichtig ist, dass wir unsvorbehaltslos und ohne‚Schubladendenken’mit den Vorstellungen derVäter auseinandersetzen.“(Jörg Zühlke, Personalleiter Hamburg, Commerzbank AG)Auch Mentorenprogramme, bei denenwerdende oder junge Väter von erfahrenerenVätern unterstützt werden, sich inihrer Vaterrolle zurechtzufinden, undBeruf, Familie sowie eigene Bedürfnissezu vereinbaren, sind deshalb einedenkbare Maßnahme, damit „moderneVäter“ sich an „modernen Vorbildern“orientieren können.Ansprechpartnerin Commerzbank AG:Barbara David, Group Human ResourcesDiversity Management,barbara.david@commerzbank.comHandlungsempfehlungen:Das „Väternetzwerk“ läuft sehr erfolgreich,ist aber bisher nur ein Pilotprojekt.Wünschenswert wäre der Ausbau in weiterenRegionen verbunden mit der Beteiligungweiterer Unternehmen. Außerdem sollteauch innerhalb der Unternehmen aktiveVaterschaft vorgelebt werden, indemz. B. entsprechende Plattformen im Intranetoder andere Möglichkeiten zum Austauschangeboten werden.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“35


4. „Stolzer Allroundpapa“ statt „Softi“:Männlichkeit wird neu interpretiertMit der Neu- und Umbewertung der Vaterrolle sowie einer neuenGeneration von Vätern ändert sich nicht nur die Definitionvon Vaterschaft, sondern auch das, was im Allgemeinen unter„Männlichkeit“ verstanden wird bzw. wie primär mit Männernassoziierte Werte wie Leistung, Erfolg und Durchsetzungskraftausgelegt werden. So zeigt sich gerade in den qualitativenInterviews, die wir mit Vätern geführt haben, dass immer mehrVäter zum „Kümmerer“ werden, ohne Angst zu haben, dass siehierdurch etwas von ihrer Männlichkeit verlieren könnten odersich in ihrer Männlichkeit herabgesetzt fühlen müssten.„Wir leben in einer liberaleren Gesellschaft,in der der Mann nicht als Schlappschwanzabstempelt wird, nur weil er zu Hause bleibtund die Frau arbeiten geht.“(Vaterzitat)36Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


© BananaStock/ThinkstockVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“37


Ganz im Gegenteil: Die Mehrheit der von uns befragten Väter siehtsich durch das „moderne Vatersein“ in ihrer Identität eher gestärktund bestätigt als eingeschränkt. Auch das verstärkte familialeEngagement bzw. die Übernahme traditionell weiblicher Aufgabenwird von den von uns befragten Vätern nicht automatisch mit„unmännlich“ assoziiert.Gleichzeitig berichten die meisten der von uns interviewten Väterdavon, dass sie z. B. durch die Elternzeit bzw. die Zeit, die sie mitihren Kindern verbringen, souveräner, reifer und selbstbewusstergeworden seien. Viele sehen auch, dass sie hierdurch trotzvermehrtem Stress und neuen Herausforderungen gelassenerwurden, was ihnen dabei geholfen habe, Schwächen zuzugebenund offener für Vorschläge anderer zu werden.Daneben zeichnen sich die modernen Väter heute durch eineVielzahl neuer Qualitäten aus, die Männern bis vor Kurzem nochabgesprochen wurden. Im Vergleich zu ihren Vätern halten siesich für gefühlvoller und können offener über ihren Seelenzustandreden. Dementsprechend stimmen auch 76 Prozent der Väterin unserer Onlineumfrage der Aussage zu, dass Väter heute vielinvolvierter sind und mehr Gefühle zum Kind zeigen.38Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


„Moderne Väter“ sind emotionaler und zeigen mehr GefühleInwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu? (n = 1.000)„Väter sind heute emotional viel involvierterund zeigen mehr Gefühle zum Kind“Stimme zu76,0 %Stimme nicht zu5,9 %Teils/teils18,1 %Quelle: Väter gGmbH (2012) Trendstudie „Moderne Väter“„Heute hat der Vater einen viel stärkerenBezug zum Kind. Er ist involvierter,zeigt mehr Gefühle und seine Liebe zum Kind.“(Vaterzitat)Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“39


Diese neue Form von Männlichkeit scheint auch bei denFrauen gut anzukommen. So träumen laut einer Studie derOnlinepartnervermittlung „ElitePartner“ viele Frauen heute vom„Alpha-Softie“. Auf die Frage, welchen Mann sie lieber nehmenwürden, den Vollzeitvater oder den Versorger, antworteten87,6 Prozent: „Eine Mischung aus beiden.“ Der ideale Vater solltedemnach gefühlvoll sein, aber auch Männlichkeitsattribute wie„Erfolg“ und „Stärke“ verkörpern 16 .Von dem neuen Selbstbild und Selbstbewusstsein der Väterprofitieren jedoch nicht nur die Frauen und die Väter selbst,sondern auch die Kinder: Sie bekommen neben weiblichen undmütterlichen Werten von frühester Kindheit an auch „moderne“männliche Werte vermittelt.16Vgl. EliteMediaNet GmbH (2012): ElitePartner-Männerstudie, in: ElitePartner-Singlestudien,Januar 2012, unter: www.elitepartner-akademie.de/wp-content/uploads/2012/02/elitepartnermaennerstudie-januar2012.pdf(08.10.2012).40Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


ZwischenfazitMänner trauen sich heute als Vater und in der Beziehung zuihren Kindern mehr zu als die Generation ihrer Väter. Siewerden einfühlsamer und fürsorglicher, ohne etwas von ihremSelbstverständnis als Mann und ihrer Männlichkeit einzubüßen.Dadurch ändert sich auch die Wahrnehmung dessen, was ein„richtiger Mann“ ist bzw. zu sein hat.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“41


Best Practice:Projekt „InnovativePersonalentwicklungfür Väter undFührungskräfte“ –Airbus DeutschandGmbH undHamburger SenatSeit drei Jahren bietet Airbus spezielleVater-Kind-Programme an. Diese umfassenWochenendaktivitäten (Klettern, Vater-Kind-Flugtag, Bogenschießen, Wildnistrainingoder Floßbau). Außerdem werden Vorträgezu Themen wie „Väter erziehen anders“oder „Väter in Elternzeit“ und Workshops,z. B. Kompaktkurse für werdende Väter,angeboten. Das Besondere: Alle Angebotewerden von Fachleuten aus der Familienbildungbegleitet, werden aber imUnternehmen selbst kommuniziert undumgesetzt.„Es ist total anders, durchprofessionelle Begleitung einsolches Vater-Kind-Event zu erleben,im Vergleich zu den üblichenFreizeitaktivitäten. Es warviel intensiver und anhaltender,für mich persönlich und imKontakt zu meiner Tochter.“(Vater von zwei Töchtern, Führungskraft bei Airbus Deutschland)Ziel der Programme ist, die Familienkompetenzender Väter zu stärken, um damitdie Qualität der Vater-Kind-Beziehung unddie Vereinbarkeit von Beruf und Familie zuunterstützen. Vor allem aber ist das Angebotvon betrieblich organisierten Vater-Kind-Programmen ein deutliches Signal, dassväterliches Engagement in der Familie vomUnternehmen begrüßt wird. Denn von Väternwerden entsprechende Programme und Kurse42Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


von Familienbildungsstätten, andersals von Müttern, nur selten genutzt.Betrieblich organisierte Angebote stoßendagegen auf eine deutlich höhereResonanz. Die Akzeptanz im Unternehmenmacht es den Männern leichter solcheAngebote anzunehmen.„Entscheidend sind klareKommunikation und Ansprachegegenüber den Vätern sowiepassgenaue Angebote, die fürVäter relevant sind. Früher wurdenviele Angebote von Vätern nichtangenommen, ja, vermutlichnicht einmal wahrgenommen.Erst als wir spezielle Angebotefür Väter ins Programmaufgenommen und die Väterauch direkt angesprochen haben,begann die Nachfrage zu steigen.“(Sabine Beyer, Human Resources Airbus Deutschland)und eine ausführliche Kommunikationsorgt für große Resonanz bei männlichenMitarbeitern, die normalerweiseAngebote wie Vorträge zur Elternschaft,Elternzeittreffs, Erste-Hilfe-Kurse fürs Kindetc. meiden würden. Die Zusammenarbeitmit der Familienbildung garantiert eineprofessionelle Durchführung von geschultenTrainern, ohne dass die Betriebe dafürselbst Personal engagieren müssen.Alle Angebote sind auf die Arbeitszeitenvon Führungskräften abgestimmt undwerden daher von diesen Mitarbeiternhäufig genutzt. Sowohl Wirtschaftals auch Politik sind also angehalten,zugunsten einer väter- und somitfamilienfreundlicheren Gesellschaft nachneuen Kooperationsmöglichkeiten zusuchen, z. B. durch die Finanzierung vonVäterprojekten (wie Väter e. V. in Hamburg,seit 2004 gefördert von der HamburgerPolitik, oder dem Papaladen in Berlin).Handlungsempfehlungen:Das Projekt „Innovative Personalentwicklungfür Väter und Führungskräfte“,das u. a. bei Airbus eingeführtwurde, wurde vom Hamburger Senatfinanziert. Die Zusammenarbeit vonFamilienbildung und Wirtschaft für mehrVäterfreundlichkeit ist in dieser Formbisher einzigartig. Dieser Brückenschlag,die Veranstaltung direkt im UnternehmenAuch eine Kooperation zwischenBetriebskindergärten und Mitarbeitern isteine gute Möglichkeit, niederschwelligeAngebote für Väter zu platzieren, da immermehr Männer ihre Kinder morgens zumKindergarten oder in die Krippe bringen.Ansprechpartnerin Airbus DeutschlandGmbH: Sabine Beyer,Human Ressources Airbus Deutschland GmbH,sabine.beyer@airbus.comVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“43


5. Rolle rückwärts:Väter sind zum Teil „moderner“als MütterDurch die zunehmende Gleichberechtigung, die sich u. a. in deransteigenden Zahl berufstätiger Mütter widerspiegelt, haben sichdie Geschlechterrollen in vielen Lebensbereichen angeglichen 17 –auch und gerade in Sachen Kindererziehung und -betreuung. Sofinden es nur noch 23,1 Prozent der Väter, die wir für unsere Studiebefragt haben, wichtig, dass Frauen zu Hause bleiben und für dieKinder zuständig sind.„Ich finde, es gibt nichts, was ein Vaternicht besser kann oder schlechter kannals eine Frau. Meine Frau hat mich dabeiauch sehr unterstützt, mir einige Dingezugetraut und das hat mich bestärkt.“(Vaterzitat)17 Vgl. Statistisches Bundesamt (2010): Mikrozensus 2009, Wiesbaden.44Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


© klickerminth/Fotolia.comVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“45


Das herkömmliche Rollenverständnis, das Kinderbetreuungeindeutig den Müttern zuordnet, ist dennoch nach wie vor weitverbreitet – egal, ob es um Elternzeit, Teilzeitregelungen oderKrabbelgruppen geht. So sind laut einer Studie des DeutschenJugendinstituts rund die Hälfte der Deutschen der Meinung,„wenn Kinder da sind, sollte der Mann arbeiten gehen und dieFrau zu Hause bleiben und die Kinder versorgen“ 18 . Die Mehrheitder Bevölkerung scheint in diesem Punkt also wesentlichkonservativer zu sein als die von uns befragten Väter. Lediglich30 Prozent der Väter in Deutschland leben bereits einegleichberechtigte, partnerschaftlich organisierte Elternschaft 19 .Nach der Geburt des ersten Kindes findet häufig eine sogenannteRetraditionalisierung statt. Das heißt, der Vater geht weiter inVollzeit arbeiten und die Mutter bleibt (auch bei gleichemBildungsabschluss und ähnlichen Karrierechancen) zu Hause oderarbeitet allenfalls in Teilzeit weiter. So berichten zum Beispiel63,5 Prozent der von uns befragten Väter, die Elternzeitgenommen hatten, dass bei ihnen ihre Frau auf jeden Fall 12 MonateElternzeit nehmen wollte. Als Grund dafür wird in verschiedenenStudien neben der finanziellen Situation auch der bewusste oderunbewusste Wunsch nach traditionellen Rollen genannt 20 . So tätensich Frauen häufig schwer, ihren Männern die Verantwortung fürein Kind zuzutrauen. Im Spiegel hieß es vor Kurzem: „Sie [dieFrauen] beklagen sich über ihre Männer, aber insgeheim sind siefroh, wenn ohne sie das Unternehmen Familie nicht läuft.“ 2118Vgl. Bertelsmann-Stiftung/Deutsches Jugendinstitut (2008): Null Bock auf Familie? Derschwierige Weg junger Väter in die Vaterschaft, Gütersloh.19Vgl. kidsgo Verlag GmbH (2012): Bessere Entwicklungschancen durch enge Beziehung zum Vater,unter: http://www.vaeter-zeit.de/vaeter-stillen/vater-kind-beziehung-in-der-stillzeit.php(09.10.2012).20Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.) (2007): SiebterFamilienbericht. Familie zwischen Flexibilität und Verlässlichkeit – Perspektiven für einelebenslaufbezogene Familienpolitik, Berlin; Burkart, Günter (2009): Einleitung. Einblicke in dieZukunft der Familie, in: Burkart, Günter (Hrsg.): Zukunft der Familie. Prognosen und Szenarien,Sonderheft 6 der Zeitschrift für Familienforschung, Opladen; Gesterkamp, Thomas (2007):Zwischen Laptop und Wickeltisch, in: Mühling, Tanja/Rost, Harald (Hrsg.): Väter im Blickpunkt.Opladen, S. 197–114; Grunow, Daniela (2007): Wandel der Geschlechterrollen und Väterhandelnim Alltag, in: Mühling, Tanja/Rost, Harald (Hrsg.): Väter im Blickpunkt, Opladen, S. 49–76.21Vgl. Brauck, Markus (2012): Wo bleiben wir Väter?, in: DER SPIEGEL, 28/2012, S. 59-60.46Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Trotz „Moderner Väter“ ist die Elternzeitzumeist noch ein weibliches ThemaInwieweit stimmen Sie der folgenden Aussage zu? (Gesamt n = 345)„Meine Frau wollte auf jeden Falldie 12 Monate Elternzeit nehmen“Stimme zu63,5 %Stimme nicht zu24,3 %Teils/teils12,2 %Quelle: Väter gGmbH (2012) Trendstudie „Moderne Väter“„Manche Mütter erwarten heutzutageziemlich viel von den Vätern ihrer Kinder.Sie sollen alles genauso machen wie sie […].Oder die Mütter mischen sich ein.Das verunsichert Väter zutiefst odermacht sie wütend.“(Ursula Nuber, stellvertretende Chefredakteurin „Psychologie heute“)„Auch die Mütter müssen an sich arbeiten,dass sie den Männern Verantwortungübergeben und zutrauen, etwas zu machenund nicht immer alles nachkontrollieren.Das kann sonst automatisch dazu führen,dass die Männer sich wieder rausziehen.“(Vera Schroeder, Chefredakteurin Redaktion „Nido“)Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“47


Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Frauen nicht nur vomVater mehr einfordern, sondern auch ihre eigene Rolle überdenken.So haben viele Frauen in ihren Herkunftsfamilien ebenfalls nichtdie Erfahrung gemacht, dass Väter genauso bedeutsam für dieEntwicklung der Kinder sind und es nicht zwei Mütter braucht,um sie zu erziehen. Auch bei den Müttern fehlt es somit häufigan Erfahrungswissen, das dabei helfen könnte, mit der neuenRollendefinition der Väter zurechtzukommen.„Wenn Frauen in Erziehungsfragen allesbesser wissen, gibt es Probleme.Sie müssen auch den Vater stärker ans Kindranlassen, dürfen nicht glucken.“(Vaterzitat)Väter sollten sich daher auf der anderen Seite nicht nur mehreinbringen, sondern auch gegenüber ihrer Partnerin deutlich machen,dass sie einen anderen Beitrag zur Entwicklung des Kindes beisteuernwollen und können, ohne der Mutter Konkurrenz zu machen.Denn obwohl sich Väter und Mütter meist in gleicher Weise auf daskindliche Entwicklungsniveau einstellen, spielen Väter häufiger undanders mit Kindern als Mütter, lassen ihnen hierbei einen größerenErfahrungsspielraum und setzen beim Spielen häufiger sichselbst als „Spielzeug“ ein. Zudem fördern Väter durch eine andereArt, mit Sprache umzugehen –„Muttersprache“ und „Vatersprache“unterscheiden sich stark voneinander –, von Beginn an dieSprachentwicklung der Kinder 22 .Allerdings wussten rund ein Drittel (29,6 Prozent) der von unsbefragten Väter gar nicht, dass sie mehr als zwei Monate Elternzeithätten nehmen können bzw. waren sich darüber unsicher.22Vgl. Le Camus, Jean (2003): Väter: Die Bedeutung des Vaters für die psychische Entwicklung desKindes, Weinheim.48Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


ZwischenfazitDie Rollenverteilung in den Familien ändert sich. Aufgaben undZuständigkeiten werden neu verteilt. Für eine partnerschaftlicheAufgaben- und Rollenteilung brauchen Väter jedoch auch moderndenkende Frauen, die ihnen Vertrauen bei der Kindererziehungund -betreuung schenken. Väter wiederum sollten z. T.selbst mehr Verantwortung übernehmen und sich besser mitihren Partnerinnen abstimmen, statt wichtige Fragen, die Kinderbetreffen, allein ihren Frauen zu überlassen. Sie sollten klarerund offener ihre väterlichen Verpflichtungen und den Wunsch,diesen nachzukommen, kommunizieren. In einem Satz: Männerund Frauen sollten gleichermaßen darauf hinarbeiten, alsTeam partnerschaftlich zusammenzuleben.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“49


Best Practice:PartnerschaftlicheKarriereplanungmit Kindern –Hamburg WasserHamburg Wasser hat nach einer internenBefragung seiner Mitarbeiter, männlichenund weiblichen Führungskräften mitjungen Kindern neue Teilzeitmodelleangeboten, die speziell auf die jeweiligenLebensphasen zugeschnitten sind.In Vorträgen und Workshops wie z. B.„Führung in Balance“ wurden die Ergebnissevon der Geschäftsführung veröffentlichtund anhand von konkreten Beispielen undHandlungsleitfäden illustriert und umgesetzt.Die Erfahrung zeigt: Männer, die bewusstund selbstbewusst ihre Vaterrolleübernehmen, unterstützen Frauen dabei,früher wieder in den Job einzusteigen undsomit auch Verantwortung für das Kindabgeben zu können. 2323Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen undJugend (2011): Väter und der Wiedereinstieg der Partnerin.Ergebnisse qualitativer Interviews, Berlin.“50Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


„Für jeden Vater, der in Elternzeitgeht, kommt eine qualifizierte Frauzurück. Wenn mein Mann sich dieElternzeit nicht mit mir geteilt hätte,wäre ich meine Aufgabe los gewesen.Wenn man mit zwei Kindern zweimalkurz hintereinander aus dem Jobaussetzt, ist man raus. Da kann mankein Team leiten. Also mussten wirbeide reduzieren.“(Delia Ewert, Führungskraft bei Hamburg Wasser)Handlungsempfehlungen:Heute verfügen viele große Unternehmenüber Teilzeitmodelle in unterschiedlichenFormen. Doch gerade bei Vätern kommt esdarauf an, wie über diese informiert wird.So sind z. B. für viele Männer Begriffe wie„Vollzeit light“ oder „reduzierte Vollzeit“ansprechender und erfolgsversprechender,da Teilzeit häufig mit Karriereknickassoziiert wird. Vor allem aber ist eswichtig, dass Personalleitung undGeschäftsführung explizit hinter denTeilzeitmodellen stehen und deutlichmachen, dass diese nicht zu einerKarrierebremse werden. Um Vorbehalteund Ängste zu nehmen, muss vonUnternehmensseite genau erklärtwerden, warum Teilzeit auch bei Väternerwünscht ist. Broschüren zum ThemaArbeitszeiten, praktische Anleitungen undGesprächsleitfäden für Führungskräftekönnen dabei helfen. Um alleBeschäftigten zu erreichen, sollten solcheInformationen über interne Medien wiedie Mitarbeiterzeitschrift und das Intranetverbreitet werden.Ansprechpartnerin Hamburg Wasser:Andrea Ebeloe,Abteilungsleiterin Personalentwicklung,andrea.ebeloe@hamburgwasser.deVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“51


6. Geld ist nicht alles:Der moderne Vater plant die Karriererund ums KindDurch das neue Rollenverständnis finden sich immer mehr Männer(wie Frauen schon lange) in zwei Welten wieder, die nach komplettunterschiedlichen Regeln funktionieren: In der Businesswelt, inder Effizienz und Spitzenleistung zählen, sowie in der „Papawelt“,in der mehr emotionale Qualitäten wie Zuwendung und Empathiegefragt sind. So zwingt die Ausweitung der Aufgaben undVerantwortlichkeiten viele Väter zu einem Spagat. Hinzu kommendas stetig steigende Tempo in der Arbeitswelt, die ständigeErreichbarkeit und der gestiegene Leistungsdruck, die immer mehrMänner unter Druck setzen.„Man möchte für die Frau und die Familieda sein, will sich aber auch selbst verwirklichen.Diesen Spagat hinzubekommen,ist eine Herausforderung für junge Väter.“(Vaterzitat)52Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


© Comstock/ThinkstockVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“53


44,2 Prozent der von uns befragten Väter geben vor diesemHintergrund an, kaum noch Zeit für sich und die eigenen Interessenzu haben, und 20 Prozent wünschen sich mehr Zeit und Freiraumfür sich selbst. Somit ist die Vereinbarkeit von Familie, Beruf,Freizeit und privater Selbstverwirklichung nicht länger nur einProblem der Frauen, sondern auch der Männer. Mittlerweile sehen84 Prozent der Arbeitnehmer (Männer wie Frauen) Probleme darin,ihre Verpflichtungen aus Beruf und Privatleben miteinander zuvereinbaren 24 . Dementsprechend fordern auch 74 Prozent derBevölkerung (5 Prozent mehr als noch 2010), dass der Schwerpunktder Familienpolitik auf der Vereinbarkeit von Familie und Berufliegen sollte 25 . Hier liegt der Schluss nahe, dass die Zuwächseinsbesondere auf das Konto der Väter gehen, die wie Frauenimmer häufiger unterschiedliche Interessen und Anforderungenzusammenbringen müssen.24Vgl. Fürstenberg Institut GmbH (2011): Fürstenberg Performance Index 2011, Hamburg.25Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2012): Kristina Schröder:„Eltern wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten und betriebliche Unterstützung bei derKinderbetreuung“, unter: http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/familie,did=190010.html (08.10.2012).54Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


„Man soll das Geld nach Hause schaffenund nicht zu spät aus dem Büro kommen,aber auch der liebevolle Papa sein,der mit den Kindern Fruchtsaft trinktund am Samstag beim Fußball sitzt.Das funktioniert so nicht.“(Vaterzitat)52,3 Prozent der von uns befragten Väter geben an, besonderseffizient, produktiv und zielorientiert zu arbeiten, um beidePole in Einklang zu bringen. 32,1 Prozent nutzen moderneKommunikationsmittel wie Laptop, Smartphone etc., um dieZeit mit ihren Kindern besser planen und einteilen zu können.Rund ein Drittel der Väter (34,7 Prozent) arbeiten darüber hinauszum Teil auch in der Freizeit z. B. wenn die Kinder schlafen, ummehr Zeit für ihre Kinder zu haben. Dementsprechend sagen auch25,5 Prozent der Väter, dass es bei ihnen mittlerweile keine klareTrennung zwischen Beruf und Freizeit mehr gebe. Den Väterneröffnen sich dadurch mehr Möglichkeiten der Flexibilisierung.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“55


„Moderne Väter“ verfolgen unterschiedliche Strategien,um Beruf und Familie miteinander zu vereinbarenInwieweit treffen folgende Aussagen auf Sie zu? (Gesamt n = 1.000)„Ich arbeite besonders effizient, produktiv und zielorientiert,um Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen.“Trifft zu52,3 %Trifft nicht zu11,9 %Teils/teils35,8 %„Ich arbeite auch manchmal in meiner Freizeit,um mehr Zeit mit meinen Kindern zu haben.“Trifft zu34,7 %Trifft nicht zu35,4 %Teils/teils29,9 %Quelle: Väter gGmbH (2012) Trendstudie „Moderne Väter“56Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


„Moderne Väter“ verfolgen unterschiedliche Strategien,um Beruf und Familie miteinander zu vereinbarenInwieweit treffen folgende Aussagen auf Sie zu? (Gesamt n = 1.000)„Ich nutze moderne Kommunikationsmittel (Laptop,Smartphone etc.), um die Zeit mit meinen Kindern besserplanen und einteilen zu können.“Trifft zu32,1 %Trifft nicht zu38,3 %Teils/teils29,6 %„Eine klare Trennung zwischen Beruf und Freizeitgibt es bei mir nicht.“Trifft zu25,5 %Trifft nicht zu46,1 %Teils/teils28,4 %Quelle: Väter gGmbH (2012) Trendstudie „Moderne Väter“Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“57


„Arbeit rückt ins Private.Man kann sie flexibler gestalten.Das lässt Grenzen verschmelzenund gibt auch neue Möglichkeiten.“(Vaterzitat)51 Prozent der Befragten können sich darüber hinaus vorstellen,geringe finanzielle Einbußen hinzunehmen, um mehr Zeit fürihre Kinder zu haben, 56 Prozent würden hierfür ihreKarriereambitionen wenigstens eine Zeit lang zurückstellen.Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Umfrage des DeutschenFührungskräfteverbandes (ULA). Hier geben über 50 Prozent derzumeist seit einigen Jahren im Berufsleben stehenden Befragten an,dass ihr Wunsch nach hierarchischem Aufstieg in den vergangenenfünf Jahren abgenommen habe. Mehr als zwei Drittel wollen sichstattdessen „mehr Zeit für Familie und Privatleben“ nehmen 26 .Auch hierin zeigt sich ein deutlicher Wertewandel: Immer häufigersuchen sich Väter ihren Arbeitgeber nicht mehr nur danach aus,wer ihnen das höchste Gehalt zahlt, sondern auch danach, wo siesich am besten selbst verwirklichen können. Eine Einstellung, diesich insbesondere bei der „Generation Y“ jener Generation vonArbeitnehmern, die zwischen 1980 und 1994 geboren sind, zeigt.Das heißt, die Zahl der Väter, die Wert auf einen väterfreundlichenArbeitgeber legen, wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlichnoch deutlich steigern.26 Vgl. Werle, Klaus (2012): Wer will noch Chef werden?, in: manager magazin, 08/12, S. 94–105.58Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


ZwischenfazitFür den „Modernen Vater“ stehen nicht, wie für dieLeistungsgesellschaft typisch, Karriere und Geld im Vordergrundsondern immer häufiger Kinder und Familie. Statt das Lebenum den Beruf herumzubauen, stellen sie ihr Privatleben insZentrum ihrer Lebensplanung. Unternehmen sind hierbei gefordert,sich von der Anwesenheitskultur zu verabschieden und Väterneinen größeren Freiraum zur flexiblen Gestaltung ihrer Arbeitszeitzu ermöglichen.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“59


Best Practice:Weniger Kontrolle,mehr Vertrauen undErfahrungsräume fürVäter – Datev eGDie Datev eG hat erkannt, dass die Grundlagefür eine väterfreundliche Unternehmenskulturein Führungsverständnis ist, dasweniger von Kontrolle geprägt ist, sondernstärker von Vertrauen und der Möglichkeitsich auch als männlicher Mitarbeitermit seiner konkreten Work-Life-Balanceauseinanderzusetzen.„Väter erschließen sich neueRollenmodelle und möchtendie Balance zwischen Beruf undPrivatleben nach ihren Bedürfnissengestalten. Unsere Aufgabe alsPersonalmanager ist es, ihnenhierfür die betrieblichenRahmenbedingungen zu schaffen.Deshalb benötigen Führungskräftesowohl nachhaltige Unterstützungim Umgang mit neuen Rollen undVereinbarkeitsbedürfnissen vonVätern als auch in der Integrationneuer Arbeitsformen undArbeitszeitmodelle in denTeams und Abteilungen.“(Jörg Rabe von Pappenheim, Personalvorstand Datev eG)60Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Der Workshop „Väter in Balance“, bietetauf der einen Seite kompakt aufbereitetesErfahrungswissen, das Väter sofort fürden privaten und beruflichen Alltagumsetzen können. Auf der anderen Seitegibt das Workshopkonzept den Vätern dieMöglichkeit, eigene Glaubensätze undWerte zu ihrer Rolle zu hinterfragen, umneue und eigene Ziele und Prioritätenzu setzen. Davon profitieren sowohl dieFamilien als auch die Unternehmen.Die Wirtschaft sollte sich auch damitbeschäftigen, wie moderne Führungund väterliche Erziehung sich vor demHintergrund einer sich veränderndenVaterrolle ergänzen und positivbeeinflussen können und das Themain den Unternehmen kommunizieren.Ansprechpartnerin Datev eG:Claudia Lazai, Kontaktperson zum ThemaBeruf und Familie, claudia.lazai@datev.deHandlungsempfehlung:Eintägige Workshops und Vorträge, dienicht nur neue Arbeitszeitmodelle undklassische Vereinbarkeitsstrategienim Fokus haben, sondern VäternErfahrungsräume öffnen, um Klarheitüber eigene Werte, Glaubenssätze undZiele zu erlangen, sind zur Einführungväterfreundlicher Unternehmenskulturenein wichtiger Faktor.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“61


7. Umdenken bei Unternehmen:Väterfreundlichkeit wird zum wichtigenWettbewerbsfaktorMehr und mehr Unternehmen beobachten sehr aufmerksam denWertewandel bei ihren männlichen Mitarbeitern und reagierendarauf beispielsweise mit Lebensarbeitszeitkonten, mit denensich die Familiengründungsphase abdecken lässt, oder andereninnovativen Maßnahmen. Schließlich sind Arbeitgeber aufgrunddes demografischen Wandels und des daraus resultierendenFachkräftemangels, den Experten für die kommenden Jahreerwarten, mehr denn je gezwungen, gute Mitarbeiter zu gewinnenund an sich zu binden.„Nicht nur die Politiker, auch die Unternehmensind gefragt. Sie müssen handeln und flexibleArbeitszeitmodelle, Eltern-Kind-Büros sowieTelearbeitsplätze fördern. Denkbar sind auchüber längere Zeiträume geltende Arbeitszeitkonten,um flexiblere Arbeitszeiten gerade in der‚Rushhour des Lebens‘ zu ermöglichen. Und dieArbeitgeber sollten alles dafür tun, dass Mitarbeiter,die ihre Stundenzahl reduzieren, keine Nachteileim Hinblick auf Karriereperspektiven haben.“(Carsten Schneider, MdB und haushaltspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion)62Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


© iStockphoto/ThinkstockVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“63


Vor diesem Hintergrund wird eine väterorientierte Personalpolitikimmer wichtiger und entwickelt sich zum Wettbewerbsvorteil.So wurde zum Beispiel jüngst die Robert Bosch GmbH als familienfreundlichstesUnternehmen in Deutschland ausgezeichnet, u. a.weil das Unternehmen über hundert flexible Arbeitszeitmodelleanbietet und seine Kultur ständig weiterentwickelt. Zu nennensind hierbei exemplarisch innovative Teilzeitmodelle für Väter inFührungspositionen oder Eltern- und Pflegezeiten, die alsKarrierebaustein anerkannt werden 27 .„Die Bereitschaft, Teilzeitmodelle aller Artzu organisieren, steigt.Immer mehr Unternehmen lernen,dass es nicht mehr um Anwesenheit geht,sondern um Ergebnisse.“(Sabine Kittner-Schürmann, Gleichstellungsbeauftragte HSH Nordbank AG)Beim amerikanischen Konzern Google ist Kinderbetreuung für Väterwie für Mütter seit jeher inklusive. Dank der modernenKommunikationstechnologien können Mitarbeiter zudem gelegentlichauch von zu Hause aus arbeiten. Außerdem bekommen Eltern zurGeburt neben 250 Euro Startgeld auch zwei Wochen Urlaub geschenkt.Relativ neu sind Kurse speziell für werdende Väter 28 .27Vgl. Robert Bosch GmbH (2012): Auszeichnung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel, unter:http://www.bosch-presse.de/presseforum/details.htm?txtID=5638&tk_id=191 (08.10.2012).28 Vgl. Frankfurter Rundschau (2012): Special Zukunft 2020 – Arbeit: Tischtennis stattStechkarte, unter: http://www.fr-online.de/zukunft-2030/zukunft-2030-arbeit-tischtennisstatt-stechkarte,16296696,16444780.html(08.10.2012).64Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Neben dieser Entwicklung zeigt sich jedoch noch ein weiterer Trend:Mehr und mehr Unternehmen fördern nicht nur aktiv die Elternzeitund das familiäre Engagement ihrer männlichen Mitarbeiter,sondern betrachten dies auch als wichtigen Karrierebaustein für denAufstieg und mehr Führungsverantwortung. Schließlich führt eineaktive Vaterschaft nicht nur zu einer besseren Vater-Kind-Bindung,sondern fördert, sowohl unmittelbar als auch Jahre später, wichtigeSchlüsselqualifikationen und Kompetenzen im Beruf undals Führungskraft. Väter sind somit immer weniger gezwungen,ihre Kinder in ihrem Lebenslauf zu verschweigen oder wichtigeTermine wie Einschulung oder Arztbesuche im Unternehmensalltagzu verheimlichen.„Wenn man es mittelfristig und nachhaltigbetrachtet, profitieren Unternehmen immensvom Trend der neuen Väter. Beispielsweisekommen viele männliche Mitarbeiter miteiner hohen sozialen Kompetenz ausder Elternzeit wieder, die wir ihnen so nichthätten antrainieren können.“(Torsten Bittlingmaier, Corporate Talent Management, Deutsche Telekom AG)Umfragen zeigen, dass sich hieraus überaus positive Effekte fürUnternehmen ergeben. Durch entsprechende Maßnahmen steigendie Mitarbeitermotivation und -produktivität um jeweils 17 Prozent.Es sinken hingehen die Fehlzeitenquote und die Fluktuationsrate –beide um jeweils 16 Prozent. Außerdem führen diese Maßnahmenzu einer Prävention von Überarbeitung und dem Burnout-Syndrom.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“65


© iStockphoto/Thinkstock66Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Insgesamt betrachtet, steigt das Unternehmensimage alsfamilienbewusste Organisation um 38 Prozent 29 . Gleichzeitig werdendurch väterfreundliche Maßnahmen laut Angaben von Vätern dieIdentifikation mit dem Arbeitgeber gesteigert (81,8 Prozent), dieArbeitsmotivation erhöht (93,0 Prozent), die Zufriedenheit amArbeitsplatz verbessert (90,1 Prozent), die Bindung an denArbeitgeber sowie der Unternehmenserfolg gesteigert (85,2 Prozentbzw. 86,0 Prozent) 30 .„Wir machen zweimal jährlich eine Veranstaltungfür werdende Eltern, bei der explizit beideangesprochen werden. Das kommt gerade auchbei den Vätern unwahrscheinlich gut an.Dadurch wird es auch im Unternehmenselbstverständlicher, dass das Thema nicht nurauf Frauen fixiert ist.“(Sabine Kittner-Schürmann, Gleichstellungsbeauftragte HSH Nordbank AG)Bei vielen Unternehmen scheint es jedoch noch erheblichenNachholbedarf zu geben, was die Väterfreundlichkeit von Arbeitsplätzenund Entwicklungsprogrammen angeht. So berichtetejüngst die Wirtschaftswoche darüber, dass in Großbritannien61 Prozent und in Schweden 55 Prozent der Unternehmen Väterzu mehr Familienengagement ermuntern. In Deutschland sei esdagegen jedoch nur jedes sechste Unternehmen 31 .29Vgl. Westfälische Wilhelms-Universität Münster/Steinbeis-Hochschule Berlin (2008): Derberufundfamilie-Index – Ein Instrument zur Messung des betrieblichen Familienbewusstseins,unter: www.beruf-und-familie.de/system/cms/data/dl_data/13ea6e392af129653bb6bf8f06d21439/FFP_Arbeitspapier_Index.pdf (08.10.2012).30 Vgl. u. a. hessenstiftung – familie hat zukunft (2008): Anforderungen von Vätern an einenfamilienfreundlichen Arbeitgeber – Ergebnisse der Online-Befragung, unter:www.igs-beratung.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Studien/Anforderung_Vaeter_2007.pdf(08.10.2012).31 Vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2010): EuropäischerUnternehmensmonitor Familienfreundlichkeit, Berlin.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“67


„Moderne Unternehmen akzeptieren und fördern,dass Väter Elternzeit nehmen.“(Vaterzitat)Gleichzeitig bezeichnen 68,2 Prozent der befragten Väter ihrUnternehmen als nicht oder nur teilweise väterfreundlich und85,5 Prozent von ihnen finden, dass Vereinbarkeitsmaßnahmenzu sehr oder zum Teil zu sehr auf Frauen ausgerichtet sind. Zueinem ähnlichen Ergebnis kommt auch die UnternehmensberatungA.T. Kearney: Im Rahmen einer Umfrage unter knapp 1.800 Personenaus mehr als 400 Unternehmen wurde herausgefunden, dasssich nur 13 Prozent der Männer mit Kindern von ihrenUnternehmen aktiv dabei unterstützt fühlen, ausreichend Zeitfür ihre Familien zu finden 32 . So ist es auch kaum verwunderlich,dass noch immer über 90 Prozent der Väter in Deutschland inVollzeit arbeiten 33 .32Vgl. A. T. Kearney GmbH (2012): Unternehmen tun zu wenig für die Familie – Umfrage anAngestellten zur Familienfreundlichkeit ihres Arbeitgebers, unter: https://www.atkearney.de/content/presse/pressemitteilungen_practices_detail.php/id/51758/practice/allgemeines(08.10.2012).33Vgl. Statistisches Bundesamt (2010).68Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


„Väter spielen in Unternehmen nach wie vorkeine Rolle. Unternehmen suchen Arbeitnehmer,keine Väter.“(Vaterzitat)82,7 Prozent der von uns befragten Väter bemängeln darüberhinaus, dass es noch nicht oder nur teilweise akzeptiert ist, wennman als Vater nicht zur Arbeit kommt, da ein Kind krank ist oderdie Kita geschlossen hat.„Man hat einen negativen Beigeschmack,wenn man mal zu Hause bleiben muss,weil das Kind krank ist. Das wird noch nicht soakzeptiert wie bei der Mutter.“(Vaterzitat)Ebenfalls noch verhältnismäßig gering ausgeprägt ist die Bereitschaftvieler Unternehmen, männliche Mitarbeiter befristet in die Elternzeitzu entlassen, auch wenn Männer immer seltener diskriminiertwerden, wenn sie den Wunsch nach Elternzeit äußern. So wurdenlediglich rund die Hälfte der befragten Väter, die Elternzeitgenommen haben, hierbei von ihrem Chef unterstützt.Es zeigt sich, dass Väterfreundlichkeit nicht nur von Seiten der Politikverordnet werden kann, sondern im Arbeitsalltag oftmals eher einProblem der entsprechenden Führungs- und Unternehmenskultur ist.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“69


„Viele fanden es sehr überraschend,dass ich so lange Elternzeit nehme.Die älteren Frauen fanden das sehr gut.Ältere Männer, so um die 50,hatten dafür wenig Verständnis.“(Vaterzitat)Kollegen scheinen im Gegensatz dazu weniger Probleme damit zuhaben, wenn ein Vater in ihrem Umfeld in Elternzeit gehen will. Sogeben 56,8 Prozent der Befragten in unserer Umfrage an, dass ihreEntscheidung, Elternzeit zu nehmen, von der Mehrzahl ihrer Kollegenpositiv aufgenommen wurde. Lediglich 15,1 Prozent der befragtenVäter mussten die Erfahrung machen, dass ihre Pläne seitens ihrerKollegen auf eine geringe Akzeptanz stießen. Damit hat sich dieSituation in den letzten zehn Jahren deutlich verändert. Damalskamen Studien zu dem Ergebnis, dass negative Reaktionen wie Spottoder Wut aufgrund von zu übernehmender Mehrarbeit von Seitender Kollegen eine häufige Erfahrung von Vätern in Elternzeit war 34 .34Vgl. u. a. Institut für anwendungsorientierte Innovations- und Zukunftsforschung (2004):Auch Männer haben ein Vereinbarkeitsproblem. Ansätze zur Unterstützung familienorientierterMänner auf betrieblicher Ebene, unter: www.boeckler.de/pdf_fof/S-2003-453-3-2.pdf(08.10.2012).70Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


ZwischenfazitUnternehmen sind gut beraten, die modernen Väter – nichtzuletzt aufgrund des demografischen Wandels – an sich zu bindenund eine langfristige und vertrauensvolle Beziehung zu ihnenaufzubauen. Schließlich orientiert sich die Arbeitgeberattraktivitätimmer weniger allein an der Höhe des Gehaltes. Stattdessengewinnen die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben,persönliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten sowie dieFührungskultur bei der Wahl des Arbeitgebers an Bedeutung.Wichtig sind jedoch nicht nur konkrete Maßnahmen undProgramme zur Verbesserung der Väterfreundlichkeit, sondernvor allem auch der aktive Wandel zu einer entsprechendenUnternehmenskultur sowie, seitens der direkten Vorgesetzten,ein größeres Verständnis für und eine höhere Akzeptanz vonaktiven Vätern. Um das zu fördern, sollten Unternehmen proaktivauf die Väter in ihren Betrieben zugehen.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“71


Best Practice:Väterfreundlichkeitals Wettbewerbsfaktorund Imagegewinnanerkennen –Robert Bosch GmbHDie Teilzeitangebote von Bosch, die auf derInternetseite www.teilzeit-bei-bosch.de undin einer Broschüre veröffentlicht werden,richten sich explizit auch an Männer undFührungskräfte. Des Weiteren werden aufder Internetseite Väter und Führungskräfteaus dem Unternehmen vorgestellt, dieihre Erfahrungen mit familienbedingterTeilzeit oder Elternzeit weitergeben.Eine Onlinedatenbank mit aktuellenTeilzeitstellenangeboten ergänzt dasInternetangebot. Die Zahl der Männer beiBosch, die Elternzeit nehmen, hat sich inden letzten Jahren verdreifacht und diemeisten Väter nehmen mehr als die üblichenzwei Partnermonate. 3535Vgl. berufundfamilie GmbH (2008): Männer vereinbaren Berufund Familie. Über die zunehmende Familienorientierung vonMännern und Lösungsbeispiele für Arbeitgeber, unter: http://www.beruf-und-familie.de/system/cms/data/dl_data/89e2770d536598c647e9b07e838c78be/PLF04_Maenner_vereinbaren_beruf_u_familie.pdf (23.10.2012).72Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


„So ermöglichen wir etwa Führungin Teilzeit oder erkennen ElternundPflegezeit als Karrierebausteinan und wir legen eher auf dasErreichen von Ergebnissen undweniger auf Präsenzkultur wert […]Als hochinnovatives Unternehmenwollen wir alle guten Leute halten.“(Christoph Kübel, Arbeitsdirektor Bosch GmbH)Handlungsempfehlungen:Die besten Maßnahmen, publikumswirksamstenVeranstaltungen und Zertifikatezum Thema Familienfreundlichkeit nützenweder den Mitarbeitern noch denBetrieben, wenn Unternehmen bei ihrenAngeboten und deren Umsetzung nichtglaubwürdig sind. Besonders dieGeneration Y legt sehr viel Wert auf eineausgewogene Work-Life-Balance undüberprüft deren Realisierbarkeit anhandvon Arbeitgeberportalen, in Vorstellungsgesprächenoder beim Tag der offenen Tür.Sowohl für die potenziellen Arbeitnehmerals auch für das Employer Branding derBetriebe kann es also nicht darum gehen,noch mehr Maßnahmen von der Stangezum Thema Familienfreundlichkeit zuimplementieren.Wenn man im Wettbewerb um junge,talentierte Fachkräfte vorn dabei seinmöchte, geht es vor allem um dieGlaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit dereingeführten Maßnahmen, die beideGeschlechter adressieren.So sollten in Betrieben weniger dieFrauenbeauftragten, sondern allgemeinServicestellen für Familien oder diePersonalabteilung Ansprechpartner für dieVereinbarkeit von Beruf und Familie sein.Dabei ist es in Bezug auf Väterfreundlichkeitwichtig, dass die Unternehmennachdrücklich die Zuständigkeit dieserStellen auch für Männer bei Anliegen zurVereinbarkeit von Beruf und Familiedeutlich machen.Ansprechpartnerin Bosch GmbH:Heidi Stock, Beauftragte für Diversity beiBosch, stock@de.bosch.comVäter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“73


IV. Zusammenfassung und AusblickEs gibt eine neue Generation von Vätern, die sich deutlich vonder Generation ihrer eigenen Väter unterscheidet. Die „ModernenVäter“ entscheiden sich immer häufiger bewusst für ein Kind,beteiligen sich aktiver an der Kindererziehung und -betreuungsowie an häuslichen Aufgaben und sind generell emotionalinvolvierter, was den eigenen Nachwuchs angeht. Gleichzeitigfühlen sie sich dadurch jedoch nicht weniger männlich, sondernintegrieren diese „neuen“ Rollen in ihr Bild von „Männlichkeit“.Mit einem neuen Selbstverständnis kommen jedoch auch vieleneue Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf die Väter zu, die inKonkurrenz zu anderen Verpflichtungen und Interessen stehen undsich häufig nicht oder nur schwer miteinander vereinbaren lassen.Trotz des gesellschaftlichen Wertewandels, veränderter Prioritätenund einer verstärkten Übernahme häuslicher und familiärerVerpflichtungen bleibt der Job für viele Väter ein wichtigerIdentitätsstifter, auch wenn mehr und mehr Väter bereit sind undsich sogar wünschen, beruflich kürzerzutreten.74Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Um sich daraus ergebende Konflikte aufzulösen, sollten Politikund Wirtschaft mit entsprechenden Programmen und neuen,zeitgemäßen Maßnahmen und Arbeitszeitmodellen reagieren,die stärker die Wünsche und Bedürfnisse der modernenVäter berücksichtigen und nicht nur die Zeit unmittelbar nachder Geburt bzw. der „Partnermonate“ abdecken.Die weitere Verbreitung flexibler Arbeitszeitmodelle und dieMöglichkeit, lebensphasenbedingte Auszeiten zu nehmen,können Männern wie Frauen mehr Zeitsouveränität verschaffen,um den Familienalltag zu bewältigen. Insbesondere die höhereAkzeptanz von Teilzeitarbeit bei Vätern ist eine Handlungsempfehlungan alle Akteure, um die Arbeitsteilung zwischenden Geschlechtern gleichberechtigter zu gestalten und denBedürfnissender „Modernen Väter“ gerecht zu werden.Je nach Beruf und Branche sind unterschiedliche, flexibleLösungswege notwendig. Insgesamt sollten jedochKarrierebarrieren aufgrund von Teilzeitarbeit grundsätzlichabgebaut werden.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


Auch die Frauen sind gefordert, sich stärker auf die „modernenVäter“ einzustellen. Sie sollten lernen, Verantwortung für die Kinderabzugeben, ihren Männern mehr Vertrauen schenken und ihnenmehr zutrauen sowie ihnen einen größeren Freiraum bei derGestaltung ihrer Vaterrolle einräumen.Unternehmen sollten sich zudem vergegenwärtigen, dass Väter nichtnur eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie benötigen.Um ein Leben in Balance zu führen und somit leistungsstark undentspannt zu sein, brauchen Väter auch Zeit und Raum für eigeneInteressen und Bedürfnisse, die ihnen wichtig sind und sie erfüllen.Gleichzeitig sollten die Unternehmen, die aufgrund desdemografischen Wandels mehr und mehr gezwungen sind, guteMitarbeiter zu gewinnen und dauerhaft zu motivieren, Vaterschaftund Elternzeit weniger als Bedrohung sehen. Mit dem Trend der76Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


„Modernen Väter“ ergibt sich für sie die Chance, mit gereifterenund gelasseneren Arbeitnehmern zusammenarbeiten zu können,die durch ihre neue Vaterrolle auch für den Beruf lernen und durchihr gesteigertes Verantwortungsbewusstsein besonders loyaleMitarbeiter sind. Zudem wirkt sich Väterfreundlichkeit positiv aufdas Unternehmensimage aus.Dies erfordert jedoch auch, dass Unternehmen aktiv auf Väterzugehen und nicht warten, bis diese sich bei ihnen melden.Schließlich entwickelt sich die Vaterschaft zu einem hochemotionalenund ganzheitlichen Lebenskonzept, das sich künftig nicht mehrnur bei einer kleinen, finanziell bessergestellten Elite beobachtenlässt, sondern mit dem verstärkten Berufseintritt und Eintritt in dieFamiliengründungsphase, die sich für die Generation Y abzeichnet,für einen Großteil der Väter prägend sein wird.Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“77


V. QuellenverzeichnisA. T. Kearney GmbH (2012): Unternehmen tun zu wenig für dieFamilie – Umfrage an Angestellten zur Familienfreundlichkeitihres Arbeitgebers, unter: https://www.atkearney.de/content/presse/pressemitteilungen_practices_detail.php/id/51758/practice/allgemeines (08.10.2012).Brauck, Markus (2012): Wo bleiben wir Väter?, in: DER SPIEGEL,28/2012, S. 59-60.berufundfamilie GmbH (2008): Männer vereinbaren Beruf undFamilie. Über die zunehmende Familienorientierung von Männernund Lösungsbeispiele für Arbeitgeber, unter: http://www.berufund-familie.de/system/cms/data/dl_data/89e2770d536598c647e9b07e838c78be/PLF04_Maenner_vereinbaren_beruf_u_familie.pdf(23.10.2012).Bertelsmann-Stiftung / Deutsches Jugendinstitut (2008):Null Bock auf Familie? Der schwierige Weg junger Väter in dieVaterschaft, Gütersloh.Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend(Hrsg.) (2007): Siebter Familienbericht. Familie zwischen Flexibilitätund Verlässlichkeit – Perspektiven für eine lebenslaufbezogeneFamilienpolitik. Berlin.Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend(Hrsg.) (2008): Entgeltungleichheit zwischen Frauen und Männern,Berlin.78Väter gGmbH - Trendstudie „Moderne Väter“


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