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frühjahr

sommer 14

# 4.2013

Frequenzkiller Langeweile. Vom Gleichen zu viel /// Die Kunst der Optimierung. John Cloppenburg

im Gespräch /// Luft nach oben. Quo vadis, Schuhhandel? /// Denim, Tarnung und die Farbe der

Hoffnung. Trends F/S 2014 ///

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„Was ist Kreativität

wert, wenn man nicht

weiß, wie man sie

verkauft?“ Marc Worth

€ 6,90


058 SO LÄUFT’S

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SO LÄUFT’S 059

Ein Herz

für den Nachwuchs

Ausbildung gehört in den

kommenden Jahre zu

einem der Schlüsselthemen

in der Modebranche:

Sowohl im Handel als auch

in der Industrie ist die

Rekrutierung von geeignetem

Nachwuchs eine

anspruchsvolle Aufgabe

geworden.

Text: Ina Köhler. Fotos: Unternehmen.

Illustration: Andreas Klammt

Nachwuchsakquise in der Modebranche?

Ach was, eigentlich

kommen die Leute doch von

selbst. Das war einmal. Eigentlich

ist die Modebranche

attraktiv für junge Menschen

– schöne Produkte, jugendaffines

Umfeld, der Umgang mit

bekannten Marken. Doch es

gibt auch negative Aspekte: ein

nicht immer üppiges Gehalt

und überdurchschnittlich lange

Arbeitszeiten. Schon jetzt ist

in bestimmten Berufen Nachwuchskräftemangel

spürbar wie

im Visual Merchandising oder

in der IT. Viele Unternehmen

sind schon aktiv geworden

und kooperieren eng mit den

Ausbildungsinstituten, wie zum

Beispiel mit der LDT Nagold,

einer der Kaderschmieden für

den Einzelhandel in Deutschland.

„Traditionell arbeiten wir

mit sehr vielen Unternehmen

der Modebranche zusammen“,

so Geschäftsführer Manfred

Mroz. „Von Hugo Boss über

C&A, Tommy Hilfiger bis hin

zu Wöhrl. Das geht so weit, dass

Manager wie Jürgen Hahn, CFO

von Marc O’Polo, Unterrichtseinheiten

an unserer Akademie

bestreiten.“ Die Unternehmen

wollten so schon sehr früh in

Kontakt mit dem Nachwuchs

kommen und sich als attraktiver

Arbeitgeber positionieren, so

Mroz. „Gute Nachwuchskräfte

sind umkämpft“, sagt auch Stephanie

Bauch, bei Marc O’Polo

Head of HR Retail Europe &

Sales International. „Meinem

Ermessen nach ist es schwieriger

geworden, geeignete Nachwuchskräfte

zu finden“, bestätigt auch

Thomas Weckerlein, Bereichsleiter

Personal bei Wöhrl.

Karrieremessen boomen

Das bedingt eine Professionalisierung

bei der Akquise. Karrieremessen

wie „Mönchengladbach

zieht an“ (Hochschule Niederrhein),

Projekte, Anzeigen, interne

Recruiting-Events und nicht

zuletzt der Facebook-Auftritt

oder der eigene Verkaufsraum

sind wichtige Tools beim Recruiting.

Gerade Nachwuchsmessen

würden immer wichtiger, meint

Jürgen Müller, Managing-Partner

von Hartmann Consultants, einer

Münchner Personalberatung.

Auch die Nutzung von Personaldienstleistern

nehme zu, allerdings

erst ab einer bestimmten

Ebene. „Die Anforderungen an

Führungskräfte sind gestiegen,

viele Unternehmen überlassen

wichtige Besetzungen nicht mehr

dem Zufall, sondern suchen die

Besten.“ Gleichzeitig betreibt

die Branche einen zunehmenden

Aufwand, Nachwuchs auszubilden

und aus den eigenen Reihen

zu rekrutieren.

Ausbildung in eigener Hand

Einige Unternehmen werden

hier immer wieder als Vorbilder

genannt: Peek & Cloppenburg

in Düsseldorf investiert beispielsweise

mit unterschiedlichsten

Programmen sehr intensiv in

den eigenen Nachwuchs. Das

beginnt beim Recruiting. „Neben

unseren eigenen Events setzt

P&C den Fokus auf themenund

fachrichtungsbezogene

Karrieremessen“, so Christina

Kremer, Leiterin Employer

Branding/Personalmarketing.

„Die Bewerber von heute sind

sehr anspruchsvoll geworden

und möchten im Vorfeld genau

prüfen, ob ein Unternehmen

Die Bewerber von heute sind

sehr anspruchsvoll geworden

und möchten im Vorfeld

genau prüfen, ob ein Unternehmen

und die angebotenen

Karrierewege zu ihnen passen.

Christina Kremer, Leiterin

Employer Branding/Personalmarketing

Peek & Cloppenburg

KG Düsseldorf

Wenn man im Handel was

werden will, muss man

Kompetenzen im Verkauf

mitbringen. Jürgen Müller,

Managing-Partner von

Hartmann Consultant

und die angebotenen Karrierewege

zu ihnen passen.“ Nach dem

Abschluss zum Handelsfachwirt

bietet das Unternehmen einigen

Kandidaten die Möglichkeit zum

Fern- oder Präsenzstudium an

der FH Riedlingen. Eine andere

Option ist ein Studium an der

AMD Akademie Mode & Design

Düsseldorf zum Mode- und

Designmanager. Vier Tage Studieren,

ein Tag Arbeit bei P&C

– ein straffes Programm mit

Fächern wie Betriebswirtschaft

oder Kollektionsentwicklung.

„Wichtig ist die Verbindung von

Theorie und Praxis“, so Studiendekan

Peter Schmies, der den

Studiengang in Düsseldorf leitet.

„Zudem organisieren wir Unternehmensprojekte.“

Studieren

und Arbeiten – auch mit dem

Modell des dualen Studiums

arbeitet Peek & Cloppenburg:

Abiturienten können neben ihrer

Arbeit an der FOM Hochschule

in Essen ihren Bachelor of Arts

abschließen. Traineeprogramme

richten sich an Hochschulabsolventen,

um Führungskräfte für

die Bereiche Geschäftsleitung,

Zentraleinkauf oder International

Brands zu gewinnen.

Der Mix macht es

Mit einem ganzen Bündel

von Maßnahmen arbeite auch

Marc O’Polo, so Stephanie

Bauch, die verantwortlich für

den Nachwuchs ist: „Es gibt

heute viel mehr Aktivitäten als

noch vor einigen Jahren“, sagt

sie. Das fange beim Recruiting

an und münde in vielfältige

Weiterbildungsangebote. Fünf

bis acht Karrieremessen bestrei-

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060 SO LÄUFT’S

Ordern wie im richtigen Leben: Studierende der LDT Nagold

simulieren bei Marc O’Polo im Showroom einen Ordertermin.

Recruiting professionell: Auf Bildungsmessen wie „Mönchengladbach

zieht an“ können Studierende potenzielle Arbeitgeber

kontaktieren.

te man pro Jahr; Workshops

bei Ausbildungsinstituten im

Headquarter in Stephanskirchen

und in den eigenen Shops dienten

zusätzlich dem Recruiting.

Direkte Kooperationen, zum

Beispiel über ein duales Studium

gibt es mit der LDT Nagold

oder der DHBW Villingen-

Schwenningen. Im Ergebnis

arbeiten für das Unternehmen

dann hochqualifizierte Spezialisten

mit unterschiedlichen

Qualifikationen wie z. B. als

Textilbetriebswirt, als Bachelor

of Arts, International Business

oder Finance. „Wir denken über

weitere Kooperationen nach“,

sagt Bauch, „die Kombination

von Theorie und Praxis ist uns

wichtig.“ Auch das Traineeprogramm

wurde gerade mit dem

Thema Einkauf ausgebaut: Acht

verschiedene Kategorien wie zum

Beispiel Vertrieb, Produktion, IT,

Public Relations oder Trademarketing

gehören zum internen

Programm. Praktika, interne

Qualifizierungen und Schulungen

sind weitere Maßnahmen für

Nachwuchskräfte. „Mitarbeitern,

die etwas bewegen möchten und

eine tolle Leistung einbringen,

stehen bei uns alle Türen offen.“

Traditionell arbeitet die LDT

mit sehr vielen Unternehmen

der Modebranche zusammen.

Manfred Mroz, Geschäftsführer

LDT Nagold

Gute Nachwuchskräfte sind

umkämpft. Stephanie Bauch,

Head of HR Retail Europe &

Sales International, Marc O’Polo

Betriebswirtschaft und

Modegespür

Die Qualifizierung in die eigene

Hand zu nehmen, ist als Idee

nicht neu: Die Hochschule

für angewandte Wissenschaften

(HAW) in Hamburg hat

zusammen mit der Otto Group

den Master-Studiengang Multichannel

Trade Management

entwickelt. „Man hatte damals

die Idee, den eigenen Nachwuchs

auszubilden, angesichts

der neuen Herausforderungen

im Markt“, so Professor Oliver

Klante von der HAW Hamburg.

„Es fehlte an Nachwuchskräften,

die sich sowohl im Einkauf als

auch im Vertrieb auskennen

und miteinander kommunizieren.“

Entsprechend hoch ist der

Praxisanteil: Pflichtpraktika,

Projekte, Werksstudenten und

Masterarbeiten, die in Kooperation

mit Handelsunternehmen

entwickelt werden, gehören zum

Programm der drei Semester.

Absolventen arbeiten später für

die Otto Group, darüber hinaus

für Unternehmensberatungen,

Zalando, Hugo Boss oder im

Handel. „So schaffen wir es, die

Sicht der Betriebswirtschaft und

die textile Perspektive zusammenzubringen“,

so Klante.

Eigentlich brauche man nicht

unbedingt einen Master, um

in der Branche erfolgreich zu

sein, so Klante, aber gerade die

zunehmenden Anforderungen

im E-Commerce erfordern gut

ausgebildete Spezialisten, die sich

mit Multichannel-Strukturen im

Handel auskennen.

„Nach wie vor ist die Mode- und

Textilbranche zuweilen etwas

Lernen für die Praxis: In Wettbewerben wie dem „Wool School

Projekt“ arbeiten Studierende der Hochschule Niederrhein mit

dem Designteam von Marc Cain eng zusammen. Designchefin

Karin Veit von Marc Cain mit den beteiligten Studentinnen.

hemdsärmelig“, so Oliver Klante.

„Allerdings akademisiert sich die

Branche zusehends. Ich würde

mich freuen, wenn manche

Unternehmen etwas aufgeschlossener

gegenüber dem Nachwuchs

wären. Man sollte den jungen

Leuten ruhig etwas mehr Verantwortung

geben.“

Nach wie vor ist die Modeund

Textilbranche zuweilen

etwas hemdsärmelig. Allerdings

akademisiert sich die

Branche zusehends. Professor

Oliver Klante HAW Hamburg

Viele Unternehmen

forcieren Aus- und

Weiterbildung, um

den Nachwuchs

an das Haus zu

binden. In-House-

Schulungen wie ein

Knigge-Seminar

an der Wöhrl-

Akademie gehören

beispielsweise

dazu.

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