Von Läufern und Hunden

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LAUFPRAXIS Läufer und Hunde

LAUFPRAXIS

Hunde und der Läufer passen

durchaus zusammen. Problematisch

wird es, wenn ängstliche Läufer

auf unsensible Hundehalter treffen

Beim Joggen ist man selten allein. Man

trifft nicht nur andere Sportler, sondern

auch Spaziergänger mit und ohne freilaufende

Hunde. Nicht immer spielen sich solche

Begegnungen konfliktfrei ab. Denn insbesondere

schlecht erzogene Vierbeiner und

besonders ängstliche Menschen können sich

nicht gut riechen. Dabei lässt sich der Umgang

miteinander durchaus harmonischer gestalten.

Voraussetzung: alle machen mit – Läufer, Herr

und Hund.

Wer kennt das nicht? Man hat Lust zu laufen,

aber nicht viel Zeit. Ein Tempolauf wäre

jetzt optimal – am besten auf der Hausstrecke,

die so praktisch vor der Haustüre liegt. Vielleicht

ist heute sogar ein persönlicher

Streckenrekord drin, denn man fühlt sich topfit

und pudelwohl. Mit solchen Gedanken

spurtet man los und wird vielleicht schon in

der ersten Viertelstunde ausgebremst: beim

Anblick eines Bullterriers – einer Art Rambo

auf vier Beinen. Dass er sein Herrchen an der

Leine mitführt, ist jetzt egal, der Weg ist zu

schmal für drei. Also was tun? Flucht nach

hinten antreten, in der Hoffnung, auf der Stelle

unsichtbar zu werden? Oder auf die Zähne

beißen, Augen zu und durch?

Der Ton macht die Musik

In Deutschland gibt es etwa 17 Millionen Läufer

und 5,3 Millionen Hunde. Das heißt, rein

theoretisch begegnet man beim Joggen dreimal

so oft einem Läufer wie einem Hund. In der Tat

stehen sich an manchen Sonn- und Feiertagen

Läufer und Hunde buchstäblich auf den

Füßen herum. Und auch morgens oder in den

Abendstunden kommt man sich in den begehrten

Parkanlagen, an Uferwegen und in

Naherholungsgebieten schon mal tierisch in

die Quere. Thomas Brunner, ein Läufer vom

LT-Nordkreuz, der seine Runden durch den

Nordosten Berlins dreht, berichtet: „Hunde

sind für uns ein Thema. Wir laufen überwiegend

über Felder beziehungsweise durch Naturschutzgebiete,

auch in beruhigten Wohngebieten.

In der Dämmerung, wenn man schon

schwerer sehen kann, ist es mit Hunden ohne

Leine problematisch: man sieht sie sehr spät

und erschreckt unter Umständen vor ihnen

und manchmal dadurch auch die Hunde.“

Von Läufern

Begegnungen zwischen

Hunden und Menschen

verlaufen in der Regel

entspannt. Die Ausnahmen

sorgen für schlechte Noten.

und Hunden

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LAUFPRAXIS Läufer und Hunde

LAUFPRAXIS

Besonders konfliktträchtig sind solche Begegnungen,

wenn Mensch und Tier davon

überzeugt sind, auf ihrer Privatstrecke zu laufen.

Bewegung an der frischen Luft soll ja das

Denkvermögen fördern, und bekanntlich gibt

der Klügere nach. Also empfiehlt es sich, als

joggender Zweibeiner moderat aufzutreten.

„Einem Hundehalter zuzubrüllen, ‚seinen

Köter’ an die Leine zu nehmen, ist keine gute

Idee“, sagt Clemens Saur, Hundetrainer von

Kyno-Logik in Freiburg und selbst Jogger.

„Die Stimmung des Hundebesitzers wird

durch das Temperament des Joggers beeinflusst

und er wird diese aggressive Stimmung

seinem Hund weiter vermitteln. Dieser reagiert

dann ebenfalls mit Aggressionen dem

Jogger gegenüber.“

Beim Anblick eines freilaufenden Hundes

auf der Stelle kehrt zu machen, kann andererseits

auch falsch sein: „Das Weglaufen kann

den Hund motivieren, den Läufer zu verfolgen“,

so Saur weiter. „Dies wird durch das

Beutefangverhalten ausgelöst, das in den meisten

Fällen in einem Nachlaufspiel endet. In

Einzelfällen kommt es zur Verfolgungsjagd

mit Bissverletzungen.“

„Der tut nichts“ provoziert nur

Ist es das, wovor Menschen, die Angst vor Hunden

haben, sich am meisten fürchten? Vor dem

Biss? Nicht ganz zu Unrecht, wie ein Blick auf

den Hundekiefer zeigt. Spitze Fangzähne,

scherenartig ineinander greifende Reißzähne

und eine kräftige Kaumuskulatur können bei

einem Biss allerhand anrichten – vom nur

leicht gespürten Zwicken bis hin zu tieferen

Wunden. „Typisch sind Bisse in Arm oder

Schulter beim Spielen mit Tieren und in die

Beine und das Gesäß bei Joggern“, erklärt Prof.

Dr. Norbert Südkamp, ärztlicher Leiter der Orthopädie

und Traumatologie an der Uniklinik

Freiburg. „Gefahren sind vor allem die Infektion

der Wunde sowie eine starke Blutung.“

„Man sollte sich mit einer Bissverletzung

immer in chirurgische Behandlung begeben,

damit die Wunde angesehen und gut ausgespült

werden kann.“ 30000 bis 50000 Bissverletzungen

werden in Deutschland jährlich

ärztlich behandelt (aus: „sicher zuhause & unterwegs“

1/05),dabei sind über die Hälfte der

Verletzten Kinder. Sie sind durch ihre Größe

und ihr Unwissen besonders gefährdet, oftmals

im Spiel mit dem Familienhund.

Vor diesem Hintergrund wirkt der so oft

geäußerte Satz „Der tut nichts, der will nur

spielen!“ auch für einen erwachsenen Läufer

8 GOLDENE REGELN FÜR LÄUFER

Tempo reduzieren

Sobald Sie einen freilaufenden Hund erblicken

oder bemerken, dass er Ihnen

folgt, reduzieren Sie das Tempo – je

nach Situation bis hin zum Gehen; auf

keinen Fall: plötzlich wenden und davonlaufen.

Signal: Der Hund wird nicht durch Ihr

plötzliches Auftauchen überrascht;

Weglaufen kann das Beutefangverhalten

des Hundes auslösen.

Hundehalter freundlich

ansprechen

Sobald Sie den Halter des freilaufenden

Hundes sehen, bitten Sie ihn freundlich

und mit ruhiger Stimme, seinen Hund

anzuleinen.

Signal: Da Hunde sehr auf die menschliche

Stimmungslage, insbesondere die

des Halters, reagieren, wirken Sie mit

Freundlichkeit einem Konflikt entgegen.

Blickkontakt zum Hund

vermeiden

Vermeiden Sie unbedingt, den Hund direkt

anzusehen. Hunde fassen Blickkontakt

als „Fixieren" und somit als Bedrohung

auf.

Signal: So zeigen Sie, dass Sie nicht an

einem Konflikt interessiert sind.

einfach provokativ. Die mögliche Gefahr und

die tatsächliche Angst werden damit verharmlost.

Als betroffener Mensch möchte man

dann am liebsten gleich kontern: „Aber ich

will nicht spielen, angebellt oder angesprungen

werden.“ Und schon nimmt eine unerfreuliche

Begegnung ihren Lauf.

Doch was tun, um ohne Stress oder sogar

Blessuren aneinander vorbei zu kommen?

Zum Beispiel die goldenen Verhaltens-Regeln

beachten, die Sabine Padberg*, Tierpsychologin

vom Hundeverhaltenszentrum Canisland

und Clemens Saur, Hundtrainer von Kyno-Logik,

der Schule für Hund und Mensch, gemeinsam

entwickelt haben. Erfreulich an diesen

Regeln ist, dass sie sich sowohl an Läufer als

Nicht abrupt stehen bleiben

Jede plötzliche Veränderung weckt das

Interesse des Hundes und verstärkt unerwartetes

oder aggressives Verhalten.

Signal: Wenn Sie sich gleichförmig bewegen,

werden Sie auch keine überraschenden

Reaktionen beim Hund auslösen.

Laute, schrille Geräusche

vermeiden

Lautes Schreien oder Kreischen kann

einen Hund erschrecken.

Signal: Wenn Sie sich ruhig verhalten,

wirken Sie Reaktionen wie Bellen oder

Hochspringen etc. entgegen.

Arme nach unten hängen

lassen

Lassen Sie die Arme nach unten hängen,

die Handflächen sind geöffnet; auf

keinen Fall: die Arme hektisch nach

oben reißen.

Signal: So animieren Sie den Hund

nicht zum Hochspringen oder spielen

und zeigen auch, dass Sie keine

Leckereien verstecken.

Beim Angriff wegdrehen

Springt der Hund Sie an, drehen Sie sich

weg und kehren ihm den Rücken zu.

Signal: Wenn Sie den Hund ins Leere

springen lassen, verliert er das Interesse

an Ihnen.

Stöcke und Pfeffersprays

vermeiden

Grundsätzlich weder mit Stöcken noch

anderen Gegenständen auf den Hund

losgehen; auch Pfeffersprays vermeiden.

Signal: Sie ermutigen den Hund nicht

zu Beiß- und Zerrspielen; beim Pfefferspray

besteht die Gefahr, durch eine

Windböe von dem Spray selbst etwas in

die Augen zu bekommen.

Miteinander statt

Konfrontation.

Viele Hunde lieben

es, beim Training

mitzulaufen.

auch an Hundehalter wenden. Indem sie die

jeweils spezifischen Voraussetzungen und Bedürfnisse

berücksichtigen, werben sie auch um

mehr Verständnis im Umgang miteinander.

Der Hundehalter als Problemfall

Einer der goldenen Ratschläge von Padberg

und Saur an Hundehalter lautet deshalb, niemals

„Der tut nichts …“ zu sagen, sondern ein-

*Clemens Saur (Hundetrainer, Kyno-Logik, der Schule für

Hund und Mensch, Freiburg, www.kyno-logik.de) hat gemeinsam

mit Sabine Padberg (Tierpsychologin, Hundeverhaltenszentrum

Canisland, Rheinmünster/ Schwarzach,

www.canisland.de) die „Goldenen Regeln“ für das

Verhalten von Läufern gegenüber Hunden entwickelt.

FOTO: CORBIS

fach entspannt zu reagieren. „Eine freundliche

und ruhige Begegnung mit dem Läufer signalisiert

dem Hund, dass es keinen Grund gibt, sich

über diesen entgegenkommenden Menschen

aufzuregen.“ Und wenn es wiederholt vorkommt,

dass der Hund nicht mehr abrufbar ist,

raten sie dazu, kompetente Hilfe in Anspruch

zu nehmen, um Halter und Hund das nötige

Know-how zu vermitteln. Eine Garantie gibt

das Regelwerk freilich nicht. Denn jeder

Mensch und jeder Hund reagiert unterschiedlich

auf Situationen.

Manchmal kann man sich als Läufer gar

nicht entscheiden, was einen mehr aufbringt,

das Verhalten von Frauchen oder Herrchen

oder der Hund selbst. Man muss sich einfach

7 GOLDENE REGELN FÜR HUNDEHALTER

Hund abrufen

Sobald Sie einen Läufer sehen, rufen Sie

Ihren Hund ab und leinen ihn an.

Signal: Dadurch zeigen Sie dem Läufer,

dass Sie Ihren Hund unter Kontrolle haben

und verantwortungsbewusst handeln.

Schnellstens entfernen

Wenn sich Ihr Hund nicht mehr abrufen

lässt und direkt auf den Läufer zurennt,

entfernen Sie sich in die entgegengesetzte

Richtung, so schnell Sie können. Auf

keinen Fall: dem Hund hinterherlaufen.

Signal: Damit machen Sie sich für den

Hund noch interessanter als der Läufer

es ist; der Hund wird Ihr Verschwinden

bemerken und Ihnen schnellstmöglich

folgen. Dem Hund hinterherlaufen, motiviert

ihn, den Läufer zu jagen.

Ruhig reagieren

Bei der Begegnung mit dem Läufer

freundlich und ruhig reagieren. Auf keinen

Fall: „Der tut nichts, der will nur spielen"

sagen.

Signal: So erfährt Ihr Hund, dass es keinen

Grund gibt, sich über diesen Menschen

aufzuregen; dem Läufer zeigen

Sie, dass Sie seine mögliche Angst vor

Hunden ernst nehmen.

Tempo beibehalten

Beim Passieren des Läufers weder

schneller noch langsamer werden; achten

Sie auch auf eine kurze aber entspannte

Leine.

Signal: Wenn Sie sich gleichmäßig bewegen

und die Leine entspannt halten,

motivieren Sie den Hund nicht, den Läufer

interessant zu finden; die kurze Leine

verhindert den direkten Kontakt.

In Gehrichtung schauen

Den Läufer nur kurz grüßen, den Blick

von ihm abwenden und am besten wieder

in Ihre Gehrichtung schauen.

Signal: So vermeiden Sie Missverständnisse

mit Ihrem Hund: Der Blick vom

Hund zum Läufer und wieder zum Hund,

könnte ungewollt bewirken, dass er zum

Läufer rennt.

Vorausschauend handeln

Ein Läufer, der beim Erblicken Ihres Hundes

schlagartig anhält und seinen Körper

versteift, hat sicher Angst. Handeln Sie

vorausschauend, leinen Sie Ihren Hund

rechtzeitig an.

Signal: So beugen Sie unangenehmen

Situationen vor. Ein Angst erfüllter

Mensch ist zu allen möglichen Reaktionen

fähig, die wiederum Ihren Hund beeinflussen.

Entschuldigen,

Reinigung anbieten

Ihr Hund rennt zum Läufer, verbellt ihn oder

springt ihn sogar an – bleiben Sie ruhig.

Entschuldigen Sie sich und bieten Sie an,

die Kosten für die Reinigung der Kleidung

zu übernehmen. Auf keinen Fall: eine lautstarke

Auseinandersetzung beginnen.

Signal: Durch Ihr Verhalten entspannt

sich die Situation und Sie beeinflussen

die Reaktionen Ihres Hundes für zukünftige

Begegnungen positiv.

auf die in polizeilichen Verordnungen oft beschriebene

„Einwirkungsmöglichkeit des Hundeführers“

verlassen und darauf hoffen, dass

der Hund gut erzogen ist. Prof. Dr. Hansjoachim

Hackbarth, Leiter des Tierschutzzentrums

in Hannover schreibt: „Als regelmäßiger

Läufer kann ich nur berichten, dass 99 Prozent

aller Hunde kein Problem darstellen, und dass

ein Prozent dadurch bedingt ist, dass diese

Hundehalter sich an keine Regeln halten. Helfen

würde ein Sachkundenachweis und eine

Begleithundeprüfung, aber diese Menschen

glauben, dass sie sowieso alles wissen, oder – als

Vertreter antiautoritärer Erziehung – dass man

einem Hund auch keine Erziehung beibringen

sollte.“ Diese Fälle sind zum Glück die Ausnahme.

„Respektvoll und oft harmonisch“, bezeichnen

die Läuferinnen und Läufer vom LT-

Nordkreuz ihre tierischen Begegnungen: „Die

Halter halten ihre Hunde kurzzeitig fest – ein

freundliches ‚Dankeschön’ ist dann selbstverständlich.

Andere Fälle sind schon vorgekommen,

aber selten.“

Zurück zum Engpass mit dem entgegenkommenden

Bullterrier. Wenn man noch

nicht bemerkt wurde, wird man automatisch

abdrehen und einen Umweg laufen. „Ansonsten“,

empfiehlt Dr. Dorit Feddersen-Petersen,

Fachtierärztin an der Universität Kiel,

„sollten Sie wie gewohnt weiterlaufen und so

tun, als ob der Hund nicht vorhanden wäre.“

Am besten sollte man demonstrativ mit

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sich selbst beschäftigt sein und dem Hund so

vermitteln, dass er uninteressant ist. Aufgrund

seines hoch entwickelten Geruchssinns kann

er feinste Duftreize wahrnehmen und zwischen

Schweiß und Angstschweiß unterscheiden.

Unabsichtliche Signale lassen sich unter

Umständen überspielen, zum Beispiel indem

man sich mit der Pulsuhr beschäftigt. „Da der

Hund ganzheitlich decodiert, also auch die

optischen Zeichen in die Kommunikation

einbezieht, würde ich das Überspielen immer

anbringen. So kann man dem Angstgeruch Sicherheit

entgegensetzen und das Gesamtbild

‚neutralisieren’.“

Dr. Feddersen-Petersen erklärt weiter:

„Wenn der Hund Sie anbellt oder anspringt,

rufen Sie ihm mit fester Stimme ein lautes,

scharfes ‚Sitz!’, ‚Platz!’ oder ‚Aus!’ zu und zeigen

dabei mit der Hand nach unten oder vom

Körper weg.“ Einen fremden Hund ansprechen,

sollte man aber möglichst nur, wenn der

Hundehalter anwesend ist, um die Situation

nicht eskalieren zu lassen. Und selbst dann

riecht es vielleicht nach Ärger.

Ob ein genereller Leinenzwang die Situation

entspannen würde? Fälschlicherweise

glauben viele Menschen, in der Stadt herrsche

grunsätzlich Leinenzwang. In der Tat regeln

die jeweiligen polizeilichen Verordnungen

die Tierhaltung genau – wie auch immer

dies dann in der Praxis aussehen mag. Thomas

Brunner vom LT-Nordkreuz berichtet: „Unsere

Erfahrung: Hunde ohne Leine sind kein

Problem. Die hören auf ‚Sitz!’ oder ignorieren

uns von allein. Angeleinte Tiere sind ‚giftig’

und man weiß: ein Bogen mit Abstand ist richtig

und wichtig.“

In der Stadt Freiburg zum Beispiel dürfen

Hunde in der Fußgängerzone der Innenstadt,

an den Uferwegen entlang der Dreisam und

in öffentlichen Anlagen nur an der Leine laufen.

Von den rund 3700 in Freiburg gemeldeten

Hunden werden laut Presse- und Öffentlichkeitsreferat

weniger als ein Prozent als

„gefährlicher Hund“ eingestuft. Diese Hunde

müssen ohnehin immer an der Leine gehen,

und sofern sie die Verhaltensprüfung nach der

Kampfhundeverordnung nicht erfolgreich ablegen,

einen Maulkorb tragen. „Hundeangriffe,

die dramatischer sind, bei denen sich also

angegriffene Person und Hundehalter nicht

sofort einigen, landen bei uns beim Amt für öffentliche

Ordnung. Das sind rund zwanzig

pro Jahr.“, so Edith Lamersdorf, Leiterin des

Presse- und Öffentlichkeitsreferats der Stadt

Freiburg. Tatsächlich gibt es bundesweit keine

gemeinsame Regelungen und auch keine Statistik

über Angriffe oder Bisse von Hunden.

Aber was helfen schon Statistiken oder Hochrechnungen

angesichts eines Bullterriers?

Nur Aufklärung hilft. „Um Sicherheit für

Jogger, Fahrradfahrer und Wanderer zu erlangen,

bedarf es an Wissen über den Hund

selbs.“, sagt die Tierpsychologin Sabine Padberg.

Im Hundeverhaltenszentrum Canisland

in Rheinmünster/Schwarzach werden daher

Seminare angeboten, die das gegenseitige Verständnis

fördern und Aufklärungsarbeit leisten

– auch dazu, wie sich Hundebesitzer richtig

verhalten müssen.

Dabei lässt sich manches Missverständnis

aufklären. „Wenn ein Läufer oder Radfahrer

nun weiß und selbst hat erfahren können, dass

ein Hund dann seinem Menschen hinterher

läuft, wenn dieser sich in die entgegengesetzte

Richtung entfernt, dann wird sich die Situation

nicht allzusehr zuspitzen.“, so Padberg.

Früher dachte man als Läufer nur:

„Mensch, dem ist ja alles egal. Der läuft einfach

weg!“ Das also war des Pudels Kern: Wissen

und Rücksichtnahme von beiden Seiten.

Weder das Gassi gehen noch der Trainingsplan

sollten zu verbissen verfolgt werden. Der

Hund muss ja nicht gleich des Läufers bester

Freund werden – oder umgekehrt. Aber vielleicht

ist es für Läufer auch nicht wirklich

schlimm, zwischendurch kürzer zu treten

oder die Trainings-Einheit gar zu unterbrechen,

wenn die Situation es erfordert. Und

wenn mal wieder ein Bullterrier auftaucht?

Einfach daran denken, dass man Wettkämpfe

besser mit Artgenossen bestreitet.

Ursula Thomas-Stein

Huskies

sind gute

Läufer.

8 TIPPS ZUM LAUFEN MIT HUNDEN

1

Nicht jeder Hund ist ein

Dauerläufer. Jagdhunde,

diverse Setterarten, Golden und

Labrador Retriever oder Jack Russel

eignen sich in der Regel sehr gut.

Auch die meisten Dienst- und Gebrauchshunderassen

sind gute Läufer

(z. B. Hovawart, Deutscher Schäferhund,

Riesenschnauzer und

Huskies), die können gar nicht genug

Auslauf bekommen. Mischlinge der

genannten Rassen eignen sich meist

ebenfalls hervorragend. Daneben

gibt es Rassen, die sich aufgrund ihres

schweren Gewichtes oder ihrer

gemütlichen Art weniger eignen

(Deutsche Dogge, Bernhardiner).

Fragen Sie Ihren Tierarzt, was Sie

Ihrem Hund zumuten können.

Um Ihnen und anderen

2

Menschen Ärger zu ersparen,

ist es sinnvoll, einen Hund als

Welpen zu erwerben. So können Sie

für eine gute Erziehung sorgen. Gehen

Sie mit ihm in eine Hundeschule.

Dort lernt er den Umgang mit Menschen

und anderen Hunden.

Wichtig für stressfreie

3

Laufrunden: Den Jagdinstinkt

Ihres Hundes sollten Sie unter

Kontrolle haben (auch bei Hasen,

Eichhörnchen, anderen Kleintieren).

Der Hund muss so erzogen

4

sein, dass er Radfahrern,

Fußgängern und anderen Passanten

sowie Fahrzeugen selbstständig

ausweicht.

Falls Sie Ihren Hund nicht

5

anleinen, muss er auf jeden

Fall den Umgang mit Kleinkindern

gewohnt sein.

Das größte Problem beim

6

Laufen mit Hunden sind

die anderen Hunde. Ein Vierbeiner

muss sich daher unbedingt „sozial

verhalten". Er darf nicht aggressiv

auf andere Hunde reagieren und

sollte sich unterwerfen, falls ein

fremder Hund aggressiv ist. Wenn

ein aggressiver Hund Ihren Hund unangeleint

angreift, lassen Sie unbedingt

Ihren Hund von der Leine, weil

Sie sich sonst in Gefahr bringen.

Das Laufen ohne Leine will

7

geübt sein: Üben Sie es in

der Hundeschule oder in Ihrem Garten

oder in einer menschen- und

hundeleeren Gegend.

Füttern Sie keine große

8

Mengen vor einem langen

Lauf, denn das vertragen Hunde genauso

wenig wie Menschen. Sorgen

Sie dafür, dass er unterwegs trinken

kann, wenn Sie im Sommer einen

längeren Lauf mit ihm machen.

ina

Infos zu Hunderassen: www.hunde.yellopet.de

FOTO: CORBIS

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