Berichte des Forschungszentrums Jülich

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90 KAPITEL 7. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK

C10-Photochemie, als vielmehr in einer mit Unsicherheiten behafteten Initialisierung

der Simulationen aufgrund fehlender Tracer-Messungen, zu suchen . Im Rahmen dieser

Arbeit konnte somit erstmals die stratosphärische C10-Photochemie in mittleren

Breiten an Hand von in-situ C10-Messungen auch für Höhen > 20 km durch Modellsimulationen

überprüft und bestätigt werden .

Ferner wurde für die Ballonflüge in hohen Breiten der Einfluß von durch Leewelleninduzierten

mesoskaligen PSCs innerhalb der letzten 24 Stunden auf die Chloraktivierung

untersucht . Eine zusätzliche Chloraktivierung aufgrund von mesoskaligen PSCs

ist für den 27 . Januar 2000 möglich, aber nicht notwendig zum Verständnis der gemessenen

C10-Mischungsverhältnisse .

Darüber hinaus wurden Langzeitstudien zur Untersuchung der zeitlichen Entwicklung

sowohl der Chlorpartitionierung als auch der Chloraktivierung und des Ozonverlusts

im Laufe des arktischen Winters 1999/2000 durchgeführt . Die Modellsimulationen erstreckten

sich über einen Zeitraum von Anfang Dezember 1999 bis zum Januar bzw .

März 2000 und wurden hauptsächlich mit Ballonmessungen des amerikanischen MkIV-

Instruments an Bord der OMS-Gondel initialisiert . An Hand von Sensitivitätstests

wurde der Einfluß der PSC-Mikrophysik und einer in diesem Winter beobachteten

Denitrifizierung auf die Chloraktivierung und den Ozonabbau untersucht . Der Einfluß

dieser Größen war im allgemeinen recht gering .

Die simulierte Chloraktivierung stimmt für den 1 . März 2000 sehr gut mit den

Beobachtungen überein . Die Ergebnisse der Modellsimulationen konnten zusätzlich

mit der Hilfe von Satellitenbeobachtungen validiert werden . Für den 27 . Januar 2000

überschätzen die simulierten C10-Mischungsverhältnisse das gemessene C10-Tageslichtprofil

im Mittel um ca . 30 %, was aber im Bereich des Meßfehlers der C10-

Mischungsverhältnisse liegt .

Hohe Mischungsverhältnisse an Stickoxiden (NO X ) konnten eindeutig als Ursache

für die gemessenen, niedrigen C10-Mischungsverhältnisse (G 100 pptv) in Höhen ab

22 km bzw . 24 km identifiziert werden . Als Quellen dieser hohen" NOXMischungs

verhältnisse wurde der Einfluß von kosmischer Strahlung und Transportprozessen aus

der unteren Mesosphäre in die Stratosphäre diskutiert . Ein wichtiges Ergebnis dieser

Arbeit ist, daß es für zukünftige Simulation stratosphärischer Ozonverlustprozesse

unerläßlich ist, den Einfluß solcher Prozesse zu berücksichtigen .

Am Beispiel des sehr kalten arktischen Winters 1999/2000, der sich durch PSC-

Vorkommen über weite Teile des Polarwirbels auszeichnete, wurde der akkumulierte

Ozonverlust untersucht . Im Laufe des Winters 1999/2000 konnte bis zum 27. Januar

2000 kein substantieller Ozonverlust nachgewiesen werden, aber bis zum 1 . März 2000

signifikante Ozonverluste in Übereinstimmung mit anderen Studien zu diesem Winter .

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