MUSEUM AKTUELL

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MUSEUM AKTUELL

1

Die aktuelle Fachzeitschrift für die deutschsprachige Museumswelt

B11684 ISSN 1433-3848 Nr. 223 2015

Indianischer

Ledermantel

europäischen

Zuschnitts.

In der neuen

Dauerausstellung

„Indianer & Inuit“

im Historischen

und Völkerkundemuseum

St. Gallen

MUSEUM AKTUELL Nr. 223 2015

Lebendige Museen − Lebendige Geschichte


3

Inhalt

4 Neuerwerbungen

5 Kurznachrichten

7 Namen

8 Literatur

39 Impressum

41 Autoren dieser Ausgabe

42 Wichtige Ausstellungen

Ausstellungen

10 Christian Müller-Straten

Der Bergbau und das „Weiße Gold“:

Bochum zu Gast im salzburgischen Leogang

und im sächsischen Freiberg

Neues Gesetzeslage

Insbesondere Mitteleuropa speist sich aus vielfältigen

kulturellen Quellen. So ein dynamisches Kultursystem ist

anpassungsfähig und gewinnt gerade dadurch neue Energien

und schöpferisches Potential; und gerade das macht

es doch wohl nicht nur für Intellektuelle, Kritische und

Kreative so attraktiv und spannend.

Der Indianermantel von der Titelseite aus dem Historischen

und Völkerkundemuseum in St. Gallen mit seinem

europäisch beeinflußten Schnitt und dem Besatz aus europäischen

Glasperlen führt eine an der Kleidung Indigener

des 18./19. Jh. häufiger zu beobachtende Adaptierung,

vielleicht auch aus praktischen Gründen, vor.

Umgekehrt haben die Künstler der Klassischen Moderne

außereuropäische Impulse intensiv aufgenommen, gesammelt

und in neuartige Werke umgesetzt. So inspirierte

Sophie Taeuber-Arps Katchina-Gewand (als Teil einer

Kostümierung in der Art einer Katchina-Puppe) in den

60er Jahren den Parisier Couturier Courrèges, wie Isabella

Studer-Geisser in ihrem Katalogbeitrag zur neuen

Dauerausstellung „Indianer und Inuit“ des St. Galler Museums

erwähnt (vgl. „Literatur“, S. 8).

In die dezent inszenierte Dauerausstellung der nordamerikanisch-grönländischen

Ethnien wurde auch eine ausgestopfte

Schneeeule und ein lebensgroßes Bison aus dem

nahen Naturmuseum eingebracht. Eine Fellstreichelecke

und mehrere Videos bieten zusätzliche Wahrnehmungsreize

auf die einzigartigen historischen Objekte. Reizvoll

ist auch die Idee der beiden Hochbeete vor dem Museum

mit indianischen Nutzpflanzen, die uns in Europa längst

so vertraut sind, daß ihre Herkunft verwundert.

Die drei Hauptbeiträge dieser Ausgabe von MUSEUM AK-

TUELL bringen wichtige verwaltungstechnische Ratschläge

und museologische Fragestellungen für den Museumsalltag

auf den Punkt.

Die nächste Ausgabe von MUSEUM AKTUELL beschäftigt

sich anläßlich der EXPONATEC Cologne mit Konservierung

und Museumsstechnik.

Adelheid Straten

13 Carl Christian Müller

Zur Novellierung des Informationsweiterverwendungsgesetzes:

„Alles muß raus?“

Museologie

21 Uwe Albrecht

Machen lebende Tiere erst Museen zu

„lebendigen Museen“?

Zur Grenzverwischung der Museumsgattungen

Museen, Botanische Gärten und Zoos

30 Utz Anhalt

Von der Wunschzeit der Wissenschaft

zum phantastischen Mittelalter

Zum Titelbild

Seit dem 29. August ist die völlig neu konzipierte

Dauerausstellung Indianer und Inuit im Historischen

und Völkerkundemuseum St. Gallen geöffnet.

Sie zeigt rund 100 Objekte, ist thematisch

gegliedert und öffnet verschiedene Fenster in

die Lebenswelten dieser Ethnien.

Zur Ausstellung erschien eine reich bebilderte

Begleitpublikation, verfaßt von einem internationalen

Autorenteam.

Historisches und Völkerkundemuseum St. Gallen

Museumstrasse 50

CH-9000 St.Gallen

Tel +41 (0)71 242 06 42

info@hvmsg.ch

http://www.hmsg.ch/ausstellungen_indianer.asp

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13

Carl Christian Müller

Zur Novellierung des Informationsweiterverwendungsgesetzes:

„Alles muß raus?“

Am 8. Juli 2015 ist die Novellierung des Informationsweiterverwendungsgesetzes

(IWG) in Kraft getreten.

Damit werden auch Museen, Bibliotheken und Archive

in den Anwendungsbereich des Gesetzes einbezogen

und Sonderbestimmungen für Digitalisierungsmaßnahmen

von Kulturbeständen in öffentlich-privaten

Partnerschaften geschaffen. Die Änderungen waren

erforderlich, um die sich aus der Richtlinie zur Weiterverwendung

von Informationen des öffentlichen Sektors

(PSI-Richtlinie) 1 ergebenden europarechtlichen

Vorgaben in deutsches Recht umzusetzen.

Im Gesetzgebungsverfahren war die geplante Novellierung

zum Teil heftig kritisiert worden. Man befürchtete,

daß die Ausweitung des Weiterverwendungsanspruches

auf die kulturellen Einrichtungen zu deren

„organisierte(r) Plünderung durch gewerbliche Verwerter“

führen würde. 2 Der Streit um die Frage, ob

kulturelle Institutionen in den Anwendungsbereich der

Richtlinie einbezogen werden sollen, war allerdings

nicht neu. Bereits im Jahr 2003 gab es Bestrebungen,

den Anwendungsbereich der PSI-Richtlinie entsprechend

zu erweitern. Letztlich verzichtete man zu diesem

Zeitpunkt noch darauf, weil man befürchtete, daß

viele der in den Gedächtnisinstitutionen vorhandenen

Informationen angesichts der Urheberrechte Dritter

vom Geltungsbereich der Richtlinie ausgeschlossen

seien. 3 Zehn Jahre später hielt der europäische Gesetzgeber

die urheberrechtlichen Beschränkungen jedoch

für geklärt. Er geht insofern davon aus, daß die

betroffenen Einrichtungen im Zuge ihrer Digitalisierungsprojekte

die urheberrechtlichen Nutzungsrechte

Das Informationsweiterverwendungsgesetz gilt nun auch für Museen, Bibliotheken und Archive.

© Kseniya Ragozina/Fotolia.com

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14

erworben haben, die für die Weiterverwendung ihrer

Bestände erforderlich sind und änderte die Richtlinie

entsprechend. 4 Mit der Novellierung des IWG wird die

geänderte Richtlinie nunmehr nahezu wortgetreu in

deutsches Recht umgesetzt.

Worum geht es?

Die PSI-Richtlinie zielt darauf, Informationen des öffentlichen

Sektors sowohl für Bürger als auch für kommerzielle

Anwendungen der Wirtschaft bereitzustellen,

insbesondere im digitalen Bereich. 5 Der europäische

Gesetzgeber hat vor allem das wirtschaftliche Potenzial

vor Augen, das in den öffentlichen Informationen

liegt. Insbesondere die digitale Branche soll hiervon

profitieren. 6 Dort sollen Informationen zur vornehmlich

digitalen Nutzung, insbesondere durch kleine aufstrebende

Unternehmen der privaten Wirtschaft, zur

Verfügung gestellt werden. 7 Praktische Anwendungsbeispiele,

welche die Kommission beim Erlaß der PSI-

Richtlinie vor Augen hatte, waren etwa die Nutzung aktueller

Wetterdaten für Dienste, die auf Mobiltelefone

ausgerichtet sind, die Nutzung digitaler Kartendaten

für Fracht-Management-Systeme oder die Nutzung von

Verkehrsdaten zum Aufbau intelligenter Navigationssysteme

zur Vermeidung von Staus. 8 Auch bei den

kulturellen Institutionen geht es dem Gesetzgeber

vornehmlich um die digitalisierten Bestände, die der

Weiterverwendung zugänglich gemacht werden sollen.

9

Welche kulturellen Einrichtungen sind

betroffen?

Das IWG gilt nicht für alle kulturellen Einrichtungen.

Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie kulturelle

Einrichtungen wie Theater oder Opernhäuser

bleiben auch nach der Novellierung außen vor. Bibliotheken,

einschließlich Hochschulbibliotheken, Museen

und Archive, werden einbezogen, sofern es sich bei

ihnen um öffentliche Stellen handelt. 10 Als öffentliche

Stellen nennt der Gesetzgeber Gebietskörperschaften,

einschließlich ihrer Sondervermögen. 11 Das sind Bund,

Länder und Kommunen sowie deren Eigenbetriebe. 12

Aber auch andere juristische Personen des öffentlichen

und des privaten Rechts, also beispielsweise als

Stiftung oder GmbH organisierte Einrichtungen, können

öffentliche Stellen sein. Voraussetzung ist zum

einen, daß sie zu dem besonderen Zweck gegründet

wurden, im Allgemeininteresse liegende Aufgaben

nicht gewerblicher Art zu erfüllen. Zum anderen muß

ein staatlicher Einfluß bestehen, sei es durch Finanzierung

bzw. Beteiligung oder Einwirkung auf die Leitung.

Die gesetzliche Definition 13 der öffentlichen Stelle entspricht

derjenigen des öffentlichen Auftraggebers im

Vergaberecht. 14 Die Frage, wer unter den Begriff des

öffentlichen Auftraggebers fällt, beantwortet der Anhang

III der Vergabe-Richtlinie 2004/18/EG. 15 Dort ist

ein Verzeichnis der öffentlichen Einrichtungen zu finden.

Museen, Bibliotheken, Archive sind hier als entsprechende

Einrichtungen benannt. Das Verzeichnis

stellt zwar keine rechtsverbindliche Aufzählung der

öffentlichen Auftraggeber dar. Soweit eine juristische

Person eine Tätigkeit ausübt, die dort genannt wird,

besteht jedoch eine Vermutung der öffentlichen Auftraggebereigenschaft.

16 In der Regel wird damit davon

auszugehen sein, daß Museen, Bibliotheken, Archive,

sofern hier ein entsprechender staatlicher Einfluß besteht,

als öffentliche Stelle im Sinne des IWG gelten.

Was ist unter Weiterverwendung zu

verstehen?

Als Weiterverwendung bezeichnet das Gesetz jede

Nutzung von Informationen für kommerzielle oder

nicht kommerzielle Zwecke, die über die Erfüllung einer

öffentlichen Aufgabe hinausgeht. 17 Typische Anwendungsbeispiele

für Informationen der Gedächtnisinstitutionen

sind die gewerbliche Weiterverwendung

von Objektfotografien durch eine Bildagentur oder die

Auswertung von digitalisierten Buchbeständen oder

Dokumenten durch Verlage.

Bislang stellte das Gesetz die Weiterverwendung unter

einen Genehmigungsvorbehalt der öffentlichen Stelle.

Diese konnte also selbst entscheiden, ob sie die Weiterverwendung

gestattet oder nicht. Dies ändert sich

nun. Mit der Novellierung unterliegen alle öffentlich zugänglichen

Informationen, die im Rahmen des öffentlichen

Auftrags der öffentlichen Stelle erstellt wurden,

dem Weiterverwendungsgrundsatz, sofern keiner der

im Gesetz normierten Ausschlußgründe vorliegt. 18 Eine

Entscheidung der öffentlichen Stelle bedarf es nicht

mehr. Das bedeutet, daß die öffentliche Stelle grundsätzlich

auch keinen Einfluß mehr auf die Frage hat, ob

und wie die Information weiterverwendet wird, sofern

diese öffentlich zugänglich ist. Anderes gilt nur, wenn

die öffentliche Stelle an den Informationen eigene Urheberrechte

hat. 19

Was fällt alles unter den Begriff der

Information?

Das Gesetz bezeichnet den Begriff der „Information“ 20

als eine Aufzeichnung, unabhängig von der Art ihrer

Speicherung. 21 Umfaßt ist jede Darstellung von Handlungen,

Tatsachen oder Informationen sowie jede Zusammenstellung

solcher Handlungen, die sich im Besitz

öffentlicher Stellen befindet und die sie im Rahmen

ihres öffentlichen Auftrags erhebt, erstellt, reproduziert

und verbreitet. Die Informationen können elektronisch

vorliegen, also beispielsweise auf CD-ROM

oder Festplatte, als Ton-, Bild- oder audiovisuelles

Material, aber auch auf Papier (Aufzeichnungen, Tabellen,

Diagramme, Pläne, Karten etc.). Das Merkmal der

„Aufzeichnung“ soll das Recht auf Weiterverwendung

auf die Verarbeitung fertiger und abgeschlossener Dokumente

beschränken. 22

In Betracht kommen hier Dokumente jeglicher Art, Fotografien

sowie Digitalisate von Objekten, die sich für

die Weiterverwendung durch Dritte als besonders interessant

darstellen dürften, aber auch wissenschaftliche

Arbeiten und dergleichen.

Muß doch nicht alles raus?

Der Anspruch auf Weiterverwendung besteht jedoch

nur für Informationen, die bereits zugänglich sind. Das

IWG schafft keine grundsätzliche Verpflichtung der öf-

MUSEUM AKTUELL Nr. 223 2015


15

fentlichen Stelle, Informationen zur Weiterverwendung

zur Verfügung zu stellen. Ein Zugangsrecht zu den Informationen

wird durch das Gesetz nicht eröffnet. 23 Mit

den Regelungen des IWG ist zudem nicht bezweckt,

der anfragenden Person Kenntnis von einer Information

zu verschaffen.

Allerdings sollen Informationen öffentlicher Stellen,

zu denen nach gesetzlichen Regelungen ein Anspruch

auf Zugang besteht, ohne Weiteres weiterverwendet

werden können. 24 Für Archive finden sich in den Archivgesetzen

des Bundes und der Länder entsprechende

Zugangsregelungen. 25 Für Museen und Bibliotheken

dagegen fehlen solche spezialgesetzliche Bestimmungen.

Allerdings steht nach den Informationsfreiheitsgesetzen

des Bundes und der Länder jedermann gegenüber

Behörden sowie juristischen Personen, derer

sich die Behörde zur Aufgabenerfüllung bedient, ein

voraussetzungsloser Anspruch auf Zugang zu amtlichen

Informationen zu. Hierunter können demnach

auch Museen und Bibliotheken fallen.

Welche Einrichtungen sind vom

Zugangsanspruch betroffen?

Der Zugangsanspruch gilt jedoch nicht flächendeckend,

da das Informationsfreiheitsgesetz des Bundes

lediglich für Einrichtungen des Bundes gilt und bisher

nicht alle Länder Informationsfreiheitsgesetze erlassen

haben. In Bayern, Baden-Württemberg, Hessen,

Niedersachen und Sachsen fehlen bisher entsprechende

Regelungen. Gegenüber Museen und Bibliotheken

dieser Länder oder der dortigen Kommunen bestehen

damit per se keine Zugangsansprüche. Für die Museen

und Bibliotheken, die sich im Anwendungsbereich

eines Informationsfreiheitsgesetzes befinden und die

unter den Begriff der öffentlichen Stelle des IWG fallen,

stellt sich die Frage, ob diese durch die Informationsfreiheitsgesetze

verpflichtet werden können. Anders

als im IWG ist nach diesen Gesetzen nämlich nicht

die öffentliche Stelle anspruchsverpflichtet. Hier ist der

Zugangsanspruch auf Behörden sowie natürliche oder

juristische Personen des Privatrechts, soweit sich die

Behörde dieser Personen zur Erfüllung ihrer öffentlichrechtlichen

Aufgaben bedient, beschränkt. 26 In diesem

Zusammenhang ist insbesondere unklar, ob die Informationsfreiheitsgesetze

auch dann anzuwenden sind,

wenn eine Institution in privatrechtlicher Form organisiert

ist, beispielsweise als Stiftung oder GmbH, und

der Staat durch Finanzierung, Beteiligung oder Besetzung

von Aufsichts- und Leitungsorganen Einfluß auf

ihre Geschicke nimmt. Die bisher hierzu ergangene

Rechtsprechung, die sich tiefergehend mit dieser Frage

auseinandergesetzt hat, will den Zugangsanspruch

davon abhängig machen, daß die von der Behörde an

die juristische Person des Privatrechts delegierte Aufgabe

dem Aufgabenträger durch eine öffentlich-rechtliche

Bestimmung zugewiesen worden ist. 27 An einer

entsprechenden Zuweisungsnorm, welche der öffentlichen

Hand die von den Archiven, Bibliotheken und

Museen wahrgenommenen Aufgaben überträgt, fehlt

es jedoch. An dieser Stelle bestehen also nicht unerhebliche

Wertungswidersprüche zwischen dem IWG

und den Informationsfreiheitsgesetzen. Den Einrichtungen,

die keinem Informationszugangsanspruch unterliegen,

verbleibt mit der Entscheidung, ob sie die bei

ihnen vorhandenen Informationen zugänglich machen

wollen oder nicht, zumindest theoretisch ein erheblicher

Ermessensspielraum in Bezug auf die Frage, ob

die Informationen durch Dritte weiterverwendet werden

können. Es darf aber mit Fug und Recht bezweifelt

werden, ob ein der Befürchtung eines „gewerblichen

Mißbrauchs“ zugrunde liegender Verzicht des (auch digitalen)

Zugänglichmachens der Bestände mit dem den

Gedächtnisinstitutionen obliegenden Auftrag, nämlich

Wissen und Kulturbestände nicht nur zu verwahren,

sondern diese Schätze auch einer breiten Öffentlichkeit

zu vermitteln, unter einen Hut zu bringen ist.

Wie weit reicht der Zugangsanspruch

nach dem IFG?

Für die Institutionen, die dem Zugangsanspruch unterliegen,

stellt sich die Frage, welche Informationen

hiervon betroffen sind. Nach der Gesetzesbegründung

zum IWG hat der deutsche Gesetzgeber abweichend

von dem in der Richtlinie verwendeten Begriff „Dokument“

den Begriff der „Information“ in Anlehnung

an den Wortlaut der Informationsfreiheitsgesetze gewählt.28

Deshalb und weil die gesetzlichen Definitionen

29 des Begriffes im IWG und in den Informationsfreiheitsgesetzen

nahezu wortgleich ausfallen, kann

davon ausgegangen werden, daß der Informationsbegriff

deckungsgleich auszulegen ist und insofern die

oben genannten Anwendungsbeispiele (Dokumente

jeglicher Art, Fotografien sowie Digitalisate von Objekten),

auch dem Zugangsanspruch unterliegen. Vom

Zugangsanspruch nicht umfaßt dürften allerdings die

Original-Exponate bzw. Objekte selbst sein. Zu Kunstwerken

eines Museums hat das Verwaltungsgericht

Hamburg entschieden, daß diese keine Informationen

im Sinne des Hamburgischen IFG darstellen, da bei

Gemälden eine Trennbarkeit der Information vom Informationsträger

nicht möglich sei. Der Informationsbegriff

setze aber voraus, daß die Information nicht

nur zugänglich, sondern darüber hinaus auch zur Verbreitung,

Übermittlung und Veröffentlichung geeignet

sein müsse. Zudem setzte man die mit hohem konservatorischem

Aufwand bewahrten Kunstwerke bei

einem unbeschränkten Zugang durch Dritte nicht hinnehmbaren

Gefährdungen und Beeinträchtigungen der

Substanz aus. 30

Urheberrechte sichern

Mitbestimmungsrechte

Ohnehin steht den Gedächtnisinstitutionen in Bezug

auf viele der für die wirtschaftliche Weiterverwendung

interessanten Informationen ein Mitbestimmungsrecht

zu. Sofern zugunsten der Institutionen an den

betreffenden Informationen Urheber- oder verwandte

Schutzrechte 31 oder gewerbliche Schutzrechte 32 bestehen,

gilt der Grundsatz der Weiterverwendung nur, soweit

die Nutzung der Informationen nach den für diese

Schutzrechte geltenden Vorschriften zulässig ist oder

die Institution die Nutzung zugelassen hat. 33 Dies ist

insbesondere für die großen Digitalisierungsprojekte

von nicht unerheblicher Bedeutung: Sofern es sich bei

den Digitalisaten um Objektfotografien handelt, bestehen

nach §§ 2 Abs. 1 Nr. 4, 72 UrhG Urheber- bzw.

Leistungsschutzrechte. Dies gilt auch für Fotografien,

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16

die zweidimensionale Gegenstände, wie beispielsweise

Gemälde, abbilden .34 Häufig erstellen die Institutionen

die Fotografien im Rahmen ihrer Digitalisierungsprojekte

selbst oder verfügen bereits über eine entsprechende

Bilddatenbank, die nachträglich digitalisiert

wird. Jedenfalls dürften die für die Digitalisierung erforderlichen

Nutzungsrechte an den Fotografien bei

den Einrichtungen liegen. Wenn sie die Rechte nicht

von vornherein innehatten, haben sie diese in aller Regel

im Rahmen des jeweiligen Digitalisierungsprojektes

erworben.

Das Museum hat bei diesen Informationen eine Entscheidungsbefugnis

über die Weiterverwendung. Mit

dieser Privilegierung wollte der Unionsgesetzgeber den

mit der Digitalisierung einhergehenden Kosten Rechnung

tragen. 35 Die Privilegierung umfaßt aber nicht

nur die Objekt-Fotografien, sondern den gesamten

Bestand. Hat das Museum beispielsweise umfassende

Nutzungsrechte an einem Kunstwerk oder einer Fotografie

erworben, unterfallen diese Informationen zwar

dem Weiterverwendungsanspruch; dem Museum verbleibt

aber in den Fällen, in denen seine „eigenen“ Urheberrechte

betroffen sind, das Recht, über eine Weiterverwendung

zu bestimmen. 36

Gestattet die Einrichtung eine Weiterverwendung, ist

darauf zu achten, daß sie selbst Inhaberin des Nutzungsrechts

ist, das für die beabsichtigte Weiterverwendung

erforderlich ist. Zudem muß sie über die

Berechtigung verfügen, die entsprechenden Nutzungsrechte

an Dritte zu übertragen. 37 Hat das Museum beispielsweise

nur die Nutzungsrechte zur Digitalisierung

und anschließenden öffentlichen Zugänglichmachung

erworben, verfügt aber nicht über die Rechte, das Digitalisat

in Form von Katalogen oder in Kalenderformaten

wirtschaftlich auszuwerten, ist es ihm auch nicht möglich,

Dritten hieran entsprechende Nutzungsrechte einzuräumen.

Ferner ist zu beachten, daß die abgebildeten

Gegenstände selbst urheberrechtlich geschützt sein

können. Auch für diese müssen die entsprechenden

Nutzungsrechte bei der Institution liegen, um eine Weiterverwendung

zu ermöglichen. Sofern die Institution

nicht Inhaberin der für die beabsichtige Weiterverwendung

erforderlichen Nutzungsrechte ist, greift die allgemeine

Ausschlußregelung, nach der Informationen, die

von Urheberrechten, verwandten Schutzrechten oder

gewerblichen Schutzrechten Dritter erfaßt werden,

nicht dem Weiterverwendungsanspruch unterliegen. 38

Anders als die übrigen öffentlichen Stellen trifft Bibliotheken,

einschließlich Hochschulbibliotheken, Museen

und Archive in diesen Fällen keine Verpflichtung, dem

Weiterverwender mitzuteilen, wer Inhaber der Rechte

ist. 39 Auch dies stellt eine Privilegierung dar, die eine

Ersparnis an nicht unerheblichen Verwaltungsaufwand

bedeutet. Anderenfalls hätte man darüber nachdenken

müssen, ob es Aufgabe der Institutionen gewesen wäre,

bei verwaisten Werken die Rechteklärung für Dritte zu

übernehmen, was zuweilen mit einem sehr hohen Aufwand

verbunden sein kann. 40

Fotografien von Gemälden unterliegen dem Urheberschutz. © andreas130/Fotolia.com

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17

Und was ist mit den

Arbeitnehmer-Urheberrechten?

In Arbeits- bzw. Dienstverhältnissen werden die Nutzungsrechte

an Pflichtwerken gemäß den urheberrechtlichen

Bestimmungen 41 jedenfalls soweit übertragen,

wie dies für betriebliche oder dienstliche Zwecke

erforderlich ist. Die öffentliche Stelle muß mit ihren Beschäftigten

diesbezüglich keine Vereinbarung treffen. 42

Fertigt der angestellte Hausfotograf des Museums

Objektfotografien an und ist zwischen den Parteien

nichts weiter vereinbart, dann überträgt der Hausfotograf

in der Regel im Rahmen des ihm obliegenden

Aufgabenbereiches sämtliche urheberrechtlichen Nutzungsbefugnisse

stillschweigend zur umfassenden musealen

Auswertung an das Museum. Hierzu gehören

auch die für die Digitalisierung und die nachfolgende

wirtschaftliche Auswertung der Digitalisate erforderlichen

Nutzungsrechte. Lediglich die Nutzungsrechte

an Arbeitsergebnissen, die außerhalb des dienstlichen

Aufgabenbereiches erstellt wurden, verbleiben beim

Dienst- bzw. Arbeitnehmer. 43 Es handelt sich mithin um

Urheberrechte Dritte, die nicht in den Anwendungsbereich

des IWG fallen und damit dem Weiterverwendungsanspruch

nicht unterliegen. 44

Informationen müssen im Rahmen des

öffentlichen Auftrags der Institution

erstellt worden sein

Der Weiterverwendungsanspruch bezieht sich zudem

nur auf solche Informationen, welche die Einrichtungen

im Rahmen ihrer öffentlichen Aufgabenerfüllung

erstellt haben. 45 Eine öffentliche Aufgabe liegt einerseits

in den Fällen vor, in denen der öffentlichen Stelle

die Aufgabe durch gesetzliche Bestimmungen zugewiesen

worden sind. Darüber hinaus sind aber auch die

gemeinwohlerheblichen Aufgaben umfaßt, derer sich

der Staat selbstständig annimmt und insoweit durch

Eigeninitiative zur öffentlichen Aufgabe gemacht hat. 46

In der Regel wird daher davon auszugehen sein, daß

die Gedächtnisinstitutionen in Wahrnehmung eines öffentlichen

Auftrags handeln.

Damit ist jedoch noch nicht gesagt, in welchem Umfang

sich die öffentliche Aufgabe der Museen definiert.

An entsprechenden Zuweisungsvorschriften fehlt es.

Für Museen bietet die ICOM-Definition eine Orientierungshilfe.

Danach ist ein Museum eine Institution,

die „materielle Zeugnisse des Menschen und seiner

Umwelt für Studien-, Bildungs- und Unterhaltungszwecke

sammelt, bewahrt, erforscht, vermittelt und

ausstellt.“ 47 Vorrangig wird jedoch bei der Ermittlung

des öffentlichen Auftrags auf den Zweck der jeweiligen

Institution abzustellen sein, der in der Satzung oder

dem Gesellschaftsvertrag festgeschrieben ist. Sofern

also die Information im Rahmen der im Satzungszweck

festgeschriebenen Aufgabe bei der Institution vorhanden

ist, unterliegt sie dem Weiterverwendungsanspruch.

Keinen öffentlichen Auftrag soll die Bereitstellung von

Informationen darstellen, die von den öffentlichen

Stellen ausschließlich zu kommerziellen Zwecken und

im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern gegen

Entgelt erstellt werden. 48 Insofern wird bezweifelt, ob

der Betrieb eines hausinternen Cafés, Restaurants

oder der Vertrieb von Merchandising-Artikeln noch öffentlicher

Auftrag im Sinne der Richtlinienbestimmungen

sein kann. 49 Ob eine solche Trennung zwischen

dem öffentlichen Auftrag einer Kultureinrichtung und

ihrer kommerziellen Tätigkeit aus staatsorganisationsrechtlicher

Sicht möglich ist, erscheint jedoch mehr als

fraglich. Öffentliche Stellen sind ausschließlich befugt,

im Rahmen ihrer öffentlichen Aufgaben zu handeln. Sie

können privatwirtschaftliche oder gewerbliche Tätigkeiten

nicht einfach „eben mal so“ wie ein Privater zusätzlich

wahrnehmen. Vielmehr muß derartiges Tun im

Rahmen ihrer Aufgabenzuständigkeit liegen. 50 So wird

an der Objektdatenbank des Deutschen Historischen

Museums, das sowohl als kultur- und zeitgeschichtliches

Archiv als auch als kommerzielle Bildagentur genutzt

wird, deutlich, daß eine Trennung hinsichtlich der

Informationen, die noch im Auftrag der Vermittlung

und Darstellung des Museums gesammelt und generiert

wurden, und solchen, die allein aufgrund der kommerziellen

Interessen des Museums entstanden sind,

kaum möglich ist. 51

Weiterverwendung als zusätzliche

Einnahmequelle

Das Gesetz beschränkt die öffentliche Stelle bei der

Berechnung der Entgelte für die Bereitstellung von

Informationen zur Weiterverwendung auf die Kosten,

die durch die Reproduktion, Bereitstellung und Weiterverbreitung

verursacht werden (Grundsatz der Grenzkostenerhebung).

52 Von dieser Beschränkung sind die

Bibliotheken, Museen und Archive jedoch ausdrücklich

ausgenommen. 53 Sie dürfen also bei der Berechnung

der Gebühren neben den Kosten, die ihnen für die Erfassung,

Digitalisierung und Rechteklärung entstanden

sind, eine angemessene Gewinnspanne einkalkulieren.

54 Wie hoch eine angemessene Gewinnspanne

liegen darf, definiert das Gesetz nicht. Es kann jedoch

davon ausgegangen werden, daß angemessen das ist,

was marktüblich ist. Für Bilddatenbanken der Museen

ist damit eine Orientierung an Tarifwerken wie der VG

Bild Kunst oder der Mittelstandsgemeinschaft Foto-

Marketing möglich.

Privilegien bei

Ausschließlichkeitsvereinbarungen

Verträge oder sonstige Vereinbarungen zwischen öffentlichen

Stellen und Dritten dürfen nach den Bestimmungen

des IWG grundsätzlich keine ausschließlichen

Rechte hinsichtlich der Informationen gewähren, die

zur Weiterverwendung zur Verfügung gestellt werden.

55 Informationen öffentlicher Stellen sollen vielmehr

allen potenziellen Marktteilnehmern zu diskriminierungsfreien

Bedingungen zur Verfügung stehen. 56

Auch in dieser Beziehung sieht das Gesetz für Bibliotheken,

einschließlich Hochschulbibliotheken, Museen

und Archive, Privilegien mit Blick auf das Interesse an

der Digitalisierung von Kulturbeständen vor. 57 Der Unionsgesetzgeber

verweist insofern auf zahlreiche bereits

bestehende Kooperationsvereinbarungen 58 zwischen

Museen, Archiven und Bibliotheken mit privaten

Partnern zur Digitalisierung von Kulturbeständen, die

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18

den privaten Partnern ausschließliche Rechte gewähren.

Die Praxis habe gezeigt, daß mit diesen öffentlichprivaten

Partnerschaften eine sinnvolle Nutzung von

Kulturbeständen erleichtert und gleichzeitig die Erschließung

des kulturellen Erbes für die Öffentlichkeit

beschleunigt werden könne. 59

Werden im Rahmen der Digitalisierung von Kulturbeständen

Ausschließlichkeitsvereinbarungen eingegangen,

so sollen diese allerdings eine Laufzeit von zehn

Jahren nicht überschreiten. 60 Da es sich lediglich um

eine Soll-Vorschrift handelt, sind aber auch längere

Laufzeiten möglich. In diesem Fall soll die vereinbarte

Gewährungsdauer im elften Jahr und danach alle

sieben Jahre überprüft werden. 61 Da das Gesetz keine

weiteren Angaben macht, wer die Prüfung vorzunehmen

hat, ist anzunehmen, daß dies der jeweiligen

Institution selbst obliegt. Zum Prüfungsmaßstab findet

man in der Gesetzesbegründung den Hinweis, die

Überprüfung solle „dem technologischen, finanziellen

und verwaltungstechnischen Änderungen des Umfelds

seit Vertragsbeginn Rechnung tragen.“ 62 Die Ausschließlichkeitsvereinbarungen

müssen transparent

sein und öffentlich bekannt gemacht werden. Darüber

hinaus ist der Kulturinstitution, die eine Ausschließlichkeitsvereinbarung

zur Digitalisierung ihrer Bestände

eingegangen ist, eine Kopie der digitalisierten Kulturbestände

gebührenfrei zur Verfügung zu stellen, die

am Ende des Ausschließlichkeitszeitraumes zur Weiterverwendung

freigegeben werden muß. 63 Schließlich

sollen im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften

für die Digitalisierung von Kulturbeständen der kulturellen

Partnereinrichtung alle Rechte in Bezug auf die

Nutzung der digitalisierten Kulturbestände nach Vertragsende

gewährt werden. 64 Dies alles sind Soll-Vorschriften,

von denen die betroffenen Institutionen im

Rahmen ihres pflichtgemäßen Ermessens auch abweichende

Vereinbarungen mit dem jeweiligen privaten

Partner treffen können. Inwiefern dies durch Dritte angreifbar

sein wird, die hierdurch benachteiligt werden,

wird sich in der Zukunft zeigen.

Deutsche Digitale Bibliothek ist kein

Metadatenportal

Die öffentlichen Stellen sollen mit Metadaten versehene

Daten, die über öffentlich zugängliche Netze in

maschinenlesbaren Formaten bereitgestellt wurden,

auf einem nationalen Datenportal zur Verfügung stellen.

Der Bundesrat hatte im Gesetzgebungsverfahren

die Klarstellung angeregt, daß auch die Deutsche Digitale

Bibliothek als eine solche nationale Datenbank

in Betracht käme. 65 Dem ist die Bundesregierung jedoch

nicht gefolgt und hat insofern darauf hingewiesen,

daß als zentrales Metadatenportal vor allem das

übergreifende Portal GovData fungiere. Zudem sei die

Deutsche Digitale Bibliothek kein Metadatenportal.66

Ohnehin handelt es sich bei der Vorschrift um eine

sanktionslose Soll-Vorschrift, was auch erklärt, warum

der Bestand an Datensätzen auf http://www.govdata.

de immer noch relativ gering ausfällt.

Fazit

Die größte Sorge der Gedächtnisinstitutionen im Vorfeld

des Gesetzgebungsverfahrens war, daß es privaten

Mitbewerbern in Zukunft kostenfrei möglich sein

könnte, auf ihre Daten und Arbeitsergebnisse zuzugreifen

mit der Folge massiver Einnahmeverluste. 67

Diese Sorge hat sich als unbegründet erwiesen. Im

Gegenteil sind die kulturellen Institutionen berechtigt,

Gebühren zu erheben, die nicht nur die Kosten für die

Erfassung, Erstellung, Reproduktion und Verbreitung

der Informationen berücksichtigen, sondern auch eine

angemessene Gewinnspanne enthalten dürfen. Hier

liegt insbesondere für Museen, die ihre Bestände bereits

digitalisiert und eine nutzerfreundliche Bilddatenbank

aufgebaut haben, eine Chance, Zusatzeinnahmen

zu generieren und wenigstens einen Teil der Kosten

der Digitalisierung wieder einzuspielen.

Das IWG selbst vermittelt Dritten keinen Zugangsanspruch

zu Informationen. Dem Weiterverwendungsanspruch

unterliegen ausschließlich bereits zugängliche

Informationen. Damit hat sich die Befürchtungen als

unbegründet erwiesen, nach der mit der Novellierung

und Umsetzung der PSI-Richtlinie in das nationale

Recht, den Museen künftig die Entscheidungsbefugnis

darüber genommen werde, welche Text- und Bildinformationen

sie zum Zwecke der Nutzung für Wissenschaft

und Bildung zugänglich machen. 68 Ob und inwieweit

die Zugangsansprüche der Informationsfreiheitsgesetze

für die jeweiligen Institutionen gelten, ist in weiten

Teilen noch nicht geklärt. Das ist wenig erfreulich,

weil dies für diejenigen Museen und Bibliotheken, die

sich im Anwendungsbereich eines Informationsfreiheitsgesetzes

befinden, Rechtsunsicherheit bedeutet.

Hinsichtlich der bereits zugänglichen Informationen

hat die jeweilige Institution bei der Weiterverwendung

ein Mitspracherecht, sofern hieran Urheber- oder verwandte

Schutzrechte oder gewerbliche Schutzrechte

bestehen, was bei Objektfotografien regelmäßig der

Fall sein wird.

Die Europäische Kommission plant, die PSI-Richtlinie

bis zum 18.7.2018 zu überprüfen. 69 Im Rahmen dieser

Überprüfung soll unter anderem untersucht werden,

wie sich die angewandten Grundsätze auf die Gebührenbemessung

auswirken. 70 Hier gilt es, dafür zu

streiten, daß den Gedächtnisinstitutionen das Recht

belassen wird, angemessene Gebühren dafür zu erheben,

daß sie die Weiterverbreitung der Informationen

gestatten. Die Informationsfreiheit ist ein hohes Gut.

Sie finanziert sich jedoch nicht von selbst. Dies gilt

insbesondere dann, wenn ein erheblicher finanzieller

und organisatorischer Aufwand erforderlich ist, um die

Informationen aufzubereiten, wie dies bei den Digitalisierungsprojekten

der Fall ist.

Anmerkungen

1 PSI-Richtlinie − Änderungsrichtlinie 2013/37/EU v.

26.6.2013

2 Position von ICOM-Deutschland zur geplanten EU-

Novelle zur Weiterverwendung von Informationen

des öffentlichen Sektors v. 17.1.2012, S. 5

3 Siehe den „Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen

Parlaments und des Rates über die

Weiterverwendung und kommerzielle Verwertung

von Dokumenten des öffentlichen Sektors“, KOM

(2002)207 endg. v. 24.9.2002, S. 9

4 Beyer-Katzenberger: Rechtsfragen des „Open Go-

MUSEUM AKTUELL Nr. 223 2015


19

vernment Data“, DÖV 2014, S. 144, 151

5 BT-Drs. 18/4614, S. 12

6 „Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen

Parlaments und des Rates über die Weiterverwendung

und kommerzielle Verwertung von Dokumenten

des öffentlichen Sektors“, KOM (2002)207

endg. v. 24.9.2002, S. 2

7 BT-Drs. 18/4614, S. 9

8 Vgl. hierzu BR-Drs. 358/06, S. 28

9 BT-Drs. 18/4614, S. 12

10 § 1 Abs. 1 IWG (Sofern in diesem Beitrag Vorschriften

des IWG zitiert werden, betreffen diese

die Gesetzesfassung, die am 7.5.2015 vom Bundestag

beschlossen wurde und die bei Fertigstellung

dieses Beitrages am 15.6.2015 noch nicht in

Kraft getreten war.).

11 § 2 Nr. 1 a) IWG

12 Oftmals werden Eigenbetriebe des Bundes auch

als „Betriebe nach § 26 BHO/LHO“ bezeichnet, da

sich in dieser Vorschrift die Rechtsgrundlage für

ihre Einrichtung findet. Für kommunale Eigenbetriebe

ist die Rechtsform in den Eigenbetriebsverordnungen

der Länder geregelt.

13 § 2 Nr. 1 a) – c) IWG

14 § 98 Nrn. 1 bis 3 GWB

15 Richtlinie 2004/18/EG v. 31.3.2004 über die Koordinierung

der Verfahren zur Vergabe öffentlicher

Bauaufträge, Lieferaufträge und Dienstleistungsaufträge

16 jurisPK-Vergaberecht, 4. Aufl. / Zeiss, § 98, Rn.

117

17 § 2 Nr. 3 IWG

18 Die Ausschlußgründe sind in § 1 Abs. 2 Nrn. 1 bis

8 IWG aufgezählt.

19 Zur Ausnahme für die Gedächtnisinstitutionen im

Fall bestehender Urheberrechte siehe weiter unten.

20 Die Definition setzt Art. 2 Nr. 3 der Richtlinie

2003/98/EG um, wobei in Anlehnung an den Wortlaut

der Informationsfreiheitsgesetze des Bundes

und der Länder der Begriff „Information“ statt

„Dokument“ verwendet wird. Ein inhaltlicher Unterschied

zwischen den Begriffen besteht nicht,

BT-Drs. 16/2453, S. 14

21 § 2 Nr. 2 IWG

22 BT-Drs. 16/2453, S. 14

23 § 1 Abs. 2 Nr. 1 IWG

24 BT-Drs. 18/4614, S. 10

25 Beispiele: § 5 Abs. 1 BArchG; § 8 Abs. 1 ArchGB;

§ 3 Abs. 1 LArchG RLP; § 12 HArchivG; § 10 Abs.

1 ArchG-LSA; § 9 Abs. 1 BbgArchivG; § 6 Abs. 1

ArchivG-NRW

26 § 1 Abs. 1 Sätze 1 und 3 IFG. Sofern die Länder

Informationsfreiheitsgesetze erlassen haben, finden

sich hier entsprechende Regelungen.

27 OVG Schleswig, Urt. v. 22.2.2007 – 4 LB 23/05

sowie VG Mainz, Urt. v. 22.4.2015 – 3 K 1478/14.

MZ (nicht rechtskräftig)

28 BT-Drs. 16/2453, S. 14

29 vgl. hierzu etwa § 2 Nr. 1 IFG

30 VG Hamburg, Urt. v. 30.11.2011 – 17 K 361/11,

siehe hierzu auch den August-Newsletter 2015 der

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20

31 Verwandte Schutzrechte sind beispielsweise Lichtbilder

nach § 72 UrhG (Fotografien, die die erforderliche

Schöpfungshöhe nicht besitzen und daher

nicht unter den Lichtbildwerkschutz nach § 2 Abs.

1 Nr. 5 UrhG fallen), wissenschaftliche Ausgaben

nach § 70 UrhG, nachgelassene Werke nach § 71

UrhG und Laufbilder nach § 95 UrhG.

32 Gewerbliche Schutzrechte sind Patente, Gebrauchsmuster,

Geschmacksmuster, typografische

Schriftzeichen sowie die nach dem Markengesetz

geschützten Kennzeichenrechte (Marke,

geschäftliche Bezeichnungen, geographische Herkunftsangaben).

33 § 2a Satz 2 IWG

34 OLG Düsseldorf, Urt. v. 13.2.1996 – 20 U

115/95 (Beuys-Fotografien); LG Berlin, Beschl.

v. 19.5.2015 – 16 O 175/15; A. Nordemann, in:

Fromm/Nordemann, UrhG, 11. Aufl. 2014, § 72 Rn.

10f

35 Beyer-Katzenberger, a. a. O.

36 § 2a Satz 2 Alt. 2 IWG

37 § 31 Abs. 1 Satz 1 UrhG: Ein Nutzungsrecht kann

nur mit Zustimmung des Urhebers übertragen

werden. Vertragliche Regelungen, nach denen

pauschal für die Zukunft die Zustimmung zur Einräumung

von Nutzungsrechten an Dritte erklärt

wird, sind jedoch zulässig.

38 § 1 Abs. 2 Nr. 4 IWG

39 § 4 Abs. 3 Satz 2 IWG

40 Vgl. insofern die am 1.1.2014 in Kraft getretene

Schranke des § 61 UrhG, nach der die Museen

berechtigt sind, verwaiste Werke auf bestimmte

Arten zu nutzen, sofern die Recherche- und Dokumentationspflichten

nach § 61a UrhG beachtet

wurden. Wegen des danach erheblichen Rechercheaufwandes

hat sich die Schranke als wenig

praxistauglich erwiesen.

41 § 43 i. V. m. § 31 Abs. 5 UrhG

42 Dreier/Schulze: Kommentar zum Urheberrechtsgesetz.

4. Aufl., § 43 Rn. 20 m. w. N.

43 Vgl. für einen außerhalb der dienstlichen Aufgabenbeschreibung

erstellten Museumsführer: OLG

Nürnberg, 18.2.1997 – 3 U 3053/96

44 Im Erwägungsgrund der Änderungsrichtlinie

2013/37/EU heißt es: „Die Richtlinie 2003/98/EG

berührt nicht die Rechte, einschließlich des wirtschaftlichen

Rechts und des Urheberpersönlichkeitsrechts,

die den Beschäftigten öffentlicher

Stellen nach nationalen Vorschriften zustehen.“

Siehe auch die diesbezügliche Stellungnahme der

Bundesregierung BT-Drs. 18/4614, S. 20

45 § 1 Abs. 2 Nr. 3 IWG

46 BT-Drs. 16/2453, S. 13

47 ICOM Kodex der Berufsethik, Deutschsprachige

Fassung von ICOM-Deutschland und ICOM-Österreich

(Stand: Februar 1999), S. 3

48 Erwägungsgrund 9 der Richtlinie 2003/98/EG

49 Wirtz: Kultur für alle? Zwischen organisierter

Plünderung und der Demokratisierung kultureller

Güter. In: Klimpel/Euler (Hg.): Der Vergangenheit

eine Zukunft, http://irights-media.de/

webbooks/dervergangenheiteinezukunft/chapter/

kultur-fuer-alle-zwischen-organisierter-pluenderung-und-der-demokratisierung-kulturellergueter/#footnote-53-31,

abgerufen am 15.6.2015

50 Schoch: Der Entwurf eines Informationsweiterverwendungsgesetzes

im Bund. NVwZ 2006, S. 872,

875

51 Wirtz, a. a. O.

52 § 5 Abs. 1 IWG

53 § 5 Abs. 2 Nr. 3 IWG

54 § 5 Abs. 4 IWG

55 § 3a Abs. 1 IWG

56 BT-Drs. 16/2453, S. 16

57 § 3a Abs. 3 IWG

58 Hier hatte der Gesetzgeber insbesondere Partnerschaften

zwischen Bibliotheken und Museen mit

Google zur Digitalisierung der Bestände im Blick,

wie sie in Deutschland beispielsweise mit der Bayerischen

Staatsbibliothek oder dem Deutschen

Museum bestehen.

59 Erwägungsgrund Nr. 30 der PSI-Richtlinie − Änderungsrichtlinie

2013/37/EU v. 26.6.2013

60 § 3a Abs. 3 Satz 1 IWG

61 § 3a Abs. 3 Satz 2 IWG

62 BT-Drs. 18/4614, S. 14

63 § 3a Abs. 3 Sätze 3 und 4 IWG

64 BT-Drs. 18/4614, S. 14

65 BT-Drs. 18/4614, S. 19

66 BT-Drs. 18/4614, S. 20

67 Position von ICOM-Deutschland zur geplanten EU-

Novelle zur Weiterverwendung von Informationen

des öffentlichen Sektors v. 17.1.2012, S. 7

68 ebd.

69 Art. 13 Abs. 1 PSI-Richtlinie − Änderungsrichtlinie

2013/37/EU v. 26.6.2013

70 ebd.

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MUSEUM AKTUELL Nr. 223 2015


41


Das Deutsche Museum ist eines der größten naturwissenschaftlich-technischen Museen

weltweit. Es beherbergt nicht nur eine einmalige Sammlung aus Naturwissenschaft

und Technik, sondern ist zugleich mit seinen aktuellen Ausstellungen ein Forum

zur Information und Auseinandersetzung über die neuesten Entwicklungen in

Naturwissenschaft und Technik. Im Zuge der Generalsanierung des Hauses wird in

den nächsten Jahren ein wesentlicher Teil der Dauerausstellungen überarbeitet und

neu gestaltet.

Die Sammlungen der Fachgebiete Glas/Glastechnik, Keramik, Metalle und Moderne

Materialien/Werkstoffe werden zukünftig unter dem Oberbegriff Werkstoffe zusammengeführt

und in einer Dauerausstellung präsentiert. Für die Leitung dieser neuen

Abteilung Werkstoffe suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen

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wissenschaftlichen Mitarbeiter (w/m)

Ihre Aufgaben

• Leitung der Abteilung Werkstoffe

• Wissenschaftliche Bearbeitung, Betreuung und Weiterentwicklung der Sammlungen

Glas/Glastechnik, Keramik, Metalle und Moderne Werkstoffe und deren

Zusammenführung in eine fachübergreifende Sammlung Werkstoffe

• Mitarbeit im Team des Ausstellungsclusters „Werkstoffe und Produktion“ im

Rahmen der Zukunftsinitiative des Deutschen Museums

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und Themen aus dem Bereich Werkstoffe

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schließt bei Einstellung zunächst alle Arbeitsverträge für 6 Monate befristet

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Vollzeit).

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nicht auf 450,- €-Basis.

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gerne Herr Dr. Ulrich Kernbach, Tel. 089 – 2179 476.

Das Deutsche Museum fördert die berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern

und begrüßt es, wenn Frauen sich bewerben.

Schwerbehinderte Menschen werden bei gleicher Eignung und Qualifikation bevorzugt.

Von ihnen wird jedoch ein Maß an körperlicher Eignung verlangt, das den Anforderungen

des Arbeitsplatzes gerecht wird.


Autoren dieser Ausgabe:

Uwe Albrecht

Studium der Biologie, Informatik, Geschichte,

Wissenschaftgeschichte (Uni Stuttgart)

Fachjournalist u. Historiker; derzeit Promotion

Haydnstr. 4, 71277 Rutesheim

T. +49 (0)7152 3545-68, Fax -67

uwe.albrecht@twocultures.de

http://www.twocultures.de

Dr. Utz Anhalt MA

Geb. 1971 in Hannover. Ab 1991 Geschichte und Politik

Schwerpunkt historische Anthropologie von Mensch und

Wildtier, 1999 Magister über den Werwolfmythos, 2007

Doktor der Philosophie über die Geschichte der Zoos. Dozent,

Publizist und Autor, zahlreiche Veröffentlichungen,

u.a. in MUSEUM AKTUELL, Expotime!, Nautilus - Magazin

für Abenteuer und Fantastik, Miroque, Karfunkel, Zillo

Mediäval, Sitz-Platz-Fuß, Sopos, Junge Welt, Freitag,

TAZ, ND, Frankfurter Allgemeine. Forschungsreisen nach

Iran, Indien, Thailand, Venezuela, USA / Mexiko, Tansania

/ Uganda. Wissenschaftlicher Mitarbeiter der NS-Gedenkstätte

Ahlem.

T. 0176-44636082

okualla@gmx.de

Carl Christian Müller, LL.M.

Rechtsanwalt und Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht.

Mitgründer der Kanzlei MMR Müller Müller Rößner,

Berlin, die auf das Medienrecht, das Presse- und Äußerungsrecht,

das Telekommunikationsrecht, das Vergaberecht

und das Urheberrecht spezialisiert ist. Lehrbeauftragter

an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

im Studiengang des Mainzer Medieninstituts und Justiziar

des Deutschen Medienverbandes (DMV). Carl Christian

Müller berät und vertritt insbesondere Museen (große

Häuser, kleinere Veranstalter wie Museumsverbände)

Dr. Christian Müller-Straten

Studium der Kunstgeschichte, Politischen Wissenschaften

und Kommunikationswissenschaften (LMU

München). Inhaber des Verlags dieser Zeitschrift; Autor

von Büchern und Zeitschriftenbeiträgen, u.a. zur

Museologie, Inventarisierung und Fälschungserkennung.

Kontakt siehe Impressum.

Sind Sie interessiert?

Dann freuen wir uns auf Ihre aussagefähigen und vollständigen Unterlagen mit Lebenslauf,

Abschluss- und Arbeitszeugnissen bis zum 07.10.2015. Verspätete Bewerbungen

können nicht berücksichtigt werden.

Bewerbungen senden Sie bitte unter Angabe der Nr. 1525a per E-Mail nur im pdf-

Format als eine Datei an bewerbung@deutsches-museum.de.

Bei Bewerbungen auf dem Postweg (Postanschrift: Deutsches Museum – Personalstelle

– Museumsinsel 1 – 80538 München) beachten Sie bitte, dass wir Ihre Bewerbungsunterlagen

nach Abschluss des Verfahrens leider nur zurücksenden können,

wenn ihnen ein ausreichend frankierter Rückumschlag beiliegt.

MUSEUM AKTUELL Nr. 223 2015

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