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DAS TECHNOLOGIE-MAGAZIN<br />
<strong>dialog</strong><br />
04/2015<br />
HOCHSCHULE<br />
Beste Zukunftschancen für Deutschlands Ingenieur-Nachwuchs<br />
BATTERIETECHNOLOGIE<br />
Energiewende und Elektromobilität<br />
sind eng verknüpft mit der Entwicklung<br />
leistungsfähiger Energiespeicher.<br />
FORSCHUNG<br />
Nach wie vor belegt Deutschland<br />
einen Spitzenplatz im weltweiten<br />
Export forschungsintensiver Güter.<br />
IT-SICHERHEIT<br />
Die Gefahr vor Angriffen wächst.<br />
Viele Firmen sind nur unzureichend<br />
geschützt.<br />
www.vde.com
20 Pluspunkte für das Netzwerk Zukunft.
EDITORIAL<br />
Allianzen für die Bildung<br />
FOTOS: TITELSEITE: KATRIN BINNER / TU DARMSTADT; SEITE 03: PRIVAT<br />
Diskutiert man heute über Hochschulen, geht immer ein Raunen durch den Saal. Die Meinungen<br />
scheinen festgefügt: zu teuer, schlecht geführt, Personalengpässe, zu viele Studienabbrüche,<br />
abnehmende Studienqualität und was sich sonst noch so Negatives über unsere akademische<br />
Ausbildung ausdenken lässt. Nur die schlechte Nachricht ist überhaupt eine Nachricht. Aber es<br />
kann in einem VDE <strong>dialog</strong> nicht darum gehen, die Erwartungshaltung der Leser zu bestätigen.<br />
Information bemisst sich schließlich am Grad der Neuigkeit.<br />
Viele Hochschulen klagen über die Eingangsqualifikation der Studierenden. Da hilft auch<br />
das Argument nicht, darüber jammere man nun schon seit 2000 Jahren. Alle hätten gerne klügere<br />
Erstsemester und gerne viel mehr Frauen in den Ingenieurstudiengängen. Die Studienanfänger<br />
kommen mit 18 Jahren und oft mit mäßigen allgemeinen und speziellen Vorkenntnissen.<br />
Die Hochschulen sollen sie dann in drei bis vier Jahren fachlich qualifizieren<br />
und gereifte 22-jährige Jungakademiker ausbilden.<br />
Was ergeben sich daraus für aktuelle Herausforderungen der Ingenieurausbildung?<br />
Die Bachelor-Master-Debatte ist immer noch<br />
nicht abgeschlossen, aber um Strukturen geht es eigentlich nur am<br />
Rande. Im Kern geht es um Vermittlungsformen, um den schillernden<br />
Begriff der Kompetenz, um das Verhältnis von Fach- und Führungswissen und um ein<br />
verändertes Wahrnehmungs- und Lernverhalten der jungen Generation. Viel diskutiert werden<br />
das Verhältnis zur klassischen Lehre, die Durchlässigkeit des Bildungssystems und das duale<br />
Studium.<br />
Mit einem gewissen Erschrecken nehmen die Hochschulen dann noch zur Kenntnis, dass sie<br />
scheinbar nicht zum Beruf qualifizieren. Unternehmen gehen oftmals davon aus, dass Berufsanfänger<br />
zwischen einem und fünf Jahren brauchen, um in der Wirtschaft richtig anzukommen.<br />
Insbesondere die eher formalen Dinge wie Normen und Richtlinien, Qualität, Zuverlässigkeit<br />
und Wirtschaftlichkeit bleiben eine Herausforderung.<br />
Europa setzt auf das Können der jungen Generation. Es wird Zeit, Allianzen zwischen Unternehmen<br />
und Hochschulen zu bilden und ernsthaft Konsequenzen zu ziehen. Der VDE bietet<br />
dazu viele Gelegenheiten.<br />
Wir widmen uns im vorliegenden VDE <strong>dialog</strong> ein paar wichtigen Aspekten der Ausbildung<br />
von Ingenieurinnen und Ingenieuren für unsere gemeinsame Zukunft. Was nützt das Klagen,<br />
wir brauchen Lösungen.<br />
Prof. Dr. Michael Berger<br />
Vorsitzender VDE-Ausschuss „Studium, Beruf und Gesellschaft“<br />
Vizepräsident der Fachhochschule Westküste, Heide/Holstein<br />
»Europa setzt auf das Können<br />
der jungen Generation.«<br />
03
INHALT<br />
12<br />
Duales Studium, Fachhochschule oder Universität? Reicht ein Bachelor- oder sollte es ein Master-Abschluss sein? Mit oder ohne Promotion? Welcher Abschluss<br />
qualifiziert am besten für den erfolgreichen Berufseinstieg?<br />
SPEKTRUM<br />
06 MELDUNGEN<br />
3D-Technik / Halbleiter / Bundeswehr /<br />
Fortschritt / Flugsicherung / Datenübertragung /<br />
Roboter / Digitalisierung / Arbeitsmarkt<br />
TITEL<br />
12 KARRIERE<br />
Wie macht man am besten Karriere? Wichtige<br />
Faktoren sind die Wahl der richtigen Hochschule,<br />
die Persönlichkeit – und eine Portion Glück.<br />
07 PERSONALIA<br />
Dr. Thomas Benz / Wolfgang Niedziella /<br />
Dr. Marianne Mertens / Prof. Dr. Arndt Bode /<br />
Matthias Machnig<br />
18 DUALES STUDIUM<br />
Duale Studiengänge liegen im Trend, die Angebote<br />
im Bereich Elektrotechnik steigen bundesweit<br />
kontinuierlich an. Welche Vorteile bieten sie?<br />
08 RUNDRUF<br />
Welche Schwerpunkte muss eine strategische<br />
Technologiepolitik im Hinblick auf die Zukunftstechnologien<br />
2020 setzen?<br />
20 START-UPS<br />
Ohne Umwege direkt in die Chefetage. Für<br />
diesen Traum gründen einige Hochschulabsolventen<br />
gleich ihr eigenes Unternehmen.<br />
11 INTERVIEW<br />
Prof. Volker Saile, Chairman des MikroSystem-<br />
Technik-Kongresses in Karlsruhe, im Gespräch<br />
über die Bedeutung der Veranstaltung und der<br />
Technologie für Deutschland.<br />
24 YOUNG PROFESSIONALS<br />
Die Stimmung unter den Young Professionals<br />
der Elektro- und Informationstechnik im VDE<br />
ist gut. Zu Recht, wie die aktuelle VDE-Studie<br />
zeigt.<br />
04
32 30<br />
Ein Astronaut zum Anfassen. „Tag der Technik“-Schirmherr Alexander Gerst zeigte<br />
sich als perfekter Botschafter für den Nachwuchs.<br />
34<br />
Die Möglichkeiten für Online-Kriminelle sind deutlich größer geworden. Insbesondere<br />
mobile Endgeräte sind ein beliebtes Ziel für Angriffe.<br />
Verschiedene Unternehmen arbeiten daran, die ursprünglich für Elektrofahrzeuge<br />
entwickelten Batterien auch für andere Anwendungen einzusetzen.<br />
THEMEN KOMPAKT<br />
FOTOS: SEITE 04: © KASTO / FOTOLIA.COM; SEITE 05: ESA (OBEN), © SP4764, © THOSTR / FOTOLIA.COM (UNTEN), DAIMLER AG (RECHTS)<br />
27 FORSCHUNG<br />
Trotz großem Druck aus Asien belegt<br />
Deutschland in puncto Forschung einen<br />
Platz an der Spitze.<br />
30 BATTERIEFORSCHUNG<br />
Energiespeicher spielen eine wichtige Rolle<br />
bei der Sicherung der Netzstabilität und beim<br />
Fortschritt der Elektromobilität.<br />
32 VERANSTALTUNGEN<br />
Technik im Fokus: Die Besucher zeigten sich<br />
begeistert vom abwechslungsreichen Programm<br />
beim Tag und bei der Nacht der Technik.<br />
34 IT-SICHERHEIT<br />
Trotz wachsender Gefährdung machen sich<br />
nur wenig Bürger Sorgen um Datenbetrug.<br />
Und auch Firmen schützen sich oft nur<br />
unzureichend vor Angriffen.<br />
38 WISSEN<br />
40 NORMUNG / PRÜFUNG<br />
42 AUS DEN REGIONEN<br />
44 VDE YOUNGNET<br />
46 TERMINE<br />
48 INFOCENTER<br />
50 DEBATTE<br />
05
SPEKTRUM<br />
3D-TECHNIK<br />
Haus aus dem Drucker<br />
In Dubai wird das erste voll funktionstüchtige Büro der Welt im 3D-Druckverfahren<br />
gebaut. Das futuristische Gebäude ist Teil des Projekts „Museum<br />
der Zukunft“.<br />
HALBLEITER<br />
Ersatz für Silizium<br />
An der TU München wurde ein<br />
innovatives Halbleitermaterial aus<br />
Phosphor und Arsen hergestellt.<br />
Das Büro soll eine Größe von rund<br />
185 Quadratmetern haben, mithilfe<br />
eines sechs Meter hohen 3D-Druckers<br />
schichtweise ausgedruckt und<br />
anschließend vor Ort innerhalb weniger<br />
Wochen zusammengebaut werden.<br />
Mobiliar, Details der Innenausstattung<br />
sowie Strukturbauteile werden<br />
ebenfalls komplett im 3D-Druckverfahren<br />
hergestellt. Die innovative<br />
„Bauweise“ bringt immense Vorteile<br />
mit sich. Es werden Einsparungen von<br />
mehr als 50 Prozent bei Produktionszeit<br />
und Arbeitskosten erwartet. Auch<br />
die Umwelt gewinnt bei dem Verfahren:<br />
Experten erwarten 30 bis 60 Prozent<br />
weniger Bauabfälle. Neben der<br />
Produktivität kommt auch der Nachhaltigkeit<br />
ein hoher Stellenwert zu. Vor<br />
allem aber bedeutet dieses Haus einen<br />
wichtigen Schritt in Richtung Marktreife<br />
des 3D-Drucks, der bisher noch<br />
nie in derart großem Stil eingesetzt<br />
wurde.<br />
Das Büro ist die erste große Initiative<br />
des „Museums der Zukunft“.<br />
Das insgesamt mehr als 120 Millionen<br />
Euro teure Projekt ist Teil einer<br />
Zusammenarbeit zwischen Dubai<br />
und WinSun Global – einem Joint<br />
Venture zwischen dem chinesischen<br />
3D-Druck-Unternehmen WinSun<br />
und internationalen Investoren – sowie<br />
den Architektur- und Ingenieurbüros<br />
Gensler, Thornton Tomasetti<br />
und Syska Hennessy. Das „Museum<br />
der Zukunft“, dessen Bau Anfang<br />
des Jahres in Dubai begonnen wurde,<br />
soll künftig nicht nur technologische<br />
Entwicklungen aus aller Welt ausstellen,<br />
sondern auch als internationales<br />
Innovationszentrum dienen. Unter<br />
dem Motto „See the future, create<br />
the future“ werden hier ab 2017 auf<br />
sieben Etagen von Designern, Wissenschaftlern,<br />
Unternehmern und<br />
Investoren die Technologien von<br />
morgen entwickelt und vorgestellt.<br />
Das Büro aus dem 3D-Drucker<br />
wird in der Nähe des Museums aufgebaut<br />
und soll dessen Belegschaft als<br />
vorübergehendem Hauptsitz dienen.<br />
Das Design basiert auf Forschungen<br />
über die Anforderungen der Arbeitswelt<br />
von morgen. Der Raum ist<br />
offen und flexibel angelegt und für<br />
verschiedene Einsatzmöglichkeiten<br />
sowie Teamgrößen geeignet. Darüber<br />
hinaus soll das Gebäude eine kleine<br />
digitale Fertigungsstation und einen<br />
Bereich für eine Ausstellung über den<br />
3D-Druck beinhalten.<br />
Seit vielen Jahren ist Silizium die Basis<br />
der modernen Elektronik. Doch<br />
die Transistoren stoßen langsam<br />
an ihre Grenzen. Zudem ist Silizium<br />
hart und spröde. Im Wettlauf<br />
um neue Materialien gilt schwarzer<br />
Phosphor, der Arsen enthält, als die<br />
Alternative, die langfristig Silizium<br />
ablösen könnte. Wissenschaftler der<br />
TU München haben eine Methode<br />
entwickelt, um Arsen-Phosphor ohne<br />
hohen Druck zu synthetisieren. Das<br />
erfordert weniger Energie und ist zudem<br />
günstiger. Über den Arsengehalt<br />
kann die Lücke zwischen Valenz und<br />
Leitungsband präzise eingestellt werden.<br />
„Das erlaubt uns, Materialien<br />
mit bisher unerreichbaren elektronischen<br />
und optischen Eigenschaften<br />
in einem Energiefenster herzustellen,<br />
das bislang nicht zugänglich war“,<br />
sagt Professor Tom Nilges, Leiter des<br />
Fachgebiets für Synthese und Charakterisierung<br />
innovativer Materialien.<br />
In einer internationalen Kooperation<br />
mit der Universität Regensburg sowie<br />
der University of Southern California<br />
(USC) und Yale ist es den Chemikern<br />
gelungen, auf Basis dieses Materials<br />
erstmals Feldeffekt-Transistoren herzustellen.<br />
06
Personalia<br />
2 3<br />
+++ Ab 1. November 2015 ist 1 DR. THOMAS<br />
BENZ neuer Geschäftsführer der Energietechnischen<br />
Gesellschaft im VDE (VDE | ETG). Er folgt<br />
auf Wolfgang Glaunsinger, der nach 14 Jahren<br />
in den Ruhestand geht. Benz, derzeit Mitglied im<br />
Vorstand der VDE | ETG, war zuletzt Leiter Energiepolitik<br />
der Energietechnik-Division bei der ABB AG<br />
in Mannheim. +++ 2 WOLFGANG NIEDZIELLA,<br />
Geschäftsführer des VDE-Instituts, ist neuer Vorsitzender<br />
des IECEE (IEC System for Conformity<br />
Testing and Certification of Electrotechnical Equipment<br />
and Components). Niedziella ist der erste Deutsche, der<br />
diese Position einnimmt. Er wird das Amt bis 2018 innehaben.<br />
+++ Der Klee-Preis geht dieses Jahr an 3 DR. MARIANNE<br />
MERTENS. Der Preis wird von der Deutschen Gesellschaft für<br />
Biomedizinische Technik im VDE (VDE|DGBMT) und der Stiftung<br />
Familie Klee vergeben und ist mit 5000 Euro dotiert. Mertens erhält<br />
die Auszeichnung für ihre Dissertation „Theranostic Tissue<br />
Engineering: Magnetic Resonance Imaging of Biohybrid Vascular<br />
Grafts“, die sie am Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik<br />
erarbeitet hat. +++ 4 PROF. DR. ARNDT BODE ist mit der<br />
4 5<br />
Konrad-Zuse-Medaille ausgezeichnet worden. Bode ist Vizepräsident<br />
der TU München sowie Leiter des Leibniz-Rechenzentrums<br />
der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Die Konrad-Zuse-<br />
Medaille wird seit 1987 für besondere Verdienste um die Informatik<br />
vergeben. +++ 5 MATTHIAS MACHNIG, Staatssekretär im Bundesministerium<br />
für Wirtschaft und Energie, sowie Ministerialdirektor<br />
Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas aus dem Bundesministerium für Bildung<br />
und Forschung gestalteten das VDE/ZVEI-Symposium Mikroelektronik<br />
„Cyber Security: Mikroelektronik als Lösung“ Anfang September<br />
in Berlin mit.<br />
FOTOS: SEITE 06: MUSEUM DER ZUKUNFT, BATTENBERG, ANDREAS / TUM<br />
SEITE 07: VDE (1, 2, 3), ANDREAS HEDDERGOTT (4), MICHAEL VOIGT (5), © ISTOCK.COM/-ANTONIO-<br />
BUNDESWEHR<br />
Cyber-Offensive<br />
Verteidigungsministerin Ursula von<br />
der Leyen will die Bundeswehr auf<br />
den Cyberkrieg einstellen. Die Gesellschaft<br />
für Informatik kritisiert<br />
die offensive Ausrichtung der neuen<br />
Strategie.<br />
Laut einem Bericht von SPIEGEL<br />
ONLINE fordert das Verteidigungsressort<br />
eine deutliche Aufstockung<br />
und Zentralisierung der IT-Ressourcen<br />
der Bundeswehr. Die Truppe soll<br />
künftig nicht nur zur Abwehr digitaler<br />
Angriffe, sondern auch zu offensiven<br />
Cyber angriffen im In- und Ausland<br />
in der Lage sein. Das Nachrichtenmagazin<br />
zitiert dazu aus einem geheimen<br />
Strategiepapier. Dieses gehört zur<br />
Vorbereitung auf das neue Weißbuch<br />
der Bundeswehr, das die sicherheitsund<br />
außenpolitische Ausrichtung der<br />
Truppe festlegt. Das Internet und<br />
andere Kommunikationsplattformen<br />
sollen neben den klassischen Kriegsschauplätzen<br />
Land, Luft, See und<br />
Weltraum als neuer „Operationsraum“<br />
der Bundeswehr definiert<br />
werden. Dafür sei<br />
„die Bereitstellung von<br />
adäquaten Strukturen<br />
und Ressourcen“ erforderlich.<br />
Das Vorhaben<br />
hat einige kritische<br />
Reaktionen unter<br />
IT-Experten hervorgerufen.<br />
Die Gesellschaft<br />
für Informatik<br />
(GI) begrüßt zwar den<br />
Vorstoß der Ministerin,<br />
die Cyberverteidigung<br />
der Bundesrepublik zu stärken.<br />
„Die Pläne, auch offensive<br />
Cyberfähigkeiten für die Bundeswehr<br />
zu schaffen, können dagegen nicht<br />
unwidersprochen bleiben“, sagt Professor<br />
Hartmut Pohl, Sprecher des<br />
GI-Arbeitskreises „Datenschutz und<br />
IT-Sicherheit“. Das Grundgesetz der<br />
Bundesrepublik Deutschland regle in<br />
Artikel 87a unmissverständlich, dass<br />
die Streitkräfte zur Verteidigung eingesetzt<br />
werden. In der IT-Sicherheit<br />
ist aber laut Pohl die Grenze<br />
zwischen defensiven und<br />
offensiven Maßnahmen<br />
nicht immer leicht zu<br />
ziehen. Umso wichtiger<br />
sei es daher, sich<br />
von vornherein auf die<br />
Cyberverteidigung zu<br />
beschränken – diese<br />
aber dafür besonders<br />
ernst zu nehmen.<br />
Den aktuellen Stand<br />
der IT-Sicherheit in<br />
Deutschland bezeichnet<br />
Pohl als desolat. Dies zeige<br />
die Vielzahl der Angriffe gegen<br />
den Bundestag, Ministerien, Behörden<br />
und Unternehmen – etwa aus<br />
der Chemiebranche, der Energiewirtschaft<br />
oder der Finanzindustrie – sowie<br />
gegen private Nutzer.<br />
07
SPEKTRUM<br />
RUNDRUF<br />
Politik mit Strategie<br />
Auf dem Presse-Workshop des VDE in München diskutierten hochrangige<br />
Experten über die Zukunftstechnologien 2020. Dabei wurde auch<br />
die Frage erörtert, welche Schwerpunkte eine strategische Technologiepolitik<br />
setzen muss.<br />
ALF HENRYK WULF, CEO der ALSTOM Deutschland<br />
AG und VDE-Präsidiumsmitglied<br />
» Für die Energiewirtschaft brauchen wir dringend ein<br />
neues Marktmodell, welches Investitionen ermöglicht,<br />
die wir benötigen, um eine Versorgungssicherheit zu<br />
gewährleisten. Wir sind derzeit in einer Situation, in der<br />
wir für das Geld, das wir investieren, zu wenig zurückbekommen.<br />
Die Bundesregierung hat dies erkannt und<br />
ein entsprechendes Gesetzgebungsverfahren angestoßen.<br />
Sie hat sich dabei ein sehr mutiges und ehrgeiziges<br />
Ziel gesetzt. Jetzt muss daran festgehalten werden, um eine systemisch gute<br />
Lösung zu finden.«<br />
PROF. DR. ARMIN SCHNETTLER, Leiter Institut für<br />
Hochspannungstechnik der RWTH Aachen<br />
»Technologische Entwicklungen, gerade zu kritischen<br />
Infrastrukturen, erfordern stabile und am System orientierte<br />
politische Rahmenbedingungen. Wir müssen<br />
davon abkommen, nur einzelne Technologien oder<br />
Teillösungen in den Vordergrund zu stellen. Die Energiewende<br />
hat uns kritisch aufgezeigt, wie politische<br />
Weichenstellungen enorme wirtschaftliche Konsequenzen<br />
auslösen können. Es kann nicht die Aufgabe der<br />
Technologiepolitik sein, dauerhaft in Märkte und Lösungen einzugreifen. Eher sind<br />
langfristig verbindliche Ziele und gegebenenfalls finanzielle Einstiegshilfen festzulegen<br />
– der Industrie und dem Wettbewerb sind jedoch die technisch-wirtschaftlich<br />
besten Lösungsansätze zu überlassen.«<br />
PROF. DR. CHRISTOPH KUTTER, Leiter Fraunhofer-<br />
Einrichtung für Mikrosysteme und Festkörper-Technologie<br />
» Industrie 4.0 ist eine riesige Chance, Fertigung wieder<br />
zurück nach Deutschland zu holen. Wir brauchen aber<br />
politische Unterstützung, denn Energiekosten und deren<br />
Planbarkeit spielen dabei eine wichtige Rolle – besonders<br />
bei der Chipfertigung. Bei den Lohnkosten macht<br />
es wenig Unterschied, ob in Taiwan oder in Dresden<br />
produziert wird, weil in vollautomatisierten Fabriken vor<br />
allem Ingenieure arbeiten. In Asien gibt es aber beim<br />
Thema Energie eine stärkere Unterstützung durch den Staat und eine größere Verlässlichkeit.<br />
In Deutschland hängen dagegen die Preise von politischen Faktoren ab.<br />
Die Politik muss daher auch hier für stabile Rahmenbedingungen sorgen.«<br />
FORTSCHRITT<br />
Mittelmäßig digital<br />
Daimlers Vorstandsvorsitzender<br />
Dieter Zetsche fordert von der<br />
deutschen Politik mehr Engagement,<br />
um die Digitalisierung voranzutreiben.<br />
„Die digitale Infrastruktur in Deutschland<br />
passt nicht zum Entwicklungstempo,<br />
sie ist nach wie vor leider nur<br />
Mittelmaß“, so Zetsche gegenüber der<br />
Zeitung „Sonntag Aktuell“. „Dass wir<br />
in Deutschland bei Themen wie Breitbandversorgung<br />
nur auf Platz 20 von<br />
28 EU-Staaten sind, sagt leider alles“,<br />
wird der Daimler-Chef zitiert.<br />
Wenn Deutschland im Mittelmaß<br />
bleibe, werde die Existenz des Standortes<br />
Deutschland gefährdet. „Es<br />
wäre deshalb fatal, wenn die Politik<br />
bei diesem Thema ihre lange Leitung<br />
beibehalten würde“, warnt Zetsche.<br />
Bei Daimler, aber auch vielen anderen<br />
Unternehmen in Deutschland, werde<br />
die Digitalisierung der Arbeitswelt<br />
zwar „eher als Chance denn als Risiko“<br />
gesehen, die Regierenden könnten<br />
mit dem Tempo der weltweiten<br />
Entwicklung aber nicht mithalten.<br />
Die Digitalisierung fordert nicht<br />
nur die Politik, sondern auch die<br />
Unternehmen. Laut einer Studie des<br />
Beratungshauses Sopra Steria Consulting<br />
und der Universität Hamburg<br />
stehen Unternehmen erheblich unter<br />
Druck, die Digitalisierung voranzutreiben.<br />
Für die Firmen ergeben sich<br />
insbesondere an drei zentralen Stellen<br />
erhebliche Herausforderungen: beim<br />
Aufbau und der Integration digitaler<br />
Kanäle zu ihren Kunden und Partnern,<br />
bei agilen und datengetriebenen<br />
Vorgehensweisen für die Entwicklung<br />
digitaler Angebote und bei der klaren<br />
Verankerung der Führungsverantwortung<br />
für die digitale Transformation.<br />
Die Untersuchung zeigt auch, dass<br />
die Unternehmen in den meisten Disziplinen<br />
noch viel vor sich haben. Erst<br />
wenige sehen sich gut aufgestellt. Für<br />
die multimethodisch angelegte Studie<br />
wurden unter anderem die Ergebnisse<br />
aus Interviews mit IT-Verantwortlichen<br />
und einer Feldbefragung von 90<br />
Teilnehmern von Großkonzernen und<br />
Mittelständlern ausgewertet.<br />
08
FLUGSICHERUNG<br />
30 Sekunden, die zählen<br />
Ein Assistenzsystem, das die Gespräche zwischen Fluglotse und Pilot<br />
versteht, haben Wissenschaftler der Universität des Saarlandes gemeinsam<br />
mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt.<br />
Mit diesem kann der Computer selbstständig und schneller auf<br />
Planänderungen reagieren, die nur mündlich besprochen werden.<br />
DATENÜBERTRAGUNG<br />
WLAN aus der Lampe<br />
Internet aus der Deckenlampe<br />
könnte schon bald Realität werden,<br />
wenn sich die jüngste Entwicklung<br />
aus der Universität Duisburg-Essen<br />
durchsetzt.<br />
FOTOS: SEITE 08: ALSTOM, SIEMENS, VDE; SEITE 09: UNIVERSITÄT DES SAARLANDES/DLR, © TH. REINHARDT / PIXELIO.DE<br />
Assistenzsysteme unterstützen Fluglotsen<br />
bei ihrer Aufgabe, damit Starts<br />
und Landungen reibungslos und effizient<br />
ablaufen. Sie berechnen Flugrouten,<br />
gleichen Daten wie Flughöhe<br />
oder Geschwindigkeit ab und machen<br />
dem Lotsen Vorschläge, wie er reagieren<br />
sollte. Wenn aber etwas Unplanmäßiges<br />
passiert, weil etwa eine<br />
Landebahn kurzfristig gesperrt wird,<br />
stößt der elektronische Assistent an<br />
seine Grenzen: „Tauschen sich Lotse<br />
und Pilot nur mündlich per Funk<br />
über solche Änderungen aus, bekommt<br />
das System das bislang nicht<br />
mit“, sagt Professor Dietrich Klakow.<br />
Etwa 30 Sekunden lang ist der Lotse<br />
dann auf sich gestellt – eine halbe Minute,<br />
die zählt, denn bislang erkennen<br />
heutige Assistenzsysteme erst danach<br />
die Absichten des Piloten und machen<br />
wieder brauchbare Vorschläge.<br />
Um diese Sicherheitslücke zu<br />
schließen, haben Klakow und sein<br />
Team von der Universität des Saarlandes<br />
in einem Pilotprojekt das Lotsenassistenzsystem<br />
des Düsseldorfer<br />
Flughafens weiterentwickelt und ihm<br />
beigebracht, die zwischen Lotse und<br />
Pilot besprochenen Änderungen zu<br />
verstehen und einzukalkulieren. Bei<br />
dem Projekt, das vom Helmholtz-<br />
Validierungsfonds mit insgesamt fast<br />
400.000 Euro gefördert wurde, haben<br />
die Computerlinguisten der Saar-<br />
Universität mit dem Team von Professor<br />
Hartmut Helmke vom DLR<br />
zusammengearbeitet. Die Deutsche<br />
Flugsicherung (DFS) hat das Vorhaben<br />
unterstützt.<br />
Der erste Prototyp läuft bereits.<br />
Dieser erkenne anhand des Dialogs<br />
von Lotse und Pilot selbst, ob sich<br />
Abweichungen vom geplanten Ablauf<br />
ergeben, so Klakow. „Er passt<br />
seine Vorschläge für den Lotsen an<br />
und lässt dabei die Informationen<br />
außer Acht, die unwichtig sind.“<br />
Er und sein Team haben hierzu den<br />
Spracherkenner des Systems mit<br />
Hintergrundwissen zu den Lotsenkommandos<br />
gefüttert. Jetzt wollen<br />
die Forscher den Prototypen so weiterentwickeln,<br />
dass das System zum<br />
praktischen Einsatz an Flughäfen<br />
kommen kann.<br />
Leuchtsignale von LED-Lampen können<br />
auch zur kabellosen Datenübertragung<br />
genutzt werden. Experten für<br />
Halbleiter- und Elektrotechnik vom<br />
Center for Nanointegration (CENI-<br />
DE) haben nun diese Technik entscheidend<br />
vorangetrieben. Sie entwickelten<br />
eine Leuchtdiode auf Galliumnitrid-<br />
Basis (GaN), die mit einer Frequenz<br />
von über einem Gigahertz betrieben<br />
werden kann. Ermöglicht wurde dies<br />
durch eine neue Architektur: Die Wissenschaftler<br />
arbeiten mit GaN-Nanodrähten,<br />
die sehr dicht auf kostengünstige<br />
Siliziumsubstrate aufgebracht<br />
werden. So können interne elektrische<br />
Felder unterdrückt werden, die sich<br />
bisher negativ auf die Hochfrequenzeigenschaften<br />
von GaN-Leuchtdioden<br />
ausgewirkt haben. Zur Anwendung<br />
könnten die Leuchtdioden für die<br />
Datenübertragung auf kurzer Strecke<br />
kommen – etwa bei Funkübertragungen<br />
in Gebäuden oder beim Intranet<br />
über Plastikfasern. Die Lichtsignale<br />
des optischen WLANs verursachen<br />
keine Störsignale und sind für das<br />
menschliche Auge nicht irritierend.<br />
09
SPEKTRUM<br />
ROBOTER<br />
Total sozial<br />
Zur Verbesserung der Interaktion<br />
von Mensch und Maschine arbeiten<br />
Wissenschaftler an sozial<br />
kompetenten Robotern.<br />
DIGITALISIERUNG<br />
Digitale Dörfer<br />
In zwei Testregionen will das Fraunhofer IESE in den kommenden drei<br />
Jahren smarte Technologien für zukunftsfähige Infrastrukturen in ländlichen<br />
Regionen erproben. Das Projekt wird vom Land Rheinland-Pfalz mit<br />
930.000 Euro gefördert.<br />
Eine internationale Forschergruppe<br />
aus Barcelona, Berlin, Hamburg, Hannover,<br />
Hatfield (UK), Osnabrück und<br />
Stockholm will soziales menschliches<br />
Verständnis und Verhalten untersuchen<br />
und in Roboter implementieren.<br />
Grundlage der Arbeit ist die Hypothese,<br />
dass auch sehr komplexen sozialen<br />
Interaktionen einfache sensomotorische<br />
Verhaltensmuster zugrunde liegen.<br />
Das Erlernen und Beherrschen<br />
von diesen Aktion-Effekt-Zusammenhängen<br />
ist entscheidend für die<br />
Wahrnehmung der Welt und um ein<br />
effizientes Miteinander-Agieren zu<br />
ermöglichen. Die Forschungsergebnisse<br />
sollen in informationstheoretische<br />
und neurowissenschaftliche<br />
Computermodelle übertragen werden,<br />
um damit humanoide Roboter<br />
für eine bessere soziale Interaktion mit<br />
Menschen zu trainieren. Diese sollen<br />
dann langfristig auch in der Lage sein,<br />
verschiedene neue Assistenzaufgaben<br />
zu übernehmen.<br />
Die EU-Kommission fördert das<br />
Konsortium im Rahmen des Programms<br />
„Horizon 2020“ mit 3,7 Millionen<br />
Euro.<br />
„Die fortschreitende Digitalisierung<br />
bietet ein großes Potenzial, ländliche<br />
Regionen für die Zukunft zu entwickeln<br />
– gerade auch vor dem Hintergrund<br />
des demografischen Wandels<br />
und der sinkenden Bevölkerungszahlen<br />
auf dem Land“, so die rheinlandpfälzische<br />
Ministerpräsidentin Malu<br />
Dreyer. Neue und innovative Systeme<br />
sollen den Weg für die Zukunft<br />
der regionalen Wirtschaft ebnen und<br />
außerdem Chancen für neue Unternehmen<br />
eröffnen. Somit werden<br />
sowohl Arbeitsplätze als auch Wirtschaftskraft<br />
im ländlichen Raum geschaffen,<br />
der bei der Digitalisierung<br />
im Vergleich zu den Städten bisher<br />
immer zu kurz kam. Aber nicht nur<br />
Städte, sondern auch Dörfer müssen<br />
nach Überzeugung der Experten des<br />
Fraunhofer-Instituts für Experimentelles<br />
Software Engineering (IESE)<br />
smart und digital werden. Das Institut<br />
verfolgt in dem Projekt laut eigener<br />
Aussage einen ganzheitlichen Ansatz,<br />
der den Menschen in den Mittelpunkt<br />
stellt und sich an den Bedürfnissen<br />
des Alltags orientiert. „Dazu ist es nötig,<br />
bisher unabhängige Bausteine zu<br />
einem großen Ganzen zusammenzufügen<br />
und somit effiziente Lösungen<br />
zu schaffen, die in ländlich geprägten<br />
Regionen nachhaltig bestehen können“,<br />
erklärt Institutsleiter Professor<br />
Peter Liggesmeyer. Grundlage dafür<br />
seien digitale Technologien und Systementwicklungsverfahren,<br />
die seit<br />
fast 20 Jahren den Forschungsschwerpunkt<br />
des Fraunhofer IESE bilden.<br />
„Wir können wichtige Szenarien – von<br />
zukunftsfähigen Mobilitätskonzepten<br />
über die intelligente Logistik bis zur<br />
telemedizinischen Behandlung – nur<br />
durch innovative und sichere Systeme<br />
verwirklichen“, so Liggesmeyer. Die<br />
beiden Testregionen werden von einer<br />
Jury bestehend aus Vertreterinnen und<br />
Vertretern des Fraunhofer IESE, des<br />
rheinland-pfälzischen Ministeriums<br />
des Innern, für Sport und Infrastruktur,<br />
des Gemeinde- und Städtebundes<br />
sowie der Universität Koblenz-Landau<br />
unter 30 kommunalen Gebietskörperschaften<br />
ausgewählt. Im Fokus stehen<br />
dabei die Bereiche Mobilität und Logistik,<br />
Infrastruktur und Gebäudemanagement<br />
sowie neue Arbeitsmodelle<br />
für den ländlichen Raum.<br />
10
MIKROSYSTEMTECHNIK-KONGRESS 2015<br />
Schaufenster der Branche<br />
VDE, BMBF und das Land Baden-Württemberg sind vom 26. bis 28. Oktober Gastgeber des MikroSystem-<br />
Technik-Kongresses in Karlsruhe – dem wichtigsten Treffen der Branche. Chairman Prof. Dr. Volker Saile<br />
spricht über die Bedeutung der Veranstaltung und der Technologie für Deutschland.<br />
PROF. DR. VOLKER SAILE ist Leiter des Bereichs<br />
Physik und Mathematik am Karlsruher<br />
Institut für Technologie und Chairman des Mikro-<br />
SystemTechnik-Kongresses 2015.<br />
Welche Impulse erwarten Sie vom<br />
MikroSystemTechnik-Kongress im<br />
Oktober?<br />
Der Kongress ist das große Schaufenster<br />
der deutschen Mikrosystemtechnik.<br />
Hier wird alles gezeigt, was in<br />
Deutschland derzeit auf diesem Feld in<br />
der Forschung, der Entwicklung und in<br />
der praktischen Anwendung geschieht.<br />
800 bis 1000 Wissenschaftler, Ingenieure<br />
und Industrievertreter werden zusammenkommen<br />
und sich dort miteinander<br />
vernetzen. Um diesen Kongress beneiden<br />
uns viele. Er ist weltweit einmalig.<br />
Wie gut ist Deutschland in Sachen<br />
Mikrosystemtechnik aufgestellt?<br />
Deutschland ist exzellent aufgestellt<br />
– sowohl in der Industrie als auch in<br />
der Forschung. Die Mikrosystemtechnik<br />
gehört zu einem der ganz großen<br />
Schmuckstücke, die wir hierzulande in<br />
der Industrie haben. Sie ist die Voraussetzung,<br />
dass es unserer Industrie weiterhin<br />
gut geht. Denken Sie etwa an den<br />
Maschinenbau oder die Automobilindustrie.<br />
Dort ist heute alles vollgepackt mit<br />
Mikrosystemtechnik.<br />
Kann Deutschland dank der Mikrosystemtechnik<br />
bei den großen<br />
Trends wie Internet der Dinge oder<br />
Industrie 4.0 mitspielen?<br />
Deutschland muss dort mitspielen. Das<br />
sind Entwicklungen, die ein Land mitmachen<br />
muss, das nicht von billigen<br />
Arbeitskräften lebt. Dank der Mikrosystemtechnik<br />
haben wir beste Chancen,<br />
dort auch Spitzenreiter zu sein.<br />
Welche Herausforderungen sehen<br />
Sie dabei noch?<br />
Die Vernetzung ist sicherlich eine Herausforderung.<br />
Beim Internet der Dinge<br />
und bei Industrie 4.0 kommen ja unterschiedliche<br />
Disziplinen zusammen –<br />
unter anderem die Mikrosystemtechnik,<br />
die Mikroelektronik und die IKT. Diese<br />
Hochtechnologien müssen an vorderster<br />
Front zusammengeknüpft werden.<br />
Das kann kein Einzelner tun. Daher<br />
bieten sich Foren wie der MikroSystem-<br />
Technik-Kongress mit vielen Experten<br />
aus verschiedenen Bereichen an, die<br />
Vernetzung voranzutreiben – hier lernen<br />
wir voneinander. Wir haben daher die<br />
Themen Internet der Dinge und Industrie<br />
4.0 in den Vordergrund des diesjährigen<br />
Kongresses gestellt. Wenn wir<br />
hier vorankommen wollen, brauchen wir<br />
auch neue Ansätze und Konzepte. Dabei<br />
wird die Software eine zentrale Rolle<br />
spielen. Sie wird für das Internet der<br />
Dinge modular aufgebaut und flexibel<br />
sein müssen. Ich bin auf diesem Gebiet<br />
kein Fachmann, aber mich begeistern<br />
die Entwicklungen wie das Cloudcomputing<br />
und das Konzept der Apps auf<br />
meinem Smartphone, die schon heute<br />
fantastische Möglichkeiten bieten.<br />
FOTOS: SEITE 10: © PHOTOBANK , © LORA_SUTYAGINA / FOTOLIA.COM; SEITE 11: PRIVAT<br />
ARBEITSMARKT<br />
Wenig Entsendung<br />
Nur wenige Elektroingenieure werden<br />
durch Engineering-Dienstleister<br />
(EDL) entsendet. Auch Arbeitnehmerüberlassungen<br />
(AÜ) spielen<br />
in der Arbeit von Elektroingenieuren<br />
eine noch vergleichsweise kleine<br />
Rolle.<br />
Lediglich 0,9 Prozent der Elektroingenieure<br />
sind in einer AÜ beschäftigt.<br />
Die Gruppe der zum Kunden von<br />
einem EDL entsandten Mitarbeiter<br />
ist mit 1,8 Prozent aller Elektroingenieure<br />
ebenfalls relativ klein. Laut den<br />
Autoren einer Informationsschrift des<br />
VDE ist das Arbeiten bei EDL für<br />
Elektroingenieure noch nicht etabliert.<br />
Die Experten des VDE-Ausschusses<br />
„Studium, Beruf und Gesellschaft“<br />
erwarten in diesem Berufsfeld jedoch<br />
einen starken Anstieg der Beschäftigungsverhältnisse.<br />
EDL wachsen<br />
überproportional stark – insbesondere<br />
auf dem Gebiet der Elektronik und<br />
der Informations- und Kommunikationstechnik.<br />
EDL können laut den Autoren<br />
attraktive Arbeitgeber sein, die<br />
interessante und auch bessere Karrieremöglichkeiten<br />
bieten. Gerade große<br />
EDL böten viele Entwicklungsmöglichkeiten<br />
im eigenen Unternehmen,<br />
etwa in den Bereichen Projektmanagement,<br />
Vertrieb, Leitungsfunktionen<br />
wie auch Geschäftsführung oder Niederlassungsleitung.<br />
Ein zusätzliches<br />
Plus ist die relativ große Arbeitsplatzsicherheit,<br />
heißt es in der Infoschrift.<br />
Das Informationspapier basiert<br />
auf Expertenaussagen des VDE-Ausschusses<br />
„Studium, Beruf und Gesellschaft“,<br />
externen Quellen beziehungsweise<br />
Studien sowie VDE-eigenen<br />
Untersuchungen.<br />
11
TITEL HOCHSCHULE<br />
Hochschule plus Ausbildung: Tobias Matzke, 30, hat<br />
parallel zum Fachhochschulstudium eine Ausbildung<br />
zum Elektrotechniker abgeschlossen. Heute arbeitet<br />
er in den Offshore-Windparks Nordsee Ost für den<br />
Energiekonzern RWE.
KARRIERE<br />
DAS GLÜCK DER<br />
TÜCHTIGEN<br />
Genauso wenig wie das Glück, kann man eine Karriere erzwingen. Man kann sie aber durch das<br />
eigene Verhalten begünstigen. Die Hochschule, der Abschluss, eine Promotion sind mögliche Kriterien<br />
dafür. Ebenso einflussreich sind der Einstieg, Auslandserfahrung und Fleiß. Ohne den bekanntlich<br />
kein Preis.<br />
VON PETER ILG<br />
FOTOS: SEITE 12: RWE INNOGY (HINTERGRUND), PRIVAT<br />
Glück hat auf Dauer nur der Tüchtige. Wer an diesem<br />
Sprichwort zweifelt, sollte sich die Geschichte von Cornelia<br />
Schwarz, 30, anhören. Sie beginnt in der 9. Klasse<br />
einer Realschule in Lauingen, Bayern. Berufsfindungszeit.<br />
„Ich wollte keinen Bürojob, mich interessierte Technik.“<br />
Um herauszufinden, wie die sich anfühlt, machte sie ein<br />
Praktikum bei BSH Hausgeräte in Dillingen, nur wenige<br />
Kilometer von ihrem Wohnort entfernt. Dort steht eine<br />
der weltweit größten Fabriken für Geschirrspüler. Etwa<br />
2400 Mitarbeiter produzieren jährlich gut zwei Millionen<br />
Stück davon, ausgestattet mit moderner Elektrotechnik.<br />
Nach ihrem Praktikum war die Schülerin fasziniert davon.<br />
Sie bewarb sich und bekam die Ausbildungsstelle als<br />
Industrieelektronikerin, war anschließend eineinhalb Jahre<br />
Facharbeiterin am Band, davon drei Monate in den USA.<br />
Dann ging sie auf die Technikerschule in Nördlingen.<br />
„Dort war ich die erste Frau in der Elektrotechnik überhaupt.“<br />
Zwei Jahre dauerte der Vollzeitunterricht, Fachhochschulreife<br />
inklusive. Und wieder zeigte sich ihr das<br />
Glück gegen Ende der Schulzeit. Die Schule startete damals<br />
eine Kooperation mit der Universität Wrexham. Die<br />
Kleinstadt liegt im Nordosten von Wales, eine Autostunde<br />
von Liverpool entfernt. Schwarz hat dort Elektrotechnik<br />
studiert. „Geplant war das nicht, es hat sich einfach ergeben.“<br />
Die ersten drei Semester des Bachelorstudiengangs<br />
wurden den Technikern aus Deutschland erlassen, die anderen<br />
drei Studiensemester absolvierten sie in einem Jahr.<br />
Ohne lange zu fackeln, hat die junge Frau ihre Chance<br />
genutzt.<br />
2009 war sie Ingenieurin, „pünktlich zur Wirtschaftskrise<br />
und deshalb ein halbes Jahr arbeitslos“. Im Frühjahr<br />
2010 verbesserte sich die Lage und ihr alter Arbeitgeber<br />
stellte Schwarz in der Entwicklung für die Haushaltserprobung<br />
von Geschirrspülern ein. Dort ist sie noch heute<br />
tätig. „Für die Vorseriengeräte wähle ich Haushalte aus,<br />
die unsere Maschinen testen, erstelle Fragebögen, suche<br />
Fehlerquellen, falls solche auftreten.“ Dann baut sie die<br />
Teile aus oder nimmt die komplette Maschine mit ins<br />
Werk und sucht den Fehler im Labor.<br />
Cornelia Schwarz musste nicht lange überlegen, an<br />
welcher Hochschule sie studieren möchte. Die meisten<br />
anderen haben die Qual der Wahl: Duales Studium, Fachhochschule<br />
oder Universität? Reicht ein Bachelor- oder<br />
sollte es ein Masterabschluss sein? Vielleicht mit anschließender<br />
Promotion? Rein formal sind die drei Hochschularten<br />
gleichwertig. Grundsätzlich gilt: Fachhochschulen<br />
13
TITEL HOCHSCHULE<br />
»Technologietrends haben<br />
wenig mit dem Studium zu<br />
tun, höchstens im letzten<br />
Studienjahr, in dem es um<br />
die aktuelle Berufsqualifikation<br />
geht.«<br />
PROF. DR. MICHAEL BERGER<br />
Vizepräsident der FH Westküste in Heide,<br />
Leiter des VDE-Ausschusses „Studium,<br />
Beruf und Gesellschaft“<br />
» Bei uns sind Studenten<br />
mit Bachelor- und mit<br />
Masterabschluss willkommen.<br />
Wen wir einstellen,<br />
hängt von der Stellenanforderung<br />
und den persönlichen<br />
Fähigkeiten ab.«<br />
CHARLOTTE LAMMERS<br />
HR Business Partner Wind RWE Innogy<br />
»Betriebswirtschaftliche<br />
Grundkenntnisse und ein<br />
Gespür für wirtschaftliche<br />
Zusammenhänge sind von<br />
Vorteil. Einen MBA-Abschluss<br />
aber erwarten wir<br />
nicht.«<br />
BRIGITTE STEUCK<br />
Head of HR-Marketing bei BSH Hausgeräte<br />
»Aus der Industrie kommt<br />
oft die Klage, dass die<br />
Bachelorausbildung nicht<br />
an die klassische Diplom-<br />
Ingenieurausbildung heranreicht,<br />
was die Qualität der<br />
Absolventen angeht.«<br />
REINHARD SCHARFF<br />
Geschäftsführer der Personalberatung<br />
personal total Stuttgart-Mitte<br />
bilden für die Praxis aus. Dieses Prinzip steckt auch im<br />
neuen Namen dieser Hochschulart. Viele nennen sich<br />
„Hochschule für angewandte Wissenschaften“. Gelehrt<br />
wird anwendungsorientiert und mit festem Stundenplan.<br />
Universitäten sind deutlich weniger verschult, meist größer<br />
und das Studium ist theoretisch ausgelegt. Wer später<br />
wissenschaftlich arbeiten will, für den ist die Uni die richtige<br />
Wahl.<br />
Duale Hochschulen bieten eine<br />
Kombination aus Theorie und Praxis an<br />
Weil Bildung Ländersache ist, gibt es in einigen Ländern<br />
Berufsakademien. Diese bieten duale Studiengänge an.<br />
Das ist eine Kombination aus Theorie an der Hochschule<br />
und Praxis im Ausbildungsbetrieb. In Baden-Württemberg<br />
heißen Berufsakademien Duale Hochschulen. BSH<br />
zum Beispiel bietet ein duales Studium der Elektrotechnik<br />
zum Bachelor of Engineering in Englisch an. Andere Unternehmen<br />
kombinieren das Studium mit einer Berufsausbildung.<br />
Duale Studenten aber gibt es nicht wirklich viele.<br />
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind es in der<br />
Elektrotechnik im Wintersemester 2013/2014 rund 3700<br />
gewesen. Insgesamt waren in diesem Fach circa 84.000<br />
Studierende eingeschrieben. Die meisten studieren Elektrotechnik<br />
an einer Fachhochschule (47.000), an Universitäten<br />
sind es 37.000. Jeder zehnte Elektrotechnik-Student<br />
ist weiblich. Seit Jahren steigt die Frauenquote, in den vergangenen<br />
zehn Jahren hat sie sich fast verdoppelt. Dank<br />
mutiger Frauen wie Cornelia Schwarz.<br />
Leider spielt sich die Abbrecherquote in der Elektrotechnik<br />
auf hohem Niveau ab, auch wenn sie an Universitäten<br />
auf aktuell 37 Prozent zurückging. An den<br />
Hochschulen liegt die Quote bei 40 Prozent, in den Bachelorstudiengängen<br />
der Elektrotechnik ist sie dort am<br />
höchsten von allen Ingenieurstudiengängen. Diese Zahlen<br />
stammen vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und<br />
Wissenschaftsforschung auf Basis des Absolventenjahrgangs<br />
2012. Wer das Studium schafft, der kann sich schon<br />
allein deshalb zu den Tüchtigen zählen. „Mathe war schon<br />
richtig schwer“, erinnert sich Schwarz. Daran scheitern<br />
viele.<br />
Der Bachelorabschluss ist<br />
besser als sein Ruf<br />
Cornelia Schwarz hat – wie eingangs beschrieben – ein<br />
Bachelorstudium abgeschlossen. Die Zufriedenheit der<br />
Unternehmen mit Bachelorabsolventen geht zurück. Das<br />
zeigt die im Mai 2015 veröffentlichte Unternehmensbefragung<br />
des Deutschen Industrie- und Handelskammertags<br />
zu den Erwartungen der Betriebe an Hochschulabsolventen.<br />
In der aktuellen Studie sahen nur noch 47 Prozent der<br />
Betriebe ihre Erwartungen als erfüllt an, 2011 waren es<br />
noch 63 Prozent. Gleichzeitig meinen nur 16 Prozent, dass<br />
Bachelor-absolventen gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet<br />
sind. Die Zufriedenheit mit Masterabsolventen ist im<br />
Jahresvergleich deutlich von 65 auf 78 Prozent gestiegen.<br />
14
Die TU Darmstadt gilt als die Wiege des Elektroingenieur-Studiengangs: 1882 schuf sie den weltweit ersten Lehrstuhl für Elektrotechnik. Heute bietet der Fachbereich<br />
Elektrotechnik und Informationstechnik sowohl den Bachelor- als auch den Masterabschluss und die Promotion an.<br />
FOTOS: SEITE 14: (V.O.N.U) PRIVAT, RWE INNOGY, BSH HAUSGERÄTE, PERSONAL TOTAL; SEITE 15: THOMAS OTT / TU DARMSTADT<br />
Die Elektrotechnik-Studenten wissen offensichtlich, was<br />
die Wirtschaft will. Deshalb hängen drei von vier Bachelorabsolventen<br />
ein Masterstudium an, teilt die Hochschulrektorenkonferenz<br />
mit. Schwarz stellt keine fachlichen<br />
Defizite bei sich fest. „Man arbeitet sich ohnehin in ein<br />
Fachgebiet ein und wird dann darin Spezialist.“ Sie hat<br />
derzeit nicht vor, noch einen Masterabschluss zu machen.<br />
Nach so langer Ausbildungszeit ist das verständlich – und<br />
in ihrem Fall auch nicht notwendig.<br />
Zu Beginn des Studiums ist der<br />
spätere Job meist noch unklar<br />
Denn: „Der Bachelorabschluss ist besser als sein Ruf“,<br />
weiß Michael Berger, Professor an der FH Westküste in<br />
Heide. Er ist als Vizepräsident für Lehre und Qualitätssicherung<br />
zuständig und leitet den Ausschuss „Studium,<br />
Beruf und Gesellschaft“ des VDE, der sich unter anderem<br />
um die Qualität des Ingenieurstudiums kümmert. „Bachelorabsolventen,<br />
die vorher eine Lehre abgeschlossen haben,<br />
kommen bei Mittelständlern hervorragend unter und<br />
sind dort auch die Person der Wahl.“ Bei der Bewertung<br />
von Bachelors würden so viele Kriterien eine Rolle spie-<br />
len, dass Berger eine verallgemeinernde Aussage darüber<br />
scheut, ob sie generell das notwendige Format mitbringen:<br />
Lebensgeschichte, Persönlichkeit, Alter, individuelle<br />
Fähigkeiten wie Sprachbegabung oder Führungsstärke.<br />
Einen Master braucht nach seiner Meinung objektiv nur<br />
der, bei dem die tieferen Fachkenntnisse wesentlich für die<br />
Aufgabe sind.<br />
Nur, wer weiß schon, wenn er sein Studium beginnt,<br />
welchen Job er anschließend macht? Wohl kaum jemand.<br />
Tobias Matzke, 30, hat an der Technischen Fachhochschule<br />
Bochum Elektrotechnik studiert und parallel dazu<br />
eine Ausbildung zum Elektrotechniker abgeschlossen.<br />
Seine Ausbildung machte er beim Energiekonzern RWE,<br />
sein Studium hat er als Diplom-Ingenieur abgeschlossen.<br />
Diesen Abschluss bieten heute nur noch ganz wenige<br />
Hochschulen an, die allermeisten Ingenieure aber tragen<br />
diesen Titel. Nach seinem Studienabschluss hat Matzke<br />
im RWE-Geschäftsbereich Gasspeicher Automatisierungsprojekte<br />
geleitet, seit 2012 arbeitet er bei dem Tochterunternehmen<br />
Innogy. Das ist die Erneuerbare-Energien-Sparte<br />
des Konzerns. „Zu RWE Innogy habe ich<br />
gewechselt, um näher an der Energietechnik und dem Betrieb<br />
zu sein.“ Jetzt ist er ganz nahe dran: Zwei Jahre hat er<br />
von Hamburg aus den elektrischen Betrieb des Offshore-<br />
15
TITEL HOCHSCHULE<br />
Windparks Nordsee Ost vorbereitet. Seit dem Sommer ist<br />
er auf Helgoland auf der Betriebsstation und dort zuständig<br />
für die Mittel- und Langfristplanung von Wartungsund<br />
Serviceeinsätzen. „Ich koordiniere Servicekräfte und<br />
sorge dafür, dass die Anlagen sicher laufen.“ Zurzeit unterstützt<br />
er Kollegen bei der Zuschaltung neuer Windturbinen.<br />
Der Windpark liegt 30 Kilometer nördlich der Insel<br />
Helgoland. Von den 48 Anlagen der 6-Megawattklasse<br />
sind 40 in Betrieb. Die Gesamtleistung des Offshore-Parks<br />
liegt bei 295 Megawatt. RWE hat in Nordsee Ost rund<br />
eine Milliarde Euro investiert.<br />
Management-Nachwuchs wird häufig<br />
in Traineeprogrammen ausgebildet<br />
Dazu gehören auch Appartements auf Helgoland für die<br />
15 RWE-Mitarbeiter der Betriebsstation. Die arbeiten im<br />
Zwei-Wochen-Rhythmus. Zwölf Stunden pro Tag und<br />
manchmal Bereitschaft. „Das ist schon ein grundlegender<br />
Unterschied zur 40-Stunden-Woche und jeden Abend<br />
daheim“, sagt Matzke. Er hat mit seiner Freundin ein gemeinsames<br />
Kind, beide können jederzeit nach Helgoland<br />
kommen und im Appartement wohnen, das er sich mit<br />
seinem Schichtpartner teilt.<br />
Schwarz und Matzke sind direkt ins Berufsleben eingestiegen,<br />
wie das die große Masse unter den Elektroingenieuren<br />
macht. Traineeprogramme sind die Ausnahme.<br />
Und wenn Unternehmen sie anbieten, dann sind das<br />
Konzerne oder große Mittelständler. Aus gutem Grund:<br />
Während der Trainee-Zeit lernen die Teilnehmer die Organisation<br />
kennen, können Beziehungen knüpfen und in<br />
den verschiedenen Stationen für sich herausfinden, welche<br />
Aufgabe zu ihnen selbst am besten passt. Häufig wird in<br />
Traineeprogrammen der Management-Nachwuchs ausgebildet.<br />
Eine Garantie auf Karriere ist die Teilnahme an<br />
einem solchen Programm aber nicht.<br />
Promotionen sind bei Elektroingenieuren<br />
relativ wenig verbreitet<br />
Dass ein Mitarbeiter gut ist, muss er im Alltag in der Praxis<br />
zeigen. BSH Hausgeräte und RWE bieten Traineeprogramme<br />
an, die teilweise im Ausland stattfinden.<br />
Auslands erfahrung ist in unserer globalen Welt ohnehin<br />
wichtig. Wer die Möglichkeit hat, sollte ein Auslandssemester<br />
einlegen.<br />
Promotionen sind bei Ingenieuren im Vergleich zu Naturwissenschaftlern,<br />
wie etwa Biologen und Chemikern,<br />
weniger verbreitet. Elektroingenieure, die an einer Uni studiert<br />
haben, promovieren deutlich häufiger als FH-Absolventen,<br />
was eben an der wissenschaftlicheren Ausbildung<br />
an Unis liegt. „Als forschungsorientierter Fachbereich<br />
haben wir bei uns vergleichsweise viele Studierende, die<br />
nach ihrem Masterabschluss eine Promotion anstreben“,<br />
sagt Professor Jürgen Adamy. Er ist Dekan des Fachbereichs<br />
Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU<br />
Darmstadt. Die Hochschule ist Mitglied von German Instituts<br />
of Technology, einem Zusammenschluss von neuen<br />
führenden Technischen Universitäten in Deutschland.<br />
Adamy spricht an dieser Stelle für die Elektrotechnik, weil<br />
an der TU Darmstadt der Elektroingenieur „erfunden“<br />
wurde. 1882 berief sie den Physiker Erasmus Kittler auf<br />
den weltweit ersten Lehrstuhl für Elektrotechnik und bot<br />
erstmals ein Elektroingenieurstudium an. Im vergangenen<br />
Jahr haben in Darmstadt gut 60 Elektroingenieure ihre<br />
Promotion abgeschlossen. „Eine Promotion prädestiniert<br />
für eine wissenschaftliche Forscher- und Erfindertätigkeit<br />
und auch für eine Führungsposition“, sagt Adamy. Und<br />
auch für eine akademische Karriere, beginnend mit einer<br />
Juniorprofessur. In Adamys Fachbereich sind 15 Prozent<br />
der Professuren Juniorprofessuren.<br />
Professor Berger spricht für alle Hochschulen: „Wir<br />
haben Berechnungen angestellt, wonach in zehn Jahren<br />
auf jede offene Professur für Elektro- und Informationstechnik<br />
in Deutschland gerade mal fünf Promovierte<br />
kommen.“ Davon sind vielleicht drei für den Beruf als<br />
Hochschulprofessor geeignet. Nicht nur in der Industrie,<br />
auch an den Hochschulen droht ein Fachkräftemangel.<br />
Die Knappheit an Elektroingenieuren<br />
wird sich noch verstärken<br />
Dass die Arbeitsmarktchancen von Absolventen der<br />
Elektrotechnik „heute schon hervorragend“ sind, stellt<br />
Reinhard Scharff jeden Tag fest. Er ist Geschäftsführer<br />
von personal total Stuttgart-Mitte. Die Personalberatung<br />
sucht im Auftrag von Unternehmen hochqualifizierte<br />
Fach- und Führungskräfte, darunter häufig Ingenieure.<br />
Die Anfangsgehälter von Absolventen dualer Hochschulen<br />
und solcher mit Bachelorabschluss liegen nach seiner<br />
Erfahrung zwischen 40.000 und 45.000 Euro. Masterabsolventen<br />
bekommen zwischen 50.000 und 55.000 Euro.<br />
Promotionen bringen 60.000 bis 65.000 Euro. Scharff<br />
geht davon aus, dass sich die Knappheit an Elektroingenieuren<br />
verstärken wird. „Wir erwarten eine extrem große<br />
Nachfrage.“ Das hat auch mit Trendthemen zu tun, die<br />
auf der Elektrotechnik basieren. Industrie 4.0 zum Beispiel,<br />
die digitale, sich selbst organisierende Fabrik. Oder<br />
die Vernetzung der Gesellschaft, die mit immer größeren<br />
Schritten voranschreitet.<br />
Daran arbeitet auch Cornelia Schwarz. Bald schon lassen<br />
sich Geschirrspüler von BSH mit dem Smartphone<br />
steuern. Fünf Jahre arbeitet sie schon in der Haushaltserprobung<br />
und würde sich nun gerne weiterentwickeln.<br />
„Das Qualitätsmanagement interessiert mich.“ Deshalb<br />
liest sie regelmäßig die internen Stellenausschreibungen.<br />
Wetten, dass sie bald einen anderen Job hat?<br />
PETER ILG<br />
ist freier Journalist für Management und Karriere, Finanzen und Versicherungen<br />
sowie Informationstechnologie.<br />
16
WIE MACHT MAN KARRIERE?<br />
Souveränität ist entscheidend<br />
Wer Karriere machen will, muss souverän sein, sagt Jutta Boenig. Als Wirtschaftsmediatorin, systemischer Coach,<br />
Körpertherapeutin und Dozentin begleitet sie seit vielen Jahren Menschen und Organisationen in Veränderungsprozessen.<br />
Wichtig für die Karriere, so Boenig, sind aber auch die richtige Wahl der Hochschule, der passende<br />
Berufseinstieg und eine ausbalancierte Persönlichkeit.<br />
FOTO: SEITE 17: PRIVAT<br />
Jutta Boenig, Personalexpertin<br />
und Vorstandsvorsitzende der<br />
Deutschen Gesellschaft für<br />
Karriereberatung<br />
Sie beraten vor allem Ingenieure,<br />
oft in leitenden Positionen.<br />
Wie definieren Manager<br />
Karriere für sich?<br />
Durch ihre Personalverantwortung:<br />
Je mehr Mitarbeiter ein<br />
Manager hat, umso stärker ist<br />
sein Gefühl ausgeprägt, etwas<br />
bewegen zu können. Wer vielen<br />
etwas zu sagen hat und das<br />
am besten noch Mitarbeitern in<br />
aller Welt, der fühlt sich fast<br />
grenzenlos mächtig. Über diesen<br />
Grundsatz definieren sich<br />
Manager seit Generationen.<br />
Welchen Maßstab legen Sie<br />
an bei der Frage, ob jemand ein erfolgreicher Managertyp<br />
ist, wenn Sie Kandidaten für Unternehmen suchen?<br />
Ich halte Souveränität für entscheidend. Souveränes Handeln<br />
bedeutet, dass sich ein Manager über den Alltagsstress hinaus<br />
keine Problemfelder schafft, etwa Konflikte. Wenn er den<br />
nächsten Karriereschritt machen will, ist es unerlässlich, dass<br />
er in seinem aktuellen Job in Balance ist.<br />
Und was sind die Maßstäbe für Unternehmen, wenn sie<br />
einen Manager einstellen?<br />
Jeder muss nachweisen, Projekte erfolgreich abgeschlossen<br />
zu haben. Das steht bei den Unternehmen ganz oben auf der<br />
Liste. Zunehmend achten die Firmen darauf, ob die Mannschaft<br />
hinter ihrem Spielführer steht. Zahlen allein sind es also<br />
nicht mehr. Drittens sollte der Manager angemessen sein.<br />
Das heißt: Er muss sich auf allen Ebenen bewegen können. Er<br />
darf nicht arrogant, muss aber kommunikativ und authentisch<br />
sein. Der alte Karrierist, taff und unnahbar, nach Macht strebend,<br />
stirbt langsam aus.<br />
Gibt es in den Lebensläufen dieser erfolgreichen Menschen<br />
Ähnlichkeiten: den Studienort, haben sie Promotion,<br />
Auslandserfahrung?<br />
Je stringenter Studenten an einer Hochschule auf den Beruf<br />
vorbereitet werden, umso stärker werden Karrieren geformt.<br />
Die RWTH Aachen ist deshalb eine absolute Kaderschmiede.<br />
Viele Top-Manager haben dort ihren Abschluss gemacht. Promotion<br />
und Auslandserfahrung sind Karrierebeschleuniger,<br />
daran gibt es nichts zu rütteln.<br />
Wie wichtig ist der Einstieg ins Berufsleben für die Karriere?<br />
Hilft dabei ein Trainee oder ist der Direkteinstieg<br />
gleichwertig?<br />
Ich rate zum Traineeprogramm. Selbst wenn die Leute fachlich<br />
perfekt ausgebildet sind, mangelt es häufig an Persönlichkeit.<br />
Ein Traineeprogramm unterstützt die Profilbildung.<br />
Konzern oder Mittelstand, Entwickler oder Projektmanagement:<br />
Wie wichtig sind beim Einstieg für die Karriere<br />
beispielsweise Unternehmensgröße und Funktion?<br />
Grundsätzlich betreiben Konzerne eine ausgeprägte und facettenreiche<br />
Personalentwicklung. Im Mittelstand ist das weniger<br />
ausgeprägt. Wer eine Konzernkarriere anstrebt, wird auf fruchtbaren<br />
Boden treffen, sofern er das Potenzial dafür hat. Im Mittelstand<br />
muss man Karriere einfordern, da funktioniert Karriere<br />
nicht automatisch. Eine starke Persönlichkeit hilft dabei.<br />
Gibt es den entscheidenden Moment für die Karriere, an<br />
dem man Ja oder Nein sagen muss?<br />
Den gibt es. Erst kürzlich saß mir ein Ingenieur gegenüber, der<br />
mit einem solchen Moment konfrontiert wurde. Angestellter in<br />
einem Konzern, 37 Jahre, ihm wird die Leitung eines Projekts<br />
in Südamerika angeboten. Das wäre ein Wahnsinns-Karrieresprung<br />
für ihn. Er hadert mit sich, weil er seine Heimat nicht<br />
verlassen kann. Familie und Freunde scheinen ihm wichtiger.<br />
Wenn er diese Chance auslässt, bekommt er in diesem Unternehmen<br />
keine zweite.<br />
Welcher Typ eignet sich für höhere Aufgaben, wer bleibt<br />
besser in der Linie?<br />
Jemand, der aus der Metaebene analytisch und übergreifend<br />
Systeme verstehen, Mitarbeiter und Projekte ineinanderfließen<br />
lassen kann und gut ist in Führungsaufgaben, kann Karriere<br />
machen. Schwarz-Weiß-Denkern empfehle ich, auf der Fachebene<br />
zu bleiben. Dieser Typ tut sich schwer mit Karriere, das<br />
sind eher die Experten. Und auch die werden gebraucht. Es<br />
kann schließlich nicht jeder Chef sein. Vor allem aber muss<br />
man sich in seiner Rolle wohlfühlen. Nur dann kann man sie<br />
gut ausfüllen.<br />
Das Interview führte Peter Ilg.<br />
17
TITEL HOCHSCHULE<br />
DUALES STUDIUM<br />
Kein Königsweg<br />
Bildung wird durchlässiger, Meister und Bachelor sind gleichwertig. Ziel: Die Erhöhung der Fachkräftezahl<br />
auf allen Qualifikationsstufen. Vor allem duale Studiengänge liegen im Trend. Die Anzahl<br />
der Angebote im Bereich Elektrotechnik für die Kombination aus Hochschulausbildung und Praxisphasen<br />
in Unternehmen steigt bundesweit kontinuierlich an.<br />
VON CORINNE SCHINDLBECK<br />
Energiewende, Digitalisierung oder Elektromobilität: Die<br />
Zukunft wird elektrisch sein und benötigt Fachkräfte auf<br />
allen Qualifikationsstufen. Zu diesem Zweck ziehen Verbände<br />
wie der VDE, der ZVEI und der ZVEH an einem<br />
Strang. So stand beispielsweise der gemeinsame IFA-Auftritt<br />
Anfang September in Berlin ganz unter dem Motto<br />
Fachkräftenachwuchs, Qualifizierung und Berufsbildung.<br />
Während jedoch Elektro- und Informationstechnik<br />
in Deutschland als Studienfach immer beliebter wird –<br />
17.700 Erstsemester verzeichnete der Studiengang Elektrotechnik<br />
letztes Jahr, Tendenz steigend, vor allem dank<br />
ausländischer Studierender –, plagen die Elektrohandwerke<br />
Nachwuchssorgen. „Noch wird die Karriere im Handwerk<br />
nicht als lohnenswerte Alternative zur akademischen<br />
Ausbildung gesehen“, klagt der Präsident des ZVEH,<br />
Lothar Hellmann.<br />
Gemeinsames Ziel von Politik, Wirtschaft und Verbänden<br />
ist es daher, Potenziale zu heben und mehr Durchlässigkeit<br />
innerhalb der Qualifikationsstufen zu schaffen. Zum<br />
Beispiel Studienabbrechern Perspektiven im Handwerk auf-<br />
18
FOTO: © FM2 / FOTOLIA.COM<br />
zuzeigen. Wer mehr Durchlässigkeit will, braucht zunächst<br />
mal einen Vergleichsrahmen. Diesen liefert der „Deutsche<br />
Qualifikationsrahmen“ (DQR), der 2012 unter Federführung<br />
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung<br />
und der Kultusministerkonferenz – unter maßgeblicher<br />
Mitarbeit des VDE – verabschiedet wurde. Er dient als<br />
Übersetzungsinstrument, mit dessen Hilfe alle schulischen,<br />
akademischen und beruflichen Qualifikationen des deutschen<br />
Bildungssystems den acht Niveaus des Europäischen<br />
Qualifikationsrahmens (EQR) zugeordnet und verglichen<br />
werden können.<br />
Gleichwertig, aber nicht gleichartig:<br />
Bachelor und Meister<br />
Seitdem sind die Abschlüsse Bachelor und Meister als<br />
gleichwertig anerkannt. „Gleichartig“, so Prof. Michael<br />
Berger, Vorsitzender des Ausschusses „Studium, Beruf und<br />
Gesellschaft“ im VDE, seien die beiden Abschlüsse freilich<br />
keineswegs: „Der Meister hat in der Regel Schwächen in<br />
Mathe oder Physik. Der Bachelor hingegen kann nicht mit<br />
dem Meister mithalten, wenn es um praktische Kompetenzen<br />
geht.“ Aller Vergleichbarkeit zum Trotz muss für<br />
den Wechsel zwischen beruflichem und hochschulischem<br />
Zweig individuell berücksichtigt werden, welche Vorkenntnis<br />
da ist, auch wenn das Mehraufwand bedeutet.<br />
Denn an der Qualität der Ingenieurausbildung mag der<br />
VDE nicht rütteln. Im Gegenteil, angesichts der zunehmenden<br />
Belastung vieler Studenten durch Nebenjobs hält<br />
Prof. Michael Berger die Qualitätssicherung in der Ingenieurausbildung<br />
für ein „zentrales Problem“.<br />
So glatt wie bei Andreas Friesinger läuft es nicht immer:<br />
Er schaffte es vom Gesellen zum Hochschulabsolventen<br />
mit Auszeichnung. Seine Stationen: Mittlere Reife, Ausbildung,<br />
Meisterprüfung, Aufstiegsstipendium, Fernstudium<br />
an der Wilhelm Büchner Hochschule mit Abschluss<br />
Diplom-Ingenieur Elektrotechnik (FH). Im vergangenen<br />
Jahr erhielt Friesinger, der heute als Spezialist für Embedded<br />
Systems Entwicklung bei der Firma BMK professional<br />
electronics in Augsburg beschäftigt ist, als Krönung<br />
den Studienpreis 2014 von der Gesellschaft für Systems<br />
Engineering GfSE.<br />
Die Studienzeit war für ihn arbeitsintensiv, „vor allem<br />
da ich in den ersten Semestern viel Mathe nachholen<br />
musste. Dies hat nur geklappt, weil ich das Lerntempo<br />
und den Studienfortschritt flexibel handhaben konnte“.<br />
Nun ist aber Friesinger, der als Kind schon von jeglicher<br />
Art von Technik fasziniert war, sicherlich ein Sonderfall.<br />
Spätestens dann, wenn klar wird, dass die Mathe- und<br />
Physikkenntnisse längst nicht ausreichen und – trotz Berufstätigkeit<br />
– gebüffelt werden muss, spielt die jeweilige<br />
Motivation eine große Rolle.<br />
Das ist im Vollzeitstudium nicht anders. Vor allem,<br />
wenn Nebenjobs die Lernzeit beschneiden. Umfragen besagen,<br />
dass Studenten bis zu 20 Stunden arbeiten, häufig<br />
fachfremd im Taxi oder in der Burger-Braterei, statt anwendungsbezogen<br />
als Werkstudent in einem Betrieb. Eine<br />
ganze Reihe von Studienabbrüchen könne man dadurch<br />
sicher erklären, meint Berger. Schließlich veranschlage<br />
der Akkreditierungsrat für ein Vollzeitstudium rund<br />
1800 Stunden im Jahr – was einem Vollzeitjob entspricht.<br />
Vielleicht erklärt der Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit<br />
den Trend zum dualen Studium. Die Zahl der<br />
dualen Studiengänge an Berufsakademien, Fachhochschulen<br />
und Universitäten im Bereich Elektrotechnik ist<br />
von bundesweit 77 im Jahr 2010 auf 87 in 2011 angestiegen.<br />
Damit machte Elektrotechnik ein Zehntel aller dualen<br />
Angebote aus, mit 2000 beteiligten Unternehmen und<br />
4000 Studierenden.<br />
Den Trend zum dualen Studium beurteilt Berger differenziert.<br />
Gut für diejenigen, die bereits wüssten, dass sie<br />
eine anwendungsnahe Position wie in Service oder Produktion<br />
anstreben. Oder solche mit Berufserfahrung und<br />
finanziellen Verpflichtungen. Für Abiturienten sieht Berger<br />
das duale Studium schon kritischer, vor allem wenn<br />
die finanzielle Unabhängigkeit als Entscheidungskriterium<br />
im Vordergrund steht.<br />
Der Schlüssel zum Studienerfolg<br />
liegt nicht in der Organisationsform<br />
Die Idee des dualen Studiums ist nicht grundsätzlich neu.<br />
Die Kombination aus Hochschulausbildung gepaart mit<br />
Praxisphasen gibt es schon seit den 60er-Jahren, als Werkstudenten<br />
bei Siemens. „Nur jetzt ist eben noch vielfach<br />
ein IHK-Lehrabschluss dabei“, so Berger.<br />
Positivbeispiele wie die FH Bochum, die im Rahmen<br />
der „Kooperativen Ingenieurausbildung“ (KIA) 15 Ausbildungsberufe<br />
mit Abschluss Bachelor im Curriculum<br />
stehen hat, hebt Berger hervor. Die Ausbildung ist auf<br />
zwei Jahre verkürzt. Das Studium gliedert sich in ein Basisstudium,<br />
das in den ersten beiden Jahren parallel zur<br />
Facharbeiterausbildung absolviert wird. Danach folgt das<br />
fünfsemestrige Vertiefungsstudium in Vollzeit.<br />
Die Organisationsform an sich sei aber nicht der Schlüssel<br />
zum Studienerfolg, sondern die individuelle Förderung<br />
des Einzelnen. So könnte finanzielle Förderung durch<br />
Stipendien die Notwendigkeit von Nebenjobs erübrigen.<br />
Auch sollten Unternehmen und Hochschulen Studierende<br />
so einsetzen, dass die Arbeit dem Lernfortschritt diene<br />
und das Studium gleichzeitig „studierbar“ bleibe. Dafür<br />
brauche es ein gemeinsames Qualitätsbewusstsein und bilaterale<br />
Absprachen, die die Lebenswirklichkeit eines normalen<br />
Studenten berücksichtigen.<br />
„Freilich brauchen wir auch weiterhin die klassisch-wissenschaftliche<br />
Ingenieurausbildung, die mit dem<br />
Master oder der Promotion endet“, ergänzt Berger noch.<br />
Denn für eine wissenschaftliche Laufbahn sei ein theoretisch<br />
fundierter Masterstudiengang immer noch die ideale<br />
Grundlage. Den „Königsweg“ gibt es also nicht.<br />
CORINNE SCHINDLBECK<br />
ist freie Journalistin und Redakteurin bei den WEKA Fachmedien.<br />
19
TITEL HOCHSCHULE<br />
START-UPS<br />
Kopf aus dem Sand!<br />
Vom Hörsaal direkt in die Chefetage? Davon träumt so manch ein Studierender und gründet daher<br />
lieber gleich ein eigenes Start-up, statt sich mühsam in einem Unternehmen hochzuarbeiten. Man<br />
braucht dafür „nur“ eine zündende Idee, betriebswirtschaftliche Vorkenntnisse, viel Mut und noch<br />
mehr Durchhaltevermögen.<br />
VON MARTIN SCHMITZ-KUHL<br />
Andreas von Bechtolsheim – oben im Bild zu sehen – wäre<br />
ein wunderbares Beispiel für einen deutschen Elektroingenieur,<br />
der nach seinem Studium ein Unternehmen<br />
gründete und damit sofort durchstartete. Schließlich<br />
wurde er mit diesem Unternehmen und später folgenden<br />
Invest ments zu einem der reichsten Männer der Welt.<br />
Doch leider hat die Geschichte des Sun-Gründers und<br />
Google-Investors zwei kleine Schönheitsfehler: Erstens<br />
brach Bechtolsheim 1975, kurz nachdem er bei „Jugend<br />
forscht“ gewonnen hatte, sein Studium der Elektrotechnik<br />
an der TU München ab – aus Verärgerung, weil den Studenten<br />
keine Computer zu Verfügung standen. Und zweitens<br />
setzte er danach seine Karriere eben nicht hierzulande,<br />
sondern in den USA fort. Stichwort: Silicon Valley. Als<br />
deutsche Erfolgsgeschichte taugt Bechtolsheim daher eher<br />
weniger. Er wird mit den Worten zitiert: „Die Deutschen<br />
haben den Kopf in den Sand gesteckt.“<br />
Doch seit den 70er-Jahren ist viel passiert, und auch<br />
deutsche Erfolgsgeschichten gibt es inzwischen zahlreiche<br />
zu erzählen, wenngleich immer noch die wenigsten auf der<br />
Forbes-Milliardärsliste enden dürften. Es sind Geschichten<br />
von jungen Menschen, die sich nach dem Studium<br />
20
FOTO: SEITE 20: STIFTUNG JUGEND FORSCHT E. V.<br />
nicht in das gemachte Nest setzen, sondern sich stattdessen<br />
lieber selbst ein Nest bauen wollen. Start-ups nennt<br />
man neudeutsch solche Unternehmungen in den ersten<br />
Jahren ihres Bestehens. Dabei existiert häufig das klischeehafte<br />
Bild eines Bill Gates im Kopf: große Idee, kleine Garage.<br />
Doch selbst wenn diese Vorstellung zu kurz greift,<br />
steckt in ihr viel Wahres. Denn am Anfang eines erfolgreichen<br />
Start-ups stehen fast immer eine gute Idee und<br />
meistens leider auch geringe finanzielle Ressourcen, trotz<br />
zahlreicher Verbesserungen, die es auch in diesem Bereich<br />
hierzulande gibt. Laut dem Startup Monitor 2014 sehen<br />
immerhin noch 38 Prozent der Gründer den schwierigen<br />
Zugang zu Venture Capital als „schweres“ bzw. „äußerst<br />
schweres“ Hemmnis für die weitere Unternehmensentwicklung.<br />
Für eine Entwicklung also, die dafür sorgen<br />
könnte, dass ein Start-up nach einiger Zeit tatsächlich abhebt<br />
und zu einem „richtigen“ Unternehmen wird.<br />
Die Neuheit eines Unternehmens ist indes nicht das alleinige<br />
Kriterium, um als Start-up bezeichnet werden zu<br />
können. Ansonsten müsste man ja bei jeder neuen Boutique<br />
an der Ecke ebenfalls von einem Start-up sprechen.<br />
Eine weitere wichtige Eigenschaft eines Start-ups ist der<br />
Grad an Innovation, mit dem die Gründer und vor allem<br />
ihre Idee überraschen und überzeugen. Denn was wäre<br />
die Start-up-Branche ohne die Suche nach „the next big<br />
thing“? Start-ups sollten nämlich idealerweise ein überdurchschnittlich<br />
großes Wachstumspotenzial haben – zumindest<br />
ein weitaus größeres als die Boutique an der Ecke.<br />
Das Start-up modEnerco ist ein solches Unternehmen.<br />
Und Florian Rocktäschel und Niklas Rotering sind genau<br />
solche Unternehmensgründer. Ihre Idee: Eine cloudbasierte<br />
Energieberatung für Endverbraucher und Handwerker,<br />
die es ermöglicht, mit minimalem Aufwand und<br />
stets individuell für jede Immobilie die optimale Wärmeversorgung<br />
zu ermitteln. Das Unternehmen hilft so dem<br />
Verbraucher – in einem immer komplexeren und komplizierteren<br />
Markt –, mit der neuen Heizung Geld, Energie<br />
und CO 2 einzusparen. Und dem Handwerker ermöglicht<br />
modEnerco, eine professionelle Beratung mit überschaubarem<br />
zeitlichem und finanziellem Aufwand anbieten zu<br />
können. Klingt nach einer guten Idee – aber nicht unbedingt<br />
danach, demnächst damit auf der Forbes-Milliardärsliste<br />
Erwähnung zu finden. „Wer bei Gründungen<br />
oder Start-ups an die schnelle Millionen denkt, hat nicht<br />
richtig aufgepasst“, meint Rocktäschel. Aber auch: „Selbst<br />
die richtig Großen wie Google oder Apple haben eine lange<br />
Leidensgeschichte hinter sich.“ Was nicht ist, kann also<br />
noch werden.<br />
Schon während des Masters wurde dem Elektroingenieur<br />
Rocktäschel klar, dass eine Karriere „wie aus dem Buche“<br />
nichts für ihn sei. Viele Strukturen in den großen Firmen<br />
erschienen ihm zu träge und vorhersehbar. Auch die<br />
Vorstellung eines sicheren Einkommens lockte ihn nicht –<br />
da ging es ihm wie vielen jungen Leuten heutzutage. „Der<br />
Reiz, selber Dinge umsetzen zu dürfen und den Erfolg<br />
oder Fall in der eigenen Hand zu haben, übertrifft meist<br />
jede noch so gut klingende Position in einem weltumspannenden<br />
Konzern“, ist Rocktäschel überzeugt. Und was<br />
hat ihm auf seinem Weg am meisten geholfen? „Wegen<br />
unseres EXIST-Gründerstipendiums haben wir derzeit<br />
noch Räume im Gründerzentrum der RWTH Aachen“,<br />
erzählt Rocktäschel, inklusive ein Jahr lang Geld für den<br />
Lebensunterhalt sowie professionelle Unterstützung und<br />
Schulungsmöglichkeiten. Doch wichtig sei vor allem das<br />
Netzwerken – einerseits zu anderen Studenten und Gründern<br />
in Aachen, andererseits im Rahmen seines jahrelangen<br />
Engagements für das VDE YoungNet „Die einfachste<br />
Methode, mehr über das Potenzial eines Konzeptes zu erfahren,<br />
ist, Leute zu fragen, die sich damit auskennen“, so<br />
Rocktäschel. „Und gerade im elektrotechnischen Bereich<br />
ist der VDE mit seinen Veranstaltungen und Mitgliedern<br />
nun einmal die Nummer eins in Deutschland.“<br />
Apropos elektrotechnischer Bereich: Täuscht der Eindruck,<br />
oder entstehen tatsächlich nur wenige Start-ups<br />
in der Elektrotechnik und die meisten im Online- und<br />
Softwarebereich? Rocktäschel ist davon überzeugt, dass<br />
dieser Eindruck stimmt. Und er weiß auch den Grund:<br />
Das liebe Geld. „Auch wir hatten diverse andere Ideen,<br />
die sich mit einem elektronischen Produkt beschäftigt haben“,<br />
berichtet er. Aber: „Alle diese Ideen mussten leider<br />
verworfen werden, da wir keine Möglichkeit gesehen<br />
haben, ausreichend finanzielle Mittel für die Entwicklung<br />
aufzutreiben.“<br />
Viele Gründer starten in der Garage,<br />
wenige landen auf der Forbes-Liste<br />
Auch Dr. Carsten Rudolph bestätigt diesen Eindruck. Der<br />
promovierte Elektroingenieur leitet mit Bay StartUP die<br />
zentrale bayerische Institution für Unternehmensgründung<br />
und Finanzierung. Mit Businessplan-Wettbewerben,<br />
intensivem Coaching und einem großen Netzwerk von<br />
sogenannten Business Angels, Venture-Capital-Investoren<br />
und öffentlichen Kapitalgebern unterstützt er innovative<br />
Gründer. Dabei kämen gerade mal zehn Prozent der Einreichungen<br />
bei den Businessplan-Wettbewerben aus klassischen<br />
Ingenieurszünften wie Elektrotechnik und Maschinenbau,<br />
den Löwenanteil bestreite mit 55 Prozent die<br />
IT. Es sei einfach sehr viel leichter und weniger kapitalintensiv,<br />
eine innovative Software zu programmieren, als ein<br />
elektrotechnisches Produkt zur Marktreife zu führen. Und<br />
dann hat es vielleicht auch etwas mit der Mentalität zu tun.<br />
„Ingenieure probieren einfach nicht so viel aus“, berichtet<br />
Rudolph – der dieser Zurückhaltung jedoch auch etwas<br />
Positives abgewinnen kann: „Es gibt säckeweise gescheiterte<br />
Webshops, aber eben nur ganz wenige Elektrotechnik-Start-ups,<br />
die es dann nicht geschafft haben.“<br />
Dieser „Zurückhaltung“ ist es vielleicht auch zuzuschreiben,<br />
dass auffällig viele Gründer von Elektrotechnik-Unternehmen<br />
selbst gar keine Elektrotechniker sind,<br />
sondern vielmehr Juristen (wie die Gründer von ubitricity,<br />
einem derzeit sehr erfolgreichen Berliner Start-up im Bereich<br />
Elektromobilität), Physiker (so beim Erlanger Hightech<br />
Spin-off neomicra im Bereich Industrieautomation/<br />
Produktion) oder Absolventen der IT (wie die Würzburger<br />
Neugründer von Measurement in Motion, die mit<br />
einer neuen Laserscan-Technik aufwarten und damit gerade<br />
den bayerischen Hochschul-Gründer-Preis 2015 gewonnen<br />
haben).<br />
21
TITEL HOCHSCHULE<br />
GRAFIK<br />
Finanzierungszusagen des High-Tech Gründerfonds nach Technologiefeldern<br />
Software as a Service (SaaS)<br />
11,2<br />
Medizin - Technik<br />
9,8<br />
Applikationssoftware<br />
9,6<br />
Industrielle Software<br />
7,7<br />
Maschinenbau / Automatisierung<br />
6,0<br />
Biotechnologie<br />
6,0<br />
Medien<br />
5,6<br />
e-Commerce<br />
5,4<br />
Internet - sonstige<br />
Elektrotechnik / Elektronik<br />
5,4<br />
5,2<br />
Zusagen gesamt: 481<br />
Diagnostik<br />
5,0<br />
Pharmazie<br />
Energie<br />
Optische Technologien<br />
Chemie / Werkstoffe<br />
Kommunikation<br />
Healthcare & Services<br />
Stand: 31.05.2015<br />
2,7<br />
3,5<br />
3,3<br />
4,6<br />
4,6<br />
4,4<br />
QUELLE: HIGH-TECH GRÜNDERFONDS<br />
Elektrotechnik-Start-ups sind selbst im High-Tech Gründerfonds stark unterrepräsentiert. Dennoch täuscht der Eindruck, dass es sich bei Start-ups immer nur um<br />
Webshops und App-Produzenten handelt. Immerhin 30 Prozent der geförderten Unternehmen produzieren Hardware.<br />
Auch Marcus Schlüter ist weder Ingenieur noch Techniker,<br />
er hat Tourismusmanagement studiert. Doch das<br />
hielt den Münchner nicht davon ab, zusammen mit seinem<br />
Kompagnon Johannes Biechele, der Fahrzeugtechnik studiert<br />
hat, direkt nach dem Studium mit FAZUA ein Startup<br />
zu gründen, dessen Geschäftsidee ein Elektroantrieb<br />
für Mountainbikes ist. Das Besondere daran: „Die Antriebseinheit<br />
im Unterrohr – inklusive Motor, Elektronik<br />
und Akku – kann als Ganzes vom Fahrrad abgenommen<br />
werden und durch eine Blende ersetzt werden. Das Pedelec<br />
kann damit in Sekundenschnelle zu einem normalen<br />
Fahrrad gewandelt werden“, erklärt der stolze Gründer.<br />
Und das alles bei einem Zusatzgewicht von gerade einmal<br />
vier Kilogramm. Erste Antriebe sollen ab 2016 gefertigt<br />
werden, noch im gleichen Jahr ist die Auslieferung der ersten<br />
Fahrräder in den Handel geplant. „Das ist das Ziel“,<br />
so Schlüter. Was so viel heißen kann wie: Falls der Zeitplan<br />
nicht ganz eingehalten wird, bricht auch nicht gleich die<br />
Welt zusammen. Hauptsache, das Bike kommt überhaupt<br />
auf den Markt und kann an dem rasanten Aufschwung<br />
von E-Bikes partizipieren. Denn, so Schlüter: „Die Erfolgsaussichten<br />
sind unvorstellbar groß.“<br />
Start-ups werden laut Startup Monitor<br />
zu 77 Prozent in Teams gegründet<br />
Die dafür nötigen Investitionen befinden sich allerdings im<br />
siebenstelligen Bereich; ohne die Privatinvestoren, die inzwischen<br />
über das Bay-StartUP-Netzwerk gefunden wurden,<br />
wäre dies nicht möglich. Aber auch nicht ohne das<br />
Anfangs-Invest des High-Tech Gründerfonds. Der Fonds<br />
investiert Risikokapital in Technologie-Start-ups, die vielversprechende<br />
Forschungsergebnisse unternehmerisch<br />
umsetzen. Dafür stellt er den jungen Unternehmen bis zu<br />
500.000 Euro in einer Kombination von Eigenkapital und<br />
Wandeldarlehen zur Verfügung und erwirbt im Gegenzug<br />
15 Prozent der Unternehmensanteile. In den vergangenen<br />
Jahren wurden so fast 500 Start-ups gefördert – darunter<br />
auch rund 30 Prozent aus dem Hardwarebereich, wie Dr.<br />
Andreas Olmes, für Elektrotechnik zuständiger Investment<br />
Director beim High-Tech Gründerfonds, betont.<br />
Den Grund für den Eindruck, dass Start-ups in erster<br />
Linie Unternehmen aus dem Digital-Business sind, sieht<br />
Olmes an deren Medienpräsenz. Und die liegt wiederum<br />
zum großen Teil daran, dass es dort viele B-to-C-Angebote<br />
gibt, also beispielsweise Onlineplattformen oder Apps,<br />
die sich direkt an den Consumer / Kunden richten. Startups,<br />
deren Produkte oder Dienstleistungen sich im B-to-<br />
B-Bereich (Business-to-Business) bewegen, haben es<br />
dagegen deutlich schwerer, öffentlich wahrgenommen zu<br />
werden. Sie haben es aber auch nicht so nötig, schließlich<br />
ist ihre Zielgruppe eine andere. Und dass es bedeutend<br />
schwieriger sei, ein Produkt zur Serienreife zu bringen als<br />
zum Beispiel einen Webshop aufzumachen, habe langfristig<br />
durchaus auch Vorteile, so Olmes: „Wenn man es einmal<br />
geschafft hat und etabliert ist, kann man längst nicht<br />
so leicht kopiert werden.“<br />
22
In der CODE_n-Halle auf der CeBIT 2015 konnten sich 50 Start-ups aus den unterschiedlichsten Ländern zu den Themen Digital Life, Future Mobility, Industry 4.0<br />
und Smart City präsentieren (hier mit der interaktiven Installation ROBOCHOP, um das diesjährige Thema „Into the Internet of Things“ zu veranschaulichen).<br />
FOTO: DEUTSCHE MESSE<br />
Wichtig bei solchen Gründungen ist aber vor allem,<br />
dass deren Förderung bereits in der Hochschule beginnt.<br />
So war es auch bei Marcus Schlüter, der betont, dass ohne<br />
die Unterstützung der Münchner Universität nie etwas<br />
aus FAZUA geworden wäre. Und das ist kein Einzelfall,<br />
genießt die Gründungsförderung der Münchner Universität<br />
doch einen hervorragenden Ruf. Aber auch andere<br />
Universitäten holen auf, mehr als 100 Gründungslehrstühle<br />
gibt es inzwischen in Deutschland. Laut dem aktuellen<br />
Gründungsradar des Stifterverbandes für die Deutsche<br />
Wissenschaft haben die deutschen Hochschulen im<br />
Jahr 2013 knapp 63 Millionen Euro in die Gründungsförderung<br />
gesteckt – immerhin eine Steigerung im Vergleich<br />
zum Vorjahr um 28 Prozent. Mit 3028 gründungsrelevanten<br />
Veranstaltungen außerhalb des Fachstudiums wurden<br />
zudem 45 Prozent mehr Veranstaltungen angeboten. Und<br />
auch die Zahl der Mitarbeiter in der Gründungsförderung<br />
stieg um knapp 40 Prozent auf 748.<br />
Energiewende und Industrie 4.0 haben<br />
längst auch den Start-up-Markt ergriffen<br />
Von dieser Entwicklung profitiert auch Ioannis Relakis.<br />
Der diplomierte Elektrotechniker und Informatiker ist<br />
gerade mit seinen beiden Mitstreitern von Factor-E Analytics<br />
in den StarTUp Incubator der TU Berlin gezogen.<br />
Hier haben sie nun zwölf Monate Zeit, ihren Businessplan<br />
zu entwickeln und den Markteintritt vorzubereiten. Die<br />
Idee der drei Stipendiaten: Software für die fertigende<br />
Industrie. „Es gibt in Deutschland viele Familienunternehmen,<br />
die sich den nächsten Schritt zur Industrie 4.0<br />
schlichtweg nicht leisten können“, weiß Relakis. „Genau<br />
dafür haben wir eine Lösung entwickelt: Wir vernetzen<br />
die Produktionsanlagen, indem wir elektrische Leistungsdaten<br />
in Echtzeit analysieren. So können wir prozessspezifische<br />
Informationen extrahieren.“ Durch das System<br />
soll der Energieverbrauch von Produktionssystemen bis<br />
zu 30 Prozent gesenkt, Stillstandzeiten reduziert, Ausfälle<br />
und Abnutzungen von Produktionsanlagen rechtzeitig<br />
erkannt und optimales Lastmanagement und Energiebeschaffung<br />
ermöglicht werden.<br />
„Was uns an der Gründung reizt, ist die Gelegenheit,<br />
etwas von Grund auf neu zu erstellen“, schwärmt Relakis.<br />
„Selbstständiges Arbeiten gibt uns darüber hinaus<br />
auch die Möglichkeit, flexibler zu denken und Konventionen<br />
herauszufordern – was wiederum neue Innovationen<br />
fördert.“ Und seine Ziele für die Zukunft, wo sieht er<br />
Factor-E Analytics in drei Jahren? „Dann sind wir etablierte<br />
Experten für die Anpassung der kleineren Betriebe<br />
an die Industrie 4.0 in ganz Europa.“<br />
Das klingt so gar nicht danach, als ob hier noch ein<br />
Kopf im Sand stecken würde.<br />
MARTIN SCHMITZ-KUHL<br />
ist freier Journalist und Autor in Frankfurt am Main sowie Redakteur beim VDE<br />
<strong>dialog</strong>.<br />
23
TITEL HOCHSCHULE<br />
YOUNG PROFESSIONALS<br />
Jung und<br />
begehrt<br />
Bewerbungen schreiben war gestern. Die jungen<br />
Elektroingenieure sind bei Arbeitgebern sehr gefragt.<br />
Nicht selten werden sie schon vom Hörsaal<br />
weg verpflichtet. Wer eine Bewerbung losschickt,<br />
hat schon nach wenigen Briefen Erfolg. Entsprechend<br />
gut ist die Stimmung unter den Young Professionals<br />
der Elektro- und Informations technik,<br />
so das Ergebnis einer aktuellen Studie des VDE.<br />
Ausgezeichnete<br />
Karrierechancen<br />
Für 61 Prozent der Young<br />
Professionals bietet der<br />
derzeitige Job als Ingenieur<br />
gute Karriereaussichten<br />
Elektroingenieure tun sich vergleichsweise leicht damit,<br />
einen beruflichen Einstieg zu finden. Die Hälfte der<br />
jungen Ingenieure der Elektro- und Informationstechnik<br />
hat bereits mit einer der ersten vier Bewerbungen<br />
Erfolg. Vor diesem Hintergrund ist<br />
es kein Wunder, dass die Stimmung unter den<br />
Young Professionals der Elektro- und Informationstechnik<br />
im VDE gut ist: Sieben von<br />
zehn Befragten empfinden ihre Tätigkeit als<br />
abwechslungsreich und kreativ. Sie erwarten<br />
von ihrem Beruf gute Karriereaussichten und<br />
sind von der gesellschaftlichen Relevanz ihres<br />
Tuns überzeugt, so das Ergebnis der VDE-Studie<br />
„Young Professionals der Elektro- und Informationstechnik<br />
2015“. In der Studie befragte der VDE<br />
insgesamt 213 Young Professionals bis 35 Jahre zu Berufseinstieg<br />
und Studium. 88 Prozent von ihnen sind seit<br />
weniger als fünf Jahren berufstätig.<br />
Eine Tätigkeit, mit der man sich gut identifizieren kann,<br />
steht für 64 Prozent der Bewerber bei der Suche nach einem<br />
Arbeitsplatz an erster Stelle. Ein angenehmes Arbeitsumfeld<br />
mit netten Kollegen halten 60 Prozent für sehr wichtig. Eine<br />
langfristige Perspektive des künftigen Arbeitgebers und<br />
die Möglichkeit, ständig Neues zu lernen stuft die Hälfte<br />
(53 Prozent) als wichtig ein. Flexible Arbeitszeiten stehen<br />
bei 44 Prozent der Befragten ganz weit oben und<br />
39 Prozent suchen einen Job, bei dem die Freizeit<br />
nicht zu kurz kommt. In einem internationalen<br />
Umfeld zu arbeiten, ein überdurchschnittliches<br />
Gehalt zu beziehen und vom Arbeitgeber beim<br />
Thema Kinderbetreuung unterstützt zu werden,<br />
bewerten hingegen nur jeweils etwa 15 Prozent<br />
der Befragten bei der Suche nach einem Job als<br />
ausschlaggebendes Kriterium.<br />
Energietechnik im Fokus<br />
Mehr als die Hälfte der Frauen<br />
und 42 Prozent der Männer<br />
spezialisieren sich bereits<br />
während ihres Studiums auf<br />
den Bereich Energietechnik<br />
24
Gutes Klima<br />
Eine Tätigkeit, mit der man<br />
sich identifizieren kann, ein<br />
angenehmes Arbeitsumfeld<br />
und nette Kollegen stehen<br />
bei der Suche nach einem<br />
Arbeitsplatz ganz oben<br />
Gesellschaftliche Herausforderungen wie<br />
die Energiewende oder die zunehmende<br />
Digitalisierung machen auch vor den<br />
Ingenieurstudiengängen nicht halt. Besonders<br />
beliebt unter den Jungakademikern ist die<br />
Energietechnik: Mehr als die Hälfte der Frauen<br />
(52 Prozent) und 42 Prozent der Männer spezialisieren<br />
sich während ihres Studiums im Bereich der Energietechnik,<br />
denn auch unter den Nachwuchsingenieuren hat sich<br />
längst herumgesprochen, dass diese Branche boomt<br />
und ein enormes Entwicklungspotenzial birgt.<br />
Die überwiegende Mehrheit der Young Professionals<br />
möchte perspektivisch in einem Unternehmen<br />
arbeiten. Auch diejenigen, die derzeit<br />
an einer Hochschule beziehungsweise an einem<br />
Forschungsinstitut beschäftigt sind, planen<br />
zum überwiegenden Teil, ihre Karriere in<br />
der Wirtschaft fortzusetzen. Schon jetzt arbeitet<br />
mit 64 Prozent der größte Teil der Befragten in<br />
einem Unternehmen. Der Beruf des Ingenieurs<br />
bedeutet einen Spagat zwischen Beruf und Privatleben,<br />
das glauben viele der Befragten: Rund ein Viertel<br />
stimmt der Aussage, dass die Arbeit eines Ingenieurs<br />
ständige Verfügbarkeit, häufige Überstunden und Wochenendarbeiten<br />
bedeuten, voll zu. 28 Prozent sind davon überzeugt,<br />
dass Ingenieure beruflich mehr eingespannt sind als<br />
Berufstätige mit anderen akademischen Abschlüssen. Dennoch<br />
sind nur 12 Prozent der Meinung, dass sie ihre sozialen,<br />
familiären Bedürfnisse nicht mit beruflichen Pflichten<br />
in Einklang bringen können.<br />
Als kreativ und abwechslungsreich beschreibt die Mehrheit<br />
der Berufseinsteiger (71 Prozent) ihren Job. Für<br />
61 Prozent bietet er gute Karrier eaussichten, 17 Prozent<br />
geben an, bereits Personalverantwortung zu<br />
haben, 56 Prozent streben diese an und 26 Prozent<br />
erwarten sie innerhalb der nächsten drei<br />
Jahre. Entsprechend hoch ist die Motivation<br />
der Young Professionals, sich für die berufliche<br />
Karriere zu engagieren: Rund elf Tage im Jahr<br />
nehmen die Befragten durchschnittlich an internen<br />
und externen Weiterbildungsveranstaltungen<br />
teil.<br />
Jung und begehrt<br />
53 Prozent der Hochschulabsolventen<br />
verschicken bis zum<br />
Berufsstart weniger als fünf<br />
Bewerbungen, spätestens<br />
nach drei Vorstellungsgesprächen<br />
haben sie ihren ersten<br />
Arbeitsvertrag<br />
Unternehmen<br />
besonders attraktiv<br />
Die überwiegende Mehrheit<br />
der Young Professionals<br />
möchte perspektivisch in<br />
einem Unternehmen arbeiten<br />
DIE VDE-STUDIE „YOUNG PROFESSIONALS DER ELEKTRO-<br />
UND INFORMATIONSTECHNIK 2015“<br />
In der Studie wurden insgesamt 213 Young Professionals bis 35 Jahre befragt.<br />
Davon waren 88 Prozent Männer und 12 Prozent Frauen. Zwei Drittel der Befragten<br />
sind zwischen einem und drei Jahren berufstätig. Die Studie kann für<br />
250 Euro im InfoCenter unter www.vde.com bestellt werden. Für VDE-Mitglieder<br />
ist die Studie kostenlos.<br />
25
TITEL HOCHSCHULE<br />
INTERVIEW<br />
Ingenieurmangel in Deutschland?<br />
Die nächste Welle des Defizits an Ingenieuren soll nach Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln<br />
(IW) in rund zehn Jahren in Deutschland ankommen. Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft hingegen<br />
gibt Entwarnung und sieht mittelfristig sogar einen möglichen Überschuss an Ingenieuren voraus. Der VDE <strong>dialog</strong><br />
sprach mit Prof. Dr. Axel Plünnecke vom IW über seine Einschätzung.<br />
Die Zahl der Studienanfänger<br />
in den Ingenieurwissenschaften<br />
ist in den<br />
letzten zehn Jahren um circa<br />
50 Prozent angestiegen.<br />
Das sollte doch Entspannung<br />
im Hinblick auf den<br />
künftig von Ihrem Institut<br />
wieder erwarteten Fachkräftemangel<br />
bedeuten.<br />
Oder kippt die Situation angesichts<br />
der hohen Quote<br />
Prof. Dr. Axel Plünnecke ist der an Studienabbrechern unter<br />
den Ingenieuren wieder<br />
Leiter des Kompetenzfelds Bildung,<br />
Zuwanderung und Innovation am in die andere Richtung?<br />
Institut der deutschen Wirtschaft Die deutliche Zunahme der<br />
Köln. In seiner Funktion als Berater Zahl an Studienanfängern<br />
der Bundesregierung erstellt er hilft bei der Fachkräftesicherung.<br />
Insbesondere durch<br />
zudem Gutachten zur Fachkräftesicherung.<br />
den Sondereffekt doppelter<br />
Abiturientenjahrgänge und<br />
durch die jüngsten Erfolge<br />
bei der Zuwanderung erwarten<br />
wir wie auch der Stifterverband<br />
eine Entspannung bis zum Jahr 2020. Danach dürfte<br />
sich jedoch die demografische Struktur auswirken – geburtenschwache<br />
Jahrgänge müssen geburtenstarke ersetzen und<br />
den Zusatzbedarf decken. Dies wird im Zeitraum von 2020 bis<br />
2030 ohne zusätzliche Maßnahmen zur Fachkräftesicherung<br />
nicht gelingen. Hierfür haben wir verschiedene Szenarien berechnet.<br />
Zwischen 2020 und 2030 liegt der Engpass im günstigsten<br />
Fall bei 84.000, falls der Run auf die Ingenieurfächer<br />
wieder nachlässt und die Zuwanderung rückläufig ist, könnte<br />
der Engpass im schlimmsten Fall 390.000 betragen.<br />
Wie beeinflussen der demografische Wandel in Deutschland<br />
einerseits und Zuwanderung ausländischer Fachkräfte<br />
andererseits den Arbeitsmarkt für Ingenieure mittel-<br />
bis langfristig?<br />
Während Daten zum demografischen Wandel in Deutschland<br />
wie der Ersatzbedarf an Ingenieuren recht gut prognostiziert<br />
werden können, sind Daten zur Zuwanderung sehr volatil.<br />
Während von 2005 bis 2009 netto in Summe nur gut 100.000<br />
Menschen zugewandert sind, waren es im Zeitraum von<br />
2010 bis 2014 fast 1,7 Millionen Personen. Die Ingenieurbeschäftigung<br />
unter Zuwanderern ist dadurch deutlich schneller<br />
gewachsen als die Ingenieurbeschäftigung insgesamt.<br />
Die Hauptzuwandererländer in Mittel- und Osteuropa stehen<br />
aber in den nächsten Jahren vor ähnlichen demografischen<br />
Herausforderungen wie Deutschland, sodass die Zuwanderungsdynamik<br />
wieder abnehmen dürfte. Insgesamt bin ich<br />
aber optimistisch, dass Deutschland eine hohe Zuwanderung<br />
von Ingenieuren erreichen kann. Die Zuwanderung über die<br />
Hochschulen ist hocheffektiv. Wenn die Kapazitäten an den<br />
Hochschulen gestärkt werden, sollte es gelingen, die Engpässe<br />
zu reduzieren.<br />
Die moderne Arbeitswelt ist im Wandel begriffen: Industrie<br />
4.0, das Internet der Dinge, Robotik und andere Stichworte<br />
stellen anspruchsvolle Herausforderungen an die<br />
Elektroindustrie dar. Was bedeutet diese Entwicklung für<br />
den Arbeitsmarkt der Elektroingenieure?<br />
Für die nächsten Jahre entsteht dadurch ein Sonderbedarf.<br />
Dazu kommt noch die Energiewende als weiterer Nachfrageimpuls.<br />
Der Gesamtbedarf an Ingenieuren sollte in den<br />
nächsten Jahren weiter zunehmen.<br />
» Zwischen 2020 und 2030 liegt<br />
der Engpass im günstigsten Fall bei<br />
84.000 Fachkräften, im schlimmsten<br />
Fall bei 390.000.«<br />
Beim Ranking der zehn besten Einstiegsgehälter belegen<br />
aktuell Ingenieurberufe die beiden vorderen Plätze. Aber:<br />
Bedingt durch die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht<br />
Jahre haben wir in den kommenden Jahren die Situation,<br />
dass doppelte Abiturjahrgänge in die Hochschulen und<br />
auf den Arbeitsmarkt gespült werden. Würden Sie heute<br />
den Abiturienten noch empfehlen, ein Ingenieurstudium<br />
zu beginnen?<br />
Dies gilt grundsätzlich für alle Hochschulfächer, Ingenieure<br />
sind aber gefragter als die meisten anderen Fachrichtungen.<br />
Dazu ist der Arbeitsmarkt semipermeabel. Während also Ingenieure<br />
auch in wirtschaftswissenschaftlichen Berufen als<br />
Berater, Vertriebler oder Manager tätig sind, können beispielsweise<br />
Wirtschaftswissenschaftler nicht in Ingenieurberufen arbeiten.<br />
Die technischen Systeme werden komplexer, sodass<br />
auch an den Schnittstellen zu anderen Berufen das technische<br />
Know-how immer wichtiger wird.<br />
26
THEMEN<br />
FORSCHUNG<br />
Platz an der Spitze<br />
FOTOS: SEITE 26: INSTITUT DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT KÖLN; SEITE 27: RWTH AACHEN<br />
Deutschland hat bei der Technik stets ein gutes Blatt im Kartenspiel. Die Gründe liegen im engen<br />
Zusammenspiel von Theorie und Praxis. Vor allem der Forschung und der Finanzierung neuer Forschungsvorhaben<br />
kommen eine große Bedeutung zu. Denn ohne diese sind weder Fortschritte in<br />
der Wissenschaft noch in der Technik möglich.<br />
VON BERND SCHÖNE<br />
Für die meisten ist es nach wie vor<br />
die pure Selbstverständlichkeit. Was<br />
immer es an neuen Technologien<br />
gibt, deutsche Forscher sind an vorderster<br />
Front dabei. Doch wir leben<br />
nicht mehr im 19. Jahrhundert, als die<br />
europäischen Staaten den technologischen<br />
Fortschritt unter sich ausmachten.<br />
Viele Länder sind heute weit<br />
davon entfernt, als technologische<br />
Komplettanbieter gelten zu können.<br />
Durch ein ausgeklügeltes System von<br />
staatlicher und regionaler Forschung<br />
versucht Deutschland dieser Entwicklung<br />
zu begegnen. Weltweit steht<br />
Deutschland hinter China, aber noch<br />
vor den USA und Japan auf Platz 2<br />
im weltweiten Export forschungsintensiver<br />
Güter. Damit dies so bleibt,<br />
sind große Anstrengungen gerade an<br />
den Brennpunkten der technischen<br />
Entwicklung nötig, und die liegen oft<br />
am Rande oder genau zwischen den<br />
Grenzen der klassischen Universitätsfakultäten.<br />
Nie zuvor haben Staat und Wirtschaft<br />
in Deutschland gemeinsam<br />
so viel Geld für Forschung und Entwicklung<br />
bereitgestellt – im Jahr 2013<br />
waren es fast 80 Milliarden Euro. In<br />
der aktuellen Vergleichsstudie „Innovation<br />
Union Scoreboard 2015“ der<br />
Europäischen Kommission belegt<br />
27
THEMEN<br />
Deutschland weiterhin einen Spitzenplatz<br />
als Innovationsführer unter<br />
den EU-Staaten. Innerhalb des neuen<br />
EU-Rahmenprogramms „Horizont<br />
2020“ hat Deutschland laut<br />
EU-Kommission sowohl die höchste<br />
Beteiligung an bewilligten Projekten<br />
als auch bei den eingeworbenen<br />
Fördermitteln erreicht. Rund 3300<br />
deutsche Institutionen haben Anträge<br />
eingereicht, über 900 davon waren<br />
damit erfolgreich. Insgesamt hat<br />
Deutschland 2014 die Summe von<br />
1,5 Milliarden Euro aus Brüssel eingeworben,<br />
mehr als je zuvor in einem<br />
EU-Forschungsrahmenprogramm.<br />
Forschung und Innovation sind damit<br />
die einzigen Politikbereiche, in<br />
denen die deutschen Beiträge zum<br />
EU-Haushalt und die Rückflüsse annähernd<br />
ausgeglichen sind.<br />
Internationalisierung der<br />
Hochschulen gefordert<br />
Internationale Vernetzung von Forschergruppen<br />
und ein zunehmender<br />
Austausch von Wissenschaftlern und<br />
Studenten sind erklärtermaßen ein<br />
Ziel der Politik. Bereits 2008 hat die<br />
Bundesregierung eine Internationalisierungsstrategie<br />
für Wissenschaft<br />
und Forschung in Deutschland beschlossen.<br />
„Die Internationalisierung<br />
der Hochschulen ist ein zentrales Anliegen<br />
der deutschen und auch der<br />
europäischen Bildungspolitik“, sagt<br />
Prof. Johanna Wanka, Bundesministerin<br />
für Bildung und Forschung. Laut<br />
einer Studie des Deutschen Akademischen<br />
Austauschdienstes (DAAD)<br />
steigt die Dynamik des internationalen<br />
Austausches stetig. Vorreiter sind neben<br />
den Kunst- und Musikhochschulen<br />
die Technischen Universitäten.<br />
Sie konnten die Anzahl ausländischer<br />
Wissenschaftler auf 13,8 Prozent steigern<br />
(plus 16 Prozent gegenüber dem<br />
letzten Erhebungsjahr 2006). Insgesamt<br />
gab es laut der Studie Mitte<br />
2014 rund 31.000 internationale Kooperationen,<br />
die von fast 300 deutschen<br />
Hochschulen mit rund 5000<br />
Hochschulpartnern in 150 Staaten<br />
vereinbart worden sind. Noch deutlicher<br />
fällt die Zunahme bei den ausländischen<br />
Studienanfängern aus.<br />
Hier stieg die Quote an Technischen<br />
Universitäten sogar um 29,2 Prozent<br />
auf ein knappes Viertel ausländischer<br />
Studienanfänger. Mit dem „Aktionsplan<br />
Internationalisierung“ will das<br />
BMBF die Entwicklung weiter vorantreiben.<br />
Stets mit dem Ziel, mehr ausländische<br />
Studenten und Professoren<br />
nach Deutschland zu bringen.<br />
Stiftungslehrstühle in<br />
Deutschland noch rar<br />
Da sich Studiengebühren nur<br />
schlecht durchsetzen ließen, sind die<br />
Hochschulen auf andere Formen der<br />
finanziellen Unterstützung angewiesen.<br />
Eine Form des direkten Engagements<br />
sind Stiftungslehrstühle. Circa<br />
660 Stiftungsprofessuren gibt es aktuell<br />
in Deutschland, das sind zwar<br />
nur zwei Prozent der in Deutschland<br />
vorhandenen Lehrstühle und somit<br />
auf den ersten Blick kein gewichtiger<br />
Beitrag. Doch da sie genau an<br />
den Brennpunkten der aktuellen Forschungstätigkeit<br />
operieren, ist ihre<br />
Bedeutung nicht zu unterschätzen.<br />
Aus diesem Grunde werden viele<br />
Lehrstühle nach Auslauf der vorher<br />
vereinbarten Zeit von den Universitäten<br />
oder dem Land weitergeführt.<br />
1,4 Milliarden Euro fließen pro Jahr<br />
aus privaten Kassen in Stiftungslehrstühle.<br />
Das klingt viel, ist aber im<br />
Vergleich zu den USA wenig: Dort<br />
nehmen die ohnehin oft sehr reichen<br />
Hochschulen 20 Milliarden Euro an<br />
privaten Spenden ein.<br />
Jeder fünfte Stiftungslehrstuhl in<br />
Deutschland gehört dem Bereich<br />
der Ingenieurwissenschaften an, obwohl<br />
diese Lehrstühle mit knapp<br />
einer Million Euro zu den teuersten<br />
gehören. Aktuell unterstützen<br />
die Stiftungslehrstühle die aufgrund<br />
der Energiewende turbulente Forschungssituation.<br />
Hier werden leistungsfähige<br />
Energiespeicher benötigt,<br />
um die Ortsnetze zu stabilisieren,<br />
wenn plötzlich die einspeisenden<br />
Windräder oder Fotovoltaikanlagen<br />
ihre Leistung erhöhen oder vermindern.<br />
Um die Netze zu verwalten und<br />
zu steuern, sind schnelle Datenverbindungen<br />
nötig, deren Latenzzeiten<br />
deutlich unterhalb den im Internet<br />
üblichen Verzögerungszeiten liegen<br />
müssen.<br />
Der klassische Aufbau von Universitäten,<br />
bei denen die Batterietechnik<br />
in der Chemie und das Stromnetz<br />
bei der Energieerzeugung angesiedelt<br />
sind, stößt hier an seine Grenzen.<br />
Darum sind fakultätsübergreifende<br />
Forschungseinrichtungen so wichtig.<br />
Eine davon ist das E.ON Energy Research<br />
Center an der RWTH Aachen.<br />
Es umfasst Aspekte der Erzeugung,<br />
der Verteilung und der Steuerung<br />
von elektrischer Energie vom Hochspannungsnetz<br />
bis zum Ortsnetz. Seit<br />
zehn Jahren werden die Stiftungsprofessuren<br />
von E.ON unterstützt, das<br />
Fördervolumen summiert sich inzwischen<br />
auf 40 Millionen Euro. Darüber<br />
hinaus konnten weitere Drittmittel<br />
eingeworben werden. Wichtiger Bestandteil<br />
ist der „Real Time Digital Simulator“.<br />
Er ermöglicht es den Aachener<br />
Wissenschaftlern, ganze Ortsnetze<br />
zu simulieren und so die Auswirkungen<br />
schwankender Stromquellen auf<br />
die Netzstabilität zu untersuchen. Er<br />
zählt zu den leistungsstärksten Simulationswerkzeugen<br />
Europas. Auch das<br />
Konsumverhalten von Stromkunden<br />
sowie die Elektromobilität stehen im<br />
Fokus der sieben Professoren und 120<br />
Mitarbeiter des Institutes, das derzeit<br />
unter der Leitung von Prof. Rik De<br />
Doncker an über 70 Projekten forscht.<br />
Hohes Forschungsinteresse<br />
an Mobilfunk 5G<br />
Daneben spielen Smart Grids in<br />
den Überlegungen der Forscher eine<br />
zentrale Rolle. Entscheidend ist eine<br />
zuverlässige und schnelle Kommunikation<br />
in Echtzeit, denn systemkritische<br />
Zustände wie „Kurzschluss“,<br />
oder „falscher Phasenwinkel“ müssen<br />
im Zeitraum von Millisekunden<br />
übertragen werden. Man spricht<br />
inzwischen von „taktilen Datennetzen“,<br />
bei denen, ähnlich wie beim<br />
menschlichen Nervensystem, wichtige<br />
Reize mit höchster Geschwindigkeit<br />
weitergeleitet werden, um<br />
eine sofortige Reaktion zu ermöglichen.<br />
Mit den Fragen der technischen<br />
Umsetzung beschäftigt man<br />
sich am Vodafone Stiftungslehrstuhl<br />
Mobile Nachrichtensysteme am Institut<br />
für Nachrichtentechnik der TU<br />
Dresden, unter Leitung von Prof.<br />
Gerhard Fettweis. Sein Stiftungslehrstuhl<br />
existiert ähnlich wie der in<br />
Aachen deutlich länger als fünf Jahre,<br />
28
Im Zentrum für Energie und Information in Garching sollen Energietechnik und Informationstechnik miteinander verknüpft werden. Forscher unterschiedlicher Disziplinen<br />
arbeiten dort Hand in Hand. Die TU München stellt sich damit der großen Herausforderung, Konzepte für eine sichere Energieversorgung zu erstellen.<br />
FOTO: FRITSCH + TSCHAIDSE ARCHITEKTEN GMBH<br />
was das große Interesse der Stifter an<br />
diesem Forschungsfeld untermauert.<br />
„Der neue Mobilfunkstandard<br />
5G wird den Nutzern nicht einfach<br />
nur mehr Bandbreite zur Verfügung<br />
stellen, sondern auch gänzlich neue<br />
Anwendungsfelder mit Echtzeitfähigkeit<br />
erschließen“, so Fettweis.<br />
Um dies zu erreichen, werden unter<br />
anderem neue Chiptechnologien,<br />
Sicherheitskonzepte und Netzwerkarchitekturen<br />
benötigt. Dazu forscht<br />
das Team um Fettweis in enger Abstimmung<br />
mit Netzbetreibern, Systemherstellern,<br />
Partnern aus der Industrie,<br />
dem VDE und der DKE.<br />
Ein ganzes Haus für<br />
die Batterieforschung<br />
Einen anderen Weg beschreitet man<br />
im wohlhabenden Bayern. Aus dem<br />
großen Energieforschungstopf der<br />
bayerischen Staatsregierung spendierte<br />
das Wissenschaftsministerium<br />
der Technischen Universität<br />
München (TUM) jüngst ein teures<br />
Forschungsgebäude in Garching.<br />
Der Grundstein für das 17 Millionen<br />
Euro teure „Zentrum für Energie<br />
und Information“ wurde am<br />
22.7.2015 gelegt. Hausherr des 5513<br />
Quadratmeter großen Gebäudes wird<br />
Professor Thomas Hamacher. Das<br />
bereits laufende, 30 Millionen schwere<br />
Batterie-Forschungsvorhaben Hamachers<br />
mit dem Industriepartner<br />
Varta, in das 13 Lehrstühle der TUM<br />
involviert sind, wird in das neue Zentrum<br />
integriert. Ziel ist der Bau eines<br />
containergroßen Batteriepuffers für<br />
lokale Stromnetze und für die Dritte<br />
Welt, wo er die dort üblichen Dieselaggregate<br />
ersetzen soll.<br />
Anfang 2017 wollen die Forscher<br />
in die Laborräume einziehen und die<br />
Folgen der Energiewende simulieren.<br />
Auf dem Programm stehen neben<br />
der Batterietechnik vor allem die<br />
Verknüpfung von Kommunikation<br />
und Energieversorgung über Smart<br />
Grids. Ganz bewusst will die TUM,<br />
aus deren Budget die laufenden<br />
Kosten bestritten werden, hier das<br />
Zusammenspiel von Wissenschaftlern<br />
aus unterschiedlichen Fakultäten<br />
erproben, wie Geschäftsführerin<br />
Dr. Cornelia Gotterbarm erläutert.<br />
Glückliches Bayern? Vielleicht nur<br />
teilweise, denn der Freistaat stiftet<br />
zwar Labor und Gerät, aber keine<br />
neuen Planstellen. Das vorhandene<br />
Personal der TUM muss genügen.<br />
BERND SCHÖNE<br />
betreibt ein auf Technik spezialisiertes Redaktionsbüro<br />
in München.<br />
29
THEMEN<br />
BATTERIEFORSCHUNG<br />
Wettlauf mit Hindernissen<br />
Die Batterieentwicklung kommt zurzeit nur langsam voran. Technologisch haben Lithium-Ionen-Akkus<br />
noch immer die Nase vorn, Alternativen müssen noch mit Problemen kämpfen. Anstöße kommen<br />
unter anderem vom E-Autobauer Tesla, der jetzt auch den Markt mit stationären Speichern<br />
ins Visier nimmt.<br />
VON MARKUS STREHLITZ<br />
Energiewende und Elektromobilität<br />
sind eng miteinander verbunden. Und<br />
in beiden Fällen muss noch ein großer<br />
Teil des Weges zurückgelegt werden,<br />
um das gesteckte Ziel zu erreichen.<br />
Ein wesentlicher Faktor dafür, wie<br />
schnell man auf der restlichen Strecke<br />
vorankommen wird, ist bei beiden<br />
Themen die Batterietechnologie.<br />
Die Energiespeicher sind notwendig,<br />
um künftig den stabilen Betrieb des<br />
Stromnetzes zu gewährleisten. Und<br />
sie haben entscheidenden Einfluss auf<br />
die Reichweite eines Elektrofahrzeugs.<br />
Damit sitzen sie an einem wichtigen<br />
Hebel für den Erfolg der E-Mobilität.<br />
Die wichtigste Größe ist dabei die<br />
gespeicherte Energie der Batterien –<br />
und zwar besonders deren Verhältnis<br />
zum Batteriegewicht. Die Akkus im<br />
Elektrofahrzeug sollten möglichst viel<br />
Energie speichern können und dabei<br />
möglichst wenig wiegen. So lassen<br />
sich die größten Reichweiten erzielen.<br />
Entsprechend intensiv arbeiten Wissenschaftler<br />
daran, die Energiedichte<br />
der Batteriesysteme zu verbessern.<br />
Doch trotz dieser Anstrengungen hat<br />
sich bisher noch kein Konzept als das<br />
eine wahre Champion-System erwiesen.<br />
Am weitesten ausgereift und<br />
kommerziell am erfolgreichsten sind<br />
sicherlich Lithium-Ionen-Batterien.<br />
30
FOTO: DAIMLER AG<br />
Darunter werden unterschiedliche<br />
Elektrodenmaterialtypen zusammengefasst,<br />
die auf einer hochreversiblen<br />
Einlagerung der Lithium-Ionen in das<br />
Aktivmaterial basieren und so hohe<br />
Zyklenzahlen erreichen können. Das<br />
Gros der E-Autohersteller setzt auf<br />
diese Technik.<br />
Auch hier wird stetig daran gearbeitet,<br />
die Energiedichte zu erhöhen,<br />
indem zum Beispiel das Zellgehäuse<br />
dünner konstruiert wird. Anforderungen<br />
an die Sicherheit, an den<br />
Produktionsprozess und an geringe<br />
Produktionskosten schränken die<br />
Möglichkeiten bei der Gewichtsreduktion<br />
allerdings ein. Parallel wird<br />
zurzeit daran geforscht, Graphit<br />
durch Silizium als Anodenmaterial zu<br />
ersetzen. „300 Wattstunden pro Kilogramm<br />
(Wh/kg) sind damit sicher<br />
in Reichweite“, schätzt etwa Markus<br />
Hagen vom Fraunhofer-Institut für<br />
Chemische Technologie (ICT).<br />
Geringe Zyklenzahlen<br />
stellen Hindernis dar<br />
Große Hoffnungen setzen einige<br />
Experten auch auf Lithium-Schwefel-Batterien.<br />
Bei dieser Technik wird<br />
das Graphit durch ein reines Lithium-<br />
Metall ersetzt, das sowohl die Rolle<br />
der Elektrode als auch die der Lithium-Ionen-Quelle<br />
ersetzt. Die Energiedichte<br />
von Lithium-Schwefel-Batterien<br />
beträgt momentan 350 Wh/kg.<br />
Das Potenzial der Technik liegt aber<br />
bei 400 bis 600 Wh/kg.<br />
Größtes Hindernis für einen kommerziellen<br />
Erfolg stellen bisher aber<br />
noch die geringen Zyklenzahlen dar.<br />
Denn die liegen für Lithium-Schwefel<br />
bei gerade mal 50. Das bedeutet:<br />
Die Batterie lässt sich nur 50 Mal bei<br />
relativ konstanter Energiedichte aufund<br />
wieder entladen. Knackpunkt ist<br />
dabei der Elektrolyt, der sehr instabil<br />
ist. Derzeit ist noch unklar, ob sich<br />
Lithium-Schwefel-Batterien zu einer<br />
wirtschaftlich rentablen Lösung entwickeln<br />
werden.<br />
Eine Alternative für die Zukunft<br />
könnte eine andere Technologie sein:<br />
die Lithium-Luft-Batterie. Diese nutzt<br />
Sauerstoff, um Energie freizusetzen.<br />
Dazu reagiert dieser mit dem Lithium<br />
in der Batterie. Der große Vorteil: Der<br />
notwendige Sauerstoff kann der Luft<br />
entnommen und muss nicht in der<br />
Batterie gespeichert werden wie die<br />
sonst verwendeten Elektrodenmaterialien.<br />
Eine Lithium-Luft-Batterie kann<br />
somit bei gleichem Gewicht deutlich<br />
mehr Energie speichern als solche, die<br />
auf der Lithium-Ionen-Technologie<br />
basieren. Die Energiedichte soll mindestens<br />
fünf Mal höher sein.<br />
Doch wie bei der Lithium-Schwefel-Batterie<br />
stellt das Aufladen noch<br />
ein Problem dar. Und auch in diesem<br />
Fall ist der Elektrolyt die Ursache. Von<br />
einem alltagstauglichen Einsatz in<br />
Elektrofahrzeugen ist die Technologie<br />
daher noch weit entfernt.<br />
Die Lithium-Ionen-Batterie hat<br />
somit auch weiterhin die Nase vorn,<br />
wenn es um die Praxistauglichkeit<br />
geht. In den kommenden Jahren wird<br />
sich wohl keine Alternative etablieren.<br />
Und besonders leistungsfähige Modelle<br />
haben das Reichweitenproblem<br />
zumindest reduziert. Die Lithium-Ionen-Batterie<br />
von Panasonic, die im<br />
E-Sportwagen Tesla eingesetzt wird,<br />
kommt auf 240 Wh/kg auf Zellebene.<br />
Bis zu 485 Kilometer lassen sich damit<br />
laut Hersteller mit einer Batterieladung<br />
zurücklegen – abhängig vom<br />
Tesla-Modell, Fahrstil und ausgewählter<br />
Batteriestärke.<br />
Stationäre Speicher auch<br />
für den Privatbereich<br />
Tesla will aber nicht nur die Elektromobilität<br />
vorantreiben. Unter dem<br />
Namen Powerwall hat das US-Unternehmen<br />
einen stationären Lithium-Ionen-Akku<br />
entwickelt, der als<br />
Energiespeicher für Solaranlagen gedacht<br />
ist. Er soll die Stromversorgung<br />
des eigenen Heims auch in sonnenlosen<br />
Stunden sichern.<br />
Systeme für das dezentrale Speichern<br />
von Energie gibt es viele. Doch<br />
Tesla wäre nicht Tesla, würde das<br />
Unternehmen nur das tun, was andere<br />
ohnehin schon machen. Das<br />
Besondere an dem Tesla-Angebot<br />
ist der Preis: 3000 US-Dollar kostet<br />
der Energiespeicher für den Hausgebrauch<br />
in seiner kleinen Variante<br />
mit sieben Kilowattstunden. Für<br />
3500 US-Dollar erhält der Käufer ein<br />
10-kWh-Modul. Auch Daimler hat<br />
das Geschäft mit stationären Batterien<br />
ins Visier genommen und bietet<br />
Praxistest für<br />
Batterien<br />
Die Anforderungen an die Batteriesysteme<br />
im Fahrzeug sind hoch.<br />
Daher sind umfangreiche Tests der<br />
Technologie unabdingbar. Im Batterie-<br />
und Umwelttestzentrum des<br />
VDE-Instituts können Lithium-Ionen-Akkus<br />
für Elektroautos in mehr<br />
als 50 verschiedenen Einrichtungen<br />
auf Sicherheit und Dauerfestigkeit<br />
geprüft werden. Die Prüfstände<br />
sind so dimensioniert, dass<br />
sie auch Lkw-Batterien mit bis zu<br />
400 Kilogramm Gewicht inklusive<br />
Befestigungsmaterial aufnehmen<br />
können. Herz des Prüfzentrums ist<br />
eine Anlage, in der das Batterieverhalten<br />
bei besonders schweren<br />
Unfällen untersucht werden kann.<br />
Daneben gibt es auch Prüfstände,<br />
um die Langzeitstabilität von Traktionsbatterien<br />
zu untersuchen.<br />
über seine Tochter Accumotive einen<br />
Lithium-Ionen-Speicher für Privathaushalte<br />
sowie für die Industrie an.<br />
Für den Einsatz im privaten Bereich<br />
lassen sich bis zu acht Batteriemodule<br />
von jeweils 2,5 kWh zu einem Energiespeicher<br />
mit 20 kWh kombinieren.<br />
Laut dem Bundesverband Erneuerbare<br />
Energie (BEE) nutzen bereits<br />
mehr als 15.000 Haushalte in<br />
Deutschland mithilfe intelligenter<br />
Speicher Solarstrom auch bei Dunkelheit.<br />
„Dezentrale Batterien tragen<br />
künftig zu einem stabilen Stromnetz<br />
bei und ergänzen Wind- und Solarstrom“,<br />
sagt BEE-Geschäftsführer<br />
Dr. Hermann Falk.<br />
Laut BEE machen die stark fallenden<br />
Preise die Hausbatteriespeicher<br />
für viele Photovoltaik-Anlagenbetreiber<br />
zunehmend interessant. Ob sich<br />
Investitionen in Heimspeicherlösungen<br />
aber tatsächlich rechnen, stellen<br />
viele Experten wie zum Beispiel Prof.<br />
Armin Schnettler von der RWTH Aachen<br />
bislang noch infrage.<br />
MARKUS STREHLITZ<br />
schreibt als freier Journalist hauptsächlich über<br />
Informationstechnologie.<br />
INFORMATION<br />
31
THEMEN<br />
2<br />
1<br />
VERANSTALTUNGEN<br />
Tag & Nacht<br />
der Technik<br />
4<br />
Zwei Tage und eine Nacht lang stand die Technik im Mittelpunkt: Gemeinsam mit<br />
zahlreichen Partnern hatte der VDE im Juni zum zwölften bundesweiten Tag der<br />
Technik eingeladen. Flankiert wurde dieser von der Nacht der Technik in Köln.<br />
Das Erlebnisprogramm zum Anfassen und Mitmachen wollte den Nachwuchs<br />
für Technik und technische Berufe begeistern – dem Astronauten und „Tag der<br />
Technik“-Schirmherrn, Alexander Gerst, ist das spielend gelungen.<br />
5<br />
32
3<br />
6<br />
1 Völlig losgelöst<br />
Spannende Fakten rund um die Raumstation ISS und den<br />
Aufenthalt im All vermittelte „Tag der Technik“-Schirmherr<br />
Alexander Gerst. Während seines sechsmonatigen Einsatzes<br />
im Weltraum umrundete er 2566 Mal die Erde.<br />
2 Immer auf Achse<br />
Die Führung durch das Kölner Instandhaltungswerk der<br />
Deutschen Bundesbahn gab einen Einblick, welche Aufgaben<br />
die Ingenieure für die Bereitstellung und Instandhaltung<br />
der Züge bewältigen müssen.<br />
3 Zeitreise<br />
In wenigen Minuten um Jahrzehnte altern – Das Zentrum<br />
für Altersmedizin des Kölner St. Marien-Hospitals machte<br />
es möglich. Im geriatrischen Anzug „Age-Man“ konnten die<br />
Besucher hautnah erleben, wie ältere Menschen sehen,<br />
hören und sich bewegen.<br />
4 Astronaut zum Anfassen<br />
Bei seiner „Landung“ in Düsseldorf zeigte Alexander Gerst<br />
sich als perfekter Botschafter der Technik. An Modellen der<br />
Weltraumstation ISS, der Rakete Ariane 5 und der Sojus-<br />
Kapsel vermittelte er am VDE-Stand seinem jungen Publikum<br />
anschaulich, wie es bei einem Weltraumflug zugeht.<br />
5 Schweißen, basteln, löten<br />
Neben Ausstellungen, Demonstrationen und Führungen<br />
boten Tag & Nacht der Technik ein vielfältiges, interaktives<br />
Aktionsprogramm für den Nachwuchs. Die Mitmach- und<br />
Experimentierstationen bewiesen, dass Technik alles andere<br />
als trocken ist.<br />
6 Strahlend auch bei Nacht<br />
Das Container-Terminal im Kölner Hafen Niehl bewies im<br />
Rahmen der „Nacht der Technik“ eindrucksvoll, dass auch<br />
bei Dunkelheit die Kräne nicht ruhen. Die Anlage zählt zu<br />
den größten Terminals entlang der Rheinschiene. Jährlich<br />
werden dort rund 500.000 Container umgeschlagen.<br />
FOTOS: ESA (1), SIMON HOWAR (2, 3, 6), VDE (4, 5)
THEMEN<br />
IT-SICHERHEIT<br />
Gefahr aus dem Netz<br />
Alles was online ist, kann gehackt werden. Durch das Internet der Dinge wächst die Vernetzung<br />
zusätzlich und damit auch das Risiko. Doch sowohl Privatleute als auch Unternehmen ignorieren<br />
die Bedrohung häufig. Immerhin: Deutschland ist in Sachen Sicherheit gut aufgestellt, wie Experten<br />
in einem Presse-Workshop des VDE zutage gebracht haben.<br />
VON MARKUS STREHLITZ<br />
Wer aktuelle Umfragen zum Thema<br />
Sicherheit betrachtet, könnte den<br />
Eindruck gewinnen, dass sich in den<br />
vergangenen Jahren kaum etwas getan<br />
hat. Als hätten die technologischen<br />
Entwicklungen das Risiko, in irgendeiner<br />
Form attackiert zu werden,<br />
nicht erhöht. Und als seien die Meldungen<br />
über Cyberangriffe auf Unternehmen,<br />
Behörden und Privatleute<br />
reine Erfindung. Nur 28 Prozent der<br />
Bürger machen sich beim Thema Datenbetrug<br />
im Internet große Sorgen.<br />
Zwischen 2011 und 2014 bewegte<br />
sich dieser Anteil bei einem ähnlichen<br />
Wert. In Computerviren sehen gerade<br />
mal 21 Prozent der Bevölkerung<br />
ein Risiko. Das sind Ergebnisse des<br />
Sicherheitsreports 2015, den das Institut<br />
für Demoskopie Allensbach und<br />
das Centrum für Strategie und Höhere<br />
Führung im Auftrag der Deutschen<br />
Telekom erstellt haben. Befragt<br />
wurde in 1400 Interviews ein repräsentativer<br />
Querschnitt der Bevölkerung<br />
ab 16 Jahren.<br />
In den Firmen ist die Sorglosigkeit<br />
nicht viel geringer. Laut einer Studie<br />
des Beratungshauses Ernst & Young<br />
bewerten zwei Drittel der deutschen<br />
Unternehmen das Risiko von Datendiebstahl<br />
und Cyberattacken als<br />
niedrig. Befragt wurden dabei 450<br />
34
FOTO: © SP4764, © THOSTR / FOTOLIA.COM<br />
Führungskräfte aus verschiedenen<br />
Branchen wie Finanzen, Energie und<br />
Handel.<br />
Wer sich nicht bedroht fühlt, investiert<br />
auch nur wenig in seinen<br />
Schutz. 82 Prozent der Unternehmen<br />
halten die eigenen Sicherheitsmaßnahmen<br />
für ausreichend, auch wenn<br />
es sich dabei nur um konventionelle<br />
Vorkehrungen wie Firewalls, Antiviren-Software<br />
oder gute Passwörter<br />
handelt. Solche Methoden bieten<br />
aber nur einen Mindestschutz. Wer<br />
nur auf sie setzt, macht damit nicht<br />
mehr als jemand, der beim Verlassen<br />
seines Hauses die Tür hinter sich zuzieht.<br />
Dabei ist das Gefahrenpotenzial in<br />
den vergangenen Jahren gewachsen.<br />
IT verbreitet sich immer stärker in<br />
unserem Leben – sowohl auf privater<br />
wie auf geschäftlicher Seite. Die<br />
Möglichkeiten für Online-Kriminelle,<br />
sich Zugang auf fremde Systeme<br />
zu verschaffen, sind deutlich größer<br />
geworden. Dafür hat allein schon die<br />
Verbreitung von Smartphones und<br />
Tablet-Computern gesorgt. Denn<br />
gerade mobile Endgeräte sind ein<br />
beliebtes Ziel für Online-Kriminelle.<br />
Der IT-Sicherheitsanbieter Kaspersky<br />
Lab hat bislang 865.365 verschiedene<br />
mobile Schadprogramme<br />
gezählt. Und mehr als 14 Millionen<br />
Apps stufen die Experten als gefährlich<br />
ein.<br />
Mobile Endgeräte sind<br />
besonders beliebte Ziele<br />
Die Gefahr für Smartphones und Tablets<br />
ist aber nicht nur ein Problem<br />
für den jeweiligen Nutzer des Geräts.<br />
Viele setzen die mobilen Alleskönner<br />
auch für berufliche Zwecke ein. Die<br />
Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern<br />
entweder Geräte zur Verfügung<br />
oder erlauben die Nutzung des privaten<br />
Smartphones. Somit kann Malware<br />
über die mobilen Rechner auch<br />
in die Firma gelangen.<br />
Dass dies passiert, ist gar nicht so<br />
unwahrscheinlich. Denn viele Unternehmen<br />
sind auch gegen diese<br />
Bedrohung nur schlecht geschützt.<br />
Das Beratungshaus techconsult hat<br />
bei Mittelständlern nachgefragt, wie<br />
es um ihre mobile Sicherheit steht.<br />
Immerhin sehen die Unternehmen<br />
dieses Thema als eines ihrer größten<br />
Handlungsfelder. Doch laut<br />
techconsult berichten mehr als zwei<br />
Drittel der Firmen, dass sie Lösungen<br />
für die mobile Sicherheit bisher<br />
nicht gut umgesetzt haben. Selbst bei<br />
so einfachen Maßnahmen wie Antiviren-Software<br />
oder Firewalls für<br />
Smartphones und Tablets gibt nur ein<br />
Drittel der Mittelständler an, mit der<br />
Umsetzung dieser Technologien im<br />
Unternehmen zufrieden zu sein.<br />
Während sich mobile Endgeräte<br />
schon seit vielen Jahren etabliert<br />
haben und trotzdem noch große Sicherheitslücken<br />
darstellen, dringt die<br />
IT weiter vor. Das Internet der Dinge<br />
bringt enorme Veränderungen. Und<br />
viele davon sind zunächst positiv: Die<br />
Maschinen in der Fabrik organisieren<br />
sich selbst und unterstützen eine effizientere<br />
Produktion. Vernetzte Fahrzeuge<br />
und schlaue Ampelsysteme<br />
ermöglichen eine zentrale Verkehrssteuerung.<br />
Das Smart Grid sorgt<br />
für eine intelligentere Verteilung der<br />
Energie.<br />
Doch die Software in Produktionsanlagen,<br />
Verkehrssystemen oder<br />
in Stromverteilnetzen ist auch ein<br />
potenzielles Ziel für Angriffe von<br />
Cyber-Kriminellen. Auch in diesem<br />
Fall stehen die Verantwortlichen<br />
dem Phänomen häufig unvorbereitet<br />
gegenüber. So deckte zum Beispiel<br />
der ADAC Anfang des Jahres eine<br />
Sicherheitslücke in Fahrzeugen von<br />
BMW mit der Ausstattung Connected<br />
Drive auf. Die Autos ließen sich<br />
von außen per Mobilfunktechnik<br />
öffnen. Der Grund war aus IT-Sicht<br />
trivial: Die Datenübertragung war<br />
nicht verschlüsselt. Erst nachdem<br />
der ADAC den Autobauer über die<br />
Sicherheitslücke informiert hatte, aktivierte<br />
BMW die Datenverschlüsselung<br />
für seine vernetzten Fahrzeuge.<br />
IT-Anbieter HP untersuchte in einer<br />
Studie zehn Geräte aus dem Internet<br />
der Dinge – wie zum Beispiel<br />
Fernseher, Webcams, Thermostate,<br />
Türschlösser oder Löschanlagen. Die<br />
Experten entdeckten insgesamt 250<br />
Schwachstellen. Dazu zählte unter<br />
anderem, dass schwache Passwörter<br />
akzeptiert, Anwenderdaten gespeichert<br />
oder – auch hier – Daten unverschlüsselt<br />
übertragen wurden.<br />
Während bei einem gehackten<br />
Fernseher die Auswirkungen für die<br />
Multipath<br />
INFORMATION<br />
Multipath TCP (MPTCP) bündelt<br />
mehrere Internet-Verbindungen –<br />
etwa WLAN und Mobilfunknetz.<br />
So können gleichzeitig mehrere<br />
Pfade für den Datenaustausch<br />
genutzt werden. Durch das logische<br />
Zusammenschließen von<br />
mehreren TCP-Verbindungen erhöhen<br />
sich so der Datendurchsatz<br />
und die Verbindungsstabilität. Mit<br />
dem beschriebenen Ansatz können<br />
Netzwerke demnach deutlich<br />
effizienter und sicherer als bisher<br />
genutzt werden.<br />
Allgemeinheit noch relativ gering<br />
sein dürften, sieht dies bei sogenannten<br />
kritischen Infrastrukturen ganz<br />
anders aus. Angriffe auf die Energieund<br />
Wasserversorgung könnten weitreichende<br />
Folgen haben.<br />
Cyber-Kriminelle haben die entsprechenden<br />
Ziele schon im Visier.<br />
Das hat zum Beispiel der TÜV SÜD<br />
mit seinen Honeynet-Projekt herausgefunden.<br />
Um Angreifer anzulocken<br />
und deren Attacken zu analysieren,<br />
legte er quasi einen virtuellen Köder<br />
aus – Honig, um die Fliegen zu fangen.<br />
Honeynet: Virtueller Köder<br />
für Cyber-Kriminelle<br />
Der Köder im Honeynet-Projekt war<br />
reale Hardware und Software, die<br />
mit der simulierten Umgebung eines<br />
kleineren Wasserwerks kombiniert<br />
wurde. Insgesamt acht Monate war<br />
das Honeynet im Netz und trat dort<br />
als vermeintlich reales Wasserwerk<br />
auf. Die Sicherheitsvorkehrungen<br />
entsprachen laut TÜV SÜD dem industrieüblichen<br />
Niveau. Das Ergebnis:<br />
Innerhalb der acht Monate verzeichneten<br />
die Experten über 60.000<br />
Zugriffe aus mehr als 150 Ländern.<br />
„Damit konnten wir nachweisen, dass<br />
selbst eine relativ unbedeutende Infrastruktur<br />
im Netz wahrgenommen<br />
und ausgeforscht wird“, sagt Dr.<br />
Thomas Störtkuhl, Senior Security<br />
Experte beim TÜV SÜD.<br />
35
THEMEN<br />
Sie standen Rede und Antwort beim VDE-Presse-Workshop in München: (v.l.n.r.): Prof. Frank Fitzek (TU Dresden), VDE-Präsident Dr. Bruno Jacobfeuerborn, Dr. Walter<br />
Börmann (VDE), Prof. Claudia Eckert (Leiterin Fraunhofer AISEC), Dr. Gunther Kegel (CEO Pepperl + Fuchs GmbH), Prof. Christoph Kutter (Leiter Fraunhofer EMFT).<br />
Dass die Bedrohung nicht nur für<br />
virtuelle Köder, sondern auch für reale<br />
Unternehmen besteht, zeigt eine<br />
Studie von Unisys. Gemeinsam mit<br />
dem Ponemon Institute befragte der<br />
IT-Anbieter im vergangenen Jahr<br />
weltweit knapp 600 Sicherheitsverantwortliche<br />
von Versorgungsunternehmen<br />
und aus der verarbeitenden<br />
Industrie. Eines der Ergebnisse: Fast<br />
70 Prozent der Unternehmen hatten<br />
in den zurückliegenden zwölf Monaten<br />
einen sicherheitsrelevanten Vorfall,<br />
der zu einem Verlust an vertraulichen<br />
Informationen oder zu einer<br />
Störung des Betriebs führte.<br />
Ausfälle durch Hackerangriffe<br />
könnten in der Industrie erhebliche<br />
Kosten verursachen, warnte Bruno<br />
Jacobfeuerborn, VDE-Präsident und<br />
Technik-Chef der Deutschen Telekom,<br />
gerade kürzlich auf einem exklusiven<br />
Presse-Workshop des VDE.<br />
Und Prof. Hartmut Pohl von der<br />
Gesellschaft für Informatik, Sprecher<br />
des Arbeitskreises „Datenschutz und<br />
IT-Sicherheit“ berichtet, dass der<br />
jährliche Schaden, der den Unternehmen<br />
durch Wirtschaftsspionage und<br />
Sabotage entsteht, auf einen mittleren<br />
zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt<br />
werde.<br />
Dabei wächst vor allem die Gefahr<br />
des Datendiebstahls zu einem<br />
großen Problem heran. „Daten sind<br />
mittlerweile das Öl der Gesellschaft“,<br />
stellte Professorin Claudia Eckert auf<br />
der VDE-Veranstaltung fest. Eckert<br />
ist Leiterin des Fraunhofer-Instituts<br />
für Angewandte und Integrierte Sicherheit<br />
(AISEC). Ihrer Meinung<br />
nach müsse man sich im Internet der<br />
Dinge besonders Gedanken darüber<br />
machen, was passiere, wenn Daten<br />
in die falschen Hände geraten und<br />
Know-how gestohlen werde. „Denn<br />
die Daten, die im Internet der Dinge<br />
ausgetauscht werden, beinhalten<br />
zum Beispiel konkretes Wissen über<br />
Produktionsabläufe, über Kundenverhalten<br />
oder über Nutzungsverhalten“,<br />
erklärt Eckert. Bedroht sind<br />
alle Geräte, die sich im Netz befinden.<br />
Die Menge der Daten, die etwa<br />
vernetzte Fahrzeuge empfangen und<br />
senden, wächst stetig an. Und umso<br />
größer ist die Gefahr, dass sich darunter<br />
auch persönliche oder fi-<br />
nanziell interessante Informationen<br />
finden, die Hacker anlocken. Noch<br />
attraktiver sind Smartphones für die<br />
Cyber-Kriminellen. Denn auf denen<br />
finden sich häufig Zugangsdaten für<br />
das Onlinebanking, persönliche und<br />
geschäftliche E-Mails, Passwörter für<br />
diverse Anwendungen oder andere<br />
sensible Informationen.<br />
So bedrohlich auf der einen Seite<br />
die Online-Kriminalität ist, so groß<br />
sind die Bemühungen der IT-Industrie,<br />
wirksame Mechanismen dagegen<br />
zu finden. Besonders deutsche Anbieter<br />
sind dabei nach Meinung von<br />
Experten wie Eckert stark.<br />
Schlüsselrolle für Hardware<br />
und Embedded Systems<br />
Denn Unternehmen brauchen komplexe<br />
Sicherheitskonzepte, die aus<br />
mehreren Stufen bestehen. Eckert<br />
spricht auch von einer Sicherheitspyramide.<br />
„Diese braucht eine starke<br />
Basis“, so die Professorin, „das ist in<br />
der IT immer die Hardware.“ In den<br />
Chips müsste von Beginn an Sicher-<br />
36
Fachmedium der Automatisierungstechnik<br />
FOTO: MICHAEL WANNER, REDAKTION „DE“<br />
Normung<br />
INFORMATION<br />
Normierungen sind ein Instrument,<br />
um kritische Infrastrukturen<br />
vor Angriffen von außen zu<br />
schützen. Unter anderem wirkt<br />
der VDE mit der DKE daran mit,<br />
entsprechende Normen zu erarbeiten.<br />
Eine wichtige Rolle in<br />
diesem Zusammenhang spielen<br />
die Normen der Reihe IEC 62443.<br />
Sie beziehen sich auf IT-Sicherheit<br />
für Industrieanlagen und kritische<br />
Infrastrukturen. Die Normenreihe<br />
deckt mittlerweile alle Seiten<br />
der Industrial Security ab. Neben<br />
dem Managementsystem des<br />
Anlagenbetreibers werden auch<br />
die Prozeduren und Vorschriften<br />
des Lösungsanbieters adressiert<br />
sowie funktionale Anforderungen<br />
spezifiziert, die Hersteller zukünftig<br />
in ihren Systemen und Geräten<br />
zu erfüllen haben.<br />
heitstechnik integriert werden. Und<br />
bei der Entwicklung von Sicherheitschips<br />
sei Deutschland sehr gut aufgestellt.<br />
Bei einer anderen grundlegenden<br />
Technik ist die Expertise nach Meinung<br />
von Eckert hierzulande ebenfalls<br />
bestens. Die Wissenschaftlerin<br />
denkt dabei an Embedded Systems<br />
– also an Software, die in Maschinen<br />
oder Geräten eingebaut ist. Auch<br />
hier ist es wichtig, Sicherheitsfunktionen<br />
schon in die Entwicklung der<br />
Systeme miteinzubeziehen. Security<br />
by Design wird diese Vorgehensweise<br />
genannt.<br />
Wie das geht, zeigt der deutsche<br />
IT-Anbieter SYSGO. Dieser hat sein<br />
Echtzeitbetriebssystem PikeOS speziell<br />
für die Entwicklung von sicherer<br />
Software für Embedded Systems<br />
entwickelt. Dank der integrierten<br />
Funktionen lassen sich Geräte auf<br />
Steuerungsebene überwachen, beim<br />
Internet der Dinge deren korrektes<br />
Verhalten sicherstellen sowie innerhalb<br />
von Automotive-Systemen sicherheitskritische<br />
Subsysteme von<br />
Infotainment-Komponenten trennen.<br />
Unterstützung erhält SYSGO<br />
dabei vom britisch-russischen Anbieter<br />
Kaspersky, der eigene Technik<br />
beisteuert.<br />
Fraunhofer-Expertin Claudia<br />
Eckert glaubt, dass in diesen beiden<br />
Bereichen – Hardware und Embedded<br />
Systems – künftig „die Musik<br />
spielen wird“. Es sei für Deutschland<br />
eine große Chance, vertrauenswürdige<br />
Plattformen zu schaffen – besonders<br />
für Industrie 4.0.<br />
Allerdings dürfe man diese Chance<br />
nicht verpassen. „Wir sind bei<br />
diesen relevanten Themen zwar<br />
auf dem richtigen Weg“, so Eckert,<br />
„doch wir bewegen uns zu langsam.“<br />
Das liege daran, dass im mittelständisch<br />
geprägten Deutschland<br />
die Entwicklung sehr kleinteilig verlaufe.<br />
„Es gibt keine gemeinsame<br />
Roadmap, um Standards möglichst<br />
schnell auf den Weg zu bringen“,<br />
meint die Professorin.<br />
Etwas optimistischer ist Professor<br />
Frank Fitzek, der den Lehrstuhl<br />
Kommunikationsnetze an der TU<br />
Dresden innehat. Sicherheit werde<br />
künftig ein wichtiges Verkaufsargument<br />
sein. Und das sei ein Vorteil für<br />
Deutschland. „Wir werden das bessere<br />
System haben“, glaubt Fitzek.<br />
Er und sein Team arbeiten in<br />
Dresden vor allem daran, die Kommunikationswege<br />
abzusichern. Eine<br />
Möglichkeit, um zu verhindern, dass<br />
Daten auf ihrem Weg durch das Internet<br />
abgegriffen werden, ist laut<br />
Fitzek der Multipath-Ansatz. Dabei<br />
werden die Daten auf mehreren Kanälen<br />
durchs Netz geschickt (siehe<br />
Kasten, S.35).<br />
Die Wissenschaftler in Dresden<br />
verschicken ihre Nachrichten außerdem<br />
in Form von mathematischen<br />
Gleichungen statt als Datenpakete.<br />
„Wir verschicken verschiedene<br />
Gleichungen auf unterschiedlichen<br />
Wegen“, so Fitzek, „und dann wollen<br />
wir mal sehen, wer da noch von<br />
außen zuhören kann.“<br />
MARKUS STREHLITZ<br />
schreibt als freier Journalist hauptsächlich über<br />
Informationstechnologie.<br />
20.-21. Oktober 2015<br />
RAMADA Hotel & Conference<br />
Center München Messe<br />
3. Markt&Technik Industrie 4.0<br />
& Industrial Internet Summit<br />
colocated<br />
event:<br />
Der interdisziplinäre Fachkongress für<br />
n Automatisierung<br />
n Elektronik<br />
n Embedded<br />
n IT<br />
in der Industrie 4.0<br />
Zwei Tage mit über 50 hochkarätigen Vorträgen<br />
aus Industrie und Forschung:<br />
n Smart Production: Best Practise<br />
n Kommunikation & Big Data<br />
n Strategie, Normung<br />
n Geschäftsmodelle 4.0<br />
n Arbeitswelt 4.0<br />
n Automatisierung & Steuerungstechnik<br />
Keynote: Industrie 4.0 aus Sicht des VDE und des<br />
Mittelstands<br />
Dr. Gunther Kegel, VDE, ZVEI und Pepperl+Fuchs<br />
Melden Sie sich jetzt an:<br />
www.industrie4-summit.de<br />
Aussteller, Partner und Sponsoren (Stand 20.07.2015)<br />
powered by<br />
Partner<br />
37
KOMPAKT WISSEN<br />
1 2<br />
JUGEND FORSCHT<br />
Gedächtniswiderstand<br />
Ein kleines Bauteil aus Kupfersulfid<br />
brachte den Erfolg und den mit<br />
1000 Euro dotierten VDE-Sonderpreis<br />
für mikroelektronische Anwendungen<br />
sowie den 4. Platz im Bereich<br />
Physik im Finale von Jugend forscht.<br />
Evgeny Ula nov (18) und Philipp<br />
Schnicke (18) aus Bad Münstereifel<br />
entwickelten einen Memristor: „Vereinfacht<br />
gesagt handelt es sich um ein<br />
Bauteil, dessen elektrischer Widerstand<br />
vom Stromfluss abhängt und das sich<br />
diesen Widerstand unter bestimmten<br />
Umständen merken kann“, erklärt<br />
das Forscherteam. Mithilfe einer LED<br />
gelang es den Abiturienten, Informationen<br />
in dem Memristor zu speichern<br />
und wieder abzurufen. In Zukunft<br />
könnten Bauelemente dieser Art als<br />
Grundlage für leistungsfähigere Speicherchips<br />
dienen. Diese wären vor allen<br />
Dingen energiesparend und klein.<br />
Die beiden Preisträger werden ihre Erfindung<br />
auf dem VDE/BMBF-Mikro-<br />
SystemTechnik-Kongress 2015 Ende<br />
Oktober in Karlsruhe vorstellen.<br />
1 2<br />
MINT GIPFEL<br />
Imagebildung<br />
„Berufliche Bildung: Ein deutsches<br />
Erfolgsmodell in Gefahr?“ lautete das<br />
Motto des 3. Nationalen MINT Gipfels<br />
Ende Juni 2015 in Berlin, zu dem<br />
260 Vertreter aus Politik, Wirtschaft,<br />
Wissenschaft und Gesellschaft kamen.<br />
Eröffnet wurde die Veranstaltung von<br />
Bundesforschungsministerin Prof. Johanna<br />
Wanka. VDE-Arbeitsmarktexperte<br />
Dr. Michael Schanz präsentierte<br />
die Ergebnisse der Arbeitsgruppe<br />
„Attraktivität der Ingenieurberufe“.<br />
Die Gruppe untersuchte die wichtigsten<br />
Einflussfaktoren für die Imagebildung<br />
des Ingenieurs.<br />
VDE-STUDIE<br />
Energiewende<br />
von unten<br />
Alle wollen die Energiewende, aber<br />
keiner die Stromleitung vor Ort.<br />
Energieexperten des VDE zeigen in<br />
der neuen Studie „Der Zellulare Ansatz“<br />
Möglichkeiten zur Reduzierung<br />
dieses Ausbaus. Werden die Erzeugung<br />
und der Verbrauch von Energie<br />
auf der niedrigsten Ebene in kleinteiligen<br />
„Energiezellen“ ausbalanciert,<br />
wird Energie erzeugt und direkt wieder<br />
verbraucht, ohne in das Gesamtnetz<br />
eingespeist zu werden. Der Zellulare<br />
Ansatz schafft somit wichtige<br />
Grundlagen für eine nachhaltige Entwicklung<br />
der Energieversorgung. Die<br />
Reduktion des notwendigen Netzausbaus<br />
ist umso größer, je besser<br />
Stromangebot und -nachfrage in den<br />
Energiezellen austariert werden. Der<br />
Ansatz stellt durch die lokale Zuordnung<br />
einen direkten Bezug zwischen<br />
den Anwendern und der notwendigen<br />
Technik her und bringt mehr Selbstbestimmung<br />
der Anwender mit sich.<br />
PERSONALARBEIT<br />
Kreative Lösungen<br />
3<br />
Bei einer gemeinsamen Tagung des<br />
VDE-Ausschusses „Studium, Beruf<br />
und Gesellschaft“ und der Hanns-<br />
Seidel-Stiftung Mitte Juli in München<br />
diskutierten Experten aus Wirtschaft,<br />
Wissenschaft und Politik über die Herausforderungen<br />
des demografischen<br />
38
3<br />
Ticker<br />
FOTOS: VDE (1), ©KREATEUR-SPECK-2015 (2); © MARKUS BLUME (3)<br />
Wandels für den Hightech-Standort<br />
Deutschland. Für Markus Blume<br />
(siehe Bild), Mitglied des bayerischen<br />
Landtages und Vorsitzender der<br />
CSU-Wirtschaftskommission, werden<br />
vor allem die Digitalisierung und Globalisierung<br />
die bisher erfolgreichen<br />
Methoden der Personalarbeit infrage<br />
stellen. Mit einem „Weiter so“ seien<br />
die Unternehmen auf die neue Arbeitswelt<br />
nicht ausreichend vorbereitet.<br />
„Unsere Industrie ist keine ‚gmahte<br />
Wiesn‘ “, warnte Blume.<br />
LI-IONEN-BATTERIEN<br />
Kompendium<br />
Ein Ergebnis der Begleitforschung<br />
zum Forschungsprogramm „IKT für<br />
Elektromobilität II“ (IKT-EM II) des<br />
Bundesministeriums für Wirtschaft<br />
und Energie (BMWi) ist das „Kompendium:<br />
Li-Ionen-Batterien“. Der<br />
Leitfaden von VDE und DKE soll<br />
Anwendern das Verständnis der zugrunde<br />
liegenden Physik und Chemie<br />
erleichtern und Bewertungskriterien<br />
zum Vergleich unterschiedlicher Batterien<br />
und Batteriesysteme geben.<br />
Das Handbuch umfasst zudem eine<br />
Darstellung relevanter Standards,<br />
Richtlinien, Vorschriften und Hinweise<br />
entlang des gesamten Lebenszyklus<br />
der Batterie inklusive der damit<br />
verknüpften Test- und Prüfverfahren.<br />
Der VDE und das Deutsche Dialog<br />
Institut wirkten im Auftrag des BMWi<br />
bei der Identifizierung und Überwindung<br />
von Innovationshürden, der projektübergreifenden<br />
Zusammenarbeit<br />
und beim Ergebnistransfer der insgesamt<br />
18 geförderten Projekte mit.<br />
GESCHLECHTER-DIVERSITÄT<br />
Hat Vielfalt Einfluss?<br />
Der VDE ist Partner im EU-geförderten<br />
Projekt „Gender Diversity Impact<br />
– Improving research and innovation<br />
through gender diversity“ (GEDII).<br />
Gemeinsam mit vier europäischen<br />
Partneruniversitäten werden die Auswirkungen<br />
von Geschlechterdiversität<br />
in Forschungsteams auf deren<br />
Forschungsergebnisse untersucht.<br />
Ziel ist die Entwicklung eines entsprechenden<br />
Gender-Diversity-Index.<br />
Der VDE erweitert mit GEDII<br />
sein Engagement in der Förderung<br />
der MINT-Berufe. Das Projekt startet<br />
am 1. Oktober dieses Jahres und hat<br />
eine Laufzeit von 36 Monaten.<br />
+++ Bis zum 31.1.2016 läuft die<br />
Bewerbungsfrist für die KARL-JO-<br />
ACHIM-EULER-MEDAILLE, mit<br />
der Verdienste um die Erforschung<br />
und Darstellung der Geschichte<br />
der Elektrotechnik geehrt werden.<br />
Die Medaille ist nach dem Mitbegründer<br />
und ersten Vorsitzenden<br />
des VDE-Ausschusses „Geschichte<br />
der Elektrotechnik“, Prof. Dr.-Ing.<br />
Karl-Joachim Euler, benannt und<br />
wird im Herbst 2016 zum elften Mal<br />
verliehen. +++ Gleich zwei neue<br />
Publikationen hat der VDE-AUS-<br />
SCHUSS BLITZSCHUTZ UND<br />
BLITZFORSCHUNG herausgegeben:<br />
das Merkblatt „Blitzschutz<br />
beim Zelten, Campen und auf dem<br />
Campingplatz“ und den COMIC<br />
„Donner-Wetter! Wissen für Kids<br />
zu Donner & Blitz“. Im Comic zeigen<br />
die Schülerin Laura und die<br />
Schüler Basti und Linus, wie sich<br />
Kinder bei Gewitter richtig verhalten<br />
und schützen können. Mehr unter<br />
www.donner-wetter.info. +++ Das<br />
VDE-SOMMERFEST IN BRÜS-<br />
SEL Ende August zog auch in diesem<br />
Jahr wieder zahlreiche EU-Politiker<br />
und Vertreter von europäischen<br />
Institutionen sowie aus Industrie<br />
und Wissenschaft in die Brüsseler<br />
Repräsentanz des VDE. Die Gäste<br />
informierten sich über die neusten<br />
Verbands-Aktivitäten und knüpften<br />
untereinander Kontakte. Mit dabei:<br />
die Mitglieder von EUREL. Sie trafen<br />
sich im Vorfeld zu einem Expertengespräch<br />
zum Thema Energiespeicher.<br />
+++ Mehr als 250 Vertreter<br />
der Mikroelektronikbranche und<br />
der Politik trafen sich am 9.9.2015<br />
in der Berlin-Brandenburgischen<br />
Akademie der Wissenschaften zum<br />
VDE/ZVEI-SYMPOSIUM MIKRO-<br />
ELEKTRONIK. Dieses Jahr stand<br />
die Veranstaltung unter dem Motto<br />
„Cyber Security: Mikroelektronik als<br />
Lösung“. +++ Auf dem MIKRO-<br />
SYSTEMTECHNIK-KONGRESS<br />
in Karlsruhe Ende Oktober präsentieren<br />
sich erstmalig alle drei großen<br />
VDE/BMBF-Nachwuchsinitiativen:<br />
INVENT a CHIP, COSIMA und SolarMobil<br />
Deutschland.<br />
39
KOMPAKT NORMUNG / PRÜFUNG<br />
1 2<br />
NORMEN-WORKSHOP<br />
Einblicke in Minsk<br />
Mitte Oktober wird in Minsk der<br />
sechste Young Professionals Workshop<br />
der IEC (International Electrotechnical<br />
Commission) stattfinden.<br />
Berufseinsteiger aus verschiedenen<br />
Branchen sollen dort einen Einblick<br />
in die internationale Normung erhalten.<br />
Neben Julian Zethner, dem<br />
Bundessieger bei den Deutschen<br />
Meisterschaften im Elektrohandwerk,<br />
sind auch die Young Professionals<br />
und DKE-Experten Jannis Tomaschko<br />
(28) und Marion Gottschalk (27)<br />
mit dabei. Jannis Tomaschko erklärt<br />
sein Interesse am Workshop mit seinem<br />
Beruf als Entwicklungsingenieur,<br />
denn: „Was nützt es, wenn ich<br />
Produkte voranbringe, die sich nicht<br />
in ein genormtes Gesamtsystem einfügen<br />
können?“ Marion Gottschalk<br />
beschäftigt sich als wissenschaftliche<br />
Mitarbeiterin mit der Standardisierung<br />
und Umsetzung von Normen.<br />
„Bislang kenne ich nur die Seite des<br />
Anwendens der Normung. Jetzt erhoffe<br />
ich mir Einblick in deren internationale<br />
Gestaltung“, betont sie. Beide<br />
Teilnehmer hatten sich im Vorfeld<br />
bei der DKE beworben und wurden<br />
aufgrund ihres bisherigen Engagements<br />
in nationalen Normungsgremien<br />
ausgewählt. Weitere Infos unter:<br />
www.vde.com/nextgeneration.<br />
KRITIS<br />
Keine Chance<br />
für Hacker I<br />
1<br />
Schadprogramme wie Stuxnet oder<br />
Duqu haben jüngst gezeigt, wie verwundbar<br />
hochspezielle IT-Systeme<br />
und damit auch die „Kritischen Infrastrukturen“<br />
(KRITIS) sind. Umso<br />
wichtiger ist es, KRITIS gegen Cyberangriffe<br />
zu schützen. Vor diesem<br />
Hintergrund hat das Bundesministerium<br />
für Bildung und Forschung<br />
(BMBF) im Rahmen des Förderprogramms<br />
„IKT 2020 – Forschung für<br />
Innovationen“ 12 Projekte im Förderschwerpunkt<br />
„IT-Sicherheit für<br />
kritische Infrastrukturen“ vereint. Die<br />
DKE ist dabei Partner im Begleitforschungsprojekt<br />
„Vernetzte IT-Sicherheit<br />
Kritischer Infrastrukturen“ (Ve-<br />
SiKi). Ziel des VeSiKi-Projektes ist<br />
ein zentrales Regelwerk, das die Betreiber<br />
unterstützt, ihre Sicherheitsvorkehrungen<br />
einzuschätzen und<br />
effektiv zu verbessern. Gleichzeitig<br />
sollen sektorenübergreifende Lösungen<br />
entwickelt und die Anwendbarkeit<br />
von IT-Sicherheit für KRITIS<br />
optimiert werden.<br />
IT-SECURITY<br />
Keine Chance<br />
für Hacker II<br />
Um Hackern das Handwerk zu erschweren,<br />
hat die DKE einen Leitfaden<br />
für die IT-Sicherheit elektrischer<br />
Bahnsignalanlagen auf Grundlage<br />
der IEC 62443 herausgegeben. Der<br />
Leitfaden ist Teil der Vornorm VDE<br />
V 0831-104, die durch das DKE-Arbeitsgremium<br />
„Bahn-Signalanlagen“<br />
erarbeitet wurde und sich mit Risiken<br />
aufgrund von möglichen externen<br />
Angriffen beschäftigt. „Auf<br />
Tagungen wie zum Beispiel denen<br />
des Chaos Computer Clubs rücken<br />
immer mehr Eisenbahnthemen wie<br />
‚Hacking Train Networks‘ in den<br />
Vordergrund“, warnt Prof. Dr. Jens<br />
Braband von der Siemens AG. Ein<br />
ausreichender Schutz vor Hackerangriffen<br />
sei daher unabdingbar.<br />
40
3<br />
Ticker<br />
FOTOS: VDE (1, 3), DANNY KURZ (2)<br />
IFA 2015<br />
Digitale Zukunft<br />
Wer von einem smarten Zuhause<br />
träumt, konnte sich am Gemeinschaftsstand<br />
von VDE, ZVEH und<br />
ZVEI auf der IFA Anfang September<br />
in Berlin umfassend über intelligente<br />
Gebäudevernetzung und das Thema<br />
Sicherheit informieren. Zudem stellten<br />
die Normungsexperten der DKE<br />
die neue Normungs-Roadmap Smart<br />
Home vor. Im Bild v.l.n.r.: Bernd Dechert<br />
(ZVEH), Dr. Patricia Solaro<br />
(ZVEI), Miss IFA und Dr. Siegfried<br />
Pongratz (VDE).<br />
DELEGATIONSREISE<br />
Deutsch-asiatischer<br />
Austausch<br />
Michael Jungnitsch, Sprecher der<br />
Geschäftsführung des VDE-Instituts<br />
(Mitte), und Staatssekretär Mathias<br />
Samson (links), begleiteten den<br />
hessischen Ministerpräsidenten und<br />
Bundesratspräsident Volker Bouffier<br />
2<br />
3<br />
(rechts) auf seiner achttägigen Delegationsreise<br />
nach Singapur und Japan.<br />
Ziel der hochkarätig besetzten<br />
Delegation war es, die Geschäfts- und<br />
Wissenschaftsbeziehungen zwischen<br />
den beiden Ländern und Deutschland<br />
– insbesondere dem Land Hessen<br />
– zu vertiefen.<br />
KOOPERATION<br />
Länderübergreifend<br />
besser testen<br />
Die LABCO GmbH und die VDE<br />
Global Services GmbH haben in Suzhou,<br />
China, ein gemeinsames Testlabor<br />
zur Prüfung von Automobil-Kabeln<br />
und -Komponenten eröffnet.<br />
LABCO ist ein in der Automobilbranche<br />
weltweit anerkanntes Prüflabor<br />
für Fahrzeugleitungen und weitere<br />
elektrische Systemkomponenten.<br />
Zum Dienstleistungsangebot gehören<br />
Prüfungen im Automotive-Bereich<br />
sowie die Prüfung und Zertifizierung<br />
von Produkten rund um E-Mobility.<br />
Mit dem Testlabor in China unterstützt<br />
das VDE-Institut seine Kunden<br />
in Asien, Kosten sowie Reaktionsund<br />
Lieferzeiten zu minimieren.<br />
+++ Die Erforschung der FUNK-<br />
KOMMUNIKATION FÜR INDUS-<br />
TRIE 4.0 stand im Mittelpunkt<br />
eines DKE-Workshops Ende Juli<br />
bei PHOENIX CONTACT in Bad<br />
Pyrmont. Der Workshop war die<br />
Auftaktveranstaltung zu einer dreijährigen<br />
Forschungsreihe. Mit insgesamt<br />
43,3 Millionen Euro fördert<br />
das Bundesministerium für Bildung<br />
und Forschung hierzu neun Projekte<br />
der drahtlosen Kommunikation, die<br />
die technologische Bandbreite abbilden<br />
und die Vielzahl der Anwendungsfälle<br />
in der Industriefertigung<br />
und dem Maschinenfunk berücksichtigen.<br />
+++ Wer macht mit? Die<br />
DKE ruft zur Mitarbeit an der NOR-<br />
MUNGS-ROADMAP ELEKTRI-<br />
SCHE ENERGIEEFFIZIENZ auf.<br />
Die Normungs-Roadmap soll alle<br />
Bereiche der Energieerzeugung und<br />
-verteilung umfassen und auf Gewerbe,<br />
Handel, Verkehr, Transport,<br />
Industrie und Haushalt sowie die<br />
politischen Rahmenbedingungen<br />
eingehen. Interessenten melden<br />
sich bei henriette.boos@vde.com.<br />
+++ Die DKE ist jetzt mit einer Vielzahl<br />
von WEBINAREN online. Wer<br />
bislang nicht live dabei sein konnte,<br />
kann sich alle Webinare in der<br />
DKE-Webithek anschauen (www.<br />
dke.de/webinare). +++ Ende Mai<br />
fand die 150. Sitzung des Technischen<br />
Beirats von CENELEC<br />
(Europäisches Komitee für Elektrotechnische<br />
Normung) im VDE-Haus<br />
in Berlin unter der Leitung von Uwe<br />
Kampet statt. Das Gremium ist das<br />
höchste technische Beschlussgremium<br />
von CENELEC und berät<br />
strategisch über die technische<br />
Normungsarbeit. +++ DKE UND<br />
SAC (Standardization Administration<br />
of the People’s Republic of China)<br />
wollen zukünftig noch enger zusammenarbeiten,<br />
wenn es um die<br />
Entwicklung und Definition von Normen<br />
für Industrie 4.0 geht. In einem<br />
Memorandum of Understanding<br />
verständigten sich beide Organisationen<br />
in Frankfurt auf ein aktives und<br />
langfristiges Engagement und eine<br />
Zusammenarbeit auf Augenhöhe.<br />
41
KOMPAKT REGIONEN<br />
1 2<br />
VDE DÜSSELDORF<br />
Lichtblitze beim Tag<br />
der Technik<br />
Kinder und Jugendliche für Technik<br />
begeistern: Das war das erklärte Ziel<br />
beim zwölften Tag der Technik 2015.<br />
Gemeinsam mit Unternehmen und<br />
Institutionen aus Düsseldorf waren<br />
der VDE, der VDI, der DVS (Deutscher<br />
Verband für Schweißen und<br />
verwandte Verfahren), die IHK Düsseldorf<br />
sowie die Handwerkskammer<br />
Düsseldorf Organisatoren der Veranstaltung.<br />
In zahlreichen Mitmach-Aktionen<br />
und Experimenten stand Technik<br />
zum Ausprobieren und Anfassen<br />
im Mittelpunkt. Die „Landung“ des<br />
Schirmherrn und Astronauten Alexander<br />
Gerst (siehe Seite 32) war<br />
ein ganz besonderes Highlight. Beeindruckend<br />
waren die Solarflitzer,<br />
die 19 Schülerteams im Rahmen des<br />
SolarCup „Lichtblitz“ an den Start<br />
schickten. In spannenden Rennläufen<br />
zeigten die Teilnehmer, wie viel Power<br />
in ihren Solarautos steckt. Aufgabe war<br />
es, eine zehn Meter lange Rennstrecke<br />
möglichst schnell mit selbst gebauten<br />
Solarmobilen zurückzulegen. Um die<br />
1<br />
technische Ausgangslage für alle gleich<br />
zu halten, wurden Solarmodule und<br />
Elektromotoren von den Veranstaltern<br />
gestellt, die angemeldeten Teams<br />
durften dann die Fahrzeuge frei entwickeln.<br />
Das Team der Gesamtschule<br />
Schermbeck ging als Sieger durchs<br />
Ziel und schickte sein Fahrzeug beim<br />
Bundeswettbewerb SolarCup im Oktober<br />
in Karlsruhe erneut ins Rennen.<br />
VDE RHEIN-RUHR<br />
Kaffeetassen in der<br />
Waschstraße<br />
Es wurde wieder gestaunt, als Ende<br />
Juni zehn Schülergruppen beim<br />
11. Technikpreis des VDE Rhein-<br />
Ruhr zeigten, was sie in Sachen Erfindungsgeist<br />
draufhaben. Der Wettbewerb<br />
gibt Schülerinnen und Schülern<br />
die Möglichkeit, innovative und clevere<br />
Projektideen zu entwickeln, umzusetzen<br />
und vor einer sechsköpfigen<br />
Jury mit Mitgliedern aus Wirtschaft<br />
und Politik zu präsentieren. Die ersten<br />
drei Plätze honorierte der VDE<br />
Rhein-Ruhr mit Preisgeldern von<br />
insgesamt 5000 Euro. Über den ersten<br />
Preis freuten sich Schüler der<br />
2<br />
Willy-Brandt-Schule aus Mülheim an<br />
der Ruhr. Sie überzeugten mit ihrer<br />
Waschstraße für Kaffeetassen. Diese<br />
ist in der Lage, Statusmitteilungen per<br />
SMS zu versenden. Schon bald könnte<br />
die Kaffeetassen-Waschstraße in der<br />
eigenen Schülerküche zum Einsatz<br />
kommen. Der zweite Preis und<br />
2000 Euro gingen an eine App-Entwicklung<br />
von Schülerinnen und Schülern<br />
des Marler Hans-Böckler-Berufskollegs.<br />
In Verbindung mit einem<br />
Globus liefert die App Informationen<br />
zu den Stichworten Einwohnerzahl,<br />
Größe, wichtigste Industrien, Erfolge<br />
in bedeutenden Sportarten, Nationalhymne<br />
und mehr. Den dritten Platz<br />
errang das Theodor-Heuss-Gymnasium<br />
aus Recklinghausen für die Präsentation<br />
einer Low-Cost-Wärmebildkamera.<br />
Spontan wurde von der Jury<br />
noch ein Sonderpreis über 500 Euro<br />
vergeben, der die Idee vom Bau eines<br />
autonomen Fahrzeugs des Städtischen<br />
Gymnasiums Straelen weiter unterstützen<br />
soll. Der VDE-Technikpreis ist<br />
ein Beispiel für die selbst gesetzte Aufgabe<br />
des Bezirksverbandes, Technikverständnis<br />
und -akzeptanz praxisorientiert<br />
zu fördern. Die Ausschreibung<br />
der nächsten Runde des Technikpreises<br />
startet im November und wird auf<br />
den Seiten des Bezirksvereins veröffentlicht<br />
(www.vde-rhein-ruhr.de).<br />
42
VDE KURPFALZ<br />
Engagierter Gastgeber<br />
Der nächste VDE-Kongress findet vom 7. – 8. November 2016 in Mannheim statt. Thema ist das Internet der<br />
Dinge. Internationale Experten werden vor Ort über Technologien, Anwendungen und Perspektiven diskutieren.<br />
Gastgeber des VDE-Jahreskongresses ist der VDE Kurpfalz. Der VDE <strong>dialog</strong> sprach mit dem Vorsitzenden des<br />
Bezirksvereins, Prof. Wolfram Wellßow, über die Kongress-Vorbereitung und über die Arbeit im Alltag.<br />
Prof. Wolfram Wellßow ist Vorsitzender<br />
des VDE Kurpfalz und hat den Lehrstuhl für<br />
Energies ysteme und Energiemanagement<br />
an der TU Kaiserslautern inne.<br />
Herr Prof. Wellßow, der VDE Kurpfalz<br />
ist Gastgeber des VDE-Kongresses<br />
2016 in Mannheim. Wie sehen<br />
Ihre konkreten Vorbereitungen<br />
dafür aus?<br />
Wir freuen uns über die Rolle des gastgebenden<br />
Bezirksvereins und arbeiten<br />
intensiv im Programmausschuss an den<br />
Details der einzelnen Tagesprogrammpunkte<br />
mit, um den VDE-Mitgliedern<br />
und den Gästen des Kongresses spannende<br />
und vielseitige Inhalte zu bieten.<br />
Das geschieht in enger Abstimmung<br />
mit dem VDE-Präsidium, dem VDE-Vorstand<br />
und den Fachgesellschaften.<br />
Fest steht bereits, dass es wieder den<br />
e-studentday geben wird, ebenso wie<br />
das Schülerforum. Für diese beiden<br />
Programmpunkte tragen wir als gastgebender<br />
Bezirksverein traditionell die<br />
Verantwortung.<br />
Abgesehen vom Kongress – welche<br />
Themen sind für Ihren Bezirksverein<br />
im Moment besonders wichtig, worauf<br />
liegt der Fokus Ihrer Arbeit?<br />
Da stehen zwei Themen ganz weit oben:<br />
Aktive Mitgliederbetreuung und Nachwuchsförderung.<br />
Um neue Mitglieder zu<br />
gewinnen, wollen wir nicht nur werben,<br />
sondern ganz konkret den Nutzen und<br />
Mehrwert der VDE-Mitgliedschaft erlebbar<br />
machen. Dazu sind unsere hochkarätigen<br />
Seminarprogramme und Veranstaltungsreihen<br />
die besten Beispiele.<br />
Bei der Jugend wollen wir das Thema<br />
Technik in den Köpfen verankern. Dies<br />
erreichen wir zum Beispiel über Veranstaltungen<br />
wie den MINT-Familientag,<br />
der im Oktober im Technoseum in<br />
Mannheim stattfand, oder über kostengünstige,<br />
z. T. mehrtägige Exkursionen,<br />
die wir speziell für Jungmitglieder anbieten.<br />
Wir sind stolz darauf, ein sehr aktiver<br />
Bezirksverein zu sein.<br />
Damit stehen Sie in der Tradition<br />
Ihres ehemaligen Vorsitzenden und<br />
jetzigen stellvertretenden VDE-Präsidenten<br />
Dr. Gunther Kegel...<br />
Richtig! Dr. Kegel hat den VDE Kurpfalz<br />
als aktiven und engagierten Bezirksverein<br />
sehr geprägt. Er ist aber über seine<br />
Zeit als Vorsitzender unseres Bezirksvereins<br />
weiterhin sehr engagiert in der<br />
Region. Auch heute noch nimmt er regelmäßig<br />
an unseren Veranstaltungen<br />
teil und trägt beispielsweise als Redner<br />
aktiv zu unserer Arbeit bei.<br />
Ticker<br />
FOTOS: SEITE 42: GESAMTSCHULE BORBECK (1), VDE (2); SEITE 43: PRIVAT<br />
+++ „Das Ökosystem vernetztes Fahrzeug: Herausforderungen<br />
& Auswirkungen in der Wertschöpfungskette und interdisziplinärer<br />
Kommunikation“ war das Thema eines Vortrages Mitte<br />
September im Rahmen des Arbeitskreises Unternehmensmanagement<br />
und Informationstechnik des VDE SÜDBAYERN.<br />
+++ Matthias Hahner, Leiter der Region Ost im VDE RHEIN-<br />
MAIN, würdigte VDE-Mitglied Günter Bury für seine Verdienste<br />
im Bereich der Wissensvermittlung und der Nachwuchsförderung.<br />
+++ Viele Lehrer haben Probleme, ihren Schülern die<br />
Energiewende mit Bezug auf die elektrische Energie zu erklären.<br />
Deshalb lud der ETV Ende September ins VDE-Haus in<br />
Berlin zum Lehrertreffen ein. +++ Der VDE BRAUNSCHWEIG<br />
möchte seine Mitglieder stärker in die Ideenfindung einbinden<br />
und bittet um Mitarbeit und Vorschläge an vortraege.vde-braunschweig@vde-online.de.<br />
+++ Vorstand und Beirat des VDE<br />
RHEIN-RUHR haben acht Fokusthemen herausgearbeitet, die<br />
in einer Vortragsreihe und Firmenbesichtigungen vorgestellt und<br />
diskutiert werden, darunter: Industrie 4.0, Digitalisierung, Leben<br />
im Alter und Energiewende. +++ Die Osnabrücker Bürgermeisterin<br />
Birgit Strangmann würdigte Mitte Juli in einem Festakt das<br />
Engagement der Senioren im VDE OSNABRÜCK-EMSLAND<br />
für die Region. +++ „Ist Licht zu langsam?“ – Über Grenzen<br />
der Glasfaserübertragung referierte im August Hon.-Prof. Dr.<br />
Herbert Haunstein von Alcatel-Lucent beim Vortrag des Monats<br />
des VDE NORDBAYERN. +++ Technik macht Spaß! Das<br />
zeigten Schüler anderen Schülern beim 18. VDE-SCHÜLER-<br />
FORUM für Nordbayern an der TU Erlangen Ende Juli. +++ Ab<br />
Ende Oktober ist der Kick-Off für eine Vortragsreihe des VDE<br />
RHEIN-MAIN und dem Physikalischen Verein Frankfurt. Unter<br />
dem Titel „Technologiestandort Rhein-Main heute und morgen“<br />
referieren führende Ingenieure über aktuelle Entwicklungen aus<br />
Industrie und Wissenschaft.<br />
43
KOMPAKT VDE YoungNet<br />
1<br />
2<br />
NEUE HOCHSCHULGRUPPE<br />
Keine Karteileichen<br />
Gratulation! Seit dem Frühjahr ist<br />
Berlin um eine wichtige Anlaufstelle<br />
reicher. Zumindest für alle, die<br />
Elektrotechnik an der Technischen<br />
Universität studieren. Im März hat<br />
sich dort eine neue VDE-Hochschulgruppe<br />
gegründet. „Wir sind neun<br />
aktive Mitglieder, aber die Zahl wird<br />
sich hoffentlich noch deutlich vergrößern“,<br />
erwartet Juliane Selle. Sie<br />
ist eine der vier Vorstandsmitglieder,<br />
die allesamt den festen Vorsatz<br />
haben, das „große Potenzial Berlins<br />
auszuschöpfen“. Dazu gehört unter<br />
anderem das Organisieren und Anbieten<br />
von Exkursionen, die Teilnahme<br />
an der „Ersti-Woche“ an der TU<br />
und vor allem das weitere Stärken des<br />
Zusammengehörigkeitsgefühls. Beispielsweise<br />
durch eine Paddeltour,<br />
die für den Herbst in Planung ist.<br />
„Der VDE ist für die Elektrotechnik<br />
die Interessenvertretung schlechthin.<br />
Deshalb ist es schade, wenn man<br />
als Jungmitglied zunächst so wenig<br />
davon hat“, erklärt sie die Motivation<br />
für die Neugründung. „Mit der<br />
Hochschulgruppe wollen wir Karteileichen<br />
verhindern und uns alle besser<br />
kennenlernen“. Das mache nicht<br />
nur Spaß, sondern helfe auch, das<br />
Studium gut zu bewältigen und ganz<br />
nebenbei sein Organisationstalent zu<br />
verbessern.<br />
HOCHSCHULGRUPPE TRIER<br />
Zahnarztpraxis im<br />
Himalaya<br />
1<br />
Es dürfte eine der entlegensten Zahnarztpraxen<br />
der Welt werden. Die Praxis<br />
von Dr. Rainer Ross in Nordindien.<br />
Seit Jahren engagiert sich Ross<br />
in der nordindischen Provinz Ladakh<br />
ehrenamtlich als Zahnarzt. Im Winter<br />
– bei -30 Grad Celsius – ist die bislang<br />
genutzte Praxis jedoch im Wortsinn<br />
„eingefroren“, denn Strom und<br />
Heizmöglichkeiten gibt es nicht. Deshalb<br />
baut Ross nun eine neue, nachhaltige<br />
und nach europäischem Standard<br />
eingerichtete Behandlungsstätte.<br />
Unterstützt wird er dabei von der<br />
VDE-Hochschulgruppe Trier. „Einige<br />
von uns haben vor dem Studium<br />
bereits eine Ausbildung gemacht und<br />
können deshalb vor Ort alle Elektroinstallationen<br />
übernehmen“, sagt<br />
Sprecher Simon Lemling. Derzeit<br />
bemüht sich die Gruppe um weitere<br />
Spenden. „Wir haben auf Messen<br />
Kontakt zu Elektrotechnik-Unternehmen<br />
aufgenommen. Auch der Bezirksverein<br />
hat uns unterstützt“, sagt<br />
Lemling. Die ursprünglich geplante<br />
Abreise im August musste allerdings<br />
verschoben werden, weil einige der<br />
Holzmodule, mit denen die Praxis<br />
vor Ort aufgebaut werden soll, noch<br />
nicht fertig sind. Der einzig positive<br />
Aspekt dabei: Sie gewinnen Zeit, um<br />
weitere Privatpersonen und Unternehmen<br />
zu finden, die die Praxis mit<br />
Spenden unterstützen. Wer das Team<br />
und den Aufbau der Praxis unterstützen<br />
möchte, wendet sich bitte an lemlings@hochschule-trier.de<br />
AUSZEICHNUNG<br />
Förderung für Elektro<br />
ingenieurinnen<br />
Der Dr. Wilhelmy-VDE-Preis zeichnet<br />
herausragende Dissertationen<br />
der Elektrotechnik im deutschsprachigen<br />
Raum aus. Er wird jedes Jahr<br />
an bis zu drei junge Ingenieurinnen<br />
der Elektro- und Informationstechnik<br />
44
verliehen. Die Auszeichnung richtet<br />
sich an junge Forscherinnen, die das<br />
35. Lebensjahr noch nicht überschritten<br />
haben. Er ist mit je 3000 Euro<br />
dotiert und soll junge Forscherinnen<br />
zu einer wissenschaftlichen Laufbahn<br />
motivieren. Einsendeschluss für<br />
die Dissertationen ist der 31. Januar<br />
2016. Weitere Infos unter: www.vde.<br />
com/ingenieurinnen.<br />
BDEW KONGRESS BERLIN<br />
Generationenübergreifend<br />
2<br />
Im Juni besuchten zehn Young-<br />
Net-Mitglieder den BDEW Kongress<br />
in Berlin. Der Bundesverband<br />
der Energie- und Wasserwirtschaft<br />
(BDEW) hatte eigens ein spezielles<br />
Programm aufgelegt, um Nachwuchskräften<br />
die Chance zu geben,<br />
Zukunftsthesen zu Umwelt und<br />
Nachhaltigkeit sowie zu Technologie<br />
und Innovation zu diskutieren und<br />
auf dem Kongress mit jungen Ingenieuren<br />
ins Gespräch zu kommen.<br />
„Das war eine tolle Erfahrung“, urteilt<br />
Teilnehmer Carsten Hoppert.<br />
Insgesamt kamen über einhundert<br />
junge Talente aus ganz Deutschland,<br />
um an der dreitägigen Veranstaltung<br />
in Berlin teilzunehmen und Einblicke<br />
in die hochspannende Energiedebatte<br />
zu erhalten.<br />
Im Bild von links nach rechts:<br />
Andre Tenbrake, Carsten Hoppert,<br />
Krassimir Gurov, Florian Rewald,<br />
Hildegard Müller (BDEW), Tobias<br />
Schütte, Juliane Selle, Bastian Schaller,<br />
Jan Heise, Robert Rode, Stefan<br />
Estelmann.<br />
Gut verlinkt<br />
www.vde.com/youngnet<br />
www.facebook.com/VDE.youngnet<br />
www.twitter.com/vdeyoungnet<br />
www.youtube.com/vdepresse<br />
YOUNGNET CONVENTION<br />
»Wir haben ein cooles Programm«<br />
Niklas Lehrke ist Mitglied im Orga-Team, das für den 25. bis 27. Oktober die VDE YoungNet Convention<br />
in Karlsruhe organisiert. Im Interview erklärt er die Highlights für die rund 300 erwarteten Teilnehmer.<br />
FOTOS: SEITE 44: DR. RAINER ROSS (1), VDE (2); SEITE 45: PRIVAT<br />
Niklas Lehrke<br />
Ihr habt ein ziemlich umfangreiches<br />
Programm zusammengestellt.<br />
Wir haben ein cooles Programm,<br />
das nicht nur den wissenschaftlichen<br />
Teil abdeckt. Wir haben<br />
auch Veranstaltungen zum Start<br />
ins Berufsleben, zum Themenbereich<br />
Soft Skills – beispielsweise<br />
ein Vortrag zum Thema<br />
„Die Sieben Todsünden der<br />
Bewerbung“ – und natürlich die<br />
Firmenkontaktmesse.<br />
Ihr habt Euch vor allem auf Themen konzentriert, die<br />
bislang nicht sonderlich bekannt sind.<br />
Wir wollen zeigen, wie großartig Forschung sein kann. So haben<br />
wir beispielsweise einen Professor eingeladen, der an einem<br />
Atomtransistor forscht. Kommen werden auch Vertreter<br />
der Firma Sensirion, die es geschafft hat, einen Temperatur-<br />
und Feuchtigkeitssensor auf ein nur einen Mikrometer großes<br />
Blatt zu konzentrieren. Solche Vorträge deuten an, was im<br />
Bereich Elektrotechnik in der Zukunft passieren wird.<br />
Auch beim Klassiker, der Stadtrallye, die am Tag vor<br />
der eigentlichen Convention stattfindet, wird es Neuerungen<br />
geben?<br />
Im Moment überlegen wir beispielsweise, ob wir die Stadtrallye<br />
mit einer App verbinden, um Wissens- oder Schätzfragen<br />
einzubauen und mit Fotos zu arbeiten. Außerdem startet am<br />
Abend das „Impro Theater“, das mit Sicherheit ein Highlight<br />
werden wird. Danach sind alle in den App-Club eingeladen.<br />
Wie viel Zeit habt ihr für die Vorbereitung der Convention<br />
investiert?<br />
Seit März treffen wir uns wöchentlich und verteilen die Aufgaben.<br />
Dabei sind wir zusammengewachsen und auf immer<br />
neue Ideen gekommen, die wir in der Woche davor noch<br />
nicht einmal erahnt hatten. Also: Es macht auch Spaß – ziemlich<br />
viel sogar.<br />
45
KOMPAKT TERMINE<br />
KONGRESSE / VERANSTALTUNGEN<br />
Informationstechnik<br />
23.10.2015, Frankfurt<br />
ITG-Workshop Usability<br />
SMART HOME Handlungsfelder:<br />
Usability, Privacy, Security –<br />
Kritische Erfolgsfaktoren für die<br />
Marktentwicklung<br />
Smart Home ist ein Wachstumsmarkt,<br />
der sich laut Analysten bis 2017 zu einem<br />
Massenmarkt entwickeln wird. Der<br />
ITG-Fachbereich 2 möchte mit seinem<br />
Workshop Aspekte und kritische Faktoren<br />
für die erfolgreiche Markteinführung von<br />
Smart-Home-Lösungen mit Experten<br />
darstellen und diskutieren.<br />
29.10.2015, Wachtberg<br />
Taktische Funkkommunikation<br />
Die Diskussionssitzung deckt alle Aspekte<br />
von den Anforderungen des militärischen<br />
Nutzers über aktuelle Projekte und Forschungsthemen<br />
bis hin zu Produktlösungen<br />
der Industrie ab: Trends in Forschung<br />
und Entwicklung werden genauso aufgezeigt<br />
wie aktuelle und zukünftige Systeme<br />
vorgestellt.<br />
12.-13.11.2015, Karlsruhe<br />
Internationale Fachtagung<br />
4th D-A-CH Energieinformatik 2015<br />
Die Energieinformatik entwickelt IT-basierte<br />
Lösungen zur Umsetzung der ambitionierten<br />
Energieziele Deutschlands,<br />
Österreichs und der Schweiz. Dies umfasst<br />
unter anderem den Ausbau intelligenter<br />
Energienetze sowie die Gestaltung<br />
von Systemen zur Steigerung von Gesamtsystemeffizienz,<br />
Systemstabilität und<br />
Versorgungssicherheit.<br />
www.energieinformatik2015.org<br />
17.-18.11.2015, Magdeburg<br />
Jahreskolloquium „Kommunikation<br />
in der Automation“<br />
Diese Veranstaltung ist ein Forum für<br />
Wissenschaft und Industrie im deutschsprachigen<br />
Raum zu allen technischwissenschaftlichen<br />
Fragestellungen rund<br />
um die industrielle Kommunikation als<br />
Voraussetzung zuverlässiger Automatisierungslösungen<br />
in allen Branchen und für<br />
das Gelingen der Initiative Industrie 4.0.<br />
www.jk-komma.de<br />
08.-09.12.2015, Köln<br />
22. ITG-Fachtagung<br />
Kommunikationskabelnetze 2015<br />
Kernthemen der diesjährigen Fachtagung<br />
sind unter anderem Installation und<br />
Umwelt, Anschlussnetze, Hausnetze und<br />
Systeme, Kupferdaten- und Kommunikationskabel<br />
sowie Optische Fasern, Kabel<br />
und Komponenten. Am 8.12. findet ein<br />
Diskussionsforum zum Thema „Was tun,<br />
wenn der Bagger zugeschlagen hat?“ statt.<br />
www.vde.com/kkn2015<br />
ITG-Preisaufrufe 2016<br />
Infos unter www.vde.com/itgpreise<br />
Energietechnik<br />
22.-23.10.2015, Berlin<br />
Stromspeicher und Power-to-Heat –<br />
Konkurrenz oder Koexistenz?<br />
Die Themen der VDE/ETG-Studien „Dezentrale<br />
Energiespeicher“ und „Strom im<br />
Wärmemarkt“ werden vorgestellt und in<br />
einem Auditorium aus Anwendern von<br />
Strom und Wärme, Energieversorgern<br />
und Energiedienstleistern, Planern und<br />
Betreibern von Stromnetzen, Planern und<br />
Betreibern von Nah- und Fernwärmenetzen,<br />
Stadt-, Quartier- und Objektplanern,<br />
Politik und Regelsetzern und Vertretern<br />
aus Forschung und Lehre diskutiert.<br />
11.-12.11.2015, Aachen<br />
6. GPP/ETG Fachtagung<br />
Antriebssysteme 2014<br />
Der Schwerpunkt der Tagung liegt auf<br />
technischen Konzepten und Methoden<br />
im Bereich der industriellen Antriebssysteme.<br />
Die Teilnehmer lernen aktuelle technische<br />
Entwicklungen zu verschiedensten<br />
Antriebsthemen mit Anwendungsbezug<br />
kennen. Dadurch lässt sich der Transfer<br />
neuer Konzepte und Erkenntnisse auf die<br />
eigene Anwendung übertragen.<br />
24.11.2015, Frankfurt am Main<br />
Kabeldiagnostik 2015<br />
Der für eine erfolgreiche Energiewende<br />
notwendige Netzausbau wird neben neuen<br />
Freileitungen auch teilweise mittels<br />
Kabelsystemen erfolgen. Für die zukünftige<br />
Verfügbarkeit der Anlagen ist eine realistische<br />
und aussagekräftige Vor-Ort-Inbetriebnahmeprüfung<br />
ebenso wie die<br />
Beurteilung der möglichen Restnutzungsdauer<br />
schon in die Jahre gekommener<br />
Kabelstrecken von großer Wichtigkeit.<br />
Ziel des Workshops ist es, nach der Darstellung<br />
der verschiedenen Technologien<br />
von Kabelsystemen einen Überblick über<br />
die verschiedenen Prüf- und Diagnosemethoden<br />
von Energiekabelsystemen zu<br />
geben. Die Beiträge und die Diskussion<br />
sollen Impulse für laufende und zukünftige<br />
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten<br />
geben.<br />
17.11.-18.11.2015 in Bonn<br />
ETG-Kongress 2015 –<br />
Die Energiewende<br />
Blue prints for the new energy age<br />
This dedicated forum will discuss and<br />
present the main topics of the „Energiewende“<br />
dealing with System Aspects,<br />
Technologies & Components, Markets<br />
& Regulatory Environment and Reference<br />
Projects. This ETG Congress aims to<br />
intensify the <strong>dialog</strong>ue between manufacturers<br />
and academia. Moreover, the international<br />
ETG Congress 2015 offers the<br />
possibility to participate in different sponsorships.<br />
All experts from users through<br />
manufacturers to academia, are kindly invited<br />
to visit the congress.<br />
www.etg-congress.com<br />
02.-03.12.2015, Nürnberg<br />
FNN-Fachkongress Netztechnik 2015<br />
Wichtige Weichenstellungen der Netz-<br />
Weiterentwicklung werden auf diesem<br />
Fachkongress diskutiert. Er richtet sich an<br />
Entscheidungsträger von Netzbetreibern<br />
und Industrieunternehmen, Betriebsingenieure,<br />
Einkäufer, Planer sowie Vertreter<br />
von Behörden und Großunternehmen<br />
ebenso wie an Vertreter von Tiefbauunternehmen<br />
und wissenschaftlichen Einrichtungen.<br />
www.fachkongress-netztechnik.de<br />
Medizintechnik<br />
14.10.2015, Stuttgart<br />
Symposium Telemedizin – Digitalisierung<br />
im Gesundheitsbereich<br />
Das Thema Telemedizin wird in Vorträgen<br />
aus verschiedenen Blickwinkeln<br />
46
eleuchtet, um neue Impulse zu geben.<br />
Das Symposium soll aber auch eine Dialogplattform<br />
bieten und dazu beitragen,<br />
die Hersteller von Medizinprodukten, die<br />
medizinischen Einrichtungen und Leistungserbringer,<br />
Kostenträger und Patientinnen<br />
und Patienten stärker zu vernetzen.<br />
www.symposium-telemedizin.de.<br />
22.-24.10.2015, Karlsruhe<br />
Workshop Atrial Signals 2015<br />
Research and development have brought<br />
many significant advances to electrophysiological<br />
examinations of the atria during<br />
the last years. But despite all efforts, atrial<br />
fibrillation still poses a major problem for<br />
clinicians. A joint collaboration of all experts<br />
– clinicians and engineers – has the<br />
best chance to cope with this challenge.<br />
This is the goal of our workshop – bringing<br />
together the leading experts from<br />
these areas, and to provide a stage for<br />
open discussion.<br />
www.atrial-signals.kit.edu/<br />
10.-11.12.2015, München<br />
8. Hands-on-Intensivkurs für Ingenieure:<br />
Chirurgie in der Praxis<br />
Fortschritte in der Chirurgie sind nur<br />
möglich, wenn neue Werkzeuge und Verfahren<br />
der Medizintechnik zur Verfügung<br />
gestellt werden. Um die Entwicklung<br />
neuer diagnostischer und therapeutischer<br />
Konzepte zu beschleunigen, ist ein intensiverer<br />
Dialog zwischen den Chirurgen<br />
als Anwendern und den Grundlagenwissenschaftlern<br />
und Entwicklern dringend<br />
erforderlich. Für das bessere Verständnis<br />
des chirurgischen Tätigkeitsfelds wird<br />
nun erneut ein Hands-on-Intensivkurs für<br />
Ingenieure angeboten.<br />
www.chirurgiekurs.de<br />
Mikroelektronik/-technik<br />
26.-28.10.2015, Karlsruhe<br />
MikroSystemTechnik Kongress 2015<br />
Der MikroSystemTechnik Kongress stellt<br />
die bedeutendste deutschsprachige Plattform<br />
für alle Themen der Mikrosystemtechnik<br />
dar. Er wird gemeinsam von VDE,<br />
BMBF und vom Wirtschaftsministerium<br />
des Landes Baden-Württemberg veranstaltet<br />
und erfreut sich mit ca. 800 Teilnehmern<br />
starker Beliebtheit. Die VDE Young-<br />
Net Convention wird mit in den Kongress<br />
integriert und regt den Austausch unserer<br />
Studierenden mit Young Professionals und<br />
Senior Experts der Szene an. Das Zusammenwachsen<br />
von Mikroelektronik und<br />
Mikrosystemtechnik spiegelt sich auch in<br />
der Programmgestaltung des diesjährigen<br />
Kongresses wieder, zum Beispiel in<br />
zahlreichen Aktivitäten zu Cyber-Physical-Systems<br />
im Rahmen von Industrie 4.0.<br />
Interessant sind auch die Ansätze zu<br />
TSensors, bei denen davon ausgegangen<br />
wird, dass in naher Zukunft die Anzahl<br />
der Sensoren weltweit den unvorstellbaren<br />
Wert von Trillionen erreichen wird.<br />
www.mikrosystemtechnik-kongress.de<br />
Normung und<br />
Standardisierung<br />
07.10.2015, Frankfurt am Main<br />
Workshop „Informationssicherheit –<br />
Konformitätsbewertungsbedarf“<br />
Dieser DKE-Workshop soll klären, inwiefern<br />
in diesem Kontext Handlungsbedarf<br />
für die Normung und Konformitätsbewertungssysteme<br />
besteht. Dabei geht es<br />
um den produktbezogenen, systembezogenen<br />
und dienstleistungsbezogenen<br />
Nachweis der IT-Sicherheit. Ebenfalls<br />
werden die Themen „Herstellererklärung“<br />
und „Zertifizierung“ in nationaler,<br />
europäischer und internationaler Ausrichtung<br />
erörtert.<br />
DKE-Webinare<br />
VDE|DKE bietet Webinare zu Themen<br />
der Normung, Standardisierung und Forschungsförderung<br />
an. Aktuelle Termine<br />
und die Dokumentation vergangener Webinare<br />
sind zu finden unter:<br />
www.dke.de/de/webinare<br />
ALLE TERMINE FINDEN SIE<br />
UNTER WWW.VDE.COM/DE/<br />
VERANSTALTUNGEN<br />
VDE Seminare<br />
02.-06.11.2015, Nürnberg<br />
23.-27.11.2015, Berlin<br />
Grundseminar: Blitz- und Überspannungsschutz<br />
(VDE geprüfte<br />
Blitzschutzfachkraft)<br />
Nürnberg: Seminar-Nr. 9705<br />
Berlin: Seminar-Nr. 9652<br />
03.-04.11.2015, Offenbach<br />
Funktionale Sicherheit nach<br />
ISO EN 13849-1/2 und EN 62061<br />
Seminar-Nr. 10207<br />
03.-04.11.2015, Offenbach<br />
11.-12.11.2015, Düsseldorf<br />
01.-02.12.2015, Regensburg<br />
Schaltberechtigung für Mittel- und<br />
Hochspannungsanlagen –<br />
Fachkundeseminar mit Praktikum<br />
Offenbach: Seminar-Nr. 9731<br />
Düsseldorf: Seminar-Nr. 10386<br />
Regensburg: Seminar-Nr. 9735<br />
11.-12.11.2015, Offenbach<br />
MessSystem 2020 – aktuell<br />
Seminar zu den Ergebnissen des<br />
VDE|FNN-Projekts „MessSystem<br />
2020“<br />
Seminar-Nr. 10585<br />
24.-25.11.2015, Offenbach<br />
DIN EN 60335-1 (VDE 0700-1):<br />
2012-10 Elektrogeräte für Haushalt<br />
und Gewerbe<br />
Seminar-Nr. 10379<br />
17.12.2015, Nürnberg<br />
Aufrechterhaltung der Befähigung<br />
(empfohlen nach TRBS 1203)<br />
Seminar-Nr. 10460<br />
Alle Seminare sind auch als<br />
Inhouse-Angebot erhältlich.<br />
Sprechen Sie uns an unter<br />
seminare@vde-verlag.de<br />
Das aktuelle Seminarprogramm<br />
finden Sie unter:<br />
www.vde-verlag.de/seminarkatalog.<br />
Original<br />
S E M<br />
I N A R<br />
47
KOMPAKT SERVICE<br />
INFOCENTER<br />
Aktuelle Positionspapiere,<br />
Studien und Reports<br />
DGBMT<br />
Ausbildungskatalog für Biomedizinische<br />
Technik im Medizinstudium<br />
Studierende sowie medizinische Fakultäten<br />
und andere Bildungseinrichtungen<br />
des Gesundheitswesens haben künftig einen<br />
praxisorientierten Leitfaden, in dem<br />
Lernziele für das Studium festgelegt sind.<br />
Die Biomedizintechnik als Querschnittstechnologie<br />
hat innerhalb des Medizinstudiums<br />
bisher keine einheitlich geregelten<br />
Lernziele. Die Publikation bietet einen<br />
kompetenzbasierten Ausbildungskatalog,<br />
der im Curriculum des Medizinstudiums<br />
angewendet werden kann. Der „Nationale<br />
kompetenzbasierte Lernzielkatalog der<br />
Biomedizintechnik für die Studierenden<br />
der Medizin (BMT-NKLM)“ steht kostenfrei<br />
im InfoCenter auf www.vde.com<br />
zum Download bereit.<br />
ETG<br />
Smart City – Herausforderungen<br />
und Potenziale einer lebenswerten<br />
Stadt von morgen<br />
In der neuen VDE/ETG-ITG-Studie<br />
wird die Entwicklung der Stadt auf dem<br />
Weg zu einer nachhaltigen und effizienten<br />
Zukunft untersucht. Die intelligente Stadt<br />
als ein „System aus Systemen“. Die Studie<br />
beschäftigt sich mit der Modellierung,<br />
Simulation und Optimierung einer lebenswerten<br />
Stadt von morgen und macht<br />
Vorschläge für deren Umsetzung.<br />
Potenziale für Strom im Wärmemarkt<br />
bis 2050<br />
Ziele des Energiekonzepts der Bundesregierung<br />
sind der Ausbau der erneuerbaren<br />
Energien im Stromsektor auf einen Anteil<br />
von 80 Prozent der Erzeugung und eine<br />
CO 2 -Reduktion um gleichfalls 80 Prozent<br />
bis 2050. Vor dem Hintergrund der erforderlichen<br />
CO 2 -Reduzierung drängt sich<br />
die Nutzung von Strom im Wärmemarkt<br />
förmlich auf. Die Studie betrachtet die<br />
Potenziale für Strom im Wärmemarkt in<br />
Deutschland bis zum Jahr 2050. Auch die<br />
erforderlichen Rahmenbedingungen für<br />
die Umsetzung werden benannt.<br />
Der Zellulare Ansatz – Grundlage<br />
einer erfolgreichen, Regionen übergreifenden<br />
Energiewende<br />
Die Umsetzung der Energiewende stellt<br />
die Elektrizitätswirtschaft vor eine große<br />
Herausforderung. Die bestehende Infrastruktur,<br />
die Prinzipien der Betriebsführung<br />
und die existierenden Marktstrukturen<br />
sowie die regulatorischen<br />
Rahmenbedingungen sind zu hinterfra-<br />
gen. Auch ist zu überlegen, welche Rolle<br />
Gas in einem zukünftigen Energiesystem<br />
einnehmen kann. Ein erster Lösungsansatz<br />
ist die lokale Versorgung, die in der<br />
Studie als "Zellularer Ansatz" vertiefend<br />
untersucht wird. Wenn in Zukunft das<br />
Gleichgewicht zwischen lokaler Erzeugung<br />
und Verbrauch auf den niedrigst<br />
machbaren Stufen in zellularen Strukturen<br />
möglich ist, ergeben sich wesentliche<br />
Chancen, den Besonderheiten regenerativer<br />
Energiequellen gerecht zu werden.<br />
Auch die Anforderungen zur Energieübertragung<br />
werden in Abhängigkeit der<br />
Umsetzung zellularer Netze untersucht.<br />
Stromspeicher in der Nieder- und<br />
Mittelspannungsebene<br />
In der Studie werden mögliche Speicheranwendungen<br />
in der Nieder- und<br />
Mittelspannungsebene in Deutschland<br />
für den Zeithorizont bis zum Jahr 2025<br />
betrachtet. Untersucht werden Stromspeicher<br />
(insbesondere Batteriespeicher),<br />
die elektrische Energie aufnehmen und<br />
wieder abgeben. Die für die betrachteten<br />
Speichereinsatzfälle infrage kommenden<br />
Batteriespeichertechnologien werden hinsichtlich<br />
ihrer technischen Eignung bewertet.<br />
Ebenso wurde die Wirtschaftlichkeit<br />
der Batteriespeicheranwendungen auf<br />
Basis heute gültiger Rahmenbedingungen<br />
untersucht und mit den heute gebräuchlichen<br />
Alternativen verglichen.<br />
Impressum<br />
VDE DIALOG<br />
Mitgliedermagazin des VDE e. V.<br />
HERAUSGEBER<br />
VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik<br />
Informationstechnik e. V.<br />
VERLAG<br />
HEALTH-CARE-COM GmbH<br />
Ein Unternehmen der VDE VERLAG GmbH<br />
Goethering 58, 63067 Offenbach<br />
REDAKTION<br />
VDE Kommunikation + Public Affairs<br />
Dr. Walter Börmann (v.i.S.d.P.), Melanie Unseld,<br />
Kontakt: <strong>dialog</strong>@vde.com<br />
ERSCHEINUNGSWEISE<br />
4 x im Jahr, zum Anfang des Quartals<br />
DRUCKEREI<br />
H. Heenemann GmbH & Co. KG<br />
KONZEPTION UND UMSETZUNG<br />
HEALTH-CARE-COM GmbH<br />
Hans-Peter Bröckerhoff, Susanne Margraf<br />
Martin Wolczyk, Martin Schmitz-Kuhl<br />
ANZEIGEN<br />
Beate Gehm, <strong>dialog</strong>@vde-verlag.de<br />
Telefon: 069 / 840006-3030, Fax: -8030<br />
Es gilt die Anzeigenliste 1 (November 2011)<br />
AUFLAGE<br />
40.000 Exemplare<br />
BEZUGSBEDINGUNGEN:<br />
Der VDE <strong>dialog</strong> ist im Mitgliedsbeitrag des VDE<br />
e. V. enthalten. Nichtmitglieder können das<br />
Magazin für eine jährliche Gebühr von 36 Euro<br />
(inkl. Versand) abonnieren sowie Einzelhefte für<br />
9 Euro plus 1 Euro Versand bestellen.<br />
(Mail: <strong>dialog</strong>@vde-verlag.de,<br />
Telefon: 069 / 840006-3030, Fax: -8030)<br />
VDE<br />
Young Professionals der Elektround<br />
Informationstechnik 2015<br />
Die Stimmung unter den Young Professionals<br />
der Elektro- und Informationstechnik<br />
im VDE ist gut. Kein Wunder: Über<br />
die Hälfte der Hochschulabsolventen verschickt<br />
bis zum Berufsstart weniger als<br />
fünf Bewerbungen und bereits nach drei<br />
Vorstellungsgesprächen können sie sich<br />
über ihren ersten Arbeitsvertrag freuen.<br />
75 Prozent der Befragten bewerten ihre<br />
Karriereoptionen als gut bis sehr gut. Für<br />
die Studie befragte der VDE mehr als 200<br />
Young Professionals im Alter bis 35 Jahre<br />
zu Berufseinstieg und Studium.<br />
Für VDE-Mitglieder stehen die Studien<br />
und Positionspapiere kostenlos zum<br />
Download unter www.vde.com zur Verfügung.<br />
48
Mit Technikwissen sichergehen:<br />
Eindrucksvoller Kalender über die<br />
Faszination von Trafostationen<br />
Fotokalender. 68,5 × 48,5 cm<br />
12 Blatt<br />
Erscheint im November 2015<br />
ca. 39,– €<br />
Bisher sahen Sie Trafohäuser als funktionale Zweckbauten. Dass Sie<br />
auch Kleinode der Architektur darstellen, beweist Autor und Fotograf<br />
Dr. Illo-Frank Primus.<br />
Preisänderungen und Irrtümer vorbehalten.<br />
Bestellen Sie jetzt: (030) 34 80 01-222 oder www.vde-verlag.de/150871
DEBATTE<br />
EXPERTEN<br />
MEINUNG<br />
Dr. Martin Schumacher,<br />
Vorstandsmitglied<br />
ABB AG Deutschland<br />
Start-ups – neue Ideen<br />
für die Energiewirtschaft<br />
Eine Kooperation mit Start-ups gibt neue Impulse, wie man das eigene Geschäft weiterentwickeln<br />
kann. Denn nur mit Innovationen – ja sogar mit Innovationssprüngen – kann die Energiewende gelingen.<br />
Ob der Aus- und Umbau unserer Übertragungs- und Verteilnetze oder die dezentrale Einspeisung<br />
und Speicherung von Strom: Die Energiewende gibt uns allen viele technologische Herausforderungen<br />
mit auf den Weg.<br />
VON DR. MARTIN SCHUMACHER<br />
Sie sind fester Bestandteil unserer DNA: Seit mehr als 100<br />
Jahren verändern Innovationen von ABB die Welt der Elektrotechnik.<br />
Heute arbeiten in mehr als 20 Ländern etwa<br />
8500 Ingenieure und Wissenschaftler in Forschung und<br />
Entwicklung. Jährlich kommt allein die deutsche ABB auf<br />
einige Hundert Erfindungen. Neben der konzerneigenen<br />
Innovations-Schmiede ist es für<br />
globale Technologieunternehmen<br />
heute und morgen wichtiger denn<br />
je, über den Tellerrand zu schauen.<br />
ABB blickt auf eine langjährige<br />
Kooperation mit Start-ups zurück,<br />
um zukunftsweisende, technologische<br />
Lösungen aufzuspüren, die unser Portfolio in der<br />
Energie- und Automatisierungstechnik sinnvoll ergänzen.<br />
Wir beschäftigen uns in Deutschland, aber beispielsweise<br />
auch in Skandinavien, intensiv mit Start-ups – insbesondere<br />
in den Bereichen erneuerbare Energien, Energiespeicherung,<br />
Smart Grids oder Wassertechnologien.<br />
Wir haben hierzu eine eigene Systematik entwickelt, die<br />
gezielt und kontinuierlich Start-ups entdeckt, beobachtet<br />
und dann für die engere Zusammenarbeit identifiziert.<br />
Neben zahlreichen Partnerschaften konnten wir so in den<br />
vergangenen fünf Jahren rund 20 neue technologische<br />
Lösungen in unser Portfolio integrieren. Gleichstrom-<br />
Schnellladestationen für die Elektromobilität und Lösungen<br />
für Windparkoptimierungen sind Beispiele.<br />
Beim diesjährigen Kongress des Bundesverbands der<br />
Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin haben<br />
wir uns als Innovationssponsor engagiert. Im Rahmen der<br />
Fachausstellung des Kongresses präsentierten neun ausgewählte<br />
Start-ups ihre Ideen in der sogenannten Startup-Lounge.<br />
Drei von ihnen hatten die Gelegenheit, ihre<br />
Geschäftsidee – zum Beispiel Sensor-Netzwerke für die<br />
prädiktive Wartung oder Speichersysteme – gemeinsam<br />
»Für globale Technologieunternehmen<br />
ist es wichtiger denn je,<br />
über den Tellerrand zu schauen.«<br />
mit mir im Plenum vorzustellen. Der Zuspruch war enorm<br />
und zeigte: Große, etablierte und kleine, junge Unternehmen<br />
schaffen gemeinsam einen Mehrwert.<br />
Für Start-ups bietet die Zusammenarbeit mit einem<br />
größeren Partner Vorteile: Bestätigung der Geschäftsidee,<br />
Sicherheit, den Zugang zu weiteren Kooperationspartnern<br />
oder zusätzlichen Märkten. Unternehmen,<br />
die sich für Start-ups öffnen,<br />
gewinnen genauso: Sie können<br />
Technologietrends von hohem<br />
Potenzial entdecken, die eigenen<br />
Lösungen und Produkte für aktuelle<br />
Marktanforderungen ergänzen<br />
oder schärfen. Und sie erweitern den eigenen Experten-<br />
Zirkel, beflügeln somit auch den internen Wettbewerb.<br />
Wir können nur ermutigen, den Dialog mit Start-ups<br />
zu führen. Jedes Unternehmen sollte hier seinen eigenen<br />
Weg finden. Wichtig dabei ist, eine Systematik und einheitliche<br />
Kriterien zu entwickeln. Dann wird der Dialog für<br />
beide Seiten zum Erfolgsfaktor. Auch für die Energiewende,<br />
die für uns alle neben Herausforderungen auch große<br />
Chancen bereithält.<br />
DR. MARTIN SCHUMACHER<br />
wurde 2011 in den Vorstand der deutschen ABB<br />
AG berufen und ist dort für die Energietechnik mit<br />
den Divisionen Energietechnik-Produkte und -Systeme<br />
zuständig. Nach der Promotion zum Dr.-Ing.<br />
begann er 1994 bei ABB im Bereich Schaltanlagen<br />
seine Laufbahn. Von 2005 bis 2011 leitete er<br />
unter anderem den Geschäftsbereich Hochspannungsprodukte<br />
bei der ABB Schweiz AG.<br />
FOTO: ABB AG DEUTSCHLAND<br />
50
15 Jahre INVENT a CHIP<br />
2016 feiern wir großes Jubiläum:<br />
INVENT a CHIP, der Schülerwettbewerb<br />
von VDE und dem Bundesministerium<br />
für Bildung und Forschung, wird<br />
15 Jahre alt.<br />
Ende Januar 2016 startet die neue<br />
Wettbewerbsrunde mit dem Schwerpunktthema:<br />
„Internet der Dinge –<br />
Dinge im Internet“ an über 3.000<br />
Schulen bundesweit.<br />
Sponsoren gesucht!<br />
Neben dem VDE und dem Bundesministerium<br />
für Bildung und Forschung engagieren sich<br />
zahlreiche Firmen, Stiftungen sowie Hochschulen<br />
für INVENT a CHIP. Unterstützen auch Sie den<br />
weltweit einmaligen Wettbewerb, bei dem Jugendliche<br />
ihren eigenen Mikrochip entwickeln. Welche<br />
Möglichkeiten es gibt, erfahren Sie unter<br />
www.invent-a-chip.de oder chips@vde.com<br />
www.invent-a-chip.de
Energien<br />
intelligent vernetzen<br />
Innovative Technik. Hohe Standards.<br />
Regionale Servicestützpunkte. Das<br />
ist die Netze BW GmbH, das größte<br />
Netz unternehmen für Strom, Gas<br />
und Wasser in Baden-Württemberg.<br />
Wir schaffen sichere und effiziente<br />
Ver bindungen zwischen Kraftwerken<br />
und über drei Millionen Haushalten,<br />
Gewerbe- und Industriebetrieben.<br />
Jeden Tag. Auch in Zukunft. Dabei<br />
setzen wir auf engagierte Ingenieure,<br />
Techniker und Monteure (w/m), die<br />
ge meinsam mit uns die Netzlandschaft<br />
von morgen entwickeln: Vom intelligenten<br />
Ausbau über den effizienten Betrieb<br />
bis hin zur Integration der erneuerbaren<br />
Energien. In einem Arbeitsumfeld,<br />
in dem Wertschätzung und<br />
Entwicklung groß geschrieben werden.<br />
Seien Sie dabei. Und entdecken Sie<br />
spannende Zukunftsperspektiven<br />
bei der Netze BW.<br />
www.netze-bw.de<br />
Ein Unternehmen der EnBW