Architekur als Exponat

JovisVerlag

ISBN 978-3-86859-386-0

Architektur

als

Exponat

Gespräche über

das Ausstellen

Jeannette Merker

Riklef Rambow


Inhalt

Inhaltsverzeichnis

08

Einführung

Die Ausstellung als Instrument der

Architekturkommunikation

Riklef Rambow, Jeannette Merker

17

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Hubertus Adam

Ein Architekturmuseum wird stets

ein Nischenmuseum sein.

Nicola Borgmann

Schnelles Reaktionsvermögen ist das

große Potenzial einer Galerie.

Matthias Böttger

Diskursive Formate sind immer

eine Herausforderung …

Oliver Elser

Es heißt ja Ausstellung und nicht

Ausdruckung!

Kristin Feireiss

Mir geht es darum, Erlebnisräume

zu schaffen.

Ursula Kleefisch-Jobst

Wir sind ein mobiles Museum

und besetzen temporär Räume.


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Verena Konrad

Wir fordern keine Vorbildung, aber eine

gewisse Diskursreife.

Andres Lepik

Die Zukunft der Architekturausstellung

liegt darin, nach vorne zu denken.

Ulrich Müller

Das größte Potenzial ist die Arbeit mit

der dritten Dimension.

Winfried Nerdinger

Wir bieten verständliche Informationen

auf hohem fachlichem Niveau.

Arno Ritter

Man kann dem Besucher mehr zutrauen,

als gemeinhin vermutet wird.

Peter Cachola Schmal

Kontinuität zu entwickeln, das ist der

ganz schwere Akt.

Dietmar Steiner

Eine Ausstellung muss eine Geschichte

erzählen.

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150

Danksagung

Adressen

Impressum


Einführung

Die Ausstellung

als Instrument der

Architekturkommunikation

Riklef Rambow

Jeannette Merker

Das Ausstellen von Architektur* ist kein neues

Phänomen. In der Architekturgeschichte

des 20. Jahrhunderts haben Ausstellungen

wie The International Style,

Architecture without Architects

oder Deconstructivist Architecture

entscheidend dazu beigetragen, wich -

tige Konzepte und Kategorien durchzusetzen.

In Deutschland hatte vielleicht am

ehesten „Die Revision der Moderne“, mit

der Heinrich Klotz 1984 am Deutschen

Archi tekturmuseum in Frankfurt am Main

der Debatte um die postmoderne Architektur

einen erheblichen Schub und eine neue

Richtung gab, eine vergleichbare programmatische

Kraft.

Schon die erwähnten Beispiele weisen

nachdrücklich darauf hin, dass Ausstellungen

für die Architekturkommunikation ein

wichtiges Instrument sind, mit dessen Hilfe

Themen definiert, Diskurse initiiert, Trends

gesetzt und Bilanzen gezogen werden. Sie

können Interesse wecken, Wissen vermitteln

und Positionen besetzen.

Nimmt man die Beobachtung hinzu, dass

die Zahl der Architekturausstellungen in

Deutschland, aber wohl auch weltweit,

über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich

zugenommen hat, dann erklärt das die Motivation,

die der vorliegenden Publikation

zugrunde liegt, schon recht gut. Darüber

08

* Wenn in diesem Buch vom Ausstellen von Architektur die Rede ist, dann geht es um Ausstellungen in Galerien

oder Museen, also in eng umgrenzten Räumen.


The International Style,

kuratiert von dem Architekten

Philip Johnson und dem

Architekturtheoretiker Henry-

Russell Hitchcock, wurde 1932

am Museum of Modern Art

(MoMA) in New York gezeigt.

Präsentiert wurden überwiegend

europäische Beispiele

moderner Architektur, die im

Gefolge der Ausstellung zunächst

in den USA und da nach

weltweit zur dominanten

Architektursprache wurde.

Architecture without

Architects wurde von dem

Architekten und Kulturtheoretiker

Bernard Rudofsky konzipiert

und von November 1964 bis

Februar 1965 im MoMA in New

York gezeigt. Die Ausstellung

präsentierte „Architektur ohne

Stammbaum“ – Beispiele traditioneller,

anonym entstandener

Architektur.

Die Popularität der sogenannten

dekonstruktivistischen Architektur

wird zu großen Teilen

auf die von Philip Johnson,

Heiko Herden und Mark Wigley

kuratierte Ausstellung Deconstructivist

Architecture

zurückgeführt, die im Jahr 1988

ebenfalls im MoMA in New

York gezeigt wurde. Präsentiert

wurden Werke von: Zaha Hadid,

Frank Gehry, Peter Eisenman,

Bernard Tschumi, Rem Koolhaas

und Coop Himmelb(l)au.

hinaus hat sich der Bereich

der Architekturausstellung

in den letzten Jahrzehnten

weiter professionalisiert. In

Deutschland, Österreich und

der Schweiz sind zahlreiche,

durchaus unterschiedliche

Institutionen entstanden,

die sich ausschließlich oder

schwerpunktmäßig dem

Ausstellen von Architektur

widmen: Architekturmuseen,

-zentren und -galerien.

Doch wie kann Architektur

in diesen Institutionen

überhaupt vermittelt werden?

Welche Ansätze und

Formate sind möglich, welche

Potenziale, aber auch

Herausforderungen ergeben

sich dabei? Wer soll durch

Architekturausstellungen

angesprochen werden? Und

wie werden sie sich zukünftig

weiter verändern?

Diese Fragen bildeten die

Grundlage für verschiedene

Lehrveranstaltungen – rechercheorientierte

Seminare,

Exkursionen, praktische

Übungen –, die das

Fachgebiet Architekturkommunikation

am Karlsruher

Institut für Technologie

(KIT) seit seiner Gründung zum Thema

„Architektur ausstellen“ durchgeführt hat.

Das Fachgebiet definiert Architekturkommunikation

als einen Oberbegriff aller Formen

der Kommunikation über Architektur

und Stadt. Dabei wird der Schwerpunkt

nicht primär auf den innerfachlichen Diskurs,

sondern vor allem auf die Kommunikation

an den Schnittstellen von Architek -

tur und Öffentlichkeit gelegt. Oder, einfacher

gesagt: Uns interessiert, mit welchen

Mitteln – Medien, Formaten, Instrumen -

ten – Architektur verständlich, begeisternd

und öffentlichkeitswirksam vermittelt werden

kann.

Dabei bildete das Thema „Architektur ausstellen“

von Anfang an einen wichtigen

Schwerpunkt. Intensive Recherchen über

die Institutionen der Architekturvermittlung,

ihre Organisationsformen und Ziele

und die Kategorisierung unterschiedlicher

Ausstellungstypen weckten nach und nach

auch unser Interesse an den Personen dahinter:

Was motiviert sie? Wie sind sie dazu

gekommen, Architektur auszustellen? Welche

Erfahrungen haben sie damit gemacht?

Und wie schätzen sie die Anforderungen

und Möglichkeiten von Ausstellungen heute

und in Zukunft ein? Am Beispiel von ausgewählten

Ausstellungshäusern in Deutschland,

Österreich und der Schweiz untersuchten

wir gemeinsam mit einer Gruppe

von 16 Studierenden der Architektur und

Kunstgeschichte in den Sommersemestern

2012 und 2013 die Positionen derjenigen,

die gegenwärtig Architekturausstellungen

konzipieren und inszenieren.

Der erste Teil der beiden Seminare widmete

sich in einer Recherchephase der theoretischen

Annäherung an das Thema. Darin

integriert wurde der Besuch von aktuellen

Ausstellungen im Schweizerischen Architekturmuseum

in Basel, im Vitra Design

Museum in Weil am Rhein, im Architektur-

09 Architektur

als Exponat


Einführung

AUSSTELLUNG

& SYMPOSIUM

Mit dem Symposium

„Es heißt ja Ausstellung und

nicht Ausdruckung. Aktuelle

Positionen kuratorischer Praxis“

eröffnete das Fachgebiet

Architekturkommunikation

am 11. Juni 2014 die gleichnamige

Ausstellung (12.06.–

16.07.2014) in der Architekturfakultät

des KIT

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13 Architektur

als Exponat


Hubertus Adam

Schweizerisches

Architekturmuseum

Sie haben Kunstgeschichte, Archäologie

und Philosophie studiert und waren

Redakteur bei verschiedenen Architekturzeitschriften.

Was hat Sie von der

theoretischen zur räumlichen Praxis –

dem Ausstellen – gebracht?

Es ist in der Tat nicht der ganz gewöhnliche Weg, den ich beschritten

habe. Dazu muss man wissen, dass sich das S AM in den Jahren 2009 und

2010 in einer finanziellen und inhaltlichen Krise befand. Nach dem Ausscheiden

der damaligen Direktorin Francesca Ferguson gab es nur noch

einen Managing Director. Dieser war für die wirtschaftlichen Fragen,

aber nicht für die inhaltliche Ausrichtung des Museums verantwortlich.

In dieser Zeit war ich als Redakteur für die Zeitschrift Archithese

und auch für die Neue Zürcher Zeitung tätig und in der einschlägigen Architekturszene

schon bekannt. Bisher hatte ich immer über Ausstellun-

18


Hubertus Adam (*1965)

studierte Kunstgeschichte,

Archäologie und Philosophie

an der Universität Heidelberg.

Als freier Architekturkritiker

arbeitete er unter anderem für

die Neue Zürcher Zeitung und

die Bauwelt. 1998 kam er

als Redakteur der Zeitschrift

Archithese in die Schweiz.

Als Ausstellungsmacher, Architekturkritiker

und Buchautor

wurde er zu einer führenden

Stimme der schweizerischen

Architekturdebatte und erhielt

2004 den Swiss Art Award für

den Sektor Kunst- und Architekturkritik.

2010 übernahm er

die künstlerische Leitung des

Schweizerischen Architekturmuseums

S AM in Basel, das er

seit Januar 2013 als gesamtverantwortlicher

Direktor leitet.

01

01

Spatial Positions 1:

Translations (2013)

Archithese ist eine schweizerische

Zeitschrift für Architektur

am Standort Zürich, die

1971 durch den Kunsthistoriker

und Architekturtheoretiker

Stanislaus von Moos und den

damaligen Präsidenten des

Verbands freierwerbender

Schweizer Architekten (FSAI)

Hans Reinhard gegründet

wurde. Derzeit erscheint sie

sechsmal im Jahr; jedes Heft

hat einen eigenen Themenschwerpunkt.

gen geschrieben, aber nie selbst kuratiert. Nun erhielt ich den Ruf, dem

künstlerischen Beirat des Museums beizutreten, um bei der inhaltlichen

Gestaltung des Programms mitzuhelfen. Und Mitte 2010 bat man mich,

die künstlerische Leitung des S AM interimsmäßig zu übernehmen. Gut

zwei Jahre später gab es dann ein offizielles Bewerbungsverfahren um

die Stelle des Direktors. Und seitdem habe ich einen neuen Beruf.

Die Findungskommission entschied sich aus insgesamt

36 Bewerbern für Sie. Sie müssen überzeugende Pläne im

Kopf gehabt haben. Verraten Sie uns Ihre Strategie, Ihre

Ansätze und Themen für das Museum?

Alle Bewerber mussten ein Ausstellungsprogramm für fünf Jahre vorstellen.

Meine Strategie beruht auf drei Ausstellungsbausteinen. Den ersten

Baustein habe ich „Interdisziplinarität“ genannt. Es geht dabei um die

Verbindung von Architektur mit anderen Disziplinen, wie zum Beispiel

Fotografie, Theater oder Tourismus. Das Ziel ist einerseits, das Museum

über die Fachgrenzen der Architektur hinaus in den Diskurs zu bringen,

und andererseits, mit diesem Brückenschlag ein anderes Publikum zu

erreichen.

Der zweite Baustein heißt „Geschichte und Gegenwart“. Historische

Positionen sind ein Thema und eine Setzung, die mich persönlich

interessieren. Es geht darum, die architektonischen Visionen und Uto-

19 Architektur

als Exponat


Nicola Borgmann

Architekturgalerie

München

01

gen und Veranstaltungen zu machen und eine Plattform für Architekturkommunikation

zu schaffen. So etwas gab es Anfang der 1990er Jahre in

München noch nicht – und auch sonst in Deutschland kaum.

Sie befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum

Architekturmuseum in der Pinakothek der Moderne und zur

Architekturfakultät der TU München. Besteht mit diesen

Institutionen ein regelmäßiger Austausch?

Natürlich, ja! Wir sind als gemeinnütziger Verein nicht wirtschaftlich

ausgerichtet, dadurch gibt es kein Konkurrenzgebaren. Wir freuen uns

immer, wenn wir andere Institutionen miteinbeziehen können. Daher

gibt es regelmäßig Kooperationen. Trotzdem ist die Galerie ein neutraler

Ort jenseits von Architektenkammer, BDA, den Hochschulen oder

der Stadt. Wir sind in der Programmgestaltung völlig unabhängig und

können von internationalen Entwicklungen bis zu jungen Trends die

relevanten Themen der Zukunft zeigen. Angehörige unterschiedlicher

Professionen, aber auch Laien können sich hier über Architektur informieren.

Dabei kooperieren wir nicht nur innerhalb Münchens, sondern

auch mit Institutionen europaweit, in den USA und jetzt auch in Japan.

Wir arbeiten ehrenamtlich. Dabei geht es immer auch um die Freude und

das Interesse an der Architekturvermittlung, an der Ausstellungsgestaltung

und an der Zusammenarbeit mit Architekten weltweit.

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02

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Yes is more –

BIG Bjarke Ingels

Group (2011)

Laut Angaben der Bayerischen

Architektenkammer hat

München 5931 eingetragene

Architekten. (Stand

06/2015)

Die Galerie ist als Verein organisiert. Welche Rolle spielt

das für die Finanzierung der Institution, wie funktioniert

das im Detail?

Das funktioniert überhaupt nicht! (lacht) Im Grunde genommen bedeutet

der Vereinsstatus, dass wir als gemeinnützige Institution keine Steuern

zahlen müssen und Spenden erhalten können. In München gibt es ungefähr

so viele Architekten wie in ganz Österreich. Die kommen

auch alle zu den Eröffnungen. Wir haben aber nur 120 Mitglieder. Von

denen zahlt höchstens die Hälfte den jährlichen Mitgliedsbeitrag. Die

Galerie trägt sich also nicht allein dadurch. Für jede Ausstellung muss ich

neue Sponsoren finden oder eben die ausstellenden Architekten fragen,

ob sie welche mitbringen. Eigentlich bräuchten wir jemanden, der sich

ausschließlich um die Akquise von Fördermitteln kümmert. Ich arbeite

im Hauptberuf als Architektin. Sie können sich sicher vorstellen, dass mir

selbst nur wenig Zeit für solche Aufgaben bleibt. Mir macht es Spaß, das

Programm zu entwickeln, mit den Ausstellern zusammen die Inhalte zu

diskutieren, die Ausstellungen und Begleitveranstaltungen zu kuratieren

und zu moderieren. Vieles aber kommt zu kurz, wie eben die Sponsorenund

Mitgliederpflege oder auch die Pressarbeit.

Die Architekturgalerie präsentiert pro Jahr etwa zehn

Ausstellungen und 15 Veranstaltungen wie Vorträge,

Diskussionen und Buchpräsentationen. Wie wählen Sie

die Themen dafür aus?

Es gibt natürlich Anfragen, die an uns gestellt werden. Zum Teil sind das

Themen, die inhaltlich und zeitlich gerade gut in unser Programm passen.

Bei anderen muss man die Konzepte noch überarbeiten oder sie auf

einen späteren Zeitpunkt verschieben. Häufiger aber überlegen wir uns

selbst Themen und fragen die dazu passenden Büros an. Ich bemühe

mich, eine Mischung aus internationalen und lokalen Größen zu präsentieren.

Ich zeige aber auch die kleineren Büros, die in der Stadt noch nicht

so bekannt sind und ich möchte jungen Architekten ein Forum geben.

Die Galerie besteht aus drei Räumen, die sich an die

Architekturbuchhandlung L. Werner anschließen.

Kann man von einer Synergie zwischen Buchhandlung

und Galerie sprechen?

Dem kann ich absolut zustimmen! Mit der Buchhandlung im vorderen

und der Galerie im rückwärtigen Teil können wir unsere Räumlichkeiten

zu Geschäftszeiten auch ohne Aufsicht öffnen. Das ist ein großer Gewinn

für beide Seiten. Natürlich ist es schade, dass man die Galerie nicht direkt

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Architektur als Exponat


Matthias Böttger

Deutsches Architektur

Zentrum

Das DAZ ist

ein Labor, ein Ort des

Austauschs, der Vermittlung

und der Debatte.

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Aus allen Richtungen.

Positionen junger Architekten

im BDA (2013)

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Das Numen Momentum (2013)

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The Urburb:

Muster Neuen Wohnens

(2015)

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Architektur als Exponat


Kristin Feireiss

Aedes

Architekturforum

1980 haben Sie gemeinsam mit Helga

Retzer Aedes als weltweit erste private

Architekturgalerie in Berlin gegründet.

Was hat Sie beide damals dazu

bewegt? Mit welchen Erwartungen

und Zielen sind Sie gestartet?

Das Gute war, dass wir zwar hohe Ziele hatten, aber keinerlei Erwartungen,

denn es gab ja auch nichts Vergleichbares. Meine Partnerin Helga

Retzer, die 1984 bei einem Autounfall ums Leben kam, war erst im

Amerika Haus für Ausstellungen und Veranstaltungen verantwortlich

und später beim Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD

für das Künstlerprogramm zuständig. Ich habe nach dem Studium der

Kunstgeschichte und Philosophie als Redakteurin für Tageszeitungen

und den Rundfunk gearbeitet und war danach im Internationalen Design

Zentrum für Publikationen und die Kommunikation von Ausstellungen

verantwortlich.

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01

Dr. h. c. Kristin Feireiss

(*1942) studierte Kunstgeschichte

in Berlin und Frankfurt

am Main. Die Journalistin, Kritikerin

und Kuratorin ist Gründerin

sowie langjährige Inhaberin

des Berliner Architekturforum

Aedes. 1996 wurde Kristin

Feireiss zur Direktorin des 1993

eröffneten Niederländischen

Architektuur Instituts NAi in

Rotterdam gewählt. Während

ihrer fünfjährigen Amtszeit

war sie 1996 und 2001 zudem

Kuratorin des Niederländischen

Pavillons auf der Architekturbiennale

in Venedig und initiierte

die Architekturbiennale in

Rotterdam. 2001 wurde sie für

ihr Engagement bei der Vermittlung

von Architektur und

die Förderung internationaler

Beziehungen mit dem Bundesverdienstkreuz

am Bande

geehrt und erhielt die höchste

Niederländische Auszeichnung

als „Ritter im Orden des Niederländischen

Löwen“. 2007 wurde

ihr die Ehrendoktorwürde der

Architekturfakultät der TU

Braunschweig verliehen. Seit

2013 ist sie Mitglied der Jury

des Pritzker-Preises.

Form follows Nature (2011/12)

Das Amerika Haus in Berlin

wurde im Rahmen der Interbau

1956 nach den Plänen von

Bruno Grimmek erbaut. Es war

kulturelle Begegnungsstätte,

Veranstaltungs- und Informationszentrum

der USA. Im Zuge

der politischen Veränderungen

verlor es zunehmend an Bedeutung.

2013 wurde das Amerika

Haus behutsam saniert und

umgebaut. 2014 eröffnete dort

die Fotogalerie c/o Berlin.

01

Sie sagten gerade, Sie hatten Ziele, aber keine Erwartungen.

Wie ist das gemeint?

Aedes war von Anfang an ein großes Experiment. Bei einem Experiment

sollte man keine Erwartungen haben. Wichtig sind Ziele: Was will ich?

Wofür engagiere ich mich? Was will ich vermitteln? Wen will ich erreichen?

Erwartungen aber schränken ein, verursachen Ängste, machen

vorsichtig und lähmen die Spontaneität und den Elan. Gedanken über

Erfolg oder Misserfolg darf man gar nicht erst zulassen und das finanzielle

Risiko war am Anfang noch sehr gering. Helga und ich waren beide

noch in unseren Berufen tätig und die Galerie am Savignyplatz, ein ehemaliger

Laden von 40 Quadratmetern, so breit wie ein Fenster und eine

Tür, war nicht teuer. Wir mussten auch niemandem etwas beweisen. Wir

waren beide – gottlob! – keine Architektinnen. Bis heute halte ich das für

einen ganz entscheidenden Vorteil.

Warum betonen Sie das so?

Beide waren wir totale Laien, was die Architektur betrifft, dafür waren

wir offen, neugierig und brennend interessiert an unserer Umwelt. Wer

Architektur vermitteln will, kann sicher auch – im Gegensatz zu uns

damals – Experte auf diesem Gebiet sein, aber, und davon bin ich überzeugt,

er muss unabhängig sein von eigenen Vorlieben, angesagten Stilrichtungen,

Moden und der Baupolitik. Es geht vielmehr um ein breites

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Architektur als Exponat


Ursula Kleefisch-Jobst

Museum für Architektur

und Ingenieurkunst

Ursula Kleefisch-Jobst

Geschäftsführende Kuratorin,

Museum für Architektur und Ingenieurkunst,

Gelsenkirchen

Wir sind ein

mobiles Museum und

besetzen temporär Räume.

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Dr. Ursula Kleefisch-

Jobst (*1956) hat Kunstgeschichte,

Archäologie und

Germanistik in Bonn, München

und Rom studiert. In Bonn

wurde sie mit einer Arbeit über

die Architektur der Dominikaner

in Mittelitalien promoviert und

arbeitete danach an der Bibliotheca

Hertziana in Rom und am

Landesdenkmalamt Berlin. 1990

begann sie als freie Architekturkritikerin

für verschiedene

Architekturzeitschriften wie die

Bauwelt und das Architekturjahrbuch

des Deutschen Architekturmuseums

in Frankfurt am

Main zu schreiben. Für das DAM

war sie zwischen 2001 und 2007

als Kuratorin tätig und unter

anderem verantwortlich für die

Ausstellungen „Rob Krier: Ein

romantischer Rationalist“ und

„Megacity Network. Contemporary

Korean Archi tecture“. 2008

wechselte sie ans M:AI Museum

für Architektur und Ingenieurkunst

des Landes Nordrhein-

Westfalen. Dort ist sie bis heute

geschäftsführende Kuratorin.

Das M:AI hat lediglich seinen Bürositz

in Gelsenkirchen. Die Suche

nach einem Museum im eigentlichen

Sinne bleibt vergebens. Was sagen

Sie „enttäuschten“ Besuchern?

So lange ich am M:AI bin, hatten wir vielleicht drei oder vier Besucher, die

direkt vor unserer Tür standen und hier im Haus eine Ausstellung besuchen

wollten. Alle anderen haben gelernt, sich bei Interesse die Adresse

des Orts, an dem die Ausstellung gezeigt wird, zu merken.

67 Architektur

als Exponat


Verena Konrad

Vorarlberger

Architektur Institut

Welche Formate sind Ihnen neben der klassischen Architekturausstellung

wichtig, welche bieten Ihrer Auffassung

nach das meiste Potenzial für die Architektur- und Baukulturvermittlung?

Für mich ist die beste Form von Architekturvermittlung eindeutig die

Beschäftigung mit einem Bauwerk und dessen Kontext vor Ort. Nichts

ersetzt den eigenen Eindruck, die eigene Raumwahrnehmung, den eigenen

Blick. Was die Ausstellung jedoch ebenso wie eine gute Publikation

leisten kann, ist die Intensivierung der Wahrnehmung durch Recherche.

Von einer Architekturausstellung erwarte ich eine nachvollziehbare Kontextualisierung,

ein Offenlegen der Recherchemethoden und des wissenschaftlichen

Ansatzes, eine gute Aufbereitung der Information, die sorgfältig

ausgewählt sein muss. Ein gutes Display genügt dabei nicht nur

sich selbst, sondern führt den Besucher stimmig durch die Ausstellung.

Das Architekturerlebnis hingegen suche ich nicht in einer Ausstellung,

sondern am und im Objekt selbst.

Haben Sie den Eindruck, dass sich der öffentliche Diskurs

über Architektur und Stadtentwicklung in den letzten Jahren

intensiviert hat oder ist er eher schwächer geworden?

Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung im Bereich

der Baukultur und der Baukulturvermittlung ein?

Ich nehme wahr, dass Architekturthemen in den Tagesmedien kaum

mehr präsent sind. Sehr wohl diskutiert werden aber Themen wie „leistbares

Wohnen“. Architektur wird damit in österreichischen Tagesmedien

fast nur mehr in wirtschaftlichen Zusammenhängen besprochen. Ein

Grund dafür mag die Veränderung der Medienlandschaft selbst sein. Es

gibt kaum noch fest angestellte Fachredakteure in den einzelnen Ressorts,

die so komplexe Entwicklungen wie Stadtplanung oder Baukultur

über einen längeren Zeitraum beobachten könnten. Mit Architekturblogs

und kleineren „independent magazines“ hat sich aber auch so etwas wie

eine Szene gebildet, die mittlerweile ihre Diskurse selbst wählt und führt.

Ich halte gerade die neuen Architekturmedien und hier insbesondere die

Blogs für sehr spannend und lese selbst mehrere täglich. Vor allem der

schnelle und internationale Transfer interessiert mich hier und ich denke,

das ist eine sehr vielversprechende Entwicklung im Bereich der Architekturkommunikation.

Auch hier gibt es natürlich Unterschiede: Ich

rede nicht von den kommerziellen Bildermaschinen, die täglich 100 neue

Gebäude promoten. Für mich sind generell nach wie vor Fachmagazine

sowohl in Print- wie Onlineversionen die Informationsquelle Nr. 1. Diese

bedienen jedoch nur eine Teilöffentlichkeit. Ein öffentlicher Diskurs

07

Studio Mumbai (2011)

07

84


Das vai Vorarlberger

Architektur Institut wurde

1997 als Verein auf Initiative

der Mitglieder der Zentralvereinigung

der Architekten Vorarlbergs

gegründet. Es ist eines

von neun „Architekturhäusern“,

die sich der Vermittlung und

Förderung von Architekturqualität

und Baukultur zur Aufgabe

gemacht haben. Aufgrund

steigender Mitgliederzahlen

und im Hinblick auf die Vereinfachung

und Optimierung

der innerbetrieblichen Struktur

wurde die Geschäftsstelle im

März 2003 in die vai gemeinnützige

Vorarlberger Architektur

Dienstleistung GmbH

überführt. Finanziert wird das

vai durch die Wirtschaftsabteilung

des Landes Vorarlberg,

das Bundesministerium für

Unterricht, Kunst und Kultur,

die Stadt Dornbirn und die

Kammer für Architekten und

Ingenieurkonsulenten für Tirol

und Vorarlberg. Zusätzliche

Mittel werden über Mitgliederbeiträge,

Sponsoring und

Dienstleistungen erwirtschaftet.

Seit seiner Gründung hat

das vai zur Stärkung der Baukultur

in Vorarlberg beigetragen

und zunehmend an politischer

Relevanz gewonnen.

muss auch öffentlich geführt werden. Daher sind Tagesmedien enorm

wichtig, um Information breit zu streuen und allgemein verständlich zu

kommunizieren.

Wo sollte das vai in zehn Jahren stehen?

Ich wünsche mir, dass Architekturthemen nicht nur an der Oberfläche

diskutiert werden und dass durch unsere Arbeit für möglichst viele Menschen

erkennbar wird, welchen Beitrag gute Architektur für die Gesellschaft

leisten kann. Aus dieser Erkenntnis möchte das vai dazu beitragen,

dass immer mehr Menschen Fähigkeiten erwerben, um an Diskursen

und Entscheidungsprozessen teilzuhaben. Das setzt Wissen und Erfahrung

voraus. Hier wollen wir ansetzen. Darüber hinaus gibt es auch reale

Entwicklungen, die wir befördern wollen. Durch unsere kontinuierliche

Netzwerktätigkeit und wertschätzende Kommunikation möchte das vai

dazu beitragen, dass die Zusammenarbeit von Auftraggebern und Planern

eine Begegnung auf Augenhöhe ist.

85

Architektur als Exponat


Ulrich Müller

Architektur Galerie

Berlin

Seit 2010 geben Sie den Online-Kalender „AAB –

Architektur Ausstellungen Berlin“ heraus. Welche Idee

verfolgen Sie mit dieser Programmerweiterung?

Der AAB ist aus zwei Überlegungen heraus entstanden: Zum einen interessierte

mich von Anfang an, welche Programme die Kollegen entwickeln.

Denn obwohl die Galerie eine sehr eigenständige Idee verfolgt, lebt sie

natürlich von der ständigen Reflexion allgemeiner Entwicklungen, in die

sie schließlich eingebettet ist. Die permanente Überprüfung und Feinjustierung

der eigenen Arbeit betrachte ich als wichtige Grundlage für

eine erfolgreiche Galeriearbeit. Zum anderen haben sich viele Galeriebesucher

immer wieder danach erkundigt, welche Architekturausstellungen

ich ihnen in Berlin empfehlen kann. Der AAB erscheint alle zwei

Monate übrigens nicht nur online, sondern auch als Printausgabe und

liegt in allen relevanten Berliner Einrichtungen aus. Die Resonanz auf

den Ausstellungskalender sowohl von Besuchern als auch von Kollegen

war derart positiv, dass ich 2012 die Website „AAD – Architektur Ausstellungen

Deutschland“ gestartet habe. 2014 wurde sie nach zweijähriger

Recherchearbeit dann zu „AEX – Architecture Exhibitions International“

erweitert. Auf AEX sind aktuell mehr als 1400 Ausstellungsorte gelistet –

ein richtiges Mammutprojekt also. Da die Website inzwischen 3000 bis

4000 Klicks pro Woche hat, gehe ich davon aus, dass sie nicht nur von

Architekten genutzt wird. Die Überlegung geht deshalb dahin, sie auch

zu einem Informationstool für Städtereisende zu entwickeln. Außerdem

ist AEX im Moment lediglich eine passive Informationsplattform. In Zukunft

sollen die User auch aktiv eingebunden werden – da wir das alleine

nicht leisten können, hoffe ich, dass wir für dieses Vorhaben Partner finden.

Summa summarum kann man sagen, dass die Projekte AAB, AAD

und AEX Informationsplattform, Forschungsprojekt und Vernetzungsinstrument

zugleich sind.

Sie haben damit bereits einen Schritt in die Zukunft

gemacht. In welche Richtung werden sich Ihrer

Meinung nach Architekturausstellungen in den nächsten

Jahren entwickeln?

Die Antwort auf diese Frage möchte ich gerne auf zwei Ebenen verhandeln:

Über die erste – die formale – haben wir bereits gesprochen. Man

kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass sich Kuratoren und Ausstellungsmacher

in Zukunft stärker mit den Neuen Medien auseinandersetzen

müssen. Damit meine ich jedoch nicht, dass einfach mehr iPads in

Ausstellungen platziert werden. Meiner Erfahrung nach ist vielen Kollegen

noch nicht ausreichend bewusst, wie fundamental die Neuen Medien

104


07

Die Architektur Galerie

Berlin ist einer der weltweit

wenigen privaten Ausstellungsräume

für Architektur und

wurde 1999 gegründet. Seit

2006 befindet sie sich in der

Karl-Marx-Allee in Berlin-

Friedrichshain. Die Galerie

versteht sich als Forum für die

Auseinandersetzung mit Architektur

jenseits konventioneller

Ausstellungspraxis. Dabei

sollen vor allem die Potenziale

von Ausstellungen gegenüber

denen der Neuen Medien aus -

gelotet werden. In jährlich

sechs Ausstellungen international

renommierter Architekten

werden Ideen, Entwürfe und

Bauten deshalb in konzeptionellen

Installationen gezeigt,

die exklusiv für die Galerie

entworfen werden. Darüber

hinaus bilden Aus stellungen

über zeitgenössische Architekturfotografie

einen Schwerpunkt.

Ausstellungs projekte

wie „Architektur Landschaft

Fotografie“ und „Architektur +

Kunst – Dialoge“ wurden von

Institutionen wie der ETH

Zürich, der Architekturbiennale

in Venedig und der Kunsthalle

Wien übernommen.

bogevischs buero –

live (2012)

07

die Informationsströme und Wahrnehmungserfahrungen der potenziellen

Besucher verändern. Letztlich werden sich jene Konzepte behaupten,

denen es gelingt, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der virtuellen

und der realen Welt herzustellen. Die zweite Ebene betrifft die inhaltlichen

Aspekte: Die Gestaltung unserer gebauten Umwelt ist zunehmend

das Ergebnis von demokratischen Entscheidungsprozessen. Folgerichtig

ist das auch das große Ausstellungsthema der Zukunft. Es reicht jedoch

nicht aus, diese Prozesse lediglich darzustellen. Derartige Ausstellungen

müssen zugleich auch Plattformen für Austausch und Begegnung werden.

Für diese Art von Verknüpfung gibt es ja bereits viele gute Beispiele.

Parallel zu den globalen Tendenzen der Architekturproduktion wird sich

die inhaltliche Schere zwischen Ausstellungen über Stararchitekten und

diskursiven Ausstellungen weiter öffnen. Wichtiger ist jedoch die Beobachtung,

dass die Anzahl an Ausstellungsorten stetig steigt. Das gesellschaftliche

Interesse an der Auseinandersetzung mit Architektur ist also

groß und nimmt weiter zu! Deshalb würde ich abschließend gerne einen

Wunsch äußern – auch wenn Ihre Frage nicht darauf abzielte: Für die Zukunft

hoffe ich, dass es in Deutschland ein zentrales Architekturinstitut

gibt, in dem sich das enorme Know-how aller Kollegen frei von ökonomischen

Zwängen bündeln kann.

105

Architektur als Exponat


Arno Ritter

aut. architektur

und tirol

aut. architektur und

tirol (vormals Architekturforum

Tirol) wurde 1993 als

viertes „Haus der Architektur“

in Österreich gegründet und

startete 1994 mit ersten öffentlichen

Veranstaltungen in den

Räumlichkeiten in der Erlerstraße

1 in Innsbruck. Durch

den Umzug in das Sudhaus des

Adambräu 2005 konnte das aut

seine Position als Kulturinitiative

in Tirol nochmals stärken.

Dort stehen mehrere, parallel

bespielbare Ausstellungsflächen

und die aut: lounge

als Kommunikationsraum

zur Verfügung. Das aut, sein

Ausstellungs- und Begleitprogramm

werden aus Mitteln der

öffentlichen Hand – Subventionen

kommen vom Bundesministerium

für Unterricht,

Kunst und Kultur, vom Land

Tirol/Abteilung Kultur, von der

Stadt Innsbruck sowie der Kammer

der Architekten und Ingenieurkonsulenten

für Tirol und

Vorarlberg –, Geldern aus der

privaten Wirtschaft, Erträgen

aus Dienstleistungen sowie den

Beiträgen der Vereinsmitglieder

finanziert. Seit 1995 ist Arno

Ritter organisatorischer und

inhaltlicher Leiter des aut und

wird dabei derzeit von einem

Team aus vier Mitarbeiterinnen

unterstützt.

Deswegen kann eine Ausstellung auch ganz traditionell und

klassisch sein, wie 2012 bei der Werkpräsentation des portugiesischen

Pritzker-Preisträgers Álvaro Siza „Von der Linie zum Raum“. In dieser haben

wir ausschließlich seine Skizzen zu einigen Projekten sowie Arbeitsmodelle

gezeigt. Ganz simple und unspektakuläre Modelle, auf denen er

skizziert hat, an die angebaut und angeklebt wurde. Durch die Kombination

der Skizzen mit den lapidaren Modellen konnte man Siza fast beim

Entwerfen und Weiterdenken der Projekte zusehen.

Die Präsentation des Schweizer Architekturbüros Miller & Maranta

im Jahr 2006 war im Gegensatz dazu eine sehr haptische Ausstellung und

präsentierte in Form von Referenzobjekten – Stühle, Teppiche, Materialproben,

aber auch gedruckte Fotos, Texte, Pläne – einen vielschichtigen

Einblick in die Arbeitsmethode der Architekten. Man konnte wahrnehmen,

wie diese Ausstellung von den Besuchern „benutzt“ oder „angegriffen“

wurde. Eine ähnliche Erfahrung konnte ich mit den Ausstellungen

von Volker Giencke und von numen/for use machen, die beide

auf direkte und körperlich erfahrbare Weise das Thema Raumproduktion

sichtbar und spürbar gemacht haben. Grundsätzlich kann ich nur sagen:

In all den Jahren, in denen ich mich mit dem Thema Ausstellen beschäftige,

habe ich immer wieder die Erfahrung gemacht, dass man dem Besucher

mehr zutrauen kann, als gemeinhin vermutet wird.

124


Peter Cachola Schmal

Direktor, Deutsches Architektur museum,

Frankfurt am Main

Kontinuität zu

entwickeln, das ist der ganz

schwere Akt.

125

Architektur als Exponat


Dietmar Steiner

Architekturzentrum

Wien

03

03

WeinArchitektur –

Vom Keller zum Kult (2005/06)

04


06

Ich wohne, bis ich 100 bin

(2005/06)

Kuratoren

haben oftmals

einen Tunnelblick

und glauben, jeder

weiß eh schon

das, was sie selbst

wissen.

04

142

05


Die Ausstellung WeinArchitektur

– Vom Keller zum

Kult (22.09.2005–06.02.2006)

präsentierte neben einer differenzierten

Bestandsaufnahme

der kulturellen Situation und der

wirtschaftlichen Rahmenbedingungen

in Österreich seit den

80er Jahren einen Überblick

über rund 20 internationale Bauten

für den Wein vom Schlossweingut

bis zur Hightechfirma.

Die Ausstellung begeisterte

nicht nur die österreichische

Wein-Community und war

viele Jahre die meistbesuchte

Ausstellung des Architekturzentrums.

Für das Az W realisierte

der Architekt und Künstler

Alexander Brodsky eine

die gesamte Ausstellungshalle

einnehmende Installation mit

dem Titel „It still amazes me that

I became an architect“, die vom

30. Juni bis zum 03. Oktober

2011 gezeigt wurde.

Wanderausstellung mit schönen kleinen Modellen, Bildern und Texten,

die extrem wenig Aufwand für uns bedeutet. Andere Ausstellungen, an

denen wir manchmal bis zu drei Jahre und mit großem kuratorischem

Aufwand arbeiten, erreichen weitaus niedrigere Besucherzahlen. Die

machen wir aber trotzdem, weil sie uns ein Anliegen sind.

Sehr erfolgreich war die Ausstellung WeinArchitektur. Die

hatte wohl ein Österreich-spezifisches Lokalkolorit. Es ging um die in

den 1980er Jahren entstandene neue Weinkultur – sowohl die Qualität

des Weines als auch die Qualität der dazugehörigen Degustationsräume

und Weinkeller betreffend. Wesentlich sind immer wieder Ausstellungen,

die thematisch an die Lebenswirklichkeit der Menschen herangehen,

zum Beispiel 2009 die Wohnbauausstellung „Ich wohne, bis ich 100

bin.“, deren Ziel die Vermittlung von alternativen Wohnformen im Alterwar,

um mit herkömmlichen Vorstellungen oder Klischees aufzuräumen.

Es sind immer wieder auch Entdeckungen, wie die Ausstellung über den

russischen Künstler und Architekten Alexander Brodsky. Dieser

hat eine die gesamte Ausstellungshalle einnehmende, große Rauminstallation

gemacht. Darauf gab es großartige Reaktionen.

Sie haben vorhin das Thema Architekturvermittlung

angesprochen. Wie definieren Sie persönlich Architekturvermittlung

und ist das Medium Ausstellung für die

Architekturvermittlung überhaupt geeignet?

Alles, was man über Architektur zeigt, spricht und schreibt, ist Architekturvermittlung.

Ich halte Ausstellungen für ein geeignetes Medium dafür

– trotz der Präsenz virtueller Welten. Wir beobachten, dass den Menschen

immer noch viel daran liegt, an einen besonderen Ort mit einer

besonderen Atmosphäre zu gehen. Es ist wichtig, diese besondere Form

der haptischen Verwicklung und der haptischen Begegnung zu ermöglichen.

Nach wie vor ungebrochen ist auch die Sehnsucht nach realen Architekturmodellen.

Architekturvermittlung oder auch Architekturmuseen

haben ja das Problem, dass sie eben nicht reale Häuser ausstellen,

sondern immer Derivate.

06

Wie kann man Ihrer Meinung nach Architektur am

besten ausstellen?

Architektur kann man am besten ausstellen, indem man ein dafür passendes

räumliches Ambiente schafft. Das überzeugt am meisten. Deshalb

beschäftigen wir für unsere Ausstellungsgestaltung auch kaum Grafiker,

sondern junge Architekten, richtige Stagedesigner oder Künstler,

die im Installationsbereich arbeiten.

143 Architektur

Architektur als Exponat


ADRESSEN

Berlin

Gelsenkirchen

Frankfurt

Wien

München

Basel

Dornbirn

Innsbruck

148


ADRESSEN

Berlin

Deutsches Architektur

Zentrum (DAZ)

Köpenicker Str. 48/49

D-10179 Berlin

www.daz.de

Aedes am Pfefferberg

Christinenstr. 18-19

D-10119 Berlin

www.aedes-arc.de

Architektur Galerie Berlin

Karl-Marx-Allee 96

D-10243 Berlin

www.architekturgalerieberlin.de

Gelsenkirchen

M:AI Museum für Architektur

und Ingenieurkunst NRW

Leithestr. 33

D-45886 Gelsenkirchen

www.mai-nrw.de

Frankfurt

Deutsches

Architekturmuseum (DAM)

Schaumainkai 43

D-60596 Frankfurt am Main

www.dam-online.de

München

Architekturgalerie München e.V.

Türkenstraße 30

D-80333 München

www.architekturgalerie-muenchen.de

Architekturmuseum der

TU München

Ausstellungsräume:

Pinakothek der Moderne

Barer Straße 40

D-80333 München

www.architekturmuseum.de

Wien

Architekturzentrum Wien

Museumsplatz 1

A-1070 Wien

www.azw.at

Innsbruck

aut. architektur und tirol

Im Adambräu

Lois Welzenbacher Platz 1

A-6020 Innsbruck

www.aut.cc

Dornbirn

Vorarlberger Architektur

Institut (vai)

Marktstraße 33

A-6850 Dornbirn

www.v-a-i.at

BASEL

S AM Schweizerisches

Architekturmuseum

Steinenberg 7

CH-4001 Basel

www.sam-basel.org

149 Architektur

als Exponat

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