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K I N D E R - G O T T E S D I E N S T - G E M E I N D E

KGG Nr. 77 – 16. Jahrgang - 2008/2009

Einander ein Segen sein

Fest Heilige Familie - Sonntag in der Weihnachtsoktav

Für 3- bis 14-Jährige

Inhaltsverzeichnis

Zum Thema ...........................Seite 01

Schrifttexte ............................Seite 02

Symbol: Patchwork-Decke .....Seite 05

Geschichten ...........................Seite 06

Segensgebete .........................Seite 07

Segensritual ...........................Seite 12

Gottesdienst-Elemente ..........Seite 14

Lieder .....................................Seite 17

Quellenangaben ....................Seite 21


Fest Heilige Familie - Sonntag in der Weihnachtsoktav

Einander ein Segen sein

ZUM THEMA

Das Fest der Heiligen Familie, das am Sonntag zwischen Weihnachten und Neujahr gefeiert wird, liegt in einer

sensiblen Zeit in bezug auf das Thema Familie. Viele Menschen leiden darunter, dass sich das Familienleben

nicht so gestaltet, wie sie es sich wünschen – was besonders an den Feiertagen spürbar wird. Anderen Menschen

wird gerade in diesen Tagen das Fehlen einer eigenen Familie und das Alleinsein besonders schmerzhaft

bewusst.

Andrerseits ist es auch eine Zeit, in der glückliche Familien sich besonders beschenkt und von Herzen dankbar fühlen.

Für die Gestaltung von Kinderliturgie anlässlich dieses Festes halte ich es für unabdingbar, die Verschiedenheit

der Befindlichkeiten der Mitfeiernden, besonders auch der Kinder, im Blick zu haben und nicht jene, die

sich in diesen Tagen ohnehin schon gebrochen fühlen noch einmal mit idealisierten und überhöhten Bildern

von Familie zu verletzen. Familien werden eher unterstützt durch ein Reduzieren überhöhter Ansprüche und

Erwartungen.

Zudem ist bei aller Wertschätzung für gelingendes Familienleben zu beachten, dass Familien nicht „von Natur

aus“ heile Welten sind. Familien sind auch jene Orten, an denen eine Vielzahl von Spannungen zwischen Eltern

und Kindern erlebt werden – und das müssen noch gar nicht gewaltvolle Übergriffe sein. Familien sind

Orte, wo Eltern an Kindern schuldig werden, auch wenn sie sie lieben, wo Kinder den Eltern mehr abfordern

als diese beim besten Willen geben können. Dazu sind sie Orte, wo Geborgenheit und Unterstützung erfahren

werden können, Verbundenheit und Fürsorge, Einheit in der Vielfalt von Persönlichkeiten und Generationen.

DEN

War die Heilige Familie wirklich die „Idealfamilie“, als die sie oft hingestellt wird?

Die – zugegebenermaßen zugespitzten – Bilder, die vor unseren Augen vielleicht entstehen, mit dem Vater an

der Werkbank, der hausfraulichen fleißigen Mutter und dem untertänigen braven Kind fern der bösen Welt

sind keine biblischen Bilder, sondern Bilder aus viel späteren Zeiten, die ein biedermeierliches Wunschbild

zum Ausdruck bringen. Das Fest Heilige Familie wurde in der röm.-kath. Kirche erst 1920 verbindlich eingeführt.

Jesus ist wohl in der Geborgenheit einer Familie aufgewachsen, in einer Familie mit allen Höhen und Tiefen

eines Familienlebens, wie uns auch die Bibeltexte der drei Lesejahre für das Fest Heilige Familie zeigen, inkl.

Flucht nach Ägypten, Vorahnungen einer besonderen Lebensaufgabe, pubertärer Alleingänge. Eine Idealisierung

der Familie war jedenfalls nicht Hauptlinie der jesuanischen Verkündigung. „Im NT finden sich zwei

verschiedene Tendenzen: Einerseits zeigt sich eine starke Relativierung der Familienbindung: Jesus lebt – jedenfalls

während der Zeit seines öffentlichen Auftretens – außerhalb seiner Familie (Mk 3,20f) und fordert

von seinen Jüngern und Jüngerinnen das Gleiche, wegen des nahen Reiches Gottes (Mk 10,21; Mt 8,21f); an

die Stelle der leiblichen Familie soll für sie die ‚geistliche Familie’ treten, also die Gemeinschaft derer, die

Jesus nachfolgen (Mk 3,33-35;10,29f); [...] Andererseits entwickelt sich schon bald im Urchristentum eine

christl. Familienethik, die die Familie als Kernzelle der Gemeinde anerkennt (vgl. 2 Tim 1,5 und öfter in den

Pastoralbriefen).“, so formuliert es Herders Neues Bibellexikon unter dem Stichwort „Familie“.

Die „Geistliche Familie“ ist für Jesus Christus wichtig. Als Christinnen und Christen, verbunden durch den Geist

Jesu Christi, sind wir einander Bruder und Schwester. Wir alle gehören zur Familie Jesu und niemand soll sich

ausgeschlossen oder alleine fühlen müssen.

Viele von uns leben in einer Familie mit Eltern, Großeltern, Bruder und Schwester. Aber alle haben wir einen

gemeinsamen Vater, eine gemeinsame Mutter im Himmel. Wir alle sind durch die Liebe Gottes untereinander

verbunden, tragen füreinander Sorge und freuen uns aneinander.

Das Zusammenleben in verschiedenen Gemeinschaften (Familien, Pfarrgemeinden, KollegInnenschaft, ...)

glückt, wenn es gelingt, einander ein Segen zu sein. Dazu braucht es Achtsamkeit für die unterschiedlichen

KGG NR. 77

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