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Mit 66 Oldenburg 2018 - kuw.de

Vertrauen ist das

Vertrauen ist das Fundament Mehr als 31 Millionen Bundesbürger tun es: Sie nehmen sich Zeit für andere und engagieren sich ehrenamtlich in sportlichen, sozialen, kulturellen oder ökologischen Projekten. Eine spezielle Aufgabe ist die Arbeit der Seniorenbegleiter. Seit das Modell Großfamilie immer seltener vorkommt, leben in Deutschland mehr und mehr ältere Menschen allein und haben niemanden, mit dem sie sich regelmäßig aussprechen, treffen und etwas unternehmen können. Wer nicht den Mut hat, Kontakt zu anderen Menschen zu knüpfen oder sich allein auf den Weg zu machen, droht zu vereinsamen. Seniorenbegleiter sollen Abhilfe schaffen. Seniorenbegleiter leisten älteren Menschen Gesellschaft und haben ein offenes Ohr für ihre Bedürfnisse und Sorgen. Sie begleiten Senioren zu Veranstaltungen, zum Kirchgang oder beim Spaziergang, machen mit ihnen Gesellschaftsspiele oder lesen vor. Aufgaben im Haushalt und in der Pflege gehören jedoch nicht zum Tätigkeitsfeld. 30 Auch in Oldenburg nehmen immer mehr ältere Menschen das Angebot der ehrenamtlichen Seniorenbegleitung, das Senioren- und Pflegestützpunkt Oldenburg seit einigen Jahren anbietet, in Anspruch. Zurzeit sind 40 im Einsatz. Manchmal entstehen Freundschaften Ein gelungenes Begleitungsbeispiel ist die Geschichte von Gunda Schulze und der allein lebenden Rentnerin Ingeborg Rohlfs. Über ihre Tochter war die 87-Jährige zur Seniorenbegleitung gekommen. Das ist jetzt vier Jahre her. Von Anfang an habe die „Chemie“ zwischen den beiden gestimmt, resümieren die Frauen. „Wenn ich Dich nicht getroffen hätte, wäre mein Leben anders und nicht so abwechslungsreich verlaufen“, sagt die Wahloldenburgerin Ingeborg Rohlfs zu ihrer Begleiterin. Besonders nach dem Schlaganfall und der starken Sehbehinderung war ihr autonomes Leben von jetzt auf gleich in der alten Form vorbei. Langsam und stetig entwickelte sich die Beziehung. Heute existiert ein so großes Vertrauensverhältnis, das über die Betreuung hinaus reicht. Sogar die Familien kennen sich inzwischen. Getroffen wird sich einmal pro Woche und je nach Anlass, denn auf dem Unternehmungsprogramm stehen Konzertbesuche, kulturelle Veranstaltungen, Kartenspiele, Ausflüge an den Strand oder in den Park Mit Rummikub und Spaziergängen fing alles an: In vier Jahren hat sich zwischen Seniorenbegleiterin Gunda Schulze (64) und Ingeborg Rohlfs (87) eine Freundschaft entwickelt. Foto: Gisela Müller der Gärten, sogar die eine oder andere gemeinsame Reise. „Ich würde auch nichts machen, was mir selbst keinen Spaß macht“, sagt Seniorenbegleiterin Gunda Schulze. Sie hatte schon während ihres Berufslebens entdeckt, wie wohltuend ehrenamtliche Arbeit ist, als sie der Tante wöchentlich zum Teetrinken und Spazierengehen einen Besuch abstattete. „Sicher sind nicht alle Begleitungssuchenden so offen“, vermutet die 64-Jährige. „Frau Rohlfs und ich zählen wohl eher zu den Ausnahmen von der Regel – und wir freuen uns sehr darüber.“ Ein Geben und Nehmen Ute Schmitz lebt die ehrenamtliche Arbeit trotz ihrer Hörbehinderung bereits seit vielen Jahren. Die 74-Jährige ist über das DRK in die soziale Arbeit gerutscht. „Mich haben schon immer Menschen fasziniert, die sich ehrenamtlich einsetzen.“ Seitdem ist Sozialarbeit ihr Leben. Über das Seniorenbüro der Stadt Oldenburg wechselte sie vor ein paar Jahren zur Arbeit als Seniorenbegleitung. Ein Glücksfall für die 86-Jährige Rentnerin Inge Holzhüter, die dringend Unterstützung brauchte. Denn seit vier Jahren kann sie sich über eine Begleitung freuen, die ihr das Leben leichter macht. Bekannte hatten ihr den Tipp gegeben, sich beim Senioren- und Pflegestützpunkt Oldenburg zu melden. „Wir beide waren auf den ersten Blick auf einer Wellenlänge“, sagt Ute Schmitz. „Damit war der Einstieg nicht schwer.“ Trotz extremer Gehbehinderung, die sie seit Jahren an die Wohnung fesselt, gibt sich Inge Holzhüter kämpferisch. „Auch wenn es noch so lange dauert, ich mache zu Hause so viel wie möglich selbst.“ So treffen sich die beiden Frauen regelmäßig zur Freizeitgestaltung, zu Gesprächen, zum Fotos schauen oder Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spielen. Mit 66

Lebenslust Hobby und Engagement Info Haben sich auf den ersten Blick gut verstanden: Seniorenbegleiterin Ute Schmitz (75) (rechts) lässt sich von Inge Holzhüter (86) das Familienfotoalbum zeigen. Foto: Gisela Müller „Das Schöne an der ehrenamtlichen Arbeit ist, dass es einmal nicht um Geld geht, sondern einfach ums Gebrauchtwerden“, schwärmt Ute Schmitz. Seniorenbegleiter kann jeder werden, der gesundheitlich fit und bereit ist, ehrenamtlich zu arbeiten und sich zum Seniorenbegleiter ausbilden lässt. Das können sowohl rüstige Rentner als auch jüngere Leute sein. Seniorenbegleiter sollten ein gutes Einfühlungsvermögen, Geduld, Verständnis und einige Lebenserfahrung mitbringen sowie gut zuhören können. Überdies sollten sie gern mit Menschen umgehen und die Fähigkeit sich selbst zurückzunehmen. (GIM) W Informationen zur ehrenamtlichen Seniorenbegleitung gibt es beim Seniorenund Pflegestützpunkt unter Tel. 0441 235-3880 oder persönlich in der Straßburger Straße 8/Ecke Karlstraße, in der Zeit von montags bis freitags, 10:00 bis 13:00 Uhr, sowie donnerstags, 14:00 bis 17:00 Uhr. Zudem gibt es einen Flyer mit den wichtigsten Angaben. In der Stadt Oldenburg gibt es noch weitere Stellen, die Seniorenbegleiter vermitteln. Übrigens: Ein Fahrdienst umfasst die Arbeit des ehrenamtlichen Seniorenbegleiters nicht. Engagement hat keine Altersgrenze Unterstützen Sie das Deutsche Rote Kreuz in und um Oldenburg! Mit 66 31