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Die Wirtschaft 06_2015

Die Wirtschaft

Macher & Märkte: Interview mit BDA-Präsident Kramer Seite 4/5 Geld & Geschäft: Misch-Fonds schützen vor Turbulenzen Seite 17 Branchen & Betriebe: Ziegelei Schüring ist Ton angebend Seite 9 DIE WIRTSCHAFT Münster | Münsterland www.agravis.de Aschendorff Verlag GmbH & Co. KG Soester Straße 13, 48155 Münster ZKZ 88690 PVST Ausgabe 6/15 www.die-wirtschaft-muensterland.de Preis: 2,00 Euro Firmen im Münsterland verlieren 800 Millionen Euro Wirtschaftsspionage und Cyber-Attacken schädigen vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen. Laut Statistik war jeder zweite Betrieb bereits von einem Angriff betroffen. Die aktuelle Hochrechnung lässt Schlüsse zu: Wenn bundesweit der jährliche Schaden durch Wirtschaftsspionage auf rund 50 Milliarden Euro geschätzt wird, dann tragen auch Unternehmen im Münsterland eine schwere Bürde. Rund 800 Millionen Euro büßen sie demnach pro Jahr dadurch ein, dass ihnen zumeist klammheimlich wertvolles Wissen gestohlen wird. Wer vermutet, dass sich diese Attacken nur gegen die „Großen“ richten, der irrt. „Kleine und mittlere Unternehmen, die in ihrer Branche Know-how-Träger sind, stellen sogar das Hauptangriffsziel dar“, berichtet Volker Hinzen vom NRW- Verfassungsschutz. In seinem im Innenministerium angesiedelten Referat „Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz“ bemühen sich Experten um mehr Sicherheit für die über 760 000 Unternehmen in Nordrhein-Westfalen. Volker Hinzen: „400 000 von ihnen hatten im weitesten Sinne schon mit Wirtschaftsspionage oder einer Form der Ausspähung zu tun.“ Für kleinere Unternehmen könne so ein Vorgang sehr schnell existenzgefährdend sein. Der Experte rät zu erhöhter Vorsicht und warnt vor Gutgläubigkeit. Einen einhundertprozentigen Schutz gebe es vor allem in der mehr und mehr digitalisierten Wirtschaftswelt nicht. „Sie sollten als Unternehmen aber genau wissen, welche Gerade im Netz bieten sich für Wirtschaftsspione viele Angriffsflächen. ‚Kronjuwelen‘ sie besitzen und wie sie diese sicher verwahren können“, erklärte Hinzen kürzlich bei einem Vortrag im Rahmen des VDI-Forums „Industrie konkret“ in Münster. Den Ingenieuren gerieten zeitweise ins Staunen, als der Verfassungsschützer aus der täglichen Praxis berichtete und die Trickkiste der Spione öffnete. In einer Studie des Branchenverbandes Bitkom wird darauf verwiesen, dass die KMU überwiegend nicht „cyber-ready“ Foto: Shutterstock seien. Im Klartext: Sie seien zum größten Teil den Attacken schutzlos ausgeliefert und hätten nicht einmal eine Gegenstrategie. wk ► Fortsetzung auf Seite 2 und 3 OFFEN GESAGT Tag für Tag in Gefahr Seit 2011 unterhält das Landeskriminalamt ein sogenanntes Cybercrime-Kompetenzzentrum. Eine hinsichtlich Prävention und Recherche fortschrittliche Einrichtung, die in den Folgejahren oft kopiert wurde. Umso erschreckender ist, dass die Kriminellen, die auch für die Wirtschaftsspionage nicht mehr nur Smartphones und Tablets, sondern gleich interne Netzwerke attackieren, im Wettlauf weiter die Nase vorne haben und auch den Unternehmen im Münsterland schaden. Mal merken es die betroffenen Firmen nicht, dass man sie ausspioniert hat, mal suchen sie schamhaft keinen Kontakt zu den Ermittlern. Aber ist es so peinlich einzugestehen, dass man bei den eigenen IT-Strukturen die allerletzten Sicherheitslücken (noch) nicht geschlossen hat? Experten brauchen, gerade weil sich die Datenströme auf den digitalen Autobahnen mehr und mehr beschleunigen, jeden Hinweis. Wer verschweigt, dass man ihn attackiert hat, verhindert wiederum Verbesserungen beim Schutz. Damit wächst die tägliche Gefahr. Die IT-Hersteller wiederum sollten konzeptionelle Schwächen nicht mehr verschweigen, sondern ihre Kunden offen informieren. Nur so können diese bewusst entscheiden, wo sie ihr Kern-System – die „Kronjuwelen“ – lagern. wk „Wir brauchen Verbündete“ LWL-Chef Löb: Planung des Landes bevorzugt Rheinland und Ruhrgebiet Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Matthias Löb, warnt vor einer Bevorzugung von Rheinland und Ruhrgebiet. Im Entwurf des Landesentwicklungsplanes würden lediglich diese beiden so genannten Metropolregionen benannt. Das ist der nächste Schritt für eine Dreiteilung des Landes“, sagte Matthias Löb in diesen Tagen vor der LWL- Landschaftsversammlung. „Wenn 4 198869 002009 2 0 0 5 1 große und bevölkerungsreiche Regionen wie das Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen nicht genannt werden, dann werden sie in Düsseldorf auch nicht auf dem politischen Radar sein.“ Der Verdacht dränge sich auf, dass die sogenannten Metropolregionen künftig bevorzugt berücksichtigt werden sollen, wenn es um Fördermittel der Europäischen Union, des Bundes oder des Landes Nordrhein-Westfalen gehe. Es reiche aber nicht, einfach nur gegen eine Benachteiligung zu sein, so Matthias Löb weiter. „Wir müssen Verbündete suchen und den Teilregionen Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und Südwestfalen einen gemeinsamen Auftritt als Gegengewicht verschaffen.“ Der LWL-Direktor will laut einer Pressemitteilung des Landschaftsverbandes an einem Schulterschluss von Wirtschaft und Politik mitarbeiten, um die „mittelstandsgeprägte Wachstumsregion Westfalen-Lippe“ in die Köpfe zu bekommen. Erste Ansätze dafür gebe es bereits. Matthias Löb: „Im Münsterland arbeiten fast 26 Prozent, in Ostwestfalen- Lippe über 29 Prozent und von den Südwestfalen sogar 38,5 Prozent der Beschäftigten in der Produktion, in den sogenannten Metropolregionen gibt es nur noch etwa 20 Prozent Industriearbeitsplätze. Westfalen ist eben viel mehr als Pferde, Pils und Pumpernickel, und darum brauchen wir auch ein anderes Bild unserer Region in den Köpfen.“ Wir helfen wachsen.