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EDITORIAL

www.traders-mag.com 10.2015

Marko Gränitz

Stellvertretender Chefredakteur

Emotionales Trading

» In der letzten Ausgabe haben wir es schon angedeutet: Es kann ein großes Hindernis sein,

wenn man sein Handelskonto als echtes Geld ansieht. Der Grund sind unsere Emotionen, die

uns davon abhalten können, das Richtige zu tun. Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt – das

sind die Extreme, die man an der Börse erlebt. Und das ist ein echtes Problem.

Denn dadurch, dass wir emotional reagieren, fällt es uns schwer, objektiv zu entscheiden und

das Richtige zu tun. Und dabei ist es egal, ob es um positive oder negative Emotionen geht. Um

Angst oder Gier. Panik oder Euphorie.

Unsere Emotionen resultieren daraus, dass wir Trading mit Geld in Verbindung bringen. Und

Geld wird in unserer Gesellschaft mit Sicherheit gleichgesetzt. Wer Geld gewinnt, gewinnt Sicherheit,

wer es verliert, verliert Sicherheit – so unser Denken. Und das ist schädlich. Denn es

sorgt dafür, dass wir das tun, wonach wir uns gerade fühlen (statt das, was das Richtige ist).

So machen wir Fehler, die wir später selbst als lächerlich bezeichnen. Fehler, die nur ein Idiot

machen kann. Und wenn wir emotional entscheiden, dann sind wir Idioten. Denn in diesem

von Ängsten gesteuerten Zustand regiert der primitive Teil unseres Gehirns über unser Handeln,

und nicht der viel bessere analytische Teil.

Wie lässt sich dieses Dilemma lösen? Eine Variante ist es, Trading so weit wie möglich vom

Begriff Geld zu distanzieren. Natürlich ist es am Ende Geld, mit dem gehandelt wird. Aber statt

ständig mitzurechnen, was man sich vom aktuellen Gewinn alles kaufen könnte (oder auf was

man beim aktuellen Verlust alles verzichten muss), ist es viel hilfreicher, das Handelskonto

möglichst abstrakt zu betrachten. Den Kontostand zum Beispiel in Punkten zu sehen, wie in

einem Videospiel.

Das mag nach Zocken klingen, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Denn gezockt wird immer

dann, wenn wir emotional handeln. Und genau das soll ja unterbunden werden, wenn es um

Punkte statt Euro geht. Sicher, es ist nicht einfach, das Handelskonto wirklich mental abzuschreiben

und in Punkten zu führen. Aber es ist die Mühe wert. Selbst, wenn man sich nur ein

bisschen vom Begriff Geld entfernen kann, ist schon einiges getan, um die Emotionen nicht

mehr so schnell aufkommen zu lassen. «

Good Trading,

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